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Dez 21

No one else – 21.Türchen

 

Dick eingepackt stand ich vor den Central Parkhotel und wartete, dass Placido heraus kam.

„Davide…?“

Ich drehte mich um, und sah Jakob auf mich zu kommen. Er zog einen großen Koffer hinter sich her, hatte eine Tasche geschultert. Neben ihm lief eine alte Dame mit Stock, die einen weiteren Koffer hinter sich herzog.

„Grandma, darf ich dir Davide De Luca vorstellen, dass ist Placidos Freund aus Italien.“

„Guten Abend junger Mann“, meinte die Grandma von Jakob.

Ich schüttelte ihr die Hand.

„Er darf noch nicht reden, seine Stimmbänder sind immer noch stark entzündet.“

Die alte Dame lächelte mich an.

„Dreimal täglich Solewasser inhalieren, das hilft“, gab sie mir den Ratschlag ohne meine Hand loszulassen

„Grandma, er kriegt schon genug Medizin.“

Ich musste lächeln, weil Jakob so gut informiert war.

„Alte Hausmittel sind immer besser als dieses chemische Zeugs…“

Ich nickte ihr zu.

„Junge, Jakob hat mir erzählt, warum du so schnell abreisen musst. Es tut mir sehr leid und wünsche dir alles Glück, dass alles wieder gut wird.“

Mein Lächeln verschwand, aber ich nickte ihr zu.

Placido hatte kurzerhand entschieden, dass Jakob mich nach Italien begleiten sollte, denn er war hier noch ein oder zwei Tage beschäftigt. Gestern Abend hatte sich heraus gestellt. dass die Agentur eigentlich ihm gehörte, die ihn vertrat, so konnte er auch problemlos Richard feuern.

Er hatte sie irgendwann aufgekauft, als sie wirtschaftlich schlecht da stand, als Geldanlage. Placido erzählte mir viel von sich in dieser Nacht, fast seinen ganzen Lebenslauf, so hatte ich nicht viel Schlaf abbekommen. Aber durch den Vorfall mit Richard war ich auch nicht fähig einzuschlafen.

Er saß nun in Untersuchungshaft, aber das hatte er sich selbst zu zuschreiben. Mit gleich zwei Klagen am Hals, einmal wegen Veruntreuung und wegen versuchten Mordes, würde er lange von der Bildfläche verschwinden.  

Schon vor unserem Vorfall war ein Haftbefehl für ihn ausgestellt worden. Doch war er rechtzeitig verschwunden, bevor ihn die Polizei fest setzten konnte. Placido kam aus dem Hotel getreten, hinter ihm ein Page mit meinen Sachen. Er kam zu mir und begrüßte Jakob, Grandma.

„Danke, dass sie es Jakob ermöglichen, mit nach Europa zu reisen.“

„Ich möchte nur, dass mein Junge glücklich wird und ihm dabei keine Steine in den Weg legen.“

Der Wagen fuhr vor und Jakob half dem Fahrer unser Gepäck zu verladen. Placido dagegen, drehte sich zu mir. Seine Augen waren feucht.

„Du weißt nicht, wie ungerne ich dich fahren lasse.“

Ich formte meinen Mund zu einem „Doch“.

„… es wird schon irgendwie gehen…“, flüsterte ich sehr leise.

Er nahm mich in den Arm und drückte mich fest an sich.

„In spätestens zwei Tagen sind wir wieder zusammen…“

Ich nickte.

„Ich liebe dich… Davide De Luca!“

„Ich dich auch…“, flüsterte ich ihm ins Ohr.

„Jungs hört auf, mir kommen gleich die Tränen vor Rührung“, kam es von Jakobs Grandma.

Lächelnd trennten wir uns. Jakob hielt mir die Tür auf, so stieg ich hinten ein. Er selbst nahm vorne beim Fahrer Platz.

„Junge, pass auf dich auf und melde dich, vergiss das nicht.“

„Sicher nicht Grandma!“

Der Wagen rollte an und wir schlossen unsere Fenster. Ich sah zu Placido, der mir noch hinter her winkte.

*-*-*

Der Flug war ruhig gewesen. Dieses Mal war es eine reguläre Linienmaschine gewesen und ich hatte fast den ganzen Flug geschlafen. Jakob saß neben mir, hatte Kopfhörer ins Ohr gestöpselt und ein italienisches Wörterbuch in der Hand.

Ich lächelte. Mit meinen Fingern spielte ich mit dem Ring, den mir Placido angesteckt hatte. Schmunzelnd dachte ich wieder an die Szene im Restaurant, als er mir den Antrag machte, aber andere Gedanken machten sich breit, ließen mein Lächeln verschwinden.

Bisher hatte ich nichts weiter von zu Hause gehört. Einzig das Telegramm von Letizia war Informationsgeber. Anrufen konnte ich nicht und wollte ich auch nicht. Recht spät am Abend landeten wir in Florenz, wo uns schon ein Wagen des St. Regis erwartete.

Placido hatte wirklich an alles gedacht. Die Suite hatte zwei Schlafzimmer, so dass Jakob in unserer Nähe war. Dies sollte so bleiben, bis die Wohnung im Haus der Familie hergerichtet war.

Am Hotel trennten wir uns. Während Jakob mit Hilfe von Gasparo, der übrigens fließend Englisch sprach, eincheckte, war der Fahrer des St. Regis so freundlich, mich direkt ins Krankenhaus zu fahren.

Dort wollte ich mich mit Letizia treffen, der ich nach unserer Ankunft, direkt eine Nachricht zukommen lassen hatte. Den Kopf an die Scheibe gelehnt, blickte ich während der Fahrt nach draußen.

Alles war so herrlich geschmückt, aber richtig genießen konnte ich es nicht richtig. Wie es Vater wohl ging. Ein halbes Jahr hatte ich die Familie nicht gesehen und auch keinen Kontakt zu ihnen.

Lediglich der Anruf Danas vor meiner Abreise in die Staaten. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich völlig hilflos fühlte. Mir fehlte Placido. Er hätte mich jetzt sicher gestärkt und gut zugeredet.

Der Fahrer fuhr die Auffahrt hinauf und setzte mich direkt vor dem Krankenhaus ab. Die Frage nach Abholung verneinte ich mit einem Kopfschütteln.

„Davide…!“, hörte ich Letizia Stimme.

Ich drehte mich in die Richtung, woher die Stimme kam und sah Letizia auf mich zu lassen. Wir begrüßten uns mit einer Umarmung.

„Ich habe dich vermisst, obwohl du nur kurz weg warst. Placido reist mir übrigens den Kopf ab, wenn ich dir erlaube auch nur ein Wort zu reden.“

Ich lächelte sie an.

„Er meinte auch, es wäre besser, wenn ich etwas zu schreiben mitnehme, dass wir uns besser verständigen können.“

Dabei reichte sie mir einen kleinen Notizblock und einen Stift. Sofort begann ich zu schreiben und reichte ihr den Block dann wieder.

„Wissen sie, dass ich komme und wie geht es IHM?“, lass sie laut vor, „so wie ich mit bekommen habe, scheint er stabil und nein, sie wissen nicht, dass du kommst, ich dachte es wäre besser, wenn du sie überraschst.“

Ich hob die Augenbraun, atmete tief durch und zuckte mich den Schultern. Letizia klopfte mir auf die Schulter.

„Komm, wird schon werden“, meinte sich und zog mich ins Innere des Krankenhaus.

Wenig später verließen wir den Aufzug. Ich folgte einfach Letizia, denn sie schien zu wissen, wo es hinging. Nach einer weiteren Biegung kamen Dana und Emilio in Sicht. Dahinter saß meine Mutter.

Die beiden schauten auf und dann passierte etwas Unerwartetes. Emilio sprang auf.

„Was willst du hier?“

Er kam auf mich zu gelaufen und holte aus. Die Wucht seiner Faust in meinem Gesicht, schleuderte mich nach hinten auf den Boden.

„Emilio!“, rief Elena, die gemeinsam mit Mutter aufgesprungen war und Emilio versuchten zurück zuhalten.

Letizia war dagegen zu mir geeilt und kniete sich neben mich. Ich schmeckte Blut, griff nach der Oberlippe, die anscheinend blutete. Meine Kollegin half mir auf. Ich griff in meine Brusttasche, zog den Block heraus und schrieb Letizia, dass wir wohl unerwünscht sind und besser gehen sollten.

„Du spinnst wohl, du bist extra von New. York hier her geflogen, um deinen Vater zu sehen und jetzt…

„Lass es!“, schrieb ich.

„Warum?“

„Weil ich auf das hier kein Bock habe…“, kritzelte ich weiter aufs nächste Blatt.

„Warum spricht Davide nicht?“, hörte ich plötzlich die besorgte Stimme meiner Mutter.

„Seine Stimmbänder sind entzündet und er hat absolutes Redeverbot“, erklärte Letizia leicht angesäuert und warf Emilio einen bösen Blick zu.

„Mein Gott Junge“, kam es wiederum von meiner Mutter.

Ich hob meine Hände abwehrend vor mich. Letizia reichte mir ein Papiertaschentuch, dass ich an meine Lippe hielt, während die anderen drei beieinander standen und diskutierten.

„Musstest du ihn gleich schlagen“, fuhr Dana meinen Bruder an.

„Er hat es verdient! Nur wegen ihm liegt Vater da drinnen!“, trotze Emilio zurück.

„Kinder, streitet euch nicht!“, warf meine Mutter ein, aber die Streithähne schienen nicht auf sie zu hören.

Eine Tür öffnete sich und eine Schwester trat heraus.

„Das ist hier ein Krankenhaus, könnten sie ihre Stimme drosseln!“

Schon war sie wieder verschwunden und auf die Schwester hörten die beiden wohl mehr, als auf die eigene Mutter. Ich hielt den Abstand zu den Dreien aufrecht und setzte mich auf einen der freien Stühle, drei Zimmer weiter.

Auf noch so einen Schlag hatte ich keinen Bock. Am liebsten wäre ich aufgesprungen und einfach gegangen, aber Letizia neben mir hielt sich an meinem Arm fest. So schaute ich auf den Boden und versuchte den Schmerz im Gesicht zu ignorieren.

Gedankenverloren spielte ich mit meinen Ring. Plötzlich griff Letizia nach meiner Hand.

„Was ist das für ein Ring?“, flüsterte sie.

Ich griff nach meinem Block.

„Den hat mir Placido an die Hand gesteckt, nachdem er mir einen Antrag gemacht hat.“

Letizia bekam große Augen.

„Er hat was?“, entfuhr es ihr laut.

Selbst erschrocken über ihre eigene Lautstärke, legte sie die Hand auf ihren Mund. Der Rest meiner Familie schaute zu uns. Ich zeigte auf den Block.

„Ihr seid verrückt!“, flüsterte nun Letizia nun wieder, „aber ich freue mich für euch.“

Dabei umarmte sie mich und drückte mir einen Kuss auf die Wange.

„Glückwunsch! Das hätte ich jetzt nicht gedacht.“

„Ich auch nicht“, schrieb ich weiter, „einen romantischer Antrag im Restaurant an einem gefrorenen See im Zentralpark.“

„Wie süß…“

„Auf was warten wir hier eigentlich.“

„Der Arzt ist drinnen.“

„Woher bist du so gut informiert?“

„Ich habe meine Quellen.“

„Auch hier im Krankenhaus?“, schrieb ich.

Letizia lächelte. Ich nahm war, dass sich Dana erhob und zu mir kam. Sie setzte sich neben mich und griff nach meiner Hand.

„Danke dass du gekommen bist, Kleiner und entschuldige bitte Emilio, du kennst ja sein Temperament.“

Sie hatte Kleiner gesagt, was dafür sorgte, dass meine Sehnsucht zu Placido wieder stärker wurde. Ich zückte den Stift und schrieb weiter.

„Er ist immerhin mein Vater, auch wenn er mich nicht sehen will.“

„Es tut mir Leid, Davide. Ich hätte mich nicht auf die ganze Sache einlassen und gleich zu dir halten sollen.“

„Späte Erkenntnis…“ kam es leise von Letizia.

Ich verdrehte meine Augen und wollte gerade etwas schreiben, als sich die Tür zum Zimmer meines Vaters öffnete und ein Arzt mit ernstem Gesicht heraus kam.

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