Die Fälle des Bronetti – Teil 1 – Bronetti und das Leben

Genüsslich schlürfte ich an meinem Cappuccino, genoss das Meeresrauschen. Einen Samstagabend zu Hause ohne Störung ohne Arbeit. Das Handy klingelte und schon hatte mich die Realität wieder eingeholt.

»Commissario Bronetti.«

»Tut mir leid Chef, wenn ich sie noch störe, aber es hat wieder einen Mord gegeben!«,

Philippe mein Assistent. Immer korrekt, streng nach Vorschriften, das war seine Devise. In seinem Alter hatte ich noch andere Dinge im Kopf, aber er war eben ein Vollblutpolizist.

»Wieder ein Schwuler?«

»Ja, aber diesmal direkt in der Diskothek!«

Ich hob die Augenbraun, eine andere Vorgehensweise?

»Ich bin gleich bei euch!«

Frustriert drückte das Gespräch weg. Ich nahm meine Tasse und brachte sie in die Küche. Schnell hatte ich mich angezogen und saß wenig später im Auto. Die Nacht war recht warm, und ich ärgerte mich, dass die Klimaanlage in meinem Dienstwagen immer noch nicht repariert war.

So musste das offene Fenster genügen, auch wenn nur warmer Fahrtwind mein Gesicht streifte. Die Straßen waren überraschend leer, für Palermo jedenfalls. Sonst waren sehr viele Nachtschwärmer unterwegs, doch ein Fußballspiel, das live im Fernsehen übertragen wurde, hatte die Straße leergefegt.

So war ich auch schneller als sonst am Tatort. „Totafu“, eine einschlägige Diskothek, deren Gäste aber nicht ausschließlich aus Homosexuellen bestand, aber dennoch, wie ich fand, nicht immer leicht zu definieren war, was da tatsächlich Einzug hielt.

Ich steckte mir eine Zigarette an und beobachte aus dem Augenwinkel heraus den Eingang. Mir schien, als wollten die zahllosen Gäste nicht heraus, sondern eher noch mehr hinein. Ich nickte dem Carabinerie zu und er ließ mich ein, was ein lautstarkes Gegröle der Anstehenden verursachte, ich aber weiter nicht wichtig nahm.

»Guten Abend Chef, kommen sie, hinten im Backbereich liegt die Leiche!«

Philippe dirigierte mich zwischen Tischen und Stühlen vorbei.

»Natürlich keine Zeugen, oder?«

Philippe schüttelte den Kopf. Ich ließ meinen Blick durch den Laden schweifen. Die Musik lief leise, trotzdem befanden sich einige Jungs auf der Tanzfläche. Mein Blick blieb an einer Person hängen.

Ich traute meinen Augen nicht, wer dort saß. In den Armen eines anderen Kerls und sich das Gesicht abkauen ließ.

»Andrea?«

Erschrocken fuhr der Junge herum und starrte mich an.

»Du hier?«

»Dasselbe kann ich dich fragen! Weiß deine Mutter, dass du hier bist?«

»Sie hat mich sogar hergefahren, PAPA!«

Das hätte er jetzt nicht so betonen müssen, denn die Kollegen drehten sich zu uns, Andrea hatte ihr Interesse geweckt. Ich atmete tief durch und strich mir, mit der Hand, über meinen Stoppelschnitt. Andrea schaute mich immer noch ein wenig desorientiert an.

»Warum weiß ich davon nichts?«

»Ich bin nicht derjenige, der nie Zeit hat!«

Dies kam etwas mürrisch von ihm und ich hörte eindeutig den sarkastischen Unterton heraus.

»Wir sprechen später weiter!«

Philippe war die ganze Zeit neben mir verharrt. Er starrte zwischen mir und Andrea hin und her, der frech zu posieren anfing. Ich musste grinsen, weil diese Aktion, Philippe einen roten Kopf bescherte.

»Nettes Bürschchen haben sie da, Chef!«

Ich folgte Philippe, ohne mich noch mal zu Andrea umzudrehen. Andrea schwul? Warum hat er mir das nicht gesagt. Gut nach der Scheidung von meiner Frau, hatte sich unser Verhältnis sehr verschlechtert, aber seit er etwas älter war, funktionierte es ziemlich gut zwischen uns, aber anscheinend noch nicht gut genug.

Wir hatten den hinteren Bereich erreicht, die Kollegen waren schon bei der Spurensicherung.

»Also, brauchbare Spuren werden wir hier nicht finden, außer vielleicht…«, unterbrach Kollege Costa seinen Satz.

»Was?«

»Na ja, der Junge hatte vor seinem Tod Oralverkehr und ihm selber ist…«

»Costa, jetzt lassen sie sich doch nicht alles aus der Nase ziehen. Sind sie so verklemmt? Der Junge hat einen geblasen bekommen, oder? Kann man da einen D N A –Test vornehmen?«

»Das müssen sie den Doktore fragen!«

Innerlich war ich etwas säuerlich. Meine Kollegen stellten sich immer noch quer, wenn es um die Schwulenszene ging. Ich sah dem Doktore zu, wie er die Leiche vorsichtig wendete. Das Blut auf dem Boden war aus der Wunde am Hals ausgetreten, also wie bei den anderen Mordopfern die wir gefunden hatten.

Dieser Junge schien aber auch noch Analverkehr gehabt zu haben, recht hart, wie die Blutspuren am Hintern bewiesen. Ich ging zurück, in die Diskothek, wo ich Andrea einsammelte und mit zu meinem Wagen schleppte.

»Kann ich heute Nacht bei dir schlafen?«

Ich schaute ihn kurz an und startete den Wagen.

»Deine Mutter müssen wir aber trotzdem anrufen!«

»Wenn es sein muss!«

Irgendwie spürte ich, dass ihm nun ein Stein vom Herzen fiel, warum auch immer. Nach dem ich kurz Laura davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass der Kleine heute bei mir nächtige, fuhr ich wieder durch das nächtliche Palermo.

Andrea schwieg, schaute auf seine Finger, mit denen er nervös spielte.

»Das hätte auch mich treffen können…«

Daher wehte der Wind.

»Hat es aber nicht, Andrea. Weißt du etwas, kannst du mir etwas erzählen?«

Er sah kurz zu mir auf, seine Augen waren feucht.

»Seit einer Weile erzählt man sich schon, dass jemand unterwegs ist, der junge Schwule um die Ecke bringt. Keiner kennt ihn, er ist nicht von hier, meinen die meisten.«

»Kanntest du einer der Jungen?«

»Nein, das waren Stricher!«

»Hast du einen Freund?«

Er schaute kurz hoch, sein Blick blieb diesmal aber auf meinen Augen haften.

»Ich bin der Sohn des Commissario Bronetti, meinst du da will mich einer?«

»Was hat das mit mir zu tun?«

»Ach, ich weiß auch nicht, was die denken. Anscheinend glauben die, ich wohne mit dir im Revier.«

Unweigerlich musste ich grinsen. Mein Herr Sohn hatte es vorgezogen, bei seiner Mutter zu leben. Schnell nach Andreas Geburt, hatten wir festgestellt, dass wir beide für ein Familienleben nicht geeignet waren.

Wir waren frisch verheiratet, ich zwanzig und Laura achtzehn. Viel zu schnell, wie ich heute wusste. Ich zahlte brav meine Alimente und Andrea wuchs bei seiner Mutter auf. Zu einem Prachtstück musste ich ehrlich zugeben.

Er war ein Prachtkerl, sowohl in der Schule, als auch von seinem Charakter her. Seine schwarzen Locken hingen ihm wild ins Gesicht. Er war muskulös gebaut und sah sehr reif aus für seine siebzehn.

»Und schläfst in einer Zelle!«

Diese Bemerkung konnte ich mir nun doch nicht verkneifen.

»Ha, ha, sehr witzig! Du bist eben in der ganzen Stadt bekannt!«

»So schlimm wird es schon nicht sein.«

»Hast du eine Zigarette für mich?«

»Nicht im Dienstwagen!«

Ich lenkte den Wagen in die kleine Seitengasse zum Strand, wo sich mein kleines Häuschen befand. Der Motor erstarb und wir beide stiegen aus.

»Willst du dir noch etwas mit mir die Beine vertreten?«

Andrea verhaarte kurz.

»Ich muss erst noch auf die Toilette.«

Ich schloss die Haustür auf und ließ Andrea hinein. Auf dem Boden lag Post. Ich hob sie auf und überflog sie kurz, nichts Interessantes dabei. Der Schuhe entledigt, warf ich mein Sakko über den Sessel und trat auf die Terrasse hinaus.

»Können wir?«

Andrea war mir lautlos auf die Terrasse gefolgt.

»Klar!«

Gemeinsam liefen wir zum Strand hinunter. Die spärlichen Lichter der Laternen und mancher Häuser zeigte die Linie des Strandes. Sanft schlugen kleine Wellen an den Strand, wo sich dann die auslaufende Welle im Sand verlor.

»Warum sind Mum und du nicht mehr zusammen?«

Ich stöhnte leicht auf, denn auf diese Frage war ich nicht gefasst.

»Der Job, keine Liebe, such dir etwas aus!«

»Mich auch?«

Ich nahm Andrea in den Arm.

»Andrea, du bist mein Sohn, ich werde dich immer lieben!«

»Dich stört es nicht, dass ich schwul bin?«

»Nein Andrea, auch wenn ich das erst einmal verdauen muss. Du bist doch kein anderer Mensch, nur weil du schwul bist. Du liebst, kannst lieben und nur dass ist die Hauptsache, egal mit wem du zusammen bist!«

»Und du?«

»Ich?«

»Ja du! Bist du auch schwul?«

»Wie kommst du da drauf?«

»Du hast Mama verlassen, keine neue Frau oder Freundin, du bist nur mit Männern zusammen!«

»Kollegen, Andrea, aber deswegen bin ich doch nicht gleich schwul.«

Andrea wiegte den Kopf an meine Schulter, während unsere Füße vom Wasser umspült wurden.

»Ich weiß auch nicht, aber du hast so eine Ausstrahlung!«, sprach Andrea.

»Was habe ich?«

»Als Schwuler spürt man etwas, wenn sein Gegenüber genauso empfindet. Und bei dir habe ich das Gefühl, du stehst auf Männer.«

Ich atmete tief durch, sah zu den Sternen hinauf und ließ mir die Worte meines Sohnes durch den Kopf gehen. Mir war es schleierhaft, wie mein eigener Sohn auf solche Vermutungen kommen konnte, gut ich war viel mit Männern zusammen, aber doch eher beruflicher Natur.

Dass ich etwas für Männer empfinden könnte, war mir nie in den Sinn gekommen. Doch jetzt wo Andrea dies äußerte, kamen Erinnerungen in mir auf, die ich sonst immer verdrängt hatte. Dinge, die jetzt andere Formen annahmen, weil das Wort Schwul, außer bei der Arbeit, keinerlei Bedeutung für mich hatte.

»Dazu kann ich dir nichts sagen, Andrea. Ich habe mir nie Gedanken gemacht, ich und ein Mann. Die Arbeit nimmt mich voll ein, wie du weißt, da gibt es wenig Freizeit, also wenig Zeit, so etwas heraus zufinden.«

Andrea schlang seinen Arm um meine Hüfte und sagte nichts mehr.

*-*-*

Die ersten Sonnenstrahlen, die durch die Terrassentür fielen, ließen mich wach werden. Andrea dagegen lag eng in seine Decke gekuschelt neben mir. Auch wenn er schon siebzehn war, er schlief recht oft bei mir im Bett, wenn er mal bei mir übernachtete.

Ich ließ meinen Blick über seinen frei liegenden Rücken wandern und verfiel ins Grübeln. Das Gespräch von gestern Abend kam mir unweigerlich wieder in mein Gedächtnis zurück. Gut, ich wusste, im Büro wurde ich für unnahbar gehalten, weil ich nie mit einer Frau aufkreuzte.

Aber es damit zu begründen, ich bin vielleicht schwul und habe deswegen keine Freundin, ging dass nicht etwas zu weit? Andrea hatte mir da einen sehr schweren Brocken auferlegt. Wieder konnte ich mich an Sachen erinnern, die ich mit irgendwelchen Ausreden damals abgetan hatte.

Ich starrte zum Fernseher. Erst vor zwei Wochen lag ich im Bett, spät abends und schaute Sport. Genauer genommen war es Schwimmwettkämpfe. Ich erinnerte mich genau, wie sehr ich angetan war, von diesen Adoniskörpern der Schwimmer, mich nicht satt sehen konnte an deren muskulösen Körpern.

Ich stand auf und ging ins Bad. Im Spiegel betrachte ich mich. Die Augen ein wenig gerötet, vom kurzen Schlaf. Ich wusch mein Gesicht und putze die Zähne.

»Kann ich ins Bad?«

Andrea schien wohl aufgewacht zu sein und stand vor der Tür.

»Klar!«

Ich hörte, wie Andrea den Klodeckel hochklappte und es wenig später zu plätschern begann. Nach dem ich meinen Mund ausgespült hatte und ich das Gesicht abtrocknete, ging die Spülung der Toilette.

»Weißt du was, für dein Alter hast du eine Top Figur!«

Etwas geschockt, drehte ich mich zu Andrea um.

»Bitte?«

»Du siehst für dein Alter immer noch verdammt gut aus, es steht zwar nicht jeder auf den Typ Bären, aber du hättest doch recht gute Chancen.«

Nach dieser kurzen Schrecksekunde, konnte ich mich nicht mehr halten und begann laut zu lachen. Es dauerte ein wenig, bis ich mich wieder soweit im Griff hatte. Jetzt erst bemerkte ich, dass Andrea nackt vor mir stand.

Auch ich musterte ihn nun etwas näher.

»Was meinst du mit Bären?«

»Du bist behaart!«

Ich ließ meinen Blick über Andreas Körper wandern, der bis auf die Beine und seinem Schwanz, keine Behaarung zeigte. Auch fiel mir auf, dass sein Schwanz halbsteif vom Körper abstand.

Ich dagegen war voll behaart, was mir bis dato, noch nie groß gestört hatte.

»Na ja, gegen dich werde ich wohl nie ankommen…«

Diesen Kommentar gab ich grinsend von mir, schaute noch einmal kurz auf seinen Schwanz, bevor ich mich zu meinem Spiegel drehte.

»Was machen wir heute?«

Ich wollte unbedingt das Gespräch in andere Bahnen lenken.

»Du hast frei?«

»Ja, ich muss nur kurz ins Revier, danach habe ich frei. Aber erst mal richtig frühstücken, auf was hättest du denn Lust?«

»Omelette?«

»Klar, mache ich dir«

Wenig später stand ich in der Küche und kochte für meinen Jungen.

»Kaffee?«

»Ja, den könnt ich auch gut gebrauchen.«

Ich nahm die Pfanne und lief ins Esszimmer. Andrea hatte sich bereits hingesetzt. Wenig später saßen wir dann gesättigt am Tisch.

»Du Papa, ich habe doch jetzt Ferien. Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich zwei oder drei Wochen bei dir wohne?«

»Wenn deine Mutter nichts dagegen hat, kein Problem.«

Er strahlte über sein ganzes Gesicht und nahm sich noch ein Brötchen. Später telefonierte ich noch mit Laura und nach dem ich ihr mindestens hundert Mal versicherte, dass ich auf ihr Baby aufpassen würde, gab sie ihre Erlaubnis.

Da Lauras Wohnung auf dem Weg zum Revier lag, fuhren wir dort kurz vorbei, um Andrea ein paar Sachen zum anziehen zu holen.

»Hallo, Laura!«

»Guten Morgen, Gabriel.«

»Alles klar bei dir?«

»Kann mich nicht beschweren.«

»Pass bitte auf den Kleinen auf. Ich habe gehört was passiert ist. Schon etwas heraus gefunden?«

»Nein, wir tappen weiterhin im Dunkeln.«

Laura sah mich sorgenerfüllt an.

»Wird schon, Andrea is alt genug, um zu wissen, mit wem er verkehrt.«

»So wie du?«

»Laura, lass uns nicht streiten, bitte!«

»Schon gut!«

Andrea trampelte die Treppe herunter. An der Schulter trug er eine große Sporttasche.

»Und, alles fertig?«

»Klar!«

Er drückte seiner Mutter einen flüchtigen Kuss auf die Wange und stürmte hinaus. Ich nickte ihr zu und folgte ihm. Im Auto grinste Andrea mich frech an, bevor ich den Motor startete und der Alpha Romeo langsam aus der Parklücke zog.

*-*-*

»Chef, die D N A Ergebnisse im Mund haben nichts ergeben.«

Philippe hielt mir ein Schriftstück unter die Nase.

»Sche…! Irgend eine andere Spur?«

»Ja, das Opfer hatte etwas in der Hand.«

»Und was?«

»Hier!«

Philippe hob einen Plastikbeutel hoch. Darin befand sich eine Anstecknadel. Aber nicht eine Gewöhnliche, sondern es war eine Anstecknadel der Freimaurer.

»Philippe, kannst du mir eine Liste der bekannten Freimaurer Palermos besorgen?«

»Schon geschehen«

Dies kam von Costa. Ein weiterer Mitarbeiter meiner Truppe, etwas labiler als Philippe aber immerhin ab und zu konnte man ihn zu kleinen Vergehen verführen. Andrea sah mich verwundert an. Ich zog ihn am Ärmel in mein Büro.

»Was sind Freimaurer«“

Ich hatte gerade meine Tür geschlossen, als Andrea diese Frage aufwarf.

»Wie kann ich dir das in einfachen Worten erklären… Freimauer ist so etwas wie eine Bruderschaft, bestehend aus Männern, die ihren Mitgliedern im moralischen Verhalten lehrt.«

»Also, so etwas, wie eine Benimmschule?«

»Im gröbsten Sinne, ja!«

»Und einer davon, hat im Unterricht nicht aufgepasst!«

»So kann man es sagen!«

Ich ließ meinen Blick über die Liste gleiten und war verblüfft, wer da alles Mitglied war. Ich nahm den Hörer ab und rief Philippe herein, der wenig später dann auch in der Tür stand.

»Philippe, finde bitte heraus, wo sich die Freimaurer treffen, und wer der Chef oder Anführer ist. Ich selbst bin heute nicht da und erst morgen wieder erreichbar.«

»Geht klar, Chef!«.

»So Sohnemann, was machen wir nun?«

»Ich möchte ans Meer!«

»Das haben wir doch am Haus!«

»Klar, aber ich kenn da einen Strand, der ist noch ein bisschen privater als der, an deinem Haus.«

»Okay, da bin ich einmal gespannt!«

Gemeinsam verließen wir das Revier und fuhren nach Hause. Nach dem Andrea sich bei mir zu Hause eingerichtet hatte, suchte ich meine Badesachen zusammen und vertraute mich nun meinem Sohn an.

Wir fuhren ein wenig die Küstenstraße hinauf, bis Andrea plötzlich meinte, ich solle an einem kleinen Parkplatz halten. Gut es standen schon ein paar Wagen dort, aber um uns herum befanden sich nur Felsen.

Ich verschloss den Wagen und folgte Andrea über die Straße. Der Einstieg war mir aus dem Wagen heraus nicht aufgefallen. Geschickt verdeckte ein Felsvorsprung den Eingang zu einem Trampelpfad.

Er schien schon älter zu sein, aber dennoch waren deutlich frische Spuren von Hammer und Meisel zu sehen, um den Fels ein wenig zu begradigen.

Es ging die ganze Zeit bergab und Andrea wies mich ab und zu auf Stolperfallen hin. Noch eine Biegung und eine wunderschöne Bucht tat sich vor uns auf. Mir fiel auch sofort auf, dass hier nur Männer lagen.

»Hallo Andrea, warst lange nicht mehr hier!«

Einer der Anwesenden hatte den Kopf gehoben und schaute zu uns herüber.

„Ich habe auch kein Auto so wie du, Luigi!“

Mein Herr Sohn schien hier wohl bekannt zu sein. Wir wurden kurz vom Rest gemustert, waren aber dann wohl uninteressant. Ich breitete neben Andrea mein Strandlaken aus und stellte den Rest daneben. Der Klamotten hatte ich mich schnell entledigt und schaute zu Andrea.

„Ich geh erst mal ins Wasser.«

Andrea spurtete los und mit einem Hechtsprung ließ er sich ins Wasser gleiten. Ich kramte meine Zigaretten heraus und machte es mir auf dem Laken bequem. Ich konnte Andrea erkennen der anscheinend sich angeregt mit einigen anderen Jungs und Männern im Wasser unterhielt.

Einer davon befand sich aber schon auf dem Rückweg. Langsam stieg er aus dem Wasser und meine Blicke klebten regelrecht auf ihm. Er schien kein Italiener zu sein. Er war groß, muskulös gebaut, hatte blonde kurze Haare.

Er schien bemerkt zu haben, dass ich ihn fixierte, denn er lächelte mir zu. Mit wenigen Schritten hatte er mich erreicht.

»Du bist also der Vater von Andrea!«

»Ja.«

»Darf ich?«

Er wies auf den Platz neben mir und ich nickte. Bevor er seinerseits mit seinem Verhör fortfahren konnte, griff ich ihm vor.

»Gabriel ist mein Name.«

Er sah mich an und grinste. Ich erwiderte sein Grinsen und zog an meiner Zigarette.

»Auch eine?«

Ich hielt ihm meine Schachtel entgegen, aus der er dankend eine Zigarette entnahm. Nach dem ich ihm Feuer gegeben hatte, zog er daran und blies genüsslich den Rauch aus. Mir war nicht entgangen, mit welcher Zärtlichkeit er seine Hand um meine legte, damit die Flamme meines Feuerzeugs windgeschützt blieb.

»Du bist nicht von hier!«

»Nein, bin ich nicht. Ich komme aus Deutschland, bin im Transportwesen tätig und wir haben hier eine Zweigstelle.«

»Praktisch!«

»Ja, dass finde ich auch. Palermo ist wie ein zweites Zuhause für mich geworden, mein Name ist übrigens Till.«

Andrea hatte wohl genug vom Wasser, denn er stand plötzlich bei uns.

»Till, hast du dich mit meinem Dad schon bekannt gemacht?«

»Ja, aber wir haben noch nicht viel geredet!«

»Gib ihm ein Glas Rotwein und er redet wie ein Buch!«

Andrea griff nach seinem Handtuch und trocknete sich ab, aber eher um sein Lachen hinter dem Tuch zu verbergen. Etwas säuerlich schaute ich zu Andrea, der es aber mit einem frechen Grinsen quittierte.

»Hole doch deine Sachen her und lege dich zu uns. Mein Dad hat da sicherlich nichts dagegen.«

»Gerne, dann hole ich schnell mal meine Sachen.«

Fasziniert beobachtete ich das Muskelspiel bei Till. Er hatte nichts tuntiges an sich und… halt ich verfiel ins Schubladendenken. Ich genoss es einfach Till dabei zu beobachten, wie er seine Sachen zusammenpackte und zu uns umzog.

»Na, gefällt er dir hier?«

Andrea ließ sich auf sein Strandtuch fallen, wobei ich einige Spritzer kaltes Wasser abbekam, da er seine Locken schüttelte.

»Ja, klar!«

»Und Till?«

»Bitte?«

»So wie du Till anschaust!«

Mir war eigentlich nie etwas peinlich, aber ich spürte die Röte in mein Gesicht steigen. Mein Sohn hatte mich auf frischer Tat ertappt. Andrea fing laut an zu lachen und legte sich auf den Bauch, als Till mit seinen Sachen bei uns ankam.

»Süß!«

Kurze Bemerkung meines Sohnes, was auch weiterhin bei mir für eine gesunde Gesichtsfarbe sorgte. Till breitete sein Laken direkt neben mir aus, und schaute mich fragend an. Er hatte wohl dieses Süß auch vernommen. So lag ich nun zwischen Andrea und Till.

„Du bist also Commissario und sorgst für Recht und Ordnung“, kam es von Till, als er es sich wieder neben mir bequem machte.

Notiere, mein Sohn ist eine Quasselstrippe, dachte ich.

„Im Augenblick nicht, heut verbring ich einen Tag mit meinem Sohn, aber sonst ja.“

„Du weißt dann sicher etwas, über die Schwulenmorde.“

„Ja sicher, aber du weißt auch sicher, dass wir über laufende Ermittlungen nicht reden!“

Ich zog noch einmal kurz an meiner Zigarette und drückte sie im Sand aus. Andrea hustete kurz und schlagartig wurde mir seine Gesprächigkeit bewusst.

„Aber da mein Sohn dir ja eh alles erzählen würde, kann ich es auch tun. Bisher haben wir nicht all zu viel Hinweise, eigentlich nur Einen!“

Till sah mich erwartungsvoll an.

„Der Mörder scheint etwas mit den Freimaurern zutun zuhaben.“

„Das ist interessant! Ich habe schon einiges in Deutschland von denen gehört.“

„Mehr haben wir aber nicht!“

„Und was ist Commissario Bronetti für ein Mensch?”

Diese Worte kamen aus Tills Mund, der wieder dieses Haifischgrinsen drauf hatte. Andrea fing an zu kichern, was ihm ein Stoss in die Rippen einbrachte.

„He, dass ist gemein!“, meinte Andrea und richtete sich auf.

„Frag meinen Herrn Sohn, der müsste mich eigentlich am besten kennen!“

Till schaute zu Andrea, der sich durch die Haare raufte.

„Was soll ich sagen…?“

Nun war ich dran zu grinsen, Andrea befand sich in einer Zwickmühle. Würde er nur nettes ausplaudern, wäre es eigentlich gelogen, tat er das Gegenteil, wäre ihm eine Abreibung gewiss.

»Ich seh Dad nicht so oft, denn ich lebe ja bei meiner Mutter. Er ist tageslichttauglich, ab und zu ein Brummbär, also ein ganz normaler Dad.«

Ich fing an zu brummen und ließ mich nach hinten fallen, was wiederum ein Lachen bei Till freisetzte.

„Und es stört dich nicht, dass dein Sohn schwul ist und er dich hier an einen Schwulenstrand schleppt?“, fragte Till.

„Warum sollte es?“

Till schwieg, denn er hatte anscheinend mit einer anderen Antwort gerechnet. Irgendwann musste ich eingeschlafen sein, denn als ich aufwachte, lag ich wieder alleine. Also stand ich auf und begab mich ans Wasser.

Etwas weiter draußen sah ich Till und Andrea, die auf eine Klippe geklettert waren. Langsam lies ich mich in das klare Wasser gleiten. Das Wasser tat gut und ich schwamm in kräftigen Zügen auf die Beiden zu.

„Wieder wach?“, kam es von Till.

„Ja, kann ja nicht den ganzen Tag verpennen!“

Till stand von seinem Platz auf und tauchte neben mir ein. Knapp vor meinem Gesicht, kam sein Kopf wieder zum Vorschein, meiner Meinung viel zu dicht. Wieder hatte er dieses Lächeln auf seinen Lippen.

Lange schauten wir uns einfach nur in die Augen und versuchte uns mühsam an derselben Stelle zu halten. Die Wellen taten ihr übriges.

»Schon mal mit einem Mann?«, fragte Till plötzlich.

»Nein!«

»Interesse?«

Das war mir dann jetzt doch zuviel, ich beschloss an den Strand zurück zu schwimmen. Till setzte mir nach und hatte mich mit wenigen Zügen eingeholt.

„Entschuldige Gabriel, wenn ich dir zu Nahe getreten bin.“

Wieder waren unsere Gesichter nur wenige Zentimeter von einander entfernt. Ich wusste nicht was es war, aber Till interessierte mich plötzlich, ich empfand etwas für ihn.

»Schon okay!«

Ruhig schwamm ich weiter, ohne ein Wort zu sagen, ebenso wie Till, der recht dicht neben mir seine Bahn zog. Am Strand ließ ich mich nass wie ich war, in den Sand fallen. Ich schaute zu Andrea hinaus, der dort mit einigen anderen Jugendlichen an den kleineren Klippen, sich im Klettern versuchte.

»Sauer?«

Till hatte sich neben mir niedergelassen, schaute mir direkt in die Augen.

»Nein, das ist es nicht, ich habe mir da noch nie Gedanken darüber gemacht… ich mit einem Mann…«

»Aber es ekelt dich nicht irgendwie an?«

Ich schaute Till ins Gesicht, seine Augen schienen so vertraut, als würde ich Till schon ewig kennen.

»Nein, tut es nicht!«

Wieder überzog Tills Gesicht ein Lächeln. Eine Welle schob heran und umspülte uns.

»Du gefällst mir! Bist aber ein ganz schön harter Brocken!«

»Danke!«

Es war das Einzigste, was ich heraus brachte, was sollte ich ihm auch schon antworten. Den ganzen Nachmittag redeten Till und ich sehr viel. Ich erfuhr mehr von diesem blonden Hünen und er brachte es fertig, dass ich auch etwas über mich erzählte. Andrea schaute ab und zu bei uns vorbei, aber schien nicht stören zu wollen.

Also, wir uns wieder angezogen verabschiedeten, hatte ich seine Handynummer gespeichert und seine Karte einstecken. Schweigend fuhren wir zurück, wobei mir nicht entging, dass Andrea fortwährend hämisch grinste, wenn er mich ansah.

*-*-*

»Wieso hast du nichts herausgefunden, so schwer kann dass doch nicht sein!«

Philippe fuhr zusammen, obwohl er eigentlich meinen Ton im Büro gewohnt war. Er klammerte sich an seine Akte, als hätte er etwas zu verbergen.

»Die Freimaurer haben zwar nichts zu verbergen, aber sie äußern sich zu Außenstehenden nicht gerade hilfreich.«

»Gibt es wenigstens eine Adresse, wo ich mich hinwenden kann?«

»Richter Castisi!«

»Was?«

»Wenden sie sich an Richter Castisi, er gehört auch zu dem Verband!«

Ich schnappte meine Schlüssel, nickte Philippe kurz zu und verließ mein Büro. Trotz des dichten Verkehrs in Palermo, brauchte ich nur ein viertel Stunde zum Gerichtsgebäude. Einen Parkplatz zu finden, stellte mich schon vor eine schwierigere Aufgabe.

Nach fünf Minuten verließ mich die Lust und ich stellte mich direkt in das Halteverbot vor dem Gerichtsgebäude. Was soll’s, dachte ich, es ist ein Dienstfahrzeug der Polizei, es wird schon niemand einen Strafzettel an den Scheibenwischer hängen.

Ich schloss den Wagen ab und lief die Treppen zum Eingang hinauf. Da ich wusste, wo sich Castisis Büro befand, ließ ich den Pförtner einfach links liegen und stieg in den Paternoster. Das Ding schien schon uralt zu sein, denn nur langsam verschwand der Eingangsbereich aus meinem Blickfeld.

Auch schien hier wohl nie jemand es für nötig zu halten, etwas sauber zu machen, denn zwischen den Stockwerken, sammelte sich der Dreck und Spinnweben. Das gleiche Spiel, bis ich die dritten Etage erreichte.

Etwas angewidert stieg ich aus. Es wurde generell überall gespart, nicht nur an den Putzkräften, sondern auch an einem modernen Aufzugssystem. So benutzten täglich, hunderte von Menschen diesen Paternoster, der keineswegs eine Stimmung von Nostalgie vermittelte, sondern eher darauf hinwies, wie rückständig dieses Gebäude doch war.

Es waren zwar erheblich Gelder geflossen, aber eben in andere Kanäle, denn hier in Sizilien hatte immer noch die Mafia das Sagen. Das Richter Castisi auf der Gehaltliste der Mafia stand, bezweifelte ich, dafür war er, wie soll ich sagen… zu langweilig.

Für die Mafia nicht interessant genug, zu nichts Nütze! Mittlerweile war ich an der Bürotür des Richters angekommen, denn ich hatte ja eine andere Aufgabe, als mir Gedanken über die Mafia zu machen.

Nach dem ich anklopfte, betrat ich das Büro und fand wie immer die pausbäckige Sekretärin Malena vor, die schon sehr lange, ihren Dienst für Richter Castisi verrichtete.

»Guten Morgen Bronetti, was führt dich so früh am Morgen hier her?«

Malena, wie immer in ihrer charmantesten Art. Früh am Morgen, war weit gefehlt, denn es war schon kurz vor elf. Dass ich mit Malena schon eine geraume Zeit per Du war, half mir aber nicht weiter, schneller an Castisi heran zukommen.

»Ich müsste kurz mit deinem Richter sprechen!«

»Bronetti, wie oft denn noch! Keine Überraschungsauftritte ohne Terminabsprache!«

»Wieso? Ich frage dich ja gerade danach, ob dein Chef Zeit für mich hat.«

Malena runzelte die Stirn, ließ kurz ihre Augen rollen, bevor sie im Terminkalender nachschlug und ihre Lippen sich zu einem kleinen, fiesen Lächeln kräuselte.

»Wie gesagt, ohne Absprache läuft nichts!«

»Auch wenn der Alte persönlich etwas mit einem Mord zu tun hat?«

Mein Blick wanderte zu dem frisch aufgebrühten Kaffee, der dort auf dem Sideboard stand. Malena schüttelte den Kopf und stand auf. Sie schenkte zwei Tassen ein und setzte sich wieder hinter ihren Schreibtisch.

Eine Tasse stellte sie auf meine Seite und wies mir einen Platz zu, direkt vor ihr natürlich. Danach nahm sie den Hörer in die Hand und tippte eine kurze Nummer ein.

»Bronetti möchte zu Ihnen!«

Ein weiteres Lächeln war auf ihren Lippen zu sehen, aber ich wusste ja nicht, was Castisi auf der anderen Seite sagte, geschweige dachte. Aber es schien erfreulich zu sein, denn ich wurde endlich vorgelassen.

»Was verschafft mir die Ehre, Commissario Bronetti?«

»Ein Mord!«

Nach dem mir Richter Castisi die Hand gereicht hatte setzten wir uns hin. Sein Büro war eher schmucklos eingerichtet, was man bei Malena nicht vermuten würde. Die doch sonst so beherzte Vorzimmerdame hatte also über ihren Chef keine Gewalt, zumindest was sein Büro betraf.

Einzig allein ein Bild von seiner verschiedenen Frau hatte er auf dem Schreibtisch stehen. Ob ihr Tod durch die Mafia verschuldet war, wurde nie herausgefunden. Vielleicht war auch deshalb Castisi nicht so sehr interessant für die Mafia, weil sie gegen ihn kein Druckmittel besaßen.

»Mord? Wie viel waren es denn schon denn in dieser Woche?«

»Noch nicht so viele.«

Ich wollte diese Antwort ein wenig spaßig klingen lassen, was mir aber deutlich misslang.

»Der Grund warum ich zu ihnen gekommen bin, Richter Castisi, ist dieser!«

Aus meiner Sakkotasche zog ich die Nadel der Freimaurer und legte sie vor ihm auf den Tisch. Er nahm sie in die Hand und saß sie sich genauer an.

»Ehrennadel für 25 Jahre Dazugehörigkeit!«

Mehr gab Castisi nicht von sich und reichte mir die Nadel zurück.

»Kann man genau heraus finden, wem diese Nadel ausgehändigt wurde?«

»Warum fragen sie, wollen sie den Finderlohn einkassieren?«

Der Ton von Richter Castisi wurde kälter, anscheinend hatte ich etwas angeschnitten, was ihm nicht besonders lag.

»Weil wir diese Ehrennadel in der Hand des Mordopfers gefunden haben.«

»Das kann nicht möglich sein.«

Castisi wurde blass im Gesicht und per Telefon rief er Malena zu sich. Keine Sekunde später, öffnete sich die Tür und die Genannte trat herein.

»Malena, sagen sie bitte alle Termine für den Mittag ab und bringen sie mir etwas zu Trinken!«

»Geht in Ordnung!«

Und schon war Malena wieder verschwunden, aber nicht ohne mich eines giftigen Blick zu würdigen. Ich wandte mich wieder zu Castisi, der sich anscheinend wieder etwas beruhigt hatte. Er sah mich an.

»Jede Nadel wurde nur zu bestimmten Jahrgängen heraus gegeben, also kommt für diese Nadel nur ein bestimmter Personenkreis in Frage.«

»Und wie komme ich an diesen Personenkreis?«

»Das sollte keine Probleme geben, dies war mein Jahrgang!«

*-*-*

Castisi hatte mir versprochen, mir eine Liste derer zukommen zu lassen, die mit ihm diese Nadel verliehen bekamen. Dass es ihn sehr mitgenommen hatte, merkte ich, als ich mich von ihm verabschiedete.

Seine Hände waren eiskalt und zittrig. Um einer Attacke seitens Malena zu entgehen, verließ ich Castisis Büro durch die Tür, die direkt zum Flur führte. Wusste ich, ob sie nicht schon etwas plante, weil ich ihren Chef so viel Leid gebracht hatte.

Wieder an meinem Wagen, traf mich dann doch ein Schlag. Irgendeine blöde Kuh hatte mir doch tatsächlich einen Strafzettel für Falschparken an den Scheibenwischer gehängt. Ich sah mich um, konnte aber niemand entdecken.

Ich startete den Wagen und fuhr los. An der ersten roten Ampel wählte ich das Revier an.

»Hier Bronetti, geben sie mir Philippe!«

Es dauerte ein wenig.

„Costa hier, Chef. Philippe ist in der Mittagspause.«

»Gut Costa, das können sie auch erledigen. Ich gebe ihnen eine Nummer eines Strafzettels durch, können sie für mich herausfinden, wer ihn ausgestellt hat?«

»Kein Problem, ich melde mich dann wieder bei ihnen, Chef!«

Kaum hatte ich das Gespräch weggedrückt, fing mein privates Handy zu klingeln.

»Bronetti!«

»Hallo Gabriel, hier ist Till!«

Ein kribbliges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit.

»Hallo Till!«

»Ich hoffe, ich störe dich nicht!«

»Nein. Bin gerade mit dem Auto unterwegs.«

»Hättest du Zeit für einen Espresso?«

»Klar und wo?«

»Im Casale dello Jato.«

»Davon bin ich nicht weit weg. Gib mir eine viertel Stunde und ich bin bei dir!«

»Dann bis gleich, ich freue mich auf dich.«

Ein Lächeln überzog mein Gesicht.

»Ich mich auch auf dich! ciao.«

»ciao«

Ich drückte das Gespräch weg und konzentrierte mich wieder mehr auf den Straßenverkehr. Nach dem ich auf die Aurelia 29 gebogen war, ging es flotter voran. Klar hatte ich etwas geflunkert, dass ich in seiner Nähe war.

Aber mit der viertel Stunde hatte ich nicht gelogen, ich bog auf das Grundstück des Hotels ein. Was für ein Wagen fuhr Till eigentlich? Einen Wagen mit deutschen Kennzeichen konnte ich nicht entdecken, dafür aber einen strahlenden Till.

Er stand an einen dunkelgrünen Audi TT Roadster gelehnt und grinste mir entgegen. Ich parkte meinen Wagen und stieg aus.

»Alle Achtung, schönen Wagen hast du!«

»Man tut was man kann, um sich Träume zu erfüllen!«

Einen Augenblick dachte ich er wollte mich zur Begrüßung küssen, aber er streckte mir dann doch nur die Hand entgegen, welche ich kräftig schüttelte. Wenn ich recht überlegte, wäre mir ein Kuss jetzt sogar angenehm gewesen.

»Wollen wir auf der Terrasse Platz nehmen, oder gehen wir hinein?«

»Wenn es dir recht ist, bleiben wir draußen, ich war eben am Gericht und frische Luft tut mir jetzt gut.«

»Kein Problem!«

Ich folgte ihm die kurze Treppe hinauf und wir suchten uns einen kleinen Tisch. Es dauerte auch nicht lange und eine junge Dame kam an unseren Platz. Till bestellte im perfekten Italienisch zwei Cappuccinos.

»Gericht? Probleme?«

»Nein, es handelt sich nur um einen Fall, bei dem ich nicht weiterkomme. Aber zu dir, ich dachte du wolltest gestern noch nach Deutschland zurück.«

»Ja, aber ein Kunde kam mir dazwischen, ich bleibe dir noch eine Woche erhalten.«

Ich versank förmlich in Tills blauen Augen.

»Was ist?«

»Kann ich dir nicht einmal sagen. Das Gespräch mit Andrea, dann das Kennenlernen mit dir. Im Augenblick bin ich nur ein wenig verwirrt.«

»Meinetwegen?«

»Auch!«

»Warum denn?«

»Hör mal, man kriegt nicht jeden Tag gesagt, dass man gefällt, schon gar nicht von einem Mann!…«

Till grinste sich eins weg.

»Und der Gedanke ich könnte…«

»Schwul sein?«

Til hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. War ich schwul? Nichts hatte mich die letzten Tage mehr beschäftigt.

»Gabriel, ich weiß das im Augenblick in deinem Kopf die Hölle los sein muss, aber das hat ein jeder von uns durchgemacht. Bei dem Einen passiert es eben früher, bei Anderen später. Und du wirst dich wundern, wie viele verheiratete Schwule es gibt.«

Erstaunt sah ich Till an.

»Gerade bei den Italienern, aber auch bei den Deutschen gibt es sehr viele.«

»Woher weißt du das alles?«

Der Cappuccino wurde gebracht und Till wartete kurz mit seiner Antwort, bis die Bedienung wieder weg war.

»Du bist wohl nicht viel im Internet, oder?«

»Nein, dafür habe ich ja Philippe!«

Mit dieser Antwort konnte Till nichts anfangen.

»Philippe ist mein Assistent. Aber was hat das jetzt mit mir zu tun?«

»Im Internet erfährst du eben mehr, dann gibt es ja auch noch Chats, in denen du dich mit anderen Unterhalten kannst.«

»Davon hat Andrea schon erzählt, aber ich habe mich bis jetzt mit solchen Sachen eben noch nicht befasst.«

«Was machst du sonst so in deiner Freizeit, wenn du welche hast?«

»Kochen oder ein gutes Buch lesen, ein Glas Rotwein genießen und auf das Meer hinausschauen.«

Mein Handy klingelte und ich nahm das Gespräch entgegen. Philippe unterrichtete mich, dass sie neue Informationen hätten und deswegen bei ihnen der Teufel loswäre.

»Ich muss zurück, dringend! Aber ich würde dich gerne wieder sehen.«

Tills Gesicht überzog ein breites Grinsen.

»Komm doch einfach heut Abend vorbei und esse mit Andrea und mir zu Abend.«

»Gerne!«

Ich schaute mich nach der Bedienung um und wollte zahlen.

»Lass mal, dass übernehme ich!«

Till strich kurz zärtlich über meine Hand, was bei mir für eine Gänsehaut sorgte.

»Danke! Also dann bis heute Abend!«

Till nickte mir noch zu und schon war ich auf dem Weg zu meinem Auto. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis ich im Büro war.

»Philippe was ist los?«

»Können wir in ihr Büro gehen?«

Er drückte mich sanft ins Büro und schloss die Tür hinter sich. Ich setzte mich hinter meinen Schreibtisch und Philippe legte mir eine Akte vor.

»Zwei Sachen, wir haben wirklich Spermareste in dem Jungen gefunden. Für eine genetische Überführung würde das ausreichen.«

»Aber?«

»Hier ist die Liste derer, die uns Richter Castisi zukommen lassen hat. Wir haben die Namen überprüft und haben dabei in ein Wespennest gestochen.«

»Inwiefern?«

»Schon allein die Überprüfung machte Ärger, weil einige Männer der Liste in höheren Ämtern weilen.«

»Aber ihr habt alle Informationen bekommen, oder?«

»Nicht ganz, dass heißt bis auf Einen alle.«

Philippe beugte sich zu mir und öffnete die Akte.

»Das ist Alberto Fontanis, Diplomat seines Amtes, er hat Immunität. Als wir dennoch anfragten, da es um einen Mordfall geht, wurde uns von oberster Stelle eingeheizt. Der Mann sei unantastbar!«

Es klopfte kurz und Costa kam herein.

»Hallo Chef, ich habe mit einigen Freunden telefoniert, um etwas über Fontanis heraus zubekommen.«

»Und?«

»Paulo vom Tagesblatt machte mich auf eine Geschichte aufmerksam, die vor einem Jahr passierte. Es geht um den Sohn von Fontanis. Er sitzt in einer Nervenanstalt.«

»Und was hat das mit unserem Fall zu tun?«

»Fontanis Sohn wurde vor einem Jahr entführt, es soll sich um eine sehr hohe Auslösesumme gehandelt haben. Die Übergabe klappte, Fontanis bekam seinen Sohn zurück.«

»Wie alt ist der Junge?«

»Jetzt sechzehn, aber was den Fall so interessant macht, der Junge war total verstört. Man stellte fest, dass er mehrfach missbraucht wurde.«

»Da hätten wir ein Motiv, aber deswegen Schwule umbringen?«

Wir traten in einer Sackgasse. Ein Diplomat, unantastbar. Costa bekam auch noch heraus, dass Alberto Fontanis allein erziehender Vater war, die Frau hatte ihn verlassen.

»Philipe besorgen sie mir einen Termin beim Präfekten.«

»Ach Chef, sie haben doch die Nummer für einen Strafzettel angegeben, die Dame heißt Cara Caligula und schiebt gerade Dienst an der Via Maqueda.«

Philippe schaute mich fragend an, während ich den Zettel entgegennahm. Ich schaute ihn kurz an, worauf er und Costa mein Büro verließen. Ich sah die Daten der anderen Mitglieder der Freimaurer durch, nichts deutete auf ein Motiv hin.

Dennoch mussten sie befragt werden, aber dass überlies ich meinen Leuten. Für mich war Fontanis der Hauptverdächtigte.

*-*-*

»Commissario Bornetti, was verschafft mir das Vergnügen?«

Zu meiner Verwunderung hatte ich schnell einen Termin bekommen, was mich noch mehr verwunderte, Mechangino der Stadtanwalt war auch anwesend.

»Das werden sie bereits wissen, Präfekt!«

»Haben wir nicht deutlich genug gesagt, was Sache ist?«

Mechangino kam also gleich zur Sache, den Tonfall, den er wählte, sollte mich wohl einschüchtern.

»Sie meinen also, einen verdächtigen Mörder laufen lassen?«

Der Präfekt räusperte sich.

»Meine Herren, bitte! So werden wir auf keinen Fall weiter kommen!«

»Fontanis bleibt Tabu, damit basta!«

Ich sah Mechangino an, was hatte er davon, dass er sich vor Fontanis stellte. Der Präfekt schaute kurz in eine Akte, die er vor sich liegen hatte.

»Commissario, sie haben genug Verdächtige, bei denen sie ermitteln müssen. Die Presse macht uns die Hölle heiß, wir wären Schwulenfeindlich und würden einfach weitere Tote zulassen, ich will Ergebnisse sehen!«

Aus dem Augenwinkel sah ich das fiese Grinsen, dass Mechangino auflegte.

»Präfekt, ich werde mein Nötiges tun, und werde sie dann weiter informieren!«

Für mich war das Gespräch vorbei. Ich verabschiedete mich von den Beiden und verließ das Büro des Präfekten. Draußen im Flur wählte ich die Nummer von Philippe.

»Hallo Philippe.«

»Hallo Chef, was erreicht?«

»Nein, aber finde bitte heraus, ob es irgendeine Verbindung zwischen Fontanis und Mechangino gibt?«

»Warum?«

»Frag nicht, tu es einfach!«

Ich hatte mich ein wenig im Ton vergriffen, mir tat Philippe leid.

»Tut mir leid Philippe, ich wollte dich nicht anschnauzen, aber Mechangino tat wieder so erhaben.«

»Schon gut Chef, ich mach mich gleich an die Arbeit!«

»ciao!«

»ciao!«

Ich sah mich um und bemerkte, dass ich mich auf der Via Maqueda befand. Schon hielt ich Ausschau nach einer Zettelhexe und hatte Glück. Am Piazza Giuseppe Verdi verteilte eine recht junge Dame Strafzettel an Autos.

Ich drängte mich in eine Lücke in ihrer Nähe, was gleich ihre Aufmerksamkeit auf mich richtete.

»He sie, das ist kein Parkplatz, fahren sie weiter!«

Ich stieg aus und ging zu ihr hin. Auf ihrem Namensschild konnte ich C. Caligula entziffern.

»Junge Frau, ich mache sie darauf aufmerksam, dass dies ein Dienstwagen der Stato Polizia ist, wenn sie an dieses Fahrzeug einen Strafzettel heften, dann machen sie sich straffällig, denn sie behindern die Arbeit der Polizei!«

Ich zeigte ihr noch kurz meinen Dienstausweis, drückte ihr den Strafzettel von gestern in die Hand und lies sie stehen.

»Das ist doch wohl die Krönung! Nutzen unverschämt ihre Stellung aus…«

Ich drehte mich zu ihr um.

»Vergessen sie nicht, ich habe ihren Namen. Es ist mir ein Leichtes mich mit ihrem Vorgesetzten in Verbindung zu setzten!«

Das hatte wohl gesessen. Diesmal lies sie mich ohne Widerworte gehen. Ich stieg wieder ein und fuhr zurück zum Revier.

*-*-*

Es war doch später geworden als ich vermutete. Tills Wagen stand schon vor meinem Haus, als ich in die Gasse einbog. Ich verschloss den Wagen und lief die kleine Treppe zur Veranda hoch, wo ich drinnen aus dem Haus Gelächter hören konnte.

Ich öffnete die Terrassentür und schaute ins Wohnzimmer, wo Till und Andrea sich bequem auf der Couch breitgemacht hatten.

»Und? Erzählst du gerade ein paar Missetaten deines alten Herren?«

Andrea fuhr zusammen, er hatte mich anscheinend nicht kommen hören. Till stand auf und reichte mir die Hand.

»Tut mir leid wenn ich etwas früher da war, aber Andrea ist ein perfekter Gastgeber.«

Das konnte ich sehen, denn auf dem Tisch standen zwei Gläser, gefüllt mit Rotwein.

»Nicht schlimm, aber ich werde mal gleich in die Küche gehen, ihr habt ja sicherlich auch Hunger.«

»Bärenhunger!«

Andrea kicherte sich nach dieser Antwort etwas weg, was mich vermuten lies, dass der Wein bei ihm bereits seine Wirkung zeigte.

»Gabriel, kann ich dir in der Küche irgendwie helfen?«

Wie er schon meinen Namen aussprach, ich bekam weiche Knie.

»Nein, aber du kannst dich zu mir setzten wir können ja plaudern.«

Till griff nach seinem Glas und folgte mir in die Küche. Andrea dagegen lag immer noch auf dem Sofa und kicherte weiter.

»Schön hast du es hier, gefällt mir dein kleines Häuschen.«

»Willst du es kaufen?«

»Steht es zum Verkauf?«

»Nie und nimmer, davon werde ich mich nicht trennen!«

»Dann wäre der Punkt ja geklärt.«

Till setzte sich hinter die Theke und stellte sein Glas ab. Ich ging an die Schränke und zog allerlei Sachen heraus, die ich zum Kochen benötigte.

»Und, heute etwas ermittelt?«

»Kleine Erfolge zwar, aber richtig weitergekommen sind wir nicht. Sagt dir der Name Fontanis etwas?«

Till schien kurz zu überlegen.

»Ja stimmt, irgendwer aus der Regierung, ist Diplomat, und lässt ab und zu etwas von uns transportieren.«

»Diplomatengepäck!«

»Ja, so ungefähr, warum fragst du?«

»Ich würde gerne gegen ihn ermitteln, aber es sind mir die Hände gebunden.«

»Fontanis ist bei den Freimaurern?«

Ich hielt kurz inne, denn ich bewunderte Tills Kombinationsgabe. Ich stellte ein Topf mit Wasser auf den Gasherd.

»Er hätte sogar ein Motiv. Sein Sohn wurde vor einem Jahr entführt und wohl auch missbraucht, seither sitzt er in der Klapse!«

»Autsch, dass ist heftig.«

»Ja, aber wie gesagt Fontanis ist Diplomat, also hat er Immunität! Lass uns aber von etwas Anderem reden.«

»Über uns?«

Till nippte an seinem Glas und lächelte mich an.

»Gibt es ein uns?«

Er stellte sein Glas ab und sah mir fest in die Augen.

»Ich weiß nicht wie ich dir das sagen soll, ohne dich irgendwie zu verwirren oder gar zu verletzten.«

Was meinte er damit? Interessiert hörte ich zu und schnitt dabei die Zwiebeln weiter.

»Was meinst du mit verletzten?«

»In dem, was ich dir sage, dass ich dich nicht erschrecke. Gabriel ich habe mich in dich verliebt, schon am Strand als ich aus dem Wasser lief, dich zum ersten Mal sah, hat es bei mir Klick gemacht!«

»Autsch, scheiße!«

Dieses Geständnis hatte mich so in Trance versetzt, dass ich mir in den Finger geschnitten hatte. Till hatte gesehen was passiert war und war aufgesprungen.

»Hast du dich arg verletzt?«

Till schien richtig besorgt um mich zu sein er nahm meine Hand und schaute sich den Schnitt am Finger an.

»Gott sei dank, es scheint nicht tief zu sein. Hast du Pflaster?«

»Ja im Bad…«

Diese Hingabe von Till lies mich den Schmerz fast vergessen, ich schaute ihn nur an.

»Andrea kannst du mal ein Pflaster im Bad holen, dein Vater hat sich geschnitten!«

Sofort stand Andrea in der Küche und sah uns beide so eng beieinander stehen.

»Was ist das hier?«

Oh, Andrea schien jetzt doch zu viel vom Rotwein zu haben, er schwankte böse hin und her.

»Hältst du um seine Hand an?«

Dabei kicherte Andrea laut los und konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten, dort wo er stand, plumpste er auf den Bogen und kringelte sich vor lachen.

»Wer hier den Rotwein nicht verträgt in der Familie ist ja jetzt wohl klar. Hier nimm das!«

Till hatte eine Serviette genommen und mir sie an den Finger gehalten.

»Wo ist das Bad?«

»Oben, zweite Tür links.«

»Ich hole das mal schnell selber, bin gleich wieder da!«

Schon war Till verschwunden und ich stand fassungslos da. Ich wusste nicht, ob ich mich dem Schmerz hingeben oder einfach laut loslachen sollte. Die Szene war eben filmreif. So besorgt wie Till getan hatte.

Junior dagegen lag immer noch auf dem Boden und bekam sich nicht mehr ein. Er hatte bereits Tränen in den Augen vor Lachen. Da kam bereits Till wieder die Treppe heruntergestolpert und hatte mehrere Päckchen in der Hand.

Nervös versuchte er mit seinen großen Händen die Verpackung zu öffnen, was ihm dann auch gelang. Schwieriger schien es für ihn jedoch, die Schutzfolie von dem Pflaster abzuziehen.

»Oh Mann, tut mir das leid!«

»Till!«

»Hätte ich doch nichts gesagt, Mensch!«

»Till!«

Er redete einfach weiter, entschuldigte sich mehrere Male. Als er das Pflaster um meinen Finger hatte, nahm ich sein Gesicht in die Hände und drückte meine Lippen einfach auf die Seinen.

Völlig überrascht verstummte Till. Ich spürte, wie ihm leicht die Knie wegsackten. Mein großer starker Held, wurde plötzlich klein und schwach. Ich ließ ihn los und schaute ihm in die Augen.

Er stand nun schwer atmend vor mir und hatte Tränen in den Augen.

»Es ist doch nur ein Kratzer!«

Till fiel mir um den Hals und umarmte mich, was bei Andrea auf dem Boden eine weitere Lachsalve verursachte.

»So hör mal zu, wir bringen Junior erst mal ins Bett, dann koch ich das Essen fertig und dann können wir in Ruhe über dein eben Gesagtes reden!«

Till nickte mir zu, wobei ich mir nicht sicher war, was gerade in seinem Kopf ablief. Ich dagegen wunderte mich über meine Gelassenheit, denn ich hatte gerade einen Mann geküsst. Einen Mann!

Till nahm Andrea auf den Arm und trug ihn die Treppe hinauf. Da ich keine Lust hatte, morgen neben ihm aufzuwachen, bei dem Alkoholgehalt, zeigte ich Till Andreas’ Zimmer. Dieser hatte nicht aufgehört zu kichern.

Sanft legte er Andrea auf sein Bett, zog ihn bis auf die Shorts aus. Nach dem Till ihn zugedeckt hatte, gab Till ihm noch einen Kuss auf die Stirn, was erneut ein Lachen bei Andrea auslöste.

»Komm lassen wir ihn alleine, sonst hört der nie auf!«

Ich schloss hinter Till die Tür und lief mit ihm wieder hinunter in die Küche. Ich stellte eine Pfanne auf und lies sie heiß werden. Die Rigattonis waren mittlerweile gar. Ich warf die Zwiebeln und den Knoblauch in die Pfanne und ließ sie kurz anbraten.

Danach gab ich noch die Rigattonis dazu, übergoss alles mit ein wenig Weiswein und würzte es noch etwas.

»Fertig!«

»Wow, an dir ist ein Koch verloren gegangen!«

»Du hast ja noch gar nichts probiert!«

»Wenn es so gut schmeckt, wie es riecht!«

Ich nahm zwei Pastateller aus dem Schrank und füllte sie, bevor ich mich neben Till setzte. Er hatte mir ebenso einen Rotwein eingeschenkt.

»Buon Appetito!«

Till lächelte mich an, prostete mir kurz zu, bevor sich daran machte, sich über die Nudeln herzumachen. Mit einem Heißhunger verschlang er den Inhalt seines Tellers. Ich dagegen aß in Ruhe, denn Till dabei zu beobachten, wir er speiste, machte viel mehr Spass.

»Es ist noch genügend da!«

Till grinste verlegen, jedenfalls vermutete ich das, soweit es ihm mit vollem Mund möglich war. Ich konnte dieses Schauspiel noch zwei weitere Teller beobachten. Ich nahm einen Schluck von meinem Rotwein, bevor ich mich an Till wandte.

»Du hör mal, ich fand deine Liebeserklärung echt toll, auch der Kuss, ich war hin und weg.«

»Aber?«

Till nahm einen kräftigen Schluck von seinem Rotwein.

»Es geht mir alles ein bisschen zu schnell, ich kenne dich noch nicht so richtig, ich kenne mich im Augenblick nicht mal richtig!«

»Heißt das…?«

»Psst! Till ich mag dich sehr gerne, oder wahrscheinlich ist da noch viel mehr, worüber ich mir noch gar nicht bewusst bin. Gibst du mir einfach nur etwas Zeit, mir über mich und meine Gefühle klar zu werden? Hilfst du mir?«

Till stellte sein Glas auf die Theke. Er hob seine Hand an und streichelte mir sanft über meine Wange.

»Gabriel, du kannst alle Zeit der Welt haben! Ich würde nie etwas tun, was dir gegen den Strich ginge. Ich will nur bei dir sein, dich lieben dürfen!«

Ich spürte die Röte in meinem Gesicht aufsteigen. Da musste man achtunddreißig Jahre alt werden um sich wie ein verliebter Teeny zu fühlen.

»Danke!«

Till schaute auf seine Uhr.

»Ich muss dann langsam los, es ist schon sehr spät und ich muss morgen frühzeitig raus.«

»Du hast Rotwein getrunken und willst noch fahren?«

»Gabriel, es waren nur zwei Gläser und außerdem finde ich es keine gute Idee heute bei dir zu übernachten!«

Ich musste zugeben, etwas enttäuscht war ich schon, aber er hatte recht, ich wollte ja selbst nichts überstürzen. Er stand auf nahm mich in den Arm und gab mir eine Kuss. Unsere Lippen spielten miteinander, die Zungen vergnügten sich.

»Gute Nacht mein Bär, schlaf gut, ich rufe dich morgen an!«

»Du auch, ich freu mich schon!«

Er nahm seine Jacke und verließ mich nach einem kurzen Kuss. Draußen hörte ich das tiefe Grollen seines Wagens und lauschte, bis das Geräusch nicht mehr zu hören war. Ich räumte noch schnell das Geschirr zusammen, schloss die Terrassentür und ging nach oben.

Ein kurzer Blick in Andreas’ Zimmer versicherte mir, dass er fest schlief. Ich löschte das Licht im Bad und ließ mich gemächlich ins Bett gleiten.

Mit einem Lächeln auf dem Mund und den Gedanken an Till war ich schnell eingeschlafen.

*-*-*

»Oh Gott ist mir schlecht!«

Andrea stand an der Tür zur Küche und ich konnte mir ein Grinsen nicht verbeißen.

»Kopfwehtabletten findest du im Bad, ich muss dann los!«

Ich dränge mich an Andrea vorbei, wuschelte ihm über die Haare und ging. Tja Sohnemann, wer trinken kann, muss auch den nächsten Morgen ertragen können, dachte ich mir, als ich den Wagen startete.

Wenig später, im Revier bekam ich vom Telefondienst mehrere Zettel in die Hand gedrückt. Darunter auch eine Nachricht, vom Präfekten. Als ich seine Nummer wählte kam Philippe in mein Büro.

Ich hob die Hand, er solle kurz still sein, als sich auf der anderen Seite jemand meldete.

»Hier ist Commissario Bornetti, ich sollte mich melden? — Ja, klar, ich kann sofort kommen. — Okay, in einer halben Stunde bin ich bei ihnen, Herr Präfekt!«

Ich drückte das Gespräch weg. Philippe löste sich aus seiner Starre und gab mir weitere Unterlagen.

»Wir haben die Spermaspuren des Opfers mit denen der Anderen verglichen, Volltreffer!«

»Das freut mich zu hören!«

»Was wollte der Präfekt?«

»Ich weiß es nicht, aber ich solle dringend zu ihm kommen. Ich bin also weg, wenn was ist, du weißt wo du mich finden kannst.«

»Okay Chef!«

Schon saß ich wieder im Wagen und fuhr zum Präfekten. Dort angekommen, wurde ich gleich vorgelassen, musste nicht wie sonst erst warten. Der Präfekt war diesmal alleine, von seinem Spürhund Mechangino war keine Spur.

»Commissario Bronetti!«

»Präfekt!«

Wir schüttelten uns die Hände.

»Setzten sie sich bitte!«

Ich tat wie mir angewiesen und setze mich zum Präfekten an seinen Schreibtisch.

»Ich hatte ein langes Gespräch mit Richter Castisi, er hat mir allerlei Interessantes erzählt!«

Ich wusste wann ich zu schweigen hatte und hörte dem Präfekten weiter zu.

»Auch bin ich, über ihren Ermittlungsstand informiert. Um so mehr ärgert es mich, dass mir wie ihnen die Hände gebunden sind!«

Ich verbiss es mir das Grinsen, denn ich sah es gerne, wenn der Präfekt vor mir zappelte.

»Ich weiß nicht wie, aber irgendwie müssen sie Fontanis überführen!«

»Und was ist mit Mechangino, er scheint mit Fontanis sehr gut befreundet zu sein.«

»Den halte ich ihnen vom Hals. Aber Commissario, walten sie mit äußerster Vorsicht. Ich kann sie eine Zeitlang decken, aber auch ich habe Grenzen!«

Später kam ich mit einem zufriedenen Lächeln zum Wagen zurück. Was mir aber gleich wieder verging. Wieder steckte ein Strafzettel an der Windschutzscheibe. Ich sah mir die Nummer an und verglich die Nummer des Ausstellers.

Verfolgte mich diese Frau, hatte sie es auf mich abgesehen? Eine halbe Stunde später war ich beim Chef der Verkehrspolizei.

»Tut mir leid Bronetti, sie hat hier mit der Empfehlung aus höchster Stelle angefangen!«

»Wer?«

»Mechangino!«

Ich musste kurz lachen. Mechangino und ich waren noch nie gut miteinander. Meine Arbeitsweise war ihm zu unkonventionell. Aber der Erfolg gab mir Recht, meine Verhaftungsquoten sprachen für sich, auch wenn sie oft am Rande der Legalität waren.

Er hatte sich durch Beziehungen seine Job verschafft, ich war durch harte Arbeit zum Commissario befördert worden.

»Hören sie Francesco, pfeifen sie die Caligula zurück, um Mechangino kümmere ich mich dann!«

Noch wusste ich nicht, wie Recht ich damit haben sollte. Ich verließ das Büro, und begab mich ein Stockwerk tiefer, wo mich Costa und Philippe schon erwarteten. Ich zeigte auf mein Büro und sie verstanden. Still folgten sie mir.

»Setzt euch!«

Beide machte es sich bequem und schaute mich gespannt an.

»Ich hatte eben ein Gespräch mit dem Präfekten, es ging um Fontanis. Wir werden eine rundum Observation machen und ich will alles auch jedes noch so kleinste Detail von ihm wissen!«

Costa nickte, aber Philippe schien nicht recht zu wissen, was er denken sollte.

»Und was ist mit Mechangino, wie ich heraus bekommen habe sind sie nicht nur sehr gute Freunde, sondern Mechangino ist Pate von Fontanis Sohn!«

»Interessant zu hören, aber keine Sorge, der Präfekt versucht uns Mechangino vom Hals zu halten.«

Es klopfte an meiner Tür, ein Streifenpolizist schaute herein.

»Commissario, in der Innenstadt ist eine Kneipe explodiert.«

»Was hat das mit uns zu tun?«

»Es ist das „Totafu“.«

Ich schaute kurz zu Philippe und Costa.

»Danke Borgese, wir werden uns darum kümmern.«

Ich musste kurz an Andrea denken, der, wie er mir erzählte, mittags öfter dort verweilte um einen Capuccino zu trinken. Ich zog mein Handy heraus und wählte die Nummer von zu Hause.

Ich ließ es ein paar Mal klingeln, aber keiner nahm ab. Ich wählte eine weitere Nummer, diesmal die von Till. Er ging nach dem zweiten Klingeln dran.

»Hallo Bär, freu mich über deinen Anruf.“

»Hallo Till, der Anruf ist nicht so erfreulich! Könntest du mir einen riesen Gefallen tun?«

»Klar, was ist denn passiert?«

»Das erzähle ich dir später! Könntest du bei mir zu Hause vorbei schauen, Andrea geht nicht ans Telefon.«

»Kein Problem! Aber warum?«

»Wie gesagt, ich habe gerade wenig Zeit, aber bitte beeil dich. Du erreichst mich über mein Handy.«

»Okay Gabriel, ich mach mich sofort auf den Weg.«

»Danke. Ach so, wenn du ins Haus musst, der Schüssel liegt unter dem großen Blumentopf neben der Eingangstür!«

Costa und Philippe schauten mich verwundern an.

»Okay, dann bis später, ich liebe dich Gabriel!«

Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen.

»Ich dich auch, Till!«

Wow, was kam da über meine Lippen! Costa und Philippe waren nun völlig verwirrt.

»Was sitzt ihr hier noch herum, wie müssen los.«

Die ganze Zeit auf dem Weg zu der Kneipe, konnte ich an nichts anderes denken, als an Andrea. Ich lauschte, aber mein Handy tat keinen Ton. Nachdem wir durch die Absperrung fuhren, sahen wir die Ausmaße der Verwüstungen.

»Ob da jemand heil herausgekommen ist?«

Ich sah Costa, wegen seiner Bemerkung ängstlich an, was er wiederum nicht verstand. Wir zückten unsere Ausweise und wurden in die Reste des Ladens vorgelassen.

»Vorsicht Commissario, überall ist es rutschig von Löschwasser.«

Ich bedanke mich bei dem Feuerwehrmann, der uns auch darüber Auskunft gab, daß wie durch ein Wunder, es keine Tote gab. Innerlich atmete ich erst einmal durch. Hier konnten wir nicht mehr viel tun.

Andrea war nicht unter den Besuchern oder den Verletzten dabei. Ich erschrak als mein Handy losklingelte.

»Gabriel?«

»Ist Andrea bei dir?«

»Du solltest besser herkommen!«

»Was ist? Wo ist mein Junge?«

»Gabriel, bei dir wurde eingebrochen, ich konnte Andrea nicht finden!«

*-*-*

Mit quietschenden Reifen hielt ich vor meinem Haus, direkt neben Tills Audi. Er stand schon vor der Tür und erwartete mich. Ich rannte ins Haus und fand ein Chaos vor. Alles war durcheinander geworfen.

Costa und Philippe waren mir gefolgt, beäugten Till, den sie nicht kannten.

»So habe ich all das hier vorgefunden und Andrea war nicht zu finden.«

Ich raufte mir die Haare sah mich weiter um. Costas Handy klingelte er trat ein wenig zur Seite und nahm das Gespräch an.

»Chef, das war das Büro des Präfekten, die meinten, sie sollten wissen das Mechangino, ihre privaten Unterlagen angefordert hatte.«

Ich sah Costa entsetzt an.

»Dieses Schwein wird doch nicht…«

»Gabriel, kannst du mir sagen, was überhaupt los ist?

Till hatte sich vor mir gestellt.

»Wenn Mechangino meine Akten angefordert hat, er Ermittlungen gegen mich durchgeführt hat, hat er wahrscheinlich heraus bekommen, dass Andrea schwul ist.«

»Chef sie meinen doch nicht etwa…?«

»Scheiße! Was soll ich denn bitte schön anderes denken, Costa? Mechangino ist Fontanis bester Freund, er deckt ihn, was soll ich da denken, wenn Andrea nicht mehr da ist!«

Till schaute mich entgeistert an.

»Wo wohnt dieser Fontanis, ich muss dahin!«

»Gabriel, das hat doch keinen Sinn, er hat Immunität.«

»Da muss ich dem Herrn recht geben, und ich denke nicht, wenn er ihren Jungen hat, ihn in seinem Haus zu verstecken«

Philippe hatte sich zu Wort gemeldet.

»Wo aber soll er ihn denn bitte schön hingebracht haben?«

»Wir wissen zum Beispiel, dass er am Hafen eine Halle angemietet hat!«

Philippe blieb ruhig.

»Scheiße!«

Ich sah Till an, der sich mit der Hand auf die Stirn schlug.

»Was ist Till?«

»Alle Waren, die Fontanis sich von uns nach Sizilien hat verfrachten lassen, lagern in unserer Halle am Hafen, verstehst du, die Halle die Philippe meint, gehört meiner Firma!«

»Also kein diplomatisches Gebiet! Hat er Schlüssel?«

»Klar hat er Zugang.«

Ich warf Philippe meinen Schlüssel zu.

»Ihr nehmt meinen Wagen ich fahr mit Till und bitte verständigt meine Frau!«

Zu viert stürzten wir aus meinem Haus und ich saß kaum, als Till mit quietschenden Reifen die Gasse verließ. Ich war schnelles Fahren eigentlich gewohnt, aber was Till da hinlegte, brachte mir Erfurcht vor seinem Fahrstil ein.

Ich schaute nach hinten und sah, dass Costa und Philippe Schwierigkeiten hatte uns zu folgen. Hart trat Till den Motor, in jeder Kurve konnte ich die Reifen hören.

»Till, wir wollen dort heil ankommen!«

Er gab keinen Ton von sich, verbissen sah er auf den Verkehr. Erst als wir den Hafen erreichten, verringerte er sein Tempo um schließlich den Wagen vor einer Halle ausrollen zu lassen.

Hastig verließ er den Wagen ich folgte ihm. Er nahm einen Schlüssel und schloss eine Seitentür auf. Als er die Halle betreten wollte, hielt ich ihn zurück. Ich zog meine Waffe und ging vor.

Es schien jemand da zu sein, denn das Licht war eingeschaltet. Nachdem wir eine Kisten umrundet hatten, hörten wir Stimmen.

»Alberto bist du wahnsinnig, damit möchte ich nichts zu tun haben!«

Ich kannte diese Stimme, sie gehörte Mechangino.

»Was regst du dich auf, dass ist doch nur eine weitere dreckige Schwuchtel, genauso wie die, die meinen Sohn auf dem Gewissen haben!«

Leise, mit ausgestreckter Waffe, umrundete ich die letzte Kiste. Da stand Mechangino und Fontanis, der ein Messer in der Hand hatte. Schlimmer noch, in der anderen Hand hatte er die Haare von Andrea, der bewegungslos vor ihm kniete.

Ich verkniff mir einen Schrei und versuchte ruhig zubleiben.

»Fontanis, werfen sie das Messer weg!«

Mein Schrei hallte in der Halle nach. Beide fuhren zusammen, anscheinend hatten sie unser kommen, wirklich nicht bemerkt!

»Bornetti, was für eine Überraschung, wie haben sie uns so schnell gefunden?«

Fontanis hatte wohl schnell wieder seine Fassung gefunden. Ich zielte auf ihn, denn er hatte das Messer an Andreas’ Hals angelegt.

»Legen sie das Messer weg, sonst…!«

»Was sonst, du dummes Arschloch! Du kannst mir gar nichts, ich bin Diplomat, ich kann tun was ich will!«

Mir reichten die Worte die ich hörte. Ein lauter Knall durchfetzte die Stille in der Halle. Fontanis sank in sich zusammen und ließ Andrea los. Ich stürzte zu ihm und hob ihn auf. Mittlerweile waren auch Philippe und Costa angekommen.

Till stand neben mir, streichelte Andrea sanft über das Gesicht, der anscheinend bewusstlos war. Neben mir machte es Klick, Costa hatte Mechangino Handschellen angelegt, der bisher noch kein Wort gesagt hatte.

»Für die Akten, Mechangino. Hier ist weder das Haus des Diplomaten, noch sitzt er in seinem Auto oder befindet sich im Konsulat. Wir sind hier auf italienischen Boden!«

Mechangino fand keine Worte und wurde von Costa abgeführt. Draußen konnten wir Sirenen hören und wenig später kam Laura angerannt.

»Was ist mit Andrea?«

Der öffnete gerade seine Augen und sah mich aus seinen verkaterten Augen an.

»Dad, ich trinke nie wieder Rotwein, mir ist so schlecht!«

Till und ich mussten grinsen.

*-*-*

»Ja Philippe, morgen wieder! Das machen wir alles morgen, wenn ich im Büro bin.«

Ich drückte das Gespräch weg und lehnte mich wieder zurück. Genauer gesagt in die Arme von Till der hinter mir auf der Liege saß. Er legte seine Arme um mich.

»Bin ich froh, das dein Andrea nicht mehr als eine Beule abbekommen hat.«

Da musste ich Till recht geben. Andrea lag in seinem Zimmer und schlief tief und fest.

»Ich glaube er hat größere Probleme mit seinem Kater, den muss er erst mal auskurieren.«

Till fuhr mir zärtlich über den Kopf, während ich an meinem Glas nippte. Ein wohlklingendes Brummen verließ meinen Mund.

Ende

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Die Fälle des Bronetti - Teil 1 - Bronetti und das Leben, 10.0 out of 10 based on 27 ratings

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