Good bye Amerika – Teil 2

Griffith! Die Stadt – mein neues Zuhause. Ich war froh, dass wir die Stadt endlich erreicht hatten. Meine Beine waren schon richtig lahm vom langen Sitzen. Die Vegetation war zur Stadt hin wieder mehr geworden, hier ließ es sich sicherlich aushalten.

„So nun haben wir es bald geschafft“, meinte Bob neben mir.

Er bog in eine Seitenstraße ein und schon von weitem konnte ich das große Schild >Bob and Abby Animal doctors < lesen. Ich hatte bei Grandma vereinzelt Bilder gesehen, doch so groß hatte ich es mir nicht vorgestellt.

Onkel Bob fuhr durch das Tor, wo wir lautstark von mehreren Hunden begrüßt wurden. Vor einem großen Haus stoppte er den Wagen. Erst traute ich mich nicht auszusteigen, da einer der Hunde auf die Hinterbeine stand und nun sein großer Kopf mit dem riesigen Maul direkt in meiner Gesichtshöhe war.

„Chap, aus!“, hörte ich Bob rufen und der Hund gehorchte.

Vorsichtig öffnete ich meine Tür.

„Du brauchst keine Angst vor ihnen zu haben, sie sind recht friedlich“, hörte ich Bob sagen, der einen Hund nach dem anderen begrüßte.

„He, da seid ihr ja schon“, vernahm ich eine Frauenstimme.

Ich sah zum Haus und das schien wohl meine Tante Abby zu sein. Sie lief zu Bob und gab ihm einen Kuss. Ich war in der Zwischenzeit ausgestiegen und wurde fast von den Hunden umgerannt.

„So und du bist mein Neffe Tom“, kam es dann von ihr.

Langsam drehte ich mich zu ihr, die Hände nach oben haltend, aus Angst vor den Hunden.

„Hallo“, meinte ich.

„Chap… Corree… Fips aus!“, sagte Abby, du musst entschuldigen, sie sind nicht gewohnt, dass Bob so früh ohne sie das Haus verlässt.“

„Aha.“

Einer der Hunde leckte meine Hand ab und ich musste grinsen, weil es kitzelte.

„Schon bist du in ihr Rudel aufgenommen“, meinte Bob lachend.

Nun war Abby um das Auto herum gelaufen und streckte mir die Hand entgegen.

„Herzlich Willkommen in Griffith.“

„Danke.“

„Habt ihr Hunger… Durst? Darleen hat euch etwas hergerichtet.“

„Durst“, meinte Bob nur und ich nickte.

„Gut! Ausladen können wir später. Wie ich sehe, gibt das eh eine größere Aktion.“

Die Frau lächelte die ganze Zeit. Sie legte einen Arm um meine Schulter und schob mich Richtung Haus.

„Und Tom, wie ist dein erster Eindruck von Australien?“, fragte sie, während wir das Haus über eine Veranda betraten.

„Heiß“, meinte ich nur und sie lachte.

„Ich vergesse immer, dass da, wo du herkommst, jetzt Winter ist. Hattet ihr schon Schnee?“

Ein kühler Luftzug kam mit entgegen und ich atmete tief ein. Hier im Haus war es schön kühl.

„Nein, aber die Temperaturen waren fast bei null“, beantwortete ich ihre Frage.

Sie lenkte mich in eine große Wohnküche.

„Dann ist es zu unseren vierzig Grad schon ein Unterschied.“

„Er hatte einen Wollpulli an, als ich ihn am Flughafen angetroffen hatte“, meinte Bob und stellte meine Tasche ab.

Eine ältere Frau betrat die Küche.

„Darleen, darf ich dir meinen Neffen Tom vorstellen“, meinte Bob.

„Hallo Tom“, meinte sie, reichte mir die Hand und mit der anderen schob sie ihre kleine Nickelbrille zu Recht.

„Hallo Darleen“, antwortete ich zaghaft.

„Darleen ist die gute Seele unseres Hauses“, erklärte Bob.

„Papperlapapp, setzt euch hin, das Essen ist fertig“, meinte Darleen, aber dass es kein Befehl war, sah ich an ihrem sanften Lächeln.

Ich setzte mich auf einen der Stühle und Abby schenkte mir ein großes Glas Wasser ein. Ich nahm es und leerte es fast in einem Zug.

„Habt ihr unterwegs nichts getrunken?“, fragte Abby.

„Doch“, antwortete ich, „aber es tat gerade so gut.“

Abby lächelte. Plötzlich ertönte eine Klingel und Abby sprang auf.

„Lass Schatz, ich gehe hinüber!“, meinte Bob und verließ die Küche.

„Das ist der Gong zu unserer Praxis. So müssen wir nicht immer anwesend sein und können uns auch in anderen Teilen des Hauses aufhalten“, erklärte Abby.

Darleen stellte mir einen Teller voll mit leckeren Sachen vor die Nase. Wobei ich bei manchen Sachen nicht sicher war, was es war. Aber es duftete herrlich.

„Danke“, meinte ich und begann zu essen.

Das Essen erinnerte mich etwas an meine Grandma und auf einmal war die Traurigkeit wieder da.

„Ist was?“, fragte Abby besorgt.

„Ach… es ist nur…“

„Schon klar Tom. Ich kann es dir nachfühlen… so weit von zu Hause weg.“

Ich nickte nur.

„Tom, ich hoffe, wir können dir hier eine schönes Zuhause bieten…“, weiter sprach Abby nicht, denn anscheinend bemerkte sie, dass mir das Thema jetzt unangenehm war.

„Verdirb doch dem Jungen jetzt nicht den Hunger“, meckerte Darleen, „lass ihn doch erst einmal richtig ankommen!“

„Schon gut, Darleen.“

Bob kam zurück.

„War nur Mr. Flanigan. Er wollte nach seiner Katze schauen.“

„Wollte er sie nicht gleich mitnehmen?“, fragte Abby.

„Nein, ich sagte ihm, dass wir sie noch einige Tage auf Beobachtung behalten wollten.“

„Gut!“

Bob sah meinen Teller.

„Darleen, hast du auch so einen Teller für mich?“, fragte Bob.

„Habe ich dich je hungern lassen?“

„Nein, hast du nicht“

„Dann setz dich!“

Artig setzte sich Bob neben mich.

„Ich würde vorschlagen, wir zeigen Tom erstmal das Haus und alles, was dazu gehört“, schlug Abby vor, „danach wird Molly da sein und wir können deine Sachen in dein Zimmer bringen.“

Ich nickte.

„Grandma hat sein gesamtes Hab und Gut mitgeschickt. Das Auto ist randvoll.“

„Die Bank hat auch schon angerufen. Toms Geld ist auch schon da.“

„Mein Geld?“, fragte ich verwundert.

„Ja. Wir haben dir hier ein Konto eröffnet und Grandma hat dein Geld hierher transferiert.“

„Mein Geld? Ich hatte bisher kein eigenes Geld“, erwiderte ich immer noch verwundert.

„Grandma hat wohl einiges für dich auf die Seite gelegt.“

Ich wusste das alles nicht. Was hatte Grandma noch alles für mich gemacht? Unweigerlich stiegen mir die Tränen in die Augen, ich konnte nicht anders und begann zu weinen. Abby kam zu mir und nahm mich in den Arm.

„Ich weiß, es ist alles etwas viel für dich. Aber ich bin mir sicher, das wird schon werden.“

Ich nickte und wischte mir die Tränen aus den Augen. Bob hielt mir ein Papiertaschentuch hin. Dankbar nahm ich es an und putzte mir die Nase. Irgendwie hatte ich nun keinen Hunger mehr.

„Ist es schlimm, wenn ich nicht alles packe?“, fragte ich leise.

„Nein, um Gottes Willen. Darleen meint es immer gut mit uns. Du musst nicht alles aufessen“, meinte Abby.

„Kinder brauchen Kraft. Und Kraft bekommt man nur, wenn man kräftig isst!“, kam es von Darleen, die nun in die Küche ging.

„Habe ich sie jetzt beleidigt?“, fragte ich vorsichtig.

„Nein, hast du nicht. Darleen scheint zwar nach Außen hin etwas streng zu sein, aber sie ist eine herzensgute Seele“, antwortete Abby.

Ich nahm noch einmal einen Schluck Wasser und ein angenehmes Völlegefühl stellte sich in meiner Magengegend ein. Bob neben mir schlang mit Heißhunger sein Essen hinab. Abby nahm meinen Teller und stellte ihn an die Spüle.

Unsicher schaute ich mich in der Küche um. Sie war funktionell eingerichtet und doppelt so groß wie unsere zu Hause.

„Bob, schling doch nicht so“, meinte Abby.

„Es schmeckt aber so gut.“

„Das sag mal deinem Bauch!“

Abby grinste und Bob streckte ihr die Zunge heraus. Es schien hier locker zu zugehen, etwas, was mir schon jetzt gefiel.

„Könnte ich mir etwas die Beine vertreten?“, fragte ich, „der lange Flug, dann die Autofahrt…, meine Beine sind irgendwie lahm.“

„Klar kannst du aufstehen, ich bin sowieso gleich fertig mit dem Essen“, kam es von Bob.

„Dann mach ich schon einmal den Rundgang mit Tom“, meinte Abby und erhob sich mit mir.

„Du willst sicher sehen, wo du untergebracht bist“, sagte sie und zeigte auf die Treppe.

Ich nickte. Also folgte ich ihr. Aber gegen meine Meinung gingen wir nicht die Treppe hinauf, sondern an ihr vorbei, in den hinteren Teil des Hauses. Nach zwei weiteren Türen betraten wir einen größeren Raum, in dem nur ein Bett und ein Schreibtisch standen.

„Und wie gefällt es dir?“

„Das hier ist meins?“

„Ja. Noch etwas spartanisch eingerichtet, aber jetzt wo du da bist, können wir ja noch ein paar Möbel dazu kaufen.“

„Ich… ich möchte nicht, dass ihr soviel Geld für mich ausgebt… ich bin das gewohnt, dass nicht viel im Zimmer steht.“

„Ach Quatsch, Tom. Wir sind nicht die Ärmsten. Und die paar Möbel werden uns nicht an den Bettelstab bringen. Das war dass Zimmer meines Vaters, als er noch bei uns lebte.“

„Und wo ist er jetzt?“

„In einem Seniorenstift, er wollte da selbst hin.“

„Aha. Was ist hinter den zwei Türen?“, fragte ich.

„Einmal dein Bad und das andere ist dein Schrank.“

„Schrank?“

„Ja, dein begehbarer Schrank. Praktisch, weil so viel reinpasst und das Zimmer mehr Platz bietet.“

Ich öffnete die eine Tür und schaute in einen dunklen Raum. Direkt vor mir hing eine Schnur von der Decke, an der ich zog. Schon flammte eine Glühbirne über mir auf und ich konnte jede Menge Regale erkennen.

„Und das hier ist dein eigenes Bad.“, sagte Abby und öffnete die andere Tür, „ die Toilette ist draußen im Flur, aber ich denke daran gewöhnst du dich.“

„Hallo, ich bin zu Hause. Wo seid ihr alle?“

„Oh, Molly ist schon zu Hause, Komm, sie ist schon ganz gespannt, dich kennen zu lernen, Tom.“

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