Good bye Amerika – Teil 37

Molly stand bereits draußen, als Linda, Berrys Mutter, vorfuhr. Ich verabschiedete mich noch von Bob und Abby, bevor ich das Haus verließ.

„Hallo Tom“, begrüßte mich Linda.

Sie lächelte mir freundlich entgegen und streckte die Hand aus. Ich hatte mir eigentlich nie Gedanken darüber gemacht, was sie über Berry und mich dachte. Dass sie es wusste, war mir klar. Ich schüttelte ihr die Hand.

„Hallo Linda.“

„Was macht dein Sonnenbrand?“

„Erträglich, wird schon gehen“, meinte ich.

Berry schien zu Hause schon erzählt zu haben, was ich mir zugezogen hatte. Ich stieg hinten ein zu Berry und Molly. Lesley saß vorne bei seiner Mutter. Sie startete den Wagen und fuhr die Auffahrt hinunter.

„Wo ist das Konzert eigentlich?“, fragte ich.

„Im Stadion auf dem Campus“, antwortete Lesley.

„Ein Campus?“

„Ja, wir haben hier eine Universität, sehr groß sogar.“

„Wusste ich nicht. So viel habe ich von Griffith noch nicht gesehen.“

„Ihr müsst Tom mehr von Griffith zeigen“, mischte sich Linda ein.

„Bisher kam auch immer etwas dazwischen, Mum“, meinte Berry.

„Ich freu mich jetzt erst mal auf das Konzert“, meinte Molly neben mir.

*-*-*

Da ich mich in Griffith nicht auskannte, war ich umso überraschter über die Größe der Stadt. Ebenso wie über die des Campus. Linda setzte uns vor dem Campus ab, da man ihn nicht mit dem Auto befahren durfte.

„Und ich soll euch wirklich nicht wieder abholen?“, meinte Linda.

„Nein Mum. Wir gehen dann mit den anderen zurück, vielleicht auch noch eine Cola trinken oder so“, meinte Lesley.

„Also gut! Dann mal viel Spass euch vieren!“

„Danke Mum – danke Linda“, schallte es zurück.

Und schon fuhr Linda los. Um uns herum strömten Jugendliche, aber auch Ältere, auf den Campus.

„Die scheinen bekannt zu sein“, meinte ich.

„Nicht nur bekannt – einer von ihnen stammt hier aus der Stadt“, erklärte Molly.

„Ach deswegen auch ein Konzert hier in Griffith?“, bemerkte ich.

Molly nickte zustimmend. Wir bewegten uns in den Strom der Massen hinein und wurden regelrecht in eine Richtung geschoben.

„Hätte nicht gedacht, dass hier so viel los ist“, meinte Berry neben mir und griff nach meiner Hand.

Ich lächelte ihn an. Wäre ja schlimm, wenn ich jetzt verloren gehen würde! Aber ich genoss es, so mit Berry herumzulaufen, ohne mir Gedanken machen zu müssen, ob es jemanden störte. Das Tempo der Menge verlangsamte sich und der breite Strom wurde schmaler.

„Das da vorne ist das Stadion“, meinte Berry neben mir.

Ein riesiges Teil kam in Sicht, das immer größer wurde, je näher wir kamen. Der Strom stockte.

„Jetzt heißt es Schritttempo“, hörte ich Lesley sagen.

Fragend schaute ich in seine Richtung.

„Als sie das Stadion bauten, haben sie alles recht groß ausgelegt“, begann Berry zu erklären, „nur der Eingangsbereich ist sehr klein ausgefallen.“

„Aha“, gab ich von mir.

Eine halbe Stunde dauerte es noch, bis wir endlich an den Eingang kamen. In acht Bahnen wurden die Leute ins Stadion geschleust.

Berry reichte mir eine Karte und schon wurden wir getrennt, eben durch diese Bahnen regelrecht gepresst. Der Druck von hinten war enorm. Meine Karte wurde angerissen und ich war drinnen.

*-*-*

Es war ein unbeschreibliches Gefühl, so inmitten dieser Menge von Menschen. Eine Vorgruppe hatte schon mächtig eingeheizt. Immer noch waren die Chöre der Menge nicht verstummt, das letzte Lied, das gespielt wurde, schallte durch das Stadion.

„Und? Gefällt es dir?“, rief mir Berry ins Ohr.

„Ja“, rief ich zurück.

Er lächelte mich an und wippte weiter.

Plötzlich gingen die Lichter aus. Erst die großen Flutlichter, dann die Neonröhren in den Rängen. Bis alles in Dunkelheit gehüllt war. Im Stadion wurde es seltsam ruhig, die Chöre verstummten.

Ich schaute Richtung Bühne. Da sah ich eine einzelne Lampe angehen, eine weitere und die Nächste folgte. Die Lichterreihe wurde fortgesetzt und nun konnte ich ein >H< erkennen. Vereinzelt fingen die Zuschauer an, zu klatschen.

Doch noch immer spielte keine Musik. Alleine der Schriftzug auf der Bühne wuchs. Nun war schon >Human N< zulesen. Die Menge blieb aber noch immer recht ruhig, als würden sie auf etwas Bestimmtes warten.

„Pass auf, erschreck nicht“, flüsterte mir Berry ins Ohr.

Fragend sah ich ihn an. Mittlerweile war die Lichterreihe bei dem E von >Nature< angekommen. Plötzlich fing die Menge an zu zählen. Auch Berry neben mir zählte rückwärts von zehn nach eins.

Jedes Mal, wenn eine weitere Lampe anging, schallte eine Zahl durchs Stadion. Vier – drei – zwei – eins und plötzlich gab es einen lauten Knall, der mich zusammenzucken ließ. Rund um die Bühne stiegen Leuchtfontänen auf und auch die Musik begann zu spielen.

Harte Bassklänge durchzogen das Stadion und wurden von Trompeten unterbrochen. Das Licht flammte auf und die Bühne war voll ausgeleuchtet. Im ganzen Stadion brauste nun ein Jubel auf, der mir durch Mark und Bein ging.

Unten auf der Bühne tat sich noch etwas. Auf den Großleinwänden rechts und links neben der Bühne konnte man vier Jungs sehen. Sie trugen silberne Anzüge mit weißen Hemden und schwarze Krawatten.

Die Musik erinnerte mich stark an die 60er und 70er Jahre. In flottem Tempo tanzten die Jungs über die Bühne. Das Grölen der Menge wurde immer lauter. Alles um mich herum fing an zu tanzen. Sogar Berry neben mir hob die Hände und grölte plötzlich mit.

„Baby…everything is allright“, klang es hart über die Boxen.

Ich kannte das Lied nicht, doch im Stadion sang jeder mit. Natürlich bewegte ich mich auch zur Musik, weil sie einfach mitriss. Und viel zu schnell war das Lied zu Ende. Das Publikum tobte, ich fühlte mich wie in einem großen Hexenkessel.

„Hallo Griffith“, klang es aus den Boxen.

Doch wenn ich dachte, dieser Jubel war nicht mehr zu steigern, dann irrte ich, denn jetzt bebte sogar die Tribüne unter meinen Füssen.

„Ich freu mich, endlich mal wieder hier zu sein!“

Ich schaute auf die Großbildleinwände, wo nun eine Großaufnahme des Sängers zu sehen war. Der Jubel brach nicht ab.

„Und gleich zum Anfang… ein Lied für alle, die heute Nacht im Rausch der Liebe versinken möchten.“

Die Bühne bekam eine andere Färbung, ging in ein sanftes Rot über.

„Eternal Flame“, schrie der Sänger ins Mikro und erneut brannte der Jubel auf.

Der Titel kam mir bekannt vor. Und schon bei den ersten Klängen wusste ich, dass ich das Lied kannte. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meinem Bauch und wie sich ein Arm um mich legte.

Ich schaute zu Berry, der nun ganz dicht an mich gedrängt stand.

Close your eyes, give me your hand, darling

Do you feel my heart beating, do you understand?

Do you feel the same, am I only dreaming?

Is this burning an Eternal flame?

Ich schmiegte mich an Berry und wir schwankten langsam nach rechts und links zum Takt der Musik. Im Stadion gingen immer mehr kleine Lichter an und nach geraumer Zeit sah es so aus, als würde ein großes Sternenzelt das Ganze bedecken. Der Sänger wechselte.

I believe it’s meant to be, darling

I watch when you are sleeping, you belong to me

Do you feel the same, am I only dreaming

Or is this burning an eternal flame?

Ich schloss einfach die Augen und genoss die Musik und Berrys Nähe. Ich ließ mich einfach fallen und begann zu träumen.

Say my name, sun shines through the rain

A whole life so lonely, and then you come and ease the pain

I don’t want to lose this Feeling

Ich öffnete kurz die Augen, da eine musikalische Einlage kam. Das Bild, das sich mir bot, war einfach nur gigantisch. Die tausende von Lichtern, der Klang der Musik und um uns herum standen fast nur Paare, die sich in den Armen lagen.

Say my name, sun shines through the rain A whole life so lonely, and then you come and ease the pain I don’t want to lose this feeling

Close your eyes and give me your hand Do you feel my heart beating, do you understand? Do you feel the same, am I only dreaming Or is this burning an eternal flame?

Mittlerweile sangen wir alle mit, keiner neben uns, der stumm blieb.

Is this burning an eternal flame?

An eternal flame?

Is this burning an eternal flame?

An eternal flame?

*-*-*

Ich war völlig aufgedreht. Drei Stunden super Musik und ich mitten drin.

„Das war so geil“, meinte ich nun schon zum zehnten Mal und meine drei Begleiter begannen erneut zu lachen.

„Ich weiß nicht, ob wir Tom noch mal mit auf ein Konzert nehmen sollten“, meinte Lesley.

„Wieso denn?“, fragte Molly.

Mir war das egal. Ich war immer noch beeindruckt von dem Konzert.

„Wenn er jedes Mal so zum Wirbelwind wird“, beantwortete Lesley die Frage.

„Ob es die Lieder alle auf einer Cd zu kaufen gibt?“, fragte ich, ohne auf Lesleys Gerede zu hören.

„Sicher doch“, meinte Berry, der mich die ganze Zeit anlächelte.

„Die muss ich haben. Hab ich schon gesagt, wie geil das Konzert war?“

„Jaha“, rief es mir im Chor entgegen.

Und wieder fingen sie an zu lachen. Fröhlich hüpfte ich neben Berry her, der meine Hand hielt.

Spät in der Nacht lag ich immer noch wach. Berry schlummerte friedlich in meinem Arm. Ich war viel zu sehr aufgedreht, als dass ich hätte schlafen können. Immer wieder erinnerte ich mich an die Musik, die sich fest in meinem Kopf eingebrannt hatte.

*-*-*

„Morgen du Langschläfer.“

Ich öffnete ein Auge und sah in Berrys strahlendes Gesicht.

„Morgääääähhhhn“, meinte ich und streckte mich.

„Gut geschlafen?“

„Wie ein Engel!“

„Du bist ein Engel!“, kam es von Berry und er beugte sich zu mir vor, um mir einen innigen Kuss zu verpassen.

So konnte jeder Morgen beginnen, war das schön.

„Ziehen wir uns an?“, fragte Berry.

„Können wir nicht noch etwas liegen bleiben?“

„Du wolltest dir doch die CD kaufen.“

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