Jul 14

Traumschiff – Teil 107

Halle… Erben ?… Oh Mann… Party… Berlin… Prozesse… Umbau 2 … Verein…
Den Wenigen, die immer wieder Kommis schreiben, danke ich hier und jetzt noch einmal besonders, genau so, wie ich meiner Betaleserin Jaenelle hier noch mal extra danken möchte. Wie lange es letztendlich noch weitergeht mit der Geschichte, weiß ich selber noch nicht so genau, mal schauen, bis zur Geburt der Zwillinge denk ich, wird es bestimmt noch gehen, dann sehe ich weiter.
Jerome, Dienstag, 26.10.2010, abends um 21 Uhr im Wohnraum der WG mit Sergej, Ole und Frank. Paul, Gerry und Alwin sind auch da.

Wir sitzen mit sieben Leuten zusammen und reden über die am Sonntag besichtigte Immobilie, die Oma uns zu Sportzwecken zur Verfügung stellen will. Zunächst war ich etwas erschrockenüber den Zustand im Inneren des von außen ganz gut aussehenden, aus roten Backsteinen gebauten Gebäudes. Schwarz und rußig waren die Wände zum größten Teil, der Boden stellenweise aufgerissen, dort wo wohl vorher Maschinen standen, Öl und Dreck und der Blick hoch unter das Dach offenbarte auch deutlichen Sanierungsbedarf. Oma, Frieda und vor allem Papa waren der Ansicht, dass bei der im Grunde genommen soliden Bausubstanz einem zweckdienlichen Ausbau nichts entgegen stehen würde. Tante Frieda wiederholte noch mal ihr Versprechen, das Projekt „Ausbau zum Karate Trainingszentrum“ zu finanzieren.
Nach Alwins Auffassung war das Gebäude groß und auch geräumig genug, um 3 oder sogar 4 Trainings- und Wettkampfflächen an zu legen und das auch noch Raum genug da ist, um Dusch- und Umkleidemöglichkeiten ein zu richten.
Es ist seiner Meinung nach auch noch Platz für eine Zuschauertribüne vorhanden, unter die dann Umkleiden und Geräteräume gebaut werden könnten. Einzelheiten über die Machbarkeit der Vorstellungen müssen mit Ewald Knauer besprochen werden, mit dem wir am Freitagnachmittag um 16 Uhr einen Termin in der WG vereinbart um später die Besichtigung vor Ort zu machen.
Zu seiner besseren Vorbereitung haben wir ihm gemailt, um was genau es geht, welche Ansprüche an die Umbauarbeiten geknüpft sind und was es dann letztendlich sein soll, mit den Anforderungen an zugelassene Wettkampfstätten. Da sind bestimmt sehr strenge Auflagen, den Brandschutz und die Sicherheit betreffend, aber dafür hat man ja den Fachmann.
Darüber hinaus sollte es auch möglich sein, ähnliche Sportarten, zum Beispiel Judo, dort zu trainieren und ein Kraftraum wäre auch kein Luxus, für den Fall einer Vereinsgründung und der angestrebten Öffnung für Dritte. Da fast alle Jungs und Mädels da waren, haben wir, pro Forma halt, abgestimmt über eine Vereinsgründung und bei 5 Enthaltungen waren alle dafür.
Der Termin für die Gründungsversammlung mit Vorstellung einer Satzung und Wahlen zur Vereinsführung findet nun am 13.11.10, einem Samstag, um 16:00 Uhr, bei Mama zu Hause statt.
Das überlegen wir aber nochmal, vielleicht wäre die Alte Luneschleuse der bessere Ort, weil ja doch sehr viele Leute kommen werden und es schon besser ist, es dann nicht in unserem Haus zu machen.
Ole sagt dann, dass wir ja auch mal bei den Eltern von Ullis Freundin, bei dem Griechen im Lokal, nach einer geeigneten Räumlichkeit fragen können. Das werde ich Paul machen lassen, der kennt die Örtlichkeit zum Teil schon und kann das klären bis Übermorgen. Wenn es dort möglich ist, brauchen wir bei der Schleuse nicht mehr nach zu fragen.
Wir haben dann ein Komitee zur Vorbereitung gewählt, das die Vereinsgründung und die erste Satzung im Entwurf vorbereitet. Papa sagte dann, das wir auch einen Passus für inaktive und Fördermitglieder mit auf nehmen sollen.
Ole wurde von uns als Leiter des Komitees gewählt, Frank als Stellvertreter. Alwin und Matze sind für den Fachteil Sport und ich für den Teil Gebäude zuständig, wir gehören ebenfalls zum Komitee und wir treffen uns am Freitag um 16 Uhr in der WG, wozu Herr Knauer auch eingeladen ist.
Ole schickt eine E-Mail rund, informiert alle über Sachstand und Termine und der Bitte, Fragen oder Vorschläge bis Donnerstagabend an ihn zu mailen. Damit wären die Weichen für dieses Vorhaben gestellt und ich denke, dass die Umbaukosten die der WG wohl deutlich überschreiten werden. Die Auflagen, Sicherheit und Brandschutz betreffend, werden ganz schön ins Geld gehen, wenn dort Wettkämpfe mit Publikum stattfinden sollen, kommt man um diese Baubestimmungen nicht herum.
Auch im Hinblick auf eine Versicherung des Gebäudes ist eine Einhaltung zwingend geboten. Wir müssen bei allem darauf achten, dass nur tolerante und weltoffene Jungs und Mädels und auch nicht so viele in unseren Verein aufgenommen werden. Olli Salm soll nach Papas Wunsch und unter Beteiligung von Ole die vereinsrechtliche Seite prüfen und alles für eine Satzung notwendige festhalten. Ole soll das dann zur Gründungsversammlung ordnen und dort im Einzelnen vortragen, was wir in diese Satzung aufnehmen müssen.
Bei der endgültigen Erstellung einer Satzung muss sichergestellt sein, das wir die Kontrolle über alles behalten, später nicht von anderen Mitgliedern aus unserem Verein ausgebootet zu werden.
Das Gebäude darf nicht in das Eigentum des Vereins übergehen, das erscheint uns schon wichtig. Es muss an den Verein vermietet werden.
Es gibt viel zu bedenken und zu beachten, ein Schnellschuss, die Gründung betreffend, wäre nicht gut

Kai, Mittwoch, 27.10.2010, 17:45 Uhr, mit Carl August auf dem Weg nach Bremerhaven zu Remmers Haus.

Ich bin vorhin etwa eine Stunde früher nach Bremen gefahren, als sonst, weil ich ja noch zu meinem Anwalt in der Firma wollte und mit ihm über den bitter bösen Brief meiner Schwester zu reden, den ich heute Morgen bekommen habe. Diese dusselige Kuh kann sich freuen, das sie nicht gerade um die Ecke wohnt hier, sonst wäre ich hin gefahren und hätte ihr den Arsch versohlt.
Der erste Satz, angefangen mit „Du dumme Schwuchtel“ war schon so was von daneben, das ich mich sehr aufgeregt habe. Meine Hände haben gezittert, vor Wut, versteht sich und ich war auf 180.
Ich musste mich zwingen, weiter zu lesen und so las ich dann: „du denkst wohl, ich hätte Angst vor dir und deinem popeligen Anwalt. Das Testament ist absolut in Ordnung, das hat der Notar, der ein guter Freund Papas war, auf Nachfrage von mir, noch einmal bestätigt. Einer Klage dagegen sehe ich mit äußerster Gelassenheit entgegen und du wirst keine Cent mehr als den Pflichtteil bekommen, verlass dich drauf. Sei froh, dass du überhaupt was bekommst, von mir hättest du nichts bekommen.“
Schön, wenn man so gehasst wird, oder? Weiterlesen konnte ich nicht und so steckte ich das Geschreibsel ein, um es später dem Anwalt zu geben.
Martin hat mich dann mit Kaffee und einer festen und langen Umarmung wieder auf den Boden zurück geholt.
Ich brauchte nach meiner Rückkehr um 8:30 Uhr von Bremen, ich habe Carl August gefahren, nicht mehr fahren bis zum Nachmittag, Martin hatte die Schultour übernommen und war noch für Frau Gut und Frau Jensen einkaufen, bevor auch er runter in unsere Wohnung kam. Gestern war ich mit dem Bentley und den Damen des Hauses, Lis eingeschlossen, herbstliche Dekorationssachen kaufen zum Thema „Erntedank“ und „Halloween“, alles für die Party am Samstag. Oma hat gleich gesagt, dass Martin und ich diverse Kürbisse und Runkelrüben am Freitag aushöhlen und Gesichter hinein schneiden müssten. Was tut man nicht alles für das Gelingen der Party?
Girlanden aus buntem Herbstlaub haben sie auch besorgt, Maiskolben, verschiedene Kohlköpfe und sogar Kartoffeln und Zwiebeln in kleinen Körben und auch Äpfel und Birnen sind nun erst mal im Nebenraum der Garage gelagert.
Wie ich die Chefin einschätze, werden diese Sachen, alles Bio, nach der Party auch schön gegessen, weg geschmissen wird das nicht und was wir aus den Kürbissen raus holen, wird als Kürbisgemüse süß/sauer in Gläsern eingekocht, ohne die Kerne, versteht sich. Auch Kürbissuppe soll ja sehr lecker sein.
Es werden hier im Herbst noch mehr Sachen eingekocht und eingefroren, Sachen wie Bohnen oder Kohl, was der Heinz so im Garten hinten im Park erntet. Auch Heinz pflanzt nur nach Bio-Richtlinien, gespritzt wird, wenn überhaupt, nur mit selbst angesetzter Brennsesseljauche. Geerntet wird bis in den Winter, denn auch in dem Treibhaus wächst immer noch Wintergemüse und auch Salat.
Um 15 Uhr, Martin war gerade 10 Minuten von der Schultour zurück, bin ich los nach Bremen, zunächst zum Anwalt.
Dem übergab ich den Brief, sagte ihm, dass ich ihn nicht ganz gelesen habe, weil ich davon so wütend war und er nahm den Bogen aus dem Kuvert und las.
Seine Stirn zog er gleich am Anfang in Falten und als er das Blatt aus der Hand legte, sagte er: „Es wird mir ein extra großes Vergnügen bereiten, diese abscheuliche Person zu verklagen und in Grund und Boden zu Prozessen. Ich bin geschockt über den Hass, der einen aus den Zeilen heraus anspringt, der jede Vernunft vermissen lässt und rechtlich in der Schriftform einen Rechtsbruch darstellt und weil Schwarz auf Weiß, auch hieb und stichfest beweist. Der Brief wird ihr noch leidtun, Herr Rieger.“
Relativ beruhigt habe ich dann den Chef abgeholt und wir sind nach Hause gefahren. Martin und ich haben dann einen ruhigen Abend verbracht, mit Rotwein und Käse und dem Film „Das Boot“, einem wie ich finde eher Antikriegsfilm, der tiefe Einblicke in den dunklen und gefährlichen Alltag eines U-Bootes im Krieg gewährt.
Krieg ist einfach immer Scheiße, viele brave, junge Männer müssen dem Willen machtgeiler Politfuzzies folgen und andere ebenso unschuldige junge Männer umbringen…..Schwachsinn und das schon, seit dieser Planet besteht. Dass die Menschen daraus nichts gelernt haben bis zum heutigen Tag, ist mehr als traurig.

Robin, Mittwoch, 27.10.2010, abends um 20 Uhr, allein zu Hause am PC.

Mama ist arbeiten, Chris und Matze kommen erst gegen 22:30 Uhr her, sie sind noch zu Wolfi in die WG und wollten vielleicht noch ins Kino gehen. Mich haben sie bei Remmers abgeholt und zu uns heim gebracht. Ich habe schon mit Winston gechattet und er hat geschrieben, dass sein Vater einen Interessenten für das Computerspiel gefunden hat.
Nun laufen Verhandlungen, nach dem der interessierte Käufer ein Angebot gemacht hat. 30.000 $ Dollar und dann für jedes verkaufte Spiel eine noch nicht festgelegte Summe.
Das hört sich ja nicht schlecht an, mal sehen, was dabei rauskommt. Ich habe Winstons Vater eine Vollmacht geschickt, dass er in meinem Namen verhandeln und abschließen kann. Geschrieben, ausgedruckt, unterschrieben und eingescannt, dann per E-Mail hin, fertig.
Die Hälfte von 30.000, das ist ja schon was und wenn sie so viel bezahlen, dann gehen sie ja wohl auch davon aus, dass es sich ausreichend verkaufen lässt, um Gewinn zu machen. Das sieht doch schon ganz gut aus. Ich muss mir ein Konto einrichten, da das aber für Minderjährige sehr umständlich ist, hat Ole auf meine Frage nach einer praktikableren Lösung gemeint, ich solle doch wie Wolfi eine Firma gründen, mit Hilfe durch Jeromes Papa. Da könnte ich ja Chris als einen von zwei Geschäftsführern einsetzen, weil der ja schon erwachsen ist. Chris fand die Idee nicht schlecht und wird mich selbstverständlich unterstützen.
Nachdem mich Torsten darauf aufmerksam gemacht hat, ist mir seit ein paar Tagen in der Schule etwas aufgefallen, über das ich mir Gedanken mache. Rechts von mir, eine Reihe vorn dran, sitzt ein Junge in meiner Klasse, der offensichtlich ein reges Interesse an mir zeigt und wohl auch versucht, mit mir zu flirten.
Roland heißt er, Roland Krämer, er ist 16 wie ich, gut und gerne 15 cm größer als ich und ist sehr sportlich. Bisher haben wir noch nicht viel miteinander geredet, er hat mich aber neulich beim Sportunterricht als ersten in seine Mannschaft gewählt, obwohl ich beim Fußball nicht die beste Figur abgebe. Das hatte mich schon gewundert und auch einige andere Mitschüler guckten schon erstaunt zu ihm und dann zu mir hin.
Es ist halt nicht mein Sport und da ich trotz aller Fortschritte immer noch einer der kleinsten und auch zierlichsten bin, hat mich seine Wahl aufmerksam gemacht. Er sucht jetzt öfter Blickkontakt, das ist auch Natascha und Marie schon aufgefallen.
An sich ist er ein eher schüchterner, sehr ruhiger, durchaus aber sehr sympathischer Mitschüler, der gut mit kommt und er sieht auch noch sehr gut aus mit seinen dunkelbraunem Kurzhaarschnitt, der ihn sehr attraktiv aussehen lässt. Ich kann nicht abstreiten, das er mir sehr gefällt, vielleicht auch, weil er viel mit Boris gemeinsam hat, äußerlich, mein ich. Näher kenne ich ihn ja noch nicht, wohl auch, weil ich ja immer bei meinen Freunden bin in den Pausen.
Ich weiß im Moment gerade nicht, wie ich damit umgehen soll. Nicht, das es mich stören würde, das er Interesse an mir zeigt, nein, aber zur Zeit tendieren meine Gedanken und Interessen doch mehr zu Josefine Scarlotti hin, die ich am Samstag auf der Party treffen werde.
Jerome ist meinem Wunsch gefolgt und hat sie eingeladen. Ich werde mal so tun, als würde ich Rolands Flirtversuche nicht wahrnehmen und erst, wenn er konkreter wird, muss ich mich der Sache wohl stellen.
Einen Verehrer zu haben, dazu noch so einen attraktiven, schmeichelt mir schon und zeigt mir auch, dass mein Image als “Armer, kleiner Krüppel“ wohl endgültig Geschichte, einfach weg ist und das ich als mehr oder weniger attraktiver gleichaltriger Teenie wahrgenommen werde. Das freut mich schon sehr, nach all den negativen Erfahrungen vor den Operationen.
Auch von weiblicher Seite ist ein sehr reges Interesse an mir zu spüren, aber meine Anwesenheit in unserer Clique verhinderte bis jetzt wohl auch hier alle ernsthaften Annäherungsversuche. Ein paar der sehr attraktiven Schätzchen der Schule haben mich schon wahrgenommen und es schmeichelt mir natürlich, etwas mehr im Blickpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, als es früher der Fall war. Torsten zieht mich nun gerne auf damit, Sigrid bremst seine Bemerkungen jedoch sehr und es ist erträglich, seine oft einfach coolen Sprüche zu hören. Eindeutig zweideutig, das ist Torstens Markenzeichen und nur Noah gegenüber hält er sich sehr zurück. Das muss an einer Natalie liegen, hat Chris gesagt, nur eine Natalie habe ich in unserem Kreis noch nie gesehen. Ich muss einfach Jerome mal fragen, wer das ist.
Ich werde jetzt mal in aller Ruhe den Samstag abwarten und sehen, ob ich bei dem hübschen Josefine mit den tollen schwarzen Locken eine Chance habe. Dann sehe ich weiter. Sie gefällt mir halt sehr und beschäftigt meine Gedanken bis hin unter die Bettdecke.
John Ephraim ist wohl online gegangen und hat gesehen, dass ich auch online bin. Er schreibt mich an und wir aktivieren beide Skype, um miteinander zu Chatten. Das wird mich ablenken und auf andere Gedanken bringen und wir beginnen, uns neue Dinge zu erzählen und reden über unsere Fortschritte. Gezeigt wird aber heute nichts dabei……kicher.
Als endlich die Haustür geht, ist es Mama, die kommt. Meine beiden verliebten Brüder kommen erst eine viertel Stunde später, bringen Mama und mir aber noch eine Currywurst mit, geil, das mag ich, war sonst auch immer „No Go Essen“. Danach wird es aber höchste Zeit für mich, ins Bett zu gehen, Schule ist morgen.

Chris, Donnerstag, 28.10. 2010, 13:50 Uhr, in einer Grundschule in Bremerhaven, mit Matze.

Seit etwa 10 Minuten gehen wir mit dem Hausmeister durch die Flure und kennzeichnen die Plätze, an denen wir im Anschluss einige von Wolfis Bildern aufhängen werden. Das ist jetzt die 5. Schule, 4 waren in Bremen, alles Grundschulen, jetzt geht es in Bremerhaven weiter.
Mittlerweile haben wir das gut drauf, es geht Hand in Hand und wir kommen gut voran bei der Arbeit.
Plätze festlegen, dann Reihenfolge der Bilder nach Wolfis Plan, Strom anzapfen mit einer Kabeltrommel, anzeichnen und dann mit dem Bohrhammer in die Wand bohren. Achter Dübel rein, Haken eindrehen und dann das Bild aufhängen, fertig, auf zum nächsten. Zurzeit kommen 12 Bilder, 90 x 70 Zentimeter, in jede der Schulen, später sollen weitere folgen.
An einem Nachmittag sind wir mit einer Schule fertig und von Wolfi bekommen wir dann einen neuen Termin. Das klappt alles gut und wir sind auch mit dem Geld für diese Arbeit voll und ganz zufrieden. Pro aufgehängtes Bild gibt es 10 Euro für uns beide, das sind bei zunächst immer 12 Bildern pro Schule 60 Euro für jeden von uns, das ist doch voll OK. Spritgeld teilen wir, obwohl Matze das zuerst nicht wollte. Erst mein Spruch: „Alles gemeinsam, Gutes und Schlechtes“, wie wir uns das mal gegenseitig vorgenommen haben, ich glaube, es war auf dem Schiff irgendwo auf der Elbe, hat ihn einlenken lassen. Ein dicker Kuss hat die Sache endgültig besiegelt.
Robin ist an den Nachmittagen fast immer bei Remmers, macht dort Hausaufgaben mit Natascha und Lex, ein Lehrer ist dabei. Er wird dann von uns abgeholt, wenn wir fertig sind.
Nach unserer Rückkehr aus Amiland hat sich der Alltag unter den nun sehr veränderten Umständen eingestellt, wir haben uns an die neue Situation gewöhnt und Matze hat mir geholfen, mich von meinem Glucken-Verhalten gegenüber Robin zu lösen, was nach so vielen Jahren nicht so einfach war. Robin ist das von Anfang an besser gelungen.
Der 1. Platz in meinem jetzt so anderen Leben gehört eindeutig Matze, meinem Schatz, den ich sehr lieb habe und der mich glücklich macht. Mittlerweile harmonieren wir toll, brauchen einander wie die Blumen das Wasser und sind in unseren beiden Familien zu Hause, ein immer wieder gutes Gefühl, wenn man zu ihm oder zu uns nach Hause kommt. Es ist weit mehr, als ich je zu hoffen gewagt habe, was ich einmal finden würde als schwuler Mann und ich glaube, meinem Schatz geht es nicht anders.
Dazu dann noch so viele und vor allem gute Freunde zu haben, echte Freunde, das macht unser Leben gerade einfach perfekt. Matzes Wahlvater hat bereits jetzt für uns beide einen Studienplatz in Hamburg angemeldet und beide haben dort in einem Ortsteil mit Namen Bilstedt eine 3 Zimmer Eigentumswohnung gekauft, zur Altersvorsorge, haben sie uns gesagt. Unweit davon ist ein U-Bahnhof, das ist doch ober cool, finden wir 2.
Diese Wohnung können wir zum Studienbeginn voll möbliert beziehen, mietfrei, haben die beiden gesagt. Was soll man denn da dagegen haben und wir sind beide froh, dass sie uns so hervorragend unterstützen. Sie sind froh mit uns, mögen mich sehr und ihre Unterstützung lässt keine Wünsche offen.
Auch meine Mama liebt meinen Schatz dafür, dass er mich glücklich macht und Robin vergöttert Matze dafür, das er seinem Bruder so viel gibt und weil er einfach so ein toller Mensch ist, mein Schatz. Robin hat in Matze gleich mehr gesehen als ich. Mein Blick war zu der Zeit nur auf meinen Bruder fixiert, Platz und Raum für andere war da nicht viel, aber der Kleine hat durch sein Verhalten und durch seinen Willen, Matze mit in die Staaten zu nehmen, die Weichen für unser Glück gestellt und das hat er ganz bewusst gemacht.
Er hat damals am Abend auf der Party erkannt, dass Matze mich wohl mehr als nur mochte und hat darauf reagiert, zu meinem oder besser gesagt, zu unserem Glück. Das war dann wohl seine Art, Danke zu sagen für die Zeit, die ich ihm gewidmet habe. Einen Bruder wie ihn zu haben, war nicht immer leicht, war aber auch nie eine Belastung für mich. Er war einfach mein Leben und das er jetzt gesund ist und nicht mehr so viel Chris braucht, ist einfach schön. Deswegen hat Chris jetzt seinen Matze und das ist einfach galaktisch gut.
Unser vorübergehender Job für Wolfi macht uns Spaß und bringt genug Geld, um unabhängig zu sein von familiären Zuwendungen, die aber doch ab und an kommen und auch gerne genommen werden.
Im Gegenzug werden dann aber auch die Rasen gemäht, Laub gesammelt und der Bürgersteig am Haus gekehrt oder es wird von uns eingekauft. Wir lassen uns nie lange bitten, etwas für sie oder Mama zu tun und für unseren Bruder, so sieht Matze Robin jetzt und lässt es ihn auch spüren, ist uns auch nichts zu viel.
Jetzt bohrt Matze gerade das letzte Loch für heute, ich halte Dübel und Schraube bereits in der Hand und mit einem Akkuschrauber, ich glaube, der gehört Martin, drehe ich die Schraube in den Dübel und Matze hängt das Bild dann daran auf.
Es ist ein Strandläufernest, mit fünf Küken, niedlich, das wird den Schülern gefallen wohl auch, weil fast alle Kinder Tierkinder mögen.
So, fertig, jetzt zusammenpacken und ab, vorher mit dem Akkustaubsauger das Bohrmehl aufsaugen, mit einem feuchten Tuch drüber, dann sind wir für heute fertig. Matze geht vor mir her zu seinem Auto, mein Blick ruht auf seinem durch den Sport so toll geformten Knackpo, auf den ich so abfahre und den er auch nicht mehr vor mir versteckt.
Seine Scheu vor allen sexuellen Dingen ist mir gegenüber verflogen. Wir sind sehr oft aktiv und er genießt es nun auch reuelos und ohne schlechtes Gewissen, seit er sich von den kranken Vorstellungen vom Leben, die ihm seine Eltern immer wieder eingeimpft haben, lösen konnte. Immer öfter geht die Initiative zum Sex von ihm aus, macht er mich an und wer mich kennt, weiß, dass er mich nie lange bitten oder reizen muss, um voll ab zu gehen, das weiß Matze natürlich auch und ich freue mich immer, wenn er meine Liebe braucht.
An seine ehemalige Familie denkt mein Schatz nur noch selten und wohl auch eher in Mitleid, als im Zorn. Es ist einfach vorbei und jetzt, wo wir zusammen sind, hat er auch sein schlechtes Gewissen und seine Hemmungen abgelegt, mehr Selbstvertrauen gewonnen, was die Liebe zwischen uns 2 Männern angeht. Nur weil er schwul ist, ist er mit sich nicht mehr unzufrieden, zweifelt nicht an sich und beim Sex mit mir gibt es auch keinerlei spürbaren Hemmnisse mehr, er geht immer gut ab, mein Schatz.
Der tolle Umgang zwischen uns und dazu die vielen, meist auch schwulen Freunde vermitteln ihm und mir natürlich auch, vollkommen normal zu sein und die gänzliche Abkehr von irgendwelchen Göttern hat ihn wohl endlich ganz frei gemacht, meinen Matze. Jetzt fahren wir gleich Robin holen und dann geht es ins Training in die WG nach Bremen, wo wir uns mit unseren Freunden immer montags und donnerstags treffen.
Bis heute Abend sollen wir auch Wünsche und Vorschläge zur bevorstehenden Vereinsgründung und zum Umbau des Gebäudes machen. Das Gebäude haben wir am Sonntagnachmittag angeschaut, groß ist es und sehr dreckig von innen. Die Vorstellung, dort einmal in einer hellen, renovierten Halle zu trainieren, wollte sich bei mir nicht so recht einstellen.
Am 06.11.10 soll dann eine Gründungsversammlung, wahrscheinlich bei Remmers stattfinden, zu der alle ernsthaft Interessierten eingeladen werden und auch erscheinen sollen. Ich gehe davon aus, dass alle, die zu uns gehören, auch kommen werden. Die mehr als großzügige Finanzierungszusage durch die beiden alten Damen ist natürlich der Hammer, obwohl ich davon ausgehe, dass es Jerome auch selber finanziert hätte. Das in dieser Familie auch die ältere Generation finanziell sehr potent ist, um so etwas finanzieren zu können, ist uns allen wohl erst richtig klar geworden, als sie ihr hammermäßiges Angebot gemacht haben.
Matze fährt los, Robin wird schon warten, er geht gern zum Training und hat immer Angst, zu spät dort hin zu kommen. Wie erwartet, ist er schon fertig angezogen, hat seine Tasche gepackt und wartet auf uns. Von Ralf hat er sich nach Hause fahren lassen, als er mit den Hausaufgaben fertig war.
Unsere Taschen sind auch fertig und so können wir ohne größeren Aufenthalt gleich weiterfahren nach Bremen, zum Training mit unseren Freunden in der WG. Auf der Autobahn überholt uns Alwin mit seinem neuen Auto, Gerry und Lars sitzen auch drin und winken lachend beim vorbei fahren. Alwin und Gerry passen gut zu uns und unseren Freunden und haben sich gut bei uns eingeführt.
Beide sind voll Ok und eine Bereicherung für unseren mittlerweile sehr groß gewordenen Kreis dem auch wir 3 ja noch nicht ewig angehören. Unser Leben hat sich verändert seit der Party am Baumhaus und abgesehen von unseren persönlichen Vorteilen, wie Robins Genesung und dem Zusammenkommen von Matze und mir, ist das Kennen lernen von so vielen tollen Leuten und dann die Freundschaft mit ihnen, etwas ganz besonderes für uns und wir sind gerne mit allen zusammen. Auch Mama hat endlich wieder Anschluss gefunden, ist jetzt mit Jeromes Mama und auch mit Noahs Mama befreundet, hat wieder etwas Abwechslung, ohne ständige Sorge um ihren Jüngsten. Auch das ist neu, ist etwas, das es schon so lange nicht mehr gab in ihrem Leben und es tut ihr gut. Auch mit Matzes Wahleltern versteht sie sich gut, was uns natürlich besonders freut.
Alle Eltern finden das mit dem Karatetraining gut und die meisten werden den Verein bestimmt auch als passives Mitglied unterstützen, da bin ich mir vollkommen sicher.
Wir fahren jetzt von der Autobahn ab, bald sind wir in Bremen.

Paolo, Freitag, 29.10.2010 19:00 Uhr mit Natascha, Lex und Ralf und Sergej und Jerome, im Badebereich beim Dekorieren. Frank und Ole sind auch dabei.

Auf Bitte von Nataschas Mama haben wir schon mal damit angefangen, den Bereich hier unten mit Dekoration aus zu statten, Motto Herbst und Halloween und da die Frauen eine Menge an Dekorationsmaterial besorgt haben, sind wir jetzt voll bei den Vorbereitungen. Wir, mein Schatz und ich, sitzen auf einer der Bänke und machen aus Schnur und bunten Blättern Girlanden, die zum Teil auch mit Früchten und Zapfen aufgelockert, um später an verschiedenen Orten aufgehängt werden sollen.
Kai und Martin sind jetzt auch dazu gekommen, höhlen mit Jerome und Sergej zusammen Kürbisse und Runkelrüben aus, zum Aufstellen oder zum Aufhängen, in die dann Morgen, am Samstag Teelichter oder Kerzen, zum Teil aber auch LED Leuchten hinein kommen werden. Die Bar, wieder im Fitnessraum, wird von Ole und Frank mit Strohballen möbliert und auch entsprechend dekoriert.
Das Essen am Partyabend hat die Mama meiner Liebsten auf Oles Vorschlag hin bei dem Catterer bestellt, bei dem der Freund von dem Leander Seidel arbeitet und Ole hat das auch mit Jochen und Leander gedeichselt, das die zwei es herbringen und auch aufbauen. Sie sollen dann beide bleiben, ein bisschen bei der Verteilung zur Hand gehen und Ole will wohl den Jochen dann auch dem Markus Meinle vorstellen, der ja noch einen Koch zur Teamverstärkung im Hilton sucht.
Markus kann dann ja ein bisschen von Jochens Können und auch Jochen persönlich kennenlernen und Rico kann ja auch dann sagen, was er von Jochen hält.
Ole hatte das im Vorfeld mit Noah und Enrico ausgeheckt und dann Lis eingeweiht und ihr OK eingeholt. Lis hat natürlich Oles Plan voll unterstützt und so läuft das jetzt. Ole ist schon clever und genießt das uneingeschränkte Vertrauen von Nataschas Eltern und von Oma und Frieda auch.
Da der Leander ja schon im Konzern arbeitet, kann Carl August einiges über ihn erfahren. Ole hat natürlich auch Nataschas Eltern über den Prozess und auch über das Essen bei den beiden jungen Männern berichtet und seinen durchweg guten Eindruck, die beiden betreffend, dar gelegt.
Er hat dann wohl auch mit Jochen und Leander besprochen, das sie das Essen her bringen und auch mit ausgeben und dabei die Leute, besonders aber Markus Meinle, Enrico und Carl August als eventuell zukünftigen Chef kennen zu lernen. Ob daraus eine Anstellung Jochens im Hilton wird, muss sich zeigen, aber meistens gehen Oles Pläne auf.
Kai geht jetzt, er muss Carl August ab holen in Bremen. Martin ruft Kevin an, der mit Wolfi bei dessen Eltern ist. Beide wollten da den Rest der Bilder, wo noch auf dem Speicher sind, abholen. Nach Kevins Schichtende waren sie noch unterwegs, um neue Fotos zu machen.
Hier und heute ist alles so viel besser geworden für meinen Bruder und mich. Es ist ja noch kein halbes Jahr her, das wir Hals über Kopf Jerome gefolgt und von zu Hause abgehauen sind. Rico und ich haben in den letzten Monaten so viele positive Erfahrungen gemacht, das wir den ganzen Scheiß von damals regelrecht verdrängt haben. Nach dem nun seit neustem auch unser Vater zu Vernunft kommt und Rico und auch Noah akzeptiert, ist alles so gut wie perfekt für uns. Rico ist aufgeblüht, hat mit Noah einen tollen Schatz gefunden und ich, ich kann es kaum fassen, das Natascha mich so liebt und ich hier so vorbehaltlos akzeptiert werde im Haus Remmers. Mein Zwilling und ich, wir sind zurzeit absolut glücklich und wünschen uns, dass es so bleibt.
Mein Chef hat mir angeboten, den Daccia für 1.000 Euro zu übernehmen, das Auto ist steuerlich abgeschrieben, weil jetzt 4 Jahre alt und er will einen Neuen kaufen. Rico wäre einverstanden, da es ja ein Kombi mit großem Laderaum ist und das Auto mit 1.000 Euro leicht zu bezahlen ist. Er hat dann immer noch über 10.000, wenn er sich ein anderes kaufen möchte. Da Noah aber vom zu erwartenden Schmerzensgeld auch einen Wagen kaufen will, ist der Kauf für Enrico ja jetzt nicht so dringend. Meine Nachhilfe zeigt langsam Erfolg und läuft auch vorerst weiter.
Der Chef hat gesagt, wenn Enrico den Wagen nutzen will, nach einem Verkauf an uns, dann kann ich den neuen Wagen genau so, wie bisher den Alten nutzen, das hätte er ja versprochen und das wäre ja auch machbar.
Diese Lösung beschert Rico jetzt einen günstigen Gebrauchten und mir einen ebenso günstigen Neuen, bis Willfried seine Gesellenprüfung geschafft hat. Läuft doch Sau gut, oder??……
So, Jerome hat gemeint, es reicht für Heute. Morgen früh ab 9:30 Uhr wollen wir uns treffen und den Rest, vor allem oben im Wohnbereich, machen. Da kommen natürlich noch einige Leute zum Helfen dazu, so dass wir locker bis um 16 Uhr fertig sind. Ab 18 Uhr geht es ja dann richtig los mit der Party. Jerome meint nun, wir könnten ja, wenn wir wollten, heute Abend gleich hier bleiben. Mein Schatz und ich hatten das so wie so vor, aber auch Ole und Frank sind damit einverstanden, Ralf und Lex hatten auch vor, heute Abend gleich hier zu bleiben. Jerome schlägt vor, zunächst mal was zu essen und dann könnten wir ja noch einen Film gucken, wer mag.
Als wir hoch kommen, sagt Lis, das Kai mit Carl August auf dem Weg zu uns sind und sie bringen Essen vom Thailänder mit. Kevin und Wolfi kommen auch gleich, sagt sie. Wir decken schnell den großen Tisch und holen auch Getränke und als das Essen da ist, ist alles fertig vorbereitet.

Paul, Samstag, 30.10.2010, morgens 10:30 Uhr mit Rolf bei dessen Opa in der Werkstatt beim Aufräumen.

Mit einem guten Gehörschutz auf den Ohren und mit Arbeitshandschuhen stehe ich vor dem großen Maul eine mit viel Krach laufenden Schredders, mit dem die nicht mehr zu verwendenden Holzstücke, Abschnitte und Reste zu kleinen spanähnlichen Teilchen zerhackt und dann in einen zur Heizanlage gehörenden Silo geblasen wurden. Dort lagern sie dann, tonnenweise über den Sommer gesammelt, um dann in der kalten Zeit des Jahres in einem speziellen Ofen in Wärme für die ganze Werkstatt umgewandelt zu werden. So werden die anfallenden, hölzernen Abfälle sinnvoll und auch kostensenkend verwendet und landeten nicht auf irgendeiner Deponie. Auch die bei der Verarbeitung der Hölzer anfallenden Späne und Stäube wurden von einem großen Saugaggregat angesaugt und in den Silo befördert.
Sollte dieser vor Beginn der Heizperiode voll sein, werden aus den anfallenden Spänen Holzbrikett gepresst, die Rolfs Opa dann in 20 Kilo Säcken verkauft. So wird also von dem meist in Bohlen und Bretter geschnittenen Stämmen alles verwertet. Das finde ich gut und sinnvoll.
Rolf und noch zwei Lehrlinge, Gisbert und Oswald, bringen alles, was durch den Schredder muss, zu mir und ich werfe Stück für Stück hinein in das gierige große Blechmaul. Die mit vielen Messern bestückten Walzen zerhacken in Sekundenschnelle alles, was ihnen zum Fraß vorgeworfen wird. Auch Nägel und Schrauben werden zerhackt, schaden aber auf Dauer den Messern und so guckt der Oswald immer die Stücke nach und entfernt Metall nach Möglichkeit vorher.
Der jüngste Geselle der Firma, Holger heißt der, der ist mit dem dritten Lehrling, Tobias, eine Ladung Holzbrikett in Säcken zum Raiffeisenmarkt zu bringen, die dann dort weiterverkauft werden. Zweiundsiebzig Säcke haben sie geladen, immer zwölf in einer Gitterbox und dort werden sie dann mit einem Stapler abgeladen. Sechs leere Boxen bringen die zwei nach her mit, die dann hier wieder mit ja zwölf Sack gefüllt werden. In dem Raum unter dem Silo steht die Brikettpresse und dort können auch bis zu Hundert Säcke gelagert werden.
Die Schreinerei ist schon ein toller Betrieb und sie stellen echt geile Sachen her, überwiegend Möbel und Inneneinrichtungen, aber auch Treppen oder ausgefallene Haustüren nach individuellen Kundenwünschen.
Die anderen Lehrlinge und auch Holger wissen mittlerweile, wie Rolf und ich zueinander stehen und nur der Tobias meidet den direkten Kontakt mit uns, ist sehr zurück haltend, die Anderen sehen es wohl mittlerweile als ziemlich normal an und seit sie uns jetzt ja schon etwas länger kennen, verhalten sich alle auch normal uns gegenüber. Da der Opa uns gut behandelt, vermuten sie wohl, dass dieser nichts gegen unsere Verbindung ein zu wenden hat und das beeinflusst sie bestimmt auch, es einfach zu tolerieren, das wir zusammen sind und schwul. Das Rolf mal hier der Chef sein wird, steht ja auch deutlich im Raum und da alle hier bei seinem Opa gern arbeiten, werden sie sich wohl kaum mit dem zukünftigen Juniorchef überwerfen wollen.
Heute Nachmittag geht es dann zu Remmers, Party ist angesagt und wir werden in meinem Zimmer bei der Oma schlafen heute Nacht. Um 14 Uhr wollen wir dort sein, noch ein wenig helfen, wenn nötig.
Donnerstag ist Rolf in die WG gekommen zum Training und abends bin ich mit ihm zu ihm nach Hause und bin auch gestern nach der Uni zu ihm. Da er erst um 16:30 Uhr am Nachmittag zu Hause ist, fahre ich in der Woche nach der Uni mit in die WG. Freitag hat Rolf Berufsschule und ist daher früher zu Hause. Dann fahre ich nach der Uni mit in die WG, wo ich dann mit einem der Autos von dort aus immer zu Rolf fahre und dann auch meist bis Sonntag dort bleibe. Dass mir Jerome dazu immer eins der Autos leiht, finde ich ganz toll, Rolf natürlich auch, weil wir das Auto ja dann auch am WE benutzen können.
Heute habe ich den Yeti dabei und bevor wir zu Remmers fahren, essen wir um 13 Uhr noch bei Rolfs Oma zu Mittag, mit der ganzen Familie und für mich ist das einfach gut, dass ich dazu gehöre. Familie hatte ich seit Mamas Tod nicht mehr so richtig und deshalb genieße ich das hier sehr.
Der Briefträger muss wohl ein Einschreiben gebracht haben in die WG, hat mir Jerome gestern geschrieben, er bringt es mit und will es mir dann später geben. Er sagt, es kommt vom Rechtsanwalt aus der Firma und war als Einwurfeinschreiben deklariert. Ich kann mir nur vorstellen, dass es was mit dem Prozess zu tun hat, der ja bald stattfinden muss. Ich habe den Ulli angerufen, ob der auch was bekommen hat und so ist es. Der Prozess soll am Diensttag, den 23.11.2010 beginnen, morgens um 9:00 Uhr am Landgericht in Bremen, Saal 2. Das ist also der Tag, an dem wir unseren Peiniger wiedersehen werden und an dem es ihm hoffentlich richtig ans Leder geht.
Angst oder auch Mitleid empfinde ich bei dem Gedanken an den Prozess nicht, die gute Zeit seit meinem Einzug bei der Oma hat mich mit vielen negativen Erinnerungen ausgesöhnt. Es zählt nur noch das Heute und das Morgen für uns, unsere Zukunft und unser gemeinsames Glück, da ist für eine beschissene Vergangenheit kein Platz mehr. Rolf, seine Familie, mein Studium und unsere Freunde, das ist unsere Zukunft und dafür leben wir jetzt.
Es ist jetzt kurz vor zwölf, das Auto mit Holger und Tobias ist auch zurück und der Schredder ist mangels Futter schon länger verstummt, als der Opa kommt und jedem seinen Lohn für die 5 Stunden Samstagsarbeit gibt. 50 Euro cash, das wird immer gern genommen und alle bekommen das gleiche. Das hat wohl schon eine gewisse Tradition und ist wohl auch heute noch in vielen Handwerksbetrieben ähnlich. Der Werkstattbereich ist sauber, Reste und Brikett sind versorgt, für den Montag. Wenn die Meister und Gesellen kommen, ist alles bestens vorbereitet.
Wir, mein Schatz und ich, fahren mit dem Yeti jetzt zu Rolf nach Hause, werden dort Wasser sparend duschen und dann zu unseren Freunden nach Bremerhaven fahren.

Ole, Samstag, 30.10.2010, 21:00 Uhr beim zweiten Gang am Kalt-Warmen Buffet.

Von dem tollen Buffet, das dieses Mal die Catterer-Firma geliefert hat, bin nicht nur ich begeistert, es ist absolut gut und steht dem Essen des Hilton in nichts nach. Leander und Jochen bedienen beim Fisch und beim Fleisch, das haben sie mit Jochens Chef so ab gemacht, von beidem gibt es warme und kalte Leckerbissen und es wird gut angenommen.
Den Markus Meinle habe ich schon mit Jochen bekannt gemacht und mir scheint, dass beide ins Gespräch kommen werden. Auch Enrico ist vom Essen begeistert und er hat schon Jochens und auch Leanders Bekanntschaft gemacht.
Lis hat mir schon gesagt, dass sie mit meiner Wahl, das Essen betreffend, mehr als zufrieden ist und gemeckert hat bisher noch keiner. Frank und ich sind nun erst mal satt und gehen wieder nach unten. Auf der Treppe kommen uns Rico, Noah, Paolo und Natascha entgegen, die nun auch zum zweiten Mal ans Buffet gehen.
Die meisten jungen Leute sind, wenn sie nicht gerade essen, hier unten im Bade und Barbereich, da läuft Muke und getanzt wird auch.
Robin, in dem schicken Badeshorts, den er von Lis bekommen hat, tanzt ziemlich eng mit Josefine Scarlotti, die einen schwarzen Einteiler an hat.
Beiden scheint es zu gefallen und sie passen auch optisch sehr gut zusammen. Er, der blonde Engel und sie mit schwarzen Locken, schlank und etwas kleiner als er, einfach hübsch als Paar. Ob mehr daraus wird, mal sehen, Robin möchte das wohl schon, habe ich den Eindruck. Sie wird auch bald 16 und vielleicht hat sie ja auch Gefallen an unseren blonden Engel, möglich ist es.
Lars, Alwins Bruder ist mit Sabine Weiden wohl jetzt zusammen, die 2 sitzen im Whirlpool und knutschen ab und zu miteinander. Torsten wird es freuen, wächst doch die „Hetenfraktion“ vielleicht gleich um zwei Pärchen an.
Torsten ist, seit er fest mit Sigrid zusammen ist, nicht mehr mit dem Torsten damals im Krankenhaus zu vergleichen. Er ist jetzt fast immer nett, nicht mehr oder nur selten vorlaut und auch in der Schule gibt er sich echt Mühe. Augen hat er nur noch für Sigrid und die hat nur Augen für ihn.
Bei Frau Gut ist er sehr gut gelitten und Sigrid ist bei Siebers auch so gut wie zu Hause mittlerweile. Dass er mal von Marie geschwärmt hat, verdrängt er und auch von Natalie darf niemand ein Wörtchen reden. Ob Sigrid etwas davon weiß, kann ich nicht einschätzen, von uns wird aber mit Sicherheit niemand ein Wort über die Gummibraut verlieren.
Zu Jens, dem er Natalie vermacht hat, hat Torsten noch Kontakt, hat er mir erst vor kurzem erzählt. Einzelheiten zu dem Treiben in der Scheune von Jens Opa wollte ich aber nicht anhören. Torstens Bemerkungen zu Folge ist da jetzt wohl ein Gummipuff und die Zahl der Damen soll sich verdoppelt haben.
Kai, Martin, Kevin und Wolfi gehen jetzt gerade mit Dirk, Mike und Tom und Micha in die Sauna, aus der Alwin, Gerry, Jerome und Sergej und Armin mit Denise kommen. Auch Marvin und Marie waren mit drin in dem heißen Holzkasten. Marie und Marvin sind richtig fest zusammen, verstehen sich blendend und auch Mutsch mag diesen ruhigen, sehr lieben Jungen gern. Marvin ist sehr hilfsbereit und kommt mit allen gut zurecht, so dass er von uns allen gemocht wird.
Kevin wirkt gedrückt auf mich, seit diese Frau Wörner gestorben ist, er mochte die alte Dame wohl sehr und jetzt ist sie ja auch relativ schnell ihrem Mann hinterher. Der Fiffi ist jetzt wohl in Kevins Obhut und in sein Eigentum übergegangen. Meist ist der Hund ja hier bei Remmers und alle, außer Carl August, kümmern sich, nehmen ihn mit zum spazieren in den Park und bei Natascha oben hat er mittlerweile auch ein Körbchen. In der Nacht ist er aber immer unten bei Martin und Kai und wenn Kevin hier ist, sind alle anderen abgemeldet.
Mit dem Studium läuft es ganz gut, obwohl es für mich schon ein anderes Lernen ist, als es das am Gymnasium war.
Man muss mehr aus Eigeninitiative machen, sich in die Thematik einarbeiten, Zeit investieren, um seine Ziele zu erreichen. Jura, das bedeutet viel Gesetze, Gesetze, die man einfach lernen muss. Man muss wissen, was wo steht, um das Richtige für den jeweiligen Fall zu finden.
Es gibt eine immense Zahl an verschiedenen Gesetzbüchern und Verordnungen, die bestimmte Bereiche des öffentlichen und auch des privaten Lebens in Teilen, oft sehr genau regeln, Bundes- und Landesgesetze und darüber hinaus EU-Rechte und internationale Rechte. Gewiss muss man das nicht alles auswendig kennen, aber ein bestimmtes Grundgerüst an Wissen muss man schon haben, wenn man erfolgreich im Studium sein will. Gut, das mir das Lernen immer leicht fällt und mit meinem tollen McBook habe ich eine gute Bank an Wissen und Möglichkeiten immer dabei.
Ganz besonders kommt mir aber die Möglichkeit zu Gute, die Rechtsabteilung des Konzerns mit all den fantastischen Möglichkeiten, mit Ihren tollen Anwälten und einem, mir sehr zugetanen Leiter nutzen zu können. Oliver Salm ist ein Mann, der sehr viel mit Carl August gemeinsam hat und der, wohl auch von Jeromes Vater angeregt, mir jede Form der Unterstützung zugesichert hat und das gilt genau so konsequent, wie die Freundschaft von Carl August mir gegenüber.
Frank kommt in seinem gewählten Studienfach auch gut zurecht, hat viel mit Jerome und Sergej gemeinsam und hat wohl auch endlich das Trauma seiner vorherigen Beziehung verarbeitet. Der Psychologe, den wir immer noch einmal pro Woche gemeinsam aufsuchen, ist der Meinung, dass es ab dem nächsten Monat nur noch eine Sitzung geben sollte und dass wir die Therapie dann probeweise zum Jahresende auslaufen lassen. Zwischen uns beiden ist alles wieder voll OK und wir sind sehr froh miteinander.
Die Sauna leert sich und ich nehme Franks Hand und mit einem: „Komm, mein Schatz, wir gehen schwitzen“, ziehe ich in Richtung heiße Kiste. Mit Lex und Ralf, Kevin und Wolfi, Lars und Sabine Weiden, die ebenfalls zur Sauna kommen, gehen wir hinein. Zum Schluss kommen auch noch Robin und Josefine Scarlotti mit dazu, es wird also ein bisschen enger.
Kevin fragt seine Cousine Sabine nach dem Film, den sie vor kurzem mit Lars angeschaut hat.
Beide, Lars und Sabine berichten nun von dem Film „Inception“ mit Leo di Caprio, der im August in die Kinos kam. Di Caprio spielt dort einen Industriespion, der aus dem Unterbewusstsein anderer Ideen stiehlt. Lars meint, dass es ein rasanter Actionfilm ist, bei dem man aber sehr aufpassen muss, um alles zu verstehen. Wenn der Film auf DVD kommt, will er ihn kaufen und dann wollen sie ihn noch einmal anschauen, sagt er.
„Für den 18 November ist der neue Harry Potter Film: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ angekündigt worden“, sagt Lars. Da werden wir dann wohl auch zum großen Teil reingehen, denk ich. Die Bücher haben die meisten von uns gelesen, sogar Mutsch ist da ganz verrückt drauf gewesen, also werden auch alle Filme geschaut und was auf DVD erhältlich ist, haben wir schon zu Hause.
Die Zeit ist um, die Sanduhr ist leer im oberen Teil, also geht es hinaus zum Abkühlen und daran anschließend zum Schwimmen in den Pool, der zurzeit verwaist ist. Fast alle anderen sind in der Bar, oben, oder im Whirlpool.

Noah, auf der Party, 21:30 Uhr, mit Enrico auf dem Weg von oben runter in die Bar.

So, jetzt habe ich meinen Schatz mal von den Kochkollegen weg gelotst, Schluss mit langen Arbeitsgesprächen. Mit Markus Meinle und dem Jochen, der wohl auch gern im Hilton anfangen möchte, fachsimpelt Enrico seit über einer Stunde. Ich haben dabei gegessen, OK, aber jetzt war es mal Zeit für Schatz und mich. Ich habe in der Zeit mit Alex Brunner über meinen Cousin Philipp und die Stammzellenspende geredet und bin nun noch genauer über die medizinischen Fakten einer solch komplexen Aktion im Bilde.
Der Doktor Brunner kann sehr gut erklären und hat wohl auch sehr viel Ahnung von so was, obwohl er ja in erster Linie Herzspezialist ist. Allerdings hatte er vor 3 Jahren einen Herzpatienten, der wohl zusätzlich noch an Leukämie erkrankt ist und bei dem, ähnlich wie bei Philipp, nur eine Stammzellentherapie helfen konnte.
Da der Junge, der war damals 10, auch noch am Herz operiert werden sollte, waren die Erfolgsaussichten schon gleich zu Beginn nicht so rosig. Aber der Doktor meinte, das Kind wäre auch so eine Kämpfernatur gewesen, wie es Robin war und er hätte allen Befürchtungen zum Trotz, erst die Leukämie und dann 1 Jahr später auch die Herz OP gut überstanden. Am 11.11. wird er 14 Jahre alt, der Junge. Das hat sich der Doktor wegen dem Datum gut merken können und auch, weil immer noch ab und zu E-Mails kommen von dem Jungen oder den Eltern.
Über Philips Chancen wollte er nichts sagen, da er weder den Patienten, dessen Vorgeschichte und auch nichts über die Übereinstimmung der Stammzellen weiß und so auch nur Vermutungen äußern könnte. Das wäre aber in Anbetracht der Krankheit unseriös und deshalb, so sein Kommentar, einfach abwarten, hoffen, das alles gut geht.
In der Bar angekommen, bestellen wir bei Tom und Micha jeder einen Cocktail. Sergej hat im Internet die Rezeptur der einzelnen Cocktails aus gedruckt und nach diesen Vorlagen mixen die beiden das Zeugs zusammen. Das dauert etwas länger, als bei einem Keeper, aber das Ergebnis schmeckt und das ist ja die Hauptsache.
Fahren muss von uns keiner, Papa ist ja oben, der wird uns schon heim bringen und falls nicht, pennen wir eben auf Jeromes Couch, da wo wir unsere erste gemeinsame, sehr keusche Nacht verbracht haben, einen Tag nach Tante Lis Vierzigsten Geburtstag im Juni.
Enrico trinkt einen Blody Mary und ich bestelle Tequilla Sunrise, nach dem ich Tom gefragt habe, ob überhaupt Tequilla da ist. So ein Cocktail ist lecker, sieht geil aus, ist aber auch, vor allem, wenn es nicht bei einem bleibt, Sau gefährlich. Ruck Zuck sind die Lampen an und wenn es durcheinander geht, bekommt man schnell den Würfelhusten, ihr wisst schon…..Essen und Trinken im Rückwärtsgang.
Harte Sachen sind hier im Haus, aber auch bei uns, eher selten und es wundert mich, was da zur Cocktailherstellung so alles an Schnapsflaschen hinter der Bar auf dem Bord steht. Auch diverse Säfte, Sahne, brauner Zucker und so Dinge halt stehen dort rum und auf mein Nachfragen bei Jerome erfahre ich, das Ralf und Sergej die Ausstattung der Bar mit Onkel Carl August besprochen und umgesetzt haben. Ralf hatte Sergej mit den Worten: „Eine Bar für schwule Jungs ohne Cocktails wäre nicht real“, überredet und alle unter achtzehn bekämen dann eben nur alkoholfreie Cocktails, das mussten sie Carl August und Lis versprechen.
Gut, das Tom wohl an nimmt, ich wäre schon 18, obwohl das noch mehr als ein paar Wochen dauert mit mir. Besaufen werde ich mich aber nicht mit dem Zeugs und das erwarte ich auch von keinem anderen hier. Angetüddelt, das geht schon aber richtig voll, das gab es hier noch nicht, glaub ich. Es wird erwartet, dass sich jeder noch so weit unter Kontrolle hat, dass er nicht rum torkelt oder sogar anfängt zu kotzen. Bis jetzt ist auch hier in meinem Beisein noch nichts in der Richtung vorgekommen. Auch mein Rico ist nicht so der Typ, der viel Alkohol trinkt und wenn, dann meistens Wein, italienischen bevorzugter Maßen.
Zu Hause, aber auch im Urlaub, kommt oder kam meist Wein auf den Tisch beim Abendbrot, ein Viertel für jeden, selten mehr und es war immer gut. Bei den Jungs in der WG gibt es neben dem üblichen Tee auch immer Bier für die, die es wollen, mit und ohne Alkohol, jeder wie er möchte.

Kevin, Samstag um 22 Uhr auf der Party mit Wolfi im Whirlpool, Robin, Josefine und Lars mit Sabine, aber auch Natascha und Paolo sind mit drin.

Heute will bei mir keine so richtige Partystimmung aufkommen und auf Robins Frage, ob wir später mit Ralf zusammen noch mal Musik machen und singen, habe ich gesagt, das ich das heute echt nicht möchte, weil mir nach dem Tod der Frau Wörner einfach nicht nach singen und tanzen zu Mute ist.
Sie ist jetzt morgen schon eine ganze Woche tot und vor 2 Wochen waren mein Schatz und ich noch bei ihr im Altenheim mit dem Hund. Die Bilder von Wolfi hatte sie mit in das Altenheim genommen, 2 waren in ihrem Zimmer, 4 hat sie für den langen Flur gestiftet. Die Suite im Hilton wird jetzt wieder an andere Gäste vermietet und es fragt niemand mehr nach den Beiden, die ja doch über 1 Jahr da gewohnt haben. So schnell ist man vergessen, schlimm, finde ich. Wir werden sie nicht so schnell vergessen und das nicht nur wegen dem Hund. Sie waren immer sehr nett und freundlich zu mir und dann auch zu Wolfi und sie hat Anteil an meinem Schicksal genommen, unsere Liebe akzeptiert, uns Mut gemacht.
Von einem Termin zur Seebestattung haben wir bis her noch nichts gehört. Es wird aber nicht mehr allzu lange dauern, bis wir ein 2. Mal in diesem Jahr mit dem Schiff hinaus fahren, um die Urne mit den Überresten eines uns näher stehenden Menschen dem Meer zu übergeben.
Wie viele Menschen wohl schon im Meer ihre letzte Ruhestätte gefunden haben in all der Zeit, da das Meer oder besser die Meere von den Menschen befahren werden?
Solche Gedanken hatte ich ja noch nie, denk ich gerade und spüre die besorgten Blicke Wolfis auf meinem Gesicht.
Er streicht zart meinen Handrücken, spürt und sieht es auch, dass es mir nicht so gut geht. „Möchtest du, dass wir runter in dein Zimmer gehen?“, fragt er an mein Ohr. „Jetzt noch nicht“, sag ich, „es ist noch so früh. Lass uns in der Bar was trinken gehen, einen Cocktail, mit Alkohol drin, das hatte ich noch nie. Vielleicht wird meine Stimmung dann etwas besser.“
„Ich hol uns schnell 2 Cocktails hier her, möchtest du was Bestimmtes?“, fragt er und steht auf. Das ist mir auch recht, da die Trinkgefäße, auch die Cocktailgläser, alle aus Kunststoff sind, ist das kein Problem, es hier her in den Whirlpool zu holen. Wenn wirklich mal was fällt oder umfällt, gibt es keine Scherben im Barfußbereich. Das wäre wohl auch der Horror, wenn Glasscherben überall hinfliegen würden hier unten. Auch Flaschen aus Glas gibt es nur oben und drüben im Barraum, wer aber Bier oder was anderes mit raus nehmen will, bekommt einen Plastikbecher vollgeschenkt.
Martin und Kai sind oben bei den Erwachsenen.
Die 2 jungen Männer, die oben am Buffet geholfen haben, werden gerade von Ole herein gebracht und bleiben am Eingang stehen. Ungläubig schauen sie sich, sichtlich erstaunt um hier unten, bevor sie dann mit Ole in die Bar hinein gehen.
Einer von den Beiden hat wohl auch eine Bewerbung laufen bei uns im Hilton, für in die Küche bei Herrn Meinle. Ole hat da wohl was eingefädelt und wohl am letzten Wochenende über Enrico Bewerbungsunterlagen an Herrn Meinle geschickt. Auch das die 2 heute hier sind, hat Ole gedeichselt. Der Ole ist schon ein kluges Köpfchen mit viel Übersicht und ganz unauffällig zieht er viele Fäden, weil er es voll drauf hat.
Ich weiß noch sehr gut, wie ich das 1. Mal hier mit Jerome und Sergej in den Badebereich herunter kam, das Schwimmbecken sah und all das Tolle hier. Damals habe ich auch erst mal geschluckt genau wie die 2 Jungs eben.
Wolfi kommt zurück, mit 2 Cocktailschalen. „Hier, mein Hase, einmal Blue Lagoon“, sagt er und hält mir eine der 2 gleichen Schalen hin. Es ist blau, schmeckt süß und eine Zitronenscheibe und eine Kirsche sind darin.
„Hmm, lecker“, sage ich, nach dem wir beide probiert haben. Ich schlucke, schmecke jetzt durch die verführerische Süße eine nicht unerhebliche Menge Alkohol. Ich glaube kaum, dass ich mehr als diesen einen trinken werde. Für einen wie mich, der selten Alkohol trinkt, reicht einer von diesem Kaliber vollkommen aus, um die nötige Bettschwere zu erreichen ohne die Schwelle zum Rausch zu überschreiten.
Die anderen im Whirlpool sind bis auf Paolo und Wolfi erst 16 und müssen bei den Cocktails auf alkoholfreie Mischungen zurück greifen. Ich hoffe auf jeden Fall, das mich das Getränk etwas aus meinen betrübten Gedanken heraus holt und mich später gut schlafen lässt.
Wolfis Bruder Till fährt morgen nach dem Mittagessen wieder zurück nach München. Es war schön, ihn kennen zu lernen. Er ist ein sehr netter Typ und kommt mit uns als Paar bestens zu recht. Er wollte alles über Wolfis Firma wissen und wir haben ihm auch die Räume der WG und Wolfis Werkstatt gezeigt. So toll hatte er sich das alles nicht vorgestellt und in so einer WG würde er auch gern wohnen. Morgen früh fahren wir rüber zu Wolfis Eltern, essen dort gemeinsam zu Mittag und verabschieden den Till.
Als der Cocktail alle ist, sag ich zu meinem Schatz: „Ich könnte noch was Kleines essen, kommst du mit hoch?“ „Ja sicher, gern“, sagt Wolfi und wir verlassen den Whirlpool und machen uns in der Umkleide trocken und ziehen jeder einen Jogginganzug an. Vor dem großen Spiegel werden die Haare kurz in Form gebracht, dann gehen wir nach oben.
Oben ist es nicht so laut wie unten aber auch hier läuft Musik, Abba, das ist die Lieblingsmuke von Lis, die mit Robins Mutter und Frau Gut auf der großen Ledercouch sitzt. Noahs Vater und Carl August sitzen am Tisch mit Alex Brunner und Markus Meinle und essen, genau wie Matzes Eltern und Oma und Frieda. Frau Jensen sagt uns, das Martin und Kai mit dem Hund eine Runde laufen sind. Wir bedienen uns an den immer noch reichlich vorhandenen Köstlichkeiten und setzen uns zum Essen dann auch an den großen Tisch, neben die Oma.
Oma erkundigt sich, ob schon ein Termin zur Bestattung feststeht. Sie bittet mich, ihr sofort Bescheid zu sagen, wenn ich einen Termin weiß. Sie und Frieda wollen uns zur Bestattung begleiten, sagt sie zu mir. Das verspreche ich gern, ist es doch gut, wenn noch ein paar Laute mehr dabei sind als nur Wolfi, ich und der Herr Wagner, nicht zu vergessen, der Fiffi.

Robin, 23:50 Uhr, am Samstagabend, im Whirlpool mit Josefine Scarlotti.

Ich bin ein wenig geknickt, Josefine hat mir vorhin beim Tanzen erzählt, dass sie bereits einen Freund hat und eigentlich heute auch gar nicht her kommen wollte. Sie hat es Jerome zu Liebe getan, der sie gebeten hatte, zu kommen und weil der ihren Brüdern so viel geholfen hat, wollte sie nicht ablehnen. Als ich ihr gesagt habe, dass sie mir sehr gut gefällt, hat sie das mit dem Freund erzählt. Dieser ist 17 und auch italienischer Abstammung, allerdings wie sie und die Zwillinge in Deutschland geboren. Paolo hat Josefine mit Natascha zusammen um 23 Uhr nach Hause gebracht.
Vincenzo heißt der Junge, hat sie schwärmend erzählt und er geht auf die gleiche Schule in Bremen wie sie und ihre Schwester. Das ist jetzt blöd für mich gelaufen, aber da kann ich ja wohl nichts machen, wenn sie schon eine Beziehung hat. Na ja, es sind ja noch andere Bewerberinnen und Bewerber im Rennen und es wird sich schon was ergeben, denk ich. Natürlich bin ich ein wenig traurig, sie hat mir echt gut gefallen, aber ich ihr halt nicht so.
Paolo hat es wohl gewusst, dass sie einen Freund hat, hat aber im Vorfeld nichts erwähnt, warum hätte er auch sollen. Es hätte ja sein können, dass sie mich trotzdem mag und noch eine Chance für mich besteht, danach sieht es aber wohl momentan nicht aus.
Jetzt gehe ich mal hoch, zu Alex und Markus, mit den Beiden habe ich heute noch nicht geredet, es wird Zeit. Alex will immer alles wissen von mir, wie es geht, was die Schule macht und er fragt auch immer nach Winston und John Ephraim. Ich will auch mal hören, ob sie jetzt so eine Station einrichten und die OPs hier in Deutschland machen wollen. Alex kriegt das bestimmt hin und Familie Remmers wird ihn bestimmt unterstützen.
„Da kommt ja unser kleiner Casanova“, uzt Alex, als ich mich neben ihn setze, „wo hast du denn das Mädchen gelassen?“ Etwas zerknirscht berichte ich den Beiden, wie es gelaufen ist. Alex grinst, legt seinen Arm um mich und drückt mich fest. „Mach dir nicht zu viel draus, Robin“, sagt er, „es kommt schon noch wer, der zu dir passt und dann wird alles gut. Das ist nichts, das man erzwingen kann und dann, auf einmal, ehe du dich versiehst, funkt es. Das hast du bei uns beiden, aber auch bei Chris und Matze gesehen, wie schnell das kommen kann.“
Ich weiß ja, dass er recht hat, eine Zurückweisung ist aber doch schon enttäuschend und ich hätte mir halt mehr gewünscht. Na ja, es war halt mein 1. Versuch und das er nicht sehr erfolgreich war, ist ja nicht meine Schuld und deshalb werde ich auch nicht großartig trauern. Mein echtes Leben hat gerade erst begonnen und es ist ja auch noch Zeit genug für eine Beziehung. Wenn ich bedenke, dass vor einem halben Jahr Liebe, Beziehung und Sex in meinem Leben gar nicht vorkamen, dann kann es ja nur besser werden in der Zukunft. Jetzt im Moment muss ich gerade an Boris denken, er ist jemand, mit dem ich mir auch eine Beziehung vorstellen könnte, aber der wohnt weit weg und hat wohl jetzt auch seine Anke.

Boris, Sonntag 31.10. 2010, 14:10 Uhr, auf dem Sportplatz in Radebeul

Nach einem zehn Minuteneinsatz am letzten Sonntag mit einem geilen Tor zum 3:1, fünfMinuten vor Schluss spiele ich heute das zweite Mal wieder und diesmal von Anfang an. Es ist der ersten Einsatz zum Spielbeginn seit meiner Knöchelverletzung am 26. September. Es hat doch länger gedauert mit dem Fuß, als ich gedacht habe, aber der Arzt hat mir das Spielen erst wieder am 20. Oktober erlaubt.
Ich habe dann wieder mit trainiert und durfte letzten Sonntag dann für knapp 10 Minuten auswärts mit spielen. Es ist alles wieder soweit in Ordnung, es tut nichts mehr weh und seit dem 11. Oktober bin ich auch wieder in der Werkstatt zum Arbeiten.
vier Fahrstunden habe ich schon gemacht, es läuft gut. Auch mit Anke läuft alles bestens, wir sind sehr verliebt und letzten Samstag, nach einem Tanzabend, habe ich das ersten Mal bei ihr im Bett geschlafen.
Mit ihren Eltern verstehe ich mich sehr gut und ich bin jetzt wohl als Familienmitglied willkommen. Sonntagmorgen beim Frühstück wurde ich voll in die Unterhaltung mit einbezogen und auch ein bisschen ausgefragt.
Gestern haben wir, nachdem wir im Kino und im Mac Donalds in Dresden waren, in meinem Bett bei Oma geschlafen. Wir waren mit dem Roller in Dresden, das wird aber langsam kalt abends und in der Nacht. Ich will nicht, dass sich mein Schatz erkältet hinten auf dem Roller.
Mit Ulrich Kern, dem schwulen Nachbarsjungen von Anke, bin ich jetzt befreundet und ich habe ihm auch Sergejs Nummer gegeben, als er mich darum gebeten hat. Sergej und Jerome wollen ja, wenn Ferien an der Uni sind, für ein paar Tage nach Dresden kommen und uns auch in Radebeul besuchen.
Vielleicht ist das ja für Ulrich eine Möglichkeit, sich zu Hause zu outen, wenn Sergej und Jerome einfach mit zu seinen Eltern gehen. Ulrichs Eltern kennen Sergej ja noch von früher. Sergej hat dort bei der Weinlese geholfen, um sich Geld zum PC Kauf zu verdienen.
An Hand der Reaktion seiner Eltern auf Jerome und Sergej als Paar kann Ulrich ja dann abwägen, ob er das Outing wagen soll oder besser nicht. Ewig aufschieben wird er es auch nicht können, ist er doch das einzige Kind der Kerns und soll einmal den Weinanbaubetrieb übernehmen. Es ist schon kompliziert bei manchen, aber so ist das Leben.
Gestern war wieder mal Party in Bremerhaven und Robin hat mir im Vorfeld von seinem Schwarm geschrieben. Heute Abend frage ich mal nach, wie es gelaufen ist mir dem Mädel. Robin hat sich erstaunlich entwickelt, es sind tolle Bilder, die er schickt und ich denke, dass er auch bald nicht mehr allein ist. Er ist ja jetzt erst sechtzehn, da ist ja noch viel Zeit, sich zu verlieben, das wird schon.
Jetzt kommt der Anpfiff und es geht los.

So, das war es für dieses Mal, ich hoffe, es hat gefallen.

Bis bald Niff

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Traumschiff - Teil 107, 9.8 out of 10 based on 26 ratings

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3 Kommentare

    • SvenGVM on 14. Juli 2017 at 14:23
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    Einfach Klasse. Immer wieder neue Schauplätze… sehr schöne Storyplot… bin gespannt wie sich alles weiter entwickelt. KLASSE mache bitte weiter so .

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  1. Hallo
    wochenlang hab ich jeden Tag nachgesehen, ob es etwas neues von Dir gibt und es kam nix.
    Drei Tage nicht online und es gibt drei neue Folgen, die heute endlich gelesen und schon wieder sind zwei Folgen da.
    Ein herzliches Dankeschön dafür, die bis jetzt gelesenen haben mir sehr gut gefallen und ich freue mich auf die nächsten beiden, die ich mir in der Frühe zu Gemüte führen werde.

    lg
    Gerd

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  2. Hallihallo, Hermann, ich war richtig überrascht, so viel neuer Lesestoff, echt cool, freut mich. Bei der ‚Hochzeit ‚ hätte ich noch bissl mehr Details erwartet, die kam ein wenig zu kurz, find ich. Ansonsten der gewohnte, gelungene Mix, mit einigen Überraschungen.
    Werd mich jetzt an die nächsten Teile machen.
    Ich hoff dass es dir gesundheitlich den Umständen entsprechend gut geht.

    Ganz liebe Grüße

    Andi

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