08. Türchen – Samtpfote und Engelshaar

Fine war wieder gegangen und ich beschloss, den Computer anzuwerfen. Mika war durch die Klappe in der Tür verschwunden. Der PC fuhr hoch und Windoof hieß mich herzlich willkommen.

Fine hatte noch etwas von einer Homepage erzählt, die über das Haus und ihre Insassen handelte. Dort sollte ich mich mal durchkauen. Das Internet ging recht zügig auf und ich gab die Adresse ein, die mir Fine dagelassen hatte.

Die Frontalansicht der Hauses prangte mit plötzlich entgegen und ein Willkommensgruß des Direx. Ich ließ mein Blick über das Menu wandern und hielt bei Einwohnern inne. Ein Kasten ging auf und ein Passwort wurde angefragt.

Das hatte Fine mir nicht gesagt. Ich klickte das Feld regestieren an und ein Feld mit Datenabfrage öffnete sich. Ich überflog das Verlangte und wunderte mich über die Zimmernummerabfrage.

Konnten hier nur Schüler des Internats hinein. So fühlte ich jedes Feld aus und drückte am Schluss Enter. Ein Bild von Fine ging auf und einen kleiner Willkommensgruß. In einem Intro wurde erklärt, dass man hier alles über sich hineinschreiben konnte.

Es bestand sogar ein privates Tagebuch zu führen, dessen Zugriff man total verwehren konnte oder die besten Freunde konnten darin lesen. Hörte sich interessant an. So begann ich alle Fragen zu beantworten, die gestellt wurden.

Ein Bild hatte ich leider keines, aber ich war mir sicher, dass ich Jonas fragen konnte, wie ich eins bekommen würde.

Ich speicherte alles ab und mein Blick fiel wieder auf das Tool Tagebuch. Ich klickte darauf und wieder wurde ein Passwort verlangt. Ich gab mein angegebenes ein und es öffnete sich eine Seite, die aussah, wie ein aufgeschlagenes Buch.

*-*-*

Wo war denn nur Cleo abgeblieben. Ich hatte schon einige Flure durch, aber finden konnte ich sie nicht.

 

„Suchst du wen?“, hörte ich eine Stimme hinter mir.

 

Ich drehte meinen Kopf und vor mir stand gefleckter Kater.

 

„Ich suche Cleo“, antworte ich.

 

„Ah, du bist der Neue, sie hat mir schon von dir erzählt.“

 

„Ja, ich bin Mika.“

 

„Mein Name ist Clifferton.“

 

„Seltsamer Name.“

 

„Ja, ich weiß, aber mein Herrchen schwärmt für alles Englische… so bekam ich diesen Namen.“

 

„Und weißt du nun, wo Cleo steckt?“

 

„Im Zimmer ihres Herrchens vermute ich mal, aber da würde ich jetzt nicht hingehen.“

 

„Warum nicht.“

 

„Das ist ein komischer Typ, man könnte meinen er mag keine Katzen, jedenfalls die Katzen anderer.“

 

„Dann geh ich glaube noch etwas fressen und dann zurück zu meinem Herrchen.“

 

„Gute Idee, ich habe auch Hunger.“

 

*-*-*

Ich überflog das, was ich geschrieben hatte, alles, was ich hier bisher erlebt hatte. Enter und schon war es gespeichert. *Freunde erlauben* stand da. Freunde. Ein Thema, über das ich schon viel nachgedacht hatte.

Hier hatte ich zum ersten Mal die Chance wirkliche Freunde zu finden, wenn ich es nicht versiebte. Und um gleich den ersten Schritt zu tun, trug ich Fine und Tilly bei Freunde ein. Wieder wanderte der Mauspfeil auf die Bestätigung.

Ich atmete tief durch, denn mein Blick fiel auf mein Avatar, den ich mir im Internet herunter geladen hatte. Ein Minigraffiti auf dem *Schwul na und* stand. Mein Hirn war zwar jetzt auf Hochkonjunktur, weil ich nicht wusste, was mir der Tag Morgen bringen würde.

So beschloss ich mich einfach auf Bett zu werfen und etwas zu dösen und versuchen abzuschalten.

Ein Klopfen ließ mich aufschrecken. Ich muss echt eingeschlafen sein. Etwas benebelt rief ich: „Ja?“

Die Tür öffnete sich und Tilly schaute herein.

„Alles klar?“, fragte er.

Ich nickte. Tilly schloss hinter sich die Tür und setzte sich vor mir auf den Boden. Dann kam der gleiche durchdringende Blick, den ich schon bei Fine genießen durfte.

„Danke“, meinte er und grinste mich an.

„Öhm, für was?“

„Für dein Vertrauen… war vorhin auf deinem Tagebuch… interessant geschrieben.“

„Ach so“, meinte ich und lief rot an.

„Du Tülle… hättest auch was sagen können, als ich mich so an dich rangeworfen habe, dass dir das unangenehm ist.“

Ich konnte nicht anders und musste kichern.

„Öhm… unangenehm war das nicht…“

Jetzt lief Tilly rot an.

„Du… äh… ich bin nicht schwul… wollt ich nur… mal anmerken.“

„Hätte ich auch nicht gedacht.“

Ich wunderte mich, dass mir hier alles so leicht von der Lippe ging, meine Schüchternheit war wie verflogen.

„Wieso nicht… bin ich hässlich… nicht dein Typ?“, fragte Tilly entsetzt.

Jetzt konnte ich nicht anders und begann zu lachen.

„Gut! So gefällst du mir viel besser.“

Er war nun schon der Zweite, der mich innerhalb kürzester Zeit mich zum Lachen brachte.

„Das hat nichts damit zu tun ob du mir gefällst, Tilly.“

„Interessant und mit was hat es zu tun?“

„Ich muss den Mensch lieben, dem ich mich hingebe, mich hingezogen fühle.“

„Da fährst du aber gleich schwere Geschütze auf.“

„Ich denke, dass ist doch bei jedem so, oder?“

„Kann ich dir nicht sagen, nur für mich sprechen und ich gebe dir weitgehend Recht.“

„Nur weitgehend?“

„Ja, denn man darf auch schwärmen… verliebt sein.“

„Hast ja Recht, aber soweit bin ich nicht, um öffentlich für jemanden zu schwärmen, oder meine Verliebtheit zu zeigen.“

„Gibt es denn da jemand?“

„Nein.“

„Die Antwort kam fast etwas zu schnell, man könnte meinen, da gibt es jemand, über den du nicht reden willst.“

„Nein, ich habe bisher noch niemanden getroffen, der meinen Vorstellungen entspricht.“

„Könnte es sein, dass deine Vorstellungen zu hoch angesiedelt sind, weil du noch niemanden gefunden hast?“

„Weiß nicht, aber ich glaube es auch nicht, denn Ehrlichkeit und Vertrauen sollte bei jeder Freundschaft sein oder?“

„Stimmt, aber vielleicht wirst du ja gefunden?“

„Von wem?“

„Bin ich Jesus? Die Frage kann ich dir nicht beantworten, aber ich weiß etwas anderes, ich habe Hunger, komm es gibt bald Abendessen.“

Ich hörte in mich und stellte fest, auch einen Happen vertagen zu können.

„Dann mal los…, was gibt es denn heute Abend zu Essen?“

„Weiß nicht, was willst du denn kochen?“

*-*-*

Das wird wohl zur Manie meines Herrchens, das er nie da ist, wenn ich zurück komme. Egal mein Bauch ist voll und jetzt heißt es erst mal entspannen. Mir ging Jonas nicht aus dem Kopf, was hatte der an sich.

Ich verstand ihn und er kann hören was ich denke, dass kann doch sonst niemand von den Zweibeinern. Auf dem Bett mit ausgestreckten Gliedern machte ich es mir bequem und beschloss einfach auf Herrchen zu warten.

*-*-*

„Komm du scherzt, oder wie hast du das gemeint“, fragte ich Tilly, als wir zur Kantine hinunter liefen.

„Nein, Sonntagabend hat das Personal frei und wir haben die Möglichkeit uns selber zu versorgen, wenn wir möchten, ansonsten irgendwie essen zu gehen oder so etwas.“

„Gehe ich richtig in der Annahme, dass ich jetzt etwas kochen soll, weil ihr gehört habt, ich koche gerne?“

„Schnellmerker“, grinste mich Tilly frech an.

„War das geplant?“

„Schuldig im Sinne der Anklage!“

Das Grinsen von Tilly war ansteckend.

„Und wer ist in den Plan noch eingeweiht?“

„Och nur Fine, Nadine, Gerrit und ich.“

„Och nur… so, so.“

Mittlerweile waren wir an der Kantine angekommen. Es waren auch einige andere Schüler da, aber nicht soviel, als wenn es regulär Essen gab. Eine weitere Überraschung erwartete mich in der Kantine.

Dort saßen schon die drei Mittäter um einen herrlich gedeckten Tisch. Und irgendwie hatten alle drei das gleiche Grinsen drauf.

„Und, hast du ihn schonend darauf vorbereitet?“, fragte Fine.

„Brauchte ich nicht, er ist von selbst darauf gekommen“, antwortete Tilly.

„Und was gibt es Leckeres zu essen?“, kam es von Nadine.

Alle Blicke fielen auf mich.

„Ich weiß nicht, was kann man den hier kochen?“

„Im Lager ist alles vorhanden, was schnell und einfach geht.“

„Und wo ist dieses Lager?“

„Das zeige ich dir“, meinte Nadine und stand auf.

Ich folgte ihr durch die Küche zu einem Kühlhaus, dass sie öffnete.

„Gekühlte Sachen stehen alle hier und die Tür daneben ist das Trockenlager.“

Ich sah mich kurz um und ging dann in den Nebenraum. Schnell war mir klar, dass ich irgendetwas mit Nudeln kochen konnte. Ich schnappte mir ein Päckchen Nudel und eine Zwiebel, lief zurück in das Kühlhaus, um mir die restlichen Sachen zu holen.

*-*-*

„Das war übel“, stöhnte Fine.

„Was? Hat es dir nicht geschmeckt?“, fragte ich entsetzt.

„Nein, das Gegenteil, ich habe viel zu viel gegessen.“

„Mir geht es nicht anders“, meinte Tilly und rieb sich über den Bauch.

„Also ich bin die erste, die sich in deinem Kochkurs anmeldet, wenn man da so leckere Sachen kochen lernt“, sagte Nadine, „und werde dann jede Woche das Rezept der Woche in der Schülerrubrik setzten.“

„Gute Idee!“, meinte Fine.

Mein Blick wanderte zu Gerrit, der die ganze Zeit still am Tisch gesessen war. Sein Teller war leer und er sah ebenso gesättigt aus wie die Anderen.

„Wollt ihr noch ein Dessert?“, fragte ich grinsend.

„Liebend gerne… aber heute nicht, mein Bedarf ist vollends gedeckt“, erwiderte Tilly.

Die anderen nickten zustimmend.

„Och schade, da wäre so eine schöne Himbeerquarkcreme…“

„Du bist fies Jens, weißt du das?“, meinte Nadine.

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