Liebe auf den ersten Klick – Teil 24

tuer-24Ich verließ rennend das Covent Garden Richtung nächster Untergrundstation. Ziemlich außer Puste erreichte ich diese nach wenigen Minuten und erwischte gerade noch die Bahn, die mich zu meinem Ziel führen sollte.

Ich ließ mich auf einen freien Platz fallen und schaute nervös auf den Stationsplan. Zwei Stationen. Ich trippelte nervös mit meinen Beinen, was meinen Nebenmann sichtlich nervte. Er schaute mich finster an. Ich legte meine Hände auf die Beine und versuchte mich zu beruhigen.

Warum war mir das nie in den Sinn gekommen, was ich wirklich wollte. Musste ich erst all diese Sachen durchlaufen, bis sich mein Herz meldete und mir sagte, was richtig war. Die Untergrundbahn fuhr in die Leicaster Square ein.

Er wurde langsamer und die Türen öffneten sich. Menschen strömten hinaus und andere wieder herein. Dann setzte sich die Bahn wieder in die Bewegung. Noch eine Station.

„Nächster Halt Piccadilly Circus“, hörte man über die Lautsprecher krächzen.

Ich stand auf, lief zur Tür und drückte den Knopf. Ungeduldig wartete ich darauf, dass die Bahn die nächste Station erreichte. Eine gefühlte Ewigkeit später, spürte ich wie die Bahn abbremste und es wurde draußen wieder heller, bis endlich die Station in Sicht kam.

Die Bahn bremste vollends ab, hielt und die Türen öffneten sich. Beim Hinausstürmen rempelte ich jemand an und wäre fast gestürzt.

„Sorry“, rief ich laut und rannte weiter.

Ich nahm nicht wie gewohnt die Rolltreppe, sondern spurtete die Treppe hinauf, bis ich im Freien angelangt war. Ich schaute mich kurz um, damit ich wieder die Orientierung fand, die ich in meiner Hektik irgendwie verloren hatte.

Ganz ruhig Jack. Als mein Hirn wieder den Betrieb aufnahm, spurtete ich los, die Great Windmill Street hinunter. Ich wich anderen Fußgängern aus und bremste an den Kreuzungen ab.

Bevor ich die Brewer Street erreichte, musste ich kurz inne halten und nach Luft schnappen. Mein Herz schlug bis in den Kopf, aber das war mir egal. Nachdem ich die Brewer Street erreicht hatte bog ich Richtung Walkers Court.

Jetzt war es nicht mehr weit. Ich rannte die kleine Gasse entlang, was sich als schwierig erwies. Immer wieder liefen Leute aus den Häusern, mit denen ich fast zusammen gestoßen wäre.

Dann war sie endlich erreicht, die Berwick Street. Ich wurde langsamer und kam dann endlich vor dem gewünschten Haus zum stehen. Schwer atmend lief ich die paar Treppenstufen hinauf und drückte den Klingelknopf.

Ich wartete Luft schnappend.

„Ja?“, hörte ich eine mir vertraute Stimme.

„Jack hier…“, japste ich.

Der Türöffner surrte und ich drückte die Tür auf. Mit letzter Kraft zog ich mich die Treppe hinauf, bis ich das Stockwerk erreichte.

„Jack…, was ist mit dir?“

Ich lächelte und blieb vor ihm stehen.

„Mir… mir ist etwas bewusst geworden!“, japste ich und fiel Isaak um den Hals.

*-*-*

„Du bist nicht nur verrückt, sondern auch durch geknallt!“, meinte Isaak und streichelte mir über den Arm.

Ich lag in seinem Arm auf dem Sofa im Wohnzimmer.

„Wieso? Weil ich dich liebe?“

„Wann ist dir diese Erkenntnis denn gekommen?“, fragte er grinsend.

„Als Kenneth vor mir stand.“

„Kenneth?“

„Ja, vorhin bei Riley, als ich mit Amelia essen wollte… oh Mist.“

„Was?“

„Ich habe bei Riley seine Spezialität bestellt.“

„Ja und?“

„… öhm ich bin ohne etwas zu sagen, einfach losgerannt, ich wollte so schnell es geht zu dir.“

„Jetzt mal langsam und von vorne.“

Ich atmete tief durch und kicherte, während Isaak mich am Nacken kraulte.

„Heute Abend kam Amelie zu Besuch, nach dem erst Riley und dann du bei ihr angerufen hast.“

„Ja, ich hatte mit ihr ausgemacht, mich zu melden, wenn ich dich gefunden habe.“

„Aha…, na egal. Auf alle Fälle meinte Amelia, irgendwann sie hätte Hunger, ob wir nicht zu Riley gehen, sie wäre ja noch die da gewesen. So ließ ich mich breit schlagen und so suchte ich mit ihr Riley auf. Und wie durch ein Wunder stiefelte dieser Kenneth mit seiner Schwester auch in den Laden.“

„Und dann?“

„Dir ist doch klar, dass das alles geplant war, oder?“

Isaak grinste noch breiter.

„Du wusstest davon?“

„Klar, es war meine Idee?“

„Aber Isaak…, wieso, ich dachte du liebst mich auch…“

Isaak richtete sich etwas auf, was mich dazu veranlasste mich richtig aufzusetzen. Fragend und verwirrt sah ich ihn an.

Mit seiner Hand streichelte er mir sanft über die Wange.

„Jack, ich weiß nicht wann es begonnen hat, mehr zu dich zu empfinden. Auf alle Fälle warst du damals noch mit James zusammen.“

„Aber…“

„Lass mich bitte aussprechen. Du fragst dich sicher, warum ich dir das nie erzählt habe und warum ich dir dann auch noch so auf der Suche nach Kenneth geholfen habe.“

Ich nickte.

„Weil ich dich liebe!“

Ich sah ihn fassungslos an.

„Jack, ich konnte nicht mit ansehen, wie du leidest, ich wollte, dass du wieder glücklich wirst. Und sollte es mit diesem Kenneth sein, dann sollte es mir recht sein, Hauptsache du strahlst wieder und bist glücklich.“

„Du… du hättest mich kampflos ziehen lassen.“

Isaak nickte.

„Aber warum…?“

Er zog seine Hand zurück und atmete tief durch.

„So selbstbewusst und sicher ich in meinem Beruf auftrete, bin ich privat nicht. Da bin ich eher schüchtern und zurück haltend. Ich habe es dir deswegen nie gesagt, weil ich dachte, du empfindest nicht mehr, als eben unsere Freundschaft hergibt. Ich wollte mir keine Enttäuschung einfahren und begnügte mich damit, mit dir zusammen sein zu können, wenn es dir gefiel.“

Ich schüttelte den Kopf, weil ich es nicht glauben konnte.

„Aber ich hatte Glück, mein Traum ist war geworden, weil sich dein Herz endlich mit deinem Verstand verbunden hat und dich zu mir brachte.“

Er nahm wieder meine Hand.

„Und du bist dir sicher, dass du dies willst?“

„Hundert Prozentig!“, grinste ich und zog ihn für einen Kuss zu mir.

*-*-*

Jetzt grinst du noch mehr. Du hast das also von Anfang an gewusst. Aber mir irgendwie einen Wink zu geben? Ich dachte wir wären Freunde, weil die so etwas machen. Ja, ja, grins du nur weiter, wirst schon sehen was du davon hast.

Händchen haltend betraten wir das Covent Garden.

„Ich weiß wirklich nicht, warum Riley uns eingeladen hat“, bekräftigte Isaak, nachdem ich schon zum Tausenden Male ihn mit der Frage genervt hatte.

„Ich weiß nur, dass er heute seinen Laden geschlossen hat.“

„Das hat er doch noch nie gemacht“, meinte ich.

Issak nickte. Wenig später hatten wir das Bistro One erreicht. An der Eingangstür hing ein Zettel, wegen Feier geschlossen. Schulterzuckend drückte ich die Tür, sie ließ sich öffnen. Uns kam Musik und Gelächter entgegen.

Der Raum war umgeräumt worden, eine Tafel schön gedeckt, stand in der Mitte.

„Jack… Issak, herzlich willkommen“, hörten wir Riley rufen.

Wir entledigten uns von unseren Mänteln und liefen Richtung Theke. Riley kam uns mit zwei Sektgläsern entgegen. Jetzt erst sah ich, wer da an der Theke stand. Ich konnte Amelia entdecken, die mir zuprostete, Dann auch Alisa, mit ihren Brüdern Kenneth und Noah.

Mit Kenneth musste ich wohl noch ein kleines Gespräch halten. Neben Noah stand Lily und auch James. Dann stockte ich, denn zwischen Ellen und Ruby stand auch Oliver. Riley schien mein Blick zu folgen.

„Jack, bevor du etwas unbedachtes sagst, es ist alles geklärt und geregelt“, meinte Riley und drückte mir und Isaak die Gläser in die Hand, der mir zu nickte.

Hinter der Theke standen noch Connor und Georg.

„So, jetzt wo alle da sind, können wir zusammen anstoßen.“

Alle drehten sich zu uns und nach einander stießen wir mit jedem an.

„Ich habe mich entschlossen“, redete Riley weiter, „dies nun jedes Jahr zu tun, an heilig Abend ein Mittagessen mit meinen Freunden zu begehen. Ich hoffe, ihr seid von Idee angetan und wir sehen uns dann auch nächstes Jahr wieder!“

Alle redeten durcheinander und stießen erneut an. Ich zog Isaak zu mir.

„Ja?“, fragte er.

„Mein erstes Weihnachten mit dir!“

„Und es werden noch viele folgen…!“

Ich lächelte ihn an und küsste ihn sanft auf die Lippen. Er drückte mich fest an sich und im Hintergrund hörte ich den Jubel der anderen.

„Ich liebe dich, Jack Colborn!“

„Ich liebe dich auch Isaak Ainsworth! Von ganzen Herzen!“

Erneut küssten wir uns.

*-* Ende *-*

Vielen Dank fürs Lesen und euch allen ein schönes Weihnachtsfest!

LG Pit

 

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