Sep 20

Traumschiff – Teil 93

WG-Leben…..Klinik and more…..Winston…..die Ehre…..Flugplan…..Zoff

Ole, Sonntag, 08.08. abends, zwanzig Uhr im Wohnraum der WG, mit Sergej und Jerome, Paul und Rolf, Kevin und Wolfi und Mike

Für heute Abend um acht Uhr haben wir uns hier verabredet, um einige organisatorische Dinge zu besprechen, damit hier alles ordentlich abläuft und kein Streit wegen

irgendwelcher ungeregelten Dinge auf kommt. Ich habe mir dazu schon einige Gedanken gemacht und werde die jetzt mal vortragen. Bevor ich loslege, fragt Sergej, wer was trinken möchte und holt dann mit Mike die gewünschten Getränke aus dem Kühlschrank in der Küche, dort ist extra einer nur für Getränke.
Als alle versorgt sind, beginne ich mit meinen Vorschlägen. „Ich habe die verschiedenen Arbeiten wie folgt aufgeteilt“, beginne ich, „Da sind zunächst die Zimmer und die Bäder. Jedes Paar oder jeder Einzelnutzer sind oder ist für seinen persönlichen Bereich selber zuständig, was sauber machen und sauber halten an geht. Dazu benötigtes Gerät steht in ausreichendem Maß im Raum hinter der Küche, da wo auch die Heizanlage steht und die zwei Waschmaschinen und die zwei Trockner.“
Je eine der Maschinen ist ein professionelles Gerät mit zwölf Kilo Fassungsvermögen und je eines ein haushaltsübliches Gerät mit sechs Kilo Kapazität. Dort ist auch ein Regal mit diversen Reinigungsmitteln, Waschmitteln und sonstigem Zeugs, das man so im Haushalt braucht.
„Wer bei der Wahl der Reinigungs- oder Waschmittel nicht weiß, was wo eingesetzt wird“, fahre ich fort, „der fragt mich und liest bitte die Anweisungen auf den Produkten. Dort im Raum stehen sechs farbige Wäscheboxen für gebrauchte Wäsche mit Beschriftung, welche Wäsche in welche Box kommt.
In jedem Wäschestück steht auf einem eingenähten Schild, wie es zu waschen und zu trocknen ist. Was die Zeichen darauf bedeuten, habe ich auf einer Art Plakat an die Wand über den Boxen an die Wand gepinnt. Die Farben der Boxen sollen das Sortieren der Wäsche erleichtern. Am jetzt kommenden Samstag, morgens um zehn, werden wir zusammen die ersten beiden Maschinen waschen, damit jeder lernt, wie es funktioniert. Danach werden wir uns mit dem Waschen abwechseln, jede Woche ein anderes Pärchen.
Wer seine Wäsche nach wie vor im Hotel Mama abgibt“, sage ich grinsend, „ist natürlich auch nicht an der Reihe mit Waschen, es sei denn, die Bettwäsche muss gewaschen werden.
Jedes Zimmer hat drei Komplettgarnituren Bettwäsche und wir müssen festlegen, ob wir jede Woche frisch beziehen wollen oder alle zwei Wochen. Darüber können wir gerade abstimmen.“ Ich bin echt gespannt, ob das klappt.
Mike meint: „ Man sollte dann beim Poppen schon mal ein Handtuch unterlegen und nicht einfach in die Laken spritzen.“ Nach kurzer Lachpause, Kevin und Rolf, auch Pauls Gesicht haben etwas Farbe bekommen, fahre ich fort.
„Meine Mama kommt am Samstag um zehn Uhr und zeigt uns noch den ein oder anderen Trick, die gemeinsame Haushaltsführung zu erleichtern“, sage ich, „wer bis dahin Fragen hat, der kann sie gern fragen. Auch sonst können wir sie jederzeit anrufen, wenn was unklar ist. Sie hat sich auch angeboten, einen Kochkurs für ein paar einfache Nudelgerichte mit uns zu machen, wir sollen ihr dazu nur die Termine sagen, an denen wir das dann machen wollen.“
„An was man da alles denken muss“, sagt Mike, „zu Hause macht das die Mama und man denkt überhaupt nicht darüber nach, was da so alles zu machen ist, damit es wohnlich und sauber ist.“ Wir einigen uns zunächst mal auf zweiwöchigen Wechsel, weil wir ja doch alle regelmäßig Duschen und viel schwimmen gehen, dürfte es reichen.
Notwendiges Waschen außer der Reihe, dafür ist jeder selbst zuständig, das sollte aber die Ausnahme sein.
So geht es weiter den ganzen Abend und nicht nur Jerome guckt teils genervt, aber wenn wir nicht im Grundsatz festlegen, was wie läuft, gibt es bestimmt irgendwann Ärger und Streit. Das will natürlich auch eigentlich keiner und so machen wir fast bis halb Elf, bis alles so weit geklärt ist.
Ich werde das in einer Art Hausordnung schreiben und für jedes Zimmer eine ausdrucken, so zum Reinschauen ab und zu.
Ein Bier zum Abschluss trinken wir zusammen und vereinbaren, uns zunächst zwei Mal die Woche Abends, Montag und Donnerstag, kurz zusammen zu setzen und über eventuelle Probleme, Unzufriedenheiten und so was zu reden, damit keine unangenehmen Dinge auf die lange Bank geschoben werden und so zu echten Problemen werden.
Da alle an einem Funktionieren der WG interessiert sind, denke ich, dass es auf längere Sicht auch klappt mit uns und der Spruch „Einer für Alle, Alle für Einen“ wird einstimmig zu unserem Wahlspruch erkoren.
Nun wird es langsam Zeit, schlafen zu gehen, Frank und ich sind für das Frühstück morgen verantwortlich und da heißt es, bereits um halb sieben auf stehen. Rolf, der hier bei Paul schläft und auch Kevin, beide müssen zur Arbeit und sind die ersten, die fortfahren. Rolf nimmt Kevin auf dem Roller mit bis zum Hilton, Wolfi, der ihn sonst fährt, hat dann etwas mehr Zeit und wir fahren dann alle mit zwei Autos zur Uni. Fahrräder haben noch nicht alle hier, Frank muss sein Rad aus Nordenham holen, Jerome hat tatsächlich für Sergej und sich ein Tandem bestellt und Wolfi will sich und Kevin in der kommenden Woche auch ein Rad kaufen, wobei Kevin dann zum Hotel, genau wie wir zur Uni, knapp zwei Kilometer fahren müssen und wir bei gutem Wetter ohne Auto auskommen werden.
Wolfi wird, wenn die Räume unten hinter Rufus Weidens Bereich umgebaut sind, sein Fotolabor und seine Werkstatt zum Aufziehen oder Einrahmen der Bilder unten machen, so dass er nicht für die Bilder immer zu seinen Eltern muss.
In den dritten Raum will Jerome einen Fitnessraum für uns einrichten, was allgemeine Zustimmung erhält. Es ist alles in allem dann schon eine komfortable Ausnahme-WG mit vielen tollen Möglichkeiten und ich glaube, dass sich alle bemühen, es gut werden zu lassen. Die Versammlung löst sich auf und bald kehrt Ruhe ein in den Räumen, morgen Früh geht es bei Zeiten weiter. Es hat eigentlich ganz gut angefangen, denke ich, als ich mich mit dem Po an meinen Frank schiebe, der schon fast weg gepennt ist und irgendwas unverständliche nuschelt. Ich liebe ihn sehr, meinen Schatz und mit einem tollen Gefühl im Bauch schlafe ich ein.

Jerome, Sonntag, 08.08. Abends um dreiundzwanzig Uhr im Bett in der WG.

Oh Mann, schon wieder ein Abend ohne Sex, gut das wir morgens immer zusammen duschen und uns dabei froh machen, das ist ja schon über eine Woche her, das wir richtig geil gepoppt haben, wir sind schon fast auf Entzug. Jetzt, in der vergangenen Woche war alles zu stressig, hier bei uns, bis es jetzt so langsam anfängt, rund zu laufen. Auf der Uni war es auch stressig, so lang, bis man mal weiß, wo alles ist und wie es abläuft über Tag.
Dann, an den Nachmittagen kamen viele Freunde zu Besuch, auch Familie, dann hat hier was gefehlt und wie geht das mit der Kaffeemaschine oder dem Herd und dies und jenes, immer war etwas und der Sex kam einfach zu kurz bei allen hier.
Mit Oles Vortrag heute Abend und das erste gemeinsame Waschen von Kleidern am kommenden Samstag dürfte jetzt alles so weit geregelt sein. Rico will uns dann auch noch ein paar Mal im Kochen unterweisen, hat er gesagt und wenn er und Noah hier sind, will er uns auch öfter bekochen. Dabei können dann immer zwei von uns helfen und dabei was lernen.
Es wird schon klappen mit uns wenn sich jeder einbringt und das ganze „Drum her rum“ mit den tollen Zimmern, dem Superwohnraum, dem Pool und bald auch noch Fitnessraum, das dürfte Ansporn sein, für jeden, unser Objekt klappen zu lassen.
Sergej kommt aus dem Bad, krabbelt ins Bett und kuschelt sich an mich. „Gute Nacht mein Schatz“, sagt er an mein Ohr und dann: “Morgen wird gepoppt, egal was kommt, in der Badewanne, ist das klar?“ Seine Lippen legen sich auf meine und er küsst mich lang und zärtlich. „Zu Befehl, mein Schatz“, nuschle ich in den Kuss. Dann dreht er sich rum und schiebt seinen Po an meinen und schläft ein.
Ich hänge noch eine Weile meinen Gedanken nach, denke über Alex und seine Lage nach, er muss schon einiges verkraften, der Junge und das er jetzt bei uns wohnt und auch, dass er den Ralf hat, das ist gut und wird ihm letztendlich über diesen ganzen Scheiß mit seiner Familie hin weg helfen, hoffe ich. Mama wird sich bestimmt sehr um ihn kümmern und auch für professionelle Hilfe sorgen, denk ich. Die beste Therapie könnte jedoch Ralf sein, was wir alle sehr hoffen. Ralf könnte für Lex sein, was Wolfi für Kevin ist und ich glaube, dass Ralf das auch sein will.
Meine Gedanken wandern optimistisch zu Robin, der Morgen die Klinik nach der ersten, wohl erfolgreichen OP vorübergehend verlassen darf und zu den anderen dreien ins Haus zurück kehren wird bis zur zweiten OP. Dass es gut läuft, beruhigt mich sehr, oft habe ich mir in Gedanken ausgemalt, was wohl wäre, wenn er sterben würde. Mich schaudert bei dem Gedanken und bestimmt hätte ich mich schuldig gefühlt. Jetzt, wo es gut läuft, weiß ich, dass Natascha und ich alles richtig gemacht haben, in dem wir dem Kleinen geholfen haben.
Den Umbau des freien Raumes unten neben Rufus Firma habe ich Herrn Knauer bereits am Dienstag erteilt, ausgemessen ist schon alles und auch Wolfi haben wir zur Aufteilung der Räume befragt. Bis spätestens Mittwoch soll begonnen werden und es soll dann etwa vier Wochen dauern, bis es fertig ist.
Bei uns zu Hause in Bremerhaven hat der Bau des Außenpools schon begonnen, hat Mama am Telefon erzählt. Auch, dass Oma und Frieda am Freitag dieser Woche nach Hause zurück kehren, hat sie gesagt. Nach Fertigstellung des Pools will sie eine Poolparty machen für uns alle, hat sie auch gesagt und darauf freuen wir uns. Hoffentlich ist dann auch noch Badewetter, habe ich gesagt. Mama meinte, dass es sehr schnell voran geht mit den Arbeiten und das wir, wenn alles so weiterläuft, am ersten, spätestens aber am zweiten Septemberwochenende feiern könnten.
Es wird Zeit, zu schlafen, um acht Uhr zwanzig beginnt die erste Vorlesung und dort ein zunicken, macht keinen guten Eindruck. Gerade am Anfang des Semesters ist es gut, nicht negativ aufzufallen, sonst wird man für den Rest immer besonders beobachtet.

Chris, im Haus im NY, im Wohnraum mit Matze und Robin, Dienstagnachmittag, 10.08. halb drei.

Wir sitzen im Wohnraum und warten auf Winston, der heute um drei von seinem Vater gebracht wird. Robin ist ganz hibbelig, hat coole Kleider angezogen, sich dann dreimal umgezogen und fünfzehn Minuten vorm Spiegel verbracht, bis er seine Haare OK fand.
Gestern, am frühen Nachmittag, haben wir ihn mit dem Van abgeholt, nach dem er noch seine Reha-Übungen gemacht, zu Mittag gegessen und seine Infusion bekommen hatte.
Auch heute war er heute Morgen mit Alex hin, hat dort seine Infusion bekommen, seine Übungen gemacht und nach dem Essen die Mittagsinfusion, dann wurden Alex und er abgeholt und waren um zwei Uhr wieder hier bei uns.
Er sieht gut aus, die Gesichtsfarbe ist gut und nachdem er dann etwa neunzig Minuten geschlafen hat, war er auch ziemlich fit. Man merkt es schon sehr deutlich, dass sein Herz jetzt besser arbeitet. Er läuft allein, ohne fremde Hilfe und sogar die Treppe hat er alleine geschafft, ohne an zu halten. Matze und ich haben applaudiert.
Es ist so toll für mich, dass alles hautnah zu erleben, wie er sich verändert. Er hat jetzt schon vier Kilo zugenommen und ist zwei Zentimeter gewachsen und beim Duschen gestern Abend konnte man bei genauem hinsehen unter den Armen und über dem Penis den ersten dunklen Flaum erkennen.
Es scheint alles zu werden und das ich und Matze dabei sind, wie aus dem kleinen zerbrechlichen Bündel Mensch ein neuer, hübscher und gesunder Junge wird, das ist einfach unbeschreiblich schön. Schade, dass Mama das nicht selber her erleben darf. Täglich skypen wir, schicke ich ihr Bilder, erzähle ich ihr jede Kleinigkeit von Robin und erlebe dabei, wie sie mit uns fiebert, sich freut und glücklich ist, das alles so gut läuft.
Auch Alex hat oft Kontakt zu ihr, erklärt ihr immer, was gemacht wird und wie es weiter geht mit der Behandlung. Alex ist jetzt, in der Zeit, in der Robin hier im Haus ist bei uns, immer schon um zwei Uhr daheim und er steht wohl gerade unter der Dusche, macht sich frisch nach der Klinikarbeit.
Es gefällt ihm, mit Jason und den anderen zu arbeiten und auch zu lernen. Der Markus, der fehlt ihm schon, denk ich und wenn der nicht wäre, hat Alex gesagt, würde er vielleicht hier in den Staaten bleiben. Jason hat es ihm angeboten, sich dafür einzusetzen, dass er hier an der Klinik bleiben kann. Allerdings sind ihm der Markus und sein Umfeld in Bremen wichtiger und auf den Koch wird er nicht verzichten wollen, so gut kann kein Angebot mehr sein für ihn.
Matze sitzt neben mir und krault meinen Nacken, Robin läuft dauernd ans Fenster und schaut hinaus und dann, endlich, um zehn nach Drei, hält ein fremdes Auto vor der Einfahrt.
„Juhu“, ruft der Kleine und geht Richtung Türe. Schnell sind wir bei ihm, bremsen seinen Übermut und zwingen ihn, langsam die Treppe nach unten zu nehmen und erst unten lassen wir ihn dann los.
Mit für ihn schnellen Schritten geht er auf das Auto zu, aus dem jetzt auf der Beifahrerseite ein großgewachsener Boy aussteigt. Sein Teint ist wie Vollmilchschokolade und er sieht toll aus. Er lächelt, als er Robin entgegen geht und er breitet die Arme aus, schlingt sie um meinen Bruder, hebt ihn vorsichtig hoch und küsst ihn rechts und links auf die Wangen. Auf der Fahrerseite steigt nun das ältere Double aus, allerdings im Teint eher Zartbitter, ansonsten nicht weniger hübsch. Er geht um den Wagen rum und begrüßt unseren Kleinen nun ebenfalls und dann kommen alle drei auf uns zu. Robin zieht Winston an der Hand zu mir, stellt mich vor, dann Matze und schließlich Alex, der mittlerweile auch herunter gekommen ist. Wir bitten die Beiden, mit hoch zu kommen, aber Winstons Vater, der sich als Samuel, kurz Sam, vorgestellt hat, sagt, das er einen Termin hat in der Stadt bei einem Anwalt und in etwa vier Stunden wieder zurück kommt, um Winston dann ab zu holen.
Er verabschiedet sich, nicht ohne seinen Sohn zu ermahnen, sich gut zu benehmen und fährt dann los.
Robin schiebt Winston zur Treppe und wir folgen den beiden nach oben. Robin schafft die Treppe ohne fremde Hilfe und das ist schon toll und zeigt, dass sein Herz wohl schon nach der ersten OP viel effektiver arbeitet.
Zunächst sitzen wir im Wohnzimmer, ich hole mit Matze Getränke, wobei Alex für Robin kein Cola zulässt, das soll er einfach, wie in der Vergangenheit, nicht trinken, also gibt es für Robin Saft, für Matze, Alex und mich ein Budweiser und für Winston Coke.
Winston, den wir ja schon beim skypen des Öfteren gesehen haben, ist etwa einsachtzig groß, für einen fünfzehnjährigen schon ganz beachtlich, finde ich. Er hat auch breite Schultern, macht bestimmt viel Sport, ich tippe mal auf schwimmen und er sieht einfach toll aus, ein richtiger Schnuckel, denk ich so für mich.
Nach ein bisschen Small Talk nimmt Robin ihn bei der Hand, will ihm sein Zimmer zeigen und beide verschwinden darin.
Alex hatte Herrn Miller unten gebeten, für uns heute was zum Grillen mitzubringen und Matze und ich haben uns heute Morgen an die Herstellung eines Nudelsalats getraut und es ist sogar was geworden.
Ich geh zu Robins Zimmer, beide Jungs sitzen am Laptop und ich sage ihnen, das wir um halb sechs grillen wollen und das Matze, Alex und ich jetzt runter in den Pool wollen und ein bisschen vorbereiten für später.
Robin fragt Winston, ob sie auch in den Pool gehen sollen. Auf die Antwort, das er keine Badeshorts dabei hat, biete ich ihm eine von mir an und als er nickt, gehe ich meine Badehosen holen und lass ihn sich von den dreien eine aus suchen. Auch zwei große Badetücher für ihn und Robin habe ich mit gebracht und sage, dass sie nach dem Umziehen einfach runter kommen sollen.
In unserem Zimmer ziehen Matze und ich nun auch die Badehosen an und nach dem er einmal kurz an meiner Vorhaut gezogen hat, das macht er öfter mal, gehen wir mit Handtüchern und einer Kühltasche mit dem Fleisch und einer mit dem Salat nach unten. Alex bringt in einer dritten Kühltasche ein paar Budweiser, Cola und Saft mit nach unten.
Sechs Liegen stehen in Poolnähe und zwei große Sonnenschirme, ein Ball und ein paar Luftmatratzen sind auch da und auf einer festen Fläche steht ein guter Gasgrill und ein Tisch, um Sachen ab zu stellen, ist auch da.
Herr Miller kommt und bringt noch Grillbesteck und eine Box mit Geschirr und Besteck. Alex lädt ihn und seine Familie zum Grillen ein, er hat offensichtlich genug Fleisch und Wurst gekauft und wir, Matze und ich haben statt ein Pfund ein Kilo Nudeln gemacht, so dass auch der Salat für alle reichen wird.
Die zwei Jungs kommen jetzt in Badeshorts und jeder für sich sieht gut aus. Wir sagen, das Millers auch zum Grillen kommen, für beide ist das OK und sie gehen beide in den Pool.
Kurz drauf kommen dann die Millers, bringen Brot und, in einer weiteren Kühltasche Fisch mit, den Herr Miller geangelt und Frau Miller mariniert hat. Lachsforellen, filetiert und grill fertig gewürzt, Fisch also vom feinsten, das wäre was für Rico, denk ich.
Wir denken und reden öfter von unseren Freunden, die zwar weit weg, aber doch immer irgendwo präsent sind, anrufen, SMS schicken, mit uns skypen, uns das Gefühl geben, bei uns zu sein, zumindest in Gedanken, das ist alles so toll und wir sind froh und auch ein bisschen stolz, dazu zu gehören.
Die ältere der beiden Miller Töchter, sie ist vierzehn, hat eine tolle Figur, sieht gut aus und geht glatt für sechzehn durch. In ihrem knappen, roten Bikini ist sie eine Augenweide für alle, die auf Mädchen stehen und die zwei im Pool schauen ihr schon erwartungsvoll entgegen. Na, wenn das mal keine dicken Hosen gibt, bei Winston bestimmt, bei Robin weiß ich nicht, ob das schon was wird, wobei wenn ich an sein Verhältnis zu Boris denke, könnte man denken, das er auch eher auf Jungs steht. Aber bei ihm ist alles ehe noch offen und Winston, der schaut schon interessiert auf Mary Lou, so heißt die Hübsche, die auch die Jungs interessiert mustert, bevor sie mit einem eleganten Kopfsprung ins kühle Nass taucht.
Jennifer, die jüngere, auch bei ihr beginnt wohl schon, ein wenn auch kleiner Busen zu wachsen, springt ebenfalls ins Wasser und zwar so, das Robin einen Schwall ab bekommt und dann taucht sie neben dem Kleinen auf und fängt ein Gespräch mit ihm an. Es dauert nicht lang, da lachen sie miteinander und schwimmen mehrmals quer durch den Pool, der etwa zwölf auf sechs Meter misst und eins vierzig tief ist.
Mary Lou ist bei Winston angekommen und verwickelt diesen in ein Gespräch. Mister Miller und Alex sind ebenfalls im Zwiegespräch und Frau Miller ist offensichtlich noch mal ins Haus gegangen.
Matze und ich liegen nebeneinander auf zwei Liegen im Schatten eines Sonnenschirms und dösen ein wenig. Wir hatten eine sehr anstrengende Nacht, mein Schatz konnte nicht genug von mir kriegen und nach dem ich ihn das dritte Mal heftig genommen habe, gestand er mir, das er gestern vor genau drei Jahren zu Hause weg ist, nach dem sein bescheuerter Bruder ihn bei den Eltern geoutet und sie alle über ihn hergefallen sind.
Dann hat er, um drei Uhr Ortszeit, abgekämpft und Sperma verschmiert eine SMS an seine Tante und den Onkel geschickt mit dem Wortlaut: „Von meinem Schatz geliebt und sehr glücklich möchte ich euch heute, am dritten Jahrestag meiner Aufnahme bei euch, noch mal für alles danken, was ihr für mich getan habt. Ich habe euch ganz doll lieb und freue mich, in absehbarer Zeit wieder bei euch zu sein mit dem Mann an meiner Seite, dem mein Herz gehört für immer und ewig. Es wünscht euch alles Gute ein total glücklicher Matthias mit einem hoffentlich genau so glücklichen Chris.“
Bei mir, aber auch bei ihm, sind dann ein paar Tränen geflossen und wir haben uns ganz fest umarmt und sind dann erschöpft und nach Liebe duftend, irgendwann eingeschlafen. Heute Morgen haben wir dann das Bett neu bezogen, aber das ist doch wurscht, oder?
Wir lieben uns echt ganz doll, Worte können das nicht beschreiben, er ist alles für mich und er wird es immer sein dessen bin ich mir sicher und auch er kann sich meiner Liebe für immer sicher sein.
Alex schaut manchmal etwas wehmütig, wenn er uns betrachtet und letzte Woche hat er gesagt, das er mit seinem Partner ein ähnlich inniges Verhältnis hatte, wie wir es haben und er hofft, dass es mit Markus auch einmal so werden wird. Wir haben ihn dann in die Mitte genommen, ein bisschen aufgebaut und gesagt, das Markus bestimmt ein ganz Guter ist und beide sehr glücklich werden können.
Unser Leben, das des Chris Wegmanns und seines kleinen Bruders Robin ist durch unfassbar glückliche Umstände so dramatisch gut verändert worden und alles, restlos alles, hat sich zum Guten gewendet und alles nur, weil es Menschen gibt, denen unser Schicksal nicht gleichgültig war und ist. Das richtig zu begreifen, ist nicht so einfach, also mach ich es jetzt wie Robin, nehme es einfach an und bin glücklich. Ein Kuss von Matze rundet alles ab.
Bald darauf erreicht unsere Nasen der erste Duft von gebratenem Fisch und von Fleisch und das Wasser läuft im Mund zusammen. Es riecht toll und es dauert nicht mehr lang, bis wir wissen, dass es fantastisch schmeckt. Als es nun was zum Essen gibt, kommen auch die vier Wasserratten wieder aus dem Pool und gemeinsam lassen wir uns die guten Sachen schmecken. Unser Nudelsalat wird gelobt und das ist bei unserer Kocherfahrung ja dann schon mal was Erfreuliches. So vergeht der Nachmittag schnell und irgendwann, so kurz vor sieben, ist Winstons Vater plötzlich da. Wir überreden ihn, noch auf ein Steak und eine Cola zu bleiben und kurz vor acht heißt es dann wieder, wenn auch nur vorläufig, Abschied zu nehmen.
Sam, Winstons Dad, lädt uns ein, sie auch mal zu besuchen für einen Tag, Winston soll, wenn Sam mit seiner Frau gesprochen hat, Robin mit teilen, wann es bei Ihnen geht. Dann sollen wir schon am Vormittag zu ihnen kommen und den Tag dort verbringen.
Das werden wir dann auch tun und Robin freut sich ganz doll, dann zu sehen, wo und wie sein Freund lebt. Wir begleiten die Beiden noch zum Wagen, Robin winkt noch, bis der Wagen abbiegt und wir kehren wieder hinters Haus zurück, wo wir mit Millers noch fast zwei Stunden sitzen oder im Pool baden, weil es immer noch so schön Warm ist draußen.

Lex, Mittwoch, 11.08. zweiundzwanzig Uhr, in seinem Zimmer in Bremerhaven.

Vor zehn Minuten sind wir, Ralf und ich, aus der Stadt heim gekommen. Er hat mich von der Fahrschule, in die ich jetzt regelmäßig gehe, abgeholt. Die anderen Jungs, die auch in diese Fahrschule gehen, Ole, Noah und Enrico und neuerdings auch Kevin, die besuchen die Bremer Filiale der Fahrschule, so dass ich hier mit Micha, der sich auch angemeldet hat, in Bremerhaven zusammen den Unterricht besuche. Micha und auch sein Tom, die gehen mir gut ab, wir verstehen uns gut und wollen uns auch unter der Woche des Öfteren mal treffen.
Das darf auch bei uns hier, bei Remmers sein, hat Tante Lis gesagt. Da sie alle sowie so hier gut bekannt sind, dürfen sie auch weiterhin jederzeit kommen, auch wenn Jerome und Sergej jetzt überwiegend in Bremen sind.
Von Onkel Carl August weiß ich, dass mein Bruder sich wohl der Verhaftung entzogen hat. Irgend so ein Bundeswehrfuzzi muss ihn, nach dem Besuch der Kripo in der ehemaligen Bonner Dienststelle, wohl gewarnt haben. Da hat er sich wohl erst mal vom Acker gemacht und nun ist er zur Fahndung aus geschrieben. Hoffentlich finden sie das Schwein schnell, auf seiner jetzigen Dienststelle hat er Urlaub genommen, zu Hause wurde er aber auch nicht angetroffen und meine Eltern wissen angeblich nicht, wo er sich aufhält.
Mein Vater muss zur Kripo gesagt haben, das ein „von und zu Reventlov“ sich niemals an einer kleinen, unbedeutenden Schwuchtel die Finger schmutzig machen würde. Die Verdächtigungen seien absurd und er hat einen Anwalt mit der Wahrnehmung der Interessen meines Bruders beauftragt.
Ich habe dem Onkel gesagt, das er bestimmt bei der Berliner Verwandtschaft unter gekommen ist, da hat er ein paar etwa gleichaltrige Cousins, die ihn bestimmt auch verstecken, weil sie auch homophob und in der rechten Szene aktiv sind. Der Onkel hat das dann an seinen Freund bei der Kripo weitergegeben, mit den Einzelheiten, die ich über diese Brut weiß.
Jetzt wird man ihn wohl auch da suchen und ich denke, das sie ihn dort auch finden. Ich habe auch gesagt, das er früher und auch jetzt bestimmt eine Waffe hat, ob legal oder nicht, weiß ich nicht, aber das ist doch wichtig, zu wissen, nicht das er noch um sich schießt, wenn er keinen Ausweg mehr sieht.
Es ist nach wie vor schlimm für mich, zu wissen, das er Uwe auf dem Gewissen hat, ihn eiskalt überfahren und getötet hat, weil er mal vorher mein Freund war. Ein Freund, den ich geliebt habe und der mich geliebt hat und dieses Schwein hat ihn deswegen einfach umgebracht. Es ist und bleibt für mich unfassbar, das mein eigener Bruder so etwas Furchtbares tun konnte.
Zwei Arme umschlingen mich von hinten, sein wahnsinnig guter Geruch lullt mich ein. „Wieder so nachdenklich und verbittert, Alex? Komm mit, wir gehen duschen und dann massiere ich dich ein bisschen, damit du auf andere Gedanken kommst“, sagt Ralf leise an mein Ohr. Ich lehne mich an ihn, lass mich halten, er ist der Fels, an den ich mich klammere. Er fängt mich auf in dieser schweren Zeit, hält mich und gibt mir Kraft und plötzlich weiß ich, was ich will. Ich will ihn ganz, heute Abend will ich mit ihm eins werden, will ihn spüren, haben als meinen Schatz. Ich will nicht mehr warten, unsere Nähe soll mir Kraft geben und neuen Mut, Mut zum Leben, den Blick nach vorn in die Zukunft.
Ich will diese Scheißvergangenheit einfach hinter mir lassen, mit ihm.
„Wir gehen duschen und dann schlafe mit mir“, sage ich, nachdem ich mich zu ihm umgedreht habe, „ich will dich ganz, heute, will spüren, das du mich liebst, willst du das für mich tun?“
„Liebend gern, mein Schatz, ich freue mich so“, sagt er und küsst mich zärtlich. „Dann los, ab ins Bad“, sag ich und schiebe ihn Richtung Badezimmertüre. Viel schieben muss ich nicht, nein, eher werde ich gezogen. Die Aussicht auf mehr als nur Handsex unter der Dusche, wie in den letzten Tagen nach unserem ersten mal wichsen vor einer Woche und das sich dann täglich wiederholt hat, spornt ihn an und wir sind beide hart, als die Kleider fallen.
Seine Hände sind überall an mir, am Schwanz, dann am Po, an den Brustwarzen, wo jetzt auch seine Zunge fleißig spielt.
Er macht mich so wuschig, so geil, er ist einfach der Wahnsinn. Ich stöhne laut, winde mich unter seinen Händen und sage gepresst: „Genug, Duschen, sofort und dann ab aufs Bett, los, mach.“
Er schäumt mich ein und dann sich, ohne uns weiter zu stimulieren. Abspülen, Abtrocknen und dann trägt er mich zum Bett und legt mich aufs Laken. Ich bin durchaus nicht nur Bottom, nein, ich ficke auch gern einen strammen Po, nicht aber heute. Heute will ich unten liegen, ihn aufnehmen und spüren, will gefickt werden und das sage ich auch so.
Seine Augen leuchten und er fängt an, mich zu reizen, obwohl ich eh schon total scharf bin.
Er lutscht meinen Schwanz, nach dem er die Vorhaut nach hinten geschoben hat. Die schon fleißig austretenden Tropfen meiner Vorfreude lutscht er genüsslich an und lässt mich durch einen zärtlichen Kuss daran teilnehmen.
Seine Finger beginnen, an meiner Knospe zu spielen. Der Finger, in den Vorsaft meiner Eichel getunkt, dringt langsam und schmerzlos ein und findet sehr schnell meine fleißig sabbernde Drüse und reibt sie zart und gefühlvoll. Ich stöhne laut, kann kaum still halten „Fick mich jetzt, bitte, Ralf“, sag ich gepresst zu ihm.
Er hat jetzt ein Kondom, rollt es über seinen, leicht nach oben gebogenen, schönen und großen Schwanz, den ich nach her unbedingt mal schmecken will. Gel macht er drauf und an meinen Eingang, in den er nun erst zwei und dann drei Finger schiebt und den Muskel weitet.
„Komm, mach jetzt“, fordere ich und dann spüre ich die Spitze, da wo ich sie haben will. Ich drücke mich ihm entgegen und er gleitet, unter leichtem Ziehen immer tiefer hinein in mich, bis sein haarloser Bauch an meinem Po anliegt.
Drin ist er, jetzt nur noch bewegen und damit fange ich an, bis er meine Hüften festhält, die Regie wieder übernimmt und mich jetzt rhythmisch zu stoßen beginnt.
Wie ich das so oft vermisst habe, das Gefühl, ausgefüllt zu sein und vor Geilheit zu brennen.
Uwe fällt mir ein und ein paar Tränen fließen bei mir, obwohl die Lust ständig größer wird. Und Uwe lächelt mich an, streckt den Daumen hoch und dann, in diesem Moment, rast es über mich hinweg und Uwes Bild verschwindet in dem gewaltigen Orgasmus, der wohl auch Ralf über den Rand geschubst hat, denn er liegt jetzt auf mir und schnauft. Sooooo gut, man.
Es dauert ein bisschen, bis wir wieder klar denken können und dann küssen wir erst mal ein bisschen, bevor der Mund wieder zum sprechen gebraucht wird. „Willst du auch?“, fragt er und auf meinen fragenden Blick sagt er: „Ficken, du mich?“
„Morgen, mein Schatz, morgen gerne“, sag ich, „jetzt bin ich gerade seit langem mal wieder glücklich, im Reinen mit mir und mit Uwe. Jetzt machen wir uns sauber und dann will ich, an dich gekuschelt, einschlafen. Erste Stunde morgen ist Mathe und da sollte ich wach sein.“
Wir gehen noch kurz ins Bad, dann wird gepennt, zufrieden oder besser gesagt, befriedigt, seit langer Zeit mal wieder, mit einem tollen Mann zum Freund und frei, hier im tollen Bremerhaven. Ich glaube, jetzt bin ich angekommen, auch mit dem Herzen und zufrieden schlafen wir ein.

Lis, Donnerstag, 12.08. 10:00 Uhr, in der Küche zu Hause.

Heute früh habe ich für alle im Haus, außer Oma und Frieda, die so früh noch schlafen, das Frühstück und Brote zum mit nehmen gemacht, Frau Gut ist krank. Sigrid hat gestern noch spät angerufen und gesagt, das sie nicht kommen kann. Es ist nichts Schlimmes, Magen und Darm, aber da es meist ansteckend ist und auch, weil es ihr schlecht geht, soll sie es zu Hause auskurieren.
Paolo, Alex, Ralf und auch Carl August und natürlich unsere verliebte Tochter saßen alle um sieben Uhr am Tisch in der Küche, bekamen Kaffee und Brötchen, die Frau Jensen heute morgen mit gebracht hat, so wie sie es jeden Morgen tut.
Sie wollte dann hier für Frau Gut einspringen, aber ich habe sie hoch zur Oma geschickt, dort ist ja einiges zu tun, weil Oma und Frieda heute zurück kommen von Borkum und da wollte Frau Jensen auch noch einen Schwarzwälder backen für die beiden Damen. Kai ist mit dem Flugzeugmutterschiff, so heißt das neue Auto mittlerweile bei den Jungs, schon um halb zehn los gefahren, um die drei Kurlauber ab zu holen in Emden.
Das bisschen Frühstück kriegt die Freifrau schon alleine hin, hab ich lachend gesagt und hab losgelegt. Sogar Rührei habe ich gemacht und es hat sogar allen geschmeckt.
Alex und Ralf waren anders heute Morgen, irgendwie vertrauter gehen sie mit einander um, eigentlich schon liebevoll, würde ich sagen. Die Dämonen, die unseren Neffen bedrängen, scheinen langsam zu weichen, so wie es aussieht. Ich denke auch, das sie sich jetzt richtig nah gekommen sind und zum Wochenende werde ich beide mal fragen, ob für sie jetzt nicht doch ein Zimmer reicht.
Carl August trifft sich heute zum Essen mit Herbert, der seit zwei Tagen Hauptkommissar ist, bei Scarlotti. Es gibt wohl Neuigkeiten, die Herbert nicht am Telefon besprechen wollte.
Da Carl August aber heute Morgen mit dem Aufsichtsrat tagt, kann er Herbert erst am Mittag treffen.
Ulf geht auch mit zum Essen beim Schwiegervater seines Sohnes und sie fahren mit Ulfs Wagen dorthin und später auch wieder ins Büro. Das Ossobucco Milanese wird wohl zum Leibgericht bei Ulf und Carl August. Martin holt Carl August dann am späten Nachmittag mit dem Achter in Bremen ab,wenn er Feierabend macht, mein Mann.
Irene und ich, wir treffen uns um halb Eins in Bremen und gehen ins Hilton zum Essen, auch da kocht ja ein Scarlotti. Ralf fährt uns mit dem SUV hin und holt dann auf dem Rückweg Alex von der Schule ab. Ich gebe ihm dann Geld, sie können mit Natascha zu Mac Donalds in Bremerhaven fahren und dort was zu Mittag essen.
Martin holt mich dann um zwei im Hilton ab und nachdem wir Irene zu Hause abgesetzt haben, fahren wir noch kurz bei den Jungs in der WG vorbei, mal sehen, was da so abgeht. Bis jetzt haben sie ja offensichtlich alles hin bekommen, Hilferufe sind noch keine eingegangen, nicht bei mir und auch nicht bei Martin oder Frau Jensen. Ich werte das mal als gutes Zeichen und glaube fest daran, das es klappt mit unseren Jungs.
Hinter unserer Terrasse ist jetzt eine Baustelle, ein großes Loch wurde ausgebaggert, die Erde an einer Stelle weiter hinten zu einem Hügel aufgeschüttet, an dessen Fuß ein großer Teich angelegt wird, der dann vom Hügel runter mit einem Wasserlauf gespeist wird. Zwischen Pool und Teich sind dann etwa fünfunddreißig Meter Rasen, der als Liegefläche genutzt werden soll, wenn alles fertig ist.
Kleine Gräben für Leitungen und Kabel gehen von der Garage zum Pool und zum Hügel, wo eine Pumpe das Teichwasser auf den Hügel zum Wasserlauf pumpen soll. Das Ganze soll mit Sonnenenergie betrieben werden und nur über Tag bei Sonne laufen. So will es Carl August und Fische sollen dann auch in den Teich, der etwa hundertzehn Quadratmeter Wasserfläche bekommt und in der Mitte etwa einsfünfzig tief sein soll, damit die Fische überwintern können im tiefen Wasser.
Das wird bestimmt eine schön Anlage werden und die Jungs, zumindest im Sommer, bestimmt anlocken und Gelegenheiten für kleine Wochenendpartys werden uns schon einfallen, denk ich. Es sind ja auch keine riesigen Entfernungen zurück zu legen, eine gute halbe Stunde Fahrt, mehr ist es ja nicht und im Winter lockt ja dann auch noch die Sauna und das Schwimmbad.
Sergej und Jerome haben nur einen Teil ihrer Sachen mit genommen, weil drüben in den Zimmern auch nicht so viel Platz ist aber auch, um herkommen zu können, ohne eine Tasche voll Sachen mit bringen zu müssen, wenn sie hier übernachten wollen. Hier ist nach wie vor alles, was sie brauchen, vorhanden und es gibt mir das Gefühl, das sie nur kurz weg gefahren sind und bald wieder kommen.
Sie fehlen uns halt schon, die Jungs, daran muss ich mich erst mal gewöhnen. Wenn Natascha jetzt auch weg wäre und der Alex, dann würde ich wieder, zumindest Tage weise, in die Firma zum Arbeiten gehen, es wäre mir dann schon langweilig zu Hause. Mal sehen, ob es Carl August gefallen würde, halbtags, also Vormittags könnte ich ja eigentlich jetzt schon gehen, vielleicht drei Tage in der Woche. Mir würde es auf jeden Fall gefallen, noch mal als Übersetzerin in der Firma etwas zu tun. Oma werde ich natürlich auch fragen, was sie davon hält, ihre Meinung ist mir immer wichtig.
Noahs Oma sucht eine kleine Wohnung in Bremen, hat Irene am Telefon erzählt und Oma soll mal mit Hinnerks Dörte sprechen, ob die eventuell gerade so was frei haben, zwei Zimmer, Küche und Bad. Da ihr Mann sich weiterhin uneinsichtig zeigt, was Noahs Schwul sein anbelangt, will sie nicht zu ihm zurück kehren, auch wenn ihre anderen Kinder das unbedingt wollen. Bei Ulf und Irene will sie aber auch nicht wohnen bleiben, will frei und selbstständig sein, so lange es geht und da sie erst sechsundsechzig Jahre alt und gesund ist, dürfte das auch gut gehen, meint sie. Finanziell ist sie ja unabhängig dank kluger und weiser Voraussicht, so das auch aus dieser Sicht alles bestens ist.
Ich werde später, wenn sie zurück sind, hoch zu meiner Schwiegermutter gehen, ihr alles erzählen und ihr sagen, das sie Hinnerk oder besser gleich Dörte anrufen und ihr das mit der Wohnung erzählen soll, damit die dann mal recherchieren können, ob was passendes frei ist oder bald frei wird. Bei einem Gläschen Cremant, der liegt schon kalt, gibt es ja schon das ein oder andere zum Schnacken, wie die Bremer für ein Schwätzchen sagen.

Carl August, Donnerstag, 12.08. 17:30 im Achter mit Martin, auf dem Weg nach Hause.

Martin hatte ich für siebzehn Uhr in die Firma bestellt und zehn Minuten später sind wir dann los, Richtung Heimat. Martin, der mit Lis bei den Jungs in der WG war, hat gleich nach dem losfahren davon erzählt. Offensichtlich läuft alles ganz gut und die ersten, kleinen Startschwierigkeiten sind überwunden. Kevin, der mit Wolfi um kurz vor drei kam, hat sich über den Besuch sehr gefreut und Martin ins Ohr geflüstert, das er Anfangs ein bisschen Heimweh nach ihm und Kai, aber auch nach uns und dem Fiffi hat.
Martin hat in beruhigt, hat erzählt, das es dem Fiffi gut geht und das, wenn Natascha beim Unterricht ist, Ralf oder öfter noch Lis mit dem Hundchen raus geht. Alle mögen den Kleinen mittlerweile sehr und der Hund freut sich immer sehr, wenn er draußen laufen darf, egal, wer gerade mit ihm geht.
Nach der etwas nervigen Sitzung heute Morgen mit dem Aufsichtsrat, bin ich mit Ulf um halb eins zu Scarlotti gefahren, wo ich mit Herbert Rohleder um ein Uhr verabredet war. Was er uns berichtet hat, hat mich fast umgehauen.
Alexs Bruder, durch einen Bundeswehrkollegen gewarnt, das die Polizei ihn sucht und wohl auch von dem dubiosen belgischen Autohändler informiert, das der Schwindel mit dem Kaufvertrag auf geflogen ist, hatte sich von Koblenz aus abgesetzt in grobe Richtung Süddeutschland und wurde bundesweit zur Fahndung aus geschrieben. Beim Versuch, mit dem Flugzeug von München aus Deutschland zu verlassen, wurde er gestellt. Er hat sich, der Ausweglosigkeit seiner Situation bewusst, vor den Augen der Beamten der zur Festnahme erschienenen Bundespolizei selber in den Mund schossen. Der Notarzt konnte nur noch seinen Tod fest stellen. Damit ist der Fall dann wohl abgeschlossen, hat Herbert gemeint.
Auf diese Nachricht hin habe ich mir erst mal einen Whisky bestellt und dann zu Herbert gesagt, das ich das dem Alex selber erzählen werde. Darüber war er nicht unbedingt traurig und als er gegen vierzehn Uhr fünfzehn zurück zu seiner Dienststelle gefahren ist, habe ich die Rechnung bezahlt und bin sehr nachdenklich mit Ulf zurück in die Firma gefahren. Den ganzen Nachmittag habe ich überlegt, wie unser Neffe diesen erneuten Tiefschlag verdauen würde. Dem Jungen bleibt auch nichts erspart, mal sehen, wie er reagiert. Erst Martin, der mich abholen kam, hat mich aus meiner Grübelei befreit und unterwegs habe ich ihm erzählt, was geschehen ist.
Martin sagte darauf hin: „Chef, ich glaube, das diese Nachricht dem Jungen weit weniger ausmacht, als es die Nachricht vom Tod seines Freundes getan hat. Er wird sich, ähnlich wie Kevin nach dem Freitod Bergers, von allem Bösen, das er mit seinem Bruder verbindet, endgültig befreien können und ähnlich wie Kevin seinen Kai, sprich Wolfi gefunden hat, hat Alex jetzt den Ralf und die Liebe ist der beste Therapeut. Kevin geht es gut und auch Alex wird es bald wieder gut gehen, davon bin ich überzeugt.“
Ich hoffe, das Martin mit seiner Einschätzung recht behält, möglich ist das und bei Kevin hat es ja geklappt.
Jetzt sind wir zu Hause angekommen und die beste Frau dieser Welt, für mich ist sie das, öffnet mir die Türe, umarmt und küsst mich kurz und sagt: „Schön, das du da bist, mein Schatz.“ Auf die Frage, wie mein Tag war, sage ich, das ich ihr nach her davon berichten werde, zunächst werde ich den Alex und den Ralf in mein Arbeitszimmer bitten, Lis auch und bei einem Whisky den Jungen und die beiden anderen von der Lageentwicklung in Kenntnis setzen.
Lis bitte ich, die zwei zu holen und mit ihnen ins Arbeitszimmer zu kommen. Ich gehe vor dorthin und bereite vier Gläser mit meinem besten Seelentröster vor und warte dann auf die drei.
Offensichtlich findet Lis die zwei nicht gleich oder es gibt andere Gründe für eine Verzögerung, denn es dauert fast fünfzehn Minuten, bis Lis mit den beiden Jungs kommt.
„Sie waren mit dem Hund im Park, ziemlich weit unten, noch hinter dem Baumhaus“, erklärt Lis die Verzögerung mit einem verwunderten Blick auf die gefüllten Whiskygläser.
Auch Ralf und Alex gucken etwas erstaunt zu dem seltenen Getränk.
„Setzt Euch bitte mal alle her“, sage ich und warte, bis jeder seinen Platz vor einem der Gläser eingenommen hat. Erwartungsvolle Augen sehen mich an, ich nehme aber zuerst das Glas und sage: „Lasst uns erst einmal von dem guten Tropfen probieren“, und hebe mein Glas und stecke die Nase hinein, genieße diese unvergleichliche Fülle des Duftes und trinke dann ein wenig von dem guten Zeugs. Die Jungs machen es nach und Erstaunen lese ich in ihren Blicken, als der Whisky ihren Gaumen und die Zunge benetzt. Lis kennt diesen unvergleichlichen Geschmack ja bereits und ist deshalb auch nicht überrascht. „Wow“, sagt Alex, „was ist das denn, das schmeckt ja irre.“
„Whisky“, sag ich, „einer von der besseren Sorte, für besondere Anlässe. Der Tropfen ist allerdings um vieles besser, als die Nachrichten, die es im Fall Uwe Behrens gibt. Der Fall wird wohl jetzt zum Abschluss gebracht. Es sind Ereignisse eingetreten, die eine Verhaftung und Bestrafung des Täters unmöglich machen.“
Große Augen sehen mich an, fragend und auch verständnislos.
„Da dein Bruder durch einen früheren Vorgesetzten in Bonn davon wusste, das wieder gegen ihn ermittelt wird und wohl auch nach Erkenntnissen der Kripo der dubiose Autohändler aus Belgien in angerufen und vom geplatzten Kaufvertrag berichtet hat, wusste er wohl, das er jetzt verhaftet würde und so hat er sich nach Süddeutschland abgesetzt. Beim Versuch, von München aus mit dem Flugzeug das Land zu verlassen, wurde er, da er bereits auf der Fahndungsliste stand, erkannt und von der Bundespolizei gestellt. In der für ihn ausweglosen Situation hat er eine Waffe gezogen und sich in den Mund geschossen. Er war sofort tot.“
„Oh Gott“, kommt es von Lis, während Alex mich zunächst nur anstarrt. Dann beginnt er zu grinsen, unkontrolliert, er schüttelt den Kopf: „Die Ehre, die verdammte Ehre treibt solch seltsame Blüten“, sagt er leise, „keine Verhaftung, keine Verhandlung, kein Wirbel um den Namen in der Presse….tot, aber die Ehre des Namens so gut es ging, rein gehalten. Krank sind die und er besonders und nein, ich werde nicht zu seiner Beisetzung fahren, nie wieder will ich was mit denen zu tun haben und ich werde versuchen, den Namen abzulegen, für immer. Uwe kann nun in Frieden ruhen, der Mörder ist tot, für mich die beste Lösung. Der Gedanke, ihm noch einmal zu begegnen, wäre wohl immer in meinem Kopf gewesen. Nun bin ich frei.“
Längst hat er Ralfs Hand ergriffen, mit der anderen greift er jetzt zum Glas. „Möge er in der Hölle schmoren und Uwe seinen Frieden haben“, sagt er und trinkt das Glas leer. Wir anderen trinken ebenfalls aus und dann sagt Alex: „Ich gehe mit Ralf und dem Hundchen noch ein bisschen durch den Park, es wird mich beruhigen. Außerdem will ich Uwes Eltern benachrichtigen, ich hoffe, das auch sie dann wieder ruhiger schlafen können. Danke, bis später.“
„Wir essen in einer Stunde“, sagt Lis. „OK, dann sind wir da“, sagt Ralf und dann gehen die zwei Hand in Hand raus, wohl zuerst runter zu Martin, den Fiffi holen.“Ich könnte noch einen Whisky vertragen“, sagt Lis und dann schenk ich uns beiden einfach mal nach. Sie streicht mir durchs Haar, gibt mir einen Kuss und still nebeneinander sitzend, genießen wir das edle Gesöff, das unseren Bauch wärmt und die Nerven streichelt, bis wir wieder unsere Gelassenheit wiedergefunden haben. „Er wird jetzt alles besser verarbeiten, der Junge“, durchbricht sie unser Schweigen. „Das hat Martin auch gemeint“, sag ich. „Ralf und Alex sind sich wohl nun auch näher gekommen“, sagt Lis, „auch das wird unserem Neffen sehr helfen. Wollen wir es Jerome und den anderen sagen oder wollen wir das Alex überlassen?“
„Ich werde es Ole sagen, der kann dann den anderen in groben Zügen berichten, was geschehen ist. Sie sollen den Jungen aber nicht darauf ansprechen, er wird schon von sich aus darüber reden, wenn er soweit ist.“ So verbleiben wir und Lis sagt, das sie jetzt das Abendbrot zubereiten will.
Als wir ins Esszimmer kommen, stehen drei Platten mit fertigen Schnittchen auf dem Tisch, diverse Getränke und Oma und Frieda sitzen auf der Couch, grinsen und trinken Cremant.
„Wir haben mit Frau Jensen mal was zum Abendbrot gemacht, ich hoffe, das ist OK“, sagt Oma. „Und wie OK das ist“, sagt Lis und wir setzen uns zu den Beiden und ich erzähle ihnen, was Herbert mir mitgeteilt hat. Sollten die zwei schockiert sein, so lassen sie sich davon nichts anmerken und der Cremant spült so wie so alles runter, Prost.
Ich berichte vom guten Essen bei Scarlotti, der sich uns aber nicht gezeigt hat. Seine Frau hat sich nach den Jungs erkundigt und auch gesagt, das sie und die Töchter für übernächsten Samstag bei den Jungs eingeladen sind in Bremerhaven in der Wohnung, das Paolo sie abholen wird und das Scarlotti sich für diesen Abend Ersatz für das Ristorante suchen muss. Das ihm das nicht gefällt, sagt sie, aber ihr ist das egal, hat sie deutlich gesagt. Es scheint ihm nicht zu gefallen, das es den Jungs ohne ihn so gut geht.
Wenn er sich nicht bald ändert, will sie sich doch von ihm trennen und hat das ihm gegenüber auch deutlich gemacht.
Ich sage, das ich ihr jede erdenkliche Hilfe zugesagt habe, was alle am Tisch sehr begrüßen.
Jerome hat ja in weiser Voraussicht den Pachtvertrag dieses mal nur um ein Jahr verlängert, so das er nächstes Jahr raus fliegt, wenn er stur bleibt.
Ich persönlich empfinde homophobe Menschen als dumm und oberflächlich, egal welche Motivation sie als Grund für ihre angebliche Phobie angeben. Es ist keine Phobie, es ist der Beweis für mich, das diese Leute dumm sind, zu dumm um zu begreifen, das niemand sich das aussucht, schwul zu sein. Es ist ein in der Natur begründetes Verhalten, gegen das man nicht oder nur unter großen Entbehrungen an Lebensfreude und Glück leben kann, wenn man es mit Gewalt unterdrückt und irgendwann seelisch daran zu Grunde geht.
Wer will oder akzeptiert, das sein Kind an seiner Veranlagung zerbricht, hat nach meiner Überzeugung seinen Status als „Elternteil“ verwirkt und macht sich selbst einfach nur zu einem Arschloch.
Wir hier im Haus werden in jeden uns bekannt werdenden Fall, in denen junge Menschen wegen schwul oder lesbisch sein in Schwierigkeiten geraten, helfen, ohne Wenn und Aber.

Enrico, Freitag, 12.08. 10:00 auf der Frühschicht im Hilton, beim Vorbereiten des Mittagessens.

Ich bin gerade dabei, Kalbsschnitzel zu panieren, heute steht Wiener Schnitzel mit Pommes und Beilagensalat auf der Mittagskarte, aber auch Lachsfilet auf Curryreis mit Weißweinsauce und auch einem Salat. Dazu gibt es noch ein vegetarisches Gericht mit einem Gemüse-Reis und Salat. Das Gemüse ist schon gar, das haben die Frauen vorbereitet, genauso den Salat. Die Frauen haben sich schnell daran gewöhnt, auf den neuen, jungen Koch zu hören, wenn der Chef nicht da ist, genau so, wie ich gelernt habe, ihnen die Arbeiten zu zuteilen und das, was sie tun, auch auf Korrektheit zu prüfen, weil ich ja auch die Verantwortung gegenüber dem Chef habe, das alles in Ordnung ist, was die Küche verlässt und serviert wird.
Dabei bin ich immer freundlich, lächle viel mit ihnen und mach nicht den Dicken. Das kommt dann wohl auch gut an, denn es klappt so gut wie immer und selten stimmt was nicht.
Beim Lachs kann man nicht viel vorbereiten. Der steht portioniert im Kühlhaus und wird erst vor dem Dünsten her geholt und zubereitet. Mein Chef ist in seinem Büro, wortkarg kam er heute Morgen her. Dass sein neuer Schatz so weit weg ist, wurmt ihn verständlicher Weise schon ganz schön. Gestern hat er so beiläufig gesagt, das er noch eine Menge Urlaub hat und auch noch diverse Bonusmeilen.
Ich denke mal, dass er mit dem Gedanken spielt. Urlaub zu machen und in die Staaten zu fliegen. Ob der Direktor da mitspielt, ist die andere Frage, aber zur Not könnte er ja auch Herr Remmers fragen, dann klappt es bestimmt. Ich finde die Idee, falls er sie wirklich hat und umsetzt, genial und der Doktor wird wohl vor Freude jauchzen, wenn der Markus in New York an der Türe klingelt. Ich bin echt gespannt, ob er es tut und wenn er aus seinem Büro kommt, werde ich versuchen, ihn etwas auszuhorchen und ihn in seinem Vorhaben zu bestärken.
So, fünfzehn Schnitzel habe ich fertig paniert. Mehr werde ich mal nicht machen. Seit wir mehr Fisch auf der Karte haben und das wohl gut ankommt bei den Gästen, kommt es vor, das, früheren Essgewohnheiten zum Trotz, mehr Fischgerichte als Fleisch serviert werden.
Der Chef hat gemeint, das liegt daran, dass jetzt ein Verwandter Neptuns den Fisch hier zubereitet und damit meint er wohl mich.
Jetzt mache ich schnell das Dressing für den Salat, auch das will der Markus, weil ihm mein Dressing, an das ich immer Balsamico und einen Touch Tomatenmark mache, am besten schmeckt. Frischer Wind in der Küche, eine Meeresbrise, nennt er den jetzigen Stand der Speisenkarte und ein Zuwachs beim Verkauf der Gerichte ist auch fest zu stellen. Es kommen mehr Gäste einfach nur zum Essen ins Restaurant des Hotels, ohne Übernachtung und an den Sonntagen ist es Mittags schon wesentlich besser besucht, als es noch vor ein paar Monaten der Fall war.
Das liegt wohl aber nicht nur an mir, sondern Josch und auch die Helferinnen schauen öfter mal bei mir ab und da ich eigentlich auch immer gut drauf bin und zu jedem nett und freundlich und auch gezielt Tipps gebe, die ich bei meinem Vater gelernt habe. Mein Vater ist zwar homophob, aber ein Spitzenkoch, von dem man viel lernen konnte, wenn man immer gut aufgepasst hat. Gut Kochen ist wie guter Sex, man muss sich immer aufs Neue bemühen, alles zu geben.
Jetzt kommt Herr Meinle zu mir und fragt, ob alles OK ist und als ich nicke, fragt er: „Wenn ich zwei Wochen fehlen würde, schafft ihr das hier ohne mich?“ „Wenn Josch die Bestellungen macht, schaffen wir das auch drei Wochen, sonst lohnt dich ja der Flug nicht“, sag ich grinsend. „Schlitzohr“, sagt er und knufft mich am Oberarm, „hast du mich schon wieder durchschaut, Kleiner.“
„Ich sehe halt, wie du leidest, Chef“, sag ich, „ich möchte auch nicht so lange ohne mein Herzblatt sein und immer nur davon träumen. Am besten, du fragst gleich Jeromes Vater wegen Urlaub und der kann das über die Firma auch mit dem Visum und allem beschleunigen. Vielleicht fliegt ja auch der Firmenflieger bald noch mal rüber. Da sind doch noch Manager drüben, die die mit Alex, Chris und Robin geflogen sind und die wohl für vier oder sechs Wochen, genau weiß ich das nicht mehr, rüber geflogen sind. Dem Herrn Remmers kannst du auch sagen, warum du hinfliegen willst. Der hat bestimmt Verständnis für euch zwei.“ „Gute Idee, Enrico“, sagt er, „du bist nicht nur ein guter Koch, sondern auch ein echter Freund und dein Noah kann sich glücklich schätzen, dass er dich gefunden hat. Wenn ich Urlaub mache, bedeutet das für Josch und dich mehr Arbeit, das weißt du, oder?“
„Ich kann zwar nicht für Josch sprechen, aber mir macht es nichts aus“, sag ich, „Noah und ich wollen dann aber, wenn es soweit ist, gern als Trauzeuge fungieren.“ „OK“, sagt er, „wenn Alex damit einverstanden ist. Ich könnte mir aber vorstellen, dass er an Noahs Stelle lieber den Robin mit dabei haben möchte. Wenn ich mich recht erinnere, ist ja auch der erste Verkuppelungsversuch von Euch, Robin und dir, ausgegangen.“
„Damit kann ich leben und Noah bestimmt auch“, sag ich, „der Kleine hat bei Alex auf jeden Fall die älteren Rechte, als Trauzeuge dabei zu sein. Wo wir gerade von Noah reden, Noah war heute Morgen nicht gut drauf, das ist eher selten. Er soll heute in der Schule ein Referat halten in Geschichte, hat sich aber nicht besonders gut vorbereitet, wollte lieber mehr Zeit mit mir verbringen, obwohl ich ihn mehrfach darauf hin gewiesen habe.“
Markus meint jetzt, leicht grinsend: „Bis wir mal Trauzeugen brauchen, wird wohl noch etwas Zeit vergehen, wir müssen uns ja erst mal richtig kennen lernen und schauen, ob wir kompatibel sind aber das wird schon klappen, hoffe ich doch sehr.
Wenn Josch nach her kommt, werde ich ihn auch fragen, ob drei Wochen für ihn OK sind und dann erst werde ich zum Direktor gehen. Erst wenn der ablehnt, werde ich den Herrn Remmers fragen, sonst fühlt sich unser Chef hier übergangen, das möchte ich nicht.“ Er ist schon echt OK, der Markus und wir hoffen ja alle, dass er mit dem Doktor richtig und dauerhaft zusammen kommt.
Josch kommt um eins, das Mittagsgeschäft boomt gerade aber wir haben, wie fast immer, alles im Griff. Um halb zwei, wir haben sechsundvierzig Essen fertig gemacht und sind jetzt wohl durch, kommt Markus mit Josch zu mir und sagt: „Josch ist ebenfalls bereit, mehr zu arbeiten, wenn ich Urlaub mache. Einer von euch Beiden sollte immer hier sein, wenn gekocht wird. Frühstück geht ohne Euch, das machen die Mädchen und Frauen, sind ja genug da. Das heißt aber auch, drei Wochenenden kein frei, darüber seid ihr euch doch im Klaren, oder?“
Josch und ich, wir nicken beide, ich wohl wissend, dass das Noah nicht sonderlich gefallen wird, aber wenn er den Grund weiß, wird er es hoffentlich akzeptieren. Ich kann und will das im Hinblick auf meine weitere Tätigkeit hier einfach für Markus und den Alex tun, Noah und ich werden noch so viel Zeit mit einander verbringen und wenn ich dann mal was von Markus möchte, frei oder was anderes, dann wird der auch nicht „Nein“ sagen, da bin ich mir sicher.
„Ich geh dann mal zum Direktor und frage nach, ob ich dann ab Montag Urlaub machen kann, danach rufe ich Herrn Remmers an“, sagt Markus und ich beginne, meine Arbeitsplatz zu säubern, mein Feierabend naht. Halb drei kommt Noah mit dem Roller, holt mich ab und wir fahren zunächst zu Schroers nach Hause. Später wollen wir dann in der WG vorbei und dann mit Ole und Kevin und auch Paul in den Fahrschulunterricht. Morgen, am Samstag, ich habe Mittagsschicht, haben Noah und ich dann eine Fahrstunde um zehn Uhr.
Ich bin jetzt fertig, sage „Tschüss“ und gehe mich dann umziehen.
Als mein Schatz kommt, gibt es einen schönen Kuss, dann setzen wir den Helm auf und ich steig zu ihm auf den Roller und ab geht die Post. Schnell sind wir bei Schroer und seine Mama hat den Kaffeetisch gedeckt und einen Apfelkuchen gebacken. Sie backt sehr gut und jetzt sitzen wir zu viert am Tisch und mampfen den Kuchen zum Kaffee.
Nach her, oben im Zimmer beim Umziehen erzähle ich von Markus Meinle und seinen Plänen, den Doktor Alex in New York zu besuchen. Ich sage auch, dass wenn er fliegt, Josch und ich drei Wochen jeden Tag zur Arbeit müssen, auch Sonntags, da außer drei Lehrlingen und sechs Küchenhilfen kein ausgebildeter Koch da ist zur Zeit. Dann geh ich unter die Dusche.
Als ich zurück ins Zimmer komme, ist Noah offensichtlich schon nach unten gegangen, wir wollen ja zur WG und von dort aus mit den anderen Jungs zur Fahrschule.
Als ich runter komme, sagt seine Mama: „Noah ist schon raus zum Roller, du sollst gleich raus kommen.“ Verwundert sag ich: „OK, Tschüss dann“ und geh nach draußen. Er sitzt bereits auf dem Roller, den er startet, als ich aus der Türe komme und er fährt sehr forsch los, kaum dass ich aufgestiegen bin. Fast wäre ich nach hinten runtergerutscht, Fuck. Was soll denn der Scheiß jetzt, was ist denn mit dem los?
Vor der WG geht er voll in die Eisen und sein Blick, nach dem der Helm ab ist, ist……ja wie denn?…wütend oder eingeschnappt?
„Sag mal“, frag ich, „was ist denn mit dir plötzlich los, geht’s noch. Hab ich irgendwas gemacht oder warum bist du sauer?“
„Das fragst du noch?“, sagt er heftig, „ Du versprichst einfach, ohne mal vorher mit mir zu sprechen, das du drei volle Wochen jeden Tag, auch die Wochenenden, arbeiten gehst, wir werden uns dann kaum sehen und jetzt wunderst du dich auch noch, das mir das nicht gefällt?“
„Eigentlich ist es ja nur ein Wochenende mehr“, sag ich, etwas lauter als sonst, „und auch nur, um einem Freund, der auch noch mein Chef ist und seinem Doktor einen großen Gefallen zu tun. Wir sehen uns jeden Tag und Nachtschichten sind ja auch keine dabei.“
„Am meisten ärgert es mich“, sagt er, noch einen Ton lauter, „das du es nicht als notwendig ansiehst, vorher über so etwas mit mir zu reden, verstehst du. Du verplanst hier Zeit, die eigentlich auch meine Zeit betrifft, Zeit nämlich, die ich dann allein verbringen muss nicht mit dir zusammen sein kann.“ Und dann schreit er plötzlich: „Ein Scheißtag ist das heute, aber so was von. Mir reicht es!“
Er setzt den Helm auf, lässt den Roller an und fährt ohne mich vom Hof. Mir kommen die Tränen, was ist denn in den gefahren. Ich geh langsam zur Treppe, auf deren Podest oben Ole steht und der mich, als ich oben ankomme, in den Arm nimmt und durch den Flur bis in den großen Wohnraum schiebt, wo die anderen Jungs sitzen.
Jerome ist da und Sergej, Paul und Rolf, Frank, Kevin und Wolfi und alle schauen mich fragend an. Ole schiebt mich, ich schluchze noch immer, zur großen Couch, neben Frank und setzt sich dann neben mich. Es ist fast ganz still im Raum, nur leise Musik tönt aus der Stereoanlage, Linking Park.
Nach etwa zwei Minuten Schweigen sagt Kevin leise: „Was ist passiert, wo ist Noah?“
Bevor ich antworten kann, sagt Ole: „Der ist offensichtlich wütend vom Hof gefahren.“
„Erzähl, wir haben noch Zeit bis zur Fahrschule“, sagt Kevin, „was ist denn Schlimmes passiert, das ihr euch gestritten habt, hast du was angestellt?“
Zunächst beginne ich stockend zu erzählen, das er heute Morgen schon nicht gut drauf war, wegen dem nicht ausreichend vorbereiteten Geschichtsreferats und dann erzähle ich, jetzt fließend, von Markus Meinles Plänen und die Auswirkungen auf die nächsten drei Arbeitswochen bei mir.
Ich sage, das Josch und ich das gern machen für die beiden Männer und das ich mit so einer Reaktion nie gerechnet habe und sie auch nicht verstehen kann. Ich wollte nur zwei Freunde unterstützen, bei ihrem Zusammenkommen und habe zu keiner Zeit geglaubt, bei dieser Entscheidung erst mal mit Noah reden zu müssen, den ich ja nach wie vor jeden Tag gesehen, gesprochen, geknuddelt und geküsst hätte und bei dem ich jeden Abend eingeschlafen und jeden Morgen aufgewacht wäre. Das sehen alle genau so, wie ich und Jerome meint, das Noah das auch noch checkt, das er hier furchtbar überreagiert hat und das er mir damit schon sehr weh und auch Unrecht getan hat.
Ich beschließe, heute nicht mehr in die Fahrschule zu gehen und in unsere Wohnung nach Bremerhaven zu fahren.
Ich gehe in den Flur und rufe Paolo an, bitte ihn, mich so schnell es geht, in der WG abzuholen und nach Hause zu bringen. Paolo fragt nicht, was los ist, hört an meiner Stimme, dass es dringend ist und er sagt, das er gleich Feierabend hat und dann sofort kommt.
Die Jungs, die zur Fahrschule müssen, kommen auf den Flur und Ole sagt. „Komm, wir fahren jetzt los.“ „Ich komm heute nicht mit“, sag ich, „Paolo holt mich gleich ab. Ich will heute niemanden mehr sehen und die Fahrstunde morgen werde ich auch verschieben.“
Paolo kommt gerade, als die anderen einsteigen, er hupt kurz, dreht und hält dann neben mir.
„Fahr los“, sag ich, kaum dass ich sitze, „ ich erzähl dir alles unterwegs. Das tue ich dann auch und Paolo streicht mit tröstend über den Oberschenkel. „Das wird wieder“, sagt er, „er wird schon einsehen, dass er mit seinem Streit falsch liegt. Wer weiß, was in der Schule gelaufen ist heute Morgen, warte mal ab. Ich rufe gleich Natascha an und erzähle ihr, das wir heute Nacht in unserer Wohnung bleiben und wenn du Trost brauchst, dann kannst du auch wie früher oft in meinem Bett schlafen. Du weißt doch, das ich immer für dich da bin, Kleiner.“

Es tut so gut, das zuhören, soooo gut, einen solchen Bruder zu haben.

So, das war es für heute, wohl ein etwas ungewohntes Kapitelende, mal sehen, was das noch wird mit den Beiden……….

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Traumschiff - Teil 93, 10.0 out of 10 based on 30 ratings

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8 Kommentare

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    • Andi on 20. September 2016 at 22:41
    • Antworten

    Jippie Fortsetzung 😗

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    • Andi on 21. September 2016 at 10:31
    • Antworten

    Hi Hermann, hm wieder eine suuupeer Fortsetzung, hat mir wirklich gut gefallen. Das Ende ist etwas überraschend aber passt ich finde es sehr gut. Ma schauen ob sich das wieder einrenkt.

    VlG Andi

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    • Lothar on 21. September 2016 at 10:43
    • Antworten

    Hallo Hermann,
    Schöne Fortsetzung! Viele unterschiedliche Facetten. Du schlägst einen riesigen Bogen: Ole als Organisator, Robin auf seiner hoffentlich guten Genesung, Alex mit Gewissheit zum Tod seines Freundes bis hin zum ersten gröberen Streit in der bisherigen Geschichte. Voll gelungen!
    Es macht riesige Freude, Deine Geschichte zu lesen und ich freue mich auf die Fortsetzung.
    Liebe Grüße Lothar

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    • Chris on 21. September 2016 at 16:47
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    Ich finde es klasse, dass es auch Mal krieselt.
    Also vielen Dank für die Fortsetzung.

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    • Walter on 23. September 2016 at 18:00
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    Hallo Niffnase,

    Danke für Fortsetzung, ,ja. Krisen kann es geben, es menschelt halt auf der Erde, aber Freunde helfen sicher den Unmut zu Meistern.
    Krass fand ich den Selbstmord des Bruders von Alex, aber Adel verpflichtet. ( Hmm)

    Für mich ist dies wieder eine 5Stern Fortsetzung.

    Toll, Danke und Gruss

    Walter

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    • Andi on 25. September 2016 at 21:17
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    Hallo Hermann,

    ist ja nicht so, dass ich Streit in einer Beziehung gutheisse, aber es ist mal eine Abwechslung in der Serie. Und macht die Serie noch autentischer.
    Hoffe natürlich, dass sich das zwischen den beiden klärt.
    Darüber hinaus find ich es enttäuschend und bedauerlich, dass hier so wenig Rückmeldung kommt, echt schade und traurig.

    VlG Andi

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  1. Hallo, Leute.
    Ich freue mich über die Rückmeldungen hier, die doch prozentual deutlich über denen liegen, die ich auf FF bekomme. Hier sind es jetzt fünf bei hundertvierundsechzig Lesern, dort sind es acht bei etwas mehr als sechzehnhundert Lesern………
    Danke und bald geht es weiter

    LG Hermann (Niff)

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    • Wulf on 11. Dezember 2016 at 10:27
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    Hallo Hermann,

    vielen Lieben Dank für einen sehr schönen weiteren Teil.
    Freue mich immer wenn ich sehe das Du wieder ein Kaoitel hinzugefügt hast. Weiter so und dir alles Gute.

    lg Wulf

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