Jul 15

Traumschiff – Teil 108

Hallo. Leute, es geht weiter beim Traumschiff. Mein Dank an alle Kommi und E-Mail Schreiber, es freut mich immer, wenn ein Kommentar zum Kapitel eintrifft.
Operation Schwan…..Berlin…..Erben…..Planungen…..Bestattung…..Letzter Akt…..Ausflug………Upps

Jerome, Montag, 01.11.2010, 15:30 Uhr, mit Sergej im Wohnraum der WG, Ole und Frank, Alwin und Gerry, Matze und Chris mit Robin, so wie Ewald Knauer sind auch anwesend.
Martin, mit Wolfi und Kevin, hat Papa und auch Lex her gefahren, Ralf muss heute Nachmittag kurzfristig arbeiten. Auch die Zwillinge mit ihren Schätzchen, die ja alle bei uns gepennt hatten nach der Party, sind dabei, ebenso auch Paul und Rolf.
Bei Kaffee und Kuchen, Papa hat den Kuchen mit gebracht, sitzen wir mit 21 Leuten heute an dem Feiertag zusammen, um den Plan für den Umbau der von Oma zur Verfügung gestellten Halle auf den Weg zu bringen. Das haben wir in der letzten Woche kurzfristig umgeplant.
Eigentlich sollte die erste Sitzung ja schon am vergangenen Freitag stattfinden, aber so kurz vor der Party, vor allem aber auf Ewald Knauers Wunsch hin, haben wir es auf den heutigen Tag verschoben. Der Vorschlag, es jetzt an diesem aus meiner Sicht eher komischen Feiertag zu machen, hat Ewald Knauer gemacht. Wir waren natürlich alle einverstanden und da der Tag im Bundesland Bremen kein Feiertag ist, haben wir das Ganze am Nachmittag geplant. Auch mein Papa wollte gerne mit dabei sein. Das Training beginnt dann halt später oder fällt heute aus.
Paul hatte, auf Oles Bitte hin bei den Eltern von Ullis Freundin nachgefragt, nach einem Termin für unsere große Gründungsversammlung, in deren Lokal in Bremen. Die findet nun am Samstag, den 13.11.2010 ab 17:00 Uhr in einem großen Nebenzimmer statt, mit anschließendem Essen, versteht sich, zur Abwechslung mal griechisch.
Oma und Frieda sind beim Packen, Frau Jensen und Kai wohl auch. Morgen nach dem Frühstück geht es für mindestens eine Woche, so Oma, nach Berlin, mit der Protzkiste.
Frieda ist schon ganz aufgeregt, trifft sie dort ja Leute aus ihrer Berliner Zeit und zum Grab ihres verstorbenen Mannes wollen sie natürlich auch. Eine Reise in ihre Vergangenheit wird es werden für Sie, aber auch ein Trip in das neue, vollkommen veränderte Berlin von Heute, in die Hauptstadt und sie wollen dort einiges unternehmen. Theater und so, diverse Museen, bauliche Veränderungen, auch im ehemaligen Ostsektor der Stadt, wo ja zu Friedas Zeiten die Mauer noch stand und man nicht hinüber konnte.
Papas Handy geht, er steht auf und geht auf den Gang. Alwin hat eben vorgetragen, wie groß die Wettkampfflächen sein müssen und er gibt Ewald Knauer eine Skizze und einige Ausdrucke aus dem Internet. Der hat sich im Vorfeld schon mal mit dem Thema auseinander gesetzt und gleich wollen wir zu der Halle fahren und vor Ort über mögliche Maßnahmen reden.
Papa kommt wieder rein, leicht grinsend und sagt zu mir, dabei lachend: „Sturmfrei ab Morgen, Oma und Frieda haben deine Mutter überredet, mit nach Berlin zu fahren. Das macht sie jetzt und packt schon. Sie hat gemeint, in Berlin gäbe es bestimmt auch coolere Umstandsmode als hier bei uns.“
Warum nicht, denk ich, es geht ihr doch gut, Frau Jensen und Kai sind dabei, Oma und Frieda auch und wenn wirklich was wäre, wüssten sie sich schon zu helfen, denk ich.
Ich muss grinsen, Mama kann sehr spontan sein in ihren Entscheidungen. Ich wette, als sie heute Morgen aufgestanden ist, hatte sie es noch nicht vor, morgen mit nach Berlin zu fahren und doch haben Oma und Frieda sie bestimmt nicht lange bitten müssen, einfach mit zu kommen in die Stadt, in der sie vor gut 40 Jahren geboren wurde.
Schwanger in Berlin, dazu noch mit Zwillingen, das ist doch eine schöne Premiere. Mit der Protze ins Kempinski, da wird echt voll abgedrückt und ich finde, das können und sollen sie sich gönnen.
Wir wollen jetzt auf brechen, zu unserem neuen Projekt, das ja nicht allzu weit von hier darauf wartet, von einem rußigen, rein optisch schon fast ruinösen Zustand zu neuem Leben zu erwachen, unser neues Vereinsheim und Trainings und eventuell auch Wettkampfdomizil zu werden.
Oma hat mir und Natascha früher immer Märchen vorgelesen und dazu fällt mir gerade das vom hässlichen jungen Entlein ein, das im Verlauf der Geschichte zu einem stolzen, weißen Schwan wurde. „Operation Schwan“, so taufe ich das Projekt spontan, sage und begründe das auch gleich und alle lachen verhalten, klatschen dann aber doch kurz Beifall.
Robin wirkt seit Samstagabend ein wenig nachdenklich, geknickt irgendwie. Sein Plan, sich der hübschen Schwester der Zwillinge zu nähern, der ist wohl etwas in die Hose gegangen. Als Josefine von Paolo und Natascha bereits vor Elf nach Hause gebracht wurde, hab ich meinen Kleinen kurz in den Arm genommen und gedrückt und mit dem Finger die 2 aufkommenden Tränchen in den Augenwinkeln im Keim verwischt. Er hat wohl seinen ersten Liebeskummer gleich beim ersten Schwarm. Das sind nicht die besten Gefühle, aber er wird ja gerade mal erst zum Jüngling und da muss er jetzt durch. Heute, denk ich, geht es ihm schon besser und er sitzt bei Papa hinten im Achter und redet mit ihm.
Jetzt fahren wir auf den relativ großen Fabrikhof, nach dem Ole, der als erster am rostigen alten Tor hält, dieses für uns alle aufschiebt und es quietscht ganz schön, als es sich unter seinem Druck öffnet, man hört es bis ins Auto.
Ole ist es auch, der den Schlüssel von Oma bekommen hat, mit der er jetzt die kleine Eingangstüre neben dem vergammelten, großen Hallentor aufschließt. Einige der in großen Stahlrahmen des Tores befindlichen Bohlen sind stark angefault und haben bereits große Stellen, an denen man in die Halle hinein sehen kann.
Ob dieses riesige Tor letztendlich so groß bleibt, bezweifele ich jetzt schon. Einen Teil dieser doch sehr großen Öffnung werden wir zumauern lassen. Nachdem wir nun alle in der großen Halle sind, bittet Herr Knauer den Ole, wie schon damals im Gebäude der WG, mit dem losen Ende des von ihm mit gebrachten Bandmaßes zur gegenüber liegenden Seite des Raumes zu gehen und dann fangen sie an, zu messen. Mir hat Herr Knauer einen Block auf einem Klemmbrett und einen Stift in die Hand gedrückt und gebeten, in eine bereits vor gefertigte Skizze die ermittelten Werte einzutragen. Ich gehe also neben Ewald Knauer her und notiere seine Angaben in die Zeichnung, die den Grundriss der Halle hat.
Der Raum ist schnell vermessen und nun nimmt er ein Gerät aus einer umhängenden Ledertasche und beginnt damit, bestimmte Linien, Wände, Fensteröffnungen und den Boden auf seine Geradlinigkeit zu überprüfen. Das geschieht mit Hilfe eines von dem Gerät erzeugten Laserstrahls, der in der schummrigen Halle gut zu sehen ist. Dazu macht er selber ein paar Notizen auf dem Block, den ich, ihm folgend, immer wieder hinhalte, wenn er was eintragen will.
Nun erhellt mehrmals hintereinander der Blitzer von Wolfis bester Kamera den Raum. Das Wolfi sie mit genommen hat, zeigt mir, das sich nicht nur einige wenige Gedanken machen, sondern das alle irgendwie voll bei der Sache sind.
Die kleine Türe wird von außen geöffnet und Mike erscheint in der hellen Öffnung, gefolgt von Dirk, Logo, und beide gesellen sich zu uns. „Wir wollten schon eher hier sein“, sagt Mike und grinst, „allerdings kam kurzfristig noch was dazwischen, wir haben nämlich vor dem Essen bei uns zu Hause 2 Bier getrunken, Dirk mit und ich ohne Alkohol.“ Der erstaunte Blick von Ewald Knauer auf das jetzt bei uns Insidern einsetzende Lachen und Dirks zartes Erröten ist einfach nur köstlich. Papa blickt ja da auch nicht durch, was Bier bei Dirk auslöst und so steht auch er, genau wie unser Architekt, voll auf dem Schlauch.
Mike hatte sich im Vorfeld angeboten, wenn die Bauphase begonnen hat, zumindest an den Vormittagen auf der Baustelle nach dem Rechten zu sehen und auch das mit dem Trinkgeld zu übernehmen, wenn die Oma und auch Frieda damit einverstanden sind, was ich aber schon glaube. Mike, der ja quasi in der WG studiert, könnte dann immer kurz rüber düsen und nach dem Stand der Dinge schauen und das Überweisen der Rechnungsbeträge, das kriegt er als Sohn eines Unternehmers bestimmt auch gut hin.
Auch ihm werde ich, wie ich es bei Ole getan habe, ein MacBook kaufen, das er nach Abschluss dann auch sein Eigen nennen kann. Ich denke, nach der gemeinsam erlebten Bauzeit beim Umbau der WG werden wir das hier zusammen auch locker schaffen und Wolfi wird den Verlauf der Arbeiten dokumentieren. Martin, der ja jetzt etwas mehr Freiraum hat, wie früher, der kann Mike dann unterstützen.
Ewald Knauer meint jetzt, da er alle relevanten Maße und Einzelheiten hat, von Hinnerk hatte er vorab schon einen Original-Bauplan von 1969 bekommen, dass das erste Aufmaß jetzt fertig ist und wir wieder zurück nach Hause fahren könnten.
Mittlerweile ist es halb sechs geworden und Papa meint, das wir ja, wo wir schon mal in der Nähe sind, zum Ristorante Scarlotti fahren könnten, wo heute an dem Tag „Allerheiligen“, so heißt der Feiertag bei Katholiken, glaube ich, wohl nicht so der Betrieb sei und wir bestimmt gut Platz hätten dort.
Zu Paolo sagt er: „Ruf deine Mama mal an, frage, ob wir jetzt mit 21 Leuten kommen können.“ Als Paolo mit seiner Mama redet, winkt er Enrico und Noah zu sich. Er gibt Rico das Telefon und dann, kurz darauf sagt der, nach dem er fragend in Noahs Gesicht schaut und der genickt hat: „OK Mama, wir kommen dann gleich, Ciao Bella.“
Er gibt Paolo das Handy zurück und wir gehen zu den Autos und fahren los. Ole und Frank schieben das alte Tor zum Gelände noch mal zu und 10 Minuten später sind wir beim Ristorante, wo bereits mehrere Tische zusammen geschoben und eingedeckt sind. Wir werden von Frau Scarlotti begrüßt und sehen beim durchgehen, das auch Ulf Schroer, Noahs Papa anwesend ist.
Ob ihn jemand angerufen hat oder ob er einfach nur zum Essen hier her wollte, weil seine Irene ja immer noch in Harsum ist, weiß ich nicht, aber wir freuen uns natürlich, das er auch dabei ist jetzt.
Noah und Enrico verschwinden jetzt in Richtung Küche. Paolo hilft seiner Mama und den beiden Mädchen, die bestellten Getränke zu machen und an unseren langen Tisch zu bringen, bevor er sich dann zu Natascha setzt, die von Mama Scarlotti vorhin ganz besonders herzlich begrüßt wurde.
Robin scheint die Anwesenheit von Josefine mit Gelassenheit zu ertragen, aber die ihm sonst zu eigene Fröhlichkeit und auch das von ihm gewohnte Geplapper fehlen irgendwie.
Er sitzt bei Papa und der redet mit ihm, ich kann aber auf Grund der Entfernung und des hohen Geräuschpegels nicht verstehen, um was es geht. Sergej streichelt meine linke Hand, zeigt mir so seine Zuneigung und es fühlt sich gut an, sehr gut. Ich nehme mir vor, später die Streicheleinheiten zurück zu geben, mehr, viel mehr und ich werde mich nicht auf die Hand sondern auf die deutlich empfindlicheren Körperteile meines heiß geliebten Schätzchen konzentrieren.

Carl August, Montag, 01.11. 2010, 21:00 Uhr, zu Hause im Wohnzimmer, mit Lis, seiner Mutter und Tante Frieda.

Nach der Rückkehr von Scarlottis, die Jungs, bis auf Alex und Paolo, sind zurück in die WG oder heim und auch Ulf, Noah und Enrico sind nach Hause, saßen die drei Frauen im Wohnzimmer und warteten wohl auf meine Rückkehr. Mutter fragte nach Paul und ich sagte ihr, dass der mit zu Rolf gefahren sei.
Ich informiere die Frauen darüber, dass Paul und sein Bruder Ulli am 23.11. ab 09:00 zum Landgericht nach Bremen müssen, weil dort der Prozess gegen ihren Erzeuger beginnt.
Weiter berichte ich von unserem Nachmittag, der Besprechung, zunächst in der WG, später dann vor Ort in besagter Halle mit Ewald Knauer, der jetzt den Plan erstellt und eine erste, detaillierte Kostenrechnung machen will. Auch den genauen Termin und den Ort der Gründungsversammlung gebe ich weiter und Mutter verspricht, bis dato wieder zurück zu sein aus Berlin.
„Es kann schon ein paar Tage dauern“, sag ich, „bis der erste Plan und erste Kosten da sind. Viele Dinge sind zu beachten, weil es ja mit den besonderen Vorschriften für Sportstätten mit Publikumsverkehr übereinstimmen muss. Da heißt es, auf wesentlich mehr Vorschriften und Bestimmungen Rücksicht zu nehmen. Ewald wird das schon machen, der hat bis heute immer alles bestens hin bekommen.“
Nun erzählt Lis kurz, wie es zum Entschluss gekommen ist, mit nach Berlin zu fahren. „Jetzt, wo ich noch nicht aussehe, wie eine Tonne und es mir auch gut geht“, sagt sie, „habe ich mir kurz überlegt, mit zu fahren und ich werde auch versuchen, mit einer meiner Schwestern, die ja noch in der Stadt wohnen, Kontakt auf zu nehmen. Ich will einfach mal wissen, was nach der Entführung durch Kevin und Wolfi von Alex ins Hotel und dann aufs Schiff so gelaufen ist und was der Herr Graf nach dem für ihn so schlecht ausgegangenen homophoben Aktionen von ihm und seinem Ältesten macht.“
Da es immer noch im Raum steht, ob er bei der Beseitigung des Autos aktiv beteiligt war, steht ja noch nicht fest, ob er sich vor Gericht verantworte muss. Es wird noch gegen ihn ermittelt, hat Herbert neulich gesagt und vieles deutet darauf hin, dass er es war, der mit dem Auto in Belgien aufgetaucht ist damals und es dort, zurück datiert, verkauft hat.
Von Robin erzähle ich, der mir im Ristorante berichtet hat, das sein Freund Winston und sein Vater das von den beiden Jungs erstellte Computerspiel verkauft hat. Für das Spiel bekommt zunächst jeder der Jungs 15.000 Dollar und dann soll es eine Gewinnbeteiligung an jedem verkauften Exemplar geben.
Das Geld, das er jetzt bekommt, will er seiner Mama geben, damit die notwendig gewordene Reparaturen am Haus machen lassen kann. Wenn das ansteht, werde ich mal mit dem Herrn Stiefel reden, dass er der Frau Wegmann einen für sie guten Preis macht, bei den nötigen Arbeiten. Das Robin der Mutter das Geld geben will, beschert den 3 Frauen natürlich Herzchenaugen und sie werden den Kleinen noch mehr mögen, wenn das überhaupt noch geht.
Da die Frauen früh los wollen, beschließen sie nun, ins Bett zu gehen. Ich werde im Arbeitszimmer mal noch einen guten Whisky trinken und den für mich interessanten Börsenteil lesen, bevor auch ich dann ins Bett gehen werde.
An der Börse ist es, meine, oder besser unsere Anlagen betreffend, ganz gut gelaufen. Unsere Aktien stehen auch nicht schlecht, 0,75 % plus und auch der DAX ist ganz OK. Keine Einbußen, leichte Gewinne und auch die allgemeine Lage im Konzern ist durchaus zufriedenstellend. Das ist nicht immer so, viele Faktoren spielen eine Rolle für die Entwicklungen an den Börsen und auch miese Spekulanten sorgen hin und wieder für reichlich Unruhe. Gut, das unser Konzern breit auf gestellt ist, viele Sparten hat. Wenn mal in einer Sparte etwas schiefgeht, steht der Konzern hintendran und fängt das in der Regel gut auf. Privat haben Oma, Frieda, Lis und Ich aber auch Natascha und Jerome Aktienbesitz an mehreren renommierten Unternehmen außerhalb unseres Konzerns. Holsten, Audi, Oetker und Airbus sind da vertreten und noch einige ausländische Unternehmen.
Mit den Kindern muss ich mal bald darüber reden, wie das alles so läuft und worauf man achten sollte. Jerome, der ja volljährig ist, kann nun in diesen Angelegenheiten selber Entscheidungen treffen und über sein nicht kleines Vermögen selber bestimmen, wie er es, die WG betreffend und auch bei der Aktion „Herzbube“ ja bereits getan hat. Dass Oma und Frieda jetzt in diese Halle investieren, macht deutlich, dass auch die Beiden nicht am Hungertuche nagen.
Der Whisky ist leer, jetzt geht es auch ins Bett, wo Lis auf mich wartet und auf eine angemessene und liebevolle Verabschiedung wartet, die wir, nach dem ich duschen war, dann auch mit Freude und Genuss gefeiert haben. Love is all you need.

Kai, Dienstagmorgen, 02.11., um 07:00 Uhr, in der Küche.

So, der erste Kaffee ist fertig und als Martin nun reinkommt, stelle ich eine neue Tasse unter den Auslauf der Kaffeemaschine und drücke erst den Knopf und dann meinen Martin und während das Mahlwerk die Bohnen zerkleinert, gibt es einen ausgedehnten Morgenkuss.
Der Fiffi sitzt vorm Kühlschrank und wedelt mit dem Schwänzchen. Martin wird ihm jetzt was geben und dann auch den Tisch decken, während ich duschen muss um später die nicht sonderlich geliebte Uniform an zu ziehen. Ich überlege gerade, ob ich auch mein Schulterhalfter und die Pistole mit anlegen soll, werde wohl aber darauf verzichten und beides in den Koffer packen. Martin und ich haben einen Waffenschein und dürfen im Dienst zum Personenschutz eine Waffe tragen. Davon machen wir sehr selten Gebrauch, aber bei längeren Reisen nehmen wir das schon mit, man weiß ja nie. Die Welt da draußen ist nicht mehr überall sicher und in den großen Städten treibt sich oft Gesindel rum.
Ich werde die FN, eine belgische 9 mm Pistole mit 13 Schuss und den Schulterhalfter einpacken, ob ich das in Berlin tragen werde, soll die Oma oder die Chefin vor Ort entscheiden, je nachdem, wo wir hingehen. Ich habe dieses Ding noch nie gebraucht und bin auch nicht scharf drauf. Martin hat durch seine Tätigkeit bei der GSG 9 mehr Erfahrung mit Waffen und wohl auch mit deren Anwendung im Notfall, schließlich war er ja in Mogadischu dabei, als sie das Flugzeug der Lufthansa befreit und dabei die Terroristen erschossen haben. Allerdings erzählt er nichts davon und hat es auch nicht gern, wenn er danach gefragt wird.
Als ich jetzt in die Küche zurück komme, ist der Tisch gedeckt. Der Fiffi ist scheinbar raus, das macht er immer allein jetzt, man muss ihm nur die Eingangstüre öffnen. Wenn er gepullert und überall herum geschnüffelt hat draußen, kommt er von alleine wieder rein und setzt sich für eine zweite Portion Wurst vor den Kühlschrank.
Auch da hat er uns gut im Griff, der kleine Racker. Ohne Kevin und uns hier im Haus wäre er jetzt Waise, müsste wohl ins Tierheim, aber wir werden uns um ihn kümmern, allen voran Kevin, den mag er wohl am meisten und der kümmert sich auch, so oft es geht. Manchmal, wenn Kevin Mittagsschicht hat, hole ich ihn morgens, nach dem ich Carl August in der Firma abgesetzt habe, in der WG ab und bringe ihn dann auch später pünktlich auf seine Schicht ins Hilton.
Dabei lasse ich ihn dann das Auto, meist den SUV, fahren, das darf er ja nun schon in Begleitung und er macht das auch gern und vor allem gut. Auch, wenn er mit Martin fährt, darf er ans Steuer. Ich glaube mal, dass es auch in Wolfis Begleitung erlaubt ist, bin mir da aber nicht sicher. Ab dem 18.03. nächstes Jahr darf er ja dann auch allein fahren, unser Junge, dann wird er nämlich volljährig, der Kleine. Kaum zu glauben, dass es gerade mal ein halbes Jahr her ist, das der Junge von Dresden zu uns nach Bremerhaven gekommen ist.
Bremen ist eines der Bundesländer, die diesen Versuch „Führerschein mit 17“ mitmachen und das wird, wenn es erfolgreich ist und das sieht mal so aus, schreibt der ADAC in seiner Zeitung, zum 01.01.2011 bundesweit ein geführt.
jetzt, nach dem Frühstück, gehen wir beide rüber, Martin, ebenfalls in Uniform, fährt Carl August in die Firma, mit dem Achter, ich belade den Nobelschlitten und Lex darf mit Natascha den SUV nehmen und zur Schule fahren. Ralf fährt dann später allein ins Hilton und nur Frau Gut ist dann noch im Haus, bis Martin zurück kommt.
Das zu verladende Gepäck steht schon unten bei der Treppe, Frau Jensen ist auch schon da und so lade ich alles in den sehr großen Kofferraum des Wagens. Nach dem Verabschieden, es ist 7:45 Uhr, werden die Autos besetzt und hinter dem Achter mit Martin am Steuer fahre ich mit den Frauen nun Richtung Autobahn und dann nach Berlin.
Lex ist mit Natascha schon vor 20 Minuten los gefahren in Richtung Schule, die ja um 07:45 Uhr beginnt.
Kurz drauf bin ich mit dem Schlitten auf der Autobahn, der Navi ist gefüttert und die Strecke geht über Bremen, Hamburg und Schwerin direkt nach Berlin, Autobahn halt, anders wäre es schon kürzer, aber Oma fährt lieber flott und Autobahn. Frau Jensen sitzt vorn neben mir, die drei Damen sitzen im Fond.
Vorne die Sitze sind lange nicht so bequem und komfortabel wie die große Couch hinten, die ist echt klasse. Den Motor hört man im Innenraum fast gar nicht und auch die Reifen sind ziemlich leise. Es sind etwa 460 km und die Fahrzeit ohne Pausen etwa 4,5 Stunde, wobei ich weiß, dass es mindestens eine Pause geben wird, eher mehr. Der Verkehr ist wie immer zu Wochenbeginn und in der Frühe recht viel und es geht nur mäßig schnell voran. Besser wird es hinter Bremen und nun läuft es sehr zufriedenstellend.
Musik läuft, Abba und hinten wird sich rege unterhalten. Die Neuigkeiten der Hallenbesichtigung mit Ewald Knauer werden noch einmal durch gesprochen, aber auch, wen man denn nun in Berlin besuchen will und was man sonst so zu unternehmen gedenkt. Ich bin echt gespannt, was da abgeht in der Hauptstadt.
Nach etwa sechs Stunden, um kurz nach 14:00 Uhr, unterbrochen durch zwei Kaffee und auch Pinkelpausen, erreichen wir das Adlon Kempinski, einen bekannten Nobelschuppen, der direkt beim Brandenburger Tor liegt.
Nach dem das Gepäck von Pagen in die Lobby gebracht wurde, fährt ein Angestellter die Protze in die von Oma gebuchte Garage. Wir, Oma vor weg, checken ein und von mit Gepäck beladenen Pagen gefolgt, geht es in die Nobelbude mit Suiten und Edelzimmern und alles ist echt vom Feinsten. Krass, aber echt, na ja, die Oma ist halt kein armes Mädchen und Frieda und Lis wohl auch nicht, sie können sich ruhig mal was gönnen.
Für Frau Jensen und mich ist es schon ein eher ungewöhnliches Erlebnis, diesen Luxus genießen zu können, so was hatten wir noch nie. Das uns unsere Chefinnen daran teilhaben lassen, ist schon außergewöhnlich und ein sehr feiner Zug. Ich schicke mal schnell ein paar Bilder aus Zimmer und Bad an Martin, auch um ihm zu zeigen, das wir gut angekommen sind und auch gut untergebracht.

Enrico, Dienstag, 02.11. 14:00 Uhr, nach der Frühschicht, im Daccia auf dem Weg zum Gymnasium nach Bremerhaven, um Noah abzuholen.

Um halb zwei2 war Schluss für mich heute und nach dem Umziehen bin ich in unserem neuen Gebrauchten unterwegs zum Gymnasium nach Bremerhaven, um Noah ab zu holen, der heute lange Schule hat. Ulf hat ihn heute Morgen, es war kein Rollerwetter, zur Schule gebracht. Heute, gegen Abend, kommt auch Irene, seine Mama, aus Harsum zurück.
Ein Blick auf die Tankanzeige sagt mir, das ich auch noch tanken muss, das werde ich aber gleich in Bremerhaven tun, bevor ich zu der Schule fahre. In Bremerhaven ist es billiger und da liegt die Tankstelle direkt am Weg.
Das Auto von Noahs Opa, das hat Irene teils geerbt, teils von Noahs Oma geschenkt bekommen, das wollen wir dann mit Ulf am Wochenende bei der Oma abholen. Irene hat, so hat Noahs Papa erzählt, auf alle anderen Dinge, Geld und Sachen verzichtete und hat nur das Auto verlangt, das zur Hälfte der Oma gehörte. Diesen Wagen bekommt Noah jetzt und er freut sich natürlich sehr auf den gebrauchten Opel Astra, der wohl noch echt gut in Schuss ist, 2007 erstmals zugelassen, mit 140 PS, das ist doch schon was.
Jetzt muss mein Schatz nur noch achtzehn werden, aber das dauert ja nicht mehr lange. Am 12.12. dieses Jahr ist es soweit, dann hat er Geburtstag und darauf freuen wir uns beide, denn dann darf er auch endlich allein Auto fahren. Am Samstagvormittag, ich habe frei am Wochenende, fährt Ulf mit uns hin, nach Harsum, das Auto und auch gleich die Oma holen, die bis dahin alles erledigt hat.
Der Zustand von dem Cousin Philipp hat sich schon ein wenig stabilisiert, hat Noahs Mama am Telefon gesagt gestern. Der Körper scheint die Stammzellen an zunehmen, aber es wird noch dauern, bis man genau weiß, ob er über den Berg ist. Noah würde es schon viel bedeuten, wenn der Kleine genesen würde mit seinen, ja, schwulen Stammzellen halt und das er danach Noahs Blutgruppe hat, freut meinen Schatz schon irgendwie.
Das Gefühl, jemandem das Leben gerettet zu haben, ist bestimmt toll und meinem Schatz, der ja, ebenso wie ich von seiner Tante und von seinem Onkel als Mensch zweiter Klasse wahrgenommen wird, dem gibt das Wissen um die Spende schon eine gewisse Genugtuung. Er nennt das seinen persönlichen Robin Effekt, was immer er auch damit meint.
Mit meinem Papa, das ist er jetzt wohl wieder, läuft es nun echt anders, als es vorher war. Er ist nett zu uns und das nicht nur, weil wir öfter mal helfen, wenn Not am Mann ist. Jetzt, wo er gemerkt hat, das Noah und ich unzertrennlich sind und auch unter dem Druck von Mama und Paolos Paten, hat er eingesehen, dass er mein Schwul sein immer im Negativen überbewertet hat. Er hat in mir und anderen schwulen Jungs immer nur sexbesessene Menschen gesehen, die wahllos mit jedem rum vögeln, ein Lotterleben führen und früh an Aids verrecken. Das wir und auch unsere schwulen Freunde anders sind, nicht seinen Klischeevorstellungen nahe kommen, das musste er erst mal raffen und das die Remmers auch einen schwulen Sohn haben, hat auch geholfen.
Das hat gedauert, aber wie sagt man so schön: „Lieber spät als nie.“ Das er Noah und mich jetzt sogar gerne zusammen in seiner Küche sieht, mir die Messer geschenkt hat und seinen jüngeren Bruder, meinen Paten, davon überzeugt hat, das der mir nun doch das Geld für meinen Führerschein gibt, ist doch eine tolle Entwicklung. Es ist jetzt fast wie früher, als ich noch keine Ahnung davon hatte, dass ich schwul bin. Da war eigentlich immer alles OK.
Jetzt bin ich am Gymnasium, werde wohl schon erwartet. Kaum, dass der Wagen steht, ist Noah auch schon drin und küsst mich. „Die Anderen sind schon weg“, sagt er, „du bist etwas verspätet.“
„Es war viel los auf der Autobahn und tanken musste ich auch noch schnell“, sag ich und fahre los, zunächst in unsere Wohnung hier in Bremerhaven, wir müssen nach dem Rechten sehen und Blumen gießen.
Hier war schon ein paar Tage niemand mehr, ich bin fast nur bei Schroers und Paolo immer bei Remmers. Für die Blumen, die Jeromes Oma uns zum Einzug geschenkt hat, wird es höchste Zeit und schnell stellen wir die Töpfe in die Dusche und brausen sie gut ab.
Dann sauge ich den Boden, solange, bis Noah mich auf mein Bett schubst, meine Hose runter zieht und an mir saugt an sehr expliziten Stellen. Ich muss wohl nicht besonders betonen, dass diese Art, zu saugen, wesentlich mehr Spaß macht, als mit dem Staubsauger über den staubigen Boden zu fahren.
Das unterbricht natürlich die Hausarbeit sofort und nach dem wir die nassen Blumen schnell in die Badewanne gestellt haben, stehen wir beide nackt unter den warmen Wasserstrahlen und waschen uns gegenseitig sauber für eine darauf folgende sehr innige Bettrunde mit saugen, reiben und einlochen, schön mit viel Zeit und absolut ungestört……herrlich und auch sehr entspannend. Die Dusche danach beseitigt Schweiß und sonstige Spuren und gegen 17:30 Uhr fahren wir bei Schroers in die Straße.
Ulf ist schon daheim, hat Essen vom Thailänder mit gebracht, um das wir uns zunächst mal intensiv kümmern. Was nicht mehr heiß genug ist, kommt kurz in die Mikrowelle, aber das meiste hat noch eine gute Temperatur. Köche sind meist keine besonderen Freunde von Mikrowellenöfen und in einem späteren, gemeinsamen Haushalt mit Noah wird es auch keinen geben. Hier im Haus wird sie auch nur selten benutzt, bei Scarlottis fehlt sie ganz.
Wir reden vom Tag, wie ihn jeder so erlebt hat und auch, wie unsere Fahrt am Wochenende ablaufen soll, als die Haustüre geht und dann kommt Irene herein. Sie sieht etwas müde aus und nacheinander wird sie nun mit einer Umarmung und Küsschen begrüßt, auch von mir.
Noah holt einen Teller und Besteck für sie, Essen ist genug da und so essen wir zunächst gemeinsam weiter. Ulf erkundigt sich nach der Fahrt und Noah fragt nach Philipp und Irene gibt uns einen Überblick über alles, was es aus Harsum, aus der Klinik in Hildesheim und von der Fahrt hier her zu berichten gibt.
Philips Eltern haben keine Ahnung, das Noah der Stammzellenspender ist und dabei soll es auch bleiben, zumindest, bis der Junge wieder ganz OK ist. Oma hat wohl einen Nachmieter gefunden und bis Freitag sollte das Haus dann auch leer sein. Oma schläft in der Zeit bei Philips Eltern, macht da auch fast den ganzen Haushalt, weil Irenes Schwester fast immer in der Klinik ist, tagsüber. Der Mann muss zur Arbeit und die jüngere Schwester wird von Oma betreut und versorgt. Ab Montag hat Philips Vater oder Stiefvater dann Urlaub und darum kommt Oma am Samstag mit uns nach Bremen zurück.
Wir sitzen nach dem Essen noch über eine Stunde zusammen, erzählen, was war und erst um halb acht gehen mein Schatz und ich nach oben. Er muss noch Hausaufgaben machen, weil wir ja heute Nachmittag anderweitig beschäftigt waren. Bio- Hausaufgaben standen auch nicht auf dem Zettel heute nach der Schule. Wenn er nicht zu viel auf hat und zeitig fertig ist, können wir ja noch ein bisschen weitermachen, so wie heute Nachmittag. Wir können uns beide vorstellen, das unten im Schlafzimmer die Hosen auch nicht lang an bleiben. Da ist doch nach der langen Trennung bestimmt schon der Notstand eingetreten und auch, wenn viele junge Leute sich den Sex ihrer Eltern nicht gut vorstellen können, glaub ich, das sie unten und auch meine Eltern, noch ziemlich aktiv sind und die Schwangerschaft von Lis ist ja auch nicht auf den heiligen Geist zurück zu führen.
In der Zeit, in der Noah Aufgaben macht, räume ich ein bisschen auf bei leiser Hintergrundmusik.
Auch im Bad schaue ich nach dem Rechten, guck, ob noch Kondome und Gel im Bad liegen, für den Fall, dass es in der Dusche zum Nahkampf kommt, neben dem Bett im Schränkchen ist noch alles OK, habe ich vorhin gesehen. Noah ruft nach mir, will mir was sagen, also gehe ich zum Schreibtisch.
„Morgen fallen die letzten zwei Stunden aus, die Lehrer haben alle eine Weiterbildung“, sagt er jetzt zu mir, „ich fahre mit Lex und Natascha und Robin zu Tante Lis und komme von dort mit Lex und den Anderen zum Training in die WG. Du brauchst mich dann nicht abholen, sondern kannst auch von hier aus zum Training kommen.“
„OK“, sag ich, „ich kann ja dann noch etwas länger im Hilton bleiben. Morgen, um 10:30 Uhr fängt der Jochen an bei uns, zunächst schafft er vier Tage auf Probe. Er hat noch Urlaub zu gut, gekündigt hat er schon und am 01.01. nächstes Jahr, fängt er dann fest an. Ich kann ihm ja dann zeigen, wie wir arbeiten, wo alles ist. Markus ist das bestimmt recht, wenn ich ein Stündchen länger da bin.“
Das mit den Probearbeiten war Jochens Idee und Herr Meinle war sofort einverstanden und hat das auch mit der Hotelleitung abgeklärt.
Ich denke aber, dass der Jochen auch ohne diese Probearbeit angestellt würde. Seit der Party bei Tante Lis mit dem sehr guten Buffet aus Jochens Firma war Herr Meinle schon bereit, ihn einzustellen. So, wie es jetzt läuft, ist es aber für alle noch besser, man weiß ja dann schon etwas mehr über die auf einen zu kommenden Bedingungen und ob es passt oder nicht.
Da wir ja vorhin nach unserer Vergnügungsrunde erst geduscht haben, können wir, nach dem Schatzi fertig mit Aufgaben ist, alle Kleider von uns werfen und gemeinsam aufs Bett krabbeln. Die Aktien stehen gut und so beginnen wir quasi da, wo wir heute Nachmittag aufgehört haben. Die Zimmertüre hatte ich schon eben beim Aufräumen ab geschlossen und so kann ich ungestört los legen und Noahs Horn küssen und lecken. Das gefällt ihm, das höre ich und so lege ich mich so, dass er auch mich gut mit dem Mund erreichen und verwöhnen kann, was wiederum mir sehr gefällt.
Geben und Nehmen ist das Kernstück einer jeden Liebe, ohne wenn und aber, das ist es, was uns so glücklich macht, das „Uns“ bzw., „Wir“. Ein heißer Ritt nach immer sehr vorsichtigem Aufsitzen auf seinem Prügel wird zwar für etwas Stress an meinem Po sorgen, aber bei diesem geilen Feeling ist mir das Scheißegal. Mittlerweile liebe ich dieses fast bis zum Platzen ausgefüllt sein und seine Mienen, wenn er in mir kommt, die sind einfach nur gut, nur Liebe und Geilheit. Sex mit ihm ist unerreicht, keiner meiner früheren Ex-Lover konnte derartige Gefühle in mir wecken, mein Verlangen nach ihm ist einfach riesig und nur zum Teil dem Sex geschuldet. Er ist der beste Teil meines Lebens geworden und jeder, der uns kennt, merkt das auch. Er ist jetzt mein Noah und ich bin sein Rico und wir werden es hoffentlich für immer sein.

Robin, Mittwoch, 03.11.2010, 22:30 Uhr, in seinem Bett. Chris und Matze sind in Chris Zimmer.

Frisch gebadet und ziemlich platt liege ich, nackt und zufrieden unter meiner flauschig warmen Decke und lass den Tag noch einmal passieren. Früh ging der Wecker heute Morgen, Schule halt und gern hätte ich noch ein wenig weiter geschlafen. Frühstück mit Mama, Chris und Matze sind gestern, nach dem sie wieder Bilder aufgehängt haben, zu Matze nach Hause gefahren und dort geblieben.
Zur Schule haben mich heute Alwin und Lars abgeholt und mit Lex bin ich nach der Schule zunächst mit zu Remmers und nach den Hausaufgaben von dort aus dann zum Training in die WG nach Bremen gefahren. Natascha war auch bei uns im SUV, mit dem Lex jetzt öfter fahren darf. Paolo kommt meist immer von der Arbeit aus direkt ins Training.
Es waren heute nicht alle im Training und es war deswegen auch so richtig anstrengend heute, nicht nur für mich. Unsere Trainingssachen haben wir jetzt fast alle dort, weil Jerome im Vorraum beim Eingang einen Schrank mit vielen Fächern aufstellen lassen hat, wo die Sachen bleiben können. Das ist praktisch, weil man keine Tasche oder Rucksack mehr braucht.
Ich kann dann immer von Remmers aus gleich mit Lex zum Training fahren, muss nicht mehr nach Hause, um mein Sportzeugs zu holen.
Nach dem Sport, so um 19:30 Uhr, waren wir noch kurz oben, Lex wollte aber  dann heim, wollte in Bremerhaven und fertig frisch sein, wenn Ralf von der Arbeit kommt und so sind wir zwei um 20 Uhr los gefahren. Nach dem er mich bei uns zu Hause abgesetzt hat, bin ich rein und habe dann, weil ich alle meine Knochen gespürt habe, kurzer Hand beschlossen, in eine sehr warme Badewanne zu gehen und richtig zu relaxen. Das habe ich dann auch gemacht, mit Badezusatz, der nach Lavendel riecht. Es war geil, so im heißen Wasser zu liegen, nur der Kopf guckt raus und ich musste echt aufpassen, um nicht ein zu schlafen.
Nach gut einer halben Stunde, die Haut an den Fingern war schon schrumpelig, bin ich dann raus, habe mich trocken gemacht und mich dann im Bademantel an den PC gesetzt. Das Bad war eine Wohltat und es ging mir deutlich besser als vorher. Winston war online, hatte Neuigkeiten, unser Spiel betreffend. Zu der bereits überwiesenen Anzahlung auf das Spiel und die Rechte, es zu veröffentlichen, sollen wir je verkauftes Spiel die ersten 50.000 jeder 0,50 Dollar bekommen, ab dann, also alles was danach verkauft wird, bringt jedem von uns ein Dollar ein. Werden mehr als 250.000 verkauft, gibt es ab dann für jeden von uns zwei Dollar.
Das mag auf den ersten Blick nicht so viel erscheinen, aber wenn es echt erfolgreich ist, dann gibt es doch richtig Kohle, mein ich. Ich bin ja froh, dass es überhaupt einen Käufer gefunden hat und Winston meint, wir könnten ja über ein Folgespiel nach denken. Da bin ich doch gleich dabei.
John Ephraim hat eine lange E- Mail geschrieben. Er hat sich gut in Kanada eingelebt und hat jetzt sogar schon eine Freundin. Ein Bild war dabei, sie ist hübsch und er hat geschrieben, dass sie bei ihm im Zimmer schon ein bisschen gefummelt haben. Tolle Möpse hat sie, hat er geschrieben, darüber musste ich dann doch lachen. Sie heißt Samantha und ist genauso alt, wie er, wohnt vier Häuser weiter und geht in die gleiche Schule.
Ihr Vater ist Polizeioffizier, hat auch ein wenig schwarzes Blut in seinen Adern, seine Oma war farbig und er kann Johnny, wie er John Ephraim nennt, sehr gut leiden. Das hört sich doch gut an, finde ich.
Ich habe ihm dann auch von Josefine geschrieben, aber auch von Roland, dem Jungen, der mit mir in der Schule ist und ganz offensichtlich Interesse an mir hat. Mal sehen, was John Ephraim davon hält und was daraus werden könnte, weiß ich ja zurzeit selber noch nicht.
Morgen ist wieder Sport, sechsten und siebenten Stunde, da werden wir bestimmt noch mal Mannschaften bilden und da wird er vom Lehrer immer als erstes eingeteilt, weil er halt der beste Sportler ist in unserer Klasse. Ich werde auch langsam immer besser und die Muskeln an meinem Körper haben sich gut entwickelt. Ich komme dem realen Entwicklungsstand eines gesunden, sechszehn jährigen Teenagers immer näher, bin nicht mehr der Kleinste in der Klasse und das ist gut so.
Am Samstag, Alex Brunner hat Dienst, fahre ich mit Chris und Matze dort hin zur Untersuchung und auch, weil ich ihn sehen will und mit ihm reden. Er soll mir sagen, ob jetzt echt alles so ist, wie es sein soll oder ob ich immer noch Dinge nicht machen darf. Das Training ist schon sehr anstrengend manchmal und ich will nichts verkehrt machen. Ein EKG unter Belastung wäre vielleicht ganz gut, um meine Bedenken zu zerstreuen. Alex ist jetzt mit dem Markus zusammen gezogen und beide kommen echt gut mit einander hin, sind glücklich, sagt Chris und ich finde das auch.
Beide sind toll und haben das echt verdient. Ohne Alex wäre ich wohl schon vor ein paar Jahren gestorben, er hat immer alles gegeben für mich, ist mein Held und es freut mich, dass es ihm jetzt auch wieder so richtig gut geht.
Sein Plan, hier an der Klinik eine Station zu errichten, die solche OPs durchführt, wie ich sie hinter mir habe, ist wohl im Grundsatz genehmigt und jetzt muss Alex Sponsoren finden, die einen Teil der zu erwartenden Kosten übernehmen. Das wird bestimmt nicht einfach, denk ich, auch wenn Jerome und seine Familie bestimmt was dazu tun.
Es ist aber schon eine Wahnsinnssumme, die da benötigt wird, da auch noch eine Umbaumaßnahme mit erforderlich wird. Alex hat zu Chris gesagt, dass es bis zu 20 Millionen kosten könnte und das Land und der Träger der Klinik maximal bis 10 Millionen zusteuern können. Mal sehen, wie sie das in den Griff kriegen werden. Ich glaube fest an Alex und das er es schafft.
Wenn wirklich genügend Computerspiele verkauft werden sollten, werde ich Alexs Projekt selbstverständlich auch unterstützen. Es wäre schön, wenn das klappen würde, dann könnte ich zumindest materiell einiges an die Klinik zurück geben für alles, was sie für mich getan haben.

Kevin, Donnerstag, 04.11.2010, 11:00 Uhr, auf der Frühschicht im Hilton

Ich bin gerade beim Portier, will dem sagen, das ich am nächsten Samstag zur Seebestattung der Frau Wörner fahre. Er hatte mich im Vorfeld gefragt, ob ich auch an dem Wochenende 13./14.11. zur Arbeit kommen kann. Als ich in der Frühstückspause mein Handy eingeschaltet habe, hat mich Ottmar Wagner, der Anwalt, um einen Rückruf gebeten. Die Ahnung, dass es sich wohl nur um die Seebestattung von Frau Wörner handeln könnte, wurde beim Rückruf schnell zur Gewissheit. Der Termin ist für Samstag, den 13.11., vormittags um 10 Uhr angesetzt. Wie bereits bei dem Herrn Wörner kommt uns Herr Wagner zeitgerecht abholen und fährt mit uns zu diesem Schiff.
Der Portier, der wohl fest mit mir gerechnet hat, ist nicht sonderlich erfreut, sieht wohl aber auch ein, das ich unbedingt an der Bestattung teilnehmen will und meine Zusage, Sonntag dann auf jeden Fall zu kommen, versöhnt ihn wieder. Es sind an diesem Wochenende 2 Kongresse mit vielen Übernachtungsgästen, deshalb müssen zusätzlich Leute arbeiten kommen.
Wolfi habe ich gleich noch in der Pause eine SMS aufs Handy geschickt, damit er Bescheid weiß. Auch der Oma von Jerome, die ja in Berlin weilt, habe ich den Bestattungstermin gesimst, sie wollte das so. Martin ist auch informiert, für alle Fälle und der Fiffi, den nehmen wir ja dann auch mit aufs Schiff. Ob die Oma und die Tante bis dahin zurück sind, weiß ich nicht.
Der Portier schickt mich nun mit einer Liste mit Essensbestellungen von Hausgästen, die auf dem Zimmer essen wollen, in die Küche zu Herrn Meinle, dem ich die Liste übergebe. Enrico winkt mir von seinem Herd aus und Herr Meinle tippt die Bestellliste in den Rechner ein. Ich gehe zurück zum Portier und sage, dass alles bestellt ist. Der Zimmerservice bringt die Essen zur gewünschten Zeit dann auf die einzelnen Zimmer. Das ist alles bestens eingespielt und ab Januar wechsle ich dann auch für ein halbes Jahr in den Zimmerservice.
Dadurch, dass ich von Dresden kam, bin ich hier erst mal wieder als Page eingestiegen. Das geht hier auch ein halbes Jahr, obwohl ich ja bereits in Dresden Page war. Das macht aber nichts, denk ich, auch so kann ich noch alle Abteilungen des Hotels durchlaufen bis es in die Prüfung geht. Carl August wacht schon darüber, dass meine Ausbildung ordentlich abläuft. Immer wieder bin ich froh, hier gelandet zu sein, wer weiß, wie das alles in Dresden weitergegangen wäre, auch dann, wenn Berger nicht mehr da gewesen wäre.
Dass es so geworden ist, wie es jetzt ist, empfindet Wolfi als ausgleichende Gerechtigkeit des Schicksals, so als gerechten Ausgleich für mein Heimleben, die Not und den Missbrauch und den ganzen Scheiß in meiner Kindheit. Dass er das so sieht, quasi aus der 2. Reihe, das gefällt mir irgendwie und das er die Hauptrolle übernommen hat in meinem neuen, um so vieles besseren Leben, dafür liebe ich ihn und bin ihm auch dankbar, dass er ausgerechnet mich mag.
Das Schlimmste war immer das Gefühl, nirgendwo hin zu gehören, keine Wurzeln zu haben, nicht zu wissen, zu wem man gehört. Das ist jetzt und hier um vieles anders geworden und das ist gut so.
Jetzt habe ich mehr, als ich je zu hoffen wagte, einen lieben Schatz, eine tolle Familie, mit Sergej und Jerome 2 tolle Brüder und auch Wolfis Familie mag mich, wie einen Sohn.
Mein Job gefällt mir, unsere Freunde sind toll, manchmal ist es fast nicht zu glauben, wie gut alles ist und es treibt mir Tränen in die Augen.
Die jetzt anstehende, schon 3. Beisetzung innerhalb weniger Monate schmerzt uns schon, macht ein wenig traurig, weil wir Frau Wörner mochten. Es ist aber halt so, dass sie schon ziemlich alt war und mit ihrem Werner bestimmt ein erfülltes Leben hatte.
Der Tod in einem solchen Alter hat etwas Natürliches, etwas Unausweichliches, anders als bei jungen Leuten, so wie meine Mama es war.
Der Tod junger Leute dagegen ist tragisch, fast nicht zu verstehen, sinnlos für alle Betroffenen und er hinterlässt starke Narben auf den Seelen der Hinterbliebenen. Zur Trauer mischt sich oft Wut, Wut und Verzweiflung über so ein furchtbares Schicksal, während man bei älteren Menschen viel eher dazu bereit ist, den Tod als das für alle Lebewesen dieser Erde natürliche Ende eines langen Lebens zu akzeptieren.
Ich werde heute, am Nachmittag, wenn mein Wölfchen mich abholt, alles tun, damit er nach Eintreffen in der WG ganz lieb zu mir ist, mit mir schläft, mich seelisch wieder aufrichtet und mir andere, schöne Gedanken und Gefühle macht. Das kann er sehr gut, mein Hase.
Eigentlich bin ich immer ganz besonders liebebedürftig, wenn ich traurig bin und Schatzi merkt das meist auch schnell. Die dann folgende Therapie, die unter der Überschrift: „Liebe machen mit Wolfi“ stattfindet, ist phänomenal, rezeptfrei und ohne schädliche Nebenwirkung.
Der dabei sehr häufig auftretende Flüssigkeitsverlust wird in der Regel durch Aufnahme von Wasser, Saft oder Bier binnen kürzester Zeit vom Körper wieder ersetzt. Die stark aufhellende und äußerst entspannende Wirkung, ebenso die emotionellen Schübe von Glück und die im Anschluss auftretende Müdigkeit machen alles so gut, das man sich auf jede, wie auch immer praktizierte Art, freut.
Die Gedanken daran erzeugen gerade Platzprobleme in meiner etwas engeren, körperbetonten Unterhose und es dauert einen Moment, den Gedanken an eine handwerkliche Lösung zu verdrängen, aber Hoteltoiletten mit Publikumsverkehr, nein danke, so groß ist die Not jetzt auch wieder nicht und die Aussicht auf Wolfis Teilnahme an meiner Lust auf ihn verdrängt jeden weiteren Gedanken ans Wichsen sofort.
Das Warten wird belohnt werden, das weiß ich und deshalb lieber wieder ran an die Arbeit.
Neben dem Eingang steht die Pagenbank, hier sitzen aufrecht und ordentlich die Pagen, die frei und ohne Auftrag sind. Der, der am nächsten zur Türe sitzt, ist derjenige, der als nächstes zum Einsatz kommt, zum Beispiel, der eintretenden Gästen das Gepäck abnimmt und sie nach der Anmeldung auch zu ihren Zimmern begleitet oder der vom Portier gerufen und eingesetzt wird. Dort sitzen zwei Mitstreiter von mir und ich setze mich dazu und warte. Lange ist es ja nicht mehr, die Uhr über der Rezeption zeigt schon halb eins.

Torsten, Donnerstag, 04.11. 2010, 15:50 Uhr, bei Remmers, mit Sigrid, Natascha, Lex und Robin beim Hausaufgaben machen.

Ihr werdet euch wundern, dass ich jetzt auch hier bei den Anderen sitze und Hausaufgaben mache bei Remmers. Das hat natürlich einen Grund und der ist schnell erklärt. Die Anforderungen am Gymnasium bereiten mir in der Anfangsphase doch einige Probleme und Sigrid, mein Schatz hat das Natascha gegenüber erwähnt. Die hat dann mit ihrem Papa gesprochen und der hat gesagt, sie sollen mich einfach nach der Schule mit zu Remmers bringen.
Hier kann ich nun Hausaufgaben machen, ein Lehrer ist immer dabei, je nach dem, was in der Schule für Fächer dran sind, oft auch zwei. Aber auch Lex kann ab und zu helfen und so denke ich, dass ich das Abi doch schaffen werde. Diese Möglichkeit ist optimal und kostet ja auch nichts und dass Sigrid mit dabei ist, macht es perfekt.
Die Jungs, die mit mir in der Realschule waren und auch immer mit beim Skaten haben fast alle eine Ausbildung begonnen oder sind auf andere Schulen gewechselt. Man sieht sich nur noch selten, schade eigentlich, aber es hat sich halt so entwickelt.
Skaten war ich schon länger nicht mehr, bin halt fast immer mit Sigrid und den Freunden hier zusammen. Neulich waren Sigrid und ich aber auch mal in Beverst aus, haben dabei alte Schulfreunde von mir getroffen. Die meisten haben auch mittlerweile eine Freundin und sie sehen sich seltener als früher. Das ist halt normal, denk ich, die Schwerpunkte verschieben sich und das ist ja nichts Schlechtes, finde ich.
Mein Papa hat sich wirklich verändert, zum besseren eindeutig, sagen alle, die ihn kennen und von Sigrid ist er echt begeistert. Meine Mama mag sie auch sehr und es ist mittlerweile auch OK, wenn Sigrid öfter mal über Nacht bei mir bleibt.
Frau Gut hat mich gefragt, ob ich in den Weihnachtsferien mit ihr und Sigrid nach Sonthofen zu ihrer Schwester fahren möchte. Diese hat dort eine Pension und da fahren sie und Sigrid über Weihnachten immer hin. Mama ist nicht begeistert, aber ich darf wohl doch mit. Seit sie Frau Gut kennt, ist es noch besser. Sie verstehen sich ganz gut.
Sigrid kommt auch toll mit Mama und mit meiner kleinen Schwester klar und wenn wir bei uns spazieren gehen, nehmen wir meine kleine Schwester öfter mit.
Papa ist mal wieder auswärts baggern in der Nähe von Stuttgart, da werden Starkstromleitungen tief im Boden verlegt und sein großer Bagger ist da gerade gut. Mit dem langen Greiferarm kann er bis zu sechs Meter tief baggern. Die nächsten drei Wochen bin ich der Mann im Haus, denn er baggert auch samstags durch und für den einen freien Tag lohnt sich die Fahrt nicht bis nach Beverst.
Er hat auch das Auto nicht dabei, das hat Mama hier, Papa ist mit einem Kollegen gefahren. Nach der Aktion hat er dann einige Tage Sonderurlaub, wegen der Samstagsarbeit und die Bezahlung ist auch besser dadurch.
Nach her, wenn Sigrids Mama Feierabend hat, fahren wir zuerst zu ihr, dort steht der Roller, mit dem wir dann um 18 Uhr etwa zu uns nach Beverst fahren. Heute schlafen wir bei uns und fahren morgen Früh mit dem Roller in die Schule und danach wieder hierher zu Remmers. Ich bin nach wie vor froh mit dem Wechsel aufs Gymnasium und ich werde das auch packen bei der Unterstützung, da bin ich mir sicher. Später habe ich dann einfach mehr Möglichkeiten zur Auswahl, wenn es um die Berufsentscheidung geht. Baggerführer ist dabei aber keine Option für mich.

Mike, Freitag, 05.11.2017, vormittags um 11:00 Uhr in der WG beim Studium.

Seit ich heute Morgen mit Paul den Frühstückstisch abgeräumt habe, sitze ich in meinem Studierzimmer und arbeite sehr intensiv und gewissenhaft an dem zurzeit angesagten Stoff. Das mit dem Fernstudium verlangt Disziplin, aber ich komme gut zurecht und bin immer auf dem Stand des gerade an der Reihe befindlichen Lernstoffs.
Gestern habe ich nur zwei Stunden gearbeitet, bin dann zu Papa in die Firma und habe eine Fahrt zum Wertstoffhof übernommen, weil alle Leute auf drei Baustellen verteilt und dort nicht abkömmlich waren. Am Samstagmorgen mache ich mit Dirk den Hof und die Werkstatt klar, das haben wir Papa versprochen, auch den Müll der letzten Woche werden wir entsorgen. Das machen wir öfter, immer, wenn Papa es möchte.
Das gibt für jeden dreißig Euro und jetzt am Sonntagmittag auch noch ein Essen mit Papa und Mama und auch Dirks Eltern, auf der „Seuten Deern“, dem historischen Segelschiff im Hafen hier. Mama hat uns alle eingeladen, einfach so und hat dort auch zeitig reserviert.
Obwohl es dieses Restaurant auf dem Schiff schon länger gibt, waren wir noch nie dort und das, meint Mama, ist jetzt einfach mal fällig. Um 12:30 Uhr am Sonntag sollen wir dort sein, hat sie gesagt, für den Fall, dass wir die Nacht von Samstag auf Sonntag in der WG verbringen sollten, etwas, das wir zur Zeit selber noch nicht wissen.
Um 13 Uhr fahre ich rüber nach Bremerhaven, hole meinen Schatz von der Schule ab und wir fahren dann wieder hier her zurück. Am 17.11.2010 wird mein Hase ja auch achtzehn und kriegt seinen Führerschein ausgehändigt. Dann entfällt manche Fahrt für mich, er kann dann meist das Auto mit zur Schule nehmen.
Erst Morgen früh fahren wir dann zu Papa in die Firma und sorgen dort für Ordnung. Heute Abend, Ole hat ein paar Filme besorgt, wollen wir einen Filmabend machen, mit ein bisschen Bier, Schnittchen und Popcorn, wir haben jetzt so eine Maschine, mal sehen, wer alles dabei ist. Jerome, Sergej und Ole und Frank auf jeden Fall, Lex und Ralf auch und auch Kevin und Wolfi werden dabei sein. Die Popcornmaschine haben uns Kai und Martin geschenkt und zum Film muss Popcorn einfach sein.
Paul und Rolf sind bei Ullis Freundin eingeladen, Armin und Denise kommen nicht so oft her, aber dass immer alle da sind, erwartet auch keiner. Persönlicher Freiraum ist auch wichtig und ab und an notwendig und davon machen auch die meisten ab und zu Gebrauch. Die, die hier wohnen, ganz oder wie ich und Lex zeitweilig, die sind auch an den Wochenenden und abends meist da und man sitzt zusammen, spielt was oder sieht fern, lebt halt zusammen und das macht ja auch Spaß.
Alle sind verliebt, schwul und geben sich hier frei und ungezwungen. Man kann so sein, wie man ist, knutschen, wann man will und muss auch beim Sex nicht leise sein, etwas, das bei den meisten zu Hause nicht so ohne weiteres stattfinden kann, zu groß sind die Hemmungen.
Die Freunde sind immer willkommen, können oft auch über Nacht bleiben, Platz ist ja genug und was los ist hier eigentlich auch immer. Jerome hat vor ein paar Tagen gesagt, das er vielleicht im Frühjahr den Außenpool hier mit einer kleinen Halle aus Holz und mit viel Glas und seitlichen Schiebeelementen so ausrüsten will, das man auch in kalten Jahreszeiten dort schwimmen kann.
Jetzt müssen wir zum Schwimmen immer zu Remmers nach Bremerhaven, wobei die das natürlich sehr gern sehen, wenn wir alle dorthin kommen. Ich habe vorgeschlagen, das wir einen festen Tag, den Freitag vielleicht, dorthin zum Schwimmen fahren, Sauna machen und so weiter. Man kann das Schwimmen ja auch Trainings mäßig durchführen, das kann für die Kondition und auch für den Muskelaufbau im Hinblick auf den Kampfsport nur gut sein. Da werden wir noch mal drüber reden, wenn alle dabei sind. Die bald anstehende Gründungsversammlung, das soll am 13.11, sein, wäre eine gute Gelegenheit dazu.
So, fertig für heute. Der Blick zur Uhr sagt mir, das ich jetzt los muss, meinen Schatz abholen an der Schule. Mamas ehemaliger, jetzt mein Golf, läuft immer noch einwandfrei und pflegen tun wir ihn auch, mein Schatz und ich. Der Wagen macht uns unabhängig, wir können selber festlegen, ob wir hier in der WG, bei Dirk zu Hause im neuen Zimmer oder bei uns zu Hause sein und auch schlafen wollen. Hier gibt es immer gleichaltrige Gesellschaft, überwiegend schwul, wie wir.
Zu Hause sind wir aber auch gern und da wir ja die Wahl haben, ist einfach alles gut. Unsere Eltern merken natürlich auch, dass es uns einfach gut bekommt, die Liebe, die Freiheit und auch die Freundschaft und sie sind froh darüber, dass ihre Jungs so glücklich sind. Im Grunde haben sie wohl befürchtet, dass unser Schwul sein uns isoliert und auf Dauer unglücklich machen wird. Das dem jetzt ganz offensichtlich nicht so ist, macht sie auch froh und von den Sorgen und Ängsten ist nichts geblieben.
Jetzt fahre ich auf die Autobahn, freue mich auf meinen Schatz und auf einen schönen Nachmittag mit ihm. Mal sehen, was noch abgeht heute, groß geplant haben wir nichts.

Kevin, Samstag, 06.11. 11:00 Uhr mit Wolfi in der Bilderwerkstatt beim Einrahmen.

Um 8:30 Uhr haben wir gefrühstückt, mit den Anderen, die auch hier sind. Jerome und Sergej haben mit uns zusammen das Frühstück gemacht. Dirk und Mike und auch Ole und Frank haben mit uns Kaffee getrunken, ebenso waren Alex und Ralf mit dabei. Mittlerweile richten wir zum Frühstücken so was wie ein Buffet her, mit Müsli, Marmelade und Quark, Honig, etwas Ost und O-Saft und neben Aufbackbrötchen gibt es noch 2 oder 3 verschiedene Brotsorten. Wurst und Käse ist auf 2 flachen Tellern verteilt, die dann am Ende des Frühstücks, in Frischhaltefolie eingeschlagen, ihren Platz bis Abends oder zum nächsten Morgen im Kühlschrank finden.
Paul ist wie immer in letzter Zeit bei Rolf und samstags räumen sie ja immer Opas Werkstatt auf. Er hat den Yeti mit und ist schon gestern zu Rolf gefahren. Je näher der Tag rückt, an dem Pauls und Ullis Prozess gegen den Vater stattfinden soll, um so in sich gekehrter wird Paul. Bestimmt ist das jetzt alles noch mal präsent, kommt wieder hoch und belastet ihn sehr. Ich bedaure ihn, weiß aber auch nicht so recht, wie ich ihm helfen könnte.
Ich hoffe für ihn und seinen Bruder, dass sie es gut überstehen und gestärkt aus der Sache heraus kommen und dann ihr neues Leben gut im Griff haben. Misshandlungen körperlich zu überstehen, ist eine Sache, die seelischen Wunden eine Andere, das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Wir, Wolfi und ich, ziehen Bilder auf oder rahmen sie. Das ist Nachschub für die Schulen, also auch neue Arbeit für Chris und Matze, die später noch vorbei kommen wollen. Dann können sie auch gleich nochmal einen Teil der fertigen Bilder mit nehmen, wenn sie wollen. Auch Dübel und Haken hat Wolfi besorgt und andere Aufhängmittel, Nylonschnüre und so was. Einige Schulen sind mittlerweile fertig und eine 1. Teilrechnung für 30 Bilder plus Montage ist bereits vom Ministerium bezahlt worden. Für die Schulen hat Wolfi einen Einheitspreis gemacht. Jedes Bild kostet mit Aufhängen 60 Euro, plus Mehrwertsteuer, davon bekommen Chris und Matze 10 Euro je aufgehängtes Bild, Material stellt mein Wölfchen.
Das Ministerium hat als 2.142 Euro überwiesen auf Wolfis Geschäftskonto, auf dem ja schon einiges an Geld vom Wirtschaftsministerium war und auf das ja auch noch einiges an Geld vom Kultussenator kommen wird. Dass die Sache mit den Bildern mal so werden würde, hat wohl nur Carl August vermutet, damals, als er die Preise für die Bilder der Ausstellung gemacht hat.
Wolfis Eltern sind stolz auf meinen Schatz, dessen tolle Fotobilder in so viel Bremer und Bremerhavenern Gebäuden zu sehen sind. Natürlich gab es auch einen Artikel in den örtlichen Tageszeitungen, mit Bild sogar von Wolfi und dem Hinweis, wo alles Bilder von ihm hängen. Das hat auch den ein oder anderen privaten Käufer gebracht und Robin hat uns eine tolle Webseite erstellt, über die man auch Bilder anschauen und sogar kaufen kann, gegen Vorkasse, versteht sich.
Heute, um 13:30 Uhr fährt mich Wolfi auf die Mittagsschicht, morgen muss ich auch hin, allerdings in der Frühe. Schlafen werden wir bei Wolfis Eltern, dort fahren wir hin, wenn er mich um 22 Uhr abholt vom Hilton. Ich habe mir überlegt, das, wenn ich nach abgeschlossener Berufsausbildung studieren gehe so, wie Sergej es macht, kann ich einen Job ergreifen später, bei dem ich nicht jedes 2. Wochenende arbeiten muss. Mal sehen, bis dahin ist noch lang, da kann noch viel geschehen.

Micha, Samstag, 06.11. 17:00 Uhr, in Emden, im Haus der Schwester seiner Mutter, mit allen Geschwistern, der Mutter und Tom. Tante Erna wird 50.

Vor gut zwei Stunden sind wir hier in Emden angekommen auf unserer ersten gemeinsamen Reise mit unserem Bus. Mamas Schwester wird fünfzig und feiert groß. Sie hat sogar für uns im Hotel Faldernpoort hier in Emden Zimmer bestellt, wo wir übernachten. vier Doppelzimmer plus Frühstück Morgen, das ist doch nicht schlecht und die Feier ist hier im Restaurant, fahren ist heute Nacht also auch nicht mehr.
Der Bus hat uns gut und bequem hergebracht und jetzt, nach dieser doch mit 130 Kilometer recht langen Fahrt für Mama, ist sie begeistert von dem Bus. Auch ich bin sehr zufrieden und Tom, der auch eine Strecke gefahren ist, findet den Bus voll cool. Über Bundesstraßen und Stückweise auch Autobahn haben wir knapp zwei Stunden gebraucht.
Meine Tante hat mit ihrem Mann ein ziemlich großes Fischgeschäft, mit Produktion von Tiefkühl- aber auch Dosenfisch und gehört nicht zu den armen Leuten. drei erwachsene Kinder, zwei Mädels und ein Sohn, sind mit im Geschäft und werden es dann auch später übernehmen.
Die Feier findet in einem großen Restaurant, der Emder Fischerstube statt und es sollen viele Gäste geladen sein. Beginn ist um 18 Uhr und wir haben zunächst mal eingecheckt und die Zimmer bezogen. Tom und ich haben ein schönes Zimmer mit einem geilen Bad, auch der Blick aus dem Fenster ist cool.
Von früheren Besuchen hier weiß ich, das Emden ein sehr schönes Städtchen ist, mit dem Hafen mitten in der Stadt. Von hier aus, von Emden, fahren diese superschnellen Doppelrumpfschiffe nach Borkum. Hier ist es echt schön und Wolfi, der kommt glaub ich auch von hier.
Wir ziehen uns jetzt gute Sachen an und werden dann um 18 Uhr das Restaurant unten aufsuchen und feiern. So wie ich meine Tante kenne, geht das heute gut ab hier, voll mit Life-Muke und so, bestimmt mit einem Superbuffet mit viel Fisch und Krabben und lauter guten Sachen. Wir werden unseren Spaß haben, Tom und ich und meine Schwestern und Mama auch. Dass sie dabei im Rollstuhl sitzt, tut ihrer Fröhlichkeit keinen Abbruch.
Wie meine Tante und ihre Familie auf Tom und mich reagieren, weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher dass sie schon von uns weiß. Mama und sie telefonieren viel, fast täglich, haben ein besonderes Verhältnis zu einander und keinerlei Geheimnisse. Mamas Mutter starb früh und Tante Erna als die Ältere hat sich um meine Mutter gekümmert.
Früher, als Mama noch nicht im Rollstuhl saß, sind wir öfter mal hier gewesen und ich war mit zwölf und mit dreizehn in den Ferien mal vierzehn Tage bei Tante Erna zu Besuch.

So, liebe Leute, das war es mit Kapitel 108. Ich hoffe, dass es euch gefallen hat. Bald wird es weitergehen, bis dahin
Tschüss und liebe Grüße
Hermann

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