Traumschiff – Teil 126

So, weiter geht’s mit unserer Truppe, Danke an alle Kommischreiber und besonders an meine Beta-Leserin. Ich hoffe, 126 gefällt euch.

Van Straaten… Kyu… Panne… zwei auf Achse… Berlin…  ataque cardiaco… im TV

Noah, Montag, 31.01.2011, 21:25 Uhr mit Enrico, im Bett in seinem Zimmer.

Ein sehr aufregender und anstrengender Tag liegt hinter uns. Ricos Po drückt an meiner Hüfte, kuscheln, mehr ist heute nicht mehr und schlafen natürlich. Der Vormittag war, nach dem frühen Aufstehen mit Enrico und einem gemeinsamen Familienfrühstück, von der Gerichtsverhandlung bestimmt, bei der alle Schroers und auch Oma anwesend waren.

Ole war mit dem Anwalt mit gekommen und saß mit Rolf und mir auf der Bank der Nebenklage. Rolfs Familie war ebenfalls, bis auf seine Schwester, komplett vertreten und leisteten, ebenso wie meine Familie, moralische Unterstützung.

Das Gericht bestand aus einem Richter und zwei Schöffen. Nach Eröffnung der Verhandlung und Belehrung der Zeugen durch den Richter, die Freundin von dem Typ war auch da, verlas der Staatsanwalt die Anklage. Der Fahrer, der van Straaten, hat uns bisher keines Blickes gewürdigt. Paolo und auch der Lehrling, der bei der Entdeckung des Autos dabei war, waren auch als Zeuge geladen. Polizisten und auch Rettungskräfte, die uns in der Nacht geborgen haben und auch der Arzt aus der Notaufnahme dieser Nacht waren da.

Ebenso war da noch ein uns unbekannter junger Mann, so um die 30, von dem ich annahm, das der am Unfallabend bei der Polizei den Roller gemeldet hat und damit unsere Rettung eingeleitet hat. Da wir, Rolf und ich, ihm wohl einiges zu verdanken haben, wollte ich ihn in einer Pause mal kontaktieren.

Die Anklage lautete auf gefährliche Körperverletzung, Trunkenheit am Steuer und Unfallflucht, unterlassene Hilfeleistung, sowie Gefährdung des Straßenverkehrs. Der Beifahrer des Angeklagten, ein Torsten Klemm, war ebenfalls als Zeuge geladen. An den hatten wir eigentlich keinen Gedanken mehr, seit die Sache passiert ist. Wir kannten den auch nicht und wir haben ihn hier zum ersten Mal gesehen. Dass er uns nach diesem Tag noch lange in Erinnerung bleiben wird, damit haben wir am wenigsten gerechnet.

Nach Feststellung der Personalien wurde zunächst der Angeklagte befragt.

Sein Anwalt ließ dann auch gleich die erste Bombe platzen: „Hohes Gericht, mein Mandant behauptet seit heute Morgen, er sei zu Unrecht angeklagt. Er selber will sich zur Sache nicht äußern. Er gibt an, nicht er hätte das Auto in jener Nacht gefahren, sondern sein Freund, Herr Torsten Klemm soll in der besagten Nacht gefahren sein.“ He, was geht denn jetzt ab, dachte ich und auch der Richter guckte sehr erstaunt nach dieser Ansage des Anwalts.

Nun redet der Richter mit dem Staatsanwalt aber so, dass wir nichts verstehen können. Dann ruft er besagten Torsten Klemm in den Zeugenstand und der wird dann auch herein gerufen. „Sie heißen Torsten Klemm, ist das richtig?“ „Ja.“ „Wann sind sie geboren?“ „Am 17. Dezember 1987 in Bremen.“ „Wo wohnen Sie zurzeit?“ „ Hafenstraße 77 in Bremen.“ „Verwandt oder verschwägert mit dem hier Angeklagten Guido van Straaten?“ „Nein, wir sind befreundet, studieren zusammen“, sagt der junge Mann. „Sie wissen, dass ich sie vereidigen kann als Zeuge, sollten sie aber, wie der Anwalt des Angeklagten sagt, das Auto zum Tatzeitpunkt tatsächlich gefahren haben, können sie die Aussage verweigern, wenn sie sich selber damit belasten würden.“

Der Richter schaut ihn nun an und sagt dann: „Stimmt das, was der Anwalt des Angeklagten behauptet hat, sie hätten in jener Nacht vom 14. Juni den Nissan Z3 des Angeklagten gefahren? Ist das so gewesen?“ „Ja, ich bin gefahren“, sagte er und damit wird wohl die Verhandlung geplatzt sein, dachte ich. Mein Blick suchte Ole und dann unseren Anwalt Klaus Becker. Der zuckte die Schultern und schaute dann wieder nach vorn, wo der Richter jetzt weitersprach. „Bisher wurde von niemandem bei einer der Vernehmungen ausgesagt, dass sie und nicht der Angeklagte an dem besagten Abend gefahren sind“, sagte er, „das wundert mich jetzt schon sehr.“

Da von dem jungen Mann darauf hin nichts kam, sagte er weiter: „Hier geht es nicht um ein Kavaliersdelikt, hier wurden zwei junge Menschen sehr schwer verletzt und sie hätten dort in den Büschen sterben können, da der Unfallverursacher feige das Weite gesucht hat, anstatt Hilfe herbei zu rufen. Man sagt dazu auch, derjenige nimmt den Tod der Opfer billigend in Kauf, um sich einer Bestrafung zu entziehen. Das ist auf keinen Fall mit einer Geldstrafe abgetan, junger Mann. Sollten sie also, was ich nach der Aktenlage vermute, die Schuld an Stelle ihres Freundes hier auf sich nehmen wollen, können sie dafür durchaus ins Gefängnis kommen. Selbst wenn eine eventuell zu erwartende Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt würde, wären Sie dann vorbestraft und ein Führerschein, so vorhanden, wäre auch eine geraume Zeit weg. Ich will ihnen das deutlich vor Augen führen, damit sie wissen, was sie dann unter Umständen hier am Schluss der Verhandlung erwartet.“

Totenstille ihm Saal, Blicke flogen hin und her zwischen dem Zeugen und dem Angeklagten. Der Anwalt redete dann auf den van Straaten ein, sagte dann laut: „Hohes Gericht, ich bitte um eine 15 minütige Unterbrechung, ich möchte mich mit meinem Mandanten beraten.“

„Die Verhandlung wird für 20 Minuten unterbrochen, es geht weiter um 10 Uhr“, sagte daraufhin der Richter und erhob sich. Wir sind natürlich von dieser Entwicklung genauso überrascht worden, wie das Gericht, das hier plötzlich ein völlig anderer als Fahrer auftrat, von dem nie vorher die Rede war. Auch unser Anwalt bestätigte mir auf meine Frage, dass in keiner Akte vorher von einem anderen Fahrer etwas gestanden hat.

Wir verließen im Gegensatz zu dem Angeklagten, seinem Anwalt und dem Zeugen Klemm den Saal nicht, blieben auf unseren Plätzen und unterhielten uns leise. Klaus Becker sagte zu uns, wenn es dabei bleibt, das dieser Klemm gefahren haben will, dann ist der Prozess gegen den van Straaten geplatzt, er wird dann wohl frei gesprochen und es wird völlig neu, diesmal gegen den Klemm, ermittelt. Dadurch verschiebt sich der Prozess um einige Zeit nach hinten.

Ole vermutet, dass der junge van Straaten sich bestimmt seinen Freund als Sündenbock kaufen wollte und meint: „Der Anwalt hat da ganz bestimmt auch nichts davon gewusst, der ist erst kurz vorher über das Vorhaben seines Mandanten in Kenntnis gesetzt worden, da würde ich drauf wetten.“

Gespannt warteten wir darauf, dass und wie es weitergeht. Rolf und ich redeten jetzt über die heute am späten Nachmittag angesetzte Prüfung in Karate. Wir sind von Alwin und Matze gut vorbereitet worden und werden das bestimmt gut hin kriegen, zusammen mit den anderen, die mit uns geprüft werden. Mit Natascha und Sigrid sind auch zwei Mädels dabei heute, auch der Torsten wird geprüft. Marie, Oles Schwester, wollte noch warten, bis Marvin, ihr Freund auch soweit ist. Auf Grund seiner Arbeitszeiten hatte er in der Vergangenheit nicht so viel Training, aber das ist jetzt seit neustem besser geregelt mit seinem Chef, hat Kevin neulich erzählt.

Irgendwo ertönte nun ein Gong, es ist genau 10 Uhr, die Leute kommen in den Saal zurück und dann erscheint der Richter auch wieder. Er setzte die Verhandlung fort und fragt zunächst den Anwalt des van Straaten, ob nach wie vor die Aussage steht, das der Torsten Klemm das Auto zur Tatzeit gefahren hat.

Der steht auf und antwortet: „Hohes Gericht, mein Mandant gibt zu, das er selbst das Auto zum Unfallzeitpunkt gefahren hat. Er hat versucht, eine finanzielle Notlage des Freundes Torsten Klemm zu seinem Vorteil zu nutzen, um einer Verurteilung zu entgehen.“ Das passt aus meiner Sicht in das Bild, das ich seit dem Gespräch im Freibad von diesem Pisser habe, allerdings hat er sich jetzt selber noch mehr in die Scheiße geritten. Wie kann man nur so blöd sein.

„Herr Klemm“, sagt jetzt der Richter, „bleiben sie unter diesen Umständen bei der Aussage, dass sie das Auto zum Unfallzeitpunkt gefahren haben?“ „Nein, Herr Richter“, kommt die Antwort, „ich habe zum Unfallzeitpunkt auf dem Beifahrersitz geschlafen und bin erst durch den Crash wieder wach geworden. Auf meine Frage, was das für ein Knall war, sagte mein Freund, er hätte wohl die Leitplanke gerammt.“

„Wie erklären sie dann ihre Aussage vor der Pause, sie wären der Fahrer gewesen?“, will der Richter wissen.

„Das war wohl mehr oder weniger eine Schnapsidee, die Guido und ich vorige Woche hatten“, sagte er jetzt. „Ich habe zur Zeit ein paar finanzielle Probleme“, fährt er fort, „mein Freund weiß das und bot mir eine größere Summe an, wenn ich die Fahrt auf meine Kappe nehme. Da er bisher unbescholten ist, sind wir von einer Geldstrafe ausgegangen, die er dann für mich bezahlt hätte. Da ich kein Auto besitze, hätte mich ein Führerscheinentzug auch nicht sonderlich hart getroffen, also ging ich auf den Deal ein. Das es auch eine Freiheitsstrafe werden kann, war mir und ihm wohl auch nicht bewusst, vorbestraft, das würde viele eventuell später angestrebte Berufe, in denen ein Führungszeugnis verlangt wird, wohl unmöglich machen und ins Gefängnis will ich nun auch nicht.“

„Nun, dann können wir ja jetzt endlich zur eigentlichen Verhandlung kommen“, sagte der Richter, „ob und wie der Herr Staatsanwalt dieses versuchte Täuschungs- und Bestechungsmanöver behandelt, überlasse ich ihm. Sie gehen dann bitte raus, später rufe ich sie noch mal auf.“

Der junge Mann verlässt den Saal und der Richter wendet sich an den Angeklagten: „Herr van Straaten, bleibt es bei ihrer Aussageverweigerung oder wollen sie nach dem Scheitern ihres geplanten Betrugsmanövers jetzt doch etwas zur Aufklärung des Falles bei tragen? Ich könnte mir vorstellen, dass der Herr Staatsanwalt das bei der Würdigung ihrer misslungenen Aktion positiv berücksichtigen würde.“

Der Anwalt redete auf den Straaten ein, dann sagte dieser: „Ich möchte aussagen.“ Na bitte, geht doch. „Woher kamen sie an dem besagten Abend, als sie die zwei Jungs mit ihrem Roller angefahren haben?“, fragt ihn der Richter jetzt. „Meine Freundin hatte an dem Tag Geburtstag, von dort kamen wir.“ sagte er jetzt leise.

„Der Geschädigte Schroer hat bei der Polizei ausgesagt, dass ihr Wagen ohne Beleuchtung gefahren ist. War das so und wenn, warum war das so?“, will der Richter dann wissen. „Es war noch nicht so richtig dunkel, vor dem Waldstück jedenfalls nicht. Darum hatte ich wohl noch kein Licht an“, sagte er. „Sie sind dann praktisch ohne anzuhalten in die vorfahrtsberechtigte Bundesstraße 6 eingebogen, ist das richtig?“, fragte der Richter, „haben sie den mit Licht fahrenden Roller nicht gesehen oder wie erklären sie sich den Zusammenstoß mit dem Zweirad?“

„Ich habe nicht gemerkt, dass mein Freund eingeschlafen war“, sagte er, „wir fahren öfter diese Strecke, er guckt nach rechts, ich nach links und dann biege ich, wenn nichts kommt, rallymäßig ab. Das dabei das Heck des Wagens den Roller getroffen hat, tut mir leid aber da mein Freund nichts gesagt hat, dachte ich, da kommt niemand.“

„Heißt das, sie fahren dort immer so auf die Bundesstraße 6, als ob sie an einer Rally teilnehmen?“, fragte der Richter nach. „Nun, fast immer dort“, kommt kleinlaut die Antwort. „Dann können wir ja echt froh sein, das dort noch nie was schlimmeres passiert ist“, sagt der Richter, „sie haben dann, ohne anzuhalten, den Unfallort verlassen, obwohl sie bestimmt bemerkt haben, das sie dort 2 Menschen von der Straße, ja, regelrecht gefegt haben. Ist das richtig?“ „Es ging alles ziemlich schnell, genau gesehen habe ich das nicht, habe ja auch nach links geguckt, ob da kein Auto kommt“, sagte er aus, „im ersten Moment dachte ich, ich hätte nur die Leitplanke erwischt und bin weiter gefahren.“ Alter, denk ich, der muss uns doch gesehen haben, die rote Maschine, rote Helme und reflektierende Nierengurte, der lügt doch jetzt. „Wann genau haben sie denn realisiert, dass da nicht nur die Leitplanke betroffen war?“, wollte der Richter dann von ihm wissen.

„Eigentlich erst am nächsten Morgen“, sagte er, „als ich zur Uni fahren wollte. Da habe ich die roten Lackspuren und die Beulen und Kratzer gesehen und gemerkt, das da wohl noch was anderes gescheppert haben muss, als nur die graue Leitplanke.“ „Was haben sie dann unternommen?“, fragte ihn der Richter. „Ich habe diese Plane über das Auto gemacht und bin mit dem Taxi in die Uni gefahren“, sagte er, „ich hätte ja da doch niemand mehr helfen können, dazu war es wohl zu spät.“ „Dann wurde das Auto aber rein zufällig entdeckt von einem Freund der beiden Geschädigten“, stellt der Richter fest.

„Was und wie viel haben sie denn auf dem Geburtstag getrunken?“, fragte der Richter nun. Der Anwalt flüsterte dann mit ihm. „Drei oder auch vier Bier, glaub ich, von 19 Uhr bis etwa 22:00 Uhr“, sagte er, „und gut gegessen habe ich ja auch. Ich fühlte mich auf jeden Fall noch fahrtüchtig.“ „Ihr Freund hatte ganz offensichtlich mehr getrunken“, sagte der Richter, „sonst wäre er ja wohl kaum eingeschlafen.“ Auf das darauf folgende: „Das weiß ich nicht“, kam dann ein langer Blick des Richters und der war nicht freundlich.

„Sie geben also an, nach links geschaut und den Roller mit den Jungs nicht bemerkt zu haben, obwohl der mit Licht fuhr, ist das richtig?“, fragte der Richter noch mal nach. „Ja, das ist so richtig“, sagte er. „Sie haben also, sich auf ihren Freund verlassend, zu keiner Zeit nach rechts geschaut, war das so?“, fragte der Richter. „Ja, ich habe nicht nach rechts geschaut“, sagte der Angeklagte.

„Haben sie Fragen an den Angeklagten?“, fragte der Richter nun den Staatsanwalt. Der nickte und sagte dann: „Was wir bis jetzt gehört haben, lässt mich trotz ihres Alters von 24 Jahren sehr an einer Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges zweifeln. Sie fahren, wohl nicht zum ersten Mal, mit zu hoher Geschwindigkeit auf der Straße. An der Forst an diese Einmündung in die Bundesstraße 6 heran, verlassen sich auf ihren Beifahrer und biegen dann, ohne einen Blick nach rechts in die B6, ein. Das hat echt was vom „Russischen Roulette“ und absolut nichts mit verantwortungsvollem Fahren zu tun.“

Er blätterte in seiner Akte.

„In Blatt 62 der Akte, dem Bericht des Gutachters steht, das die Schäden am Roller darauf schließen lassen, das sie etwa 50 km/h schnell waren, als sie in die B 6 eingebogen sind. Mit der hinteren rechten Seite ihres Wagens haben sie dabei den Roller mit den Jungs förmlich an die Leitplanke geklatscht, so dass beide Jungs sechs beziehungsweise acht Meter in die angrenzenden Büsche und Bäume geschleudert wurden und dort, zunächst wohl bewusstlos, schwer verletzt liegen blieben. Es ist nur einem aufmerksamen Autofahrer zu verdanken, dass zunächst die Polizei und dann der Notarzt verständigt wurden. Hätte der Autofahrer den dort liegenden Roller nicht gleich der Polizei gemeldet, wären die Jungs dort nicht so schnell gefunden worden. Das hätte den Tod der Unfallopfer nach sich ziehen können, das bestätigt das Gutachten. Keine weiteren Fragen.“

Nun wurde der Anwalt des Angeklagten gefragt, ob er Fragen an seinen Mandanten hat. Der machte seit der Unterbrechung einen genervten Eindruck auf mich und er verneinte die Frage des Richters, wollte also seinen Mandanten nicht zum Tathergang befragen. Jetzt wurde unser Anwalt gefragt und der hatte dann schon einige Fragen. „Herr van Straaten, ihre Eltern, bei denen sie wohnen, sind mit den Eltern meines Mandanten Noah Schroer bekannt und haben im Vorfeld der Verhandlung versucht, mit den beiden Geschädigten einen Vergleich einzugehen, wenn diese keinen Strafantrag auf gefährliche Körperverletzung gegen sie stellen würden, ist das richtig?“ „Ja, das ist wohl so gewesen“, sagt er und schaut uns zum ersten Mal kurz an.

„Warum ist es nicht zu einem Vergleich gekommen?“ fragt Klaus Becker jetzt. Sichtlich unangenehm ist dem van Straaten diese Frage, das sieht man. „Es kam zu einer Begegnung im Freibad mit den beiden. Im Verlauf des dort stattgefundenen Gesprächs verlangten die Beiden eine Erhöhung der Summe, welche meine Eltern in Aussicht gestellt haben“, sagte er aus, „einige Tage später teilte uns der Herr Schroer mit, das sie nun nicht mehr an einem Vergleich interessiert seien und doch Anzeige erstatten wollten, was ja dann auch geschehen ist.“

Mit einem „keine weiteren Fragen“ nimmt unser Anwalt wieder Platz. Er flüsterte nun in meine Richtung: „Näheres dazu kannst du später dem Richter sagen, der bestimmt danach fragen wird.“

Jetzt wurden nacheinander der Sachverständige, der Professor, der Mann, wo den Roller gemeldet hatte und dann die Polizeibeamten und die Feuerwehr, hier speziell die, die uns geborgen haben und der Notarzt, der uns dort erst versorgt hatte, gehört. Auch der Beifahrer wurde noch einmal kurz gehört, zur Trinkmenge und zum Deal versuch. Auch Paolo musste das Auffinden des Autos schildern.

Danach waren alle über den Ablauf des Unfalls und unserer Bergung informiert und dann kam ich an die Reihe. „Zum Abschluss der Beweisaufnahme möchte ich von den Geschädigten eine Schilderung des Abends und des Unfalls hören“, sagte der Richter dann, „wir beginnen mit Noah Schroer.“

Ich nahm an dem Zeugentisch Platz mit einem Kribbeln im Nacken, so auf dem Präsentierteller, jede Menge Blicke im Nacken… ungewohnt. Mit leicht schwitzenden Händen begann ich nach Aufforderung durch den Richter, den Abend der Verabschiedung der beiden Seeleute bei Onkel Carl August zu Hause, zu schildern. Mit dem Hinweis, keinen Alkohol dort getrunken zu haben, begann ich dann, von der Roller Fahrt mit Rolf hinten drauf zu berichten.

„Bei Annäherung an diese von links hinten kommende Einmündung „An der Forst“ sah ich kein Licht links. Ich fuhr ganz rechts mit etwa 70 km/h, als der Wagen des Angeklagten unmittelbar vor mir in die Bundesstraße hineinschoss. Das Heck des Wagens scherte aus und traf uns und den Roller so heftig, das der Roller an die Leitplanke knallte und Rolf und ich über diese hinweg in die dort stehenden Büsche und jungen Bäume geschleudert wurden. Mit dem Aufschlag dort in den Sträuchern habe ich wohl das Bewusstsein verloren. Das Erste, was ich dann noch mal mitbekommen habe, war die mit starken Schmerzen verbundene Bergung aus dem Gebüsch durch die Leute der Feuerwehr.“

Dann habe ich noch kurz über die Klinikzeit berichtet, Intensivstation, zwei Ops und auch, das wir wegen der Reha die Urlaubspläne umwerfen mussten.

Auf die Frage nach dem nicht zu Stande gekommenen Vergleich schilderte ich das Verhalten des Angeklagten im Schwimmbad und unserem daraus erfolgten Entschluss, ihn dann doch anzeigen zu wollen.

Nun wurde Rolf ebenfalls befragt und er schilderte dann, wie er das alles erlebt hatte. Danach schloss der Richter die Beweisaufnahme ab und verkündete eine Mittagspause von 45 Minuten bis 13:00 Uhr, dann sollte es weitergehen. Wir gingen in die im unteren Teil des Gerichtsgebäudes befindliche Cafeteria und aßen dort ein belegtes Brötchen und tranken Kaffee dazu. Pünktlich um 13 Uhr ging es dann weiter mit den Plädoyers.

Es begann der Staatsanwalt, der noch einmal kurz die Anklage verlas, bevor er seine Sicht der Dinge zusammenfasste. Schuldig in allen Punkten, dann noch der Betrugsversuch, den er aber auf Grund der nun doch erfolgten Aussage nicht gesondert verfolgen wolle, kam er dann zum Schluss zu dem von ihm geforderten Strafmaß und der Höhe des zu zahlenden Schmerzensgeldes.

Er beantragte für den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Gefährdung des Straßenverkehrs, Unfallflucht und unterlassener Hilfeleistung eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren, Entzug der Fahrerlaubnis von 5 Jahren und Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe der von den Nebenklägern geforderten 23.000,- Euro je Geschädigten.

Nun war der Verteidiger dran, der sich sichtlich um Schadensbegrenzung bemühte, das Verhalten auf Unreife und fehlende Absicht, jemanden zu verletzen, reduzierte und dann um eine höhere Geldstrafe an Stelle der Freiheitsstrafe bat.

Klaus Becker bekräftigte dann noch einmal die vom Professor angestrebte Schmerzensgeldhöhe und forderte auch eine angemessene Bestrafung des Angeklagten, dessen wirtschaftliche Verhältnisse die Wirksamkeit einer Geldstrafe ad Absurdum führen würde.

Nun zog sich der Richter sich mit den Schöffen zur Beratung und zur Urteilsfindung zurück. Das dauerte ungefähr 25 Minuten, bis wieder durch einen Gong die Weiterführung der Verhandlung angekündigt wurde. Als wieder Ruhe eingekehrt war, kam das Gericht zurück. Alles stand im Saal, auch das Gericht, als der Richter das Urteil verlas.

„Der Angeklagte ist der schweren Körperverletzung schuldig, in Tateinheit mit der Gefährdung des Straßenverkehrs, der Unfallflucht und der unterlassenen Hilfeleistung. Er wird zu zwei Jahren Haft, einer Geldstrafe in Höhe von 10.000,- Euro verurteilt. Die Haftstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Bewährungszeitraum ist drei Jahre. Die Fahrerlaubnis wird für drei Jahre entzogen, der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens und den Geschädigten wird jeweils ein Schmerzensgeld in Höhe von 25.000,- Euro zugesprochen. Der Vorwurf der Trunkenheit konnte auf Grund fehlender Beweismittel nicht aufrecht erhalten werden. Bitte, nehmen sie Platz.“

Als wieder Ruhe eingekehrt ist, begründet der Richter das Urteil.

„Das Gericht hat entschieden, die Freiheitsstrafe auf den noch zur Bewährung aus zusetzendem Zeitraum von zwei Jahren fest zu setzen, da der Angeklagte zum ersten Mal straffällig geworden ist. Dadurch kann er sein Studium fortsetzen und hat es selber in der Hand, seine Zukunft zu gestalten und ein dringend benötigtes Maß an Reife zu erlangen“, erklärt der Richter.

„Er bekommt für die Bewährungszeit einen Bewährungshelfer, an dessen Anweisungen er sich zu halten hat. Des Weiteren hat er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten und 10.000,- Euro Geldbuße zu bezahlen. Beides, Stunden und Geldbuße, sind bei Nichterbringen ein Verstoß gegen die Bewährungsauflagen und ziehen eine Vollstreckung der Freiheitsstrafe nach sich. Gegen das Urteil können sie Berufung einlegen innerhalb zwei Wochen. Wenn sie wollen, können sie das Urteil annehmen, dann ist es rechtskräftig.“

Der Verteidiger redete auf den sichtlich geknickten Mann ein. Als der dann nickt, sagte er: „Mein Mandant nimmt das Urteil an.“

Klaus Becker, sichtlich zufrieden mit der Höhe des Schmerzensgeldes nahm für die Nebenklage das Urteil an und auch der Staatsanwalt verzichtete auf eine Berufung.

„Die Verhandlung ist geschlossen, Zeugengeld gibt es in Raum 304, die Belege gibt ihnen der Wachtmeister“, sagt der Richter, bevor er mit den Schöffen den Saal verließ.

Es war jetzt 14:30 Uhr durch und nach dem ich mich, Rolf natürlich auch, bei Ole und Klaus Becker bedankt und dann verabschiedet haben, fuhren wir mit unseren Familien nach Hause zum Umziehen und fertigmachen für die ab 16:00 Uhr stattfindende Prüfung, an der Enrico und ich, aber auch Rolf und Paul und noch einige unserer Freundinnen und Freunde teilnehmen sollten.

Mit Rico, der zu Hause bereits auf uns wartete und Papa, der auch mit wollte, fuhren wir rechtzeitig los.

Wir mussten zur Georg-Hunger Halle in Bremerhaven Lehe, hierhin war die zweite Prüfung verlegt worden. Auf drei Feldern wurde geprüft und es waren siebenundzwanzig Prüflinge aus dem Bundesland Bremen, für die an jedem der drei Felder jeweils drei Meister zur Abnahme bereit standen. Enrico war einer der Erste von uns und schaffte alles mit Leichtigkeit. Torsten leistete sich, ebenso wie ich, einen Patzer aber zum Schluss hatten wir dann auch den ersten Kyu bestanden.

Fast alle waren gekommen zum Zuschauen und Daumen drücken und es kam von unserer Gruppe alle erfolgreich durch die Prüfung. Alwin und Matze waren zu Recht stolz auf ihre gute Leistung als Trainer und Alwin bekam auch Lob von den Meistern des Bremer Verbandes.

Um kurz nach 20 Uhr machten wir uns auf den Rückweg, nach dem wir uns darauf geeinigt hatten, die bestandenen Prüfungen am Samstag mit einem Essen beim Griechen zu feiern, wo auch unsere Gründungsversammlung war. Für den Donnersteg davor setzte Ole eine Vorstandssitzung an, die ab 18:00 Uhr in der WG stattfinden soll.

Paul regelt das mit Ullis mittlerweile Verlobten, dass wir dort am Samstag den einen Nebenraum bekommen, hoffentlich ist der noch frei. Das Essen an dem Abend will Ole aus der Vereinskasse bezahlen, in der ja mittlerweile einiges an Geld eingegangen ist.

Rico scheint schon fest zu schlafen, er hat Frühschicht und auch ich muss ja früh raus und in die Schule.

Jerome, Montag, 31.01.2011, 22:30 Uhr mit Sergej, im Wohnzimmer in der WG, Wolfi, Kevin und auch Paul sind auch da.

Wir sitzen auf der großen Couchlandschaft, die Stimmung seit Papas Anruf vor 20 Minuten ist gedrückt, wir fühlen uns macht und ratlos. Vor Papas Anruf waren wir noch gut gelaunt, nach dem wir aus der Sporthalle in Bremerhaven zurück gekehrt sind. Alle zur Prüfung gemeldeten Freunde haben den ersten Kyu locker bestanden, besonders für mein Schwesterlein haben wir, Sergej und ich uns gefreut. Nun ist die Stimmung im Keller, wir, besonders ich aber auch die anderen sind sehr in Sorge.

Papa hat um 21:00 Uhr etwa einen Anruf von Kai bekommen, Frieda hat in Portugal einen Infarkt bekommen, ist im Krankenhaus in Lagos und wird wohl ein Herz OP brauchen. Ihr Zustand ist nicht besonders.

Papa fliegt noch in der Nacht nach Faro oder direkt zu dem kleinen Flugplatz in Lagos, wo Kai ihn abholt und ins Krankenhaus nach Lagos bringt. Oma ist bei Frieda in der Klinik, weicht nicht von ihrer Seite. Sergej und ich fahren gleich zu Mama.

Wir werden dort bleiben, bis Papa zurück ist und ob wir zur Uni gehen, hängt davon ab, wie Mama klar kommt. Frau Gut hat sich sofort angeboten, auch über Nacht im Haus zu bleiben. Sigrid kann ja dann bei Natascha bleiben, das ist ja dann kein Problem.

Das Gesundheitssystem in Portugal ist anders, als es bei uns in Deutschland ist und wenn Frieda transportfähig ist, wird Papa sie mit einem ADAC Flieger nach Bremen holen. Papa wollte auch mit Alex Brunner Kontakt aufnehmen, fragen, ob der ihn nach Lagos begleiten kann.

Das Krankenhaus in Lagos liegt mitten in der Altstadt, ist klein und sehr, sehr alt, ob die da eine Herz-OP machen können, ist zur Zeit nicht klar. Alex Brunner da vor Ort, wäre wohl sehr hilfreich. Ob der so einfach weg kann, wer weiß.

Wir gehen jetzt mal, unsere Sachen holen und dann fahren wir rüber, damit Papa beruhigt fliegen kann und sich nicht um Mama sorgen muss. Natascha kann ja dann bei Mama schlafen und wenn was wäre, sind wir ja und auch Frau Gut im Haus, was soll also groß passieren. Sergej fährt, wir haben den Kombi, weil Paul morgen früh mit dem Yeti fährt. Bevor wir gehen, sagen wir den Anderen Tschüss.

Kevin nimmt mich in den Arm, drückt mich, er mag Frieda sehr und sorgt sich bestimmt sehr. Dann sind wir auf dem Weg und um 23:15 Uhr sind wir bei uns zu Hause. Der Achter steht noch da, also ist Papa noch nicht weg und als wir reinkommen, sind alle, die im Haus wohnen, im Wohnzimmer, Martin und Papa sind fertig, um gleich los zu fahren.

Nach einer kurzen Besprechung fährt Papa mit Martin nach Bremen zum Flughafen und er fliegt mit dem Firmenjet nach Portugal. Martin kommt mit dem Achter zurück. Mit Mama reden wir noch kurz, sie will aber jetzt auch ins Bett und wir gehen auch hoch. Frau Gut schläft in einem der Gästezimmer bei Natascha, Sigrid auch, während Paolo wie fast immer in letzter Zeit, bei Natascha schläft. Torsten, der auch hier war, ist bei Martin im Auto und wird von diesem in Beverst zu Hause abgesetzt auf der Rückfahrt.

Es ist etwas ungewohnt, wieder hier in meinem Zimmer zu schlafen, allerdings ist ja alles noch so, als würden wir hier wohnen und auch in dem begehbaren Kleiderschrank sind noch ausreichend Sachen, allein schon, weil in der WG nicht so viel Platz ist in unserem Schrank, wie es hier ist. Der Wecker wird gestellt und dann legen wir uns ins Bett, schmusen und kuscheln ein bisschen und schlafen dann ein.

Carl August, Dienstag, 01.02.2011 O4:10 Uhr im Firmenjet, mit Alex Brunner, im Landeanflug auf den Flugplatz Faro in Portugal.

Als ich Gestern am Abend, lang nach der Kyu-Prüfung der Mädels und Jungs mit Lis vor dem Fernseher saß, erreichte mich Mutters Nachricht von Friedas Herzinfarkt und das sie jetzt in Lagos im Krankenhaus ist. Der Zustand ist stabil, eine OP ist aber notwendig.

Ein oder zwei Bypässe müssen wohl schnell gemacht werden. Da das Krankenhaus in Lagos nicht groß ist, weiß ich nicht, ob dort solche Herz-OPs gemacht werden, also muss Frieda entweder nach Lissabon oder zurück nach Deutschland gebracht werden, wenn eine OP in Lagos nicht möglich sein sollte.

Alex Brunner, den ich sofort angerufen habe, bot mir nach Rücksprache mit seinem Chef an, mit zu fliegen und eventuell auch dort vor Ort eine OP zu wagen, wenn es nicht anders ginge, Frieda also nicht transportfähig ist. Das Angebot, mit zu kommen, nahm ich natürlich direkt an, einen hervorragenden Herzdoktor dabei zu haben, ist doch eine gute Option für alle Fälle.

Die Maschine setzt auf und wenig später nimmt Kai uns am Ausgang für Privatpassagiere in Empfang. Kurz setzt er uns über alles in Kenntnis, sagt uns, dass es nicht so gut um Frieda bestellt ist und ein Transport nach Lissabon ein sehr großes Risiko darstellt. Kai fährt los mit dem hier geliehenen SUV von Toyota, Typ Highlander und wir fahren ohne Umwege zunächst ins Krankenhaus nach Lagos, wo wir etwa um 06:45 Uhr eintreffen.

Meine Mutter und auch Frau Jensen sind auch schon vor Ort und wir versuchen sofort, einen kompetenten Arzt zu finden, um neuste Infos über Friedas Zustand zu erfahren. Alex Brunner hat sich dann gleich als Herzspezialist vorgestellt und der Arzt nahm ihn dann mit, nach dem wir gebeten wurden, in einer Zone unweit der Intensiv Station zu warten.

Mutter berichtete nun, was geschehen war. Sie waren wohl in der Stadt spazieren, mit Kai und auch Oles Mutter, zum Glück, als es Frieda übel wurde und sie Schmerzen in der Brust und im linken Arm bekam. Kai handelte schnell, trug Frieda zum nicht weit entfernt geparkten Wagen und fuhr direkt in das in der Altstadt gelegene Krankenhaus, wo Diagnose und ersten Maßnahmen durchgeführt wurden. Es galt wohl zunächst mal, Frieda am Leben zu erhalten.

Das alles passierte gestern am späten Nachmittag und jetzt wird wohl Alex Brunner abklären, wie es weiter geht, ob man das hier auch richtig behandeln, sprich, operieren kann. Mutter ist in großer Sorge um ihre Schwester und ist froh, dass ich nun mit Alex Brunner hier bin.

Nach etwa dreißig Minuten kommt Dr. Brunner zurück, bei ihm ein etwas älterer Arzt und er setzt uns über das weitere Vorgehen in Kenntnis. Ausstattung und medizinisches Gerät und Medikamente und alles, was zu einer Bypass- OP erforderlich ist, ist hier vorhanden, der einzige Arzt, der bisher eine solche OP hier durchgeführt hat, ist allerdings in Urlaub in Spanien bei seiner Schwester.

Das Krankenhaus ist deshalb, wohl auch, weil ein Transport nicht möglich ist, damit einverstanden, das Alex Brunner die OP durch führt. Zurzeit werden die Geräte, es gibt auch eine Herz-Lungen Maschine und der OP-Raum vorbereitet und ein OP Pfleger mit guten Deutschkenntnissen wird von zu Hause hier her geholt. Die beiden Ärzte, die assistieren werden, sprechen gut englisch, so dass es eine ausreichende Verständigung untereinander geben wird.

Dr. Brunner wird jetzt zunächst, zusammen mit dem Narkosearzt, Tante Frieda aufsuchen, die bei Bewusstsein ist und sich ein Bild über ihren genauen Zustand machen. Er wird ihr dann auch sagen, dass er sie hier vor Ort operieren wird, da ein Transport zu riskant sei. Die OP soll beginnen, sobald der deutsch sprechende Pfleger da und alles vorbereitet ist. Über die Narkose wollen sie sich dann danach besprechen.

Bei uns Unbeteiligten, Mutter, Frau Jensen, Kai und auch bei mir herrscht nun schon so eine bange Ungewissheit darüber, ob das hier auch alles klappen wird. Auf der anderen Seite ist ja mit Dr. Brunner schon ein Facharzt mit Klasse vor Ort, der sein Bestes geben wird und der auch genau weiß, was er tut. Es ist 20 Minuten vor elf, als Frieda von der Intensivstation in den OP-Raum gebracht wird und für uns heißt es jetzt warten.

Ich gehe mit Kai hinaus, rufe in Bremerhaven bei Martin an, er soll es Lis und den anderen schonend beibringen und kümmere mich dann darum, das wir zum Freitag hin spätestens einen ADAC-Flieger zum Rücktransport nach Deutschland bekommen können, wenn mit der OP alles glatt gegangen ist. Dazu rufe ich Ulf Schroer an, der soll das mal so vorab checken, wie es mit der Verfügbarkeit dieser speziell für den Transport von Schwerkranken ausgelegten Flieger aussieht.

Die Minuten schleichen förmlich dahin, dieses Warten zehrt an den Nerven, das war zuletzt bei Jeromes Unfall so, da haben Lis und ich auch vor dem OP- Bereich gewartet.

Es ist halb zwölf durch, als wir wieder zu den beiden Frauen hinein gehen. Mutter nehme ich jetzt mal in den Arm: „Mama, der Alex macht das, ihr zwei, Frieda und du, ihr werdet noch öfter nach Borkum zum Kuren fahren, vertrau auf Alex Brunner.“

„Wenn er das schafft, dass meine Schwester wieder gesund wird, werden Frieda und ich diese Herzstation sponsern und zwar richtig“, sagt meine Mutter und da sie beide Kohle ohne Ende haben, werden sie das auch tun, denk ich.

12:30 Uhr kommt er, der Dr. Brunner, begleitet von dem etwas älteren Arzt, der vorhin schon bei ihm war. Beide Gesichter strahlen zufrieden, offensichtlich ist alles gut gegangen.

„Sie schläft jetzt und es ist gut gelaufen, wenn es zu keinen Komplikationen kommt, wird sie wieder ganz gesund“, sagt er zu uns, „sie sollten sich um einen guten Reha-Platz kümmern und auf den Cremant und die Lütten ab und zu muss sie jetzt mal sechs Wochen verzichten, bis alles vollkommen ausgeheilt und wieder OK ist. Wenn nötig, werden wir ihr dann in Bremen einen Schrittmacher einsetzen. Zurzeit schlägt das Herz jedoch wieder ohne Probleme.“

Mutter fällt ihm um den Hals, bedankt sich, auch bei dem anderen Arzt und sagt dann zum Schluss: „Über Lücken bei der Finanzierung ihrer neuen Station müssen sie sich ab heute keine Gedanken mehr machen. Frieda und ich haben noch genug in der Portokasse und es wird uns ein Vergnügen sein, sie tatkräftig zu unterstützen.“

Auch ich bedanke mich bei Alex Brunner und seinem portugiesischen Kollegen, dem ich dann auch sage, dass wir über alles eine Rechnung brauchen und Mutter sagt, er solle ruhig auch die Leistungen des Dr. Brunner mit auf die Krankenhausrechnung machen. Alex Brunner sagt jetzt, dass er die nächsten Stunden hier in der Klinik bleiben wolle, das Frieda frühestens am Wochenende transportfähig nach Deutschland sei und das er uns anruft, sobald man zu Frieda hinein darf. Wir fahren jetzt erst mal was essen und dann in unser Haus. Ich möchte mich frisch machen und auch ein wenig Schlaf nach holen und natürlich werde ich jetzt erst mal Lis anrufen und ihr die guten Nachrichten übermitteln. Zusammen gehen wir zum Auto und fahren los. In einem netten kleinen Lokal in der Altstadt essen wir, alle Fisch, mit gutem Appetit und einen Vino verde trinken wir dazu.

Im Haus angekommen, beziehe ich ein vorbereitetes Zimmer, Dusche und lege mich dann erst mal hin.

Zum Abendbrot um 19:00 Uhr ist auch der Doktor wieder da, Kai hatte ihn nach dessen Anruf abgeholt. Frieda geht es ganz gut nach der Op, alles ist OK und so können wir morgen zurück fliegen. Der Doktor und ich müssen wieder zur Arbeit, hier können wir momentan niemandem helfen. Wenn es zum Wochenende zu einer Rückholung von Frieda nach Deutschland kommen sollte, werde ich das von zu Hause aus regeln.

Am Abend im Wohnzimmer, der Kamin brennt, reden wir bei einer Flasche Rotwein aus dem Allenteju über die neue Herzstation und zum Ende zu sagt Oma dann auch umfangreiche Unterstützung durch sie und Frieda zu.

Das freut den Doktor, der den Verlauf der OP in wenigen Sätzen geschildert hat. Er war wohl von der guten Mitarbeit des portugiesischen Teams sehr angenehm überrascht und es gab noch nicht die kleinste Panne. Am Schluss haben dann alle applaudiert, was ihn sehr gefreut hat. Um 22:00 Uhr lagen wohl dann alle im Bett nach diesem langen und aufregenden Tag, der auch anders hätte enden können.

Morgen früh geht es dann gegen 11:00 Uhr, nach einem Besuch bei Frieda, zurück nach Faro und von dort aus nach Bremen, wo wir gegen 14:30 Uhr etwa eintreffen werden.

Alwin, Dienstag, 01.02.2011, um 10:30 Uhr in der Pause bei den Anderen in Kiosk nähe.

Heute, an einem Dienstag, bin ich mal wieder erst zur zweiten Stunde gekommen. Eine Ausrede bei unserer Lehrerin war nicht drin, also gab es wohl einen Eintrag über unentschuldigtes Fehlen.

Es war spät heute Nacht, weil mein Hase unbedingt noch ein paar spezielle Griffe und Übungen mit mir machen wollte, nach dem auch er seine Kyu-Prüfung bestanden hatte.

Im Gegensatz zu den doch ziemlich trockenen Prüfungsaufgaben ging es auf dem Bett eher feucht und spritzig zu. Da wir treu und gesund sind, haben wir auf Kautschukprodukte verzichtet und Gerry hat bis an den Kleiderschrankspiegel gespritzt, als ich ihm Doggy meine Ladung in seine süße, enge Pussy gejagt habe.

Wie ein Elch ist er gekommen und hat auch ähnlich dabei geröhrt. Es war hammergeil und erst um 23:50 Uhr, nach erneutem Duschen und Beziehen des Bettes sind wir schmusend, entspannt und leer eingepennt.

Die Prüfungen gestern sind echt gut gelaufen, alle sind durch gekommen und fast jeder ist jetzt Kyu Träger. Marvin, Marie und Denise und Armin, Rolands Schwester Ria und Jerome müssen die Prüfung noch ablegen.

Für Jerome gibt es seit gestern grünem Licht, nach dem man die Prothesen und seine Beweglichkeit mit denselben in Augenschein genommen hatten, die Kollegen vom Landesverband. Es bestehen keine Bedenken mehr gegen das Ablegen der Prüfungen.

Das läuft in etwa in 4 Wochen, dann können auch die ganz guten vielleicht schon den 2. Kyu machen, das habe ich mit der Verbandsführung so besprochen und es spricht nichts dagegen. Thema jetzt in der Pause ist die wohl schwer herzkranke Tante in Portugal, die ja auch Mitsponsorin unseres Hallenumbaus ist und die wir alle verdammt gut leiden können.

Hoffentlich geht das gut. Robin schwört auf seinen Doktor Alex, der macht das bestimmt, dass es der Tante schnell besser geht. Wir hoffen alle, dass er recht behält. Jeromes Vater und der Doktor sind in der Nacht noch da runter geflogen, Jerome und Sergej sind zu seiner Mutter in die Remmersche Villa bis sein Vater wieder zurück ist.

Gerry musste ja heute auch bei Zeiten aus dem Bett und beide sahen wir ein wenig zerrupft aus, wobei er das bestimmt weg schminkt, bevor er in den Laden geht. Mich stört das nicht, dass er ein bisschen eitel ist, das passt halt zu ihm und der feminine Touch, den er sich gibt.

Der macht mich voll an und wenn er sich mir hingibt und Hingabe ist dabei, dann ist er der sexiest Mann für mich und ich liebe ihn einfach so, anders sollte er gar nicht sein. Der intensive Gedanke an ihn bringt mich leicht in Wallung und bevor ich jetzt voll die Latte kriege, gehen wir in die Klasse zurück.

Ich hoffe dabei, dass ihm nach der heutigen Nacht nicht der Po weh tut, denn das von heute Nacht würde ich gern noch mal wiederholen mit ihm heute Abend.

Mike war, ebenso wie Dirk in der vorigen Woche ein bisschen krank, ein bakterieller Infekt mit Fieber hat sie wohl voll erwischt und beide haben sich zu Hause bei ihren Eltern aus kuriert.

Ole war dann zweimal und ich einmal auf der Baustelle nach dem Rechten sehe, Ole hat dann auch das mit dem Trinkgeld geregelt. Es geht dort richtig gut ab und im Rohzustand ist es schon sehr weit gediehen. Auch die Räume für das geplante, kommerzielle Studio sind im Rohbau fertig und es beginnen überall schon die Innenausbauarbeiten. Alles ist gut im Zeitplan, so dass es bei einer offiziellen Eröffnung um Ostern herum bleiben wird. Fertig dürfte es wohl etwa zwei Wochen vorher sein, aber es muss ja auch alles noch eingerichtet werden.

Kevin und Wolfi haben mir den Vorschlag gemacht, mit mir zusammen das Studio zu betreiben, beide eher so als stille Teilhaber. Sie wollen dann auch echt gute Geräte kaufen und bezahlen und ich soll das Studio dann leiten und betreiben, mit ihrer Unterstützung und auch mit Personal.

Das wollen wir mit Jerome und Natascha besprechen, in deren Besitz sich ja dann die gesamte Immobilie befindet. Ob und was ich dann dabei noch studieren kann und werde, ist völlig offen, mal sehen und auch Gerry soll seine Meinung dazu sagen, denn das wird schon alles, gerade am Anfang, bestimmt viel Zeit kosten und dazu will ich schon seine Meinung hören.

Am Donnerstag der letzten Woche war ich nach der Schule auf dem Polizeirevier, von dem aus der Einsatz draußen am See ausging und habe dort, nach einer erneuten Vernehmung, ein Protokoll unterschrieben.

Dabei erfuhr ich, dass der Familienvater in der Nacht nach der Attacke wegen einer inneren Blutung, ausgelöst durch einen Riss in der Milz, notoperiert worden ist. Dass er durch die Tritte in den Leib so schlimm verletzt worden ist, macht das Ganze zu einer Straftat, die wohl auch eine Verhandlung nach sich ziehen wird.

Offensichtlich ist der Mann aber jetzt auf dem Weg der Genesung und als mir der Polizist Bilder der Tatverdächtigen vor legte, konnte ich den brutalen Treter einwandfrei identifizieren. So nebenbei erfuhr ich dann auch, dass der junge Mann schon einmal wegen Körperverletzung vor dem Richter gestanden hat und wohl noch eine Jugendstrafe auf Bewährung läuft.

Diese Bewährung wird jetzt dann wohl hinfällig und er wird wohl für diese erneute Entgleisung in den Knast wandern. Wenn dein Gegner am Boden liegt und keine Aktivität mehr von ihm ausgeht, dann ist der Kampf definitiv beendet. Wehrlose und Kampfunfähige tritt man nicht noch am Boden zusammen.

Lars ist jetzt wohl fest mit Sabine Weiden zusammen, hat sie zu Hause bei uns vorgestellt und ist wohl auch schon bei Ihren Eltern als der Freund bekannt gemacht worden. Er lässt sich jetzt öfter auch nach der Schule von mir dort hin nach Bremen fahren und kommt dann meist mit der Bahn zurück nach Hause. Beide schweben zurzeit auf Wolke 7 durch das Universum, ein Zustand der vielen von uns sehr gut bekannt ist.

Sergej, Mittwoch, 02.02.2011, 07:25 Uhr, mit dem Kombi, Jerome ist auch dabei, auf dem Weg zur Uni.

Carl August hat in der Frühe bereits an uns, genauer an Jerome geschrieben, wie es mit Frieda gelaufen ist, dass sie eine gute Nacht hatte und auch bestimmt wieder ganz gesund wird. Zwei Bypässe hat sie bekommen, Alex Brunner hat die OP gemacht und heute um 11:00 Uhr wollen sie zurück fliegen.

Für uns bedeutet das, das wir heute nach der Uni in die WG zurück kehren werden, die ja auch gefühlsmäßig schon längst unser zu Hause geworden ist. Unsere Freunde sind jetzt quasi Familie und alle fühlen es wohl ähnlich, wie wir es tun. Der Plan, von Ole damals angestoßen, ist auf gegangen, es war gut, es zu wagen und bei den Wohnbedingungen hier bleiben auch keine Wünsche offen.

Mein Schatz und ich, wir sind glücklich hier und da auch immer zumindest einige Freunde um uns rum sind, gibt es keine Langeweile und wir haben viel Spaß hier. Es ist ja echt auch alles da, was man sich wünschen kann und da Ole, wohl eher unbewusst, die Abläufe im Auge hat, Dinge regelt und Verbesserungen einführt, was die Organisation angeht, gibt es fast nie etwas, das kritikwürdig wäre.

Auch Mike, der ja fast immer hier ist und von hier aus studiert, übernimmt viele Dinge und macht in unserer Abwesenheit das ein oder andere weg, zum Beispiel Wäsche zusammen legen, wenn der Trockner fertig ist oder saugen im Wohnraum.

Alles hat sich eingespielt, es funktioniert und niemand drückt sich vor den ihm zugeteilten Aufgaben. Mittlerweile hat jeder oder jedes Pärchen so seine Lieblingsaufgaben gefunden. Kevin und Wolfi machen die Wäsche, für alle und nicht nur deswegen, weil der Kleine gern an gebrauchten Unterhosen schnüffelt. Sie haben das voll drauf und es gibt keine Verfärbungen, kein Einlaufen und auch sonst keine Fehler beim Waschen.

Frank und auch Ole kümmern sich um den Wohnraum, saugen, wischen Staub und sorgen dafür, dass die Bar gefüllt und immer Geschnäks im Schrank ist. Schatz und ich kümmern uns um den Schwimm- und Badebereich einschließlich Sauna und Paul hält die Autos sauber und in Ordnung, tankt und kümmert sich auch um Inspektionen, Reifenwechsel und alles.

Für den großen Außenbereich hat Jerome einen Rasentraktor mit angebauter Kehrmaschine gekauft, der wöchentlich wechselnd einmal von Marvin und einmal durch einen von uns zum Einsatz kommt. Das machen dann schon mal Lex oder Ralf, die ja fast jedes Wochenende hier sind.

Alles, was darüber hinaus notwendig ist, einkaufen, Essen vor und zubereiten, Müllentsorgung und so weiter, wird untereinander abgesprochen und dann auch erledigt, Dinge werden miteinander verbunden, koordiniert und es bleibt selten was offen. Wenn doch, teilt Ole jemanden ein und es gibt da keine Widerrede, dann wird es auch gemacht.

Am letzten Donnerstag hatten Jerome und ich einige Studenten aus unserem Hörsaal zu Gast hier ab 13:30 Uhr. Wir haben in zwei Gruppen am großen Esstisch gearbeitet. Am Tag zuvor waren Jerome und ich in zwei anderen WGs zum arbeiten. Da wir nicht in einer Gruppe sind, waren wir zu acht Leuten hier und es war echt gut und auch produktiv. Die anderen waren natürlich sehr erstaunt und auch sehr angetan von unserer Wohnsituation und das Schwimmen nach der Arbeit hat ihnen besonders gefallen. Das wird jetzt wohl im Hörsaal die Runde machen, dass wir hier geradezu fürstlich wohnen.

Boris, Donnerstag, 03.02.2011 mittags um 13:10 beim Opa im Büro.

Strahlend und hoch erfreut lege ich den vor knapp einer halben Stunde bestandenen Führerschein mit siebzehnvor Opa auf den Schreibtisch, nach dem mich der Fahrlehrer eben hier an der Firma abgesetzt hat. Bestanden, beim ersten Mal, nur geil und auch Opa freut sich sehr und gratuliert mir.

Mama, Sergej und Anke habe ich schon per SMS informiert, alle freuen sich mit mir, haben gratuliert. Zur Feier des Tages werde ich mit Anke heute zum Essen gehen und sie fragen, ob sie über Nacht bei mir bleibt. Das kommt jetzt sowieso öfter vor, aber immer an den Wochenenden, wenn sie nicht zur Schule muss. Während der Woche schläft sie fast immer zu Hause, ihre Eltern möchten das und es ist auch wegen dem Bus, der sie nach Dresden in die Schule fährt.

Wir sind jetzt richtig fest in einer Beziehung und unsere Familien sehen das wohl auch so. Man erwartet uns eigentlich immer zusammen und das ist ja auch immer öfter der Fall, wenn ich frei habe so wie so. Wir unternehmen viel zusammen und da jetzt im Winter auch in den Weinbergen nicht viel läuft, wird von uns da auch keine Hilfe erwartet.

Training ist zweimal die Woche, da ist Anke fast immer dabei, genauso an den Sonntagen, wenn gespielt wird. Natürlich gibt es auch noch andere Dinge wie Fußball, die wir gemeinsam machen, Kino zum Beispiel oder auch Tanzen im Jugendzentrum oder in einer der Discos, in der auch sechzehn jährige bis 22;00 Uhr tanzen können. Meist fahren wir mit mehreren dorthin und die Fahrer haben dann freies, aber alkoholfreies Trinken.

Wir sind schnell in den Kreis der Fußballjugend und jungen Erwachsenen hinein gekommen, unternehmen öfter was mit Ihnen und sind da voll integriert, Anke und ich. Ulli Kern, der Nachbarsjunge ist auch oft dabei, mit seinem Freund und seine Eltern haben die zwei als Paar akzeptiert.

Auch die Geschichte mit Ankes Bruder kennen sie jetzt und auch Ankes Eltern wissen nun, dass die Beiden mehr verband, als nur nachbarschaftliche Freundschaft. Zu Mama nach Dresden fahren wir auch ab und zu. Opa lässt mich jetzt bestimmt auch dann hinfahren und wenn er uns abholt, auch wieder zurück fahren.

Wenn ich dann mal achtzehn bin, was ja nicht mehr soo lange dauert, wollen Anke und ich mal nach Bremerhaven fahren und ein paar Tage dort verbringen. Das geht ja nur in den Ferien und bis dahin ist es ja noch hin. Am Wochenende wollen wir mit einigen Fußballfreunden nach Dresden ins Hallenbad, Samstag und dann danach auch noch zu Mac Donalds, ab und zu ist das schon angesagt.

In der Firma läuft es gut und auch der erste Blockunterricht in der Berufsschule in Dresden war OK. Ende Februar muss ich noch mal für zwei Wochen dort hin.

Nach dem ich nun allen gesagt habe, das ich den Führerschein bestanden habe, kommt natürlich die Aufforderung, darauf einen aus zu geben. Da hier im Industriegebiet auch ein ziemlich größerer Getränkevertrieb ist, gehe ich dorthin und hole einen Kasten Bier, Radeberger trinken die meisten Leute hier gern, der reicht für alle und eine Flasche kann ja jeder auch trinken, auch, wenn er noch mit dem Auto fahren muss. Den Kasten trinken wir dann kurz vor Feierabend und Opa kommt auch dazu und trinkt eine Flasche mit.

Jens, Freitag, 04.02. 15:20 im Büro der Spedition, das freie Wochenende mit Gionanni vor Augen.

Froh gelaunt bleibt mein Blick an der Wanduhr hängen. Nicht mal mehr eine Stunde wird es dauern, bis mein schnuckeliger Student mich hier abholt, wir wollen zum ersten Mal in eine schwule Sauna nach Kassel fahren. Er hat schon geschrieben, er ist zu Hause und freut sich auf Nachher. Wir sind jetzt fest zusammen, wir beide und wie das ist mit dem Poppen, das wissen wir jetzt auch. Eher zaghaft und sehr vorsichtig haben wir uns da ran getastet, eine ganze Tube Gel haben wir verbraucht beim ersten Mal und der Glibber hing nachher überall an uns und an meinem Bett und es war eher lustig als schmerzhaft und gefallen hat es uns beiden. Beim nächsten Versuch ging es dann schon besser bei uns beiden und da wir im Laufe der Woche noch zweimal geübt haben, macht es auch richtig Spaß und tut hinterher auch kaum noch weh. Es ist einfach geil.

Das Telefon auf Papas Schreibtisch geht und nachdem er rein gehört hat, sagt er laut: „Ach du Scheiße, so ein Mist. Ich muss mit Jens reden und melde mich dann wieder.“

Ich schau zu ihm rüber, bin gespannt, was jetzt kommt. „Junge, tut mir leid, dass ich dir das Wochenende vermiesen muss“, sagt er, steht auf und kommt vor meinen Schreibtisch. „Wini hat gerade gemeldet, das seine Zugmaschine im Eimer ist, die Kardanwelle ist abgerissen, er steht zweihundert Meter vorm Rasthof Montabaur mit achtzehn Tonnen Tiefkühlgemüse, das muss bis Morgen in Hamburg sein zur Verladung nach Island. Außer uns beiden ist keiner früh genug hier und auch mit der Lenkzeit würde das nicht hinhauen. Wini wird jetzt auf den Rasthof geschleppt.“

Ich überlege kurz.

„Kann ich Giovanni mit nehmen auf die Tour?“

Warum grinst mein Vater jetzt?

„Von mir aus, wenn er denn mit will“, sagt er, „regel das und dann nimm den Magnum und fahre los. Ohne Auflieger geht es ja zügig bis zu Wini und dann musst du schauen, dass du morgen den Hafen erreichst, wenn es geht, so früh, wie möglich. Dann ist noch eine Ladung, zehn Tonnen Fisch zu laden, allerdings in Bremerhaven, da im Hafen, der sollte bis Montagmorgen nach Hannover. Das wird ziemlich eng, weil das erst um 20:00 Uhr los geht mit der Verladung. Das dauert bestimmt auch zwei Stunden, vorausgesetzt, dass das Schiff pünktlich einläuft. Da kommt ihr, wegen der Ruhezeit nicht weg und um 22:00 Uhr ist eh Schluss mit fahren.“

„Dann kann Onkel Kai uns dort abholen und Sonntagabend wieder hin bringen oder gegen Morgen, wann muss denn der Fisch in Hannover sein?“, frag ich.

„Um 10:00 Uhr sollte er dort sein, haben wir vereinbart“, sagt Papa.

Ich greife zum Telefon, wähle meinen Schatz an.

„Hallo, so große Sehnsucht?“, fragt er, „ich komme doch gleich zu dir.“

„Es gibt wichtige Gründe, den Wochenendplan zu verändern. Ich hoffe, du bist nicht sauer“, sag ich zu ihm.

„Na dann, klär mich auf“, sagt er und ich sage ihm, was ich jetzt am Wochenende vor habe und frage natürlich, ob er mit kommt. Da er keinen Dienst an der Tanke hat, hätte er ja Zeit.

„Ich wollte ja eh im Sommer mal mit dir fahren, warum nicht jetzt. Gerne und das wir deinen Onkel und seine Leute dabei noch kennenlernen, das gefällt mir auch. Allerdings muss ich jetzt wohl mehr als nur Saunasachen einpacken.“

„Komm, sobald du fertig bist, wir können dann gleich los düsen. Bis Montabaur sind es knapp zweihundert Kilometer über Frankfurt“, sag ich.

„Ich beeil mich“, meint er und legt er auf.

Ich suche schnell alles zusammen, was ich brauche, muss ja auch noch was einpacken zu Hause. Mit meiner Tasche und einigem Proviant, Essen und Trinken bin ich um viertel vor 17 Uhr wieder in der Spedition, wo Giovanni mit Tasche schon auf mich wartet. Ein schneller Kuss, Papa grinst, dann besteigen wir, begleitet von Papas guten Wünschen meinen guten Magnum und dann, nach Einstellung des Fahrtenschreibers, geht es vom Hof in Richtung Autobahn, Wini, wir kommen.

Der Verkehr ist rege, Freitagnachmittag halt aber wir kommen gut voran und es scheint meinem Schatz auch zu gefallen, so hoch über dem Asphalt mit einem coolen Sound aus jeder Menge PS dahin zu fahren. Fast immer, wo es der Verkehr zulässt, fahre ich um die Hundert km/h, so ohne Auflieger ist das auch an leichteren Steigungen kein Problem für meinen Magnum.

17:15 Uhr sind wir auf die Autobahn aufgefahren und nach etwas schleppenden Verkehr um Frankfurt rum sind wir um 20:25 Uhr in Montabaur, wo wir von Wini Aufleger und Papiere übernehmen. Kollege Winis Zugmaschine wird wohl Morgen hier in der Nähe repariert werden, so dass er wahrscheinlich noch nach Hann-Münden zurück kehren kann.

Kurz nach 21:00 Uhr geht es los, eineinhalb Stunden lang, dann ist die erste Pause von fünfundvierzig Minuten fällig, die wir, keusch schmusend, auf der unteren Koje verbringen, nach dem wir was von unserer Verpflegung gegessen haben.

Jetzt bleiben noch viereinhalb Stunden, bis zur großen Pause und das wird bei 470 km Entfernung bis Hamburg nicht reichen. Ca. Hundert km vor Hamburg ist um 03:50 Uhr Stopp auf einem Parkplatz, fünfunddreißig km hinter Bremen.

Hier müssen wir jetzt bis etwa 13:00 Uhr pausieren. Nach dem ich Papa eine SMS geschrieben habe, ziehen wir die Vorhänge zu und zuerst werden wir mal ein paar Stunden schlafen. Dann schau ich mal, ob ich ihn zu einer LKW Nummer in der Koje überreden kann, ich denke aber, das er da nicht abgeneigt ist. Nur in Unterwäsche kriechen wir unter die warmen Decken, er oben, ich unten weil zum Schlafen mit 2 Leuten nebeneinander es doch etwas eng auf Dauer ist.

Philipp, Freitag 04.02.2011, 17:00 Uhr mit Maxi im Zimmer am Tisch beim Abendbrot.

Heute Morgen hat der Chef bei der Visite gesagt, das wir am kommenden Mittwoch zusammen in ein Zimmer auf der normalen Station verlegt werden, wo wir dann noch vier Wochen bleiben müssen, bis wir nach Hause dürfen.

Das waren natürlich gute Nachrichten und das habe ich dann auch Noah und seinen Leuten in Bremerhaven per SMS mitgeteilt und als Datum den vierten oder fünften März angegeben. Nun darf nichts mehr schiefgehen mit uns beiden, auch auf der normalen Station dürfen nicht alle einfach so rein zu uns.

Die Besucher müssen sich dann im Stationszimmer anmelden, werden dort nach eventuellen Infektionen, Schnupfen oder was in der Richtung, gefragt und erst, wenn alles OK ist, werden sie durch eine Türe im Gang, die man nur mit Schlüssel von außen öffnen kann, vom Personal eingelassen. Rüdiger hat uns das alles erklärt, nach dem die Visite weg war.

Besucher dürfen auch nichts mit ins Zimmer bringen, alles muss auf der Station abgegeben werden. Mitgebrachte Sachen werden dann überprüft auf Keime, mit einer speziellen Lampe und erst nach Behandlung dürfen die Sachen in unser Zimmer. Wir dürfen die Türe im Gang nicht passieren, das mussten wir versprechen. Am besten sollen wir besser im Zimmer bleiben, da jetzt wohl unser Immunsystem schrittweise wieder aufgebaut wird.

Mama, wenn sie überhaupt noch mal herkommt, bringt mir so wie so nichts mit, aber das juckt auch nicht. Ich wundere mich über mich selber, dass ich so hart sein kann. Wenn ich aber dann daran denke, dass Opa und sie mich hätten krepieren lassen, dann fällt es mir nicht schwer.

In Gedanken bin ich oft schon bei den Leuten in Bremerhaven und wenn es dann doch sein sollte, dass ich auch lieber Jungs mag, dann ist das da mit Sicherheit kein Akt, hier wäre ich wohl am Arsch, zumindest bei Mama. So richtig sicher bin ich mir ja da noch nicht, weil ich Sex vorher überhaupt nicht kannte vor dem Wichsen mit Maxi war gar nichts, ich kann also auch keinen Vergleich anstellen zu irgendwas mit Mädchen.

Ich werde alles auf mich zukommen lassen, wohl schon noch mit Maxi ins Bad gehen, einfach, weil es Spaß macht und so gut tut. In Bremerhaven werden mir Noah und Enrico schon mit Rat zur Seite stehen und mir helfen, sicher zu sein, was oder wie ich bin.

Es wird, wenn ich Noahs Erzählungen glaube und das tue ich, ein vollkommen neues, anderes Leben sein. Ich werde freier sein, altersgerecht behandelt werden und mit anderen Schülern zusammen kommen. Die nicht erst von Mutter in OK und NICHT OK selektiert werden. Es wird schon komisch werden am Anfang bis ich mich an die neuen Gegebenheiten gewöhnt habe. Sie werden sich auch an mich gewöhnen müssen aber ich denke, sie helfen mir mit allen Neuerungen zu Recht zu kommen.

Zwei große Brüder habe ich ja dann auch, was soll da schon schiefgehen.

Ich weiß ja noch nicht, ob sie mich auch in diesen großen Freundeskreis aufnehmen, von dem Noah erzählt hat. Die sind doch alle schon älter als 14, vielleicht wollen die das ja dann nicht, so einer schmächtigen Teenie von 14, wobei soo schmächtig bin ich nun auch nicht mehr und es ist ja noch ein ganzer Monat, bis es soweit ist. Da können wir noch ein paar Muckis aufbauen, Maxi und ich.

Martin, Freitag, 04.02.2011, 19:00 Uhr in Carl Augusts Arbeitszimmer.

Nach dem Trouble mit Tante Frieda kommen nun Morgen alle, Kai, Oma und Frau Jensen mit dem Firmenflieger zurück. Fried ist bereits heute mit dem ADAC Jet von Faro nach Bremen geflogen worden und ist jetzt im Klinikum Links der Weser bei Alex Brunner.

Der sich auch dort um sie kümmert. Der Transport verlief ohne Probleme, ihr Zustand ist gut und das Herz arbeitet einwandfrei.

Ich werde die drei Rückkehrer dann morgen um 11:00 Uhr in Bremen am Flughafen abholen und sie dann nach einem kurzen Besuch bei der Tante hier her zurückfahren. Dank der spontanen Hilfe des Doktor Brunners ist ja alles noch mal gut gegangen.

Der Doktor der ja schon viele Sympathien im Hause Remmers hatte, wird wohl in den Status Leibarzt erhoben und fast zur Familie gehören. Jedenfalls ist das mit seiner neuen Station, die nach Herzbuben Robin benannt werden soll, was Geld angeht, in trockenen Tüchern, würde ich sagen.

Ich habe den Chef darüber informiert, das Kais Neffe Jens mit seinem Freund wohl im Laufe des Samstags hier im Hafen zum Laden ankommt, aber erst am Sonntagabend um 22:00 Uhr wieder losfahren kann und für die Zeit dann zu uns kommt. Die Jungs haben gesagt, das die zwei jungen Männer in Kevins Zimmer schlafen können, wobei ja auch unsere Couch im Wohnzimmer groß genug ist, dann können die Jungs auch über Nacht bleiben, wenn sie wollen.

Der Chef hat auch gesagt, dass die Tante auf jeden Fall in eine Rehaklinik geht und dass Oma sie bestimmt begleitet. Ob Oma auch Frau Jensen mitnehmen will, wird wohl noch besprochen werden.

Morgen früh, sagt der Chef, soll ich den Bentley nehmen, na ja, wenn es sein muss.

Ich fahre lieber den Achter, diese Protzkiste fährt sich lange nicht so gut wie der große Audi. Uniform muss ich dann ja sowieso wieder anziehen, Oma will das immer und mit der Karre erst recht.

Kai ist nicht traurig, dass die Portugal Reise vorzeitig beendet ist und ich, na ich auch nicht. Mein Mann fehlt mir schon und ich ihm auch, aber das ist ja dann morgen vorbei.

Die 2 Jungs freuen sich auf Jens und sind gespannt auf den Freund. Kevin hat ja ein freies Wochenende, das passt ja dann auch. Wolfi hat alle Bilder für das Land Bremen für die Schulen und Ministerien fertig, Chris und Matze montieren die überall und obwohl beide Jungs ja jetzt Kohle ohne Ende haben, macht Kevin seinen Job und Wolfi seine Aufträge und abgehoben sind sie nicht.

Das Heim in Dresden fährt im Juli mit einem Reisebus nach Südfrankreich in Urlaub und der Bus verbleibt dort, so dass sie Mobil sind. Es gibt dann etwas Kultur und viel Strand und Wasser. Sie wohnen in einem Feriendorf und sind wohl immer zu viert. in einem Haus untergebracht.

Essen ist auch dabei und ein Betreuer vor Ort, der sich auskennt und ihnen alles zeigt. Kevin hat das ganz allein und pauschal gebucht und mit dem Bus kostet es knapp 18.000,- Euro für drei Wochen und die Nachricht darüber hat viel Freude ausgelöst. Kevin ist einfach ein toller Junge, man muss ihn gern haben. Er und sein Wölfchen sind das, was man schlicht weg ein Traumpaar nennt und niemand kann sich ernsthaft vorstellen, dass sie sich mal trennen würden.

So, liebe Leser, das war 126 und es hat auch nicht so lange gedauert wie beim letzten Mal. Ich hoffe, es hat euch gefallen.

 

Bis bald, Euer Niff

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3 Kommentare

  1. Halihallo Hermann,

    Hm auch dieser Teil isr dir sehr gut gelungen, Du schaffst es immer wieder mitreißend zu schreiben. Mach weiter so.

    VlG Andi

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    • Siegfried/derfla on 24. März 2018 at 00:06
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    Hallo Niff,
    das war eine schöne Überraschung heute 126 lesen zu können. Es ist natürlich wie immer: einfach prima. Herzlichen Dank dafür.
    Gespannt warte ich nun auf Nummer 127!

    Grüße Siegfried

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      • Siegfried on 24. März 2018 at 10:45
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      Hallo Niff,
      das war eine angenehme Überraschung, dass es jetzt mit Nr. 126 weiterging. Vielen Dank. Gespannt warte ich auf die Fortsetzung.
      Gruß Siegfried

      (2. Versuch, vielleicht klappt es ja jetzt)

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