Lebenspartner auf Umwegen – Teil 7

7. Synergie – Das Zusammentreffen

Micha
Ein undefinierbares Geräusch drang von Ferne an mein Ohr. Mein dickes flauschiges Oberbett hatte ich bis an die Nasenspitze gezogen und die wohlige Nestwärme lullte mich ein.

„Weiterschlafen…“, spulte mein vom Alkohol weitestgehend benebeltes Unterbewusstsein ab.

Irgendwann konnte ich das penetrante Schellen der Türklingel nicht mehr ignorieren. Mein Gott, wer erlaubte sich da üble Scherze mit mir? Es war Samstag, mitten in der Nacht, behutsam öffnete ich die Augen. Der Wecker auf dem Nachtschränkchen verriet mir die Uhrzeit: es war viertel nach sechs.

Einige Minuten später wechselte der Klingelton. Der Störenfried war also schon bis zur Etagentür vorgedrungen; es musste ihn jemand rein gelassen haben, der gerade das Haus verlassen hatte. Verdammt. Unmöglich, es weiter zu ignorieren. Nur halb bei Bewusstsein schwenkte ich meine Beine aus dem Bett, erst mal Bodenhaftung bekommen. Stöhnend hielt ich mir den schmerzenden Brummschädel. Ich vertrug einfach nicht viel Alkohol, grundsätzlich bekam ich davon Kopfschmerzen, wenn ich eine gewisse Dosis überschritt. Dieser Depp schien jedoch nicht aufgeben zu wollen. Immer wieder läutete es, so langsam war ich gewaltig angenervt. Behäbig schlüpfte ich in Jeans und T-Shirt und schritt ziemlich unsicheren Schrittes zur Tür. Ich öffnete … und dachte, ich träume noch – da stand doch glatt …

„Enrico???“, blökte ich dann auch sogleich ziemlich blöde, denn dass der da stand, war wohl offensichtlich. Mein Gesicht, was ich dabei zog, wollte ich lieber erst gar nicht sehen müssen.

Der Alkohol wirbelte mir noch im Blut herum und ich war schlicht und ergreifend völlig überfordert. Zum Glück nahm Enrico die Sache in die Hand. Gut schaute er aus, um nicht zu sagen blendend, was für ein fantastischer attraktiver Mann, aber völlig erschöpft wirkte er, fast erschreckend, wenn ich es recht bedachte. Die Gedanken flossen in meinem Kopf so schnell wie in Wackelpudding.

„Hey, Micha! Ich hatte so sehr gehofft, dass du da sein würdest“, begann er geradezu eindringlich, „bitte, sag jetzt nichts… Glaub mir, ich hab dich nicht einfach hängen lassen, ich hatte unterwegs auf der Fahrt zum Bahnhof einen Unfall. Schau her…“, sprachs, schmiss seine Tasche hin, warf die Jacke darüber und schon zog er sich das T-Shirt über den Kopf.

Ich dachte auf der Stelle ohnmächtig werden zu müssen, und zwar gleich aus zwei Gründen. Zum einen hatte dieser Typ wirklich einen traumhaften Körper, zu dem schönen Gesicht der kräftig gebaute wohl definierte gebräunte Torso, andererseits wurde mir übel bei dem Anblick der Verletzungen, ich bin da etwas sensibel. Zweifeln konnte ich am Gesagten nicht mehr, das war Beweis genug.

Die Zahnräder in meinem Schädel drehten langsam, aber sie drehten. Enrico konnte also absolut nichts dafür. Er hatte mich gar nicht versetzt. Und dann war er nachts hierher gekommen, vermutlich mit dem Auto, um mich zu sehen. Extra nur für mich! Mann, war ich gerührt, ich hätte heulen können vor Glück. Allein dieser geschundene Oberkörper hielt mich davon ab, Enrico sogleich um den Hals zu fallen. Endlich wurde mir bewusst, wie dämlich ich war. Er stand halbnackt im Treppenhaus des Achtfamilienhauses, die anderen Mieter dürften sich freuen; wenn die wüssten, würde die Schlange stehen.

„Ähm, Enrico, sorry, ich bin nicht ganz zurechnungsfähig, ich hab mir gestern Abend aus Frust ziemlich einen hinter die Binde gekippt, ich vertrage nicht sonderlich viel. Ein paar Gläser Wein zuviel tun da schon das ihrige“, jammerte ich, „aber wirklich klasse, dass wir nun doch noch Zeit und Gelegenheit haben, uns richtig kennenzulernen. – Komm bitte erst mal rein.“

„Gern“, ließ Enrico mit einem bezaubernden Lächeln verlauten, und schon standen wir im Wohnzimmer.

„Und kein Problem, ich kann mir gut vorstellen, dass du gefrustet warst“, fuhr er derweil fort, „du, Micha, ich bin ehrlich gesagt fix und fertig. Es war alles etwas zu viel für mich. Bei aller Liebe, ich brauche Schlaf, und zwar dringend, wäre das ok? Wenn ich das so sagen darf, ich hab den Eindruck, als könntest du auch noch etwas gebrauchen, so wie du aussiehst“, und grinste mich unverschämt dabei an.

„Entschuldige, klar, komm. Macht es dir was aus, neben mir zu schlafen? Ich habe ein durchgehendes Doppelbett, zwei mal zwei Meter groß, ich brauche das einfach. Im Schrank ist noch ein zusätzliches Oberbett für dich. – Und eine Seite des Bettes gehört dir allein“, beeilte ich mich zu sagen.

Zu mehr war ich nicht in der Lage, konnte mich kaum auf seine Worte konzentrieren. Schließlich hatte ich noch kräftig Restalkohol intus.

„Nein, ist ok, ich würde auch ganz nah bei dir schlafen, es würde eh nix passieren, ich bin einfach nur groggy. Weitere Gespräche verschieben wir, bis wir uns beide etwas erholt haben? Du siehst auch nicht gerade taufrisch aus“, endete Enrico in einem süffisanten Lächeln, welches mir eine gesunde Röte aufs Gesicht zauberte.

„Okay, ich mach mir dann noch eben eine … äh… Wärmflasche, die brauch ich jetzt.“

Es wurde mit meiner Gesichtsfarbe nicht gerade besser durch diesen Satz. Nun, es war Winter und der wenige Schlaf, ist das also ein Wunder?

Enrico begann schallend zu lachen. „Kannst auch eine aus Fleisch und Blut haben, ich rücke dann bei energetischer Erfolgsbilanz keusch in andere Gefilde.“

Dieser Blick! Der Typ flirtete mit mir, seine Augen – mit Lachfältchen *schmelz* – blitzten in einem strahlenden Blau, und die Grübchen um seinen sinnlichen Mund, all das war im Moment zu viel, Reizüberflutung nennt man das wohl.

Also gut, warum auch nicht, rein ins Schlafzimmer, raus aus der Jeans, hinlegen, schlafen… Ich merkte dann noch, dass Enrico auch seine Hose auszog und sich – in folge seiner Blessuren sehr dezent – an mich schmiegte. Wohlige Wärme umfing mich, und schon war ich ins Land der Träume entschwunden.

Enrico
Hier lag ich nun neben Micha, immer noch eng an ihn geschmiegt, und ließ meine Gedanken treiben wie kleine Papierschifflein auf dem Wasser. Der Kleine schlief tief und fest. Fünf Stunden Schlaf hatten mich ausreichend erquickt, all die Eindrücke und die unbekannte Umgebung ließen mich wohl nicht weiter in Morpheus Armen ruhen.

Ein eigenes Oberbett hatte Micha mir gar nicht mehr rausgesucht, er war direkt eingeschlafen. Kein Problem, ich fühlte mich pudelwohl. Micha erstaunte mich immer noch, er hatte so etwas Unschuldiges und Unverdorbenes an sich, ich konnte es nicht besser beschreiben. Klar hatte ich Lust mit ihm zu schlafen, zwar war er viel kleiner und schmächtiger als ich, aber sein Körper war wohlproportioniert und gefiel mir wirklich gut. Ob das alles Beschützerinstinkte in mir weckte? Ein klein wenig sicher, musste ich grinsen. Nein, so ohne weiteres würde ich ihn nicht anrühren, wenn etwas Sexuelles passieren sollte, müsste er damit anfangen.

Allein seine Nähe tat mir gut. Ein paar Mal hatte ich bisher so etwas Ähnliches gespürt, aber nicht so deutlich. Bei Tim zum Beispiel. Ach, nein, das war etwas ganz anderes. Es war klar, dass wir nur miteinander schlafen würden. Tim war ein Lebemann, schnell war dieses innige Gefühl verschwunden und von einer enthemmten Erotik überdeckt worden. Tim war echt gut im Bett. Oder Markus, da war es ähnlich wie bei Tim, oder Oliver… Ja, für all diese Jungs hatte ich wirklich etwas übrig, und doch unterschied es sich gewaltig. Die gemeinsamen Signale trafen sich auf einer anderen Ebene als jetzt hier. Wie sehr hoffte ich, Micha und ich würden uns gut verstehen! Es musste einfach so sein, das, was ich spürte, das konnte keine Illusion sein, das durfte es einfach nicht!

Eine merkwürdige Melancholie überkam mich. All das hatte noch gar kein Fundament und ich meinte einem Tagtraum aufzusitzen. Doch zwang ich mich schnell zur Ruhe, mehr als abwarten blieb mir nicht übrig.

Meine Verletzungen schmerzten und ich brauchte einen Lagewechsel. Natürlich versuchte ich leise und vorsichtig zu sein, um Micha nicht zu stören, aber sogleich erklang seine Stimme:

„Na du, auch schon wach? Wie geht’s dir?“, und drehte sich dabei zu mir um.

Sanft ruhte sein Blick auf mir.

„Oh, Micha, bist du schon länger wach?“, fragte ich erstaunt. „Ich dachte, du schläfst noch.“

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Ganz zerknautscht wirkte er noch, unwillkürlich streckte ich meine Hand aus und streichelte über seinen Kopf.

„Nein, ich bin schon einige Zeit wach, aber es war … – … so schön, dich zu spüren.“ War da eine leichte Röte auf den Wangen zu sehen? Wie niedlich! Mann, war der schüchtern.

Erst einmal brauchte ich jetzt eine Dusche und was zu futtern. Micha war sogleich einverstanden. Also duschten wir ausgiebig, natürlich jeder für sich allein, und frönten einem üppigen Frühstück, bestehend aus einer riesigen Tüte voll Brötchen und Croissants, Nussnougatcreme, Honig, Marmeladen, Wurst, Käse, heißer Schokolade und viel Kaffee. Das tat vielleicht gut, wir ließen uns alle Zeit der Welt und lauschten der Musik von Mylene Farmer. „C’est une belle journée“ erklang der fröhliche Gute-Laune-Titel aus den Lautsprechern, ja, ein schöner Tag war es bisher wirklich.

Nach anfänglicher gefräßiger Stille, die durchaus nicht unangenehm war – schon jetzt liebte ich Micha dafür, denn nicht mit jedem Menschen kann man Stille ertragen –, plauderten wir stundenlang über alles mögliche. Natürlich erzählte erst einmal jeder seine Erlebnisse des letzten Tages, und im Nachhinein konnten wir beide schon etwas lockerer damit umgehen. Das spezielle Ereignis mit Sascha ließ ich jedoch aus, ich wollte Micha nicht gleich verschrecken. Dann wurde es wieder etwas stiller, und wir beide betrachteten uns, während Mylene in ihrem französischen Song „L’histoire d’une fee c’est…“ sang:

„Hab einen Wunsch oder auch zwei,

dann schließe die Augen.

Ich bin hier,

für all jene,

deren Augen nicht kalt sind,

die an mich glauben.

Wünsch dir ernsthaft etwas,

und dann glaube an das Mysterium.

Alles ist hier,

es ist einfach, so einfach, …

Los, komm, beeil dich …“

„Hast du dir etwas gewünscht?“, durchbrach ich die Stille und schaute Micha tief in die Augen.

Er zuckte ein klein wenig zusammen und wirkte überrascht, ich merkte es ebenso an seiner Stimme.

„Was meinst du?“

„Das Lied. Hast du dir etwas gewünscht? ‚Hab einen Wunsch oder auch zwei,

dann schließ die Augen, wünsch dir ernsthaft etwas, und dann glaub an das Mysterium’“, wiederholte ich den Songtext.

„Darauf habe ich gar nicht geachtet“, erwiderte Micha mit einem Lächeln, „aber was nicht ist, kann ja noch werden. Hast du dir denn etwas gewünscht?“

Seine Neugier war offensichtlich.

„Ja, habe ich, aber ich sag’s nicht, sonst geht’s nachher nicht in Erfüllung“, verkündete ich feierlich.

Eigentlich war ich gar kein Mensch, der an so etwas glaubte. Aber in dieser Atmosphäre passte es einfach.

„Sag mal“, wechselte Micha das Thema, „wie geht’s eigentlich deinen Verletzungen? Hast du irgendetwas dabei, eine Salbe oder so?“

„Mmh, im Krankenhaus haben die mir ein Rezept ausgeschrieben, aber ich hatte noch keine Zeit, zur Apotheke zu gehen.“

„Ich hab da was sehr gutes, ist zwar homöopathisch, aber ein wahres Wunderzeug bei Entzündungen, Abschürfungen, Prellungen usw. Ob Pickel oder Kratzer, das hilft immer. Wenn du magst, könntest du es ja mal ausprobieren.“

Micha stand auf, verschwand kurz und reichte mir dann eine blau-weiße Tube. Der Name sagte mir jedoch nichts.

„Du könntest mich ja verarzten“, grinste ich Micha an.

„Liebend gern“, konterte er selbstbewusst, und wir schauten uns in die Augen, aber ich spürte sehr wohl, dass er ein wenig verlegen war.

„Wenn ich recht überlege, wäre der beste Ort wohl oder übel dein großes Bett?“, fragte ich behutsam, wollte keine Anspielungen oder Doppeldeutigkeiten in den Raum stellen.

„Doch, klar, da hast du recht, deine Verletzungen sind sowohl vorn, seitlich als auch noch ein Stück Richtung Rücken, das wird das beste sein. Da haben wir viel Bewegungsspielraum.“

Ich war froh, dass Micha es sachlich sah. An einer schnellen Nummer mit ihm war mir gar nicht gelegen. Viel mehr genoss ich die angenehme Atmosphäre zwischen uns, wir mochten uns offensichtlich, und es lag auch etwas in der Luft, was ich noch nicht recht greifen konnte, aber es knisterte ohne Frage.

Schon hatte ich mich oben herum ausgezogen und es mir auf dem Bett bequem gemacht.

„Am besten legst du dich auf deine rechte Seite“, schlug Micha vor, „dann komme ich an alle Stellen ganz gut dran, denke ich.“

Gesagt, getan. Ich schloss meine Augen und schon spürte ich Michas weiche Hand, indem er behutsam die kühle Creme verrieb. Keine Ahnung, was mit mir los war, aber ich hatte den Eindruck, jede Berührung war eine zärtliche Liebkosung voller Gefühl, äußerst intensiv. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Wunderschön war das und ich hoffte, es würde nicht enden.

„Ist dir kalt? Du hast ja überall Gänsehaut“, kam es fast ein wenig besorgt von Micha.

„Nein, bestimmt nicht, daran liegts nicht“, antwortete ich knapp.

Schließlich sagte ich es doch:

„Ehrlich gesagt bin ich noch nie so zärtlich berührt worden, noch nie. Es ist einfach nur klasse.“

„Oh…“, darin erschöpfte sich Michas Reaktion.

Tief in mir wurde etwas aus einem Dornröschenschlaf wach geküsst.

Micha
Natürlich gab ich mir Mühe, Enrico behutsam und – ja, es stimmt: zärtlich – zu verwöhnen. Er tat mir leid, schließlich könnte man fast behaupten, er hatte all die Schwierigkeiten wegen mir. Andererseits zog mich Enrico unglaublich an. Sein Äußeres, seine Ausstrahlung, und wir kamen einfach super aus miteinander, ich fühlte mich fantastisch in seiner Gegenwart.

Längst war ich fertig mit Eincremen, aber ich nahm immer wieder ein bisschen aus der Tube und fing von vorn an. Irgendwann streichelte ich einfach über Brust und Rücken, den ganzen nackten Oberkörper. Enrico schnurrte dazu wie eine Katze und ich fühlte mich sehr geschmeichelt, dass er eine dicke Beule in der Hose hatte, aber mir ging es ja genauso. Eine äußerst erregende Situation.

Längst wusste ich, dass ich mich bei diesem Mann nicht lange aufsparen könnte, aber noch nicht jetzt, beschloss ich.

„Ich glaube, ich bin fertig“, stellte ich lapidar fest, eine reine Scheinaussage, und Enrico wusste das genau.

„Ah, ich denke, ich könnte noch etwas von der Creme vertragen. Die tut wirklich gut.“

Dabei schenkte Enrico mir ein so süßes Lächeln, dass ich nicht anders konnte, als mich zu ihm herab zu beugen und ihm einen zärtlichen Kuss auf den Mund zu geben.

„Aufstehen, Großer, hast du Lust auf einen kleinen Spaziergang? Einmal den Kreislauf in Schwung bringen?“

„Einspruch! Ich bin ein armes gequältes Unfallopfer, ich kann nicht!“, erwiderte Enrico mit einem gespielten Stöhnen.

Doch dann grinste er und setzte sich auf.

„Ja, ist eine prima Idee. Auf!“, sprang vom Bett und zog sich etwas über.

Der Spaziergang war sehr schön. Ein wunderbares Gefühl war es, Enricos Hand zu spüren, die sich um meine schloss; beide Hände steckten dann zusammen in Enricos Jackentasche, damit meine Hand nicht kalt würde, sagte er. Ist er nicht süß? Derweil alberten wir herum, neckten uns und lachten viel. Die frische Luft tat das ihrige dazu. So fühlten wir uns wie neu geboren, als wir wieder daheim saßen.

Ursprünglich wollte ich ja das Wochenende in München verbringen. Daher hatte ich nicht viele Nahrungsmittel eingekauft. Wir beschlossen dann spontan, einfach essen zu gehen. Enrico bestand darauf mich einzuladen, dagegen konnte ich mich letztlich nicht wehren. Ich kannte einen sehr guten Italiener nicht weit von hier. Uns beiden hat es dort dann sehr gut geschmeckt.

Abends machten wir es uns bei mir gemütlich, ich war froh, dass Enrico nichts vermisste, ich bin nicht so der Party-Typ. Eine gute Flasche Rotwein, dieses Mal nur zwei oder drei Gläser, schöne Musik, ein paar Kerzen als einzige Beleuchtung, dann machten wir es uns auf dem Sofa gemütlich und hatten uns eine Menge zu erzählen, schließlich war einiges nachzuholen. Im Laufe der Stunden kuschelte ich mich immer enger an Enrico. Er legte seine Arme um mich und ich fühlte mich so was von geborgen in dieser intimen Nähe, es war schier unglaublich. Ich streichelte ihn behutsam am ganzen Körper, ich denke, wir beide fühlten uns sehr wohl.

Der erste richtige Kuss war wohl der sinnlichste, zärtlichste und zugleich begehrlichste, den ich je in meinem Leben erlebt habe. Ab diesem Zeitpunkt gab es für uns beide kein Halten mehr…
Epilog
Enrico
Inzwischen sind Micha und ich seit über drei Jahren fest zusammen. Diese Jahre sind die schönsten meines Lebens. Ich bin frisch verliebt wie ein Teenager. All diese Zärtlichkeit und Liebe, das hat mir zuvor noch nie ein Mann gegeben. Meinen Kleinen gebe ich nie wieder her. Wir können gar nicht genug voneinander bekommen.

Klar, wirklich begeistert war Micha nicht, als ich ihm von meinen ganzen Sexdates erzählte, auch das mit Sascha habe ich ihm nicht verschwiegen, da ich denke, es sollte keine Geheimnisse zwischen zwei Liebenden geben. Aber wir haben immer viel miteinander geredet. Ich habe versucht, Micha alles zu erklären, meine Bedürfnisse, meine Gefühle, meine Enttäuschungen. Inzwischen steht da nichts mehr zwischen uns, und Gott sei Dank vertraut mir Micha. Es ist wirklich manchmal nicht leicht, plötzlich nach all den Jahren zuvor ein treuer „Ehemann“ zu sein, doch mein Geheimnis ist es, in jeder prekären Situation an Micha zu denken, was er mir gibt, und das will ich nicht verlieren, auf keinen Fall!

Ich habe den Eindruck, dass Micha und ich uns perfekt ergänzen. Vieles hat er mir offenbart, mir die Augen geöffnet. Seine Weichheit und Sensibilität, seine Offenheit, seine Zärtlichkeit, seine Liebe, all das ist eine große Bereicherung für mein Leben. Vieles hat das in mir zum Schwingen gebracht, und daran bin ich ohne Frage gewachsen und auch glücklicher geworden.

Natürlich ist das Leben voller Herausforderungen, auch gibt es Grenzen, Dinge, wo wir uns nerven, streiten, uneins sind. Doch erstens ist das völlig normal, zudem lassen wir uns davon nicht unterkriegen. Die Kunst ist es doch, auch nachgeben zu können, Fehler zuzugeben, um Verzeihung zu bitten, aus solchen Situationen zu lernen. Klar, das bleibt eine Herausforderung bis zum letzten Atemzug. Aber wir wollen es versuchen, das sind wir uns wert.

Inzwischen wohnen wir beide in München. Micha hat Arbeit hier unten gefunden, er ist ganz begeistert, auch sind seine geliebten Berge so nah, dass wir fast jedes Wochenende einen Ausflug in die Alpen unternehmen.

Meine Eltern haben Micha gleich ins Herz geschlossen. Den BMW hat mir Mama übrigens geschenkt. Vor neun Monaten sind wir in eine größere Eigentumswohnung gezogen, sie gehört meinen Eltern. Sie sagen, ihnen läge es am Herzen, dass wir uns wohl fühlen und ich hätte bereits gezeigt, dass ich auf eigenen Beinen stehen könnte.

Carsten plant, deutlich zu expandieren. Vielleicht investieren meine Eltern und ich werde Carstens Geschäftspartner, aber das ist noch Zukunftsmusik.

Leider habe ich erst jetzt richtig gespürt, dass ich nie richtige Freunde hatte. Viel zu oberflächlich habe ich gelebt. Aber ich habe einen großartigen Partner an meiner Seite und zusammen bauen wir uns hier ein neues Leben auf.

Micha, ich liebe dich, möge es immer so bleiben.

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