Jeder Neuanfang ist schwer – Teil 1

Tja, da saß er in einem fremden Zimmer und starrte die Decke an. Er war hier, aber auch nicht. Seine Gedanken wanderten gerade zurück in die Vergangenheit. Und die lag noch nicht lang zurück!

Vor genau vier Wochen war die Welt noch in Ordnung, aber dann von einer Minute auf die andere veränderte sich alles. Auf einmal stand er alleine auf dieser Welt. Seine Eltern waren bei einem Autounfall auf der Autobahn ums Leben gekommen.

Tränen lösten sich und er schluchzte tief auf. Er wollte nicht mehr leben, er wollte nur noch zu seinen Eltern. Die Verwandten kamen, aber die interessierte nur, wie viel Geld seine Eltern ihm hinterlassen hatten und als sie erkannten, dass nichts da war – außer einer lächerlichen Versicherung – drehten sie ihm den Rücken zu und ließen ihn wieder mit seiner Trauer allein. Keiner von ihnen wollte ihn.

Wieder schüttelte es ihn und noch mehr Tränen lösten sich. Plötzlich ging die Tür auf und ein blonder drahtiger Junge betrat das Zimmer.

„Hi, ohhhh geht’s Dir nicht gut? Du bist doch der Neue?!“

Der andere sah ihn fragend an und erwartete wohl eine Antwort, also wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht und nickte.

„Hallo, ja der bin ich. Ich heiße Mark und Du bist dann wohl Kai?“

„Jo, bin ich und wir teilen uns dann dieses Zimmer!“ Kai grinste ihn an und ging auf ihn zu.

„Wenn Du sprechen willst, dann bin ich jederzeit für Dich da!“

Dankbar sah Mark seinen neuen Zimmergenossen an und lächelte kurz

„Danke.“

Mehr konnte er nicht sagen, denn schon wieder standen ihm die Tränen in den Augen.

„He, he es wird schon. Wirst sehen!“, sprach Kai und ging auf ihn zu und nahm ihn kurz darauf in die Arme.

Wie gut das tat, dachte Mark und eine weitere Träne löste sich.

„Komm, wir gehen jetzt erst mal runter. Es ist Abendbrotzeit! Aber bevor wir runtergehen, wäscht Du Dir erst mal das Gesicht, ok?“

Kai lächelte ihn an und zeigte auf die Badtür. Mark erhob sich und ging ins Bad. Dort wusch er sich das Gesicht und sah danach in den Spiegel. Dort strahlte ihn ein blasses Gesicht mit rot geränderten Augen an.

Mark war gerade fünfzehn geworden und nun saß er in diesem Waisenhaus und wollte nur noch weg. Aber auf der anderen Seite war dieser Kai ja ganz nett.

„Na ja“, dachte Mark, „dann werde ich erst mal sehen, wie es weitergeht und dann kann ich ja immer noch abhauen.“

Kai stand am Kleiderschrank und hatte gerade sein Shirt ausgezogen, als Mark den Raum betrat. Oh man, dachte Mark und er konnte seinen Blick nicht von Kai lösen.

„So einen toll gebauten, muskulösen Körper hab ich ja noch nie gesehen“

Aber was mach ich da, dachte er. Aber er konnte nicht anders und musste immer wieder auf Kais Oberkörper starren, bis er diesen mit einem kurzärmligen Hemd wieder verhüllte.

Kai drehte sich nun um und meinte: „Na dann können wir wohl!“

Mark schluckte und sah schnell zu Boden

„Ja“, meinte er nur ganz leise und folgte Kai, der schon an der Tür stand.

Mark ging hinter Kai die Treppe hinab und dachte bei sich, was war da vorhin? Was ist nur mit mir? Als er unten ankam, hörte er schon die Stimmen der Anderen. Kai drehte sich um, sah Mark kurz an und ein Lächeln glitt über sein Gesicht.

„He komm, die sind alle ganz in Ordnung. Du wirst es schon überleben!“

Mark lächelte schüchtern zurück und nickte nur. Daraufhin ging Kai weiter und öffnete eine Tür, auf der ein Schild hing mit der Aufschrift „Küche“. Mark ging hinterher und stand dann den anderen in der Küche gegenüber.

Plötzlich wurde es still und alle sahen ihn an. Ein Junge stand vom Tisch auf und sagte zu ihm: „Hi, ich bin Stephan und der neben mir links ist Joseph und der kleine neben Joseph ist Phillip! Tja die restlichen drei können sich wohl selbst vorstellen.“

Daraufhin stand ein anderer Junge auf.

„Hallo, ich bin Fred, das ist Karl zu meiner Linken.“

Karl zwinkerte andauernd mit den Augen und sagte nur: „Ha..Ha..Ha..llo.“

Mark sah Kai fragend an und Kai meinte: „Karl hatte ne ziemlich beschissene Kindheit hinter sich. Daher stottert er ziemlich stark und das zwinkern kommt wohl auch davon.“

„Ohh tut mir leid.“ sagte Mark an Karl gewandt.

Der winkte aber nur ab und meinte nach fünfmaligem Versuch „Ist in Ordnung!“ Ganz am hinteren Ende starrte ihn noch ein Junge an, aber dieser machte keine Anstalten aufzustehen, geschweige denn was zu sagen.

„Das ist unser schwierigster Fall!“ meinte Kai und lächelte Mark an.

„Das ist Stefan und er kann nicht sprechen. Jedenfalls ist er so eine Art von Schutzengel für uns. Er passt auf alle auf. Ist wie ein großer Bruder für uns und der Älteste in unserer Runde.“

Mark sah Stefan an und nickte.

„Hallo, ich bin Mark und bin wohl jetzt einer von Euch!“

Daraufhin lächelte Stefan ihn an und nickte.

„So Leute nun aber los, Essen fassen!“, sagte auf einmal eine Frauenstimme hinter Mark.

Er drehte sich um und sah Marion an. Sie war eine von drei Erzieherinnen, die die Jungs betreuten, und auch Mark heute in Empfang nahm.

„Na Mark und haben sich alle schon vorgestellt?“

„MMMMHH ja“, sagte Mark und setzte sich nun auf den erst besten Stuhl und sah zu den anderen hin.

Phillip sah Mark an und kicherte; er war gerade erst so um die acht Jahre alt, schätzte Mark.

„Na dann mal los!“, meinte Kai und schon ging es wieder lautstark zu und alle sprachen durcheinander, außer Stefan, der Mark genau beobachtete.

Mark sah kurz zu ihm hin, aber Stefan sah ihn nur an und nickte. Dann griff er sich eine Scheibe Brot und fing an diese zu belegen. Mark fing daraufhin auch an und bald saß er wie alle anderen satt am Tisch.

„Nun los ab in eure Zimmer außer der Küchendienst. Wer ist dran?“, fragte Marion in die Runde.

Daraufhin sagte Kai und Fred fast gleichzeitig: „Ich.“

„Na dann los Leute, auf geht’s!“

Alle machten sich auf, um in die Zimmer zu verschwinden. Mark stand auch auf und meinte dann: „Kann ich Euch helfen?“

„Klaro“, meinte Kai und warf ihm ein Abtrockenhandtuch zu.

Als sie fertig waren mit dem Abwasch, kam Marion in die Küche und meinte zu Mark, er sollte noch mal kurz zu ihr kommen. Mark ging dann auch hinter Marion her.

Als sie im Arbeitszimmer von den Erziehern waren, drehte sich Marion um und sagte zu Mark: „Also, morgen werden wir Dich in der Schule anmelden. Ich werde sehen, dass ich dich bei Kai in der Klasse unterbringe, dann fällt Dir das ganze nicht so schwer.“

Mark schluckte und Tränen standen ihm schon wieder in den Augen. Marion sah das und nahm ihn kurz in den Arm und meinte: „Es wird schon. Wirst sehen, es kann nur aufwärts gehen.“

Wie viel Glück doch Mark hatte mit der Gruppe. Er hatte so oft schon gehört, wie es in Waisenhäusern zugehen soll, aber das hier war ganz anders. Der erste Eindruck von dem Heim war im Ganzen ganz positiv.

Mit diesen Gedanken ging dann Mark nach oben in Kais und sein Zimmer. Als Mark ins Zimmer kam, war Kai schon im Bett und schlief. Mark ging erst mal ins Badezimmer und machte sich bettfertig, danach ging er zu seinem Bett und legte sich hin.

Er konnte nicht einschlafen und wieder kam die Angst hoch; er dachte darüber nach, was ihn morgen in der neuen Schule erwarten würde. Wieder fing er an zu weinen. Plötzlich merkte er, dass sich jemand auf seinem Bett hingesetzt hatte und ihm leicht den Rücken streichelte.

„He, glaub mir. Wir haben es alle nicht leicht gehabt, aber es ist hier wirklich alles ok und die Erzieher sind auch super.“

Dankbar blickte Mark Kai an und da war es schon wieder dieses komische Gefühl. Er konnte es nicht einordnen und sah in Kais blaue Augen. Kai lächelte und nahm ihn kurz in den Arm; wieder fühlte sich Mark so wohl.

„Na dann schlaf schön.“

Mit diesen Worten ging Kai wieder in sein Bett.

„Du Kai!“

„Mmmhh…?“, kam es von Kai, „was ist?“

„Danke für alles!“

„Kein Problem, nun schlaf aber. Die Nacht ist kurz!“

„Ok, dann gute Nacht!“

Mit diesen Worten schlief dann Mark endlich ein.

„Guten Morgen, aufstehen!“, krähte es plötzlich im Zimmer.

Phillip, der kleinste von der Gruppe stand im Zimmer und rannte dann zu Kai. Der nahm ihn erst mal in die Arme und fing dann an, den Kleinen abzukitzeln.

Als Phillip keine Luft mehr vom Lachen bekam, hörte Kai auf und meinte: „Na toll, nun aber raus und ab ins Bad!“

Mark war mittlerweile auch wach und stand auf.

„Na los, Mark, komm wir müssen uns beeilen. Sonst bekommen wir nichts mehr vom Frühstück ab!“ Daraufhin rannten sie beide ins Bad und fingen sich zu waschen an, als Mark sein Shirt auszog, guckte ihn Kai ganz merkwürdig an. Er starrte regelrecht.

Mark grinste und meinte dann: „Was ist denn, habe ich irgendeinen Ausschlag?“

„NNNNEEEIINNN…“. sagte Kai etwas zögernd und drehte sich schnell um und verließ das Bad.

„Was war das jetzt?“, fragte sich Mark, aber dann dachte er nicht weiter darüber nach.

Machte sich fertig, ging dann ins Zimmer und zog sich an. Kai war nicht mehr da, er war wohl schon runter gegangen, dachte Mark. Und auch er beeilte sich nun.

Wie gestern Abend schon, waren wieder alle in der Küche. Mark ging hinein und grüßte alle und setzte sich an den Tisch, in diesem Moment kam auch Kai in die Küche gestolpert.

Stefan sah Mark wieder so komisch an, aber er hatte jetzt erst mal Hunger. Daher griff er sich erst mal ein Brötchen und frühstückte ausgiebig.

Dann kam Marion rein und meinte: „So Leute, nun aber ein bisschen Dalli, die Schule ruft!“

Und zu Mark sagte sie noch: „Warte einen kleinen Augenblick, wir gehen dann gemeinsam zur Schule!“

Mark nickte und ging nach oben. Kai war schon im Zimmer und zog seine Jacke an.

„He Kai, hoffentlich komme ich in Deine Klasse.“

„Na das wäre super. Ich freu mich echt, wenn das klappt!“, meinte Kai und lächelte Mark an.

Mark sah Kai an und wieder war da dieses Gefühl und auf einmal konnte er nicht anders, er ging auf Kai zu und drückte ihn kurz an sich. Kai hatte einen total roten Kopf bekommen und Mark musste daraufhin loslachen.

Kai lachte nun ebenfalls mit. Als sie sich wieder beruhigt hatten, gingen sie runter, wo die anderen schon warteten.

„Na dann los, Jungs! Mark, komm wir müssen!“, sagte Marion und los ging es.

Phillip, der Kleinste, erzählte die ganze Zeit auf dem Weg zur Schule von seinen Schulfreunden. Dann standen sie vor der Schule.

Marion verabschiedete die anderen und nahm dann Mark zur Seite und meinte: „Na dann wollen wir mal in die Höhle des Löwen!“ grinste und ging mit Mark ins Gebäude, in dem kurz zuvor die anderen verschwunden waren.

Mark ging Marion hinterher und bald darauf standen sie im Vorzimmer des Direktors. Dort saß eine ältere Dame an einem Schreibtisch. Diese sah kurz zu Mark und dann auf Marion.

„Na, habt ihr wieder einen Zugang bekommen?“, meinte sie zu Marion.

„Ja, das ist Mark und er ist seit gestern bei uns. Seine Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen und wie es immer so ist, wollte keiner der Verwandten ihn aufnehmen. Tja, nun ist er bei uns.“

„Das tut mir sehr leid! Ach so, mein Name ist Frau Plenk und wenn Du ein Problem hast, kannst Du jederzeit zu mir kommen“, sagte sie zu Mark.

Mark nickte dankbar. Plötzlich ging eine Tür auf und ein kleiner untersetzter Mann betrat den Raum.

„Ahh Marion, da bist Du ja und das ist als euer Neuer? Na dann ab in die gute Stube.“

Der Mann lächelte Mark offen an und Mark atmete hörbar auf. Gott sei Dank, das schien wohl der Direktor zu sein und der war ziemlich sympathisch. Als sie dann im Zimmer waren und Platz genommen hatten, fing der Direktor erst einmal an zu sprechen.

„Also Mark, ich heiße Herr Klettner und bin der Direktor dieser Schule. Deine alte Schule hat uns Deine Unterlagen zugesandt und Du bist gar nicht mal so schlecht. Hast ordentliche Zensuren, so dass ich denke, dass wir keine Probleme miteinander haben werden.“

Mark nickte.

„Na dann werden wir mal sehen, in welche Klasse wir Dich stecken!“

„Ohh“, meinte Marion, „es wäre toll, wenn Sie Mark zu Kai in die Klasse geben. Er ist doch auch in der neunten!“

„Tja, das war auch mein Vorschlag. Na dann los, Mark. Dann gehen wir mal zu Deiner neuen Klasse!“

Herr Klettner stand auf und ging zur Tür. Mark und Marion standen auch auf.

Kurz bevor sie das Zimmer vom Direktor verließen, nahm Marion Mark noch mal kurz in die Arme.

„Es wird schon. Viel Glück an Deinem ersten Schultag!“

Mark nickte und ging dem Direktor hinterher. Kurz darauf standen sie dann vor der Klassentür. Bevor Herr Klettner die Tür aufmachte, nickte er Mark zu. Dann standen sie auch schon im Klassenraum und die anderen in der Klasse sahen Mark interessiert an.

„So, das ist Mark und er wird euer neuer Klassenkamerad sein. Ach so, er wohnt wie Kai im Waisenhaus, also gebt euch etwas Mühe mit ihm, damit er sich hier gut einlebt! Also Leute, man sieht sich!“

Daraufhin verließ Herr Klettner den Klassenraum und Mark stand alleine vor der Klasse.

„Na dann setz Dich erst mal zu Kai. Dann können wir mit dem Deutschunterricht weitermachen. Mein Name ist Herr Fechner und ich unterrichte Deutsch und Mathe bei euch!“

Mark ging dann auch zu Kai an den Tisch und nahm Platz. Die anderen sahen ihn ziemlich interessiert an.

„So Leute, nun aufgehört mit dem Gaffen, ihr habt noch in der Pause genug Zeit, Mark kennen zu lernen.“

Ein paar Mädchen kicherten und drehten sich dann um.

„Na, so schlimm ist es doch nicht oder?“, meinte Kai zu Mark und lächelte ihn an.

Mark nickte nur und begann dann, seine Sachen auszupacken.

„Ach so, Mark, Deine Schulbücher bekommst Du noch nach dem Unterricht. Kai kann Dich ja mit in sein Buch reinsehen lassen“, sprach Herr Fechner und fing seinen Unterricht an.

Mann, Gott sei Dank, der erste Schultag auf der neuen Schule war vorbei und die neuen Mitschüler waren alle super; vor allen Dingen war es super, dass Kai mit in der Klasse war. Mit diesen Gedanken ging Mark mit Kai zurück zum Heim.

„Na und wie war der erste Tag?“, fragte Marion gleich, als er im Heim ankam.

„Super und die Mitschüler sind auch ganz nett!“

„Na das freut mich! Ach eh ich es vergesse: Till will Dich auch mal kennen lernen. Wenn Du nachher Zeit hast, kommst Du einfach in unser Zimmer.“

„Wer ist Till?“ fragte Mark.

„Das ist einer von unseren Erziehern. Er, Marion und Inge betreuen uns! Till ist ganz in Ordnung und Inge auch. Nur, dass Inge etwas strenger mit uns ist, als die andern beiden!“, antwortete ihm Kai.

Daraufhin gingen sie in ihr Zimmer und machten die Hausarbeiten zusammen. Da Mark Mathe ziemlich gut lag und Kai damit echte Probleme hatte, half Mark Kai mit den Aufgaben und erklärte ihm alles.

Als sie fertig waren, sah Kai ihn nachdenklich an.

„Ich hab Dich ziemlich gern, auch wenn Du erst einen Tag bei uns bist!“

„Mir geht’s genauso und danke dafür, dass Du mir gestern so geholfen hast!“ sagte Mark daraufhin.

Kai lächelte nur und sah ihn wieder so seltsam an. Mark merkte, wie wieder dieses Gefühl in ihm loslegte und er dachte wieder „Mann, was ist nur los mit mir?“ In dem Augenblick ging die Tür auf und Stefan stand im Zimmer.

„Hi Stefan!“, sagte Kai und stand vom Tisch auf. Stefan nickte und ging dann auf Mark zu und streckte ihm die Hand entgegen.

„Hallo!“ meinte Mark. Daraufhin gab ihm Stefan einen Zettel in die Hand.

Mark sah auf den Zettel und las: „Hallo Mark, freu mich Dich in unserer Gruppe willkommen zu heißen.“

Mark lächelte Stefan an und sagte zu ihm nur: „Danke!“

Stefan lächelte Mark an und ging dann wieder aus dem Raum. Kai sah Stefan kurz hinterher.

„Mann, so was hat er noch nie gemacht mit den Neuen. Da kannste Dir echt einen Klaps geben. Der mag Dich!“, sagte Kai und sah Mark nachdenklich an.

Als Mark abends in seinem Bett lag und an den Tag dachte, war er seit langem wieder etwas glücklich. Über diese Gedanken schlief er ein.

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Der nächste Tag verlief für Mark ganz gut. Einige Klassenkameraden hatten ihn und Kai zu einer Fete eingeladen, die am Sonnabend bei Ingo stattfinden sollte. Er freute sich schon riesig darauf.

Marion und Till hatten nichts dagegen, dass sie dorthin gingen, aber sie mussten versprechen, spätestens um 23:00 Uhr wieder im Heim zu sein.

„Und wehe ihr riecht nach Alkohol.“ meinte nur Inge.

Aber sie war, wie die beiden anderen, ein Herz von Seele, vor allen Dingen der kleine Phillip, der war, wenn Inge da war, nicht von Ihrer Seite wegzudenken. Dann war es endlich Freitag und abends ging es zwischen Kai und Mark nur um ein Thema, nämlich die Fete und was sie anziehen sollten.

Mark hatte durch seine Eltern ziemlich tolle Klamotten, so dass er Kai, der keine so tollen Sachen hatte, mit seinen Sachen ausstattete. Mark entschied sich für ein eng anliegendes Shirt und eine tolle Jeanshose, die ihm ziemlich gut stand. Das gleiche suchten Sie auch für Kai aus. Als sie mit der Kleiderfrage für die Fete fertig waren, gingen sie runter zum Abendessen wo die ganze Meute schon auf sie wartete.

Das Verhältnis zwischen Kai und Mark war ziemlich eng. So nannte man sie nur noch die Zwillinge, denn wo der eine war, war der andere nicht weit entfernt. Mark fühlte sich zu Kai immer mehr hingezogen, obwohl er nicht sagen konnte, was er an Kai so toll fand.

Auch Kai ging es nicht anders. Er hatte endlich einen Freund gefunden, mit dem er alles teilen konnte. Trotzdem war da etwas, das Kai Mark zu gerne gesagt hätte, aber er traute sich nicht. Er hatte davor Angst, was Mark – wenn er es ihm sagen würde – tun würde.

Zum andern hatte er Angst ihn zu verlieren. Nach dem Abendessen lagen sie beide in Ihren Betten und quatschten noch etwas.

„Mark!“

„Hmm ja?“

„Ich muss Dir was sagen…“

„Was denn Kai…?“

„Seitdem Du hier bist geht’s mir richtig gut. Ich bin echt froh, dass Du hier bist. Klar mir tut es wegen Deinen Eltern leid! Aber ich bin richtig froh, dass Du da bist. Ich hab Dich ziemlich gern!“

Mark dachte nach, wie gerne er auch Kai hatte und warum. Ihm gingen so viele Gedanken durch den Kopf und merkte erst gar nicht, dass er anfing zu weinen. Plötzlich merkte er wie Kai sich auf sein Bett setzte.

„He Mark, Du musst doch nicht weinen. Wenn ich Dir wehgetan hab, mit dem was ich eben gesagt habe, dann tut’s mir leid!“

Mark fing an zu zittern, Tränen rollten ihm über das Gesicht und er sah kurz zu Kai auf.

Dann sagte er nur: „Nein Kai, mir geht’s ja genauso!“

„Kann ich zu Dir in Dein Bett?“ fragte Kai Mark.

Statt zu antworten, rückte Mark etwas, so dass für Kai auch Platz war. Kai legte sich neben Mark und nahm ihn in den Arm. Mark weinte noch etwas, aber darüber schlief er in den Armen von Kai ein. Und Kai selbst war glücklich, dass er Mark in seinen Armen hielt.

Nur eines hatte er Mark nicht gesagt; dass er sich in Mark verliebt hatte, das wollte er ihm sagen, aber nicht heute Nacht. Darüber schlief auch Kai ein.

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