Traumschiff Teil 104

Rückblick… Bonn… KarateKid…Tauwetter… Suche… Verlust/Gewinn… Unverhofft kommt oft… Was nun?

Martin, Montag, 11.10. 2010, um halb Neun mit dem SUV auf der Autobahn, Richtung Köln/Bonn mit Ralf und Lex.

Meine erste Fahrt als verheirateter Mann und Vater führt mich auf ausdrücklichen Wunsch von Carl August mit Lex und Ralf nach Bonn, zur Familie Buchmann. Um 8:30 Uhr sind wir los, mit dem Q7. Für die knapp dreihundertfünfzig Kilometer, überwiegend Autobahn, rechne ich drei bis drei einhalb Stunden. Bei den Buchmanns wird Lex um 12:30 Uhr erwartet.

Die zwei sitzen hinten und schmusen rum, wohl auch, um Lex ein bisschen ab zu lenken, von dem, was jetzt noch einmal auf ihn zu kommt. Sie sehen müde aus und Lex Kopf liegt jetzt auf Ralfs Schulter, die Augen sind geschlossen. Auch dem Ralf fallen dauernd die Augen zu.

Für mich Zeit, den Samstag und Gestern noch einmal Revue passieren zu lassen, ohne dabei den Verkehr außeracht zu lassen. Viel um die Vorbereitung unserer Verpartnerung, von der Oma, aber auch von vielen der Jungs und Mädels „Hochzeit“ genannt, brauchten wir, mein Kai und ich, uns ja nicht zu kümmern. Das hat alles Familie Remmers erledigt, so als ein kleines „Danke schön“, hat die Oma gesagt und auch, um ein Zeichen zu setzen für mehr Gleichheit und Normalität in Deutschland.

Wir haben uns lediglich um unser persönliches Outfit gekümmert, schon recht früh, vor einigen Wochen, weil Anzüge von der Stange passen Kai und mir nicht. Auch bei einer Schuhgröße von fünfundvierzig bei Kai und sechsundvierzig bei mir muss man rechtzeitig mit der Suche beginnen, wenn es was Edles sein soll.

Die beiden Jungs waren ja noch von Lis Geburtstag her gut ausgestattet und da das Grau von Kevins Anzug uns so gut gefiel, haben wir uns kurzer Hand für ein ähnliches Grau entschieden, zu dem die tollen Regenbogenkrawatten ja auch ganz ausgezeichnet gepasst haben. Wolfi hat jedes Detail und alles im Bild festgehalten und wenn ich von Bonn zurück bin, gibt es eine große Bildershow im Wohnraum der WG mit dem Beamer für alle. Das habe ich schon mit Jerome und Wolfi besprochen.

Gleich, in etwa fünfzehn Minuten fahren wir an Osnabrück vorbei und wenn es weiterhin so gut läuft, wie bis jetzt, dürften wir um 10 Uhr etwa in der Nähe von Dortmund sein. Am Rand des Ruhrgebiets vorbei fahren wir dann über Wuppertal, Leverkusen und Köln nach Bonn. Bis zum Autobahnkreuz Leverkusen fahren wir immer auf der A 1, auf die wir von Bremerhaven kommend, in Bremen auf gefahren sind. Es ist der übliche Montagmorgenverkehr und die A 1 ist immer gut befahren. Trotzdem läuft es gut, wir kommen bestens voran.

Der Samstag war schon ein toller, einmaliger Tag für Kai und mich, Kevin nicht zu vergessen, der ja nun auch einen neuen Namen und einen neuen Status hat. Alles war bestens organisiert und alle Jungs und Mädels, die meisten mit ihren Eltern, waren zu Remmers oder gleich zum Standesamt gekommen, um bei der „Hochzeit“ dabei zu sein. Sogar die Presse war vor Ort.

Der Konvoi, bestehend aus 20 Wagen, von der Protzkiste mit dem bombastischen Schmuck angeführt, sorgte bei der Fahrt durch die Stadt ordentlich für Aufsehen und so kam es dann wohl auch zu einer sehr ansehnlichen Menge an Zuschauern, die vor dem Standesamt auf uns warteten, als wir raus kamen. Es gab sogar Applaus und negative Reaktionen blieben vollkommen aus. Ich denke, es waren weit über hundert Leute, die dort nach unserer „Trauung“ dort standen.

Dann ging es im Konvoi, wieder durch einige sehr belebte Straßen der Stadt hinaus zur alten Lunneschleuse, wo wir dann als geschlossene Gesellschaft das ganze Lokal für uns hatten. Das Personal gratulierte uns und dann wurde richtig gefeiert, mit kalt-warmem Buffet, Kaffee und Kuchen und abends noch mal Buffet und Live-Musik und Tanz.

Natürlich mussten Kai und ich den „Brauttanz“ machen, kein Problem für uns, es war ein Walzer. Die Band spielte dann auch einiges für die jungen Leute und es wurde recht viel getanzt. Die Oma hat dann zu Alex Brunner und Markus Meinle gesagt, wenn sie auch jetzt Lust auf so eine „Trauung“ bekommen hätten, sollten sie nicht ewig warten, damit Robin der jetzt gekaufte Anzug auch noch passt.

Dann haben Oma und Frieda herzlich gelacht und die zwei Männer haben nicht so intelligent aus dem Anzug geguckt und sogar rote Backen bekommen.

Alles war einfach toll und die meisten sind auch lange geblieben. Das Kai und ich gern gut kochen und überwiegend italienisch, konnte man an den vielen Geschenken sehen. Feine, teure Öle und Balsamico, aber auch gute Weine haben wir geschenkt bekommen zu unserer „Hochzeit“ und wir sind da echt sehr verwöhnt worden von allen. Es war echt eine unvergessliche „Hochzeit“ und es war einfach perfekt. Das dann Kevins Adoption gleich mit vollzogen werden konnte, toppte alles noch zusätzlich und wir und der Junge waren einfach glücklich. Das alle unser Glück mit uns gefeiert haben, war natürlich auch einmalig. Dann kommt ja im November noch die Hochzeitsreise nach New York, ins Musical, mit einer Woche im Hilton, nur Kai und ich, da freuen wir uns sehr drauf.

Dortmund liegt jetzt hinter uns, Hagen kommt jetzt, dann Wuppertal. Die Blase drückt, es wird Zeit für eine Pause. Ich fahre noch ein Stück, an Wuppertal vorbei und halte dann auf der Raststätte Remscheid, das liegt im bergischen Land. Als ich anhalte, werden auch die 2 hinten wach und ich sage: „Pinkelpause und ein Kaffee und ein Brötchen wären auch nicht schlecht.“ Wie erwartet Zustimmung und so steigen wir aus und ich sperr den Wagen ab.

In der Raststätte ist mäßiger Betrieb und nach dem Toilettengang holen wir uns, was jeder gerade möchte. Hier ist Selbstbedienung und so warte ich an der Kasse und bezahle für uns 3, so wie es mir Lis aufgetragen hat.

Wir suchen uns einen freien Tisch und dann nehmen wir unser zweites Frühstück ein, obwohl es auch schon ein frühes Mittagessen sein könnte. Alex merkt man schon an, dass das hier für ihn keine Vergnügungsfahrt ist, aber ich denke, bei der ersten Bonn Fahrt war es um einiges schlimmer für ihn. Jetzt hat er ja auch den Ralf als seinen Schatz dabei, der ihn stützt, für ihn da ist und der ihm gut tut. Ich denke, wenn wir heute Abend zurück fahren, geht es ihm besser und er kann in Frieden mit Uwe abschließen.

Sollte es zu spät werden, können wir im Hilton in Bonn übernachten, hat der Chef gesagt. Ich soll ihn dann vorher nur kurz anrufen, damit er alles regeln kann. Ich würde schon gern heute noch zurück zu meinem Mann, ein bisschen Hochzeitsnacht feiern oder machen. Die „dritte“ Runde, nur wir zwei, das wäre doch nicht schlecht. Der Gang zum Standesamt hat bei uns beiden wohl die Libido erheblich angekurbelt und Samstag Nacht, bzw. Sonntag in der Früh ist ja nicht so viel gelaufen.

Alex hat jetzt Ferien mit den anderen Schülern zusammen, die Studenten haben aber nicht frei und die, die arbeiten müssen, also auch Ralf, müssen morgen wieder ran. Ralf hat Mittagsschicht, wenn es heute wirklich zu spät zum Heimfahren wird, reicht das auch noch morgen früh. Wir beenden die Pause, bringen das Geschirr zurück und dann geht es weiter. Es sind jetzt noch knapp 60 Kilometer, dann haben wir Bonn erreicht. Das kommt dann auch gut mit der Zeit hin, wenn es gleich bei Köln keine Staus gibt. Da ist fast immer irgendein Stau, ich hoffe, das wir verschont bleiben. Zum Glück staulos erreichen wir Bonn und kurz vor 12 Uhr setze ich die beiden bei den Buchmanns vor der Haustüre ab.Wir verbleiben so, das ich zunächst mal den Wagen tanke, irgendwo was Kleines esse und spätestens um sechzehn Uhr wieder dort vor der Türe sein werde. Sollten sie mich früher brauchen, es gibt ja Handys, sage ich und fahre dann los. Eine Tankstelle finde ich nach etwa zehn Minuten und als das erledigt ist, suche ich mir eine Pizzeria, mir ist gerade nach Italienisch.

Alwin, Montag, 11.10.2010, 16:10 Uhr, mit Gerry im Training in der WG.

Wir, mein Schatz und ich, haben heute Morgen mein neues und geiles Auto angemeldet und dann nach her abgeholt, bei einem Händler in Loxstedt. Der Händler ist mit seiner Familie bei Papa in Behandlung, Privatpatient und deshalb nun auch ein Auto von ihm, eine Hand wäscht die Andere, sagt Mama immer.

Zuerst wollte ich ja so einen, wie Matze und Gerry ihn haben, jetzt habe ich einen Subaru ACTIVE 2,0X bekommen, ein kleinerer SUV mit hundertzehn KW, also hundertfünfzig PS, der laut Mama nach Abzug diverser Prozente knappe zwanzigtausend Euro gekostet hat.

Sie hat ihn in Metallic Blau ausgesucht und er hat Allrad und auch sonst alles drin, was nötig ist. Auf unnötigen Schnick Schnack haben sie verzichtet.

Ich bin bald ausgerastet vor Freude bei dieser Überraschung. Gerry und ich waren gestern zum Mittagessen bei uns in Lehe, so heißt der Stadtteil, in dem wir wohnen, eingeladen. Nach der bei uns sonntags immer servierten Suppe haben sie es gesagt, das mit dem Auto.

Den KFZ-Brief hatte Papa schon zu Hause, so dass wir heute Morgen, es sind ja Ferien und Gerry hat frei, das Auto selber zulassen und dann auch in Loxstedt abholen konnte. Das war mir schon wichtig, wegen der Nummer, die jetzt BHV-AG 210 ist. Die war frei und ich habe natürlich gleich zugeschlagen. Alwin-Gerry Februar 2010, so heißt das jetzt für uns. Unsere Vornamen und der Monat und das Jahr unseres Zusammenkommens, das passt doch. Gerry freut sich auch ganz doll mit mir und so sind wir auch früh los, heute Morgen.

Wir sind überzeugt, auch zum ersten TÜV-Termin und darüber hinaus noch immer ein Paar zu sein, eigentlich wäre es uns für immer recht. Wer weiß, was das Leben noch bringt.

Gerry, wir waren ja gestern ab Mittag bei uns zu Hause, hat mit mir nun zum zweiten mal in meinem Bett geschlafen und meine Eltern sehen es wohl jetzt ganz relaxt und haben ihn wohl als Schwiegersohn-Anwärter akzeptiert.

Nach dem Lars so von der tollen Frisur der Frau Remmers geschwärmt hat, hat sich Mama einen Termin bei Gerry für den kommenden Donnerstag geholt. Gerry hat mit meinem Laptop in seinem Terminplaner geguckt und Mamas Termin dann gleich dort eingetragen. Das fand Mama schon sehr cool, dass er das von uns zu Hause und an einem Sonntag machen kann. Papa meinte, er will mal ausprobieren, ob das für die Praxis auch sinnvoll und machbar ist. „Da gibt es spezielle Programme dafür“, hat Gerry gesagt, „bestimmt auch für Arztpraxen.“

Nach der Zulassung im Amt gingen wir zu seinem Auto. Ich hatte die neuen Nummernschilder und den Kfz-Brief und den neuen Kfz-Schein in der Hand und konnte es immer noch kaum fassen, das ich jetzt ein Auto hatte. Und dann noch ein ganz neues, was war ich so froh. Gerry küsste mich nach dem Einsteigen, sagte: „Herzlichen Glückwunsch zum ersten eigenen Auto, mein Schatz“, dann fuhr er los, Loxstedt, wir kommen.

Von der Zulassungsstelle in der Bürgermeister-Smidt Straße fuhren wir Richtung Autobahn und dort Richtung Bremen bis zur Ausfahrt Wulsdorf. Dann geht es über die Bundesstraße 27 und dann rein nach Loxstedt. Dort, in der Bahnhofstraße 99, gegenüber vom Netto-Markt, ist das Autohaus Köhler und da meldeten wir uns.

Dann ging alles recht schnell, ein Azubi befestigte die von mir mitgebrachten Kennzeichen am Fahrzeug und vom Chef bekam ich dann die Schlüssel überreicht. Sanft fuhren meine Hände über die geile Lackierung, während der Herr Köhler mir noch ein paar Tipps mit auf den Weg gab. Dann setze ich mich in mein erstes, eigenes Auto und stellte Sitz, das Lenkrad und den Spiegel ein, bevor ich zum ersten mal den Starter betätigte. Kraftvoll sprang der vier Zylinder Boxermotor an und ich gab ein paarmal etwas Gas…..irre. Gerry fuhr los, wir wollten zunächst noch mal zu uns, das Auto vorstellen. Ich fuhr vorsichtig an und hängte mich hinter meinen Schatz, der jetzt zügig zurück zur Autobahn fuhr.

Ich war begeistert, der Wagen lief gut und es ist ein Sau geiles Feeling, im eigenen Wagen unterwegs zu sein. Auf der Autobahn fuhr Gerry dann mit hundertzwanzig vor mir her und mit entsprechendem Abstand folgte ich. Da es gerade mal Mittag war, 12:10 Uhr zeigte die Uhr des Wagens an, herrschte nur mäßiger Verkehr und es gab keine Probleme beim Fahren. Um 12:35 Uhr sind wir dann bei uns vorm Haus gelandet, heil. Mama, Lars und dann auch Papa kamen nach meinem Klingeln raus und begutachteten den tollen Wagen. Auch wenn es dieses mal kein BMW ist, gefällt er doch und alles wurde in Augenschein genommen. Lars setzte sich rein und schaute sich genau um. „Cool, Alter“, sagte er,, „echt ne geile Karre, hat Mama gut ausgesucht.“

Finde ich auch und dann umarme und küsse ich zuerst Mama und dann auch Papa, die mich mit dem Auto echt froh gemacht haben. Mit so einem tollen und dann noch ganz neuen Wagen habe ich echt nicht gerechnet.

Um 15:30 Uhr sind wir dann zum Training in die WG gefahren, wo wir im Anschluss auch noch einmal über eine Vereinsgründung und dann auch über eine geeignete Trainingslocation reden wollen. Bestimmt bleiben wir dann wieder zum Abendbrot, bevor wir Lars zu Hause absetzen und dann zu Gerry in die Wohnung fahren werden.

Zu Hause aßen wir zunächst zu Mittag, gingen dann hoch in mein Reich und schmusten ein bisschen auf dem Bett. Nach dem ich die Türe abgeschlossen hatte, wegen Lars, haben wir uns gegenseitig froh gerieben, mehr gibt es heute Abend in Gerrys Bett und darauf freuen wir uns. Dann, nach unserer Fummelei, schickten wir ein paar mit dem Handy gemachte Bilder von dem neuen Auto an unsere Freunde und die Rückmeldungen waren alle positiv und alle gratulierten mir zum neuen Auto. Nachher in der WG wurde es ja dann von allen angeschaut, die es denn sehen wollten. Die Anzahl der Autos in dem großen Kreis unserer neuen Freunde steigt ständig an und es wird nicht ewig dauern, bis ein Dutzend voll ist. 5 Leute haben einen coolen Roller, die Mobilität ist schon enorm hoch, finden wir.

Mittlerweile ist war jetzt fast 15 Uhr, haben wir uns für das Training umgezogen und auch Lars habe ich Bescheid gesagt, das er sich fertig machen soll. Der war ein bisschen aufgeregt, wollte doch Sabine Weiden auch zum Training kommen heute und ich denke mal, das sich die Beiden schon näher kommen werden. Er schreibt und telefoniert oft mit ihr und sie waren auch schon zusammen im Kino. Mama hat ihn nach Bremen gefahren, weil ich bei Gerry war zu der Zeit. Mama wird bestimmt erwarten, das ich meinen Bruder des öfteren mal fahre, was ich natürlich gern tue, wenn ich die Zeit dazu habe. In die Schule können wir ja jetzt immer zusammen fahren. Als Lars dann mit seiner Tasche kam, brachen wir auf und lassen Gerrys Auto bei uns zu Hause stehen. Später, wenn wir Lars wieder hier absetzen, nimmt Gerry den Duster mit zu sich nach Hause.

Um halb Vier waren wir pünktlich an der WG und gingen dort gleich runter in den Fitnessraum, wo Wolfi und Kevin, aber auch Matze und Chris mit Robin schon beim Aufwärmen waren. Natürlich liefen nun alle gleich nach draußen, um das neue Auto an zu schauen und zu begutachten. Auch die anderen kamen jetzt von oben herunter und schauten zunächst mal nach dem Auto, bevor wir wieder reingingen und mit dem Aufwärmen begannen. Alle fanden den Wagen cool und ich bin froh, das meine Eltern mir so ein tolles Auto gekauft haben.

Irgendwann, in nicht all zu langer Zeit werde ich mit Gerry in meinem neuen Auto zu Opa und Oma nach Hamburg fahren. Dort stelle ich ihnen dann meinen Schatz vor, den sie bestimmt auch mögen werden.

Dreiundzwanzig Leute sind heute da, also teile ich die Gruppe und schicke eine Hälfte unter Matzes Führung raus zum Warmlaufen, fünf Runden um den Hof, das sind etwa fünfzehnhundert Meter, mit der anderen Hälfte mache ich Aufwärmgymnastik und wenn die Läufer zurück kommen, wird gewechselt. Das ist aber hier keine Lösung auf Dauer und wir müssen sehen, ob wir was anderes finden, wo mehr Platz ist, eine Sporthalle oder so was ähnliches, was wir dann als Verein anmieten können.

Enrico, Montag, 11.10.2010, beim Laufen auf dem Hof zum Aufwärmen mit Matze als Coach und Enrico und den Anderen der Trainingsgruppe.

Es war heute kein schöner Tag für Noah und seine Familie. Heute Morgen um halb Elf Uhr war ein Gottesdienst und daran anschließend war die Beerdigung. Viele Leute waren gekommen, um dem alten Pfarrer die letzte Ehre zu erweisen. Kirchenchor, Gesangverein, ja sogar die freiwillige Feuerwehr nahm an den Feierlichkeiten teil und ich schätze, das etwa vierhundert Leute dabei waren. Der Friedhof war zu klein und viele mussten zwischen abgelegenen Grabreihen stehen, ohne das sie was sehen oder hören konnten.

Ein jüngerer Pfarrer, so um die Vierzig, wohl der Nachfolger von Noahs Opa, hielt eine längere Grabrede, obwohl er ja schon vorher in der Kirche fast eine halbe Stunde nur geredet hatte.

Nach dem der Pfarrer fertig war, redeten noch ein paar Leute am Grab und dann zogen fast alle auch noch einmal am Grab vorbei um danach den hier stehenden Angehörigen ihr Beileid aus zudrücken. Ich stand etwas hinter Noah und dadurch wurde mir diese Prozedur erspart.

Dann zogen wir mit der näheren Verwandtschaft in ein nicht so weit entferntes Lokal, wo alle zusammen saßen und wo dann auch gegessen wurde. Mehr als einmal spürten Noah und ich die vorwurfsvollen Blicke der Geschwister seiner Mutter auf uns ruhen, was unsere gedrückte Stimmung noch tiefer in den Keller sinken ließ. Selbst die Kinder von Irenes Geschwistern, ihr Bruder hatte einen Sohn, etwa so alt wie ich und eine Tochter von 10, die Schwester eine Tochter von etwa 16 und eine Sohn von 13 Jahren guckten, wenn überhaupt zu uns, immer irgendwie komisch, abweisend trifft es wohl am besten. Der Dreizehnjährige, Phillip heißt der, hat Oma gesagt, war auffallend blass und es ging ihm wohl nicht so gut. Er aß fast nichts und machte auf mich einen kranken Eindruck. Er sah so gut wie nie zu uns herüber und wenn, dann eher teilnahmslos als böse.

DieBlicke der Verwandten zu uns fielen wohl auch Ulf auf und so sagte er dann zu Irene, der das ja auch nicht verborgen blieb, das wir, Noah, er und ich, nach dem Essen zurück fahren würden, auch deswegen, weil wir heute um 15:30 Uhr unbedingt noch ins Training zu den Jungs in die WG wollten.

Auch ihre Mutter war ja nicht blind, hatte die Ablehnung uns gegenüber mit bekommen und sagte deshalb auch nichts gegen unsere frühe Rückfahrt. Sie und Irene versprachen, sobald hier alles erledigt sei, schnellstens nach Bremen zurück zu kommen.

Mir fiel in diesem Zusammenhang mein Vater wieder ein. Irenes Bruder und auch ihre Schwester hatten Kinder, hoffentlich sind die nicht auch irgendwann mal schwul oder lesbisch, das wäre bei solchen Eltern bestimmt eine Katastrophe für die Kids, ähnlich wie bei mir oder Lex oder Paul.

Das sind alles kranke Typen, die nicht begreifen wollen, das sich das niemand aussuchen kann und will, schwul oder lesbisch oder was ich als noch schlimmer finde, im falschen Körper auf die Welt zu kommen.

Gerade die Superfrommen kommen mit solchen Dingen oft nicht klar, verstoßen ihre Kinder oder was noch schlimmer ist, geben sie in die Hände der Werthmüllers und Konsorten mit ihren obskuren Therapien. Schwul oder Lesbisch, das sind keine Krankheiten, das sind Launen der Natur, die jeden treffen können und sie sind eigentlich auch ein Beweis dafür, das es keinen allmächtigen Gott gibt, finde ich.

Wäre er Allmächtig, so wie es diese Leute immer behaupten, dann wäre ja diese Launen der Natur so gewollt und bräuchten dann auch von niemandem als etwas Falsches angeprangert und verfolgt zu werden. Ein Gott mit einer zehn prozentigen Fehlerquote, das geht doch gar nicht, finde ich. Alles totaler Schwachsinn, dieser ganze religiöse Aufstand.

Welcher halbwegs intelligente Mensch braucht schon so einen Gott, der so viele solcher Fehler macht und seinen Laden, sprich, die Erde, von ihnen fälschlicher Weise “Schöpfung“ genannt, absolut nicht im Griff hat? Ich nicht und mein Schatz wohl genau so wenig.

Um 13:15 Uhr haben wir uns dann verabschiedet, bei einigen mit Handschlag, bei anderen verbal und bei den Homophoben überhaupt nicht. Die Oma und auch Irene haben uns demonstrativ umarmt und gedrückt und damit ihren Standpunkt in unserer Sache noch einmal für alle deutlich gemacht. Ich kann mir vorstellen, das wir Irenes Geschwister so schnell nicht wieder sehen.

Wie auf der Herfahrt versprochen, ließ mich Ulf das tolle Auto fahren und 30 Kilometer vor Bremen habe ich dann Noah noch mal ans Steuer gelassen. Das hat ihm sehr gefallen und er hat mich ganz doll angestrahlt. Ich denke, heute Abend im Bett darf ich mir dafür was wünschen. Ich freu mich drauf.

Nach dem Ankommen, ausladen und ümziehen fuhr ich uns in die WG, den tollen Wagen durften wir mit nehmen, weil Ulf sich von dem Wochenende erst mal auf der Couch erholen wollte. Das er uns so einfach den A sechs überlassen hat, ist schon ein großer Vertrauensbeweis und da Noah noch keine achtzehn ist, darf ich fahren. Man, das ist einfach ein geiler Schlitten, dieser Audi.

Jetzt traben wir hinter Matze her in die 5. und damit letzte Runde des Warmlaufens, dann geht es drinnen bei Alwin weiter. Mal sehen, was es danach noch alles gibt. Vielleicht hat Jerome ja schon was für unser Training im Auge, er wollte ja bei ihrer Immobilientante mal horchen, ob da was ist im Remmerschen Besitz, das für unsere Belange in Frage kommt.Vielleicht hat ja auch sein Vater eine Lösung für unser jetziges Trainingsproblem und dann müssen wir ja noch entscheiden, ob wir selber einen Verein gründen wollen.

Nun erfolgt der Wechsel mit der zweiten Trainingsgruppe und leicht geschwitzt geht es nun zu Alwin nach drinnen und Matze macht mit den Anderen Lauftraining.

Kai, Montag, 11.10.2010, gegen 19:30 Uhr mit Carl August im Auto von einer Firma in Emden auf dem Weg nach Hause in Bremerhaven, auf der Autobahn.

„Und Kai“, fragt mich der Chef grinsend, nach dem er nun endlich den Laptop aus gemacht hat, „habt ihr den Hochzeitstrubel unbeschadet überstanden, Martin und du?“ „Ja sicher, Chef“, sag ich, „wir brauchten ja eigentlich nur ja zu sagen. Alles andere haben ja die Damen und sie und ihre Frau geregelt. Da kann man ja wohl kaum von Stress reden und Trubel im Sinne von feiern, das hat doch was. Es war einfach alles toll und wir sind euch allen sehr, sehr dankbar, Chef, für diesen tollen und für uns wohl auch unvergesslichen Tag. Wir glauben, fest an unser Familienglück, zu dem Sie und ihre tolle Familie so viel beigetragen haben. Der Junge war wohl im Leben noch nie so froh und wir beide auch nicht.“

„Ist schon OK, soll auch so sein“, sagt er jetzt grinsend, „das haben meine Mutter mit Frieda und auch wir beabsichtigt und sehr gern gemacht und wir waren auch gern mit dabei. Es hat auch und das hat Mutter ja auch gewollt, für ein bisschen Aufsehen gesorgt und morgen kommt auch noch ein etwas ausführlicher Bericht in der Zeitung, hat mir der Reporter heute am Telefon versichert. Dem Bürgermeister hat seine Tätigkeit als Standesbeamter auch Spaß gemacht. War mal was anderes und lauter tolle Leute, hat er zu mir gesagt. Das das mit der Adoption zeitgleich auch noch geklappt hat, ist zum größten Teil sein Verdienst und der von Oliver. Kevin war total überrascht und ihr ja wohl auch und genau das sind die Momente, die ich so liebe.“

„Das war fast noch schöner als die Hochzeit“, sag ich, „so haben Kevins Augen noch nie gestrahlt und jetzt ist er total glücklich. Das es ihm einmal so gut gehen würde, da hat er wohl selber nicht damit gerechnet und noch vor ein paar Monaten wäre er am liebsten tot gewesen, da in Dresden. Das haben sie so toll hingekriegt, Chef und dafür sind wir und der Junge auf ewig dankbar.“

„Nun“, sagt er, „das war ja nicht nur mein Verdienst. Martin hat durch sein überlegtes Handeln die Weichen gestellt für all das, was nach her kam. Hätte er nicht so cool gehandelt, wäre wohl alles anders gelaufen. So ist es jetzt halt einfach gut und darauf können wir alle ein bisschen stolz sein und uns richtig freuen.“

Jetzt haben wir die Autobahn verlassen und fahren in die Stadt hinein. „Halt mal irgendwo, wo ein Blumenladen ist“, sagt er zu mir. Gleich in der Feldstraße ist ein Blumenladen, da fahre ich hin, das liegt quasi am Weg, ist bei der Friedhofsgärtnerei. Es ist auch noch geöffnet, bis 20Uhr.

Hier steigt Carl August aus und sagt: „Komm mit.“ Also folge ich, den Wagen zu sperrend hinein ins Geschäft. Hier lässt er jetzt 4 Sträuße machen, 3 mit bunten Rosen gemischt und 1 mit langstieligen roten Rosen.

Aus Erfahrung weiß ich, das letzterer für die Chefin ist. Die ersten Sträuße, die fertig sind, trage ich in den Achter, lege sie vorsichtig hinten ab und hole dann die zwei letzten, während der Chef bezahlt. Dann machen wir uns auf das letzte Stück Weg bis nach Hause. Dort angekommen, es ist genau 20 Uhr, erhält jetzt zunächst Lis, die uns an der Haustüre erwartet, den Strauß rote Rosen, einen bunten bekommt Natascha und mit den restlichen zwei Sträußen gehen wir hoch, wo die Oma und die Tante vom Chef jeweils eine Strauß bekommen.

Alle Frauen freuen sich erwartungsgemäß sehr über die schönen Blumen und im Runtergehen sagt der Chef zu mir: „Feierabend für dich, Kai. Morgen erst um Neun Uhr.“, und ich gehe dann auch gleich runter, wo mein Mann bereits bei der Zubereitung eins guten Abendessens ist

Nach dem wir uns geküsst und umarmt haben, erzählen wir uns gegenseitig, wie unser Tag so gelaufen ist. Ich berichte ihm, das ich heute Morgen mit Carl August nach Emden war, wo auch eine Firma des Konzern ist und das wir erst jetzt wieder von dort zurück gekommen sind. Von der Blumenaktion erzähle ich und mein Schatz erzählt dann ausführlich von der Tour nach Bonn, von der er auch erst gerade mal eine halbe Stunde zurück ist.

Ich helfe jetzt ein bisschen beim Herrichten des Abendbrotes und öffne auch eine Flasche Rotwein von denen, welche wir zur Hochzeit bekommen haben. Es ist ein Barolo Marcenasco aus La Morra im Piemont, ein sehr guter Tropfen, gut um uns auf unsere kleine „Hochzeitsnacht“ ein zu stimmen. Morgen fährt der Chef später ins Büro, weil wir heute solange unterwegs waren. Vielleicht deshalb auch die roten Rosen zur Einstimmung auf einen schmusigen Abend mit der Chefin, kann er ja länger schlafen morgen früh und ich auch .Und die Schwangerschaft wird für beide kein Hindernis sein, jedenfalls im jetzigen Stadium noch nicht.

Wenn man drüber nachdenkt, was wir beide für ein Glück haben mit dieser Arbeitsstelle hier, wer hat schon so einen Job, so richtig mit Familienanschluss und dem Gefühl, das nichts kommen kann, was dieses tolle Verhältnis stören wird. Es sei denn, wir, Martin und ich, würden es beenden wollen. Das wird aber wohl nie passieren, denk ich. So dumm werden wir nicht sein, das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Martin sagt jetzt zu mir: „Schau mal, da auf dem Schrank, liegt Post für dich.“ Ein Umschlag, Din A 5, in dem sich für mich fühlbar wohl ein weiteres Kuvert befindet. Absender ist die von mir seit über 15 Jahren nicht mehr gesehene und kontaktierte Schwester, die 6 Jahre älter ist als ich, mit ihrem Mann damals nach ihrer frühen Heirat, nach Hannover-Schmünden gezogen ist. Sie hatte dann wohl auch nicht mit bekommen, das mich meine Eltern, als ich mich mit 18 geoutet habe, aus dem Haus gejagt haben. Da sie sich auch nie mehr bei mir gemeldet hat, bin ich davon ausgegangen, das auch sie auf Grund meines schwulseins nicht mehr von mir wissen wollte.

Das Essen ist fertig, steht auf dem Tisch und so lege ich den Brief wieder zurück auf den Schrank und setze mich zu meinem Schatz an den Tisch. Martin schenkt uns Wein ein und ruhig und gemütlich essen und trinken wir nun unsere italienischen Köstlichkeiten, die Martin aus den diversen Präsentkörben von der Hochzeit zusammen gestellt hat. Chiabatta, kurz im Ofen auf gebacken,verschiedene Oliven, eingelegte Tomaten, Sardinen und Thunfisch, Käse, lauter feine Sachen und wenn man die Augen schließt, riecht man es, zusammen mit dem Duft der Pinien und dem leisen Rauschen des Mittelmeeres, einfach gut, sehr gut und wir lassen uns viel Zeit, freuen uns auf nach her.

Es klingelt und das zerstört das Feeling ein wenig. Ein Bellen an der Tür sagt uns, das es Natascha und der Fiffi sind, die unsere Idylle stören. Martin geht zur Tür und an den Stimmen erkenne ich, das auch Paolo dabei ist. Der Fiffi hat gleich vor dem Kühlschrank „Sitz“ gemacht und schaut zu Martin hoch. Paolos Augen wandern über den Tisch und er schluckt, schluckt das Wasser herunter, das ihm beim Anblick der italienischen Köstlichkeiten im Munde zusammen läuft.

„Setzt euch bitte, Ihr beiden“, sage ich spontan und Martin legt direkt noch zwei Gedecke auf, auch ihm ist Paolos Minenspiel nicht entgangen. „Wir haben schon gegessen, Danke“, sagt Natascha guckt, aber dann Paolo an und sagt dann lächelnd: „Na ja, so ein paar Leckereien, das geht doch immer noch“, was Paolos Gesicht erstrahlen lässt. „Ich muss Mama und Frau Gut darum bitten“, sagt sie weiter und grinst dabei, „öfter mal so etwas italienisches auf den Tisch zu bringen, das scheint meine Schatz ja doch sehr zu fehlen.“ „Das wäre toll und sehr lieb von dir“, sagt Paolo, küsst sie kurz und strahlt sie ganz lieb an.

Nun essen wir zu viert, Martin schneidet noch Brot und legt noch ein Stück Gorgonzola auf den Käseteller, ich schenke den Beiden Rotwein ein. „Muss du noch fahren, Paolo?“ frage ich vorsichtshalber, worauf beide den Kopf schütteln. Bevor Martin sich wieder an den Tisch setzt, gibt er dem Fiffi sein heißersehntes Stück Fleischwurst, die dieser dann, wie immer, unter dem Tisch mit Genuss auf frisst.

Wir reden über die „Hochzeit“ und die anschließende Feier und Martin schwärmt von den wunderbaren ess- und trinkbaren Geschenken, die wir so reichlich bekommen haben. Natascha, die ja nun auch Ferien hat, die ersten regulären Schulferien für sie, möchte, das wir den Fiffi Morgen früh dann wieder mit hoch bringen, wenn ich Carl August fahre. Lex und Ralf sind ab Morgen für die Dauer der Ferien in der WG, wo sie jetzt ein Zimmer fest bezogen haben.Wir essen und plaudern noch über 45 Minuten und es wird auch noch eine zweite Flasche Wein geleert, bevor die beiden in ihr Bettchen gehen und wir, nach kurzem Aufräumen der Sachen und Duschen in unserem Bett landen, wo allerdings zunächst eher nicht geschlafen wird. Der Fiffi schläft in seinem Korb in Kevins Zimmer, dessen Türe einen Spalt breit offen steht. Eine gute Stunde später öffnet Martin auch unsere Zimmertüre einen Spalt weit und dann schlafen wir glücklich und zufrieden in den neuen Tag hinein. Der Wecker wird uns um 8 Uhr wecken, wenn der Fiffi das nicht bereits früher tut. Bevor ich einschlafe, fällt mir ein, das der Brief immer noch ungeöffnet auf dem Küchenschrank liegt. Egal, denk ich, der läuft schon nicht weg, Morgen ist auch noch ein Tag.

Jerome, Montag, 11.10.2010, 22:50 Uhr im Bett

Das Hochzeitswochenende war absolut der Wahnsinn, Big Show and Big Party, einfach toll und affengeil. Oma und Frieda und auch Papa und Mama haben voll abgedrückt und ein tolles Event für Martin und Kai und dann auch noch für Kevin gezaubert. Da wir am frühen Sonntag Morgen in mein Bett bei Mama und Papa gesunken sind, blieben wir über den Tag in Bremerhaven bei Mama, schwitzten in der Sauna den Alkohol aus zusammen mit Kevin, Wolfi und den Brautleuten, auch Lex, Ralf und Paolo und Natascha waren dabei.

Es war ein ruhiger, erholsamer Tag und es war zwanzig Uhr, als wir wieder in der WG eintrafen.

Heute war dann normal Uni und arbeiten für einige, die Schüler haben ja frei. Noah war mit Rico und Ulf gestern zur Beerdigung des Opas aufgebrochen, wollten dann und waren auch zum heutigen Training wieder hier bei uns in der WG.

Nach dem für fast alle normalen Montag heute waren zum Training über 20 Leute da und wir mussten wieder in 2 Gruppen üben. Da das auf Dauer keine Lösung ist, haben wir, Natascha und ich schon mit Oma, Papa und Hinnerk seine Dörte gesprochen, das sich alle mal umsehen, ob wir nicht noch was geeignetes haben an leerstehenden Hallen oder Etagen, wie es die hier war, in der jetzt unsere WG ist. Die Suche läuft und wir sind heute so verblieben, das wir einen Verein gründen, wenn es einen geeigneten Trainingsraum gibt.

Alwin kam mit seinem neuen Wagen, ein cooler SUV, nicht so klotzig, echt toll und er wurde damit von seinen Eltern total überrascht, hat nichts geahnt und jetzt ist er voll happy mit dem Teil. Alwin macht sich gut in unserem Kreis, Gerry auch. Beide sind voll OK und wir mögen sie. Mittlerweile sieht man bei den meisten Gerrys Künste auf den Köpfen, obercoole Frisuren und es wird nicht mehr lang dauern, dann waren alle schon einmal zur Verschönerung bei ihm. Er hat das echt voll drauf und auch den Erwachsenen gefallen unsere neuen Frisuren.

Alwins Vater hat auch schon einen neuen Patienten bekommen, Papa braucht eine Krone und da unser alter Zahnarzt, er ist schon zweiundsiebzig, jetzt endlich aufhört, haben wir Papa überredet, zu Alwins Vater zu wechseln und die erste Sitzung dort hat Papa gefallen. Nun werden wir wohl alle früher oder später dort hin gehen, denk ich, auch Oma und Frieda und Martin mit Familie.

So läuft das halt, so wie Mikes Papa jetzt unser Maler, Gerry unser Frisör und Alwins Papa unser Zahnarzt ist und Wolfi unser Bilderlieferant, so wird jeder unterstützt, der uns akzeptiert und uns nahe steht. Freunde halten zusammen und unterstützen sich und das ist bei uns ganz toll, finde ich.

Sergej möchte in der nächste vorlesungsfreien Zeit mit mir nach Dresden, seine Familie für ein paar Tage besuchen und auch Boris und die Großeltern in Radebeul. Das finde ich gut und bin auch gern dabei, mal sehen, wann wir das hin kriegen. Das wird aber noch einige Zeit dauern bis dahin, ich muss mal schauen, wann wieder Semesterferien anstehen.

Lex war heute nicht so richtig bei der Sache. Der Besuch in Bonn hat noch einmal Spuren hinterlassen und er hat auch nichts erzählt, Ralf natürlich auch nicht. Mal sehen, er wird schon berichten, was und wie es war, man muss ihm nur Zeit lassen. Vielleicht war ihm auch einfach der Kreis zu groß heute und er wollte deshalb nichts erzählen.

Jetzt wird erst mal gepennt, sobald mein Drachen aus dem Bad kommt. Wir beide haben morgen Küchendienst, da heißt es, eine halbe Stunde früher raus als sonst, Frühstück vorbereiten für alle, aber das haben wir mittlerweile gut drauf und auch bei den anderen klappt alles gut. Ole überwacht alles und kontrolliert auch mal bei der Wäsche und so. Alle geben sich viel Mühe und wenn es mal nicht so recht klappt, wird nicht gemeckert, sondern geholfen. Jeder ist für jeden da und wenn man den Schlüssel in der Türe um dreht, wird auch das einfach akzeptiert, das man mal für sich sein will, keinen Bock auf Kommunikation hat oder ganz einfach nur ein bisschen poppen will mit seinem Schatz.

Die Freundschaft wird hier in der WG noch um einen Level besser, weil man halt viel zusammen ist und auch in einigen Dingen mehr auf einander angewiesen ist. Das schweißt zusammen, finde ich und man lernt sich noch intensiver kennen, als es vorher schon der Fall war.

Jetzt kommt er, mein Schatz und nach einem bisschen Gute Nacht Schmusen werden wir jetzt pennen.

Lex, Montag 11.10.2010, 23:20 Uhr im Bett in der WG mit Ralf.

Es war heute ein stressiger Tag für mich, für Ralf wahrscheinlich auch. Der ist offenbar schon eingeschlafen, während ich mich schlaflos rum wälze und das seit fast einer Stunde. Ich bin halt immer noch etwas aufgewühlt von meinem erneuten Besuch in Bonn, bei Buchmanns und dann auch am Grab von Uwe, mit dabei Jürgen, Uwes letzter Freund.

Jürgen ist ein sehr netter und gut aussehender Junge, achtzehn und seit Uwes Tod auch wieder allein. Es gibt schon jemanden, für den er jetzt schwärmt, aber er traut sich nicht den Betreffenden an zu sprechen. Ich ermutige ihn, dem anderen zu zeigen, das er ihn mag, sonst wird er nicht erfahren, ob der andere auch auf Jungs steht, was Jürgen vermutet. Beim Abschied tauschen wir die Nummern der Handys, wollen in Kontakt bleiben. Wenn ich Ralf nicht hätte, könnte mir Jürgen schon gefährlich werden. Er ist ein toller Typ, der Junge.

Das es nun voraussichtlich keinen Prozess geben wird, da der Täter tot ist, bleibt mir und auch den Buchmanns ein Termin vor Gericht, in dem alles noch mal hoch gekocht wird, erspart. Wir vereinbaren, das wir uns am nächsten Todestag von Uwe treffen und gemeinsam an seinem Grab verweilen wollen, auch Jürgen will sich dem anschließen.

Um 15:30 Uhr waren wir dann wieder unterwegs, zurück nach Bremerhaven. Jürgen kennen gelernt zu haben, Uwes neue und letzte Liebe, das war gut für mich. Zu erleben, das auch er trauert um Uwe, das hilft mir, es hilft mir, zu wissen, das Uwe nicht im Gram um mich aus dem Leben gerissen wurde, sondern wohl noch einmal wieder glücklich war. Ich finde keine Ruhe jetzt, Ralf hat Mittagsschicht, also werde ich ihn jetzt wecken, damit er mich müde und satt vögelt, mich richtig liebt, bis ich platt genug zum Schlafen bin.

Meine Hand sucht unter der Decke seinen Schwanz, der schlaff und unschuldig auf seinem Oberschenkel sein Dasein fristet. Aufwachen, du Looser, pluster dich auf, ich brauch dich, lässt ihn meine Hand jetzt spüren.

Ralf murmelt was ihm Schlaf, ich schlage das Deckbett zurück und beginne, seine langsam wachsenden Freudenspender zu lutschen, was den nun schneller auf Touren bringt. Mit einen Finger, nass gemacht mit Speichel, versuche ich vorsichtig zur Prostata vor zu dringen, um ihn dort zu reizen. Ich bin steif und nass, will berührt, geleckt und dann gefickt werden von ihm, der nun offensichtlich wach zu werden scheint. „Was ist denn?“ flüstert er Schlaf trunken. „Ficken ist, bitte, ich kann nicht schlafen. Du sollst mich müde poppen, ich brauch andere Gedanken“, sag ich.

„Gerne doch, jeder Zeit, mein Schatz“, sagt er und dreht sich ganz um zu mir. Mit einem Flötensolo eröffnet er den Reigen an geilen Zärtlichkeiten, die fast eine Stunde später mit einem dritten Schuss von mir enden, als er mich hart und heftig von hinten bumst, aber echt so richtig.

Ermattet, ja platt, schlafen wir beide nun schnell in den neuen Tag hinein und später wird er mich dann wach küssen und wir werden, dann mit umgekehrten Rollen, noch einmal richtig Liebe machen, bevor er dann ins Hilton fahren muss, mein Schatz. Schließlich habe ich Ferien.

Ich bin froh und glücklich, ihn auf dem Schiff gefunden zu haben, nun sind wir total verliebt und jeden um uns rum freut das. Kein Neid, keine Schimpfwörter, keine Schläge oder sonstige Strafen, das gibt es hier alles nicht und das wir jetzt hier dazu gehören, ohne jegliche Zukunftsangst, das ist einfach wunderbar und dafür bin ich dieser Familie, zu der ich jetzt so selbstverständlich dazu gehöre, auf immer dankbar.

Noah, Dienstag 12.10.2010, Morgens, 6:30 Uhr mit Enrico und Ulf beim Frühstück.

Trotz Ferien sitzen wir nun beim Frühstück, Papa und Rico und ich. Rico hat Frühschicht, ab 7:30 Uhr und Papa bringt ihn ins Hilton, bevor er selber zur Arbeit fährt.

Ich fahre später mit dem Roller rüber in die WG, da sind Lex, Robin, Mike ist da und Dirk und auch Alwin und Lars wollen dort hin kommen. Robin wird von Matze gebracht, bevor dieser mit Chris Bilder aufhängen geht für Wolfis Firma.

Dann sind wir mit acht Jungs und wollen unter Alwins Anleitung ein wenig intensiver trainieren, denn jetzt ist ja auch Platz genug.

Über das Schnuppern sind wir ja jetzt schon hinaus und es ist schon erkennbar, wer viel und wer etwas weniger Talent hat für diesen Sport, der ja über den sportlichen Aspekt hinaus auch jedem ein Stück Sicherheit in einer Auseinandersetzung mit irgendwelchen bösen Leuten gibt, wenn wir es einigermaßen beherrschen.

Robin ist da wohl ein ganz besonderes Talent, wenn man Alwin hört. Robin ist extrem gelenkig und hat durch sein gezieltes Training in den letzten Wochen eine gute Muskulatur gewonnen und ist, weil er immer noch sehr grazil ist auch wahnsinnig schnell in seinen Bewegungen. Alwin nennt ihn jetzt schon manchmal Karatekid, was Robin aber gar nicht gern hört. Das Lob, das er öfter bekommt, das mag er, aber den Namen mag er gar nicht.

Mühe geben sich alle und es ist ja auch gut für den Körper, der Sport, es wird aber für alle nicht gleich gut laufen, aber das ist wohl in allen anderen Sportarten auch so. In den Ferien wollen wir öfter trainieren, die wo Zeit haben, die kommen halt her, zusätzlich zu dem Training, an dem alle teilnehmen können, das zweimal am späten Nachmittag unter der Woche stattfindet, nämlich Montags und Donnerstags.

Alwin meint, das schon einige von uns mit dem entsprechenden Training Wettkampfreife erlangen können, Robin, Micha und ich, auch die Zwillinge und Ole, Dirk und Mike hätten das Potential, weiter zu kommen in diesem Sport, ebenso Tom, Micha und Sergej. Für die anderen ist der Aspekt der reinen Selbstverteidigung an erster Stelle und auch unter denen können durchaus noch einige ausreichendes Talent zu mehr entwickeln.

Matze hat ja schon Dan sechs und auch Chris zeigt gute Leistungen beim Training. Es würde sich auf jeden Fall lohnen, einen Verein zu gründen, zu dem bei richtiger Werbung an richtiger Stelle bestimmt auch noch ein paar schwule Jungs dazu kommen würden.Wen wir dann letztendlich in den Verein aufnehmen würden, müssten wir dann von Fall zu Fall entscheiden. Auch eine Altersobergrenze für Neumitglieder müssten wir fest legen. Jerome will über rechtliche Dinge, Statuten und so, mit dem Oliver Salm, Papas und Carl Augusts Freund in der Firma, reden, damit wir keinen Reinfall erleben können.

Mit der Suche nach einer passenden Räumlichkeit ist man ja schon zu Gange und mein Papa hat gemeint, die Remmers werden schon was geeignetes finden unter den Immobilien, die ihnen gehören. Das wird die Zeit zeigen und wenn bis dahin Alwin und Matze sich das Training teilen, könnten wir in vier Gruppen trainieren, zu unterschiedlichen Zeiten, das müsste doch zu organisieren sein, denk ich.

Papa und Rico finden meine Gedanken zu der Karatesache nicht schlecht und ich werde auch mit den Anderen mal darüber reden später. Jetzt brechen die beiden auf, Rico küsst mich zum Abschied, Papa strubbelt durch meine Haare und dann bin ich allein. Ich räume den Tisch ab, putze ihn sauber und geh dann nach oben.

Vorhin, nach der gemeinsamen Dusche, habe ich nur eine Unterhose und einen Bademantel angezogen, bevor ich runter bin zum Frühstück machen. Als Papa und Rico dann fertig angezogen waren und in die Küche kamen, hatte ich schon alles fertig. Nun suche ich mir oben Kleider raus und ziehe mich an. Wenn Rico jetzt frei hätte, denk ich jetzt gerade so und mein Penis denkt das wohl auch, denn er wird dick. Scheiß Kopfkino, jetzt habe ich ne Latte und Rico ist auf der Arbeit.

Also gibt es nun einen Rückfall in die Zeit vor Rico und die rechte Hand kommt zum Einsatz, eigentlich beide, denn auf dem Rücken liegend, die zweite Hand spielt mit den Kugeln, mit geschlossenen Augen und Ricos Po im Kopfkino, reibe ich das heilige Kanonenrohr, bis es heiß und heftig auf meinen nackten Bauch spritzt.

WOW, das war sehr gut und es tut mir auch nur leid, das Rico nicht persönlich dabei war. In Gedanken habe ich ihn auf meinem Schwanz reiten sehen und habe ihn dabei über die Schwelle gerieben, so wie wir es gestern Abend umgekehrt gemacht haben. Ich hatte ihm diesen Wunsch erfüllt, weil er mich das letzte Stück Autobahn nach Bremen auch noch mal mit Papas Auto hat fahren lassen, mein Schätzchen. Die Belohnung dafür war ja dann auch für mich sehr lustvoll und befriedigend. Sex mit Rico ist irre gut, glaubt mir.

Nach kurzer Säuberung im Bad ziehe ich mich Roller tauglich an, packe Sportsachen und frische Unterwäsche ein und mache mich startklar. Bevor ich raus gehe, schaue ich noch in der Küche nach, ob alles aus ist und gerade, beim Verlassen der Küche geht mein Handy. Mama ist dran und will zuerst wissen, ob alles OK ist bei uns. Ich berichte kurz von der Heimfahrt, das wir zusammen gefrühstückt haben und das ich nun in die WG fahren will.

„Noah, es gibt schon wieder schlechte Neuigkeiten“, sagt sie „Oma?“, rutscht es mir heraus. „Nein, mit Oma und mir ist alles OK“, kommt es von ihr und ich bin zunächst mal erleichtert. „Es geht um Phillip, den Sohn meiner Schwester“, sagt Mama jetzt und vor meinen Augen taucht der etwas schmächtige und sehr blasse Teenie auf, der schräg gegenüber gesessen hat. „Was ist mit ihm?“,frage ich, „der sah arg blass aus, das ist Rico und mir auf gefallen.“ „Er hat wohl Leukämie“, sagt Mama,“ und das wissen sie wohl schon etwas länger, haben es aber mehr oder weniger geheim gehalten. Nun heißt es aber von ärztlicher Seite aus, das nur eine Knochenmarkspende helfen kann. Nun soll an Hand einer Typisierung ein geeigneter Spender gefunden werden. Zuerst sucht man in der unmittelbaren Verwandtschaft, da dort die Chancen für eine geeignete Spende am größten sind. Ich werde mich auch zur Verfügung stellen, Oma ist leider schon zu alt.“

„Weiter, das ist doch noch nicht alles, Mama“, sag ich. „Bitte lass dich auch typisieren, Noah“, sagt sie, „auch wenn sie, die Eltern dich ablehnen, tue es für Phillip, er ist noch so jung und die Aussichten auf Heilung sind sehr groß.“ Ich kann zunächst nicht antworten. Als es wieder geht, frage ich: „Glaubst du, sie würde das Knochenmark einer Schwuchtel akzeptieren für den Jungen, haben keine Angst vor Ansteckung oder so was?“ Ich weiß, das ist nicht fair, dem Jungen gegenüber und bevor Mama etwas dazu sagt, sage ich: „Wenn ich als Spender in Frage komme, Mama, dann findet das hier in Bremen in der Klinik statt, das kannst du ihnen sagen, sonst läuft das ohne mein Knochenmark.“ „Zuerst muss es ja mal passen“, sagt sie, „wir müssen abwarten. Ich rufe Papa an, er soll mit dir einen Termin machen, zuerst beim Hausarzt, dann in der Klinik, er soll auch mit Carl August reden, der kennt doch viele Ärzte in den Kliniken in Bremen und Bremerhaven. Das Ergebnis schickt ihr dann, am besten per E-Mail, eine genaue Adresse schicke ich Papa. Wartet nicht zu lange, es wird Zeit für den Jungen, seine Eltern haben, warum auch immer, zu lange gezögert.“

„OK“, sag ich, „für den Jungen mache ich da jetzt mit. Papa wird alles regeln, passe auf dich und Oma auf. Tschüss, Mama.“

Auch das noch, na ja, mal sehen, was Papa daraus macht, dann gehen wir eben mal zur Typisierung, es muss ja auch nicht passen, sind ja noch andere Verwandte da, nur nicht verrückt machen. Wenn ich jetzt so wäre wie die Geschwister meiner Mutter, würde ich das wohl kaum machen, aber der Junge. Er konnte sich seine Eltern nicht aussuchen und er ist halt noch so jung, wer will schon mit 13 Jahren sterben? Ich sehe ihn jetzt mal in einer ähnlichen Lage wie Robin es war, wenn es denn passt, werde ich halt sein Jerome sein und ihm auf jeden Fall helfen.

Jetzt muss ich aber los, zum Training, nicht das die anderen denken, ich hätte keinen Bock. Und ob ich Bock habe, es gefällt mir noch besser als Ringen, Rolf übrigens auch. Aus dem Ringverein sind wir jetzt offiziell ausgetreten und mein Pate hat das Sposoring eingestellt und dem Vorstand auch geschrieben, warum es jetzt vom Remmerschen Konzern keine Kohle mehr gibt.

Jetzt fahre ich auf den Hof der WG. Marvin stellt gerade ein paar Tafeln mit Sonderangebotsplakaten auf dem Hof auf, er winkt mir und ich grüße zurück. Das ist auch so ein Netter, der Marvin, den können wir alle gut leiden. Er muss zwar immer lange arbeiten, aber immer, wenn es ihm möglich ist, ist er mit Marie mit dabei bei uns. Ich stelle den Roller hinter dem Gebäude ab und gehe dann direkt in den Trainingsraum und weil die Anderen schon angefangen haben, mache ich mich flott warm, um dann richtig mit zu machen. Zum Auftakt gibt es fast immer Fallübungen, bevor es später an einfache Griffen und Bewegungsabläufe geht. Es ist anstrengender, als es aussieht und es dauert nicht lang, bis man ans Schwitzen kommt.

Nach dem Duschen, ich habe in Jeromes Bad geduscht, einfach, weil die beiden das geilste Duschgel haben,

sitzen wir zusammen und ich erzähle zunächst von der Beerdigung und dann von der Sache mit Phillip. Robin kommt sofort zu mir, legt einen Arm um meine Schulter und sagt: „Du muss dich testen lassen und wenn es passt, muss du ihn retten, egal wie doof seine Eltern sind. Bitte, du musst das tun.“

„Ich mach das ja, Robin, versprochen“, sag ich, nach oben in sein Gesicht schauend, „wenn ich ihm helfen kann, dann wird es auch gemacht.“ Nun lächelt er und sagt: „Du wirst ihn retten, ich fühle das.“ Ich gucke ein bisschen dumm aus der Wäsche nach dieser Ansage und Dirk meint prompt: „Ein Prophet ist unter uns.“

„Abwarten“, sagt der Prophet und setzt sich wieder hin. Gelacht hat eigentümlicher Weise niemand auf Dirks Bemerkung.

Ein wenig nachdenklich lausche ich jetzt Alwins Trainingsauswertungen und auch für Morgen Vormittag verabreden wir uns wieder hier. Matze und Chris kommen, holen Robin ab. Sie fahren zum Mittagessen zu Matze nach Hause.

Ich werde mich auch auf den Roller schwingen und nach Hause fahren. Ein kleiner Imbiss und danach ein Nickerchen und dann hole ich Rico im Hilton ab. Mal sehen, wann Papa kommt und was es dann für Neuigkeiten gibt, einen Termin beim Arzt betreffend.

Ulf Schroer, Dienstag, 12.10.2010,1 6:20 Uhr, auf dem Weg nach Hause.

Heute Morgen, kurz vor 10, rief mich Irene an und berichtete mir von dem kranken Phillip. Als dieser Junge vor gut 13 Jahren geboren wurde, sollte ich eigentlich Pate werden, aber mein Schwiegervater hat das damals verhindert, weil ich halt nicht fromm genug war. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht aus der Kirche ausgetreten und deshalb hat es mich schon geärgert, das er sich da ein gemischt hat. Nun ist der Junge sterbenskrank und braucht dringend Stammzellen, um eine Chance aufs Überleben zu haben. Oft reicht da eine Spende der Eltern, des Vaters wohl in diesem Fall, aber Irene hat mir gesagt, das der Mann ihrer Schwester nicht der Vater des Jungen ist. Der Vater ist acht Monate vor der Geburt verunglückt und der jetzige Mann meiner Schwägerin hat sie geheiratet, obwohl sie bereits schwanger war. Der Tote und er waren sehr gut befreundet und er war schon immer in meine Schwägerin verliebt, also haben sie geheiratet und wohl auch eine gute und glückliche Ehe geführt.

Sie ist dann noch einmal schwanger geworden, von ihm und sie haben ein Mädchen bekommen. Es könnte also durchaus möglich sein, das Noah als Spender in Frage käme, was natürlich auf Grund des abweisenden Verhaltens ihm gegenüber durch Phillips Mutter einer gewissen Komik nicht entbehrt.

Von dem Mann meiner Schwägerin hatte ich eigentlich immer eine ganz gute Meinung und seine Blicke zu Noah und Enrico Stufe ich mal als neugierig oder interessiert ein, so als hätte er was gänzlich neues, unbekanntes entdeckt. Jedenfalls waren sie für meine Begriffe nicht negativ.

Da er als Spender wohl ausfällt, bleiben als männliche direkt Verwandten nur mein Schwager und dessen Sohn und Noah und derjenige, wo es am besten passt, nach der Typisierung, der kommt wohl dann als Spender in Betracht. Mal sehen, was daraus wird und hoffentlich wird der Kleine dann auch wieder gesund.

Ich habe natürlich nach Irenes Anruf ein wenig gegoogelt und weiß jetzt, das nur etwa ein Drittel aller betroffenen Patienten einen geeigneten Spender im engeren Familienkreis finden. Auch weiß ich jetzt, das die Blutgruppe des Spenders anders sein kann, als die des Empfängers, da dessen krankes Blut durch die Chemotherapie alle eigenen Merkmale verliert und der Empfänger später die Blutgruppe des Spenders hat.

Sollte kein geeigneter Spender im Familienkreis gefunden werden, wird in einer weltweit vernetzten Spenderkartei gesucht, was aber viel Zeit kostet und für den Jungen wird es Zeit.

Wichtig sind die sogenannten HLV-Typen, das sind bestimmte Gewebemerkmale, die über die Eignung eines Spenders entscheiden. Je genauer Spender und Empfänger bei den HLV Merkmalen übereinstimmen um so wahrscheinlicher ist ein Erfolg.

Beim Mittagessen in der Kantine habe ich mit Carl August gesprochen. Der hat dann Matzes Pflegevater, den Professor, angerufen und der hat einen Termin für Noahs Typisierung für Morgen Vormittag klar gemacht und wird sich dann auch vor Ort einfinden, wenn wir dort hin kommen. Gleich um 8:30 Uhr sollen wir dort sein, in seinem Büro und dann gehen wir zusammen zur Blutentnahme.

Das Ergebnis wird dann an den Arzt des Jungen und an uns gemailt. Die Adresse des Krankenhauses in Hildesheim, in dem der Junge seit gestern Abend liegt, hat Irene mir per SMS geschickt und diese und unsere hinterlege ich jetzt bei dem Professor, der die Ergebnisse dann mailen wird. Ob man Noah dann als Spender benötigt, bleibt ab zu warten.

Noah besteht aber dann auf einer Behandlung hier in Bremen, er will auf keinen Fall nach Hildesheim und der Professor wird sich dann um alles kümmern, sollte es tatsächlich soweit kommen. Wenn sie nicht darauf eingehen, will Noah nicht spenden, was ich, so wie sie die beiden Jungs behandelt haben, auch irgendwie verstehen kann. Mal sehen, wie Irene und ihre Mutter das sehen, wenn es wirklich dazu kommen sollte.

Es besteht auch die Möglichkeit, die Spende von hier aus nach Hildesheim zu fliegen, dann bliebe dem kranken Jungen der Transport erspart.

Nun warten wir erst mal ab, wie das Ganze weitergeht. Mit Noah fahre ich Morgen um 8 Uhr zur Blutentnahme ins Klinikum-Mitte. Das Blut wird dann in einem Speziallabor untersucht und die HLV Werte werden ermittelt. Diese Werte werden dann nach Hildesheim übermittelt und mit den Werten des Jungen verglichen. Je höher die Übereinstimmung, je größer sind die Heilungschancen.

Jetzt bin ich zu Hause, beide Jungs treffe ich in der Küche an, wo sie zusammen unter Enricos Anleitung ein Abendessen zubereiten, italienisch, versteht sich. Nach der Begrüßung teile ich Noah den Termin morgen mit und sage den beiden, das wir nach dem Frühstück zuerst Rico ins Hilton fahren und anschließend dann zum Klinikum-Mitte zum Bluttest.

Boris, Mittwoch, 13.10.2010, morgens um 11 Uhr bei Opa im Büro

Seit Montag schaue ich Opa bei seiner Arbeit über die Schulter, ab dem 18.10.10, also ab nächsten Montag darf ich den Fuß wieder voll belasten, also auch wieder in der Werkstatt arbeiten und den Donnerstag dann auch wieder ins Training. Dienstag, hat der Arzt gesagt, ist nur ein leichtes Lauftraining drin und auch Donnerstag soll ich noch langsam machen. Spielen ist aber erst Sonntag in 8 Tagen wieder drin, hat er gemeint.

Gestern hatte ich meine erste Fahrstunde und da ich auf dem Hof hier schon öfter geübt und durch den Roller schon ein bisschen Fahrpraxis habe, ist das echt gut gelaufen. Der Fahrlehrer, er ist so in Papas Alter, war mit meiner ersten Vorstellung sehr zufrieden, als er mich hier bei Opa abgesetzt hat. Der Fahrschulwagen ist ein Kombi, wie Opa ihn hat und er ist auch bei Opa gekauft worden. Alle drei Wagen der Fahrschule sind Skoda und von Opa, ein Yeti, ein Oktavia als Limousine und das Flaggschiff, der große Kombi und die werden auch bei uns gewartet und wenn nötig, repariert. Aus diesem Grund hat mich Opa auch bei dieser Fahrschule angemeldet. Mir ist das recht, das kann nur gut für mich sein, denk ich.

Morgen soll ich im Vorzimmer arbeiten, Einblick in die Terminplanung bekommen. Das muss ich ja alles mal wissen, wie das abläuft und die Zeit des Krankenscheins ist so nicht ganz vertan. Die erste Woche ging nicht viel, da war ich bei Oma zu Hause. Das Bein meist hoch gelegt, des Fernsehens überdrüssig, habe ich mich in meine Berufsschulbücher vergraben und auch mit dem Laptop fachbezogene Dinge angeschaut und somit die Zeit für theoretisches Wissen genutzt. Opa hat das sehr gefallen und auch Anke war freudig überrascht, das ich die Zeit im Krankenschein sinnvoll nutze.

Anke kommt jeden Tag und Freitag und Samstag ist sie auch über Nacht geblieben. Ihre Eltern haben es voll akzeptiert, das wir jetzt fest zusammen sind, haben allerdings gemeint, jetzt noch nicht unbedingt Opa und Oma werden zu wollen. Als Anke es mir erzählt hat, habe ich gelacht und gesagt, das wir halt darauf achten müssen, das die Kondome nicht alle werden. Ich habe dann Nachschub im Internet bestellt und zwei Tage drauf kamen die schon mit DPD. Sicherheit ist nun wieder ausreichend vorhanden und wir machen auch regen Gebrauch von den Dingern.

Die Initiative geht dabei nicht nur von mir aus, nein, wenn Anke Lust hat, dann wird sie auch aktiv und holt sich ihr Spielzeug aus meiner Hose. Reiten auf Boris, das beherrscht sie und da wir das Bein schonen müssen, ist das zur Zeit unsere Lieblingsstellung. Sich lieben zu können, jeden Tag, sich gegenseitig Lust und Freude zu schenken, das hat schon was und ist auch viel besser, als Handarbeit, obwohl auch die ab und an noch herhalten muss.

Mama war mich schon dreimal besuchen hier, mit Vanessa. Mama und auch unsere Kleine können Anke sehr gut leiden. Das freut mich, das es so ist. Papa war am letzten Wochenende, am Samstag auch kurz hier, um zu schauen ,wie es mir geht. Jetzt, am kommenden Sonntag, essen alle hier bei Oma, Anke kommt auch und später fahren wir dann zum Sportplatz, den ich nun bald auch wieder als Spieler betreten werde. Ulli, der schwule Nachbarssohn von Anke hat mich auch besucht und wir hatten ein gutes Gespräch. Outen will er sich aber erst, wenn er noch mal einen Freund hat. Ich habe ihm geraten, mal so ab und zu über Homosexuelle Menschen zu reden und dabei die Reaktionen seiner Eltern testen. “Sage deinen Eltern doch mal, das ich dir erzählt habe, das Sergej, den sie ja auch bestimmt noch kennen, jetzt eine Freund hat in Bremerhaven, das er schwul ist und die Eltern und Großeltern sich nicht darüber aufregen.“, schlage ich ihm vor, Sergej wird mir das schon verzeihen, das ich ihn jetzt bei den Leuten oute, bei denen er mal einen Ferienjob gemacht hat. Wenn es denn Ulli irgendwie hilft, dann ist das für meinen Bruder OK.

Jetzt kommt Opa, es ist Mittag und wir fahren zur Oma heim zum Essen. Flipp wird sich freuen, wenn wir kommen, Oma natürlich auch und ihr Essen ist immer Sau lecker.

Kai, Mittwoch, 13.10 2010 um 11:30 Uhr, unten in der Wohnung

Nach dem ich den Chef in Bremen abgesetzt habe, war ich mit dem SUV in der Werkstatt. Den habe ich dort abgegeben und den fertig zugelassenen neuen Q7 in Empfang genommen. Eigentlich sollte der ja schon vor knapp zwei Wochen kommen, aber die Auslieferung hat sich verzögert und nun ist er ja da, der Neue. Modell, Ausstattung und Farbe sind praktisch gleich, von einigen Neuerungen abgesehen, weil ja die Entwicklung der Autos auch immer weiter geht. Martin und ich werden ihn später mal genau checken und nach Veränderungen schauen.

Auf dem Weg hierher ist mir der Brief von meiner Schwester wieder eingefallen, der noch ungeöffnet in der Küche liegen muss. Das liegt wohl auch daran, das es Montag Abend Wichtigeres zu tun gab und das ich so gut wie nie Briefe von Familienanghörigen bekomme. Ich habe den schlichtweg vergessen, aber er liegt ja noch da und jetzt werde ich ihn dann auch öffnen. Vorher jedoch gibt es jetzt mal Kaffee, so viel Zeit muss sein.

Nach dem der Kaffee fertig ist, setze ich mich an den Tisch und greife nach dem Brief. Mit einem Messer aus dem Küchenschrank öffne ich das Kuvert, in dem sich eine beidseitig beschriebene Din A 4 Seite und ein Briefumschlag befindet, der nach einer Trauermitteilung aussieht. Den lege ich zunächst mal auf die Seite und falte das beschriebene Blatt auseinander.

Hannover-Schmünden, 07. Oktober 2010

Lieber Kai…, steht da, he, seit wann bin ich das denn wieder?

So, ihr Lieben das war es für heute, Ende Einhundertvier, ich hoffe, es hat gefallen

Bis demnächst, geh jetzt Eier suchen……..grinst, LG Niff

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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3 Gedanken zu „Traumschiff Teil 104

  1. Lieber Niff,

    das war jetzt schon ein gemeiner Cliffhänger und ich will mal hoffen das Kapitel 105 nicht zu lange auf sich warten lässt.

    Wünsche dir eine schöne Woche

    lg aus Hessen
    Wulf

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  2. welch eine tolle Folge und dann dieser Cliffhanger
    warte schon gespannt, auf den nächsten Teil

    Gruß aus Franken
    Gerdsc

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