Vi&Vi

Ich griff nach meinem Duschgel, öffnete die blaue Tube und verteilte das fast durchsichtige Zeug auf meinem Körper. Alles wurde eingeseift: Achseln, Brust, Bauch, Scham und besonders die Haut zwischen meinen beiden Apfelhälften.

Eine Stelle in dem Tal würde gleich besonders beansprucht werden, da war ich mir sicher, denn Nikolaj hatte sein Kommen avisiert, zum ersten Mal nach seinem Sommerurlaub. Nikolaj ist zwar verheiratet, hat Frau und drei Kinder, wovon allerdings nur die beiden Jüngeren von ihm sind, aber trotzdem haben wir Spaß miteinander.

Ok, ich gebe es zu, ich mache für ihn die Beine breit und diene ihm als Notnagel, wenn seine Frau ihn mal wieder nicht ranlässt oder ihre Tage hat, aber sein Notnagel ist immerhin 22 Zenitmetern lang und hat einen Durchmesser von mehr als zwei Zoll. Also: Wer ohne Sünde ist, der werfe bitte den ersten Stein.

 

*-*-*

 

Pfingsten vor drei Jahren kreuzten sich unsere Wege das erste Mal, ganz unromantisch an der Pissrinne eines Toilettenwagens auf dem Schützenfest der Bürgerschützen auf dem Lessingplatz.

Eigentlich mag ich solche Festivitäten nicht, aber mich hatte auch nur die Not in besagtem Wagen getrieben: Meine Blase drohte wegen zu vielen Bockbiergenusses zu platzen. Zu dieser vorgerückten Stunde hätte ich mich normalerweise einfach an nur einen Baum gestellt, aber, aufgrund des immer noch sehr regen Treibens auf dem Festplatz, war das leider nicht möglich.

Eigentlich wollte ich mir ja nur Erleichterung verschaffen, allerdings konnte ich mein Gehör nicht ganz abstellen und so schnappte ich die eher gelallte Äußerung des Typen ganz rechts auf.

 

„Bei deinem Eumel kann ich verstehen, dass deine Alte dich nicht immer ranlässt!“

 

Ich wurde neugierig und riskierte einen Blick auf das beste Stück meines Nebenmannes. Bei dem Anblick lief das Wasser nicht nur aus Klein-Vincent, sondern mir auch im Munde zusammen: ein wahrhaft göttliches Teil, fast so lang und so dick wie eine 0,33er Bierflasche.

Ich musste mich in acht nehmen, um nicht zu sabbern. Zugegeben, ich war damals chronisch untervögelt, hatte ich mich doch kurz vor Ostern von meinem Freund getrennt, aber das ist eine andere Geschichte.

Mein Blick wanderte auf die in Grau gestrichene Decke des Wagens und ich versuchte, mich durch das Zählen der Farbnasen irgendwie abzulenken, denn ich merkte plötzlich, wie mein Anhängsel begann, ein gewisses Eigenleben zu entwickeln.

Ich konnte alles gebrauchen, aber das? Nein! Nie im Leben! Aber plötzlich tippte mir mein Nebenmann auf die Schulter und blickte mich mit glasigen Augen an.

 

„Was sagst du dazu? Da hat mich der liebe Gott schon mit dem Teil gesegnet, …“

 

Er deutete auf sein Gemächt.

 

„… aber mehr als zwei Drittel gehen nicht rein.“

 

„Hast du es mal am anderen Eingang probiert?“

 

Welcher Teufel ritt mich? Er drehte sich zu mir um.

 

„Was meinst du?“

 

„Nicky, der Typ fragt, ob du deine Alte schon mal in den Arsch …“

 

Der Mann vom äußeren Rand war doch noch aufnahmefähiger, als ich vorher gedacht hatte. Er ahnte wohl, was ich meinte

 

„Du weißt schon: so wie die … Schwulen, … von hinten!“

 

„Günni! Wenn meine Babutschka meinen Russenpimmel nicht ganz in ihrer Mumu kriegt, wie soll sie ihn dann … hinten rein … kriegen?“

 

Er wirkte fast verzweifelt.

 

„Beim Darm gibt es kein Ende, an das man stoßen kann!“

 

Besagter Günni, ich nehme einfach mal an, mit richtigem Vornamen hieß er Günther, hatte wohl doch in Bio aufgepasst.

 

„Loch ist Loch!“

 

„Das müssen wir noch genauer ausdiskutieren!“

 

Er schlackerte ab und zog mich ins Freie. Was sich danach genau zugetragen hat, weiß ich heute auch nicht mehr, aber am nächsten Abend, ich hatte mich gerade für die Sauna vorbereitet, klingelte es an der Tür.

Nikolaj wollte das Gespräch fortsetzen und ich spürte Lenins Rache zum ersten Male tief in mir. Der Sex mit dem knapp fünf Jahre jüngeren Russen ist geil und ziemlich intensiv, obwohl er nach außen hin immer noch die harte Hete markiert.

Schon beim zweiten Treffen fing er an, mich beim Akt zu küssen und zu wichsen. Nach zwei Monaten nahm er mein Zepter in den Mund, nach einem Jahr wollte er auch mal das Gefühl einer Prostatamassage erleben.

Zwar lässt er sich nicht oft ficken, aber an und an darf ich auch ran. Insgesamt würde ich sagen: Der gute Nikolaj ist ebenso verzaubert wie ich, aber er ist Russe und kann daher, wie er immer wieder sagt, dem eigenen Geschlecht nicht zugeneigt sein.

Allerdings würde jeder neutrale Beobachter etwas anderes sagen, wenn er uns beim Sex zuschauen würde. Aber mir soll’s egal sein, ich habe meinen Spaß und er hat den Seinigen und nur darauf kommt es an.

 

*-*-*

Dank der Spülung, die ich mir von der Dusche verpasst hatte, konnte ich ohne Weiteres mit drei Fingern in mich eindringen und in mir spielen. Wohlige Schauer durchfluteten mich, besonders als ich dann auch noch mit der anderen Hand meinen Hintern durchwalkte.

Ich bin zwar kein schlanker und ranker Adonis mehr, aber im Vergleich mit meinen ehemaligen Koabiturienten, von denen ich einige immer mittwochs in der städtischen Sauna treffe, habe ich mich sehr gut gehalten.

Auch mit über vierzig schwabbelt und wabbelt nichts, alles an mir ist in festem und adäquatem Zustand, Fahrradfahren und Schwimmen hilft anscheinend doch, eine gute Figur zu behalten.

Ich freute mich auf das, was da gleich kommen sollte, als es an der Tür klingelte. Nicolai konnte es nicht sein, denn der Russe hielt sich penibel an die ausgemachten Zeiten und das geplante Treffen sollte erst in einer halben Stunde stattfinden.

Ein erneutes Klingeln erfolgte und dann klopfte es fest an der Wohnungstür.

 

„Vincent! Bist du da? Komm mal schnell, ich … muss dir was zeigen!“

 

Was wollte meine Obermieterin von mir?

 

„Moment!“

 

Ich duschte mich ab, stieg aus der Tasse, griff mir das Badetuch.

 

„Bin sofort bei dir!“

 

Im Bademantel taperte ich barfuß an die Wohnungstür und öffnete.

 

„Inge! Was gibt es denn?“

 

„Komm mit in den Keller, dann wirst du schon sehen, was los ist.“

 

Im Waschkeller angekommen deutete sie nach oben.

 

„Ich wollte gerade meine Waschmaschine beladen und habe dann das gesehen: Bei dir regnet es durch!“

 

Ich schaute empor, aus der weiß getünchten Decke tropfte es tatsächlich. Gut, es waren jetzt zwar keine Sturzbäche, die herunter flossen, aber Wasser war deutlich zu erkennen.

 

„Augenblick, wir sind direkt unter meiner Dusche, ich muss mal …“

 

In meinem Badezimmer angelangt, nahm ich erst jetzt den immer noch erhöhten Wasserstand in der Tasse wahr. Mein Abfluss schien tatsächlich verstopft zu sein. Wo war denn jetzt wieder dieser dämliche Pömpel?

Aber auch nach Einsatz der Saugglocke lief es nicht schneller ab. Inge war mir wohl leise gefolgt, ich erschrak, als ich mich umdrehte und ihre 165 Zentimeter in voller Größe vor mir standen.

 

„Ich hab noch Abflussfrei. Wenn du was haben willst …“

 

Natürlich wollte ich! Keine zwei Minuten später stand ich wieder in meinem Badezimmer und war unschlüssig, was ich machen sollte. Ich entschied mich dann aber doch, zuerst zu Ende zu duschen, auf die paar Liter Wasser mehr würde es jetzt auch nicht mehr ankommen.

Die beiden Abflussrohre von Waschbecken und Dusche vereinigten sich sowieso auf ihrem Weg zum Fallrohr und ich hatte wirklich keine Lust, mir das Shampoo über dem Waschbecken auszuspülen.

Als ich fertig war, schüttete ich, getreu dem Motto, dass Viel auch viel hilft, den gesamten Inhalt des Rohrfreis in die Emaille. Es blubberte und schäumte, es würde alles nun seinen gewohnten Gang gehen.

Auch der Sex mit Nikolaj nahm seinen üblichen – für mich ziemlich ausfüllenden – Gang: Seit Neuestem bleibt er nach seinem Abgang einfach in mir und fickt dann, nach einer kleinen Zigarettenpause, einfach weiter, ehe wir die Rollen tauschen.

Das Rohrfrei hatte, wie ich einen Tag später feststellen musste, keine Verbesserung der Ablaufsituation gebracht. Bis zur Achillesferse stand ich nach nur fünf Minuten im lauwarmen Wasser, ich musste also härtere Geschütze auffahren.

Nach der Arbeit, Donnerstag ist immer mein Präsenztag im Verlag, suchte ich deshalb eine Drogerie auf und erstand dort, neben der Ersatzpackung für Inge, ein Spezialmittel, das – laut Aufschrift – jedwede Blockierung beseitigen sollte.

Aber, außer einem Loch in meinem Portemonnaie, brachte es keinen großen Erfolg, der Abfluss weigerte sich immer noch beharrlich, seinen bestimmungsmäßigen Auftrag zu erfüllen.

Irgendwie musste das Problem gelöst werden. Zwar machte mir das Wasser an den Füßen nicht viel aus, ich mochte es sogar, aber die Tropfen aus der Kellerdecke bereiteten mir dann doch einige Sorgen.

Das Haus, in dem ich wohnte, war Baujahr 1911 und die Kellerdecke war nur gemauert. Alter Zement und Wasser? Außerdem befand sich die gesamte Elektroverteilung keinen halben Meter von der Stelle entfernt, wo es, je nach Füllgrad der Dusche, mal mehr oder mal weniger tropfte.

Hätte es sich um den Abfluss am Waschbecken gehandelt, ich hätte selber Hand angelegt, aber da der Casus Belli unerreichbar unter der Dusche lag, konnte ich das nicht. Ich machte das, was jeder vernünftige Mensch in einem solchen Fall tun sollte.

Ich rief meinen Vermieter an und teilte ihm mit, welches Ungemach dem Hause widerfahren war. Er versprach, sich am Montagmorgen persönlich vom Ausmaß des Schadens zu überzeugen und alles Weitere dann dort mit mir zu besprechen.

 

*-*-*

 

Als Werner Keimburg dann auftauchte und ich ihm das Tropfen aus der Decke plastisch demonstrierte, zuckte er mit den Schultern.

 

„Ich würde das normalerweise ja selber machen, aber mein Rheuma! Ich bin froh, mich überhaupt etwas bewegen zu können. Ich werde wohl teure Handwerker beauftragen müssen.“

 

Mein Mitleid hielt sich in Grenzen.

 

„Mir soll das egal sein, nur … ich habe keine Lust, plötzlich mit der Dusche im Keller zu landen. Außerdem … die Elektrik könnte in Mitleidenschaft gezogen werden.“

 

„Ach! Die Leitungen sind sehr gut abgeschirmt, da wird schon nichts passieren.“

 

Der Schreiner glaubte wohl selbst nicht an das, was er mir gerade gesagt hatte.

 

„Wann können die Handwerker denn anrücken?“

 

Anscheinend hatte er nicht nur Rheuma, augenscheinlich litt er auch unter Gedächtnisverlust. Ich weiß nicht, wie oft ich ihm schon mitgeteilt hatte, dass ich als Lektor eher der Heimarbeiter bin und bis auf meinen Präsenztag im Verlag meine Arbeit in meinen eigenen vier Wänden verrichtete.

 

„Bis auf Donnerstag immer!“

 

„Alles klar, dann weiß ich ja Bescheid.“

 

Wir verabschiedeten uns und ich machte mich wieder an meine Arbeit: 400 Seiten eines Autoren, der Kommata nur nach dem Zufallsprinzip in seinem Text verteilt, korrigierten sicher nicht von alleine.

Ich war gerade auf Seite fünfzehn angelangt, da klingelte das Telefon. Mein Vermieter teilte mir mit, dass die Sanitärfirma am Mittwochmittag kommen würde. Ich machte mir eine entsprechende Notiz und versuchte, meine Gedanken wieder auf den wirren Wortsalat, der auf dem vor mir liegenden Papier herrschte, zu konzentriere.

 

*-*-*

 

Es klingelte. Verschlafen blickte ich auf den Wecker, es war kurz nach Sieben. Ein erneuter Gong ertönte. Wer, um alles in der Welt, wollte um diese Uhrzeit zu mir? Ich rieb mir meine Augen, ich hätte kaum drei Stunden geschlafen, mittlerweile war ich bis auf Seite 118 an diesem tollen Werk vorgedrungen.

Ich warf mir den Bademantel über und schleppte mich mehr zur Tür. Ich wollte denjenigen, der Einlass begehrte, erst zur Sau zu machen und dann umbringen, oder was es umgekehrt? Ich drückte den Öffner, machte meine eigene Wohnungstür auf und holte schon einmal tief Luft, um gleich richtig loslegen zu können.

Durch die Haustür lugte ein blonder Schopf und blickte leicht verstört in meine Richtung.

 

„Guten Morgen. Wir sind die Handwerker von Sanitär Lammers und kommen wegen der defekten Dusche.“

 

Ich konnte nur noch stöhnen! Es war zwar Mittwoch, aber hatte mein Vermieter nicht etwas vom Mittag gesagt? Für mich war es noch tiefste Nacht!

 

„Dann kommt mal rein.“

 

Der junge Bengel griff nach unten und betrat, mit Werkzeugkiste in der Hand, den Flur. Wie alt mochte er sein? Keine zwanzig, eher jünger, aber meine Augen waren noch nicht voll einsatzfähig. Er grinste mich frech an, als er an mir vorbeiging, er roch nach Deo.

 

„Wo ist denn die Dusche?“

 

„Durch die Küche, die Tür auf der rechten Seite.“

 

Ich wohne ja in einem Altbau und die Badezimmer sind erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts nachträglich eingebaut worden.

 

„Aha!“

 

Man hörte, wie die Tür geöffnet wurde.

 

„Wo ist denn das Licht? Ah … da!“

 

Es klingelte erneut.

 

„Das wird mein Kollege sein, der war noch nebenan beim Bäcker.“

 

Ich zuckte nur mit den Schultern und drückte erneut den Öffner. Der Mann, der jetzt in den Flur trat, war etwas kleiner, dafür aber auch erheblich stämmiger als sein junger Kollege, sein Blaumann spannte sich regelrecht.

Er sah zwar nicht aus, wie eine Presswurst, aber viel fehlte nicht. Das wenige Haar, das er noch auf dem Kopf hatte, trug er offen. Er grüßte durch ein Kopfnicken und folgte mir durch die Küche ins Bad.

Der Alte warf einen Blick in meine Wasserspiele und wandte sich dann seinem Azubi zu.

 

„So, Viktor, nun erzähle mir mal, wie du gleich vorgehen willst. Das wirst du in einem halben Jahr bei deiner Prüfung auch gefragt werden. Also: Ich höre!“

 

Der Blondschopf war also Lehrling. Von dem fachlichen Gespräch der Zwei verstand ich nicht viel, ich kümmerte mich um den Kaffeeknecht. Als ich mich wieder zu ihnen umdrehte, grinste der Alte.

 

„Ich brauch keine Angst zu haben, die Prüfung packst du mit Links. Wie lange wirst du brauchen?“

 

Der Junge strich sich über das Kinn.

 

„Mauer aufstemmen, Abfluss ausbauen, Rohr mit der Spirale reinigen, neuen Abfluss anbringen? Ich denke mal, in zwei Stunden müsste alles erledigt sein.“

 

„Alles klar! Ich lass dich dann jetzt allein und fahr auf die Baustelle in der Plangeallee, da herrscht das komplette Chaos.“

 

Er lächelte mir zu und deutete einen Gruß an, als er durch die Tür verschwand.

 

„Auch einen Kaffee?“

 

Ich blickte den jungen Blaumannträger an. Er kam aus dem Badezimmer und hängte seine Arbeitsjacke über den Stuhl. Der Oberkörper, den er mir präsentierte, war nicht von schlechten Eltern: wohl definiert, aber nicht übertrieben.

 

„Gerne!“

 

Die Situation war wirklich zu klischeehaft! Wie viele Geschichten von Sex mit Handwerkern hatte ich in meinem Leben gelesen? Der junge, gut aussehende Klemper und die Frau im Negligé!

Moment, ich hatte auch nur einen Bademantel an und nichts darunter. Ich wurde zwar nicht mehr rot, aber ich eilte dann doch besser erst einmal ins Schlafzimmer, um mir etwas Ordentliches überzuziehen.

Klein-Vincent hüpfte, als ich alleine im Schlafzimmer am Schrank stand und nach einer Unterhose suchte. Jetzt müsste eigentlich die Tür aufgehen, der Adonis reinkommen und mich aufs Bett werfen, um mich dann, nach allen Regeln der Kunst, zu vernaschen.

Ich schüttelte mich und verscheuchte augenblicklich diesen Gedanken; der Knabe war mir eindeutig zu jung. Ich vermutete, er war noch keine zwanzig, er hätte mein Sohn sein können und ich brauche einen Mann im Bett und kein Kind.

In Jeans und T-Shirt machte ich mich dann wieder auf den Weg in die Küche. Ich wollte mir gerade die Kanne greifen, als der blonde Recke aus dem Bad kam und mich angrinste. Was hatte er da in der Hand?

Nein! Scheiße! Mist! Ich hatte vergessen, das Eckregal in meiner Dusche auszuräumen. Erdboden tue dich auf und verschlinge mich! Gut, Shampoo und Duschgel hat ja jeder in seiner Nasszelle stehen, aber der Dildo mit dem Saugfuß, den ich ab und an, an die Wand pinnte, um mich dann damit selbst zu pfählen.

Ich verdrehte die Augen, als er mir das Gummiteil süß lächelnd reichte.

 

„Ich glaube, das Teil sollte sie mal besser wegstellen. Nicht dass es noch schmutzig wird.“

 

Er zeigte mir seine strahlend weißen Zähne.

 

„Wäre doch echt zu schade.“

 

„Äh, danke.“

 

Wurde ich Rot? Ja, ich wurde rot!

 

Mit Hammer und Meißel machte er sich ans Werk. Den Türkentrank schenkte ich in zwei Becher ein und warf dann einen kurzen Blick ins Badezimmer. Der Knabe lag ausgestreckt auf dem Boden und streckte mir seinen süßen Hintern einladend entgegen. „

 

Wie willst du den Kaffee?“

 

Er blickte mich grinsend schräg von unten an.

 

„Schwarz! Ich will ja noch schön werden.“

 

„Als ob das nötig wäre!“

 

Ich biss mir selbst auf die Zunge, als ich mich wieder zur Arbeitsfläche ging.

 

„Danke für das Kompliment.“

 

Ein erneuter Schlag mit dem Hammer erfolgte. Etwas später beugte ich mich, mit einer Tasse in der Hand über ihn. Das Deo hatte sich mit leichtem Schweißgeruch gepaart: Ich hätte mich fast vergessen können.

 

„Hier! Ihr Kaffee?“

 

„Waren wir nicht schon beim Du?“

 

Ein Lachen zierte sein Gesicht.

 

„Ich bin Viktor!“

 

Normalerweise bietet ja der Ältere dem Jüngeren das Du an, aber was sollte es.

 

„Vincent.“

 

„Auf den Kuss verzichten wir wohl besser, denn … mit Kaffee kann man schlecht anstoßen.“

 

Flirtete er mich jetzt etwa an?

 

„Stimmt, ist auch etwas früh am Morgen.“

 

Ich erhob mich wieder, denn noch länger in seinem Geruchskreis? Ich wäre vielleicht schwach geworden. Er trank einen Schluck.

 

„Aber guten Kaffee machst du, das muss man dir lassen!“

 

„Danke!“

 

Ich drehte mich um und setzte mich an den Küchentisch. Warum wurde ich verlegen? Die Hammerschläge nahmen an Intensivität und Tempo zu, dann ertönte ein „Ja!“, der Durchbruch war anscheinend geschafft.

 

„Vince, kannst du mir bitte mal die Taschenlampe reichen. Die müsste ganz oben im Werkzeugkoffer sein.“

 

Er nannte mich Vince! Sollte ich geschmeichelt sein? Ich ging zu diesem metallenen Kasten und kam mit der Leuchte zurück.

 

„Bitte.“

 

„Danke!“

 

Er leuchtete in das Dunkel unter der Tasse.

 

„Mann, stinkt das!“

 

Ein leichter Geruch nach Moder und Fäulnis machte sich in der Luft breit.

 

„Was ist los?“

 

„Wasser! Der Boden ist in Mitleidenschaft gezogen worden.“

 

Er griff direkt in das Loch.

 

„Unter der Dusche hast du noch Holzboden … und der scheint durchgefault zu sein.“

 

Das hörte sich nicht gut an.

 

„Und nun?“

 

„Mal abwarten.“

 

Victor widmete sich wieder seiner Arbeit und ich setzte mich an den Küchentisch. Eine Zigarettenlänge später kam er mit einem ziemlich braun aussehenden Plastikteil in die Küche und entleerte es im Küchenwaschbecken. Es stank bestialisch.

 

„Aber sag mal, tut das nicht weh?“

 

Was meinte er?

 

„Äh, was soll wehtun?“

 

„Na, das Teil, das in der Dusche war, ist doch ein Schwanz, oder?“

 

Er nahm mein Nicken geflissentlich zur Kenntnis.

 

„In deinem Badezimmer ist aber keine Spur von einer Frau zu entdecken, nur Rasierzeug und Aftershave. Also bist du wahrscheinlich schwul und … schiebst dir das Teil wohl in deinen Arsch.“

 

Ein denkender Handwerker im dritten Lehrjahr! Ich nickte.

 

„Ja, ich bin schwul und nochmals ja, ich schiebe mir ab und an das Teil in meinen Hintern. Schlimm?“

 

„Nein, nur …“

 

Er starrte verlegen auf den Boden.

 

„… das Teil ist wirklich fett und du redest so offen darüber, wir … wir kennen uns doch gar nicht. Von daher …“

 

Ich legte ein Lächeln auf meine Lippen.

 

„Du hast mir eine Frage gestellt und ich habe geantwortet.“

 

„Aber noch nicht, ob es auch schmerzhaft ist, wenn du …“

 

Er legte den Duschabfluss vorsichtig ins Spülbecken.

 

„Das Ding ist doch fast so dick wie ein Zweizollrohr.“

 

Wurde das hier eine Fragestunde über schwulen Sex?

 

„Genau fünf Zentimeter Durchmesser. Trocken klappt das nicht, dein Loch sollte ziemlich glitschig und geweitet sein, bevor du ihn dir …“

 

„Geweitet? Ich hab mir ja schon mal in der Wanne einen Finger in den Arsch gesteckt, aber mehr ging echt nicht rein und so ein Teil? Das ist doch unmöglich!“

 

Er schaute mich fragend an. Ich atmete tief durch.

 

„Nein, dein Loch ist dehnbarer, als du denkst. Du schmierst dir mit Dusch- oder Gleitgel deine Rosette gut ein und machst das gleiche wie in der Wanne: Finger tief rein. Erst spürst du eine gewisse Enge, dann aber wird es plötzlich weiter. Jetzt drehst du den Finger, schiebst ihn rein und raus. Nach ein paar Minuten wirst du, mit einer weiteren Portion Gel, einen zweiten Finger dazu stecken können und später auch drei. Dann kriegst du das Teil auch rein.“

 

„Werde ich mal testen.“

 

Er grinste mich an und ging zu seinem Werkzeug. Aus der Metallkiste nahm er einen Akkuschrauber und ein biegsames Etwas von zwei Meter Länge, ging damit wieder ins Bad.

Ich folgte ihm und wunderte mich etwas.

 

„Was machst du denn jetzt?“

 

Er legte die Sachen auf den Boden, stellte sich an die Toilette, klappte den Deckel auf und nestelte an seiner Hose.

 

„Erst einmal Pinkeln und dann kümmere ich mich gleich um die Verstopfung im restlichen Abfluss, deshalb bin ich ja hier.“

 

Viktor pullerte tatsächlich vor meinen Augen. In welchen Film war ich denn hier? Wollte er mich anmachen? Wollte er testen, ob ich ihn anspringen würde? Ich wollte mich zwar abwenden, aber allein der Anblick, wie er sich erleichterte, zog mich magisch an. Er beobachtete mich, wie ich ihn beobachtete.

 

„Kann es sein, dass du vielleicht selber …“

 

Er schlackerte ab, packte seine menschliche Schlange ein, und drehte sich langsam zu mir um.

 

„Dass ich schwul bin?“

Der Azubi zuckte mit den Schultern.

 

„Ich weiß nicht, was ich bin oder sein darf.“

 

Ich machte einen Schritt auf ihn zu und legte meine Hand auf seine Schulter.

 

„Es ist egal, was andere Leute von dir denken, denn sie können ja nicht dein Leben für dich leben.“

 

Er legte seine Hand auf meine.

 

„Wenn du mein Umfeld kennen würdest, würdest du anders denken!“

 

Ich näherte mich ihm.

 

„Wenn du mal reden willst, du bist jederzeit hier herzlich willkommen.“

 

Der Mann im Blaumann machte einen Schritt auf mich zu, unsere Nasen waren weniger als eine Zigarettenpackung voneinander entfernt, ich konnte seinen heftigen Atem spüren.

 

„Du willst mich doch nur vernaschen!“

 

Ich grinste ihn an.

 

„Auch wenn ich es gerne würde, aber … du könntest mein Sohn sein.“

 

Seine Lippen näherten sich meinem Mund, wir berührten uns fast.

 

„Äh, ich sollte jetzt weitermachen, denn wenn Theo gleich kommt? Er wird sich fragen, was mich so lange aufgehalten hat und … ich will keinen Ärger kriegen.“

 

„Du hast recht. Dann …“

 

Ich trat einen Schritt zurück.

 

„… will ich dich nicht länger stören.“

 

Er legte sich wieder auf den Boden, das biegsame Metall verschwand in der Öffnung, leichtes Stöhnen drang aus seinem Mund. Dann richtete er sich auf und spannte das freie Ende des Stabes in den Akkuschrauber.

 

Ein Sirren erfüllte den Raum. Sein Blick glitt an mir hoch.

 

„So, jetzt mach ich das Rohr frei. Hast du zufällig auch einen Gartenschlauch? Den bräuchte ich jetzt.“

 

Was wollte er bewässern?

 

„Im Keller hängt einer. Was willst du damit denn machen?“

 

„Die Leitung gleich durchspülen.“

 

Er grinste mich an.

 

„Durch die Schwingungen am Ende der Spirale löse ich die Ablagerungen von der Innenseite des Rohrs. Wenn ich sie nicht wegspüle, dann wäre ich in einem Monat wieder hier.“

 

„Wäre das so schlimm?“

 

Ich blickte ihn fast flehentlich an. Er zeigte mir ein Grinsen.

 

„Eigentlich nicht, aber ich würde dich lieber privat besuchen und nicht wegen der Dusche. Mit dir scheint man vernünftig reden zu können, von daher …“

 

„Das kann man natürlich.“

 

Ich drehte mich um.

 

„Ich hohl dir dann mal den Schlauch.“

 

Die nächsten Schritte waren einfach: Viktor machte das Endstück ab und schickte mich wieder in den Keller. Als ich so etwas hörte wie: „Wasser marsch!“, gab ich entsprechenden Druck auf die Leitung.

Es schien zu funktionieren, denn ich hörte ein Klackern in der Leitung. Die Blockade schien behoben zu sein. Viktor rief mich nach oben, denn er wollte noch einmal die elektrische Spirale einsetzen.

Als ich den Hahn im Keller ein zweites Mal aufdrehte, war das Geräusch innerhalb des Rohres nicht mehr ganz so stark wie beim ersten Mal. Der Akkuschrauber wurde ein drittes Mal eingesetzt und diesmal war danach nur noch das Rauschen des Wassers zu vernehmen.

Als der Schlauch wieder aufgerollt war und ich aus dem Keller kam, stand eine Gestalt vor der Haustür; der Altgeselle begehrte Einlass.

In meinem Badezimmer war der Azubi bereits dabei, einen neuen Abfluss unter die Dusche zu bauen. Als er seinen Vorgesetzten sah, berichtete er von den durchgeführten Arbeiten und wartete wohl auf dessen Reaktion.

Der alte Mann kniete sich hin, streckte seinen Arm in die Öffnung und überprüfte die Arbeit des Lehrlings.

 

„Gut gemacht. Jetzt bring mal den Abfluss an und dann machen wir noch einen Dichtigkeitstest.“

 

„Alles klar, Chefchen.“

 

Der Junge lachte und der Alte stöhnte.

 

„Einen Kaffee?“

 

Der Alte nickte.

 

„Und? Was meint der Fachmann? Machen Sie das Loch gleich zu?“

 

Der alte Blaumannträger schüttelte mit dem Kopf.

 

„Um Gottes willen! Unter der Dusche ist es nass wie am Amazonas; das muss erst einmal trocknen, frühestens in sechs bis acht Wochen … Aber ich weiß nicht, wie stark das Holz mittlerweile in Mitleidenschaft gezogen worden ist.“

 

„Das heißt?“

 

Ich blickte ihn neugierig an. Der Mann mit dem Kinnbart atmete tief aus.

 

„Herr Winter, sie leben in einem Altbau, wir können nur feststellen, dass ein Schaden vorliegt, aber wir wissen nicht, wie lange der Schaden schon bestand. Je länger das Holz der Nässe ausgesetzt war, desto schlimmer könnte es sein.“

 

Ich blickte ihn erschrocken an.

 

„Und was sollen wir jetzt machen?“

 

„Das Beste wäre, ihr Vermieter würde die Tragfähigkeit des Holzes überprüfen lassen.“

 

Er zuckte mit den Schultern und trank einen Schluck.

 

„Das Holz ist und bleibt angegriffen. Die Tasse könnte – auch bei normaler Belastung – an einer Ecke absacken und was dann mit den Leitungen passiert? Es könnte wieder durch die Decke tropfen.“

 

Die Aussichten hörten sicher nicht besonders an. Der grau melierte Blaumannträger erzählte noch ein paar Anekdoten, ehe er durch Viktor in seinem Redefluss gestört wurde. Der meldete Vollzug und wartete wohl auf die Abnahme seines Werkes.

Der alte Mann tat seinem jungen Kollegen den Gefallen und dann, nach bestandenem Dichtigkeitstest der Tasse, machten sich die zwei Handwerker auf, meine Wohnung zu verlassen. Die Verabschiedung mit dem Altgesellen war eher förmlich, Viktor raunte mir ein: „Bis die Tage!“ zu.

Ich informierte meinen Vermieter über die erfolgte Reparatur und die Aussagen des Altgesellen, aber Werner Keimburg winkte nur ab. Er würde sich selbst vom Zustand der Bodendielen überzeugen, der Schreiner kannte sich ja schließlich mit Holz aus.

In der Woche vor meinem Geburtstag verschloss er endlich die noch immer klaffende Lücke in meiner Duschumrandung.

 

*-*-*

 

Viktor besuchte mich tatsächlich zwei Tage später. Wir saßen im Wohnzimmer und unterhielten uns bei einem Bier über Gott und die Welt. Gut, ich gebe es zu, ich legte meinen Arm um seine Schultern, aber nur prophylaktisch.

Der Azubi brauchte dringend eine Schulter zum Anlehnen. Ich erfuhr so einiges von meinem jugendlichen Gast. Er stammte aus einer Patchwork-Familie, seinen eigentlichen Erzeuger hatte er im Alter von drei Jahren bei einem Autounfall verloren.

Als er in die Grundschule kam, lernte seine Mutter, die ehrenamtlich für die Caritas in einem Übergangsheim für Aussiedler arbeitete, dort ihren „Neuen“ kennen, den er immer nur als „Typ“ bezeichnete. Seinen Namen erfuhr ich nicht, aber ich fragte auch nicht nach.

Einen Draht zu seinem Stiefvater hatte er nie gefunden, der Typ hatte sich auch nie darum bemüht, ein vertrauensvolles Verhältnis zu dem Kind aufzubauen. Der kleine Viktor kam sich ungeliebt, unverstanden und verloren vor.

Dieses Gefühl steigerte sich noch mit der Geburt seiner beiden Geschwister, er war nur noch das Anhängsel seiner Mutter. Da aber der neue Mann das komplette soziale Umfeld der Familie ziemlich stark prägte, wollten Freunde und Bekannte der ursprünglichen Familie nichts mehr mit Mutter und Sohn zu tun haben.

Auch Kontakte zu Freunden und Mitschülern waren begrenzt, Viktor wurde durch seinen Stiefvater zum Ausgestoßenen, zum Einzelgänger.

 

*-*-*

 

Die Frage ist eigentlich obsolet, bereits bei seinem ersten Besuch hat er sich mir gegenüber komplett geoutet. Im Laufe der Zeit lernten wir uns immer besser kennen und ich hatte echt einen Narren an dem Azubi gefressen.

Zwar hatte ich tieferen Gefühlen eine Abfuhr erteilt, der Altersunterschied war mir einfach zu groß, aber ich gefiel mir in der Rolle des Mentors und väterlichen Ratgebers. Während der nächsten Wochen waren wir samstags immer unterwegs, ich wurde wieder zum Discogänger. Zwar fühlte ich mich in den heutigen Musiktempeln erst etwas unwohl, aber er machte mich wieder jung. Ein paar Dinge fielen mir aber doch auf: Nach dem zweiten oder dritten Besuch in den musikalischen Berieselungsanlagen hatte ich mehr Spaß an den gemeinsamen Ausflügen ins schwule Nachtleben des Ruhrgebiets als er und meine Gesprächspartner an der Theke waren meistens jünger als die Typen, mit denen er sich unterhielt.

Nach Halloween kam es zu einer Änderung des samstäglichen Programms: Nach unsern Ausflügen setzte ich Viktor nicht mehr in der elterlichen Siedlung ab, er nächtigte bei mir. Sein Stiefvater hätte sich, wie er mir sagte, die frühmorgendlichen Störungen beim Heimkommen verbeten.

Er sollte dann doch lieber erst zum Mittagessen wieder auf der familiären Bildfläche auftauchen. Der Typ schien wirklich ziemlich merkwürdig zu sein, aber eigentlich musste ich ihm dankbar sein.

Trieb er mir dadurch doch seinen Ziehsohn doch in die Arme respektive in mein Bett. Allerdings gab es keinen wilden, animalischen Sex, es gab nur Streicheleinheiten, Küsse und gegenseitige Liebkosungen.

Am ersten Freitag im Dezember stand Viktor, beladen mit einer großen Sporttasche, vor meiner Tür. Ich war etwas überrascht, wir waren erst für Samstag verabredet und die Wechselwäsche, die er normalerweise mitbrachte, passte in eine Plastiktüte.

 

„Ich hab Stress zu Hause!“

 

Beschämt blickte der Azubi zu Boden.

 

„Gibst du mir Asyl?“

 

„Komm rein.“

 

Ich nahm ihm die Tasche ab und führte ihn ins Wohnzimmer.

 

„Was ist denn los?“

 

„Vorgestern, nach der Arbeit, war ich im Sex-Shop und …“

 

Er ließ sich auf die Couch fallen. „… habe mir dort Jocks in Schwarz gekauft und die dann kurz durchgewaschen.“

 

Ich konnte mir ein hämisches Grinsen nicht verkneifen.

 

„Und wahrscheinlich zum Trocknen auf die Heizung gelegt und da dann vergessen.“

 

„Genau! Mama hat sie gestern beim Saubermachen entdeckt und mich zur Rede gestellt. Ich glaube aber, sie hat es geschluckt, dass die für den Sport wären.“

 

Mein Boden musste interessant sein. Ich zwinkerte ihm zu.

 

„Wohl eher für den Matratzensport. Und warum dann der Stress, wenn sie es dir abgenommen hat?“

 

„Sie hat es auch dem Alten erzählt! Als ich vor zwei Stunden aus der Schule kam, kam der Typ in mein Zimmer und machte mich total zur Sau.“

 

Er blickte mich aufgeregt an.

 

„Was ich denn mit diesem ‚schwulen Zeug’ will? Ob ich vielleicht selber einer dieser verdammten Arschficker wäre und für jeden Schwanz die Beine breitmache.“

 

„Damit ist die Frage, ob deine Eltern Bescheid wissen, ja auch geklärt.“

 

Ich kratzte mich am Kinn. Trauer lag in seinem Blick.

 

„Der Alte würde mich achtkantig aus der Wohnung schmeißen, wenn ich ihm jetzt die Wahrheit sagen würde. Ich kann mich erst outen, wenn ich meine Prüfung bestanden habe und auf eigenen Beinen stehe. Mama ahnt vielleicht was, aber … offiziell ist nichts. Sie liebt mich zwar, aber gegen den Alten? Da kommt sie leider nicht an.“

 

„Naja, wenn sie erfährt, dass ihr Sohn sich jetzt schon schwule Unterwäsche kauft, …“ Ich kicherte und Viktor boxte mich in die Seite. „… dann könnte sich das bald ändern.“

 

„Du bis ein gemeiner Schuft, Vincent Winter; weißt du das? Ich leide hier Höllenqualen und du machst dich über mich lustig!“

 

Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen.

 

„Mache ich wirklich nicht, …“

 

Ich grinste ihn an.

 

„Aber mir drängt sich eine ganz andere Frage auf!“

 

„Wie ich damit aussehe?“

 

Er blickte mich lüstern an, ich nickte.

 

„Moment, ich hab sie sogar an!“

 

Er erhob sich vom Sofa und es dauerte keine halbe Minute, da stand er nur noch in dem kleinen Schwarzen vor mir und wackelte aufreizend und lasziv mit den Hüften.

 

„Na? Wie gefalle ich dir?“

 

„Mehr als gut!“

 

Ich streckte meine Hände nach ihm aus, die er auch ergriff, und zog ihn zu mir, drehte ihn, der nun zwischen meinen Beinen stand, hin und her und dann um seine eigene Achse. Ich vergrub meine Nase in seiner Spalte und atmete den Duft, den er verströmte, tief ein.

Der Knabe machte mich einfach verrückt. Meine Zunge tanzte über seine Apfelbäckchen, während meine Finger sich an seiner Vorderseite langsam in Richtung des elastischen Bündchens vortasteten: Der Stoffbeutel war mehr als gut ausgefüllt.

Der angehende Sanitärfachmann beugte sich langsam nach vorne und zog dabei seine zwei Hügel weit auseinander, bot meiner Zunge somit eine größere Spielfläche, die ich auch gerne nutze.

Allerdings hatte er anscheinend etwas anderes vor, denn der süßeste hintern der Welt übernahm die Initiative: Viktor ließ sich zwar weiterhin lecken, aber er bestimmte durch Drehungen und Wendungen, wo und wie tief ich mit meiner Zunge an seine Haut kam.

Mir wurde es reichlich eng in meiner Jeans. Als ob er Gedanken lesen konnte, spielte er plötzlich mit meinem Reisverschluss und hatte – so mir nichts, dir nichts – meinen Gürtel geöffnet und versuchte sich nur am Hosenknopf.

Als auch dieses Hindernis beseitigt war, nestelte er an meinen Beinen, versuchte, die Jeans auf den Boden zu befördern. Sein Unterfangen war, durch mein Anheben des Beckens, von Erfolg gekrönt, meine Retro lag noch schneller als die Jeans auf dem Fußboden.

Meine achtzehn Zentimeter freuten sich über die gewonnene Freiheit. Viktor griff nach meinem Szepter, streichelte ihn mit der einen Hand, walkte meinen Beutel mit den Fingern der anderen Hand.

Plötzlich wurde es feucht an meiner Kuppe; er hatte meine Vorhaut zurückgezogen und beförderte nun Unmengen seines Speichels auf mein empfindliches Stück Fleisch. Viktor machte einen Schritt nach vorn, um dann, im Zeitlupentempo, sein göttliches Hinterteil abzusenken.

Meinen Stab hielt er dabei die ganze Zeit fest umschlossen, dirigierte ihn langsam durch seine Ritze. Was hatte er vor? Wollte er wirklich, dass ich ihn aufspieße?

 

„Was … was … machst du da?“

 

Ich konnte nur noch stöhnen.

 

„Nach was sieht das denn aus?“

 

Er hatte meine Kuppe an seine Öffnung positioniert, verharrte einen Augenblick. Dann senkte er sich, Millimeter um Millimeter, nach unten, zischend und schnaufend atmete er aus und ein. Unberührte Enge umschloss meinen Freudenspender, der immer tiefer in den Lehrling eindrang.

Endlich spürte ich seine Beckenknochen in meinem Schoß. Stöhnend beugte er sich nach hinten, sein Rücken lehnte an meiner Brust.

 

„Endlich drinnen! Können wir erst einmal so etwas sitzen bleiben? Ich muss mich erst an deinen Prügel gewöhnen.“

 

„Alles, was du willst. Aber …“

 

Meine Hände umschlungen seine Brust und ich zwirbelte an seinen Nippeln.

 

„… bist du dir sicher, dass ich …“

 

„Ja, verdammt noch mal! Ich will, dass du der erste Mann bist, der mich …“

 

Er japste und versuchte, seinen Hintern wieder ein Stück anzuheben, aber es schien doch zu schmerzhaft zu sein. Ich streichelte über seine Brust.

 

„Wenn es dir zu sehr weh tut, wir können auch …“

 

„Ich will es! Ich habe lange genug geübt.“

 

Er schaffte es, sich um fünf Zentimeter zu erheben und ließ sich dann wieder fallen. Seine zweite Hubbewegung dauerte etwas, ich ließ ihm alle Zeit der Welt, die er brauchte. Der dritte Hub ging dann schon besser und danach glitt er in einem gewissen Rhythmus auf meiner Stange auf und ab.

Aber, wie das immer so ist mit der Jugend, sie wurde zu schnell zu übermütig. Seine Bewegungen wurden zu unkontrolliert und er hüpfte mir von der Stange, verlor das Gleichgewicht und kam auf dem Teppich zu liegen.

 

„Verdammte Scheiße! Ich … ich … will doch nicht nur halb entjungfert werden.“

 

„Ganz ruhig, mein Engel!“

 

Ich packte ihn bei den Hüften und dirigierte ihn in Richtung Sofa.

 

„Stütz dich mit den Händen von der Couch ab.“

 

„So?“

 

Er robbte in Position und ich rutschte ihm auf Knien hinterher. Zwischen seinen Beinen angekommen, ließ ich Klein-Vincent das Futteral, dessen er gerade beraubt worden war, wieder suchen.

 

„Genau so. Und jetzt lass mich mal machen.“

 

Ich hatte die dünnste Stelle gefunden und stieß unbarmherzig zu. Er stöhnte, japste auf. Ich hielt seine Hüften umklammert, rückte ihn in die richtige Stellung und begann dann mein Werk.

Langsam zog ich mich zurück, um dann wieder nach vorn zu preschen. Er stöhnte erneut auf, aber diesmal wohl eher aus Geilheit als vor Schmerz. Nach ein paar Bewegungen hatte ich den richtigen Rhythmus gefunden und pflügte durch seinen Acker.

Er gluckste vor Freude und Geilheit.

 

„Ja … komm … tiefer … tiefer … ich … ich …“

 

Ich schob die schützende Stofffülle beiseite und griff mir sein Teil, der Schwanz des Azubis sonderte einen Vorsaftfaden nach dem anderen ab. Ich wichste ihn mit Rechts und pflügte mit meiner Egge seine Furche.

Mit der linken Hand, meine Finger lagen auf seiner Hüfte, der Handballen auf seiner Arschbacke, versuchte ich, sämtliche Bewegungen mit seinem Hinterteil auf mich zu, zu unterbinden.

Es gelang mir einigermaßen. Viktor stöhnte und wand sich vor Lust, je lauter er wurde, desto mehr zog sich seine Rosette zusammen. Lange würde jetzt auch nicht mehr aushalten können.

 

„Wo … wohin soll ich?“

 

Auch ich war von der Lust gefressen, kaum eines klaren Gedanken fähig. Er drückte sich von der Sitzfläche ab, sein Kopf wanderte in meine Richtung.

 

„In mich! Ich … ich … will … dich in mir!“

 

Er drehte seinen Kopf in meine Richtung

 

„Markier mich, ich … ich … will dein sein!“

 

Reden konnte ich nicht, meine Antwort gab ich ihm auf andere Weise. Wild und unkontrolliert stieß ich zu und entließ meinen Nektar in das Dunkel seiner Grotte. Ich hatte gerade meinen letzten Schuss abgefeuert, als er mit seinem Oberkörper nach hinten schnellte und mich so zu Boden warf. Viktor zappelte auf mir wie ein Fisch auf dem Trockenen, als er sich selbst von Kopf bis Fuß einsaute.

Als er sich einigermaßen gesammelt hatte, drehte er sich, immer noch auf mir liegend, um und blickte mir glückselig in die Augen. Unsere Lippen suchten und fanden sich, wir umklammerten uns heftig, während wir knutschend durch das Zimmer rollten und ich auf ihm zu liegen kam. Ich leckte ihm über die Nasenspitze.

 

„Du bist verrückt!“

 

„Nach dir!“

 

Der Azubi küsste mich erneut. Mühsam erhob ich mich. Mit wackligen Knien blickte ich ihn von der Tür aus an.

 

„Nicht weglaufen!“

 

„Im Leben nicht!“

 

Er lachte mich an.

 

„Dazu bin ich viel zu fertig … und … zu glücklich.“

 

Im Kühlschrank lag noch eine Flasche Veuve Clicquot, ein Geschenk von Justin, einem rothaarigen Geschichtsstudenten, dessen Magisterarbeit ich Korrektur gelesen hatte. Bisher war mir das teure Blubberwasser immer zu schade gewesen, um es zu trinken.

Aber jetzt erschien es mir angebracht, den Tropfen zu konsumieren.

Als sich das Wohnzimmer wieder betrat, lehnte der angehende Sanitär- und Heizungsinstallateur an der Couch und sah ziemlich mitgenommen, aber auch sehr glücklich und zufrieden aus.

Mit zwei Sektgläsern aus dem Schrank setzte ich mich ihm gegenüber, entkorkte die Flasche, schüttete den perlenden Schaumwein in die Kelche und reichte ihm eins der kristallenen Trinkgefäße.

 

„Auf dich!“

 

„Auf uns und …“, wir stießen an, „… eine baldige Wiederholung.“

 

Wir tranken und ich robbte mich neben ihn, meine Hand legte sich um seine Schulter, sein rechtes Bein platzierte Viktor auf meiner linken Extremität, unsere Köpfe berührten sich.

 

„Wenn du willst …“

 

„Ob ich will?“

 

Er schaute mich an, als ob ich ihm mein Exemplar des Wachturms hätte verkaufen wollen.

 

„Natürlich will ich und, ehe du fragst, ich will ausschließlich nur dich und mit dir.“

 

„Bist du dir sicher? Ich meine, das Alter …“

 

Ich zog die Augenbrauen hoch.

 

„Ist nur eine Zahl auf dem Papier!“

 

Er küsste mich und blickte mich schelmisch grinsend an.

 

„Wenn ich dir nicht zu jung und zu unerfahren bin, du … du bist mir nicht zu alt!“

 

Ich atmete tief durch, Tausende Gedanken schossen mir gleichzeitig durch den Kopf; was würde die Zukunft bringen? Wie wird das Morgen werden? Ich war mir ziemlich unsicher.

 

„Aber …“

 

„Nichts aber! Wenn ich was in den letzten drei Monaten gelernt habe, dann sind es drei Dinge!“

 

Viktor drückte mir einen Kuss auf die Lippen.

 

„Erstens bin ich wirklich schwul und diese Einsicht habe ich dir zu verdanken. Dein offener Umgang mit mir, als wir uns damals kennengelernt haben, war wahrscheinlich der letzte Tropfen, der mein Erkenntnisfass zum Überlaufen brachte.“

 

Er strich über meine Brust.

 

„Zweitens habe ich auf unseren Touren durch die Szene festgestellt, dass ich mit Typen in meinem Alter nicht viel anfangen kann und drittens, ich …“

 

Er blickte mir tief in die Augen.

 

„… und drittens: Ich liebe dich!“

 

Mir blieb die Spucke weg, mein Mund wurde trocken, mein Herz raste.

 

„Kannst du das bitte noch einmal wiederholen?“

 

„Alles?“

 

Er lachte.

 

„Der letzte Punkt reicht vollkommen!“

 

Ich streichelte seinen Hals.

 

„Ich …“, er leckte meine Wange, „… liebe …“, seine Zunge strich über meine Lippen, „… dich!“

 

Unsere Zungen spielten miteinander. Der Klempner entzog sich mehr und blickte mich scharf an.

 

„Hast du das jetzt verstanden?“

 

Ich nickte, ganz langsam und bedächtig.

 

„Ich wollte es nur noch einmal hören!“

 

„Und? Wie sieht es bei dir aus?“

 

Er blickte mich erwartungsvoll an. Ich bohrte meine Zunge in seine Nase.

 

„Ich habe mich in dem Moment, als du hier zum ersten Mal zur Tür reingekommen bist, in dich verguckt und als du … im Bad … damals … da war es um mich geschehen. Ich hätte aber nie geglaubt, dass es …“

 

„… so kommt, wie es gekommen ist? Dass das Gefühl auf Gegenseitigkeit beruht?“

 

Er blickte mich fragend an.

 

„Dass so ein junger Kerl wie ich sich in einen alten Mann wie dich …“

 

„Genau!“

 

Ich küsste ihn.

 

„Tja, ich bin immer noch in der Ausbildung und von wem kann ich wohl am meisten lernen?“

 

Er lachte mich an.

 

„Aber bilde dir bitte ja nicht ein, dass ich ab jetzt immer die Beine breitmachen werde. Gut, es ist was anderes, einen richtigen Schwanz im Arsch zu haben als einen Dildo, aber …“

 

„Einen Dildo?“

 

Ich blickte ihn erstaunt an.

 

„Sag bloß, du hast …“

 

Er lachte.

 

„Ich hab mir kurz nach unserem ersten Treffen einen gekauft und dann immer damit gespielt, wenn ich die Gelegenheit dazu hatte. Warte! Ich zeig ihn dir.“

 

Er krabbelte zu seiner Tasche und holte das Gummiteil hervor. Zwar war das Exemplar, das er in Händen hielt, nicht ganz so groß wie das Teil, das er damals in der Dusche gefunden hatte, aber es war auch nicht von schlechten Eltern.

Er drückte mir einen Kuss auf die Lippen.

 

„Aber eins muss ich offen und ehrlich gestehen: Dein Schwanz in mir gefällt mir dreimal besser als das künstliche Teil hier, mit dem ich geübt habe.“

 

„Will ich dir auch geraten haben!“

 

Ich knuffte ihn in die Seite. Wir quatschten eine Runde, rauchten uns eine, tranken den französischen Schaumwein und liebten uns noch einmal, diesmal lag Viktor von Anfang an auf dem Rücken.

Der Pizzadienst, den wir danach anriefen und der schon nach einer Viertelstunde lieferte, befriedigte zwar unseren Hunger, aber auch nach der Nahrungsaufnahme blieb – zumindest bei mir – das komische Gefühl im Magen, man könnte es auch als Schmetterlinge bezeichnen.

Den Nachtisch nahmen wir im Bett ein, serviert wurde Viktor auf Stiel. Ich machte danach zwar den Vorschlag, die Dusche aufzusuchen, aber der Lehrling wollte lieber ungewaschen ins Reich der Träume hinübergleiten, wir hätten uns ja loslassen müssen.

Der Blonde spielte an mir und ich spielte an ihm. Erst gegen 3:00 Uhr schliefen wir, eng umschlungen und ineinander verkeilt, ein.

Als ich wach wurde, es war so gegen halb neun, spürte ich sein steifes Teil in meinem Rücken. Ich rutschte nach unten und kümmerte mich liebevoll um die morgendliche Verspannung meines Liebsten.

Wie sich das anhörte? Mein Liebster! Sollte ich mich wirklich auf ihn und die Beziehung mit ihm einlassen? Die merkwürdigsten Gedanken kamen in mir hoch, als ich mit meiner Zunge an seiner Eichel spielte.

Sollte ich das Wagnis eingehen? Es könnte ja auch schief gehen! Aber was hatte ich schon zu verlieren? Nichts! Was konnte ich gewinnen? Alles!

 

„Schatz, so kannst du mich jeden Morgen wecken, aber lass uns erst einmal frühstücken.“

 

Mein Engel reckte sich und zog mich zu sich hoch.

 

„Gut, essen wir im Bett?“

 

Ich blickte ihn erwartungsvoll an. Viktor winkte ab.

 

„Lass mal besser! Kaffee geht in Ordnung, aber mehr? Ich weiß zwar, dass es heißt: ‚Wer noch nie im Bette aß, der weiß auch nicht, wie Krümel piken!‘ aber Schatz! Ich lass mich lieber von etwas anderem von dir piken als von Brötchenkrümeln!“

 

Die Jugend kann so unromantisch sein. Den Kaffee gab es dann aber auch in der Küche. Wir lachten, scherzten, fütterten uns gegenseitig; es war ein sehr, sehr genussvolles Frühstück, das wir uns einverleibten.

Nach einer Zigarette ging es ab unter die Wasserberieselungsanlage, etwas Sauberkeit musste schließlich ja auch sein. Aber auch in der Dusche konnten wir die Hände nicht voneinander lassen.

Diesmal war ich es jedoch, der sich vom Waschbecken abstützte, und der Azubi zeigte, dass er auch aktiv sein konnte. Ich genoss es, Viktor als Objekt seiner Begierde zu Verfügung zu stehen.

Er war gerade auf mir zusammengebrochen, als es an der Tür klingelte. Bekam ich ein Einschreiben? Es klingelte erneut und eine Faust schlug gegen die Tür.

 

„Vincent! Komm endlich aus der Dusche!“

 

Ich rappelte mich auf und grinste meinen Spatz frech an.

 

„Waren wir etwa zu laut?“

 

„Nein!“

 

Der Azubi lachte.

 

„Du warst zwar aufgespießt, aber geschrien wie am Spieß hast du nicht, nur … sehr lustvoll gestöhnt, mein Engel.“

 

„Es tropft wieder durch! Schau dir das mal an!“

 

Auch wenn die Stimme durch die Tür gedämpft wurde, es war eindeutig die ehemalige Schneiderin, die davor stand.

 

„Moment! Wir kommen gleich!“

 

Ich blickte Viktor an, dem die Situation wohl nicht ganz geheuer vorkam.

 

„Das ist nur Inge, meine Obermieterin! Mal schauen, was sie wieder hat.“

 

Wir trockneten uns notdürftig ab und, während ich in meinen Bademantel schlüpfte, wickelte Viktor das nasse Badelaken um seine schlanken Hüften. Der Lehrling wirkte leicht verunsichert.

 

„Ich … äh … soll ich mich im Schlafzimmer verstecken? Oder weiß sie, dass du …“

 

„Jepp, sie hat schon öfter Männer bei mir ein- und ausgehen sehen, nur … meinen festen Freund und Lover hat sie nie kennengelernt, aber …“

 

Ich blickte in ein leicht erschrockenes Gesicht.

 

„… den gibt es ja auch erst seit gestern Abend.“

 

Viktor küsste mich erleichtert.

 

„Ich dachte schon!“

 

Ich grinste zurück.

 

„Keine Angst! Bis gestern war ich ja noch Single und … dann kam ein Engel.“

 

„Bei dir tropft es wieder durch!“

 

Das waren die ersten Worte, die ich hörte, als die Tür geöffnet war.

 

Zu dritt schauten wir uns die Bescherung an: Inge in ihrem Kittelkleid, ich im Bademantel und mein Engel nur mit dem Handtuch um die Hüften. Was meinte mein Viktor? Mein Viktor! Wie das klingt!

 

„Das liegt eindeutig an der Dusche! Moment!“

 

Die kleine Blonde blickte ihm hinterher, als er die Treppe nach oben stürmte und dabei das Handtuch verlor.

 

„Knackiger Hintern! Dein Neuer oder nur ein One-Night-Stand?“

 

Ich schüttelte den Kopf.

 

„Nein, Viktor wirst du jetzt öfter sehen, er … er ist mein Freund.“

 

„Mir persönlich wäre er zwar etwas zu jung, aber wenn es passt, warum sollte man nicht?“

 

Sie lachte mich an.

 

„Dann sage ich mal: Herzlichen Glückwunsch!“

 

„Danke dir. Wir sollten mal nach oben …“

 

Ich deutete auf die Treppe. Sie ging vor, ich folgte ihr. Viktor hatte sich eine Jeans überzogen und kniete vor der Dusche.

 

„Da haben wir das Problem.“

 

Er deutete auf die hintere Ecke der Dusche. Zwischen dem oberen Rand der Duschtasse und den Resten der Silikonfuge, die einst direkt die Emaille mit den Wandfliesen verbunden hatte, klaffte ein Spalt von mindestens zwei Zentimetern.

 

„Die Tasse ist abgesackt und dadurch ist wohl der Abfluss rausgesprungen.“

 

„Dann ruf mal Keimburg an, der soll das diesmal aber vernünftig fertigmachen lassen.“

 

Sie ging zur Tür, drehte sich aber noch einmal grinsend um.

 

„Übrigens, wenn die einzige Waschmöglichkeit in der Wohnung defekt ist, hat man Anrecht auf eine Unterbringung im Hotelzimmer, sagt jedenfalls Hans-Hubert vom Mieterverein. Ein romantisches Hotelzimmer für zwei Verliebte …“

 

Viktor wurde leicht rot, mir erging es nicht anders.

 

„Ich werde dann mal unseren Vermieter anrufen.“

 

Das Gespräch mit Werner Keimburg dauerte keine fünf Minuten, er wäre sowieso auf dem Weg in die Stadt und würde sich die Sache selbst vor Ort anschauen. Viktor, der Dank des eingeschalteten Lautsprechers mitgehört hatte, ging an seine Tasche.

 

„Ich glaube, es ist besser, dass ich gehe, wenn gleich dein Vermieter kommt.“

 

„Wieso?“

 

Ich ging auf ihn zu und nahm ihn in die Arme, küsste ihn.

 

„Hast du Angst, dass man uns zusammen sieht?“

 

„Nein, aber …“

 

Er stand da, wie ein Schluck Wasser in der Kurve.

 

„Aber was?“

 

Nachbohren kann ich auch.

 

„Er könnte mich erkennen, Lammers arbeitet doch öfters für ihn. Außerdem …“

 

Er wirkte kleinlaut.

 

„… wir haben den Schaden selbst verursacht! Hätte ich dich nicht … in der Dusche …“

 

Ich stupste ihn auf die Nase.

 

„… hätten wir weniger Spaß gehabt! Aber was sagte der Alte, mit dem du damals hier warst? Der Boden ist beschädigt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nachgibt.“

 

„Stimmt auch wieder!“

 

Diesmal drückte er seine Lippen auf meine.

 

„Und was machen wir?“

 

„Ich zieh mich erst einmal an, du brauchst ja nur noch ein Shirt. Obwohl …“

 

Ich strich über seine Brustwarzen und ließ meine Hand auf seinem Herzen liegen.

 

„… der Anblick ganz angenehm ist. Aber er würde mich zu sehr ablenken, denn ich kann mich an deinem Anblick nicht sattsehen.“

 

„Und wenn du mich so berührst, wie jetzt, würde ich dich am liebsten schon wieder …“

 

Er schaute zu Boden.

 

„… in mir haben. Bin ich schlimm?“

 

Ich umarmte ihn, zog ihn an mich, streichelte seinen Kopf.

 

„Überhaupt nicht! Nur wenn ich noch öfters ran soll, brauch ich so eine kleine blaue Pille.“

 

„Die brauchtest du gestern doch auch nicht!“

 

Er gab mir grinsend einen Kuss.

 

„Ich brauche Montag wohl eher ein Kissen, wenn ich mich irgendwo setzen soll.“

 

*-*-*

 

Werner Keimburg kam und sah sich den Schaden an.

 

„Das ist wirklich Mist! Ich hätte doch auf sie hören sollen und die Festigkeit des Bodens im letzten Jahr überprüfen sollen. Was machen wir nun?“

 

Viktor räusperte sich.

 

„Erst einmal muss die Dusche komplett raus, damit wir uns den Schaden ansehen können. Wahrscheinlich sind die Balken durchgefault, also … wenn die Kellerdecke tragfähig genug ist, Estrich legen, die Leitungen erneuern und dann wieder alles zusammensetzen.“

 

„Sie scheinen vom Fach zu sein.“

 

Mein Vermieter blickte meinen Engel an, der nur nickte.

 

„Ich würde das ja selber machen, aber mein Rheuma. Ich werde also, wohl oder übel, am Montag damit die Handwerker beauftragen müssen. Was das wieder kosten wird?“

 

Der Kerl hatte Geld wie Heu, gehörte ihm doch auch das Nachbarhaus, ebenfalls mit drei Parteien, mit dem wir uns eine gemeinsame Heizung teilten.

 

„Und wo sollen wir in der Zwischenzeit duschen? Wir können ja auch bis zum Abschluss der Arbeiten in ein Hotel ziehen.“

 

„Äh, daran habe ich jetzt gar nicht gedacht.“

 

Mein Vermieter wurde verlegen. Viktor grinste breit.

 

„Herr Keimburg, ich mache ihnen einen Vorschlag: Gegen Kostenerstattung und eine kleine Aufwandsentschädigung in Höhe einer Monatsmiete für Herrn Winter hier …“ Er deutete auf mich. „… repariere ich den Schaden. Ich bin vom Fach und weiß, wovon ich rede.“

 

Man sah, wie es im Kopf meines Vermieters rechnete.

 

„Äh, einverstanden! Können wir denn die alte Dusche weiter verwenden? In einer anderen Wohnung gab es Probleme mit dem Bahamabeige. Da musste ich, wegen einer abgeplatzten Ecke an einer Badewanne, doch glatt das ganze Badezimmer komplett renovieren lassen, nur um die Wohnung wieder vermieten zu können. Hat mich fast 4.000 Euro gekostet, vom Stress will ich gar nicht mal reden.“

 

Mein Azubi strich sich durch die Haare.

 

„Die Teile werden seit Jahren nicht mehr hergestellt und Tassen dieses Formats werden mittlerweile mit 500 Euro gehandelt, Minimum! Eventuell kann ich sie günstiger besorgen, aber ich muss sie mir erst einmal von unten anschauen. Ich sage das ja nur, dass sie vorher Bescheid wissen und sich nicht hinterher über die Kosten aufregen.“

 

Der Herr mit den grauen Haaren winkte ab.

 

„Keine Sorge, junger Mann: Ich kenne die Preise!“

 

Die beiden gaben sich die Hand und die Sache schien damit erledigt zu sein. Ich wünschte meinem Vermieter auch noch ein schönes Wochenende und blickte dann, zugegebenermaßen leicht irritiert, meinen Lover an.

 

„Was war das denn gerade?“

 

„Ich repariere die Dusche und du wohnst einen Monat mietfrei.“

 

Der Azubi lachte mich an.

 

„Wenn alles klargeht, können wir Montagmorgen, wenn ich zur Arbeit muss, wieder in die Dusche steigen und da weitermachen, wo wir gerade aufgehört haben.“

 

„Montag? Du willst also länger bleiben?“

 

Ich war etwas irritiert. Sein Augenaufschlag war unnachahmlich.

 

„Darf ich nicht? Ich hatte nämlich vor …“

 

„Natürlich darfst du!“

 

Ich blickte ihn intensiv an.

 

„Was hast du vor?“

 

„Du liebst mich ja auch und willst mir bei meinem Outing helfen, da dachte ich …“

 

Er suchte wieder den Boden ab.

 

„Also, ich hab mir heute Nacht überlegt, ich fahre Sonntagmittag zum Essen nach Hause und sag meinen Leuten, was Sache ist. Entweder sie schmeißen mich raus oder …“

 

Das konnte ja heiter werden! Scheinbar hatte er alles schon durchdacht.

 

*-*-*

 

Nach einer Einkaufstour durch zwei Baumärkte und seine Firma begannen die eigentlichen Arbeiten in meinem Badezimmer. Die Dusche war relativ schnell ausgebaut und auch die morschen Balken waren schnell entsorgt.

In einem großen Bottich rührte Viktor Estrich an. Da, wo gerade noch marode Dielenbretter lagen, war nun das Grau des modernen Bodenbelags zu sehen. Mehr konnten wir im Moment nicht machen, das Gemisch musste erst einmal aushärten.

Da das Anmischen des Mörtels jedoch in der Küche erfolgt war, sah selbige entsprechend aus: Putzen war erst einmal angesagt. Gut, ich hätte Viktor dafür zwar auch nach draußen in den Garten schicken können, aber dem Schneetreiben, das kurz nach Mittag eingesetzt hatte, wollte ich ihn auch wieder nicht aussetzen.

Ich brauchte ihn heil und gesund und nicht krank und gebrechlich. Die vier 25-Kilo-Säcke, die er verarbeitet hatte, hinterließen ihre Spuren selbst im hintersten Winkel meiner Küche.

Als wir mit der Wisch- und Putzaktion fertig waren, die Tagesschau hatte mittlerweile begonnen, war der neue Boden soweit begehbar, dass Viktor weitermachen konnte.

Er wechselte komplett die Abflussrohre. Viel Dreck gab es nicht, aber erneutes Wischen, zumindest in meinen Wasserspielen, war angesagt.

 

*-*-*

 

Wir wuschen uns, so gut es ging, am Waschbecken. Zwar wäre mir eine Dusche jetzt lieber gewesen, aber es musste auch so gehen. Viktor spritzte mich mit Wasser voll und ich tat es ihm nach, am Ende waren wir nass wie zwei begossene Pudel.

 

„Ich glaube, wir müssen unsere Hosen erst einmal zum Trocknen aufhängen.“

 

„Und uns dann auf der Couch lieben?“

 

Er küsste mich. Ich blickte ihn auf seinen jugendlichen Körper und musste grinsen.

 

„Du scheinst ja echt einen Faible für Jocks zu haben.“

 

„Sie sind echt bequem, und …“

 

Er wackelte mit den Hüften und streckte mir dann seinen süßen Hintern entgegen. „… man ist immer bereit, sich seinem Liebsten sofort hinzugeben.“

 

„Dann sollte ich meine auch mal wieder anziehen.“ Lachend ging ich zum Schrank, nahm mir ein Exemplar in Weiß und zeigte es ihm.

 

„Ab und an halte ich ja auch gerne hin.“

 

„Das haben wir ja in der Dusche erlebt.“

 

Er grinste mich an.

 

„Darf ich deine mal anziehen?“

 

„Tu‘ dir keinen Zwang an.“

 

Ich warf ihm das Teil zu. Er wechselte die Unterhosenfarbe und strahlte mich an.

 

„Na? Wie sieht das aus?“

 

„Zum Anbeißen heiß! Wenn ich nicht schon in dich verliebt wäre, …“

 

Ich leckte mir lasziv die Lippen. Wir machten es uns auf der Couch gemütlich und genossen kurze Zeit später das Essen, das wir beim Chinesen bestellt hatten.

 

„Wann hattest du das Teil den zum letzten Mal angehabt?“

 

„Vor zwei Wochen.“

 

Wurde ich verlegen? Ziemlich!

 

„Wie hieß er denn?“

 

Er grinste mit frech an.

 

„Vince! Auch du kannst das weiße Zeug in deinem Beutel nicht einfach so ausschwitzen! Da deine schwule Geschichte erheblich länger ist als meine, wirst du auch schon mit mehr Typen im Bett gewesen sein als nur mit mir. Also? Wer war es?“

 

Soviel Weisheit aus jugendlichem Munde.

 

„Der Typ heißt Nicky, ist achtunddreißig, verheiratet und so eine Art Fickbeziehung von mir. Besucht mich meistens einmal im Monat, wenn …“

 

„… seine Frau ihre Tage hat?“

 

Er strich sich durchs Haar.

 

„Ist das nicht etwas billig?“

 

„Wieso? Weil ich für ihn die Beine breitmache … äh … breitgemacht habe? Sein Kolben ist … naja noch größer als der Dildo, den du damals bei mir in der Dusche …“

 

Ich war eindeutig verlegen.

 

„Es ist … nein, es war … einfach nur Sex, gemeinsam den Druck ablassen.“

 

„Und nachdem er dich gefickt hat, geht er wieder zu seiner Frau und schlüpft da unter die Decke? Und das stört dich nicht?“

 

Seine Stimme klang leicht verächtlich. Ich atmete tief durch.

 

„Was er zu Hause macht, interessiert mich nicht, das ist seine Sache. Wenn er hier war, dann … dann hatten wir beide unseren Spaß! Küssen, Blasen, Streicheln … alles gemeinsam und gegenseitig, nur … er fickt mich öfter als ich ihn.“

 

„Und wie lang geht das schon?“

 

Der Ton war schon etwas friedlicher. Ich blickte ihn entschuldigend an.

 

„Seit über drei Jahren! Ich habe Nikolaj auf dem Schützenfest am Lessingplatz getroffen. Er stand mit ziemlich dicken Eiern dar, seine Alte hatte ihn wohl mal wieder nicht rangelassen.“

 

„Nikolaj?“

 

Viktor bekam große Augen.

 

„Wie weiter?“

 

„Smirnoff oder Smernoff oder so ähnlich!“

 

Ich blickte in ein ziemlich verwirrtes Gesicht.

 

„Beim ersten Mal dachte ich, er wollte nur mal wieder einen wegstecken, aber später? Wenn du mich fragst, er ist eine typische Schrankschwuchtel, aber er behauptet immer, Russen können nicht homosexuell sein.“

 

„Kann es auch Smerinow sein?“

 

Viktor sprang, wie von der Tarantel gestochen, vom Sofa.

 

„Hat er eine Tätowierung am linken Oberarm? Den russischen Doppeladler?“

 

Nun war ich verwirrt. „Der Name kann hinkommen und das mit der Tätowierung stimmt auch. Sag bloß, du kennst den Typen?“

 

„Kann ich mal kurz an deinen Rechner?“

 

Eindringlich schaute er mich an.

 

Was hatte er vor?

 

„Tu‘ dir keinen Zwang an!“

 

Viktor setzte sich an den Schreibtisch und als der der Rechner betriebsbereit war, ging er ins Internet und rief die Internetpräsenz der hiesigen Bürgerschützen auf. Er klickte sich durch die Page und deutete aufgeregt auf eine Person.

 

„Ist er das?“

 

Ich sah ein Gruppenbild, der Hofstaat des letzten Jahres.

 

„Das ist er! Aber woher kennst du ihn?“

 

„Das ist mein Stiefvater!“

 

Er blickte mich intensiv an.

 

„Und die Frau neben ihm meine Mutter!“

 

Ich musste schlucken.

 

„Oups!“

 

„Na warte! Den mache ich zur Schnecke!“

 

Viktor war mehr als sauer.

 

„Mich macht er fertig, ist aber kein Deut besser! Nein, er ist sogar noch schlimmer, denn … er betrügt Mama!“

 

„Sorry, aber …“

 

Ich zuckte nur mit den Schultern. Der Azubi atmete hörbar durch die Nase ein.

 

„Du kannst ja nichts dafür. Aber er, dieses verlogene Arschloch! Wenn ich das Mama erzähle, wird …“

 

„… das leider nicht viel bringen!“

 

Ich legte meine Hände auf seine Schultern und massierte sie. Erschrocken blickte er mich an.

 

„Wieso? Es ist doch die Wahrheit!“

 

„Schatz, es ist zwar richtig, dass Nikolaj und ich im Bett waren, aber ich habe unsere Spiele nicht auf Video aufgenommen, leider! Es fehlen somit die Beweise, es steht sein Wort gegen deins.“

 

Ich strich ihm über die Haare.

 

„Der Sohn outet sich als schwul, Nicky regt sich auf, poltert los und droht mit Rauswurf. Dann beschuldigst du ihn, selber dem eigenen Geschlecht zugetan zu sein.“

 

„Ja, so in etwa wird das ablaufen.“

 

Mit großen Augen blickte er mich an.

 

„Was dagegen?“

 

„Was wird deine Mutter machen?“

 

Ich ging vor ihm in die Hocke.

 

„Auch wenn deine Mama dich liebt, sie dürfte im ersten Moment geschockt sein. Noch ist es nur eine unausgesprochene Ahnung, die sie hat, nach deinem Outing ist es dann echte Gewissheit, dass ihr ältester Sohn tatsächlich schwul ist. Dann erzählst du, dass dein Freund, Schock Nummer Zwei; Hilfe, mein Kleiner ist verbandelt, …“

 

Der Lehrling lächelte mich an.

 

„Mit neunzehn ja wohl nicht ungewöhnlich, oder?“

 

„Stimmt, aber ihr Liebling ist schwul, das ist der kleine aber feine Unterschied! Und dann hat ihr Sonnenschein sich einen Kerl geangelt, der, um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, sein Vater sein könnte und damit in ihrem Alter ist, Schock Nummer Drei.“

 

Ich grinste ihn an.

 

„Dann soll sie noch realisieren, dass ihr Mann seit über dreieinhalb Jahren eine Affäre hat? Und das ausgerechnet auch noch mit dem Freund ihres Sohnes? Schatz! Was verlangst du von deiner Mutter?“

 

Viktor verzog das Gesicht.

 

„Und was sollen wir machen?“

 

„Ich brauche erst einmal ein Bier, um nachzudenken.“

 

Ich zeigte ihm meine Grübchen. Als ich mich erst erhoben hatte, war der Blondschopf schon auf dem Weg in die Küche. Ich setzte mich in den Schreibtischsessel und lehnte mich ganz zurück, ließ meinen Gedanken freien Lauf. Viktor stand wohl am Kühlschrank.

 

„Brauchst du ein Glas?“

 

„Nur wenn du eins brauchst, mein Engel.“

 

Ich dachte weiter nach. Das Öffnen der Flaschen war zu hören.

 

„Dann trinken wir mal aus der Pulle.“

 

Als er mit den braunen Trinkbehältnissen in der Tür stand, fiel es mir wie Schuppen aus den Augen.

 

„Jetzt weiß ich, warum Nikolaj die Jocks als schwules Spielzeug erkannt hat.“

 

„Und warum?“

 

Er reichte mir die Flasche und wir stießen an.

 

„Ein schwuler Mann trägt beim Sex mit ihm Jocks.“

 

Ich trank einen Schluck.

 

„Die Unterhosen werden also mit Homosexualität gleichgesetzt, dann findet deine Mutter das gleiche Wäschestück bei dir, also zählt er eins und eins zusammen und …“

 

„Das leuchtet ein!“

 

Viktor zog sich den Hocker, der zu meiner Couchgarnitur gehörte, zu mir heran und setzte sich. In seiner linken Hand hielt er die Bierflasche, mit seiner Rechten ordnete er den Inhalt des weißen Baumwollbeutels.

 

„Aber hilft uns das jetzt weiter?“

 

Ich zuckte mit den Schultern.

 

„Ich weiß es nicht, noch nicht! Wir werden wohl unsere Gehirnzellen noch weiter anstrengen müssen, um eine vernünftige Lösung zu finden.“

 

„Uns fehlen halt die Beweise!“

 

Er wirkte geknickt. Ich drehte mich zum Rechner und klickte mich erst zu und dann durch meinen Bilderordner.

 

„Hier, das sind die einzigen Nacktaufnahmen von ihm, die ich habe.“

 

„Du hast den Typen auch nackt?“

 

Viktor hatte sich erhoben und stand nun wieder neben mir. Ich grinste ihn an.

 

„Ja, er liegt mir seit knapp einem Jahr mit einem Dreier in den Ohren. Da man aber den dritten Mann meistens vorher sehen will, habe ich die Bilder gemacht.“

 

„Und? Ist es mal zu einem Dreier gekommen? Ich meine, …“

 

Der Azubi starrte mit großen Augen auf den Bildschirm.

 

„Sein Teil ist ja wirklich dick.“

 

Ich griff in den weißen Beutel.

 

„Das hier gefällt mir besser. Aber, um deine Frage zu beantworten, es kam nie zu einer Gruppenspielerei; hat leider nicht geklappt!“

 

„Und woran lag das?“

 

Er grinste mich frech an.

 

„Magst du etwa keine Dreier?“

 

Die Frage verwunderte mich etwas, ich zog meine Augenbrauen hoch.

 

„Doch, aber wenn du nur zwanzig Minuten Zeit hast, um ein derartiges Spiel zu organisieren und dich selbst noch vorbereiten musst, ist das meistens zum Scheitern verurteilt. Seine Vorlaufzeit vor einem Treffen beträgt maximal eine Stunde, außerdem … dürfte es ab jetzt einige Probleme geben: Ein Dreier als Paar?“

 

„Ist das unmöglich?“

 

Viktor reckte mir seinen Hintern entgegen. Ich ließ meine Finger durch seine Spalte gleiten.

 

„Unmöglich ist nichts, aber … das Paar muss Sex und Liebe trennen können, will es auch nach dem Akt immer noch ein Paar sein. Eifersüchteleien sollte es dabei nicht geben, denn das macht keinem der Beteiligten Spaß!“

 

„Schon entsprechende Erfahrungen gemacht?“

 

Er drehte seinen Oberkörper zu mir. Ich grinste ihn an.

 

„Leider! Aber ich war der dritte Mann in der Runde, von daher war das nicht ganz so schlimm für mich. Ich war gerade dabei, den Jüngeren der beiden zu ficken, als der Ältere mich von seinem Lover runter riss und einem Streit vom Zaune brach, der sich gewaschen hatte.“

 

„Hört sich echt nicht prall an.“

 

Viktor zwinkerte mir zu.

 

„So etwas würde ich nie machen!“

 

„Dich mit mir streiten oder das andere?“

 

Ich blickte ihn fragend an. Der Azubi drehte sich um und lehnte sich an den Schreibtisch.

 

„Streit in der Öffentlichkeit wird es mit mir nicht geben, das kann man intern regeln und nicht vor Publikum! Und wenn man sich auf einen Dreier geeinigt hat, dann zieht man das auch durch. Man kann dann hinterher zwar sagen, das ist nichts für uns? Aber mitten im Akt?“

 

Meine Hand wanderte an seinem Oberschenkel entlang.

 

„Das stimmt. Und was machen wir jetzt?“

 

„Na, wir könnten …“

 

Er spreizte die Beine weiter auseinander.

 

„… etwas üben.“

 

Ich schüttelte lachend den Kopf.

 

„Du bist wirklich ein kleiner Nimmersatt.“

 

„Von dir kann ich halt nie genug kriegen!“

 

Er führte meine Hand in seine Spalte.

 

„Ich von dir auch nicht!“

 

Meine Finger spielten an seiner Rosette.

 

Viktor grinste mich an.

 

„Wenn du da rein willst, solltest du es etwas rutschiger machen!“

 

„Moment! Ich hole dann mal das Gleitmittel.“

 

Ich erhob mich und eilte ins Bad, Melkfett musste ausreichen. Als ich wieder in der Tür stand, sah ich, wie er an sich intensiv herumspielte, mir wurde es ziemlich eng in meiner Retro. Ich ging auf ihn zu und setzte mich wieder in den Sessel.

Plötzlich kam mir ein Gedanke.

 

„Wann hat Nicky dich eigentlich zum letzten Mal nackt gesehen?“

 

Verwunderung lag in seinem Blick.

 

„Äh? Das ist Jahre her! Wieso fragst du?“

 

„Mir ist gerade was durch den Kopf geschossen, aber …“

 

Ich winkte ab.

 

„… die Idee ist zu hirnrissig.“

 

„Erzähl schon!“

 

Er blickte mich erwartungsvoll an.

 

Ich atmete tief durch.

 

„Dein Stiefvater will doch einmal einen Dreier erleben, … den kann er kriegen und ehe du fragst, du wirst der dritte im Bunde sein!“

 

„Ich?“

 

Viktor schnappte nach Luft.

 

„Vince! Du tickst linksrum! Wie soll das denn gehen?“

 

„Wenn er das nächste Mal bei mir anruft, werde ich ihm sagen, ich hätte einen Dritten gefunden, der mitmachen will.“

 

Ich blickte in seine Richtung. Der Lehrling schüttelte den Kopf.

 

„Derjenige bin ja wohl ich, aber … er wird mich doch erkennen!“

 

„Wird er nicht! Denn der dritte Mann im Bunde ist ungeoutet und macht es nur in Maske, will aber Bilder haben, wie er …“

 

Ich streichelte über seine Oberschenkel.

 

Viktor tippte sich an die Stirn.

 

„Was soll das denn bitteschön bringen? Ich meine außer Bildern, wie er einen Typen mit Skimaske fickt.“

 

„Wir stellen dann einen Teil der Bilder nach und montieren sie dann zusammen.“

 

Meine Finger krabbelten ein Stück nach oben.

 

„Der Maskenmann liegt auf dem Hocker und lässt sich … Wenn Nick dann weg ist, legt sich Viktor auf das braune Teil, in die gleiche Position und wird diesmal mit Gesicht abgelichtet. Dann scheiden wir den Oberkörper des Maskenmannes aus und …“

 

Mein Engel atmete tief durch.

 

„Das könnte klappen, aber … ich müsste mich, egal wie wir es auch drehen und wenden, von meinem Stiefvater vögeln lassen. Bei seinem Mörderteil?“

 

Er grinste mich an und griff sich die Dose mit dem Melkfett.

 

„So aufnahmefähig bin ich ja noch nicht, da müssen wir viel üben, und … damit fangen wir sofort an! Keine Widerrede!“

 

*-*-*

 

Am Sonntagnachmittag, Viktor hatte mich tatsächlich nur für das familiäre Mittagessen verlassen, bauten wir die Dusche wieder ein. Der Abfluss funktionierte ohne Probleme, auch beim Ablassen des vollen Tasseninhalts gab es keine Spuren von Nässe, weder im Keller noch unterhalt der Dusche. Mein Azubi hob die Emaille noch einmal an, stopfte Glaswolle hinein und ließ dann vorsichtig die Tasse wieder auf ihre Auflage sinken.

Mit zwei Holzkeilen an der linken Seite der Dusche wurde für entsprechende Spannung gesorgt und dann wurden die restlichen Hohlräume mit Bauschaum ausgeschäumt und die Tasse erneut gefüllt. Er lachte, als er fertig war.

 

„So, morgen früh kommt dann der Rest!“

 

„Was muss denn noch gemacht werden?“

 

Ich blickte ihm über die Schulter. Er deutete auf die emporquellende Schaummasse.

 

„Der noch überstehende Bauschaum wird morgen abgeschnitten, dann wird verfliest und mit Silikon abgedichtet.“

 

Ich wuselte ihm durch seine Haare.

 

„Morgen früh oder morgen Abend?“

 

„Lieber abends, denn sonst würden wir eine Stunde weniger Schlaf kriegen.“

 

Er stand auf und küsste mich.

 

„Außerdem, bei unserem Trainingsprogramm …“

 

„… werde ich mir die blauen Pillen doch verschreiben lassen müssen.“

 

Ich kniff ihn leicht in sein süßes Hinterteil.

 

„Damit soll man übrigens mehr als zwei Stunden …“

 

„Wirklich?“

 

Er verschraubte lachend die Augen.

 

„Dann sollten wir uns das wirklich mal überlegen! Du zwei Stunden in mir? Aber … was mach ich dann am nächsten Tag mit meinem Hintern?“

 

„Am besten einen Plug tragen, dann bleibt das Gefühl erhalten.“

 

Ich lachte ihn an.

 

Er zog einen Flunsch.

 

„So ein kolbiges Teil in meinem Allerheiligsten? Nein, wir machen vorher einen Abdruck von deinem Schwanz, den werde ich dann mit Freuden tragen.“

 

„Dann werde ich mal im Netz suchen, ob ich so ein Bastelset bestellen kann.“

 

Ich leckte mit meiner Zunge über seine Lippen, die er mir bereitwillig öffnete. Ich stöhnte, denn er griff mir sofort wieder an meine Kronjuwelen, ich würde gleich wohl wieder ran müssen.

 

*-*-*

 

Am frühen Montagabend erledigte Viktor die restlichen Arbeiten und wir weihten anschließend die Dusche ein: Diesmal wurden wir nach seinem Kommen in mir nicht gestört. Als wir uns trocken rubbelten, blickte Victor mich fragend an.

 

„Meinst du tatsächlich, dass er mich nicht erkennen wird, wenn er … naja … er mich aufgespießt hat? Er wird doch meine Stimme erkennen, oder? Ich kann ja schlecht die ganze Zeit stumm bleiben.“

 

„Daran hatte ich gar nicht gedacht.“

 

Ich streichelte über seine Wange.

 

„Wir müssen uns etwas anderes ausdenken, um Nicky in die Spur zu kriegen.“

 

„Und ich möchte meinen ersten Dreier nicht unbedingt mit meinem Stiefvater haben.“

 

Er grinste mich an.

 

„Du solltest schon dabei sein, aber Nikolaj? Auf den Typen kann ich echt verzichten.“

 

„Das glaube ich dir sofort.“

 

Meine Lippen suchten seinen Mund, als sich unsere Lippen gerade vereinigten wollten, klingelte es. Konnte man eigentlich nie ungestört sein?

 

„Erwartest du noch einen heimlichen Verehrer?“

 

Victor blickte mich mit lachenden Augen an. Ich grinste zurück.

 

„Meinen Sexsklaven habe ich in die Freiheit entlassen, Dates habe ich auch nicht ausgemacht, denn mein Freund war ja in den letzten Tagen permanent bei mir … also: nein!“

 

Die Türglocke ertönte erneut. Victor lachte.

 

„Da scheint aber jemand hartnäckig zu sein.“

 

Ich griff mir meinen Bademantel.

 

„Dann schauen wir doch mal, wer vor der Tür steht.“

 

„Ich zieh mir dann erst einmal etwas an, denn nackt empfange ich nur dich und keinen Besuch.“

 

Er drückte mir einen Kuss auf die Lippen und verschwand ins Schlafzimmer. Er schaute ihn kopfschüttelnd hinterher und drückte den Türöffner. Ein Poltern war zu hören.

 

„Na endlich! Ich dachte schon, du würdest mich gar nicht reinlassen. Hallo Vincent!“

 

Im Hausflur stand Nikolaj.

 

„Nick? Was machst du denn hier? Warum hast du nicht angerufen?“

 

„Sorry, bin etwas durch den Wind! Erwartest du noch Besuch zum Sex?“

 

Er drückte mir einen Kuss auf die Lippen.

 

„Oder machst du jetzt immer im Bademantel die Tür auf?“

 

„Äh, ich war gerade unter der Dusche, hatte am Wochenende wieder einen Rohrbruch.“

 

„Dann kann ich ja ruhig reinkommen.“

 

Grinsend kniff er mir ins Gemächt, als er sich an mir vorbei ins Wohnzimmer drängte.

 

„Hast du ein Bier für mich? Ich muss mit dir reden!“

 

Ich atmete tief durch, musste mich erst einmal beruhigen: Sein Stiefsohn stand nackt in meinem Schlafzimmer, während der Russe es sich auf meinem Sofa bequem machte. Ich schaute ihn leicht entgeistert an.

 

„Nikolaj, was gibt es denn? Ich wollte eigentlich gerade …“

 

„Ich brauche dringend deine Hilfe, denn ich weiß wirklich nicht, was ich machen soll. Ich brauche einen Fachmann.“

 

Ein Flehen lag in seinem Blick.

 

„Es geht um Victor, Cordulas Sohn aus erster Ehe.“

 

„Aha!“

 

Ich blickte ihn an.

 

„Aber warte kurz: Ich zieh mir mal kurz was über, … bin gleich wieder da.“

 

„Von mir aus kannst du so bleiben!“

 

Er lachte hämisch, als ich ihn alleine ließ. Im Schlafzimmer blickte ich in das erschrockene Gesicht meines Liebsten. Er konnte nur leise flüstern:

 

„Ist das … etwa Nikolaj? Was … was will der denn hier?“

 

Erst nickte ich, dann zuckte ich mit den Schultern. Ich schlüpfte in eine Jogginghose, griff mir ein Shirt und legte, als ich die Klinke in der Hand hatte, meinen Zeigefinger auf den Mund. Die Tür ließ ich aber einen Spaltbreit offen, er sollte ruhig hören, was im Wohnzimmer über ihn gesprochen wurde.

Mit zwei Flaschen Bier in der Hand betrat ich wieder mein Wohnzimmer. Der hoch aufgeschossene Russe saß da wie ein Häufchen Elend.

 

„Ich bin ja nicht gerade ein Experte in Sachen Kindererziehung. Also? Wie kann ich dir denn bei Victor helfen?“

 

„Der Junge ist …“

 

Er trank einen Schluck.

 

„… genau wie du! Er ist auch schwul und deshalb brauche ich deinen fachmännischen Rat. Ich weiß echt nicht, was ich mit ihm machen soll.“

 

Ich musste grinsen.

 

„Wieso? Ihr habt doch eine Gemeinsamkeit und auf die kann man aufbauen.“

 

„Was? Ich bin Russe und kann daher nicht schwul sein!“

 

In seiner Stimme lag ein Grollen.

 

„Nikolaj, jetzt hör endlich mit diesem Quatsch auf! Das Märchen kauft dir niemand ab und, wenn du ehrlich mal bist: Du glaubst selber nicht daran!“

 

Mein Blick verfinsterte sich.

 

„Ob es dir passt oder nicht: Du bist genauso schwul wie ich, … aber, wenn dir das lieber ist, dann sagen wir: Du bist bi!“

 

Er grummelte immer noch.

 

„Ich bin auch nicht Bi! Ich bin Russe und …“

 

„… hast Sex mit einem Mann, den du auch genießt!“

 

Ich schüttelte meinen Kopf.

 

„Und sag jetzt bloß nicht, dass es anders ist, denn dann machst du dich nur noch unglaubwürdiger, als du eh schon bist!“

 

„Wieso?“

 

Frustration lag in seinem Blick. Ich atmete tief durch.

 

„Wie lange treiben wir es jetzt miteinander? Mehr als drei Jahre, oder? Wenn es damals nur reine Neugier gewesen wäre, wie es ist, einen Mann in den Arsch zu vögeln, dann wäre die nach dem ersten Fick ja befriedigt gewesen, oder? Aber Nikolaj macht jetzt von sich weiter, genießt es, will mehr!“

 

Ich trank einen Schluck.

 

„Seit über drei Jahren leckst du mir mein Loch feucht, du bläst mich, du küsst mich, du machst für mich die Beine breit, also … wenn ich das Ganze einmal zusammenfasse, komme ich zu dem Ergebnis: Du liebst schwulen Sex, kannst nicht mehr ohne ihn. Oder wie soll ich deine Bemerkung von Gerade auffassen, ich solle doch im Bademantel bleiben? Du wolltest doch wieder, oder?“

 

„Ja, als ich dich so sah …“

 

Er wurde plötzlich kleinlaut.

 

„Ist ja schon gut!“

 

Ich war gerade so schön in Fahrt.

 

„Und wenn ein Mann schwulen Sex liebt, ohne ihn nicht mehr leben kann und will, aber noch mit einer Frau verheiratet ist, dann ist er entweder Bi oder eine verklemmte Schrankschwuchtel. Du kannst es dir aussuchen, was du lieber bist!“

 

„Aber? Ich hab doch Kinder mit Cordula?“

 

Der einst ach so stolze Russe wirkte plötzlich hilflos. Sollte ich weitermachen? Innerlich nickte ich.

 

„Na und? Etliche Homosexuelle merken erst nach ihrer Silberhochzeit, dass sie eigentlich doch auf Männer stehen. Aber, weil ihr Umfeld es früher so wollte, haben sie geheiratet und Kinder gekriegt, weil man das als Mann ja so macht: Man baut ein Haus, pflanzt einen Baum und zeugt einen Sohn!“

 

Ich blickte ihn über den Flaschenrand an.

 

„Wer weiß, wie du dich entwickelt hättest, wärst du nicht in den Weiten Russlands sondern in einem liberaleren Umfeld aufgewachsen?!“

 

„Ich auch nicht!“

 

Seine leise Stimme stockte.

 

„Aber? Was soll ich jetzt mit Victor machen?“

 

Ich verdrehte die Augen.

 

„Ihn so nehmen, wie er ist: als menschliches Wesen mit all seinen Gefühlen und Bedürfnissen! Wenn er auf Männer steht, dann steht er halt auf Männer! Wo ist das Problem?“

 

„Aber … ich … ich kann ihm das doch nicht durchgehen …“

 

Er war eindeutig durch den Wind.

 

„Was kannst du nicht? Du liebst schwulen Sex, er liebt schwulen Sex! Der einzige Unterschied ist, du kamst erst mit fünfunddreißig zu dieser Erkenntnis, er schon mit neunzehn!“

 

Scheiße! Ich hatte mich verplappert.

 

Der Russe schaute mich irritiert an.

 

„Ich soll es ihm erlauben?“

 

„Du kannst deinem erwachsenen Sohn nicht das Rauchen in deiner Wohnung verbieten, wenn du selber eine brennende Zigarette in der Hand hältst. Aber, auch wenn du, um dein Verbot glaubhaft zu machen, zum Nichtraucher mutierst, du kannst ihm das Rauchen außerhalb deiner Vier-Wände nicht untersagen, er ist ja schon groß!“

 

Ich grinste ihn an.

 

„Und ich geh sogar noch einen Schritt weiter: Wenn dein Victor einen Freund hat, dann hast du den Mann an seiner Seite zu akzeptieren, denn es ist die Entscheidung deines Stiefsohnes, wem er sein Herz schenkt und wem nicht.“

 

Er wirkte ratlos.

 

„So weit habe ich noch gar nicht gedacht. Kannst du nicht mal mit ihm reden?“

 

Ich stutzte.

 

„Und? Was soll ich sagen? Etwa: ‚Sorry Victor, dein Stiefvater steht selbst auf Schwänze, kann aber nicht aus seiner russischen Haut. Sei ihm deshalb bitte nicht böse, wenn er sich homophob dir gegenüber benimmt, eigentlich hasst er nur sich selber.‘ Schwebt dir so etwas vor?“

 

„Ich bin doch nicht schwulenfeindlich!“

 

Entrüstung war zu hören.

 

„Wirklich nicht!“

 

Ich blickte ihn ernst an.

 

„Nein? Hast du nicht gerade gesagt, du kannst ihm seine Homosexualität nicht durchgehen lassen? Aber deine eigene Vorliebe für Schwänze geht in Ordnung, oder wie? Sorry, mein Lieber, das ist mehr als bigott, das ist Scheinheiligkeit pur!“

 

„Und was soll ich jetzt machen?“

 

Ich schüttelte nur mit dem Kopf.

 

„Ziehst du deine harte Linie durch und schmeißt ihn, nur weil er Männer liebt, aus der Wohnung, du wirst Cordula mit Sicherheit verlieren! Eine Mutter wird ihren Sohn immer mehr lieben als ihren Ehemann; denn sie war es, die ihn geboren hat. Sie würde ihn auch dann noch lieben, wenn er in den Knast kommen würde. Aber Victor? Victor ist nur schwul! Er ist kein Mörder, kein Vergewaltiger, kein Räuber, kein Dieb, er steht nur auf das eigene Geschlecht. Du hast also schlechte Karten, denn sie wird dein Verhalten ihrem Sohn gegenüber auf die gemeinsamen Kinder übertragen und die Konsequenzen ziehen und gehen.“

 

Das Bier tat jetzt gut.

 

„Ich glaube auch nicht, dass sie ultrareligiös oder ultrakonservativ erzogen worden ist, denn sie hat ja einen russischen Aussiedler geehelicht. Von daher besteht kein Anlass, nicht zu ihrem Sohn zu stehen. Pech für dich!“

 

Mein Boden musste wirklich interessant sein!

 

„Weiter?“

 

„Wenn sie erfährt, dass du seit über drei Jahren eine Affäre hast, wird sie ebenfalls die Koffer packen und dich verlassen. Das ist es kein einmaliger Ausrutscher, den man vielleicht noch verzeihen könnte, es ist … eher eine Zweitbeziehung. Der Vertrauensbruch ist einfach zu groß. Und das Schlimmste für sie wird sein, dass du ein Techtelmechtel mit einem Mann hast. Sie kann nicht mit den Waffen einer Frau gegen ihre Nebenbuhlerin kämpfen, da es keine Zweitfrau gibt. Tut mir leid, sie wird die Waffen strecken und dich, samt Kindern, verlassen!“

 

Ich blickte ihn teilnahmsvoll an.

 

„Egal, wie du es drehst oder auch wendest, du kannst sie nur verlieren!“

 

„Was soll ich jetzt machen?“

 

Er wirkte resigniert. Ich klopfte ihm beruhigend auf die Schulter.

 

„Wenn dein Stiefsohn zu seinem Freund ziehen möchte, mit ihm leben möchte, dann lass ihn ziehen, besser noch, organisiere seinen Umzug! Dann wird seine Mutter sehen, dass du einzig und allein um sein Seelenheil besorgt bist, dass es dir nicht egal ist, was aus ihm wird. Versuche, ihn auf deine Seite zu ziehen, denn, falls deine schwule oder bisexuelle Ader je auffliegen sollte, kannst du wirklich jeden Verbündeten brauchen!“

 

Seine Augen blickten mich groß an.

 

„Ich soll ihn in der Sache unterstützen?“

 

„Etwas anderes wird dir nicht übrig bleiben, mein Lieber. Die sexuelle Orientierung deines Ältesten hat auch dein Leben durcheinandergebracht und Fragen aufgeworfen, die du erst selber einmal beantworten musst, ehe du wieder zur Tagesordnung übergehen kannst. Aber woher weißt du eigentlich, dass er schwul ist? Hat er sich euch gegenüber geoutet?“

 

Jetzt spielte ich Detektiv. Er rutschte auf der Couch hin und her.

 

„Nein, gesagt hat er nichts, aber …“

 

„Aber was?“

 

Ich wollte ihn schwitzen sehen. Er starrte auf die Flasche, die er in Händen hielt.

 

„Cordula hat so eine arschfreie Unterhose bei ihm entdeckt, so eine, wie du sie auch manchmal anhast, wenn wir …“

 

„Eine Jock?“

 

Ich grinste.

 

„Das ist dein ganzer Beweis? Das ist etwas wenig!“

 

„Nein, ich hab ihn zufällig aus der schwulen Kneipe rauskommen sehen. Du kennst die alte Klappe an der Martinskirche?“

 

Er blickte mich an, ich nickte.

 

„Ich habe beobachtet, wie er da reinging.“

 

Kopfschüttelnd grinste ich ihn an.

 

„Auch unheimlich tolle Beweise! Ins Blue gehen auch ganz normale Leute, er kann einen Freund begleitet haben. Und auf einem öffentlichen Klo kann man auch nur sein Geschäft verrichten, man muss ja nicht gleich …“

 

„Erstens wohnen wir nur zwei Straßen entfernt, und …“

 

Ein Lächeln umspielte seine Lippen.

 

„… und zweitens, braucht man, selbst bei Durchfall, keine dreiviertel Stunde für den Gang aufs Klo!“

 

Meine Stirn legte sich in Falten.

 

„Hast du die Zeit gestoppt?“

 

„Nein, ich wollte … naja … mal wieder …“

 

Er wurde verlegen.

 

„Ehe ich mir selber einen von der Palme wedel, geh ich halt lieber ins Pissoir und lass an mir spielen. Ich kann ja nicht immer zu dir …“

 

„Das wirst du sowieso nicht mehr können, denn …“

 

Ich räusperte mich verlegen.

 

„… seit Freitag … bin ich wieder … in festen Händen. Ich glaube nicht, dass mein Freund es toll finden würde, wenn wir weiterhin … unsere Spiele miteinander spielen.“

 

Er sank in sich zusammen.

 

„Das ist jetzt doch nicht dein Ernst? Das kannst du mir nicht antun!“

 

„Doch das kann er!“

 

Der blonde Lehrling stand plötzlich im Türrahmen. Der Russe riss die Augen groß auf.

 

„Victor?! Was machst du denn hier?“

 

„Meinen Freund besuchen!“

 

Er ging grinsend auf seinen Stiefvater zu. Was hatte er in der Hand.

 

Seinen Augen wurden groß wie Unterteller.

 

„Deinen Freund? Vincent ist dein Freund?“

 

„Ja, er ist der Mann, den ich liebe und …“

 

Der Kleine lächelte ihn süffisant an. Der Mann auf dem Sofa sackte endgültig in sich zusammen.

 

„Aber … er … er ist ja älter als ich …“

 

„Ich weiß, aber ich liebe Vince trotzdem … oder gerade deswegen.“

 

Der Azubi warf mir einen Luftkuss zu.

 

„Und, wie ich gerade erfahren habe, hat er nichts dagegen, wenn ich zu ihm ziehe. Und genau das werde ich am Wochenende auch machen!“

 

Ich musste grinsen, er hatte wirklich jedes Wort mitbekommen. Nikolaj war immer noch weiß wie die Wand.

 

„Aber … Cordula … wird … nie im Leben zulassen, dass … du ausziehst.“

 

„Doch, das wird sie, denn ich werde ihr Morgen endlich sagen, was mit mir los ist, und ich werde ihr auch sagen, dass ich zu meinem Freund ziehen werde.“

 

Er grinste immer noch hämisch.

 

„Und du wirst sie entsprechend bearbeiten und mich dabei unterstützen. Haben wir uns verstanden?“

 

„Das … das … kann ich nicht machen! Das … das … geht nicht!“

 

Nikolaj wirkte mehr als konsterniert.

 

„Doch, das wirst du, denn …“

 

Der Azubi hielt seinem Stiefvater sein Mobilteil vor die Nase. „… ich habe euer komplettes Gespräch mitgehört, jedes Wort, von Anfang an!“

 

„Du hast was?“

 

Rote Farbe schoss in sein Gesicht, um sofort wieder zu verschwinden. Victor legte einen unschuldigen Blick auf, umklammerte grinsend seinen Mobilknochen.

 

„Ich habe dein ganzes Geständnis! Angefangen mit der Bitte nach dem fachmännischen Rat, den du von Vince haben wolltest, bis hin zu deiner Spielerei auf der Klappe an der Martinskirche. Also, wenn du nicht möchtest, dass Mama jemals davon erfährt, dann wirst du deine Frau von der Notwendigkeit meines Auszuges überzeugen. Meine Geschwister hätten dann ja jeder ein eigenes Zimmer, nur mal so als kleine Argumentationshilfe.“

 

„Du … du willst mich also erpressen? Das ist jetzt nicht dein Ernst!“

 

Der Russe hatte sich erhoben, starrte seinen Stiefsohn funkelnd an.

 

„Also, Erpressung würde ich das jetzt nicht nennen, das klingt viel zu hart. Ich … ich würde es eher als kleine Entscheidungshilfe bezeichnen, denn wer weiß, … wenn du das Problem in meinem Sinne löst, vielleicht darfst du dann mal … mit uns zusammen spielen.“

 

Frech grinsend kam er auf mich zu, drückte mir einen Kuss auf die Lippen.

 

„Und wenn du uns jetzt entschuldigst? Du kannst gleich Mama sagen, ich schlafe heute hier und bin morgen um sechs bei ihr, um mit ihr zu reden!“

 

Gesenkten Hauptes schlich sich der einst so stolze Russe aus meinem Wohnzimmer. Als die Tür nach gefühlten Ewigkeiten endlich ins Schloss fiel, bekam mein Engel einen Lachanfall, wie ich ihn nur aus schlechten amerikanischen Sitcoms kannte. In welchem Film war ich hier?

Irritiert blickte ich meinen Engel an.

 

„Kannst du mir verraten, weshalb du so lachst?“

 

„Mein Handy hat gar keine Diktierfunktion!“

 

Er küsste mich erneut.

 

„Und, ehe du fragst, Videos kann ich damit auch nicht aufnehmen.“

 

Jetzt musste auch ich lachen.

 

„Dann hast du die ganze Zeit nur geblöfft?“

 

„Seit wann ist die Wahrheit ein Blöff? Ich habe doch nur gesagt, dass ich euer ganzes Gespräch mit angehört habe, von einer Aufzeichnung habe ich nie gesprochen.“

 

Er grinste mich hämisch an.

 

„Was kann ich denn dafür, dass der Typ meint, ich hätte euren Small Talk auf Band, nur weil ich ihm mein Handy unter die Nase gehalten habe? Du wirst mich doch nicht verraten?“

 

„Meine Lippen sind versiegelt!“, ich wuselte durch seine Haare, „aber mal was anderes: War das gerade ernst gemeint? Das mit dem gemeinsamen Spielen?“

 

„Na klar, denn irgendwie müssen wir ja richtiges Beweismaterial in Händen haben.“

 

Er griff direkt in meine Jogginghose.

 

„Und jetzt lass uns in Schlafzimmer gehen und dort noch etwas üben, damit ich sein Teil dabei auch aufnehmen kann.“

 

*-*-*

 

Cordula und ich haben uns eine Woche später zum Essen in der Stadt getroffen, sie wollte unbedingt den Mann kennenlernen, für den das Herz ihres Sohnes schlug. Wir verstanden uns auf Anhieb, gut, der Beginn unseres Gespräches glich eher einem vorsichtigen Abtasten, aber das Eis zwischen uns schmolz relativ schnell dahin.

Wir gingen auf die gleiche Schule, sie war allerdings zwei Jahrgänge unter mir. Ich weiß nicht warum, aber sie schreibt es meinem Einfluss zu, dass sich das früher eher angespannte Verhältnis zwischen Stiefvater und Stiefsohn erheblich gebessert hat.

Gegen seine Besuche bei uns hat sie nichts, im Gegenteil, sie schickt immer eine kleine Aufmerksamkeit mit, wenn er zu uns zum Skat kommt.

 

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