Halloween

„Komm schon Leo!“

„Ja, beeil dich! Wir wollen los!“

Zorro zog an meinem Arm, während die kleine Prinzessin im rosa Tüllkleid aufgeregt vor der Haustüre auf und absprang.

„Moment ich brauch nur noch meinen Umhang.“

Nur widerwillig ließ der kleine Zorro meine Hand los. Ich warf mir das schwarze Cape über die Schultern und betrachtete mich im Spiegel. Ein bleiches Gesicht mit schwarzumrandeten Augen sah mir entgegen. Der Mund war Blutrot und die schwarzen Haare mit Gel zurückgekämmt. So wie man sich den klassischen Film-Dracula vorstellte.

Ich verdrehte bei dem Anblick die Augen.

Doch die Prinzessin und Zorro hatten darauf bestanden.

„Okay, dann lasst uns eure Süßigkeiten sammeln. AUFSTELLUNG!“, rief ich beiden zu.

Vor der Türe stellten sie sich nebeneinander. Beide traten ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Ich rückte die goldene Krone der Prinzessin wieder etwas zurecht. Danach drückte ich Zorro sein Florett in die Hand, das er mal wieder irgendwo liegen gelassen hatte.

Anschießend stemmte ich meine Hände in die Hüften und sah sie herausfordernd an.

„Und was rufen wir wenn jemand die Türe aufmacht?“

„Süßes oder Saures!“, kreischten beide augenblicklich so laut, dass es fast schon den Ohren wehtat.

„Okay, dann wollen wir es mal hinter uns bringen.“

„Es soll dir aber auch Spaß machen!“, beschwerte sich Jasmin, meine kleine Schwester, und schob ihre Unterlippe vor. Scheinbar hatte ich den falschen Ton angeschlagen. Sie zeigte wieder arge Tendenzen zu schmollen. Und das würde mit Sicherheit den ganzen Abend noch anstrengender machen.

„Hey, du weißt doch, dass ich immer gerne was mit dir mache.“, beschwichtigte ich sie, was scheinbar auch ausreichte. Als ich die Haustüre öffnete, rannten beide schon wieder völlig kopflos aus dem Haus, und den kurzen Gehweg entlang.

Kopfschüttelnd folgte ich ihnen.

Eigentlich mochte ich dieses Fest ja nicht. Für mich war es einfach nur ein Feiertag zu dem ich keinen Bezug hatte. Doch bei uns im Dorf gab es scheinbar ein Kind, dass heute Abend an den Haustüren klingeln wollte.

Was ja eigentlich auch nicht schlimm war.

Zu meinem bedauern bekam das jedoch der kleine Heimatverein des Dorfes mit. Normalerweise veranstaltete der im Sommer das Dorffest, im Winter den Rodelwettbewerb auf einem kleinen Hügel und pflegte in der restlichen Zeit das Denkmal in der Dorfmitte für die im Krieg gefallenen.

Jetzt hatte der Verein jedoch seinen Informationsapparat in Gang gesetzt; was hieß es wurde getratscht. Nach ein paar Stunden wusste jeder Haushalt im Dorf, dass man am einunddreißigsten Oktober Süßigkeiten im Haus haben sollte, die man verteilen konnte.

Das war die gute Sache. Immerhin wünschte auch ich es keinem Kind enttäuscht zu werden. Doch die andere war, dass fast alle, besonders die Kinder, von dem Halloween-Virus angesteckt wurden.

Und nun wollten sie ebenfalls diesen importierten Kürbistag feiern.

Leider waren Jasmins und meine Eltern bei Olafs Eltern zum Geburtstag eingeladen. Und so wurde ich dazu auserkoren auf zwei kleine Verrückte aufpassen.

„Wo wollt ihr als erstes hin?“, fragte ich und deute mit meiner Hand auf das linke Haus, in dem auch Olaf wohnte.

„Nein!“

„Nicht dahin!“

Etwas verwirrt sehe ich sie an. „Aber da sind unsere Eltern. Die wollen doch auch eure Kostüme sehen.“

„Deshalb ja. Bei denen bekommen wir nur wieder gute Ratschläge.“

„Bleibt nicht so lange auf.“

„Macht was Leo euch sagt.“

„Ärgert die Leute nicht.“

„Esst nicht alle Schokolade auf einmal.“

Olaf und Jasmin beteten diese Litanei herunter als hätten sie sie einstudiert. Gegen so viel Kinderlogik konnte ich nichts ausrichten, auch wenn es mich schon störte, dass sie den Satz »Macht was Leo euch sagt« mit aufführten.

Notgedrungen schlugen wir in die entgegen gesetzte Richtung ein.

Den nächsten Gartenweg bog Jasmin wieder ein.

Olaf schlug mit seinem Florett nach einem Busch Herbstastern. Bei dem aufklatschenden Geräusch sah ich noch entsetzt hin und wollte ihn schon zu Recht weisen. Doch als einige der Blüten auf den Boden fielen, drückte meine Schwester schon auf die Klingel und ich tat lieber als hätte ich nichts bemerkt.

In der Diele ging das Licht an und Frau Krämer öffnete die Türe.

„Süßes oder Saures!“

Die Beiden hielten ihr ihre Beutel erwartungsvoll entgegen.

„Oh was haben wir denn da?!“

Frau Krämer war schon immer vernarrt in alle Kinder. „Eine wunderschöne Prinzessin und der Rächer mit der schwarzen Maske!“

„Sí, me llamo Zorro.“, sagte Olaf in fast perfektem Spanisch während Jasmin einen ebenso fast perfekten Hofknicks machte. Ich hatte knapp eine Stunde gebraucht um ihnen das beizubringen. Auch wenn ich meine Aufgabe nicht wirklich mochte; was macht man nicht alles für seine kleine Schwester.

„Ohhh! Wie süß!“, kam es auch wie erwartet von unserer Nachbarin.

Sie nahm eine Schüssel von ihrer Kommode und suchte darin herum.

„Da muss ich doch was ganz besonderes suchen!“

Sie zog zwei Orangen aus der Schüssel und ließ sie in die offenen Beutel fallen. Ich sah schon wie die lachenden Gesichtszüge der Beiden maßlosem Entsetzten wichen. Doch dann kamen zum Glück noch zwei große Schokoriegel und zwei Überraschungseier zum Vorschein die ebenfalls in den Taschen landeten.

„Danke, Frau Krämer!“, schrien sie wieder im Chor.

Ich atmete dagegen erleichtert aus. Ich wollte mir gar nicht vorstellen wie Olaf reagieren würde, wenn sie nichts Zufriedenstellendes bekämen, nachdem er bereits ohne Grund über die Astern hergefallen war.

Ich folgte den beiden, die schon zum nächsten Haus liefen. Sie hatten bereits geklingelt als ich noch auf der Straße war. Doch es öffnete niemand die Türe. Auch nicht als ich schließlich neben ihnen stand. Das ganze Haus war dunkel und scheinbar niemand zu Hause.

„Und was machen wir jetzt“, fragte meine Schwester.

„Zahnpasta unter die Türklinke schmieren!“, antwortete ein sichtlich begeisterter Zorro. Mit einer Hand griff er in seine Tasche. Eine ungeöffnete Zahnpastatube kam zum Vorschein.

„Nein das wirst du nicht machen!“, unterbrach ich schnell seine Handlung und nahm ihm die Tube ab.

„Aber wir müssen doch Saures geben.“

„Nur wenn jemand nichts Süßes geben will.“

„Das haben die doch auch nicht.“

„Das konnten sie ja auch nicht, weil sie nicht zu Hause sind. Also werden wir einfach zum Nächsten gehen. Es gibt noch genug Häuser wo ihr was bekommt.“

Ich schob beide wieder von der kleinen Treppe zur Straße. In den nächsten Häusern war zum glück jemand zu Hause. Und es gab auch Süßigkeiten. Zwischen einzelnen Stationen kamen uns immer mehr Sagengestalten entgegen. Elfen, Ritter, Geister und auch Figuren aus Science-Fiction Filmen begegneten wir.

Ich hatte schon aufgehört die Häuser zu zählen. Die Beutel hatten sich bereits gut gefüllt, als wir vor einem weiteren Haus standen.

„Me llamo…“, fing Zorro grade an, als die Prinzessin ihren Knicks unterbrach.

„Kannst du damit nicht aufhören! Das nervt!“

„Das muss ich als Zorro sagen. Und du machst doch auch immer eine blöde Verbeugung!“

„Das ist keine Verbeugung! Das ist ein Knicks!“

Mit Entsetzen sah ich wie Zorro sein Plastikflorett zog und die rosa Prinzessin ihre Fäuste ballte. Schnell sprang ich die zwei Stufen hoch. „Nicht streiten! Sonst gehen wir sofort wieder nach Hause!“

„Du hast mir gar nichts zu sagen!“, kam es trotzig von Olaf.

„Was war das zweite, was die Eltern gesagt haben?“, wollte ich mit erhobenen Augenbrauen von ihm wissen.

„Mach was Leo sagt“, war es kaum von ihm zu hören. Jasmin grinste triumphierend.

„Und das gilt auch für dich!“, schob ich deshalb nach. Beide sahen schmollen auf den Boden vor sich. Sie hatten völlig verdrängt, dass die Hauseigentümer schon in der offenen Türe standen.

„Tut mir leid. Guten Abend Frau Steffens, Herr Steffens“, begrüße ich sie.

„Hallo Leo.“ Beide lächelten uns zum Glück an. „Ihr beiden habt wirklich tolle Kostüme.“

„Und das war wirklich mal eine beängstigend gruselige Vorstellung.“

Herr Steffens grinste schon fast diabolisch.

„Ähm… ja… wir haben auch lange dafür geübt“, lächelte ich sie gequält an.

Danach wendete ich mich wieder meinen Schützlingen zu.

„Ihr müsst aber noch etwas sagen; da fehlt noch etwas.“

„Süßes oder Saures“, kam es leise von beiden während sie noch immer auf den Boden sahen.

Dass sich die Steffens mittlerweile auf die Unterlippe bissen um nicht zu lachen, war zumindest für mich nicht zu übersehen. Doch auch sie griffen nach bereitgelegten Süßigkeiten und verteilen diese.

Und auch diese Portion konnte sich sehen lassen. Auf jeden Fall war ich froh, dass Jasmin und Olaf nicht mitbekamen wie sie ihre Strategie verfeinern konnten. Ich winkte den Steffens kurz zu, nachdem ich entschuldigend mit den Schultern gezuckt hatte und rannte mal wieder den Beiden hinterher.

Sie hatten scheinbar eine genaue Vorstellung der Reihenfolge. Ihren Streit hatten sie schon vergessen und waren schon wieder am nächsten Haus angekommen.

„Oh… Hier sind doch nickt nur… little dwarfs… auf der… Straße“, hörte ich eine Stimme hinter mir.

Auch die Worte, die eigentlich deutsch sein sollten waren mit einem breiten amerikanischen Akzent durchsetzt.

Ein kleiner »Darth Vader« rannte an mir vorbei, doch zu dem passte die recht dunkle Stimme nicht. Verwundert drehte ich mich um. Erschreckt machte ich einen Schritt zurück als ich hinter mir eine Gestalt in groben Leinen gewickelt sah. Überall waren breite Bahnen des Stoffes eng um den Körper gewickelt. Selbst ein Teil des Kopfes war eingewickelt. Mit ein paar Schritten kam die Gestalt auf mich zu.

Nervös starrte ich ihn an.

Im Licht der Laterne, unter der ich stand, konnte ich ihn nun besser sehen. Doch das sorgte auch nicht dafür mich zu beruhigen. Wenn auch aus anderen Gründen. Er hatte eindeutig nicht seinen gesamten Körper eingewickelt.

Oder die Bandagen waren verrutscht. Zumindest war ein schmaler Streifen eines Beins und des Bauchs zu sehen. Ein etwas größerer zog sich von der Brust bis zur Seite. Unter den Bandagen am Kopf lugten einige blonde Haare hervor. Ich schluckte trocken als ich ihn so vor mir stehen sah.

„Hi, ick bin Nick“, streckte er mir seine Hand entgegen.

Wieder war der amerikanische Slang zu hören.

„Ich bin Leonardo, aber die meisten nennen mich Leo“, schaffte ich es mich vorzustellen.

„Und sammeln du auch Süßik…Süßickie… ehh… sweets?“

Ich musste grinsen wie er scheinbar immer wieder über einige Wörter stolperte.

„Nein. Ich mag dieses Fest eigentlich nicht. Ich muss auf meine kleine Schwester und einem ihrer Freunde aufpassen.“

„Really? Ick liebe Halloween. Aber heute… passe ick auf Jeremy auf, mein kleiner Bruder. Er wollte auch hier in Deutschland auch… sweets… sammeln. Ick bin zu alt for „trick and treat“, lachte er mir entgegen.

„Dann hab ich das euch zu verdanken, dass ich heute auf zwei kleine Monster aufpassen muss?“

„Maybe“, sagte er vage.

Sein Grinsen war dagegen sehr eindeutig. Irgendwie konnte ich meinen Blick nicht davon lösen. Und auch das, was ich ihm am liebsten wegen diesem Abend an den Kopf geschmissen hätte, blieb an irgendwelchen Synapsen in meinem Kopf hängen.

Stattdessen starrte ich ihn einfach nur an, wahrscheinlich mit einem ziemlich verklärten Blick.

So ganz wusste ich nicht, ob ich noch wegen des Halloweenabends sauer auf ihn war, oder weil Nick es scheinbar geschafft hatte mich innerhalb von zwei Minuten um den Verstand zubringen.

Bevor es jedoch für mich wirklich peinlich werden konnte, wurden wir durch laute Stimmen vom Haus abgelenkt.

„Ihr machte das falsch!“, kam es gedämpft und mit leichtem Akzent von Darth Vader.

„Gar nicht, in Deutschland sagt man das so!“

Auf seltsame Art amüsiert, sah ich, dass wieder die Waffen gezogen wurden. Diesmal war noch Laserschwert dabei. Ein kurzer Blick zu Nick zeigte dass er genauso fasziniert war. Doch wenn die drei wirklich aufeinander losgehen würden, standen die Chancen nicht schlecht, dass Nick und ich den Ärger bekommen würden.

„Nicht schon wieder!“, flüsterte ich und lief zum Haus, um eine größere Ausschreitung mal wieder zu verhindern. Nick folgte mir.

„Was hab ich über das Streiten gesagt?“, wollte ich von ihnen wissen.

„Das galt doch nur bei uns beiden.“

Olafs Kinderlogik hatte scheinbar eine Lücke in meinen Anweisungen gefunden.

„Nein das gilt für alle. Und auch für Jeremy!“

„Wer ist Jeremy?“, fragte mich meine Schwester.

„Ich bin Jeremy!“, sagte Darth Vader und klappte seine Maske nach oben.

Darunter kam eine jüngere Version von Nick zum Vorschein. Ebenfalls blonde Haare und blaue Augen. Nur sein Gesicht war etwas runder.

„Hallo, ich bin Jasmin und das ist Olaf.“

„Hi, was hast du denn schon bekommen?“ Auch für Olaf schien der Streit nicht mehr zu existieren. Alle drei durchwühlten ihre Beutel. Sie verglichen die Ausbeute, bewerteten die Qualität und gaben sich Tipps wo man die Besten Sachen bekam.

Nick und ich standen daneben und beobachteten die Wendung des Geschehens sprachlos. Von der Haustüre war dagegen ein lautes Räuspern zu hören. Erstaunt sah die Dreiertruppe auf.

„Trick or treat!“ „Süßes oder Saures!“

Mit Blick auf das gemeinsame Ziel kamen nun beide Sprüche gleichzeitig und alle drei hielten ihre Beutel auf. Während sie jetzt ihre Süßigkeiten erhielten zogen Nick und ich und schon etwas zurück.

„Die bringen mich echt noch mal um den Verstand.“

„Das muss an deinen liegen. Jeremy ist immer lieb.“ Nick hatte wieder das grinsen zum schwachwerden auf den Lippen.

„Idiot“, lachte ich nun ebenso.

Zusammen beobachteten wie die Prinzessin zum nächsten Haus rannte. Jetzt gefolgt von Zorro und Darth Vader.

„Ich glaub wir verbringen noch etwas mehr Zeit zusammen.“

„Yeah.“

Irgendwie klang das auf einmal ziemlich distanziert. Etwas irritiert sah ich ihn an.

„Alles in Ordung?“

„Ehh… yes… sure… Let’s follow the others.“

Nick hatte komplett ins englisch gewechselt. Allerdings mit einem Akzent den ich kaum verstand. Schweigend folgten wir den Süßigkeitenjägern. Während wir dem Gartenweg zur Straße folgten zog ich beiläufig ein Plastikflorett aus einem kleinen Busch. Nick sah mich fragen an.

„Zorro ist vergesslich“, erklärte ich.

Was wieder ein grinsen meines Begleiters auslöste.

„Ihr Deutschen seid eckt… eh… strange?“

„Merkwürdig? Komisch?“, schlug ich ihm vor.

„Yeah.“

Ich blieb stehen und sah ihm nach bis er sich zu mir umdrehte.

„Das müsst ihr toten Ägypter gerade sagen!“, sagte ich mit ernster Mine.

Diesmal brach Nick in Lachen aus. Der schien echt unter Stimmungsschwankungen zu leiden.

„Lass uns den… eh… dwarfs… folgen.“

„Ich glaube das Wort, was du ständig suchst heißt »Zwerg«“, korrigierte ich Nick.

„Shwerck.“

„Zwerg!“

„Swerk.“

„Zwerg!“

„Zwerk.“

„Ich glaub so kann man das gelten lassen.“

„Yes, Herr Lehrer“, bestätigte Nick.

Jetzt war ich es der wieder anfing zu lachen.

Mein Lachen wurde erst unterbrochen als die Prinzessin auf mich zu rannte, gefolgt von Zorro. Jasmin umarmte mich in Hüfthöhe.

„Dürfen wir? Bitte!“

„Ja! Bitte!“, kam es anschließend von Olaf.

„Ähh… nein?!“

Ich kam mir ziemlich überrumpelt vor. Was ja auch so war. Und in so einem Fall lieber erst mal alles ablehnen, war eine Lektion, die ich als großer Bruder schnell gelernt hatte.

„Du bist der blödeste Bruder den es gibt.“

Jasmin ließ mich augenblicklich los.

„Ja genau! Blöder Bruder!“, fiel Olaf mit ein.

„Ich bin nicht dein Bruder“, versuchte ich erst einmal Olaf ruhig zu stellen.

„Oh… ja… stimmt. Aber warum dürfen wir nicht?“

„Weil ihr mir nicht gesagt habt was ihr überhaupt wollt. Also?“

Beide wurden wegen ihres Überfalls wenigstens etwas verlegen.

„Jeremy hat noch eine Halloween-Party und uns gefragt ob wir auch kommen.“

„Das solltet ihr eure Eltern fragen. Das kann ich doch nicht alleine entscheiden.“

„Also du hast nichts dagegen?“

Jasmin lächelte mich an. Die Anzahl ihres Augenaufschlags erreichte rekordverdächtige Ausmaße.

„Ähh… ja…nein…also…“, stotterte ich.

„Ja! Danke!“ schrien beide und rannten mit Jeremy zur nächsten Station.

Das hatte ich wohl ziemlich vergeigt.

„Aber… ich… hab doch…“, ungläubig sah ich den Drei nach, als sie schon zum nächsten Haus rannten.

„»Strange« trifft es nicht ganz.“

Nicks Augen blitzen.

„Die machen mich echt noch verrückt!“

Ich trat einen kleinen Stein vom Gehweg.

„Ick sag doch, liegt an deinen!“

Diesmal stimme ich mit in sein Lachen ein. Wir gingen langsam auf dem Gehweg entlang während die drei in jeden Vorgarten rannten um zu klingeln.

„Kommst du auch zur Party?“, fragte mich Nick leise.

„Ich glaub nicht, dass ich kommen sollte, wenn die beiden nicht dürfen.“

„Oh… Yeah… Okay. Dann bin ick wohl allein unter den… Swerk.“

„Zwerg“, kam es wieder unbeabsichtigt von mir.

Nick sah mich belustigt an.

„Tut mir leid“, entschuldigte ich mich.

„Is Okay. I know mein deutsch ist nicht gut.“

„So schlecht ist es auch nicht. Ein ziemlicher Akzent und ein paar Wörter fehlen, aber man versteht dich doch zumindest.“

„Sag das lieber nicht mein Vater.“

Nick war kaum zu verstehen, so leise sprach er. Wieder schien er in ein Stimmungsloch zu fallen.

„Im nächsten Haus sind meine Eltern. Da können wir wegen der Party fragen“, ohne mein zutun waren wir wieder an unseren Ausgangspunkt angelangt.

„Oh… okay… good…“

Jeremy lief diesmal als erster zur Haustüre. Jasmin und Olaf schienen noch zu diskutieren ob es auch gut war jetzt zu klingeln, oder sie erst noch weitere Häuser abklappern sollten. Doch da war es schon zu spät. Olafs Vater öffnete die Türe.

„Sind sie es?“, war aus dem Haus zu hören.

„Ich glaub das kann jetzt schlimm werden“, flüsterte ich Nick zu.

Er sah mich fragend an.

„Du hältst mich und die beiden Kleinen schon für komisch… und das sind unsere Eltern…“, erklärte ich ihm breit grinsend.

Nick sah zwischen mir und der Haustüre hin und her. Was wirklich in seinem Blick war konnte ich nicht sagen. Erwartung? Neugierde? Entsetzen? Was er nach diesem Abend von uns denken würde wollte ich lieber gar nicht wissen.

Jetzt kamen auch Olafs Mutter und meine Eltern an die Türe.

„Bisher ist es nur die »Dunkle Macht«“, antwortete Olafs Vater.

Jasmin und Olaf standen noch etwas abseits.

„Die beiden anderen sind wohl etwas zurückhaltender.“

„Bei den Kostümen vielleicht eher »antiquierter«.“

„Das heißt stilvoller“

„Das bedeutet was anderes“

„Na und? Das sind unsere Kinder! Da passt das auf jeden Fall.“

Nicht nur Nick folgte dem Dialog irritiert. Mir ging es genauso, immerhin blieb schon am Anfang die Logik auf der Strecke. Ich hoffte wirklich, dass Nick nicht allzu viel davon verstand. Wäre es nicht erst halb sieben Abends gewesen, hätte ich mir wirklich Gedanken gemacht wie viel sie schon getrunken hatten.

Doch letztendlich standen die drei Kleinen nebeneinander vor der Türe und riefen, „Trick or Saures“, worauf sie sich im laufe des Abends geeinigt hatten.

Unsere Eltern guckten etwas erstaunt, aber sie füllten die Beutel noch etwas mehr mit Süßigkeiten.

„Ihr habt noch was. Da ist noch was drin“, fingen Jasmin und Olaf diesmal an zu diskutieren.

Jeremy beteilige sich erstaunlich schnell daran.

„Wolltet ihr nicht eigentlich noch etwas anderes fragen“, unterbrach ich sie schließlich.

Ihr Blick fiel auf mich, dann auf Nick und schließlich auf Jeremy. Scheinbar reichte dies um sie an ihr vorhaben zu erinnern.

„Dürfen wir noch zu Jeremys Halloween-Party?“

„Leo hat es erlaubt“, wurde ich dann auch mit herein gezogen.

Unsere Eltern sahen mich erstaunt an.

„Das hab ich so nicht ganz gesagt“, rechtfertigte ich mich.

Doch unsere Eltern lächelten mich nur an. Sie kannten ihre Kinder wohl gut genug, um zu wissen, dass es oft einen Unterschied zwischen Jasmins und Olafs Realität und dem Rest der Welt gab.

Allerdings war ich es, dem plötzlich der Gedanke durch den Kopf schoss, was ich hier überhaupt machte. Ich wollte doch auch zu der Party. Naja, eigentlich… irgendwie… zumindest… den Abend mit Nick verbringen. Eine Halloween-Party würde ich dafür auch in Kauf nehmen.

„Ähm, aber das ist trotzdem kein Problem. Ich geh auch mit und pass auf die beiden auf.“

„Okay.“

„Wie jetzt?“, fragte ich irritiert.

„Ich sagte ist in Ordnung“, wiederholte mein Vater.

Damit war sie die Diskussion scheinbar beendet. Sie gingen wieder ins Haus und ließen uns

fünf vor der Haustüre stehen.

„Wir wünschen euch beiden viel Spaß“, sagte meine Mutter noch.

Dabei sah sie mich an und nicht Jasmin und Olaf. Kurz bevor sie die Haustüre schloss sah ich noch ihr breites Grinsen. Ich merkte wie sich mein Kopf mit Blut füllte. Im Dunkeln war das jedoch scheinbar nicht zu sehen.

„Was war das?“

Nick sah mich fragend an.

„Unsere Eltern.“

Ich versuchte es so belanglos wie möglich klingen zu lassen.

„Die Party geht übrigens in Ordnung.“

„Strange!“

Dass Nick das nicht ganz ernst meinte erkannte ich an seinem Lachen.

„Kommt ihr gleich mit?“, fragte er kurz darauf.

Er hatte sich schon auf den Weg zur Straße gemacht. Die Entscheidung darüber wurde mir von Jasmin und Olaf abgenommen. Zusammen mit Jeremy wollten sie auf dem Weg allen noch fehlenden Häusern einen Besuch abstatten. Doch schon beim dritten Haus klingelte das Dreiergespann einfach wieder an jeder Haustüre an der wir vorbeikamen.

Zusammen mit Nick ging ich langsam neben ihnen die Straße entlang. Auch wenn das Dorf in dem wir wohnten nicht wirklich groß war, brauchten wir auf die Art ziemlich lange bis wir am Ziel waren.

Bei einem alten, aber frisch renovierten Haus bog Nick ebenfalls in den Gartenweg ein. Irgendwo aus seinen Bandagen schaffte er es erstaunlicher Weise einen Schlüssel hervorzuziehen. Als er die Türe aufschließen wollte wurde sie jedoch schon von innen geöffnet.

„Wo wart ihr denn? Die ersten aus Jeremys Klasse sind schon da!“

Ein Mann Mitte vierzig stand in der Türe. Er hatte braune Haare, aber das Lächeln war das gleiche wie bei Nick. Jeremy rannte mit seinen neuen Freunden sofort an ihm vorbei ins Haus.

„Sorry dad. We’ve met new friends. And Jeremy…“

„Du sollst hier deutsch reden“, unterbrach ihn sein Vater.

„Sorry dad…“

„Nick!“

„Entschuldigung.“

Nick sah vor sich auf den Boden. Sein Vater schien wirklich nicht viel von seinen Sprachkünsten zu halten und umso versessener darauf zu sein, dass sie besser werden. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und unterbrach die angespannte Situation.

„Hallo, ich bin Leo. Jeremy hat meine Schwester eingeladen, da hab ich dann Nick begleitet.“

Etwas irritiert und aus dem Konzept gebracht ergriff Nicks Vater meine Hand und stellte sich ebenfalls vor. Die kurze Pause nutzte ich sofort. Ich wandte mich wieder an Nick.

„Zeigst du mir nun wie ein Halloween-Party aussieht?“

„Klar, komm mit.“

Nick zog mich hinter sich her.

„Nick“, sein Vater hielt uns noch kurz auf, diesmal jedoch wieder mit einem grinsen im Gesicht.

„Ich glaub deine Mutter will dir auch noch was sagen. Irgendetwas mit »fast nackt aus dem Haus gehen«.“

Nick wurde kurz rot und zog mich weiter ins Haus. Auch das innere davon sah alt aus. Bei etlichen Wänden war das Fachwerk freigelegt und nur die Zwischenräume verputzt worden. Der Boden bestand aus dunklen Dielen.

Einen Kontrast bildeten die neuen, hellen Möbel. In der Diele führte eine steile Treppe ins Obergeschoss. Doch Nick ging direkt weiter, durch eine Türe in den hinteren teil des Hauses.

Ich folgte ihm einfach.

Wir standen in einem großen Raum der durch offenes Fachwerk in unterschiedliche Bereiche geteilt war. Das Licht war gedämpft. Überall auf den Schränken und oben in den Regalen, wo man sie nicht umwerfen konnte, brannten Kerzen.

In einer Ecke stand ein kleines Buffet mit etwas zu Essen und Getränken. Die Restliche Dekoration bestand aus kleinen Kürbissen und ausgeschnittenen Papiergeistern die von der Decke hingen.

„Wow. Das hätte ich jetzt nicht erwartet“, gab ich ehrlich zu.

Nick strahlte mich an.

„Den Aufbau hab ich gemacht. Die…ghosts“, Nick wedelte mit seiner Hand und deutete auf die Papiergeister, „die hat Jeremy mit seiner Klasse gemacht.“

Während ich mir das geschmückte Zimmer genauer ansah kamen immer mehr Kinder in Jeremys alter an und es wurde immer voller.

„Kommen auch welche aus deiner Klasse?“, fragte ich Nick.

„Nein das ist Jeremys Party. Wäre nicht gut wenn viele aus meiner Klasse da wären. Die würden wohl doch noch was anderes erwarten. Und so viele Freunde hab ich hier noch nicht.“

„Oh, okay. Und was würden die erwarten?“

„Alkohol! Damit habt ihr hier doch echt kein Problem.“

Nick hatte wieder ein Grinsen im Gesicht, das mir zeigte, dass das nicht ganz Ernst gemeint war. Zumindest nicht nur der einzige Grund. Meine Freunde würde auch andere Musik und eine makabere Dekoration mit viel Blut erwarten. Aber so ganz konnte ich den Spruch nicht auf mir sitzen lassen.

„Und wir haben auch nicht so viele Probleme mit »explicit nudity«“

Während ich das sagte drehte ich einen der geschnitzten Zierkürbisse in meiner Hand. Nicks geschockter Blick war schon fast zu spüren. Ich dagegen musste mich beherrschen nicht sofort loszulachen.

Erst als er so gar nicht reagierte, drehte ich mich mit dem Kürbis zu ihm.

„Und diesem Ding… hättest du auch mehr anziehen können. Das ist auch völlig nackt.“ Ich wedelte mit dem Kürbis vor seinem Gesicht herum. Mein Grinsen konnte ich mir da nicht mehr verkneifen. Und auch Nick begriff scheinbar meinen Humor und brach in Lachen aus.

„Mach mir doch nicht solche Angst!“, japste er schließlich nach Luft.

Die nächste Stunde verbrachten wir damit die kleinen Partygäste zu unterhalten. Nicks und Jeremys Eltern hatten sich schon früh verabschiedet und schienen alles ihren Söhnen zu überlassen. Wir bauten alle möglichen Spiele auf und waren am Ende die Schiedsrichter. Von den meisten Sachen hatte ich noch nie etwas gehört und Nick musste sie mir in Vorfeld erst noch erklären.

»Mummy Wrap«, also »Mumien Wickeln« war eines der wenigen Spiele die ich wirklich kannte, aber noch nie selbst gespielt hatte. Nick wollte auch jetzt grade wieder anfangen mir das Spiel zu erklären, als ich ihn schon unterbrach.

„Wenn jemand schon eingewickelt ist, muss man ihn dann auswickeln.“ Meine Zunge war wieder mal schneller als mein Verstand.

Nick sah mich nur an, zeigte mir dann einen Vogel und versorgte die ersten Teilnehmer mir Toilettenpapierrollen. Ich beobachtete ihn, wie er mit Händen und Füßen erklärte wie das Spiel funktionierte. Die Hälfte der Wörter, die er benutzte, waren mal wieder englisch und wurden von Jeremy korrigiert.

Irgendwie fand ich das mal wieder richtig niedlich.

Nervös wartete ich wegen meines Spruchs auf Nicks Rückkehr. Doch als er wieder zu mir kam, lehnte er sich, ohne noch etwas dazu zu sagen, an die andere Seite des Türrahmens den ich schon als Stütze nutzte.

Wir beobachteten wie die Rollen abgewickelt wurden, bis ich das Schweigen zwischen uns nicht mehr aushielt. Wahrscheinlich vor allem, weil ich nicht wusste ob er mir meinen Kommentar von vorhin nicht doch übel nahm.

„Wo kommst du eigentlich her?“, fragte ich ihn weil mir nichts Besseres einfiel.

„USA.“

„Hab ich mir fast schon gedacht.“

Ich verdrehte demonstrativ meine Augen. Nick kichert leicht bevor er genauer wird.

„Buffalo, New York.“

„New York? Cool!“

„No. Buffalo in dem… State… New York. Das ist fünfhundert Kilometer von New York City.“

„Oh. Und woher kannst du so gut deutsch?“

„Mein Vater ist hier… eh… born. Er ist mit meinen Großeltern in die USA gekommen, da war er so alt wie ick.

Aber er meint ick müsste es besser können.

Jeremy hat deutsch einfacher gelernt, er war oft bei unseren Großeltern und die haben deutsch mit ihm gesprocken. Aber ick konnte es irgendwie nickt so einfach lernen. Deshalb mein Akzent. Ick soll hier so sogar extra… lessons… bekommen“, sagte er etwas leiser.

„Also ich find das… niedlich.“ Rutsche es mir heraus. Ich konnte nicht verhindern dabei rot zu werden.

„Was heißt »nietlick«?“

„Ähm… ich weiß das englische Wort nicht“, redete ich mich raus. Nick sah mich nur kurz an, zuckte mit seinen Schultern und füllte Chips in die nächste Schüssel. Mit beiden Händen hob er sie über seinen Kopf und schlängelte sich durch die Kinderschar, die ihn sofort umringte, zum Buffet.

Danach kam er wieder zu mir zurück.

Wir standen wieder an der Küchentür. Jeder lehnte an eine Seite des Rahmens und wir beobachteten das chaotische Treiben im Wohnzimmer.

„Du hattest Recht. Du wärst hier echt nur unter »Shwerck« gewesen“, sagte ich mit ausdrucksloser Mine, auch wenn es mir schwer fiel.

„»Zwerk« heißt das!“, Nick grinste mir triumphierend entgegen.

Er hatte es wirklich geschaffte seinen Akzent für diesen einen Satz auf ein Minimum zu reduzieren. Ein wenig ungläubig sah ich ihn an.

„Und warum ist dein Vater nicht mit deinen Sprachkünsten zufrieden?“, wollte ich neugierig wissen.

Ich sah Nick an, der wie bisher neben mir stand. Doch jetzt hatte er seinen Blick auf den Boden gerichtet. Das Thema schien wirklich ein rotes Tuch für Nick zu sein.

Seine Mimik fror förmlich ein.

Er sah schließlich auf sein Glas und drehte es in seiner Hand. Dann machte er eine schnelle Bewegung und schleuderte mir dessen Inhalt ins Gesicht, ohne mich anzusehen. Ich sah ihn dagegen geschockt an und merkte wie mir die Schminke herunter lief.

„Was sollte das denn?“, fuhr ich ihn an.

Die Schminke lief mir in die Augen und brannte. Nick griff nach einem Handtuch und reichte es mir. Noch immer sah er mich nicht an.

Ich wischte mir durch das Gesicht bis es nicht nur trocken war, sondern ich auch den Eindruck hatte, keine verlaufene Schminke mehr zu tragen.

Als ich meine Augen wieder öffnete grinste er mich an.

„Ick wollte nur wissen wie du ohne… make up… aussehen… Muss nach der Bowle gucken.“ Nick schob den letzten Satz schnell hinterher. Er lief mit einer Packung Saft und einer Flasche Wasser zum Büffet.

Mich ließ er völlig verwirrt zurück. Nick schlängelte sich dagegen wieder selbstsicher durch die Kinder. Ich wusste, wie schon den ganzen Abend, nicht wirklich was ich von ihm halten sollte.

Als er die Bowle nachgefüllt hatte, zog sein Bruder an seinem Arm.

„Nick! Wir haben noch nicht »Apple Bobbing« gespielt.“

„Aber für »Apple Bobbing« habt ihr doch alles! Apple, … bowl… und Wasser!“

„Das heiß Schüssel! Aber ich kann die Äpfel doch nicht einfach reinschmeißen um sie dann selbst rauszufischen!“ Jeremy stand seinem Bruder herausfordernd gegenüber. Scheinbar war er für Nick das, was für mich Jasmin und Olaf waren.

Ich beobachtete Nick wie er einen Beutel mit Äpfeln in eine große Schüssel mit Wasser kippte. Als die erste ihren Kopf in die Schüssel tauchte und nach einem Apfel fischte, war mir klar was »Apple Bobbing« war.

Nick kam wieder zu mir und lehnte sich an seine Seite des Türrahmens.

„Leo?“, hörte ich ihn. „Ich glaub ich muss was klarstellen.“

Neugierig drehte ich mich zu ihm. Doch Nick sah nur weiter geradeaus ins Wohnzimmer.

„Ick weiß was deine Mutter gemeint hat, als sie uns beiden viel Spaß gewünscht hat. Und dass du Halloween nickt magst und trotzdem hier bist. Ick weiß auch was »nietlick« heißt. Und ick hab gemerkt wie du mich ansiehst.“

„Oh… und jetzt?“

Ich schluckte trocken und sah ihn weiter an. Nick schien noch immer das treiben der Kinder zu beobachten.

„Jetzt… sollten wir noch etwas klarstellen!“

Nick drehte sich zu mir. Die anderthalb Schritte, die wir auseinander standen, hatte er schnell überwunden. Ich war kurz davor Panik zu bekommen als ich sein ausdrucksloses Gesicht direkt vor mir sah.

Doch das, was ich befürchtete blieb aus. Stattdessen kam er immer näher. Er schloss seine Augen und ich spürte seine warmen Lippen auf meinen. Auch wenn ich, im Gegensatz zu Nick, meine Augen noch offen hatte, blendete ich alles um uns herum aus und bekam nichts mehr mit.

Nach einer halben Ewigkeit löste er sich wieder von mir. Er öffnete seine Augen und grinste mich an.

„Nicht aufhören“, flüsterte ich leise.

„Okay.“

Sein Grinsen wurde noch breiter. Nick legte seine Hand in meine Nacken und zog mich wieder zu sich ran. Ich konnte fast jeden einen Muskel von ihm fühlen, als er sich ganz an mich drückte.

Spätestens jetzt war ich der Meinung, dass Nick definitiv viel zu viele Bandagen um sich herumgewickelt hatte. Aber das ließe sich ja später noch ändern.

Ich war völlig in unserem Kuss versunken, als wir unnötigerweise gestört wurden.

„Ihhh!“ „Ahhh!“

Wurde um uns herum gekreischt. Nur widerwillig ließ ich wieder von Nick ab. Ihm schien es nicht anders zu gehen. Wir sahen uns um und mussten beide lachen. Wir sorgten wohl grade für den richtigen Halloween-Schock bei den Kindern, die jetzt um uns herum standen und uns beobachteten.

„Ich glaub ich bin total krank.“

„Why?…Ähh…Wieso?“

„Ich steh auf Mumien!“ grinste ich Nick an.

*Happy Halloween*

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