Traumschiff – Teil 98

Danke, an meine Beta und an die treuen Kommischreiber. Trotz massiven gesundheitlichen Problemen, kommt jetzt das neue Kapitel für euch… viel Spaß damit. LG  Niff

Prüfungen… la. Mama… Gesund?… Taco Bell … Figaro… Kampfsport

Noah, Mittwoch, 15.09.,18:45 Uhr im Wohnraum der WG mit Enrico, Ole und Frank, Jerome und Sergej, Wolfi und Kevin, Paul und Rolf, Ralf und Alex, zu Beginn einer kleinen Feier nach den bestandenen Fahrprüfungen.

Kevin ist heute nach der Frühschicht von Sergej abgeholt worden. Die zwei waren einkaufen und haben dann für heute Abend ein kleines, warm-kaltes Essen vorbereitet zur Feier des Tages. Alle heute geprüften Jungs haben nun den Führerschein, keiner ist durch gefallen und natürlich ist die Freude groß. Jerome hat zu Beginn gesagt, das die Bremerhavener noch vorbei kommen gleich. Wer das nun genau ist, werden wir ja sehen.
Fünfzehn Minuten später sind alle da, Tante Lis mit Carl August, die Oma und Tante Frieda mit einem Karton Cremant, gekühlt, versteht sich und mit der Protzkiste, Martin und Kai, Natascha und Paolo und sie bringen noch zwei Salate mit, die Sergej wohl bestellt hat. Auch Frau Jensen ist gekommen mit Marie und die hat den Marvin von unten hoch geholt, er durfte etwas früher frei machen.
Dreiundzwanzig Leute, da ist es aber ganz schön voll und es kann sein, das Torsten mit Sigrid, Mike und Dirk und auch Armin und Denise noch auftauchen, Bescheid über die neuen Führerscheininhaber haben alle bekommen. Das Essen ist in der Küche auf der Arbeitsfläche aufgebaut und ein großer Topf mit Wiener Würstchen steht auf dem Herd. Brötchen gibt’s dazu und Senf und auch noch andere Wurst und Käsesorten stehen da.
In aufgelockerter Runde berichten die Jungs nacheinander von ihrer Prüfungsfahrt, bei denen alles ziemlich cool ablief. Auch in der Theorie waren alle sicher und bis auf Paul Fehlerlos gewesen. Paul hatte bei einer Frage falsch gelegen, hatte aber doch bestanden.
Diese Hürde wurde also von den Jungs mit Erfolg genommen und jetzt möchte natürlich auch jeder gerne Auto fahren.
Ole hat ja schon etwas länger den Golf von Onkel Jo, übrigens seine Verhandlung wegen des Fahrradunfalls wurde kurzfristig verschoben, weil die Angeklagte wohl erkrankt war.
Alex darf bestimmt jetzt öfter mit Ralfs Auto fahren, Enrico wird wohl jetzt ein Auto kaufen, nur Paul hat weniger Gelegenheit zum selber fahren, aber auch da wird man bestimmt nach einer Lösung suchen, um ihm die nötige Fahrpraxis an gedeihen zu lassen.
Jetzt sind es noch Dirk, Kevin und ich, die auch in absehbarer Zeit geprüft werden, Kevin und ich haben mittlerweile den „Führerschein mit siebzehn“ beantragt und dürfen nach bestandener Prüfung in Begleitung eines erfahrenen Autofahrers auch fahren. Micha hat auch bald Prüfung, er ist bei einer anderen Fahrschule angemeldet gewesen, schon vorher.
Ein weiteres Thema ist der anstehende Geburtstag von Natascha, der aber im großen Rahmen erst am Wochenende darauf gefeiert werden soll.
Zusammen mit der Rückkehr von Robin, unserem Herzbuben, Chris und Matze, so wie Dr. Alex und auch die Führerscheine können bei diesem Anlass noch ein wenig mit gefeiert werden.
Alex Namensänderung, die nun morgen, am Donnerstag, um fünfzehn Uhr auf dem Standesamt über die Bühne geht, wird dann als Remmerscher Familienzuwachs auch gleich mit gefeiert.
Als Jerome in der Küche seinen Teller fühlt, folgt ihm Lis, nach dem sie Natascha gewunken hat, mit zu gehen und die drei sind etwa für zehn Minuten allein dort und auch Carl August geht den dreien nach, während Oma und Frieda tuscheln und richtig verschmitzt grinsen.
Ich frage mich schon, was die vier da in der Küche wichtiges besprechen, denke aber, dass wenn es nichts Schlimmes ist, wir es wohl bald erfahren werden.
Als sie wieder raus kommen, hat Jerome Natascha einen Arm um die Schulter gelegt und redet in ihr Ohr. Beide sind etwas rot im Gesicht und Natascha wirkt auf mich etwas, na ja, etwas verstört, würde ich sagen, während Jerome eher erfreut zu sein scheint. Nach dem alle wieder sitzen, steht Lis auf und klopft an die Flasche von Carl August, worauf es sehr schnell ruhig wird.
„Liebe Jungs und Mädels, liebe Erwachsene. Das Leben geht oft seltsame Wege und Dinge geschehen, mit denen man eigentlich nicht mehr gerechnet hat. Nach Nataschas Geburt sagten mir die Ärzte, das ich keine weiteren Kinder mehr bekommen kann und da wir ja zwei hatten, war das ja auch nicht so tragisch für uns. Verhütung war auch kein Thema mehr nach Aussage der Mediziner. Nun war ich gestern bei meiner Frauenärztin, die mich schon fast fünfzehn Jahre betreut, weil mir in den letzten Wochen morgens öfter mal übel war und ich wissen wollte, was denn das sein könnte“, erzählt sie, „um es kurz zu machen. Die Ärzte damals haben sich wohl geirrt und nach der Diagnose gestern bin ich im zweiten Monat schwanger.“ Spontan gibt es Applaus, besonders von Oma und Frieda, die sich wohl schon Kinderwagen schiebend im Park sehen, aber auch bei den Freunden ist echte Freude, vor allem aber Staunen ob dieser Offenbarung zu sehen.
„Ich habe Euch das jetzt offiziell gesagt, nach dem mein Mann und ich nach allem für und wider den Entschluss gefasst haben, das Kind zu bekommen. Eine Schwangerschaft mit Vierzig ist beim heutigen Stand der Medizin kein großes Problem und meine Ärztin hat gemeint, es würde nichts dagegen sprechen, das Kind auszutragen. Da es auch finanziell keine Probleme gibt, Jerome und Natascha alt genug und fest verbunden sind, so dass ich mich dem neuen Erdenbürger auch voll widmen kann, haben Carl August und ich beschlossen, das wir das Kind bekommen wollen und jetzt hoffen wir, das alles gut wird und unsere beiden Großen ein süßes Geschwisterchen bekommen.“ Wieder gibt es Applaus und ein großes Gemurmel setzt ein.
Das ist schon eine kleine Sensation, finde ich und ich bin auf Mamas Gesicht gespannt. Es kann natürlich sein, das sie es schon weiß als Freundin von Lis. Echt krass für Jerome und Natascha, wenn jetzt noch ein Geschwisterchen dazu kommt, etwas, mit dem beide nie gerechnet hätten.
Ich denke aber, dass beide damit klar kommen, sich auch bald richtig freuen werden und dann ist ja erst mal alles OK. Was Tante Lis angeht, die hat ja ihre Qualitäten als Mutter bereits unter Beweis gestellt und das Kind, wenn alles gut läuft, wird in eine tolle Familie und eine gute und gesicherte Zukunft hinein geboren.
Nach und nach essen alle, entweder aus der Hand oder am Tisch und die Stimmung ist gut. Hauptthema sind Autos und natürlich das heranwachsende Baby, das gerade über die Mutter mit Nudelsalat und Wasser gefüttert wird.
Carl August schaut zufrieden in die Runde, er wird sich wohl bei dem zu erwartenden neuen Erdenbürgers im Hause Remmers mehr Zeit freischaufeln, als das damals bei Jerome und Natascha möglich war. Oma und Frieda freuen sich am meisten, denk ich und werden viel Zeit mit Kinderwagen schieben verbringen, bestimmt aber auch nicht vor dem Pamperswechsel zurück schrecken. Frieda hatte nie Kinder und als sie von Berlin nach Bremerhaven zog, waren Jerome ja schon aus den Pampers raus gewachsen. Für Frieda ist das, sag ich mal, Neuland und auch entsprechend aufregend.
Meine Oma hat mit Hilfe von Oma Remmers Maklerfirma eine nette, kleine Eigentumswohnung, nicht so arg weit von uns weg, gefunden und den Kauf derselben eingeleitet. Sie will uns nicht zur Last fallen und solange es ihr gut geht, auch selbstständig bleiben. „Es gibt einiges nach zu holen, was ich noch gern machen möchte, mit dem alten Miesepeter aber nicht konnte oder durfte“, hat sie gesagt, „und wenn ich dann mal sterbe, bekommt mein Lieblingsenkel die Wohnung.“ Dabei strahlt sie mich an und Mama meint: „Das wird hoffentlich noch viele Jahre dauern.“
Papa und ich haben gelacht, Mama eher nicht so, aber verstehen kann sie ihre Mutter schon. Reisen will sie, die Oma, in den Süden, ans Meer und in die Sonne. Ich gönne ihr das und finde sie einfach Klasse, vor allem, wie cool sie den homophoben Himmelskomiker abserviert hat. Ich sage nur „Untertan“…..loooool. Das hat Papa, Rico und mir derbe gefallen und seit dem Tag hat sich der Pastor Emeritus nicht mehr gemeldet. Mamas Geschwister haben schon ein paar Mal nach gefragt bei Mama, wann denn die Oma gedenkt, zu ihrem Mann zurück zu kehren. Ich denke, der Zug ist abgefahren.

Lex, jetzt Remmers heißend, Freitag, 17.09. 2010, 15:00 Uhr, mit Ralf bei Lis im Wohnzimmer.

Ralf hat mich um halb zwei an der Schule abgeholt und wir sind nicht zur WG, sondern zu Tante Lis gefahren, um dort einiges zu besprechen. Der Verwaltungsakt gestern auf dem Standesamt war gerade mal zwanzig Minuten lang, danach war der Graf Geschichte und ich heiße jetzt Remmers, wie Jerome und Natascha und ich fühle mich gut dabei.
Eine Namensänderung ist nicht umkehrbar, das heißt, man kann das nicht rückgängig machen, hat der Beamte gesagt. Der Titel ist futsch und ich hoffe, dass auch die Erinnerungen an dieses kranke Gesocks bald Geschichte sind für mich. Der Erbanspruch besteht nach wie vor und das Erbe ausschlagen, also ablehnen, kann man erst, wenn der Erbfall eingetreten ist.
Onkel Carl hat gestern beim Abendbrot gesagt, das sein Kripofreund angerufen hat. Er hat mit geteilt, dass mein Vater wohl das Auto nach Belgien gebracht und verkauft hat. Der Käufer, dieser Händler, hat ausgesagt, dass der Verkäufer so zwischen vierzig und fünfzig Jahre alt war und eine Vollmacht und den Personalausweis des Eigentümers, also meines Bruders, dabei hatte.
Nun wird gegen ihn wegen Beihilfe zum Vertuschen einer Straftat ermittelt. Wenn er von allem gewusst hat und man das beweisen kann, kann er den Job bei der Armee vergessen. Für mich kriegt die Sache dadurch jetzt noch mal eine neue Qualität.
Die Oma und die Tante haben nach unserer Rückkehr den schon üblichen Cremant angeschleppt und alle, die Remmers heißen plus der Tante und auch Ralf haben auf den „Neuen“ Remmers angestoßen und alle haben mich kurz umarmt und in die Familie auf genommen. Mit Wolfi und Kevin werde ich zusammen essen gehen, sie einladen und damit noch einmal meinen besonderen Dank zum Ausdruck bringen für die Einleitung meiner Rettung aus den Fängen meiner idiotischen Sippe.
Jetzt, hier bei dem Gespräch mit Tante Lis geht es unter anderem auch um meinen erneuten Besuch in Bonn bei Uwes Familie, mit dem Wunsch, auch den Jürgen dort zu treffen. Dazu erzähle ich Tante Lis nun einen Teil dessen, was in Uwes Tagebuch steht, ohne explizite Details, versteht sich. Soviel, das sie meinen Wunsch, noch einmal hin zu fahren, versteht und ja sagt zu unserem Vorhaben.
„Alex“, sagt sie, „du bist über achtzehn Jahre alt und kannst das schon selber entscheiden. Ralf ist schon älter und wenn ihr dorthin fahren wollt, ist das OK. Schön, dass du trotzdem gefragt hast und es ist ja auch gut zu wissen, das ihr dort hin fahrt, allein schon, damit wir uns keine unnötigen Sorgen machen müssen. Wir nehmen schon, auch weil du jetzt Remmers heißt, in erster Linie aber, weil du mein Neffe bist, regen Anteil an deinem Leben, haben dich gern und wollen, das es dir gut geht. Wir sind jetzt deine Familie und wollen das auch sein und zwar mit allem, was dazu gehört.“

„Danke, ihr seid alle so lieb zu mir“, sag ich, „ich will ein guter Remmers sein, Euch keine Schande machen und versuchen, durch mein Verhalten die Aufnahme in eure Familie zu rechtfertigen. Schon jetzt kann ich sagen, das es mir noch nie so gut gegangen ist im Leben wie jetzt und das bezieht sich nicht oder nur zum Teil auf meine jetzige Wohnsituation. Nein, es bezieht sich darauf, wie ich hier behandelt werde, wie man mit mir umgeht und es ist im Gegensatz zu früher wie der Himmel auf Erden.
Seit ich in Berlin an Bord eures Schiffes gegangen bin, hat kein Mensch in meinem Umfeld ein Schimpfwort zu mir gesagt oder mir Prügel angedroht. Ich kann hier leben und lieben und es ist alles OK. Das ist es, was mich glücklich macht und darum bin ich dem Kevin, dem Wolfi, euch allen und meinem Schatz Ralf so unendlich dankbar.“
Tante Lis lächelt mich an und fragt dann: „Wann wollt ihr denn Uwes Eltern besuchen?“
„Wenn am nächsten Wochenende Party ist, die Woche darauf Martin und Kai heiraten, dann bliebe nur der Samstag jetzt oder das Wochenende nach der Hochzeit“, sag ich, „wobei ich ja auch nicht weiß, ob es Uwes Eltern so kurzfristig recht ist. Also wäre wohl der neunte Oktober die bessere Lösung.“
„Ab neunten Oktober beginnen doch Herbstferien in Bremen“, sagt Tante Lis jetzt, „Natascha, die ja ab Montag nun auch auf euer Gymnasium geht, hat bei der Anmeldung am Mittwoch einen Ferienplan bekommen und da habe ich das gelesen. Das stimmt doch, oder?“
„Ja, das stimmt, das passt ja dann“, sag ich und Tante Lis meint: „Dann könnt ihr ja auch ein oder zwei Nächte im Hotel in Bonn bleiben, wenn ihr wollt. Dann habt ihr Zeit genug, mit Uwes Eltern und auch mit diesem Jürgen zu reden, den Friedhof zu besuchen und was ihr sonst noch machen wollt.“
„Ich denke, wir machen das so“, sag ich, „Ralf will ja dann auch ab dem fünfzehnten wieder im Hilton anfangen und dort arbeiten, bis ich mein Abi habe und wir studieren gehen in Bremen.“
„Gut“, sagt die Tante, „dann ist das ja geklärt. Ihr fahrt ja jetzt bestimmt nach Bremen in die WG.
Jerome sagte was von einer Planung von sportlichen Aktivitäten und das Noah noch einen neuen Schulkameraden mitbringen will.“ „Das ist bestimmt der Alwin“, sag ich, „der hat mit Noah gewechselt, wohl auch, weil er schwul ist und auch, weil sein Freund in Bremerhaven arbeitet. Alwin Schwertfeger heißt der und der ist Kampfsportler, mal sehen, was der uns zu sagen hat. Wir brechen dann mal auf und ich darf fahren, hat Ralf gesagt. Ich freue mich drauf. Tschüss dann, bis Sonntag, Tante Lis“, sag ich und dann gehen wir hoch, unsere Sachen holen und fahren los.
Ich fahre, zunächst schon sehr verhalten und es geht gut. Wir nehmen die Autobahn und es ist Feierabend Verkehr. Ich muss mich sehr konzentrieren, rasen ist nicht. Ralf sagt nichts, lässt mich machen und als wir an der WG ankommen, sagt er: „Das hast du sehr gut gemacht“, küsst mich und lacht mich lieb an. Ich bin stolz, küss zurück und bin einfach glücklich hier und jetzt als Alex Remmers.
Morgen, Natascha hat Geburtstag, trinken wir im Familienkreis Kaffee zum Kuchen, den Frau Jensen und Frau Gut heute gebacken haben, das findet um sechzehn Uhr statt bei Tante Lis. Die richtige Feier oder besser Party ist ja dann nächsten Samstag geplant.
Ich habe Natascha eine CD ihrer Lieblingsband zum Geburtstag gekauft, Jerome, den ich gefragt habe, sagte, dass sie diese CD noch nicht hätte.

Lis, Samstag,18.09. 18:00 im Wohnzimmer.

Ein familiäres Kaffeetrinken mit feinem Kuchen im engen Kreis, Oma und Frieda, Carl August und ich, sowie unsere Kinder mit Ihren Partnern und auch Lex und Ralf. Wir sitzen um den großen Esszimmertisch und feiern ein wenig Nataschas Geburtstag. Auf Nataschas ausdrücklichen Wunsch sitzen Sigrid, ihre Mama und auch Frau Jensen mit am Tisch und auch Martin und Kai wollte sie dabei haben.
Für die Leute in der WG, alle treffen sich da, hat sie Kuchen bestellt, den Ole und Frank abgeholt und dorthin gebracht haben. Die trinken dort jetzt wohl ebenfalls Kaffee zusammen.
Mittlerweile ist der Kuchen gegessen, der Kaffee getrunken und es stehen nun andere Getränke auf dem Tisch. Die Stimmung ist gut, nach dem Oma und auch ich vom Tag der Geburt vor sechzehn Jahren erzählt haben. Carl August war gerade in München, als es los ging und ich war ja schon etwas länger in der Klinik, weil es Probleme bei der Schwangerschaft gab. Oma war bei mir, als es los ging und sie hat dann auch Carl August angerufen und der kam schnellstmöglich zurück.
Dass es dann ein gesundes Mädchen war, machte unser Glück komplett und auch der kleine Jerome freute sich über sein neues Schwesterlein, das er durch die Scheibe auf Martins Arm anschauen durfte. Sechs Tage später waren wir dann zu Hause in dem schönen, fast noch neuen Haus, in das wir zweieinhalb Jahre nach Jeromes Geburt, im Juni vierundneunzig eingezogen waren.
Davor hatten wir in Bremerhaven in dem großen, Villen ähnlichen Haus von Oma und Opa gewohnt.
Oma zog dann im Februar sechsundneunzig zu uns, mit Tante Frieda, die seit dem Tod ihres Mannes zu ihrer Schwester Gesine gezogen war, als Carl Augusts Vater plötzlich verstorben war. Natascha hat ihren Opa wohl nicht mehr in Erinnerung, sie war vier Monate alt, als mein lieber Schwiegervater verstarb.
Martin lebte zu dieser Zeit allein in der Wohnung unten, hatte Kai aber da wohl schon kennen gelernt und als der Gustav, Opas und Omas Fahrer in den Ruhestand ging, unmittelbar, bevor Oma zu uns zog, hat Carl August auf Martins Empfehlung hin, Kai als zweiten Fahrer eingestellt.
Dass der Kai dann später auch unten einzog bei Martin, wunderte mich zunächst und erst, als Carl August mich darüber aufklärte, warum das so war, begriff ich zum ersten Mal, das Martin und jetzt auch noch Kai homosexuell waren.
Ich nahm das zur Kenntnis und die Tatsache, dass unser Sohn fast immer mit Martin zusammen war, beunruhigte mich zu keinem Zeitpunkt. In dieser Zeit kannte ich Martin lange und gut genug, um ihm unser Kind bedenkenlos an zu vertrauen. In diesem Punkt waren sich Carl August, die Oma und ich total einig. Oma wusste ja, wie sie mir später mal sagte, schon von Anfang an, das Martin schwul war, was weder ihren August, noch sie und auch Frieda nicht gestört hat.
Mit den beiden schwulen Männern haben wir zwei super treue und loyale Mitarbeiter gefunden, die immer weit mehr geleistet haben, als es von ihnen verlangt wurde und die im Laufe der Jahre praktisch mit in die Familie hinein gewachsen sind und es ist eine Freude, sie hier bei uns zu haben.
Seit jetzt alle wissen, das in mir ein neues Familienmitglied heran wächst, werde ich von allen begluckt und alles, was irgendwie nach Anstrengung aussieht, wird mir sofort abgenommen.

Jerome, Sonntag, 19. 09., 10:30 Uhr, mit Sergej, Noah und Enrico, bei der Vorbereitung für das Mittagessen.

Es war gestern fast zweiundzwanzig Uhr, bis wir wieder hier waren. Lex und Ralf sind auch mit hierher gefahren. Paolo wir bestimmt noch ein bisschen Gratulationssex mit meinem Schwesterchen gehabt haben. Die Zwei sind echt total verliebt und verstehen sich auch einfach gut.
Die Zwillinge, das sind schon echt zwei liebe Kerle, die passen gut zu uns und dass Paolo mal mein Schwager werden wird, daran zweifele ich nicht und es ist für mich OK. Auch Ulf und Irene sind mit Enrico als Schwiegersohn-Anwärter mehr als froh und Noah, der ist glücklich.
Nach dem Noah nun mit den anderen in Bremerhaven zur Schule geht, nicht mehr gemobbt wird und auch, wenn Rico Frühschicht hat, öfters mit ihm in deren Wohnung übernachtet, ist alles noch viel besser. Am Montag, morgen also, da ist beim alten Scarlotti Ruhetag und dann kommt die Mutter der Zwillinge und die beiden Schwestern zu ihnen in die Wohnung. Paolo hat sich für den Nachmittag frei genommen, holt seine Mama und die Mädchen ab. Die Beiden, er und Rico, haben Mama und Irene Schroer ebenfalls eingeladen, so dass sich die Mütter untereinander auch mal oder halt besser kennen lernen können.
Rico will was Feines kochen, Mama und Irene wollen wohl Wein mitbringen, wenn sie um drei Uhr dorthin fahren. Martin fährt Natascha und Mama hin, Irene kommt mit dem Auto mit Noah.
Paolo holt Enrico am Hilton ab, wenn Herr Meinle ihm nicht frei gibt, um eins und der hat was zum Kochen bei Herrn Meinle gekauft. Es gibt wohl ein Menü, mit Vorspeise, Fisch und Tiramisu und noch andere Leckereien, ein vier Gänge Menü, hat er gesagt. Natascha und Mama werden wohl davon erzählen, wenn es gut war, aber davon gehe ich mal aus.
Jetzt sind wir hier mit vier Leuten in der Küche, Sergej putzt Pilze, ich putze verschiedene Salate und bringe in ihn in mundgerechte Stücke. Eisberg, Radicchio, Feldsalat und Gurken sind es, die Gurken schneidet Paolo gerade in dünne Scheiben, nach dem er sie geschält hat.
Enrico macht auf vielfachen Wunsch Lasagne, drei verschiedene. Eine Lasagne Bolognese, eine Gemüselasagne und mit einer Thunfischsoße, mit viel Käse überbacken. Das wird noch mal ein Superschmaus und alle freuen sich drauf.
Kevin bringt gerade zwei Flaschen Rosato, Chiaretto, ein fruchtiger und halbtrockener, den hat Martin ihm geschenkt. Den Wein stellt er in den Kühlschrank. Martin kauft fast immer italienischen Wein und der, den er kauft, der ist immer topp. Die Bärenbrüder haben Geschmack und kochen sehr gut und ihr Vorrat an Wein ist nicht zu verachten.
Gestern, zum Kaffeetrinken, waren ja alle Jungs und Mädels hier, außer uns, wir waren ja bei Natascha drüben, Familyday.
Micha hat gesagt, dass er auch bald Prüfung hat in der Fahrschule, nämlich am nächsten Donnerstag. Er ist in einer anderen als es Ole und die Jungs sind oder war. Er hatte sich schon länger vorher angemeldet dort. Tom macht zurzeit einen vierwöchigen Lehrgang für ein paar ganz spezielle Schweißverfahren, danach wechselt er auf der Werft in eine andere Abteilung, wo er dann als Spezialist auch mehr Geld verdient. Mittelfristig will er dann dort auch die Meisterprüfung machen. Papa, der sich nach ihm erkundigt hat, sagt, dass Tom fleißig ist und auch sehr sauber arbeitet und er hat dafür gesorgt, dass er auch entsprechend gefördert wird. Davon weiß Tom aber nichts und Papa möchte auch nicht, das Sergej und ich etwas darüber verraten. Tom kriegt das schon hin, glaub ich, der weiß was er will. Die zwei sind auch jetzt mit sich im Reinen, zu Hause ist alles gut und sie können dort, so wie auch immer bei uns, ihre Liebe leben, ohne Ärger und Stress zu haben.
Ich bin gespannt auf Chris und Matze, Robin hält mich ja mit allem auf dem Laufenden und wenn ich ihm glauben kann und das tue ich, dann sind die beiden jetzt in einem ähnlichen Stadium wie Sergej und ich oder Ole und Frank.
Frank ist es gelungen, seine Eifersucht fast vollständig in den Griff zu bekommen, sie gehen weiterhin beide gemeinsam zum Psychologen, es ist aber wie gesagt, schon fast wieder wie vor Franks Veränderung. Für Ole ist es jetzt wieder OK, so wie es ist und uns freut es natürlich auch. Der Termin für seine Verhandlung steht fest und am Mittwoch, den neunundzwanzigsten, Vormittag um neun Uhr ist die Verhandlung im Amtsgericht in Bremerhaven. Da sind wir schon gespannt, was da letztendlich dabei rauskommt für Ole.
Die anderen Jungs sind zum Teil noch in den Zimmern, Wolfi und Kevin sind unten auf dem Hof, Kevin übt das Fahren und Einparken mit Wolfis Auto. Ole und Frank sind im Fitnessraum mit Lex und Ralf. Mike und Dirk sind nach Bremerhaven, zum Essen wollen sie aber wieder da sein.
Papa hat gesagt, dass wir im Rahmen der Party dann auch gleich die Fertigstellung des Außenpools und des Weihers feiern, da ist jetzt alles fertig und es ist super schön geworden. Sollte dann die Sonne scheinen, werden wir den Pool auch nutzen, da das Wasser ja geheizt werden kann mit Solarenergie oder Erdwärme. Zelte werden wir aber wohl keine aufstellen, jedenfalls steht das nicht auf dem Plan. Mal sehen, wo alle unterkommen in der Partynacht.
Natascha geht ab Morgen auch aufs Gymnasium, die Privatlehrer kommen dann immer gegen fünfzehn Uhr, als Hilfe zum Eingewöhnen, zur Hausaufgabenunterstützung für Natascha und Alex.
Martin wird sie fahren und wenn einer von unseren Freunden Probleme hat in der Schule, dann können sie, zum Beispiel vor Klassenarbeiten mit zu uns kommen und die Hilfe der Lehrer in Anspruch nehmen, hat Mama entschieden.
Mittwoch nach der Schule will Noah den Alwin Schwertfeger, einen schwulen Mitschüler, der auch nach Bremerhaven gewechselt ist, mit hierher bringen. Dessen Freund ist Frisör und da der Montag immer frei hat, kommt der Alwin erst am Mittwoch, der Montag gehört ganz seinem Freund. Wir haben vorher darüber geredet und da keiner dagegen war, kommt er Mittwoch mit zu uns hier her. Der Alwin, hat Noah gesagt, ist ein Ass in Karate, vielleicht kann er denen von uns, die Interesse haben, ja was bei bringen.
Unten im Fitnessraum ist ja ein großer freier Platz in der Mitte, weil die Geräte entlang den Außenwänden auf gestellt sind. Ich müsste dann nur noch Matten kaufen für auf den Boden. Mal hören nach her beim Essen, was die anderen davon halten.
So, das Essen ist jetzt fertig, Sergej und ich decken den Tisch, Noah ruft die anderen. Dirk und Mike sind auch zurück und nach dem auch Wolfi und Kevin von unten hoch gekommen sind, essen wir. Nach dem Essen reden wir über den Alwin und seine Karatefähigkeiten, ich frage, wer denn nun echtes Interesse hat, sowas zu machen. Eigentlich wollen das alle, die beiden Ex Ringer und Paul ganz besonders und ich sage dann, das alle, die interessiert sind, am Mittwoch um fünfzehn Uhr hier sein sollen.

Lis, Sonntag, 19.09. 13:00 Uhr, in der „Alten Luneschleuse“.

Mit Oma, Frieda, den beiden Fahrern, Frau Gut und Frau Jensen, Frau Wegmann ist auch mit dabei, sind wir heute mal wieder hier her zum Essen gefahren und auch, um uns alle besser kennen zu lernen. Wir haben alle Eltern der Jungs und Mädels eingeladen, Wolfis Eltern, sowie Chris Wahleltern, Ulf und Irene Schroer mit Noahs Oma und auch die, die wir bisher nur flüchtig oder gar nicht kennen.
Toms Eltern und Michas Mutter, die im Rollstuhl sitzt, sind dabei, ebenso Dirk und Mikes Eltern, sowie Torstens Mutter und Armin und Denises Eltern. Carl August hat auch die Familie Weiden eingeladen, die mit Ihrer fünfzehn Jahre alten Tochter Sabine her gekommen sind. Franks Eltern sind auch von Nordenham herüber gekommen, mit Hund und Marvins Mutter ist mit Frau Jensen gekommen, die haben sich heute auch zum ersten Mal getroffen.
Das Nebenzimmer ist für uns vorbereitet gewesen, als wir um kurz vor Zwölf nach und nach hier eingetroffen sind. Nach einer allgemein lockeren Begrüßung haben dann alle einen Platz an der großen Tafel gefunden und Carl August hat dann mit der Begrüßungs- und Einleitungsrede begonnen.
„Liebe Anwesende. Meine Frau Lis und ich haben sie alle heute hier her eingeladen, um das nach zu holen, was unsere Kinder schon vor nicht allzu langer Zeit getan haben, nämlich uns besser kennenzulernen. Als Grund dafür nenne ich mal die jetzt schon sehr große Gemeinschaft der Jungs und Mädels, die sich zu einem recht tollen Freundeskreis zusammen gefunden haben. Auch, wenn das bei einigen nicht immer nur positive Ursachen hatte, denke ich, das alle in der Runde um Ole und Jerome zufrieden und auch gern zusammen sind.
Ich weiß nicht, ob die Jungs und Mädels zu Hause von ihren Kennenlern-Runden erzählt haben, würde mich aber sehr freuen, wenn wir hier etwas Ähnliches zu Stande bringen. Beginnen möchte ich mit meiner Frau und mir, aber zunächst sollten wir jeder bestellen, dann können wir die Wartezeit aufs Essen bereits zum Vorstellen benutzen.
Viele der hier Anwesenden haben mit Lis und mir gemeinsam, dass wir einen Sohn haben, der homosexuell, also schwul ist und alle hier werden mittlerweile aus den Erzählungen ihrer Kinder wissen, dass wir damit absolut keine Probleme haben und immer hinter unseren Kindern stehen. Wir, meine Frau und ich, aber auch meine Mutter und ihre Schwester mögen alle Jungs und Mädels in dem Kreis sehr, ob schwul oder nicht und helfen jedem, der Hilfe braucht.“
Die Getränke werden aufgetragen und es gibt auch eine große Anzahl an Speisekarten und die Suche beginnt jetzt. Dann dauert es natürlich noch eine Weile, bis alle was gefunden haben und die Bedienungen, vier an der Zahl, alles aufgenommen haben.
Carl August nutzt die Zeit jedoch und fängt an, sich kurz vor zu stellen.
„Bevor ich nun etwas über mich sage, möchte ich mit ihnen auf das Wohl unserer Kinder trinken“, sagt er und hebt sein Glas. Alle folgen seinem Beispiel und er sagt: „Darauf, dass unsere Kinder glücklich werden, Prost“, und dann trinken alle. Er stellt das Glas ab und fährt fort: „ Ich heiße Carl August Remmers, bin dreiundvierzig Jahre alt und leite den sich zum großen Teil im Besitz unserer Familie befindenden Konzern, der hier in Bremen, Bremerhaven und noch vielen anderen Standorten auf der Welt befindet. Verheiratet bin ich seit fast einundzwanzig Jahren mit meiner Frau Elisabeth, die hier neben mir Platz genommen hat. Wir haben zwei Kinder, Jerome und Natascha. Der Sohn ist achtzehn und Natascha sechzehn Jahre alt und beide haben einen lieben Partner, die Lis und ich sehr mögen. Seit dem vierzehnten dieses Monats wissen wir, dass wir noch mal schwanger sind, ich meine natürlich Lis, “……Gelächter…… „etwas, mit dem eigentlich nicht mehr zu rechnen war, was jetzt aber von Lis und vom Rest der Familie freudig angenommen wird.“
Er setzt sich, bekommt Applaus und jetzt bin ich dran und stehe auf.
„Liebe Anwesende, ich freue mich sehr, dass alle, die wir für den heutigen Tag eingeladen haben, auch gekommen sind. Meiner Familie war es ein Bedürfnis, einmal alle Eltern, der Jungs und der Mädels, einzuladen und so dafür zu sorgen, dass wir uns alle einmal kennen lernen. Die Eltern, die ihre Jungs auf Grund ihrer Homosexualität ablehnen, ja sie sogar teilweise misshandelt haben, fehlen natürlich hier.
Enricos Mutter kann heute aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen, steht aber im Gegensatz zu ihrem Mann hinter ihrem Sohn. Ich bin Anfang Juni vierzig geworden, bin sehr glücklich mit meiner Familie und das die Fehleinschätzung der Ärzte damals uns jetzt noch einmal Nachwuchs bescheren, eine für uns alle sehr überraschende Tatsache, nehmen wir Diese jetzt an und nach anfänglichem, ungläubigen Schock kommt auch jetzt richtig Freude auf. Ich bin ab Morgen rechnerisch im dritten Monat und es geht uns gut. Ich wünsche uns allen einen schönen Tag und viel Freude miteinander.“ Applaus gibt es nun auch wieder und mit Oma geht es weiter. Nach dem alle durch sind, zwischen drin kamen nach und nach die Essen, war es vierzehn Uhr und bis zum Kaffee um vier haben wir einen Spaziergang gemacht und uns mit vielen Leuten unterhalten. So gegen achtzehn Uhr hat sich dann nach und nach die Gesellschaft aufgelöst und es war ein toller Nachmittag. Jetzt wissen wir einiges mehr übereinander und jeder, der heute da war weiß, dass wir helfen können, immer, wenn es nötig ist.

Robin, Montag, 20.09., 16:00 auf dem Weg von der Klinik ins Haus mit Alex im Van.

„Hurra!!“ Es ist geschafft, deutlich früher, als vor unserer Abreise erwartet, haben drei Ops gereicht, um mein Herz gesund zu machen. Jetzt werde ich, während der Wachstumsphase von Alex und auch von meinem Hausarzt weiter betreut. Der Dr. Wesekamp arbeitet eng mit Alex zusammen. Einzelheiten legen wir nach der Rückkehr in Bremen fest, jetzt hier, in den noch verbleibenden Tagen, wird Alex mit mir üben und die Infusionen zweimal täglich anlegen.
Der Rückflug soll am Donnerstag gegen vierzehn Uhr sein. Alex hat gesagt, die Maschine von Remmers Firma kommt von Toronto hier her und holt uns ab. Da sind dann noch Leute an Bord aus Kanada, die mit ins Werk nach Bremen fliegen. Um Vierzehn Uhr Ortszeit müssen wir am Airport sein, zum einchecken. Das wird mein erster normaler Flug sein und Alex hat mir schon einen guten Fensterplatz versprochen. Ich freue mich so auf zu Hause, auf Mama und alle meine Freunde, auf mein Neues, normales Leben und das Chris nicht mehr so abhängig ist von meiner Krankheit.
Morgen fahren wir nach der Infusion zu Winston, der dann abends mit zu uns fährt und am Mittwoch, gegen Abend, geht es ins „Taco Bell“ zum Pizza essen. Winstons Eltern kommen dann auch dort hin und fahren dann später mit ihm nach Hause. Noch mal zwei Tage mit ihm zu verbringen, das ist so toll und ich freue mich sehr darauf.
Alex freut sich auch sehr auf seinen Koch, dem er schon gemailt hat, das wir Donnerstagabend wieder in der Heimat sind. Auch alle unsere Freunde wissen, dass wir kommen und für Samstag heißt es dann gleich nochmal „PARTY“, geil.
Mama wird sich wohl von allen am meisten freuen, das ich gesund zurück komme, Chris natürlich auch.
Sie haben am meisten gelitten all die Jahre und können jetzt endlich aufatmen, mal an sich denken. Jetzt kann Chris mit seinem neuen und sehr lieben Schatz studieren, zusammen wohnen, lieben und leben, das macht mich so froh.
Vielleicht geht ja auch Mama jetzt mal ein wenig aus, trifft sich mal mit anderen Leuten und findet auch noch mal ein bisschen Glück, wer weiß? Obwohl, der Gedanke an einen eventuell neuen Stiefvater, ich weiß nicht so recht, das fühlt sich komisch an. Aber Mamas Glück steht bei allem, was geschieht, im Vordergrund.
Es ist alles hier überdurchschnittlich gut gelaufen, hat Jason gesagt. „Du hast wider Erwarten gute Heilungseigenschaften, das hat viel aus gemacht“, hat er das gute Ergebnis der intensiven Abschlussuntersuchung erklärt, „den Rest macht jetzt die Natur und Alex“, und dann hat er gelacht mit uns. John fliegt heute zurück nach Atlanta. Bald jedoch, in zwei Monaten, ziehen sie um nach Kanada. Er freut sich sehr darauf, sagt er. Auch bei ihm ist alles gut gelaufen.
Auf dem Flug von Atlanta nach Kanada kommen sie dann, John und seine Mama, noch einmal hier her in die Klinik, zur Nachuntersuchung, weil eine der operierten Klappen ein leichtes Geräusch macht. Jason will das dann noch mal untersuchen und falls das Geräusch nicht bis dahin weg ist, noch einmal eine Kathederuntersuchung machen. Er will schauen, ob es dicht schließt und das Geräusch nicht weiter wichtig ist. Im schlimmsten Fall muss dann doch noch mal ein eher kleiner arthoskopischer Eingriff stattfinden, er glaubt es aber nicht.
Sorgen muss John sich, aber deswegen wohl keine machen. Ich habe alle Daten mit ihm getauscht und wir wollen täglich Kontakt halten. Wir wollen uns auch Bilder schicken, wie alles wächst und so…..und ja, auch davon, kicher. Mal sehen, wer nach her den längsten hat…..grins.
Unsere Stimmen sind jetzt tiefer geworden, so wie die, von Chris und Matze und auch die Haare sprießen immer Dollar. Bei John war das deutlich besser zu sehen, da er dunkle Haare hat. Bei meinen dünnen, blonden Haaren ist das nicht direkt so leicht zu erkennen.
Jetzt sind wir am Haus angekommen, Chris und Matze erwarten uns freudig an der Treppe. Großes Knuddeln ist angesagt und auch ein paar Tränen kullern. Wir sind einfach nur happy, alle. Es ist siebzehn Uhr und Chris sagt, dass wir heute noch mit Millers unten im Garten grillen, es ist schon alles vorbereitet.
Nach dem wir meine Sachen aus der Klinik aus geladen haben, schicken wir den Van nach Hause, nicht ohne ihn für Morgen früh um neun bestellt zu haben. Dann geht es nämlich ab nach Tomkins Gove, zu Winston, mit dem ich später noch über Skype reden werde. Jetzt werde ich erst mal Mama anrufen und danach Jerome, das muss jetzt sein, meine Freude muss ich mit ihnen teilen, erst dann werde ich runter zum Grillen gehen.
Alex meint, da gutes Wetter ist, soll ich noch ein paar Bahnen im Pool schwimmen, das kann ich nämlich jetzt, auch ohne Nudel. Das haben wir in der Klinik gelernt und geübt bei Dan, er hat nicht eher Ruhe gehabt, bis wir richtig schwimmen konnten. Obwohl das schon anstrengend war, haben wir gern mitgemacht, John und ich und es hat ja dann auch funktioniert.
Wenn wir jetzt bei Remmers schwimmen gehen, muss ich nicht mehr zuschauen, kann mit Ball spielen und darf auch mit in die Sauna. Darauf freue ich mich sehr und auch, dass ich jetzt das Fahrrad von Chris bekomme und er mich lehrt, damit zu fahren. So viele neue Dinge warten auf mich und das ist toll und alles verdanke ich Jerome und Natascha, die das hier alles ermöglicht haben.
Jetzt kann ich ja auch bestimmt in eine normale Schule gehen. Dort, wo die anderen Freunde sind, aufs Gymnasium, da möchte ich hin. Mal sehen, ob das klappt. Ich kann ja dort einen Test machen und dann nehmen die mich auch bestimmt. Jeromes Papa wird das schon regeln.
Nach den Anrufen, Mama ist echt happy und auch Jerome freut sich, bin ich jetzt, mit meinen Badeklamotten und einem großen Handtuch auf dem Weg nach unten und auch Chris und Matze gehen mit mir in den Pool. Millers sind auch schon da und beide Mädchen sind auch schon im Pool.
Mary Lou hat wieder den heißen roten Bikini an und ich muss da schon öfter mal hinschauen, auf die Möpse und auch auf den Po. Das lässt mich nicht kalt und es wächst schon ein bisschen in der Hose. Raus gehen aus dem Pool wäre jetzt gerade nicht so gut, denk ich. Mit der Zeit verflüchtigt sich aber die Härte und alles ist wieder normal. Zum ersten Durchgang Essen kann ich dann ohne Probleme wieder raus gehen aus dem Wasser.
Um neunzehn Uhr etwa, ich war noch einmal im Wasser, wird es kühler und Alex schickt mich hoch zum Anziehen. Oben trockne ich mich ab und hole Kleider. Dabei kommt mir wieder Mary Lou und ihr schöner Körper in den Sinn und mein Penis wird wieder hart und größer. Jetzt hier, allein, beginne ich gezielt mit ihm zu spielen und komme dann, ihren nackten Körper vor meinen Augen, schnell zu dem angestrebten Ergebnis und Boris Worte vom „wenn man einmal anfängt……“ gehen mir durch den Kopf. Ich putze mich ab mit der Badeshorts und ziehe mich dann an und laufe relativ flott, an vorher gemessen, und auch sehr entspannt nach unten. Was Kleines esse ich noch, ich bin ja jetzt am wachsen, da braucht man schon Futter.
Später, nach einundzwanzig Uhr, oben, skype ich mit Winston noch ein bisschen und wir freuen uns beide sehr auf Morgen.

Chris, Dienstag, 21. 09. 14:00 Uhr in Tomkins Cove, bei Winstons Familie.

Seit zwei Stunden sind wir nun hier bei Robins Freund Winston und seiner Familie, die in einem Holzhaus, 16 Boulderberg Road, nicht weit weg vom Hudson River, wohnen. Es liegt ganz am Ende der Straße, die oberhalb von der Hauptdurchgangsstraße abzweigt. Es ist für nicht Ortskundige ohne Navi wohl kaum zu finden. Der Van bleibt in der Nähe, sie fahren zu einer Tank und Raststätte zwei Kilometer von hier und kommen uns dann am Nachmittag um drei Uhr noch mal holen, damit wir vor der Rush Hour wieder bei uns sind und Winston kommt mit. Wir haben gegessen und nun wollen wir am Hudson vorbei einen Spaziergang machen. Sie haben einen Hund, einen Rottweiler und der geht bei Winston an der Leine. Der geht mit Robin etwa dreißig Meter vor uns. Es gibt viel Wald hier in der Gegend und etwas hügelig ist es auch, die Häuser sind weit verstreut, einen richtigen Ortskern findet man nicht hier. Winstons Mutter erzählt einiges über den Ort hier.
Direkt am Fluss oder besser Strom entlang ist eine viel befahrene Eisenbahnlinie mit überwiegend Güterzügen, die fast immer von mehreren großen Diesellokomotiven gezogen werden und oft mehr als hundert Waggons haben. Das sieht man so in Deutschland nicht und es ist schon interessant, wenn so ein stählerner Lindwurm mit etwa sechzig km/h vorbei zieht, mit dem entsprechenden Lärm, versteht sich. Auch in Winstons Haus ist das noch gut zu hören.
Winstons Mutter ist Hebamme und der Vater schafft bei der Western Pacific Railroad, also bei der Eisenbahn und hat immer vier Tage Schicht, dann drei Tage frei und das wiederholt sich das ganze Jahr und wird nur einmal vom Urlaub, dann aber vier Wochen am Stück, unterbrochen.
In die Schule, in einem Randbezirk von NY, fährt Winston immer mit dem Bus. Jetzt ist wohl gerade die letzte Ferienwoche, dann geht es nochmal los damit.
Alles ist hier viel anders als es bei uns ist, größer, weitläufiger und Entfernungen sind hier kein Thema. Nach etwa einer Stunde sind wir wieder zurück. Jetzt wird bald der Van kommen und dann geht es zurück. Winstons Eltern kommen dann morgen um achtzehn Uhr ins Tacco Bell, zum Pizza essen und nehmen den Jungen dann anschließend wieder mit nach Hause.
Am Donnerstag in der Früh packen wir dann, bevor uns der Van dann um zwölf zum Einchecken bringt zum Flughafen. Da es sich um einen Privatflieger handelt, geht alles in einem abgetrennten Bereich und auch wesentlich schneller, so dass wir um halb drei schon wieder in der Luft sein könnten. Sechs Stunden dauert es, dann etwa, bis wir gegen einundzwanzig Uhr deutscher Zeit in Bremerhaven landen werden. Mal sehen, wer uns alles abholt dort und die Leute aus Toronto auch.
Es ist schön, so wieder heim zu kommen, mit einem Robin, der fast wieder ganz gesund ist, der wächst und gedeiht, einfach fantastisch und mit Matze an meiner Seite, der mein Leben so wahnsinnig bereichert hat. Wir sind einfach glücklich im Moment, alles ist so gut, Wahnsinn, und wir genießen das.

Enrico, Dienstag, 21.09. 17:00, auf der Mittagschicht im Hilton.

Gestern war es endlich soweit, Mama war mit unseren Schwestern bei uns zu Hause. Herr Meinle hat mir frei gegeben, Überstunden frei, hat er gesagt. Paolo hat auch um zwölf frei gemacht und ist dann in die Wohnung gekommen. Nach dem er geduscht und umgezogen war, er hat Sachen angezogen, die Natascha ihm gekauft hat. Danach ist er los gefahren, um Mama und die Mädels zu holen. Ich habe vormittags alles Blitz blank gemacht und aufgeräumt, sogar ein Blumenstrauß stand auf dem Wohnzimmertisch und sogar Kuchen habe ich gebacken.
Eine Castagnaccio und einen Pasticiotte Lecce, typisch italienische Kuchen, die Mama so gern isst, sie hat sehr staunen müssen, meine Mama. Sie sind gut gelungen, obwohl ich so was nicht oft mache. Das sind beides Kuchen ohne Creme und Sahne, die erst richtig mit Kaffee zusammen schmecken.
Das Abendessen habe ich vorbereitet, es hat ein vier Gänge Menü gegeben, mit einem Vorspeisen Salat mit Radicchio und Rugova, dann ein Zanderfilet a la Rico und als Hauptgericht dann Picatta Milanese, ein Schnitzel, mit Parmesan paniert und eine Sauce aus frischen Tomaten, Spagetti, selbst gemacht, dazu mit ein paar grünen Bohnen im Speckmantel.
Zum guten Schluss gab es dann ein hausgemachtes Tiramisu, das bereits vor Mittag im Kühlschrank stand. Noah hat mir dann später in der Küche geholfen, das hat er mittlerweile ganz gut drauf, denn immer, wenn ich in der WG koche, hol ich ihn dazu und er lernt gut, mein Schatz.
Noahs Mama kam mit ihm und Frau Remmers kam mit Natascha, so dass unsere Mütter hier und gestern mal zusammen gekommen sind. Beim Treffen der Eltern am Sonntag in der „Alten Luneschleuse“ konnte Mama ja nicht dabei sein, sie musste hinter der Theke stehen im Ristorante. Jetzt hat ja das lang beschlossene Treffen endlich geklappt und ich war echt gespannt, was Mama zu unserer Wohnung, vor allem aber zu unseren Partnern sagen würde. Es war ein toller Tag für uns alle, da waren sich alle einig und ich bin dann, nachdem alles gespült war, mit meinem Schatz in mein Bett gekrabbelt und er hat mich und mein Essen in den Schlaf gelobt. Auch Natascha ist hier bei Paolo geblieben, der sie dann heute Morgen, mit Noah und mir im Auto, bei Remmers zu Hause abgesetzt hat, bevor er Noah und mich zu Schroers gebracht hat. Den Wilfried haben wir auch noch pünktlich mit aufgenommen in Bremen. Alle unsere Gäste aber ganz besonders Mama, waren begeistert und Mama geht es jetzt wieder gut, nach dem sie weiß, dass es ihren Jungs so richtig gut geht.
Noahs Mama hatte schon Frühstück gemacht, als wir kamen heute Morgen und sein Papa und die Oma haben mit uns gefrühstückt. Dann ist Noah mit dem Roller nach Bremerhaven in die Schule gefahren und ich habe dann noch ein bisschen auf seinem Bett geschlafen, bevor ich zur halb Elf Schicht gefahren wurde von seiner Mutter. Sonst, wenn er bei mir schläft, hat er den Roller dabei und fährt dann gleich von uns aus in die neue Schule. Er hat sich schnell dort eingelebt in der neuen Klasse, was wohl auch daran liegt, dass er schon unsere Freunde kannte und deshalb gleich dazu gehörte. Den Alwin hat er dann auch den anderen vor gestellt und der hängt jetzt in den Pausen mit ihnen zusammen ab.
Herr Meinle ist heute super drauf, kommt doch der Doktor schon übermorgen Abend mit den Jungs aus den Staaten zurück. Alles scheint gut gelaufen zu sein und der Kleine wird bald ganz gesund sein und das ist einfach toll, dass es so ist. Ich freue mich, das Noah nicht unwesentlich dazu beigetragen hat durch seine Neugier gegenüber Chris und damit erst das Interesse von Jerome und Natascha geweckt wurde.
Es ist gut gelaufen und das freut alle, die zu uns gehören. Für Morgen habe ich mit Josch getauscht, mache Frühschicht mit Genehmigung von Herrn Meinle, versteht sich. Noahs neuer Schulkamerad kommt um drei in die WG und redet mit uns über die Möglichkeit, Karate zu trainieren. Da Noah mit dem Alwin auf dem Roller dort hin fährt, holt mich seine Mama um viertel nach Zwei hier ab und fährt mich zur WG. Das finde ich einfach toll von ihr und ich mag sie echt gern.
Jetzt kommen die ersten Bestellungen rein fürs Abendessen und wir legen los. Heute geht es bis zweiundzwanzig Uhr, dann holt Noah mich ab.

Robin, Mittwoch, 22. 09.,18:00 Uhr im „Taco Bell“ mit Alex, Matze und Chris und Winston.

Seit fünf Minuten sind wir hier, wir haben vorsichtshalber reserviert, für acht Personen, und jetzt warten wir auf Winstons Eltern, die jeden Augenblick da sein müssten. Speisekarten und Getränke haben wir schon, ich habe Ginger Ale, Coke darf ich noch nicht, hat Alex gesagt. Die drei trinken „Budweiser“, ein amerikanisches Bier. Plörre, sagt Alex dazu und lacht dann immer. Eigentlich haben wir ja schon für mich und Chris die Pizza auf der Party ausgesucht und nach her auch bestellen und Winston „Hawai“, wie immer.
Nun kommen seine Eltern, begrüßen uns und setzen sich. Bald darauf kommt eine Bedienung und nimmt die Bestellungen auf. Winston und ich erzählen, was wir bei uns gemacht haben, Vom unserem Schwimmen, vom Grillen und das wir heute, es regnete öfter und es war trübe, an unserem Computerspiel weiter gemacht haben und damit wohl bald fertig sind. Ich habe mit Winston vereinbart, das ich Jeromes Papa Frage, wie wir es vermarkten können. Vielleicht können wir damit ja etwas Kohle machen. Wenn das klappen würde, das wäre doch geil. In den nächsten Jahren sind an unserem Haus in Bremerhaven einige Renovierungs- und Erhaltungsmaßnahmen fällig. Da wäre es ja gut, wenn ein bisschen Kohle zusätzlich kommen würde. Mal sehen, was Herr Remmers dazu meint.
Er hat übrigens Bilder geschickt, vom neuen Pool und von einem ganz tollen neuen Teich, da bin ich doch jetzt gespannt, wie das in Natura aussieht.
Jetzt kommt das Essen und es sieht gut aus und duftet auch gut. Auf geht’s, die Wette wird jetzt eingelöst und Geld habe ich auch genügend dabei, um später zu bezahlen. Das ich, besser wir, das hier erleben dürfen, wer hätte das noch vor vier Monaten gedacht??? Keiner!

Jerome, Mittwoch, 22.09., abends 20:00 Uhr im Wohnzimmer der WG, mit Sergej, Ole und Frank, Noah und Rico, Kevin und Wolfi, sowie Dirk, Mike, Alex und Ralf, auch Micha und Tom fehlen nicht. Zu Besuch ist immer noch der Alwin Schwertfeger und mittlerweile auch dessen Freund Gerry Sauer.

Wir sitzen in lockerer Runde, Muke läuft im Hintergrund und wir haben uns viel über uns erzählt.
Gegessen haben wir auch schon, heute haben wir Pizza bestellt, weil das beim Besuch und den damit verbundenen Gesprächen am besten war. Da ja jeder einhundert Euro jeden Monat für Essen in die Gemeinschaftskasse macht, hat Ole, der die Finanzen regelt, sein OK gegeben und wir haben bestellt. Da auch Scarlotti Lieferservice hat, haben wir, an Mama Scarlotti und die Mädchen denkend, dort Pizza und auch Pasta bestellt.
Der Alwin, der ist cool und sein Gerry, na ja, die Klischees über schwule Frisöre sind schon spürbar, aber so richtig tuckig ist er eher nicht, na ja, ein kleines bisschen halt schon.
Geschminkt ist er und auch sein Outfit sagt direkt, „Hallo, ich bin schwul“, aber er ist lieb und voll auf den eher Kämpfertypen und seinen Held Alwin fixiert. Süß ist er und das Alwin ihn mag, ist offensichtlich und auch nicht verwunderlich.
Gerry ist etwas kleiner als Alwin, schlank und hat eine tolle Frisur, ein Twink, ähnlich wie Kevin. Ein Undercut, mit einem coolen Streifenmuster, die Seiten dunkel, Natur wohl und das etwas längere Deckhaar in Platinblond mit grünen Strähnen, sieht echt geil aus.
Die Hände, gepflegt und das Gesicht dezent geschminkt, ein bisschen Kajal, die Brauen gezupft und lange weiche Wimpern, alles passt zu einander. Schmuck trägt er, Silber, gewichtig und toll, rundet das Bild ab und wenn ich ihn irgendwie einstufen müsste, dann träfe es die Bezeichnung „sympathische Edelschwuppe“ wohl am besten, durch aus nicht abfällig gemeint, versteht sich. Mir gefällt er und es passt auch alles zu ihm.
Beide gefallen mir echt als Paar sehr gut und Alwin, groß, fast eins neunzig, auch schlank mit breiteren Schultern und ausgeprägter, aber nicht aufgepumpter Muskulatur, ein toller Mann, Gerry auch. Wer hier Top und wer Bottom ist, ist bei näherer Betrachtung klar, finde ich und bevor mir das Kopfkino jetzt eine Megalatte macht, denke ich lieber über Alwins Vorschläge nach. Dass wir ab heute wohl alle wahrscheinlich einen neuen Frisör haben, muss ich wohl nicht extra erwähnen.
Alwin hat uns einiges über seine Karate Karriere erzählt. Viermal hinter einander war er Bremer Jugendmeister, mit achtzehn, also jetzt zurzeit, ist er Bremer Meister bei den Senioren mit großen Ambitionen, ins deutsche Olympiateam zu kommen. Das würde allerdings voraus setzen, das er sich als heterosexueller Spitzensportler darstellen müsste, was bis vor nicht allzu langer Zeit auch kein Problem war. Seit er aber jetzt in Gerry verliebt ist und der in ihn, will er nicht, dass sie ihre Liebe nur heimlich leben und Gerry, der wohl Verständnis hätte, wenn Alwin das möchte, freut sich natürlich sehr, das Alwin ihn an die erste Stelle in seinem Leben gesetzt hat und ihn und sich nicht verstecken will.
„Du bist meine absolute Goldmedaille, mein Schatz“, hat er zu Gerry gesagt und den richtig froh gemacht. Die beiden sind schon Klasse und passen offensichtlich auch sehr gut zu uns. Wir wollen zunächst mal einen Schnupperkurs machen, mit Alwin, damit sich jeder ein Bild dieses Kampfsports machen kann. Vier mal zwei Abende, je zwei Stunden in der Woche will er herkommen, und uns einweisen, zeigen, worauf es an kommt und er ist der Meinung, wenn alle richtig mit machen, das wir bei so vielen Leuten sogar einen eigenen Verein aufmachen könnten, einen Kampfschwuppen e.V., lach, ein Gedanke, der mir und auch wohl den anderen, nicht unsympathisch ist. Mal sehen, was daraus wird.
Ein schwuler Kampfsportverein, das hat was, gerade weil die homophoben uns immer in die Weicheierkategorie einstufen. Ein paar homophobe Heten auf die Bretter schicken zu können und sich gegen homophobe Attacken wehren zu können, das hat was, dem kann ich mich nicht entziehen, mal sehen, was Papa dazu meint.
Darüber hinaus ist Alwin wohl den Mädels und Jungs in der Klasse sehr sympathisch und zu Gerry habe ich ja meine Meinung schon gesagt. Ich und auch mein lieber Drache natürlich auch mögen die zwei und wenn sie wollen, sind sie willkommen hier bei uns.
Ich habe beide zur Party am kommenden Samstag eingeladen und freue mich, ihnen dann den Rest der Freunde, inklusive der Hetenfraktion, vorstellen zu können. Alwin fragt, ob er seinen um knapp zwei Jahre jüngeren Bruder mit bringen darf, der Lars heißt und auch eher Hete ist. Natürlich hat keiner was dagegen und so ist das gebongt. Mama hat auch Rufus Weidens Tochter Sabine zu der Party am kommenden Samstag eingeladen und die jetzt auch schon fünfzehn jährige Josephine Scarlotti, Ricos und Paolos jüngere Schwester wurde von Mama eingeladen, genug neue Leute, finden wir.
Es wird wohl eine Megaparty werden, denk ich. Gegen einundzwanzig Uhr dreißig brechen Alwin und Gerry auf. Gerry hat einen Daccia Duster, mit dem er nach Alwins Anruf gekommen ist und mit dem die beiden jetzt zu Gerry nach Hause fahren, wo Alwin im Hause Sauer schon ein gern gesehener Gast ist. Alwin wird dann von Gerry morgen in die Schule gefahren.
Die Handynummern zunächst haben wir getauscht und Rico und Noah haben für Samstagvormittag einen Termin bei Gerry zum Haare schneiden. Wenn das Ergebnis gefällt, werden wohl noch mehr von uns bei Gerry auf laufen.
Noah und Enrico wollen jetzt fahren und da es morgen regnen soll, fahren sie jetzt nach Bremerhaven in Enricos Wohnung. Paolo holt sie morgen Früh mit, Noah in die Schule und Rico ins Hilton. Der Roller bleibt dann hinterm Haus bei Rico, da ist so ein Unterstand für Fahrräder und Mopeds, Roller oder so. Da ist immer Platz. So an der Straße will er den neuen Roller nicht abstellen und der Stellplatz an der Schule ist auch nicht so gut.

Alwin, in der WG zur gleichen Zeit.

Heute bin ich vereinbarungsgemäß mit Noah Schroer, meinem alten und neuen Klassenkameraden hier her in diese, auf den ersten Blick so total geile, Studenten WG gefahren und Gerry, mein Schatz ist nach Ladenschluss ebenfalls hier her gekommen. Der Salon ist immer bis Neunzehn Uhr geöffnet und heute war nicht so viel Betrieb, so dass mein Schatz gleich um neunzehn Uhr abhauen und hier her kommen konnte.
Gleich, so gegen halb Zehn, fahren wir zu ihm nach Hause und Morgen früh bringt er mich zur Schule in Bremerhaven. Seine Eltern mögen mich, hab ich das Gefühl und ich darf schon seit drei Wochen öfter mal bei ihm übernachten, obwohl wir uns erst gerade mal fünf Wochen kennen. Bei uns zu Hause war Gerry über Nacht zum ersten Mal am Sonntag, Mama ist da immer ein bisschen komisch, obwohl ich nur selten mal jemanden mit gebracht habe. Auch mein Bruder hat eher selten Besuch über Nacht, das liegt wohl mit daran, dass wir erst sechs Jahre in Lehe wohnen und dort eher wenige Freunde haben. Vorher haben wir in Hamburg gewohnt, bevor Papa die Zahnarztpraxis in Lehe übernommen hat.
Mama ist auch Zahnärztin, Papa ist zusätzlich noch Kieferchirurg und die Praxis läuft echt gut. Ich muss Papa mal fragen, ob er mir einen kleinen Wagen kauft, das wäre doch echt gut für mich und ich könnte ja dann auch das ein oder andere für ihn und Mama erledigen und auch meinen Bruder fahren, wenn Mama oder er keine Zeit haben. Mein Bruder Lars hat mit mir die Schule gewechselt aber das war mir gleich klar, nach dem wir wussten, dass es relativ einfach ging bei mir. Wir verstehen uns gut und Lars hängt sehr an mir, ist auch im Karateverein und auch sonst haben wir viel zusammen gemacht in der Vergangenheit.
Anfangs war er wohl etwas eifersüchtig auf Gerry, aber nach einem längeren Sechsaugengespräch ist Gerry für ihn jetzt mehr als OK und nach dem er ihm dann noch einen Sau coolen Haarschnitt verpasst hat, stimmt alles. Wenn er will, ich habe Jerome gefragt, dann darf Lars ja am Samstag mit zur Party, mit mir auf Party, das wird ihn freuen.
Ich muss unbedingt mit meinen Eltern reden, ich möchte schon gern jetzt ein Auto haben, was Kleines reicht mir vollkommen. Nur einfach, um mobil zu sein. Gerry hat zwar ein Auto, ich will aber mehr selbstständig sein, gerade zur Schule und so und mein Schatz muss ja auch jeden Tag außer Sonntag und Montag immer lange arbeiten. Es wäre alles besser mit Auto und am Geld wird es bei uns wohl eher nicht scheitern. Mama hat einen dreier BMW und Papa einen fetten Daimler, da muss doch für son Lütten für mich noch Kohle da sein.
Wir brechen jetzt auf, verabschieden uns von allen und gehen durch den relativ langen Flur in Richtung Ausgang, Jerome und Sergej begleiten uns. „Toll, diese Bilder“, meint Gerry plötzlich und bleibt vor einem stehen. Auf dem Schildchen unten rechts hinter dem Glas steht: „Nest einer Eiderente“ und die sieben kleinen Wollbälle darin sehen allerliebst aus. Gerry hat Tiere und Natur sehr gern, vor allem, wenn er Tierbabys sieht, ist er immer hin und weg.
„Die hat alle Wolfi gemacht, die Bilder“, sagt Jerome, „der hat jetzt eine kleine Firma hier unten im Gebäude. Die Motive sucht er sich am Meer aber auch im Umland, das sind immer tolle Bilder.“
„Wow, einfach geil sind die“, sagt Gerry, „Davon hätte ich auch gern welche.“
„Jetzt gleich?“, fragt Jerome, „oder lieber später?“ Gerry schaut auf die Uhr, schaut mich an und ich, ich nicke jetzt einfach mal, will wissen, was jetzt kommt.
Sergej läuft zurück zum Wohnraum und sagt was durch die Türe. Kurz darauf kommt Wolfi raus, dicht gefolgt von seinem Freund, Kevin heißt der und sieht meinem Gerry rein äußerlich, Figur und so, sehr ähnlich.
Die drei kommen zu uns vor das besagte Bild und Wolfi fragt meinen Schatz: „Kann ich dir irgendwie helfen?“ „Das Bild hier gefällt mir so gut, hast du noch mehr als das eine oder Ähnliche?“, will Gerry wissen. „Ja, habe ich, dieses aber zurzeit nur in Schwarz Weiß, in Bunt müsste ich es erst machen.“, sagt Wolfi. „Wann kann ich denn mal sehen, was du so alles hast an Bildern?“, fragt mein Schatz. „Heute würde das zu spät“, sagt Wolfi, Kevin und ich stehen früh auf und zehn Minuten reichen nicht zum Schauen. Wann kommt ihr denn wieder her?“
„Vielleicht geht es ja am Montagnachmittag“, sagt Gerry und schaut dabei mich an. Ich nicke und auch Wolfi ist das recht. „Ab halb drei bin ich hier“, sagt er, „wann willst du kommen?“ „Halb vier“, meint Gerry, „ist das OK?“ „Ja, OK“, sagt Wolfi, „halb vier, ich freue mich drauf.“
Nach einer erneuten Verabschiedung laufen wir die große Treppe runter zum Auto und er wirft mir den Schlüssel zu.“Fahr du“, sagt er, was mich sehr freut. Er weiß sehr genau, dass ich sehr gern Auto fahre, er weiß aber auch genau, dass es dafür im Bett später eine extra Belohnung gibt. Gerry wohnt in einer eigenen Drei Zimmerwohnung über dem Laden, seit etwa drei Monaten. Die Eltern wohnen in Spade, da hat Gerry aber auch noch ein großes Zimmer mit Duschbad und Balkon.
Jetzt fahre ich los und zehn Minuten später sind wir auf der Autobahn Richtung Bremerhaven. Um fünf nach halb Elf schließt Gerry die Wohnungstüre hinter uns ab und jetzt wird sich erst mal ein bisschen warm geknutscht, bevor wir uns bei einer gemeinsamen Dusche ein wenig auf den restlichen Abend einstimmen. Die zweite Wohnung über dem Salon ist von unserer hier durch das Treppenhaus getrennt, so dass uns keiner hören wird bei unseren diversen Spielchen. Gerry geht immer voll ab, wenn ich in ihm stecke und zum guten Schluss schreit er richtig gut, während ich laut stöhne.

Wolfi, Mittwoch, 22.09. 23:00 Uhr, im Bett mit Kevin.

Nach einer gemeinsamen Dusche liegen wir, sein Po drückt an meinen Südpol, entspannt und müde in den Kissen. Meine Nase reibe ich in seinem Haar, das immer so gut riecht. „Ich finde die zwei nett, den Alwin und den Gerry“, sagt Kevin. „Mir gefallen sie auch, beide“, sag ich.
„Meinst du, er wird auch Bilder kaufen wollen, der Gerry?“, fragt mein Schatzi. „Es sah mal vorhin so aus“, antworte ich, „wenn er wirklich will, dann bekommt er auch Prozente von mir.“ „Ich denke, wir werden sie jetzt wohl häufiger sehen“,sagt er, „alle finden sie in Ordnung und wenn das mit dem Karate was wird, gehören sie bald ganz mit dazu, wetten?“
„Das denke ich auch“, sag ich, „wie ist es denn mit uns, machen wir da auch mit, so richtig?“ „Wir machen auf jeden Fall die Schnupperstunden mit“, sagt er, „und wenn das gut kommt, dann bleiben wir dabei. Es hält uns fit und wenn wir mal bedroht werden sollten, können wir uns wenigstens verteidigen und zwar richtig.“
Nach dem das nun geklärt ist, beuge ich mich über ihn und wir geben uns einen langen Gute Nacht Kuss. Dann wird geschlafen. Kevin hat Frühdienst und da das Wetter schlecht gemeldet ist für Morgen, werde ich ihn fahren, damit er trocken und wohl behalten im Hilton ankommt.

So, das war es für diesmal, ich hoffe, es hat euch gefallen
LG Niff

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Traumschiff - Teil 98, 10.0 out of 10 based on 33 ratings

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3 Gedanken zu „Traumschiff – Teil 98

  1. Jippie, Lesenachschub,freufreu😄😄 Dass Du trotz Krankheit die Kraft hast weiterzuschreiben, verdient höchsten Respekt, Hut ab. Ich wünsche dir auch weiterhin alles Gute und hoffe, dass wir noch viel von dir zu lesen bekommen.

    VlG Andi

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  2. Hallo Niffnase,
    Krankenwünsche
    Drei Tugenden wünsche ich dir:
    Geduld, um abwarten zu können,
    Kraft zum Weiterkämpfen
    und Vertrauen in dich selbst!

    Danke für den neuen Teil dieser tollen Geschichte
    welche nie Langeweile in sich hat.

    Gruss und gute Besserung wünscht Dir
    Walter

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  3. Wow, wieder eine tolle Folge mit Überraschungen, wirklich klasse. Hoffe, dass es dir ein wenig besser geht, Hermann.

    VlG Andi

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