Markus – Teil 6

MARKUS

„Jungs, Abendessen“, schallte die Stimme meiner Mutter durch das Haus.

„Verdammt!“

Torben ließ mich los, schubste mich sanft von sich runter und schimpfte die ganze Zeit wie ein Rohrspatz. Ich stand ebenfalls auf und sah ihn grinsend an.

„Was?“

„Nichts“, konnte ich mit Mühe und Not zwischen den Zähnen hervorquetschen.

Torben hatte es wirklich drauf, mich zum Lachen zu bringen. Er sah mich verständnislos an, zog mich auf einmal an sich und gab mir einen Kuss auf die Wange.

„Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.“

Er ließ mich wieder los und lachte nun über mein wohl saudummes Gesicht. Man, der Typ machte mich fertig!

Wir gingen in die Küche und setzen uns an den reichlich gedeckten Tisch. Meine Eltern saßen schon.

„Man, wer soll denn das alles essen?“, fragte ich mit Blick auf allerlei Köstlichkeiten.

„Du, wer sonst? Musst mal ein bisschen mehr Fleisch auf die Rippen kriegen!“, kam es von Torben.

Von wem auch sonst?! Ich wurde wieder mal rot, denn ich hatte diese Anspielung von Torben schon verstanden, schließlich hatte er meinen nackten Oberkörper neulich ausführlich studiert.

„Da hat er Recht, du bist wirklich etwas dünn“, sagte meine Mutter und häufte verschiedene Sachen auf meinen Teller.

Torben sah mich an und zwinkerte mir grinsend zu, ich grinste zurück.

Wir ließen uns immer viel Zeit beim gemeinsamen Abendessen, da bei selbigem immer die Erlebnisse des Tages berichtet wurden. Paps und Ma erzählten, was auf der Arbeit los war, Torben von seinem ersten Schultag nach der langen Auszeit und ich hielt mich raus und versuchte meinen Berg von Essen herunterzustopfen. Eine gute Stunde später gingen wir kugelrund wieder in unser (ich nannte es mittlerweile so) Zimmer.

„Man, bin ich voll!“, kam es von Torben als der die Tür hinter uns schloss.

„Du hast ja auch drei Mal nachgenommen!“

„Musste ja alles aufessen, was du wieder mal nicht geschafft hast.“

Ich streckte Torben die Zunge raus. Er lachte, schnappte mich und schob mich gegen die geschlossene Zimmertür. Sofort setzte wieder dieses Kribbeln ein, als Torben mich kurz darauf stürmisch auf den Mund küsste.

„Man, gehst du aber ran“, jappste ich in einer kurzen Kusspause.

„Ich muss ja aufpassen, dass nicht wieder wer dazwischen brüllt. Also lieber ein bisschen beeilen, hehe.“

Er küsste mich wieder, diesmal viel sanfter und zärtlicher. Ich schmolz nur so dahin.

„Markus?“

„Ja?“, stöhnte ich.

„Ähm, wenn du das nicht willst, dann sag mir das bitte, okay? Wir hatten ja eigentlich gesagt, dass das neulich eine einmalige Sache war…“

Bedröppelt sah Torben auf den Boden.

„Hm, ich hab nichts gegen eine Wiederholung der einmaligen Sache“, sagte ich und presste meinen Körper gegen Torbens, der erregt aufstöhnte.

„Jungs, macht ihr bitte mal die Tür auf. Ich bringe euch Torbens Bettzeug, damit ihr es nicht wieder vergesst.“

Torben ließ von mir ab und knallte stöhnend seinen Kopf an die Wand: „Ich bringe sie um!“

Ich kicherte und öffnete dann die Tür, um meiner Mutter das Bettzeug abzunehmen.

„Danke Ma!“

„Bitte. Kommt ihr noch mit zu uns ins Wohnzimmer? Wir wollen einen Film ansehen.“

„Nein, wir gehen gleich schlafen. War ein anstrengender Tag.“

„Na gut, dann wünsche ich euch ne gute Nacht.“

„Euch auch“, sagten Torben und ich im Chor.

Kaum war die Tür wieder geschlossen, schlossen sich Torbens muskulöse Arme von hinten um meinen Bauch und zogen mich an ihn.

„Wenn sie jetzt noch mal stört, frage ich sie, ob sie sadistisch veranlagt ist.“

Ich kicherte und lehnte mich gegen Torbens Brust. Er legte seinen Kopf auf meine Schulter und küsste meinen Hals und ich…. gähnte.

„Oh man, ich scheine dich ja echt voll scharf zu machen!“, flüsterte Torben mir gespielt beleidigt ins Ohr.

„Tut mir leid, Großer, aber ich bin echt müde. Kommt sicher vom Schwimmen.“

„Erinnere mich bloß nicht daran. Komm wir machen uns bettfertig, dann können wir noch etwas kuscheln.“

Gesagt, getan. Torben und ich verschwanden abwechselnd ins Bad und schlüpften eine viertel Stunde später zusammen unter meine Bettdecke. Das von meiner Ma gebrachte Bettzeug benötigten wir nicht.

Ich kuschelte mich in Torbens Arme und schon bald darauf schliefen wir beide ein.

TORBEN

Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen machten Markus und ich uns wieder zusammen auf zur Schule. Meine gute Laune schlug am Schultor schlagartig um, als ich Kai auf uns zukommen sah.

„Guten Morgen, ihr zwei.“

„Morgen“, sagte Markus etwas verschüchtert, ich schwieg.

Allerdings nur so lange, bis Markus mich mit durchdringendem Blick fixierte. Also ließ auch ich mich zu einem gegrummelten ´Morgen´ herab.

Danach gingen wir in die Klasse, begrüßten die anderen und ließen die ersten Schulstunden über uns ergehen. In der zweiten großen Pause standen Markus und ich mit unserer Clique und leider auch Kai auf dem Schulhof, als Niklas, ein Mitglied aus meinem Schwimmclub, auf uns zu kam und uns zu seiner Party am Freitagabend einlud.

Er hatte sturmfreie Bude und wollte das mal wieder ausnutzen. Seine Partys waren ziemlich legendär. Meistens hatte man nach einem solchen Ereignis noch nach Wochen etwas zu erzählen.

„Also wie sieht es aus? Seid ihr dabei?“, fragte Niklas in die Runde und bekam ein einstimmiges `Klar!´ zurück.

„Puh, das wird ein anstrengendes Wochenende“, stöhnte Sandra neben mir.

„Wollen wir alle zusammen hingehen?“

„Jepp“, meldete sich nun Martin zu Wort, „wir treffen uns um 20 Uhr bei dir. Du wohnst am nächsten an Niklas dran.“

Somit war das Wochenende ausgefüllt, denn nach diesen Parties brauchte man immer zwei Tage, um sich zu erholen.

Als es zur nächsten Stunde klingelte, begaben wir uns wieder ins Gebäude und ließen auch den Rest des Unterrichts über uns ergehen.

Am Nachmittag machte sich Markus wieder auf zu Kai. Schließlich mussten sie noch mit Mathe vorankommen. Meiner Meinung nach wollte Kai mit allem Möglichen vorankommen, nur nicht mit Mathe. Es sei denn er wollte Kais Muttermale auf seinem Oberkörper addieren. Es passte mir nicht, dass Markus schon wieder zu Kai ging, aber was sollte ich machen?

Ich beschloss nichts weiter dazu zu sagen, da ich keinen Stress mit meinem besten Freund haben wollte. Außerdem hatte ich ja kein Recht, ihm zu sagen was er zu tun und zu lassen hatte. Also beschäftigte ich mich anderweitig, bis Markus wieder zur Tür hereinkam.

„Na, wie war es?“

„Gut, wir haben einiges geschafft.“

„Soso!“

Markus streckte mir die Zunge raus.

„Es lief nichts. Na ja, außer ein bisschen küssen. Mehr wollte ich noch nicht.“

„Also seid ihr jetzt zusammen?“, fragte ich resigniert.

„Ich weiß nicht, denke schon“, Markus strahlte über das ganze Gesicht und ich seufzte vernehmbar auf.

„Bist du mir jetzt böse, Torben?“

„Ach, wie könnte ich dir böse sein. Es ist nur, ich habe irgendwie ein dummes Gefühl bei dem. Aber wenn ihr es langsam angehen lasst, ist es ja okay.“

„So langsam wie du gestern Abend ja?“, grinste Markus mich an.

„Hey! Ich kenn dich schon ewig, ICH darf dich stürmisch küssen und gegen Wände drücken!“

„Verstehe.“

Markus zwinkerte mir schelmisch zu.

„Du, Markus, wir kuscheln doch trotzdem noch zusammen, oder? Und ich würde auch nur ungern das Bett wechseln solange ich hier bei dir bin.“

Geknickt blickte ich zu Boden.

Im nächsten Moment nahm mein bester Freund mich in den Arm und streichelte mir sanft über den Rücken. Ich schlang meine Arme um seinen Hals und genoss seine Zärtlichkeiten. Ich schätze, ich genoss sie sogar schon zu sehr.

Irgendwie fühlte ich mich richtig schlecht bei dem Gedanken, dass all das jetzt auch Kai haben würde. Wenn ich daran dachte, dass Kai meinen Markus wahrscheinlich lieber gestern als heute ficken würde, wurde mir richtig schlecht.

„Du brauchst keine Angst haben, Torben. Du wirst immer mein bester Freund bleiben und natürlich darfst du weiter in UNSEREM Bett schlafen und auch mit mir kuscheln. Ich wäre sogar beleidigt, wenn ich jetzt darauf verzichten müsste… Sag mal, weinst du?“

„Ich hab nur was im Auge!“, schniefte ich und wischte mir die Tränen von den Wangen.

Markus nahm mich einfach nur in den Arm und tröstete mich: „Uns kann nichts und niemand trennen Torben. Das würde ich nie zulassen.“

MARKUS

Ich war gestern Abend schon ziemlich erschrocken darüber, dass Torben angefangen hatte zu weinen und musste noch lange, nachdem er schon friedlich an mich gekuschelt eingeschlafen war, darüber nachdenken.

Andererseits machte es mich aber irgendwie auch glücklich, weil es mir zeigte, wie lieb er mich hatte und dass er mich brauchte, genau wie ich ihn brauchte. Ein Leben ohne Torben konnte ich mir echt nicht vorstellen. Ich mochte gar nicht daran denken, dass es vor einiger Zeit beinahe so gekommen wäre.

Ich verscheuchte diese düsteren Erinnerungen ganz schnell aus meinem Gedächtnis, als ich bei Kellers ankam. Ich klingelte und kurz darauf öffnete Anke mir die Tür. Sie seufzte, als sie mich sah und machte die Tür weiter auf, um mich durch zu lassen.

„Dir scheint echt nicht zu helfen zu sein.“

„Was meinst…“

„Hallo Markus“, unterbrach mich Kais Stimme. Er kam gerade aus dem Wohnzimmer, nahm mich an der Hand und zog mich eilig von seiner Schwester weg in Richtung seines Zimmers.

„Du hast es aber eilig.“

„Ja, die nervt mich schon den ganzen Tag und außerdem bin ich lieber mit dir alleine“, säuselte er und gab mir einen langen Kuss auf den Mund.

Als er mir das Shirt aus der Hose zog und kurze Zeit später seine Hände einen Weg in meine Jeans suchten hielt ich sie fest.

„Bitte Kai, ich hab dir doch schon gesagt, dass mir das ein bisschen zu schnell geht. Lass uns langsam machen, okay?“

Kai seufzte auf: „Okay. Tut mir Leid, ich will dich zu nichts drängen. Es ist nur, du machst mich einfach so tierisch scharf. Hm, wollen wir schwimmen gehen?“

„Nein. Wir sollten ein bisschen Mathe machen, deswegen bin ich schließlich hergekommen.“

„Was denn? Nur wegen Mathe? Na toll!“

Er schaute total dämlich aus der Wäsche, ich grinste ihn an und gab ihm noch einen Kuss.

„Nein nicht nur, aber auch wegen Mathe“, flüsterte ich. „Kommst du eigentlich am Freitag auch zu Sandra? Von ihr aus ist es nicht mehr weit zu Niklas.“

„Ich weiß nicht, Torben ist doch dann auch schon da und ich glaub der würde mir immer am liebsten eine reinhauen, wenn er mich sieht“, gab Kai zweifelnd von sich.

„Ach komm, jetzt übertreibst du aber. Außerdem bin ich doch auch da. Ich pass schon auf dich auf“, kicherte ich.

„Also gut, dann bin ich um 20 Uhr da.“

Ich strahlte Kai an, der irgendwie etwas genervt aussah. Dann setzte ich mich an seinen Schreibtisch und holte die Mathesachen hervor. Mein Freund ließ sich mit einem lauten Stöhnen auf den Stuhl neben mir fallen und ergab sich in sein Schicksal.

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