Marcel & Tim

Ich sah auf die Uhr und fluchte. Ich war mal wieder etwas spät aus dem Büro gekommen und vor meinem geistigen Auge sah ich den Zug schon abfahren. Gerade an einem Freitag mochte ich das gar nicht. Mich trennten noch 900 Meter und mindestens –30 °C vom Bahnhof (na ja, vielleicht nicht wirklich 30 Minus… bei Kälte übertreibe ich gerne mal).

Vor mir lag ein ‚tolles’ Wochenende. So mit totalem Allein sein und Einsamkeit. Keine Party in Sicht, und mein Traumprinz ließen auch noch auf sich warten. Denn Traumprinzen gibt es ja auch im Jahre 01 nicht per Katalog (ehrlich gesagt… in manchen Versandkatalogen gibt es ja schon den einen oder anderen Hingucker aber… nein… das ist zu armselig).

Aber vielleicht sollte ich mich jetzt erst mal vorstellen. Ich heiße Marcel, bin 21, 187 groß und zarte 74 Kilo leicht. Mittellange blonde Haare und nahezu dunkelblaue Augen. In der Regel halte ich mich mit Judo fit, leider fehlten mir in den letzten drei Wochen die Lust und Zeit dazu. Wenigstens musste das bisher meine eigentlich ansehnliche Figur nicht ausbaden.

Nach einem kurzen Blick auf meine Uhr setzte ich zum Endspurt an. Dann sah ich die Bahn, näher als mir lieb war… also doch noch ein Zahn schneller laufen. Ich sprintete die Treppen zum Gleis hoch und huschte durch die sich schließenden Türen. Gerade noch geschafft. Missmutig schaute ich mich um und erspähte eine freie Vierergruppe. Mit einem Schnaufen fiel ich in den Sitz, die kalte Luft brannte noch in meinen Lungen. „Sei doch nicht so Memmenhaft!” dachte ich mir… scheinbar dachte ich dies zu laut denn hinter mir kicherte jemand.

Jetzt nur noch nach Hause und dann ist Ruhe. Irgendwie baute mich das auch nicht auf. Gelangweilt ließ ich meinen Blick schweifen.

Plötzlich traf es mich wie ein Blitz. Augen wieder zurück und da war es, oder besser: da war er! Vielleicht 2 Meter von mir entfernt … wie konnte ich ihn nur vorher übersehen haben? Dunkelblonde Haare, geheimnisvolle Augen zum ertrinken (einfach nur „blau” zu sagen würde dem nicht gerecht) und ein schmales, wohlgeformtes Gesicht.

Er war in ein Buch vertieft, den Titel konnte ich nicht erkennen (Kunststück, das hat mich ja auch nur wenig interessiert in dem Moment). Ab und an umspielte ein zauberhaftes Lächeln seine schmalen Lippen. Zauberhaft? Oh man, mich hatte es erwischt. Verträumt sah ich ihm weiter zu Ein Räuspern. Ich nahm es nicht wahr. Noch ein Räuspern, diesmal so laut das ich verschreckt aufsah.

Eine alte „Dame” stand an der Tür, wollte wohl gleich aussteigen, beobachtete mich aufmerksam, folgte meinem Blick und starrte mich böse an. Ich wurde leicht rot und ermahnte mich, mit der Glotzerei etwas besser aufzupassen (und betete das die Lady jetzt keinen Aufstand probt mit solchen Sprüchen wie „zu meiner Zeit wären Leute wie Du…”) Auch der Schnuckel hatte sich neugierig zu der Oma umgedreht, folgte seinerseits ihrem Blick und sah mich an. Spontan hob ich die Schultern und tat völlig überrascht, innerlich zitterte ich aufgeregt. Aber was ging es diese Hexe eigentlich an, wen ich mir ansah? Er jedenfalls lächelte mich *schmacht* kurz an und versank wieder in seinem Buch. Ich war hin und weg.

Die Alte stieg tatsächlich an der nächsten Station aus, funkelte mich nochmals giftig an verhielt sich aber ruhig. Da hatte ich wohl Glück.

Ich versuchte mich zu konzentrieren und riskierte ab und zu einen kurzen Blick. Ich versuchte mir vorzustellen wie er wohl unter seiner Jacke aussah. Langsam spürte ich gewisse Regungen unterhalb meines Gürtels…

Ein kurzer Blick nach draußen zeigte mir das wir immer noch an der Station standen wo die Alte ausgestiegen war. Für einen Moment hatte mich die Realität wieder. Ich sah auf die Uhr und stöhnte. Wenn wir hier nicht schnell losfuhren, dann konnte ich meinem Anschlussbus vergessen. Gedacht, gemacht, die Türen fielen zu und die Bahn setzte sich in Bewegung.

Ich schaute wieder zum dem Schnuckel und unsere Augen trafen sich. Hmmm? Ne, oder? Doch sein Blick wich wieder von mir, hinaus zum Fenster und hin zu seinem Buch. Es wäre ja auch zu schön gewesen. Nach der nächsten Station, ich sah mich um, waren nur noch wir 2 im Wagen.

Mein Herz pochte, doch er schien mich nun völlig zu ignorieren. Nächster Halt… Endstation. Na Bravo! Mein Bus stand schon dort mit laufendem Motor. Total auf diesen Bus fixiert rannte ich zur Tür und riss die Tür der Bahn nach dem Halt auf und flitzte. Geschafft. Ich griff in meine Jacke um meinen Fahrschein herauszuholen.

Die Tasche war leer. Wie alle anderen auch. Es war zum Heulen. Die Brieftasche mit Fahrschein, Führerschein (nicht das ich den zurzeit brauchte) und dem Ausweis war weg. Angesäuert griff ich in meine Gesäßtasche und zückte meinen Geldbeutel, nannte dem Fahrer mein Ziel und zahlte.

Als ich meinen Sitz erreicht hatte fuhr der Bus los. Jetzt erst fiel mir der süße Boy wieder ein. Ich sah aus dem Fenster und erblickte ihn, wie er sich scheinbar suchend umschaute. Wird wahrscheinlich abgeholt, dachte ich. Frustriert schloss ich meine Augen und träumte ein wenig vor mich hin.

Aus dem Dunkel trat sein Gesicht hervor, sein Lächeln, dieses traumhafte lächeln als er mich ansah, nach dem Räusperer der alten Schachtel. Eine Stimme schallte in mein Ohr und der Traum löste sich auf.

„Nächster Halt: Hochbergstrasse!” hallte die Stimme des Fahrers durch die Lautsprecher.

Ups, 20 Minuten Fahrt sind schon vorbei? Ich drückte auf den Knopf. Kurz danach kam der Bus mit einem Zischen zum Stehen. Ich war der letzte Passagier und rief dem Fahrer „Nen schönen Abend noch!” zu. „Danke gleichfalls” rief er zurück. „Danke” brummelte ich, den werd ich schon nicht haben, dachte ich dann noch.

Keine 5 Minuten später fiel dann meine Wohnungstür hinter mir ins Schloss. „Hallo! Ich bin zu Hause!” rief ich. Natürlich kam keine Antwort, wohnte ja keiner hier außer mir. (Anmerkung: mein liebstes Opfer für meinen ausgeprägten Sinn für Sarkasmus und Ironie ist… bin ich selber.)

Ich schleppte mich ins Bad und entschied mich für eine heiße Dusche gegen die Kälte in meinen Knochen. Ich schälte mich aus meinem Anzug (Berufskleidung!) und marschierte zur Dusche. Auf dem Weg kam ich am Spiegel vorbei und blieb kurz stehen. Ich betrachtete mich… schaute mir traurig in die Augen und dachte mir das ich doch eigentlich gar nicht hässlich bin. „Was soll’s” entfuhr es etwas lauter meiner Lippen. Im nächsten Moment war ich in der Dusche und drehte das Wasser auf. „Scheiße!” brüllte ich… die Tatsache, das diese Dusche einen Moment zum warm werden braucht war mir wohl entfallen… egal, wohne ja erst 1.5 Jahre hier. Doch dann wurde es warm und ich verlor mich unter dem Wasserstrahl.

<< DING DONG >>

Das kann ja wohl nicht sein… die Türglocke störte mich empfindlich. „Moment”, rief ich. Ich stellte das Wasser ab und fischte nach meinem Handtuch.

<< DING DONG >>

„JAAAAAAAA!!!” Jetzt brüllte ich. Scheinbar war mir keine Zeit vergönnt und ich wickelte mich in mein Handtuch, stürmte zur Tür. „Wer das auch immer ist, der kann sich auf was gefasst machen”, schoss es mir durch den Kopf. Ich riss die Tür auf und… erstarrte.

Ich schloss die Augen für einen Moment und öffnete sie wieder. Doch er war immer noch da. Ja, ER war es. Der Traum der S-Bahn. Ich spürte seinen Blick auf mir und wurde rot.

„J-aa?” stammelte ich.

Er antwortete leise und mit himmlischer Stimme: „ Eh’, sorry falls ich ungelegen komme, aber…” er verstummte und nestelte an seiner Jackentasche. Kurz darauf hielt er ein braunes Mäppchen in der Hand.

„Meine…” fing ich an, und er nickte sofort. „Aber wie… ?” (klasse Marcel, benimm dich ruhig wie ein Vollidiot…)

„Sie lag im Zug. Und Dein Ausweis, die Adresse steht drin” beendete er meinen Versuch einer Frage. Ich nahm die Brieftasche entgegen. Ich fand tatsächlich Kraft für einen ganzen Satz:

„Vielen Dank. Kann ich mich mit einem Kaffee revanchieren?”, fragte ich und steckte das Fundstück in meine Gesäßtasche. Moment, Gesäßtasche???? Zu spät. Das Handtuch zog sich auseinander und folgte den Gesetzen des Herrn Newton.

„Äh nein, ich muss wieder weg. Ciao!”, rief er und entfernte sich eiligen Schrittes. Man könnte auch sagen, dass er rannte. Wie erstarrt stand ich da, dankte der wunderbaren Schwerkraft und dem Herrn „da oben”, weil er mich scheinbar gerne mit peinlichen Situationen folterte.

Mit einem Mal erwachte ich aus der Starre und schleuderte die Türe zu. „Leise da unten”, tönte es von einer Etage höher. Das hat doch alles keinen Sinn, dachte ich und marschierte wieder ins Bad. Wenigstens die Dusche wollte ich noch beenden.

Es dauerte nicht lang und ich war fertig. Ich dachte an das erlebte zurück und verpasste mir eine innerliche Ohrfeige. Ich griff nach dem Bademantel, zog ihn über und marschierte ins Wohnzimmer um erneut meine Selbstironie auszukosten. Kurz danach brummte JBO aus den Lautsprechern…

… heut ist ein guter Tag zum Sterben,

so hat das Leben keinen Sinn.

Die Götter wollen Mir den Spaß verderben,

man gönnt mir keinen Lustgewinn…

Nicht das ich ein großer Fan der Band wäre, aber ich konnte mir das einfach nicht verkneifen. Genauso wie das Telefon, das sich scheinbar just in diesem Moment das Klingeln nicht verkniff.

Ich meldete mich: „Kreis-Krematorium Frankfurt”.

Ein kurzes Zögern in der Leitung, „Ja, Pietät Gansbach hier, die Abholung verzögert sich noch etwas.”

„Hä? Andreas?”

Ein Kichern auf der anderen Seite „Was dachtest Du denn? Bist mies drauf, was? Es tut mir ja leid, Cori musste aber leider weg und deswegen hol ich Dich erst in ner knappen Halben. Ich weiß ich sollte schon vor ner Viertelstunde kommen. Sorry”.

Jetzt grübelte ich. Wieso wollte er mich holen? Da fiel es mir ein. Kino. Wir wollten ja alle ins Kino.

„Shit” zischelte ich.

„Hab doch gesagt, dass es mir Leid tut!”

„Äh sorry, Andy, das ging jetzt mehr an mich.”

„Du hast…” er lachte schallend „Du hast es jetzt doch nicht schon wieder vergessen?”

Ich räusperte mich „Och, nur so ein wenig. Ist heut nicht mein Tag. Aber reden wir später weiter. Ich hab ja schließlich nur ne halbe Stunde mich anzuziehen…”

„Okay, mach hinne.” Ich konnte sein blödes Grinsen direkt vor mir sehen. Bevor wir auflegten hörte ich noch wie er zu pfeifen anfing „Heut ist ein guter Tag zum sterben”.

Aha, hatte er es also mitbekommen. Dann konnte ich mich ja auf ne interessante Ausfragerei gefasst machen.

Kurz zur Erklärung, falls sich jemand fragt wer Andreas ist: Andreas kenne ich fast genau 13 Jahren und wir waren seit der Zeit auch immer die besten Freunde. Ihm konnte ich einfach immer alles erzählen.

Und mit ihm… hatte ich sogar mein „Erstes Mal”. Wir waren beide 14 und irgendwie neugierig. Seine und meine Eltern hatten sich für einen Theaterbesuch verabredet. Und wir sollten bei mir übernachten. Meine Mutter hatte die Couch extra hergerichtet. Na ja, wie Kids nun mal sind waren wir nicht ganz so brav, veranstalteten ne „Wilde Party für 2″.

Und mein Daddy hatte den schwersten Fehler aller Fehler gemacht: er hatte die Bar nicht abgeschlossen. Als Erstes haben wir uns über dieses komische blaue Zeugs hergemacht dessen Namen keiner von uns damals aussprechen konnte… „Blue Coolesau” haben wir es dann später genannt, nach den ersten Gläsern.

Als Zweites lagen wir dann irgendwann ziemlich „unnüchtern” im Bett. Andreas fragte ob ich es mir schon mal selber gemacht hatte. Berauscht wie ich war gab ich ein „Ja” zurück. „Ich auch” antwortete er. „Ich frag mich wie das ist wenn ein anderer das macht”, murmelte er.

Wir waren uns recht schnell einig und wir lagen nackt im Bett. Ein Blick nach unten, wir hatten beide einen ziemlichen Ständer. Enthemmt wie wir waren hielt sehr bald jeder den Schwanz des anderen in der Hand.

Ich will jetzt nicht weiter ins Detail gehen, aber die große Sauerei ließ nicht lange auf sich warten.

Scheinbar war dies bei mir damals auch gleich der große Wendepunkt in meinem Leben.

Es war nicht sonderlich romantisch oder wahnsinnig gefühlvoll, aber dennoch hatte ich mir das schon seit einigen Monaten von Andreas gewünscht. Okay, ich war verknallt in ihn. Ich sagte ihm das etwas später auch. Seine Reaktion überraschte mich dann doch als er sagte, dass dies kein Problem wäre.

Im gleichen Moment hat er sich dann auch geoutet… als Hete. Da war er sich ziemlich sicher, und bis heute hatte ich auch keinen weiteren Grund daran zu zweifeln. Und wiederholt haben wir es auch nicht mehr. Nur die Verbundenheit blieb.

29 Minuten später, ich schlüpfte gerade in meine Schuhe, klingelte es. Ich sah noch mal in den Spiegel. Die weiße Jeans sitzt… zu knapp *grins*. Arsch… kommt zur Geltung. Mein schwarzes Shirt sitzt wie angegossen, quasi wie eine zweite Haut. Muskeln werden vorteilhaft betont, Fettpolster… *uff* noch keine in Sicht. Haare sitzen fast perfekt. Nur eine Strähne die mir vorwitzig in die Stirn springt. Sieht irgendwie nett aus.

Und wieder klingelt es an der Tür. Okay, ich war fertig, nahezu in Rekordzeit. Und Andreas kam genervt an die Tür.

„Es ist kalt draußen…” grummelte er, während er die Treppe hochkam. Dann sah er mich und blieb stehen. Ein Grinsen machte sich in seinem Gesicht breit.

„Also, nur weil Du weißt das Cori heut nicht da ist, hast Du kein Recht mich verführen zu wollen!”, sprachs und schlug sich vor Lachen auf die Schenkel. Ich sah ihn nur verdattert an.

Er kam näher und flüsterte mir was ins Ohr. „Wenn man mal von Deinen traurigen Augen absieht, dann siehst Du wirklich stark aus.” „Danke” hauchte ich zurück, gab ihm nen Schmatz auf die Wange und nahm ihn dann in den Arm.

„Hey, nicht so stürmisch! Spar Dir die Energie lieber für die vielen süßen Typen die Dir heute garantiert nachlaufen.”

Bei seinem Lächeln muss man einfach weiche Knie bekommen. Ich hab gar nicht erwähnt das Andreas wirklich zum sterben gut ausschaut? Noch 20 Jahre alt, 190 groß, kurze schwarze Haare zu einem frechen Igel gestylt, smaragdgrüne Augen zum träumen, einen süßen schmalen Mund und so ein süßes kleines Grübchen am Kinn.

Und seinen Body hielt er seit Jahren schon mit Schwimmen und Karate fit, wunderbar ausdefinierte Muskeln. Was er mir nie verraten wollte war, ob er seinen Körper rasiert, oder ob er wirklich von Natur aus so haarlos war. Bei mir war es Natur. Aber jetzt bitte, keine Zweifel, ich war über ihn hinweg, meistens.

„Dein Vertrauen in Ehren”, sagte ich, „aber wieso sollte der Tag besser aufhören als er angefangen hat?”

„Nun, kennst Du den Spruch ‚’Man soll den Tag nicht vor dem Abend verteufeln’?”.

„Ne Du, den Spruch kenne ich mit Sicherheit so nicht.”

Er grinste wieder „Jetzt mal Spaß bei Seite. Was ist denn heute los mit Dir? Du wirkst so als ob die Welt untergehen müsste.”

„Nicht jetzt”, entgegnete ich „lass uns das verschieben. Welchen Film schauen wir uns an?”

Andys grinsen verblasste etwas. „Ich denke wir lassen den Film für heute lieber sausen und setzen uns irgendwo hin… im Kino kann man ja sooo schlecht plauschen.”

„Arsch, genau deshalb will ich ja dahin.”

Mit aufgesetztem Ärger funkelte er mich an „Keine Widerrede, Kino ist erledigt für heute!!!”

„Ja, Papa…”, ich versuchte zu schmollen. Da sprang er auf mich zu, „warf” mich auf die Couch und im nächsten Moment spürte ich seine Hände überall auf mir, in kitzeliger Absicht.

Atemlos rang ich nach Luft, war völlig wehrlos. Ich war bestimmt der kitzeligste Mensch auf dieser Erde. Nach Momenten die mir wie Jahre vorkamen ließ er mich wieder los.

„Auf geht’s, mach hinne!”.

Sein „Befehl” brachte mich zum salutieren „Yes, SIR!”. Immer noch lachend stiegen wir dann in sein Auto und fuhren los.

Ich war neugierig.

„Wohin fahren wir?”

„Überraschung.”

„Unfair!”

„Sei ein braver Beifahrer und verhalte Dich ruhig.”

Da streckte ich ihm die Zunge raus, blieb aber ruhig. Schon bald darauf fuhren wir in Frankfurt ein. Und irgendwie kam mir auch das Eck sehr bekannt vor.

Andy fand bald einen Parkplatz und wir gingen zu einer meiner Lieblingskneipen, dem „Big Apple”. (Anmerkung: Kenner der Frankfurter Szene werden wissen das es dort keine Kneipe mit diesem Namen gibt. Aber irgendwie hat das ja auch was mit dem New Yorker Stadtteil zu tun, nach dem der Laden in Wirklichkeit benannt ist).

Dort fanden wir auch gleich einen Platz. Der Kellner tänzelte heran und Andreas bestellte. „Ne Coke für mich, und der Süße da” er lachte mich an „kann bestimmt ein gutes Weißbier vertragen.”

Ich lächelte zurück. Kurz darauf hatten wir das Gewünschte. Andy wirkte nun ernster. Marcel, Kleiner… was ist denn nun los?” Ich seufzte.

Ich erzählte es ihm. Angefangen beim Zug, der blöden Alten, dem süßen Grinsen, dem engelhaften Gesicht. Und dann vom Verlust der Brieftasche.

„Oh Shit” kam es von ihm.

„Ich war ja noch nicht fertig. Ich kam nach Haus und hüpfte unter die Dusche. Es klingelte zweimal. Ich rannte dann mit nem Handtuch um die Hüften zur Tür und riss sie auf. Und da stand ER!”

„Aber so wie Du aus der Wäsche guckst ist wohl was schiefgelaufen…”

Ich erzählte ihm von meiner grammatikalischen Fehlkonstruktionen und dem entscheidenden Moment der Übergabe.

Ich pausierte, trank einen Schluck Bier und berichtete von der „Gesäßtasche”.

Andy schaute mich ungläubig an, ich nickte kurz und ihm schossen die Tränen in die Augen, vor LACHEN!

Giftig, diesmal nicht gespielt, sah ich zu ihm rüber.

Er verstummte sofort. „Sorry, aber das klingt zu komisch.”

„Findest Du? Ich weiß ja nicht. Ich fasse mal zusammen: mein Traumboy steht vor meiner Tür. Ich öffne, nur im Handtuch. Er bringt mir was wieder und ich will ihn auf ne Tasse Kaffee einladen.

Ich mach nen Fehler, steh unverhüllt vor ihm, so peinlich berührt das ich noch nicht mal daran denke zu sehen wo er mir vielleicht gerade hingeschaut hat, um überhaupt noch nen Rest an Hoffnung zu haben. Er rennt panisch davon, obwohl es ja eigentlich gar nicht so schlimm ist. Ich war doch nur nackt…” langsam wurden meine Augen feucht.

Andy griff nach meiner Hand, „Hey, ist doch gut. Und wenn Du willst dann lass den Frust raus. Aber… findest Du die Reaktion von dem Typen denn nicht sonderbar? Vielleicht war er ja auch von Dir einfach nur überwältigt, hatte Panik sich in Dich zu verlieben, falls es nicht schon geschehen ist und träumt jetzt von Dir, immer noch grübelnd ob Du schwul oder hetero bist.”

Ich schaute ihn ungläubig an und schluchzte „deine Fantasie möchte ich haben. Er und in mich verlieben…. aber selbst wenn, ich weiß ja eh nichts von ihm. Kein Name, keine Ahnung wo er wohnt. Nix.”

Er drückte meine Hand fester

„Stell Dein Licht nicht unter den Scheffel. Also, wenn ich schwul wäre, Du süßer Schnuckel…” er lachte mich lieb an, „aber mal im Ernst: Cori hat mir gesagt das sie Dich auch total sexy findet, und auch ein paar Freundinnen von ihr haben heimlich ein Auge auf Dich geworfen.”

Na toll. „Da kommt wohl noch was auf mich zu…”

„Neee, echt nicht” lachte Andy.

„Cori hat mir von ner Diskussion erzählt. Das Thema warst etwas später Du. Eine von den Tussis meinte dann (Andy verstellte seine Stimme und fuchtelte wie ne Schickimicki-Tussi rum): ‚aber ist eh egal. Typen wie der sind entweder vergeben, oder schwul’. (Ab jetzt wieder im normalen Tonfall)

Darauf fing Cori dann an zu lachen. Die Tussi nickte dann wohl selbstgefällig: Ich wusste es, Marcel hat ne Freundin. Dann hat Cori mir erzählt das sie unter schweren Lachkrämpfen nur noch mühsam ein:’ne, aber schwul’ rausbrachte.”

„Klasse, und das wo ich diese Art von Outing sooo liebe.”

„Kein Stress Kleiner. Die Mädels hamm wohl kräftig geschluckt, waren etwas traurig, Du Herzensbrecher, waren sich aber einig das man ja wenigstens noch von dir träumen könne.”

Ich gähnte, „Bla bla bla. Und was willst Du mir damit sagen?” Ach herrje, mein Kopf war total leer und ich wurde nicht mal rot. Irgendwie stand ich voll auf der Leitung.

„Bist Du jetzt so doof? Schau in den Spiegel, man. Du bist halt ein hübscher Kerl!”.

Ich wurde rot. Nicht wegen dem WAS, naja, vielleicht auch deswegen, er mir gesagt hatte, sondern wie. Es war nicht sehr… diskret und ganz bestimmt nicht leise. Der Kellner sah mich an und zwinkerte mir zu.

Wie auf Kommando schwebte ein Typ heran. Eigentlich gar nicht hässlich, offensichtlich interessiert. „Ist der Platz hier noch frei?“ Er deutete auf den freien Platz neben mir.

„Ja.“ War Andy jetzt total ausgeflippt?

Jetzt legte ich den „Zicken-Gang“ ein „Nein. Da hat sich mein Kumpel geirrt.“

„Nun hab Dich nicht so. Der sieht doch süß aus!“

Bitte? Ich funkelte Andy an. „Dann schnapp ihn dir doch selbst!“

Aber der Typ rauschte schon beleidigt ab. Ich glaubte noch ein leises „Arschloch“ zu vernehmen, während Andy meinen Kommentar dezent ignorierte und mir seine Hand tröstend auf die Schulter legte.

Ich vergrub meinen Kopf in den Händen und schüttelte selbigen ungläubig. „Danke, macht es dir Spaß kleinen unschuldigen Schwuppen die Schamesröte ins Gesicht zu treiben?”

„Du und unschuldig? Du hast ja sogar deinen besten heterosexuell veranlagten Freund verführt und erfolgreich befriedigt!”

Er grinste verdammt dreckig. Sah irgendwie süß aus. So richtig böse konnte ich ihm nie lange sein.

„Ich hab Dich nicht verführt!!! Der Alk hatte Schuld.”

„Oh, bin ich so hässlich das Du erst saufen musst?” und wieder sein fieses Grinsen.

Jetzt mussten wir beide lachen, und es tat so gut.

Er nahm mich in den Arm. „Alles wird gut”, raunte er mir ins Ohr.

Ich schaute mich etwas um hoffte auf wenigstens ein paar nette Gesichter, aber die Gedanken an den unbekannten Prinzen ließen alles andere verblassen. Wir saßen noch eine ganze Weile herum plauderten gemütlich und bestellten noch ein paar kleine Runden. Andy wich nicht mehr von meiner Seite und niemand, außer dem Kellner, störte uns mehr. Zum Glück wirkte der stattliche Kerl, der mich da so lieb im Arm hielt, abschreckend genug. Das kam mir sehr gelegen.

Kurz nach dieser Feststellung tranken wir aus, zahlten (Andreas zahlte) und fuhren zu mir.

„Du bist so still?” Andreas schaute kurz zu mir rüber.

„Ja… ist Dir mal aufgefallen das ich nicht weiß wie er heißt, oder wo er wohnt?”

„Und?”

„Was, und?”

„Ja, wo ist das Problem?”

„Das ich gar nichts über ihn weiß!” Es tat mir zwar leid, aber ich klang etwas ungehalten.

„Hey, hey Kleiner, langsam. Das ist mir bewusst. Aber Du kennst meine Theorie, dass er sich ja vielleicht doch in diesen unglaublich hübschen Kerl verliebt hat. Er weiß wo Du wohnst, und ich gehe jede Wette: Du wirst ihn wieder sehen!”

„Und was hab ich jetzt mit diesem hübschen Kerl zu tun?”

Das nennt man jetzt wohl „fishing for compliments”.

„Hä? Du…!” weiter kam er nicht. Ich lachte schallend.

„Arsch!” hörte ich und spürte einen unsanften Knuff in den Rippen.

„Hast Du verdient! Und nu raus mit Dir! Damit Du endlich ins Bett kommst und mal den Blödsinn im Schlaf vergisst!” er lachte mich wieder so elendig lieb an… da konnte ich nicht wieder sprechen.

„Danke, mach ich. Und noch mal… danke für den Abend. Schlaf gut.” Ich hauchte ihm nen Kuss auf die Wange.

„Du auch. Gern geschehen.” und er küsste mich auf die Stirn.

Ich winkte kurz, als er dann noch ausstieg und sich auf den Weg zur Döner Bude gegenüber machte, und ging zur Tür.

In der Wohnung sah ich auf die Uhr, es war erst 22 Uhr? Was soll’s, geht es heut mal früher ins Bett.

Gesagt getan, nach nem kurzen Aufenthalt im Bad für die hygienischen Notwendigkeiten war ich bereit. Ich legte mich ins Bett und löschte das Licht. Aber ans einschlafen war trotz aller Mühen nicht zu denken. Ich beschloss Klein-Marcel etwas Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Ich dachte an den Traumschnuckel und Klein-Marcel schaute mich bereitwillig an. Meine Hand glitt über meinen Bauch, hinein in die Shorts und umschloss das warme Zeichen meiner Erregung. Langsam glitt meine Hand am Schaft entlang und…

<<>>

So eine verdammte Schei… ! Wer zur Hölle stört denn noch um die Zeit? Jedes Gefühl von Geilheit war verflogen, ich zog nen Bademantel an und ging zur Türe. Wer auch immer das war sollte sich auf was gefasst machen. Ich riss die Tür auf und… taumelte Rückwärts. Nein, bitte kneif mich einer. ER stand wieder vor mir und schaute verlegen zu Boden. „Was, ich mein, äh ‚Hi’.” Meine Fähigkeit zur Kommunikation ließ zu wünschen übrig.

„Hi. Gilt die Einladung noch?”

„Wel – welche Einladung?”

„Kaffee…” (oh, diese Stimme)

„Äh klar, kann’s auch Tee sein?”

„Schwarz?”

„Sure. Komm rein. Ich bin Marcel.”

„Ich weiß…”

Ich Idiot! Klar wusste er es.

„Tim.”

„Bitte?”

„Das ist mein Name.” Er zögerte „meine Freunde nennen mich Timmy.”

Okay, ich war gerade dabei mich komplett zum Narren zu machen. Aber ich war ja auch tierisch nervös. Der Junge brachte mich um den Verstand.

„Okay, Tim. Was machst Du eigentlich hier?”

„Nenn mich ruhig Timmy.” Er schaute mich lieb an.

„Oh klar, Timmy, sorry.”

„Also, das ist jetzt ne komische Geschichte. Ich saß ne Weile in der Döner Bude hier gegenüber. Vor ner halben Stunde, so gegen 10 kam ein Typ rein. Er bestellte was und wollte gerade gehen, kam dann aber zu mir. Er fragte ob ich Marcel kenne.

Welchen er denn meinen würde, fragte ich zurück.

Er meinte: ‚Den Marcel dessen Wohnzimmerfenster Du die ganze Zeit anstarrst!’”

Ich schluckte. Timmy hatte mein Fenster angestarrt?

Er erzählte weiter:

„Der Typ hat sich dann als Andreas vorgestellt, er wäre ein Freund von Dir. Wir haben uns die ganze Zeit unterhalten. Irgendwie hab ich sofort Vertrauen zu ihm gefasst. Ich fühlte mich sicher genug um Dinge zu erzählen die ich sonst keinem erzählen würde. Am Schluss riet er mir dann schnellstens den Laden zu verlassen und zu Dir zu gehen… um ein paar Dinge zu klären.”

Soso, Andreas… danke man. Der Typ sieht echt alles.

„Andreas ist mein bester Freund, richtig. Und worüber habt ihr euch so unterhalten, wenn ich fragen darf?”

„Nun, ich hab ihm was erzählt, und wollte wissen wie bestimmte Personen auf bestimmte Dinge reagieren würden.”

„Bitte? Geht das auch etwas genauer?”

„Also, ich sagte ihm, dass beim letzten Mal, als ich einem Jungen meine Liebe gestand, die Ärzte gute Arbeit leisten mussten um mich wieder zusammen zu flicken… Er riet mir es zu versuchen, diesmal würde zumindest das nicht passieren.”

Ich saß da, sprachlos. Ein Kloß im Hals. Ungläubig schaute ich ihn an.

„Also, ich hab ihm gesagt dass ich mich heute schon im Zug in dich verguckt habe, aber sonst eigentlich total schüchtern bin. Und ich glaube ich geh jetzt besser.”

Er stand auf und lief in Richtung Tür.

„Nein!” Meine Stimme klang unglaublich fest, befreit. Kein Vergleich zu meinen Knien. Die zitterten wie Blätter im Wind. Fragend drehte Tim sich um. Ich lächelte ihm entgegen.

„So wie es scheint hat Andy nicht alles erzählt. Sonst wüsstest Du…Timmy, Du bist nicht der Einzige, der sich im Zug verguckt hat!”

Er lächelte mich an, nein, das war kein Lächeln! Es war als ob der Himmel seinen schönsten Engel geschickt hatte der mich nun anstrahlte.

Mit geschmeidigen Bewegungen kam er schnell auf mich zu und… verfing sich mit einem Fuß im Läufer und flog (nicht gerade Engelsgleich *hihi*) in meine Richtung.

Ich fing ihn ab und nahm ihn in meine Arme. Meine Lippen suchten seine und fanden sie. Sanft tauchten unsere Zungen ein und erforschten sich gegenseitig. Sein Kuss nahm mir die Sinne. Seine Hand glitt unter meinen Bademantel, berührte die nackte Haut meiner Brust. Es fühlte sich an wie kleine elektrische Entladungen die kribbelnd durch meinen ganzen Körper strömten. Und dabei war er so unendlich zärtlich. Ich war zu keiner Bewegung mehr fähig, ich lehnte mich zurück und genoss seine Hände, seine Lippen und das Spiel unserer Zungen.

Irgendwie schaffte ich es dann doch ihm die Jacke abzustreifen und glitt mit meiner Hand unter seinen Pullover. Zarte, samtige Haut erwartete mich. An seiner Brust fühlte ich kein einziges Haar. Sein Bauch war glatt und fest.

Seine blauen Augen schauten mich an und sein Blick machte mich ganz benommen. „Du bist wahnsinnig schön!” flüsterte ich in sein Ohr.

„Du auch!”

Eine Träne rann an seiner Wange entlang.

„Hast Du was?”

„Nein, ich bin nur unglaublich glücklich!” kam es von ihm.

„Ich auch, Timmy. Ich auch. Musst Du heute noch weg?”

„Nein Marcel. Ich kann bleiben. Jetzt wo ich meinen Traum gefunden habe lasse ich ihn nicht so schnell wieder los.” Er lächelte.

„Das wollte ich hören. Du, es soll jetzt keine Aufforderung sein, aber vielleicht sollten wir den Raum wechseln?” Ich reichte ihm meine Hand.

„Okay. Ich gehe überall hin, wenn Du nur dabei bist.”

Ich führte ihn ins Schlafzimmer, legte den Mantel ab und setzte mich in meinen Shorts aufs Bett.

„Komm her.“

Timmy zog sich bis auf Shirt und Shorts aus und kuschelte sich zu mir ins Bett. Ich schaute ihm tief in die Augen und er wirkte etwas verlegen.

„Was ist los?“

„Also, ich war noch nie mit einem anderen Menschen zusammen…“

„Wirklich? Wenn man dich so sieht kann man das kaum glauben.“

„Meinst Du? Stimmt aber. Und du?“

„Zu sagen bei mir isses genauso wäre gelogen. Aber eine richtige Beziehung hatte ich bisher auch nicht. Es waren mehr von diesen „ein Abend – eine Nacht – ein Morgen“ Geschichten… Nichts was auf Dauer glücklich macht.“

„Oh.“

„Aber lass uns lieber das Thema wechseln. So wahnsinnig gern red ich da auch nicht drüber.“

Er nickte.

“Timmy…“

„Ja?“

„Keine Angst. Bei Dir sagt mir mein Gefühl etwas anderes. Wenn ich Dich in den Arm nehme dann will ich gar nicht mehr loslassen.“

Er lächelte mich glücklich an.

Eine Frage brannte mir noch unter den Nägeln: „Wie alt bist Du eigentlich? Mein Alter, 21, steht ja indirekt im Ausweis…“

„Stimmt. Hab ich auch nachgeschaut. Deshalb bist Du 4 Jahre älter als ich.“

„17 Jahre erst?“, jetzt war ich doch etwas überrascht. Er wirkte älter auf mich.

„Ja“ seine Stimme klang unsicher „ist das ein Problem für dich?“

„Ich denke nicht! Mach dir da mal keine Sorgen.“

Vier Jahre, mein Gott, was soll’s. In ein paar Jahren würde sich erst recht niemand mehr dran stören, und so alt fühlte ich mich innerlich ja auch nicht.

Er seufzte erleichtert und gab mir einen zärtlichen Kuss. Als sich unsere Lippen berührten kam es wieder, das Kribbeln am ganzen Körper. Danach konnte ich süchtig werden, nein, ich war es bereits. Mit Haut und Haaren war ich ihm verfallen.

So lagen wir da, streichelten uns gegenseitig durch die Haare und schauten uns verliebt in die Augen.

Doch dann… dann forderte der lange Tag seinen Tribut. Mit dem Gefühl der Geborgenheit in seinen Armen schlief ich in nahezu unverzeihlicher Weise glückselig ein.

***

Tim schaute auf das schlafende Gesicht von Marcel. Er wirkte friedlich wie ein Baby. Er war glücklich und zufrieden mit der Welt.

Diesmal war sein Liebesgeständnis nicht auf taube Ohren gestoßen, diesmal prasselten keine Fäuste in unbändiger Wut auf ihn ein, so wie vor einem Jahr, als er seinem ehemals besten Freund seine Liebe gestand.

Er hätte nie gedacht, dass dieser einen solchen Hass auf Schwule hatte. Doch das war nun vorbei, das Kapitel gehörte endlich der Vergangenheit an. Selig streichelte er über das Haar seines Geliebten, bis auch ihn ein tiefer Schlummer erfasste.

***

8 Uhr. Mein Blick fiel auf meinen Wecker. Zu früh für einen Samstag. Und… ich schluckte, mein Bett war leer.

Nichts von den Klamotten die Timmy auf den Boden legte war noch zu sehen.

Hatte mir mein Kopf einen fiesen Streich gespielt? Vielleicht war ich doch eingeschlafen und die Klingel ertönte nur in einem Traum?

Kein Liebesgeflüster, kein unendlich zärtliches Streicheln? Oder vielleicht doch, aber als ich einschlief war er vielleicht enttäuscht und ging?

Die Fragen quälten mich. Ein Schrei entfuhr meiner Kehle. Und plötzlich stürmte ein blonder Kopf samt Körper in mein Schlafzimmer.

„Marcel, ist was, hast du Schmerzen?“ er schaute mich besorgt an.

Ich schüttelte den Kopf, sichtbar erleichtert.

„Moment, ich hab gerade Frühstück gemacht. Bin sofort da!“ er lächelte.

Er war noch da! Ich sank zurück ins Kissen. Gott sei dank.

Und da kam er schon mit einem Tablett herein. „Du hast ne ziemlich intuitive Küche, hab alles fast auf Anhieb gefunden. Aber dein Schrei, was war los?“

Ich wurde rot „Äh, ich war… ich fand das Bett leer, und…“

„ … und du hattest Zweifel ob das alles geschehen ist?“

„In der Art, ja. Eine andere Möglichkeit war noch das Du gegangen bist, enttäuscht weil ich einschlief…“

„Dummkopf!“ er lächelte mich an „Ich hab Dir noch etwas beim Schlafen zugesehen. Du wirkest so gelöst und glücklich. Es sah gut an Dir aus. In der S-Bahn hast Du noch so ernst und verbissen geschaut.“

„Wo hast Du denn die Brötchen her? Ich hatte doch keine.“

„Vom Bäcker um die Ecke. Sei mir nicht böse, aber ich hab etwas durch deine Sachen gewühlt, auf der Suche nach dem Schlüssel. Wollte mich nicht aussperren. Sonst hätte ich dich wecken müssen.“

„Ist schon okay“ ich griff nach seiner Hand „es sieht alles sehr lecker aus. Aber bitte erschreck mich nicht so beim nächsten Mal!“

Ich zog ihn zu mir herunter, nachdem er das Tablett auf den Nachttisch gestellt hatte und presste meine Lippen auf seine. Seine Zunge schob sich durch meine Lippen und spielte mit meiner.

Dann zog er sich zurück: „Los, essen! Du brauchst Energie für den Tag!“

Okay, dem Wunsch kam ich gerne nach. Es sah nicht nur lecker aus, es schmeckte auch so. Wir fütterten uns gegenseitig. Mal hielt er mir ein Brötchen zum abbeißen hin, dann wieder ich. Als alles weggeputzt war fühlte ich mich satt und vollends glücklich.

„Timmy, ich weiß jetzt das Du 17 bist… aber sonst gar nichts. Ich würde wirklich gerne mehr über Dich erfahren.“

„Da gibt es nicht viel… wirklich.“

„Wenn Du nicht willst, dann ist es okay. Vielleicht magst Du ja später mal…“

„Nein, das ist es nicht. Ich will dich mit nichts belasten. Es war nicht immer alles „eitel Sonnenschein“.“

„Timmy, niemand hat nur Gutes erlebt. Und wenn eine Liebe so was nicht verträgt, dann ist sie es auch nicht wert.“

„Liebst Du mich wirklich?“

Das war eine gute Frage. Und sicher nicht leicht zu beantworten, ich kannte ihn ja kaum.

Ich schwieg einen Moment. Dafür kassierte ich einen traurigen Blick von dem Engel neben mir.

„Timmy, bitte verstehe es nicht falsch. Ich fühle mich mit dir auf eine ganz besondere Art verbunden. Dein Aussehen benebelt meine Sinne. Deine warme Stimme berührt mein Herz im innersten. Du bist ein Traum. Zärtlich, liebevoll. Du gibst mir Geborgenheit. Wenn Du aus dem Raum gehst vermisse ich Deine Nähe sofort. Ich bin verliebt in dich, hoffnungslos verschossen. Aber Liebe muss sich erst entwickeln.“

Seine Augen waren feucht, doch er nickte. „So etwas hat mir noch keiner gesagt.“ Seine Stimme klang zittrig „so ehrlich. Und es war das Schönste was je einer zu mir gesagt hat. Und ich fühle das ich dir vertrauen kann.“

Seine Stimme versagte, er weinte.

Ich zog seinen Rücken an meine Brust, legte meinen Kopf auf seine Schulter und hielt ihn fest.

„Du musst mich für ne ziemliche Heulsuse halten.“

„Süßer kleiner Spinner.“ sagte ich und wischte mir selber ein paar Tränen weg.

Ich weiß nicht ob es 10, 20 Minuten oder mehr waren die wir so verbrachten. Wir schwiegen und hielten uns aneinander fest.

„Also gut.“ Timmy fasste sich ein Herz, „seit ca. 2 Jahren weiß ich, dass ich schwul bin. Meinem Vater, ich lebte damals mit ihm allein weil Mutter 5 Jahre zuvor gestorben war, habe ich dann davon erzählt. Seine Reaktion kam für mich unerwartet. Ich hielt ihn für toleranter als er eigentlich war. Kurz und gut: er prügelte auf mich ein und beförderte mich dann aus der Wohnung. Ein Nachbar hat damals einen Krankenwagen geholt.“

Er schluchzte. „Ich hatte ein paar Knochenbrüche, Arm, Schultern und so. Doch in mir drinnen schmerzte es viel mehr.“

Ich drückte ihn fester an mich.

„Das Jugendamt bekam damals einen Anruf vom Arzt der mich behandelte. Kurz danach bekam ich Besuch von Klaus, ein Sozialarbeiter vom Jugendamt. Ich erzählte ihm die Geschichte. Alles. Er sorgte letztendlich dafür, dass ich in ein Heim kam, weg von meinem Vater. Das nächste Jahr verlief recht gut. Im Heim lernte ich Markus kennen.

Er wurde mein bester Freund und wir unternahmen ne Menge zusammen. Langsam verliebte ich mich in ihn. Es dauerte eine Weile, doch dann fasste ich mir ein Herz und sagte es ihm.

In diesem Moment veränderte sich alles. Markus stieß mich weg, schrie mich an, beschimpfte mich.

An diesem Abend weinte ich mich in den Schlaf.

Am Morgen lag ein Zettel an der Tür…

‘Tim,

wir müssen reden.

Komm heute um 20 Uhr in den Park hinter dem Minigolf-Platz.

Markus‘

Da schöpfte ich Hoffnung und fühlte mich besser. Ich freute mich auf den Abend.“

Tim zitterte. „Im Park sah ich dann Markus. Er schaute mich an. Aber… aber seine Augen glitzerten kalt, böse… hasserfüllt. ‘Schaut, da kommt die kleine Schwuchtel‘ hörte ich ihn sagen.

Irgendwo hinter mir ertönten Stimmen. Gemeine Lacher klangen durch die Nacht. Jemand sagte ‘Dann lass uns dem kleiner Arschficker mal zeigen was wir von Viechern wie ihm halten‘. Dann hielt mich jemand fest. Markus kam auf mich zu und… „

Tim brach ab und weinte bitterlich.

Auch mir schossen die Tränen in die Augen. Aus Wut darüber wie man so einem Engel derartiges antun konnte, ihn so zu hintergehen.

„Es ist doch gut, ich bin bei dir. Ich passe auf dich auf.“ Ich versuchte ihn zu beruhigen. Aus roten Augen schaute er mich hilflos an.

„Danke… ich hab an so was fast nicht mehr geglaubt.“

„Verlass dich drauf.“

Die Augen standen zwar immer noch in Tränen, aber seine Stimme klang wieder fest und sicher: „Gut. Abgesehen von einem Trommelfeuer seiner Fäuste in mein Gesicht kann ich mich eh an nichts erinnern. Nur das ich 3 Tage später wieder im Krankenhaus aufwachte. Die Schmerzen waren schlimmer als beim ersten Mal. Sie hatten sich auch nicht nur auf gebrochene Knochen beschränkt.“ Er hielt kurz hinne und zog sein Shirt aus. Als er seinen rechten Arm hob sah ich eine ca. 15 cm lange Narbe. „Hier haben die mich mit einem Stück Holz verwechselt und schnitzen geübt“, er lachte bitter. Ich drückte ihm einen vorsichtigen Kuss auf die Narbe.

„Aber ich hab’s überlebt. Es sah erst nicht so toll aus. Ich muss wohl ziemlich viel Blut verloren haben.“

Ich war erschüttert mit welcher Kaltblütigkeit er nun über sein „beinahe- Ableben“ berichtete.

„Und wieder war es Klaus vom Jugendamt der mich besuchte. Seinen mitleidigen Blick werde ich wohl nie vergessen. Jedenfalls brachte er mich in einem speziellen Programm unter. Ich besuchte wieder eine normale, aber andere Schule. Und ich musste nicht mehr ins Heim. Das Jugendamt stellte mir eine kleine 1 Zimmer Wohnung und werde auch sonst von denen unterstützt, soweit es irgendwie möglich ist. Und in dieser Wohnung lebe ich zurzeit.“

Wow, was für eine Story. Meine Knie waren weich wie Butter in der Sommersonne.

Er sah mich fragend an „Du bist so ruhig… ändert das alles etwas zwischen uns?“

Ich zögerte kurz und lächelte ihn an „Allerdings…“

Ein Hauch von Panik spiegelte sich in seinen Augen wieder „Aber i..“

„Halt, ich war nicht fertig. Lebst Du allein in dieser Wohnung?“

„Ja. Ich hab auch kaum Kontakt zu den Anderen im Haus.“

„Gut. Ich wünsche, dass Du zu mir kommst. Du warst lang genug allein.“

Mit einem Freudenschrei sprang er herum und drückte mich zurück in die Kissen.

„Wir sollten gleich los und ein paar Sachen einkaufen. Heute koche ich ein Festmahl für uns.“

Er nickte „das klingt richtig gut!“

„Aber Timmy…“

„Jaaaa?“

„Zieh dir bitte um Gotteswillen sofort Dein Shirt wieder an. So wie Du da über mir liegst… das sieht so verdammt sexy aus. Wir kommen sonst nicht vor Ladenschluss weg.“

„Oh, zu Befehl!“ Er lachte, sprang auf und versuchte zu salutieren. Mein Kissen knallte ihm an die Brust. „Auf, Soldat.“

Das war so herrlich. Nachdem wir vorhin zusammen weinten lachten wir nun endlich auch zusammen.

„Marcel, ich muss aber am Montag erst mit meinen Betreuern reden. Die wollen schon Bescheid wissen wenn ich die Wohnung für ne Weile verlasse.“

„Aber klar. Kein Problem. Und jetzt zieh Dir endlich was über!“ Es wurde wirklich Zeit. Meine Shorts spannten fürchterlich.

Ich sprang noch schnell unter die Dusche. Diesmal beeilte ich mich auch. Ich trocknete mich kurz ab und wickelte mir ein Handtuch um die Hüften. Ich ging zurück ins Schlafzimmer während ich mit einem anderen Handtuch meine Haare abrubbelte.

„Bleib so!“

*CLICK — SURR*

„Sehr sexy. Das ist ein tolles Bild. Marcel, weißt du das du verdammt fotogen bist?“ Er lachte.

„Na vielen Dank. Ich HASSE Fotos.“

„Du hast dazu gar keinen Grund. Schon mal in den Spiegel geschaut?“

„Öfter als du es dir vorstellen kannst.“

„Eitler Pfau!“

Ich tat entrüstet.

„Marcel?“

„Jaaaa?“

„Zieh dir bitte was an. So wie Du da rum stehst sieht das verdammt sexy aus. Wir kommen sonst vor Ladenschluss nicht weg.“

„Touché.“ Und wieder lachten wir beide.

Langsam aber sicher bekam ich einen Muskelkater im Zwerchfell. Zwanzig Minuten später (ich brauch halt etwas Zeit für die Frisur *grins*) waren wir dann tatsächlich aus dem Haus.

Auf dem Weg forderte er mich auf etwas über mich zu erzählen, da ich ja nun das Meiste über ihn wusste.

Ich erzählte ihm von meinem Outing bei meinen Eltern als ich 16 war, das es damals sehr gut verlief. Das ich nach dem Abitur von Hamburg hier herzog um eine Lehre als EDV-Kaufmann zu beginnen, später dann von der Firma übernommen worden bin. Ich erzählte ihm von der besonderen Beziehung zu Andreas (wobei er schmunzelte und meinte das wir mit Andy auch mal was unternehmen müssten, dem heimlichen Beziehungsstifter). Und letztendlich das ich seit Jahren auf jemanden wie ihn (Timmy) gewartet hatte.

– Sorry, aber mein Leben war wirklich nicht sehr spektakulär bisher.

Keine besonderen Höhen oder Tiefen. Ein stilles Leben in einer kalten und unwirtlichen Welt. –

Knappe 90 Minuten später waren wir wieder bei mir.

„Menno, das die Leuts immer die Einkäufe auf den Samstag legen müssen.“ Nein, ich bin generell kein Fan von Einkäufen. Aber wat mutt dat mutt.

„Ist doch egal.“ Timmy lenkte beschwichtigend ein „Dafür hab ich etwas über dich erfahren. Und die Hauptsache ist doch das wir zusammen waren, oder?“

„Du hast eine unwiderstehlich süße Art selbst in lästigen Dingen noch etwas wirklich Positives zu sehen.“

„You cannot KISS! “

„Pardon? Das finde ich jetzt aber nicht nett von dir, lieber Tim.”

„Maaaaan, das heißt ‚Keep It Short and Simple’. Ich wollte damit nur sagen, dass du dich immer so kompliziert ausdrückst. ‚Du hast recht’ hätte völlig gereicht.“

Ich versuchte ihn böse anzuschauen „Hey, der Klugscheißer hier bin ich! Damit das jetzt klar ist!“

Er revanchierte sich mit einem leidenschaftlichen Kuss. „Timmymaus, Du schaffst mich.“

„Das nehme ich als Kompliment.“

„Zu was anderem bin ich dir gegenüber gar nicht fähig.“

Timmys Augen wurden feucht „Du das Beste bist was mir bisher in meinem Leben passiert ist. Ich hab dich gar nicht verdient.“

„Du verdienst nur das Beste, du kleiner Engel.“ Ich leckte zärtlich eine Träne von seiner Wange, nahm ihn in den Arm und küsste ihn. Während wir so standen hörte ich den Refrain eines Songs den ich schon immer gern hörte:

So wander down the ancient hallway

Taking the stairs only one at a time

Follow the sound of my heartbeat now

I’m in the room at the top, you’re at the end of the line

Open the door and lay down on the bed

The sun is just a ball of desire

(Meat Loaf, ‘Out of the frying pan’)

„Timmy, ich glaube ich bin mir jetzt. Ich liebe Dich. Von ganzem Herzen und mit allem was dazu gehört.“

„Ich liebe Dich auch.“

„Und jetzt lass mich kochen.“ Ich legte mein frechstes Grinsen auf und kassierte einen Knuff auf die Rippen.

„Andy und du würden gut zusammenpassen. Ihr seid beide gleich brutal!“ Mit kunstvoll verzerrtem Gesicht rieb ich über die „so wahnsinnig stark schmerzenden“ Rippen. Timmy riss mir den Pulli hoch und drückte mir einen Kuss auf die geschundene Stelle.

„Bist ein ganz schönes Weichei.“ meinte er dann. „Außerdem will ich den Andy gar nicht, obwohl der ja echt auch sehr lecker ausschaut.“

Ich schüttelte den Kopf und beschränkte mich dann auf nen kurzen Ausruf „MÄNNER!“

Dann drehte ich mich und verteilte die Einkäufe in der Küche.

So nach und nach nahm das Essen Formen an. Das Gemüse duftete, die Lendchen brutzelten und die Rahmsoße blubberte langsam vor sich hin.

Timmy hatte sich ins Wohnzimmer verzogen und beobachtete mich durch die Tür. Immer wenn ich mich umdrehte warf er mir aufreizende Blicke zu.

Mit einem schnippischen „Pöh!“ drehte ich mich jedes Mal wieder um.

Dann flötete er mit zuckersüßer Stimme „Sei mir doch bitte nicht mehr böse.“

Ich drehte mich um und wollte gerade das passende sagen, doch ich bekam den Mund nicht mehr auf, oder bekam ich ihn nicht mehr zu?

Meine Augen weiteten sich bei dem Anblick den ich da geboten kam.

Sein T-Shirt ließ er spielerisch durch die Finger gleiten und er räkelte sich verführerisch auf der Couch. Und die Beule in seinen Jeans war auch nicht ohne.

Mit seiner freien Hand glitt er über seinen niedlichen Waschbrettbauch, bewegte spielerisch sein Sixpack. Dann kreisten seine Finger um seine Nippel, welche zusehends härter wurden. „Ich will auch wieder ganz lieb sein.“

Ich keuchte. Schweiß rann mir von der Stirn. Das war beinahe mehr als ich vertagen konnte.

„Das Essen, ich muss das erst fertig machen…“

Es war ein kläglicher Versuch meine Lust aus der Stimme herauszuhalten. Es gelang mir nicht. Wie sollte es auch? Ich wollte diesen Jungen. Jetzt… Nein, es ging nicht. Ich wollte mir für unser erstes Mal Zeit lassen. Jetzt wäre das nur eine kurze Hauruck-Nummer geworden, so geladen wie ich war.

„Gefall ich Dir etwa nicht?“

Ich riskierte einen kurzen Blick. Mittlerweile trug er nur noch seine Shorts. Die Ausbuchtung war nicht zu übersehen.

„Bitte…“ ich stammelte. Jetzt war es zuviel. Ich drehte den Herd ab. Essen konnten wir später.

Langsam schritt ich auf ihn zu. Er zog den Bund seiner Shorts ein Stück weiter runter. Mein Gott, er war total rasiert. Ich nahm seine Hand, die er mir entgegenstreckte. Mein Hirn setzte aus, in meiner Hose pochte ein zweites Herz. Er zog mich auf die Couch, mit einer schnellen Bewegung war mein Pulli fort. Seine Lippen näherten sich meiner Brust und schon fühlte ich seine Zunge an meinen Nippeln. Sie waren bereits hart und fest.

„Timmy, du raubst mir den Verstand“ ich keuchte, das sprechen fiel mir schwer.

„Nein, ich borg ihn mir nur kurz aus“ hörte ich ihn von unten sagen. Er öffnete die Knöpfe meiner Jeans und seine Hand glitt in meine Shorts. Da war er nun. Seine Hand schloss sich um meinen Schaft. Sie war so warm und zart. Unwillkürlich stöhnte ich auf. Ich schloss die Augen, lehnte mich zurück. Er ließ kurz los und seine Hand fühlte sich plötzlich so feucht an. Ich öffnete die Augen. Es war nicht seine Hand. Ich sah seinen Kopf in meinen Schoß vergraben, wie er langsam auf und ab wippte. Seine Zunge streichelte sanft aber bestimmt über die Spitze von meinem Schwanz. Mit leichtem Druck massierten seine Lippen den Schaft.

„Timmy, langsam, ich kann nicht…. Oooh“ es war bereits zu spät. Sämtliche Sicherungen fielen aus. Ich spürte meinen Körper beben, mir wurde schwarz vor Augen. Ein unglaubliches Kribbeln machte sich in meinen Lenden breit welches langsam hoch wanderte. Ich wandte mich unter der zärtlichen Umklammerung seiner Lippen bis der heiße Saft aus mir schoss.

Und er reagierte! Er nahm mich soweit wie möglich in sich auf, begann zu saugen. Jeder Tropfen rann seine Kehle hinab. Er gluckste wie ein zufriedenes Baby und sah zu mir auf, lächelnd.

„Ich hoffe es gefiel dir.“ Sagte er plötzlich ganz schüchtern.

Ich rang nach Luft „Unglaublich. Das war fantastisch. Du warst fantastisch!“

„Wow. Hätte ich selber nicht dran geglaubt. Aber du… du schmeckst fantastisch.“

„Das hat auch noch keiner gesagt?“

„Alles Ignoranten!“ er grinste „bitte hilf mir mal.“ Er schaute auf seine Shorts „der tut schon weh!“

Das brauchte er nicht zweimal sagen. Ich zog ihn vorsichtig hoch und küsste ihn. Meine Lippen wanderten tiefer. Übers Kinn, seinen Hals, seine Brust, ich knabberte vorsichtig an seinen Nippeln. Er schnurrte, seine Hand streichelte meinen Nacken. Ich roch seine Haut und nahm seinen tollen Duft in mir auf.

Meine Zunge wanderte weiter über seine Bauchmuskeln, die vor Erregung zitterten, seinen süßen Nabel. Mit einem Handgriff waren seine Shorts aus dem Weg und meine Zunge hatte freie Bahn zu seinen rasierten Bällen. Sie waren groß und kräftig, sein Schwanz wohl geformt und minimal nach oben gebogen. Er war recht gut bestückt, stellte ich zufrieden fest, leicht über dem normalen Durchschnitt.

Timmy verkrallte sich in der Couch und atmete zischend während meine Zunge ihn bearbeitete. Sein Stöhnen wurde zusehend lauter.

Jetzt wollte ich ihn schmecken. Meine Lippen glitten über sein hartes Teil. Der Geschmack seiner Spitze war unbeschreiblich. Die ersten Tropfen waren bereits da. Sein ganzer Körper zuckte, seine Hüften schmissen sich mir geradezu entgegen. Der warme harte Schaft glitt unter meinen Lippen auf und ab während meine Zunge flink über den zarten Kopf wirbelte.

Ich steckte ihm einen Finger in den Mund den er sofort saugte und lutschte. Ich nahm den nun feuchten Finger zurück und zog ihn durch seine glatte, haarlose Furche zwischen den wunderschönen knackigen Pobacken. Da war mein Ziel, sein enges warmes Loch. Bei der Berührung zuckte er kurz zusammen, lehnte sich dann aber wieder entspannt zurück. Der Finger war aber wieder trocken.

„Bleib so! Nicht bewegen!“

Ich sprang auf und rannte ins Schlafzimmer und griff dort nach der Tube mit Gleitgel im Regal. Gründlich schmierte ich meinen Finger ein und kehrte zurück.

Timmy sah mich erwartungsvoll an. Ich lächelte ihn an und vergrub meinen Kopf ebenfalls wieder in seinen Schoß. Sein Schwanz pochte, war wie Granit. Mein Finger fand wieder sein Ziel und diesmal ließ ich ihn langsam hineingleiten. Ein tiefer, kehliger laut von Tim ließ mich erstarren.

„Nein, weiter!“ presste er mühsam hervor. Langsam schob ich den Finger weiter vor, bis es nicht mehr ging. Langsam zog ich ihn zurück und wieder vor. Ich nahm einen zweiten Finger zur Hilfe.

Sein Atem wurde heftiger, sein Stöhnen immer lauter. Mit einem letzten aufbäumen und einem Schrei füllte sich mein Mund. Sein süßer Saft füllte mich aus. Es schmeckte teuflisch gut. Gierig saugte ich alles auf.

„… Uff. Timmy… Du schmeckst atemberaubend…“ das Reden fiel mir schwer.

Er rang auch noch nach Luft. „Das war das Beste was ich bisher erlebt hab… Äh, aber könntest Du vielleicht jetzt deine Finger wieder rausnehmen?“ Er grinste.

„Ja, klar, sofort!“ sein Wunsch war mir Befehl.

„Hat sich aber geil angefühlt. Vielleicht machst Du das mal mit deinem „anderen“ Finger.“ Er schaute verlegen und wurde leicht rot.

„Gerne, wenn du es willst. Ist aber kein Grund rot zu werden.“ wir hielten uns in den Armen.

„Kommst Du mit unter die Dusche?“ Er nickte. Ich besorgte uns zwei große Tücher und schon waren wir in der schmalen Nasszelle.

Der kalte Strahl ließ uns diesmal beide schreien. (Ich weiß… irgendwann lerne ich das auch noch)

Zärtlich seiften wir uns ein. Plötzlich griffen seine Hände um mich herum, legten sich auf meinen Hintern und er zog mich zu sich heran. Wir verschmolzen in einem langen Kuss unter dem warmen Wasserstrahl.

Nach einer wunderbaren, aber viel zu kurzen Ewigkeit verließen wir die Dusche wieder und trockneten uns gegenseitig ab.

„Ich muss unbedingt in meine Bude und noch ein paar frische Sachen holen. Ich kann ja nicht das ganze Wochenende das hier anbehalten.“ Timmy zeigte auf den Stapel mit seiner Wäsche auf dem Fußboden.

„Wer sagt denn was von anbehalten?“ grinste ich.

„Also wirklich! Am Montag würde ich schon gern was frisches Anziehen.“

„Wie lange wirst Du denn brauchen?“ fragte ich, mit einer Spur von vernünftiger Resignation.

„Äh, ca. 20 Minuten hin, 20 packen und 20 zurück. Stunde.“

„Okay, ein Vorschlag: besorg dir deine Klamotten, und wenn Du wieder da bist gibt es dann auch was zu Essen.“

„Gut. Wenn ich nicht so nen Hunger hätte würde ich dich ja fragen ob du mitkommst. Aber…“ er legte seine Hand auf den nackten Bauch und rieb darüber. Mitleidig verzog er sein Gesicht.

Ich nickte „geht mir auch so. Es gefällt mir gar nicht das du für ne ganze Stunde weg bist. Aber so komm ich wenigstens zum kochen. Hoffentlich kann ich noch was retten.“

Er zwinkerte „jetzt tu nicht so als ob ich dich zu was gezwungen hätte. Du bist ganz freiwillig zu mir gekommen.“

Ich musste lachen „Ja, so freiwillig wie ne Motte in die Kerze fliegt. Gegen dich sind die Sirenen ein müder Partygag der Antike.“

Er wurde rot „Du übertreibst…“ Ich gab ihm einen Klaps auf den nackten Po „mach das du fort kommst. Sonst dauert es viel zu lang bis du wieder hier bist!“

Er guckte beleidigt „ist ja schon gut!“ Dann zog er sich an. Falls man es so nennen kann. Die Shorts ließ er links liegen und zog direkt die Jeans an.

„Das ist Sünde!“ rief ich.

„Nimm mir die Beichte ab!“ wir lachten, und das Pochen im Unterleib kehrte zurück.

„Oh Timmy, wenn du so weitermachst, dann gehe ich ab morgen auf dem Zahnfleisch.“

„Wiesooooo?“ er guckte scheinheilig.

„Weil ich dich permanent und immer und jede Sekunde will…“

Er wurde leicht rot „dito“. Sprachs und zog sein Shirt über. „Da wirst du dich trotzdem etwas gedulden müssen.“

Ich nickte. „Leider ja.“

„Ich beeil mich, okay?“

„Ja… du fehlst mir jetzt schon.“ Er küsste mich. „Du mir auch.“

Dann war er auch schon zur Tür hinaus.

Ich griff zum Telefon und wählte.

„Gansbach. “

„Hi Andy!“

„Hey Marcel! Was iss los? Du klingst ja so fröhlich!“ ein dreckiges Kichern von seiner Seite.

„Du glaubst es nicht, aber ich hab doch tatsächlich gestern noch Besuch bekommen!“

„Was du nicht sagst. Meiner Meinung nach recht ansehnlichen Besuch, hihi.“

„Als ob ne Hete wie du das beurteilen könnte.“

„Jetzt tust Du mir unrecht. Ihr Schwuppen sagt doch auch das ihr ne hübsche Frau erkennt wenn ihr eine seht!“

„Ist ja auch… okay, 1:0 für dich. Ich vergaß das normale Heteros nur selten zugeben das ein anderer Typ gut aussieht.“

„Normale Heteros schlafen ja auch nicht mit Leuten wie dir!“ Schluck, das saß.

„Du bist ganz schön gemein.“

„Wer’s verdient!“ Sprechpause, er war im Begriff sich tot zu lachen.

Glucksend meldete er sich zurück „Aber mal Spaß beiseite: wie war es?“

„Bingo!“

„Häh?“

„Na, Timmy, so heißt er. Volltreffer. Es hat mich aus den Schuhen gehauen. Ne Wucht. Mein Traum. Ich bin total verschossen.“

„Echt? Ich hab’s mir so für dich gewünscht. Für nen Typen sieht der echt schnuckelig aus. Du hast Geschmack … Er aber auch.“

Ich wurde rot „Danke… solche Worte bin ich ja überhaupt nicht von Dir gewohnt?!“

„Wer’s verdient! Und außerdem lügst du. Ich sag es Dir ständig.“

„Seufz.“

„Äh, ich bin jetzt so am gratulieren, dabei weiß ich ja gar nicht, also: hoffe es beruht auf Gegenseitigkeit?“

„Das tut es. Dem Herrn im Himmel sei Dank, er fühlt genauso.“

„Männer, atmet auf! Der „Wilderer“ ist angeleint!“

„Arsch.“

„Danke, immer wieder gerne. Du, ich muss noch weg. Meinst Du wir können heute noch was unternehmen? Wir drei?“

„Drei? Cori noch fort?“

„Jupp. Bis Dienstag, ächz. Das wird verdammt lang.“

„Oh je. Und so was bei nem Hormonbomber wie dir…“

„Iwo. Hab ja noch meine fünf Freunde.“

„Okay, ich denke das geht klar.“

„Oki, ich meld mich später. Ciao!“

„Ciao Andy, und … Danke für alles. “

„Stets zu Diensten! Ich verneige mich!“

* CLICK *

Weg war er.

Auf dem Weg in die Küche kam ich am Spiegel vorbei und kicherte. Nackt kochen kommt nicht gut, dachte ich und zog mich dann erst mal an. Hatte ich total vergessen.

Ich stellte meinen halbtrockenen Weißwein kalt und ging ans Werk. Offensichtlich hatte die kurze Unterbrechung dem Essen nicht geschadet. Dann ging es ans Tischdecken. Ich kramte mein gutes Festtagsgeschirr aus dem Schrank, stellte ein paar Kerzen auf und legte romantische Musik in den CD-Player.

Exakt eine Stunde nach Timmys Aufbruch war das Essen fertig. Ich stellte mich ans Fenster und wartete.

Und tatsächlich, er bog gerade um die Ecke. Ich ging zur Tür und drückte den Summer. Die Haustür klapperte und jemand kam eiligen Schrittes nach oben gestürmt.

Ich öffnete die Tür und Timmy flog mir um den Hals. „Du hast mir gefehlt!“

„Du mir auch.“ Kuss. „Das Essen ist fertig.“

„Okay. Warte noch nen kleinen Moment.“ Timmy ging zur Haustür und hob etwas vom Boden auf. In einer Hand hatte er seine Reisetasche und die andere hielt er auf dem Rücken versteckt.

„Für dich!“ Er hielt mir einen wundervollen Blumenstrauß entgegen.

„Danke schön. Dann such ich gleich eine Vase. Der Strauß passt wunderbar auf den Esstisch.“

Er schaute ins Wohnzimmer „Den hast Du schön gedeckt.“

„Für dich nur das Beste, hab ich ja vorhin schon gesagt.“

Ich ging in die Küche und suchte eine passende Vase. Die war schnell gefunden, etwas Wasser rein und schon stand sie auf dem Tisch. Ja, der Strauß sah deutlich besser aus, als dieses, leicht angestaubte, Plastikblumengesteck.

„Setz dich schon mal. Ich bringe das Essen.“

Er ging zum Tisch. Ich drapierte ein paar Kroketten auf unsere Teller, gab noch Gemüse, Fleisch und Soße dazu. Sah ganz passabel aus.

„Marcel, das duftet ganz toll!“

Ich rief zurück „hoffentlich schmeckt es auch!“

„Hab ich keine Zweifel.“

„Danke fürs Vertrauen. Aber würdest Du im Restaurant vor dem Essen bezahlen?“

„Kommt ganz auf das Restaurant an. Die, die ich mir erlauben kann machen das so, “

„Bäh, schändlicher Fastfood Jünger.“

„Dann zeig mir die Welt ohne Fastfood.“

Ich trat ins Wohnzimmer „Vorsicht mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.“

Er lächelte „das hoffe ich doch. Zumindest die Wünsche die dich betreffen.“

Ich stellte die Teller ab und küsste ihn auf die Stirn „die werde ich gerne erfüllen.“

Kurz darauf saßen wir nebeneinander und aßen.

„Wow, das war echt lecker.“

„Die Küche dankt.“

„Ich danke der Küche. Ich bezahl dann auch gleich.“

Ich hatte nicht mal die Gelegenheit ihn schief anzusehen, als ich seine Hand in meinem Nacken, und seine Zunge in meinem Mund fühlte. Mit geschlossenen Augen war ich einfach nur glücklich.

„Darauf kann ich nicht rausgeben.“ stöhnte ich, als der Kuss endete.

„Der Rest ist Trinkgeld.“

Das konnte ja noch heiter werden. Was Sprüche anging stand er mir in nichts nach.

„Wir gehen heute noch weg. Andy würde sich gern heut mit uns treffen. Oder passt dir das nicht?“

„Warum nicht? Ich muss dem auch noch Danke sagen. Ohne ihn wäre ich hier ja nie aufgetaucht… Und hätte mir bis ans Ende meines Lebens Vorwürfe gemacht.“

„Völlig zu Recht, wie ich finde.“

Er nickte zustimmend.

„Dann ist ja alles klar!“ sagte ich und küsste ihn.

Ende?

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