Der Schicksaldreh

Ich stand in meinem Zimmer vorm Schrank und überlegte, was ich anziehen sollte. Meine Freunde und ich, wir wollten heute einen Videoabend machen und ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich mich doch etwas beeilen sollte, wenn ich nicht zu spät kommen wollte.

Schnell schnappte ich mir eine Jeans und ein grünes T-Shirt und zog mich an. Auf dem Weg nach unten schnappte ich mir mein Portemonnaie und den Schlüssel und noch während ich in die Schuhe schlüpfte, rief ich: „Mom, ich bin dann weg“, ins Wohnzimmer.

„Okay, Joe, viel Spaß und komm nicht zu spät nach Hause.“

„Mach ich.“

Ich verließ das Haus und machte mich auf den Weg zu Steven. Joe, ja das bin ich. Ein eigentlich ganz gewöhnlicher Fünfzehnjähriger. Wenn man von der Tatsache absah, dass ich schwul bin.

Meine Freunde wussten dies noch nicht, denn es hatte sich irgendwie nie die Gelegenheit geboten, es ihnen mitzuteilen. Bei meinen Eltern wie auch meinem Bruder sah das aber anders aus, vor ihnen hatte ich das nicht geheim halten können, obwohl ich es wirklich versucht hatte.

Es war aber schon schwer, wenn man sich mit seinem Bruder ein Zimmer teilen musste.

Bei Steven angekommen war ich einer der letzten. Nur noch Sarah und Ben fehlten. Als auch sie endlich da waren, quetschten wir uns zusammen auf das Sofa und schauten den ersten Film, was uns aber irgendwie sehr schnell langweilte. Der Film war nicht so das Wahre.

„Sollen wir nicht was anderes machen?“, fragte da Sarah. Da sie nur zustimmendes Gemurmel hörte, sprang sie auf und verschwand in Richtung Küche. Keine fünf Minuten später kam sie wieder, mit einer Flasche in der Hand.

„Lasst uns Flaschendrehen spielen“, meinte sie nur.

Obwohl ich nicht so ganz begeistert davon war, machte ich mit, denn ich wollte ja auch kein Spielverderber sein. Immerhin wurde ich schon nach kurzer Zeit eines Besseren belehrt. Es machte richtig Spaß.

Na ja vielleicht hatte es auch daran gelegen, dass ich noch nichts hab machen müssen. Die anderen hingegen schon viel. Es war lustig dabei zuzusehen, wie Steven um uns herum hüpfen musste, und wir, so nett wie wir waren, ihn immer wieder angestupst hatten, und da er auf einem Bein kaum Halt hatte, fiel er doch immer wieder hin.

So viel wie bei diesem Spiel hatte ich schon lange nicht mehr gelacht.

Doch je später es wurde, umso kniffliger wurden die Aufgaben. Ging es vorher nur darum, die anderen lächerlich zu machen, gab es nun viele Knutschaufgaben oder anderes in dieser Richtung.

Ich wurde zum Glück noch davon verschont, was mir äußerst lieb war, denn ich wollte meinen ersten Kuss doch nicht an ein Mädchen verlieren. Still betete ich bei jeder erneuten Knutschaufgabe, dass die Flasche nicht bei mir stehen bleiben würde.

„So“, fing Mara an. „Auf den die Flasche zeigt, der…“ – machte sie es spannend – „…wird von Ben geküsst.“

Dabei grinste sie ihn an.

„Was? Aber?“

„Nichts aber. Da musst du jetzt durch“, blieb Mara knallhart.

Seufzend fügte sich Ben in sein Schicksal, während ich schon sehr neugierig darauf war, wen es erwischen würde.

Aber wohl nicht nur ich, wir alle verfolgten gespannt die Flasche. Wie sie immer langsamer wurde, wie jeder Passierte erleichtert ausatmete, nur um gleich wieder die Luft anzuhalten.

Ich warf einen Blick zu Ben, der die Augen geschlossen hatte. Fast so, als wolle er seinem Schicksal entfliehen.

„Da! Sie wird langsamer, gleich hört sie auf“, meinte Steven und ich blickte wieder zur Flasche.

Sie hatte noch eine halbe Runde bis zu mir. Ich hoffte, sie würde vorher anhalten. Oder an mir vorbei ziehen. Ein Kuss mit Ben wäre zwar irgendwie verlockend gewesen, aber ich hatte eher Angst darum, was die anderen dann denken würden.

Wie sollte ich denn reagieren, wenn es mich erwischen würde? Was erwarteten sie?

Ich hatte keine Zeit, um Antworten zu finden, denn genau in diesem Moment blieb die Flasche stehen.

Bei mir. Mist! Was sollte ich jetzt nur machen??

„Haha, das ist geil. Na dann los, Ben. Joe wartet schon“, lachte Steven.

Auch die anderen stimmten in das Lachen ein, nur Ben und ich nicht. Nervös schaute ich zu ihm und sah in mein emotionales Ebenbild, er war genauso nervös.

„Muss das denn sein?“, versuchte er noch mal seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

„Ja, und jetzt mach…sobald sich eure Lippen berühren, zählen wir bis 5 und dann könnt ihr wieder aufhören.“

Oh man, wer kam nur auf diese verrückte Idee? Unsicher knabberte ich an meiner Unterlippe. Ich würde ganz sicher nicht auf Ben zugehen, das traute ich mich gar nicht, doch er rückte langsam näher.

Immer wieder schaute er die anderen flehentlich an, doch sie kannten keine Gnade. Sie waren wohl selbst froh, dass es nicht sie getroffen hatte.

Nun würde ich also meinen ersten Kuss bekommen. Und das von einem Jungen, das erleichterte die Sache doch etwas.

Wie es wohl für Ben sein würde? Ekelte er sich davor? Oder – ich wagte es gar nicht zu hoffen – hatte ich einen Gleichgesinnten getroffen?

Langsam – ich hatte das Gefühl, es passiere alles im Zeitlupentempo – näherte sich sein Gesicht dem meinen.

Ich versuchte, ihm nicht in die Augen zu gucken, sondern schaute überall und nirgends hin. Doch vermeiden ließ es sich nicht wirklich und als seine weichen Lippen die meinen berührten, sah ich seine himmelblauen Augen direkt vor mir.

„1.“

Seine Lippen zu spüren, war einfach nur wow. Ich hatte noch nie etwas so schönes gespürt und in meinem Bauch rumorte es gewaltig, ganz so als ob ein ganzer Schwarm Schmetterlinge ausbrechen wollte.

„2.“

Diese 5 Sekunden, waren die längsten und gleichzeitig schönsten 5 Sekunden meines Lebens. Wir bewegten unsere Lippen zwar nicht, sondern ließen sie einfach nur aufeinander liegen, und doch löste dies etwas in mir aus, was ich nie erwartet hatte. Doch so schön es auch war, es machte mir Angst. Es war so neu, so unbekannt. War es richtig?

3.“

Ich konzentrierte mich nur auf seine Lippen, seine atemberaubenden weichen Lippen, und doch bekam ich so leicht mit, dass die anderen sich kaputt lachten. Sah es denn so komisch aus? Ich wusste es nicht. es fühlte sich jedenfalls nicht komisch an. Oder doch. Aber eher komisch schön.

„4.“

Vorsichtig ließ ich meinen Blick wieder zu seinen Augen wandern. Ich wollte wissen, was er dachte, doch ich wurde enttäuscht. Seine Augen waren geschlossen. Was dachte er jetzt nur? Wie empfand er es? Auch so wunderschön wie ich? Oder ekelte er sich? Stellte er sich ein Mädchen an meiner Stelle vor? So viele Fragen, und doch, eine Antwort gab es nicht.

„5“, schrien alle und Ben löste sich so schnell es ging wieder von mir. Die anderen konnten sich gar nicht mehr einkriegen vor Lachen und jedes Mal, wenn sie zu uns sahen, fingen sie wieder damit an. Mir dagegen war so gar nicht nach Lachen.

„Lasst uns weiter spielen“, meinte schließlich Mara, als sie sich beruhigt hatte und wir spielten zwar weiter, doch ich vermied es, in Bens Richtung zu sehen.

Ich wusste nicht was mich erwarten würde, wenn ich hinguckte wollte in seinen Augen nicht lesen, was er dachte. Ja, zuvor da hatte ich es noch wissen wollen, doch jetzt, jetzt hatte ich richtigen Bammel davor. Und so ignorierten wir uns gegenseitig.

Den ganzen restlichen Abend sprach keiner von uns beiden auch nur ein Wort. Als es dann auf Mitternacht zuging, machte ich mich auf den Weg nach Hause. Von allen hatte ich mich verabschiedet.

Von allen? Nein, von Ben nicht. Er hatte aber auch keine Anstalten dazu gemacht. Würde so jetzt eine Freundschaft kaputt gehen? Das wollte ich mir gar nicht vorstellen.

Schweigend ging ich nach Hause.

„Und wie war es, Joe? Hattest du viel Spaß?“, wurde ich auch gleich von meiner Mutter belagert.

„Ja, war schon lustig“; meinte ich nur und wollte nach oben verschwinden.

„Jetzt warte doch mal, Joe, erzähl doch mal. Was habt ihr so gemacht?“

„Mom, was man eben so macht bei einem Videoabend… wir haben Filme geguckt. Ich bin müde, ich geh ins Bett, okay?“

„Ja geh nur. Gute Nacht, mein Junge.“

„Nacht Mom.“

Doch ganz gleich, wie müde ich war, einschlafen konnte ich nicht. Immer und immer wieder spielte sich der Kuss in meinem Kopf ab. Seufzend drehte ich mich auf die Seite. Was sollte ich jetzt nur machen? Wie sollte ich mich verhalten? Was sollte ich nur machen, wenn Ben nicht mehr mit mir reden würde? Fragen über Fragen und doch keine Antwort in Sicht.

Seufzend drehte ich mich von einer Seite auf die andere und wieder zurück, auf den Schlaf wartend, der einfach nicht kommen wollte.

„Joe, kannst du jetzt endlich mal ruhig liegen bleiben“, kam es von oberem Bett genuschelt herunter.

„Entschuldige Sam, ich werde es versuchen“, meinte ich jedoch nur. Still liegenbleibend übermannte mich dann doch endlich nach einer schieren Ewigkeit der Schlaf.

***

Als ich am nächsten Morgen erwachte, drängten sich die Erinnerungen wieder in den Vordergrund. Ich seufzte auf und schloss meine Augen wieder. Einfach nur wieder einschlafen, dann müsste ich nicht weiter darüber nachdenken.

„Hey Kleiner, raus aus den Federn. Wie lange willst du noch da liegen bleiben?“, hinderte mich aber Sam daran.

„Ist ja gut, ist ja gut. Ich steh ja schon auf“, grummelte ich nur vor mich her.

„Na endlich. Beeil dich, es gibt gleich schon Mittagessen.“

Erschrocken sprang ich aus dem Bett.

„Was?? So lange hab ich geschlafen?“

„Ja du Schlafmütze“, grinste Sam.

Ich streckte ihm die Zunge raus und ging ins Bad. Immer noch leicht müde tapste ich nach dem Bad in mein Zimmer und zog mich um, dann machte ich mich auf den Weg nach unten in die Küche.

„Guten Morgen Mom, Guten Morgen Dad“, begrüßte ich meine Eltern.

„Morgen? Hast du mal auf die Uhr geguckt, Junge?“, kam es nur von meinem Vater kopfschüttelnd.

„Öhm nein“, grinste ich ihn an.

Das Essen verlief noch sehr unterhaltsam und lenkte mich so super ab. Doch kaum war es vorbei und kaum hatten wir uns in verschiedene Räume verstreuten, da drängte sich Ben wieder in meine Gedanken. Ich konnte den Kuss einfach nicht vergessen. Er war so schön.

Geistesabwesend setzte ich mich zu meinem Bruder vor den Fernseher.

„Joe, du siehst echt scheiße aus“, grinste Sam,

„Bedrückt dich irgendwas?“

„Ich weiß nicht“, wich ich aus.

„Wirklich nicht?“, fragte er nach.

Ich seufzte nur. Ja, Sam merkte immer, wenn mich irgendwas bedrückte. Das war ganz normal. Immerhin ist er mein Bruder, mein Zwillingsbruder. Ja, wir sind zweieiige Zwillinge. Wir sahen uns eigentlich schon recht ähnlich.

Na ja wenn man die Haar- und Augenfarbe einfach ignorierte. Während er kastanienbraunes Haar und braune Augen hatte, hatte ich blonde Haare und dazu sehr kontrastreich schwarze Augen. Aber ansonsten glichen wir uns schon, zumindest äußerlich.

Ich wusste nicht, ob ich ihm von dem Kuss erzählen sollte. Eigentlich hatten wir ja keine Geheimnisse voreinander, doch ich konnte nicht so richtig mit der Sprache rausrücken, daher schüttelte ich auf seine Frage erstmal nur den Kopf.

„Na gut, wenn du meinst. Aber wenn du reden willst, dann kommst zu mir ja?“

 „Ja.“

„Was machen wir jetzt? Irgendeine Idee? Der Tag hat ja erst angefangen“, fing Sam ein neues Thema an.

„Ich hab keine Ahnung“; meinte ich jedoch nur.

Stillschweigend saßen wir nebeneinander und überlegten. Immer wieder zuckte einer von uns hoch, sobald wir eine Idee hatten, doch verwarfen wir sie so schnell wie sie gekommen war.

Plötzlich sprang Sam auf.

„Ich hab’s. Lass uns schwimmen gehen. Na los, sitz da nicht so faul rum. Wir verlieren sonst noch wertvolle Minuten“, war alles, was ich von ihm zu hören bekam, bevor er nach oben rannte. Schnell folgte ich ihm.

Sam war in dieser Hinsicht immer leicht ungeduldig, wenn er sich was in den Kopf gesetzt hatte.

Ich beeilte mich damit, mir meine Badeshorts schon drunter zu ziehen, schnell noch alle benötigten Utensilien in eine Tasche zu packen und schon war ich wieder auf dem Weg nach unten.

Sam war schon vor mir fertig gewesen, und wie es schien hatte er unseren Eltern bereits Bescheid gesagt.

„Komm schon, Joe, der Bus fährt in fünf Minuten.“

Oh shit. Das war wirklich knapp.

Wir rannten so schnell es ging zur Bushaltestelle und erreichten gerade noch so den Bus. Puhh!

Kaum im Freibad angekommen, sahen wir uns schon dem nächsten Problem gegenüber.

Wo sollten wir hier noch einen schönen freien Platz finden? Die Idee, den Nachmittag im Freibad zu verbringen, hatten viele gehabt und es war wirklich sehr viel los. Wir marschierten suchend über die großzügige Grünanlage, doch die einzigen noch freien Plätze, auf denen man nicht direkt neben jemand anderem liegen musste, waren in der prallen Sonne.

Wir wollten aber lieber einen Platz, der auch ein wenig Schatten bieten konnte. Leider hatte ich schon immer die Fähigkeit, dass ich sehr schnell rot wurde und ich hatte auch schon immer das Gefühl, dass mein Körper die Braunphase nur zu gerne übersprang.

„HEY SAM, JOE. HIER SIND WIR!!!“

Erschrocken hob ich den Kopf und sah mich um.

„Da“, meinte Sam nur und deutete nach vorne zu einem großen Baum, unter dem unsere Freunde lagen.

„Na das ist ja ein Glück.“

Jetzt mussten wir doch nicht in die pralle Sonne.

Kaum bei ihnen angekommen, ließ ich mich ins weiche Gras fallen.

„Hey alle zusammen.“

„Hey ihr zwei.“

Ich ließ meinen Blick über die ganze Truppe schweifen und bemerkte, dass Ben gar nicht dabei war.

„Wo ist denn Ben?“ fragte ich die anderen.

Solche Unternehmungen fanden normalerweise immer gemeinsam statt und es war nur selten einer nicht dabei, so wie Sam gestern.

 

„Oh, vermisst du etwa deinen Angebetenen?“ feixte Steven.

„Red doch keinen Stuss“, fauchte ich zurück.

„Dein Abgebetener? Hab ich da irgendwas nicht mitbekommen?“, fragte Sam leicht verwirrt.

„Ach, hat er dir nichts erzählt?“, meinte Mara.

„Nein, was sollte er denn erzählt haben?“ schaute er sie fragend an.

„Ja, also das war so gestern…“, fing sie an, doch ich stoppte sie, indem ich ihr einfach den Mund zuhielt.

„Seid doch ruhig.“, meinte ich nur.

„Ach Brüderchen, jetzt machst du mich nur noch neugieriger. Also was ist da nun los?“, fragend sah er in die Runde.

„Gestern haben wir Flaschendrehen gespielt und Joe und Ben mussten sich küssen“, erzählte Chris bevor ich ihn aufhalten konnte.

Man war das peinlich. Sam wusste natürlich, dass ich schwul bin, man der würde mich zu Hause bestimmt mit Fragen nur so löchern.

 

„Echt? Mist, und ich war nicht dabei“, lachte Sam.

Ich grummelte nur leicht vor mich. Schnell zog ich mir mein T-Shirt, meine Schuhe und meine Hose aus.

„Ich geh schwimmen“, und damit verschwand ich in Richtung Becken.

Ich wollte gar nicht wissen, was sie noch darüber sagen würden. Ich wollte es auch nicht hören.

Mit einem Kopfsprung tauchte ich ins kühle Nass ein und spürte, wie die Kälte meine Gedanken vertrieb.

Ich entspannte mich immer mehr im Wasser und schwamm dabei einige Bahnen, dabei immer den anderen Schwimmbadbesuchern ausweichend, was nicht immer so einfach war.

Als ich das Becken verließ und wieder zurück zu den anderen ging, bemerkte ich, dass sie immer noch alle da saßen und lachten.

Oh, bitte lass sie nicht mehr von gestern reden, dachte ich unsicher. ich wusste immer noch nicht so recht, was ich machen sollte. Der Kuss hatte so viele Gefühle ausgelöst, aber was nun? Wie gern hätte ich mit Ben darüber gesprochen, doch er war ja nicht hier.

Leider. Andererseits…ich wüsste auch gar nicht, was ich sagen sollte…ach wieso war nur alles so kompliziert.

Wenn Ben doch nur auch schwul wäre, dann könnte ich ihm sicher viel leichter von meinen Gefühlen bei dem Kuss erzählen. Und von diesem Kribbeln, das sich immer wieder in meinen Körper ausbreitet, sobald ich nur daran denke, wie sich seine Lippen auf den meinen angefühlt haben, grübelte ich still vor mich hin.

„Da bist du ja wieder, Joe“, begrüßte mich mein Bruder.

„Japp, und ihr hockt immer noch hier rum?“

„Klar müssen ja schön braun werden.“

„Das wird man im Wasser auch.“

Seufzend ließ ich mich auf meinem Handtuch nieder und schloss die Augen. Ein Stupsen in die Seite ließ mich aus meinen Gedanken aufschrecken und ich öffnete leicht ein Auge. Es war mein Bruder.

Doch auf seinen fragenden Blick schüttelte ich nur mit dem Kopf. Ich wollte jetzt nicht drüber reden. Er verstand und ließ mich wieder in Ruhe Sonne tanken.

Als es immer später und auch dunkler wurde, machten wir uns auf den Weg nach Hause.

„Joe, was ist denn los? Du wirkst schon den ganzen Abend so abwesend. Ist es wegen dem Kuss? Warum hast du mir eigentlich nichts davon erzählt?“

„Hmm…“

„Hey“, rief er aus und stieß mir seinem Ellbogen in die Seite.

„Hörst du mir überhaupt zu?“

„Ja, ich hör dich“, meinte ich nur ausweichend.

„Was ist los, Kleiner? So kenn ich dich ja gar nicht.“

„Ach nichts.“

Er legte mir den Arm um die Schulter.

„Du weißt, du kannst mit mir über alles reden.“

„Ja ich weiß. Ich weiß nur nicht, wie ich anfangen soll. Es ist so kompliziert.“

Doch er ging nicht drauf an, da wir gerade zu Hause ankamen.

 „Hey Mom, hey Dad, wir sind wieder da.“

Mom kam aus dem Wohnzimmer zu uns in den Flur.

„Na wie war’s? Hattet ihr viel Spaß?“

„Ja, aber jetzt haben wir Hunger. Ist noch etwas zu essen da?“

„In der Küche steht noch was. Ihr müsst es euch nur warmmachen“, meinte Mom und ging wieder zurück ins Wohnzimmer.

„Hier Joe, nimm du die Sachen mit nach oben. Ich mach uns was warm und bring’s dann mit.“

„Ok.“

Im Zimmer angekommen warf ich unsere Taschen in die Ecke und ließ mich auf mein Bett fallen. Ausnahmsweise Mal ohne mir dabei den Kopf am Oberbett zu stoßen. Seufzend machte ich mir Gedanken, was ich Sam erzählen wollte und vor allem wie. Ich wusste es einfach nicht.

Keine zehn Minuten später kam Sam mit einem vollen Tablett balancierend ins Zimmer.

 „Zimmerservice“, rief er grinsend.

„Na das wurde aber auch Zeit. Ich warte hier schon eine Ewigkeit“, feixte ich und setzte mich an den Tisch, den wir mitten im Zimmer stehen hatten.

„Na dann Diener, ich warte.“

Sam stellte das Tablett in perfekter Dienermanier mit einer Verbeugung ab. Lachend nahm ich meinen Teller und wartete, bis er uns noch etwas Trinkbares eingegossen hatte.

„Ich hoffe, es ist alles zu Ihrer Zufriedenheit, mein Herr?“

„Na ja es geht.“

Lachend wandten wir uns dem Essen zu.

Mit vollem Magen verkrümelte ich mich aufs kleine Sofa, welches hier in einer Ecke zusammen mit einem kleinen Fernseher stand. Sam gesellte sich zu mir und ich legte mich so hin, dass ich meinen Kopf auf seinen Schoss legen konnte.

 „Jetzt erzähl mal, Kleiner. Was war da mit dir und Ben?“

„Du hast es doch schon gehört. Wir haben Flaschendrehen gespielt und ich musste ihn küssen…“

„Ja, das weiß ich doch. Ich wollte eher wissen wie es für dich war? Was hat Ben dann gesagt? Wie hat er reagiert? Wie du?“

„Der Kuss war so schön. Einfach unvergleichlich. Einfach wunderbar. Nur viel zu kurz. Aber seine Lippen…Hmm…“, fing ich an zu schwärmen.

„Na da hat’s dich aber erwischt“, meinte Sam.

„Was? Nein! Oder doch? Ach ich weiß nicht, Sam. Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Wir haben nach dem Kuss den ganzen Abend kein Wort mehr miteinander geredet. Und heute war er auch nicht dabei. Dabei machen wir doch immer alles zusammen…“, seufzte ich.

„Ach Kleiner, sag liebst du ihn?“

„Ich weiß nicht.“

„Denkst du oft an ihn?“

„Frag mich doch lieber, ob ich auch mal nicht an ihn denke. Seit gestern spukt er ununterbrochen in meinen Gedanken rum. Er will gar nicht mehr daraus verschwinden. Und…und jedes Mal spür ich so ein Kribbeln in meinem Bauch. Oft wünschte ich, er wäre hier. Bei mir.“

„Ach wie süß. Du bist verliebt, Joe.“

„Meinst du?“

„Jap.“

„Aber, aber…“

„Kein Aber“; unterbrach mich Sam, „du bist verliebt. Basta.“

„Das wollt ich doch gar nicht anzweifeln. Jedenfalls nicht gerade.“

„Oh ach so. Dann sag dein aber“, grinste er.

Dass er aber auch wirklich nichts ernst nehmen konnte.

„Was ist jetzt, Kleiner?“ fragend sah er auf mich hinunter.

„Was ist, wenn er nicht das gleiche empfindet? Soll ich es ihm überhaupt sagen? Ich weiß nicht, was ich machen soll“, traurig schaute ich zu Sam nach oben.

„Ach Kleiner. Warten wir einfach mal ab, okay? Aber es wird schon. Wir werden ja erst mal sehen wie es morgen in der Schule wird. Machen wir es einfach von seiner Reaktion abhängig, ob du es ihm sagst. Man muss ja nichts überstürzen.“

„Okay.“ „So und nun ab ins Bett, es ist schon spät.“

„Ay ay Captain.“

„Spinner“, lachte er.

Wir machten uns bettfertig und legten uns hin, doch an Schlaf war nicht zu denken. Ich konnte einfach meine Gedanken nicht abschalten. Immer wieder tauchte Ben vor meinem inneren Auge auf.

***

Ahh, was ist das? Müde, immer noch mit geschlossenen Augen, zog ich das unbekannte Objekt von meinem Kopf, welches sich nach Öffnen der Augen als Sams Kissen identifizierte.

„Steh auf Kleiner. Wir sind schon spät dran.“

„Will nicht, bin noch müde“; murrte ich und drehte mich auf die andere Seite.

„Wenn du nicht bei drei aus dem Bett bist, dann entleer ich einen Eimer Wasser über dir“, drohte mir Sam und eins wusste ich ganz genau, er machte seine Drohungen immer wahr.

 „1…“ und schon sprang ich aus dem Bett.

„Ach menno. Jetzt hab ich den Eimer umsonst geholt“, schmollte er leicht, doch das Grinsen in seinem Gesicht verriet ihn.

Wir konnten uns nie lange böse sein. Doch ein Blick auf die Uhr trieb uns an, wir hatten noch gut eine Viertelstunde bis der Bus kam. In Rekordzeit schossen wir ins Bad, eine schnelle Katzenwäsche musste reichen, normalerweise genoss ich morgens noch meine schöne warme Dusche, aber heut musste ich leider drauf verzichten. Ruckzuck in Klamotten geschlüpft, Tasche geschnappt und ab nach unten.

„Guten Morgen ihr zwei. Ihr seid spät dran“, begrüßte uns unsere Mutter.

„Wissen wir“, sagten wir einheitlich und stürmten zu unseren Schuhen.

Gerade wollten wir wieder in die Küche, um uns wenigstens etwas zu trinken einzupacken, als unsere Mutter zu uns kam, im Arm zwei Flaschen Apfelschorle und zwei Fresspakete.

„Hier für euch und nun ab, sonst kommt ihr noch zu spät.“

„Danke Mom.“

Und los ging es, im Eiltempo, na ja wohl doch eher im Sprint, ab zum Bus.

„Guten Morgen, ihr zwei. Mal wieder verpennt?“ begrüßte uns Steven grinsend.

 Ja, es wurde schon zur Gewohnheit, dass wir montags etwas abgehetzt aussahen. Aber es ist doch wahr, es gibt nichts Schlimmeres als nach einem erholsamen Wochenende montags wieder in die Schule zu müssen.

Kaum kamen wir in der Schule an, schloss von allen Seiten der Rest unserer Clique zu uns auf. Ich freute mich sehr, denn Ben war auch dabei. Doch meine Freude wurde schnell getrübt, er schaute mich einfach nicht an.

Selbst auf mein Hallo reagierte er nicht. Traurig ließ ich den Kopf hängen.

„Nicht aufgeben, Kleiner, nur nicht aufgeben“, flüsterte mir mein großer Bruder zu.

Tapfer verdrängte ich die aufkommenden Tränen und ging mit den anderen ins Schulgebäude. Doch viel vom Unterricht bekam ich nicht. in den Fächern ohne Ben, dachte ich pausenlos an ihn, dass es selbst meine Lehrer nicht immer schafften mich aus meinen Gedanken zu reißen.

Doch am schlimmsten waren die Fächer, bei denen er auch da war. Ich versuchte jedes Mal seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Seine Reaktionen waren immer gleich. Er ignorierte mich und es tat weh, so weh.

Ich atmete tief durch. Jetzt begann die schrecklichste Stunde. Englisch. Das Fach an sich war nicht so schlimm. Aber Ben saß direkt neben mir. Wie sollte ich die Stunde nur überstehen? Als sich Ben setzte, widmete er mir nicht einen einzigen Blick.

Ich hatte das Gefühl, mein Herz würde sich zusammenziehen, so sehr schmerzte es. Leicht spürte ich die Tränen in meinen Augen aufstehen.

Ich schob Ben als letzten Versuch für heute, mehr verkraftete ich einfach nicht, einen kleinen Zettel zu.

„Können wir reden?“, hatte ich darauf geschrieben.

Als er das Zettelchen bemerkte, las er es doch tatsächlich. Zum ersten Mal heute. Voller Zuversicht wartete ich auf seine Antwort. Doch er zerknüllte die Nachricht einfach und ließ es auf den Boden fallen.

Schnell schaute ich in die andere Richtung und mein Blick streifte den meines Bruders. Leicht schüttelte ich mit dem Kopf. Er verstand mich auch so.

Deprimiert wartete ich darauf, endlich diesen Raum und auch gleich die ganze Schule verlassen zu können. Ich wollte einfach nur noch nach Hause.

Kaum klingelte es zum Stunden- und damit auch zum Schulende stopfte ich meine Sachen in die Tasche und stürmte nach draußen. Bloß raus hier.

„Joe!! Joe, warte auf mich“, vernahm ich es auf einmal von hinten.

Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass Sam mir gefolgt war. Ich verlangsamte meinen Schritt und wartete, bis er gleichauf war.

„Kleiner“, sagte er nur leise.

Mir kamen die Tränen wieder hoch und ich ging schneller. Ich wollte nicht auf dem Schulgelände heulen, Ben sollte das nicht sehen. Ach, ist ja auch egal. Wahrscheinlich schaute er eh nicht zu mir. Wieso auch.

Sam legte mir einen Arm um die Schulter und gemeinsam verließen wir das Gelände und gingen zu Fuß nach Hause. Das dauerte zwar eine Dreiviertelstunde, aber das war mir lieber, als mit dem Bus zu fahren.

Ich konnte die Blicke der anderen irgendwie nicht ertragen. Ich wollte, dass Ben mich ansah, doch er ignorierte mich. Es tat so weh.

Kaum zuhause angekommen, stolperte ich ohne meine Mom zu grüßen hoch in mein Zimmer.

Ich ließ mich auf das Bett fallen und konnte die Tränen nicht mehr zurück halten und schluchzte herzzerreißend in mein Kissen. Ich verstand einfach nicht, wie er unsere Freundschaft so in den Dreck werfen konnte.

Denn ja, genau so war es mir erschienen, als er den Zettel fallen gelassen hatte. Ist denn nicht wenigstens unsere Freundschaft etwas wert? Will er die kaputt gehen lassen, wegen einem Spiel?

Ich bekam nicht richtig mit, wie ich so langsam wegnickte. Die letzte Nacht war einfach zu kurz gewesen.

 

„Hey Kleiner“, hörte ich jemanden sagen und eine Hand strich mir über den Kopf.

Müde öffnete ich die Augen.

„Es gibt Abendessen. Na komm“, forderte mich mein Bruder auf.

Schlaftrunken folgte ich ihm nach unten und setzte mich gähnend an den Tisch.

„Joe, ist alles in Ordnung bei dir?“, wurde ich auch gleich von meinem Vater gefragt.

„Ja geht schon. Ich bin einfach nur müde. Hab die Nacht nicht viel geschlafen“, antwortete ich ausweichend.

Mein Vater ließ das Thema auf sich beruhen, denn er wusste, wann ich nicht reden wollte. Das war etwas, wofür ich ihm schon immer dankbar war.

Nach dem Essen ging ich zusammen mit Sam hoch und wir setzten uns an unsere Hausaufgaben.

Er hatte extra auf mich gewartet, und sie nicht schon vorher gemacht. Gegenseitig halfen wir uns und wurden dann auch schnell genug fertig. Während Sam nach unten ging, um noch etwas fernseh zu schauen, ging ich ins Bad und machte mich bettfertig.

Ich fühlte mich immer noch so erschlagen. Noch etwas Schlaf würde bestimmt gut tun. Schnell war ich eingeschlafen und verdrängte jeden weiteren Gedanken an morgen.

Doch der nächste Morgen kam und damit ein neuer Tag in der Schule.

Es hatte sich nichts geändert. Ben ignorierte jeden meiner Versuche mit ihm zu reden. der Schmerz wurde nicht weniger, sondern wuchs stetig an.

Mit jedem Tag, der verging, schwand meine Hoffnung, dabei wollte ich doch nur mit ihm reden.

Die Woche verging und jeden Tag das gleiche Schema, bis schließlich der Freitag anbrach, die letzte Chance mit Ben zu reden, bevor ich ihn ein ganzes Wochenende nicht würde sehen können.

Trotzdem hatte ich keine richtige Lust, in die Schule zu gehen, doch zuhause bleiben konnte ich auch nicht und so fand ich mich dann doch in der Schule wieder. Ich würde es noch mal versuchen, mit Ben zu reden.

Aber Sam und ich hatten uns drauf geeinigt, dass ich es erst in der Sportstunde versuchen sollte. Dort waren wir seit Beginn des Schuljahrs Partner. Wann sonst außer da würde sich die perfekte Gelegenheit bieten, um mit ihm zu reden?

Die Schulstunden vergingen an dem Tag sehr langsam. Vielleicht kam es mir aber auch nur so vor, weil ich endlich mit Ben reden wollte und so ungeduldig war. Aber noch trennten mich zwanzig Minuten Mathe davon.

„Joe, komm doch mal bitte nach vorne und löse die Aufgabe“, wurde ich brutal aus meinem Gedanken gerissen.

Verwirrt sah ich nach vorne und bemerkte, wie mich meine Lehrerin auffordernd ansah. Seufzend ging ich zur Tafel, doch ich hatte keine Ahnung von dem, was ich hier machen sollte.

Überlegend und unsicher stand ich da und starrte die verwirrenden Zahlen und Formeln an. Was sollte ich denn nur machen? Fragend sah ich meine Lehrerin an, doch sie nickte nur Richtung Tafel.

Geschlagene fünf Minuten stand ich da noch, alle Blicke auf mir, bis ich zugab, dass ich es nicht konnte, weil ich nicht aufgepasst hatte. Das Gelächter der Klasse hatte ich auf meiner Seite.

Das war ja so peinlich und so schmerzhaft, denn auch Ben lachte mit. Zwar nicht so laut wie die anderen, aber auch er hatte ein Grinsen auf den Lippen.

„Setz dich, Joe, das gibt für diese Stunde eine 6. Ich hoffe für dich, dass du die letzten Minuten noch aufpasst. Jetzt setz dich wieder hin.“

Mit hängenden Schultern schlurfte ich zurück zu meinem Platz und ließ mich neben Ben nieder. Ja wir saßen, wie eigentlich überall wenn wir zusammen Unterricht hatten, auch in Mathe nebeneinander.

Dann ging es zu Sport. Auf dem Weg zur Sporthalle holten mich Sam und die anderen ein.

 „Hey Joe, und wie war dein Tag bis jetzt?“, fragte Steven.

„Scheiße, die reinste Katastrophe“, meinte ich nur.

„Was wieso? Was ist passiert, Kleiner?“

Sam schaute mich besorgt an.

„Ach es läuft heute nichts, wie es sollte.“

„Hey Twins, beeilt euch mal. Ihr seid sonst die letzten“, rief Steven von vorne, er war mit den anderen schon weitergegangen, während ich leise mit Sam redete.

Wir waren wirklich unter den letzten, die sich umzogen, also beeilten wir uns dann doch und trudelten dann mit den anderen zusammen in der Sporthalle ein.

„Gut da jetzt alle da sind, können wir ja anfangen. Lauft euch warm und danach geht ihr immer zu zweit zusammen und holt euch hier bei mir einen Ball ab. Wir werden heute mit Volleyball anfangen“, wies uns der Coach an und wir taten wie verlangt.

Während ich neben Sam meine Runden lief, unterhielten wir uns darüber, wie ich jetzt am besten mit Ben ein Gespräch anfangen konnte.

Nachdem ich die letzte Runde hinter mich gebracht hatte, wollte ich zu Ben gehen, doch bevor ich ihn erreichen konnte, ging er zu jemand anderem.

Nämlich zu einem Schüler, der seit diesem Schuljahr neu in der Klasse war und das Pech hatte, in Sport mit unserer Supernull zusammen arbeiten zu müssen. Was wollte Ben von ihm?

Ich ging weiter zu ihm und wollte Ben grad auf die Schulter tippen, als ich etwas hörte, was mich völlig aus der Bahn warf.

„Wollen wir zusammen machen?“, das fragte Ben doch tatsächlich den anderen.

Wie konnte er nur? Wir hatten bis jetzt immer in Sport als Partner zusammen geübt, waren ein eingefleischtes Team, das schon so manchen Wettkampf gewonnen hatte. Was hatte ich ihm nur getan, dass er all das machte? Seufzend ließ ich den Kopf hängen. Was sollte ich denn jetzt machen?

„Hat jeder einen Partner und einen Ball?“

Ich hob die Hand, um anzuzeigen, dass ich noch keinen Partner hatte.

„Ah Joe, du machst dann zusammen mit Felix.“

Ich stöhnte genervt auf.

„Jetzt hört mal alle zu, ihr stellt euch jetzt gegenüber auf und spielt euch den Ball zu.“

Der Coach erklärte uns noch kurz die Technik, schon ging’s los und mein Untergang begann. Denn Felix war eben genauso diese Sportnull, mit der der Neue bisher als Team gearbeitet hatte. Ich schnappte mir seufzend einen Ball und ging zu ihm.

Na das konnte ja was werden. Wir suchten uns einen Platz, der schön weit weg von allen war, denn in Felix’ Nähe zu sein, ging nie schmerzfrei aus. Und ausgerechnet ich musste mit ihm zusammen machen, als hätte ich nicht schon genug Schmerzen zu verdauen.

Als wir uns gegenüber standen, spielte ich ihm leicht den Ball zu, in der Hoffnung, er würde ihn fangen. Denn genau das sollten wir machen. Der eine sollte den Ball zuspielen, während der andere ihn fangen musste.

Hörte sich nicht schwer an und war es auch nicht, aber wie gesagt, schien heute nicht mein Glückstag zu sein. Ich hätte wissen müssen, dass mein Hoffen nichts bringen würde, tat es immerhin die ganze Woche schon nicht.

Felix fing den Ball nicht und musste ihm durch die ganze Halle hinterher laufen. Dabei rempelte er mal den einen oder anderen an, bis sich schließlich jemand erbarmte, genauer gesagt war es Mara, und ihm den Ball in die Arme drückte.

Und weiter ging es. Anstatt den Ball zu mir zu spielen, verfehlte er ihn immer wieder. Ich versuchte ihm einige Tipps zu geben, doch nichts klappte. Gelangweilt sah ich mich in der Halle um, bis ich Ben entdeckte.

Selbst beim Ball auffangen sah er einfach nur toll aus. Vor mich hinschwärmend beobachtete ich ihn noch eine ganze Weile, bis ich plötzlich einen dumpfen Schmerz am Kopf wahrnahm. „Oh Gott Joe, das wollte ich nicht“, war alles, was ich noch hörte, bevor mir schwarz vor den Augen wurde.

Wer hätte auch ahnen können, dass unsere Sportnull so einen festen Schlag drauf hat, wenn er den Ball mal traf.

 

***

 

Als ich die Augen wieder öffnete, wusste ich nicht mal, wo ich war. Was ist überhaupt passiert?

„Hey Kleiner, da bist du ja wieder“, hörte ich eine leise Stimme von rechts.

Langsam drehte ich meinen Kopf in die Richtung.

„Autsch.“

Das war wohl keine so gute Idee von mir. Mein Schädel brummte vielleicht.

„Langsam Joe. Du hast ganz schön was an den Kopf bekommen.“

Verwirrt sah ich zu Sam.

„Was?”

„Felix hat dir den Ball an den Kopf gehauen, weißt du das nicht mehr?“

„Doch, ich glaub jetzt wieder. Warum hat der so einen Schlag drauf?“

„Frag ihn selbst, er steht draußen. Sagt die ganze Zeit, dass er das nicht wollte. Es nervt schon ein wenig“, grinste Sam.

„Wo bin ich hier überhaupt?“, nur die Augen bewegend, wollte ich mich umschauen, doch ich sah nicht viel.

Den Kopf wollte ich aber trotzdem nicht wieder bewegen. Noch so einen Schmerzschauer wollte ich nicht erleben.

„Im Krankenzimmer. Wir haben dich hergetragen, als du nicht mehr aufwachen wolltest. Du hast mir einen richtigen Schrecken eingejagt, Kleiner.“

Sam sah sehr besorgt aus.

„Tut mir leid“, nuschelte ich leise.

„Wann kann ich hier weg?“, fragte ich ihn.

Ich wollte hier nicht wirklich bleiben.

„Sobald Dad da ist, ich habe ihn eben angerufen. Er müsste auch gleich kommen.“

Und als hätte Dad nur auf sein Stichwort gewartet, kam er genau in diesem Moment in den Raum hinein.

„Du bist wach, Joe“, stellte er unnützerweise fest.

 „Wie es aussieht“, grinste ich breit zurück.

Mhm. Das sollte ich vielleicht noch ein wenig sein lassen.

„Dann wollen wir mal gehen. Kannst du aufstehen?“, fragend sah Dad mich an.

„Ich weiß nicht.“

Ich ließ vorsichtig und langsam die Beine von der Liege gleiten, immer noch in einer liegenden Position. Mir war zwar klar, dass das komisch ausgesehen haben musste, aber ich traute mich einfach nicht, meinen Oberkörper anzuheben.

Sam schien mich wohl verstanden zu haben und kam zu mir, um mir langsam aufzuhelfen. Und wir taten es auch wirklich langsam. Was auch besser so war. Denn kaum saß ich, wurde mir kurzzeitig wieder schwarz vor den Augen.

Als sich meine Sicht wieder klärte, griff ich nach Sams und Dads Händen und sie halfen mir aufzustehen. Oh man, wie hatte das nur passieren können? Meine Beine fühlten sich an wie Pudding.

Damit zu gehen, erwies sich als sehr schwer. Kaum hatten wir den ersten Schritt aus dem Krankenzimmer gemacht, kam Felix auf uns zu gerannt. Immer und immer wieder sagte er, wie sehr es ihm leid täte und dass er das nicht gewollt habe.

Meine Kopfschmerzen schwellten mit jeder Wiederholung an und ich unterbrach Felix etwas barsch.

„Ist ja gut. Jetzt krieg dich mal wieder ein.“

Dad und Sam halfen mir zum Auto und ich war erleichtert, als ich endlich wieder sitzen und meinen Kopf anlehnen konnte.

„Zu Hause gehst du gleich ins Bett, verstanden Joe?“

„Ja.“

Nichts lieber als das.

Und wirklich, kaum waren wir zuhause, schliffen die beiden mich in mein Zimmer und legten mich auf dem Bett ab. Während Sam mir aus den Sportsachen raus half, so dass ich nur noch in Boxershorts da lag, ging Dad nach unten.

Bestimmt, um Mom zu berichten, was passiert war. Sie war eben etwas beunruhigt in der Tür gestanden, als wir herein gekommen waren.

„So Kleiner, dann ruh dich mal aus. Wenn was ist, ich bin unten.“

Er legte mir unser Zimmertelefon direkt auf den Nachttisch, damit ich im Notfall unten anrufen könnte, damit jemand hochkam. Mühsam zog ich die Decke über mich und glitt gleich ins Reich der Träume.

Am späten Nachmittag wurde ich wieder wach, da meine Blase drückte. Langsam und vorsichtig bemühte ich mich darum aufzustehen. Ich wollte niemanden zur Hilfe rufen, nur um auf die Toilette gehen zu können.

Das würde ich auch schon alleine schaffen. Nur alles schön langsam.

Als ich das Bad erreicht hatte, ließ ich mich erleichtert aufm Klo fallen. In meinem Kopf drehte sich alles ein wenig. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, allein gehen.

Kaum hatte ich meine Blase erleichtert, zog ich mich am Waschbecken, welches sich direkt daneben befand, hoch.

„Joe? Joe, wo bist du?“, hörte ich Sam im Flur schreien.

„Hier, im Bad“, antwortete ich ihm.

Nicht gerade sehr laut, aber er musste mich gehört haben, denn keine zwei Sekunden später stürmte er herein.

„Mensch Joe, warum hast du denn niemanden gerufen. Geht’s dir gut? Du bist so blass.“

„Geht schon. Ich möchte nur zurück ins Bett. Hilfst du mir?“

Bittend sah ich ihn an.

„Na klar. Komm.“

Als ich mich wieder auf mein Bett fallen lassen konnte, war ich so erleichtert.

„Du Joe?“

„Ja, Sam?“

„Du hast Besuch. Soll ich ihn hoch lassen. Meinst du, du schaffst das?“

„Ja mach nur. Ich schaff das.“

„Wirklich?“

Er schaute mich prüfend an, doch ich nickte nur leicht. Bestimmt war es Mara oder Sarah, die beiden machten sich immer ziemlich schnell Sorgen.

Doch es war keine der beiden, als es an die Zimmertür klopfte.

Ich blinzelte mehrmals, um mich wirklich davon zu überzeugen, dass ich nicht fantasierte. Geschockt rieb ich mir über die Augen, doch das Bild blieb. Ben lehnte dort am Türrahmen und schaute zu mir herüber.

Es war wirklich Ben. Solange hatte ich schon mit ihm reden wollen und jetzt stand er tatsächlich hier. Ich lächelte ihn an und war so glücklich, dass er hier war.

 

Hi Ben.“

Betreten stand er immer noch in der Tür,

„Hi Joe. Kann – kann ich mit dir reden?“

„Ja, komm ruhig rein. Du musst da nicht stehen bleiben.“

Langsam kam er näher und zog sich einen der Schreibtischstühle zu meinem Bett. Doch als er dann endlich saß, schwieg er.

„Ben?“, fragte ich leise.

Er zuckte zusammen. Ich hatte ihn wohl aus seinen Gedanken gerissen.

„Ja? Ähm…entschuldige ich hab nachgedacht. Wie geht es dir?“

„Schon okay. Mir brummt der Kopf, aber sonst geht’s schon.“

Wieder trat diese Stille ein und es schien nicht so, als wollte Ben sie brechen. Warum war er nur hergekommen, wenn er dann doch nicht reden wollte? Hatte ihn jemand gezwungen?

„Du bist aber nicht nur vorbei gekommen, um mich das zu fragen, oder?“, forderte ich ihn ein weiteres Mal zum Reden auf.

Ich wollte die Chance nutzen, die sich hier bot. Doch erst sollte er mir erklären, warum er hier war.

„Nein, nein i-ich wollte re-reden wegen Samstag“, stotterte er sich einen zurecht.

Endlich!

„Und was genau?“

„Na du weißt schon…“

Er wollte es nicht aussprechen, hieß das nun, er fand’s zu eklig, um es überhaupt zu sagen oder…?

„Ähm, ja…ähm wie soll ich sagen…“, fing er an, während er seinen Blick durchs Zimmer streifen ließ.

„Ähm, da war ja dieser Kuss…und ich ähm…bin… nein… war verwirrt. Ach, ich weiß nicht mehr, was ich sagen wollte, verdammt“, fluchte er leise vor sich hin.

Er stützte sich mit seinem Ellbogen auf den Knien ab und raufte sich die Haare, was mehr als süß aussah. Als er seinen Kopf wieder hob, neigte er ihn leicht zur Seite und schaute interessiert an mir vorbei. Aber wieso?

Ich folgte seinem Blick und entdeckte meine Flagge. Ja, ich hatte mir eine Regenbogenflagge als Abtrennung ans Bett gemacht, damit ich auch mal meine Ruhe hatte und mich nicht jeder beim Schlafen beobachten konnte.

Tagsüber war sie meistens leicht zwischen der Matratze meines Bruders und dem Lattenrost eingeklemmt.

Bisher hatte sie noch nie einer unserer Freunde entdeckt. Geradezu ängstlich wartete ich auf Bens Reaktion.

Dass er wusste, was sie bedeutete, wurde mir in dem Moment klar. Sein Blick verriet alles. Die Erkenntnis glomm in seinen Augen auf. Was würde mich jetzt nur erwarten? Oh bitte, lass ihn gut reagieren, betete ich still vor mich hin. Ben löste seinen Blick von der Flagge und schaute wieder zu mir.

„Was? Wie… äh… warum?“

Fragend sah er zu mir. Ich drehte meinen Kopf zur anderen Seite und nuschelte leise

„Ich bin schwul.“

„Ähm…was – was hast du gesagt? Ich hab dich nicht verstanden.“

Doch ich schwieg. Dass Ben einmal um das Bett herum lief, bekam ich erst mit, als sein Gesicht direkt vor meinem auftauchte.

„Kannst du das noch mal wiederholen?“, fragte er wieder.

„Ich bin schwul“, gestand ich, was ihn wohl sehr überrascht haben musste, denn er landete sitzend auf dem Boden.

„Uff.“

„Warum hast du uns das nie gesagt?“

„Ich wusste nicht, wie ihr reagiert… ich hatte Angst vor eurer Reaktion.“

„Ja, aber wir sind doch deine Freunde. Uns kannst du doch alles sagen“, beharrte er.

Vergessen war wohl die Tatsache, dass er mir eigentlich was erzählen wollte, doch so leicht wollte ich nicht aufgeben. Er kam, um mit mir zu reden und ich war immer noch neugierig, was er denn nun wegen dem Kuss hatte sagen wollen.

„Darum geht es doch jetzt gar nicht. Du wolltest mir eben was erzählen. Also, ich warte“, brachte ich das Gespräch wieder auf das Ursprüngliche zurück.

„Ähm“, ein leichter Rotschimmer breitete sich auf Bens Wangen aus.

Einfach nur süß!

„Ich wollt… ähm… mich entschuldigen.“

„Entschuldigen? Wofür?“

„Weil ich dich die Woche so ignoriert habe. Ich – ich musste nachdenken. Nach Samstag war ich so verwirrt und deine Nähe in der Schule hat mir nicht sehr geholfen, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Es tut mir leid“, reumütig schaute er gen Boden.

Traurig sah ich ihn an.

„Und was ist beim Nachdenken heraus gekommen?“

Einerseits wollte ich es nicht wissen, doch andererseits musste ich es einfach.

Ben kaute auf seiner Lippe rum und schien nach den richtigen Worten zu suchen.

„Der…“, fing er an, doch unterbrach sich selbst.

Nervös ließ er seinen Blick wieder durch das Zimmer schweifen. Ich ließ ihm die Zeit, drängen wollte ich ihn nicht. Unsicher sah er auf den Boden und fing erneut an zu sprechen.

„Der…der Kuss…also…öhm…ich…ich fand ihn schön.“

Perplex schaute ich ihn an. Konnte er sich nicht mal entscheiden? Erst stotterte er rum und dann redete er so schnell, dass ich rein gar nichts verstehen konnte.

„Was hast du gesagt? Ich hab dich nicht verstanden. Kannst du das vielleicht noch mal sagen?“

Er schluckte sichtbar.

„Ich fand ihn schön.“

Ich musste mich sehr anstrengen, um ihn zu verstehen, denn er redete sehr leise.

„Den Kuss fandest du schön?“, fragte ich lächelnd noch mal nach, bekam als Antwort aber nur ein Nicken.

Langsam richtete ich mich im Bett etwas auf und griff sanft nach seiner Hand. Ich wollte ihn einfach berühren, ihm so nah sein, wie es ging. Ein leichter Rotschimmer breitete sich auf Bens Wangen aus und ich musste leicht grinsen. Das sah auch einfach zu süß aus.

„Und was bedeutet das jetzt für dich?“, fragend schaute ich ihm in die Augen.

„Ich weiß nicht, das ist alles so neu für mich.“

Ich ließ mich seufzend wieder ins Kissen sinken, als mir die Kopfschmerzen wieder durch den Kopf schossen. Sitzen schien wohl nicht so angebracht zu sein.

„Joe, alles ok? Was hast du? Tut dir was weh?“

„Nur mein Kopf. Das geht gleich wieder. Oh man ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet Felix mich so ausknockt.“

Doch anstatt Mitgefühl zu zeigen, kicherte Ben nur.

„Ey, kicher nicht. Das ist nicht lustig. Zur Strafe fordere ich jetzt….mhm.“

Ich musste mir noch was Gutes einfallen lassen.

„Was denn?“ fragte Ben nach.

„…mhm…einen Kuss.“

Ja, ein Kuss wäre schön, ich möchte so gern wieder seine Lippen spüren. Dies wünschte ich mir schon seit Tagen. Hoffentlich macht er es, betete ich still vor mich her.

„Ein…Ein Kuss?“

Jetzt war ich es, der unsicher schaute.

„Nur wenn du magst?“

Er nickte leicht, kam dann zu mir und setzte sich auf die Bettkante.

Jetzt kam unser zweiter Kuss. Die Vorfreude stieg in mir auf und ich konnte es gar nicht mehr erwarten. Langsam beugte er sich zu mir runter, sein Blick schweifte immer wieder zwischen meinen Lippen und meinen Augen hin und her.

Einfach zu süß. Lächelnd schaute ich ihm in die Augen und hob meine Hand, um sie in seinen Nacken zu legen. Nun zauberte auch er ein Lächeln auf seine Lippen und kam immer näher, solange bis sich unsere Lippen berührten und ich im siebten Himmel landete.

Einfach traumhaft und noch viel schöner als der erste. Sanft und vorsichtig bewegten wir unsere Lippen.

Ich hätte ihn ewig so weiter küssen können, doch plötzlich spürte ich einen schweren Druck auf meiner Brust.

Ben war während des Kusses umgekippt und lag nun halb auf mir und halb auf dem Bett. Ich konnte nicht anders und fing an zu lachen. Sein Gesichtsausdruck war einfach zum schießen. Total verdattert schaute er zu mir, doch dann lachte er mit.

Er striff sich die Schuhe ab und legte sich dann ganz ins Bett, direkt neben mich. Dabei lag er mit dem Oberkörper zu mir gewandt und auch ich drehte mich auf die Seite, um ihm wieder in die Augen gucken zu können.

„Das war schön“, meinte er leise.

„Ja, das war’s“, dann schwiegen wir wieder und schauten uns einfach nur an.

Ich erschrak leicht, als ich auf einmal eine Berührung an meiner Wange wahrnahm, so sehr war ich in meine Gedanken abgetaucht. Doch als ich sah, dass es Ben war, schmiegte ich meine Wange in seine Hand und lächelte ihn an.

Er strich mir immer wieder sanft über die Wange bis hin zu den Lippen und wieder zurück.

„Was denkst du gerade?“

„Ich weiß nicht.“

„Was ist das jetzt mit uns, Ben?“

„Ich weiß nicht.“

„Liebst du mich?“

„Ich weiß nicht.“

„Weißt du überhaupt was?“

„Ich weiß nicht.“

Ahhhh…Mit einer schnellen Bewegung drehte ich mich und setzte mich auf seine Beine. Ganz lieb schaute ich ihn an, bevor…

„Das wagst du nicht!“

…ich meine Finger über seine Seiten tanzen ließ und ihn kitzelte. Er fing an zu lachen und ich machte immer weiter.

„Bitte bitte Joe, hör auf! Ich kann nicht mehr…“, flehte, er doch ich ignorierte es.

Lachend saß ich auf ihm und beobachtete, wie er sich wand. Ich hätte stundenlang so weiter machen können, doch ein plötzlicher stechender Schmerz im Kopf störte meine gute Laune. Ganz langsam ließ ich meinen Kopf auf seine Brust nieder und regte mich nicht mehr.

Es tat so weh.

„Joe, ey Joe, alles okay? Was hast du?“

„Kopf…autsch…“, bekam ich gerade so heraus.

Ben legte seine Arme um mich und ich kuschelte mich an ihn. Trotz der Schmerzen fühlte ich mich in diesem Moment wahnsinnig wohl.

Ich weiß nicht, wie lange wir so da lagen, als die Tür aufging und Sam hereinkam.

„Hey ihr zwei.“

„Hey Sam“, murmelte ich nur während Ben keinen Ton raus brachte.

Ein leichter Rotschimmer zierte seine Wangen.

„Was hast du?“, fragte ich ihn leise.

„Ähm…“, doch Sam unterbrach ihn.

„Ich werd schon keinem was sagen, Ben, solange ihr das nicht wollt.“

Das leichte Lächeln von Ben verriet, dass es genau das war, was ihn beschäftigt hatte.

„Was willst du hier, Sam?“

Ich drehte meinen Kopf in seine Richtung, um ihn anzuschauen.

„Also erstens, Kleiner, ist das hier auch mein Zimmer. Aber eigentlich wollt ich euch zum Essen holen. Mom hat Abendessen gemacht. Du kannst mitessen, wenn du möchtest, Ben?“ „Ja gerne.“

Oh nein, jetzt musste ich ja aufstehen. Es war doch gerade so bequem hier.

„Joe, alles in Ordnung? Tut dir was weh? Was hast du denn?“, bombardierte Ben mich mit Fragen und fuhr dabei mit seinem Finger über meinen Schmollmund, während Sam sich nur kaputt lachte.

„Warum lachst du denn?“

„Ach Ben, mit Joe ist alles in Ordnung. Er will sich nur nicht von dir lösen und das müsste er ja jetzt, wenn ihr zum Essen runter wollt.“

„Ach so.“

Ich vergrub mein Gesicht an Bens Brust. Das war überhaupt nicht nett von Sam mich zu verraten. Arme schlangen sich um mich und jemand wuschelte mir durch die Haare. Murrend schaute ich auf und direkt in Bens wunderschöne Augen.

Lächelnd gab er mir einen Kuss auf die Nasenspitze und so machte ich mich immer noch leicht murrend daran, aus dem Bett zu klettern. Ben folgte mir, doch bevor wir das Zimmer verließen, gab ich ihm noch einen Kuss.

Ich liebte schon jetzt das Gefühl seiner Lippen auf meinen.

Fröhlich kamen wir unten an und setzten uns an den Tisch.

„Wie geht’s dir, Joe?“, wurde ich auch gleich von meiner Mutter gefragt.

„Mir geht’s gut. Nur noch leichte Kopfschmerzen.“

Das weitere Abendessen verlief sehr ruhig und danach musste Ben dann auch schon gehen. Ich wollte nicht, dass er geht, er sollte bei mir bleiben.

Ich brachte ihn noch bis zur Haustür. „Kannst du nicht noch etwas bleiben“, fragte ich ihn.

„Nein, das geht nicht. Meine Eltern machen sich sonst noch Sorgen, du kennst sie ja“, genervt verdrehte er die Augen, was mich kichern ließ.

 „Kommst du morgen wieder vorbei?“

Wenn ich ihn jetzt nicht bei mir haben konnte, dann doch wenigstens morgen.

„Ja, kann ich machen.“

Diese Antwort ließ mich natürlich strahlend lächeln.

„Bis morgen, und schlaf gut.“

„Du auch“, meinte er.

Bevor er ging, drückte ich ihm noch schnell einen Kuss auf die Wange, was Ben wieder rot anlaufen ließ. Zu süß! Als er dann endgültig nach Hause ging, schaute ich ihm noch hinterher, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte.

***

Das Wochenende verbrachten wir die meiste Zeit in meinem Zimmer, da Dad gemeint hatte, ich solle mich noch etwas schonen. Aber das machte mir nichts aus, hatte ich doch die ganze Zeit Ben bei mir, was wunderschön war.

Wir schauten uns Filme an, redeten viel oder kuschelten einfach nur, wenn wir sicher waren, dass niemand reinplatzen würde. Morgen würde die Schule wieder losgehen. Wir hatten beschlossen, dass niemand von uns erfahren sollte.

Man wusste ja nie, wie die alle reagieren würden, und wir wollten es langsam angehen lassen. Sam versprach auch, mit niemanden drüber zu reden.

So vergingen die Wochen. Es war nicht immer leicht, sich nichts anmerken zu lassen.

Besonders beim Umziehen vorm Sportunterricht. Ben mit nacktem Oberkörper. Schnurrr. Dann hätte ich ihn jedes Mal am liebsten geküsst, aber das ging ja nicht. Oder wenn wir wieder zusammen schwimmen gingen, das war genauso eine Folter.

Nach der Schule gingen wir meistens entweder zu ihm oder zu mir. Die Hausaufgaben waren unser Alibi. Doch so manches Mal blieben sie ungemacht. Nämlich genau immer dann, wenn wir Zeit hatten, die gemeinsame Zeit mit kuscheln zu verbringen.

Insbesondere eben genau dann, wenn seine Eltern nicht im Haus waren. Bei meinen Eltern dagegen war ich mir fast sicher, dass sie schon so langsam etwas vermuteten. Ich musste unbedingt mal mit Ben reden, ob wir es nicht wenigstens unseren Eltern sagen wollten, dann hätten wir uns zumindest zuhause normal verhalten können, ohne dieses Versteckspiel.

Und bald darauf kam der Tag. Der Tag, an dem wir es unseren Eltern sagen wollten. Wir hatten beschlossen, es bei mir zu machen. Meine Eltern wussten ja schon von meinem Schwulsein und wir hofften einfach, dass sie dann mit Bens Eltern reden könnten, falls die sich eher negativ äußern würden.

Nicht dass wir es heraufbeschwören wollten, aber man konnte ja nie wissen.

Ich saß die ganze Zeit total hibbelig in meinem Zimmer und wartete nur auf das erlösende Klingeln der Tür. Pünktlich um drei Uhr zum Kaffee hörte ich eben dieses und sprintete schon fast nach unten. Mom und Dad begrüßten gerade Bens Eltern, so ging ich auf ihn zu und umarmte ihn zur Begrüßung.

„Das wird schon gut gehen“, flüsterte ich leise zu ihm, denn mir war seine angespannte Haltung aufgefallen.

Er hatte Angst vor der Reaktion seiner Eltern und das konnte ich ihm nicht verübeln, ging es mir früher doch nicht anders.

Alle zusammen setzten wir uns dann ins Wohnzimmer und widmeten uns dem herrlichen Apfelkuchen meiner Mutter.

Unsere Eltern redeten viel miteinander, während Ben und ich eigentlich nur schwiegen. Sam war heute nicht da. Er wusste, was wir vorhatten, und hatte beschlossen, dem eher nicht beizuwohnen. Nach dem Kaffee wollten wir es ihnen erzählen…

Der Countdown näherte sich langsam dem Ende und Ben und ich sahen uns leicht ängstlich an. Bald würde es soweit sein. Habe ich bald gesagt? Meine Mutter fing genau in dem Moment an, an die Teller zusammen zu räumen und erschrocken sah Ben zu mir. Ich wusste genau, was er dachte, nämlich, wo war unsere Zeit hin?

Wir bekamen gar nicht mit, dass meine Mutter wieder in den Raum kam und überlegten beide verzweifelt, wir wie wir es ihnen sagen sollten. Wir hatten uns zwar einen Plan zu Recht gelegt, doch dieser schien wie weggeblasen.

„Joe? JOE?“ Ich schreckte auf und sah zu meinem Vater.

„Ähm ja?“

„Gibt es etwas, was du oder bzw. ihr uns sagen wollt?“, fragte er mich und bedachte mich mit einem auffordernden Nicken.

Sein Blick zeigte mir ganz genau, dass er es schon längst wusste. „Ähm ja schon“, meinte ich leise. Langsam standen Ben und ich auf und stellten uns vor den Tisch, sodass wir alle ansehen konnten, was wir aber nicht taten. Der Boden war doch um einiges interessanter.

„Joe?“, trieb mein Vater uns wieder an.

„Ähm ja also, wir wollten euch was sagen….ähm…also.“

Ich schaute zu Ben. Wie sagen wir das jetzt? Auf die schnelle oder eher auf die langsame Art. Als ich in seine Augen sah, wusste ich, wie er es wollte. Ich schaute zurück zu unseren Eltern.

„Wir sind ein Paar“, meinte ich laut und deutlich, dann herrschte Stille.

Unsicher sahen wir zwischen ihnen hin und her. Wieso reagierten sie denn nicht?

„Das wissen wir doch schon, Joe.“

Fassungslos sah ich meine Mutter an. Sie wussten es schon? Ok, ich hatte vermutet, dass sie etwas ahnten. Aber gut. Doch was war mit Bens Eltern? Abwartend schauten wir zu ihnen. „Wir haben es auch schon gewusst“, sagte Bens Vater.

„WAS?“, uns fielen die Kinnladen runter.

Mit offenen Mündern starrten wir ihn an.

„Wie-wie-wie…woher?“ stammelte Ben.

Seine Mutter lächelte ihn an und fing dann an zu erklären.

„Als ich vor gut zwei Wochen deine Wäsche in dein Zimmer gelegt hatte und die dreckige zusammensuchte, fiel mein Blick auf deinen Schreibtisch. Dein Englischheft lag dort und ich gebe zu, ich wurde etwas neugierig, als ich ein Herzchen entdeckte. Ich schaute es mir genauer an und erkannte dann Joes Namen darin. Daraufhin hab ich mit deinem Vater geredet. Wir waren zuerst geschockt. Mit so etwas hatten wir nie gerechnet. Doch dann beschlossen wir, einfach mal mit Joes Eltern zu reden. Wir haben uns getroffen und sind dann irgendwann darauf zu sprechen gekommen. Ja und da haben sie uns so einiges erklärt.“ „Warum habt ihr nichts gesagt?“

„Ganz einfach, mein Schatz, wir wussten nicht, wie wir mit dir darüber reden sollten, also wollten wir abwarten, bis du von dir aus redest und dies war ja heute der Fall.“

Lächelnd schaute sie zu uns.

„Also…also habt ihr nichts dagegen?“

„Nein.“

Mit diesem Wort stand sie auf und zog uns beide in eine Umarmung. Ich schaute zu meinen Eltern und formte ein lautloses ‚Danke’ mit meinen Lippen. Ein Nicken zeigte mir, dass sie mich verstanden hatten.

Wir setzten uns wieder hin und redeten noch den ganzen Nachmittag über dies und das.

Als Ben sich diesmal verabschiedete, konnte ich ihm endlich direkt an der Haustür einen Gute-Nacht-Kuss geben. Sonst hatten wir das immer noch im Zimmer gemacht, damit bloß niemand Verdacht schöpfte.

Sanft erwiderte er den Kuss. Hab ich schon mal gesagt, dass ich seine Küsse liebte?

Vom guten Erlebnis mit unseren Eltern beflügelt, machten wir uns Gedanken, ob wir es auch unseren Freunden sagen sollten.

Wir waren uns sehr unsicher. Wie würden sie reagieren? Wir wollten keinen unserer Freunde verlieren. Den ganzen Sonntag überlegten wir, doch wir hatten immer noch keine Idee, ob wir es ihnen sagen wollten und vor allem, wie wir das machen wollten.

Wir grübelten und grübelten, doch nichts kam dabei heraus. Heute war Mittwoch und wie immer wartete die Schule auf uns. Auf dem Schulhof trafen wir die anderen. „Hey Steven“, riefen Sam und ich.

„Hey Twins. Freitagabend bei mir, seid ihr dabei?“

„Aber klaro.“

Dann unterbrach auch schon die Schulklingel unser Gespräch und wir machten uns auf, um in die Klasse zu kommen. Der Tag zog sich nur so in die Länge und ich war schon dreimal fast eingeschlafen. Heut war einfach nicht mein Tag.

Nach der Schule machten wir uns zu dritt auf den Weg nach Hause. Sam, Ben und ich. In unserem Zimmer angekommen, drehte sich Sam um.

„Ey ihr Turteltauben! Ich habe DIE Idee.“

„Idee wozu?“

Fragend sahen wir ihn an.

„Na für euer Coming-out bei den anderen. Wofür denn sonst?“

Seufzend ließen Ben und ich uns auf mein Bett fallen.

„Und an was denkst du da so?“

„Ihr werdet es ihnen Freitag sagen…“

„WAS?? Spinnst du? Doch nicht so schnell“, unterbrachen wir ihn.

„Ruhe jetzt. Wollt ihr noch ewig darauf warten? Ihr sagt es ihnen Freitag, basta! Und zwar machen wir das so…“

Sams Idee hatte was, doch warum schon so schnell? Unsicher sahen Ben und ich uns an. Sam ignorierend kuschelten wir uns aneinander und genossen die Zeit zu zweit.

Die Tage bis Freitag vergingen schnell…zu schnell. Bevor wir irgendwie reagieren konnten, standen wir auch schon vor Stevens Tür. Ob der Abend gut ausgehen würde?

„Hey Twins, da seid ihr ja. Ihr seid die letzten, kommt rein.“

Wir folgten Steven ins Wohnzimmer, wo schon all unsere anderen Freunde versammelt waren. Geplant war mal wieder eine Filmnacht. Ich hoffte, dass es diesmal auch dabei bleiben würde. So gut Sams Idee auch war, ich wusste nicht, ob ich sie wirklich umsetzen wollte.

Natürlich brachte mein Hoffen nichts. Schon nach dem ersten Film fiel das Interesse an Filme gucken rapide.

„Was machen wir jetzt?“, fragte Sam und ich hätte ihn erwürgen können.

„Ich hab eine Idee“, rief Sarah und ging davon.

Oh nein das konnte nichts Gutes bedeuten. Bitte, bitte lass sie nicht mit einer Flasche wieder kommen!!!

Doch meine Bitte wurde nicht erhört, denn sie kam tatsächlich mit einer leeren Cokeflasche wieder.

„Wir spielen Wahrheit oder Pflicht.“

Niedergeschlagen ergab ich mich meinem Schicksal. Die ersten Runden verliefen noch ganz harmlos. Meine Pflichtaufgabe hatte ich schon erledigt. Ich sollte einen Handstand machen und dann versuchen, etwas zu trinken.

 Ich muss ja nicht extra erwähnen, dass ich noch nicht mal den Handstand hinbekommen habe. Ich wünschte, ich hätte die Pflichtaufgabe noch nicht machen müssen, denn wenn ich nun erneut dran kommen würde, müsste ich mit einer Wahrheit rausrücken. Jede Runde, sobald Sam die Flasche drehen durfte, hoffte ich, dass ich nicht dran kam.

Ein paar mal blieb ich auch verschont, doch dann schlug das Schicksal erbarmungslos zu. Die Flasche stoppte bei mir. Bittend, fast flehend, sah ich Sam an es nicht zu tun, doch er schüttelte nur den Kopf.

Meine Hände waren schweißnass und leichte Panik machte sich in mir breit. Ich riskierte einen Blick zu Ben und sah, dass es ihm nicht anders ging. Er saß direkt neben mir, ich konnte seine Nähe spüren. Die beruhigte mich ein wenig, aber eben nur ein wenig.

„Bist du noch solo?“ stellte Sam die Frage, die alles entscheiden würde.

„Ähm… ähm…“, stotterte ich mir einen zurecht, „…nein…“

Bitte lass es niemanden gehört haben. Wunschdenken.

„Du bist nicht mehr solo?“

„Mit wem bist du zusammen?“

„Warum hast du es uns nicht gesagt?“

„Wer ist sie?“

„Wie lange seid ihr schon zusammen?“, brach ein regelrechter Fragensturm auf mich los.

Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Meine Augen irrten von einer zur anderen Person. Immer hin und her.

Bis ich eine Hand in meinem Nacken spürte, die mich leicht nach rechts zog.

Ich folgte ihr und schon spürte ich Bens Lippen auf meinen. Unser Kuss war sanft und liebevoll. So zärtlich, dass ich alles um mich herum vergaß. Als sich Bens Lippen von den meinen lösten, seufzte ich leise. Das war einfach schön.

Ein überraschtes Keuchen ließ mich aufschrecken und mir wurde wieder bewusst, dass wir hier immer noch umgeben von unseren Freunden saßen. Verlegen kuschelte ich mich an Ben und vergrub meinen Kopf an seiner Brust, denn ich wollte auf keinen Fall sehen, wie sie uns anstarrten. Es herrschte absolute Stille bis…

„Oh wie süß“, kreischten die Mädchen los.

Oh Gott, mussten die das eigentlich immer machen? Moment mal…süß? Meinten die etwa uns? Verwirrt sah ich auf und direkt in die entzückten Gesichter von Sarah und Mara. Ahja, ihnen schien es schon mal nichts auszumachen.

Doch was war mit Steven? Konnte ich einen Blick riskieren? Seufzend sah ich nun zu ihm. Steven saß einfach nur da und starrte uns an. Als er nach guten zehn Minuten immer noch keine Reaktion gezeigt hatte, setzte ich mich auf und stupste ihn an.

„Ey Steven, lebst du noch?“

Er fing an zu Blinzeln und schaute dann zu mir.

„Du-du…ihr-ihr…ihr seid…“ „ein Paar, ja das sind sie“, beendete Sam seinen Satz.

„Aber wie…warum…“

War in diesem Fall sprachlos sein eine gute Reaktion oder eher nicht?

 

„Ich denke mal, was Steven fragen will, ist, wie seid ihr zusammen gekommen? Und wann? Und vor allem, warum habt ihr das nicht schon eher gesagt?“, löcherte uns jetzt Mara mit Fragen.

Ich ließ mich zurück in Bens Arme fallen.

„Na ja, weißt du noch das Flaschendrehen, wo wir uns küssen mussten?“

„Ja klar, das vergesse ich doch nicht. Hat es da zwischen euch gefunkt? Jetzt erzähl schon. Lass dir nicht alles aus der Nase ziehen.“

Oh Gott, wie konnte Mara nervig sein, wenn sie etwas wissen wollte.

„Ähm ja“, fing Ben an zu beantworten, „aber das war dann alles so neu, dass ich Joe danach ignorierte. Ich wusste nicht, was mit mir los war. Als dann Felix ihn K.O. geworfen hat, bin ich ihn besuchen gegangen und dann haben wir geredet und na ja… seitdem sind wir zusammen.“

Wir redeten noch lange darüber. Die Mädchen wurden nicht müde, irgendwelche, meist peinliche, Fragen zu stellen. Alle beantworteten wir ihnen natürlich nicht. Steven verhielt sich die ganze Zeit ziemlich ruhig.

Sam schien das auch aufgefallen zu sein, denn er schnappte ihn sich und die beiden gingen nach draußen. Was sie da wohl machten?

Irgendwann gingen auch den Mädchen die Fragen aus und wir lagen einfach nur im Wohnzimmer rum.

Die Beiden hatten es sich auf dem Sofa bequem gemacht, während sich Ben dagegen lehnte und ich mich an seine Brust kuschelte. Wir ließen uns von der Musik, die auf uns niederprasselte, berauschen und genossen ansonsten die Ruhe.

Nach einiger Zeit kamen auch Sam und Steven wieder. Fragend sah ich zu Sam und er nickte nur. Er hatte also noch mal extra mit Steven darüber geredet. Dies schien wohl gut ausgegangen zu sein.

„Hey ihr zwei“; meinte Steven als er sich neben uns auf den Boden setzte.

„Hey“, flüsterte ich zurück.

„Tut mir leid, dass ich da eben so blöd reagiert habe, aber es war doch schon ein großer Schock. Mit so etwas hätte ich ja nie gerechnet“, entschuldigte er sich.

„Schon okay, können wir doch verstehen. Ist jetzt alles wieder gut?“

„Ja, und ich freu mich, dass ihr euch gefunden habt…eine Bitte hab ich aber trotzdem an euch.“

„Immer raus damit“, lächelte ich ihn an.

„Könntet ihr euch mit dem Rumgeknutsche ein wenig zurück halten wenn ich dabei bin? Ich muss mich erstmal an den Gedanken gewöhnen“, bittend sah er uns an und wir nickten nur.

Ja das verstanden wir und wir würden uns an seine Bitte halten.

Als es an der Zeit war, nach Hause zu gehen, standen wir auf und suchten unsere sieben Sachen zusammen. Nachdem wir uns von den anderen verabschiedet hatten, gingen Sam, Ben und ich nach Hause.

Unterwegs griff ich vorsichtig nach Bens Hand. Wir waren bisher noch nie irgendwo Händchenhaltend rumgelaufen und ich wollte wissen, wie er darauf reagieren würde. Leicht bewegte Ben seine Finger und verschränkte sie dann mit den meinen. Lächelnd schauten wir uns an und gingen Hand in Hand weiter. Weiter in eine gemeinsame Zukunft.

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1 Kommentar

  1. Hey Luka, eine sehr schöne Story, hat mir Spaß beim Lesen gemacht. Gerne mehr.

    VlG Andi

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