Traumschiff – Teil 5

© Niffnase

Anmerkung: Bisher habe ich meine Geschichten in der Gegenwart (Ichform) geschrieben. Das war auch schon Anlass für Kritik. Da ich es aber so mag, werde ich das auch so weitermachen.

Darüber hinaus habe ich jetzt, beginnend mit Teil 5 einen Beta-Leser, was hoffentlich (ich glaub mal daran) zu einem noch besseren Ergebnis führen wird. Das wird zwar die Veröffentlichung der einzelnen Kapitel etwas hinaus zögern, aber dafür gibt es dann hoffentlich noch mehr Lesespaß. Ich wünsche euch mit den nächsten mindestens 25 Kapiteln (hoffentlich) viel Freude, und, das ist die Hauptsache, gute Unterhaltung. Niff

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Noch Freitag, 01.05.2010

Jerome

Nach dem zweiten Saunagang leg ich mich nach dem Abkühlen erst mal in das warme Wasser des Whirlpools, das ist schon eine geile Erfindung. Die sprudelnden Düsen erzeugen ein Blubbern und Rauschen und die Blasen streichen geil am Körper vorbei nach oben.

Je nachdem wie man sich hinsetzt ist das sehr stimulierend, zum Beispiel, wenn man sich so draufsetzt, das der Sprudel genau auf den Hinterausgang trifft *kicher*. Das und der Gedanke daran, was wäre, wenn jetzt Sergej hier nackt bei mir wäre, macht mich so geil, ich könnte schon wieder.

Es wird wirklich mal Zeit, dass auf sexuellem Gebiet neben der üblichen Selbstbespaßung auch mal ein paar Partnerübungen auf dem Programm stehen.

Mit Sergej würde ich schon gerne was anfangen, er ist nett und sieht gut aus und ich mag ihn. Verliebt bin ich wohl nicht so richtig in ihn, das kribbelt nicht richtig im Bauch, aber für einen ersten freundschaftlichen Sex mit einem jungen Mann scheint er mir der richtige Partner zu sein, vorausgesetzt, er würde das auch wollen.

Ich bin mal gespannt, ob er mein Angebot, hier her zu kommen, annimmt. Ich will keine Jungfrau mehr sein und der Vorsatz, Sex nur in einer festen Beziehung zu wollen, der hat sich so langsam aus meinen Vorstellungen verabschiedet. Ich will zwar nicht um jeden Preis aber mit Sergej würde ich sofort ins Bett hüpfen

Mir wird bewusst, dass meine Haut total aufweicht und stellenweise ganz schrumpelig ist und es wird Zeit, das Baden zu beenden. Ich schaffe mich aus dem Whirlpool und auf dem Rand sitzend, trockne ich mich gründlich ab. Auf dem Sockel des Pools rutsche ich nach rechts zur Wand, dort befindet sich ein Haustelefon in einem vor Feuchtigkeit schützenden Wandkasten,

Ich drücke Martins Nummer und als er sich meldet, sage ich ihm, dass er in den Keller kommen soll. Da ich vergessen habe, Kleider mit zu nehmen, sagte ich ihm, dass er mir Unterwäsche und einen Jogginganzug mit bringen soll. Auch meine Bodylotion soll er bitte nicht vergessen.

Nun sitze ich da und warte auf Martin. Der wohl gleich hier erscheinen wird.

Als er kommt, ziehe ich mich mit seiner Hilfe an, nachdem ich mir die Lotion überall auf die Haut gerieben habe. Den Rücken hat Martin gemacht und als ich dabei die Augen geschlossen habe, ist Sergejs Bild vor mir aufgetaucht. Beinah hätte ich eine Latte bekommen und es wäre bestimmt schöner gewesen, wenn Sergej mich jetzt hier eingerieben hätte.

Martin hatte natürlich auch die Salbe für die Beine mit gebracht und erst, als er die mit kräftigen Fingern einmassierte, fiel mir ein, dass das Baden für meine kleine Stumpfverletzung wahrscheinlich gar nicht so gut war.

Der Nachmittag ist doch schnell rum gegangen und es ist Zeit für ein Abendbrot, im Kreis der Familie, so hoffe ich. Dann werde ich mal abklopfen, was sie über einen Besuch von Sergej hier bei uns zu Hause halten. Vielleicht ist Papa ja auch dabei und weiß was über Sergejs Bewerbung.

Frisch, sauber und angezogen, ich habe einen schicken Jogginganzug an, rolle ich, Martin im Schlepptau, Richtung Aufzug, um nach oben zu fahren. Mama sitzt im Wohnzimmer, der Fernseher läuft, sie guckt eine Film auf Sky, irgendeine Schnulze aus den 70 er Jahren. Offensichtlich nicht so gut, denn als sie mich bemerkt, macht sie die Glotze aus und schaut zu mir auf.

„Hallo, mein großer Schatz, schön das du kommst. Isst du mit uns zu Abend?“, sagt sie. „Ja Mama, deswegen bin ich da und ich wollte auch noch mal mit dir und Papa reden. Ab Morgen geht ja mein Unterricht noch mal weiter und ich werde einiges nach holen müssen“, sage ich und fahre den Rolli zu ihr neben die große Couchecke.

Nach dem auch Papa gekommen ist, gehen wir ins Esszimmer, ich rolle natürlich, um dort das Abendbrot ein zunehmen. Papa erzählte auf meine Frage nach Sergejs Bewerbung, das er wohl in die engere Auswahl gekommen ist und gute Chancen auf eine Stelle an Bord der Europa hat.

„Warum hast du überhaupt ein solches Interesse an dem jungen Mann und woher kennst du ihn überhaupt?“, will Mama wissen. Mit leicht rotem Teint erzähle ich von unseren Begegnungen in der Klinikcafeteria und sage auch, dass ich ihn gern mal zu mir einladen möchte.

„Hat sich mein Großer vielleicht ein bisschen verliebt ?“ fragt Papa ganz direkt, was zu einer Vertiefung meines ohnehin schon leicht geröteten Gesichts führt.

„Ich mag ihn und ob ich in ihn verliebt bin, weiß ich nicht, da mir das Gefühl des Verliebt seins aus Mangel an Gelegenheiten noch nicht sonderlich geläufig ist“, erwidere ich etwas bissig.

Dann, etwas freundlicher sage ich: „Ich würde ihn zunächst mal als guten Freund haben wollen, als jemanden, der mit mir redet und der auch mal was mit mir unternimmt.“ Ich trinke einen Schluck aus meinem Wasserglas.

„Da er mit meiner Behinderung offensichtlich kein Problem hat, nur unwesentlich älter ist als ich und die Welt auch bestimmt nicht aus der selben Perspektive sieht, wie ich das tue, ist es für mich jemand, den ich näher kennen und mit dem ich auch etwas mehr Zeit verbringen möchte“, erkläre ich mein Interesse an Sergej.

„Ich habe Martin gefragt, was er für einen Eindruck von dem jungen Mann hat und er meinte schon, das er ganz in Ordnung zu sein scheint. Ich schlage dir also vor, das ihr euch vielleicht ein paar mal auf neutralem Boden oder auch bei ihm trefft, bevor du ihn hier her einladen sollst“, sagt Papa mit einem Seitenblick auf Mama, die zustimmend nickt.

„ Dann lernt ihr euch ein wenig besser kennen und du kannst ihn auch ein wenig darauf vorbereiten, was ihn hier erwartet. Allerdings werde ich sicherheitshalber seine Bewerbungsmappe mal persönlich einsehen und wenn möglich, etwas mehr über ihn heraus zu finden.

Ich werde mit dem Personalbeauftragten reden, das der ihm beim Vorstellungsgespräch, das in der nächsten Woche stattfindet, noch ein bisschen auf den Zahn zu fühlen soll. Ich will halt schon wissen, wer uns in unserem Haus besuchen kommt“, führt er seine Absichten weiter aus.

„Bis zum nächsten Wochenende wissen wir dann etwas mehr über ihn und wenn alles OK ist, dann kannst du ihn gerne für das Wochenende einladen, auch mit Übernachtung wenn er das denn will“, schaltet sich Mama ein und lächelt mich dabei offen an. Sie ist schon Klasse, meine Mama.

„Am nächsten Wochenende, am achten Mai spielt Werder gegen den HSV im Weserstadion, da geht’s darum, ob wir in der Championsleague spielen oder nicht. Vielleicht können wir beide und Martin und Kai hingehen und du kannst ja auch dann Sergej dazu einladen. Ein Spiel aus der Vip Lounge zu sehen, wird bestimmt ein Erlebnis sein für den jungen Mann“, meint Papa.

Die Idee beginnt mir zu gefallen, wie könnten was trinken, Werder gucken und dann könnte er ja bei mir übernachten. Mal sehen, was er davon hält. „Das ist eine tolle Idee, Papa, da wird er bestimmt gerne mitkommen und ich bin auch froh, mal wieder ins Stadion zu kommen. Das letzte mal ist ja schon über 5 Monate her“, sag ich und denke dabei:“ Da hatte ich meine Füße noch, Scheißspiel!“

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Ole

In Gedanken versunken geh ich aus dem Aufzug kommend um die Ecke zu unserem Zimmer, als ich mit einem Rollstuhl zusammenstoße. Bevor ich klar denken kann, wälze ich mich schon auf dem Fußboden und meine operierte Hand schmerzt höllisch.

„Scheiße, oh tut das weh“, stöhn ich und versuche aufzustehen und Tränen schießen mir in die Augen.

„Entschuldigung, warten sie ich helfe ihnen“, sagt eine Stimme und zwei Hände greifen mir von hinten unter die Achseln und ziehen mich hoch. Man, tut das weh und ein Blick auf den Verband lässt mich erschrecken. Ein roter Fleck, der auch langsam größer wird zeigt mir, dass die Wunde wohl wieder auf gegangen sein muss bei meinem Crash.

Ich schaue hinter mich auf den Mann, der mich hoch gezogen hat. „Es tut mir leid, dass ich sie zu spät gesehen habe und sie in den Rollstuhl gelaufen und gefallen sind. Was ist mit ihrem Arm?“, fragt er besorgt, „sie haben aber auch nicht gerade aufgepasst, als sie um die Ecke kamen.

„Ich wollte meine Mutter abholen, deswegen der Rollstuhl. Man das ist mir jetzt sehr peinlich, das ich sie über den Haufen gefahren habe“, erklärt er mir die Anwesenheit des Rollstuhls, „ist es sehr schlimm?“

„Ich brauch einen Arzt, das ist wieder auf gegangen“, sage ich und halte meinen Arm so, dass er den sich langsam vergrößernden Blutflecken sehen kann. Er schiebt mich in Richtung des Stationszimmers und nach dem ich der dort anwesenden Schwester erklärt habe, was passiert ist, greift diese sofort zum Telefon, um einen Arzt zu rufen.

„Gehen sie bitte auf ihr Zimmer, Herr Jensen, der Doktor kommt gleich zu ihnen. Ich bringe sofort den Wagen mit den Verbänden und Medikamenten, wir müssen den Verband entfernen, damit der Arzt sehen kann, was passiert ist“, sagt die Schwester zu mir und schiebt mich aus dem Zimmer.

Im Weggehen höre ich noch, wie sie dem Mann mit dem Rollstuhl sagt, dass er seine Mutter abholen soll, sie würde schon auf ihn warten.

Torsten macht große Augen, als ich im den jetzt schon etwas größeren Blutfleck auf meinem Verband zeige. Gleichzeitig erzähle ich ihm von dem ungewollten Crash mit dem Rollstuhl. Dann kommt der Arzt und die Schwester schiebt den Wagen ins Zimmer, auf dem die ganzen Behandlungsutensilien untergebracht sind.

Nach einer kurzen Schilderung des Unfalls mit dem Rollstuhl beginnt der Doktor mit der Entfernung des Verbandes. Wie bereits von mir vermutet, ist die Naht der Wunde aufgegangen und die Hand ist angeschwollen.

„Das muss geröntgt werden, wir müssen schauen, ob sich der Bruch verändert hat. Im schlimmsten Fall müssen wir erneut operieren“, sagt der Arzt und deckt die Wunde steril ab.

„Die Schiene ist gebrochen, aber vielleicht ist ja der Bruch noch in Ordnung, dann müssen wir nur ein wenig nachnähen oder klammern“, meint er und fügt hinzu: „Wir gehen jetzt zusammen runter und dann wird zunächst geröntgt“. Das Röntgen zeigt, dass der Bruch verändert ist und mir eine erneute Operation nicht erspart bleibt.

Bis es soweit ist, dauert es noch eine Stunde, dann wird, diesmal mit örtlicher Betäubung, der Bruch erneut gerichtet und die Wunde neu vernäht. Ebenfalls wird eine neue Schiene an gelegt. Mehr als einmal rinnt mir eine Träne der Enttäuschung und auch der Wut über meine Unachtsamkeit die Backen runter.

Nach dreißig Minuten ist der Arm versorgt und ich darf wieder zurück in mein Zimmer gehen. Der Arzt hat mir dann noch eröffnet, dass sich die Entlassung durch die Umstände um 8 Tage nach hinten verschieben wird.

Dadurch komme ich erst am nächsten Montag raus. An diesem Montag schreiben wir die noch ausstehenden Abiturarbeiten. Ich muss fragen, ob sie mich dann am Sonntag gehen lassen, damit ich die nicht verpasse.

Torsten ist natürlich nicht traurig, dass ich jetzt noch länger bleiben muss. Ich habe ihm alles erzählt, nur nicht von dem Gespräch mit Frank, obwohl er natürlich gefragt hat, was mit uns beiden läuft.

Ich rufe mal meine Mutter an und erzähle, was mir widerfahren ist, die ist natürlich gleich ganz aufgeregt und will noch vorbei kommen. Das wäre ja ganz gut, da kann sie mir noch Schulsachen mitbringen, damit ich hier noch für die restlichen Klausuren lernen kann.

Als sie dann kommt, erzähle ich noch mal, was passiert ist und auch, dass ich schon Mitschuld habe an dem Unfall, weil ich mit den Gedanken ganz woanders war. Sie ist auch ein wenig traurig, dass ich jetzt noch die ganze Woche hier bleiben muss.

Von Mama erfahre ich dann, dass ich eine Unfallversicherung habe, die mir für jeden Tag im Krankenhaus fünfzig Euro zahlt und wenn ich jetzt noch länger bleiben muss, habe ich den Grundstock für meinen Führerschein schon mal gelegt. Man kann ja auch Glück im Unglück haben

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Samstag 02.05.2010

Jerome

Heute Morgen bin ich schon früh auf, gleich kommt der Mathelehrer und wir werden damit beginnen, die versäumten Teile des letzten Schuljahres vor dem Abi, das ich in etwa 2 Monaten ablegen soll, nachzuarbeiten. Da ich in Mathe ganz gut bin und auch nicht unbedingt ein Einser Abitur brauche, werde ich das schon schaffen.

Martin hat schon gleich nach dem Frühstück meine Beine wieder mit der Salbe eingerieben und gemeint, das wir am Dienstag wieder zu Schmelzer fahren können, dann wäre von der Blase nichts mehr zu sehen.

Ich freu mich schon auf die Cafeteria und Sergej, der mehr denn je meine Phantasien beflügelt, wenn ich denn mit Klein-Jerome beschäftigt bin.

Ich will aber auch wieder mit dem Training anfangen, denn ohne Max und Moritz werde ich mit Sergej nirgendwo hingehen, weil ich zumindest im Rollstuhl den Eindruck erwecken will, noch Füße zu haben. Besser wäre es natürlich, wen ich endlich wieder laufen könnte.

Ich muss aufpassen, dass ich nicht noch mal eine Blase bekomme, damit ich endlich wieder laufen kann und mich unter anderen Menschen wieder sicherer fühle. Wie müssen eine Möglichkeit finden, das Training effektiver zu machen, ich kann es kaum erwarten, wieder los zu legen.

Nun sitze ich in meinem Arbeitszimmer und nach einem etwas längeren Begrüßungsgespräch zwischen Herrn Kreutzer, meinem Lehrer und mir, sind wir voll in Mathe eingestiegen und nach einigen Fehlern geht es jetzt auch wieder ganz gut voran.

Das wird jetzt erst mal bis Mittag so weitergehen und heute Nachmittag habe ich dann bestimmt noch Hausaufgaben zur Wiederholung zu machen. So vergeht der Samstag und abends surfe ich ein bisschen im Internet, diesmal auch auf etwas freizügigen Seiten, man muss sich ja schließlich mal kundig machen.

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Ole

Den ganzen Samstag tut mir jetzt der Arm schon weh. So ein Scheiß kann auch nur mir passieren. Nach dem Frühstück wurde der Verband gewechselt und die Schwellung war nicht mehr so stark. Bis zum Mittagessen haben wir nur gedöst und leise Musik gehört. Auch Torsten war ziemlich müde, weil wir lange Fernsehen geguckt haben heute Nacht. Jetzt hat er Besuch von seinen Eltern und ich habe mich in die Cafeteria verzogen.

Es ist jetzt zwei Uhr und ich habe schon dreimal versucht, Frank anzurufen, aber da ist nur die Mailbox an. Er kommt erst Dienstag wieder zum Dienst, hat Horst heute Morgen gesagt weil er sich ein paar Tage frei genommen hat. Dann hat Horst noch gemeint, er wäre bestimmt nach München gefahren zu seinem Freund.

Mir hat Frank nichts davon gesagt vorher und vielleicht war das ja so ein spontaner Entschluss, nach München zu fahren.. Nachdenklich suche ich das Zimmer wieder auf und lege mich ins Bett.

Was fühle ich denn eigentlich für Frank? Ich bin ganz durcheinander, als ich mir vorstelle, dass er jetzt vielleicht mit Paul im Bett ist. Ich fühle Eifersucht, bin ich jetzt doch verliebt in ihn? Ich weiß im Moment gar nichts mehr und bin froh, dass Thorsten mich jetzt ablenkt.

„Was ist denn heute los mit dir. Du bist den ganzen Tag schon so zugeknöpft?“, fragt er, „kann ich dir irgendwie helfen oder bist du nur müde?“

„Nee, lass mal, Torsten, mir geht so viel im Kopf rum und ich weiß im Moment nicht, was ich wirklich will. Der Unfall gestern, die Sache mit Frank, mein Abitur, all das ist ein bisschen viel und meine beiden besten Freunde lassen sich auch nicht blicken hier, weil sie nämlich ein Liebespaar sind seit kurzem und deshalb keine Zeit für mich haben“, erkläre ich meine Laune.

Dann läutet plötzlich mein Telefon und Mutsch ist dran. „Hallo, mein Junge, wie geht es dir“, will sie wissen. „Im Moment eher beschissen, Mama ich habe schlechte Laune, weil alles nicht so läuft, wie ich es gerne hätte und wenn ich dran denke, das ich noch die ganze Woche hier liegen soll, dann krieg ich die Krätze“, antworte ich.

„So schlimm, mein Lieber?. Dann muss ich dir doch noch zwei Stückchen von deinem Lieblingskuchen rüberbringen, damit dein Ego wieder ein Stück nach oben kommt. Was hältst du denn davon?“, fragt sie.

„Das hört sich mal nicht schlecht an, dann kannst du aber für Torsten bitte auch noch ein Stück mit bringen, der kriegt ja sonst lange Zähne, wenn ich hier allein Kuchen esse“, antworte ich. „Das krieg ich hin“, sagt sie, „also bis gleich dann.

Es dauert dann auch keine halbe Stunde, da erscheint meine Mama mit Marie und *staun* Heiner im Schlepptau. Mutsch hatte zwei Kuchenteller mit je zwei Stückchen Schwarzwälder Kirschtorte dabei und nach der Begrüßung stellte sie mir und Torsten je einen der Teller hin.

„Haben wir Familienzuwachs bekommen?“, frage ich, worauf Marie und Heiner etwas an Farbe bekommen. „Blödmann“, sagt Marie und Heiner guckt mich etwas vorwurfsvoll an.

„Dieser Zuwachs hat durchaus mein Einverständnis, das weißt du auch Heiner. Für meine Schwester nur das Beste“, erkläre ich auf meine Art, was ich von der Verbindung halte. Mutsch sagt: „ Ich möchte meine Kinder glücklich sehen und wenn Marie das mit Heiner wird, dann ist das gut so und jetzt ist Themenwechsel. Was ist jetzt mit der Hand, ist es besser geworden mit den Schmerzen und wie geht es weiter, kannst du am Sonntag nach Hause“?

Ich hatte die ganze Zeit auf Heiner geguckt und er machte auf mich nach den Worten meiner Mama einen zufriedenen Eindruck. Das sieht wohl nach was Festem aus. Wieder ein glückliches Paar in meinem persönlichen Umfeld, und wieder bin ich nicht dabei.

„Ole, ich hab dich was gefragt, hörst du deiner Mutter überhaupt zu“, meldet sich Mutsch jetzt wieder. „Ja Mama, was ist denn?“ antworte ich, „ach so, meine Hand, du weißt ja, die wurde nach dem Sturz über den Rollstuhl nachoperiert und jetzt ist alles wieder auf dem besten Weg, gesund zu werden. Die Schmerzen sind nicht mehr so schlimm, aber mein Aufenthalt hat sich leider dadurch etwas verlängert.“

Marie sagt: „Ich soll dich schön von Armin und Denise grüßen, sie waren der Meinung, dass du heute schon nach Hause kommst, jetzt wollen sie aber morgen vorbei kommen und dich besuchen“. „Na, das ist ja schön“, sage ich, „ich habe schon zu Torsten gesagt, das die vor lauter Verliebt sein ihren Freund im Krankenhaus längst vergessen haben.“

Torsten hat in der Zeit seine Kuchen schon gegessen und reicht nun den Teller an Mutsch zurück. „Der war aber superlecker, Frau Jensen, das war der beste Schwarzwälder den ich je gegessen habe“, macht er Mama ein Kompliment.

„Danke, ich habe mir auch viel Mühe gegeben, das ist Oles Lieblingstorte und ich wollte ihn ein wenig aufmuntern“, sagt sie, „morgen bringe ich euch dann noch mal eine Portion, damit ihr schneller gesund werdet.“

„Da freu ich mich jetzt schon drauf“, meint Torsten und grinst wie ein Honigkuchenpferd, „Vielleicht können sie ja mal das Rezept mitbringen für meine Mama, dann kann sie auch mal so einen machen.“ „Das kann ich machen“, sagt Mama und man sieht, dass sie sich über das Lob gefreut hat.

Nachdem sie gegangen sind, kommt dann auch bald das Abendessen. Da ich nach dem Kuchen immer noch satt bin und auch keine Lust zum Essen habe, verputzt Torsten meine Portion gerade noch mit. Wo der das alles hinsteckt, ist mir ein Rätsel und dick ist er ja nun auch nicht, der Junge.

Samstagabend, nix im Fernsehen und dann noch keine gute Stimmung in mir. Ich sollte mich nicht so fest auf Frank konzentrieren, aber das ist nicht so leicht. Wie hat er noch gesagt: „Wenn ich Paul nicht hätte, würde ich dich direkt behalten“. Der Satz geht mir so lange im Kopf rum bis ich eingeschlafen bin.

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Sonntag

Ole

Das Ziehen im Arm hat mir einen unruhigen Schlaf beschert und dem entsprechend ist auch meine Laune. Frank hat frei bis Dienstag und er hat auch nicht angerufen. Ich wollte ihn nicht anrufen, um ihm nicht das Gefühl zu geben, in zu bedrängen.

Torsten hat geratzt wie ein Bär im Winterschlaf und erst die Leute, die zum Bettenmachen kommen, haben ihn geweckt. Nun frühstücken wir, er redet an einer Tour und ich schweige vor mich hin und bin mit den Gedanken ganz woanders.

Ich habe viel wirres Zeug geträumt und immer kam irgendwo Frank ins Spiel. Warum geht der mir so im Kopf rum. Bin ich so verknallt in ihn oder ist es vielleicht die Tatsache, dass da noch der Paul existiert? Ich bin richtig im Stress, merke ich.

Was er jetzt wohl gerade macht, ob er noch bei seinem Paul im Bett liegt, hatten sie heute Nacht Sex miteinander oder hat Paul doch fremd gepoppt? Ich will mich gegen diese Gedanken wehren, aber sie lassen mich einfach nicht los. Diese Ungewissheit und dann immer wieder dieser besagte Satz: „Wenn ich Paul nicht hätte,… Mann ich dreh gleich durch.

„Ich muss mal ein bisschen rumlaufen, Torsten, mit fällt die Decke auf den Kopf, ich brauche frische Luft“, sag ich zu dem schon wieder fernsehenden Jungen und stehe auf, um mir eine Jogginghose anzuziehen. Auch eine weite Weste hat Mutsch mir mitgebracht und die ziehe ich jetzt vorsichtig über den verletzten Arm.

„Pass auf, dass du nicht wieder mit einem Rollstuhl zusammen krachst“, gibt Torsten mir noch mit auf den Weg. „Arsch“ ist meine kurze und prägnante Antwort. Dann bin ich auch schon unterwegs nach draußen.

Die blaue Schulter zieht ganz schön, aber letztendlich habe ich es geschafft und die richtige Haltung gefunden, in der es am wenigsten schmerzt. Ich habe noch schnell meinen Geldbeutel eingepackt, damit ich mit in der Cafeteria was kaufen kann. Im Stationszimmer sage ich Bescheid, das ich ein bisschen nach draußen gehe.

Die Schwester meint, die Visite käme heute erst kurz vor Mittag ich sollte also um halb zwölf bitte wieder auf dem Zimmer sein. Meine geprellte Hüfte macht mir kein Problem beim Laufen, wenn ich keine großen Schritte mache, geht es und Treppen brauch ich eh keine laufen.

So gehe ich langsam hinaus und um das Gebäude herum, hier ist eine Grünanlage mit mehreren Bänken und sogar ein großer Teich ist dort mit ein paar Enten drauf. Gemütlich laufe ich einen Rundweg entlang. Es sind noch mehrere Leute hier unterwegs, teils Patienten teils Besucher. Einige haben sogar Hunde an der Leine.

Nach einer halben Runde setze ich mich auf eine Bank und betrachte die anderen Leute. So langsam beruhigen sich meine Gedanken. Die Beobachtung der anderen Leute lenkt mich ab und es gelingt mir etwas weniger intensiv an Frank zu denken.

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Jerome

Am Sonntag, nach einem späten Frühstück lerne ich fleißig für meine baldigen Abiturprüfungen, weil ich ja immer noch nicht trainieren kann und weil ich das jetzt auch endlich wieder ernsthaft machen muss. Zwischen durch surfe ich aber immer wieder im Internet. Gestern habe ich beim Suchen auch einige Seiten gefunden, wo man Geschichten lesen kann.

Die meisten Geschichten haben einen schwulen Hintergrund oder handeln von schwulen Jungen und Männern. Da habe ich dann zwischendurch mal die eine oder andere Geschichte gelesen und hatte zeitweise richtig gute Unterhaltung.

Nur von einem gemeinsamen Familienmittagessen unterbrochen, lerne und lese ich abwechselnd den ganzen Sonntag. Dabei lerne ich in verschiedenen Fächern. Damit ich nicht immer nur Hochleistung von meinen grauen Zellen verlange, lese ich zwischen den einzelnen Fächern immer eine Geschichte im Internet.

Ich wundere mich, als Mama bei mir klopft, um mich zu fragen, ob ich mit Abendbrot essen möchte. Ich finde, dass ich für heute genug gelernt habe und räume meine Sachen zusammen. Ich schwing mich in den Rolli und fahre Mama hinterher zum Aufzug. Unten treffen wir dann auch auf den Rest der Familie und auch Oma und Tante Frieda sind anwesend.

Das ist Sonntags oft so, dass die Beiden mit uns essen. „Wie geht es dir, mein Junge“, will dann auch Oma gleich wissen. „Er ist verliebt“, kichert Natascha und kriegt dafür einen bösen Blick von mir, aber auch Mama guckt sie vorwurfsvoll an.

„Erzähl hier mal keine Märchen, Schwesterchen, ich habe lediglich einen jungen Mann kennen gelernt, der mir sehr sympathisch ist und den ich gerne näher kennen lernen möchte“, sage ich und dann esse ich einfach weiter.

„Na, das wäre doch fein, wenn du einen Freund hättest, dann wärst du in deiner schwierigen Lage nicht allein“, meint Oma dann auch gleich.

„Allein ist er ja wohl nicht“, sagt jetzt Papa, „wir sind ja auch noch da, aber wenn er sich gerne mit dem jungen Mann treffen will, dann ist das in Ordnung. Wenn daraus Freundschaft oder auch noch mehr werden sollte, werden wir das akzeptieren. Aber das muss Jerome selbst entscheiden.“

Wow, Papas Ansage haut mich ja jetzt fast aus den Latschen. Soviel Unterstützung hätte ich jetzt zunächst mal nicht erwartet, aber ich freue mich sehr darüber

„Was macht denn eigentlich der Sohn von Frau Jensen“, will Mama nun von Oma wissen und ich bin ihr für den geschickten Themenwechsel sehr dankbar. Ich sagte ja schon, meine Mama ist Klasse.

„Der Junge hatte wohl im Krankenhaus noch einen Unfall, er ist in einen Rollstuhl hinein gelaufen und auf die gebrochene Hand gestürzt. Die musste dann noch einmal operiert werden und nun muss er noch eine Woche länger bleiben“, erzählt Oma.

„Das tut mir aber leid für den Jungen“, sagt Mama, „da hat er aber wirklich kein Glück gehabt. Das war bestimmt noch mal ein kleiner Schock für seine Mutter“. „Ja“, sagt Oma, „die war schon ein bisschen geschockt, das er schon wieder so ein Pech hatte, aber jetzt wird das wohl wieder mit dem Arm. „

Ich denke mir gerade nur, wie peinlich das sein muss, mit einem Rollstuhl zu crashen, und stelle mir vor, es würde einer vollen Kanne in meinen Rolli rein rennen. Naja, wenn es dann ein Junge in meinem Alter wäre und der würde auf meinen Schoss zu liegen kommen, das hätte ja durchaus auch etwas Positives. Ich muss grinsen.

„Was gibt’s denn jetzt zu grinsen, Jerome, „will Mama wissen. Als ich erzähle, was ich mir gerade vorgestellt habe, müssen alle lachen und Oma meint, „Auf dem Bild von Frau Jensen sieht der Ole ganz nett aus, wer weiß, ob du den noch mal runter geschubst hättest.“ Wieder amüsieren sich alle, jetzt aber über Omas Beitrag.

Nach dem Essen geht’s per Rolli und Aufzug wieder nach oben und jetzt ist nur noch Lesefun angesagt. Es gibt da wirklich tolle Geschichten und heute Abend werde ich mal eine etwas längere davon lesen.

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Ole

Der Montag verläuft total ereignislos und ich warte darauf, dass es Dienstag wird. Mit Lernen für die restlichen Prüfungen und auch mit etwas Fernsehen mit Torsten vergeht der Tag. Der einzig wirkliche Lichtblick war dann auch der Kuchen, den Mutsch um halb fünf für Torsten und mich vorbei brachte.

Denise und Armin waren heute nicht gekommen, aber Denise hatte angerufen, dass sie morgen Nachmittag kommen wollen. Mal sehen, ob diesmal klappt. Gegen Abend habe ich dann noch mal einen Spaziergang gemacht und bin dann auch zeitig eingeschlafen.

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Jerome

Nachdem ich gestern Abend noch bis fast Mitternacht gelesen habe, bin ich heute Morgen nicht wirklich fit und erst eine größere Menge Kaffee bringt mich wieder in Form. Der Tagesplan sieht einen Crashkurs in Englisch und Französisch vor, nämlich heute Morgen Englisch und Französisch heute Nachmittag.

Wenn das einigermaßen klappt, dann geht es mit dem normalen Sprachprogramm weiter. In der Reha hatte ich ja auch das ein oder andere gelernt, obwohl ich da stimmungsmäßig total auf dem Hund war. Jetzt müssen meine Lehrer und ich mit vollem Einsatz auf die Abschlussprüfungen hinarbeiten.

Morgen wird das Lernen wohl nur durch den Besuch bei Dr. Schmelzer unterbrochen, ein Besuch in der Cafeteria selbstverständlich inklusive. Ich habe Sergej schon angerufen und gesagt, dass wir morgen am Vormittag vorbeikommen und ich mich gerne mit ihm treffen würde.

„Meine Pause ist von Zehn Uhr bis Zehn Uhr fünfzehn, da habe ich Zeit, um ungestört mit dir zu reden. Ich habe übrigens ein Vorstellungsgespräch am Donnerstag um Elf Uhr. Ich weiß zwar nicht, ob du etwas dazu beigetragen hast, aber wenn doch, dann Dankeschön dafür. Und jetzt muss ich los, ich muss zum Einkaufen“, hatte er dann unser Gespräch beendet.

Morgen werde ich ihn fragen, ob er zu mir kommt am Wochenende und ob er dann auch mit uns zu Werder gehen will. Von der Vip-Lounge sag ich erst mal nix, nicht das er sich nach her nicht traut. Ich bin richtig nervös, wenn ich an das Wochenende denke.

Vielleicht sollte ich meine Erwartungen auch nicht zu hoch schrauben, nachher läuft Garnichts und vor lauter Enttäuschung krieg ich wieder eine Depression. Ich zwinge mich förmlich zu ein wenig vorsichtigem Optimismus und ich wäre ja schon froh, wenn Sergej überhaupt über Nacht bleiben will.

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Dienstag 4.05.2010

Ole

Als sie zum wecken kommen, bin ich schon wach und ein wenig nervös, sogar mehr als ein wenig. Ist Frank dabei heute Morgen oder kommt er erst heute Mittag. Ich habe mich gestern nicht getraut, jemanden danach zu fragen, welche Schicht er hat. Ich möchte nicht, dass hier einer auf den Gedanken kommt, es wäre was zwischen uns, nicht das Frank Schwierigkeiten bekommt

Er ist nicht dabei heute Morgen, dafür aber Heiner und der macht jetzt gerade das Bett rund um und unter Torsten. Der beäugt ihn ziemlich auffällig, aber er sagt kein Wort. Ich muss grinsen, als Torsten zu mir rüber sieht und auch er kann sich jetzt ein Grinsen nicht verkneifen.

„Hab ich irgendwas an der Backe, Torsten“, fragt Heiner und schaut Torsten ins Gesicht. „Nee, hast du nicht, ich bin nur gut gelaunt heute Morgen“, sagt Torsten und ich, schon auf dem Weg ins Bad, dreh mich noch mal um, um sein verschmitztes Gesicht zu betrachten.

Wenn Heiner wüsste, das er schon mehr als einmal Gegenstand von Torstens Gesprächen gewesen ist und in welchem Zusammenhang, wer weiß, wie er reagieren würde. Als Heiner fertig ist, fragt Torsten:“ Kommt der Frank heute Mittag auch wieder, oder hat der noch länger frei?“

Ich bleibe vor dem Bad stehen, um die Antwort nicht zu verpassen. „Horst hat vorhin gesagt, dass er erst Morgen noch mal kommt, er hat noch einen Tag dran gehängt, weil er in München noch wegen seinem Studienplatz was regeln will.“

Sofort macht sich eine große Enttäuschung in mir breit, ich hatte fest damit gerechnet, dass er heute wieder hier erscheint. Ungewollt werden meine Augen feucht und ich verschwinde schnellstens im Bad. Warum macht mir das jetzt so viel zu schaffen? Das tut mir richtig weh.

Wenn er wirklich nach München geht, und das sieht ja wohl so aus, dann macht das ja alles keinen Sinn, über eine Beziehung mit ihm nach zu denken. Ich muss mich von dem Gedanken lösen, dass er mehr als nur eine Freundschaft will und ich kann mich ja auch nicht nach ihm verzehren, wenn es keine Aussicht auf Erfolg hat.

Eine kalte Gesichtswäsche und die Gewissheit, dass unsere Freundschaft nicht das wird, was ich mir gerne gewünscht hätte, lässt mich wieder ruhiger atmen und ich geh ins Zimmer zurück, um erst mal was zu frühstücken. Torsten ist schon dabei und kaut mit vollen Backen.

„Heute kommt Heiner dich waschen“, kann ich mir einen Kommentar zu seinem Verhalten von vorhin nicht verkneifen. „Is ja schon gut“, sagt er mit halbvollem Mund, „ich weiß ja mittlerweile, dass ich von Schwuppen umzingelt bin. Nur wenn der mich untenrum befummelt beim Waschen, werde ich sauer“. Sein Grinsen dabei stellt die Ernsthaftigkeit seiner Drohung aber in Frage.

„Vielleicht wünscht du dir ja heimlich, dass mal ein anderer an deinem Pimmel rum spielt als immer nur du selber. Aber der wird sich hüten, denn sonst könnte er schnell Probleme mit dem Staatsanwalt kriegen wegen Unzucht mit Minderjährigen“, sag ich zu ihm und grinse ebenfalls dabei.

Wir müssen beide lachen und just in diesem Moment kommt Heiner wieder rein, um die Tabletts von Frühstück ab zu räumen. „Ihr zwei habt wohl einen Clown gefrühstückt heute Morgen, oder warum lacht ihr schon wieder“, meint Heiner.

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Jerome

Heute bin ich bei Zeiten aufgestanden und habe schon mit der Familie gefrühstückt. Bevor ich mit Martin in die Klinik fahre, werde ich von Martin noch einmal gut mit der Salbe eingerieben. Dann geht es mit Max und Moritz in die Klinik, wo wir bereits erwartet werden.

Max, die rechte Prothese wird zunächst mal noch geringfügig an der Stelle geändert, an der die Blase aufgetreten ist. Dann erfolgt die erneute Anprobe und nun geht es mal wieder auf den Flur. Mit Rollator laufe ich zunächst drei Mal rauf und runter und dann ohne einmal rauf und runter.

Dann wird genau nachgesehen, wie die Stelle reagiert hat, an der zuvor die Blase war.

„Das sieht alles sehr gut aus, Herr Jensen“, meint Dr. Schmelzer und gibt mir dann einen Trainingsplan. „Bitte halten sie sich möglichst genau an diesen Plan, auch die Zeiten für die Salbe sind da eingetragen, das ist sehr wichtig, damit die Haut stabil wird und keine Blasen mehr auftreten“, sagt sein Assistent zu mir.

Martin nimmt den Plan an sich und garantiert Dr. Schmelzer die exakte Einhaltung. Dann geht es endlich nach unten, in die Cafeteria. Es ist neun Uhr vierzig, also haben wir bis zur Pause von Sergej noch Zeit, einen Kakao zu trinken, den er uns ja dann wohl bringen wird.

Ich bin etwas aufgeregt, empfinde ich das hier doch schon fast wie ein Date. Jerome hat ein Date mit Sergej, die Idee gefällt mir. Mal sehen, wie Sergej das sieht. Jetzt muss ich nur noch Martin los werden, der stört uns nur bei unserem „Date“

„Willst du nicht noch mal nach sehen, was der Jensenjunge macht, Martin, da kannst du bei Oma und Frieda einen Haufen Punkte machen, wenn du einen aktuellen Bericht abgibst“, starte ich meinen ersten Versuch, ihn los zu werden.

„Ich hab schon verstanden Chef, bin schon weg“, sagt er und verschwindet Richtung Aufzug. Immer, wenn er Chef zu mir sagt, ist er etwas beleidigt.

Ich rolle jetzt, mit Max und Moritz an den Beinen, in die Cafeteria. Sergej sieht mich natürlich kommen und er lächelt mich an, als er auf mich zukommt.

Ich stemme mich hoch und mache einige Schritte auf den Tisch zu, ohne Hilfe, ganz allein und als ich den ohne Probleme erreiche, setze ich mich dorthin. „Wow, das ging ja schon ganz toll“ sagt Sergej freudig, „ du machst ja enorme Fortschritte. Ist alles OK bei dir?“

„Ja, Hallo, schön dich zu sehen, bei dir auch alles klar?“ frag ich. „Ich bin ganz zufrieden“ antwortet er, „ und das eben hier mit deiner Laufeinlage, das war ja wirklich schon super. Wer dein Handicap nicht kennt, der hätte nicht vermutet, dass du keine Füße mehr hast “. Letzteres hatte er so leise gesagt, das nur ich es hören konnte.

„Ich bringe dir mal einen Kakao mit Sahne und dann habe ich ja gleich Pause und komme zu dir“, sagt er und geht zur Theke hinüber. Ich schaue ihm hinterher und er sieht auch von hinten einfach gut aus.

Seine Schultern sind etwa so breit wie meine, also schon ein bisschen athletisch, seine Taille ist schlank und sein Hintern ein Gedicht, nicht zu breit, aber schön rund. Das sieht man am besten, wenn er im Profil zu sehen ist. Er ist etwa fünf Zentimeter größer als ich und er hat mittelblonde, relativ kurz geschnittene Haare, die ein wenig verstrubbelt sind.

Ihn zu betrachten, gefällt mir sehr und so lasse ich ihn auch keine Sekunde aus den Augen. Als er wieder kommt, bringt er für sich auch eine Tasse mit. „Du starrst mir hinterher, willst du mich mit deinen Blicken ausziehen?“, fragt er mit einem verschmitzten Grinsen.

„Aber doch nicht vor all diesen Leuten, nein, das mach ich lieber, wenn wir mal allein sind. Ich habe dich halt mal in aller Ruhe betrachtet und ich muss sagen, es gefällt mir mehr als gut, was ich sehe“, gebe ich zur Antwort und strahle ihn offen an.

Er wird ein wenig dunkler im Gesicht, und ich habe das Gefühl, das ihn mein Kompliment gefreut hat. „Du brauchst dich aber auch nicht zu verstecken, Jerome, du kannst dich auch überall sehen lassen und wenn du auf Mädchen stehen würdest, hättest du an jeder Hand zehn Stück mindestens“, gibt er mir ein Kompliment zurück.

„Ja“, sage ich etwas leiser, „wenn. Ich steh aber eindeutig auf Jungs und ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn du mich auch mögen würdest so wie ich dich mag. Du geht’s mir seit unserem letzten Gespräch nicht mehr so richtig aus dem Kopf und ich hätte dich gern zum Freund und vielleicht, wenn du mich auch magst, darf es gerne auch mehr sein, als nur eine Freundschaft“.

„Ich habe auch über uns nachgedacht und das alles ist halt absolutes Neuland. Ich kann nicht sagen, ob ich schon einmal für einen Jungen mehr empfunden habe als nur Freundschaft. Der Gedanke, dich mehr zu mögen und mehr für dich zu empfinden, als das normalerweise Freunde tun, der Gedanke stößt mich nicht ab und vielleicht kommt es ja soweit, dass wir uns tatsächlich näherkommen“, sagt er ebenfalls so leise, das nur ich das hören kann.

Er fährt fort: „ Aber du musst mir schon ein bisschen Zeit lassen, Jerome und ich bitte dich auch, mich nicht zu bedrängen, lass uns einfach tun, was Freunde miteinander tun, ich lass dich in mein Leben und du lässt mich in dein Leben und dann sehn wir mal, was sich da entwickelt.

Du weißt schon einiges von mir und du weißt auch, das uns Welten trennen, allein schon was die materielle Situation angeht. Ich werde mich nicht von dir kaufen lassen, nicht das ich so etwas von dir erwarte, nein, aber ich möchte von Anfang an Klarheit und Ehrlichkeit zwischen uns beiden.“

„Ich verspreche dir, das ich immer ehrlich zu dir bin, Sergej, ich will dich und dein Leben kenne lernen und du sollst das bei mir auch“, sage ich und schlage ihm vor: „ Da du jetzt ja in deinem Hotel Mittagsschicht hast und bis 22:00 Uhr arbeiten musst, könnte ich, wenn es dir recht ist, dann noch auf eine Stunde vorbei kommen und wir könnten dort in der Bar etwas trinken und uns besser kennen lernen und dann bringen wir dich mit dem Wagen nach Hause“.

„Das würde gehen, wann denn, heute Abend gleich?“, fragt er, „ wenn ja, dann kannst du schon um 21:00 Uhr kommen, ich habe noch eine Stunde zu gut und der Chef vom Service gibt mir bestimmt frei, wenn wir im Haus was trinken wollen.“

„Am Freitag könnten wir ja einfach mal ins Kino gehen, Spätvorstellung, wenn du Feierabend hast“, sag ich, „ und anschließend könntest du mit zu uns fahren und bei mir übernachten. Am Samstag spielt Werder und da geht es um die Platzierung für die Championgsleauge. Mein Vater hat Karten besorgt und es wäre toll, wenn du mitkommen würdest.“

Ich überlege kurz und sage dann: „Wir haben Ehrlichkeit vereinbart und deshalb muss ich dir sagen, dass mein Vater VIP ist bei Werder, das heißt, das wir das Spiel aus dem Vipbereich heraus sehen werden, mit all den Promis, die bei einem Heimspiel darum laufen. Das ist aber schon besser, als irgendwo in der Masse zu stehen. Was hältst du denn davon?“

„Du gibst ganz schön Gas, Jerome, aber ich bin einverstanden. Wenn ich aber nach dem Fußballspiel nach Hause möchte, anstatt zu Euch, dann darfst du mir nicht böse sein“, sagt Sergej, „das werde ich dir dann aber früh genug sagen.“

Er fährt fort: „Ich muss am Morgen nach der Schicht gleich ins Bett, weil ich ja am Donnerstagmorgen ein Vorstellungsgespräch habe, da muss ich ausgeschlafen sein und dann können wir ja sehen, was wir an meinem freien Wochenende außer Kino und Fußball noch so alles machen werden. Ich freu mich drauf“.

„Und ich erst“, sag ich und trinke meine Tasse aus.

„So, ich muss dann wieder, meine Pause ist um und fürs Unterhalten werde ich leider nicht bezahlt“, sagt Sergej und er hält mir seine Hand hin, um sich zu verabschieden.

„Bis heute Abend“, sag ich und drücke seine Hand. Es kribbelt schon ein bisschen, als wir uns berühren und ich halte die Hand etwas länger fest.

„Bis heute Abend, Jerome, ich freu mich, um 21 Uhr in der Atrium Bar im Hilton“ sagte und nennt so den Namen des Hotels, in dem er arbeitet. Das zu fragen, hätte ich jetzt total vergessen. Er geht in Richtung Theke und ich stemm mich auf meine Füße und mache die paar Schritte bis zum Rollstuhl und setze mich in selbigen.

Das Hilton, das sagt mir was, aber mir fällt nicht ein, was genau. Ich rufe Martin mit dem Handy an und sage ihm, dass wir nach Hause fahren können. Dort geht es dann später weiter mit Lernen und Lernen und Lernen. Aber immer, wenn ein wenig Zeit ist zwischendurch, wird wieder etwas gelesen.

Als Martin kommt, ich bin schon in die Halle gefahren, sage ich ihm gleich: „Martin, ich habe heute Abend ein Date mit Sergej in der Atrium Bar des Hilton, da wo Sergej arbeitet“

„So, der arbeitet im Hilton, da hätte ja dein Vater auch gleich dort etwas über ihn erfahren können. Wenn er im Hilton arbeitet, dann haben die ja alle Daten von ihm und da wird auch nur angenommen, wer einen einwandfreien Leumund und gute Zeugnisse hat“, sagt Martin und schmunzelt vor sich hin.

„Wenn wir da um 21 Uhr aufschlagen wollen, dann müssen wir um halb losfahren. Parkplatz ist kein Problem, das habe ich im Griff und wann soll es wieder nach Hause gehen“, will Martin wissen. „Sergej muss ja Mittwochmorgen wieder im Krankenhaus bedienen, da geht nicht mehr wie 23 Uhr und dann bringen wir in noch nach Hause“, klär ich Martin auf.

„Am Freitagabend gehen wir dann ins Kino in die Spätvorstellung und dann kommt er mit zu uns. Allerdings müssen wir noch bei ihm vorbei, Sachen holen. Er geht Samstag mit zu Werder und ob er dann bis Sonntag bleibt, das wusste er noch nicht genau“, sage ich zu Martin, damit er sich darauf einstellen kann, uns zu fahren.

„Na endlich komm ich mal in den Genuss, meinen Chef auch mal nachts zu begleiten“, schmunzelt Martin. „Du hältst dich schön im Hintergrund, Martin“, sag ich sofort.

„Nur keine Bange, Jerome, wenn Kai abends nicht mehr gebraucht wird, dann fährt der mit und in der Zeit, die du mit Sergej was unternimmst, geh ich mit Kai ein wenig bummeln. Wir machen eine Zeit ab oder du rufst an und dann kommen wir euch holen und bringen Euch nach Hause“, sagt Martin. „Die Idee ist gut, Martin, das gefällt mir, so machen wir das, wenn Papa einverstanden ist.

Zu Hause angekommen, informiere ich zunächst mal Mama und dann rufe ich auch Papa an, damit jeder weiß, dass ich heute Abend noch ausgehe. Auch über den Freitag rede ich sofort mit ihnen und dann habe ich grünes Licht von Beiden, das Wochenende wird bestimmt schön und auch, wenn der heutige Abend relativ kurz ist. Freu ich mich doch wahnsinnig auf mein Date.

 

 

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