Traumschiff – Teil 14

Sonntag , früher Nachmittag, Dresden

Jerome

Wir gehen nebeneinander den Bürgersteig entlang, auf das Haus zu, in dem seine Familie wohnt. Die Kleine auf seinen Schultern schaut mich fortwährend an und lächelt mit mir. Man sieht schon, dass sie das Downsyndrom hat, aber es ist nicht sehr stark ausgeprägt im Gesicht. Auf ihre Art ist sie hübsch und ihre Augen leuchten in einem hellen Blau, sehr intensiv sogar, mehr noch als Sergejs Augen.

„Wie ist es denn gelaufen?“, will ich von Sergej wissen. „Ich werde dir später alles erzählen“, sagt er, „ jetzt sollen sie dich erst einmal kennen lernen, sollen sehen, warum ich so glücklich bin“.  Wir haben die Tür erreicht und er sagt zu mir: „Nimm bitte mal die Kleine runter, mit der Hand ist es nicht so einfach. Ich nehme Vanessa mit beiden Händen an den Hüften und stell sie neben Sergej auf den Boden.

Sie lehnt sich sofort gegen die Haustür, nachdem Sergej die Klingel gedrückt hat. Als der Summer ertönt, drückt sie die Türe auf. Die Tür quietscht beim Aufgehen ein wenig und wir kommen in ein eher tristes Treppenhaus. Dunkel und nicht besonders sauber sind die Wände, die Stufen sind leicht ausgetreten und haben auch schon bessere Zeiten gesehen.

Wir gehen hoch in den dritten Stock, Vanessa ist vorgelaufen und hat schon geklingelt. Gerade als wir den oberen Treppenabsatz erreicht haben, öffnet sich die Wohnungstür und eine Frau, ich schätze sie auf  etwa fünfundvierzig Jahre, schaut mich musternd an.

Sie sieht recht gut aus finde ich, aber Sergej kommt wohl eher auf seinen Vater, vermute ich, weil er ihr so gar nicht gleicht. Vanessa schiebt sich an ihr vorbei und verschwindet in der Wohnung. „Mama, darf ich dir meinen Schatz vorstellen, das hier ist Jerome Remmers, mein Freund und wenn es nach mir geht und du es so sehen willst, dein zukünftiger Schwiegersohn“, sagt Sergej zu seiner Mutter.

Ein warmes Gefühl macht sich breit in meinem Herzen, er will mich für immer, sagt er, so wie ich ihn auch für immer will. Sie streckt ihre Hand aus, die ich auch sofort ergreife.

Statt meine Hand zu drücken, zieht sie mich zu sich heran und sieht mir dabei in die Augen und sagt: „Du hast also das Herz meines Großen erobert? Pass gut drauf auf und tu ihm nicht weh. Wenn du mir das versprichst, dann will ich dich gerne in unsere Familie aufnehmen. Herzlich willkommen“.

Jetzt zieht sie mich in einen Umarmung, hält mich kurz an sich gedrückt fest, bevor sie mich, meine Augen immer noch bindend, los lässt und sich dann Sergej zuwendet. Sie sagt zu ihm: „Geht ins Wohnzimmer, Papa wartet dort auf Euch, er ist immer noch sehr aufgewühlt und wenn er Jerome jetzt sieht, wird er bestimmt auf andere Gedanken kommen.“

Ich verstehe im Moment zwar gar nichts, aber das wird sich ja wohl noch ändern, wenn hier gleich über uns geredet wird. Sergej schiebt mich durch den Flur ins Wohnzimmer. Dort sitzt auf der Couch mit verweinten Augen, wenn ich das richtig sehe, Sergej, oder besser, Sergej, so wie er wohl in fünfundzwanzig Jahren aussehen wird. Die Ähnlichkeit ist sehr deutlich und der eine könnte den anderen wohl niemals verleugnen.

 Der Mann steht auf und kommt uns entgehen. Bevor Sergej mich vorstellen kann, hat der Mann schon das Wort ergriffen und sagt; „ Du bist also derjenige, der hier heute Morgen für viel Aufregung gesorgt hat. Ich bin Sergejs Vater, Zoran Radic, und ich freue mich, dich kennen zu lernen, obwohl du  mich heute ungewollt noch einmal in die schlimmsten Tage meines Lebens zurück geschickt hast.“

Ich gucke jetzt wohl gerade nicht besonders geistreich aus der Wäsche, weil ich nur Bahnhof verstehe. Sergej deutet meinen Gesichtsausdruck gerade richtig und sagt: „Papa, das kann Jerome jetzt eigentlich gar nicht verstehen, es wäre also gut, wen du es ihm erzählen könntest, von was du gerade redest und wie das gemeint ist.“

„Setzt euch hin, Mama bringt Kaffee, oder wollt ihr was anderes trinken?“, fragt er, ergreift dann kurz meine Hand und sagt, ohne eine Antwort abzuwarten: „Herzlich willkommen, auch oder gerade, weil du mich in die Vergangenheit zurückgeschubst hast, damit mein Sohn versteht, warum Schwul sein bei mir keine Ablehnung hervor ruft sondern Erinnerungen an einen lieben Menschen, der sein Schwul sein nicht leben durfte.“

„Cola“,  sagt Sergej  jetzt dazwischen, „und Du, Jerome?“ ich blicke von einem zum andern, etwas irritiert, bis ich raffe, das mein Schatz lediglich die Frage nach dem „was anderes trinken“ beantwortet hat. „Ich hätte schon gern einen Kaffee“, sag ich und grinse jetzt ein bisschen über den Wortsalat, den die zwei da gerade anrichten.

„Setzt euch auf die Couch“, sagt Zoran jetzt und geht in den Flur, wohl um die Cola zu holen. Schnell schnapp ich mir meinen Schatz, zieh ihn an mich und schmuse zuerst mal über sein Gesicht, bevor wir uns richtig küssen.

„Ich will auch einen Kuss“, tönt es da plötzlich neben uns. Unbemerkt von uns beiden ist Vanessa herein gekommen und steht vor der Couch. Wir lösen unsere Umarmung und Sergej hebt die Kleine auf seinen Schoss. Zärtlich küsst er sie auf den Mund und die Kleine gluckst vor Freude. Dann, nach dem der Kuss vorbei ist, schaut sie mich an, streckt mir ihre Arme hin. Ich greife sie unter den Armen und ziehe sie auf meinen Schoss.

Impulsiv, ohne lange nachzudenken, küsse ich die Kleine ebenfalls auf den Mund, nach dem sie spontan ihre Arme um meinen Nacken geschlungen hat. Wieder gluckst sie, diesmal gegen meine Lippen, bevor sie sich wieder von mir löst. Sie legt ihren Kopf, das Gesicht zu Sergej gewandt, an meine Brust, schmiegt sich an mich und bleibt dann ganz ruhig so liegen.

Sergej guckt jetzt echt erstaunt und seine Mutter, die gerade mit einem Tablett ins Zimmer kommt, hat Mühe, bei dem Anblick den Kaffee nicht auf den Boden fallen zu lassen. „Vanessa“, sagt sie, aber das Kind reagiert gar nicht, sondern lächelt weiter zu Sergej hinüber. Die Mutter stellt das Tablett auf dem Wohnzimmertisch ab.

„Jerome, wenn ihnen das zu viel wird, dann setzen sie sie einfach auf die Couch“, sagt sie, „das kennen wir gar nicht, das sie zu einem Fremden auf den Schoss klettert. Sie müssen schon was ganz besonderes für sie sein, so was hat sie vorher noch nie gemacht.“

 Die Kleine hebt den Kopf, schaut in meine Augen, strahlt und sagt einfach nur: „Jerome“. Die Augen sind genauso wie Sergejs Augen und ich kann gar nicht anders, als das Kind noch einmal liebevoll zu drücken. Kein Wunder, das Sergej sie so gern hat, die Kleine, so lieb, wie sie ist.

Zoran kommt mit der Cola, stellt ein Glas vor Sergej ab und füllt es. Auch er wirft einen erstaunten Blick auf seine jüngste Tochter und schüttelt ungläubig den Kopf.  Die Mutter hat unterdessen die Kaffeetassen verteilt, für mich, Zoran und für sich selber, und gießt den Kaffee ein. Genau das, was ich jetzt brauche, einen duftenden Kaffee.

Um den jetzt trinken zu können, setze ich Vanessa rüber auf Sergejs Schoss, nicht ohne zu sagen: „Wenn ich den Kaffee getrunken habe, darfst du wieder auf meinen Schoss, wenn du willst“. Zoran hat  einen Karton von draußen mitgebracht und sitzt jetzt links von mir im Sessel, den Karton auf dem Schoss.

Nach einem Schluck aus seiner Tasse legt er ein paar Bilder vor mich auf den Tisch. Ich betrachte die Bilder nacheinander, während er anfängt, von seinem Zwillingsbruder zu erzählen, von ihrer Kindheit und ihrer Jugend. Oft wird seine Stimme leise, zittert und ab und an wischt er mit einem Taschentuch eine Träne aus den Augenwinkeln.

Wir lauschen aufmerksam seiner Erzählung, die wohl heute schon einmal erzählt worden ist. Sichtlich bewegt verfolge ich das Drama um Zorans Bruder Karel, der sich wohl auf Grund des Verhaltens von seinem Vater und der Duldung der Drangsalierungen seitens der Mutter aus Verzweiflung wegen seiner Homosexualität umgebracht hat.

 Die Auflehnung Zorans gegen seinen Vater und der Bruch mit der Familie gegen alle Traditionen nach dem Tod des geliebten Zwillingsbruders, das alles hat wohl dazu geführt, das hier nie über Schwul sein geredet worden ist.

 Es hat aber auch dazu geführt, dass Zoran niemals in seinem Leben jemanden wegen seiner Homosexualität verurteilen würde. Sergejs Outing heute kam überraschend und hat das alles wieder aufgekocht, alles wieder so präsent gemacht für Zoran.

Deswegen sind, glaube ich jetzt, auch alle froh, dass es raus ist. Dass jetzt alle hier wissen, was gewesen ist und was zwischen Sergej und mir ist, dass wir jetzt zusammen sind, mein ich. Ich bin mehr als froh, dass die Last von ihm genommen ist, dass seine Leute kein Problem mit uns haben, das wir uns lieben. Jetzt müssen sie nur noch die anderen drei Kinder informieren.

Nun wendet sich aber das Interesse von der Vergangenheit in die Gegenwart und ich sehe mich natürlich einem Haufen Fragen gegenüber. Ich versuche, so gut wie möglich, zu antworten und versuche auch nicht unbedingt, das reiche Söhnchen raushängen zu lassen. Sachlich erzähle ich von mir und meinem zu Hause.

Da auch die Frage nach unserem Kennen lernen gestellt wird, erzähle ich von meinem Unfall und von den Folgen. Die Frage, warum ich dann doch so gut laufen kann, wie das möglich ist nach dem Verlust meiner Füße, erkläre ich ausführlich. Ich berichte über die Sache mit den neuen Prothesen, hebe auch ein Hosenbein an und zeige Max. Vanessa lacht auf, als sie die Gesichter auf meinen Schuhen bemerkt und rutscht auf den Fußboden, um die Teile aus der Nähe zu betrachten.

Die Tatsache, dass wir uns wegen der Prothesen, beziehungsweise, wegen der erforderlichen Anproben und Korrekturen kennen gelernt haben, erzähle ich sehr genau und auch, dass ich Sergej absichtlich meine Beinstümpfe gezeigt habe, um ihn zu schockieren. Dass er mich trotzdem lieb hat, brauche ich nicht besonders zu erwähnen.

Dass wir mit einem eigenen Chauffeur gekommen sind und die nächsten Tage so einfach im Hilton schlafen werden, erstaunt Sergejs Eltern schon ein bisschen, aber sie gehen dankenswerte Weise nicht weiter darauf ein. Meine Gedanken zu Sergejs Zukunft, so mit Fachabitur und Studium, das scheint ihnen aber schon zu gefallen.

So vergeht der Nachmittag schnell und über den ganzen Erzählereien und dem Frage und Antwortspiel ist es Ruck Zuck achtzehn Uhr und Vanessa erklärt eben lautstark, das sie jetzt Hunger hat und etwas zu essen will.

Sergej fragt: „Wann kommen denn die anderen wieder?“ „Die müssten jeden Moment kommen“, meint seine Mutter, „weil wir ja eigentlich immer um diese Zeit zu Abend essen.“ Mir kommt eine Idee: „Gibt es hier in der Nähe einen Mac Donalds?“

 „Mac Donaaaalds, juhu“, kommt es sofort von Vanessa. Sergej lacht: „Da hast du was gesagt, Jerome. Ja, es gibt ein Macces in der Hansastraße, da könnte man zu Fuß hingehen.“ „Ich lade Euch alle ein zur Feier des Tages“, sage ich grinsend, „Mama hat uns ja genug Geld mit gegeben, das müssen wir ja nicht alles noch mal mit nach Bremen holen.“

Seine Mutter sagt: „Ich rufe mal Boris und Marianne auf dem Handy an, Vanessa kann nachher runter laufen und Barbara holen, wenn wir dann komplett sind, können wir auch mit dem Auto hinfahren“.

Ich gucke Sergej fragend an und der lacht: „Wir haben einen VW-Bus, da haben wir alle Platz drin und Papa kann ja dann auch später noch am Hilton vorbei fahren und uns dort absetzen.“

„Papa, wann musst du denn wieder arbeiten?“, fragt Sergej jetzt seinen Vater. „Ich muss am frühen Dienstagmorgen noch mal los“, sagt der, „ich habe den ICE nach München und komme erst spät am Mittwochabend zurück. Donnerstag geht es dann noch mal nach München und Freitag zurück. Sonntag habe ich den ICE nach Hamburg.“

Als erster kommt Boris vom Fußball zurück. Zunächst ist er wohl etwas erstaunt, als er mich sieht und er schaut mich neugierig an. Sergej stellt mich vor und sagt dann: „Jerome ist mein Freund, also mein fester Freund. Wir sind seit einigen Tagen fest zusammen.“

Boris guckt sehr überrascht, lässt seine Blicke zwischen uns hin und her wandern. „Echt? Das ist ja krass. Seit wann ist du denn schwul?“, will er wissen, dann grinst er jedoch und meint: „Na ja, so richtig ne Tussi hattest du ja auch noch nie, jedenfalls nix festes. Aber das du auf Jungs stehst, hätte ich auch nicht so schnell vermutetet.“

Offensichtlich will er das Thema aber nicht weiter vertiefen. Sergej erzählt ihm jetzt von unserem Besuch gestern im Stadion. Da fangen Boris Augen an zu leuchten und als er hört, dass Sergej ihm einen Ball mit allen Autogrammen der Werderelf mitgebracht hat, ist er kaum noch zu bremsen. Der Ball liegt aber immer noch im Audi.

„Ich ruf Martin an“, sag ich zu Sergej, „der soll herkommen und den Ball mitbringen. Außerdem geht Martin auch gern zu Macces, dann kann er mit uns dahin fahren.“ „Gute Idee“, sagt Sergej.  „Wer ist Martin?“, fragt Boris und schaut mich neugierig an.

 „Martin ist unser Fahrer und auch ein bisschen mein Bodyguard. Er ist mit unseren Sachen schon mal ins Hotel gefahren. Jetzt kann er uns abholen und wenn wir den Macces leergegessen haben, fahren Sergej und ich mit ihm ins Hotel.“

„Du hast einen eigenen Chauffeur? Krass, was geht denn hier ab? Erzähl mal“, fordert er mich auf. Ich gebe ihm einen kurzen Einblick in unsere Verhältnisse, gerade so viel, dass er sich ein ungefähres Bild machen kann. „Eh, Sergej, da hast du dir ja ein nettes Schätzchen ausgesucht. Darf ich mal nach Bremen kommen, euch besuchen und dann mit zu Werder?“, fragt er.

Ich muss lachen. „Behalte das bitte für dich, das muss nicht jeder wissen und sicher darfst du uns besuchen. Am besten kommst du, wenn du Ferien hast, dann kannst du ein paar Tage bleiben oder auch zwei Wochen und wir können zusammen was unternehmen. Meine Eltern haben bestimmt nichts dagegen“, sag ich.

„Toll, ich freu mich und das mit dem Stadion, das geht mir echt gut ab“, sagt er und strahlt. Ich nehme mein Handy und bitte Martin, mit dem Wagen hier her zu kommen und auch den Ball nicht zu vergessen. Er hat schon auf unseren Anruf gewartet und will gleich losfahren.

Zoran nimmt Boris jetzt mit in die Küche, wohl um ihm auch zu erzählen, was mit seinem Bruder geschehen ist und wie er und seine Frau zum Thema Homosexualität eingestellt sind. Mittlerweile sind auch die beiden anderen Mädchen eingetroffen und werden von Sergej  über meine Anwesenheit hier aufgeklärt.

Die jüngere, Barbara, weiß noch nicht so viel mit den Informationen anzufangen, fragt auch nicht nach, sondern geht auf das Zimmer, das sie und Marianne sich teilen, um sich umzuziehen. Vorher fragt sie aber noch, ob ihre Freundin Emma aus dem Erdgeschoss mit kommen kann zu Macces.

Ich schau Sergej fragend an und als der nickt, sage ich. „OK, sag ihr Bescheid, wir fahren in einer viertel Stunde.“  Sie nimmt das tragbare Telefon, ruft „Danke“ und läuft mit dem Telefon in das andere Zimmer. Marianne, die offensichtlich keinen Kleiderwechsel plant, hat sich in einen der Sessel gesetzt und mustert mich ungeniert von oben bis unten.

„ Mein großes Brüderchen ist schwul, wer hätte das gedacht“, sagt sie jetzt zu Sergej und grinst ihn an. „Da hast du dir ja echt einen ganz Süßen ausgesucht“, fährt sie fort, „ den würde ich auch sofort nehmen, wenn er auf Frauen stehen würde.“ Sergej guckt ein wenig komisch auf Grund dieser Offenbarung, bleibt aber cool und sagt: „Ja, Pech gehabt, kleine Schwester, Jerome ist nicht für die Damenwelt gemacht und außerdem ist er fest an mich vergeben.“

Um das noch deutlicher zu machen, küsst er mich einfach und zieht mich wieder dicht neben sich auf der Couch, wo wir jetzt dicht neben einander sitzen. „Und hattet ihr schon Sex“, fragt sie keck, wird aber selber rot dabei. „Benimm dich, Marianne“, sagt Sergej ein wenig schärfer als sonst, „das geht dich überhaupt nichts an. Ich würde mich nicht trauen, dich so etwas zu fragen.“

 So nach und nach treffen jetzt alle wieder im Wohnzimmer ein, fertig zum Ausgang.  Vanessa hat sich gleich auf meinen Schoss geschafft und einen Arm um meinen Hals gelegt. Bei ihr habe ich offensichtlich einen Stein im Brett.

Es klingelt und ich denke, mal das das Martin ist. Falsch gedacht, es ist die Freundin von Barbara, die jetzt auch ins Wohnzimmer kommt. Langsam wird es voll hier, jetzt fehlt nur noch Martin. Der kommt etwa fünf Minuten nach der Emma und der klingelt nicht, sondern ruft auf mein Handy an, das er da ist und unten auf uns wartet.

Sergej sagt seinen Eltern Bescheid, dass Martin da ist und  brechen wir denn alle auf. Unten steigen Sergej, Boris und ich mit Vanessa bei Martin ein, während der Rest  sich in einem weißen VW-Bus verteilt, der von Sergejs Mama gefahren wird. Sie fährt los und Martin hängt sich dran und es dauert mal gerade zehn Minuten, da stehen wir bei Mac Donalds auf dem Parkplatz.

Der Parkplatz ist nur zum Teil besetzt und es ist nicht so voll. Als alle einen Platz gefunden haben, übernehmen wir drei Jungs die Bestellung, Martin hilft auch mit und nach fünfundzwanzig Minuten sind alle ausreichend mit Essen und Trinken versorgt.

*-*-*

Ole

Das Frühstück bringt heute Heiner, weil Frank Mittagsdienst hat. Wir treffen uns nach her in der Cafeteria und danach wollen wir meine  bescheidenen Erfahrungen in Sachen Liebe noch ein bisschen vertiefen. Dass sein Zimmerkollege nicht da ist, müssen wir ausnutzen. Wer weiß, wann da noch mal sturmfreie Bude ist.

Torsten bekommt ja heute auch mal großen Besuch. Die ganze Familie hat sich angesagt, Papa, Mama und Schwester kommen, da werde ich dann besser abhauen, runter in die Cafeteria. Wahrscheinlich kommen Armin und Denise und Marie und Heiner wollten auch mal wieder vorbeischauen. Die werden sich wundern, wenn ich ihnen von Frank erzähle.

Marie wird es ja schon wissen, von Mutsch, aber die anderen Drei? Ich weiß nicht, ob Marie Heiner was gesteckt hat und ob die mit Armin und Denise über mich und Frank gesprochen haben. Das werde ich ja dann heute Mittag erfahren. Jetzt wird erst mal gefrühstückt und dann werde ich Duschen und meinen Schatz besuchen.

Meinem Po geht es eigentlich ganz gut, jedenfalls habe ich keine Schmerzen, ein Grund mehr, sich auf Frank zu freuen. Mal sehen wie es heute wird. Gestern, das war einfach der Hammer. So was habe ich noch nie empfunden, das war so geil und so gut. Ich muss grinsen, wenn ich daran denke, was wir alles gemacht haben.

„Erinnerungen oder Vorfreude“? Oh man, wie konnte ich Mister Großmaul denn nur wieder vergessen. Natürlich hat er mein debiles Grinsen gleich wieder richtig eingeordnet. „Arschloch“, lautet deshalb auch meine Antwort, was ein lautes Lachen zur Folge hat. Schweigend esse ich weiter, schau ihn gar nicht an, ignoriere ihn einfach, das nervt ihn am meisten.

Ich bin fertig und stell das Tablett raus in den Wagen. Dann geh ich an den Schrank, um frische Unterwäsche zu holen. Ab unter die Dusche, wo ich mich unter dem warmen Regen gründlich sauber mache, vor allem meinen Hintern und mein Ding. Man will ja schließlich gut riechen und auch neuerdings auch gut schmecken.

So, fertig, jetzt abtrocknen und anziehen und dann werde ich Frank wecken. Er hat mir gestern Abend seinen Zweitschlüssel gegeben und gesagt, dass er den Schlüssel innen nicht stecken lässt, damit ich reinkomme. Draußen scheint die Maisonne und ich ziehe mich nicht so dick an. Dann mach ich mich auf den Weg. Torstens „Viel Spaß“ ignoriere ich einfach, dumme Sprüche will ich nicht mehr hören.

Ich nehme noch ein belegtes Brötchen und einen „Kaffee to go“ aus der Cafeteria mit, für Frank, schließlich soll er ja bei Kräften bleiben. Ich grinse innerlich, wenn ich an den Vormittag denke. Die Vorfreude meldet sich in meiner Hose und meine Schritte werden schneller. Leise sperre ich die Türe auf, vielleicht schläft er ja noch und dann werde ich ihn ganz geil wecken.

Er schläft tatsächlich noch und sein Kopf liegt, das Gesicht mir zugewandt, ganz entspannt auf dem Kopfkissen. Einen Moment verschwinden meine geilen Gedanken, machen Platz für liebevolle Bewunderung seines schönen Gesichtes, seiner verstrubbelten Haare und seinen langen seidigen Wimpern.

Mein kleiner Freund meldet sich wieder vehement zurück und so stelle ich den Kaffeebecher und das Brötchen ab und knie vor seinem Bett nieder auf den Boden. Meine Rechte macht sich auf den Weg unter die Bettdecke, beginnt zu suchen, fährt in dem weiten Hosenbein seiner Shorts vorsichtig nach oben.

Ich fühle seine warme Haut am Oberschenkel, erreiche seine Hoden, die weiche warme Haut an seinem Sack und dann seinen Schwanz, der sich in einem Zustand zwischen schlaff und Morgenlatte, also halbsteif, an den Oberschenkel schmiegt. Zart fahre ich mit dem Daumen über die halb von der Vorhaut bedeckte Eichel. Es riecht ein bisschen nach Schweiß und ja, nach Mann halt, etwas herb und  geil einfach.

Ich hebe die Decke an und schlüpfe mit dem Kopf darunter, rieche mich an seinem Bein empor, dorthin, wo der kleine Riese langsam erwacht, sich immer mehr aufplustert, sich auswächst zu einem ansehnlichen Prachtexemplar von einem Schwanz. Ich schiebe das weite Hosenbein ganz nach oben, lege frei, was mich gerade so anmacht.

Die Adern sind angeschwollen, prall vom angestauten Blut ziehen sie sich über die Länge nach vorn, um dann im Kranz der mittlerweile fast hinten liegenden Vorhaut zu verschwinden. Ein Bild, wie es schöner nicht sein kann, wenn man verliebt und geil ist, wie ich gerade.

Nass stößt meine Spitze von innen gegen meine Shorts, auf Befreiung wartend, pochend heiß. Sein Schwanz hat sich jetzt voll aufgerichtet und nur die Decke und meine Finger verhindern, dass er nach oben schnellt und auf die den Bauch verdeckende Shorts klatscht.

Ich greife jetzt um ihn, streife die Haut noch weiter nach hinten, will nicht mehr warten. Ich tauche noch weiter unter die Decke und umschließe ihn mit meinen Lippen, beginne zärtlich zu saugen und fange an, in mit dem Mund zu ficken.

Ich komme schon fast, so erregt bin ich. Das hier ist mein Freund, den ich jetzt zärtlich lutsche, dieser Schwanz ist nur für mich, der soll nur mich glücklich machen und auch ich will nur ihn glücklich machen, meinen Frank, meinen Freund, seinen Schwanz.

Seit ein paar Tagen ist er mein Freund, mein Lover, der, der mir gezeigt hat, wie schön und aufregend Liebe und Sex zwischen zwei Männern sein kann. Für mich, der ich erst an der Schwelle zum Mann stehe, ist Frank das Beste, was mir passieren konnte. Er ist lieb, einfühlsam, rücksichtsvoll, aber auch geil, geil auf mich und er lässt mich fühlen, dass er mich liebt.

Leises Stöhnen zeigt mir, dass meine Bemühungen wahrgenommen werden und dann verschwindet auch die Decke von meinem Kopf. Meine Augen finden sein auf mich und meine Tätigkeiten gerichtetes Gesicht, in dem die Augen aber genießend geschlossen sind. Das Stöhnen wird mehr, genauso wie meine Bemühungen, ihm Gutes zu tun.

Meine Bemühungen immer wieder kurz unterbrechend, ziehe ich ein Kleidungsstück nach dem anderen aus und als ich nichts mehr anhabe, nehme ich aus der Nachttischschublade ein Kondom und das Gelfläschchen.

Ich rolle nun das Kondom über sein steil aufragendes Glied, knie mich über ihn und mache Gel auf das Kondom und reichlich auch an meinen Po. Langsam, Stück für Stück, versuche ich so schmerzlos wie möglich sein Glied aufzunehmen.

Anfangs ziept es wieder, aber da ich das selber steuern kann, rutsch er nach und nach weiter in mich rein, ohne das echte Schmerzen aufkommen. Als ich dann auf seinem Becken sitze, sein Schwanz ist jetzt ganz in mir verschwunden, warte ich ein bisschen. Langsam kreise ich ein wenig mit dem Becken, um mich an die Dicke und an das Gefühl zu gewöhnen.

Nun fang ich an, auf ihm vor und zurück zu rutschen, nicht viel, aber so, dass sein Glied Druck auf mich ausübt und mein Po Druck auf sein Glied ausübt. Es ist ein geiles Gefühl, so auf ihm zu juckeln, immer leicht vor und zurück und trotzdem die volle Länge in mir zu spüren.

Er schaut mich jetzt an, mit geilem Blick, den Mund leicht geöffnet und verhalten stöhnend. „Oh, Ole, du machst mich rasend, so geil, was machst du nur mit mir. Das grenzt ja schon an Folter, wenn es denn nicht so gut wäre.“ Er versucht, gegen mich zu stoßen, aber mein Gewicht und meine Bewegungen lassen das nicht zu. Ich will, dass er bettelt, dass ich mich schneller ficken soll.

In seiner Lust greift er nach mir, nach meinem Schwanz, der steil aufgerichtet für ihn in greifbarer Nähe ist. Feucht, ja eher schon nass ist die Spitze und durch sein Reiben wird es schnell mehr. Nun fang ich endlich an, ihn in mich rein und raus gleiten zu lassen, jedoch nur kurz, dann juckel ich wieder nur, fest auf seinem Becken sitzend.

„Bitte Ole, fick endlich, bitte. Mach, ich halt das nicht mehr aus“, stöhnt er. Genau, das wollte ich hören, jetzt leg ich los, hebe und senke mein Becken rhythmisch auf seiner Lanze, treibe in immer bis zum Anschlag in mich hinein.

Sein Stöhnen feuert mich an und die immer stärker aufkommende Lust trägt mich wie auf einer Woge dahin, immer schneller,  laut keuchend, bis die Lust über uns in Spasmen zusammenbricht. Sein Samen fühlt das Kondom, während meiner, ungehindert seine Brust und seinen Bauch benetzt.

Einige Spritzer schaffen es sogar, sich in seinen Haaren, Tränen gleich, zu verfangen. Ich lasse mich nach vorn auf die feuchte Bauchdecke sinken, die von seinen Atemzügen rauf und runter bewegt wird.

Erst langsam wird er ruhiger, werden die Bewegungen weniger heftig und die Erregung klingt nach und nach ab. Mein Kopf liegt auf seiner Brust, und mein Schwanz, geschrumpft, ist aus ihm raus gerutscht.

„Man, Ole, du bist mir einer. Du bist ein Naturtalent im Bett, so bin ich schon lange nicht mehr gekommen“, sagt er leise, während er meinen Rücken streichelt. „Ich liebe dich“, sage ich, gerade so laut, dass er es hören kann.

„Ich liebe dich auch, so viel, so stark, und das nach so kurzer Zeit. Dich gebe ich nicht mehr her“, sagt er und es hört sich so ehrlich an, das mir zwei Tränen aus den Augenwinkeln kommen. Ich bin jetzt gerade so glücklich, so froh mit ihm, das kann ich nicht in Worte fassen.

Wir liegen ungefähr eine halbe Stunde, eng umschlungen und nackt, auf einander, zwischen und klebt mein Sperma und irgendwann wird mein Po kühl. „Duschen?“, frag ich und dann fällt mir ein, dass ich ja noch Kaffee mitgebracht habe.

„Dein Kaffee ist jetzt kalt“, sag ich. Sein Blick geht zum Tisch, er sieht den Becher und er grinst. „Das war besser eben, als alle Kaffee der Welt, mein Schatz“, sagt er, „ und ich möchte dir sagen, das du meine Droge Nummer eins bist. Gegen dich ist Koffein wie eine Schlaftablette.“

„Komm, wir gehen duschen, die Zeit läuft weg, du musst ja nach er noch arbeiten“, sag ich. „Wir müssten doch jetzt noch nicht duschen, oder hast du schon genug für heute?“, fragt er jetzt, „wenn wir jetzt duschen, müssen wir nach her noch mal duschen und einmal hast du bestimmt schon einmal geduscht heute.

 Soviel ist nicht gut für die Haut und das bisschen Sahne auf unserem Bauch, das ist doch nicht schlimm“, sagt er und küsst mich.

Ich rolle von ihm herunter und entferne den Gummi von meinem halbsteifen Glied. Der Gedanke, jetzt gleich weiter zumachen, ihn zu ficken, lässt mich wieder hart werden. Ein Blick auf seinen Unterleib sagt mir, dass auch da gerade die Aktien wieder steigen.

Das törnt mich jetzt noch mehr an und ich schaue genau hin, wie er wächst, immer weiter, bis er seine volle Größe erreicht hat und dick auf der Bauchdecke liegt, den die Spitze nicht mehr von der Vorhaut bedeckt. Ich reibe ihn, zärtlich und hingebungsvoll, stülpe meine Lippen über ihn und sauge, schmecke die Samenspuren von vorhin.

Er schiebt sich mir entgegen, geil und fordernd, treibt mich an, ihn zu verwöhnen. So gut habe ich es mir in meinen geilsten Träumen nicht vorgestellt und jetzt werde ich ihn gleich ficken. Ich habe mich so hingelegt, das auch er mich blasen kann, was er auch sehr gekonnt sofort tut.

Nach einer kurzen Zeitspanne reicht uns das nicht mehr und er stöhnt geil: „Bitte, Ole, fick mich jetzt, ich will dich spüren, in mir, bitte.“ Wer könnte sich wohl einer solchen Bitte widersetzen, ich jedenfalls nicht und nach dem ich das aus der Schublade geholte Gummi übergerollt habe, nehme ich ausreichend Glibber und bereite ihn vor.

Er stöhnt ungeduldig, schiebt sich meiner Hand entgegen, wartet. Langsam, im Zeit lassend, mich auf zu nehmen, schiebe ich mich in ihn, seine Beine auf meinen Schultern haltend. Die Führung meines  Schwanzes hat er selber übernommen und so bleibt mir nur, den Druck zu erhöhen, um dem Muskelring zu dehnen.

Nun hat mein Becken seinen Po erreicht, tief stecke ich in ihm, der ungeduldig gegen mich stoßen will. Ich fange an und immer schneller werdend, komme ich seinem Wunsch nach „tiefer“ und „fester“ gerne nach und gebe mein bestes.

Mit langen, harten Stößen treibe ich ihn auf den Höhepunkt zu, ein dünner Schweißfilm bildet sich auf meiner Haut, während ich noch einmal die Frequenz erhöhe. Es dauert nicht mehr allzu lange, bis sein Stöhnen immer lauter wird.

Er reibt sich jetzt im Rhythmus meiner Stöße und dann kommt er, zuckt gewaltig und schleudert seinen Samen auf seine Brust. Das rhythmische Zusammenziehen seines Muskels bringt auch mich über die Schwelle und stöhnend sinke ich auf ihn herunter, seine Beine freigebend die seitlich an mir runter auf das Bett rutschen.

Wir liegen erschöpft aufeinander, ich oben, darauf wartend, das der Atem sich beruhigt, die Erregung abklingt, wohlige Erschöpfung von uns Besitz ergreift. Man, war das gut, so gut, dass man eine Steigerung kaum für möglich hält. Sein Herz pocht unter meinem Ohr, das auf seiner Brust ruht, nass von seinem Samen.

Er schnurrt, fast wie eine Katze, wohlig und zufrieden. Ich bin glücklich, richtig rundum zufrieden. Was hat sich doch mein Leben seit dem Unfall so drastisch verändert. Von einer schwulen Jungfrau kann jetzt keine Rede mehr sein, ich bin jetzt mehr als nur im Bilde, wie schön und wie gut das sein kann, miteinander zu ficken, so richtig mit Liebe, ohne Hemmungen und ohne falsche Scham.

Mittlerweile kennt mein Schatz meinen Körper und ich kenne seinen, im wahrsten Sinne des Wortes in und auswendig und ich liebe alles an ihm, wirklich alles. Er macht mich glücklich, seine Anwesenheit macht mich roh, Gedanken an ihn beflügeln mich, zaubern ein Lachen auf mein Gesicht. Ich bin so was von verliebt in ihn, das ist mit Worten nicht zu beschreiben.

Meine Lippen schmusen über seine Brust, schmecken ihn, riechen ihn, der so nach Sex und Liebe riecht, der mich immer wieder anmacht, ich fressen könnte. Ich knabbere an seinen Brustwarzen, entlocke ihm kehlige Laute, kleine Stöhner, Seufzer. Mein Schatzi, den ich so liebe, der schnurrt wie ein Schmusekater.

Er öffnet die Augen und hebt seinen Arm, schaut auf die Uhr und verzieht das Gesicht. „Wir müssen Duschen, mein kleiner Hengst“, sagt er zu mir und kneift zart in meine Pobacke, „komm steh auf.“

Unwillig, aber doch sofort, rolle ich seitlich von ihm runter. Ich entsorge die Kondome, in Tempos eingewickelt in den Mülleimer, während Frank frische  Unterwäsche aus dem Schrank holt. Dann gehen wir in das kleine Duschbad und stellen uns unter die warme Dusche. Mein Po tut heute gar nicht weh und so macht es mir auch nichts, als er mich dort ausgiebig wäscht.

Ich wasche in der Zeit unsere Schwänze, auch sehr ausgiebig und mit dem Erfolg, das beide, obwohl schon zweimal gekommen, ein drittes Mal hart anschwellen und sich steil nach oben recken. Seine Hände an meinem Po, fang ich an uns zu reiben, mit Gefühl aber auch mit Tempo und am Stöhnen merke ich, das ihm das sehr gefällt. „Nimmersatt“ stöhnt er in mein Ohr ich lache glucksend, reibe noch schneller, solange bis es uns beiden ein drittes Mal kommt an diesem Sonntagvormittag.

Nun sind wir aber echt befriedigt und die Beine zittern nicht schlecht. Wir bringen das Duschen zu Ende und mit einem leichten Ziehen in den Hoden trockne ich mich ab. Er hilft mir beim Rücken und auch ich trockne seinen Rücken ab, bevor wir uns dann im Zimmer fertig anziehen.

Ein langer Kuss rundet unseren Vormittag ab und gemeinsam gehen wir dann zurück in die Klinik. Ich werde aufs Zimmer gehen zum Essen und Frank wird sich für seinen Dienst vorbereiten. Später, wenn Torstens Besuch wieder weg ist, will er auf unser Zimmer kommen und  ich freu mich jetzt schon drauf.

*-*-*

Sergej

Nachdem alle versorgt sind, wird zunächst mal der erste Hunger gestillt, bevor die Unterhaltung erneut aufkommt. Jerome, der neben Martin sitzt und immer noch, oder besser schon wieder, Vanessa auf seinem Schoss hat, berichtet Martin, wie der Tag bei uns verlaufen ist und welch ein Drama Papa über sich und seine Familie erzählt hat. Martin wirft während der Erzählung des Öfteren mitfühlende Blicke zu Papa, der mit Mama eine angeregte, nur von gelegentlichem Kauen zwischendurch unterbrochene Unterhaltung führt.

An den Blicken, die Jerome und mich dabei treffen, merke ich, dass sie sich über uns unterhalten. Es war schon eine große Überraschung für sie, meine Offenbarung heute Mittag, vor allem, weil niemand ahnen konnte, das damit Papas Geister der Vergangenheit ans Tageslicht gezerrt werden. Für Papa war das ein Schock, er hat bestimmt längst alles verdrängt und nun ist es wieder präsent.

Ich hoffe, dass es ihm gelingt, alles so zu verarbeiten, das er ohne Seelenpein damit leben kann. Es würde mich schon belasten, zu wissen, dass er immer, wenn er Jerome und mich sieht, mit Schmerzen und Wehmut an seinen Bruder denken muss. Bevor wir nach Bremerhaven zurück fahren, muss ich noch einmal mit ihm sprechen, vielleicht zusammen mit Jerome, mal sehen.

Jerome sieht in die Runde und fragt dann, ob noch jemand etwas möchte. Die Kinder, aber auch ich und Martin, wollen noch ein Eis essen, bevor wir wieder fahren. Martin geht mit mir die Sachen holen, nachdem Jerome Martin den Geldbeutel gegeben hat.

Während des Eisessens herrscht weitgehend Ruhe am Tisch. Vanessa spielt mit der Figur aus dem Happymeal, das isst sie immer hier, mit Chicken Nuggets und Pommes, und viel Ketchup, versteht sich. Ich verabrede mit Mama, dass wir morgen um vierzehn Uhr vorbei kommen wollen. Dann sind fast alle da, bis auf Vanessa, die erst um fünfzehn Uhr dreißig gebracht wird.

Ich schaue auf die Uhr und staune. Wir waren jetzt gut ein einhalb Stunden bei Macces, solange war ich noch nie in einem Schnellrestaurant. Auf dem Parkplatz verabschieden wir uns von einander und wir warten, bis alle in den Bus gestiegen sind. Vanessa wollte bei uns bleiben, aber Papa hat sie auf den Arm genommen und ihr erklärt, dass wir ja morgen wieder zu Besuch kommen.

Mama fährt los und wir winken ihnen noch hinterher, bis sie auf der Hansastraße verschwunden sind. Martin sieht uns an und fragt: „Hotel, oder noch wo anders hin?“  „Hotel“, kommt es synchron von uns beiden und lachend steigen wir hinten ein. Noch bevor der Motor läuft, kleben seine Lippen an mir, bittet seine Zunge um Einlass, streicheln Hände fordernd meinen Rücken. Gerne lass ich mich darauf ein, küsse wild zurück und beschmuse dann sein Gesicht.

Ich spüre Martins Augen im Spiegel und ahne sein Grinsen. Wenn einer uns das Glück hier gönnt, dann er, Martin, der immer die gute Seele in Jeromes Leben war. Ich bin ihm so dankbar, dass er jetzt auch für mich da ist.

 Deutlich spüre ich immer wieder, dass er mich auch mag, dass er froh ist, dass Jerome einen Partner gefunden hat, trotz seiner Behinderung. Nach einigen Minuten Fahrt haben wir das Hilton in Dresden erreicht. Es liegt direkt an der Liebfrauenkirche und ist eines der besten Häuser hier am Platz.

Die zentrale Lage und eine sehr noble Ausstattung machen es zu einem attraktiven Hotel für Leute mit entsprechendem Einkommen. Martin übergibt das Auto an einen Mitarbeiter des Hotels und begleitet uns zur Rezeption.

*-*-*

Jerome

An der Rezeption erhalten wir die Karten für die Türen und auch für sonstige Dinge. „Sie haben die King Corner Suite mit der Nummer 1“, sagt der Mann hinter der Rezeption.  Martin hat ein Exekutive Zimmer direkt in der Nähe. Wir haben Zutritt zu der Exekutive Lounge ebenso wie Martin und auch der Living Well Health Club mit Sauna und Schwimmbad steht uns zur Verfügung.

Martin meint: „Wenn ihr mich noch braucht, ruft an, ich bin auf meinem Zimmer. Ansonsten gibt es hier im Haus alles. Ich würde gern früh schlafen, es war ein langer Tag. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber jetzt, wo alles in Ordnung ist, solltet ihr in Bremerhaven anrufen, sie machen sich bestimmt Sorgen und wären froh, zu wissen, wie es gelaufen ist.“

Er fährt fort: „Ihr könnt auch skypen, ich habe Euch den Laptop aus dem Auto auf den Schreibtisch gestellt, Internet ist eingerichtet. Ihr könnt also Kontakt mit zu Hause aufnehmen.

Wir lassen uns zu der Suite geleiten, ich gebe dem Pagen ein Trinkgeld und dann schließt sich die Türe hinter uns, wir sind endlich allein. Ich nehme meinen Schatz in den Arm, knuddel ihn, küsse ihn und die ganze Anspannung des Tages ist jetzt endgültig von uns abgefallen. „Sollen wir noch schwimmen gehen oder reicht dir ein Bad hier oben“, fragt Sergej mich.

 „Mir würde ein Bad mit dir hier oben reichen“, sage ich, „ es wäre mir sogar viel lieber, mit dir in einer Wanne, ohne lästiges Publikum, nur wir beide. Vielleicht sollte ich noch ein Fläschchen Champagner bestellen, so zur Feier des Tages und für nach dem Bad habe ich ja noch einen besonderen Wunsch an meinen Schatz.“

„So, einen besonderen Wunsch, und welchen denn?“, fragt er und sieht mich fragend an. „Wenn du willst, aber wirklich nur wenn du willst, möchte ich dass du mit mir schläfst, weißt du so richtig, so in mir. Ich will es endlich mal spüren, wie das ist. Ich habe auch die Tüte mitgenommen, die Martin mir mitgebracht hat, die, wo alles drin ist, was wir brauchen dafür“.

Ich sehe ihn bittend an, sehe, wie er nachdenkt, überlegt. „Du weißt, dass ich da keinerlei Erfahrung habe, aber wenn du es möchtest, können wir es ja mal probieren. Schimpfe aber nicht mit mir, wenn dir morgen früh der Po weh tut, du willst es ja nicht anders“, sagt er dann zu mir und wendet sich dann dem Schreibtisch zu.

„Zuerst werden wir jetzt deine Familie unterrichten, wie die ganze Sache hier gelaufen ist“, sagt er und macht den Läppi an. Der hat eine Kamera und deshalb können wir skypen. Als der Browser auf ist, rufe ich vom Telefon aus zu Hause an. Mama ist dran und fragt gleich drauf los. „Stopp, Mama“, sag ich, „Stopp“

Sie verstummt und ich sage: „Geh bitte an den Laptop, wir skypen, Sergej und ich werden euch dann alles erzählen. Bring Papa mit und auch Natascha, wenn sie will. In zehn Minuten geht es los. Bis gleich Mama.“

Bevor sie was sagen kann, lege ich auf. Ich weiß, das war jetzt nicht besonders höflich, aber das war die schnellste Möglichkeit, es ihnen allen mit zu teilen. Ich möchte nicht alles dreimal erzählen müssen.

In der Zeit, in der Mama alle zusammen trommelt, schauen wir uns in der Suite um. Alles ist gut und es gefällt uns beiden sehr. Sergej ist es ja aus beruflichen Gründen bekannt, wenn auch nicht als Gast und ich kenne solche Räumlichkeiten ja auch aus der Vergangenheit. Wenn wir irgendwo anders übernachtet haben, also in Hotels, dann immer nur so, wie jetzt hier.

Jetzt sind sie offenbar online und da kommt auch schon das Bild. Mama, Papa, auch Oma erkenne ich und Frieda, nur Natascha sehe ich nicht. „Hallo, zusammen“, sage ich, und Sergej sagt ebenfalls: „Hallo“. „Ist Natascha nicht da?“, frag ich und Mama sagt, das sie mit Frau Gut gefahren ist und heute Nacht dort bleibt.

Frau Gut hat eine Tochter, die so alt wie Natascha ist und die Beiden unternehmen in letzter Zeit ab und zu was miteinander. Natascha übernachtet dann auch schon mal dort und Sabrina, so heißt das Mädchen, hat auch schon bei Natascha übernachtet.

Sergej und ich sitzen nebeneinander vor dem Laptop und schauen auf den Bildschirm, auf dem meine Familie zu sehen ist.  Alle warten gespannt darauf, dass wir erzählen, wie es Sergej zu Hause ergangen ist. Sergej fängt nun, erst etwas stockend, dann aber immer flüssiger, zu erzählen.

Er schildert, wie seine Eltern, speziell dann auch sein Vater, reagiert haben, erzählt von dem Drama, das sein Vater erlebt hat und auch die Reaktionen der größeren Geschwister sind Gegenstand seines Berichtes. Bei uns zu Hause herrscht Freude und Erleichterung darüber, dass er weiterhin von seiner Familie geliebt wird.

Als ich dann noch von Vanessa und unserem MacDonalds Besuch erzähle, wird gelacht und alle freuen sich mit uns. Ich sage Mama, dass wir noch ein paar Tage bleiben wollen und voraussichtlich erst am Donnerstag zurückkommen werden.

 Freitag werden ja bei Sergej die Fäden gezogen und am nächsten Montag wird er wohl wieder arbeiten müssen. Papa sagt, dass er die Zimmer vorsichtshalber mal bis Freitag  reserviert hat und dass wir auch nichts bezahlen müssen, weil er das alles regelt.

Wir sind müde, Sergej und ich und wir sagen denen u Hause dann auch gute Nacht. Sergej bedankt sich noch mal bei Papa und Mama für die großzügige Unterstützung bei unserer Tour nach Dresden.

Mama sagt: „ Wenn du unseren Sohn glücklich machst, und das tust du offensichtlich, dann ist uns nichts zu viel, um euch zu unterstützen. Wir freuen uns darauf, deine Familie bald mal kennen zu lernen. Sag allen vorab mal die besten Grüße von uns. So, nun geht schlafen, erholt euch von dem anstrengenden Tag. Wir melden uns morgen bei euch, gute Nacht.“

Wir schalten den Laptop aus, fast einen Stunde hat unser Gespräch gedauert. Wir beschließen, jetzt sofort ins Bad zu gehen. Es war ein langer Tag und weil wir heute Morgen vor lauter Aufregung im Auto auch nicht geschlafen haben, wird es jetzt Zeit.

„Jerome?“, sieht mich Sergej fragend an. „Was ist denn, mein Schatz?“ frag ich zurück. „Bist du sauer, wenn wir den Sex auf Morgen Früh verschieben, ich bin schon ziemlich groggy und wenn ich richtig mit dir schlafen soll, dann will ich auch hellwach sein dabei.“ sagt er und sieht mich lieb an.

„Ich kann auch noch einen Nacht warten, mein Liebling, wenn du jetzt zu müde bist. Ich bin auch nicht mehr so fit und ausgeschlafen macht es bestimmt auch mehr Spaß“, sag ich, „aber morgen früh, da möchte ich es dann doch endlich mal erfahren, wie sich das anfühlt, wenn mein Schatz mich richtig nimmt.“ Ich küsse ihn und schiebe ihn in Richtung Bad.

Wir duschen statt zu baden, zusammen, allerdings schön brav und ohne Sex, dafür aber mit gegenseitigem Rückenwaschen, abtrocknen in begriffen. Im Bett kuscheln wir uns aneinander, Sergej liegt hinter mir und schmiegt sich an mich, sein Arm liegt auf meiner Seite und seine Hand liegt warm an meinem Bauch.

 Glücklich und zufrieden mit allem schlafen wir ein, einem neuen Tag entgegen, den wir größtenteils mit seiner Familie verbringen wollen, allerdings erst, wenn wir unseren Vorsatz über die Morgengymnastik in die Tat umgesetzt haben.

*-*-*

Frank

Ich bin nach dem Mittagessen gleich zum Umziehen gegangen und jetzt auf dem Weg zur Station, wo um halb zwei mein Dienst beginnt. Heute Mittag haben Schwester Carola du ein Pfleger namens Herbert Dienst. Ich kam bisher immer gut aus mit den Beiden. Sie sind so um die Vierzig, die zwei und schon ziemlich lang auf der Station.

Ich habe Ole noch gar nichts von dem Brief erzählt, den der Professor mir vorgelesen und ja auch später überlassen hat. Das werde ich heute Nachmittag machen, wenn Torstens Besuch weg ist. Torsten kann ruhig auch davon wissen, steht ja auch sein Name drin, in dem Brief.

Heute Morgen habe ich vor lauter Sex nicht daran gedacht, aber es war auch so toll. Ole ist echt ein Naturtalent, wir haben viel Spaß gehabt, aber auch viel gute Gefühle, Liebe halt. Das macht den Sex einfach perfekt, wenn man so verliebt ist dabei. Da ist der Verstand auf Sparflamme und die Emotionen kochen über, das gibt einfach irre gute Gefühle.

Man denkt nicht immer nur an sich, sondern auch an seinen Schatz, wenn es um die Befriedigung geht. Ich bin echt wahnsinnig verliebt in meinen blonden Schatz. Er ist so lieb und auf eine Art auch noch ein bisschen unschuldig, obwohl er sehr schnell lernt, auf was es ankommt. Dass er sehr aufgeschlossen und ehrlich ist, das mag ich ganz besonders an ihm und ich mag ihn jeden Tag mehr.

Mein Entschluss,  in Bremen zu studieren, steht bereits fest für mich und meine Mutter bemüht sich auch schon um einen Platz. Heute  Abend werde ich ihm sagen, dass ich mit ihm hier zur Uni gehen möchte. Das wird ihn sehr freuen, denk ich und auch Paul aus seinem Kopf verbannen.

Jetzt bin ich auf Station angekommen, die Frühschicht ist noch da. Die meisten kommen erst immer auf den letzten Drücker zur Ablösung, ich versuche immer, etwas früher da zu sein. Carola und Herbert lassen aber nicht lange auf sich warten und so ist die Übergabe auch bald gemacht.

Da die meisten Patienten nach dem Essen ein bisschen schlafen oder dösen, gehen wir bis zwei Uhr nur dann in ein Zimmer, wenn geklingelt wird. Ab zwei Uhr beginnt dann auch sonntags die Besuchszeit und da wird es dann schon unruhig auf der Station.

Da müssen wir schon ab und an aufpassen, dass es nicht zu viel Lärm gibt und auch mal regelnd eingreifen, damit die Patienten nicht zu sehr gestört werden. Im Moment ist es, wie gesagt noch sehr ruhig, aber das wird sich bald ändern.

*-*-*

Ole

Nach dem Essen, so bis zwei Uhr, wird mal noch ein Schläfchen gemacht. Der Vormittag war doch sehr anstrengend, obwohl diese Art von Anstrengung ja eigentlich unter der Rubrik „Vergnügen“ abgespeichert wird. Es war wunderschön und mein Frank ist schon ein ganz Lieber. Ich bin froh, dass ich ihn habe und den will ich jetzt auch behalten.

Torsten hat nicht allzu viel von sich gegeben, offensichtlich ist er ein bisschen nervös, was den Besuch angeht. Da ich seinen Vater nicht kenne, kann ich das nicht nachvollziehen, warum er so nervös ist.

Wenn sie noch da sind, wenn ich zurück komme, werde ich sie begrüßen und dann meinen Laptop benutzen, um noch einmal die für Morgen in der Schule anstehenden Abiturthemen zu lernen, oder besser gesagt, die Themen noch einmal gedanklich durch zu gehen. Den Stoff, denke ich, beherrsche ich soweit, dass mir nichts passieren kann.

Ich bin gespannt, ob die es hier schaffen, dass ich pünktlich in der Schule bin zu den Klausuren. Das sind die letzten und ob ich dann noch mündlich geprüft werde, hängt von den Noten ab. Das meiste habe ich ja schon geschafft, und ich denke mal, auch recht ordentlich. Ich döse ein bisschen vor mich hin, komme nicht richtig zum schlafen.

Frank habe ich gebeten, mich kurz vor Zwei zu wecken, damit ich runter gehen kann und dort in der Cafeteria auf meinen Besuch warte. Dann hat Torsten das Zimmer allein für sich und seinen Besuch.

*-*-*

Torsten

Ich bin echt ein bisschen nervös, Ole wird das auch gemerkt haben, weil ich gar nicht über ihre Morgengymnastik gelästert habe. Mein Vater ist der Grund für meine Nervosität. Der ist immer so dominant und absolut undiplomatisch mit seinen Äußerungen anderen gegenüber. Der hatte schon öfter Probleme mit Leuten, die seine direkten und auch oft beleidigenden Sprüche nicht so einfach hingenommen haben.

Den Schiedsmann kennt mein Vater nicht nur vom Hörensagen und auch der ein oder andere Richter hat schon Bekanntschaft mit meinem Vater gemacht. Nicht wegen krimineller Dinge, nein, er war ein ehrlicher Mensch. Immer nur wegen irgendwelchen verbalen Entgleisungen, die oft in Beleidigungen von Leuten mit anderer Meinung ausarteten.

Er regte sich sehr schnell auf und seine Hand fand zu Hause auch öfter mal ihren Weg in mein Gesicht, wenn es nicht so lief, wie er das für richtig hielt.  Er ist resolut, auf seiner Arbeit ein Ass und bei seinen Kollegen nicht unbedingt unbeliebt, aber viele Freunde hatte er nicht bei seiner Art.

Er ist bei einer Firma, die Stromleitungen mit hoher Kapazität im Boden verlegt, oft über einige hundert Kilometer und er ist Baggerführer, seine Kollegen sagen sogar, ein von Gott begnadeter Baggerführer. Wenn es irgendwo nicht weitergeht, dann ruft man ihn und wenn man seinen Bagger durch die halbe Republik karren muss.

Wo Papa nicht weiterkommt mit dem Bagger, da kommt niemand mehr weiter, aber das ist bis heute nur einmal vorgekommen. Sein Chef bezahlt ihn gut und hält große Stücke auf ihn, auch wenn er manches Mal um Kaisers Bart streitet. Der einzige Mensch, dem mein Vater aus der Hand frisst ist Mama. Die wickelt ihn um den Finger und mit ihr streitet er auch nicht.

Ihr seht also, dass er eigentlich kein schlechter Mensch ist, aber er ist halt immer absolut von sich und seiner Meinung als das einzig Wahre überzeugt. Er glaubt natürlich auch fest daran, vieles besser zu können oder zu machen, wie andere und für mich ist es immer sehr schwer, mich gegen ihn zu behaupten.

Immer, wenn ich was machen will, das er anders machen würde oder in seinen Augen Blödsinn ist, gibt es Palaver und deshalb bin ich auch oft froh, wenn er mal wieder ein paar Wochen quer durch die Republik baggert und wir dann zu Hause Ruhe haben.

Skateboard fahren, da war er auch total dagegen und das ich jetzt deswegen hier liege, im Krankenhaus, mit einem kaputten Bein, das wird heute Nachmittag bestimmt noch ein Diskussionsthema sein.

 Er wollte immer, dass ich in einem Verein boxe. Ich wollte mir aber nicht in meiner Freizeit  von anderen in die Fresse hauen lassen, also habe ich mich der Leichtathletik verschrieben und mit Mamas Unterstützung durfte ich mich in einem Verein anmelden.

 Hochsprung und auch Speerwerfen waren Disziplinen, in denen ich ziemlich gute Leistungen erbrachte und in regionalen Wettkämpfen auch schon mal auf dem Treppchen stehen durfte. Das änderte sich aber vor zwei Jahren, als wir umgezogen sind und da, wo wir jetzt wohnen, gibt es keinen Leichtathletik Verein.

Hier lernte ich sehr schnell meine jetzigen Freunde kennen, und hier war das Skaten angesagt, total, sag ich euch. Als ich mir ein Board gekauft habe von meinem Ersparten, ging der Stress los. So ein amerikanischer Scheiß, das wäre doch mal gar nichts für mich.

Mama besänftigte ihn aber und murrend duldete er dann, dass ich mit meinen Freunden skaten ging. Ich habe dann einen Job als Prospektverteiler angenommen, um mir ein noch besseres Board kaufen zu können und auch, um mein Taschengeld auf zu bessern. Das wiederum gefiel ihm, Fleiß in jeder Form fand immer seine Anerkennung. Tim, mein mittlerweile bester Freund und ich verteilten jeden Freitag und Samstag bei uns in der Umgebung knapp achthundert Prospekte mit Werbung.

Dafür bekam jeder Einhundert fünfundsechzig Euro im Monat. Dadurch war ich, und auch Tim, eigentlich immer flüssig und mit meinem Taschengeld von Zehn Euro pro Woche hatte ich monatlich Zweihundertfünf Euro zur Verfügung, für einen fünfzehnjährigen Teenie nicht schlecht, oder?

Das ermöglichte es uns, auch öfter hierher in die Stadt zu fahren, zur Leher Heide, wo es eine Skateranlage mitten in einem Waldstück gibt. Aber auch in der Stadt selber, gab es einige Plätze, an denen ein paar Geräte für Skateboarder aufgestellt waren und wo wir viele Jungs trafen.

Wir wohnten draußen in Sievern und fuhren morgens mit dem Schulbus nach Bremerhaven. Oft nahmen wir das Board mit und fuhren nachmittags mit dem normalen Bus zurück. Da wir eine Monatskarte haben, ist das kein Problem.

An den Wochenenden fahren wir dann mit dem Rad oft zu der Bahn im Wald, die als Snakerun bezeichnet wird. Andere meinen aber, das wäre ein Bowl. Spaß hat man da auf jeden Fall. Ab und zu fuhren wir auch mit der Bahn nach Bremen an den Hauptbahnhof, hier war ebenfalls ein guter Skater Park und hier waren auch immer Leute, wenn einigermaßen Wetter war.

Mein Unfall passierte aber auf der Bahn im Wald und es hat auch ein bisschen gedauert, bis der Arzt und der Krankenwagen kamen, dafür war es dann aber auch nicht so weit bis in die Klinik. Tim und die anderen aus Sievern nahmen mein Fahrrad mit und sagten auch meiner Mutter Bescheid, die hatte ich aber auch schon per Handy von meinem Pech informiert.

Sie versprach mir, am nächsten Morgen in die Klinik zu kommen und mir alles Notwendige und auch meine Schulsachen zu bringen. So war ich also hier gelandet und heute kam Papa und ich hatte ein bisschen Schiss, vor dem, was er hier wohl abziehen würde.

Vielleicht sollte ich doch Ole bitten, noch ein bisschen zu bleiben, vielleicht war er dann etwas ruhiger, der Papa, wenn noch andere dabei waren.

„Ole“, spreche ich den vor sich hin dösenden an. Er schreckt leicht zusammen und richtet sich auf. „Hast du was gesagt, Torsten?“, fragt er mich. „Ja, Ole, kannst du mir einen Gefallen tun?“, frag ich. „Kommt drauf an, was es ist“, kommt die Antwort. „Kannst du nicht noch ein bisschen hier oben bleiben, wenn mein Besuch kommt. Ich habe ein bisschen Angst, dass mein Vater laut wird“, sage ich.

„Das musst du mir aber mal etwas genauer erklären, Torsten, warum der hier laut werden sollte“, gibt er mir zur Antwort. In kurzen Sätzen erzähle ich die Story vom Skaten, von seinen Gegenargumenten und auch von dem blöden Unfall.

 Dazu den Grund, warum Papa jetzt erst zu Besuch kommt und das ich ihn auf Grund der Baggerei schon fast vier Wochen nicht mehr gesehen habe. Ich sage auch, dass ich nicht weiß, ob er jetzt wegen der Skateboardsache am Rad dreht, äußere aber die Hoffnung, das Oles Anwesenheit seinen Drang, mich lautstark nieder zu machen, dämpfen könnte.

„OK, dann werde ich mal noch solange hier bleiben, bis mein Besuch hier aufkreuzt. Die ruf ich kurz an und sag, dass sie doch hochkommen sollen. Wir werden dann je nach Lage entscheiden, ob wir gleich runter gehen oder noch hier bleiben bei dir“, sagt er zu mir.

„Danke, Ole, du bist echt ein Freund“, sag ich. „Warum sind denn Tim und deine Freunde nicht mal zu Besuch gekommen, wenn sie doch hier in der Stadt zur Schule gehen“, fragt er mich.

Ich werde ein bisschen rot und sage: „Ich wollte es nicht, dass sie mich mit dem verfallenen, in allen Regenbogenfarben schillernden Gesicht sehen. Tim war einen Tag nach dem Unfall hier und zwei Tage später noch mal, hat aber dann meinen Wunsch, zu warten, bis ich wieder normal aussehe akzeptiert, wenn auch unter Protest.“

Er kratzt sich intensiv auf dem Kopf und sagt: Ich weiß, dass das blöd war, aber ich habe ausgesehen, wie Frankensteins Gesellenstück, echt ätzend und konnte es nicht ertragen, das mich jeder so anstarrt. Heute wäre ich froh, wenn Tim noch mal kommen würde. Wir telefonieren zwar jeden Tag, aber das ist nicht das gleiche, als wenn er in Natura da wäre.“

„Dann sag ihm, er soll wieder kommen und er soll auch die anderen mitbringen, wenn sie wollen. Das ist doch falsche Eitelkeit, sie wissen doch genau, wie du normal aussiehst und auch bald wieder aussehen wirst, kleiner Spinner“, sagt er und schüttelt den Kopf über mein Verhalten. Er hat ja so Recht.

Ole steht auf und geht ins Bad. Als sich die Badtüre geschlossen hat, geht die Zimmertüre auf und meine Sippe tritt ein, allen voran hundert Kilo geballte Männlichkeit, mein Papa. An ihm vorbei schiebt sich jetzt meine kleine Schwester Katharina, die laut „Torsten“ jauchzend auf mein Bett zustürzt. Mama, als letzte, schließt die Türe hinter sich.

Katharina, versucht, auf mein Bett zu klettern, wird aber von Papa daran gehindert: „Torsten hat ein wehes Bein, da kannst du jetzt nicht drauf rum krabbeln“, sagt er und setzt sie oben neben mich aufs Bett. Sofort umschlingt sie mich mit ihren dünnen Ärmchen und gibt mir einen Kuss. „Torsten, wann kommst du wieder heim“, fragt sie und sieht mich mit ihren großen, dunklen Augen an.

Papa hat Mama einen Stuhl ans Bett geschoben und setzt sich jetzt ebenfalls auf einen Stuhl auf der anderen Bettseite. Er hat außer „Guten Tag“ noch kein Wort gesprochen. Mama hat ein Tablett mit Kuchen mitgebracht, den sie auf dem Nachttisch abstellt.

 „Was Süßes für meinen großen Schatz“, sagt sie, „wie geht es deinem Bein und was ist denn mit deiner Hand passiert, da war doch nach dem Unfall nichts dran, oder?“ „Ich bin gefallen, als ich mit den Krücken aus dem Bad kam, Mama“, sag ich. Jetzt kommt Ole aus dem Bad und zieht zunächst einmal die Aufmerksamkeit auf sich.

„Hallo, guten Tag“, sagt er, „ich bin Ole Jensen und liege nach einem Fahrradunfall mit ihrem Sohn auf diesem Zimmer. Es freut mich, sie kennen zu lernen.“ Papa zieht erstaunt die Augenbrauen hoch, lächelt sogar ein bisschen, als er sagt: „Guten Tag junger Mann, von ihnen kann sich mein Torsten, was die Höflichkeit angeht, mal gleich eine Scheibe abschneiden“.

„Ich finde, dass Torsten auch  sehr gut erzogen ist, er ist nett und  umgänglich und wir sind eigentlich schon gute Freunde geworden. Sie haben einen sehr netten Sohn, Herr Sievers“, schiebt Ole jetzt noch einen nach und nimmt meinem Vater viel Wind aus den Segeln.

„Sind sie sicher“, sagt Papa, „dass wir von demselben Torsten reden“. Dabei grinst er jedoch, denn Oles Kompliment zu meiner Erziehung hat er schon gerne für sich in Anspruch genommen. „Das er jetzt hier liegt, hängt nur damit zusammen, das er mal wieder schlauer sein wollte, wie sein Vater. Diese Scheiß Skateboards taugen doch nichts, wie alles, was aus Amerika kommt“, erklärt er Ole nun seine Meinung.

„Ich habe auch so ein Ding“, sagt Ole, Papas Jargon aufnehmen „aber auf der Schnauze bin ich mit dem Fahrrad gelandet. Sie sehen also, dass auch deutsche Erfindungen durchaus ihre Tücken haben können. Das Auto, mit dem ich zusammengeprallt bin, war ebenfalls ein deutsches Fabrikat, so dass man nicht automatisch dem Skateboard, nur weil es aus Amerika kommt, die Schuld an Torstens Unfall geben.“

Papa ist im ersten Moment einfach sprachlos, weiß nicht, wie er das Gesagte einordnen soll. Seine Mimik schwankt zwischen Verarsche und Logik hin und her und so hält er erst mal einfach den Mund.

Mama nutzt die Gelegenheit, mich über meinen Zustand aus zu fragen und sie erzählt auch, dass sie die Aufgabenblätter aus der Schule und auch die anderen Hausaufgaben, die Tim für mich geholt hat, mitgebracht hat. „Der junge Mann hier“, meint sie, und schaut Ole an, „der kann dir ja, wenn du was nicht verstehst, bestimmt helfen, oder nicht.“

„Ja, gerne“, sagt Ole und lächelt Mama umwerfend an, „das ist kein Problem. Wir werden ab Dienstag bis zum Freitag genügend Zeit haben, was zu lernen. Ich helfe Torsten gern“. „Und was ist morgen, ist da was besonders, das sie da nicht können?“, fragt Mama neugierig. „Morgen früh werde ich in die Schule gefahren, wir schreiben die letzten Klausuren zum Abitur“, klärt Ole sie auf.

„Die Türe geht auf und Oles Besuch, seine Schwester ist auch dabei, kommen herein. Ole steht auf, kramt seinen Geldbeutel aus dem Nachttisch und sagt: „So, ich werde dann mal mit meinem Besuch in die Cafeteria gehen und anschließend ein bisschen in den Park. Sie können Torsten ja auch in den Rollstuhl packen und mit ihm im Park spazieren gehen, das machen wir öfter.“

Sie verlassen das Zimmer und plötzlich ist Stille. Ist das die Ruhe vor dem Sturm?

„Eigentlich wollte ich dir ja anständig die Leviten lesen, junger Mann“, sagt Papa, „aber Mama hat mich überredet, das nicht zu tun. Du hast gemacht, was du gerne machst und musst nun auch für die Folgen gerade stehen, sprich, hier in dieser Krankenbude liegen. Dein Bein ist kaputt, der Arm auch und einen Schönheitspreis wirst du mit der Visage auch nicht gewinnen.“

Er holt Luft und fährt fort: „Du bist jetzt schon fast alt genug, um Dinge, die dich betreffen, auch mit zu entscheiden, das heißt aber auch, dass du für die Folgen auch mit verantwortlich bist. Du hast Mama einen riesigen Schrecken eingejagt mit diesem Unfall und auch ich war sehr beunruhigt, als ich davon erfahren habe.“

Er guckt mich an, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, was ist denn mit dem passiert, der nimmt mich ja endlich mal für voll, er wird doch nicht krank werden, mein Papa. „Vielleicht war ich in der Vergangenheit nicht so der Vater, den du dir gewünscht hast und ich weiß dass ich mich oft wie ein Arsch verhalten habe. Das will ich jetzt aber nicht mehr sein“, fährt er zu meinem Erstaunen fort.

„Ich habe in den letzten drei Wochen, also nach deinem Unfall viel nachgedacht und auch mit einigen Leuten, auch mit meinem Chef einige Gespräche geführt. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, nicht alles immer in Frage zu stellen, das nicht von mir ist und auch, andere nicht immer vor den Kopf zu stoßen“, erzählt er weiter.

„Mein Chef hat mir gesagt, dass mich bisher nur mein Können vor einem Rausschmiss bewahrt hat, weil ich eben menschlich ein Arschloch wäre und keiner mit mir zusammen arbeiten will. Das habe ich so nie wahrgenommen und ich war sehr schockiert über diese Aussage“ sagt er jetzt ziemlich kleinlaut.

Dann richtet er sich aber wieder zu seiner vollen Größe auf und sagt: „Es ist nie zu spät, sich zu ändern und das habe ich vor. Das heißt aber nicht für dich, mein Sohn, das du mir ab heute auf der Nase rumtanzen kann.“

Jetzt grinst er frech und Mama sagt: „Siehst du Torsten, auch in der heutigen Zeit gibt es ab und an noch Wunder“. „Amen“, sag ich und lass mich nach hinten in das Kissen fallen. Kann mich bitte mal einer kneifen?

*-*-*

So, das war Kapitel 14.

Ich hoffe es hat euch gefallen und animiert mal den einen oder anderen zu einer Meinungsäußerung, das würde mich sehr freuen

LG Niff

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2 Kommentare

  1. Hallo Niff,

    ich habe ja das Vergnügen, Deine Geschichten vorab lesen zu dürfen. Vielen Dank für Deine tollen Geschichten. Ich freue mich schon auf die kommenden Teile.
    LG
    Ralf

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  2. Huhu,

    Hm es ist ein Vergnügen, diesen Mehrteiler zu lesen, weiter so;-)

    Vlg aus Hahnstätten

    Andy

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