Die Familie – Teil 4

Kapitel I
Vor 4 Stunden kamen Simon und Max endlich nach hause, Max’ Eltern baten noch um einen kleinen Besuch ihres Sohnes, sie würden die nächsten 4 Wochen nicht daheim sein so das Max auch nicht die Pflicht hatte mal zu hause vorbei zu schauen.

Nun trafen auch endlich mal die Möbel ein die sie am Vormittag gekauft hatten und sie wurden auch gleich in der Position wie Simon sich das vorstellte aufgestellt. Allerdings wirkte das alles noch sehr kahl ohne eine Note Persönlichkeit aber die würde Kevin selbst einbringen ist ja logisch. Zu guter Letzt, hängte Simon noch die Poster in den Bilderrahmen auf die er gekauft hatte und sie machten sich wirklich gut. Wobei er eins für sich behalten hatte, einen wirklich unanständig schönen Jungen, ein schwarz-weiß bild und Simon gefiel es auf Anhieb auch wenn er sich erst nicht traute es zu kaufen und dann noch aufzuhängen.

Irgendwas hatte Simon dann aber doch vergessen nur wusste er nicht mehr was es war, im Geiste ging er alle Möglichkeiten durch aber er kam einfach nicht drauf, bis er endlich wenigstens den Anhaltspunkt hatte das er jemanden anrufen wollte, dann erinnerte er sich an den gesamten Tagesablauf und schlussendlich kam er auf das vergessene. Er wollte ja noch im Heim anrufen und das mit Kevin und seinen Sebi klar machen. Erst mal musste er dazu seinen Vater anrufen um die Nummer des Heims zu erfahren und das auch noch ohne große Erklärungen abzuliefern.

„Dad?”

„Nein, Schatz, ich bin’s Mum, was gibt’s denn das du auf Handy anrufst? Geht mit dem Zimmer alles klar?”

„Ja, das Zimmer ist größtenteils fertig, ihr könntet Kevs persönliche Sachen mitbringen, wenn er nix dagegen hat natürlich nur.”

„Ja, das denk ich kommt klar. Gibt’s sonst noch was?”

„Ja, jetzt wo du fragst. Ich bräuchte die Nummer des Heims aus dem Kevin zu uns kommt.”

„Oh, warum brauchst du die denn?”

„Na ja da gibt es ein kleines Problem, das kann dir Dad alles in Ruhe erklären.”

„Na gut dann vertrau ich dir mal, sie liegt in Dad’s Büro auf dem Schreibtisch.”

„Ok, danke. Und wann können wir mit euch rechnen?”

„Wir werden wieder sehr spät kommen, gönnt euch was und ihr braucht nix zu essen über lassen. Wir werden hier essen!”

„Na gut, Mum dann sehen wir uns. Ich werde Morgen Früh noch ein paar kleine Sachen für Kevs Zimmer besorgen damit es nicht zu kahl aussieht und dann kann er kommen. Was sagen die Ärzte?”

„Er kann nach der Chefarztvisite wahrscheinlich schon aufstehen, leider ist die aber sehr spät dran weil der Chefarzt zu einem Notfall gerufen wurde und dann denk ich darf er auch bald nach hause!”

„Wunderbar, sag ihm ich kümmere mich um sein Problem.”

„Wird gemacht und ihr macht euch noch nen schönen Tag.”

„Machen wir, hab dich lieb.”

„Ich dich auch, bis morgen oder heute abend!”

„Bis denne.”

Die Beiden legten auf und Simon stürmte in das Büro seines Vaters wo er auch gleich die Nummer fand und so gleich wählte er die Nummer.

„Villa Kunterbunt, Simona Heinrich am Apparat.”

„ Ja, Frau Heinrich. Guten Tag, hier Spricht Simon Stephens. Ich hab da mal eine Frage bezüglich Kevin, der ja mein neuer Bruder werden soll.”

„Oh na das ist doch mal eine Freude, der neue Bruder von Kevin, ja was kann ich dir denn da beantworten?”

„Ja, das ist ganz einfach, ich möchte wissen was es mit dem besten Freund von Kevin auf sich hat, Sebi wenn ich mich recht entsinne. Warum haben die beiden von Ihrer Seite ein Umgangsverbot bekommen?”

„Ach so darum geht’s, ja das hätte ich mir ja auch denken können, also junger Mann das hat den Hintergrund das Sebastian, der beste Freund von Kevin, unserer Meinung nach überhaupt nicht in die Umgebung reingehört in die Kevin da kommt und da werden wir das Umgangsverbot auch nicht aufheben.”

„Könnten sie mir bitte einmal sagen was, diese Meinung rechtfertigt?”

„Das ist relativ einfach, Sebi ist zwar ein lieber Junge, hatte aber auch schon ziemlich grobe Konflikte über die wir nicht so einfach hinwegsehen können. Er war zwar noch nicht in Konflikt mit der Polizei aber das was er angestellt hat, reicht alle mal um ihm dieses Umgangsverbot auszusprechen. Es geht uns dabei um Kevins Wohlergehen das werden sie doch wohl verstehen?”

„Es tut mir leid, sie enttäuschen zu müssen aber ich bin ganz und gar nicht ihrer Meinung im Gegenteil sogar. Kevin ist Todunglücklich weil sie ihm den besten Freund nehmen und ich kann ihn verstehen, wenn ich meinen besten Freund verlieren würde. Ich glaube nicht das ich das heil überstehen würde.”

„Ich habe auch nie geglaubt das es für einen der beiden leicht werden würde, auch Sebi sitzt ununterbrochen in seinem Zimmer. Er hat schon seit drei Tagen nichts mehr gegessen von anderen Sachen mal ganz abgesehen. Er macht wirklich nichts mehr, er weint ununterbrochen in seinem Zimmer und hört einfach nicht auf, aber ich muss da hart bleiben, ich kann das was die beiden verbindet nicht tolerieren.”

Simon stutze doch etwas arg als er dies gehört hat.

„Was verbindet die beiden denn?”

„Na ja, es ist etwas brisant, wie haben die beiden bei der Gegenseitigen Selbstbefriedigung erwischt und na ja so was können wir natürlich nicht dulden in unserer Anstalt, solche wiedernatürlichen Neigungen sind bei uns absolut nicht gern gesehen, das werden sie doch sicher verstehen?”

Simon lässt mittlerweile ein Tonband mitlaufen und hat den Lautsprecher eingestellt.

„Es tut mir ja ernsthaft leid aber ich kann ihre Haltung nun wirklich nicht nachvollziehen und ich möchte das sie dieses Umgangsverbot augenblicklich aufheben. Bevor sie antworten, ich habe dieses Gespräch auf einen Tonband aufgenommen. Ich werde dieses Tonband meinem Vater übergeben der wird da schon wissen was er damit zu machen hat und es kommt auf ihre Entscheidung an was passiert.”

Simon war wirklich sauer über den Verlauf des Gesprächs und es war gewiss nicht seine Art andere Leute zu bestechen aber das hier war nun wirklich nicht die Art von Konversation die er gewöhnt war. Er wünschte sich doch nur das die beiden Freunde Umgang haben dürften, warum auch nicht? Gegenseitige Selbstbefriedigung ist doch nun wirklich noch kein definitives Anzeichen für einen schwulen Teenager.

Simon hörte das es am anderen Ende der Leitung ziemlich Arbeitete um eine Entscheidung zu treffen und Simon wollte noch eins oben drauf setzen.

„Im Übrigen ist eine offene Beleidigung ob am Telefon oder im Realen, eine Straftat und wenn ich das so sagen darf. Ich bin schwul und sie haben mich gerade als wiedernatürlich bezeichnet.”

Nun hörte Simon ein schnaufen. Die Stimme der Netten Dame hatte sich ganz rapide geändert.

„Ich habs doch gewusst, wie hätte das auch anders sein können. Ich möchte euch PACK niemals in meinem Haus sehen. Umgangsverbot ist aufgehoben.”

Damit knallte sie den Telefonhörer auf die Gabel. Simon war nicht verwundert darüber aber er hatte ja noch die gute Tonbandaufnahme als er plötzlich las:

Heimleiterin: Frau Abel Tel.: xxxxxxxx
Sozialbetreuerin: Frau Heinrich Tel.: xxxxxxxx

Simon machte Luftsprünge und dachte sich wohl: ‘Mal sehen was Frau Abel dazu sagt’.

Kapitel II

„Villa Kunterbunt, Kirstin Abel am Hörer!”

„Hallo Frau Abel, hier spricht Simon Stephen.”

„Ja, der neue Bruder von Kevin, was kann ich denn für dich tun?”

„Ja, ich habe da ein kleines Problem.”

„Nur raus mit der Sprache, hat Kevin was angestellt?”

„Nein, im Gegenteil.”

„Nun dann musst du mir aber sagen was los ist, sonst kann ich dir nicht helfen!”

„Ja, also ich habe gerade mit Frau Heinrich telefoniert und diese Dame hat mich mehr als wüst beschimpft, außerdem Kevin und Sebastian seinen besten Freund.”

Simon erklärte der guten Frau Abel alles und spielte ihr auch das Tonband vor auf der sie einwandfrei die Stimme von Frau Heinrich identifizieren konnte.

„Sehen sie, Frau Abel. Ich möchte nur das mein neuer Bruder auch glücklich wird und da ist es nun mal wichtig das er den Kontakt zu seinen besten Freund halten kann oder meinen sie nicht?”

„Ja selbstverständlich, also das Umgangsverbot, von dem ich sowieso nichts wusste, ist ab sofort aufgehoben und um Frau Heinrich kümmere ich mich persönlich.”

„Ich danke, ihnen aber ich bitte sie auch das sie Sebi noch nichts davon sagen ich möchte ihn überraschen.”

„Kein Problem, dann werden wir wohl bald besuch bekommen!”

„Ja, sobald Kevin aus dem Krankenhaus ist.”

„Ist in Ordnung, aber bitte ruf vorher noch mal an.”

„Gar kein Problem, auf wiederhören wir müssen hier noch ein bisschen was machen bevor Kevin aus dem Krankenhaus kommt und nochmals danke.”

„Auf wiederhören und keine Ursache.”

Simon grinste in sich hinein und war ‘ultrahappy’ und seine Anspannung die er die ganze zeit hatte, war auch verflogen. Er mochte das telefonieren nämlich ganz und gar nicht, aber nun musste er noch einen Anruf tätigen. Er wählte die Nummer und es meldete sich sofort jemand.

„Uniklinikum, mit wem darf ich Verbinden?”

„Ja Guten Tag, ich möchte gern mit dem Zimmer von Kevin … , oh Gott ich weiß seinen Nachnamen nicht einmal.”
Da fiel Simons Blick auf den Zettel zurück und er dankte seinen Vater im Geiste für dessen gründliche Arbeitsweise gerade wenn es um das aufschreiben von Notizen ging.

„Ach doch da hab ich ihn ja, Kevin Bieder. Also ich möchte mit dem Zimmer von Kevin Bieder verbunden werden.”

„Das ist gar kein Problem, einen Augenblick bitte . . .”

Simon wartete als er plötzlich eine vertraute Stimme hörte.

„Stephens bei Bieder.”

„Dad?”

„Simon, was gibt’s denn?”

„Gibst du mir bitte mal Kevin?”

„Ja klar warte einen Augenblick.”

„Simon?”

Kevin klang irgendwie sehr schüchtern, na ja das konnte man ihm ja noch abgewöhnen.

„Jupps, hi Kev, wie geht’s dir?”

„Ja, geht schon besser und dir?”

„Seit heute Morgen nicht, besser nicht schlechter.”

Die beiden konnten nicht sehen wie sie gegenseitig grinsten.

„Ja also Kevin, dein Umgangsverbot mit deinem Sebi ist aufgehoben von Frau Abel persönlich.”

„Von Kirstin? Ich dachte das kann nur die Heinrich!?!”

„Ja das dachtest du aber da die Heinrich seit heute wohl nicht mehr in der Villa arbeitet.”

„Was? Wie hast du das denn geschafft? Die hat uns die ganze zeit schikaniert aber uns hat nie jemand zu Kirstin durchgelassen!”

„Tja, das hat dein großer Bruder für dich geregelt!”

„Und Sebi, was sagt der?”

„Hehe der sagt noch nix dazu, weil er’s noch nicht weiß ich dacht mir wir überraschen ihn gemeinsam, was meinst du?”

„Simon’?”

„Ja?”

„Ich kenn dich praktisch noch gar nicht und du tust schon so was für mich, Danke!”

Man konnte hören das er schluchzte obwohl Kevin sich die größte Mühe gab es nicht hören zu lassen so weinte er doch vor Freude.

„Dazu sind doch große Brüder da.”

„Ich hatte bisher noch keinen abgesehen von Sebi, aber der ist na ja nicht so ganz . . .!”

„Ähm, Stopp, Kev ich hab da noch eine Frage. Du brauchst dich nicht zu schämen oder Angst zu haben aber ich möchte eine definitive Antwort auf diese Fragen haben, ok?”

„Ähm, ja ok!?!”

„Also, Kev, bist du schwul?”

„Oh, darum geht’s. Nun ich bin bi, denke ich zumindest, ist das ok für dich?”

„Falls dir unsere Eltern noch nichts gesagt haben, ich bin schwul!”

„Ach gut dann haben wir wohl keine Probleme mit uns.”

„Und ist Sebi, dein Boyfriend?”

„Na ja, nein, ich hab zwar meine ersten Erfahrungen gemacht mit ihm aber er ist doch nur mein bester Freund auch wenn gelegentliche Aktionen nicht ausblieben.”

„Gut, mehr wollt ich nicht wissen. Übrigens auf dich wartet ein eingerichtetes Zimmer neben meinem und ich wollte noch fragen ob es etwas gibt was du absolut in deinem Zimmer haben willst. Eine bestimmte Deko oder so?”

„Na ja ich stehe wahnsinnig auf Lavalampen und halt alles was etwas Farbe reinbringt ins triste Alltagsleben.”

„Na gut, das war’s schon und siehst du ich hab dir doch gesagt ich löse dein kleines Problem. Nun nicht mehr weinen und ich möchte das du zu uns kommst also gibt’s da auch keine wiederrede mehr oder?”

„Nein, definitiv nicht. So einen lieben Bruder wollte ich immer haben.”

„Och nun hör aber auf ich werde schon ganz rot.”

„Steht dir bestimmt gut”, und dabei grinste Kevin so breit das ihm das schon eigentlich hätte weh tun müssen.

„Na gut Kleiner, ich werd hier mal langsam weitermachen und du erhol dich schön!”

„Oki, bis denne!”

„Bis denne!”

Es war nun 18 Uhr und Simon beschloss mit Max noch einmal los zu gehen, er wollte unbedingt noch mindestens drei Lavalampen besorgen. Max verstand zwar nur Bahnhof aber das war ja auch egal, reicht ja auch mal das nur Simon bescheid wusste.

Nach dem doch recht erfolgreichen Einkauf wo mehr als drei Lavalampen Mitkamen gingen die beiden noch zum Italiener Essen und Simon erzählte alles von Anfang bis ende, also von seinem Besuch bei Kevin bis hin zu seinem Telefonat mit Selbigen.
Max staunte nicht schlecht und war eigentlich nur darauf sauer, das Simon ihn nicht mitgenommen hatte, wurde aber schnell beschwichtigt.

Nach einem erfolgreichen Tag gingen die beiden nach hause und sofort ins bett und irgendwie gewöhnte sich Simon daran auf Max’ Brust und in seine Armen einzuschlafen.

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