Traumschiff – Teil 127

Weiter… Besuch… Magnum… TV… Reha… Aussichten… Pläne… dicke Lippe… Blasen?

Kai, Samstagabend, 05.02. 23:30 Uhr in der Küche, am Esstisch, mit der Familie, Jens und Giovanni

Nach einem guten Essen um 19:00 Uhr sitzen wir nun schon länger bei einem sechs Jahre alten Barolo mit den Jungs, mit Jens und seinem Schatz Giovanni, so hat er ihn vorgestellt, um unseren großen Esstisch in der Küche und reden über alles Mögliche.

Martin hatte Jens und Giovanni um17:30 Uhr im Hafen abgeholt und am Montagmorgen, um 07:00 Uhr fahre ich die zwei wieder zu ihrem LKW, sie müssen dann nach Hannover zum Abladen, wo sie bis 10:00 Uhr sein müssen.

In der Zeit, in der Jens und Giovanni unter der Dusche waren, haben Wolfi und Kevin die Couch im Wohnzimmer klar gemacht und Martin und ich, wir haben gekocht. Als wir heute kurz vor Mittag vom Flughafen zurück waren, Oma, Frau Jensen und ich, sind Martin und ich zunächst mal unter der Dusche gelandet und dort haben wir uns nicht nur gewaschen, was ja wohl auch mehr als verständlich ist, oder?

Danach ging es uns gut und als dann um 15:30 Uhr die Jungs kamen, nach dem sie noch fürs Abendessen eingekauft hatten, waren wir wieder fit und wohl auf, mein Schatz und ich. Kevin und Wolfi sind dann mit dem Fiffi raus und der wurde im Anschluss dann vom Schnee, der immer noch den größten Teil des Rasens bedeckt, befreit, vor allem die kleinen Pfoten wurden akribisch von Schneeresten befreit und abgetrocknet.

Nach dem der Hund gefressen hatte, schlief er zunächst mal ein wenig und erst, als Martin mit unserem Besuch eintraf, tauchte er wieder auf und beschnüffelte die zwei hübschen jungen Männer.

Sie geben ein tolles Paar ab, die zwei und das der Sohn meiner doch recht bescheuerten und extrem homophoben Schwester nun auch noch schwul ist, das ist doch echt schon ein bisschen kurios, aber mir gefällt es. Seinem Vater und seiner Schwester scheint es nichts aus zu machen, das er jetzt mit einem jungen Mann zusammen ist und meinem Empfinden nach mögen sich beide auch sehr.

Auf Grund einer LKW-Panne eines ihrer Autos musste Jens wohl ran und hat seinen Schatz einfach mit auf die Tour genommen.

Das es in unsere Gegend ging und durch das Sonntagsfahrverbot auch noch viel Zeit für einen Besuch bei uns bleibt, freut uns alle und so reden wir jetzt viel über uns, lernen uns besser kennen und freuen uns, dass es uns allen so gut geht. Die Aufregungen aus Portugal sind vergessen, der Tante geht es gut und uns, uns auch, allen hier am Tisch.

Martin hat eine zweite Flasche des guten Weins geöffnet, wir können ja auch alle ausschlafen. Morgen Nachmittag fahren die Remmers zu Frieda in die Klinik und Lex fährt mit dem SUV, so dass wir, Martin und ich, frei haben.

Paolo, der mit Natascha heute in der Wohnung der Zwillinge schläft, kommt von dort aus in die Klinik, um mit Natascha die Tante zu besuchen. Martin und ich, wir können uns unserem Besuch widmen und wollen vielleicht auf die „Seute Deern“ zum Abendessen, voraus gesetzt, wir bekommen noch einen Tisch für sechs Personen.

Ein gemeinsames Essen auf dem historischen Segler, das wollten wir immer schon machen und für unseren Besuch aber auch für unsere Jungs, wird das was Besonderes sein.

Jens und Giovanni haben dann auch zu Hause was zu erzählen und ihr Abstecher zu uns bleibt länger im Gedächtnis.

Es ist schade, dass die Beiden so weit weg wohnen, sie würden gut zu den Jungs passen, denk ich. Als auch die zweite Flasche leer ist, es ist halbzwölf, gehen wir schlafen. Frühstück haben wir für 09:00 Uhr vereinbart, danach wollen wir den Beiden ein bisschen die Stadt zeigen und auch Die WG, dann, gegen Abend auf das Schiff zum Essen gehen.

Frank, Sonntag, 06. Feb. 2011, 10:30 Uhr, mit Ole in seinem Zimmer bei den Eltern, im Bett, mit Kopfweh.

Mein Schädel brummt, mein Hals ist trocken und ich brauch dringend ein großes Glas Wasser. Nach dem Abend gestern wird es Ole ähnlich gehen, wir sind ein bisschen unter die Räder gekommen. Wir waren bei Leander und Jochen eingeladen, haben sehr fein gegessen und dann doch, entgegen sonstiger Gewohnheit, einiges an alkoholhaltigen Sachen getrunken. Das Auto steht wohl noch dort, das werden wir später holen müssen. Mein Papa kann uns ja dann dort hin fahren, obwohl laufen bestimmt die bessere Option wäre.

Nach dem Essen haben wir dann auf Jochens Vorschlag hin lange PS 4 gespielt, volle Kanne und halt einiges dazu getrunken.

Um ein Uhr heute Nacht, wir waren gut angetrunken, sind wir mit dem Taxi zu uns nach Hause. Leander wohnt bei Jochen und sie wohnen ja auch hier in Nordenham, haben sich hier in einem Fitnessstudio kennen gelernt, etwa drei Monate, bevor der Unfall mit Ole und Leanders Mutter passiert ist.

Darüber haben wir gestern beim Essen geredet, haben festgestellt, dass dieser Unfall unser aller Leben grundlegend verändert hat, durchweg zum Guten. Er würde wohl noch nicht bei Jochen wohnen und ich, ich wäre jetzt wohl in München und hätte meinen neben mir schlummernden Schatz nie getroffen.

Ich überlege gerade, ob wir unseren Kater nachher nicht einfach weg poppen können, als eine warme Hand meinen gerade erwachenden Penis ergreift und ihn zart zur vollen Größe rubbelt. 2 Dumme, ein Gedanke, denke ich noch, dann werde ich in den Mund genommen und er saugt an mir und macht mich rattenscharf, mein Schatz.

Der Tag beginnt gut und etwa zehn Minuten später werde ich geil aufgespießt und dann wird mir der Restalkohol aus dem Schädel gefickt, hart und gut, genau das brauche ich jetzt.

Nach dem wir beide heftig gekommen sind, verschnaufen wir zunächst aber dann ist sein Po an der Reihe und es ist einfach nur geil, dieses Kater weg Poppen, da geht es echt gut ab. Als wir dann zum zweiten Mal unseren Saft auf und an den anderen gespritzt haben, schmusen wir, ein wenig verklebt, bis die Atmung wieder normal geworden ist.

Es stimmt wieder alles zwischen uns, ist so, wie es vor meinen bescheuerten Eifersuchtsattacken war und wir sind glücklich miteinander. Ein Leben ohne meinen Ole kann und will ich mir nicht vorstellen und auch er sagt und zeigt mir täglich, das er nur mich liebt.

„Komm, wir gehen mal duschen“, sagt er und dann knurrt sein Magen. Ein Blick zur Uhr sagt mir, das es bestimmt kein Frühstück, sondern gleich Mittagessen gibt bei Mama unten. Das gibt es am Sonntag immer um 12:00 Uhr, das war schon immer so.

Geduscht wird keusch, wir sind beide sehr befriedigt und nach dem Anziehen gehen wir runter ins Wohnzimmer. Papa sitzt vorm Fernseher, schaut gerade Skispringen. Unser neuer Hund, der sich auch mit der neuen Katze gut verträgt, liegt neben der Couch mit dem Kopf auf den Pfoten, scheint zu schlafen. Wir setzen uns zu Papa und schauen ein wenig mit, bis Mama uns zum Essen ruft. Es gibt Schnitzel, Pommes und Blumenkohlgratin dazu.

Meine Eltern sind froh, dass mit Ole und mir alles wieder ganz OK ist, sie mögen Ole sehr, mehr, als sie den Paul je mochten. Der sitzt jetzt in der Psychiatrie, in der Geschlossenen, versteht sich, wird wohl auch für lange oder sogar für immer dort bleiben. Es war schon alles mehr als heftig und im Nachhinein sind wir alle froh, dass seine Aktion mit dem Feuer so glimpflich für uns ausgegangen ist.

Um 15:00 Uhr etwa fahren wir dann zurück in die WG. Wir müssen beide noch was für die Uni machen und nach 18:00 Uhr wollen wir mit den Anderen noch eine Runde in unser Schwimmbecken hüpfen, das ist jetzt ein sehr beliebter Sonntagsabschluss und eine Sauna könnten wir ja dann auch noch machen und den Restalkohol, falls noch vorhanden, ganz aus schwitzen.

Mal sehen, wer alles dort ist und wer mitmacht. Morgen haben Ole und ich Küchendienst, das heißt immer etwas früher auf stehen und alles vorbereiten. Die Brötchen müssen aufgebacken werden und auch der Tisch deckt sich nicht von allein.

Jens, Montag, 14.02.2011, 10:30 Uhr, nach dem Abladen in Hannover.

So, der Auflieger ist leer, Papa habe ich verständigt und seit 15 Minuten sind wir auf dem Rückweg, mein Schatz, mein Magnum und ich. Seine Vorlesung heute, keine besonders wichtige, fällt wegen Abwesenheit aus, seine Eltern wissen Bescheid, dass wir so gegen 13:00 Uhr etwa wieder zu Hause sein werden, wenn alles gut läuft.

Es war ein schönes Wochenende mit Kai, Martin und den 2 Jungs. Wir verstehen uns mit allen echt gut und wir waren am Sonntagvormittag, nach einem guten Frühstück, auch mal in dieser WG, wo Wolfi und Kevin mit den anderen Jungs jetzt wohnen und leben.

So eine WG würde ich mir auch gefallen lassen, tolle Räume, ein Kraftraum und Schwimmbad und Sauna auch noch, Luxus pur. Da lässt es sich aushalten und die anderen Jungs sind auch alle sehr in Ordnung. Zu Mittag um 13:00 waren wir dann wieder in Bremerhaven und haben später zusammen gegessen, was Kai und Martin in unserer Abwesenheit gekocht haben. Ein Tisch auf dem Schiff war erste gegen Abend frei.

Italienisch, verschiedene Pasta, Fleisch und Saucen, einfach und doch so lecker und mein kleiner Halbitaliener war begeistert von Vielfalt und Geschmack. Ein guter Wein dazu, perfekt und der Onkel und sein Mann, die haben das voll drauf mit dem Kochen.

Nach ein wenig Mittagsruhe auf der Couch waren wir in der Stadt und dann durch den in der Nähe gelegenen Bürgerpark, es war zwar kalt aber trocken und die frische Luft hier war richtig gut. Um 18:30 Uhr waren wir auf diesem Schiff „Seute Deern“, was übersetzt „Süßes Mädchen“ heißt und haben dort fein gespeist, bevor wir zurück in die Wohnung sind.

Der Abend, wir haben zusammen noch einen Film geschaut, endete kurz nach 22:00 Uhr. Die Jungs fuhren nach Bremen und wir gingen schlafen, da wir ja früh raus und dann weg mussten, um pünktlich in Hannover zu sein. Zweieinhalb Stunden braucht man, wenn es normal läuft und um 09:30 Uhr, vor einer guten Stunde, waren wir hier vor Ort zum Abladen.

Jetzt sind wir fertig und werden heimfahren, etwa Hundertfünfzig Kilometer, gute zwei Stunden bei normalem Verkehr. Es dürfte so 13:30 Uhr werden, bis wir bei uns auf dem Hof sind. Es war trotz der Fahrerei ein nettes Wochenende und meinem Schatz hat es gut gefallen, mir natürlich auch.

Wir sind uns jetzt wohl noch ein gutes Stück näher gekommen, konnten uns ja auch bei Kai, Martin und den Jungs normal verhalten, wir selber sein, ohne auf andere Leute zu achten, brauchten kein Versteck zu spielen und hier im Magnum ja auch nicht. So sollte es eigentlich überall sein, Respekt und auch Akzeptanz sollten endlich zur Selbstverständlichkeit werden, aber selbst bei meiner eigenen Mutter ist das ja nicht der Fall. Gut, dass Papa, meine Schwester und auch Giovannis Eltern keine Probleme mit uns haben, das macht es leichter und wir werden hoffentlich glücklich werden.

Philip, Montag, 14.02.2011, um 11:30 Uhr, Chefvisite auf dem Zimmer

 „So, ihr zwei“, sagt der Chefarzt bei der Visite heute, „nach eingehendem Studium eurer neusten Laborwerte bin ich zu dem Schluss gekommen, das eine Verlegung auf die andere Station heute schon erfolgen kann. Ihr könnt also nach dem Essen eure Sachen zusammen packen. Rüdiger wird alles regeln und euch zur neuen Station begleiten. Dort haltet ihr euch bitte an alles, was wir dazu im Vorfeld besprochen haben. Ich muss mich darauf verlassen können. Das Zimmer hier wird dann für Morgen vorbereitet, ein neuer Patient kommt her und dann beginnen wir mit einer neuen Stammzellentherapie.“

Nach dem sie, bis auf Rüdiger, alle gegangen sind, erklärt uns der, wie es nach dem Essen weitergeht. Maxi und ich freuen uns natürlich, endlich hier heraus zu kommen, obwohl sich in der neuen Station nicht so viel ändert, was unseren Kontakt zu anderen angeht. Aber besser Stück für Stück, als das es gar nicht voran geht.

Jetzt sind es nur noch vier Wochen, bis wir entlassen werden und ich dann hoffentlich nach Bremen zu Tante Irene und ihrer Familie und zu Oma kann.

Ein bisschen Herzklopfen bekomme ich schon, wenn ich an diese doch sehr große Veränderung in meinem Leben denke. Weg von zu Hause, in ein anderes, gänzlich neues Umfeld, ohne Gernot, ohne meine Schwester, ohne Lucas und Maxi. Mama werde ich wohl eher nicht vermissen.

In eine andere Stadt, in ein anderes Haus, in eine andere Familie, mit zwei älteren Jungs, die schwul sind. In eine neue Schule, ein neues Zimmer, nur Oma, die ist ja da in der Nähe, so wie es hier auch war… ein kleiner Trost. Ich wollte es ja selber so haben und will es noch, weg von hier, von dem Ort, an dem ich um ein Haar gestorben wäre.

Ein vollkommen neues Leben wartet auf mich und ich will es mutig und entschlossen angehen, es kann ja eigentlich nur besser werden. Sollte sich meine Vermutung, auch wie Noah eher auf Jungs zu stehen, als auf Mädchen, endgültig bestätigen, müsste ich mich in Bremen wohl nicht fürchten.

Hier, bei meiner Mutter, da hätte ich verdammt schlechte Karten als homosexueller Sohn mit Aussicht, nach der Hölle auf Erden auch noch für ewig als Teufelsbrut dort an diesem Ort schmoren zu müssen.

Es ist schon ein komisches Gefühl, vielleicht lieber Jungs zu mögen, anstatt Mädels, so wie Lucas oder Gernot oder mein anderer Cousin, der schon länger eine Freundin hat. Wir haben ja auch nie über Sexualität nach gedacht, geschweige denn geredet. Das war immer alles schmutzig, Sünde, Höllenkram und so.

Erst als der Opa allein aus Bremen zurück kam, wurde das ein Thema. Er hat über den Noah gewettert und erst recht über dessen Freund. Hölle und ewige Verdammnis hat er ihnen voraus gesagt und auch Tante Irene hat er in der Hölle gesehen, weil sie es duldet, das die zwei Jungs zusammen sind und wohl auch noch im selben Zimmer, wohl möglichst noch im selben Bett schliefen.

Ich habe sie reden hören, Mama und ihn und auf mein Nachfragen hat Gernot es mir einigermaßen verständlich erklärt. Lucas hat es dann schon so ausführlich erklärt, dass ich dann auch intimere Details wusste, was so den Sex unter Jungs angeht. Vorstellen konnte ich es mir aber natürlich nicht so richtig, woher auch, wir wurden ja bewusst dumm gehalten, was Sexualität anging.

Gott und die all gegenwärtige Kirche, das stand immer auf Platz eins in unserem Leben, alles andere war nicht so wichtig und es gab durchaus Momente in der Schule, wo ich von anderen ausgelacht oder aufgezogen wurden wegen unserer großen Frömmigkeit. Auch Opa und sein Job als Pfarrer waren öfter Anlass für Spott und Hohn.

Ich denke, das ich mir darüber, ob es einen Gott und eine Hölle und all diese Dinge, von denen Opa und Mama immer erzählt haben, wirklich gibt, in Zukunft nicht mehr so viele Gedanken machen werde. Da gibt es, genauer betrachtet, zu viele offene Fragen und zu wenig befriedigende Antworten.

Bei Tante Irene wird es, denk ich mal, nicht so zugehen, sonst hätten sie wohl kaum Noahs Schwul sein und sein Zusammensein mit Enrico akzeptiert. Ich bin da mal gespannt, wie es dort ist und ob ich mich auch wohl fühle, so weit weg von Harsum, weg von meiner Kindheit mit all ihren vielen Erinnerungen.

Das alles geht mir im Kopf herum, während dem Essen und auch danach beim Zusammenpacken unserer Sachen. Um halb zwei geht es dann mit Rüdiger und noch einem Pfleger, sie tragen unsere Sachen, ein Stockwerk nach oben auf die neue Station und dort, hinter einer Durchgangstüre in unser neues Zimmer, das dem anderen gleicht, allerdings kleiner ist und hier ist auch keine Glaswand zum Flur, aber ein Balkon ist da.

Uns gefällt es und die Schwester, die uns die Durchgangstüre aufgesperrt hat, hat uns mit ins Zimmer begleitet. Rüdiger umarmt uns kurz, als er und sein Kollege sich verabschieden und er wünscht uns alles Gute.

„Ich Besuch euch mal.“, sagt er beim Verlassen des Zimmers, ich werde ihn vermissen und Maxi bestimmt auch.

Die Schwester stellt sich vor. Sie heißt Beate und ist etwa so um die 40 Jahre alt. Sie erklärt uns kurz, wie es hier auf der Station so läuft und sagt auch, dass der Stationsarzt später noch vorbei kommt. Dann sind wir mit unseren Sachen allein und verräumen diese zunächst mal in Schrank und Nachttisch. Ein Fernseher, deutlich kleiner als es unten der war, hängt erhöht an der Wand gegenüber den 2 Betten, ob es W-Lan gibt hier, müssen wir fragen oder testen.

Noah, Dienstag, 15.02.2011, morgens um halb 10 Uhr, mit den anderen am Kiosk in der Schule.

Auf einem Stück Wurstbrot kauend, stehe ich mit den anderen hier und lausche den Gesprächen. Torsten lässt sich gerade lustig über seinen Samstagsbesuch in Gerrys Salon aus. Er hat jetzt auch einen coolen Schnitt, sogar mit einem grünen Strähnchen.

Sigrid, die mit ihm dort war, wollte das wohl so haben. Sein Vater hat was von „voll schwuchtelig“ gemurmelt, als sie bei Torsten zu Hause ankamen und Sigrid hat dann zu Torstens Vater gesagt: „Gestern Abend war er noch voll Hetero, drei Mal sogar.“, worauf dem Alten wohl die Gesichtszüge entgleist sind.

Alle lachen und ich denke mir, seit wann ist denn Sigrid so schlagfertig…..aber wie sagt das Sprichwort: „Stille Wasser…..“

Torsten ist ja heute viel ruhiger als er es zum Anfang seiner Bekanntschaft mit Ole und Frank war. Das liegt wohl auch mit an Sigrid, die ihn von Anfang an gebremst hat, mit Erfolg, finden wir alle und Torsten ist für mich mittlerweile ein echt guter Freund.

Unsere erste Begegnung in Ricos und Paolos Wohnung war ja eher kühl und ich bin ihm ja dann mit seiner „Natalie“ heftig übers Maul gefahren, nach dem er mir und Rico dumm gekommen ist. Freche Schnauze kann ich auch. Danach hat er uns mit seinen Sprüchen und Kommentaren verschont und nach der tollen, gemeinsamen Schiffsfahrt war er noch viel ruhiger.

Ich vermute mal, das sie dann ab da auch öfter gepoppt haben, die beiden, was sich sehr positiv auf ihn ausgewirkt hat, finde ich.

Die genaue Geschichte über die Gummibraut mit dem Namen „Natalie“, die wohl jetzt irgendwo im Münsterland von geilen Dorfteenies in einer Art Puff-Scheune bestiegen und genagelt wird, hat Ole uns erzählt und wir haben gut gelacht, Rico und ich.

Wenn man mal bedenkt, wie viele unterschiedliche Leute sich hier zu diesem, unseren tollen Kreis zusammen gefunden haben und auch recht gut mit einander auskommen, so ist das schon toll und bestimmt nicht alltäglich. Wir, mein Rico und ich, wir sind froh, dass wir dazu gehören. Tante Lis 40. Geburtstag wird uns für immer im Gedächtnis bleiben.

Am Samstag waren wir noch mal im Ristorante, ab halb 4 Uhr nachmittags, Rico war morgens im Hilton und dann bei seinem Vater noch bis 22:00 Uhr mit mir. Er war total platt, als wir wieder zu Hause waren um halb 11Uhr. Geschlossene Gesellschaft war angesagt, mit Vorspeisenbuffet, viel Fisch und Osobucco, das volle Programm.

Mit Sex war da nach echt nichts mehr, ausziehen, nur nicht auf den Po gucken, schnell duschen, der Küchengeruch muss runter und dann, nix wie ab ins Bett. Gut, das er am Sonntag nicht ins Hilton musste, Markus Meinle hat ihm frei gegeben, war selber dort von halb 8 bis um 17:00 Uhr. Sein Dr. Alex hatte auch Dienst an dem Sonntag, darum hat er Enrico frei gegeben.

Den ruhigen Sonntagmorgen waren wir dann aber extrem unkeusch, haben echt viel Spaß gehabt und sind erst zum Mittagessen runter. Mamas rote Nasenspitze sagte aus, dass wir, wieder mal, hörbar waren. Das kann ja auch im Überschwang der Gefühle mal passieren, dass die Gäule mit uns durch gehen, es ist einfach zu geil, das Poppen mit Enrico.

Es bimmelt und unsere Versammlung hier am Kiosk löst sich auf, alle gehen in ihre Klassen, wir haben jetzt Deutsch, das ist jetzt schon so langsam der Abistoff für Alwin, Dirk und Armin und Denise, auch für mich. Es dauert noch knapp zwei Monate, bis es mit dem Abi losgeht für uns 5 und dann gilt es. Ich werde wohl keine größeren Probleme haben, auch die anderen 4 sind gut unterwegs zu einem ordentlichen Abschluss.

Ich werde wohl, wie Paul, etwas in Richtung Maschinenbau studieren, mal sehen, was genau. Onkel Carl August hat gemeint, im Bereich Elektrotechnik hätte ich nach dem Masterabschluss beste Chancen im Konzern, entweder im Bereich Schiffsbau oder bei alternativen Energien, Windkraft und Solartechnik, auch da ist der Konzern involviert und bietet gute Arbeitsplätze. Außerdem wäre das ja hier in der Nähe und es gäbe keine Probleme in Richtung räumliche Trennung von meinem geliebten Schatz.

Noch gut einen Monat wird es dauern, bis Philipp zu uns kommt und bei uns wohnen wird. Der Umbau des Gästezimmers und des Bades ist voll im Gange, wird wohl bald fertig sein. Mama ist schon ein bisschen genervt durch die Handwerker im Haus.

Ganz ohne Staub und Dreck geht so was wohl auch nicht, aber die Leute sind sehr bemüht und ich hatte es mir schlimmer vor gestellt, als es tatsächlich ist. Das Gröbste ist gemacht und zum Wochenende hin wird es wohl fertig.

Dann gehen Enrico und ich mit Papa noch ein schickes Jugendzimmer kaufen und Rolf und Paul helfen uns dann dabei, die Möbel zusammen zu bauen und auch aufzustellen. Während des Möbelkaufs wollen wir mit Philipp Kontakt haben über Handy. Er kann ja dann die Möbel via Internet auf dem Laptop anschauen.

Dann, wenn alles fertig ist, kann der Junge kommen, wir werden ihn herzlich empfangen und ihm bei der Eingewöhnung helfen, weil es bestimmt nicht ganz einfach sein wird für ihn. Los gelöst von allem, was war, ein Leben bei zwar Verwandten aber nicht sonderlich vertrauten Leuten, alles neu, alles anders, das wird nicht einfach sein für den Jungen.

Ob er wohl eine Ahnung hat, dass ich der Spender bin? Ich hoffe sehr, dass er gut klar kommt mit dieser Tatsache. Ich sollte es erst mal für mich behalten, da es aber alle Jungs wissen und er bestimmt auch mit ihnen in Berührung kommt, wäre es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich mal einer verplappert.

Ich glaube, es ist besser, wenn ich es ihm selber sage bei der ersten sich bietender Gelegenheit, versteht sich. Blutsbrüder sind wir halt jetzt und das ist doch nichts schlimmes, im Gegenteil, es verbindet uns und so ist ein kleiner Bruder doch noch zu einer Realität geworden für mich und auch Rico freut sich, das der Kleine zu uns kommt.

Papa hat gestern gesagt, das wir uns rechtzeitig um einen Studienplatz kümmern sollten, bevor es nach her eng wird. Heute Nachmittag werde ich mal im Internet nachschauen, was Bremen und Bremerhaven zu bieten haben.

In Bremerhaven gibt es einen interessanten Studiengang „Nachhaltige Energie und Umwelttechnologie“, das wäre etwas, das ich mir gut vorstellen könnte, auch weil in Onkel Carl Augusts Konzern in diesem Bereich geforscht und produziert wird. Windkraftanlagen, Photovoltaik, aber auch große und effiziente Gezeitenkraftwerksanlagen werden da gebaut und ebenfalls im Bereich der Meerwasserentsalzung sind im Konzern an mehreren Standorten in Europa einige Menschen beschäftigt.

Papa hätte mich ja lieber in seinem Bereich gesehen, aber so als der Innendienst- und Vollzeitsesselpupser möchte ich nun doch nicht tätig sein. Er lässt mich das wohl selbst entscheiden und alles ist besser als Mamas ehemaliger Wunsch, nach dem ich genau so ein frömmelnder Himmelskomiker werden sollte, wie es ihr Vater, sprich, Opa es war. Diese Vorstellung beschert mir gerade eine herbe Gänsehaut.

Jetzt kommt unsere Lehrerin doch tatsächlich auf die Idee, eine nicht an gekündigte Hausaufgabenüberprüfung schreiben zu lassen. Na ja, das ist zwar Link, finde ich, werde das aber bestimmt ganz brauchbar hin kriegen, denk ich.

Alwin ist darüber gar nicht begeistert und Deutsch ist eh sein Hassfach. Er kann ja bei mir ein wenig rüber schielen, Frau Nolten guckt schon ab und zu mal demonstrativ aus dem Fenster, wohl um nichts von der Nachbarschaftshilfe in der Klasse mit zu kriegen. Sie ist schon OK und hat auch gut was drauf.

Enrico holt mich später um 15:30 Uhr bei Gerry ab. Mit Alwin fahre ich dort hin, meinen Haarschnitt etwas auf zu frischen und noch so ein oder zwei grüne Strähnchen rein machen zu lassen.

Bei Torsten sieht das voll geil auch und ich will auch so was. Heute bleiben wir hier in der Wohnung der Zwillinge, Rico kocht was und Dirk und Mike wollen vorbei kommen, zum Essen und dann wollen wir zocken.

Die Beiden schlafen dann in Paolos Zimmer und Mike fährt Dirk und mich morgen Früh in die Schule. Rico fängt erst um halb elf an, der kann etwas länger schlafen aber wie ich ihn kenne, macht er für uns drei Frühstück, mit geilen Rühreiern und gebratenem Speck. Er ist einfach ein ganz großer Schatz und ich werde ihn ganz einfach behalten.

Robin, Dienstag, 15.02.2011, 18:00Uhr, mit Roland in der Fahrschule in Bremerhaven.

Seit etwa 15 Minuten bin ich jetzt mit Roland hier in der Fahrschule, wir haben uns nach Erlaubnis durch die Eltern zum Rollerführerschein A 1 angemeldet und heute ist der erste Unterricht. Wenn wir, in ein paar Wochen, die Prüfung bestanden haben, wollen wir uns jeder einen Roller kaufen, wobei wir ja auch noch den von Chris zu Hause haben. Ob der den Roller mit nach Hamburg nimmt, weiß ich nicht. Da ich aber seit kurzem keine finanzielle Not mehr kenne, können wir auch zwei geile neue Roller kaufen.

Mal sehen, wie sich das entwickelt. Mama ist zwar nicht begeistert, aber da sie es Chris auch erlaubt hat, wird sie es mir nicht verbieten, denk ich und Roland darf auch einen haben.

Voll cool, ich als Rollerfahrer, wo ich doch gerade Mal ein halbes Jahr Fahrrad fahren kann und darf. Das Fahrrad fahren werden wir auch nicht ganz aufgeben, Roland und ich. Allein schon die Fahrten im Sommer an den Campingplatz am See oder zu uns von ihm aus oder zu Remmers. Diese Ziele sind mit dem Fahrrad durch die Natur schöner und da man auch schmale und für KFZ gesperrte Wege nutzen kann, fast genauso schnell mit dem Rad zu erreichen, als es mit einem Roller gehen würde.

Natürlich sind dann auch Bedenken, was die Gefährlichkeit des Rollerfahrens angeht, besprochen worden und die Erwachsenen sähen es lieber, wenn wir beide noch ein Jahr warten und dann den Autoführerschein machen würden. Wir wollen es aber machen und so haben sie dann auch ja gesagt. Bei der WG, auf dem Hof, wollen wir dann mit Chris und Noahs Roller, sobald es wärmer wird, ein wenig üben.

Herr Sundermann wird ab dem nächsten Montag mal wieder auf See sein, er verlegt mit der „August Remmers“ ins Mittelmeer, genauer gesagt, in griechische Gewässer, nimmt dort unten Leute an Bord für zwei Wochen und eine daran anschließende Fahrt hat er auch schon auf dem Plan. Mama will dann Anfang März nach Kreta fliegen und für vorerst mal ersten Woche dort an Bord gehen, so ne Art Probewohnen mit Käptn Sundermann. Herr Remmers ist damit einverstanden, mal sehen, wie es ihr gefällt an Bord. Zu meinem Geburtstag am 17.03. will sie dann zurück sein, da wollen wir schon ein bisschen feiern.

Ich werde dann in dieser Woche, wenn Mama zum Käptn fliegt, ganz bei Roland wohnen und Chris bleibt nachts bei Matze. In der Zeit wird dann bei uns im Haus einiges renoviert werden. Neue Fenster wird es geben, eine neue Haustüre und später dann, im Frühsommer, gibt es ein neues Dach und eine vernünftige Isolierung.

Chris wird das zunächst vor Ort begleiten, schauen, dass alles läuft. Die Aufnahmen beim Fernsehen für die Sendung über die neue Herzstation beginnen am nächsten Montag, das ist der 21.02., Nachmittags um 15:00 Uhr im Funkhaus in Bremen für Alex und mich.

Aufnahmen, zumindest ein paar, wird es auch von meinem zu Hause geben, mal sehen, was diese Profis da auf die Reihe kriegen. Ein wenig Aufregung wird mir das schon bereiten, denk ich. Ich, ein Wegmann, im Fernsehen, das gab es noch nie.

Der Fahrlehrer, ein netter und noch ziemlich Junger, redet über diverse Vorfahrtsregeln und erklärt alles gut verständlich. Unterlagen und Fragebogen bekommen wir dann von ihm zum Ende des Unterrichts.

Lernen werden wir zusammen, mein Roland und ich. Unsere Eltern sehen uns fast immer nur zusammen, allein nur sehr selten, daran haben sie sich aber sehr schnell gewöhnt.

Das wir jetzt schon einen Kyu haben in Karate, das finden die Eltern auch gut, das gibt schon ein bisschen Sicherheit, das man sich jetzt erfolgreich wehren kann.

Gleich, um 20:30 Uhr, wenn der Unterricht aus ist, holt uns Ria ab, heute Abend sind wir bei Körners und fahren von dort aus morgen mit Ria zur Schule. Morgen ist ja dann am Nachmittag wieder Training in der WG, da holen uns Chris und Matze mit nach Bremen und bringen uns dann später, dann aber zu uns nach Hause.

Wir sind, wann immer es geht, zusammen und, ich sage jetzt mal, das wir uns lieben, so richtig, also nicht mehr nur verknallt sind, sondern fest zusammen. Das ging ziemlich flott aber es fühlt sich halt nun mal alles einfach so richtig, so gut an, das mit uns beiden.

Wir sind nur Komplett, wenn wir zusammen sind und fühlen so viel für den anderen, das haben unsere Familien wohl auch mit bekommen und akzeptieren, das wir halt immer zusammen da sind oder auch zusammen weg sind.

Chris und Matze nennen uns schon „die siamesischen Zwillinge“, weil wir quasi unzertrennlich sind. Unser Liebesleben ist rege, abwechslungsreich und sehr zufriedenstellend. Wir sind zärtlich aber manchmal auch etwas wilder beim Sex und das bepinkeln unter der Dusche ist zu einem festen Ritual geworden. Für Roland ist das sehr antörnend und auch mir gefällt der warme Strahl an Bauch, Schwanz und Sack sehr gut mittlerweile.

Ich gehe davon aus, das jetzt auch der Letzte in unserer Klasse weiß, dass wir schwul und zusammen sind und das Positive ist, das es niemanden ernsthaft zu stören scheint. Einige witzige Bemerkungen ab und zu und auf unsere Kosten gibt es schon, aber da lachen wir einfach mit und fertig.

Da wir ja in der 10. Klasse sind, werden einige Mitschüler nach dieser Klasse mit der mittleren Reife die Schule verlassen und darum ist Anfang Juni noch eine gemeinsame Klassenfahrt geplant. Geplant ist eine Woche Usedom,in die Jugendherberge Heringsdorf vom 27. Juni bis zum 4. Juli, am 6. Juli wäre dann der letzte Schultag vor den Ferien und der letzte an der Schule für die, die mit mittlerer Reife ausscheiden werden.

Wir werden natürlich beide mit fahren, nach Usedom und die anderen, Marie, Sigrid und Natascha und der Torsten sind dann auch dabei. Das wird bestimmt lustig und dann ist ja auch endlich wieder Sommer.

Mein Hase und ich wollen ja auf jeden Fall Abi machen. Ob das dann was wird mit unserer maritimen Ausbildung, das muss sich zeigen. Soweit im Voraus wollen wir nicht planen, wer weiß schon, was in 3 Jahren ist.

Jetzt ist der Führerschein und ein Roller das Nahziel, ebenso Kyu 2, auf den wir jetzt hin trainieren mit allen, die mit uns bei der ersten Prüfung dabei waren. Ob das bis zum Geburtstag klappt, weiß ich noch nicht aber wir werden alles dafür tun.

Als wir jetzt die Fahrschulräume verlassen, wartet Ria schon draußen auf uns und zehn Minuten später sind wir bei Körners am Torfplatz.

Nach dem wir seine Eltern begrüßt und mit ihnen kurz über den Tag gesprochen haben, gehen wir hoch in Rolands Reich. „Duschen? Jetzt gleich?“, fragt er und grinst. Ein Blick in seinen Schritt, und… Beulenalarm oder „am Südpol steppt der große Bär“ könnte man es auch nennen.

„Ja dann“, sag ich, auch freudig grinsend, „ab ins Bad und Bux runner, pack einfach alles aus.“, was dann auch schnell in die Tat umgesetzt wird. Es dauert nicht lange, bis er mich und ich ihn, eng umschlungen, an pullere und der Urin zwischen unseren Bäuchen durch den Südpol nach unten läuft.

Giovanni, Donnerstag, 17.02.2011, 08:35 Uhr, im Auto, auf dem Weg nach Kassel zur Uni.

Die ersten zwei Stunden sind heute Vorlesungsfrei und es geht erst um 09:30 Uhr weiter. In zwanzig Minuten werde ich dort sein. Wir haben seit unserer Rückkehr mit dem LKW die drei Nächte bei Jens geschlafen.

Montagabend haben wir bei uns zu Hause gegessen und ich habe auch ein paar Sachen mit hin zu Jens genommen, zum Wechseln und auch alles, was ich in dieser Woche zur Uni brauche.

Nächste Woche geht dann Jens mit zu mir und fährt halt von uns aus in die Firma zu seinem Vater. Die Fahrt mit dem großen Laster war eine interessante Erfahrung und hat mir gezeigt, dass das Fahren mit solch einem Gerät schon echt Arbeit ist und das eben auf Grund vorgeschriebener Lenk- und Ruhezeiten die Fahrer oft eine ganze Woche nicht zu Hause sind, immer woanders, jeden Tag ein anderer Rastplatz oder ein Firmenhof.

Auf Dauer ist das bestimmt keine Arbeit, die man ein Leben lang machen möchte und ich bin froh, das Jens jetzt auch überwiegend in der Firma arbeitet und nur bei Ausfällen einspringen muss, wenn die Termine es verlangen.

Der mit unserer Fahrt verbundene Aufenthalt bei Kai, Martin und den zwei süßen Jungs hat mir besonders gut gefallen. Alle vier sind echt liebe Menschen und auch die anderen, die wir kennenlernen durften, waren alle voll OK.

Diese WG, das ist ja wohl voll der Hammer, tolle Räume, alles ganz neu, mit Kraftraum, Schwimmbad und Sauna, na da kann man es schon aushalten, finden Jens und Ich. Der große Wohnraum, eine tolle Küche, es ist einfach unschlagbar, wer möchte da nicht wohnen.

Kevin und Wolfi schwärmen regelrecht vom Leben in dieser WG, alles ist toll und es ist immer was los. Von einer Halle für den Karateverein haben sie geredet, dass dort gerade umgebaut wird. Langeweile gibt es dort wohl nicht.

Meine Eltern haben die Tatsache, dass ich jetzt mit Jens fest zusammen bin, schnell realisiert, mögen meinen Freund und freuen sich mit uns, dass es uns so gut geht miteinander. Da wir mal bei uns und mal bei Jens zu Hause sind, haben beide Familien was von uns und keine fühlt sich zurück gesetzt.

Was jetzt genau mit der Mutter von Jens los ist, weiß so recht keiner und Post von irgendwelchen Anwälten ist, so sagte Jens, auch noch nicht gekommen.

Jens nimmt das mit seiner Mutter relativ gelassen hin, sagt, er kann ja eh nichts daran ändern, das sie so tickt, wie sie tickt.

Gut, dass meine Eltern anders sind, mich akzeptieren, wie ich bin, mich unterstützen und lieb haben, etwas, das allen Kindern zu gönnen ist. Leider erleben gerade schwule oder lesbische Kinder beim Coming out zu Hause schlimme Reaktionen, manch mal sogar einen Rauswurf aus Heim und Familie. Richtige Eltern tun so etwas nicht.

Mein Coming out war eigentlich ziemlich unspektakulär. Ich habe eine Geschichte gelesen, in der Eltern ihren Sohn nach dessen Offenbarung, schwul zu sein, raus geworfen haben. Später hat sich der Junge umgebracht, mit sechzehn und es ist mir sehr nah gegangen. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir bereits sicher, schwul zu sein und schwärmte ein wenig für große, muskulöse Jungs und so einen habe ich ja jetzt auch. Nach dem ich diese Geschichte verdaut hatte, habe ich sonntags drauf beim Mittagessen gefragt, ob sie mich, wenn ich schwul wäre, auch rausschmeißen würden.

Ganz ahnungslos schien, zumindest Mama, nicht zu sein. Beide betonten aber sofort, dass sie es, wenn es denn so wäre, ja doch nicht ändern könnten und das es ihnen nicht viel ausmachen würde. „Wir können gut damit leben“, hat Mama gesagt, „wir wollen dich glücklich sehen.“

Wie das aussieht, wenn ich glücklich bin, wissen sie jetzt genau, weil seit ich fest mit Jens zusammen bin, man es mir und Jens, natürlich auch ansieht. Wir verstehen uns einfach gut, passen wunderbar zusammen und unsere Liebe wächst mit jedem Tag unseres Zusammenseins.

Dass mein Samstagsdienst an der Tankstelle mir einmal meinen Schatz bringen würde, davon habe ich nie geträumt und jetzt bin ich froh, dass alles so gekommen ist.

Wir haben uns vorsichtig Stück für Stück angenähert, neugierig und beide ohne jegliche Erfahrung. Jetzt sind wir, auch auf sexuellem Gebiet, voll in unserer Beziehung angekommen. Hemmungen voreinander haben wir überwunden und gelernt, miteinander alle schönen Dinge zu genießen, uns aneinander und miteinander zu erfreuen, uns zu lieben eben. Das gelingt uns immer aufs Neue und das macht alles so schön und aufregend. Die Liebe und des Sex mit Jens zu entdecken, das ist schon was ganz großes für mich und auch meinem Schatz geht es gut dabei.

Jetzt bin ich da, auf dem Uniparkplatz. Etwa vierhundert Meter muss ich noch laufen, bis ich am richtigen Gebäude bin. Hier warten noch einige Kommilitonen darauf, dass es Zeit ist, den Hörsaal aufzusuchen. Wir begrüßen uns und gehen dann ins Gebäude und in den Hörsaal, wo wir die nächsten beiden Stunden verbringen werden. Schnell noch ein: „Ich liebe dich“, per SMS an meinen Jens raus gefeuert, dann ist auch der Dozent vor Ort und es geht los.

Maxi, Donnerstag, 17.02.2011 um 18:00 Uhr mit Philipp, nach dem Abendbrot.

Man, war das ein Tag heute. Philipp hat sein Brot in kleine, mundgerechte Stückchen geschnitten, kaut vorsichtig auf der rechten Seite, da die linke Wange jetzt dick geschwollen und die Lippe dort auch dick und aufgeplatzt ist. Wie es dazu kommen konnte, ist schnell erzählt.

Um 15:00 Uhr kam eine Schwester zu uns ins Zimmer, gefolgt von Philipps Mutter, die sich zunächst ganz normal verhielt, soweit man das so als normal betrachten kann. Mich würdigte sie keines Blickes und als die Schwester raus war, fing sie an zu reden.

„Ich habe mir das alles noch einmal überlegt, mit dir und deinen extravaganten Zukunftsplänen und ich bin zu der Entscheidung gekommen, dich nicht dorthin ziehen zu lassen“, sagte sie zu Philipp. „Der Herr im Himmel wird nicht gern sehen, das ich dich in einen Sündenpfuhl ziehen lasse, in dem Sodomie an der Tagesordnung ist und wo Gott keinen Platz mehr zu haben scheint. Das will und kann ich nicht zulassen, ohne selber in die Hölle zu kommen.“

„Aber Mama“, kam es darauf hin von Philipp, „es ist alles geregelt, sie haben das Zimmer umgebaut und ich will hier, bei dir, nicht mehr bleiben. Notfalls gehe ich zum Jugendamt.“

„Mach das, es wird dir nichts nützen“, sagte sie, „dann gehst du halt hier in ein Heim, nach Bremen gehst du nicht und das Sorgerecht behalte ich auch, basta.“

„Ich werde nach Bremen gehen, notfalls mit gerichtlicher Unterstützung“, sagte Philipp jetzt etwas heftiger, „hier bleibe ich nicht. Und außerdem, du wirst noch froh sein, wenn ich weit weg bin, glaub mir. Ich bin nämlich wie mein Cousin, wie Noah…..verstehst du, ich bin schwul, …..ICH BIN SCHWUL.“ Er schleuderte ihr diese Worte förmlich ins Gesicht und sie………sie schlug plötzlich wahllos auf in ein, voll ins Gesicht.

Beim ersten Schlag drückte ich die Klingel, sprang aus dem Bett, zerrte sie an der Jacke weg von ihm. Sie fuhr herum, holte aus und wollte mir eine feuern, als hinter mir die Türe aufschwang.

„Schluss, sofort und raus, aber schnell“, kam es vom Stationsarzt, der mit der Schwester zusammen ins Zimmer gestürmt kam. Der stellte sich zwischen mich und diese rasende Furie und fasste sie an der bereits erhobenen Hand.

„Raus, sofort raus hier und sie haben ab sofort Hausverbot“, rief er.

„Schwester, rufen sie die Polizei.“

Er schob die rasende Frau Richtung Türe, durch die jetzt weiteres Personal in unser Zimmer kam. Diese Leute nahmen die Frau und schafften sie nach draußen. Philipp saß weinend auf dem Bett, hielt seinen Mund und zwischen den Fingern lief Blut heraus und tropfte von Kinn runter auf Schlafabzug und Bett.

„Holen sie bitte den Wagen mit den Verbandsmitteln“ sagte der Doktor zur Schwester, was dann auch gleich geschah.

Die Lippe war aufgeplatzt, die Wange geschwollen und das Versorgen der Wunde tat Philipp sehr weh.

„Ich habe das jetzt geklammert, zweimal. Du musst jetzt beim Essen und beim Sprechen etwas zarter machen“, meinte der Doc als er fertig war, „die Schwester kommt nach dem Essen, desinfiziert noch mal die Wunde und gibt dir ein Schmerzmittel. Nähen muss ich das nicht, das heilt mit den Klammern so zusammen, morgen früh schau ich es noch mal an. Wichtig ist es, dass es sich nicht infiziert, das müssen wir auf jeden Fall verhindern. Ich werde später noch mal nach dir schauen. Es tut mir leid, dass es so gekommen ist, aber wir wussten nicht, dass sie so aggressiv ist, warum auch immer.“

Dann gingen sie und wir waren allein. Ich ging zu ihm, nahm ihn in den Arm und erneut weinte er und es dauerte bestimmt fünfzehn Minuten, bis er sich so weit beruhigt hat. So eine bescheuerte Kuh, seine Mutter, prügelt wahllos auf ihn ein, verletzt ihn.

Ich nehme mein Smartphone, mache Bilder von seinem Gesicht, von der Lippe, wer weiß, ob man so was noch braucht. Nach dem Essen, er hat kaum was gegessen, sag ich: „Geh ins Internet, wir schicken die Bilder an deinen Cousin und du kannst dazu schreiben, was hier los war.“

Via PN auf Facebook wird sein Cousin Noah über den Vorfall informiert und bekommt auch die Bilder geschickt, die schon heftig aus sehen. Der ist richtig erschrocken und verspricht, umgehend seine Eltern über den üblen Vorfall zu informieren.

Nach dem Abräumen kommt jetzt der Doktor noch mal zu Philipp, schaut nach der Lippe, desinfiziert noch mal alles und spritzt Philipp was gegen die Schmerzen und zum Schlafen.

Daraufhin wird Philipp schnell müde und schläft ein und ich, ich rufe meine Eltern an und erzähle, was hier abging. Nach ein bisschen Fernsehen versuche ich dann auch, ein zu schlafen, was dann auch, trotz der Aufregung heute Nachmittag, irgendwann klappt.

Es ist schon sau krass, zu was manche Erwachsene fähig sind, wenn es darum geht, ihren Kindern ihren Willen auf zu zwingen. Meine Eltern schlagen nie, obwohl bestimmt manchmal ein Grund vorhanden wäre, ich bin auch nicht immer pflegeleicht, aber das trifft wohl auf die meisten Kiddis zu.

Philipp hat wohl da voll die Arschkarte gezogen. Meine Eltern und auch die Großeltern sind nicht übermäßig fromm und zur Kirche geht man an Weihnachten, zu Taufen und zu Beerdigungen, oder auch mal zu einer Hochzeit und ansonsten schläft man sonntags aus. Weil Mama gut kochen kann, beten wir auch nicht vor dem Essen, es ist eigentlich alles easy und die Götter dieser Welt sind irgendwo weiter weg. Damit leben wir ganz gut und es fehlt uns nichts.

Natürlich gibt es da auch genügend Leute, die das anders leben, so wie seine Mutter und der Großvater war ja sogar Pfaffe, kein Wunder, das seine Mutter auch so tickt.

Noah, Donnerstagabend, 20:15 Uhr, zu Hause im Esszimmer mit Laptop. Enrico und die Eltern sind auch da.

 

Über Facebook hat mich der Philipp vorhin, so gegen 18:00 Uhr angeschrieben und erzählt, was seine Mutter für ein Ding in der Klinik abgezogen hat. Die Bilder zeigen eine aufgeschlagene, geklammerte Lippe und eine gut dick an geschwollene Backe. Auch über den Grund des Ausrastens lässt er sich aus, meint, dass er glaubt, nun auch schwul zu sein und das er ihr, nach dem sie gesagt hat, das sie ihn nicht weg lassen will, genau das gesagt hat. Daraufhin hat sie ihm voll ein paar rein gehauen, bevor man sie, mit einem Hausverbot belegt, rausgeschmissen hat.

Für Papa drucke ich das später oben aus, der will das Onkel Carl August und dem Oliver Salm zeigen und mit ihnen gemeinsam überlegen, was man für den Jungen jetzt tun kann.

Der arme Philipp, zuerst diese Scheiß Krankheit, dann die Erkenntnis, das seiner Mutter wohl ihr Gott wichtiger ist, als das Leben ihres eigenen Sohnes und nun auch noch Stress, weil er glaubt, schwul zu sein.

Gerade die Erkenntnis, auf Jungs zu stehen, ist eine sehr entscheidende Phase für einen schwulen Jungen. Hoffentlich kriegt er das alles auf die Reihe, so allein. Obwohl, dieser Maxi ist ja bei ihm, der wird ihm schon helfen, mit allem einigermaßen klar zu kommen, denk ich. Da ist dann ja einer im gleichen Alter, mit dem man reden kann, dem man vertraut und der einen wieder ein bisschen aufbaut.

Mama, sie ist entsetzt über das Verhalten ihrer jüngeren Schwester, fragt Papa: „Jetzt, wo der Junge nicht mehr so voll isoliert ist, kann man ihn da nicht hier her in die Klinik holen, das solltet ihr mal prüfen und klären. Wenn das aus medizinischer Sicht irgendwie geht, sollten wir ihn her holen, weg von all diesen für ihn schlimmen Erinnerungen und vor allem, weg von seiner Mutter.“

Papa sagt darauf hin, dass er mit Oliver und Carl August reden muss und auch, dass er den Gernot anrufen will gleich morgen Früh, um mit dem was ab zu sprechen und Lösungen zu finden, um Philipp zu helfen.

Eigentlich waren wir ja alle der Meinung, dass es klar für alle ist, das der Junge nach der Klinikzeit zu uns kommt. Nun macht meine bescheuerte Tante Stress und will ihn nicht gehen lassen und zur Krönung des Ganzen haut sie ihn noch blutig, kein Wunder, das der Junge da weg will.

Mein Schatz, der ja auch über einen langen Zeitraum von seinem Vater wegen seiner Homosexualität sehr schlecht behandelt wurde, kann Philipp bestimmt noch besser verstehen, als ich es kann und dessen Wunsch, von dort weg zu kommen, hat Enricos volle Unterstützung. Wir sind uns darüber einig, Philipp mit all unseren Möglichkeiten zu unterstützen und ihm das Gefühl zu vermitteln, hier bei uns ein neues und besseres zu Hause gefunden zu haben.

Alle unsere Freunde wissen mittlerweile über den baldigen Familienzuwachs bei Schroers und auch über die Umstände Bescheid. Gespannt verfolgen sie alle von mir erzählten Entwicklungen und Veränderungen, den Philipp betreffend und nehmen auch Anteil an seiner Situation. Klar ist auf jeden Fall, das wir uns um ihn kümmern werden und das Rico und ich nicht allein sind, wenn es darum geht, dem Jungen zu helfen.

Lis, Freitag, 18.02. 2011, um 15:30 Uhr mit Oma, Frau Jensen und Irene Schroer und ihre Mutter zu Hause bei Kaffee, Kakao und Kuchen.

Als Irene heute Morgen anrief und ihren Besuch für heute Nachmittag ankündigte, habe ich Frau Jensen und Frau Gut gebeten, doch bitte jede einen Kuchen zu backen. Nun sitzen wir zusammen mit sechs Frauen am großen Esstisch und genießen die leckeren Sachen und reden, zur Zeit gerade über den Philipp, der ja nun auf dem Wege der Genesung ist, trotzdem aber nicht glücklich ist und erhebliche Probleme mit seiner Mutter hat.

Irenes Mutter hat ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert, über ihre Ehe und die Zeit mit dem Pfarrer erzählt und auch davon, wie extrem stark der Glaube ihres verstorbenen Mannes ihr Leben und das ihrer drei Kinder geprägt hat.

Alles, der gesamte Tagesablauf, jede noch so kleine Kleinigkeit, wurde durch den Beruf ihres Mannes beeinflusst. Die Bibel zog sich wie ein Leitfaden durch alles, was in ihrer Familie vor sich ging.

Da sie und auch ihre Kinder das so gewohnt waren, empfanden sie das auch nicht als etwas Ungewöhnliches. Erst mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu mehr Freiheit und Liberalität wurde ihr bewusst, das ihr Mann mit seiner Lebenseinstellung und damit auch sie und die Kinder hinter der allgemeinen Gesellschaft zurück blieben.

Allerdings störte es den Herrn Pfarrer nicht, im Gegenteil, je liberaler alles wurde, um so mehr hielt er an seinen strengen Maßstäben fest. Er galt als sehr fromm und scheute sich nicht, das auch anderen gegenüber deutlich zu machen und er führte ein strenges Regiment zu Hause.

Irene heiratete ihren Ulf, trotzdem ihr Vater diesen nicht so mochte, weil er nicht fromm genug war. Durch die räumliche Trennung hielten sich Differenzen aber im Rahmen und die doch eher wenigen Besuche brachten sie immer ohne größere Streitigkeiten hinter sich.

Erst als dann ihr Mann im Ruhestand war, wurde ihr bewusst, wie altmodisch und rückständig sie doch waren und sie begann, um zu denken. So ergaben sich auch des Öfteren Differenzen und Debatten zwischen ihnen, die dann ja durch Noahs Outing bei ihrem Besuch in Bremen zum offenen Bruch führten, weil die Oma das dann zum Anlass nahm, sich auf die Seite ihres Enkels zu stellen und einfach in Bremen zu bleiben. Auf Grund ihrer finanziellen Vorsorge und einer Gütertrennung war das ja dann auch problemlos für sie möglich.

Nun, dann kam ja die Sache mit dem Jungen, mit der Leukämie und das ewige Warten mit der doch dringend notwendigen Behandlung. Diese begann ja dann erst, als der Opa das Zeitliche gesegnet hat, kurz bevor es zu spät gewesen wäre. Zum Glück kam ja dann Noah auch gleich als Stammzellenspender in Frage und jetzt geht es aufwärts mit dem Jungen.

Irene erwähnt, das Philipp dem Noah geschrieben hat, das er wahrscheinlich auch homosexuell ist.

 „Da wird seine Mutter wohl sagen“, meint Irene, „das er durch Noahs Spende schwul geworden ist, wenn sie wüsste, das Noah der Spender ist.“

Das ist natürlich vollkommener Quatsch und wer so was behauptet, der hat nicht alle auf der Leiste, aber das ist bei dieser Frau ja eh schon so. Dem Jungen wird es bei Irene gut gehen und er wird dort wie ein Sohn behandelt werden.

Tante Frieda kommt am kommenden Dienstag aus der Klinik. Sie und meine Schwiegermutter fahren dann eine Woche später zusammen in eine Rehaklinik für mindestens drei Wochen und zwar in die „Klinik Fränkische Schweiz“ in Ebermannstadt.

Dieses Haus wurde Frieda von Doktor Brunner empfohlen, der auch den dortigen Chefarzt gut kennt. Frieda hat er bereits dort angekündigt und die schnelle Aufnahme der beiden Damen arrangiert. Kai wird sie hinbringen, kommt aber dann wieder zurück, damit die Damen sich des öfteren zu Fuß bewegen müssen, das hat Dr. Brunner so empfohlen.

Mir geht es soweit gut, allerdings bin ich schon etwas eingeschränkt durch Form und Gewicht meines nun sehr runden Bauches, in dem sich meine zwei Jungs doch fleißig bewegen und auch manchmal recht heftig.

Gut, das ein Ende in Sicht ist, der Termin näher rückt, an dem die zwei ihren warmen Ort verlassen, um auf die große Welt zu kommen. In gut drei Wochen sollte alles vorbei sein, hoffe ich mal, es wird doch sehr beschwerlich jetzt zum Ende hin.

Ich überlege immer noch, ob ich, wie es meine Ärztin empfiehlt, per Kaiserschnitt oder doch lieber normal entbinden soll. Jerome und Natascha sind normal, problemlos und auch relativ schnell auf die Welt gekommen und ich tendiere dazu, es wieder ohne OP zu machen. Carl August überlässt mir diese Entscheidung, will mich auch nicht beeinflussen dabei.

Jerome sagte: „Mama, frag mich nicht, ich bin schwul und habe von so was keine Ahnung, du kriegst Kinder, ich nicht.“

Natascha meinte auch, dass ich das selber entscheiden muss. Ich lass es jetzt einfach mal auf mich zu kommen. Die Tasche für ins Krankenhaus steht gepackt in unserem Schlafzimmer, da, wo sie jedes mal, wenn ich schwanger war, gestanden hat. Martin wird wohl fahren, auch das hat ja Tradition, aber das wird erst dann entschieden, wenn es soweit ist.

Morgen gehe ich zunächst noch mal zu Gerry, um 11:00 Uhr hab ich Termin. Er soll mich noch einmal vorher richtig frisieren und chic machen. Der Kopf soll wenigstens hübsch aussehen, wenn ich auch sonst eher einer Tonne gleiche, aber das ist ja dann bald vorbei.

Jetzt kommen Carl August und Ulf, es ist fast 17:00 Uhr und zunächst essen beide mal von dem guten Kuchen, der ja noch reichlich vorhanden ist. Frau Gut macht schnell noch Kaffee für die beiden Männer.

Auf Irenes Frage hin berichtet Ulf, dass Oliver noch dabei ist, zu prüfen, wie sie in Sachen Philipp am klügsten vorgehen. Oliver meint aber, dass der Junge wohl am Entlassungstag von uns in Hildesheim abgeholt werden kann. Das Gespräch mit Gernot war auf jeden Fall gut und konstruktiv. Der will nochmal sehr eindringlich mit der Mutter des Jungen reden, will erreichen, dass sie sich in psychologische Behandlung begibt und dass sie den Jungen ziehen lässt.

Er hat gemeint, dass jetzt, wo sie weiß, dass er eventuell schwul ist, sie unterschwellig froh ist, wenn er nicht mehr zu Hause ist. Ich denke mal, das alles gut geht, ohne Gericht und Stress und das unserer und Irenes Familienzuwachs ziemlich zeitgleich stattfindet.

Über die aus diesem Grund abzuhaltende Party mit allen unsern Jungs und Mädels werden wir reden, wenn alles gut über die Bühne gegangen ist.

Mike, Samstag, 19.02 2011 um 19:00 Uhr mit den Jungs am großen Esstisch, nach einem guten Training und anschließendem Schwimmen.

Wir warten aufs Essen, das Kevin für alle bestellt hat. Wir, das sind heute alle,

es fehlt keiner und weil es am Tisch zu eng wird für alle, sitzen einige auf der Couchlandschaft und auf den Sesseln. Kevin hat bei einem türkischen Grill bestellt, verschiedene Sachen, Kebab, Salate, Pizzen und alles, was es so gibt beim Türken.

Für 30 Leute hat er bestellt, so viele sind wir auch und jetzt klingelt es und Kevin, Robin, Wolfi und Roland gehen nach vorn, um beim Rein tragen zu helfen. Auch Frank und Ole gehen mit.

Bald duftet es aus der Küche, wo die Jungs die Sachen abgestellt haben. Da kann sich nun jeder bedienen und holen, was ihm schmeckt. Von der Menge her würden glaub ich, auch vierzig und mehr Leute satt davon, also mehr als genug ist da für alle.

Kevin hat den Jungen, der das Essen gebracht hat, bezahlt und wohl auch ein gutes Trinkgeld gegeben, denn der Junge sah sehr zufrieden aus, der Schnuckel.

Das war echt ein ganz Hübscher und wer so auf südländische Typen steht, der hat auch ausgiebig hin geguckt. 1,8o groß etwa, schlank um die Hüften, die Schultern etwas breiter, schwarze, kurze Haare und die Beule in der Jeans war auch nicht gerade winzig… ein Hingucker halt und das haben auch die meisten gemacht.

„Auf dem Bosporus gedeihen auch hübsche Kerle, da schlagen doch die Schwuppenherzen gleich etwas schneller“, kommt es von Torsten, der von Sigrid dafür eine Kopfnuss kassiert, sehr zur allgemeinen Belustigung. Allerdings denke ich, dass wenn einer da wäre ohne festen Partner, der hätte den Jungen nicht fort geschubst, der sah schon toll und auch nett aus.

Ich glaube, das die Mädels auch etwas genauer hingeschaut haben, warum auch nicht. Solange es beim Gucken bleibt, sehe ich da kein Problem, der Junge hat auch geguckt und mein Eindruck war, das er die Jungs mehr taxiert hat, als die Mädels.

Sollte er wirklich eher auf Jungs stehen, so ist das in seinem vermutlich islamischen Kulturkreis wesentlich schwieriger und auch nicht ungefährlich. Ich möchte nicht wissen, was er für Probleme kriegen könnte als schwuler Junge.

Die meisten sind fertig mit Essen und so berichte ich jetzt mal, wie es auf der Großbaustelle aussieht.

„Also, Leute, die Rohbauphase ist zu Ende, Wände, Decken und Böden sind fertig bis auf die Feinarbeiten, sprich Putz und Farbe und Beläge. Die Räumlichkeiten des Studios, Duschen und Toiletten und alle Rohre und Leitungen sind verlegt. Dach und Wände sind isoliert und der Außenputz beginnt am Montag, wenn es keinen Frost gibt. Der Innenausbau ist in vollem Gange und in ca. vier Wochen soll alles fertig sein, bis auf verschiedene Einrichtungen, die aber auch in Arbeit sind. Der erste April ist als Tag der Bauabnahme terminiert, danach kann alles genutzt werden.“

Es gibt Applaus und alle reden ein wenig durcheinander. Ole meint dann laut, dass wir zum ersten Mai dann auch Neumitglieder, die nicht direkt zu unserem Kreis gehören, in den Verein aufnehmen können. Leander Seidel und sein Jochen, aber auch Pauls Bruder Ulli und andere Interessenten will er anschreiben und auch Robin soll auf der Webseite auf eine Mitgliedschaft ab dem ersten Mai hinweisen.

Über Trainingspläne und Gruppen sollen sich Alwin und vorerst auch noch Matze Gedanken machen. Matze und Chris werden uns mit Beginn des Sommersemesters in Hamburg verlassen und Alwin muss sich um Ersatz bemühen für Matze, hat aber da wohl schon jemanden im Auge aus seinem früheren Verein.

Zum Semesterbeginn hier in Bremen werden Dirk, Lex und Ralf fest in unsere WG einziehen, in der dann nur noch vier Zimmer mit Duschbad leer sind. Ob Noah und Enrico auch zu uns ziehen wollen, hängt mit davon ab, ob Noah in Bremen oder in Bremerhaven studiert. Ich denke, sie werden auch früher oder später hier einziehen, spätestens, wenn Paolo zu Natascha zieht und die Jungs die Wohnung aufgeben in Bremerhaven. Paul wird wohl dann sein Zimmer bei der Oma aufgeben, wird hier und auch bei Rolf wohnen und Jerome und Sergej werden ihr Reich in Bremerhaven ja auch irgendwann in zwei Jahren an die Remmers Zwillinge abgeben und nach Ende des Studiums wohl was Neues bauen oder kaufen.

Vielleicht bleiben ja auch dann alle hier wohnen, mir und Dirk würde das gefallen, zumindest so lange, bis wir Papas Firma übernehmen. Das gemeinsame Wohnen hier unter Freunden, das hat schon was und da es an nichts fehlt, könnte es also auch so bleiben.

Wenn es dann so weit ist, wird sich schon regeln, wer wo wohnt und mit oder bei wem. Ich persönlich hätte nichts gegen einen Fortbestand der WG hier mit unseren Freunden aber das hängt wohl auch sehr von der Zukunftsplanung der Leute hier ab und mit Natascha, Torsten und Sigrid, so wie Roland und Robin kommen ja in drei Jahren auch neue Studenten, die dann vielleicht auch hier wohnen wollen. Bis dorthin ist es noch lange hin, wer weiß, was bis dahin alles geschieht. Sind dann alle noch zusammen und auch immer noch befreundet?

Antworten darauf gibt es nicht im Voraus obwohl es ja toll wäre, wenn alles so bleiben würde. Das weiß aber keiner und es lohnt auch nicht, sich den Kopf über zukünftige Entwicklungen zu machen. Wir leben im Hier und Jetzt und das ist gut so.

Philipp, Montag, 21.02.2011, morgens, 10:30 Uhr bei der Visite.

Heute Morgen ist Chefvisite und der guckt sich gerade die dicke Lippe an, Die mir meine verstörte Mutter geschlagen hat.

„Es hätte schlimmer kommen können“, sagt er, „es heilt gut, ist nicht entzündet und am Mittwoch kann die Klammer raus. Eine Wiederholung ist ausgeschlossen, deine Mutter hat Hausverbot. Dein Stiefvater hat gefragt, ob er dich kurz vor Mittag mal besuchen könnte. Wenn du ihn sehen möchtest, geben wir ihm Bescheid, dass er kommen kann. Wenn du nicht willst, dass er kommt, werde ich ihm das sagen. Willst Du ihn sehen?“

„Ja, er ist anders wie sie“, sag ich, „er hat mich noch nie und würde mich auch niemals schlagen. Er soll ruhig kommen.“

„OK, dann lassen wir ihn später zu dir. Es gibt da eine Anfrage aus Bremen, ob du von hier nach dort ins Klinikum verlegt werden kannst“, fährt er fort, „wenn du das mit aller Gewalt möchtest, dann würde ich dem zustimmen, obwohl ich meine, es wäre besser, wenn du noch die drei Wochen hier mit Maxi verbringen würdest. Außerdem ist da natürlich auch ein gewisses Risiko, das eine Verlegung mit sich bringt. Du bist hier jetzt sicher, deine Mutter kommt hier nicht mehr rein und hier kennst du alles und wir wissen alles über dich. Ich würde dich nur ungern nach Bremen gehen lassen.“

Ein Blick in Maxis bittende Augen reicht.

„Ich bleibe, es ist ja nicht mehr lange und wenn meine Mutter nicht mehr herein kommt, dann ist es OK für mich.“

Maxi wäre dann wieder allein und ich dort in der Klinik wahrscheinlich auch. Da bleib ich doch lieber hier für die Zeit, gehe kein Risiko ein und habe hier noch ein bisschen Spaß mit Maxi.

Der strahlt jetzt, freut sich, das ich bleibe und auch dem Chefarzt scheint meine Antwort sehr zu gefallen. Lucas muss ich dann auch mal anrufen, der könnte uns ja jetzt mal richtig besuchen, so ohne Scheibe dazwischen.

Die Frage, ob die Lippe oder die Backe noch weh tut, verneine ich, weil wenn ich nicht dran fasse oder esse, spüre ich nichts mehr davon. Nur beim Kauen spannt es noch. Als sie wieder weg sind, kommt Maxi zu mir.

„Schön, das du nicht vorzeitig abhaust, das finde ich toll“, sagt er. „Zur Belohnung und auch nur, wenn du willst, blase ich dir mal einen später im Bad.“

Wow, was ein Angebot. Will ich das? Neugierig bin ich schon auf das Feeling, aber… Immer noch aber, immer noch Hemmungen und ein schlechtes Gewissen, wenn es um Sex geht.

„Und, willst du?“ fragt er. Ich schaue ihn entschlossen an und nicke dann.

„Cool“, sagt er, „das wird echt geil, warte es ab.“

„Aber erst nach dem Essen“, sag ich, „wenn Gernot wieder weg ist, sonst werde ich bestimmt rot, wenn er mich ansieht.“

„Wie du es willst“, sagt Maxi und grinst dabei, „ich freu mich drauf.“ Ein Blick auf seine Hose und ich sage grinsend auf seine Latte deutend: „Man sieht es deutlich, ab unter die Decke.“

Das muss ich nicht zweimal sagen. Wir müssen beide sehr lachen und dann klopft es.

So, das war Nr. 127, die Geburt der Zwillinge naht, ein neuer Abschnitt beginnt und es ist eine Gelegenheit, sich alle selbst zu überlassen. Mal sehen…

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1 Kommentar

  1. Heuhu,

    Das ist mal wieder ein toller Teil, den ich mit Freude gelesen hab. Bin jetzt echt gespannt wies weitergeht.

    VlG Andi

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