Taurus 9 – Teil 1 – Erster Kontakt

Der Traum des Menschen, in fernen Galaxien neue Existenzen zu gründen, war mit vielen Opfern verbunden gewesen. Zu viele Kriege hatten zu viele Zivilisationen entfremdet und entzweit. Der Machtkampf um die Gestirne einzelner Galaxien war Kräfte raubend gewesen.

Und doch hatte es auch kleine Erfolge gegeben. So auch in der Taurus Galaxie, denn hier wurde eine Raumstation geschaffen, die die Völker miteinander vereinen sollte. Aber auch hier war der Machtkampf groß. Bereits acht Mal war die Raumstation Intrigen und Anschlägen zum Opfer gefallen.

Taurus 9 sollte diesen Ränkespielen dieses Mal trotzen. Ausgestattet mit einer eigenen Jägerstaffel und voll bestückt mit Kriegsmaschinerie prangte sie zwischen den Planeten. Die Frage, ob sie einem ernsthaften Großangriff feindlich gesinnter Völker standhalten konnte, konnte so niemand richtig ernst nehmen.

Commander Peter Clifferton wurde ein ruhiger Arbeitsplatz versprochen, woran er damals noch nicht glauben konnte. Zu sehr waren alle von der Zerstörungswut anderer geprägt. Doch der Commander wurde eines Besseren belehrt.

Zusammen mit seinem Freund, Chief Lewis O’Kingley, trat er seinen Dienst auf Taurus an. Schnell wurde klar, dass diese Station dieses Mal etwas Besonderes war. Nicht nur die technische und militärische Ausstattung übertraf die Vorgängerinnen.

Nein, auch das Innenleben war komplett verändert worden. Es gab sogar ein ganzes Deck nur für Geschäfte, Restaurants und allem, was einem sonst das Leben zu versüßen vermochte. Die Vielschichtigkeit der verschiedenen Völker wurde auch von Anfang an geplant und man hatte versucht, die Raumstation diesen verschiedenen Bedürfnissen anzupassen.

Peter hatte am Anfang sogar arge Schwierigkeiten, sich die einzelnen Namen der verschiedenen Völker zu merken, die da auf der Station verkehrten. Zu oft hatte er dagestanden und mit jemandem gesprochen, von dem er noch nicht einmal gewusst hatte, wen er vor sich stehen hatte.

Doch diese Probleme wurden weniger. Peter hatte sich im Laufe der Zeit eingelebt. Seine Stellung als Commander dieser Station wurde von allen anerkannt. Es hatte sich schnell herum gesprochen, wie fair Peter selbst in heiklen Situationen war.

Ruhig und bescheiden meisterte er noch so schwierige Aufgaben. Anfänglich hatte ihm noch ein Major zur Seite gestanden, der ihm helfen sollte, Ordnung zu schaffen. Aber Peter war schnell klar geworden, dass dieser Mann sichtlich überfordert mit dieser Aufgabe gewesen war.

Sich um die Mannschaften und um die Sicherheit der Station zu kümmern, war einfach zuviel für den guten Mann. So wurden Peter zwei neue helfende Engel zur Seite gestellt und der alte Major abgelöst. Um die Mannschaften kümmerte sich ab sofort Lewis O’Kingley.

Durch sein irisches Temperament hatte dieser leichtes Spiel bei seinen Schutzbefohlenen. Wo er auftrat, spürte man den Respekt, dem ihn seine Männer zollten. Aber Chief O’Kingley war kein Mensch, der durch seine Sturheit und Strenge seinen Tagesablauf gestaltete, sondern war ganz im Gegenteil auch immer zu Späßen aufgelegt.

Um den reibungslosen Ablauf der Station zu sichern, begann Security Officer (SO) Kate Darwsen ihren Dienst auf Taurus 9. Gleich zu Anfang spürte Peter, dass noch einiges mit dieser Dame auf ihn zu kommen würde.

Ihre Korrektheit und oftmals umständliche Denkweise brachten den Iren O’Kingley oft auf die Palme und die beiden gerieten ständig aneinander, obwohl die Gründe dafür wirklich nicht nennenswert waren. Auf ein Machtwort von Peter ließ die beiden aber immer schnell wieder verstummen.

Peter und Lewis waren schnell Freunde geworden und so gestalteten sich die früher so langweiligen Abende jetzt recht ereignisreich.

Ein weiterer Führungsoffizier war Leutnant Lars Mac Neal, der seinen Job als Navigations- Officer (NO) verrichtete.

Die Schiffsärztin Doktor Eilieen Ross war Peter eine gute Freundin geworden. Es gab unzählige Abende, an denen die beiden stundenlange Gespräche geführt hatten. Die medizinische Einrichtung war auf dem neusten Stand und somit konnte Dr. Ross mit ihrem Team gute Arbeit leisten.

James Spencer, bekannt als Hitzkopf und sehr streitsüchtig, war erster Pilot und Anführer der Flugstaffel.

Gregory Dormant, Allicence Offizier (AO) der Station, war das Sprachrohr zwischen den verschiedenen Völkern. Er hatte alle Hand zu tun, denn nicht jede Sitte oder jeder Brauch brachte friedlichen Einklang auf die Station.

Communications Officer (CO) Cat Shown galt als Sprachwunder. Innerhalb weniger Tage konnte sie eine neue Sprache erlernen, sowohl in der Sprache, als auch in der Schrift. Für Peter war sie eine unersetzbare Kraft.

Das emsige Team der technischen Abteilung hatte Technical Offizier (TO) Maik Forester unter sich. Bei so einer großen Station gab es genug zu tun. Immer wieder waren kleine Schäden zu beheben, auch wenn es sich nur um einen Reblikator handelte, der statt einer graftinischen Korstraksuppe ein kritianisches Wurmsorbet zauberte.

Alles lief eigentlich präzise und genau wie ein Uhrwerk, zwar mit ein paar kleineren Pannen, die aber oft nur durch Zwischenfälle ausgelöst wurden, die die Neuankömmlinge verursachten.

*-*-*

Die kleine Lampe meines Kommunikators, der auf dem Tisch lag, blinkte auf.

Schwerfällig erhob ich mich von meiner Couch und lief zum Tisch.

„Ja? Was ist?”, fragte ich noch etwas müde.

„Sir, wir haben Schwierigkeiten mit den Andorianern”, hörte ich die Stimme von AO Dormant sagen.

„Inwiefern?”

Genervt ließ ich meinen Blick auf den Chronometer wandern. Ich hätte noch gut und gerne eine Stunde schlafen können.

„Die Andorianer sind unzufrieden mit ihrer Unterkunft, sie wären Besseres gewöhnt. CO Shown versucht ihr bestes, die Herrschaften zu beruhigen, aber mit wenig Erfolg.”

Ich gähnte.

„Okay ich komme… wo muss ich hin?”, fragte ich.

„Deck fünfzehn.”

„Deck fünfzehn? Werden dort nicht gerade die Stromzugänge neu verteilt?”

„Ähm… ja…”

„Dormant… hab ihr nie davon gehört, dass die Andorianer sehr viel Licht und Energie benötigen…? Moment, ich bin gleich bei euch.”

„Danke Sir.”

Ich heftete den  Kommunikator an meinen Kragen und verließ meine Räumlichkeiten.

„SO Darwsen, bitte kommen”, sagte ich leise.

„Sir, wie kann ich Ihnen helfen?”

„Darwsen, könnten Sie für mich kurz etwas nachschauen?”

„Um was geht es?”

„Ich bräuchte fünf Räumlichkeiten auf Deck dreizehn oder vierzehn. Ist da noch etwas frei?”

„Einen Moment, Sir.”

Mittlerweile hatte ich den Lift erreicht, den ich nun betrat.

„Deck fünfzehn”, ließ ich verlauten und der Lift setzte sich in Bewegung.

„Sir?”

„Ja, Darwsen?”

„Auf den beiden Decks konnte ich nichts finden…”

„Mist…”

„Aber auf  Deck elf hätten wir noch eine gewisse Anzahl an Zimmer frei.”

„Dort sind die Diplomaten untergebracht”

„Richtig!”

„Irgendwer, der sich mit den Andorianern nicht verträgt?”

„Sir, wer verträgt sich schon mit denen. Sie wissen, die sind notorische Nörgler.”

„Eben drum, deswegen brauche ich die Zimmer ja. Geben Sie die Ziffern der Zimmer an AO Dormant durch, ich bin gleich bei ihm.

„Ich kümmere mich sofort darum, Sir.”

„Danke Darwsen!”

„Bitte Sir.”

Der Lift hatte Deck fünfzehn bereits erreicht und die Tür öffnete sich. Das erste, was mir auffiel, war die spärliche Beleuchtung. Einen Korridor weiter hörte ich aufgeregte Stimmen, deren Wortlaut ich aber nicht verstand.

AO Dormant und CO Shown waren bemüht, Ruhe in die Situation zu bringen.

„Kann ich helfen?”, unterbrach ich das Gespräch.

Abrupt verstummten alle und deren Blicke wandten sich zu mir.

„Commander Peter Clifferton mein Name.”

Ich hob meine Hand und setzte den Zeige- und Ringfinger an mein Kinn. Die Begrüßungsprotokolle, die Cat für mich erstellt hatte, waren ab und zu sehr nützlich. Die Andorianer erwiderten meinen Gruß.

„Sir, die Unterkunft ist für die Andorianer nicht zufriedenstellend.”

„Wäre sie auch für mich nicht CO Shown. Hier ist noch eine Baustelle!”, sagte ich im gewohnt freundlichen Ton.

Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sich zwei der Andorianer etwas zuflüsterten.

„Ein schlichter Computerfehler hat sich da wohl eingeschlichen”, sprach ich weiter.

„Sir, aber…”, fing Cat an.

Ein Blick von mir genügte und sie verstummte. Sie wusste selbst, dass ich fast immer eine Lösung parat hatte, sonst wäre ich hier nicht erschienen.

„Bringen Sie unsere Gäste auf Deck elf. Mr. Dormant hat auf seinem PDA die nötigen Daten.”

„Danke Sir”, sagte Cat und übersetzte dies gleich den Andorianern, die dies mit einem komischen Laut zur Kenntnis nahmen.

Mein Blick folgte den Andorianern und meinen Leuten, wie sie zum Lift gingen. Dann schaute ich mich etwas um und musste zugeben, hier sah es wirklich zum Fürchten aus.

„TO Forester?”

„Sir?”, meldete sich mein Mädchen für alles.

„Wie lange, denken Sie, werden Sie noch für Deck fünfzehn brauchen?”

„Sir, es tut mir leid, aber im Augenblick brauche ich alle verfügbaren Kräfte im Hanger drei.”

„Ist etwas geschehen?”

„Der kyrstische Frachter ist beim Andocken etwas angeeckt.”

„Etwas… so, so! Und warum habe ich noch keine Meldung darüber erhalten?”

„Chief O’Kingley wollte das übernehmen.”

„Chief O’Kingley… aha, danke TO Forester, ich melde mich später bei Ihnen.”

„Okay Sir – Ende.”

Warum Lewis mir dies nicht mitgeteilt hatte, wusste ich nicht, aber das würde ich auch gleich erfahren.

„Chief bitte melden!”

„Commander hallo… kannst du Gedanken lesen? Gerade wollte ich mich bei dir melden.”

„Was für ein Zufall, um was geht es denn?”, fragte ich total unschuldig.

„Hättest du vielleicht fünf Minuten Zeit?”

„Ja, gerne.”

„Dann treffen wir uns doch am Planetarium.”

„Gut, so in etwa zwanzig Minuten bin ich bei dir. Vorher muss ich noch auf Hanger drei vorbei schauen. Da scheint es einer mit dem Einparken übertrieben zu haben.”

Dieses Mal kam nichts über den Kommunikator, die Gegenseite schwieg.

„Also bis gleich…”, sprach ich weiter.

„Mist… tut mir leid Peter, das habe ich total vergessen.”

„Was hast du vergessen”, tat ich scheinheilig.

„Dir Meldung zu erstatten…”

„Warum wundert mich das nicht…”

„Peter…”

„Wir sehen uns gleich… Ende.”

Etwas verärgert lief ich zurück an den Lift. Seit ein paar Tagen schien mir Lewis verstärkt abwesend.

„Commander bitte melden”, ertönte es aus meinem Kommunikator.

„Ja?”

„Hier CO Shown. Die Andorianer sind mit ihrer neuen Unterkunft zufrieden. Ich soll Ihnen ihren Dank ausrichten.”

„Zur Kenntnis genommen – Ende.”

Der Lift brachte mich zum Turboschacht, mit dem ich in die hinteren Sektionen der Station gelangen konnte. Die Idee, den Schacht über den Verkaufsdecks in Glas zu fassen, war genial. So konnte ich während der Fahrt die gesamte Fläche überschauen.

Emsiges Treiben konnte ich sehen und alles schien friedlich. Viel zu schnell war die Fahrt vorbei und ich begab mich zu den Hangern.

*-*-*

Zurück in meinem Quartier ließ ich mich wieder auf meine Couch fallen und schloss die Augen. Ich ließ meinen Gedanken freien Lauf und wanderte auf die Erde. Wie unbeschwert war die Zeit gewesen, damals, bevor der große Völkerkrieg begonnen hatte.

Meine Zeit auf der Akademie war ein leichter Weg gewesen. Dem hohen IQ verdankte ich, dass ich fast jede Prüfung mit Bravour gemeistert hatte. Nur in Sachen Lebenserfahrung war ich eine Null. Es war auch die Zeit, in der ich Arndt kennen gelernt hatte.

Jeder hatte Arndt bewundert. Seine frische und fröhliche Art nahm sofort jeden gefangen und umso mehr war ich fasziniert, dass er sich mit einem Streber wie mir abgab. Ich erlebte Dinge mit ihm, die ich bis dato nicht mal in meinen kühnsten Träumen erlebt hatte.

Wir profitierten beide von dieser Freundschaft. Er durch meine schulischen Leistungen, ich an seinen unfassbaren Erfahrungen an Leben und seiner Wissbegier. Immer öfter erwischte ich mich, wie ich ihn beobachtete und bewunderte.

Ohne ihn war alles so langweilig geworden. Keine Sekunde wollte ich mehr mit ihm missen. Bis zu jenem Abend, an dem sich alles geändert hatte. Der Abend, der meine Welt in Sekunden in Wohlgefallen aufgelöst hatte.

Es war nichts mehr wie es war. Ein Kuss setzte alles in Bewegung, ein Kuss, der alles zerstörte. Es war einer dieser Abende, an denen wir gemeinsam über einem dieser Projekte saßen, die maßlos langweilten.

Doch Arndt war mit solcher Freude daran, dass ich nicht hatte nein sagen können, noch länger daran zu arbeiten.

„Och komm schon Peter, noch die eine Formel.”

„Arndt mir tut schon alles weh vom Sitzen…”

„Weichei!”

„Wer hier ein Weichei ist, lass ich mal so im Raum stehen…”

Arndt lächelte wieder über das ganze Gesicht und seine Augen strahlten enorm. Ich verlor mich fast darin, bis ich bemerkte, dass Arndt seinen Kopf dicht an den meinen bewegt hatte.

„Was geht in diesem kleinen Köpfchen nur vor?”, fragte er.

Ich spürte die Röte in mein Gesicht steigen, fühlte, wie meine Wangen anfingen zu glühen. Er spitze leicht seine Lippen und pustete mich an.

„Jetzt sag schon, was denkst du gerade”, sprach Arndt weiter.

„Im Augenblick… irgendwie gar nichts…”

Sein Gesicht näherte sich unaufhörlich, bis sich unsere Lippen nur noch wenige Millimeter auseinander befanden.

„Ich denke grad nur an eins…”

„Ja?”, hauchte ich nun fast schon.

„Willst du es wissen?”

Ich nickte nur noch, konnte nicht mehr sprechen.

„Ich…”

Ein Piepton riss mich aus den Gedanken. Jemand stand vor der Tür.

„Ja?”, rief ich.

Die Tür öffnete sich und SO Darwsen kam ins Blickfeld.

„Sir, ich müsste noch etwas mit Ihnen besprechen.”

„Kommen Sie rein, Kate… möchten Sie einen Tee?”

Darwsen schaute mich erst verwundert an, nickte mir dann aber zu. Sie setzte sich in den von mir zugewiesenen Sessel, während ich zum Reblikator lief und mir zwei Tee zaubern ließ.

„Was steht an?”

„Es geht darum, für welchen Staffone Sie sich entscheiden…”

„Ach herrje, daran habe ich gar nicht mehr gedacht.”

„Die Zentrale fragt wiederholt nach Ihrer Entscheidung.”

„Haben Sie die Informationen griffbereit?”

SO Darwsen erhob sich und lief zu meinem Schreibtisch.

„Sie erlauben?”, fragte sie.

Auf mein Nicken hin drückte sie einige Knöpfe und auf dem Bildschirm kamen Daten zum Vorschein.

„Drei Kandidaten stehen zur Wahl. Leutnant Maxwell Jackson, Erster seines Jahrgangs der Akademie. Kurs in Navigation, spricht mehrere Sprachen fließend. Leutnant Marc Miller… Marsianer. Bestand wie Jackson mit Bravour die Akademie. Und Kandidat drei Leutnant Gabriel Fontaine…”

„Fontaine sagten Sie?”, unterbrach ich sie.

„Ja, Fontaine. Abschlüsse in mehreren technischen Kursen, angeblich ein Sprachgenie und ebenso gut abgeschlossen in der Akademie.”

„Sie sagen das mit so einem gewissen Unterton. Was gefällt Ihnen an dem Jungen nicht?”

„Sir…, kann ich offen reden?”

„Sonst hätte ich Sie nicht gefragt, oder?”

„Er hat mehrere File Memos in seiner Akte.”

„Und die besagen?”

„Dass er Schwierigkeiten mit Führungspersonal hat.”

„Und so einer bewirbt sich für eine Stelle als Staffone?”, fragte ich fast grinsend sarkastisch.

Darwsen verstand mich nicht, denn sie schaute mich verwirrt an.

„Zeigen Sie mir mehr von dem Jungen… Familie und so.”

Mit einem Nicken betätigte Darwsen abermals mehre Tasten.

„Der Vater ist Professor in Physik, die Mutter leitet ein Theater der Künste. In jungen Jahren den einzigen Bruder verloren…”

„Bruder?”

„Ja, Arndt Fontaine.”

Mein Lächeln erstarb. Gabriel war Arndts Bruder.

„Stimmt etwas nicht, Sir?”

Ich fasste mich wieder.

„Nein, … nein Darwsen, alles in Ordnung. Ich werde mich selbst mit der Zentrale in Verbindung setzen und denen meinen Entschluss mitteilen.”

„Wie Sie meinen Sir.”

„Steht sonst noch etwas an?”

„Nein Sir.”

„Gut. In einer halben Stunde werde ich mich auf der Brücke blicken lassen.”

„Okay Sir!”

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren verließ SO Darwsen mein Quartier. Auf meinem Schreibtisch prangte immer noch ein Bild von diesem Gabriel. Er war Arndt wie aus dem Gesicht geschnitten, bis auf einen kleinen Unterschied. Seine Augen wirkten traurig und voller Hass.

*-*-*

Seine Leiche war nie gefunden worden und es hatte nicht lange gedauert, bis ihn seine Eltern für tot erklären ließen. Sein Ascot war komplett ausgebrannt in der Nähe des Elternhauses entdeckt worden, von ihm selbst aber fehlte jede Spur.

Ich war mehrere Stunden befragt worden, weil ja bekannt war, dass er sich zuvor den ganzen Abend bei mir aufgehalten hatte. Aber auch ich konnte keine Auskünfte über seinen Aufenthaltsort geben.

Zu frisch waren die Erlebnisse, zu viele Gefühle im Spiel und natürlich die große Traurigkeit, dass Arndt nicht mehr sein sollte.

„Commander auf der Brücke”, quäkte Spencer durch den Raum, „Sir, keine besonderen Vorkommisse.”

Ich nickte und ließ mich hinter meiner Konsole nieder.

„Weiter machen”, befahl ich und ließ mich zurück sinken.

Meine Entscheidung hatte ich weitergeben, aber ich war mir dennoch nicht sicher, ob es die richtige war. Und doch hatte ich wie so oft in meinem Leben auf mein Magengefühl gehört und dies sagte mir, es war richtig.

Mein Verstand jedoch zweifelte bereits an mir. Ich handelte wie immer und ließ mich einfach überraschen. Bisher war dieser der beste Weg gewesen und ich war selten in eine missliche Lage gekommen.

Wie die Mannschaft reagieren würde, war mir im Augenblick egal, niemand hatte die Entscheidungen des Commanders anzuzweifeln. Wie die Führungscrew es auffassen würde, da machte ich mir schon mehr Gedanken.

Wobei, es wusste niemand etwas über meine Vergangenheit und niemand hatte Zugriff auf meine Daten. Ich hatte keinem etwas erzählt, auch nicht den Grund, warum ich mich hierher versetzen lassen hatte.

Für viele war ich sicher ein Rätsel, für viele war ich aber auch einfach der Commander der Station, dem man mit Respekt gegenüber trat. Dieser Tag würde friedlich ausklingen wie so viele.

Neues würde kommen und neue Entscheidungen würden anstehen. Die Frage nach dem Wieso und dem Warum würde schnell in Vergessenheit geraten. Allein meine Gedanken und Gefühle zählten und mehr ließ ich nicht an mich heran.

*-*-*

„Fähre dockt an Schleuse fünf an.”

Ich nickte Spencer zu.

„Druckausgleich okay, Schleusen können geöffnet werden.”

Eigentlich war es langweilig, wenn eine Fähre an der Station andockte. Doch diesmal kamen die neuen Rekruten an Bord und auch mein neuer erster Offizier. Schon alleine deswegen wollte ich anwesend sein.

Seit fast zehn Jahren leitete ich nun die Raumstation Taurus 9, doch nie war hier etwas großartig viel los. „Ein ruhiger Job”, hatte man mir damals gesagt, als ich hier her versetzt wurde. Dass diese Ruhe in Langweile ausarten könnte, daran hätte ich nie gedacht.

Als Bindeglied zweier Sektoren war die Station wichtig, um Proviant aufzufüllen oder das Raumschiff wechseln zu können. Raumbahnhof hätte als Bezeichnung wohl besser gepasst und ich war der Bahnhofsvorsteher.

„Commander verlässt Brücke. Ensign Spencer, Sie haben das Kommando”, sagte ich und erhob mich aus meinem Sessel.

Mit einem Handzeichen gab er mir Aufschluss darüber, dass er meinen Befehl wahrgenommen hatte. Spencer war schon so eine Knalltüte. In der Schule früher hätte man ihn als Klassenclown bezeichnet.

Immer ein Späßchen auf den Lippen und immer gut gelaunt. Ab und zu konnte das recht nervend sein. Und nie wusste man, ob er einen ernst nahm oder nicht. Ich verließ die Brücke und ließ mich mit dem Turbolift in die untere Ebene bringen.

Hier waren die Technik und die Hangars vereint. Ich war nicht sonderlich glücklich darüber, denn es war der empfindlichste Teil der Station und bei einem möglichen feindlichen Angriff waren wir schnell schachmatt gesetzt.

Aber wie konnte man eine Raumstation auch ausreichend sichern. Das kleine Geschwader von fünfzig Jägern war nur ein geringer Schutz gegen große Kampfverbände. Und das Geschenk der Orisianer, ein Kampfschiff der Arkonklasse,

bestückt mit allerlei Spielzeug für große Jungs, war trotz seiner Feuerkraft gegen Großangriffe machtlos. Die Tür öffnete sich und wie nicht anders zu erwarten, wartete bereits Security Officer (SO) Darwsen auf mich. Wie immer war sie korrekt gekleidet und die braunen lange Haare zu einem Zopf zusammen gebunden.

Sie nahm ihren Job als Sicherheitschefin der Station sehr ernst. In manchen Situationen, in denen sogar ich als Kommandeur der Station ein Auge zugedrückt hätte, griff sie hart durch.

„Guten Morgen, Commander.”

„Guten Morgen, Darwsen”, erwiderte ich und nickte ihr zu.

„Zwei Vorfälle von öffentlichen Ärgernissen auf dem Mannschaftsdeck, ein Diebstahl auf dem Prismadeck.”

Auch dies nahm ich mit einem Nicken zur Kenntnis. Später lagen mir ja eh sämtliche Meldungen schön aufgereiht als Bericht vor.

„Sonst irgendwelche ungewöhnliche Vorkommnisse?”, fragte ich.

„Nein.”

„Die Unterkünfte der Neuzugänge geregelt?”

„Ja und die Dienstpläne sind zugeteilt.”

„Dann werden wir mal”, meinte ich und begab mich mit SO Darwsen zur nächsten Schleuse.

Ich erwischte mich dabei, wie ich meine Uniform zurecht zog. Hatte mich Darwsen etwa mit ihrer Gründlichkeit angesteckt? Ich grinste in mich hinein. Die Schleuse öffnete sich und wir betraten das Empfangsdeck, das irgendwie wirklich wie eine Bahnhofstation aussah.

Zu viele Händler, zu viele Durchreisende und zu viele… hm, wie konnte man sie bezeichnen? Gestrandete Wesen, die keiner mehr mochte? Darwsen brachte mich aus meinem Tagtraum zurück.

„Commander, wir müssen da lang.”

Ich nickte und folgte ihr. Die Rekruten standen bereits in Reih und Glied abmarschbereit in Formation. Chief O’Kingley hatte sich ihrer schon angenommen. Seit der Trennung der Aufgabengebiete von Station und Mannschaft lief hier einiges ruhiger ab.

Zwar gab es immer wieder Uneinigkeiten zwischen SO Darwsen und Chief O’Kingley, aber ein kleines Machtwort meinerseits und es kehrte wieder Stille ein. Als die Neuen an uns vorbei marschierten, zwinkerte mir O’Kingley lächelnd zu.

Zurück blieb ein junger Mann mit Gepäck, der etwas verloren herum stand. Dies sollte also in den nächsten Monaten mein erster Offizier werden. Skeptisch war ich schon, über das Alter. Mit 25 Jahren schon eine solche Offizierslaufbahn durchlaufen zu haben, bedeutete meist Beziehungen.

Doch mein alter Herr lehrte mich, immer erst die Menschen in meinem Umfeld kennen zu lernen, bevor ich mir eine Meinung bildete. Bisher war ich damit gut gefahren, doch immer wieder wurde mir bewusst, wie schnell Eindrücke doch manipuliert werden konnten.

Noch eine Besonderheit dieses Mannes war sein blondes Haar. Blonde Haare bei Männern waren recht selten geworden. Nur noch wenige Familien vererbten dieses weiter. Auch fiel mir seine muskulöse Figur unter der eng anliegenden Uniform auf.

Aber am meisten brachte mich sein Gesicht zum Stutzen. Im ersten Augenblick dachte ich, Arndt würde vor mir stehen. Die gleichen Haare, das gleiche kantig geschnittene Gesicht. Ich ließ die üblichen Begrüßungsfloskeln durch Darwsen über mich ergehen.

Dabei stellte ich fest, dass sich die Augen von Staffone Gabriel Fontaine nicht einen Millimeter aus meiner Blickrichtung abwendeten. Diese Augen waren voller Fragen, aber auch Hass und Wut konnte ich entdecken.

*-*-*

Wenig später saß ich in meinem Quartier und versuchte bei einer Tasse Tee etwas zu ruhen. Fontaine ging mir nicht aus dem Kopf. Seine kurzen und seltenen Antworten waren immer präzise und informativ gewesen.

Ein leichter Summton machte mich darauf aufmerksam, dass sich jemand vor meiner Tür befand.

„Ja?”, rief ich und stellte meine Tasse ab.

Die Tür zu meinem Quartier öffnete sich und O’Kingley trat herein.

„Na, was hältst du von deinen neuen Rekruten?”, fragte ich grinsend.

O’Kingley  war neben mir einer der Wenigen, der seit der Inbetriebnahme von Taurus 9 auf der Station war. Unser Verhältnis zueinander war recht herzlich, aber immer diszipliniert, wenn es ernst wurde.

„Weicheier, Muttersöhne und Schlappschwänze!”, war alles, was O’Kingley als erstes äußerte.

Ich amüsierte mich immer köstlich über sein irisches Temperament, besonders wenn er sich mit Darwsen anlegte.

„Ich bin mir sicher, dass du sie gerade biegen kannst. Das hast du bis jetzt immer geschafft.”

„Auch ich werde älter und diese Rekruten anscheinend immer jünger.”

„Höre ich etwa so etwas wie Schwäche in deinen Worten?”

Ich konnte nicht anders und musste jetzt auch noch grinsen.

„Quatsch! Diese reichen Schnösel, die denken sie wissen alles, seit sie auf der Akademie waren.”

„Das war immer so und das wird immer so sein. Geld regiert das Universum.”

„Ist der Staffone auch ein reicher Snob? Oder hat der sich hoch gepoppt? Der ist doch höchstens 25 Jahre alt.”

„Seine Familie ist nicht reich, soviel ich weiß und hoch gepoppt – dann müsste die komplette Führungsriege schwul sein…, aber über das Alter habe ich mich auch schon gewundert.”

„Gefällt er dir etwa?”

„Was heißt hier gefallen, ich kenn ihn ja noch gar nicht und kann ein Mann einem Mann gefallen?”

„Wenn du schwul bist… schon!”

*-*-*

„Sir, ein unbekanntes Raumschiff bittet um Erlaubnis andocken zu dürfen.”

CO Cat Shown sah mich fragend an.

„Stellen Sie eine Comverbindung her.”

Shown drückte verschiedene Knöpfe und sah mich dann wieder an.

„Commander Clifferton heißt Sie bei Taurus 9 herzlich willkommen, was kann ich für Sie tun?”

„Peter? Seit wann redest du so geschwollen…?”

„Urban? Mein Gott, was verschlägt dich denn in unsere Gegend. Dachte, du bist am anderen Ende der Galaxie?”

„Alles nur Gerüchte. Aber könntest du deinem CO mal sagen, dass wir andocken können?”

„Wenn dein Schiff eine Kennung hat… „

„Kennung? Ich bin froh, wenn diese Kiste überhaupt noch fliegt, wieso sollte ich mich dann um so etwas Unwichtiges wie eine Kennung kümmern!”

„Weil ich angewiesen habe, ohne Kennung, kein Andocken.”

„Peter ich brauche Hilfe. Fast die ganze Technik ist lahm gelegt, da wirst du doch nicht auf dieser blöden Kennung herum reiten.”

„Nein, sicher nicht… Moment.”

Ich wandte mich zu Spencer.

„Welches Dock?”, fragte ich ihn.

„Dock 14?”

„CO… Freigabe für Dock 14!”

Shown nickte mir zu.

„Danke alter Freund. Ich hoffe wir sehen uns später.”

„Klar doch, ich melde mich bei dir.”

„Bereit machen zum Andocken”, hörte ich seine alt vertraute tiefe Stimme.

Urban hatte mit mir die Akademie beendet und seither kreuzten sich unsere Wege immer wieder. Er war der Einzige, der mich von früher her kannte. Mit einem Lächeln verließ ich die Brücke und begab mich zu Dock 14.

*-*-*

„Urban – edler Ritter sei gegrüßt!”, rief ich, als sich die Schleuse öffnete.

„Peter, alter Haudegen, freut mich dich zu sehen.”

Wir fielen uns in die Arme und drückten uns kräftig.

„Was ist geschehen, dein Schiff ist fast nicht wieder zu erkennen.”

„Ich weiß nicht wo ich da reingeraten bin, aber ich kann dir sagen, ich bin froh, dass ich noch lebe.”

Ich sah ihm in die Augen. Urban war nie ein Possenreiser gewesen und hatte es nicht nötig Dinge zu erfinden, um sich interessanter zu machen.

„Jemand verletzt am Bord?”

„Fast… die halbe Mannschaft.”

Ich griff nach meinem Kommunikator.

„Doktor Ross, Ihr Typ wird verlangt.”

„Ja Sir… wo?”

„Dock 14, cirka ein dutzend Verletzte.”

„Bin gleich bei Ihnen Sir, Ende.”

„So das wäre geregelt und nun sag mir, was passiert ist.”

Urban lies sich auf einen kleinen Vorsprung der Rampe nieder und seufzte.

„Ich weiß nicht genau, Peter. Ich glaube, wir schlittern da in etwas hinein.”

„Was meinst du?”, fragte ich und setzte mich neben ihn.

„Du weißt, dass wir im Sektor 57 nach neuen Energiequellen suchten.”

„Ich habe da so etwas gehört am Rande.”

„Dann weißt du auch, dass ein Teil Niemandsland ist, oder?”

Als Niemandsland bezeichneten wir die Sektoren, die noch als unerforscht galten.

„Offiziell ist es unerforscht, ja.”

„Inoffiziell besitzen wir eine detaillierte Karte der gesamten Gegend.”

Ich schaute mich um und befand, dass hier nicht der geeignete Ort zum Reden war. Meine Hand glitt zum Kommunikator.

„Darwsen.”

„Ja Sir?”, meldete sich mein SO.

„Welches Quartier kann ich Commander Urban anbieten?”

Eine kleine Pause entstand.

„Deck 8 Federalchase, Sir!”

„Danke Darwsen.”

„Nette Stimme”, meinte Urban neben mir.

„Warte, wenn du erst den Rest zur Stimme siehst.”

„So gut?”

„Lass uns auf dein Zimmer gehen, meine Crew kümmert sich um den Rest.”

*-*-*

Die Unterhaltung mit Urban musste natürlich warten, denn schon auf dem Weg zu seiner Unterkunft wurde ich auf die Brücke gerufen. Mein Eintreffen auf der Brücke wurde zwar zu Kenntnis genommen, aber es herrschte hektisches Treiben.

„Cat?”

CO Cat schaute zu mir auf.

„Sir, wir bekommen jede Menge Meldungen über Angriffe herein.”

„In unserem Sektor?”

„Nein, über Hyperband.”

„Mac Neal, irgendetwas auf dem Schirm?”

„Nein Sir.”

„Angriffe welcher Art, Cat?”

„Meldungen sind unvollständig, teilweise sogar unverständlich.”

„Weiß man aus welchen Sektoren?”

„Sektor 55, 56 und 58.”

Eine weitere Person betrat die Brücke. Niemand nahm ihn wahr, bis er dicht neben mir stand.

„Staffone Gabriel Fontaine meldet sich auf der Brücke.”

Ich fuhr etwas zusammen. Gabriels Stimme war fest und sie klang wie die von Arndt.  Mein Kopf fuhr herum und vor mir stand Gabriel.

„Wer hat den Staffone auf die Brücke gerufen?”, fragte Spencer.

Ich schaute herum, aber keiner meldete sich.

„Verzeihung Sir, Security Offizier Darwsen hat mir Anweisung gegeben, mich auf der Brücke zu melden.”

Ich nickte.

„Sir, nun kommen verstärkt Hilferufe”, kam es von Cat.

„Aber keiner in unserer Reichweite?”, fragte ich.

Cat schüttelte den Kopf.

„Sir könnten Sie sich bitte melden, TO Forester hier.”

„Maik, was gibt es?”

„Ich habe mir die Prestige von Commander Urban etwas näher betrachtet. Ich glaube Sie sollten herunter kommen und sich das anschauen.”

„Okay Maik, ich bin unterwegs. Spencer sie übernehmen die Brücke, ich will am Laufenden gehalten werden. Staffone, Sie folgen mir!”

„Aye Sir”, kam es von Fontaine.

Ich lief zum Aufzug und wie angeordnet, folgte mein Staffone sogleich.

„Deck 14″, befahl ich und der Turboschacht setzte sich lautlos in Bewegung.

Mein Blick fiel auf Fontaine, der mich anstarrte.

„Mir ist es wichtig, dass meine Befehle befolgt werden, aber Sie müssen nicht die ganze Zeit starr neben mir stehen, als hätten Sie einen Kleiderbügel verschluckt. Stehen Sie bequem!”

„Aye Sir.”

„Wie geht es Ihren Eltern?”

Gabriel schaute mich mit großen Augen an.

„Ähm…, mein Vater ist vor vier Jahren verstorben, meine Mutter einem Orden beigetreten.”

„Das tut mir Leid.”

„Sie kennen meine Eltern?”, fragte er verwundert.

Sollte es sein, dass er mich nicht erkannte?

„Ja, ich war mit Ihrem verstorbenen Bruder befreundet.”

„Arndt?”, fragte er fast fassungslos.

Die Tür des Turboschachts glitt auf und ich unterbrach dieses Gespräch. Wenig später trafen wir bei der Prestige ein. Es war ein Schiff der Prohendoklasse, ausgelegt als Forschungsschiff mit einer Besatzung von ungefähr dreißig Personen.

„Hallo Maik, was gibt es?”

Der Stationsingenieur erhob sich und schaute erst mich und dann Gabriel an.

„Staffone Gabriel Fontaine… und Technical Officer Maik Forester”, stellte ich die beiden einander vor.

Schweigend nickten sie sich zu.

„Ich habe mir die Einschüsse an der Prestige genauer angeschaut”, antwortete Maik nun.

Er zeigte auf einen Monitor, auf dem mehrere Bilder und Perspektiven der Prestige zu sehen waren.

„Ich weiß nicht, was es ist, aber das Schiff zersetzt sich.”

„Bitte?”, fragte ich verwirrt.

Maik ließ zwei Sequenzen kurz hintereinander laufen.

„Dies sind Bilder beim Andocken und diese erst vor Kurzem gemacht. Deutlich sieht man, wie sich die Einschüsse vergrößern.”

Ich folgte seinen Erklärungen. Das Schiff zerfiel tatsächlich langsam.

„Könnte das ein Problem für uns werden?”

„Ich weiß es nicht Sir.”

„Okay, Probe nehmen und Schiff abdocken. Bringen Sie es mit einem Leitstrahl auf sicheren Abstand zur Station.”

„Aye Sir.”

„Es zerfrisst die Außenhaut?”, fragte Gabriel ungläubig.

„Sir, hier ist die Probe”, kam es von Maik.

„Gut, ich werde sie persönlich zu Dr. Ross bringen.”

Maik nickte mir zu.

*-*-*

Im Turboschacht herrschte Schweigen. Ich schaute auf die Leuchtschrift, die die Decks anzeigte.

„Darf ich offen sprechen, Sir?”, meldete sich Gabriel zu Wort.

„Ich bitte darum!” erwiderte ich.

„Sie kannten meinen Bruder, als er noch lebte?”

„Ja.”

„Sie wissen, dass er verunglückt ist?”

„Ja”, antwortete ich erneut und senkte den Kopf, „und ich wundere mich, dass du mich nicht mehr erkennst Gabriel.”

Vorsichtig drehte ich meinen Kopf und schaute Gabriel in die Augen, die mich weit aufgerissen anstarrten.

„Sir?”

„Ich weiß, du warst erst zehn…, aber wir haben dich so oft zum Schwimmen mitgenommen…”

„Commander… Peter… Clifferton… Peter?”

„Ja!”

„Du bist Pete… Verzeihung Sir, Sie sind Peter?”

„Gabriel, wenn wir alleine sind, darfst du ruhig weiterhin du sagen. Und ja, ich bin Peter, oder war der Freund deines Bruders.”

Seine Augen wurden glasig. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte, nie hätte ich gedacht, dass mich irgendwann meine Vergangenheit auf diese Weise einholen würde.

„Warum…?”, fragte Gabriel leise.

Die Tür öffnete sich wieder. Gabriel atmete tief durch, wischte sich kurz über die Augen.

„Wohin gehen wir jetzt, Sir?”

Ich schaute ihn verwundert an. Eben noch den Tränen nahe, so sah man nun nicht mal mehr die kleinste Regung an ihm.

„Gabriel, wenn du möchtest, können wir heute Abend weiterreden…”

Er antwortete kurz mit einem Nicken, welches ich erwiderte und dann erklärte: „Wir sind auf dem Weg zur medizinischen Abteilung, die von Dr. Eilieen Ross geleitet wird. Sie soll für uns diese Probe untersuchen.” Bei dem letzten Satz hielt ich die kleine Glasampulle, die ich von Maik erhalten hatte, hoch.

„Wenn wir uns nicht beeilen, wird bald nichts mehr übrig bleiben”, meinte Gabriel und ich sah, dass sich selbst die Probe weiter zersetzt hatte.

*-*-*

Dr. Ross schaute durch das Mikroskop. Wenige Sekunden später erschien ein Bild auf dem Monitor.

„Was ist das?”, fragte ich erstaunt.

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, das sind kleine, Metall essende, Lebewesen”, beantwortete mir Dr. Ross die Frage.

„Lebewesen?”, wiederholte nun Gabriel ungläubig.

„Ja, sie sind biologischer Natur, auch wenn ich ihre Zusammensetzung nicht bestimmen kann.”

Wir sahen, wie diese Teile nun auch das letzte Stück Metall der Prestige verschlangen. Gespannt starrten wir alle drei auf den Monitor, doch plötzlich hielt der Bewegungsfluss an und nichts rührte sich mehr.

„Ich kann eine leichte Energiesignatur messen… halt, sie wird stärker”, meinte Dr. Ross.

Auf dem Monitor konnte man sehen, wie die Fresser plötzlich anfingen zu glühen.

„Was passiert da?”, fragte ich.

„Ich weiß es nicht!”, meinte Dr. Ross, die nun aufstand und sich ein Stück vom Mikroskop entfernte.

Plötzlich tauchte sich das Bild auf dem Monitor in gleißendes Licht. Wenige Sekunden später knallte es und das Mikroskop flog uns um die Ohren. Sofort wurde Alarm ausgelöst und der Rauch über die Lüftung abgezogen.

„Dr. Ross bitte melden. Bei uns wird Feuer angezeigt.”

„Alles im grünen Bereich, eine…”, begann Dr. Ross.

Das Geräusch der schließenden Schotts unterbrach sie.

„Die Sicherheitsschotts schließen sich, so grün kann der Bereich aber nicht sein Dr. Ross!”

„Spencer, liegt die Prestige noch in der Nähe der Station?”

„Oh Sir, ich wusste nicht…”

„Ich warte auf Antwort Spencer!”

„Ja Sir, liegt noch an derselben Stelle.”

„Wieweit ist ihr Volumenverlust?”

„Bitte?”

Stimmt, Spencer konnte noch nicht wissen, dass sich die Prestige langsam aber sicher auflöste.

„Alles in Ordnung mit Ihnen?”, hörte ich Dr. Ross hinter mir fragen.

Ich drehte den Kopf und sah Gabriel am Boden liegen. Am Kopf hatte er eine kleine Platzwunde.

„Spencer vergleichen Sie das Volumen der Prestige beim Andocken und jetzt!”

„Gut Sir… einen Moment… Volumenverlust bei 23%, Sir.”

„So schnell?”, sagte ich eher zu Dr. Ross, „Spencer, das Volumen weiter beobachten und Meldung geben.”

„Aye Sir.”

Ich wandte mich nun komplett den beiden zu.

„Alles in Ordnung?”, fragte ich und kniete mich ebenso auf den Boden zu Gabriel.

„Bei der Geschwindigkeit wäre es ratsam, das Schiff eventuell weiter von der Station wegzubringen. Sie könnten den Kern erreichen und…” mahnte Gabriel

„Sie haben Recht Staffone…, das Schiff verfügt über einen Hypertorexinantrieb…, wenn dieser in der Nähe der Station implodiert, bleibt nicht viel von uns übrig…! Spencer?”

„Ja Sir?”

„Errechnen Sie, wie lange die Prestige noch existent ist!”

„Aye Sir.”

Ich griff nach der Hand von Gabriel und half ihm auf.

„Setzten Sie sich bitte hier hin, damit ich die Wunde versorgen kann”, meinte Dr. Ross.

„Sir, nach der errechneten Geschwindigkeit des bisherigen Volumenverlustes noch dreiunddreißig Minuten und vierzehn Sekunden.”

Ich sah zu Gabriel und dann zu Dr. Ross.

„Gibt es eine Möglichkeit, das Schiff auf schnellem Weg von der Station wegzubekommen?”

Spencer antwortete nicht.

„Spencer?”

„Ich überlege!”

„Spencer, wir brauchen schleunigst eine Lösung, bevor uns das Ding um die Ohren fliegt.”

„Wenn wir den Zugangcode zur Steuerebene bekommen könnten und falls der Antrieb noch funktionsfähig ist, wäre es möglich, es außer Reichweite der Station zu fliegen.”

„Okay, lassen Sie Commander Urban ausrufen, der müsste alle Codes kennen. Und Spencer, überlegen Sie weiter!”

„Aye Sir!”

„Commander Urban bitte auf der Brücke melden!”, hallte es über die Lautsprecher.

Gabriel griff nach seinem Kopf, verzog sein Gesicht und begann etwas zu schwanken.

„Junger Mann, ich plädiere dafür, Sie legen sich auf den Scanner”, kam es von Dr. Ross.

Bei diesen Worten half sie ihm auf und führte ihn zum Scanner.

„Ich werde seine Biosignatur prüfen”, meinte sie zu mir und ich nickte.

„Sir?”

„Ja Spencer?”

„Ich könnte auch die Nauti nehmen und per Streamgate das Schiff von der Station wegziehen.”

„Ja und mit der Prestige in die Luft fliegen.”

„Nein Sir, ich kopple mich ab, bevor es dazu kommt.”

„Spencer, diese Option heben wir uns als Notlösung auf, aber machen Sie sich trotzdem fertig.”

„Noch sechsundzwanzig Minuten und vierunddreißig Sekunden bis zur vollständigen Auflösung”, tönte die blecherne Stimme des Computers.

„Hat sich Urban schon gemeldet?”, fragte ich nervös.

„Nein Sir.”

Verdammt, wo steckte der nur.

„Wo befindet er sich?”, fragte ich Cat.

„Laut Kommunikator in seinem Raum, Sir.”

„Peter?”

Wenn mich Dr. Ross beim Vornamen und in diesem Tonfall anredete, stimmte etwas nicht.

„Cat, lassen Sie den Sicherheitsdienst zu Urbans Räumen gehen und ihn abholen.”

„Aye Sir.”

Ich schaute zu Eilieen und sie zeigte wiederum auf Gabriels Stirn. Wo vorher noch eine Platzwunde klaffte, war jetzt nichts mehr, alles komplett verheilt, nicht mal eine Narbe zierte die Stirn.

Unsere Blicke trafen sich wieder und sie zuckte andeutungsweise mit den Schultern.

„Noch etwas ist mir aufgefallen…”, begann Dr. Ross.

„Was?”

„Sir?”, meldete sich Cat wieder.

„Ja Cat?”

„Wir haben Commander Urban gefunden.”

„Ja und? Ist er schon auf der Brücke?”

„Nein Sir. Commander Urban ist tot!”

„Tot? Ich bin gleich bei euch. Ruft einen stillen Alarm aus. Ich will alle Offiziere auf der Brücke haben. Außer Spencer, der soll sich sofort auf der Nauti fertig machen!”

„Aye Sir!”, meldete sich Cat zum letzten Mal.

„Peter?”

Eilieen verlangte wieder nach Aufmerksamkeit. Ich stellte mich neben sie und schaute auf Gabriel, der völlig ruhig vor uns lag. Eilieen wies auf den Monitor.

„Was ist das?”, fragte ich.

Sie schaute zwischen mir und Gabriel hin und her.

„In Staffone Fontaines Körper machen sich diese Lebewesen breit, die wir eben noch auf dem Stück Metall gesichtet haben.”

Gabriels Körper versteifte sich, seine Augen wurden groß.

„Heißt…, heißt das… ich bin eine tickende Zeitbombe?”, versuchte Gabriel gefasst zu fragen, was ihm deutlich misslang.

Er sprach aus, was ich in diesem Zeitpunkt dachte.

„Nein, das ist das Merkwürdige. Sie finden sich an den wichtigsten neuralen Knotenpunkten des Nervensystems ein, um eine temporäre Verbindung einzugehen. Sie strahlen schwache, elektroähnliche Impulse aus.”

„Wie fühlen Sie sich, Gabriel”, fragte ich besorgt.

Er schaute mich an. Seine Augen funkelten.

„Als hätte ich frisch ausgeschlafen…”, antwortete er zögerlich.

„Das kann ich bestätigen”, warf Eilieen ein, „seine Werte gleichen einem übergesunden Menschen.”

„Ich muss auf die Brücke…, Gabriel, Sie bleiben hier bei Dr. Ross zur Beobachtung.”

„Sir, mir geht es gut… ich weiß nicht warum, aber ich habe das Gefühl, Sie werden mich brauchen.”

Ich schaute Eilieen an, die ebenso ratlos war wie ich.

„Okay… Dr. Ross kommt aber mit, damit Sie unter Beobachtung bleiben!”

Eilieen packte das Nötigste zusammen und wenige Minuten später waren wir auf dem Weg zur Brücke.

„Was machen wir mit dem Leichnam von Commander Urban?”, fragte Eilieen.

Stimmt, an den hatte ich in dem Chaos jetzt nicht mehr gedacht.

„Boysen?”, rief Eilieen über ihren Kommunikator, als hätte sie meine Gedanken gelesen.

Dr. Eilieen Ross war einer der wenigen Zivilisten in der Führungsriege und hatte fast den gleichen Status wie ich inne. Meine Offiziere waren ihr genauso verpflichtet, wie das medizinische Personal.

„Ja Dr. Ross?

„Lassen Sie sich von CO Shown einweisen, wo Commander Urban zu finden ist. Körper quarantär versiegeln und das Sicherheitspersonal, das den Leichnam von Commander Urban gefunden hat, auf Fremdkörper untersuchen, notfalls ebenso isolieren.”

„Ich kümmere mich sofort darum, Dr. Ross.”

„Danke.”

Eilieen schaute mich kurz an und ich nickte ihr dankend zu. Auf der Brücke angekommen sah ich, dass sich auch bereits alle Offiziere eingefunden hatten.

„Spencer?”

„Ja Sir?”, meldete sich Spencer von der Nauti.

Die Nauti war ein kleines Schiff der Birdklasse. Extrem schnell und wendig. Und man könnte sie das fliegende Pulverfass nennen. Sie war mit allen Hightech Waffen ausgestattet, die zurzeit erhältlich waren.

„Starten Sie! Seien Sie vorsichtig, damit die Prestige nicht vorher schon auseinander bricht. Schutzschild volle Stärke.”

„Sir, da verliere ich aber an Wendigkeit.”

„Spencer, ich möchte nicht auch noch die Nauti verlieren… Schutzschild voll ausfahren!”

„Aye Sir!”

„AO Dormant, ich möchte alle Diplomaten, die sich zur Zeit auf der Station befinden, in einer halben Stunde im großen Konferenzraum antreffen!”

Gregory schaute mich erst kurz zweifelnd an, bestätigte dann aber den Befehl mit den Worten: „Aye Sir!”

„Chief, ich möchte, dass die komplette Mannschaft auf Alarmbereitschaft ist.”

Lewis nickte mir zu.

„Darwsen, Sie melden mir unverzüglich jegliche Sonderheit auf der Station, sei sie auch noch so klein.”

„Aye Sir! ”

„Mac Neal?”

„Ja Sir?”

„Führen Sie einen Längenscan aus und kontrollieren Sie die Aktivitäten. Ich muss wissen, ob sich jemand auf Kurs zu uns befindet.”

„Soll ich nach etwas Bestimmten Ausschau halten, Sir?”

Mein Blick wanderte kurz zu Eilieen, bevor ich antwortete: „Aktivieren Sie den biologischen Filter…”

„Aye Sir.”

Ich schaute kurz zu Gabriel, der immer noch neben mir stand.

„CO Shown, weitere Berichtserstattung über Aktivitäten der Notrufe.”

„Aye Sir.”

„Maik?”

„Ja Sir?”

„Kompletter Scan der Station! Ich möchte sicher gehen, dass wir keine von diesen Fressern auf der Station haben.”

„Fresser?”

In diesem Augenblick wurde es auf der Brücke noch ruhiger, als es ohnehin schon gewesen war. Alle schauten sie gespannt zu mir.

„Noch dreizehn Minuten und siebenundzwanzig Sekunden bis zum kompletten Volumenverlust der Prestige”, meldete die Stimme des Computers.

Ich atmete tief durch.

„Dr. Ross hat auf einer Probe der Prestige kleine biologische Lebewesen gefunden, die sich von Metall ernähren. Bevor sie weitere Untersuchungen anstellen konnte, flogen uns die Dinger um die Ohren.”

Ich verschwieg absichtlich den Befall von Gabriel.

„Sir?”, meldete sich NO Mac Neal.

„Ja?”

„Der Hypertorexinkern der Prestige hat einen kritischen Punkt erreicht.”

„Spencer?”, rief ich in meinen Kommunikator.

„Ja Sir?”, meldete sich Spencer.

„Wie weit?”, fragte ich.

„Noch nicht weit genug, Sir.”

„Egal, trennen Sie sich von der Prestige und entfernen Sie sich so schnell es geht.”

„Aber Sir…?”

„Spencer tun Sie einfach was ich sage!”

Mein Tonfall war barsch, was mir aber in dem Fall egal war, denn Spencer reagierte nur auf diese Art zu reden.

„Aye Sir!”

„Sir”, meldete sich Mac Neal wieder, „der Kern implodiert gleich.”

Ich blickte zum Schirm und sah, wie sich Spencer von der Prestige trennte. Wenige Sekunden später wurde unser Sichtfeld von einem grellen Schein eingeengt.

„Neunundzwanzig Sekunden bis zum Eintreffen der Hypertorexinwelle. Schutzschilde sind hochgefahren.”

Dies sollte nun der erste Zwischenfall, den diese Station über sich ergehen lassen musste, seit sie erbaut worden war.

Die Welle kam und ging vorbei. Man konnte ein leichtes Vibrieren wahrnehmen, doch ansonsten nichts. Es war wohl die Feuertaufe gewesen.

„Schäden?”, fragte ich.

„Keine Meldungen”, antwortete Cat.

„Okay Schutzschirme herunter fahren und…”

„Commander, vielleicht wäre es klug, die Schutzschirme mit dem Bioscan zu prüfen, auch wenn der Schutzschirm aus reiner Energie besteht. Wir wissen nichts über diese Microorganismen”, warf  Dr. Ross ein.

Sie hatte Recht. Wer konnte schon wissen, was mit dieser Welle alles mitgeschleudert worden war.

„Positiv”, meldete Mac Neal.

„Was?”, fragte ich.

„Leichter Befall von Microorganismen”, meldete Mac Neal.

Ich schaute zu Eilieen.

„Ich weiß nicht, ob wir die Gefahr auf uns nehmen können, den Schutzschirm abzuschalten”, meinte sie.

„Sie meinen, die Organismen könnten auf die Station übertragen werden?”, fragte ich.

Sie nickte besorgt. Gabriel, der die ganze Zeit starr neben Dr. Ross gestanden hatte, bewegte sich nun leicht schwankend. Seine Augen bekamen ein merkwürdiges Glühen. Eilieen bemerkte meinen Blick und nahm dieses Glühen wohl ebenso wahr, denn sie trat vorsichtig einen kleinen Schritt zur Seite.

„Staffone?”

Sein Blick wandte sich zu mir und mir lief es sofort kalt den Rücken runter. Ich wusste nicht, ob es noch Gabriel war, der da vor mir stand, oder nur eine von Organismen gelenkte Hülle.

„Haben Sie einen Vorschlag?”, fragte ich.

„Man müsste den Transponter auf die chonische Bioxverbindung mit den Werten der Microorganismen abstimmen.”

Eilieen und ich schauten uns an. Gabriels Stimme war dieselbe, doch wusste ich nicht, ob er es auch war, der da redete, oder die Organismen ihn bereits übernommen hatten.

„Das müsste gehen”, kam es von TO Forester, „Mac Neal, könnten Sie mir die Werte geben?”

„Ich transferiere die Werte auf Ihre Konsole Maik.”

„Danke.”

„Sir”, meldete sich AO Dormant, „die Diplomaten sind alle versammelt.”

„Okay, ich komme gleich.”

*-*-*

Natürlich war mir klar, dass ich erst mal nicht ernst genommen wurde, und eine unbekannte feindliche Macht nicht in Erwägung gezogen wurde, doch als die Bilder der sich zersetzenden Prestige über den Bildschirm flimmerten, herrschte plötzlich betretenes Schweigen.

Es wurde mir klar gemacht, dass die jeweiligen Regierungen in Kenntnis gesetzt würden und auch, wie sich diese eine Lösung dieses Problems vorstellten. Darauf hatte ich jetzt sehr große Lust. Mir von fremden Herrschaften vorschreiben zu lassen, was ich zu tun und lassen hatte.

Die eigene Regierung schwieg sich aus, ganz nach der Devise, sie werden schon damit zu Recht kommen.

„Commander?”, hörte ich Maiks Stimme über den Kommunikator.

„Ja Maik?”

„Wir konnten den Schutzschirm zwar nicht herunter fahren, aber wir haben eine Möglichkeit gefunden, ihn zu umgehen, ohne die Taurus diesen Organismen aussetzen zu müssen.”

Wieso hatte ich das Gefühl, da käme noch etwas.

„Danke, noch weitere Vorkommnisse?”, fragte ich.

„Ja…, wir haben an der Außenhülle keine Organismen gefunden…”

„Aber?”

„… hier auf der Station…”

„Wo?”

„Krankenstation, um genau zu sein.”

„Okay, Maik. Ich melde mich wieder, sobald ich Genaueres weiß.”

„Danke Sir.”

Ich fuhr mit dem Turboschacht zu Deck 9, auf dem sich die Krankenstation befand. Wie ich vermutete, fand ich dort Dr. Ross und Gabriel. Er lag wieder auf dem Scanner. Ich gesellte mich zu den beiden, ohne eine Wort zu sagen.

„Das ist der Wahnsinn. Alle Organe funktionieren besser als zur ersten Scannung.”

„Sonst noch etwas?”, fragte ich leise.

„Ja schauen Sie hier. Seine Vitalwerte sind um zwanzig Prozent gestiegen. Mir scheint, als würden die MO’s Mr. Fontaines Körper zwar kontrollieren, aber sie bestimmen nicht seinen Ablauf. Er ist immer noch Herr seiner Sinne. Eben eine aufgeputschte Version.”

„MO’s?”

„Ja, mir fällt kein anderer Name für die Microorganismen ein.”

„Und sie schaden Mr. Fontaine nicht?”

„Bis jetzt auf alle Fälle nicht, eher das Gegenteil. Seine Hirnaktivitäten sind um dreißig Prozent gestiegen.”

*-*-*

Spencer war heil auf die Station zurück gekommen und die Nauti hatte nicht mal einen Kratzer abgekommen. Die Obduktion von Commander Urban war dagegen schwieriger als gedacht. Sein Körper war eingefallen, als hätte man ihm sämtlicher Flüssigkeit beraubt.

Entgegen meiner Erwartungen hatte man keinerlei Organismen in ihm gefunden. Seine noch lebende Mannschaft war mit einem Transporter zurück auf den Heimatplaneten geschickt worden.

Ich hatte mich in mein Quartier zurück gezogen und dachte bei einem Glas Whiskey über den heutigen Tag nach. Die Hilferufe waren nacheinander verstummt, die Punkte der Raumschiffe einer nach dem anderen vom Bildschirm verschwunden.

Wer oder was sagte uns da den Kampf an? Der Sensor meiner Tür meldete sich.

„Ja?”

Die Tür glitt auf und ich hatte freie Sicht auf Gabriel.

„Guten Abend, Sir, steht die Einladung zu einem Gespräch noch?”

Ich nickte und Gabriel trat herein. Fast lautlos schloss sich die Tür hinter ihm wieder.

„Wie fühlst du dich?”, fragte ich und erhob mich.

„Gut, wenn auch unsicher.”

„Wegen dieser Teile in deinem Körper?”

Er nickte.

„Setz dich… auch einen Whiskey?”

„Es gibt hier Whiskey?”

„Ja, stell dir vor und noch auf die alte herkömmliche Art hergestellt, wie es überliefert ist.”

„Ich dachte, richtiger Alkohol wäre verboten?”

Auf diese Frage ging ich gar nicht erst ein, sondern grinste nur mit einem Zwinkern und frage noch einmal: „Möchtest du einen?”

„Danke gerne…”

Er ließ auf den Sessel nieder. So ohne Uniform hatte er noch etwas fast kindliches an sich. Ich ertappte mich dabei, wie ich nun selbst Gabriel zu scannen begann.

„Zufrieden?”, fragte er.

„Bitte?”

„Bist du zufrieden, mit dem was du siehst?”

Es war lange her, dass ich dieses Gefühl spürte, wenn Blut in die Regionen meines Gesichtes floss. Ich räusperte mich.

„Damit hat es nichts zu tun.”

„Und warum schaust du mich dann so an?”

Sollte ich ihm das wirklich sagen?

„Hat es mit meinem Bruder zu tun?”

Ich vergaß, dass seine Hirnfunktionen gesteigert waren und er sich sicher vieles erdenken konnte.

„Ja.”

„Wart ihr ein Paar?”

„Ist das ein Verhör?”

„Nein, ich möchte meinen Bruder nur verstehen und wissen, weshalb es soweit kommen musste.”

„Arndt war etwas Besonderes”, fing ich an zu erzählen und in den nächsten zwei Stunden versuchte ich Gabriel begreiflich zu machen, was Arndt für ein Mensch gewesen war.

Während ich ab und zu eine Träne vergoss, saß Gabriel die ganze Zeit still da und hörte mir zu.

„So habe ich meinen Bruder nie kennen gelernt… er war…”, hielt Gabriel plötzlich inne.

„Commander, entschuldige, dass ich störe, hast du kurz Zeit?”, meldete sich mein Kommunikator.

„Chief im Augenblick habe ich Besuch… ist es etwas Dringendes?”

„Wenn du die vermehrten Abflüge unserer Gäste als etwas Dringendes bezeichnest, dann ja.”

„Wie meinst du das?”

„Also ich würde sagen, sie fliehen regelrecht. Fast jedes Schiff, das zurzeit ablegt, ist bis zum letzten Platz belegt.”

„Aus einem ersichtlichen Grund?”

„Nein, nicht dass ich wüsste.

*-*-*

Wieder folgte mir Gabriel, obwohl er keinen Dienst mehr hatte. Ich wusste genau, wo ich hin musste, um mehr zu erfahren. Auf dem Restaurantdeck herrschte trotz der angekündigten Abflüge ein reges Treiben.

„Wo gehen wir hin?”, fragte mich Gabriel, der bisher geschwiegen haben.

„Wir besuchen einen alten Freund.”

Darauf gab er keine Antwort, sondern folgte mir wieder stumm. An einer kleinen Nebenpassage bog ich links ab und betrat dann den nekretronischen Laden.

„Peter, welch seltene Freude Sie hier zu sehen.”

„Leutan, die Freude liegt ganz auf meiner Seite.”

„Haben die Herrschaften Hunger?”

Ich schaute zu Gabriel, der Leutan gerade musterte. Leutan stammte vom Volk der alten Nektronen ab. Seine typische grünliche Färbung ließ ihn imposant wirken, besonders, weil dort, wo man seine Ohren vermutete, scharfe Zacken den Kopf zierten.

„Ein wenig”, sagte ich.

Gabriel nickte ebenso.

„Was führt Sie zu mir?”, fragte Leutan und stellte eine gusseiserne Pfanne übers Feuer.

Leutan kannte mich einfach zu gut, als dass ich ihm etwas hätte verheimlichen können.

„Warum die vielen Abreisen?”

„Wegen den Maschinenwesen.”

Ich schaute bei der Zubereitung des Gerichtes zu, als er das Wort Maschinenwesen gebrauchte.

„Maschinenwesen?”

„Peter, Sie wissen selbst, dass auf dieser Station nichts geheim bleibt, auch nicht, dass ihr junger Freund mit denselben Wesen vereint ist.”

Gabriel schaute mich mit großen Augen an.

„Staffone Gabriel Fontaine, mein neuer erster Offizier. So, es ist also bekannt, dass es diese Maschinenwesen gibt. Und nun haben alle Angst vor meinem Staffone und reisen ab.”

Leutan richtete in aller Ruhe zwei Teller mit dem Essen an.

„Nein, von ihm geht keine Gefahr aus, eher das Gegenteil. Aber das Vertrauen in ihn ist nicht groß, für viele ist er ein Fremder. Was allen mehr Sorgen bereitet, ist die große Angriffswelle, die die äußersten Regionen erfasst hat. Man ruft die Völker zurück, aus Angst, sie könnten hier auf der Station zum Opfer fallen.”

„Warum hier?”, versuchte ich gefasst zu fragen, was mir ordentlich misslang. Zu überraschend war die Erkenntnis, dass Leutan wieder bestens informiert war.

„Peter, Sie wissen selbst, dass diese Station nicht genügend gesichert ist, um einem Angriff dieser Art stand zu halten.”

„Leutan, was meinen Sie mit dieser Art?”

„Sie sollten mit dem Essen beginnen, kalt sind die Hrustikes nicht zu genießen”, sagte Leutan und verschwand in einem der hinteren Räume.

„Woher weiß er das alles?”, fragte Gabriel leise.

„Es ist nicht wichtig, woher er diese Information hat, sondern dass er sie hat!”

Ich zerbrach den Mantel dieses Krebsähnlichen Tieres. Gabriel tat es mir gleich und biss davon ab.

„Halt”, rief ich, aber da war es schon zu spät.

Seine Augen wurden feucht und er hechelte nach Luft.

„Du musst das mit der Soße beträufeln, die Dinger sind sonst galaktisch scharf.”

„Das… habe ich…bemerkt…”, keuchte Gabriel.

Ich musste grinsen.

„Schmeckt es?”, fragte Leutan, der inzwischen wieder gekommen war.

„Ja, aber Gabriel ist noch nicht so mit den Sitten und Bräuchen eurer guten Küche bekannt”, meinte ich.

War das so etwas wie ein Lächeln auf Leutans Gesicht? Selten zeigte er irgendwelche Regungen.

*-*-*

„Und was kann man dagegen tun, ich meine, was hat er damit gemeint, die haben zu wenig Vertrauen zu mir. Ich bin neu hier, wer sollte mich auch schon kennen?”

Ich konnte Gabriels Gedankengänge folgen.

„Das kann ich dir nicht sagen. Ich muss erstmal auf die Brücke.”

„Ich komme mit.”

„Du solltest irgendwann einmal schlafen, bevor dein Dienst wieder beginnt.”

„Ich fühl mich ausgeruht wie nie.”

Langsam machte ich mir Sorgen um Gabriels Zustand. Wie lange würde sein Körper das durchhalten? Schweigend fuhren wir zur Brücke.

„Mac Neal, erhöhte Überwachung und Langstreckenscan!”

„Aye, Sir.”

„Cat, irgendwelche Nachrichten?”

„Sir, es ist überraschend ruhig.”

„Ruhig?”

„Ja, Sir.”

„Funktion der Kommunikationseinheit geprüft?”

„Mehrfach Sir. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen unser Sendebereich wird gestört.”

„Und wenn es so wäre?”, fragte Gabriel.

„Staffone, wir haben ein vierpoliges Sendesystem, bei einer Störung müssten alle vier negative Polarität anzeigen.”

Ich sah, wie es in Gabriels arbeitete. Über irgendetwas zerbrach er sich den Kopf.

„Wenn man den Sendebereich mit polarisierenden Quantenprismen überlagern würde, könnten Sie dann feststellen, ob unsere Kommunikation gestört ist?”

CO Shown schaute erst mich verwundert an und dann Gabriel.

„Sir?”, kam es von Cat, zeigte auf ihr Arbeitsfeld und machte Gabriel Platz.

Er gab ein paar Befehle auf der Armatur der Kommunikation ein und blieb dann ruhig sitzen. Auf dem Bildschirm konnte man wie bisher nur das umliegende Planetenfeld in entsprechender Größe sehen, plötzlich tauchte ein großes rotes Feld auf.

„Was ist das?”, fragte CO Cat Shown.

„Wenn Leutnant Mac Neals Angaben richtig sind, dann ist es die Stelle, an der die Prestige implodiert ist.”

Er bediente noch weitere Felder und das Bild vergrößerte sich. Ein dünner roter Strahl reichte bis zur Taurus. Es hüllte fast das gesamte Schiff ein.

„Kann man das irgendwie umgehen?”, fragte ich in meiner Ratlosigkeit.

„Sir, wenn Sie mir etwas Zeit geben und Co Shown mir behilflich ist, werden wir eine Lösung finden.”

Cat nickte.

„Okay…, trotzdem alle Augen und Ohren auf. Wenn etwas ist, ich bin in meinem Quartier. Staffone, Sie haben die Brücke.”

„Aye Sir.”

Dass Spencer mich etwas verärgert anschaute, störte mich nicht weiter. Ihm hätte klar sein müssen, sobald ich einen neuen ersten Offizier habe, wird dieser mich auch auf der Brücke vertreten.

*-*-*

„Captain, die Hülle des Annihilationskerns wird bald brechen, lange halten wir diesem Beschuss nicht mehr Stand.”

 

Eine weitere Feuersalve traf die Taurus und erschütterte sie bis in ihre Grundstruktur.

 

„Die brastianische Flotte trifft hier in zehn Einheiten ein, Sir!”

 

„Sir, wir haben den kritischen Punkt erreicht”, schrie jemand.

 

Eine erneute Feuersalve traf ihr Ziel genau, überall explodierten Decks der Taurus  und dann sah ich ihn… Arndt…

Schweißgebadet fuhr ich auf. Ich war noch in meinem Quartier und lag auf meinem Bett. Die Unform über den Sessel geworfen, der Rest lag auf dem Boden. Ich musste unmittelbar nach meiner Ankunft eingeschlafen sein.

Ich richtete mich nun komplett auf und rieb mir die Augen. Was für ein scheiß Traum. Mein Blick fiel auf die Uhr. Etwa vier Stunden hatte ich geschlafen, ohne durch einen Zwischenfall gestört worden zu sein.

Der Vorzug als Commander einer Raumstation, dass mir ein Cleandarsk allein gehörte, das stand nur noch den Offizieren zu, soweit sie über ein eigenes Quartier verfügten und es nicht mit Kollegen teilen mussten.

Ich stand unter den Cleandarsk und spürte sofort, wie die kleinen Düsen die geringe Menge Wasser mit viel Luft über meinen Körper verteilten und massierten. Trotz der angenehmen Frische spukte mir der Traum im Kopf herum.

Lag es an Gabriel, dass ich nun von Arndt träumte? Das warme Gebläse, das mich nun von allein Seiten trocknete, rief meine Schlafstätte zurück in Erinnerung. Ein paar Stunden Schlaf mehr wären sicher kein Luxus.

Ich stieg aus der Darsk heraus und wollte mich gerade anziehen, als der gewohnte Ton der Tür mir ansagte, dass jemand vor der Tür stand.

„Einen Moment bitte…”, rief ich.

„Keine Eile, Sir!”, konnte ich die Stimme von TO Forester erkennen.

„Ach Sie sind es Maik, kommen Sie herein.”

Das Schott schob sich zur Seite und Maik trat in den Raum. Mittlerweile hatte ich mir eine Shorts übergezogen.

„Sir, ich…”, begann Maik und musterte mich erst, bevor er weiter redete, „… ich habe mit Staffone Fontaine einen neuen Energieplan erstellt, um unseren Schutzschirm um fünfzig Prozent zu erhöhen.”

Ich verbiss mir ein Grinsen, denn die ganze Zeit wanderten Maiks Augen über meinen Körper.

„Brauchen Sie dafür meine Genehmigung?”

„Eigentlich… nicht, ich wollte mich nur vergewissern, dass Sie davon in Kenntnis gesetzt worden sind.”

Ich schlüpfte in meine Hose und zog ein Hemd über.

„Benachteiligt das irgendwie unseren Annihilationskern?”

„Nicht im Geringsten.”

„Das hört sich gut an. Maik, setzen Sie sich, mir fällt da noch etwas ein, worüber ich mit Ihnen noch reden wollte.”

„Geht es um den Pool, Sir?”

„Welchen Pool?”, fragte ich verwundert.

Maik lief rot an, woraus ich schließen konnte, dass er mir jetzt etwas gesagt hatte, von dem ich noch nichts gewusst hatte. Keine Antwort ist auch eine Antwort.

„Ich denke, darüber können wir uns später unterhalten. Mir geht es jetzt um etwas anderes. Maik, können Sie mir sagen, ob es möglich ist, unsere Waffen zur Verteidigung zu verstärken?”

Sein Kopf schien auf Hochtouren zu arbeiten.

„Wieso fragen Sie das?”, kam es plötzlich von Maik, „müssen wir mit einem Angriff rechnen?”

„Maik ich weiß es nicht, aber ich habe so eine Ahnung und auf die kann ich mich normalerweise verlassen.”

„Möglich wäre das sicher. Ich habe schon einige Male die Schiffe unserer Gäste etwas unter die Lupe genommen und da ist mir Einiges aufgefallen, was die Bewaffnung betrifft.”

„Gut, stellen Sie darüber einen Bericht zusammen, wenn möglich in den nächsten Stunden. Je schneller wir damit anfangen, umso besser. Sie können ja Staffone Fontaine zur Hilfe nehmen.”

„Der befindet sich auf der Krankenstation, Sir. Er hat vorhin im Maschinenraum einen Strahlungsalarm verursacht.”

„Was? Warum wurde ich nicht darüber in Kenntnis gesetzt?”

„Ein Befehl von Staffone Fontaine selbst.”

„Okay, verbleiben wir so wegen dem Bericht und den Pool habe ich nicht vergessen!”

*-*-*

Eine viertel Stunde später betrat ich die Krankenstation.

„Hallo Commander Clifferton, was führt Sie zu mir”, begrüßte mich Dr. Ross.

„TO Forester berichtete mir, dass Staffone Fontaine bei Ihnen wäre, wegen eines Strahlenalarms.”

„Dafür waren die MO’s verantwortlich. Durch seine erhöhte Leistung im Okzipitalslappen seines Gehirnes wurde Strahlungsalarm ausgelöst, ihm geht es soweit gut.”

Sie erzählte mir das, als wäre es ein normaler Prozess.

„Ich mach mir Sorgen um unseren Staffone. Wir wissen nichts über diese… MO’s.”

„Seine Cerebralisation hat sich über 500 Prozent gesteigert.”

Ich verstand nur Bahnhof.

„Dr. Ross, könnten Sie das auch für einen Normalsterblichen erklären?”

„Entschuldigen Sie Peter. Wenn man sich eine Weile mit Gabriel unterhält, vergisst man schnell, sich normal auszudrücken. Was ich sagen wollte, die Entwicklung seines Gehirn hat sich enorm erhöht.”

„500 Prozent?”, fragte ich erstaunt.

„Ja. Aber Sie haben Recht, eins ist mir aufgefallen, was mir Sorgen bereitet. Sein Zellaufbau ändert sich…”

„.. auch eine Erhöhung?”

„Nein, das Gegenteil. Seine Zellen regenerieren sich recht langsam. Der Stoffwechsel kommt fast zum Erliegen.”

„Und was heißt das für Gabriel?”

„Wenn sich die MO’s nicht bemühen, dies in den Griff zu bekommen wird Gabriel krank. Er würde Krankheiten bekommen, die seit dem 22. Jahrhundert ausgerottet sind.”

„Und Sie können nichts für ihn tun?”

„Im Augenblick nicht.”

Ich atmete tief durch.

*-*-*

Ich war auf dem Weg in den Maschinenraum. TO Forester hatte einige Ideen, die er mir mitteilen wollte. Das Problem mit den MO’s war noch immer nicht gelöst. Der Schutzschild konnte nicht abgeschaltet werden, weil immer noch Spuren der fremden Intelligenz vorhanden waren.

Nicht nur das, der Schutzschild wurde von diesem sonderbaren Phänomen, das unsere Kommunikation störte, noch gespeist. Was aber auch hieß, dass die Raumstation im Augenblick weder verlassen noch angesteuert werden konnte.

Der Tumult auf den Abflugdecks war heftig, wie mir SO Darwsen fast ständig mitteilte. Die Nauti war ebenso in einen Schutzschirm gehüllt, da sich Reste von den Lebensformen an ihrer Außenhülle festgesetzt hatten.

Der Schott zum Maschinenraum öffnete sich. Hier herrschte im Gegensatz zum Rest der Station reges Treiben, man könnte fast sogar schon ein Durcheinander sagen.

„Sir, wir haben ein Problem”, hörte ich Forester rufen.

„Ja?”

„Diese… Wesen dringen in die Station ein.”

„Sche…!”, entfleuchte es mir und konnte gerade noch den Rest des Wortes vermeiden.

Ich lief zu Maik, der wie wild an seiner Konsole arbeitete.

„Wo…?”

„Das ist komisch Sir.”

„Was?”

„Sie scheinen genau zu wissen, wo unsere wichtigsten Punkte sind, also ich meine, sie verteilen sich an den Stellen, die lebensnotwendig sind.”

„Auch das Waffensystem?”

„Ja…”

„Schon irgendwelche Ausfälle?”

„Das ist sonderbar…”

„Jetzt lassen Sie sich doch nicht jede Information einzeln aus der Nase ziehen, Maik!”

„Verzeihung, Sir. Entweder spielen die Messwerte verrückt, oder unser Schutzschild hat sich gerade um zwanzig Prozent gesteigert.”

„Sir?”, tönte es aus meinem Kommunikator.

„Ja, Spencer?”

„Sie sollten auf die Brücke kommen, hier tut sich etwas.”

Maik schaute mich an und zuckte mit den Schultern.

„Hätten Sie vielleicht die Freundlichkeit, dieses Etwas zu detaillieren?”

„Ich kann es nicht genau erklären. Aber der Computer zeigt Dinge auf der Raumstation an, die so nicht sein können.”

„Okay, ich bin gleich bei Ihnen.”

„Aye Sir.”

„Maik, Sie halten mich am Laufenden!”

„Aye Sir.”

Man beneidete mich immer um meine gute Figur, aber wenn man bedachte, wie viele Kilometer ich auf dieser Station zu Fuß zurücklegte, war es auch kein Wunder, dass mein Körper so durchtrainiert aussah.

Wieder auf der Brücke überzeugte ich mich nun selbst über diese Details der Raumstation an, die so nicht sein konnten. Aber Spencer hatte recht, entweder waren die Sonden der Station defekt oder sie wurde wirklich größer.

Den stillen Alarm hatte ich bisher noch nicht aufgehoben und nach dem, was ich da sah, hatte ich das auch nicht vor.

„Okay, schicken Sie an diese Punkte Sicherheitseinheiten, um den Maschinenraum kümmere ich mich höchstpersönlich, Spencer. Sie haben wieder das Kommando.”

„Aye Sir! Wo ist denn Staffone Fontaine? Hätte er nicht…”

„Auf der Krankenstation!”, unterbrach ich Spencer und verließ die Brücke.

„Dr. Ross?”, rief ich durch meinen Kommunikator.

„Ja, Commander?”

„Wie geht es Gabriel?”

„Alle Werte liegen im normalen Bereich.”

„Muss er auf der Krankenstation bleiben?”

„Eigentlich nicht, ich wollte…”

„Gut, dann schicken Sie ihn bitte in den Maschineraum. Danke!”

Ich ließ sie gar nicht erst ausreden.

„Okay Commander…”

Wenige Minuten später betrat ich erneut den Maschinenraum. Gabriel stand bereits bei Maik und unterhielt sich mit ihm.

„Was Neues meine Herren?”, fragte ich, denn sie hatten mich noch nicht bemerkt.

„Wir stellen überall auf der Station Optimierungen der Systeme fest”, antwortete Maik.

„Das hört sich doch gut an.”

Ich ließ meinen Blick durch den Maschinenraum wandern, bis er an einer kleinen Tür haften blieb.

„Was befindet sich hinter dieser Tür?”, fragte ich und zeigte darauf.

„… eine… Abstellkammer…”, stotterte Maik.

„Da bin ich mir nicht mehr so sicher…”, merkte ich an und lieh mir eine Gramikwaffe vom Sicherheitspersonal.

Ich lief zur Tür und zielte gleichzeitig darauf.

„Sir… da…”

„Was Maik?”

„Dahinter befindet sich… ein Pool…”

„Sind Sie sicher?”

Maik schaute mich verwundert an. Mittlerweile hatte ich die Tür erreicht. Ich hob die Waffe erneut an und zielte, bevor ich die Tür öffnete. Maik stand nun dicht hinter mir.

„Sir… ich…”, begann Maik zu stammeln.

„Maik… Moment.”

Ich drückte den Knopf und die Tür fuhr auf. Was mir da entgegenprangte, sah weder nach einer Abstellkammer aus, noch  nach einem Raum mit Pool.

„Holla die Waldfee…, was ist das?”, hörte ich Maik neben mir sagen.

Ich betrat diesen Raum, den man eigentlich kaum noch als Raum bezeichnen konnte, denn ich konnte ja nicht mal ein Ende sehen. Vor mir tat sich sprichwörtlich ein Dschungel auf.

„Was ist das?”, fragte Maik erneut.

„Sie wiederholen sich Maik, aber ich denke, das ist ein Dschungel.”

„Das sehe ich selbst, aber wie… wie kommt der in die Abstellkammer meines Maschinenraumes?”

Ob sich mein TO gerade bewusst war, in welchem Ton er mit mir geredet hatte? Ich musste grinsen und ließ die Waffe sinken.

„Überall auf dem Schiff haben wir laut Sensoren Formerweiterungen der Station”, erklärte ich.

„Die MO’s?”, meldete sich nun Gabriel zum ersten Mal zu Wort.

„Was anderes kann ich mir nicht vorstellen”, gab ich zum Besten.

„Faszinierend”, meinte Gabriel.

„Schon… aber ich verstehe nicht, warum die Prestige regelrecht aufgefressen wurde und die Taurus dagegen zusehends wächst”, meinte ich.

Ich sog die Luft in der einstigen Abstellkammer tief ein und fragte mich still, wie lange es wohl schon her war, dass ich den Duft frischer Früchte gerochen hatte.

„War das ein Vogel?”, fragte Maik, der dicht hinter mir lief.

Ich lauschte.

„Kann sein.”

Ich sah Pflanzen, die ich eigentlich nur noch von Bildern aus dem Archiv kannte. Etwas anderes geschah aber auch, was mich aus meinen Tagträumen zurück zerrte. Man hörte ein Quietschen und Krachen.

Als würde sich Metall verbiegen. Ich schaute zurück auf den Eingang, wo sich noch immer Gabriel befand.

„Brücke?”

„Ja Sir?”, meldete sich Spencer.

„Was war das eben?”

„Ich kann es nicht genau sagen, Commander.”

„Dann vielleicht eine ungenaue Prognose?”, meinte ich genervt.

Maik neben mir grinste.

„Die Vergrößerung der Station nimmt jetzt schon 27 % ein, Sir. Der zusätzliche Raum belastet die Basisträger der Station.”

„Sie werden aber halten, oder?”

„Da bin ich mir sicher.”

„Haben sich die Sicherheitseinheiten schon gemeldet?”

„Ja, Sir.”

„Und was berichten die?”

Maik hob seine Hand vor den Mund und versuchte, ein Kichern zu unterdrücken. Ich rollte mit den Augen und wartete auf Antwort.

„Widersprüchliches… Sir.”

„Spencer, was ist mit Ihnen los? Sie sind doch sonst nicht auf den Mund gefallen!”

„Sir, es ist nur so…, das, was ich hier sehe… und was der Sicherheitsdienst meldet… das … das ist unmöglich. Es kann einfach nicht sein.”

„Doch kann es… ich steh auch mitten im Dschungel.”

„Dschungel Sir? Wie meinen Sie das?”

Maik drehte sich weg und fing an zu lachen. Ich hatte nicht vor, Spencer hier ausführliche Beschreibungen dessen abzugeben, was ich gerade sah oder wo ich gerade stand.

„Hat sich etwas an unserer Kommunikation geändert CO Shown?”

„Nein Sir… wobei… Moment… ich empfange wieder etwas.”

Ich lief, während ich auf Cats Antwort wartete, wieder zum Eingang zurück.

„Sir, es kommen unterschiedliche Meldungen über Angriffe fremder Wesen herein”, meldete sich Cat wieder.

„Sir, ich sehe mehrere Objekte auf dem Schirm, die einen ungefähren Kurs auf unsere Station haben”, meldete sich nun NO Mac Neal.

„Ich bin gleich auf der Brücke.”

„Aye Sir.”

„Sie kommen”, flüsterte Gabriel, als ich die Tür erreichte.

„WER? Die MO’s? Die sind doch schon in Hülle und Fülle auf der Station verteilt.”

„Nein…”, antwortete Gabriel und trat zur Seite.

„Maik, Sie unterrichten mich, wenn es Neuigkeiten gibt und wegen dem Pool sprechen wir uns noch.”

„Aye Sir.”

„Staffone, Sie kommen mit mir.”

Gabriel nickte.

Wenig später betraten wir gemeinsam die Brücke.

„Mac Neal, legen Sie die Karte auf den großen Schirm.”

Einige Sekunden später sah ich unser Umfeld auf dem Display. Unsere Station wurde noch immer von diesem leicht rötlichen Feld umgeben.

„Sir, ich habe die Koordinaten der Schiffe ausgerechnet”, meldete sich Spencer zu Wort, „sie werden unseren Sektor in ca. dreißig Minuten erreichen. Ihr Kurs führt sie dennoch an Taurus vorbei.”

„Sir?”, rief Cat.

„Ja?”

„Ich bekomme eine Audioaufzeichnung herein.”

„Auf den Schirm.”

Nach etwas Geflimmer festigte sich langsam ein Gesicht eines mir unbekannten Kommandanten. Im Hintergrund sah man Funken sprühen und Feuer lodern.

„An alle im Sektor Gammaquadranten. Meiden Sie die Taurus! Ein Angriff steht unmittelbar bevor…”

Das Bild verzehrte sich ständig. Auf der Brücke war es völlig ruhig und alle Blicke starrten gespannt auf den Hauptschirm.

„… die feindliche Übernahme ist sehr wahrscheinlich…”

Eine weitere Explosion durchschüttelte das Schiff und die Audioverbindung brach ab.

„Sir”, meldete sich Spencer zu Wort, „die Taurus hat ihr Erscheinungsbild zu 90 Prozent verändert.”

„Ist es möglich, eine Außenansicht zu bekommen?”

„Ja Sir…”

Wenig später erschien auf dem Hauptschirm das Bild der Taurus, welches alle stocken ließ. Man konnte hören, wie so mancher auf der Brücke scharf die Luft einsog. Sämtliche Augenpaare starrten weit geöffnet auf den Schirm, so manches ungläubiges Kopfschütteln folgte. Die Taurus hatte sich in der Tat verändert und war man zuvor noch von den Veränderungen im Innenbereich überrascht gewesen, so konnte man auf die äußere Veränderung nur noch mit Unglauben reagieren. Wo man vorher drei große rotierende Kugeln gesehen hatte, befand sich nun ein großer viereckiger Block.

„Wow”, entfleuchte es Spencer.

„Sie treffen den Nagel auf den Kopf… Lebenserhaltungssysteme?”

„Alles voll funktionsbereit, Sir.”

„Gefechtsstatus?”

„Unsere alte Ausstattung ebenfalls zu hundert Prozent funktionsbereit, neue Technik kann ich nicht sagen.”

Ein Blick zu Spencer zeigte mir, dass er sich in seiner Haut nicht wohlfühlte. Aber dies tat keiner auf der Brücke, mich nicht ausgeschlossen. Die Außenansicht der Taurus prangte immer noch auf dem Hauptschirm.

Aus dem Augenwinkel heraus sah ich, wie sich Gabriel neben Spencer an die freie Konsole setzte. Wie alle anderen nahm ich ebenso das seltsame Glühen wahr, welches von meinem ersten Offizier ausging.

Spencer wich etwas zurück.

„Feindliche Schiffe in Sichtweite…”, unterbrach NO Mac Neal die Stille.

„Auf den Schirm…”, sagte ich.

Das Bild der Taurus verschwand und sechs Schiffe kamen ins Blickfeld.

„Soll ich sie scannen?”, fragte Mac Neal.

„Nein”, kam es von Gabriel.

Verwundert schaute ich meinem Staffone über die Schulter und bemerkte, dass er sich alle Funktionen der Station auf die Konsole gezogen hatte.

„Sie haben uns noch nicht bemerkt…”, sprach er weiter.

„Nicht bemerkt?”, fragte Spencer verwirrt.

Mir fiel auf, dass Gabriels Stimme anders als sonst klang, irgendwie etwas mechanisch, … auf keinen Fall mehr wie seine eigene.

„Die MO’s haben mit ihrer Optimierung des Schutzschilds sämtliche Möglichkeiten, uns zu erfassen, zum Erliegen gebracht.”

Sie optimierten die Station, aber warum? Weshalb fand die Station nicht so ein jähes Ende wie die Prestige?

„Weil wir die MO’s als Verbündete haben.”

Entsetzt schaute ich Gabriel an. Konnte er jetzt Gedanken lesen? Gabriels Kopf wandte sich zu mir.

„Entschuldigen Sie Commander, das war nicht meine Absicht”, sprach er im ruhigen Ton.

In dem Moment betrat Dr. Ross die Brücke. Ein kurzer Blickwechsel sagte mir, dass etwas nicht in Ordnung sein konnte. Sie trat an mich heran und schaute mich mit traurigen Augen an.

„Sir, wenn die feindlichen Truppen ihren Kurs beibehalten, fliegen sie an uns vorbei.”

Also bestätigten sich Gabriels Angaben. Ich verstand zwar nicht, was da vor sich ging, aber ich versuchte, ihm zu vertrauen. Dr. Ross zog mich zur Seite.

„Was ist?”, fragte ich leise.

„Die Werte von Staffone Fontaine sind besorgniserregend. Ein normaler Mensch würde bereits kollabieren. Seine Körperorgane sind menschlich geblieben, aber alle optimiert, wie von einem Rechner gesteuert.”

„Sie meinen er wird…”

„Das kann ich Ihnen nicht sagen, Commander. Er könnte auch zum ersten biogenetischen Roboter mutieren.”

Jetzt verstand ich auch Dr. Ross’ traurigen Blick.

„Die psyonischen Waffen und multitransferen Waffen sind ebenso bereit”, ließ Gabriel verlauten.

„Was für Dinger?”, fragte Spencer.

„Psyonische Waffen legen nicht nur das gegnerische Schiff lahm, sondern beeinflussen die Psyche der Mannschaft”, erklärte Gabriel in sachlichem Ton, „das Ergebnis der multitransferen Waffen bestückt mit den MO’s haben Sie an der Prestige gesehen.”

„Und beide haben wir zur Verfügung?”

Gabriel nickte.

„Wäre es dann nicht von Vorteil, diese Gegner mit einem Überraschungsangriff in die Knie zu zwingen, bevor sie uns vielleicht doch noch entdecken?”

Spencers Frage war berechtigt und ich schaute genauso gespannt wie er zu Gabriel.

„Das liegt im Ermessen des Commanders, wobei ich der Meinung bin, dass wir den Gegner erst besser studieren sollten, bevor wir ihn vernichten.”

Nun schauten alle auf mich. Einen Angriff zu starten wäre zwar sinnvoll, weil sich die gegnerischen Schiffe sehr dicht an der Taurus befanden, aber ich musste auch an die vielen Zivilisten auf der Station denken, von unseren Gästen ganz zu schweigen.

„Sind unsere Staffel und die Nauti mit den gleichen Waffen ausgestattet?”, fragte ich.

Gabriel nickte erneut.

„Würde ein Angriff unserer Staffel etwas ausrichten und die Station trotzdem durch den Schild weitestgehend im Verborgenen bleiben?”

„Riskant, aber machbar”, war Gabriels Antwort.

Spencer schaute fragend.

„Bei Nichtgelingen des Angriffs könnte die Rückkehr der Staffel unseren Standort verraten.”

Mein Kopf arbeitete auf Hochtouren und dachte über das Für und Wider eines Angriffs nach.

„Sir, wenn ich offen sprechen kann…”, begann Gabriel und ich nickte ihm zu, „die Idee zu einem Überraschungsangriff könnte von Vorteil für zukünftige Vorfälle mit den Fremden sein. Ein Restrisiko des Entdecktwerdens bleibt aber nach wie vor.”

„Spencer nehmen Sie sich die Nauti und zehn Schiffe der Staffel und statten den Fremden einen Besuch ab… jedes Feuer ist zu erwidern!”

„Aye Sir”, rief Spencer.

„Glauben Sie, das war die richtige Entscheidung?”, fragte Dr. Ross.

Ich zuckte schweigend mit den Schultern.

Wer konnte diese Frage im Vornherein schon beantworten?

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