Letter

alte briefe….
durch zufall sind mir briefe in die hände gefallen
alte von früher
war sofort wieder in der vergangemheit
namen kamen ins gedächnis zurück
gesichter erschienen mir wieder
war eine schöne zeit
mit vielen gesprächen
tollen erfahrungen
tollen freunden
was die jetzt wohl alle machen
aus dem auge aus dem sinn
fast….
die wahren freunde von früher
sind auch noch die freunde von heute
sie sind es geblieben
weil wir die freundschaft
gehegt und gepflegt haben
und den kontakt
nie haben abbrechen lassen
alte brief erinnern
doch die zeit ist vorbei…….

©Peter2002

Der Brief

Der Umzug war geschafft, endlich waren alle Kartons in der neuen Wohnung. Der eigenen Wohnung wollte ich sagen, ja ich hatte es endlich geschafft bei meinen Eltern auszuziehen. Nun saß ich hier auf meinen Kartons und wusste nicht wo ich anfangen sollte.

Also lass ich erst mal was auf den Kartons stand um etwas Überblick zu bekommen. Ich sortierte sie nach den Zimmern. Zimmern ist gut. Zwei Zimmer Wohnung mit Küche und Bad. Aber es war mein Reich und dass war mir schon viel wert. Da fiel mir das Namensschild für meine Wohnungstür in die Hände.

Sweet Home – Nicolas Drehmel, dass musste ich jetzt doch gleich aufhängen, damit jeder gleich wusste wer da eingezogen war. So das war erledigt. So fing ich an ein Zimmer nach dem anderen einzuräumen, wollte ja am Abend fertig sein, falls irgendein Besuch kam. Aha – Aktuelle Sachen – stand auf dem Karton, ich öffnete ihn. Das waren die Sachen die ich am Schluss eingepackt hatte. Wecker, Papiere, die letzte Post, halt Post die hab ich ja noch nicht nachgeschaut.

Werbung, Werbung, ein Brief von Frank, holla ich hab Post von Frank. Ich riss den Umschlag auf und lass mir in Ruhe den Brief durch.

Hallo Nicolas,

heute haben wir Montag-Abend und ich sitze vor meiner Stereoanlage und denke nach. Eben gerade war ich mit Christoph und Jo (den wirst du noch kennen lernen) Eisessen. Beim Essen hab ich mich gelangweilt und so für 5 Euro Eis in mich hinein geschleckt.

Ich habe mir überlegt wie es wäre wenn du da wärst. Dabei musste ich feststellen, dass noch keine Freundschaft bei mir so fest und intensiv war, wie bei dir. Es ging alles so schnell für mich, alle anderen Bekannten finde ich jetzt so langweilig. Ich merke, dass ich bei ihnen nicht so offen sein kann, wie bei dir. Auch finde ich Offenheit und Vertrauen sehr wichtig und nur dir vertraue ich vollkommen. Übrigens dieser Brief ist kein Hohenlied auf dich, eher ein Ordnen meiner Gedanken und Verarbeiten von Eindrücken. Ich habe die Angst, dich zu stark an mich zu binden und so unsere Freundschaft zu zerstören. Auch wenn ich nicht bei dir sein kann, sind meine Gedanken bei dir und das macht dich glücklich.

Bei unserer Freundschaft fällt mir ein Gedicht ein:

Freunde muss man suchen
Nicht jeder ist ein Freund manche haben gar keinen Freund.

Ein Freund hat dich gern
Er tut alles für dich
Auch wenn es ihm schwer fällt

Er ist treu
Er macht sich net groß
Er denkt nicht an sich
Er denkt nur an dich

Manchmal gibt es Streit mit dem Freund
Aber gute Freunde
Vertragen sich immer wieder

Manchmal verlangt man viel von einem Freund
Der Freund wird es tun
Ein Freund wird sich einsetzen
Ohne ein freund zu sein ist schlimm

Ein treuer Freund
Ist wie ein starker Schutz
Wer ihn gefunden hat
Der ist reich

Danke Nicolas, das du mein Freund bist.

Frank

Oh Mann, was soll der Brief denn nun schon wieder? Er sagte er wolle keine engere Bindung, sagt wir sind nur Freunde, und dann geh ich ihm nimmer aus dem Kopf, er vermisst mich. Ich hab ihm ja geschrieben, das ich in ihn liebe.

Das er seiner Gefühle für mich nicht sicher ist, kann ich nach diesem Brief nicht verstehen, vor allem die Angst, das er mich zu arg an ihn bindet, wär mir ja mehr als recht, wenn er das tun würde. Total aufgelöst saß ich auf dem restlichen Stapel meiner Umzugskartons.

Was soll ich bloß machen, ich wäre nur zu gern sein richtiger Freund. Mir genügen die gemeinsamen Gespräche nicht mehr. Es ist zwar schön mit ihm zusammen zu sein, aber ich möchte mehr, ich möchte ihn ganz!

Ich sollte aufhören, ich höre mich egoistisch an. Es ist seine Entscheidung. Ich hab mir geschworen aufzuhören, um ihn zu kämpfen. Ich will ihm doch nicht immer hinter herrennen und zu nichts zwingen, was er nicht will.

Etwas aus der Fassung räumte ich nun auch noch die übrigen Kartons restlos aus, und brachte diese dann in meinen Kellerraum unten. Ich schob meine Dekosachen noch herum, bis ich endlich den richtigen Platz für sie fand.

Was jetzt noch fehlte, waren ein paar Bilder und Pflanzen. Als ich in die Küche kam, lag Franks Brief immer noch auf dem Tisch. Ich nahm in ihn in die Hand und lass ihn nochmals. Ich wurde einfach nicht schlau aus ihm.

Ich steckte ihn in den Umschlag und feuerte ihn in die Ecke. Ich entschloss mich endlich zu duschen, nach dieser Arbeit, war mein Geruchsfeld, sogar mir zu wider. Ich genoss die Warme Strahlen der Dusche und stand eine Weile da und lies das Wasser an mir herunterlaufen.

Der blöde Brief ging mir natürlich nicht aus dem Kopf. Ich wusch mich und war dann gerade am Abtrocknen, als der Türgong ging. Scheiße dachte ich, gerade jetzt. Halb tropfend lief ich zur Sprechanlage.

„Ja?“

„Hi Niki hier is Nadine.“

„Hallo Nadine, dass ist eine Überraschung, moment ich lass dich rein.“

„Okay.“

Ich drückte den Summer. Dann ging ich an die Tür und öffnete sei einen Spalt breit, und wartete bis Nadine raufkam. Sie kam die Treppe heraufgeschnauft und ich lies sei rein.

„Sorry ich war gerade unter der Dusche wie du siehst.“

Ich stand nur mit einem Handtuch um die Hüften gewickelt vor ihr.

„Ach Niclas, wenn du nicht schwul wärst würde ich sofort über dich herfallen. Warum müssen denn immer die süßesten Jungs schwul sein?“

„Ich habe dir schon oft genug gesagt, es gibt genug süße Jungs die hetero sind.“

„Ja hast du, aber ich glaube die verstecken sich vor mir.“

„Mir wird langsam kalt, ich zieh mir nur was geschwind drüber. Schau dich doch schon ein wenig um.“

„Ja mach ich, du kann ich Tee machen?“

„Ja gerne, musst dir es halt zusammen suchen, hab da in der Küche noch keine rechte Ordnung drin.“

„Geht in Ordnung, geht dich endlich anziehen.“

Ich lief wieder ins Bad trocknete mich notdürftig ab, und zog mir ne kurze Shorts und ein Tshirt drüber. Meine Haare ließ ich so, sie standen eh immer wir in alle Richtungen.

„Und alles gefunden?“ fragte ich Nadine, als ich die Küche betrat.

„Ja alles, auch den da,“ und wies mit dem Kopf Richtung Franks Brief der wieder auf dem Tisch lag, „ willst du darüber reden?“

„Was soll ich darüber reden, ich fehl ihm, aber als festen Freund will er mich nicht, is doch eh egal.“

„Nichts ist egal, ich seh doch Niki, wie du drunter leidest.“

„Ach Nadine ich weiß nicht was ich noch machen soll, mir ist die Lust vergangen zu kämpfen, er will nicht.“

„Dann musst du dich nach einem anderen umschauen, wie es auch jetzt klingen mag.“

„Da hab ich auch schon drüber nachgedacht, aber Frank geht mir nicht aus dem Kopf.“

„Wann warst du das letzte Mal aus, also ich meine so richtig in der Diskothek, net deine übliche Kneipentour.“

„Schon lange nicht mehr.“

„Und warum?“

„Du weißt ganz genau, das ich mit meinen dreiundzwanzig, schon zu den Opas gehöre.“

„Jetzt übertreibe doch nicht, siehst für dein Alter noch passabel aus, sagte Nadine frech grinsend.

Jetzt erst merkte ich, dass sie mich aufziehen wollte. Auch ich fing an zulachen und wir liefen mit unseren Tassen mit Tee ins Wohnzimmer.

„Weißt du was Niki, ich fahr dann schnell noch mal heim, zieh mich um und dann gehen wir gemeinsam inne Disse, ok?“

„Können wir machen, aber findest du nicht das so ein passabel aussehender Mann dir alle Chancen bei anderen Männern raubt, die denken doch ich bin mit dir zusammen.“

„Du das kann ganz schön hilfreich sein, so viele Notgeile da immer rumrennen,“ antwortete sie.

„Da hast du auch wieder recht. Also gehen wir gemeinsam auf Männerfang?“

„Ja gehen wir… du irgendwie fehlen hier noch Bilder und Pflanzen..“

„Was du nicht sagst, darauf wäre ich nie gekommen,“ sagte ich und fing zu lachen an.

Zwei Stunden später stand Nadine frisch gestylt vor der Tür.

„Wow, du bist ja fast nicht mehr zu erkennen,“ sagte ich und begrüßte sie mit einem Kuss auf die Wangen.

„Und bist du fertig?“

„Moment ich hol mir grad noch meine Jacke.“

„Kein Puder mehr nachlegen?“ fragte Nadine frech.

„Hab ich nicht nötig, das is alles Natur an mir.“

Nadine seufzte laut. Ich schloß meine Wohnungstür ab und sauste Nadine hinter her, die schon vorausgegangen war.

„Meinst du nicht, dein Hemd ist ein bisschen weit offen?“ fragte Nadine keck, als ich zu ihr ins Auto stieg.

„Wieso jeder kann sehen was ich zu bieten habe.“

„Hast du einen neuen Ring an?“

„Du meinst den hier?“ ich hob leicht mein Hemd auf und zeigte auf den Piercing an meiner Brust.

„Ja, ist das eine Schlange?“

„Ja, hab ich letzte Woche in nem kleine Laden inner Stadt gefunden.“

„Sieht cool aus,“ meinte Nadine und setzt ihren Wagen in Gang.

„Danke.“

„Man ist heut wieder voll hier,“ sagte Nadine die ich vor mir her schob.

„Dafür spielen sie wieder absolut geile Musik zu tanzen,“ gab ich zur Antwort.

„Holen wir uns was zum Trinken und suchen uns einen Platz.“

„Okay.“

Wir schoben uns langsam zur Theke durch als Nadine plötzlich stehen blieb.

„Was ist denn, geh doch weiter.“

„Guck mal wer da drüben tanzt,“ gab Nadine von sich.“

Ich schaute auf die Tanzfläche und entdeckte nach einer Weile Frank, der dort mit einer Blondine zu Gange war.

„Na und ich bin mit dir hier,“ sagte ich.

„Du willst nicht zu ihm?“

„Nein, hab kein Verlangen danach.“

„Gut. Was willst du trinken?“

„Ein Pils.“

„Gut setzt dich dort drüben hin, ich brings gleich mit.“

„Okay.“

Ich ließ meine Blicke durch den Raum wandern. Einige süße Jungs waren ja schon da, aber alle waren sie mit Mädels beschäftigt mit ein paar Ausnahmen. Nadine riss mich aus den Gedanken.

„Na, schon was Leckeres für mich oder dich gefunden?“

„Einige, ja.. vielleicht kommt ja noch was interessantes rein.“

In dem Augenblick sah ich, wie ein Junge den Laden betrat.

„Nici mach den Mund zu, is ja schon peinlich.“

„Sorry, hab ich nicht gemerkt.“

Ich trank von meinem Bier und Nadine grinste wieder wie ein Honigpferd.

„Jetzt kommt er auch noch in unsere Richtung,“ sagte Nadine.

„Glaub ich nicht, der hat bestimmt jemanden Bekanntes gesehen in unserer Richtung.“

„Das Gefühl hab ich nicht, so wie er dich oder mich fixiert.“

„Das bildest du dir nur ein, na ja dich vielleicht, mich doch nicht.“

Der Junge trat wirklich an unseren Tisch.

„Hallo, ich bin neu hier kann ich mich einwenig zu euch setzen.“

Nadine schaute mich grinsend an.

„Natürlich, setz dich, lernen immer gerne neue Leute kennen,“ sagte Nadine und rempelte mich unter dem Tisch an.

Endlich hörte ich auf zu starren und suchte nach passenden Worten.

„Ganz meiner Meinung, wie heißt du?“ fragte ich.

„Jost, und ihr?“

„Das ist Nicolas und ich bin Nadine.“

„Seid ihr ein Paar?“

„Nein wir sind beide noch zu haben,“ sagte ich ein wenig forsch, was mir einen Rempler in die Seite einbrachte.

„Ich hol mir mal schnell was zu trinken, ihr seid ja hoff ich noch ein wenig da?“

„Wir sind selber eben erst gekommen,“ meinte Nadine und wech war er.

„Starr den Jost doch net so an, ein wunder das er noch was anhat,“ sagte Nadine zu mir.

„Ach hör auf, so schlimm wird ich schon nicht sein,“ erwiderte ich.

„Noch schlimmer,“ grinste Nadine mir frech entgegen.

Jost kam mit einer Cola zurück und setzte sich wieder. Das neue Lied von Kate Ryan fing an zu spielen. Jost schaute mich an.

„Lust zum Tanzen Nici?“

„Gerne,“ sagte ich lächelnd.

„Wie macht ihr das?“ fragte Nadine, die unsere Blicke mitbekommen hatte.

„Was machen wir?“ fragte ich zurück.

„Wie wisst ihr das euer gegenüber auch….?“

„Das ich schwul bin,“ fragte Jost. Nadine nickte.

„Ach Nadine, mit der Zeit bekommst du einen Blick für ob jemand schwul ist oder nicht, und bei Nici wusste ich das sofort.“

Nadine schaute mich durchdringend an.

„Für mich sieht Nici ganz normal aus,“ erwiderte sie darauf.

„Komm lass uns tanzen gehen, du auch Nadine,“ sagte Jost und zog mich vom Hocker.

Seine Hand an meiner Seite versetzte mich in ein Wirrwarr meiner Gefühle. Auf der Tanzfläche angekommen, ließen wir uns von den heißen Rhythmus, und der Atmosphäre anstecken. Beim Tanzen vergaß ich alles um mich herum. Ich hörte nur noch die Musik und den Bass.

Jost drückte seinen Körper eng an mich. Er hatte sein Tshirt ausgezogen und in die Hose gesteckt. Sein Körper glänzte im Schein der Lichtanlage. Ich konnte meine Augen nicht abwenden von ihm. Die Musik tat ihr übriges. Angeheizt strich ich mit meiner Hand über seinen muskulösen Oberkörper. Seine Augen funkelten mich an und ich verlor mich in ihnen.

Jost legte einen Arm um mich, kraulte mich am Nacken. Unsere Gesichter näherten sich langsam und Jost gab mir einen Kuss.

„He ihr Schwulis, könnt ihr das nicht wo anders machen, dass ist ja ätzend,“ sagte eine Stimme hinter uns.

Schon spürte ich einen unangenehmen Druck auf den Rücken, der mich nach vorne warf. Irgendwer versuchte mich weg zu schucken. Aus dem Augenwinkel heraus sah ich, dass es Jost nicht anders ging.

Und ehe wir uns versahen befanden Jost und ich uns in einer Schlägerei. Fünf Typen gingen auf uns los. Nadine die mutig dazwischen gehen wollte, wurde einfach in die Ecke geworfen. Bald lag ich auf dem Boden und spürte nur noch Tritte, die meinen Körper trafen. Ich sah noch verschwommen wie das Licht anging, hörte Schreie und dann wurde es schwarz um mich.

Als ich die Augen versuchte zu öffnen, tat es höllisch weh. Alles brannte und kam mir so geschwollen vor. Ich versuchte mit meiner Hand ins Gesicht zu langen, aber irgendwer hielt meine hand fest.

„Nicolas, ganz ruhig, ich bin bei dir. Dad ist auch da.“ Die Stimme meiner Mutter.

„Wo ….., sogar das Sprechen viel mir schwer.

„Du bist im Krankenhaus,“ sagte mein Vater, „ ein paar Typen meinten sie mussten dich als Boxsack benutzen.

Auf einmal viel mir alles wieder ein. Die Disco.. Nadine Jost..

“Nadine… “

“Nadine geht es gut, sie hat nichts abbekommen,“ meinte meine Mutter.

„Und Jost….?“

„Wenn du den Jungen meinst der mit dir eingeliefert ist, um den steht es nicht so gut, ihm wurde anscheinend eine Flasche übergehauen. Er ist immer noch bewusstlos.“

Das hörte ich noch, dann viel ich wieder in einen tiefen Schlaf.

Ich lief auf einer Wiese. Die Sonnenstrahlen waren kräftig und wärmten meine Körper. Ich war nackt aber es störte mich nicht. So weit ich schauen konnte, ein Meer von Blumen und Gräsern. Vorsichtig ging ich Schritt für Schritt, um keine Blume zu zertreten. Am Rande wo ein paar Bäume standen, erspähte ich eine Person. Fröhlich lief ich auf sie zu. Auch sie war nackt, doch konnte ich immer noch nicht erkennen, wer es war. Also lief ich tanzen und unbezwungen weiter. – Frank – Ich schaute ihn an und er lächelte mich an. Er nahm mich in die Arme, aber ich spürte nicht das geringste von ihm. Fragend stand ich da und er zuckte nur mit der Schulter. – Nicolas – Nicolas – Nicolas.. irgendwo her, hörte ich meinen Namen rufen. Das Bild der Wiese wurde schwächer und Frank verschwamm mit den Farben, der Wiese…

„Da bist du ja endlich wieder mein Schatz,“ sagte meine Mutter, als ich die Augen öffnete, „du hast jetzt vier Tage lang durchgeschlafen. Wie fühlst du dich?“

Ich horchte in mich hinein, aber ich konnte nichts feststellen, dass mich behinderte.

„Gut,“ sagte ich.

„Das freut mich zu hören, Kleiner,“ die Stimme kam von meinem Paps.

Ich drehte meine Kopf und schaute ihn an. Plötzlich von einer Sekunde zu der anderen, fing ich an zu weinen, ich wusste selber nicht warum. Mein Paps nahm mich in den Arm. Es tat gut ihn zu spüren.

„Du Nicolas, Nadine und ein junger Mann stehen draußen, kann ich sie rein bitten, wir werden euch auch ein bisschen alleine lassen,“ meinte meine Mutter.

„Geht das denn?“ fragte ich verwundert.

„Du bist nicht mehr auf der Intensivstadion, sie dürfen dich besuchen, du sollst dich nur noch nicht soviel bewegen,“ gab meine Mum zur Antwort.

Ich nickte, jedenfalls versuchte ich es anzudeuten.

„Gut dann gehen dein Vater und ich einen Kaffee trinken, und lassen euch solange alleine, aber versprich mir nicht großartig bewegen.“

„Geht klar Mami.“

Sie strich mir sanft über die Wange und verließ mit meinem Dad das Zimmer. Herein kamen Nadine und .. Frank.

„Hallo ihr zwei,“ sagte ich leise.

„Hallo Nici, schau mal wen ich dir mitgebracht habe,“ sagte Nadine.

Frank sah aus als hätte er ein paar Nächte nicht mehr geschlafen.

„Sollten wir nicht die Plätze tauschen, du siehst nicht sehr gut aus Frank,“ sagte ich und versuchte es mit einem Lächeln, komisch wirken zu lassen, was mir aber nicht gelang.

„Du der Frank, hat dir sozusagen das Leben gerettet,“ meinte Nadine.

„Jetzt übertreibe nich Nadine,“ sagte Frank, der einen roten Kopf bekam.

„Doch, hättest du nicht dem einen Schläger in die Fresse gehauen, dann hätte Nici, den Stuhl voll auf den Kopf bekommen.“

„Das hast du gemacht?“ fragte ich.

„Ja, hab ich.“

„Danke Frank.“

„Nichts zu danken, war doch selbstverständlich.“

„Ist es nicht, ich weiß wie sehr du Gewalt verabscheust.“

„In dem Fall nicht.“

„Ich würde dich, ja jetzt gerne in den Arm nehmen, aber meine Mutter meinte ich solle mich nicht großartig bewegen, weis zwar nicht warum, aber ich halt mich dran. Was macht Jost?“

Betroffen schauten die beiden sich an.

„Was ist los, sagt doch einer von euch was.“

Nadine schaute auf den Boden und fing leise an zu sprechen.

„Er liegt immer noch in Koma, im künstlichen Koma. Seine Kopfverletzung war doch sehr schwer, aber sein Zustand wäre stabil, erzählte mir seine Mutter.“

„Noch nicht aufgewacht…,“ sagte ich.

„Nein, er hatte nicht soviel Glück wie du.“

Ich fing wieder an zu weinen.

„He Kleiner, er wird wieder auf die Beine kommen, da bin ich mir sicher,“ sagte Frank.

Ich versuchte mich ein wenig zu bewegen, weil es mir unbequem wurde, lies es aber sein als ich einen stechender Schmerz in der Brustgegend spürte, ich verzog mein Gesicht.“

„Du hast drei Rippen gebrochen, deswegen die Schmerzen,“ sagte Nadine und nahm meine Hand in die Ihre.

„Was noch?“ fragte ich.

Sehr viele Prellungen, Blutergüsse, na ja und dein Gesicht.. wenn es wieder abgeschwollen ist, siehst du wieder fast normal aus.“

„Wieso fast.“

„Ich denke mal die Narbe von deiner Kinnverletzung wird bleiben.“

„Oh Mann, was haben die mit mir angestellt?“

„Wären sie von den Rausschmeißern nicht aufgehalten worden, würdest du noch schlimmer aussehen.“

„Und was ist jetzt mit ihnen?“

„Sitzen, mit einer Klage auf versuchten Totschlags, hinter schwedischen Gardinen. Und du kannst sicher sein, da werden sie auch bleiben, so viele Zeugen, wie anwesend waren.“

„Ich kann mich an nichts mehr erinnern, nur noch, dass Jost mich zum Tanzen aufgefordert hat.“

„Kommt wieder.“

„Warum bist du überhaupt so gut informiert,“ fragte ich verwundert Nadine.

„Weil ich mit Frank, jeden Tag seit deiner Einlieferung hier war und deine Mutter hat mir alles erzählt.“

Frank schaute immer noch besorgt drein, hatte aber bisher, noch nichts weiter gesagt.

„Frank, dein Brief….;“ fing ich an.

„Ich weiß, ich hab dir wieder Hoffnungen gemacht…,“ antwortete Frank und schaute weg, „vielleicht wollte ich das auch.“

„Muss ich das jetzt verstehen?“ fragte ich.

„Wie soll ich sagen…, ich lieb dich Nici…, dass wurde mir so richtig bewusst, als du blutend am Boden lagst und ich dachte ich würde dich führ immer verlieren, ich hab festgestellt wie sehr ich dich brauche…“

„Du liebst mich, so richtig mit allem drum und dran?“ Ich war total aus dem Häuschen.

„Ja und ich möchte keine Sekunde mehr ohne dich sein…, wenn du mich überhaupt noch willst… da ist ja noch Jost.“

„Dummerle, ich hab mit Jost nur getanzt und vor allem ich kenne ihn ja nicht mal richtig, auch wenn wir uns geküsst haben, so genau weiß ich das nicht mehr, haben wir?“

„Ja habt ihr,“ meinte Frank.

„Ups, es war ja nur ein Kuss.“

„Hat jemand ein Tempo?“ fragte Nadine, die versuchte ihre Tränen bei sich zu behalten um nicht ihre ganze Schminke zu verschmieren.

„Ich bin so froh, dass ihr euch endlich gefunden habt.“

„Und ich erst,“ sagte ich und grinste über beide Wangen.

„Du Nici, aber trotzdem hab ich immer noch Bedenken wegen Jost,“ meinte Frank.

„Warum eigentlich?“

„Ich hatte vorgestern ein längeres Gespräch mit seiner Mutter.“

„Du hast was?“

„Es waren Schwestern in deinem Zimmer und ich durfte eine Weile nicht rein zu dir, da hat mich eine Frau angesprochen, ob ich dich kennen würde.“

„Ja und?“

„Ich bejahte die Frage, dass wir uns schon länger kennen. Dann erzählte sie, dass sie erst vor drei Monaten in unsere Stadt gezogen waren und Jost, das erstemal seit sie hier wohnten, am Abend fortging.“

Frank legte eine pause ein und atmete tief durch.

„Sie hat mir auch erzählt, dass, als Jost kurz erwachte deinen Namen rief.“

Ich schaute in Franks traurige Augen.

„Frank was hältst du davon, wenn wir uns beide um Jost kümmern, wenn er wieder fit ist?“

„Bist du dir sicher?“

„Ja bin ich, mit dir an meiner Seite, habe ich alle Kraft der Welt.“

„Und wenn du dich doch in ihn verliebst?“

Ich zog unter Schmerzen, Frank zu mir herunter.

„Hör mir mal bitte zu. Seit einem dreiviertel Jahr renne ich dir nun hinter her. Meinst du ich werfe das alles einfach über den Haufen? Frank ich liebe dich, frag Nadine, wie ich darunter gelitten habe, als du dich nicht für mich entscheiden wolltest.“

Nadine nickte ihm zu.

„Ich werde Jost meine Freundschaft anbieten, im Sinne als Freund und nicht Boyfriend, weil die Stelle hat sich jemand anders ergattert, okay?“

„Ja schon in Ordnung, entschuldige,“ meinte Frank.

„Hör auf dich zu entschuldigen, und gib mir endlich einen Kuss.“

Schüchtern drückte mir Frank ein Kuss auf meine Lippen, ich hob die Arme und drückte ihn an mich, was ich aber gleich bereute.

„Aua,“ entfleuchte es mir.

„Das geschieht dir jetzt recht, den Todkranken spielen und schon wieder Jungs abknutschen,“ meine Mum stand in der Tür.

Frank wurde rot und gesellte sich wieder zu Nadine.

„Und können wir endlich gratulieren, und den Miesepeter von Sohn endlich zu den Akten stellen?“ fragte mein Paps.

„Ihr wisst…?“

„Ja Nadine war so nett uns aufzuklären, warum unser Sohn das letzte halbe Jahr so unausstehlich drauf war,“ sagte meine Mum.

Ich schaute zu Nadine, die mich nur angrinste.

„Und was ist mit Jost?“ fragte mich Paps.

„Jetzt fängst du auch noch damit an, ich habe ihn doch nur geküsst.“

„Das habe ich bei deiner Mutter auch gesagt, und eine Woche später war ich auch weg vom Markt.“

„Und zehn Monate später warst du auf der Welt.“

„Hattet ihr es so eilig?“

„Nein nicht aufgepasst,“ kam es von meinem Paps.

„So genau wollte ich das nicht wissen, oh Mann was habe ich mir da für Eltern geangelt.“

„Die wohl verständnisvollsten und liebsten Eltern die du dir Wünschen kannst,“ kam es von Nadine, „denke nur an Yannick, wie es ihm ergangen ist.“

„Yannick, der mit dir die Schreinerlehre gemacht hat?“

„Genau der,“ beantwortete ich die Frage meine Mum.

„Was ist mit dem passiert?“

„Er wurde von seinem Vater im Bett mit einem Jungen erwischt,“ sagte Nadine.

„Und was ist da dabei?“ fragte mein Dad verwundert.

„Er ist Religionslehrer.. er hat ihn danach rausgeschmissen und gemeint er hat keine Sohn mehr.“

„Uhhh – das ist hart…“ kam es von meinem Vater.

„So viel Glück wie ich hat halt niemand, ich glaube ich sollte wieder zu meinen Eltern ziehen,“ meinte ich.

„Schade eigentlich, das man Kinder nicht zurückgeben kann,“ meinte mein Dad und meine Mum fing laut an zu lachen.

„Wie war das mit liebsten Eltern?“ fragte ich Nadine.

Jetzt stimmten alle ins Lachen ein auch ich.

Als sich alle verabschiedet hatten lag ich da in meinem Bett und meine Gedanken kreisten um Jost. Ich drückte den Schwersternknopf und es dauerte nicht lange und es kam jemand.

„Was ist mit unserem jungen Herrn,“ fragte die Schwester.

„Ich habe da eine Frage. Es wurde doch ein anderer Junge mit mir eingeliefert.“

„Du redest sicherlich von Jost, der nicht so viel Glück hatte?“

„Genau Jost, liegt der eigentlich auf der Intensivstation?“

„Nein nicht mehr, er hat sich soweit stabilisiert. Aber er bleibt unter Beobachtung.“

„Liegt er wie ich alleine im Zimmer?“

„Nein ein älterer Herr ist sein Bettnachbar.“

„Ähm.. ich weiß nicht wie ich es sagen soll. Ich weiß ich bin Privatpatienten und habe anrecht das ich hier alleine liege, besteht aber die Möglichkeit, den Jost hierher zu verlegen?“

„Bist du dir da sicher, ich weiß auch nicht ob das geht, muss erst mit dem leitenden Arzt reden.“

„Würden sie das bitte für mich machen, es wäre mir sehr wichtig.“

„Du weißt aber, das er noch ohne Bewusstsein ist.“

„Eben drum, ich wäre gern in seiner Nähe.“

„Junger Mann ich kann dir nichts versprechen, ich werde sehen was ich tun kann.“

„Danke.“

Das alles hatte mich doch jetzt ein wenig in Anspruch genommen, bald darauf schlief ich ein.

Früh morgens wurde ich geweckt. Zwei Schwestern waren in meinem Zimmer zu Gange und räumten ein wenig um.

„Morgen, was ist denn hier los?“ fragte ich noch nicht richtig wach.

„Doktor Sprengler hat ihre Idee gut geheißen, Jost zu ihnen ins Zimmer zu legen,“ kam es von der einen Schwester.

„So früh am Morgen?“

„Jetzt haben wir noch Zeit, später stehen ein paar Operationen an, und da wissen wir nicht wie wir rum kommen.“

„Darf ich auf stehen?“

„Dem steht nichts im Wege.“

Ich versuchte mich auf zurichten, bekam aber fürchterliche Schmerzen im Brustbereich.

„Nicht so,“ meinte die eine Schwester, „du belastest deine Rippen, dass ist nicht gut. Versuch dich auf die Seite zu rollen, ja genauso und nun stütz dich mit der Hand ab und drück dich hoch.“

Und schon saß ich auf meinem Bett. Ich hielt mich am Bettende fest und stand auf. Meine Beine fühlten sich ein weich an, aber es ich konnte mich fortbewegen.

„Und geht es?“

„Ja, ein wenig unsicher aber bis zur Toilette schaff ich es.“

Wenn mein Dad heute kam musste er mir helfen von diesem Leichenhemd loszukommen und vor allem unten rum was richtiges, ich fühlte mich mit eine mal so nackt. Auf der Toilette fühlte ich mich wie Gott als ich’s endlich laufen lassen konnte.

Draußen im Zimmer war ein rechter Tumult. Ich drückte die Spülung und wollte die Toilette verlassen, aber es stand jemand vor der Tür.

„Moment noch sie dürfen gleich heraus,“ hörte ich jemanden rufen.

So langsam wünschte ich mir mein Bett zurück, weil es mir irgendwie schwindlig wurde. Ich drückte noch mal die Klinke herunter, aber die Tür ging immer noch nicht richtig auf. Mir blieb nichts anderes übrig ich musste mich wieder auf die Schüssel setzen.

Plötzlich ging die Tür auf. Ein junger Mann stand vor mir.

„So jetzt können sie, oh, sie sehen aber nicht gut aus.“

„Nee, mir ist auch total schwindlig,“ sagte ich.

„Schwester Erika, helfen sie mir mal, dem Patient geht es nicht gut,“ sagte der junge Mann, ich vermutete er war ein Zivi.

„Aha, hat der Herr Drehmel, sich zu viel zugemutet,“ kam es von Schwester Erika.

Zusammen halfen sie mir aus der Toilette raus. Dann sah ich, dass Jost schon im Zimmer stand. Ich sah den dicken Verband an seinem Kopf. Mir kamen unweigerlich die Tränen, als ich ihn so liegen saß.

„Ihm geht es soweit gut Herr Drehmel, er schläft nur, er ist nicht mehr im Koma,“ meinte der junge Mann.

„Nicolas,“ sagte ich.

„Wie?“

„Ich heiße Nicolas, kannst ruhig du zu mir sagen.“

„Ach so, danke Nikolas, ich bin Benny.“

Benny und Schwester Erika halfen sich mir, mich wieder ins Bett zulegen, die Rippen schmerzten.

„Soll ich dir was gegen die Schmerzen bringen?“ fragte Benny besorgt.

„Nein danke, sie sind nur da, wenn ich mich so bewege, es geht mir gleich wieder besser.“

Benny nickte mir zu und verlies mit der Schwester das Zimmer.

Ich schaute zu Jost hinüber. Er schien tatsächlich zu schlafen, er atmete ganz ruhig. Da standen einige Geräte herum, an denen er angeschlossen war. Ich versuchte wieder aufzustehen und es gelang mir dies ohne Schmerzen hinzubekommen.

Langsam lief ich zu seinem Bett hinüber und lies mich bei ihm am Bett nieder. Ich erschrak ein wenig, als ich sein Gesicht genauer sehen konnte. Sein linkes Auge war noch geschwollen und seine Gesichtsfarbe war er blau und grün.

Mir kamen wieder die Tränen… mein Gott Jost, was haben sie nur mit dir gemacht.. Vorsichtig strich ich im über den Arm. Er regte sich und öffnete die Augen, zumindest das Rechte, mit dem Linken war das wohl nicht möglich.

„Hallo Jost..“ sagte ich leise.

„Nici,“ kam es fast nicht verständlich zurück.“

„Ja ich bin es, aber nichts sagen, dass strengt dich nur an, schlaf ruhig weiter, ich bin ja jetzt da.“

Er schloss die Augen und ich sah ein kleines Lächeln auf seinem Mund. Ich streichelte noch mal über den Arm und ging langsam zu meinem Bett zurück.

Kaum lag ich wieder in meinem Bett kam Benny wider herein. Er trug ein Tablett mit meinem Frühstück herein.

„Wo ist Schwester Isabelle, die das sonst immer bringt?“ fragte ich.

„Du musst jetzt mit mir vorlieb nehmen, ich war für Jost eingeteilt, und nun habe ich euch beide,“ sagte Benny.

„So war das nicht gemeint, sorry.“

„So habe ich es auch nicht verstanden,“ meinte Benny und stellte grinsend mein Tablett ab.

Am Mittag kam mein Dad vorbei.

„Du Dad könntest du mir helfen, was anderes an zuziehen, ich fühl mich net wohl in den Sachen.“

Er ging an den Schrank und zog ein Tshirt und Shorts heraus.

„Das hier?“ fragte er.

„Ja genau.“

Er kam zurück und half mir mich aufzurichten. Das Hemdchen war rasch vom Körper gestreift. Das Tshirt anzuziehen, war dann schon schwieriger, denn immer wenn ich die Arme hob, stach es mir in die Seite wo der Verband saß.

Meine Vater schaffte es dann doch es ohne größere Schmerzen anzuziehen. Jetzt war die Shorts dran. Ich wurde rot.

„Keine Sorge junger Mann, so was habe ich auch und bei anderen habe ich so was auch schon gesehen,“ meinte er.

Er streifte mir dieses Netzteil herunter und zog mir die Shorts an.

„Danke Dad, jetzt fühle ich mich schon wohler.“

Er schaute zu Jost hinüber.

„Ihn hat es ja ganz schön erwischt, da hattest du ja wirklich Glück. Warum steht er denn überhaupt in deinem Zimmer?“

„Weil ich darum gebeten habe.“

„Du hast darum gebeten? Warum?“

„Weil ich in seiner Nähe sein wollte. Er hat ja ständig nach mir gefragt, wenn er mal wach wurde.“

„Hast du keine Angst er könnte sich Hoffnungen machen, dass er vielleicht…?“

„Du meinst feste Freundschaft und so? Da werde ich mit ihm reden müssen. Ich bin jetzt mit Frank zusammen. Ich bitte ihm meine Freundschaft an, ihm zu helfen aber mehr nicht.“

„Das brauchst du dir keine Sorgen zu machen…,“ kam es vom Nachbarbett.

Mein Vater und ich schauten rüber, Jost war anscheinend wach geworden.

„Meine Mutter hat mir schon erzählt, das du mit Frank zusammen bist….,“ ich merkte das Sprechen fiel ihm schwer.

Mein Vater half mir auf, ich wackelte zu Josts Bett hinüber.

„Schlimm?“ fragte ich.

Jost versuchte den Kopf zu schütteln. Ich hob seine Kopf fest.

„Nicht, ich seh es an deine Augen was du sagen willst.“

„Ich werde dann mal gehen, meine Mittagspause ist bald rum,“ sagte mein Dad und verabschiedete sich von uns.

Ich nahm Josts hand und streichelte sie.

„Es tut mir leid, das es so ausgegangen ist, du bist wirklich süß, aber ich liebe Frank.“

„… macht nichts… „ kam es von Jost, „.. hätte mich auch gewundert, jemanden zu finden.“

„He du Schwarzmaler, es gibt so viele Jungs, die nur drauf warten, dich zu bekommen.“

Jost versuchte zu lächeln.

„Guck doch wie ich aussehe, wer … wer will mich denn.“

„Mensch Jost, das geht auch wieder weg, die Schwellungen. Auch die grünen und blauen Flecken.“

„Und ..und was ist mit meinem Bein?“

„Ähm was soll mit deinem Bein sein?“

„Ich kann es nicht bewegen.“

Erschrocken schaute ich ihn an. Ich stand langsam auf und schlug langsam seine Decke zurück.

„Welches, das da?“

Ich strich langsam über den Schenkel.

„Ja das, ich …. kann es nicht bewegen, aber es tut weh.“

Ich drückte den Schwesternknopf, und wenig später kam Schwester Isabelle herein.

„Ah Jost ist wach, hallo,“ sagte sie.

„Ihm tut das Bein weh aber er kann es nicht bewegen,“ sagte ich besorgt.

„Das ist leider normal, Jost war ein paar Mal ohne Bewusstsein, es kann sein, das noch nicht alle Körperglieder so gehorchen wie er möchte,“ antwortete sie.

„Es ist aber nicht gelähmt oder?“ fragte ich.

„Nein es ist alles im grünen Bereich bei Jost, er muss nur seine Prellungen und die Hirnerschütterung hinter sich bringen, dann geht alles wieder seinen gewohnten Weg.“

Ich hörte wie Jost tief ausatmete. Schwester Isabelle deckte Jost wieder zu.

„Kann ich noch irgendetwas für dich tun?“ fragte Schwester Isabelle Jost.

„.. ich hab Durst…“

„Moment ich bring dir gleich was.“

Sie verließ das Zimmer und kam mit Schwester Erika zurück. Langsam wurde sein Bett höher gestellt und Schwester Erika hob vorsichtig seinen verbunden Kopf an. Schwester Isabelle hob ihm eine Schnabeltasse an den Mund und Jost versuchte zu trinken.

Er begann zu Husten.

„Langsam trinken, ermahnte Schwester Erika.“

Ich musste mich setzten. Ich war wohl doch noch nicht fit genug, es war das zweite Mal, das mir heute schwindlig wurde.

„Was ist das für ein Zeug?“ hörte ich Jost fragen.

„Das Zeug nennt man Tee junger Mann,“ meinte Schwester Erika und ich sah wie Schw. Isabelle grinste.

„Das schmeckt ekelig.“

„Tja, Cola kann ich dir noch keins geben.“

„Wasser würde mir schon reichen.“

„Sein Kopfende wurde wieder heruntergefahren.“

„Kann ich nicht noch so ein bisschen bleiben?“ kam es von Jost.

„Ja, aber wenn deine Kopfschmerzen stärker werden, machen wir es wieder runter.“

„Okay.“

Es klopfte an der Tür. Eine Frau kam herein.

„Hallo Schatz, warum wurdest du in ein anderes Zimmer gelegt?“

„Hallo Mum,“ kam es von Jost.

Die Schwestern verließen das Zimmer.

„Auf meinen Wunsch, Frau… ,“ sagte ich.

„Ziegler, aber sag ruhig Evelyn zum mir, du bist sicher Nicolas.“

„Ja bin ich,“ und gab ihr meine Hand.

Dann legte ich mich entgültig in mein Bett zurück, bevor ich noch auf dem Boden landete.

„Und warum hast du Jost in dein Zimmer legen lassen?“

„Weil ich dachte, er soll nicht mit einem Fremden im Zimmer liegen, so hat er jemanden mit dem er reden kann. Und ich kann ihm helfen wenn er was braucht.“

„Das ist lieb von dir,“ meinte Evelyn.

Die Tür ging auf und Benny kam herein, mit dem Mittagessen.

„So die Herren es gibt was zu essen,“ meinte er und stellte mein Tablett ab.

„Und dich werde ich wohl füttern müssen,“ sagte er zu Jost und grinste dabei.

Der saß nur da und wusste nicht wie ihm geschieht.

„Jungs ich geh mal schnell in die Cafeteria und trink eine Kaffee, bis ihr fertig seid,“ meinte Evelyn und war schon verschwunden.

„So jetzt aber Mund auf, ein Löffelchen für Mami,“ sagte Benny.

„Nici hilf mir, was sitzt da auf mir?“ sagte Jost.

„Das ist nur Benny unser Zivi,“ meinte ich, während ich versuchte ohne Schmerzen mir ein paar Nudeln reinzuschieben.

„Sehen alle Zivis so süß aus?“ frage Jost.

Ich verschluckte mich am Essen und prustete alle hinaus. Schnell war die Sauerei, wieder weg gewischt.

„Du scheinst dich wirklich schnell zu erholen,“ meinte ich und wischte die Reste noch mit der Serviette weg.

„Wieso, Tatsachen darf man doch sagen.“

Benny saß mit hochroten Kopf vor Jost und hatte aufgehört ihn zu füttern. „Der Kleine ist rotgeworden, ist das nicht goldig?“

„Jost hör doch auf, es gibt Mensachen denen dass unangenehm ist.“

„Hast du das ernst gemeint?“ meldete sich Benny zu Wort.

„Was?“ fragte Jost.

„Das du… du mich süß findest.“

„Natürlich finde ich das!“

„Das hat noch niemand zu mir gesagt.“

Jost wollte gerade antworten, als die Tür aufging und Schwester Erika reinkam.

„Benjamin kannst du mal kommen, wir haben einen Notfall und jemand müsste im Schwesternzimmer bleiben.“

„Und wer füttert mich?“ fragte Jost.

„Also ich weiß junger Herr, das du zwei gesunde Arme und Hände hast und eigentlich selber essen könntest. Also komm Benjamin.“

Benny schaute Jost fassungslos an der zu Grinsen begann. Er stand auf und verlies mit Schwester Erika das Zimmer.

„Dir scheint es wirklich besser zu gehen,“ meinte ich.

„Stimmt, mir geht es heute viel besser, liegt wahrscheinlich an deiner Gesellschaft. Aber wärst du so freundlich und würdest du mein Bett runterfahren, mein Kopfweh wird wieder stärker.“

„Ähm Kleiner, das Ding das vor dir hängt…. damit kannst du es selber machen.“

„Mist du merkst auch alles.“

Wir fingen beide an zu lachen, was wir aber gleich vor Schmerzen bereuten.

Nachdem Benny das Essen abgeräumt hatte, und sich Evelyn wieder verabschiedet hatte, schliefen wir beide wieder ein. Nach dem Abendessen wurde unser Zimmer richtig voll. Meine und Jost Eltern kamen und Nadine und Frank waren ebenfalls da.

Wir hatten viel Spass miteinander, aber nach dem Jost doch schnell müde wurde, gingen sie alle. Frank verabschiedete sich sogar mit einem Kuss von mir. Irgendwie konnte ich dann doch nicht einschlafen.

Etwas später hörte ich wie dir Tür sich öffnete, ich machte mein Licht an. Vor mir stand Benny.

„Was willst du denn so spät hier,“ fragte ich.

„Mir geht, dass nicht mehr aus dem Kopf was Jost heute morgen zu mir gesagt hat.“

„Und deswegen bist du hier?“

„Ja ich bin seid her total nervös und wollte wissen ob er das ernst meint.“

„O Benny, was soll ich dazu sagen. Jost hat schon recht du siehst verdammt gut aus, und wie ich es beurteilen kann bist auch sehr lieb.“

Trotz des schwachen Lichtes meiner Lampe sah ich das Benny rot wurde.

„Und Jost hat keinen Freund?“

„Nein,“ kam es von Josts Bett und wir fuhren zusammen.

„Sorry, ich wollte dich net wecken,“ meinte Benny.

„Ist gut, ich bin wegen meiner wahnsinnigen Kopfschmerzen aufgewacht, ich hab nen Druck auf der Birne, ich glaub die platz bald.“

„Soll ich die Nachtschwester rufen?“

„Ja wäre net,“ meinte Jost.

Jost sauste hinaus, und gleich kam die Nachtschwester, nach kleinen Untersuchungen bekam Jost eine Spritze.

„Ja ist gut, ich bleib bei ihm sitzen, bis er eingeschlafen ist,“ meinte Benny zur Nachtschwester, die das Zimmer verlies.

„Und wirkt die Spritze schon?“ fragte Benny Jost.

„Ja, als würd jemand die Luft rauslassen…. auf deine Frage von vorhin zurück zukommen, nein ich habe keinen Freund und hatte noch keinen. Ich bin noch zu haben.“

„Für mich auch?“

Mein Kopf fuhr herum und ich schaute Benny erstaunt an.

„Hab ich richtig gehört?“ fragte ich

Jost schaute zu mir rüber und wirkte recht verlegen.

„Ja hast du, ich finde Jost sehr interessant und ich glaube ich hab mich in ihn verguckt.“

„Dacht ich mir es doch dass du schwul bist,“ meinte ich.

„Sieht man mir es so an?“

„Nein Benny keine Sorge. Aber so wie du mit uns umgehst, wie du dich liebevoll um Jost kümmerst, da kam mir der Gedanke.“

„Wäre toll, wenn ich mich auch nach dem Krankenhaus weiterhin um Jost kümmern könnte.“

„Jost, was meinst du dazu?“

Er antwortete nicht mehr, denn er war mit einem Lächeln auf den Lippen eingeschlafen.

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