Welcome to Australia – Teil 44 – Ende der zweiten Staffel

Joshua fuhr zusammen, drehte sich um und ließ einen lauten Schrei. Das hatte wiederum zur Folge, dass ich genauso erschrak.

„Mensch Tom“, schrie er, „erschreck mich doch nicht so!“

Er lief an seine Anlage und drehte die Musik leiser. Welch Wohltat für meine Ohren.

„Tut mir Leid, aber du hast mein Rufen nicht gehört.“

Joshua griff nach einem Shirt und zog es sich über, dabei konnte ich eine große Narbe sehen, die knapp unter dem linken Arm begann und bis fast zur Hüfte reichte. Es bemerkte, dass ich darauf starrte.

„Da bin ich mal im Stacheldraht hängen geblieben…“

„Sieht heftig aus…“

„War auch heftig.“

Er hustete kurz.

„Wie kommst du überhaupt hier her?“

„Ich bin mit Bob da. Er untersucht eine Araberstute.“

„Spirit?“

„Ja.“

„Gut, die sieht nämlich wirklich nicht gut aus.“

„Deine Mutter meinte, du würdest dich freuen, mich zu sehen und schickte mich zu dir.“

Wurde Joshua etwas rot? Ich musste grinsen. Doch bevor die Situation noch peinlicher für Joshua wurde, änderte ich das Thema.

„Du hast mich in der Schule gefragt, ob ich noch ein freies Bett in Sydney wüsste.“

„Ja…, ist etwas frei geworden?“

„Nicht direkt…, was hältst du von einem Doppelzimmer.“

„In einem Doppelzimmer alleine?“

„Nein, da läge schon jemand mit dir drin.“

„Und wer soll das sein? Alle aus unserem Jahrgang sind bereits untergebracht.“

„Nicht alle…, sagt dir der Name Robin MacDude etwas?“

„Sagen schon, aber ich weiß nicht wer das ist. Ich kenne einen Janno MacDude.“

„Robin ist sein kleiner Bruder und besucht mit mir den Kunstkurs.“

„Der Bruder von Janno? Der ist doch sicher erst dreizehn oder vierzehn.“

„Nein Sechzehn, hat eine Stufe übersprungen und ist jetzt in unserem Jahrgang. Mit ihm könntest du ein Zimmer teilen.“

„… aha.“

„Du scheinst nicht gerade begeistert zu sein.“

„Doch klar, kommt jetzt nur auf einmal so plötzlich. Und wie ist Robin so.“

„Ich stell ihn dir morgen in der Schule vor, okay?“

„Ja… danke.“

Joshua trat auf mich zu, legte seine Arme um mich und drückte mich kurz.

„Ähm…“

„Keine Sorge“, lächelte Joshua, „ich weiß, du gehörst zu Berry, wollte mich nur richtig bedanken.“

*-*-*

Joshua war mit mir in den Stall gegangen, wo Bob gerade fertig wurde.

„Einfach diese Kräuter gut feucht in den Umschlag mit einflechten und den die ganze Woche anlegen. Sie wird daran herumziehen, als gut festknoten“, erklärte Bob, Joshuas Mutter den Verband.

„Okay“, antwortete sie.

„Ich schau dann noch mal in einer Woche vorbei.“

„Hallo Bob“, sagte Joshua neben mir, um sich bemerkbar zu machen.

Bob drehte sich um.

„Hallo Joshua.“

„Was hat Spirit denn?“

„Eine leichte Zerrung am Hinterlauf“, antwortete seine Mutter.

Ich hörte leises Gewinsel.

„Joshua schaust du mal nach den Kleinen?“

„Ja Mum, ich geh schon.“

„Kleinen?“, fragte ich.

„Ja, wir haben Hundebabys bekommen, willst du mal sehen?“

„Klar“, meinte ich und schaute zu Bob.

„Die könnte ich mir ja auch gleich anschauen“, meinte Bob.

„Denen geht es gut“, sagte Joshua und lief drei Boxen weiter und öffnete die Tür.

Wir folgten ihm alle und als wir die Box betraten, sah ich eine Mischlingshündin in der Ecke liegen und davor vier kleine süße Babys. Stolz präsentierte Joshua jedes Einzelne. Bob sah sie sich alle nach einander an.

„Schade, dass wir sie weggeben müssen“, meinte Mrs. Handson.

„Weggeben?“, fragte ich.

„Ja…“, seufzte sie, „wir können sie leider nicht behalten. Wir haben bereits drei Hunde.“

„Und was passiert dann mit ihnen?“

„Bisher haben wir noch niemand gefunden, der einen abnehmen würde.“

Ich schaute Bob an.

„Tom, wir haben bereits Hunde und du hast Gustav.“

„Ich habe doch gar nichts gesagt.“

„Aber ich kenne diesen Blick.“

Ich lief rot an und fühlte mich ertappt.

„Ich… ich musste nur an den Hund… vorhin denken, der beider OP gestorben ist. Meinst du die Besitzerin möchte nicht einen neuen Hund?“

„Tom…, ab und zu machst du mir Angst“, begann Bob, lächelte aber dann, „du und deinen genialen Ideen.“

Alle fingen an zu lachen.

*-*-*

Als Bob und ich zurück kamen stand nur noch ein Wagen auf dem Parkplatz.

„Das ist der Wagen von Mrs. Cronwig.“

„Oh…“

Bob stellte seinen Wagen ab und wir stiegen beide aus. Wie nicht anders gewohnt, kam unsere Hundemeute gleich angesprungen, allen voran Gustav.

„Hi Alter“, meinte ich und wuschelte ihn kräftig durch.

„Komm“, sagte ich und lief Bob hinterher ins Haus.

Gustav lief voran, gleich Richtung meinem Zimmer. In der Küche saßen Abby mit einer Frau.

„Hallo Mrs. Cronwig“, hörte ich Bob sagen und blieb stehen, „es tut mir Leid um ihren Hund.“

Sie nickte. Ich schaute zu Abby, die sich sichtlich unwohl in ihrer Haut fühlte.

„Ich wusste ja, dass das irgendwann kommt“, sprach die Frau plötzlich los, „aber so schnell. Was mach ich jetzt nur, er war für mich alles.“

Sie wischte sich Tränen aus dem Gesicht, während Abby tief durchatmete.

„Hallo…“, meinte ich und betrat die Küche.

Alle schauten mich kurz an.

„… mein Neffe Tom“, erklärte Bob kurz.

„Ah, von ihrem Neffen habe ich schon einiges gehört.“

„Aha…“

„Nur Gutes“, meinte Mrs. Cronwig und lächelte etwas.

„Ähm… Mrs. Cronwig…“, fing ich an, „ich weiß… so ein Verlust, von einem Tier… tut sicher weh…“

Abby schaute mich fragend an und wollte schon etwas sagen, aber Bob hielt sie zurück.

„Stimmt mein Junge…“

„Würde… es ihnen etwas helfen, wenn sie jemand Neues bekämen…, um den sie sich kümmern könnten?“

„Wie meinst du das?“

„Ein Freund von mir, dessen Hündin hat Junge geworfen, kann sie aber nicht behalten und sucht nun jemand, der einen Hund möchte.“

Das Gesicht der alten Dame fing plötzlich wieder an zu strahlen.

„… und du meinst, ich könnte eines dieser Babys haben?“

„Ich denke schon…, ich gebe ihnen gerne die Nummer der Handsons.“

„Handsons? Die Familie mit der Pferdezucht?“

„Ja!“

„Die kenne ich. Wenn ich zu Hause bin, werde ich dort gleich anrufen.“

Bob lächelte mich an und hob die Augenbraun an. Dann wendete sich Mrs. Cronwig wieder zu Bob und Abby.

„Ich danke ihnen, dass sie sich all die Jahre so rührend um Perkins gekümmert haben.“

Perkins? Was für ein seltsamer Name.

„Nichts zu danken, Mrs. Cronwig“, meinte Abby und schüttelte ihr die Hand.

Sie erhob sich und Abby ebenfalls.

„Junger Mann, auch dir danke, für die tolle Idee“, meinte Mrs. Cronwig zu mir und schüttelte ebenso meine Hand.

Wenig später standen wir alle drei auf der Veranda und sahen zu, wie die alte Dame vom Grundstück fuhr. Abby wuschelte mir durch die Haare.

„Tom…, ich bin mächtig stolz auf dich“, meinte sie und drückte mich kräftig an mich, „danke!“

„Nichts zu danken“, lächelte ich, als mich ihre Arme wieder frei ließen.

„Hat wer Hunger?“, fragte Abby.

„Einen Bärenhunger!“, kam es von Bob.

*-*-*

Fein säuberlich hatte ich das heutige erlebte in mein Tagebuch geschrieben. Nachdem in der Vergangenheit so viel passiert war, hatte ich mich kurzerhand dazu entschlossen, die Tagebücher weiter zu führen.

Ich schloss gerade das Buch, als es an meiner Tür klopfte.

„Ja?“

Die Tür ging auf und Berry kam herein.

„Überraschung“, rief er und lächelte mich an.

„Berry!“, rief ich und fiel ihm um den Hals, dass er fast umkippte.

„Da freut sich ja einer mächtig.“

„Ja klar“, meinte ich und küsste ihn leidenschaftlich auf den Mund.

Dabei fielen wir auf mein Bett.

„Ich habe dich vermisst“, sagte Berry leise.

„Wieso? Wir haben uns doch heute Morgen in der Schule gesehen.“

„Das ist schon so lange her.“

Ich musste grinsen.

„… und wie kommst du hier her?“

„Riley wollte mit deinen Eltern etwas bereden und da habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und Mum überredet, ob ich bei dir übernachten darf.“

„Was meinte sie dazu?“

„Wenn ich morgen pünktlich in der Schule erscheinen würde, hätte sie nichts dagegen, es wäre ja nicht jeden Abend.“

„Schade…“

„Was schade?“

„Dass du nicht jeden Abend hier sein kannst.“

Berry lächelte und küsste mich erneut. Es klopfte erneut an meiner Tür.

„Ich sollte Toms – Station an meine Tür nageln, hier geht’s zu wie im Bahnhof… ja?“

Berry kicherte. Abby kam ins Zimmer und Bob folgte ihr.

„Was ist denn mit euch los, warum schaute ihr so komisch?“, fragte ich und Berry ließ mich los.

„Tom…, deine Grandma hat gerade angerufen.“

„Ja und?“

„Grandpa ist gestorben…“

Fassungslos schaute ich die beiden an.

*-*-*

So dass war sie, die zweite Staffel von Welcome to Australia. Ich hoffe es hat euch gefallen. Im Herbst folgt dann die dritte und letzte Staffel. Bis dahin weiterhin viel Spaß auf Pitstories.

LG Pit

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9 Kommentare

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  1. kann es kaum erwarten das es weiter geht

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  2. Ich hoffe das es bald weiter geht 🙂

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  3. bin gespannt wann der dritte teil on gestellt wird

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  4. kann den 3 Teil gar nicht erwarten

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  5. Super Geschichte!
    Bei “dass” und “das” solltest du aber etwas verstärkt aufpassen. 😉

    Gibt es schon eine weitere Staffel oder kommt diese noch? Wäre super!

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  6. hallo und grüss gott. wann kommt der nächste teil. ich gehöre zwar zu den älteren semestern, aber lese hier gerne mit.
    – und zu dem vorherigem komentatorrrr: mich stören rechtschreibfehler nicht, haupsache die geschichte ist ok, aber dem, der sich daran störrrrrt, kann sich doch als betaleser zur verfügung stellen, und auch bei anderen autoren die schreibweise richtig stellen.

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    • Steffen on 18. November 2012 at 19:06
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    Hallo Pit,
    hoffentlich geht es mit dieser Geschichte bald weiter, wäre doch schön im Advent.
    Gruß Steffen

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    • Walter on 12. September 2014 at 18:43
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    Welcome to Australia – Teil 44 / So dass war sie, die zweite Staffel von Welcome to Australia. Ich hoffe es hat euch gefallen. Im Herbst folgt dann die dritte und letzte Staffel.
    Hallo Pit,
    Ja nun haben wir bereits Herbst 2014 und ich warte und warte auf die Folge 45 und das mit vielen Leserfreund von Dir! Es wäre wirklich schade wenn diese schöne Geschichte ohne Abschluss endet.
    Mit der Hoffnung dass Du diese Story zum Abschluss bringst Grüsse ich Dich herzlich
    Walter

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    1. Hallo Walter,
      da hast du die Fortsetzung versäumt, die wurde bereits veröffentlicht.
      Liebe Grüße Pit

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