Zoogeschichten III – Teil 134 – Weihnachtspläne

tuer-22134. Weihnachtspläne
© by Pit 2014

Dennis

Noch so ein Tag und ich bin echt Urlaubsreif. Bis wir die Tierchen eingefangen hatten, war einige Zeit verstrichen. Zeit, die uns später im Bärenhaus fehlt. So machte jeder das Nötigste, damit wir wieder in den Zeitplan kamen.
Bei manchen Tieren merkte man, dass sie es uns krumm nahmen,

dass wir so wenig Zeit für sie hatten wie sonst. Ich ließ mich auf Bett fallen, spürte jeden Knochen und wollte nur noch schlafen.
Es klopfte.

„Ja?“

Die Tür ging auf und mein Vater streckte den Kopf herein.

„Hi du, hab gar nicht mitbekommen dass du schon zu Hause bist.“

„Schon ist gut, ich bin total alle.“

„Fühlst du dich nicht gut? Was eingefangen?“

„So könnte man es nennen“, antwortete ich und begann zu lachen.

„Ein paar Tierchen sind entlaufen, die wir wieder einfangen mussten, danach sind wir wieder unserer Pflicht nachgegangen und dass leider unter Zeitdruck.“

„Aha, ich verstehe, dann kommst du wohl nicht zum Abendessen herunter.“

„Doch, ich weiß nur noch nicht wie, mir tut alles weh.“

„Soll ich dich herunter tragen, wäre ja nicht das erste Mal.“

„Nein, nein, bevor du dir noch einen Bruch hebst, laufe ich selber herunter“, grinste ich.

„Deine Mutter meinte, nach Weihnachten wärst du nicht da.“

„Ja Micha und ich planen noch etwas wegzufahren. Ich als Lehrjunge brauche zwischen den Feiertagen nicht arbeiten, Micha hat eh noch Resturlaub und wegen seiner Rippen auch noch nicht voll einsatzfähig.“

„Habt ihr schon eine Vorstellung, wo ihr hinfahrt?“

„Für Italien ist es zu kalt…“

„Italien?“

„Ja wir beide möchten nach Italien, aber ich denke, dass verschieben wir auf den Sommer.“

„Wie wäre es mit der Schweiz?“

„Was ist in der Schweiz?

„Ein Kollege hat mir dort sein Ferienhaus angeboten, da er selbst Dienst hat und da ich auch ein paar Tage in der Zeit arbeiten werde, könntet doch ihr dahin.“

„Hört sich interessant an…, muss aber erst mit Michael reden.“

„Okay, aber nun komm, deine Mutter wartet nicht gerne mit dem Essen.“

*-*-*

Sebastian

„Was möchtest du zu trinken?“, fragte mich Maria.

„Tee…“, lächelte ich.

„Wo bleiben die zwei denn“, fragte Dennis Mutter und lief in den Flur, „Ben… Dennis kommt ihr, dass essen wir kalt!“, rief sie die Treppe hinauf.

„Wir kommen!“, hörte ich Ben rufen.

Wenig später saßen wir alle vier bei Tisch.

„Lasst es euch schmecken!“, meinte Maria.

„Danke, dir auch“, meinte Ben und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Ich schaute zwischen den beiden hin und her.

„Ist etwas?“, wollte Dennis Vater wissen.

Ich schüttelte den Kopf.

„Es ist nur schön, euch zu zusehen, wie ihr miteinander umgeht.“

„Schön?“, fragte Dennis, „eher peinlich!“

Er fing an zu kichern.

„Ich will nicht wissen, wie oft du knutschend mit Micha im Zoo herumhängst“, kam es von Maria.

Nun kicherte ich auch.“

„Wie sehen deine Pläne aus für Weihnachten?“, fragte mich Ben.

„Weiß noch nicht so recht.“

„Willst du nicht nach Hause zu deinen Eltern fahren?“, wollte Maria wissen.

Wieder schüttelte ich den Kopf.

„Warum denn nicht, deine Eltern würden sich sicher freuen.“

„Klar würden die sich freuen, aber so wie es momentan dort im Ort zugeht, ist es wohl besser, dort fernzubleiben.“

Alle drei sahen mich etwas traurig an.

„Die Zeitungsberichte und anderen Medien haben nach dem letzten Vorfall, ordentlich Staub aufgewirbelt und hat den Ort in zwei Lager gespalten.“

„Zwei Lager?“, nahm Ben das Gespräch auf, „verstehe ich nicht, die Berichte waren doch eindeutig.“

„Einige von denen glauben eben immer noch nicht daran und meinen, dass Jipsi nur durch ein Missverständnis zu Tode gekommen ist.“

„Er wollte dich umbringen, was ist daran miss zu verstehen?“, regte sich Dennis auf.

Ich atmete tief durch.

„Es herrscht die Meinung, dass es genau anders herum war, weil ich mich rächen wollte.“

Dennis wollte etwas sagen, aber Ben fiel ihm ins Wort.

„Dennis, das hat keinen Sinn, sich darüber aufzuregen und ist für Sebastian auch nicht hilfreich… was hältst du davon, wenn wir deine Eltern über Weihnachten einladen?“

Er schaute zu Maria hinüber, die lächelnd nickte.

„Aber…, das geht doch nicht, ihr wollt doch sicher für euch feiern. Weihnachten ist doch das Fest der Familie.“

„Falls du es noch nicht gemerkt hast Sebastian, du gehörst hier zu dieser Familie“, meinte Dennis und klopfte mir leicht auf die Schulter.

„Also abgemacht, ich ruf gleich nach dem Essen an und regle alles“, sagte Ben und ich spürte, er erwartete keine Widerworte von mir.

*-*-*

Volker

Nach meinem Klingel wurde mir überraschenderweise von Lucca auf Krücken geöffnet.

„Hallo Volker…“, meinte er, drehte sich etwas und humpelte zurück in die Wohnung.

„Ähm… hallo“, sagte ich, schloss die Tür hinter mir, „solltest du nicht im Bett liegen und wo ist dein Vater?“

„Ich verzweifle noch im Bett und Dad ist auf der Toilette.“

Als wolle dies sein Vater unterstreichen, hörte ich die Spülung, während Lucca im Wohnzimmer verschwand. Die Tür zur Toilette öffnete sich und Rolf trat heraus.

„Hallo starker Mann, Feierabend für heute?“

Ich lächelte. Ohne etwas zu sagen, nahm ich ihn in den Arm und drückte ihn kräftig an mich.

„So eine Sehnsucht nach mir?“, brummte er mir ins Ohr.

„Ja!“

Er ließ mich los und grinste mich an.

„Hunger?“

„Noch nicht, aber wenn ihr essen wollt…“

„Lucca hat schon gegessen, nachdem er seine Tabletten genommen hat und ich hatte noch keinen Appetit.“

„Nanu, wieso das?“

„Ich hatte bis eben oben gesessen und gemalt, musste meine Gedanken frei kriegen“, antwortete er und zog mich Richtung Wohnzimmer.

„Ist etwas passiert?“

Lucca hat sich auf der Couch breit gemacht und sein gegipstes Bein lag auf den Tisch vor ihm. So ließ ich mich in einen der beiden Ohrensessel gleiten.

„Der Brief kam heute vom Anwalt…“

„Deinem?“

„Ja?“

„Und was schreibt er?“

„Ließ selbst“, sagte Rolf und reichte mit ein Blatt Papier.

*-*-*

Robert

„So, dies sind die Tickets und in dem Hotel wohnen wir!“

Adrian reichte mir eine Broschüre. Ich ließ mich auf meinem Sofa zurück fallen und begann darin zu blättern.

„Nobel, nobel das Teil!“, merkte ich an, „ist das denn nicht zu teuer?“

„Na! Du hast versprochen, über das Geld wird nicht geredet!“

„Ja, aber…“

„Nichts aber. Das hat sich Mum ausgedacht und du wirst doch nicht gegen meine Mutter rebellieren wollen?“

„Nein Adrian, aber ich habe ein schlechtes Gewissen.“

Adrian ließ sich neben mich fallen und kuschelte sich an mich.

„Durch dich hat die ihren Sohn wieder und ich… hätte nie diesen hinreisenden, bezaubernden Mann kennen gelernt!“

„Du oller Schmeichler!“

„Ich schmeichle nicht, ich sage nur die Wahrheit.“

Fett grinste ich ihn an.

„Dann muss ich das wohl glauben…, dass ich hinreisend bin und bezaubernd.“

„Boah, jetzt wird ja nicht eingebildet.“

Ich streckte ihm die Zunge heraus und lachte.

*-*-*

Volker

„Das versteh ich jetzt nicht recht“, meinte ich und ließ das Blatt sinken, nachdem ich es gelesen hatte.

Rolf lächelte.

„Das heißt, dass der Antrag auf alleiniges Erziehungsrecht meiner Frau abgelehnt wurde.“

„Echt jetzt?“

„Ja“, meinte Rolf und zauberte wie aus dem nichts drei Sektgläser hervor.

Ich wusste nicht recht, was ich sagen sollte.

„Ich habe mit meinem Anwalt telefoniert, nachdem ich das Schreiben vom Gericht erhalten hatte und er erzählte mir das Ausschlaggebende für den Richter war, dass meine Frau einen Termin bei Gericht absagte, weil sie sich in New York auf einer Shoppingtour aufhielt, anstatt sich um ihren so kranken Sohn zu kümmern.“

Ich konnte nicht anders und begann zu lachen, während Lucca sich äußerst schlecht aussehen ließ.

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