It’s raining – Teil 9

„Ruf Lewis an oder Marco“, sagte Daniel ängstlich.

Ich beschloss beide anzurufen. Marco würde schneller hier sein und Lewis wusste über alles Bescheid und konnte von London aus schon etwas unternehmen.

Lewis war schockiert und versprach, nachdem er alles erledigt hatte, sofort her zu kommen.

Daniel stand am Fenster und schaute nach draußen ins Dunkel.

„Marco wird sicher gleich da sein“, versuchte ich ihn zu beruhigen.

Aber wie hätte ich ihn beruhigen können, wenn ich selbst Angst hatte?

„Da kommt ein Wagen die Auffahrt herauf“, riss mich Daniel aus den Gedanken.

Das konnte unmöglich schon Marco sein. Ich lief zu Daniel ans Fenster.

„Das ist nicht Marco…“, meinte ich, während ich versuchte, mehr zu erkennen.

Die Schweinwerfer wurden gelöscht und es stiegen zwei Personen aus dem Wagen.

„Maude“, hörte ich Daniels leise Stimme.

„Vater…“, flüsterte ich in gleicher Lautstärke.

„Was wollen die hier…?“

„Was werden die wohl wollen? Deine Schwester ist sauer auf dich, mein Erzeuger auf mich.“

„Was machen wir jetzt…? Marco ist noch nicht da…“

„Ich weiß es nicht Daniel. Alle Lichter im Haus sind aus, man kann hier nicht herein schauen…“

„…aber du bist ans Telefon gegangen, die wissen, dass wir hier sind.“

„Wie sollen sie hier herein kommen? Es ist eine stabile Haustür aus Metall und die Fenster sind auch mehrfach gesichert.“

„Ich habe Angst…“

Ich nahm ihn in den Arm. Plötzlich hämmerte es an die Haustür. Daniel und ich fuhren zusammen.

„Macht auf, wir wissen dass ihr da drin seid“, hörte ich Maude schreien.

„Komm, wir schleichen uns nach oben“, flüsterte ich Daniel zu.

Ich zog ihn an der Hand und er folgte nur widerwillig, da wir dicht an der Haustür vorbei mussten. Gerade als wir in Höhe der Tür angekommen waren, schlug etwas hart gegen die Tür.

Daniel schrie auf.

„Die sind da drin, ich hab es dir doch gesagt“, schrie Maude draußen.

„Mach die Tür auf! Oder ich schlage sie ein!“, hörte ich die Stimme meines Vaters.

Ich zog Daniel die Treppe hinauf, der mir zitternd hinterher wankte. Plötzlich hörten wir einen Schuss und der Aufschlag folgte zugleich. Einer der beiden schoss auf die Tür.

„Die… haben eine Waffe“, hörte ich Daniel weinerlich flüstern.

„Daniel… ich habe es gehört, aber es bringt nichts, wenn wir hier stehen und weiter warten.“

Ich wusste nicht, woher ich die Ruhe nahm. Natürlich hatte ich soviel Angst wie Daniel, aber hier herum stehen und darauf warten was passieren würde, brachte nichts. Mir fiel die kleine Seitentür auf dem oberen Flur ein.

„Ich habe eine Idee… komm!“

Daniel kam nur zögernd hinter her, immer wieder schaute er sich um, während das Krachen an der Haustür immer stärker wurde.

„Die haben sie gleich auf.“

„Daniel bitte… komm!“

Ich zog ihn zu der kleinen Tür im Flur.

„Was ist das?“, fragte Daniel ängstlich.

„Der Zugang zum Turm…“

Daniel schien wohl begriffen zu haben, was ich vorhatte und zog am ersten Riegel, scheiterte aber, da dieser leicht eingerostet zu sein schien.

„Die geht nicht auf…“, wimmerte Daniel.

Ich zog den zweiten Riegel nach oben und hatte mehr Glück, er ließ sich problemlos öffnen. Auch die anderen beiden ließen sich ohne Schwierigkeiten aufhebeln. Der Krach unten wurde fast unerträglich und zehrte an meinen Nerven.

Daniel hing an mir, zitterte stark und weinte. Ich trat mit dem Fuß gegen den Riegel, ein stechender Schmerz durchfuhr ihn. Ich verzog mein Gesicht. Aber die Angst, dass die beiden gleich ins Haus eindringen konnten, ließ mich weiter machen.

Ich trat erneut gegen den Riegel und dieses Mal bewegte er sich ein Stück. Daniel ließ mich los und begann daran zu ziehen. Mit einem lauten Krachen ließ er sich nun auch öffnen. Im gleichen Augenblick donnerte unten die Haustür auf.

Ich hielt Daniel den Mund zu und schob ihn in den kleinen dunklen Gang zum Leuchtturm. Unten konnte ich Geschrei vernehmen, aber durch das Schließen der Schottür konnte ich nicht verstehen, wer was schrie.

Daniel klebte an mir wie eine Klette.

„Ich sehe nichts…“, flüsterte er ängstlich.

„Wir müssen uns langsam vortasten“, gab ich ebenso leise zurück, „aber erst muss ich die Tür von innen noch verriegeln.“

Langsam tastete ich mich an die Riegel heran und legte jeden einzeln herum. Ich fühlte, dass auf dieser Seite zusätzliche Bolzen angebracht waren. Sie waren zwar schwer zu bewegen, aber so konnte man die Tür von der anderen Seite her nicht öffnen.

Auf der anderen Seite war dumpfes Gepolter zu hören.

„Sie kommen herauf…“, hörte ich Daniel sagen.

Gerade noch rechtzeitig hatte ich den letzten Riegel umgelegt und gesichert.

„Die haben sich sicher hier oben versteckt und scheißen sich vor Angst in die Hose“, hörte ich Maude sagen.

Kurz darauf hörten wir wieder einen Schuss.

„Hör doch mit der Ballerei auf“, schrie mein Vater, „nachher triffst du noch jemanden.“

„Ist doch egal, dann hätten wir sie gleich los.“

„Nicht hier!“

Mir drehte es fast den Magen herum und ich spürte, wie sich Daniels Hand in meiner verkrampfte und fester zudrückte. Nachdem ich mich vorsichtig umgedreht hatte, schob ich ihn langsam vor mir her, wodurch er den Part des Abtasters übernehmen musste.

Bisher hatten sie diese Tür noch nicht gefunden oder geöffnet, dachte ich.

„Da ist wieder eine Tür“, flüsterte Daniel.

Seine Stimme klang unsicher und fast hysterisch.

„Lass mich vorbei, Daniel… ich versuche sie zu öffnen!“

Ich drückte mich an Daniel vorbei und spürte gleich schmerzhaft, wo die Tür anfing, denn ich stieß mit dem Kopf gegen einen Riegel.

„Das kann doch nicht sein, die müssen doch hier irgendwo sein.“

„Haben wir etwas übersehen?“

„Nein, alle Räume waren leer.“

„Gibt es hier einen Keller?“

„Ich habe keinen gesehen… halt, was ist das für eine Tür?“

Billy

Ich war hinaus gerannt.

„Dad“, schrie ich, aber keine Antwort kam.

Der Wind war stärker geworden und trieb mir den Regen ins Gesicht. Mit dem Wagen konnte er nicht weg sein, der stand noch vor der Scheune. Ich versuchte etwas zu erkennen, was aber bei dieser Dunkelheit schwierig war.

Die kleine Lampe an der Veranda schaukelte im Wind hin und her, was die Sache nicht erleichterte. Mum kam auf die Veranda gelaufen.

„Billy, komm wieder herein, das hat doch keinen Sinn.“

„Mum“, schrie ich zurück, „er ist wegen mir hier draußen, ich muss ihn finden.“

„Warte, ich komme mit dir.“

„Nein Mum bleib bitte im Haus, ich werde ihn schon finden.“

Sie blieb auf der Veranda stehen, während ich das Haus umrundete.

„Dad?“, rief ich weiter.

Es kam immer noch keine Antwort.

Der starke Regen erschwerte meine Suche, denn ich konnte fast nichts erkennen, zudem musste ich aufpassen, mit meinen Turnschuhen nicht im Schlamm stecken zu bleiben.

„Daaaaaaaaaaaaad?“

Mittlerweile war ich am Bach angekommen, der fast bis zum Rand gefüllt war und den Boden komplett aufgeweicht hatte.

„Dad?“

Ich versuchte etwas zu hören, doch der Wind pfiff mir so um den Kopf, dass ich keinerlei anderen Geräusche hören konnte.

Ich stapfte weiter und stolperte plötzlich über etwas. Natürlich segelte ich in den Matsch und schlug hart auf dem Boden auf. Laut fluchend versuchte ich aufzustehen, um gleichzeitig zu ertasten, was da im Weg lag.

Ich spürte ein Stück Stoff… ein Bein.

„Dad?“, schrie ich und tastete weiter.

Er bewegte sich nicht. Auf allen vieren krabbelte ich neben ihm weiter, bis… ich stockte. Sein Kopf hing im Wasser.

„Dad“, schrie ich wieder und zerrte an ihm.

„Dad bitte… sag doch etwas.“

Ich bekam ihn richtig zu greifen und zog ihn zu mir heran. Ich konnte nicht weit entfernt die Lichter des Hauses erkennen.

„Mummmmmmmm“, schrie ich, aber auch hier gab es keine Antwort, der Sturm war einfach zu stark.

Was konnte ich nur machen? Dad war recht schwer und bei diesem Untergrund konnte ich ihn nicht über den Boden ziehen.

„Muuuuuuuuuum“, schrie ich verzweifelt, aber ich konnte keinerlei Bewegung am Haus feststellen.

Dad bewegte sich immer noch nicht, aber er atmete. Ich strich ihm über das Gesicht und versuchte, Gras und Schlamm zu entfernen.

„Dad, komm doch zu dir…“, begann ich zu weinen.

Ich bekam eine Wut auf mich, eine Wut auf Dad, dass wir uns beide so kindisch benommen hatten. Die Wut steigerte sich so dermaßen, dass ich ihm mit der flachen Hand ins Gesicht schlug. Er reagierte prompt und bäumte sich auf.

„Dad… komm… bitte.“

„Was… wo bin ich…?“

„Du bist gestürzt…“

Sein Hirn schien zu arbeiten und er erinnerte sich, was passiert war.

„Billy…, es tut mir so leid“, fing er an zu weinen.

„Dad, bitte… nicht“, meine Tränen liefen ungehinderte herunter und vermischten sich mit dem Regen, der auf mein Gesicht prasselte.

Er schüttelte den Kopf. Ich versuchte aufzustehen und zog an seinem Arm.

„Lass mich liegen…“, hörte ich ihn krächzen.

„Einen Teufel werde ich tun… du kommst mit“, schrie ich und zog noch kräftiger.

Dads Gegenwehr war nicht groß und er versuchte ebenso aufzustehen. Doch keinen Meter weiter stürzte er wieder hin und zog mich mit nach unten. Erneut stemmte ich mich nach oben, nahm seinen Arm über meine Schulter und zog ihn wieder hoch.

Dads Gewicht lastete auf meinem Rücken und ich wusste nicht, ob ich das bis zum Haus schaffen konnte. Dad noch total benommen stolperte neben mir her und ich versuchte, den Lichtern zum Haus zu folgen.

Immer wieder rutschten wir auf dem Schlamm aus und landeten auf dem Boden. Ich spürte, wie meine Kräfte schwanden, um mich herum alles verschwamm. Ich bildete mir ein, vor mir Stimmen zu hören und Taschenlampen zu sehen.

Wieder stürze ich mit Dad hin, konnte mich unter seinem Gewicht fast nicht mehr bewegen. Plötzlich wurde es leichter, jemand zog an Dad und auch ich spürte, wie jemand nach meinen Armen griff und mich hochzog.

*-*-*

Ich fuhr hoch und fand mich in meinem Bett wieder.

„He, alles okay!“

An meinem Bett saß Holly.

„Was ist… passiert? Wo ist Dad…?“

„Ganz ruhig, der liegt in seinem Bett und der Doc ist bei ihm.“

Ich ließ mich wieder zurückfallen und ein stechender Schmerz durchfuhr meine Schulter. Ich griff nach ihr und fühlte einen Verband.

„Du solltest vielleicht etwas vorsichtiger sein, deine Schulter war ausgekugelt.“

„Ausgekugelt?“, fragte ich fassungslos.

„Ja“, antwortete Holly, „du hast dich wohl übernommen mit deinem Dad.“

„Scheiße…“

„Das kannst du laut sagen.“

„Und was ist mit meinem Dad, kann ich zu ihm, warum ist der Doc bei ihm?“

„Halt…, halt! Nicht zu schnell, ich wurde extra hier her gesetzt, damit du eben nicht aufstehst. Deinem Dad geht es soweit gut. Er hat bisschen viel Wasser geschluckt, muss ausgerutscht und mit dem Kopf gegen einen Stein geknallt sein.“

„Autsch.“

„Ja, sah nicht schön aus…, überall das Blut. Aber halb so schlimm, war nur eine kleine Platzwunde.“

„Und wie kommst du hier her?“

„Deine Mum hat bei uns angerufen, war total neben sich. Da hat Dad Mum ins Auto gepackt und zu euch rüber gefahren. Dad hat euch knapp hinter dem Haus gefunden.“

„Ach so… jetzt verstehe ich.“

Es klopfte sacht an der Tür.

„Er ist wach“, rief Holly und die Tür öffnete sich.

Mum und Lacey erschienen.

„Alles klar bei dir, Billy?“ fragte Mum.

„Ging schon besser… Mum, es tut mir Leid…“

Sie schüttelte den Kopf und ich redete nicht weiter.

„Holly, wir wollen dann fahren“, meinte Lacey, „und dir Billy gute Besserung.“

„Danke Lacey“, sagte ich.

Sie lächelte mir zu und verließ mein Zimmer wieder, als ich von draußen einen Wagen hörte.

„Wer kommt da noch?“, fragte ich.

Holly grinste.

„Gute Besserung“, meinte sie und war auch verschwunden.

„Das ist nur Sam…“, meinte Mum, die durch mein Fenster nach draußen sah.

„Sam? Ich dachte, der wäre hier.“

„Nein, der ist in die Stadt fahren, um etwas zu holen.“

„Was denn?“

„Wirst du schon sehen. Jetzt ruh dich erst mal aus!“

Nun war ich wieder alleine in meinem Zimmer. Unten hörte ich plötzlich Stimmen, aber ich konnte nichts verstehen. Also beschloss ich zu Dad zu gehen, egal was man mir sagte. Vorsichtig und unter Schmerzen richtete ich mich auf.

Die Schulter zog heftig. Ich wusste nicht, dass eine ausgekugelte Schulter so schmerzen konnte und warum hatte ich diesen riesigen Verband an? Ich war am Flur angekommen. Unten war man in die Küche gegangen, wo man heftig diskutierte.

Das war mir aber egal, denn ich wollte unbedingt zu Dad. So lief ich hinüber und öffnete langsam die Schlafzimmertür. Dad lag im Bett und hatte die Augen geschlossen. Am Kopf hatte er einen Verband.

Ich schloss die Tür hinter mir und schlich leise zum Bett.

„Hallo…“, sagte Dad plötzlich.

„Du bist wach?“ sagte ich erschrocken, als hätte man mich ertappt.

„Ja, mit den Kopfschmerzen kann ich nicht schlafen.“

Ich setzte mich aufs Bett und schaute ihn mitleidig an.

„Dad…, es tut…“

„Kein Wort, okay!“

Verwirrt schaute ich ihn an.

„Billy“, er nahm meine Hand, „was ich gemacht habe, ich weiß, das war absolut scheiße damals von mir… das weiß ich.“

Mein Dad sagte scheiße?? War die Wunde am Kopf womöglich doch schlimmer, als man es mir sagte?

„Aber bitte glaub mir, dass ich nie etwas gegen dein Schwulsein gehabt habe. Das damals war eine Anreihung unglücklicher Umstände, auf die ich nicht stolz bin.“

„Ich weiß…, es tat nur irgendwie weh, als ihr das erzählt habt.“

„Hat es dich so sehr getroffen, dass ich ihn zusammengeschlagen habe?“

„Das im Nachhinein weniger…, eher dass ihr mir nicht mehr vertraut habt.“

„Hättest du dann anders reagiert?“

Ich zuckte mit der Schulter. Draußen wurde es lauter. Etwas polterte die Treppe hinauf und die Stimmen wurden lauter.

„Das kannst du nicht machen!“, hörte ich Lacey sagen.

„Was ist denn da draußen los?“, fragte Dad.

„Ich weiß es nicht. Lacey wollte eigentlich gehen und Sam ist gerade angefahren gekommen.“

„Billy?“, hörte ich Mum rufen, doch bevor ich antworten konnte, wurde die Tür aufgerissen.

„Ach hier bist du“, sagte eine mir vertraute Stimme.

„Matthew?“, sagte ich fassungslos.

Er stand neben Mum abgestützt auf Krücken.

„Wie… wie kommst du hier her…, warum bist du nicht mehr im Krankenhaus?“

„Dein Sohn hat eine merkwürdige Art seinen Freund zu begrüßen“, meinte Matthew trocken und hinter ihm fing jemand an zu lachen.

Mum grinste ebenfalls.

„Als ich zu Hause anrief und keiner da war um die Zeit machte ich mir Sorgen. Da habe ich Dads Handy versucht und da ging Holly dran und erzählte mir eine Horrorgeschichte von einem fast ertrunken Vater und einem verletzten Sohn.“

Dad fing neben mir an zu kichern. So lustig fand ich das jetzt auch nicht.

„Da habe ich Dad verlangt und darauf bestanden, dass er mich vom Krankenhaus holt.“

„Und das ging so einfach?“, fragte ich noch immer total verwirrt.

„Ich glaube ich gehe wieder, ich werde hier anscheinend nicht gebraucht“, meinte Matthew und begann sich umständlich zu drehen.“

Dad schubste mich von hinten an.

„Matthew, entschuldige, ich bin etwas neben mir… bleib gefälligst hier.“

„Etwas? Ich frage, wer hier am Kopf verletzt ist.“

Wieder fingen alle an zu kichern.

„Matthew Kingsley!“

„Ja, der bin ich!“

„Matthew, es wäre besser, wenn du dich wieder hinlegst, du weißt was der Arzt gesagt hat“, hörte ich seine Mutter sagen, bevor ich etwas sagen konnte.

„Nun los, geh zu deinem Schatz und legt euch beide hin“, sagte Dad hinter mir.

Ich verdrehte mich, gab ihm einen Kuss auf die Wange und stand wieder auf. Als ich dann endlich vor dem Kerl meiner Träume stand, grinste der mich nur frech an.

„Komm, Lacey, wir fahren nach Hause, Matthew ist hier in guten Händen, wie mir scheint.“

„Aber…“

„Nichts aber, ich sorge persönlich dafür, dass er morgen wieder ins Krankenhaus kommt“, unterbrach Sam seine Frau, „und nun bringen wir Holly heim, die muss ins Bett.“

„Immer ich…“, motzte Holly.

Die drei verabschiedeten sich von Dad und uns beiden und Mum begleitete sie nach unten. Ich schloss hinter mir die Schlafzimmertür und stand nun allein mit Matthew im Flur. Die Verbände waren ab und auch keine Pflaster mehr zu sehen.

„Hallo…“, sagte ich leise.

„Hallo… Billy.“

Er beugte sich leicht vor und gab mir einen Kuss. Ich seufzte, wie sehr hatte ich das vermisst.

„Komm, gehen wir in mein Zimmer.“

„Stimmt, lange kann ich ohnehin nicht mehr stehen.“

Ich lief voraus und Matthew humpelte mir hinter her.

Tassilo

Die Tür zum Turm war nicht verschlossen, mit einem Ruck fielen wir beide in einen Innenraum des Turmes. Ich war froh, denn man begann bereits an der anderen Tür zu schaffen.

Leise schoben wir unsere Tür zu und verriegelten sie ebenfalls.

„Und jetzt?“, fragte Daniel.

„Warten bis Marco kommt…“

„Aber die haben eine Waffe…“

Ich schaute Daniel in die Augen und konnte die pure Panik erkennen. Mir ging es nicht anders, aber ich hatte keine weitere Idee, was wir sonst noch machen konnten. Ich ließ meinem Blick durch den Raum wandern.

Eine Treppe führte nach unten, die andere nach oben. Nach unten konnten wir nicht, spätestens wenn wir den Turm verlassen würden, hätten sie uns. Also nahm ich Daniel wieder an die Hand und zog ihn die Treppe hinauf.

„Wo willst du hin, wir müssen runter“, meinte Daniel und wehrte sich etwas.

„Nein Daniel… und wenn die da unten warten?“

Daniel schaute mich kurz an und nickte. So liefen wir die Treppe hinauf, bis wir wieder einen Raum erreichten. Hier stand ein alter Motor, der anscheinend früher die Lampe angetrieben hatte.

Ein Geräusch von unten ließ uns beide zusammen fahren.

„Sie sind an der Tür vom Leuchtturm“, sagte Daniel.

„Die ist sicher verschlossen…“, versuchte ich ihn zu beruhigen.

„Das hast du von der Haustür auch gesagt!“, fuhr er mich an.

„Daniel… bitte, ich weiß doch auch nicht, was wir machen sollen.“

„Tassilo, ich habe Angst!“

Er fiel mir um den Hals und begann wieder zu weinen.

„Tassilo… bring mich hier weg…“

Ich wusste nicht, wer von uns beiden mehr zitterte und ich wusste auch nicht, wie lange ich mich noch auf den Beinen halten konnte. Die Übelkeit stieg wieder auf. Aus dem Augenwinkel heraus nahm ich so etwas wie ein leichtes Leuchten wahr.

Ich schaute direkt in die Richtung, aber konnte nur die Treppe nach oben sehen. Daniel, der sich immer noch fest an mich klammerte, drückte ich von mir und zog ihn die nächste Treppe hinauf. Der Lärm von unten wurde lauter, auch dachte ich Schüsse zu hören.

Wie ihn Trance stolperten wir die letzten Treppenstufen hinauf. Wir waren im Raum der Leuchte angekommen. Irgendwie schafften wir es gemeinsam, die schwere Eisenfalltür zu bewegen und zufallen zu lassen.

Selbst dieser Knall ließ uns zusammen fahren.

„Und jetzt…?“

Daniel stand vor mir wie ein Häufchen Elend. Aber ich fühlte mich nicht besser. Verzweifelt schaute ich mich um, ob es irgendetwas gab, was wir auf die Falltür schieben konnten. Aber außer der montierten Leuchte gab es nichts.

Ich zuckte mit den Schultern, denn ich war ebenso ratlos wie Daniel. Die Geräusche, die von unten zu hören waren, machten mir ebenfalls Angst. Der Regen, getrieben vom Wind, peitschte hart gegen die Scheiben.

Billy

Matthew ließ sich mit einem Stöhnen in mein Bett gleiten. Ich nahm ihm die Krücken ab und stellte sie in die Ecke.

„Glaubst du wirklich, dass es eine gute Idee war, nicht im Krankenhaus zu bleiben…? Ich freu mich wirklich, aber…“

„… halt deinen Schnabel und komm endlich zu mir“, unterbrach mich Matthew.

Uh…, der Herr wollte einen auf Macho machen. Grinsend legte ich mich langsam neben ihn.

„Toll, oder?“, sagte er plötzlich.

„Ich richtete mich ein wenig auf und drehte mich zu ihm. Aufstützen war nicht drin, nicht mit den Schmerzen in der Schulter.

„Was meinst du?“

„Jetzt sind wir beide alleine in deinem Bett, könnten Gott weiß was für tolle Dinge miteinander tun und jetzt das.“

Ich konnte nicht anders und fing laut an zu lachen, was meiner Schulter nicht gefiel und ich mein Gesicht verzog.

„Tut es sehr weh?“, fragte Matthew besorgt.

„Geht schon…“

„Wie ist das überhaupt passiert?“

Ich seufzte und ließ mich ins Kissen gleiten.

„Blöde Geschichte…“

„Erzählst du sie mir?“

Ich schaute ihn an.

„Was?“

„Es tut gut, dass du da bist.“

Matthew lächelte.

„Weißt du was, ich geh schnell noch runter, besorg uns etwas zu trinken, dann kuscheln wir hier uns ein.“

„Hört sich gut an die Idee.“

Bevor ich etwas erwidern konnte, ging meine Tür auf. Ich wollte mich gerade beschweren, aber Mum besorgtes Gesicht ließ mich inne halten.

„Es tut mir leid eure traute Gemeinsamkeit zu stören, aber wir müssen hier weg.“

„Wie, wir müssen hier weg?“, fragte ich verwirrt.

„Matthews Dad hat angerufen, der Fluss hier in der Nähe ist über die Ufer getreten und überschwemmt das Land.“

„Und jetzt?“, fragte ich.

„Sam kommt und holt uns ab, unsere Wägen sind für diese Wassermassen nicht geeignet, meinte er.“

„Stimmt“, bestätigte Matthew und bemühte sich aufzurichten.

Da ich mit meiner Schulter nichts groß tun konnte, half ihm Mum auf. Dad kam in mein Zimmer. Sein Gesicht war bleich.

„Geht es?“, fragte ich besorgt.

Er stützte sich am Bett ab.

„Muss gehen… können wir?“, fragte er.

„Ich sollte mir noch etwas überziehen“, meinte ich, was mit dem Verband über die Schulter sicher nicht einfach werden würde.

Draußen hörte man ein Auto anfahren.

„Das wird Dad sein“, meinte Matthew, der nun stand und von Mum seine Krücken bekam.

Ich konnte nicht anders und musste grinsen. Klar, die Situation war ernst, aber dieses Bild, Matthew in Krücken, ich mit Verband an Schulter und Dad mit Verband am Kopf, sah schon komisch aus. Mum hatte mein Zimmer verlassen und kam mit einem Hemd von Dad zurück.

„Das müsste gehen, das ist groß genug“, meinte sie und half es mir anziehen.

„Dann mal los mit dem Krankentransport“, meinte Dad und schwankte zur Tür.

„Dad… warte, stütz dich auf meiner Schulter ab“, meinte ich.

Er schaute mich an.

„He, die linke ist noch heile, die verträgt schon was!“

Er lächelte. So humpelten, schwankten und liefen wir irgendwie die Treppe hinunter, als Sam gerade das Haus betrat.

„Können wir? Die Interstate und die 4 sind in Höhe Spring Creek bereits überflutet, wir müssen uns anders durchschlagen.“

Jetzt machte ich mir schon Sorgen. Die Interstate überflutet?

„Dad, wo sind Mum und Holly?“, fragte Matthew.

„Mit George in deinem Pickup schon in Springfield… hoffe ich.“

„Du weißt es nicht?“

„Die Handyverbindung ist vorhin zusammen gebrochen.“

Wir hielten kurz inne, niemand sagte etwas. Nur der Wind und der starke Regen draußen waren zu hören.

„Los!“, sagte Sam und wir setzten uns in Bewegung.

Sam half Dad als erstes in den Wagen. Ich war ehrlich froh, dass er so einen großen Pickup besaß, in dem wir alle Platz hatten. Matthew jaulte kurz auf, als er in den Wagen kletterte.

„Alles klar, Sohnemann?“

„Geht schon, es tut nur ordentlich weh“, meinte er und ließ sich neben Dad auf die Rückbank fallen.

„Beiß die Zähne zusammen, da musst du jetzt durch! Grace, komm mit Billy am Besten zu mir nach vorne. Schnallt euch an, das wird keine romantische Kutschfahrt.“

Ich stieg neben Mum ein und wollte die Tür zu ziehen, was ich mit meiner Schulter aber nicht schaffte. Also stiegen wir noch mal aus und wechselten die Plätze, diesmal Mum an der Beifahrertür. Nun endlich alle im Wagen, startete Sam den Motor.

Er gab Gas und die Räder des Pickups drehten durch, bevor sich der Wagen in Bewegung setzte. Schon auf dem Weg zur Straße merkte ich, wie der Wagen schlingerte und Sam alle Mühe hatte, ihn in der Spur zu halten.

Auf der Straße angekommen dachte ich, jetzt wird es etwas ruhiger, aber schon nach der nächsten Kurve wurde ich des Besseren belehrt. Mum schrie kurz auf, während Sam mit Gas durch das Wasser fuhr, welches sich über die Straße ergoss.

Matthew heulte kurz auf, als Sam über irgendetwas fuhr und der Wagen ordentlich durchgeschüttelt wurde.

„Festhalten“, rief Sam.

Der Wagen machte einen Hüpfer und wir fuhren wieder auf der freien Straße.

„Das Wasser ist schon dichter, als ich dachte. Ich hoffe, wir schaffen es noch rechtzeitig bis zur Old Jacksonville Road, dann haben wir das Gröbste hinter uns.“

„Dad, die Jacksonville mündet in die Interstate 72 und du sagtest, die sei überflutet.“

„Wir fahren auch nicht auf die 72. Wir fahren über die Monroe Street 97 nach Springfield, die ist bisher noch frei.“

Ich kannte mich hier nicht aus, so musste ich wohl oder übel Sams Worten vertrauen. Mum krallte sich an dem Griff der Tür fest, die Angst stand ihr ins Gesicht geschrieben. Ich legte meine Hand auf ihren Arm.

Ängstlich schaute sie mich an und ich versuchte zu lächeln, was mir bei meiner eigenen Angst nicht recht gelingen wollte.

Sam lenkte den Wagen zwischen den umher liegenden Ästen und Steinen hin und her und trotz seiner Vorsicht blieb es nicht aus, dass er Hindernisse überfahren musste. Ich drehte meinen Kopf zu Matthew, der mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Rückbank saß. Dad hatte die Augen geschlossen und hielt seinen Kopf.

Ein erneutes Durchschütteln ließ mich wieder nach vorne schauen. Zum ersten Mal, seit wir unterwegs waren, sah ich auch noch andere Rücklichter. Diesen noch freien Weg schienen auch noch andere zu benutzen.

Plötzlich stieg Sam hart in die Bremsen und wäre ich nicht angeschnallt gewesen, hätte ich an der Scheibe geklebt. Meine Schulter schmerzte wieder.

„Matthew, ist das nicht dein Pickup?“, fragte Sam.

Mein Blick folgte Sams Richtungshinweis.

„Ich weiß nicht, er sieht aus wie meiner.“

Neben der Straße lag ein roter Pickup im Graben, der wie Matthews Wagen aussah. Sam ließ sein Fenster hinunter und richtete seinen großen Scheinwerfer Richtung Wagen aus.

„Das ist meiner“, rief Matthew plötzlich, „das ist mein Kennzeichen.“

Ohne ein Wort zu sagen schnallte sich Sam ab und verließ eilig den Wagen, um zu Matthews Pickup zu rennen.

„Oh Gott, ihnen wird doch nichts passiert sein“, flüsterte Mum.

Sie suchte meine Hand und drückte sie, als Sam völlig durchnässt zu uns zurück kam und wieder in den Wagen stieg.

„Im Wagen ist niemand, sie werden sicher mitgenommen worden sein“, meinte er und startete den Motor.

Hinter uns hupte ein Wagen und schon waren wir wieder unterwegs. Der Regen schien kein bisschen nach zu lassen und auch der Wind nahm nicht ab. Die Fahrzeuge vor und hinter uns wurden immer mehr.

Als hätte man es vorausahnen müssen, standen wir plötzlich im Stau.

„Shit“, entfleuchte es Sam und schlug auf sein Lenkrad.

„Dad und wenn du über die Wabash Ave nach Springfield fährst?“

„Ich weiß nicht, ob die noch frei ist. Viele Bäume versperren die kleinen Straßen.“

„Aber es wäre kein Fluss in der Nähe, oder?“

„Stimmt, also versuchen wir es.“

„Wo wollt ihr eigentlich hin?“, fragte ich.

„Ich habe mit George ausgemacht, dass wir uns an seiner Galerie treffen. Dort hat er eine kleine Wohnung, in der wir unterkommen können.“

Sam scherte aus der Reihe aus, überfuhr ein kleines Feld neben der Straße und mit einem kleinen Hüpfer und einem Aufheulen des Motors waren wir auf einer anderen Straße. Matthew tat mir leid, er heulte bei jedem kleineren Schüttler im Wagen auf.

Anscheinend waren andere auch der Meinung, es anders zu versuchen zu wollen, auf alle Fälle folgten einige Sams Richtungswechsel.

Tassilo

Meine Neugier war stärker als meine Angst.

„Was hast du vor?“, fragte Daniel.

„Raus gehen und schauen.“

„Tassilo, bitte nicht, bleib bei mir.“

„Ich bin doch bei dir!“, meinte ich, wild entschlossen, auf die Galerie nach draußen zu gehen.

Als ich die Tür öffnete, bekam ich mit voller Wucht den Wind zu spüren und hatte Schwierigkeiten, die Tür zu halten. Die Regentropfen peitschten in mein Gesicht, während ich mich langsam an den Scheiben entlang drückte, um auf die andere Seite zu kommen.

Von hier konnte man sehen, dass unser Haus hell erleuchtet war. Zu spät sah ich, dass mein Erzeuger und Maude das Haus wieder verlassen hatten.

Vater stand unten an der Tür und versuchte sie mit einem Gegenstand, den ich nicht genau erkennen konnte, zu öffnen. Maude war etwas abseits und schaute gerade in dem Augenblick nach oben, als ich mich nach vorne beugte, um hinunter zu sehen. Ich glaubte, dass sich unsere Blicke kurz trafen, was bei diesem Wetter und der Dunkelheit eigentlich nicht zu erkennen war.

Aber es war noch hell genug, dass sie mich sehen konnte. Sofort richtete sie ihre Waffe auf mich und feuerte. So schnell konnte ich überhaupt nicht reagieren, als mir plötzlich zwei oder drei Kugeln um die Ohren flogen.

Ich ließ mich nach hinten fallen und schlug hart auf dem Metallboden auf.

„Tassilo, bist du getroffen?“, hörte ich Daniel schreien.

Ich konnte nicht antworten, zu stark war der Schmerz in meinem Schädel, mit dem ich ebenfalls den Boden geküsst hatte. Dass Daniel sich über mich beugte, bekam ich noch mit, aber dann wurde wieder alles schwarz um mich.

*-*-*

Als ich wieder zu mir kam, sah ich in Daniel verheulte Augen.

„Mein Gott, Tassilo, hast du mir einen Schrecken eingejagt.“

„Tut mir leid… Wo sind die Zwei?“

Sofort war alles wieder da. Die Schüsse von Maude auf mich und dass ich hingefallen war. Mein Kopf brummte und ruhte auf Daniels Schoss. Zärtlich strich er mir durchs Haar.

„Sie hätte dich treffen können…“

„Hat sie aber nicht!“, meinte ich und versuchte mich aufzurichten.

Ein Schmerz durchfuhr meinen Kopf und ich zuckte zusammen.

„Wo sind sie?“, fragte ich und rieb mir den Hinterkopf.

„Ich weiß es nicht genau… noch unten, glaube ich.“

Langsam stand ich auf. Der Sturm hatte an Intensität noch nichts verloren. Das Wasser lief regelrecht die Scheiben herunter und außer den Geräuschen, die der Wind verursachte, war nichts zu hören.

Auch von unten drang kein Laut mehr nach oben. Daniel zog mich zu sich und wir kauerten uns neben der Falltür an die Wand. Beide waren wir durchnässt bis auf die Haut und zitterten vor Kälte.

Marco kam mir in den Sinn und auch Lewis. Der Fahrer hätte schon lange hier sein müssen und Lewis zumindest bald eintreffen.

„Hörst du das auch?“

Ich schreckte aus dem Gedanken auf.

„Was?“

„Hört sich an wie eine Sirene.“

„Quatsch, das wird sicher der Wind sein.“

„Nein, hör doch genau hin.“

Ich lauschte in die Dunkelheit und langsam dämmerte mir, dass Daniel recht hatte. Schwach hörte ich ein Geräusch, das nicht zu den anderen passte, also richtete ich mich vorsichtig auf und schaute über den Fensterrand in Richtung Straße.

„Blaulicht!“, meinte Daniel neben mir und ich spürte, wie die Spannung von ihm abfiel.

Mir ging es nicht anders und atmete tief durch. Die Wagen, ich konnte vier oder fünf ausmachen, kamen schnell näher. Ich rannte zur Außentür und zog sie auf. Es war mir egal, wie stark der Regen gegen mich peitschte.

Wieder umrundete ich den halben Ausschau und blickte hinunter, wo vorhin noch Maude und mein Vater gestanden hatten. Nur konnte ich sie dieses Mal dabei beobachten, wie sie ins Auto stiegen und losbrausten.

Drei der Policewagen folgten den beiden, ein viertes hielt vor dem Turm.

„Hallo… wir sind hier oben“, fing Daniel plötzlich an, neben mir zu schreien.

Ich fuhr zusammen, denn bei der Lautstärke hier oben hatte ich nicht mitbekommen, dass Daniel mir gefolgt war.

„Komm, wir gehen runter“, kam es von Daniel und zog an meinem nassen Shirt.

Gemeinsam rannten wir hinein und schlossen die Tür, was bei dem Wind nicht einfach war. Erst fragte ich mich, wie Daniel das vorhin eigentlich fertig gebracht hatte, mich hier herein zu bringen und diese Tür allein zu verschließen.

Die Falltür war ein Fall für sich, denn an ihr bissen wir uns regelrecht die Zähne aus. Sie war so schwer, dass wir sie nur ein paar Zentimeter anheben konnten. Mit einem lauten Knall fiel sie wieder in ihre Ausgangsposition.

Daniel schaute mich verzweifelt an. Das viele Weinen hatte seine Spuren hinterlassen, seine Augen waren stark gerötet. Ich sah bestimmt nicht besser aus. Und noch einmal versuchten wir die schwere Eisenplatte anzuheben.

Meine letzten Kräfte mobilisierend und mit einem Urschrei klappte die Platte nach oben. Total erschöpft stolperten wir die Treppen hinunter. Dieses ständige Kreislaufen machte sich langsam bemerkbar, denn ich wurde immer langsamer.

Keuchend nahm ich Stufe für Stufe und klammerte mich am Handgreif fest. Daniel bemerkte, dass ich immer langsamer wurde.

„Tassilo? Was ist mit dir?“

„Ich muss eine Pause einlegen…, mir ist so schlecht…“

Ich sank nach unten und kam auf einer Stufe zum Sitzen. Wie ein Fisch schnappte ich nach Luft und alles begann sich zu drehen.

„Mach mir jetzt ja nicht schlapp!“, sagte Daniel, zog mich mit aller Kraft auf die Beine und legte sich meinen Arm über seine Schulter.

„Komm, das schaffst du, es ist nicht mehr viel.“

Unten hämmerte es wieder an die Metalltür. Nur dieses Mal waren es die Police Officer. Daniel setzte mich neben der Tür ab und begann die Riegel aufzuziehen. Zwei Officer kamen herein, dicht gefolgt von Marco, dessen Stirn ein großes Pflaster zierte.

„Master Daniel, ist alles in Ordnung mit Ihnen?“, war sein erster Satz.

„Ja, der Schreck sitzt noch tief…, aber Tassilo braucht Hilfe, ihm ist schlecht und schwindlig.“

Der eine Officer beugte sich über mich, jedenfalls nahm ich das an, denn ich sah alles nur noch  recht verschwommen.

„Sind Sie verletzt?“

Ich schüttelte leicht den Kopf.

„Es trifft gleich Hilfe ein… müssen Sie sich übergeben… möchten Sie etwas trinken…?“

Der Officer schien recht jung zu sein, seine Stimme klang jung und recht nervös.

„Sind die Täter bewaffnet?“, hörte ich den anderen Officer fragen.

„Meine Schwester hat eine Waffe“, sagte Daniel mit leiser Stimme, „der Vater meines Freundes… ich weiß es nicht.“

Der Ältere ging nach draußen, während der andere immer noch bei mir saß und meine Hand hielt.

„Es tut mir leid Master Daniel, dass ich nicht früher bei Ihnen sein konnte, aber kurz nachdem Ihr Freund angerufen hatte und ich das Haus verließ, schlug mich jemand nieder.“

„Marco, du brauchst dich doch nicht entschuldigen. Eigentlich müsste ich mich für das Handeln meiner Schwester entschuldigen, so etwas ist unverzeihbar.“

„Tassilo?“, hörte ich eine Stimme rufen.

„Madame, Sie sind im Turm“, hörte ich den älteren Officer sagen.

Wenige Sekunden später kamen Mum und Lewis herein gestürmt.

Billy

„Wo kommt nur das viele Wasser her?“, fragte Mum, als Sam den Wagen wieder abbremste.

„Hier kommen wir nicht weiter. Anscheinend fasst die Kanalisation das Wasser nicht mehr.“

Sam wendete den Wagen und fuhr in eine Seitenstraße.

„Wo willst du hin, Dad?“, fragte Matthew, „die führen doch alle in eine Sackgasse.“

„Erinnerst du dich an die alte Unterführung? Da kommen wir unter der 4 durch und sind dann direkt in der City“, antwortete Sam.

„Aber die ist doch seit Jahren gesperrt…“

„Egal, wir werden schon irgendwie durchkommen.“

Mittlerweile saß ich eng an Mum gepresst. Das alles hier war mir doch etwas zu viel. Vor Monaten noch hatte ich behütet in England geweilt, alles war ganz normal gelaufen. Die letzen zwei Wochen dagegen krempelten mein Leben völlig um.

Mein Leben…, das hörte sich jetzt sehr alt an. Aber was bis jetzt alles geschehen war, reichte zumindest für eine sehr lange Zeit. Das Zittern von Mum steckte an. Mehr und mehr fühlte ich mich unwohl, die Angst übernahm immer mehr Besitz über mein Denken.

Ich starrte nach draußen und versuchte im Scheinwerferlicht etwas zu erkennen. Die Straßenbeleuchtung war ausgefallen und nur in ganz wenigen Häusern brannte noch Licht. Auch hier bremste Sam plötzlich ab, der Grund war, dass ein Baum quer über die Straße lag.

Erneut wendete Sam den Wagen und fuhr zurück. Das Wasser, das sich auf der Straße ansammelte, spritzte in Fontänen neben dem Auto nach oben. Niemand im Wagen sagte etwas, allein Sams hektisches Atmen, der sehr unter Anspannung stand, war zu hören.

Er bog in eine weitere Straße ein. Ich wäre jetzt schon hilflos verloren gewesen. Mein Orientierungssinn hatte sich verabschiedet, denn wo welche Himmelsrichtungen lagen, wusste ich bereits nicht mehr.

„Da vorne geht es“, meinte Sam plötzlich und gab Gas.

Alles, was ich vor uns erkennen konnte, war ein Zaun, der rasend auf uns zu kam. Natürlich waren es wir, die uns bewegten, aber es sah eben so aus. Ich schaute zu Sam, der keinen Deut langsamer fuhr.

Was hatte er vor? Er wollte doch nicht… Bevor ich den Gedanken fertig denken konnte, krachte der Pickup durch den Zaun. Mum schrie wieder auf und ich ging in Deckung, da ich dachte, die Windschutzscheibe würde das nicht überstehen.

Der Wagen schlingerte etwas, aber Sam hatte ihn schnell wieder unter Kontrolle.

„Dort ist die Durchfahrt, da müssen wir noch durch“, meinte Sam und steuerte auf die Öffnung zu.

Es schien eine alte Tunnelröhre zu sein, auf die Sam zu hielt. Ich drückte mich verstärkt an Mum, die ihren Arm noch fester um mich legte. Unser Fahrer hatte ein sehr hohes Tempo drauf, so dass ich Angst bekam, er würde vielleicht die Einfahrt etwas verfehlen

Sam aber blieb ruhig und fuhr direkt in den Eingang hinein. Blitzartig wurde es ruhig um uns herum, kein Wind mehr und auch kein Regen, der die Sicht trübte. Durch das Scheinwerferlicht konnte man auch schon das Ende des Tunnels erkennen.

„Ich glaub es nicht“, rief Sam plötzlich und trat hart auf die Bremse.

Sofort kam der Wagen zum Stehen. Er legte den Rückwärtsgang ein und trat wieder aus Gas. Die Reifen quietschten erst, bevor sich der Wagen nun in die andere Richtung in Bewegung setzte. Ich sah nun auch den Grund für Sams Handeln.

Vor uns kam Wasser in den Tunnel geschossen und somit direkt auf uns zu. Es kam recht schnell, obwohl Sam den Wagen recht zügig rückwärts fahren ließ. Das Wasser kam immer näher und im Wagen machte sich Panik breit.

Wir fingen alle an zu schreien, als uns das Wasser einholte und Besitz vom Wagen nahm.

Tassilo

„Tassilo“, rief meine Mum und kam sofort auf mich zu gerannt.

Der junge Officer stand auf und machte Platz.

„Ich bin Arzt“, sagte Lewis und kniete sich ebenfalls neben mich hin. Er zog seine Jacke aus, knüllte sie zusammen und legte sie neben mich auf den Boden.

„Tassilo, legt dich hin“, sagte Lewis und half mir, mich lang zu machen.

Er fühlte meinen Puls und ob ich Fieber hatte.

„Das war wohl keine gute Idee von mir, euch hier her zu schicken… vom Regen in die Traufe.“

Ich sah Lewis an und lächelte etwas. Daniel stand da und zitterte.

„Wollen wir nicht lieber die Kinder hinüber bringen? Sie sind beide durchnässt…“, kam es von Mum.

„Ich werde Tassilo tragen, denn ich glaube nicht, dass er gut zu Fuß ist“, sagte Lewis.

Mum legte ihren Arm um Daniel, der zitternd neben ihm stand und führte ihn hinaus. Lewis nahm mich auf und trug mich hinterher.

*-*-*

Dick eingepackt in Decken lag ich auf dem Sofa im Wohnzimmer. Mum und Daniel saßen auf den Sesseln, während Lewis unruhig vor dem Fenster zur Straße auf und ab lief.

„Lewis, setz dich doch hin, du machst uns alle nur nervös.“

„Tut mir leid. Jetzt sind schon drei Stunden vergangen und der Police Officer hat sich immer noch nicht gemeldet.“

„Sie werden sie nicht erwischt haben“, kam es tonlos von Daniel.

Mitleidig sah ich ihn an. Gut, mich traf das auch, nur hatte ich genügend Abstand von meinem Erzeuger, dass es mir egal war, ob sie ihn festnahmen. Aber bei Daniel… es war immerhin seine eigene Schwester.

Da bestand eine ganz andere Bindung zwischen den beiden. Bei mir konnte man nicht mal von einer Bindung reden.

„Ich möchte etwas essen“, sagte ich und entblätterte mich aus der Decke, die mich umhüllte.

„Das hört sich schon mal gut an“, meinte Mum, „da werde ich gleich mal in die Küche gehen.“

Sie verschwand und ich lief zu Daniel.

„Hast du auch Hunger?“

Er schüttelte den Kopf.

„Es wird aber etwas gegessen! Du hast heute noch gar nichts gegessen… und… und du willst doch groß und stark werden…?“

Ich lächelte ihn aufmunternd an. Er hob seinen Kopf und ich versuchte seiner Grimasse ein Lächeln zu entnehmen. Ich schnappte mir seine Hand und zog ihn aus dem Sessel.

„Komm, wir helfen Mum“, meinte ich.

„Wenn es sein muss…“

„Muss es, oder kannst du kochen? Dann könnten wir Mum entlasten und sie wieder ins Wohnzimmer zurück schicken.“

„Ich kann nicht kochen.“

„Dann wird es Zeit, dass du es lernst.“

Lewis grinste.

„Mein Freund sollte mich ja schließlich auch mal verwöhnen können.“

Daniel sah mich an, hob die Hand und zeigte mir den Vogel.

„Du weigerst dich?“

Daniel nickte und grinste nun selbst.

„Da muss ich mir das alles hier wohl noch einmal genau überlegen…, nie ein Essen ans Bett gebracht bekommen und immer selbst in der Küche stehen…“

„Als könntest du kochen“, meinte Daniel und stupste mich in die Seite.

„Kann ich…, zumindest Nudeln kann ich kochen.“

Jetzt lachte Daniel, mein Ziel war erreicht.

„Lach nicht, das ist mehr als du kannst!“, entgegnete ich und stupste zurück.

„Lewis? Meine Tasche liegt noch im Wagen, kannst du mir die holen?“, rief Mum aus der Küche.

Lewis hatte es sich inzwischen am Kamin bequem gemacht und wollte sich erheben.

„Bleib sitzen Lewis, ich hole sie für dich“, meinte ich und gab Daniel noch einen Kuss, bevor ich mich in Bewegung setzte.

„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist“, hörte ich Lewis sagen, aber da war ich schon im Flur.

Der Wind hatte etwas nachgelassen, doch es regnete immer noch sehr stark. Ich griff mir den Schirm, der neben der Haustür stand und lief zu Lewis Wagen. Dort angekommen ärgerte ich mich über meine Vergesslichkeit.

Ohne Schüssel, keine offenen Türen…, ohne offenen Türen, keine Tasche. Also zurück zum Haus. Ich drehte mich um und wollte gerade loslaufen, als ich direkt in die Mündung einer Waffe sah.

Billy

Der Wagen war auf der Seite liegen geblieben und wir waren alle am Husten. Mum lag halb auf mir und hätte mich erdrückt, wenn sie nicht der Sicherheitsgurt zurückgehalten hätte. So wie ich auf Sam liegen würde.

„Alle… in Ordnung?“, fragte Sam zwischen zwei Hustattacken.

Ich versuchte nach hinten zu schauen. Bei Dad war das Glas gesplittert, was auch das viele Wasser im Wagen erklärte, in dem nun Sam und Matthew schwammen. Dad hing ebenfalls in seinem Gurt.

„Dad?“, fragte ich, weil sein Kopf leblos nach unten hing.

Aus seinem Kopf sickerte Blut. Aus meiner unbequemen Haltung heraus versuchte ich nach ihm zu greifen, was mir aber nicht gelang.

„Dad?“, rief ich jetzt schon lauter, weil ich Angst bekam.

Mum kam auch so langsam zu sich, probierte sich ebenfalls zu befreien. Ohne groß darüber nachzudenken, drückte ich auf den Öffner meines Gurtes. Das Resultat folgte zugleich, denn ich schlug hart auf Sam auf.

„Au… Billy geh da runter…“, stöhnte Sam.

„Entschuldige Sam…“, ich brach ab, denn der Schmerz in meiner Schulter meldete sich wieder.

Aber ich biss die Zähne zusammen, stellte einen Fuß auf das Lenkrad und fuhr zusammen, als der Wagen zu hupen begann. Schnell zog ich mich an der Nackenstütze von Sams Vordersitz hoch und kletterte nach hinten zu Dad.

Trotz der höllischen Schmerzen schaffte ich es, komplett in den hinteren Teil des Wagens zu kommen. Nun sah ich auch Matthew, der ebenso leblos im Wasser lag, aber zum Glück war sein Gesicht nicht unter Wasser. Ich schaute wieder zu Dad. Sanft strich ich ihm das Haar aus dem Gesicht.

Dies reichte wohl schon aus, dass er wieder zu sich kam, denn er fing an zu stöhnen und sich zu bewegen.

„Matthew?“

Er reagierte nun auch sofort.

„Scheiße… was war das denn?“, fragte er hustend und versuchte sich aufzurichten.

„Tut mir leid Leute“, begann Sam, der sich nun auch befreite, „ich hätte nicht gedacht, dass wir es mit soviel Wasser zu tun bekommen würden.“

„Das konntest… hust… du ja nicht wissen“, meldete sich Mum zu Wort, die immer noch wie Dad in Gurt hing.

Plötzlich sah ich von außen Licht.

„Ist da jemand drin?“, hörte ich jemand rufen.

„Ja“, schrie ich.

Nun hörte ich, wie jemand auf den Wagen kletterte und plötzlich wurde Mums Tür aufgerissen. Helles Licht drang in den Wagen.

„Burt, komm her, hier sind Menschen eingeklemmt…“, rief der Mann auf dem Wagen und wandte sich wieder zu uns, „ist jemand verletzt?“

„Waren wir schon vorher…“ stöhnte Matthew.

Ich konnte nicht anders und musste kichern.

„Mein Mann hat eine Platzwunde von einem Unfall… mein Sohn eine verletzte Schulter und Matthew kommt gerade aus dem Krankenhaus… Sam?

„Mir geht es gut…, na ja etwas angeknackst fühl ich mich.“

„Einen Augenblick… Hilfe kommt schon… mein Name ist Dave und ich gehöre hier zur örtlichen Feuerwehr… Madame, kann ich Sie von Ihrem Gurt befreien?“

„Mum, stütz dich irgendwie ab, sonst fällst du wie ich vorhin auf Sam“, als ich sah, dass der Mann ein Messer zückte.

Draußen hörte ich nun weitere Stimmen und dass noch jemand auf den Pickup stieg. Nun wurde Dads Tür aufgemacht, der immer noch benommen in seinem Gurt hing.

„Sir?“, rief der Mann an Dads Tür.

Dad war benommen, konnte nicht antworten, also übernahm ich das für ihn.

„Mein Dad hat sich bei einem anderen Unfall eine Kopfwunde zugezogen, ich glaube nicht, dass er sie hören kann, er reagiert kaum“, erklärte ich.

Mum wurde gerade aus dem Wagen gezogen, während ich versuchte, besser an Matthew heran zu kommen.

„Alles in Ordnung Schatz?“, fragte ich.

„Erstens weiß ich jetzt, wie sich meine Unterwäsche in der Waschmaschine fühlen muss und zweitens, mein Bein ist schon gebrochen und eingegipst, dem kann nichts mehr passieren…“

Ich musste schon wieder grinsen und wunderte mich, wo Matthew diese Lockerheit her nahm.

„Kannst du mir mal helfen, dass ich mich aufsetzen kann?“, fragte Matthew.

Mehrere Hände zogen nun an Dad und Sam kletterte ebenfalls nach oben. Ich verlagerte meine Position, was aber gleich wieder meine Schulter auf den Plan brachte.

„Tut mir Leid, Matthew, ich kann nicht…“, meinte ich traurig.

„Junger Mann, gib mir deine Hand, damit ich dich heraus ziehen kann“, sagte jemand hinter mir.

„Mein Freund liegt aber hier unten, er hat ein Gipsbein…“, widersprach ich.

„Wir helfen ihm auch, aber dazu musst du erst einmal den Wagen verlassen.“

Das sah ich ein. Ich verlagerte mein Gewicht und streckte ihm die Hand mit der gesunden Schulter entgegen. Er griff nach ihr und zog mich langsam nach oben. Etwas unbeholfen und schwerfällig wanderte ich langsam nach oben, bis der Mann mich aus dem Wagen gezogen hatte.

Mein erster Blick fiel auf Dad, der auf einer Trage lag, daneben stand Mum. Sam stand neben seinem Pickup, der nun wahrscheinlich für nichts mehr zu gebrauchen war. Er hob mir beide Arme entgegen.

„Steig auf den Auspuff“, meinte er.

Ich tat wie geheißen.

„Matthew…“, sagte ich, doch Sam fiel mir ins Wort.

„Die Männer verstehen ihr Handwerk und werden ihn sicher aus dem Wagen holen…“

„Wasser“, schrie plötzlich jemand, doch ich wusste nicht, was er meinte, bis plötzlich eine weitere Wasserwand aus dem Tunnel geschossen kam und sich über den Pickup und uns ergoss.

„Maaaathew…“, schrie ich, bevor mir das Wasser die Stimme raubte.

Tassilo

„Du bist an allem Schuld, du hast alles kaputt gemacht. Alles was mir wichtig war, hast du zerstört!“

Maude stand vor mir, ihre Pistole knapp vor meinem Gesicht. Ich war so sehr geschockt, dass ich nicht wusste, was ich dazu sagen sollte. An ihrer Stirn rann Blut herunter und auch die Lippe war aufgeschlagen.

„Warum konntest du nicht die Finger von meinem Bruder lassen?“, keifte sie mich an.

Ich starrte sie an, konnte mich nicht aber nicht bewegen.

„Aber du wirst mit mir untergehen, das verspreche ich dir hoch und heilig…“

Meine Starre löste sich nicht, aber ich sah, wie sich langsam der Finger am Abzug bewegte.

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