Der Reiterhof – Teil 1

Tobias

Schwer bepackt stieg ich das Trittbrett hinunter. Nicht einmal einen vernünftigen Bahnsteig hatten die. Schien wirklich das letzte Kuhkaff zu sein. Hohengrinde, komischer Name. Ich konnte am Ortsrand auf einem Berg ein kleines Schloss ausmachen, aber sonst nichts weiter entdecken. Außer mir stiegen noch drei weitere Jungs aus dem Zug, ebenso bepackt wie ich.

Wie konnte ich mich nur auf diese doofe Idee meiner Eltern einlassen? Wäre ich doch nur zu Hause geblieben und hätte mich dort zu Tode gelangweilt, als hier im Mist rum zu schaufeln. >Ferien auf dem Reiterhof< bei tatkräftiger Unterstützung gab es einen schönen günstigen Urlaub.

Die suchten nur billige Arbeitskräfte, weiter nichts. Genauso wie die anderen Jungs schaute ich mich ratlos um. Es hieß, ich würde vom Bahnhof abgeholt. Also lief ich zum Bahnhofsgebäude, oder wie man diesen baufälligen Schuppen sonst noch nennen konnte.

Ein etwas miefiger Geruch schlug mir entgegen, bei den Temperaturen auch kein Wunder. Meine Klamotten klebten eh an mir und ich wünschte mir nichts sehnlicher als eine Dusche. Mittlerweile hatte ich die Halle des Gebäudes durchquert und kam zum Ausgang.

Hinter mir hörte ich ein Geräusch und stellte fest, dass die anderen Jungs mir einfach gefolgt waren. Ich trat wieder ins Freie und genoss die Luft, die mir entgegen schlug. Es war zwar schwül, aber immer noch besser als drinnen.

Etwas genervt stellte ich meinen Rucksack und die große Tasche auf den Boden. Auch hier war niemand zu sehen, der nach einem Abholkommando aussah. Mittlerweile waren auch die drei Anderen bei mir eingetroffen.

„Auch Reiterhof?“, fragte der große Schlaksige.

Ich nickte.

„Bin der Benjamin“, meinte er und streckte mir die Hand entgegen.

„Tobias“, sagte ich und schüttelte seine Hand.

Ich schaute zu den zwei Anderen und stellte fest, dass es Zwillinge waren, schienen wie ich auch ungefähr siebzehn zu sein.

„Peter und Tim“, meinte der eine Zwilling.

„Und wer ist Peter, wer Tim?“, fragte Benjamin.

Der eine grinste.

„Ich bin Tim.“

„Du wohl Peter?“, fragte Benjamin weiter.

„Jepp!“

Also, wenn sie keine gleichen Klamotten anziehen würden, könnte man sie wenigstens unterscheiden! Na ja, Tim grinste die ganze Zeit, während Peter ein ernstes Gesicht machte.

„Sollten wir nicht abgeholt werden?“, fragte Peter.

„Im Anmeldungsbogen stand jedenfalls etwas vom Transfer in den Reiterhof“, sagte Benjamin.

„Transfer…“, wiederholte ich und fing an zu kichern.

„Was ist denn?“, wollte Tim wissen.

„Dieses Wort passt nicht zu diesem Ort. Sieht’s hier aus, als würde gleich ein Shuttlebus vorfahren und uns abholen?“

Alle drei schüttelten den Kopf. Irgendwoher konnte ich ein Wiehern vernehmen und drehte mich um. Ich traute meinen Augen nicht – da kam tatsächlich eine Kutsche gefahren. Na ja, gefahren – der Typ hatte richtig Tempo drauf, die Pferde galoppierten ja regelrecht. Aber es waren schöne Pferde.

„Der wird uns doch nicht abholen wollen?“, meinte Tim.

„Ich denke schon, kommt doch der Sache Reiterhof ziemlich nahe“, meinte ich.

Je näher sie kam, umso mehr verlangsamte sich das Tempo der Kutsche, bis sie endlich direkt vor uns zum Stehen kam.

„Brrrrr…. Tristan. Sorry Leute, der Pickup hat den Geist aufgeben ich und musste erst die Kutsche einspannen.“

Tristan? Ein Pferd, das Operfan war? Fehlte nur noch, dass das Pferd daneben Isolde hieß. Der Typ sprang von der Kutsche und umrundete die Tiere.

„Hallo, ich bin Georg, Sohn der Besitzer des Reiterhofes Hellmann“, sagte er und streckte uns die Hand entgegen.

„Tim.“ „Peter.“ „Benjamin.“ „Tobias.“

Einer nach dem anderen hatten wir seine Hand geschüttelt.

„Tobias… du hast eine Allergie… glaub ich“, meinte Georg.

Oh Mann, musste das jetzt breit getreten werden? Die anderen drei schauten mich an und ich konnte es nicht unterbinden, rot zu werden.

„Ja… eine leichte Form von Neurodermitis. Habe aber alles dabei.“

„Ist das schlimm?“, fragte Peter.

„Was?“

„Das Neuroderdingensda?“

„Nein, wenn’s juckt, kratz ich mich nur, bis es blutet“, meinte ich trocken.

Georg sah mich merkwürdig an.

„So, dann nehmt mal eure Taschen, die binden wir hinten drauf.“

Wir folgten ihm mit dem Gepäck an die Rückseite der Kutsche, wo eine kleine Mulde angebracht war. Nacheinander packten wir da unsere Taschen drauf.

„Eure Rucksäcke könnt ihr ja mit nach vorne nehmen“, meinte Georg und zurrte unser Gepäck fest.

Wir gingen also wieder nach vorne.

„Soll ich der Dame reinhelfen?“, meinte Tim zu seinem Bruder und hielt ihm grinsend seine Hand entgegen.

„Arsch!“, kommentierte Peter das nur und stieg ohne Hilfe ein.

Wir drei stiegen ebenfalls ein und ließen uns auf die gepolsterten Bänke fallen. Ich war noch nie in einer Kutsche gesessen, geschweige denn, gefahren. Georg nahm die Zügel auf.

„Hü Tristan, es geht wieder nach Hause!“

Ein Ruck und die Kutsche setzte sich in Bewegung. Diesmal aber nicht so schnell wie vorhin. Irgendwie kam ich mir blöd vor. Leute, die auf der Straße liefen, glotzten uns an. Konnte der Typ nicht schneller fahren?

„Das ist ja richtig >romantisch<“, meinte Tim und fing wieder an zu kichern.

Schien wohl der Scherzkeks in der Familie zu sein. Überhaupt unterschieden sich darin die Zwillinge kolossal. Während Tim breitbeinig eher machohaft dasaß, ein Späßchen nach dem Anderen riss, war Peter wohl der Ruhigere von beiden, hatte die Beine übereinander geschlagen und schaute sich in der Gegend um.

„Ihr wärt dann die Letzten, der Rest wurde mit dem Auto gebracht“, fing Georg vorne auf dem Kutschbock an zu reden, ohne sich umzudrehen, „würdet ihr vier euch dann ein Zimmer teilen?“

Wir schauten uns alle an und waren uns schnell einig.

„Kein Problem“, meldete sich Tim.

„Wie viele sind denn noch gekommen?“, fragte Benjamin.

„Mit euch sind es acht Jungs und acht Mädchen, alle im selben Alter“, antwortete Georg

Mädels? Das konnte ja heiter werden, ich stand absolut nicht auf Weiber.

„He, das wird sicher interessant“, meinte Benjamin und lachte dreckig.

Tim erwiderte dieses Lachen, während Peter weiter uninteressiert in die Gegend schaute. Langsam wurden die Häuser weniger und wir verließen die Ortschaft. Toll – auch noch außerhalb, komplett von der Zivilisation abgeschnitten.

„Könnt ihr denn alle reiten?“, fragte Georg.

„Ja, ich hatte schon Reitunterricht und mein Bruder auch“, meldete sich Tim zu Wort.

„Du, Benjamin?“

„Ja, ab und zu war ich reiten.“

„Und Tobias?“, fragte Georg und diesmal drehte er sich kurz um, um einen Blick auf mich zu werfen.

„Meine Eltern haben mit Pferden zu tun, also kann ich auch reiten.“

Ich wollte hier nicht breittreten, dass mein Vater Tierarzt war und schon gar nicht, dass er eine große Praxis besaß und von dem Gutshof schwieg ich lieber auch.

„Um euch ein bisschen klar zu machen, wie ihr euch euren Aufenthalt hier vorstellen könnt, erzähle ich einfach etwas davon“, sprach Georg vorne auf dem Kutschbock weiter.

„Wir stehen morgens um sieben Uhr auf, dann geht es direkt ab in den Stall!“

Halt, vom frühen Aufstehen war nicht die Rede, boah Mann, ich hatte Ferien. Und seit wann bekommt ein Tier vor dem Menschen was zu Essen? Meine Laune näherte sich dem Tiefstpunkt, ich konnte dem Ganzen wirklich nichts Positives mehr abgewinnen.

„Also den Stall ausmisten und danach die Pferde versorgen. Dann geht’s ab zum Frühstück und danach beginnen die Reitkurse. Mittagessen nehmen wir dann wieder gemeinsam ein, den Nachmittag und Abend habt ihr zur freien Verfügung.“

Wenigstens etwas. Georg wurde noch langsamer und bog in einen Feldweg ein. Die Kutsche fing nun an zu wackeln und ich war froh, dass die Bänke, auf denen wir saßen, gepolstert waren.

In der Ferne zwischen hohen Pappeln konnte man Häuser ausmachen. Das war hier wirklich am Arsch der Welt und das für drei Wochen! Irgendwie würde es schon gehen und zudem war ich ja nicht alleine.

Das Reiterhof kam näher und schon konnte man die ersten Pferde auf den Koppeln sehen. Ich liebte Pferde, sie waren so erhabene Geschöpfe, kraftvoll und treu. Georg fuhr durch ein Holzgatter, bevor er abbremste.

Er sprang von der Kutsche und schloss das Gatter. Dann stieg er wieder auf und wir rollten weiter zu den Gebäuden. Dort standen ein paar Fahrzeuge mit Leuten dahinter. Anscheinend waren das die, von denen Georg meinte, sie wären hergebracht worden.

Ich konnte auch gleich eine Gruppe Jugendlicher entdecken, die an einem Gatter mit Pferden standen. Georg brachte die Kutsche zum Stillstand.

„Mum, hier sind die letzten Vier vom Bahnhof“, rief Georg einer Frau zu, die sich zu uns umdrehte.

„Gut, dann bitte ich mal alle, herzukommen“, meinte sie mit kräftiger Stimme, „Georg, holst du mal bitte deinen Vater, er ist im Stall.“

Georg sprang von der Kutsche und verschwand im Stall. Der Rest der Eltern und der Jugendlichen traten nun vor ihr zusammen.

„So, dann begrüße ich alle noch mal herzlich und würde mich freuen, wenn alle drei schöne Wochen hier verbringen würden. Für die, die es nicht mitbekommen haben, mein Name ist Corinna Hellmann. Georg, unseren Sohn, habt ihr ja alle schon kennen gelernt. Mein Mann und ich betreiben diesen Reiterhof schon seit zehn Jahren und unsere Tochter Steffi hilft uns ebenso.“

Ein Mann trat mit Georg zusammen neben Corinna.

„Die Zimmer sind schon verteilt… tja, dann heißt es mal, Abschied nehmen und danach Zimmer beziehen.“

Ein wildes Durcheinander entstand an den Autos, während Georg uns half, unser Gepäck abzuladen.

„Kommt, ich zeige euch gleich eurer Zimmer. Bis die fertig sind, dauert es eh noch eine Weile“, meinte Georg und ging voraus.

Mitten durch die Menge schob ich mich, um Georg folgen zu können, was mit dem Gepäck nicht gerade einfach war. Georg öffnete die Tür des großen Hauses und ließ uns alle hinein.

„Da drüber ist unser Aufenthaltsraum, da wird auch gegessen!“, erklärte Georg, bevor er die Treppe hinauf stampfte.

Die enge Treppe war auch nicht für viel Gepäck konzipiert, so blieb ich fast jede zweite Stufe hängen und als ob das noch nicht reichen würde, ging es noch ein Stockwerk höher.

„So, da ihr die ersten seid, bekommt ihr auch das beste Zimmer“, meinte Georg und öffnete eine Tür.

Wir betraten einen großen Raum, der zur Hälfte durch eine Wand getrennt war, an beiden Seiten der Wand befanden sich zwei Betten und davor stand ein Tisch mit vier Stühlen. Zwei Schränke konnte ich zu beiden Seiten ebenso noch ausmachen.

„Hinter der Tür ist euer Bad und da vorne geht es zum Balkon raus. Dann räumt mal ein, wir treffen uns nachher alle gegen sechs unten im Aufenthaltsraum. Bettwäsche liegt auf dem Bett, also bis nachher.“

Und schon war er weg und wir standen immer noch mit dem Gepäck da.

„Schlafen wir beieinander?“, fragte Tim Benjamin.

„Damit wäre wohl die Bettenfrage schon geklärt“, Benjamin nickte und lief mit Tim auf die rechte Seite des Zimmers.

„Dann wirst du wohl mit mir vorlieb nehmen müssen“, meinte ich zu Peter, der mich verlegen anlächelte.

Peter

Ich legte meine Tasche auf das Bett, Tobias stellte seine Koffer auf das Bett ab. Neben dran war Gelächter zu hören und als ich um den Mauervorsprung schaute, bekam ich direkt ein Kissen ins Gesicht.

Tim und Benjamin lagen auf dem Bett und bewarfen sich mit Kissen. Ich zog mich wieder auf unsere Seite zurück, wo Tobias bereits seinen Koffer auspackte. Irgendwie war ich immer noch verärgert.

Sauer auf meinen Bruder und meine Eltern. Ich stellte meinen Koffer auf meine Seite des Bettes und öffnete ihn. Am liebsten würd ich ihn wieder zumachen und zurückreisen. Aber meine Eltern meinten ja, mein kleiner Bruder bräuchte Aufsicht.

Gut ich war nur vier Minuten als er, aber auch der Vernünftigere. Im letzten Jahr hatten wir nur Ärger mit Tim. Mehrere Mal war meine Mutter in die Schule bestellt worden, oder mein Vater zu den Nachbarn.

Ich war mir sicher, bei den Nachbarn war eine Gerölllawine vom Herzen abgegangen, als sie erfuhren, Tim ist drei Wochen nicht zu Hause. Ich nahm meine Kleidungsstücke aus dem Koffer und legte sie in das Regal, das auf meiner Seite war.

Tobias tat das Gleiche, na ja von legen konnte man ihm seinen Fall nicht reden, er schmiss sie regelrecht ins Regal.

„Ist irgendetwas?“, fragte ich leise.

„Ach… egal. Ich wollte nur nicht hierher…“, antwortete er und warf ein paar Turnschuhe auf den Boden.

„Da sind wir schon zwei!“, entgegnete ich.

„Wieso?“

„Ich musste als Aufpasser meines Bruders mit.“

Tobias fing an, sich am Arm zu kratzen.

„Juckt es?“, fragte ich.

„Ja… ich wollte eigentlich unter die Dusche. Es klebt eh alles an mir.“

„Gute Idee, aber ich lasse dir den Vortritt, du scheinst es nötiger zu haben.“

Tobias rollte mit den Augen und nickte. Ich lief um die Ecke, wo Benjamin und Tim immer noch mit den Kissen zu Gange waren.

„Tim, packst du mal bitte deinen Koffer aus.“

„He Alter, du hast hier gar nichts zu sagen“, entgegnete mir Tim.

„Ich habe dich ja auch gebeten, okay?“

Ab und zu könnte ich ihn echt an die Wand klatschen, immer so eine große Fresse. Aber da war nichts dahinter. War der Ärger erst einmal da, war er klein wie ein Zwerg. Tobias schien schon duschfertig zu sein. Er lief mit Handtuch über der Schulter und Shampoo in der Hand, nur in Shorts an mir vorbei.

„Ich beeile mich, dann kannst du auch gleich“, meinte er und verschloss hinter sich die Badtür.

Also nahm ich ein Handtuch aus dem Regal und suchte in meinem Koffer den Kulturbeutel, den mir Mum extra für diese drei Wochen gekauft hatte. Ich fand das Teil nur spießig. Ich zog das Shampoo heraus und pfefferte den Kulturbeutel wieder in den Koffer.

Benjamin und Tim schienen es immer noch nicht vorzuziehen, ihre Koffer auszupacken und rannten an mir vorbei aus unserem Zimmer. Ich sah ihnen nach, wie sie die Treppe hinunter jagten und schüttelte den Kopf.

Die Tür hatte ich geschlossen, denn mich vor der offenen Tür auszuziehen, wo mich jeder sehen konnte, darauf hatte ich keine Böcke. Im Bad hörte ich das Wasser rauschen. Ich setzte mich aufs Bett und zog meine Schnürsenkel auf.

Aus den Schuhen kam ein übler Geruch, kein Wunder, hatte ich die Teile schon Stunden an und bei der Wärme… Ich trat in Strümpfen an die Glastür und öffnete sie. Zum Vorschein kam ein wunderschöner Balkon.

Ich trat hinaus und genoss erst mal die Aussicht, bevor ich meine Turnschuhe zum Lüften abstellte.

„He, das ist ja cool!“

Ich erschrak und drehte mich um. Tobias schien mit dem Duschen fertig zu sein. Mit tropfnassen Haaren stand er, nur mit einem Handtuch um die Hüften, neben mir. Ich wusste nicht, warum, aber ich konnte meinen Blick nicht von ihm wenden.

Tobi war braun gebrannt und auch Top in Form. Ich bewunderte die Muskeln.

„Das ist ja echt eine geile Aussicht“, meinte Tobi, was ich nur mit einem Nicken bestätigen konnte.

Was mache ich hier, ich starre auf Tobi und finde ihn geil, bin ich bescheuert oder was? Abrupt fuhr mein Blick hoch und ich schaute in dieselbe Richtung wie Tobi. Unten waren Stimmen zu hören. Tobi und ich gingen einen Schritt vor und schauten nach.

Da stand ein kleiner Pulk Mädchen, die sich unterhielten. Als eine zufällig nach oben sah und die Blicke der Anderen plötzlich folgten, fing ein lautes Gekicher an.

„Du scheinst deinen ersten Fanclub hier zu haben, Tobi“, meinte ich und musste grinsen.

„Bah, Hühnervolk, sollen mir ja meine Ruhe lassen… ach so, Tobi kannst ruhig weiter sagen, zu Hause nennen mich auch alle so.“

„Zu Hause? Wo kommst du eigentlich her?“

„Reutlingen.“

„Oh echt, wir sind aus Stuttgart, da wohnen wir ja nicht mal weit von einander entfernt.“

„Stimmt… und dann trifft man sich hier im Norden.“

„Haben meine Eltern ausgesucht, nicht ich“, meinte ich und betrat wieder das Zimmer.

Tobi folgte mir und schloss die Balkontür.

„Ja, dann geh ich mal Duschen“, meinte ich und begann mir mein klebriges Shirt über den Kopf zu ziehen.

Tobi nickte und suchte sich frische Klamotten aus dem Regal. Ich warf meine Baggy über den Stuhl und verschwand nun auch unter der Dusche. Ich wunderte mich, dass das Bad so geräumig war, von draußen sah alles so klein aus.

In die Duschkabine passten zwei Leute locker rein und es waren auch zwei Waschbecken vorhanden. Ich hängte mein Handtuch auf und setzte mich kurz auf die Toilette. Die Tür ging auf und Tobi streckte kurz seinen Kopf rein.

„Sorry, hab meine Boxer vergessen.“

Er griff nach ihr, die auf einem Hocker lag und war schon wieder verschwunden. Scheiße, ich musste mir angewöhnen, die Tür zu verschließen. Ich kam mir sau blöd vor, hier auf der Schüssel hockend und Tobi konnte mich so sehen.

Ich drückte die Spülung und drehte danach das Wasser auf. Es war eine Wohltat. Ich stand erst Mal da und ließ dass Wasser über meinen Körper laufen. Mein Gedanke fiel wieder auf Tobi, wie er eben auf dem Balkon neben mir gestanden hatte.

Diese glatte Haut, die wohl geformte Brust und der Sixpack. Ich zuckte zusammen, erschrak über mich selbst. Was war das für ein Mist, noch mehr erschrak ich über meinen Schwanz, der kerzengerade nach oben zeigte.

Was war nur mit mir los? Verwirrt lehnte ich mich an die Wand, schloss die Augen und versuchte, diese Gedanken zu verdrängen. Musste ich mich jetzt ausgerechnet in meinen Zimmerkollegen verknallen?

Ich schnappte mir das Shampoo, gab etwas auf meine Hand und begann, damit mein Haar einzureiben. Den Schaum spülte ich aus und seifte den Rest meines Körpers ein. Mein Schwanz hatte in keinster weise an Härte nachgelassen.

Was machte ich jetzt nur? So schnell würde der nicht weggehen… aber mir hier einen runterzuholen?… Was, wenn Tobi noch mal ins Bad stürmte?? Mittlerweile war ich von meinem Einseifen selber erregt.

Mein Kopf schaltete ab und ich holte mir einen runter. Ich war überreif, denn ich kam recht schnell und gewaltig. Ich biss mir die Lippen zusammen, damit ich ja keinen Laut von mir gab. Schwer keuchend lehnte ich mich an die Wand.

Aus dem Augenwinkel heraus sah ich, wie die dicken Batzen meines Samens die Duschwand herunter liefen. So gewaltig war ich noch nie gekommen… langsam zweifelte ich an mir selbst.

Schnell sprühte ich alles an, um meine verräterischen Spuren zu vernichten. Danach drehte ich das Wasser ab. Mein Schwanz ging in Normalform über und meine Bedenken kamen wieder.

Tobias

Ich war am Verzweifeln. Mein Rücken juckte und ich kam nicht hin. Ich stellte mich an den Türrahmen und rieb mit dem Rücken darüber. Ah, tat das gut. Ich ärgerte mich über mich selber.

Meine Mum hatte Recht. Sie meinte noch heute Morgen, ich solle mich ja gut einreiben, heute wäre es heiß und ich würde viel schwitzen, besonders im Zug. Ich wollte nicht auf sie hören und wieder wie eine glänzende Speckschwarte herumlaufen.

Und jetzt hatte ich den Schlamassel. Der Rücken juckte und andere verschiedene Teile am Körper. Verärgert über mich selbst ging ich an den Koffer und nahm eine der Tuben mit Creme heraus, die mir Mum vorsorglich eingepackt hatte.

Ich begann, meine Kniekehlen einzureiben, als Peter wieder aus dem Bad herauskam.

„He du bist ja ganz rot auf dem Rücken“, meinte Peter.

„Ja, juckt wie Teufel… könntest du… mir vielleicht Creme drauf machen?“

Peter stockte kurz.

„Ja… klar, gib her.“

Ich stand auf, reichte ihm die Tube und drehte ihm den Rücken zu. Es wurde kurz kalt, Peter hatte anscheinend die Creme direkt auf meinen Rücken gedrückt. Ich zuckte etwas zusammen.

„Ähm… sorry“, meinte Peter hinter mir.

„Nicht schlimm“, erwiderte ich.

Peter begann die Creme zu verteilen. Ich schloss die Augen und genoss es. Es tat gut, er machte das richtig toll, mir entglitt ein leichtes Seufzen. Ich spürte Peters Hände, wie sie langsam den Rücken rauf und runter wanderten.

Mein Bauch begann zu kribbeln und ein Schauer durchfuhr mein Körper.

„Besser?“

„Ja“, gab ich in einem molligen Brummen von mir.

Die Zimmertür wurde aufgerissen und Tim und Benjamin stürmten herein. Sie schauten kurz verwundert, denn Peter und ich hatten ja immer noch nur unsere Handtücher um uns gewickelt.

„Ich creme Tobi nur schnell den Rücken ein“, kam es eher verzweifelt von Peter.

„Wird nötig sein, er ist ganz rot“, meinte Benjamin und war schon auf seiner Seite unseres Zimmers verschwunden.

„Braucht ihr noch lang?“, fragte Tim.

„Nein, wieso?“, fragte Peter.

„Unten sind ein paar scharfe Bräute dabei. Wir ziehen uns nur kurz unsere schwitzigen Sachen aus, dann gehen wir wieder runter“, erklärte Tim und verschwand ebenso auf seine Seite.

Ich schaute kurz zu Peter, der mich ebenso anstarrte und leicht den Kopf schüttelte. Er hatte auf dieses Gegacker anscheinend genauso wenig Lust wie ich.

„Geht ruhig schon mal vor, vielleicht kommen wir nach“, meinte Peter und massierte immer noch die Creme ein.

„Okay“, meinte Tim, frisch eingekleidet und rannte wieder zur Tür raus, dicht gefolgt von Benjamin, ebenso im frischen Outfit.

„Macht die Tür zu!“, rief Peter noch, aber das Getrampel entfernte sich bereits.

Peter ging zur Tür und schubste sie Tür mit dem Fuß zu, bevor er sich wieder zu mir drehte und stehen blieb.

„Jetzt schau dir mal das an“, meinte er.

Ich lief zu ihm und schaute um die Ecke. Da sah es aus, als hätte die Bombe eingeschlagen. Die Koffer offen und alles wild übers Zimmerteil verstreut.

„Da bin ich ja regelrecht froh, dass du auf meiner Seite schläfst“, meinte ich und Peter lächelte verlegen.

„Wasch dir die Hände ab, nicht dass du dir damit noch aus Versehen mit dem Zeugs in die Augen langst.“

Peter nickte und verschwand wieder ins Bad.

Georg

Ich ließ die Tür ins Schloss fallen und lief zu Mums Kombi.

„Wo willst du denn hin?“, hörte ich die Stimme meiner Mum.

„Weißt du doch, Alex abholen, sein Zug fährt in einer viertel Stunde ein.

„Stimmt, hatte ich ganz vergessen – und was willst du mit meinem Wagen?“

„Mein Pickup springt nicht an.“

„Deshalb vorhin die Kutsche? Wunderte mich schon.“

„Ja, war ja grad kein anderes Auto greifbar oder zugeparkt von den Gästen… ihr solltet wirklich mal unseren Parkplatz vergrößern.“

„Ach Schatz, du weißt doch, wir haben es ja vor, aber finden nie die Zeit.“

Ich schaute auf meine Uhr.

„Mum, ich muss jetzt los, okay?“

„Ja, aber bitte fahr langsam, du musst deinen neuen Führerschein nicht gleich aufs Spiel setzen.“

Ich grinste und stieg ein. Ich startete den Wagen und ließ ihn langsam anrollen. Am Gatter standen einige unsere Neuankömmlinge und unterhielten sich angeregt. Als ich vorbei fuhr, schauten sie mich alle an.

Ich nickte kurz und fuhr dann vom Hof herunter. Ich drückte aufs Gas und der Kombi zog mit einem satten Sound davon. Gleich würde ich meinen Schatz wieder sehen.

Peter

Etwas gelangweilt saß ich im Speisraum und biss in mein Wurstbrot. Tim war natürlich der Mittelpunkt. Er erzählte einen blöden Witz nach dem Anderen. Natürlich lachte die ganze Meute an seinem Tisch.

Desinteressiert schaute ich zum Fenster hinaus, wo ich gerade einen Kombi auf den Hof fahren sah. Der Sohn der Familie, Georg stieg aus. Auf der Beifahrerseite erschien noch ein Kerl. Noch ein Gast?

Frau Hellmann erschien ebenfalls vor dem Haus und drückte den fremden Jungen an sich, also konnte es kein Gast sein. Georg hatte eine kleine Tasche umgehängt und umrundete den Wagen.

Die drei führten einen kleinen Smalltalk, bis der Junge plötzlich Georg in den Arm nahm und küsste. Die küssen sich… auf den Mund…hallo? Tobi saß mir gegenüber, sah kurz mein Gesicht an und folgte dann meinem Blick und musste nun auch Georg und den Jungen knutschen sehen.

Er drehte sich wieder zurück, sah mich kurz an, bevor er ruckartig seinen Kopf wieder drehte.

„Sind das zwei Jungs?“, fragte mich Tobi verwirrt, aber so leise, dass es sonst niemand hören konnte.

Ich nickte.

„Krass!“

„Wem sagst du dass? Der eine ist dieser Georg.“

„Der Sohn von hier?“

Der Hofbesitzerin schien der Kuss zu lange zu gehen, jedenfalls tippte sie Georg auf die Schulter, wodurch die beiden auseinander fuhren. Jetzt konnte Tobi Georg bestimmt auch erkennen.

„Das ist echt voll krass!“, kam es wieder über seine Lippen.

Der junge Mann fiel Frau Hellmann um den Hals und drückte sie. Sie schienen sich auch schon länger zu kennen. Am Tisch herrschte allgemeines Gelächter, aber keiner außer mir und Tobi sah diese Szene.

Arm in Arm liefen Georg und dieser Junge hinter Frau Hellmann ins Haus. Schade, so neugierig wie ich war, hätte ich doch jetzt gern mehr gesehen. Ich stellte nun alles auf mein Tablett zurück und entschloss mich, einfach nach draußen zu gehen.

„Du bist schon fertig?“, fragte Tobi.

„Ja, ich will nach draußen… hier ist es mir im Augenblick zu laut.“

„Da hast du Recht, mich nervt das Gelabere deines Bruders auch. Warte, ich komm mit!“, meinte er und räumte ebenso seine Sachen aufs Tablett und stand mit mir auf.

Als wir unsere Tabletts zur Küche trugen, nahmen die anderen wenig Notiz von uns. Bis auf zwei Mädchen, die uns kurz anguckten und anschließend kicherten. Genervt rollte ich mit den Augen.

„Dieses alberne Volk, ich hasse das!“

„Geht mir nicht anders“, meinte Tobi und wir verließen den Speiseraum.

„Geh du schon mal vor, ich muss noch auf die Toilette“, sprach Tobi beim Rausgehen weiter.

Ich nickte und verließ das Haus. Aus dem Haus der Hellmanns drang lautes Gelächter. Ich lief etwas über den Hof, um näher an das Haus zu kommen, aber sehen konnte ich nichts. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Georg und dieser Junge kamen aus dem Haus gestürmt.

„Nein, aber Brauner hat mir fast genauso gefehlt wie du!“, hörte ich den Jungen sagen.

„Aha… fast“, kommentierte Georg die Aussage.

Der Junge streckte ihm die Zunge raus. Als sie in meiner Höhe waren, kam ein kurzes Hallo von den Beiden und schon waren sie im Stall verschwunden. Sollte ich ihnen nachgehen? Oder war das zu auffällig neugierig?

Die Neugier siegte und ich lief den Beiden nach. Schließlich konnten wir uns hier ja auch frei bewegen, warum nicht auch in den Stallungen. Ich trat durch das offene Tor, aber von den beiden war nichts zu sehen.

Ein Pferd in der ersten Box streckte seinen Kopf heraus und ich erschrak. Schlechtes Gewissen? Ich streichelte ihm über den Naserücken und spitze die Ohren. Ziemlich weit hinten hörte ich Stimmen.

Langsam ging ich näher ran.

„Gut siehst du aus, Brauner! Hast mir so gefehlt!“

Ich hörte das Pferd laut wiehern.

„Er hat jeden Tag persönlich von mir sein Futter bekommen. Sonst lässt er ja fast niemand an sich heran.“

Das war Georgs Stimme.

„Warst du mit ihm reiten?“

„Nein Alexander, ich habe ihn lediglich auf die Koppel gelassen. Er lässt niemand anderen auf sich drauf.“

„Er hat halt einen guten Geschmack!“, hörte ich diesen Alexander sagen und musste grinsen.

„Eingebildet ist mein Schatz ja Gott sei Dank nicht“, meinte Georg.

Ich trat leise noch etwas weiter vor und konnte versteckt die beiden in einer Box entdecken. Das Pferd, das dieser Alexander striegelte, sah etwas – na ja – mitgenommen aus. Schien einiges mitgemacht zu haben.

„Hast du Lust zum Ausreiten?“

„Klar“, hörte ich Georg sagen.

„Ach, hier steckst du, ich suche dich schon überall“, hörte ich eine Stimme hinter mir und erschrocken fuhr ich herum.

Tobias war in den Stall gekommen. Im gleichen Augenblick streckten Georg und Alexander ihre Köpfe aus der Box.

„Oh … ähm Hallo“, meinte ich.

So eine Sche…, am liebsten hätte ich mich im nächsten Mauseloch versteckt. Während die beiden aus der Box traten, kam Tobi von der anderen Seite. Pferde sind Fluchttiere … im Augenblick wäre ich auch sehr gerne geflohen.

„Ich habe mich… nur etwas… umgeschaut“, stammelte ich.

„Lust auf einen Ausritt?“, hörte ich Alexander fragen.

„Alexander, die sind doch erst angekommen. Ich weiß ja nicht mal, ob sie reiten können“, meinte Georg.

„Ich kann reiten“, meinte Tobi.

Tobi schien weniger Schwierigkeiten zu haben, sich mit den beiden zu unterhalten, als ich.

Tobias

Was hatte er hier im Stall zu suchen? Und warum hatte er so eine knall rote Birne? Georg und dieser Alexander standen nun direkt vor uns. Peters Unbehagen musste den Beiden ebenfalls auffallen.

„Schon Reitunterricht gehabt?“, fragte Georg.

„Mein Vater ist Tierarzt, wir haben selber Pferde zu Hause.“

„Und du?“, wandte sich Alexander an Peter.

„Ich hatte Reitunterricht… zusammen mit meinem Bruder“, antwortete Peter.

„Zwillinge. Also wundere dich nicht, wenn du Peter hier zweimal siehst, sein Bruder heißt Tim und das hier ist Tobi“, sagte Georg.

Bewundernswert, dass er sich schon unsere Namen merken konnte.

„Also, wie sieht es aus, Lust zum Ausreiten?“, fragte Alexander erneut.

Ich traute mich nicht recht, doch Peter schob mich nach vorne.

„Klar! Immer noch besser als die Zeit bei diesen geifernden Röhren da drin zu verbringen.“

Georg grinste Alexander an.

Alexander ging an ein Telefon und wählte eine Nummer. Wenig später erzählte er, dass er und Alexander zwei Feriengäste zum Reiten mitnehmen. Währenddessen hatte Alexander den Braunen fertig gesattelt und ging zu einer anderen Box.

Er nahm eine Decke und legte sie dem Pferd in der Box über den Rücken.

„Nimmst du Brighton?“, fragte Alexander und Georg grinste ihm zu.

„Was soll ich mit der alten Dame… du weißt, ich reite nur mit Flex!“

Ich schaute an das Boxenschild und konnte Flex lesen. Warum fragte Alexander, wenn er sowieso Flex satteln wollte. Er hob den Sattel an und stemmte ihn Flex auf den Rücken. Alexander hustete leicht und schon stand Georg in der Box.

„Alles klar, Schatz?“, fragte Georg besorgt und legte seine Hand auf Alexander’ Schulter.

Peter grinste mich an, denn er hatte das >Schatz< wohl auch vernommen.

„Ist kein Anfall, die Luft hier drinnen scheint recht trocken…“

„Trink bitte was, okay?“

„Georg…, ich habe schon seit einem Monat keinen Anfall mehr gehabt. Aber trotzdem lieb von dir, dass du dir so Sorgen machst.“

„Anfall?“, fragte Peter.

„Ja… auch ich war hier als Feriengast… na ja, eher als Patient wegen meiner schlimmen Hustenanfälle.“

„Und bist hier gesund geworden?“, fragte Peter.

„Ich hatte gute Pflege… ja“, grinste Alexander und sah zu Georg.

„Und jetzt seid ihr ein Paar… stimmt’s?“, fragte ich

Entsetzt schaute mich Peter an. Klar brannte ihm diese Frage auch auf der Zunge, aber zu fragen hätte er sich wohl doch nie getraut.

„Ja… sieht man doch“, antwortete Georg und verließ die Box wieder.

„Und ihr zwei?“, fragte Alexander uns, nachdem er das Pferd fertig gesattelt hatte.

„Äh… was?“, stotterte ich.

„Seid ihr auch zusammen?“

Peter bekam die gleiche rote Farbe wie ich im Gesicht.

Peter

Mist, war das so deutlich zu sehen, dass ich mich in Tobi verguckt hatte? Ich hatte doch alles versucht, um ja so normal zu wirken, wie es ging.

„Äh… wie kommst… du darauf?“, stammelte Tobi weiter.

„Also, wie Georg mir erzählt hat, himmelt ihr zwei euch ja regelrecht an, seit ihr hier seid“, erklärte Alexander und führte Flex aus seiner Box.

Tobi schaute mich an und ich wäre am liebsten aus dem Stall gerannt. Doch ich war wie gelähmt.

„Jetzt tut nicht so erstaunt“, rief Georg aus einer Nachbarbox.

Tobi hob die Hand, zeigte zögerlich auf mich und dann auf sich. Mein Kopf senkte sich und ich konnte nur nicken. In der Situation war Leugnen zwecklos. Ich wollte nicht und konnte nicht.

„Echt?“, hörte ich nun Tobi leise sagen.

Wieder nickte ich, ohne dabei aufzusehen.

„Warum… hast du nichts gesagt?“

Hallo… was denkt der sich eigentlich? Sauer schaute ich auf.

„Wie denkst du dir das? Ich steige aus dem Zug aus, sehe dich, laufe auf dich zu und sag zu dir >Sorry, ich habe mich eben beim Aussteigen in dich verliebt… ich bin schwul<?“

„Wäre eine Möglichkeit gewesen!“, kam es von Alexander, der an unserer Box vorbei lief.

Ich hörte Georg lachen. Und auch Tobis Mundwinkel wanderten leicht nach oben.

„Ach leckt mich doch alle am Arsch!“, rief ich zornig und rannte aus der Box, direkt in Georgs Arme.

Ich versuchte, mich aus seinem Griff zu lösen, doch Georg war einfach stärker.

„Halt, junger Mann! So nicht… Entschuldige, dass ich gelacht habe. Die Vorstellung, dass jemand … so etwas macht, fand ich einfach zu köstlich. Es tut mir leid, dass Alexander und ich euch so überrumpelt haben.“

Ich schaute auf und sagte kein Ton.

„Was meinst du mit überrumpeln… die zwei muss man eben zu ihrem Glück zwingen“, kam es von Alexander.

„Alexander… bitte.“

„Was?“, fragte er genervt.

„Vor drei Monaten bist du auch hier angekommen. Darf ich dich daran erinnern, wie du da warst?“

„Ist ja schon gut… Ich bin ja schon ruhig.“

Ich drehte meinen Kopf und schaute zu Tobi, der etwas abseits von mir stand.

Tobias

Er ist in mich verliebt… wow! Ich konnte es nicht fassen. War ich es auch? … liebte ich einen Jungen? So langsam kamen mir die vielen Sachen in den Kopf, die den Tag über geschehen waren, die ich mir nicht erklären konnte.

„Tobi?“, fragte Peter ganz leise.

„Ja?“, antwortete ich.

„Also… ähm… was meinst… oh Mann, ist das schwer.“

Alexander stellte sich neben Peter und nahm ihn in den Arm.

„Ganz ruhig!“, meinte dieser, „ du willst sicherlich fragen, was Tobi zu deinem >Geständnis< meint, oder?“

Peter nickte heftig und wurde wieder rot im Gesicht.

Nun war ich derjenige, der verlegen wurde. Was sollte ich sagen? Peter schaute mich an und wartete sicherlich auf eine Antwort. Plötzlich drehte er sich weg und rannte aus dem Stall.

„Peter!“, rief ich ihm nach, doch er war schon weg.

„Ich glaube, du solltest zu ihm“, sagte Alexander.

„Wir warten noch ein wenig… falls ihr beide wieder zurückkommt“, kam es von Georg.

*-*-*

Vor dem Stall schaute ich mich um, konnte Peter aber nicht finden. An der Eingangstür unseres Gästehauses wurde es laut. Der Rest der Gruppe kam vom Abendessen.

„Tobias?“, hörte ich Tim rufen.

Ich schaute ihn an. Er lief zu mir.

„Was ist mit Peter los?“

Ich stellte mich nun einfach dumm, denn ich hatte keine Lust, jetzt mit Tim zu reden.

„Wieso?“

„Der ist gerade heulend an uns vorbei gerannt!“

Scheiße… was hatte ich nur angestellt? Ich zuckte mit den Schultern. Tim beugte sich vor.

„Hör mal… wenn du meinem Bruder auch nur ein Haar krümmst… dann wirst du mich kennen lernen!“, vernahm ich leise aus seinem Mund.

Sprachlos zeigte ich auf mich und schüttelte den Kopf.

„Ich mag zwar der absolute Chaot sein, aber ich kenne meinen Bruder bestens!“

Was sollte ich ihm antworten?

„Er ist im Zimmer“, meinte Tim und lief wieder zu den Anderen.

Ich sah ihm noch nach, bevor ich das Haus betrat. Schnell war ich in unserem Stockwerk oben. Unsere Zimmertür war nur angelehnt, so trat ich leise ein. Ein Blick auf unsere Zimmerhälfte zeigte mir, dass Peter zumindest nicht im Bett lag.

Ich schloss die Tür hinter mir und trat in unsere Hälfte. Die Balkontür stand offen. Langsam ging ich auf sie zu und schaute hinaus. Da stand Peter an der Brüstung und rauchte.

„Du rauchst?“

„Kann dir doch egal sein!“, bekam ich eine bissige Antwort.

„Peter bitte… du hast da, glaube ich, etwas falsch verstanden…“

„Wie soll man ein Zögern falsch verstehen…?“

Er drehte sich um und ich konnte in seine Augen sehen. Er hatte geweint.

„Ich habe doch nur gezögert…“

„Weil du nicht schwul bist…“

„Jetzt lass mich doch bitte mal ausreden!“, fuhr ich ihn an und Peter wich leicht zurück.

„Weißt du wie das ist, wenn man plötzlich merkt, man interessiert sich für einen Jungen, statt für ein Mädchen?“

Peters Mine erhellte sich.

„Den ganzen Tag frage ich mich schon, warum ich auf dich so reagiere, wie ich reagiert habe.“

Was für ein Satzbau.

„… wie hast du denn reagiert?“, fragte Peter leise.

„Ich habe mich wohl gefühlt bei dir und doch hast du mich total verwirrt. Mein Bauch fühlt sich komisch an und ich kann nicht aufhören, dich anzuschauen. Als du mich heute Mittag eingecremt hast, tanzten Sterne vor meinem Gesicht.“

Nun lächelte Peter.

„Heißt das…?“

„Peter, ich weiß nicht, was das heißt… ich spüre das zum ersten Mal.“

„Dass du dich zu einem Jungen hingezogen fühlst?“

Ich nickte. Peter drückte seine Zigarette in einem Aschebecher auf dem Tisch aus und kam zu mir.

„Du fühlst dich zu mir hingezogen?“, hörte ich Peters leise Stimme.

Seine Augen funkelten und ich konnte nicht aufhören, sie anzustarren. Wieder nickte ich. Peter legte seine beiden Arme um mich und zog mich etwas zu sich.

„Wäre der Gedanke so schlimm?“

Sein Gesicht näherte sich meinem und ich spürte plötzlich einen sanften Kuss auf meiner Wange. Mein Herz beschleunigte seinen Rhythmus um das doppelte. Wieder schüttelte ich den Kopf, brachte keinen Ton heraus.

Plötzlich spürte ich Peters Lippen auf meinen. Sie waren so weich… so warm. Irgendetwas in mir machte Klick und ich löste mich aus meiner Starre. Langsam hob ich die Arme und legte sie um Peter.

„Wenn ihr fertig seid, kommt ihr dann runter?“, hörten wir jemand rufen und fuhren auseinander.

Wir schauten beide über die Brüstung nach unten in den Hof. Da saßen Georg und Alexander auf Pferden und hatten zwei Pferde im Schlepptau. Beide grinsten uns an. Ich schaute zu Peter und der nickte.

Wir rannten die Treppe hinunter.

„Peter, nimm du dieses Pferd“, kam es von Georg und er reichte ihm die Zügel.

*-*-*

Ich weiß nicht, wie lange wir schon geritten waren, jedenfalls merkte ich, dass ich nicht aus der Übung gekommen war. Obwohl ich ein eigenes Pferd besaß, hinderten mich meine Verpflichtungen daran, mehr mit ihm auszureiten.

Manchmal glaubte ich sogar, Star nahm mir das übel. Wenn ich mal kurz Zeit hatte und ihn besuchte, strafte er mich damit, dass er mir sein Hinterteil zudrehte. Ein Ast im Gesicht schreckte mich aus den Gedanken.

„Tobias, du musst schon hinschauen, wo du hin reitest“, hörte ich Georg rufen.

Die Bäume lichteten sich und vor uns kam der Strand. Gut zu wissen, hier konnte man auch sicher mal mittags schwimmen gehen. Alexander ging in einen flotten Trab über, direkt auf das Wasser zu.

Peter und ich folgten ihm. Peter sah elegant aus auf dem Pferd. Tim hatte erzählt, sie hätten schon ein paar Reitstunden gehabt, aber so wie er auf dem Pferd saß – als würde er es schon immer machen.

„Alles okay?“, fragte Peter, der meine Blicke bemerkte.

Ich nickte und versuchte, mit meinem Pferd in seiner Nähe zu bleiben. Georg und Alexander waren mittlerweile am Wasser. Das Wasser spritzte recht hoch, als die Hufe der Pferde es trafen.

Irgendwie war es schön. Die frische Luft hier am Strand. Die Sonne stand auch schon recht tief. Neben mir ritt Peter, der nun laufend kurz zu mir schaute.

„Tobi?“, fragte er.

Sein Pferd wurde wieder langsamer und auch ich ging wieder in Schritt über.

„Ja?“, fragte ich.

„Ich habe jetzt irgendwie ein schlechtes Gewissen“, meinte er.

„Wieso?“

„Weil ich dich mehr oder weniger überrumpelt habe.“

Irgendwie saß ich jetzt auf der Leitung.

„Hä?“

„Wenn Alexander nicht so vorlaut gewesen wäre, dann wäre alles noch normal…“

„Was meinst du mit normal? Ich verstehe gerade überhaupt nicht, was du meinst.“

Peter atmete tief durch.

„Vor zwei Jahren habe ich meiner Familie gesagt, dass ich mehr für Jungs empfinde, als für Mädchen.“

„Ja und?“

„Sie nahmen mich irgendwie nicht Ernst. Meine Mum meinte, das wäre nur eine Phase, ich sollte mir keine Gedanken machen, mein Dad pflichtete ihr bei.“

„Und Tim?“

„Der zog mich nur damit auf, zog alles ins Lächerliche.“

„Und was ist jetzt?“

„Sie haben anscheinend gemerkt, die Phase scheint wohl anzuhalten. Es wird zwar nicht darüber geredet, aber ich merke schon, dass ich bei allem genauer beobachtet werde.“

„Ist doch gut… oder – ich meine… du hast keinen Krach mit ihnen… deswegen.“

Alexander und Georg hatten das Wasser verlassen und bei einem großen Baumstumpf Halt gemacht. Auch Peter und ich steuerten nun diesen Stumpf an.

„Nein, habe ich nicht, aber es ist trotzdem nicht mehr so wie früher. Mein Dad nimmt mich nicht mehr in den Arm, keine langen Gespräche mehr mit meiner Mutter…“

„Und was ist mit Tim?“

„Der macht sich nach wie vor lustig über mich, bringt mich laufend in peinliche Situationen.“

Was sollte ich darauf sagen? Mittlerweile hatten wir die beiden anderen erreicht. Wie sie stiegen wir ab und banden unsere Pferde an den Stumpf. Georg hatte sich im Sand niedergelassen und schaute aufs Meer hinaus.

Alexander streichelte sein Pferd am Kopf. Peter sah mich kurz an und so setzten wir uns zu Georg.

„Darf ich dich mal etwas fragen?“, kam es von Peter, an Georg gewandt.

Peter

„Ja klar!“, meinte Georg zu mir.

Alexander gesellte sich nun auch zu uns und lehnte sich gegen Georg.

„Wie haben das deine Eltern aufgefasst… als du ihnen gesagt hast, du stehst auf Jungs…?“

Georg blies Luft aus.

„Puh…, schwere Frage… wie war das noch?“

Ich merkte, dass sein Gesicht an Röte zunahm.

„Soll ich es erzählen?“, fragte Alexander belustigt.

Georg knuffte seinen Freund in die Seite.

„Hast du damit zu tun?“, fragte nun Tobi Alexander.

„Nein, das war vor meiner Zeit, aber ich kenne die Geschichte schon.“

„Okay, wollt ihr die lange Version oder die Kurzfassung?“, fragte Georg.

„Die Kurzfassung… bitte, Schatz“, meinte Alexander.

„Also gut… damit mein Schatz nicht gelangweilt wird… die Kurzfassung. Mein Vater hat mich mit einem anderen Jungen im Stroh erwischt – Schluss aus und seitdem wissen sie es.“

Alexander kicherte.

„Gab es Ärger?“, fragte ich.

„Nein, wieso?“

„Also ich weiß nicht, hat dein Vater das einfach so akzeptiert?“

„Blieb ihm ja nichts anderes übrig“, kam es kichernd von Alexander.

Wieder knuffte Georg seinen Freund.

„Alexander, vielleicht merkst du es ja nicht, aber nicht jeder hat es beim outen so leicht wie du!“, sagte Georg.

„Ist ja schon gut“, meinte er und richtete sich auf.

„Hast du Schwierigkeiten?“, fragte er nun mich.

Ich erzählte kurz das, was ich Tobi vorhin erzählt hatte.

„Du solltest vielleicht mit ihnen reden“, kam es von Alexander.

„Ich traue mich nicht recht.“

„Wieso… sie wissen es doch schon“, meinte Georg.

„Ich habe trotzdem Angst, weil wir über dieses Thema nie wieder gesprochen haben.“

„Solltest du aber tun, sonst ändert sich nichts an der Lage!“, sagte Alexander.

„Und was meintest du nun mit überrumpeln vorhin?“, meldete sich nun Tobi zu Wort.

„Ach, ich weiß auch nicht. Ich seh, was bei mir zu Hause läuft und dachte daran, wie es dir ergehen würde, wenn du das zu Hause sagen würdest…“

„Peter, du machst dir einfach zu viel Gedanken. Jetzt genieße doch erst einmal euer Zusammensein“, sagte Georg.

„Und ich habe mir da noch nicht mal Gedanken darüber gemacht“, kam es von Tobi, „meine Eltern haben durch ihre große Praxis recht wenig Zeit, ich wüsste nicht mal, ob sie überhaupt auf diese Nachricht reagieren würden.“

Ich seufzte und schaute auf das Meer hinaus.

„Und du bist jetzt auf Besuch… machst Urlaub hier?“, fragte Tobi Alexander.

„Ja und nein“, antwortete dieser.

Tobi und auch ich sahen ihn fragend an.

„Ich bin im Augenblick noch auf Besuch hier, aber Urlaub mache ich keinen. Meine Eltern ziehen in knapp zwei Wochen hierher in die Nähe.“

„Wo wohnt ihr denn?“, fragte ich.

Er nannte uns einen Ort in Süddeutschland, den ich nicht kannte, was aber auch egal war.

„Und jetzt zieht ihr hierher, damit du Georg näher bist?“

„Nein bestimmt nicht. Mein Vater hat hier einen tollen Job bekommen. Na ja, vielleicht auch wegen meiner Gesundheit, das Klima hier tut mir gut.“

„Ach so, du erzähltest was von Hustanfällen“, meinte ich.

„Anfälle ist gut, er ist sogar einmal vor mir umgekippt. Ich bin bald gestorben vor Angst“, kam es von Georg.

„Jetzt übertreib mal nicht“, sagte Alexander.

„Glaub ihm nicht. Ihr hättet ihn sehen sollen, als er hier ankam. Blass, abgemagert… krank“, meinte Georg und grinste dabei.

„So krank kann ich gar nicht ausgesehen haben, sonst hättest du dich gar nicht in mich verliebt.“

Nun lachten beide und ich spürte, wie sich Tobi an mich lehnte. Ich legte einfach meinen Arm um ihn und ließ meine Hand auf seinem Bein ruhen.

„Und wie stellt ihr euch das vor? Also, wie soll es mit euch beiden weiter gehen?“, fragte Alexander plötzlich.

„Ähm… auch darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, kam es von Tobi.

„Ich mir auch nicht.“

„Sollen wir Stillschweigen halten?“, fragte Georg.

„Na ja… erstmal ja“, meinte ich und schaute unsicher Tobi an.

Aber der nickte nur.

„Okay. Euer Wunsch ist uns Befehl“, meinte Alexander.

„Und wenn es Probleme gibt – ihr wisst, wo ihr uns findet!“, kam es von Georg.

„Danke!“, sagten Tobi und ich gleichzeitig.

Tobias

Georg hatte zum Aufbrechen gemahnt, da wir ja am nächsten Morgen früh aufstehen mussten. Also waren wir den gleichen Weg zurück geritten. Peter und ich halfen so gut wir konnten, die Pferde im Stall zu versorgen.

Etwas fertig und müde kamen wir in unserem Zimmer an. Von den anderen war weit und breit nichts zu sehen. Peter öffnete die Tür und ich folgte ihm.

„Wo kommt ihr denn jetzt her?“, hörte ich Tim fragen.

„Wir waren ausreiten“, beantwortete Peter die Frage, während ich die Tür hinter uns schloss.

Benjamin und Tim lagen auf ihren Betten, der Rest ihres Raumes sah kriegsmäßig aus. Alles war durcheinander geworfen.

„Ausreiten…echt? Wie das?“, fragte Benjamin.

„Georg hat uns gefragt, ob wir mit wollten“, antwortete ich.

Mir blieb nicht verborgen, dass Tims Blick zwischen mir und Peter hin und her wanderte.

„Und warum seid ihr schon im Zimmer?“, fragte Peter.

„Um 22.00 Uhr war Schluss. Frau Hellmann hat uns auf die Zimmer gescheucht.“

Ich schaute auf die Uhr, es war schon fast halb elf.

„Okay, dann hauen wir uns auch mal in die Falle“, meinte Peter.

Ich sagte brav gute Nacht und folgte ihm auf unsere Seite. Schnell hatten wir unsere Sachen ausgezogen.

„Soll ich dir noch einmal den Rücken eincremen?“, fragte mich Peter leise.

Ich stand mit dem Rücken zu ihm gewandt und anscheinend war mein Rücken wieder rot.

„Ja… wäre lieb von dir“, entgegnete ich genauso leise.

„Ich geh aber erst noch kurz ins Bad“, meinte er.

„Muss ich auch noch hin.“

Wenig später lag ich auf dem Bett, nur mit Shorts bekleidet. Peter hatte sich die Creme geschnappt und sich neben mir niedergelassen. Ich spürte, wie es plötzlich auf einem Fleck meines Rückens kalt wurde, was aber gleich verging, als Peter die Creme zu verteilen begann.

Wieder verfiel ich ins Träumen und genoss Peters Hände auf meinem Rücken. Noch jemand anderem schien das auch zu gefallen. Ich spürte, dass sich in meiner Shorts etwas regte.

„Ich gehe noch schnell meine Hände waschen“, meinte Peter und schon war er weg.

Neben dran hörte ich Benjamin und Tim lachen, aber worüber sie redeten, verstand ich nicht. So konnte ich sicher sein, dass sie uns auch nicht verstanden. Die Badtür öffnete sich und Peter kam zurück.

Er hatte nun auch nur noch eine Shorts an und kroch neben mir ins Bett. Langsam krabbelte ich auch unter die Decke. Peter sah mich an.

„Was?“, meinte ich leise.

Er hob seine Decke an und grinste.

„Ähm… ich hab noch nie“, stotterte ich.

„Dummerle… Ich wollt nur wissen, ob du dich an mich kuscheln möchtest.“

Ich wurde knall rot und Peter begann zu kichern.

„Sorry“, meinte ich.

Also bewegte ich mich langsam zu ihm hinüber und kuschelte mich an ihn.

„He, du brauchst dich nicht zu entschuldigen… ich würde nie etwas machen, ohne dich zu fragen“, tuschelte mir Peter ins Ohr.

„Danke“, meinte ich und Peter löschte das Licht.

„Wäre besser, wenn ihr auch so langsam schlaft“, rief Peter laut, „morgen um sieben sollen wir unten am Stall sein.“

„Shit, stimmt“, hörte ich Tim sagen und schnell war das Licht aus.

„Gute Nacht“, rief Benjamin.

„Gute Nacht“, kam es von Peter und mir gleichzeitig zurück.

*-*-*

Peter

Ein Klingeln des Weckers riss mich aus dem Schlaf, doch ausmachen konnte ich nicht. Etwas Schweres lag auf meinem Arm. Mein Kopf drehte sich und ich sah in die verschlafenen Augen von Tobi.

„Könnt ihr mal den scheiß Wecker abschalten?“, hörte ich meinen Bruder rufen.

Bevor ich aber reagieren konnte, war Tim schon um die Ecke gekommen und wollte dem lauten Übeltäter an die Gurgel gehen. Er hielt kurz inne, griff nach dem Wecker und stellte ihn ab.

„Entschuldigung“, meinte Tim und verschwand wieder.

„Was war das jetzt?“, fragte ich.

„Was meinst du?“, kam es brummend von Tobias.

„Es ist nicht die Art meines Bruders, etwas Gesehenes unkommentiert zu lassen.“

„Egal!“, meinte Tobias und machte sich auf meiner Brust breit, „müssen wir schon aufstehen?“

„Ja… in einer halben Stunde sollen wir im Stall sein“, antwortete ich und genoss Tobis Gewicht auf mir.

Er hob den Kopf und schaute Richtung Wecker.

„Mist… ich könnte ewig so liegen bleiben“, meinte er und richtete sich auf.

Die Decke rutschte runter und gab mir den Blick auf Tobis Brust frei. Sein Sixpack kam wieder zum Vorschein, den ich gestern schon bewundert hatte. Er streckte die Arme nach oben und reckte sich.

Meine Augen genossen es, diesem Muskelspiel zuzuschauen.

„Spanner“, riss mich Tobi aus meinen Gedanken.

Er beugte sich kurz zu mir vor, gab mir einen kleinen Kuss auf den Mund und stand auf. Kurz darauf war er im Bad verschwunden. Auch ich mühte mich schweren Herzens aus dem Bett. Ich ging an mein Regal und nahm die Klamotten heraus, die ich später anziehen wollte.

Wenig später kam Tobi wieder aus dem Bad.

„Du kannst“, meinte er mit einem hinreißenden Lächeln.

„Danke“, meinte ich, „dein Rücken…?“

„Geht, ist noch genug von gestern Abend!“

„Bist du sicher? Der sieht so rot wie gestern Abend aus.“

Tobi atmete tief durch und wirkte genervt.

„Daheim guckt immer meine Mutter darauf, dass ich immer schön eingecremt bin… den Part übernimmst jetzt wohl du…“

Ich hielt inne.

„Bist du mir jetzt böse?“, fragte ich verunsichert.

„Nein, bestimmt nicht. Wenn ich nicht aufpasse, kratze ich mir wieder die Haut auf. Die größte Sorge meiner Mutter war wohl, dass ich mich hier nicht genügend eincreme, deswegen wissen die Hellmanns wohl auch von meiner Allergie, damit sie sich darum kümmern.“

Erleichtert atmete ich durch.

„Wenn es dir nichts ausmacht, erinnere ich dich gerne daran“, meinte ich.

Tobi lächelte. Ich schnappte mir die Tube von meinem Nachttisch und ging zu Tobi. Er drehte mir den Rücken zu und ich cremte ihn ein. Hinter mir hörte ich, wie jemand im Bad verschwand.

„Sieht ja krass aus“, hörte ich plötzlich Benjamin hinter mir.

Ich drehte den Kopf und sah ihn an der Wand lehnen. Auch er stand, wie wir, nur in Shorts da. Benjamin war recht dünn und seine Größe verstärkte das noch. Man konnte regelrecht die Rippen zählen.

„Wieso? Das war schon schlimmer, früher habe ich mich regelmäßig aufgekratzt“, meinte Tobi.

„Tut das weh?“, fragte Benjamin, während ich endlich fertig war und die Tube zudrehte.

„Nein, es fängt nur ohne Creme ordentlich an zu jucken.“

„Geht das wieder weg?“

„Weiß ich nicht. Peter, du solltest deine Hände waschen“, sagte Tobi.

„Geht nicht. Tim ist im Bad.“

„Dann fass dir ja nicht ins Gesicht oder in die Augen, das kann höllisch brennen.“

Die Tür ging auf und Tim kam aus dem Bad. Er schaute uns beide komisch an und verschwand dann schnell in seinem Zimmerteil.

„Geh du vor“, meinte Benjamin und zeigte aufs Bad.

„Danke“, meinte ich und verschwand im Bad.

*-*-*

Tobias

Ich war schon vorausgegangen. Die meisten der Anderen hatten sich schon vor dem Stall versammelt, als Frau Hellmann eintraf.

„So wie es aussieht, war es für einige eine kurze Nacht“, meinte sie, „guten Morgen zusammen.“

Das >guten Morgen< der umstehenden ging in dem Gekicher der Mädchen unter. Nun kamen auch Benjamin und Peter aus dem Haus gelaufen. Sie gesellten sich zu uns. Tim stand etwas abseits und schien mir abwesend.

„So, ich teile euch jetzt jedem ein Schulpferd zu. Ich sage euch die Namen der Pferde, die ihr dann anhand der Boxenschildern selber suchen dürft“, begann Frau Hellmann.

„Wie ich hörte, haben Peter und Tobias bereits ein Pferd zugewiesen bekommen. Ihr könnt schon rein gehen, Georg und Alexander sind bereits im Stall.“

Die Blicke drehten sich nun alle zu uns. Tim schien uns bei den anderen bereits bekannt gemacht zu haben, obwohl wir außer beim Abendessen nicht in deren Nähe waren. Leicht beschämt drückten wir uns durch den Pulk und betraten den Stall.

Wie am gestrigen Abend waren Georg und Alexander in den Boxen bei ihren Pferden. Und beide waren schon mächtig in Aktion. Ich musste lächeln, wie Peter neben mir auch. Die beiden standen in der Stallgasse, eng umarmt und küssend.

Anscheinend hatten die beiden uns nicht gehört, so räusperte ich mich. Beide fuhren erschrocken auseinander.

„Oh, ihr seid schon da?“, kam es von Georg, der sein Shirt zu Recht zog.

„Ja. Und die anderen sind noch vor dem Stall. Deine Mutter meinte, wir hätten schon Pferde zugewiesen bekommen“, meinte Peter.

„Die Pferde, die ihr gestern Abend hattet. Ich hatte das Gefühl, ihr versteht euch gut mit ihnen“, erklärte Alexander.

Wir liefen auf die Boxen zu, aus denen die beiden gestern unsere Pferde herausgeholt hatten. Bei meinem Pferd stand Gahna.

„Das ist eine Goldfuchsstute, eine Holsteinerin und sehr lieb“, meinte Georg.

„Holsteiner steht bei mir auch“, kam es von Peter.

„Ja, ist unser liebenswürdiger Lausbub, Jacco. Aber nachdem du gestern so gut mit ihm geritten bist, denke ich schon, du kommst mit ihm klar“, erklärte Georg weiter.

Jacco hob den Kopf, als er seinen Namen hörte. Alexander öffnete die Box zu Gahna und trat ein.

„Morgen … na du“, hörte ich ihn sagen und sah, wie er sie am Kopf sanft streichelte.

Vorsichtig trat ich hinter ihn.

„So, hier hast du Putzzeug – Pferdepflege ist angesagt“, meinte Alexander und reichte mir eine Kiste.

„In der Gasse stehen Eimer mit Leckerlis, da solltest du dir welche nehmen und einstecken. Gahna ist ganz wild danach“, sprach er weiter.

Während ich mir noch die Leckerlis aus dem Eimer holte, erklärte Georg Peter, was er machen sollte. Als ich in meine Box trat, ging die Stalltür auf und es wurde laut. Die komplette Meute betrat nun den Stall und suchte nach ihren Pferden.

Ich widmete mich Gahna und tat das, was mir Alexander gesagt hatte. Schnell hatte Gahna gemerkt, dass ich etwas in der Tasche hatte, denn sie schnüffelte unentwegt an meiner Hose. Also gab ich ihr ein Leckerli, das sie genüsslich kaute.

Nachdem der erste Andrang vorüber war und jeder sein Pferd gefunden hatte, hörte ich, wie Alexander, Georg und dessen Mutter erklärten, was die anderen zu tun hatte. Benjamin konnte ich zwei Boxen neben mir entdecken.

Gegen ihn sah das Pferd recht klein aus, ich musste grinsen. Ich schaute mich weiter um und konnte endlich auch Tim finden. Er stand bei einem dunkelbraunen Pferd in der Box und sah eher etwas unglücklich drein.

Gahna stupste mich mit ihrem Kopf an. Anscheinend sollte ich weiter machen, oder noch ein Leckerli heraus rücken. So striegelte ich ihr Fell weiter.

Peter

Begeistert redeten alle durcheinander, als wir auf dem Weg zum Frühstücken waren. Keiner beschwerte sich mehr über das frühe Aufstehen. Und Tobi und ich mittendrin. Jeder schwärmte von seinem Pferd.

Als wir das Haus betraten, konnte ich meinen Bruder nirgends entdecken.

„Hast du Tim gesehen?“, fragte ich Benjamin.

„Nein, ich dachte, der wäre schon voraus gegangen.“

Ich zuckte mit den Schultern und betrat mit Benjamin den Frühstücksraum. Es war alles reichlich vorhanden und so stürzte ich mich mit Heißhunger auf das Frühstück.

„Lausbub ist wohl etwas untertrieben“, meinte Tobi, als er sich zu mir setzte.

„Wieso?“, fragte ich.

„Jacco ärgert mich die ganze Zeit. Er schubst mich oder schnappt nach mir.“

„Du musst ihm zeigen, wer der Herr ist!“, meinte ich grinsend.

„Haha…!“

Ich biss in mein Brötchen.

„Wo ist dein Bruder?“, fragte mich plötzlich Tobi.

„Ich weiß es nicht, ich habe ihn auch schon gesucht“, antwortete ich.

„Komisch…, vorhin war er doch noch bei uns.“

„Ich weiß auch nicht. Er benimmt sich schon den ganzen Morgen so komisch.“

„Wieso?“

„Seit er…“, ich schaute mich am Tisch um und flüsterte weiter, „seit er uns zusammen im Bett gesehen hat.“

„Du meinst…?“

„Ich meine überhaupt nichts. Ich werde bloß nicht schlau aus meinem Bruder.“

Tobi schaute mich ratlos an. Als wir das Frühstück beendet hatten, trugen wir brav unsere Sachen an den Rückgabeschalter. Auf dem Flur begegneten wir Georg, der gerade aus der Küche kam.

„Hast du meinen Bruder gesehen?“, fragte ich.

„Tim?“

„Ja!“

„Der war vorhin noch im Stall bei Alexander, als ich gegangen bin. War er nicht beim Frühstück?“

„Nein.“

Georg lief an die Tür und trat nach draußen, ohne etwas zu sagen. Tobi und ich folgten ihm. Alexander stand mit seinem Brauen im Hof.

„Hast du Peters Zwillingsbruder gesehen?“, rief Georg.

„Ja, der ist noch im Stall, wieso?“

„Weil er nicht beim Frühstücken war.“

„Wäre ich an seiner Stelle auch nicht gegangen.“

„Wieso das denn?“

„Er ist am heulen…“

Bitte – mein Bruder ist am Heulen? Fassungslos sah ich Tobi an, der nur mit den Schultern zuckte.

*-* Ende Teil 1 *-*

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