Traumschiff – Teil 132

Reha… Rückkehr… Halle… Hamburg… Trauer… Party?… Kohle…

Phillip, mit Maxi, Freitag, 25.03. 2011, abends um 18:00 Uhr beim Abendbrot im Speiseraum in der Reha-Klinik.

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Der 4. Tag der Reha-Maßnahme geht zu Ende, das erste Wochenende steht bevor, obwohl wir beide morgen Vormittag noch jeder zwei Anwendungen haben, das ist wohl hier in der Anreisewoche so und das ist ja auch voll OK für uns. Da geht wenigstens die Zeit rum, obwohl wir zwei bestimmt auch so was zusammen unternehmen könnten.

Am Mittwoch, gleich morgens früh um 08:00 Uhr, hatten wir das erste Arztgespräch und auch die Eingangsuntersuchung mit der schon üblichen Blutentnahme, und das, obwohl die letzte gerade mal erst sieben Tage zurück lag. Das Ergebnis war in unseren Unterlagen dabei, die wir ja mit hierher mit bekommen haben.

Scheinbar ist das Vertrauen innerhalb der Kliniken untereinander nicht so groß, weil da jeder seine eigenen Untersuchungen selber machen will….egal, wir sind das Stechen in die Venen ja schon gewöhnt und im nächsten Leben wollen wir Fakir werden, wegen den Nadeln halt… lach.

Unser Arzt, es ist eine Sie und eine wirklich sehr hübsche, mit sehr eindrucksvollen Möpsen, die fast die Bluse sprengen. Sie heißt Wennekamp, Doris Wennekamp, ist etwa fünfunddreißig Jahre alt, schlank aber nicht dünn und sieht für die, die Frauen mögen, echt heiß aus.

Dunkelblond, mit einer schicken Kurzhaarfrisur, einer modischen Brille und einem hübschen Gesicht, empfing sie uns beide freundlich lächelnd in ihrem Arztzimmer im Erdgeschoss. Auf unsere Bitte hin hat sie, nachdem sie unsere Vorgeschichte aufmerksam angehört hat, unserem Wunsch nach möglichst viel Gemeinsamkeit bei allem, mit der Untersuchung beginnend, entsprochen.

Das gefiel uns natürlich gut und wir waren froh, dass sie es gut mit uns meinte. Über das besondere, das uns zwei betraf, sprich die Tatsache, dass wir uns mehr mögen, als es üblich ist,  sagten wir natürlich nichts und unser Verhalten war auch so, dass niemand auf eine solche Idee kommen konnte.

 Über  mangelnde Verehrer, denk ich, braucht sie sich keine Gedanken zu machen und zwei sabbernde Endfünfziger warteten ja dann auch schon vor ihrem Arztzimmer, als wir dort an kamen. Das wir vor ihnen an der Reihe waren, gefiel ihnen scheinbar nicht und ihre sehr ordentlich zurecht gemachten Haare und ihr schon fast auf Jugendlich getrimmte Kleidung ließen über ihre geheimen Wünsche, die schöne Ärztin betreffend, keine großen Spielräume offen und es war offensichtlich, dass sie lieber unter anderen Umständen der Frau Doktor begegnen würden.

„Wenn die sich ausziehen müssen da drin“, sagte Maxi leise und fies grinsend zu mir, „haben sie eine Latte und wenn sie fertig untersucht sind, müssen sie wichsen, um die Latte weg zu kriegen.“

„Meinst du, in dem Alter können die noch?“, fragte ich unwissend zurück und Maxi nickte zunächst nur und dann wurden wir auch schon rein gerufen.

Nach einer halben Stunde waren wir untersucht und auch der Therapieplan für die erste Woche war soweit fertig und es würde heute noch, um 13:30 Uhr mit einem Bewegungsbad beginnen, wobei Anwendungen im Wasser wohl einen guten Teil des Rehaprogramms ausmachen werden.

Darüber hinaus sind wir mit zehn etwa gleichaltrigen Jugendlichen in einer Therapiegruppe, da wird in einer so genannten Selbsthilfegruppe gearbeitet. Diese soll in gemeinschaftlichen Anwendungen, überwiegend in Sport und in Gesprächstherapien, den Umgang mit und vor allem, nach der Krankheit vermitteln.

 Für ihre vorläufige und hoffentlich dann auch dauerhafte Bekämpfung mit und nach der Stammzellentherapie und auch die wichtige Eigenbeobachtung der weiteren Genesung, sowie das Erkennen eines eventuellen Rückfalls ist der Hauptzweck in der Gruppe. Auch Erfahrungen über den Verlauf der Krankheit sollen wir in Gesprächen untereinander aus tauschen.

Das es unter Umständen noch nicht dauerhaft vorbei ist mit dieser heimtückischen Krankheit, das ist wohl bei allen von uns irgendwo im Hinterkopf und obwohl es uns zur Zeit ganz gut geht, kann das Elend zurück kommen und dann ist es oft nicht mehr auf zu halten.

Dieses Wissen um eine Gefährdung ist schon belastend aber wir beide glauben sehr an unsere Genesung, auch und obwohl wir schon merken, dass wir einiges in unserer Entwicklung nach zu holen haben. Nun, dafür sind wir ja hier und wir wollen beide, alles tun für unsere Zukunft. Allein schon der Gedanke, zu sterben und damit Mamas heimlichen Wunsch auf eine Existenz als Engel an Opas Seite gerecht zu werden, verbietet mir doch einen Rückfall, oder?

Engel dritter Klasse oder als schwuler Junge doch eher Hölle und Verdammnis……jetzt muss ich doch grinsen auf Grund solch bescheuerter Gedanken. Wir denken positiv und nach her, wenn das Essen rum ist, gehen wir duschen, wir zwei, so wie bisher jeden Abend und auch sonst nach schweißtreibenden Anwendungen. Das ist und tut uns gut und deshalb freuen wir uns immer drauf.

Es knistert schon ganz schön zwischen uns und es kribbelt beim Knutschen auch sehr im Bauch und weiter unten, am Südpol, noch mehr. Morgen, am Nachmittag wollen wir mit drei anderen aus der Gruppe mal die nähere Umgebung erkunden, mal sehen, was hier so läuft in diesem Ort, den wir beide vorher nicht kannten. Jetzt gehen wir hoch, auf unseren Flur, in unser  schönes Zimmer und dort dann auch zeitnah ins Bad.

Noah und Enrico haben ja heute mit noch einigen anderen Jungs und Mädels eine Prüfung in Karate. Um halb zehn Uhr nach her werde ich mal bei ihm anrufen und fragen, wie es gelaufen ist. Dieses Karate und auch der Verein, das gefällt mir auch und Tante Irene meldet mich dort an. Wenn ich dann wieder in Bremen bin, werde ich mit Rico und Noah, wann immer möglich, am Training teilnehmen. Jetzt ruft Maxi aus dem Bad, auf geht’s……die Aktien sind am Steigen.

Noah, Samstag, 26.03.2011, 13:00 Uhr, mit Irene und Ulf beim Mittagessen, Rico kommt erst gegen 14:30 Uhr von der Schicht.

Gestern war ein sehr erfolgreicher Großkampftag für unseren Verein. Kyu 1 haben jetzt alle, auch Jerome mit seinem Handicap und elf Leute haben jetzt sogar schon Kyu 2.  Alwin war stolz auf uns aber mit Recht auch etwas auf sich und Onkel Carl August und Papa haben ihn sehr gelobt. Er wurde auch von Verbandsseite aus gelobt für seine gute Arbeit, die er, mit Matze zusammen, geleistet hat. Zum Ende hin hat Alwin uns dann einen Timo Hager vor gestellt, der, wenn alles klappt, zu uns in den Verein wechselt und Matze als Co Trainer ersetzen soll.

Der junge Mann ist dreiundzwanzig Jahre alt, trainiert seit über fünfzehn Jahren und war zweimal Bremer Jugendmeister.

Ca. 1,90 Meter groß, mit breiten Schultern und schmaler Hüfte, bei etwa fünfundachtzig Kilo, sieht er sehr gut aus. Schwarze, etwas längere Haare, ganz offensichtlich auch von Gerry frisiert, verleihen ihm ein etwas verwegenes Aussehen.

Ohrstecker in Spinnenform und ein kleines Drachentatoo im Nacken und die breite Silberkette um den Hals lassen mich vermuten, dass auch er nicht so der große Frauenversteher ist und eher auf Beulen in Männerhosen als auf dicke Möpse in BHs steht. Dann passt er doch gut zu uns, finden  Enrico und ich.

Papa und auch Carl August waren  ja auch in der Halle, als Zuschauer und auch Martin und Kai waren anwesend. Um 21:00 Uhr waren wir wieder daheim. Für Morgen früh um 10:00 Uhr haben wir uns dann zu einem Samstagsmorgen-Schwimm und Saunavergnügen verabredet nach dem Motto: „Wer Lust hat, kommt……zum Schwimmen“ und es waren fast alle da.

Wir hatten viel Spaß zusammen, ich auch, obwohl Rico ja auf die Arbeit musste in der Frühe und Mama mich zur WG brachte. Nach her, wenn Enrico kommt, nach Hause, mein ich, fahren wir ins Restaurant zum Helfen und es ist wieder eine große Familienfeier eines italienischen Bekannten mit vielen feinen Sachen.

Da die Feier mit dem Kaffeetrinken um 15:30 Uhr beginnt, reicht es, wenn wir etwa um diese Zeit dort sind, um mit der Zubereitung des Essens zu beginnen. Was bis dorthin bereits machbar war, hat Ricos Vater mit Unterstützung schon erledigt und wir können dann gleich richtig los legen.

Paolo und Natascha sind auch bereits da, als wir dort eintreffen, sie helfen mal wieder im Service mit, was Mama und Papa sehr freut und auch die Schwestern der Zwillinge sind über diese Unterstützung immer sehr froh.

Bis fast 22:00 Uhr werden wir dort sein, denk ich und es wird ganz schön anstrengend werden wie immer bei solchen Festen. Da mein Rico Morgen aber erst zu Mittag im Hilton sein muss, können wir ja nach dem Ausschlafen Sonntagmorgen noch ein wenig Matratzensport machen, denn heute Abend werden wir platt sein und nur noch pennen wollen, mein Schatz und ich.

Seit er sich mit seinem Vater versöhnt hat, dieser mich akzeptiert und unser Zusammensein nicht mehr in Frage stellt, geht es mir und meinem Lieblingsitaliener gut, sehr gut sogar und wir freuen uns auf jeden Tag, den wir gemeinsam erleben dürfen. Langeweile ist ein Fremdwort für uns und alles ist easy. Wir fühlen uns wohl, miteinander und nun auch in unseren beiden Familien und das wir uns mit unseren Freunden so gut verstehen, macht es alles noch besser.

Ab dem 15.April gibt es ja dann noch mal Ferien, wohl meine letzten auf dem Gymnasium, auch für Alwin, Denise, Armin und Dirk aber auch für Lex sind es die letzten, wenn wir das Abi geschafft haben. Ernsthaft gefährdet ist niemand von uns, denk ich und danach geht es dann in die nächste Runde… Studium.

Das wird dann ja auch den ein oder anderen neuen Mitbewohner zusätzlich in die WG ziehen lassen. Lex und Dirk ziehen dann endgültig zu ihren Liebsten und Armin und Denise werden wohl auch dort einziehen.

Armin wäre ja gern zu Hause wohnen geblieben, Denise will aber schon weg von zu Hause, will zu den Freunden in diese tolle Umgebung der WG auch weil ihre Mutter ziemlich gluckenhaft ist und Denise sich mehr Freiraum verspricht von einem Umzug nach Bremen.

Die gute halbe Stunde, die sie dann dort länger schlafen können, war auch ein wichtiges Argument für dem Umzug. Ihr fehlt auch ein bisschen der Ole, waren sie und Armin doch viel mit ihm zusammen, als Ole noch zu Hause gewohnt hat.

Paul hat sich dahingehend geäußert, das er wohl über kurz oder lang ganz zu Rolf ziehen will aber das ist in der Familie noch nicht endgültig besprochen und auch Rolf ist sich nicht sicher, ob er nicht zu Paul in die WG ziehen soll.

Mit Erreichen der Volljährigkeit im übernächsten Jahr will er dann wohl doch auch ganz in die WG, weil da ja auch immer Gleichaltrige sind und mit Fitnessraum, Sauna und Schwimmbad jede Menge Sport und Fun möglich ist.

Ob ich mit Rico mal dorthin ziehen werde, ist nicht zur Zeit noch nicht absehbar und da Philipp jetzt ja auch bei uns wohnt, wollen wir erst mal im Hotel MAMA bleiben und da geht es uns ja auch gut. Mama ist eh dafür, dass wir zu Hause wohnen bleiben.

Jetzt geht die Haustüre, mein Schatz ist da und ich gehe schnell zu ihm, um ihn mit einem Kuss zu begrüßen und ihn fest zu umarmen.

„Bevor wir losfahren zu Papa“, sagt er, „muss ich duschen, ich stinke nach Fisch und Fritten. Kommst du mit?“

„Klar“, sag ich erfreut und vermeide dabei natürlich jeglichen Blickkontakt zu Mama, „komm, wir gehen hoch sonst kommen wir nach her noch zu spät zu deinen Leuten.“

Schnell verschwinden wir nach oben und bald darauf prasselt heißes Wasser über uns, während unsere Hände neckische Spielchen spielen, zum Beispiel Glocken läuten oder Kapuzen lang ziehen… Männer und ihre Pimmel, ein unendliches Kapitel.

Pünktlich und frisch duftend,  schlagen wir bei seinem Vater auf, wo wir natürlich schon freudig erwartet werden. Natascha und Paolo sind auch schon im Einsatz.

Nun geht es richtig los, siebzig hungrige Mäuler wollen gestopft und verwöhnt werden. Alles läuft gut, nichts geht schief und mit viel Lob, Geld und guten Wünschen sind wir gegen 22:20 Uhr bei uns zu Hause und da wir wiederum nach Essen und Küche riechen, vor allem die Haare und die Kleider, geht es erneut ins Bad zum duschen.

Obwohl ich ja eigentlich todmüde bin, schaue ich kurz auf dem Läppi, ob Philipp sich gemeldet hat, hat er, antworten werde ich aber erst Morgen früh. Jetzt  aber KO und wohlig müde, entspannt und rundum zufrieden und glücklich, fallen wir nach diesem langen Tag ins kuschelige Bett.

Es dauert nicht allzu lang, dann mit Po an Po, pennen wir weg. Die leise Mucke, heute Linkin Park, schaltet sich in zwanzig Min automatisch ab, trägt uns sanft ins Land der Träume.

Jens, Sonntag, 27.03.2011, 11:00 Uhr mit Giovanni und dessen Eltern unterwegs, im Bergpark Wilhelmshöhe.

Um halb 10:00 Uhr sind wir aufgebrochen. Seine Eltern haben vor ein paar Tagen den Vorschlag gemacht, mit uns zusammen und dem Hund durch den Bergpark Wilhelmshöhe zu wandern. Später wollen sie dann mit uns in Kassel zum Essen gehen. Dieser Park, dessen Errichtung durch den Landgrafen Karl um 1700 begann, ist heute auch eines der UNESCO Weltkulturerbe  und der größte europäische Bergpark.

Durch den Habichtswald, zum Herkules hoch und auch zum Schloss Wilhelmshöhe gehen wir. Es ist bewölkt und trocken und es sind zwölf Grad, also gutes Wanderwetter. Das Auto, sein Papa ist gefahren, steht in der Stadt, wir sind dann von dort aus mit dem Bus gefahren.

Es ist schon eine fantastische Anlage, dieser Park mit all den geschichtsträchtigen Bauwerken, Museen und seiner Baum- und Pflanzenvielfalt.

Um alles hier sehen zu können und zu erwandern, reicht ein Tag nicht aus und wir haben uns für die Strecke K 5 auf der eigens hier erworbenen Wanderkarte entschieden. In einem Rucksack haben wir Brote und Getränke dabei und das geplante Essen wird es erst gegen Abend in der Osteria in Kassel geben.

Mein Papa wird auch dorthin kommen. Wir erzählen uns unterwegs viel über unsere Familien, aber auch unsere gemeinsamen Pläne für die nähere Zukunft sind ein Thema.

Sein Papa fragt, wie es mit der Spedition so läuft und seine Mama fragt halt auch nach meiner Mutter und so erzählen wir also viele Dinge über uns, die man nur Freunden und Verwandten anvertraut. Auch über den Onkel in Bremen, seine Familie und seinen Job und über Kevin und Wolfi reden wir.

Die Familie Remmers ist auch ein Gesprächsthema und auch die Möglichkeit, dort hin zu ziehen und dort zu leben und zu arbeiten. Ob das mal ein Thema wird, weiß derzeit von uns keiner und wir müssen da jetzt ja auch nicht drüber nachdenken.

Giovanni bleibt heute Nacht bei mir, gestern Abend sind wir bei ihm geblieben, schon allein, weil wir ja früh los wollten heute Morgen.

Als wir gegen 20:00 Uhr bei uns zu Hause ankommen, mein Papa ist schon voraus gefahren, ist niemand im Haus und so fahren wir noch kurz zu Papas Stammkneipe, wo der mit Opa, meiner Schwester und deren Freund beim Bier sitzt.

Nach der Begrüßung, ich stelle Opa Giovanni vor und ihm meinen Opa, bestellen wir uns jeder ein Pils. Mein  und auch sein Auto, mit dem sind wir gekommen, stehen bei uns zu Hause, wir dürfen also Alkohol trinken. Morgen früh fährt er dann von mir aus zur Uni nach Kassel.

Papa erzählt uns jetzt, nach dem wir Opa und meiner Schwester unseren Tag geschildert haben, das Mamas Anwalt ihm mit Klage droht. Wenn er nicht freiwillig eine Abfindung in sechsstelliger Höhe an sie zahlt, gehen sie vor Gericht.

Was Papa daran ärgert, sind die unnötigen Anwaltskosten, die sie das kosten wird, denn es gibt auf Grund des Erb-und Ehevertrages, den sie mit dem Gedanken an ihr Erbe damals unbedingt wollte, keine Chance für sie, auch nur einen Cent aus der Firma zu bekommen.

„Anstatt sich mit dem Erbe zufrieden zu geben, wird sie einen Teil davon für Gerichts und Anwaltskosten rauswerfen und hat echt nix davon“, sagt er.

„Ich habe dich damals schon vor ihr gewarnt“, sagt Opa und grinst, „aber du wolltest ja nicht hören.“ Papa schnauft durch die Nase, diese Sprüche von seinem Vater gehen ihm nicht gut ab. Papas Anwalt ist gut und der wird es schon richten, denk ich.

Nach weiteren drei Bier und einem Mirabellenschnaps gehen wir nach Hause und um 22:00 Uhr krabbeln wir unter die Bettdecke, mein Hasi und ich. Der Wecker ist gestellt und nach Kuss und „ich liebe dich“, wird, mit Tuchfühlung, geschlafen.

Ole, Sonntag, 27.03. 2011, 12:45 Uhr,  vor dem Mittagessen in der Küche der WG mit Frank, Kevin und Lex,  bei der Zubereitung des Essens.

Nach Training und Schwimmen haben wir vier uns an das Zubereiten des heutigen, gemeinsamen Mittagessens gemacht und es läuft gut in der Küche. Die anderen, das sind Sergej und Jerome, Wolfi und Ralf, Dirk, Mike und Noah, kümmern sich ums Tisch decken, Muke und den Rest.

Enrico ist zur Mittagsschicht, Paul ist bei Rolf, der Rest ist bereits los nach Hause, um dort mit den Familien zu essen. Alwin und Gerry essen heute aber auch hier mit uns.

Kochen für dreizehn Leute, das klappt schon ganz gut. Heute gibt es Schnitzel, paniert, einmal mit Rahmsauce oder auch mit Pfeffersauce dazu, Backofenpommes und gemischter Salat, als Nachtisch hätten wir Eis in der Truhe, wenn wer eins will. Noch etwa zehn Minuten, dann können wir zusammen essen. Die Saucen hat Enrico gemacht und dann eingefroren, auf diese Art sind immer verschiedene Saucen greifbar, zu Nudeln, Fleisch und Kartoffeln.

Die Idee stammt von Sergej, seine Mama macht das schon lange so und es ist immer schnell eine gute und schmackhafte Sauce zur Hand.

Den Tisch haben Wolfi und Frank gedeckt, schön ordentlich, wie es sich für einen Sonntag gehört und Getränke sind auch schon auf dem Tisch. Diese Essen hier, zusammen mit Freunden, sind immer unterhaltsam und interessant, natürlich auch sättigend aber der Info und Unterhaltungsfaktor ist der deutlich domminierende.

Hier beim Essen werden so viele Infos ausgetauscht, Sachen hinterfragt und auch an in naher Zukunft anliegende Dinge und Termine wird hier noch mal jeder erinnert. Nach dem Essen, das auch mal gut zwei Stunden dauern kann, sind alle Anwesenden immer auf dem neusten Informationsstand und das wird dann auch später noch an die Abwesenden weitergegeben, die nicht dabei waren.

Auch Vereinsinterna werden bei dieser Gelegenheit besprochen und Pläne werden geschmiedet. Heute ist die Halle und das Studio ein großes Thema, ist doch jetzt am Dienstag um 15:00 Uhr die Endabnahme der Baustelle.

Dazu kommen auch Carl August mit Martin her und Kai, der Dienstagmorgen nach Ebermannstadt fährt, um die Oma und die Tante zurück zu holen, versucht, bis 15:00 Uhr mit den zwei Damen an der Halle zu sein.

Vier Wochen Reha sind um und beide Damen wollten nicht länger dort bleiben, allein schon wegen der süßen Zwillinge nicht. Auch die Räume für das Studio werden dann abgenommen und auf Alwins Wunsch ist dort  ein schöner Verkaufsraum für diverse Sachen eingerichtet worden.

Hanteln zum Beispiel, Eiweisdrinks und Riegel, Pulsmesser,  Trinkflaschen mit Logo drauf und auch diverse Sport und Karatekleidung, zum Teil mit dem Flamingo drauf kann man dort käuflich erwerben. Kevin hat die erste Warenausstattung mit 10.000,- Euro vor finanziert und sie, Alwin, Wolfi, Gerry und er haben ein gutes und sehr schickes Sortiment zum Start angeschafft.

Ich denke mal, dass die Sachen gut gehen und dass es eine zusätzliche Einnahmequelle ist, aus deren Erlös anfallende Personalkosten des Studios mit finanziert werden können. Die angebotenen Textilien haben alle das Vereinslogo irgendwo sichtbar und außer Karate-Anzügen gibt es dann auch Shirts, Shorts und Hoodies. Alwin hat zusätzlich, auf Gerrys Idee hin, ein Sortiment von etwas heißerer Unterwäsche mit dem Flamingo drauf angeschafft mit Slips, Jocks und so.

Ein saugeiler Trainingsanzug von Trigema mit Logo auf Brust und Rücken ist in Arbeit und die sollen bis Dienstag kommen. Das mit dem Logo war, außer bei den Trainingsanzügen, zunächst nicht so einfach, wegen dem Logo halt.  Jetzt, die heißeren Wäsche-Teile sind von Andrew Christian, wird das Logo von Dirks Mama aufgenäht. Die macht das zu Hause und sie macht das gut und günstig, gut für Alwin aber auch für sie, ist doch dieser zu erwartende  Nebenverdienst bei Schneiders sehr willkommen. Dirk hatte seine Mama gefragt, ob sie Interesse an dieser Nähgeschichte hat und nun läuft das prima.

Sie hat sich auch bereit erklärt, eventuelle Änderungswünsche an den neuen Anzügen zu übernehmen, falls diese dem ein oder anderen nicht richtig passen sollten. Ich denke mal, dass auch von diesem Angebot der ein oder andere Gebrauch machen wird.

Alles so bis ins Kleinste zu organisieren, war und ist halt nicht so einfach. Da ist ja noch das Studium und auch sonst ist es ja nicht gerade langweilig und das ist ja dann auch alles zusätzlich zu regeln. Alle helfen mit und wenn ich frage, wer etwas übernehmen kann, gehen  immer mehrere Hände hoch. Wenn alle Stricke reißen, dann ist ja noch Carl August da mit dem ganzen Konzern im Rücken und „geht nicht“ gibt es, wenn überhaupt fast nie.

Ab Morgen wollen wir mit der Planung der Halleneröffnung beginnen.

Das Sportliche plant Alwin und der von ihm angeworbene neue Trainer wird da schon mit einbezogen. Das Organisatorische planen Frank, Mike und ich, was das Angebot an Essen und Trinken angeht, werden wir von Noah und Enrico unterstützt, das werden wir in unserer Sitzung morgen gegen Abend beginnen und es wohl dann im Laufe der Woche abschließen.

Geräte und Möbel sind bestellt und sollen in der ersten Aprilwoche kommen und auch eingebaut werden. Obwohl wir alles im Griff haben, macht sich ein wenig Nervosität breit und wir alle hoffen, dass es so läuft, wie wir es uns wünschen.

Personal, auch zur Reinigung, muss gesucht und eingestellt werden und auf der Webseite des Vereins kann man das auch nach lesen. Da muss ich nach her mal schauen, ob sich da schon jemand gemeldet hat.

Die Hallenreinigung wollen wir im April noch selber regeln, schauen, wie viel Aufwand erforderlich ist. Ob wir dann eine Reinigungsfirma engagieren oder das an Bekannte vergeben, das muss sich dann zeigen. Ich hoffe, das wir zum Ende des Aprils einen Überblick über anfallende Kosten haben, damit wir planen können und wir dann auch wissen, was alles pro Monat kostet.

Jetzt ist das Essen fertig und wir tragen alles zum Tisch und dann essen wir in Ruhe und es gibt viel zu bereden. Später müssen einige, ich auch, noch was für die Uni machen, so dass der Rest des Tages bereits verplant ist.

Onkel Jo hat vor ein paar Tagen schon geschrieben, das sie Morgen, am 28. gegen Abend in Bremerhaven einlaufen werden und dann genau drei Wochen frei haben, bevor sie in der letzten Aprilwoche eine neue Mittelmeerkreuzfahrt vorbereiten, die am 01. Mai von Genua aus beginnt und drei Wochen dauert.

Wir, Mutsch, Marie und ich aber auch Frank und Marvin freuen sich und auch die anderen alle sind froh, unsere Seeleute wieder zu sehen. Zu der noch auszurichtenden Party werden wir sie einladen, mal sehen, ob das in dieser Zeit hin haut.

Mutsch, Marvin und Marie gehen Morgen, am Nachmittag in Jos Wohnung und machen da alles in die Reihe. Auch etwas einkaufen will Mama, damit die zwei Seefahrer Kaffee für sich kochen können und auch etwas Kleines zum Frühstück haben am Dienstag in der Frühe.

Mal sehen, wie es den beiden geht nach der doch ziemlich langen Abwesenheit und ihrer gemeinsamen Bordzeit. Ich kann mir schon vorstellen, was da in der Kabine nach all den Jahren so abgelaufen ist und wir alle gönnen den beiden tollen Männern ihr doch relativ spätes Glück und den Blick in eine sehr gute Zukunft.

Franks Eltern fahren über Ostern nach Italien, genauer bis runter nach Sizilien, allerdings nicht mit dem Auto sondern mit dem Flieger. Los geht’s bei ihnen am Gründonnersteg und zurück kommen sie den Sonntag nach Ostern. Sie haben uns gebeten, für diese Zeit ins Haus nach Nordenham zu ziehen, wegen Hund und Katze aber auch, damit das Haus nicht so lange leer steht.

Das werden wir natürlich tun und das ist ja auch kein Aufwand für uns außer ein wenig mehr Fahrerei. In der Zeit dort können wir ja auch das ein oder andere mit Leander und Jochen unternehmen. Beide haben übrigens einen Aufnahmeantrag zu den „Flamingos“ gestellt und der Vorstand hat dem auch direkt zugestimmt.

Das hat dann wahrscheinlich wohl auch eine nähere Bindung an uns und unseren ganzen Freundeskreis zur Folge. Beide sind ja den meisten bei uns schon gut bekannt, so dass ich da keine Probleme sehe und nach Ricos Erzählungen zu urteilen, ist auch der Jochen voll OK und passt zu uns hier, was ich ja bei Leander auch gleich gemerkt habe.

Wir sind alle mit dem Essen fertig, alle sind satt und geschmeckt hat es auch, etwas, das fast immer hier der Fall ist. Wir wissen übereinander nach den letzten Monaten hier mittlerweile, was jeder gern isst aber auch, was no Go ist bei dem ein oder anderen und wenn einer mal das Essen auf dem Tisch gar nicht mag, so kann er sich ja eine Pizza in den Ofen schieben. Pizzen, mehrere Sorten, sind immer ausreichend in der Truhe, ebenso Brötchen und andere Sachen für auf die Schnelle. Dafür sorgen Kevin und Wolfi und das zahlen sie  meist auch so aus ihrer Tasche, ohne die  Kasse hier zu belasten, in der immer ausreichend Kohle ist bis jetzt.

Wir räumen ab und dann alles weg, bevor die meisten in ihre Zimmer gehen, noch was für Uni oder Schule tun und ihre Sachen bereits für morgen Früh vorbereiten.

Morgen und auch die darauf folgenden Tage fällt das Training aus, erst ab dem nächsten Samstag geht es weiter, dann aber schon drüben, in unserem neuen Domizil und wir sind alle gespannt, wie es fix und fertig aussieht, unser neues Trainings- und Wettkampfcenter. Montag und auch im Laufe der nächsten Tage kommen noch einige Lieferungen an Geräten, Möbeln, die Matten und sonstiges Gerät, das wir ja dann nach der Endabnahme  noch aufstellen, platzieren und einräumen müssen.  Das werden wir dann an Stelle des Trainings tun und alle werden wohl, wie immer bisher mit helfen.

Wir haben vereinbart, das jeder, der Zeit hat in der kommenden Woche, zur Halle fährt und dort mit hilft, alles für die Eröffnung fertig zu machen, weil, da ist ja noch einiges zu tun.

Wolfi und Kevin, die schon etliche Bilder vorbereitet haben, werden diese mit Kai und Martin aufhängen, in der Halle ebenso, wie im Studio und in den anderen Räumen auch. Die Eröffnung soll im Rahmen eines Tages der offenen Tür ablaufen, mit Vorführungen im sportlichen Bereich, mit Studiobesichtigung, Beköstigung der Gäste und ich habe angeregt, im Rahmen der Veranstaltung eine Tombola zu machen, bei der man dann Sportsachen, diverse Gutscheine aber auch Freimonate in Training oder  fürs Studio gewinnen kann. Da werden wir uns was einfallen lassen.

So, ich habe, ebenso wie Frank, nun alles gemacht und da es gerade mal 16:00 Uhr durch ist, wäre doch eine Sauna und ein bisschen Schwimmen nicht verkehrt und später werden wir beide uns in den Schlaf poppen, denk ich, da brauch ich meinen Hasen bestimmt nicht lange zu bitten.

Eine SMS an alle, auch die hier im Haus von wegen  Sauna und Schwimmen geht raus und fünfundzwanzig Minuten später rücken wir mit zehn Leuten in die Sauna ein und es dauert nicht lange, bis auch noch andere Freunde von zu Hause hier her kommen und mit machen.

Martin und Kai kommen sogar auch her und so ist es ein schöner Nachmittag und Abend. Um 19:00 Uhr bestellen Kevin und Wolfi schon wieder Essen, chinesisch ist es dieses Mal und um 20:00 Uhr sitzen wir alle wieder oben, essen und trinken und haben Spaß und Unterhaltung zusammen.

Morgen starten wir dann in eine neue, sehr ereignisreiche Woche in der es viele neue Eindrücke geben wird und unsere Zukunft wesentlich beeinflusst, was Freizeit und unseren Sport angeht. Hoffentlich wird alles einmal so, wie es in unseren Vorstellungen zum Ablauf und Vereinsleben geplant wurde, Sport zusammen mit Freunden, egal ob schwul oder nicht, ohne homophobe Attacken, bunt und quer und mit viel Freude und Erfolg.

Robin, Sonntag, 27.03.2011, 22:30 mit Roland am Torfplatz, in  Rolands Zimmer.

Weil Mama und der Kapitän Ausgang haben, Matze und Chris in der WG und danach bei Matze sind, bin ich mit Roland bei Körners und von hier aus fahren wir auch rollermäßig Morgen früh in die Schule. Die heißen Roller haben dort natürlich ein wenig für Aufsehen gesorgt, das legte sich aber schnell und es ist jetzt normal, dass wir damit zur Schule kommen.

Nach zärtlichem Sex, wie immer unter der Dusche mit Pipi-Einlage, liegen wir fertig zum Schlafen auf dem Bett, bereits zugedeckt und schmusend. Für die Schule ist alles gerichtet und Morgen ist eine Englisch-Arbeit und für Mittwoch eine in Mathe angekündigt.

Auf beides sind wir vorbereitet und es wird wohl klappen, hoffen wir beide. Es läuft mit mir besser in der Schule, als wir es zu Anfang befürchtet haben. Das Üben, zuerst immer bei Remmers, jetzt immer mit Roland, das hat gut funktioniert und wird es wohl auch weiterhin tun.

In der Skifreizeit vom 05. bis zum 12. März waren wir mit vier Jungs im Zimmer, das heißt, das Roland und ich halt doch so nicht allein waren und es nicht so einfach war, mehr als nur Küsse hier und da aus zu tauschen. Ich kann jetzt ein bisschen Skifahren, nicht so gut, lange nicht so, wie es Roland kann aber das ist mir auch nicht so wichtig.

Das wir schwul und auch ein Paar sind, das ist jetzt rum in unserer, aber auch in der Parallelklasse, allerdings gab es deshalb keinen Stress und auch keine Anfeindungen. Torsten war in der Zeit wohl so drauf, wie ihn Ole halt von früher geschildert hatte, der Pausenclown praktisch, aber durchaus im positiven Sinne und seine Sprüche haben manchen Lacher produziert.

Mit Kilian Grimm und Klaus Dieter Mäder hatten wir zwei nette Zimmerkollegen bekommen. Roland und ich, wir glauben beide, dass der Kilian sich auch nicht viel aus Mädchen macht. Er war fast immer mit uns beiden unterwegs und er hat auch so einen leicht femininen Touch.

Er ist figürlich etwa wie ich, ruhig und eigentlich auch lieb in meinen Augen. Er zeigte gegen Ende der Freizeit auch reges Interesse an unserem Verein und will auf jeden Fall mal reinschauen, wenn die Halle fertig ist.

Seit wir zurück sind, sucht er öfter unsere Nähe und wir haben da auch nichts dagegen, dass er sich zu uns gesellt. Seine Eltern und er, so wie noch zwei jüngere Schwestern wohnen am Berliner Platz, nicht so weit von Roland weg und sein Vater ist der Leiter des Wasser und Schifffahrtsamtes, das auch da in der Nähe, an der Geeste liegt.

Viel Aufregung gabs in der Freizeit nicht, einige haben zu viel getrunken und auch nächtliches Treiben soll es gegeben haben, davon haben wir aber nicht so viel mit bekommen. Es gab einen Beinbruch, Luzie Braun war die Ungeschickte und einen Gehgips und zwei Krücken hat sie zur Zeit immer noch.

Unser großer Auftritt im TV Alex und Chris und ich sind dort hin in der Frühe, der war gut, es hat richtig Spaß gemacht und es gibt tatsächlich einige Interessenten, die gerne andere, Produkt bezogene Werbeaufnahmen mit mir machen möchten.

Ich überlege mir in den letzten Tagen, ob ich so etwas machen will. Das wird zusätzliche Zeit ohne Roland bedeuten und obwohl das ja bestimmt auch Geld gibt dafür, bin mir nicht sicher, ob ich das will und wie er darüber denkt, muss ich ja auch erst mal erfragen. Öffentlich outen möchte ich mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht so gern und Roland ist das auch zu früh.

Ich wäre dann bei den Aufnahmen und dem ganzen Drum und Dran mit Schminken und so allein und auf mich gestellt, ohne meinen Schatz und das sagt mir nicht so zu. Mal sehen, was er dazu meint.

Dienstag werden uns Chris und Matze zunächst mal verlassen, ziehen nach Hamburg, in ihre tolle Wohnung und am 1. April geht dann das erste Semester los. Dass es jetzt doch Medizin geworden ist, freut niemanden mehr als mich und das es das Schicksal nun doch so gut mit uns Wegmännern gemeint hat, ist immer noch nicht so einfach zu begreifen.

Heute vor einem Jahr war ich noch eine kranke Eintagsfliege, mit geringer Lebenserwartung, Chris mein persönlicher Krankenpfleger, ohne die berufliche Perspektive, die er sich gewünscht hat. Jetzt passt echt alles.

Alex, der mich ja gerade erst noch mal untersucht hat, ist mehr als nur zufrieden mit meinem Zustand und jetzt, wo seine, oder ist es meine?, Station durchstarten kann, läuft auch für ihn alles bestens.

„Robin Wegmann, Herzstation“, so soll es jetzt offiziell heißen, das wurde auch im TV bereits so gesagt, führte dann auch in der Schule zu diversen Fragen von anderen Mitschülern aber auch von dem ein oder anderen Lehrer.

In unserer Klasse habe ich dann auf die Bitte des Lehrers hin meine Geschichte etwas ausführlicher erzählt, in der Geschichtsstunde, versteht sich. Jetzt bin ich hier natürlich bekannt wie ein bunter Hund und werde oft von mir eher fremden Schülerinnen und Schülern mit „Hey, Robin“ gegrüßt.

Da Roland und ich immer bei unseren Freunden stehen, ist diese zur Zeit gesteigerte Aufmerksamkeit mir gegenüber nicht störend und auch die Aufmerksamkeit bei Facebook ist wieder auf ein normales Maß zurück gegangen. Die Follower auf meinem seit drei Wochen eingerichteten Youtube-account haben sich nach dem TV-Auftritt verzehnfacht und es sind jetzt über 17.000, die mir auf der Herzseite folgen.

Mein Profil auf You Tube,  das mit der Fernsehsendung und dem Hinweis auf die Flamingo Seite begann, erfreut sich immer größerer Beliebtheit und hier Werbung zu machen als Youtuber, das wäre mir noch eine Überlegung wert. Zwei bis dreimal in der Woche poste ich dort was, über mein Leben, den Verein, über den Roller, über das Training und auch über die Halle und das Studio.

Auf der Seite des Vereins werden auch alle Neuigkeiten veröffentlicht und diese Seite wird ebenfalls häufig besucht. Da gibt es auch jede Menge Bilder, die mir Wolfi dann immer schickt und die ich dann, nach Rücksprache mit Ole, poste und das wird auch wohl häufig angeschaut, wie die Rückfragen beweisen.

Von der Prüfung neulich habe ich auch Bilder eingestellt, allerdings nicht, ohne die darauf abgebildeten Leute zu fragen. Grundsätzlich sind alle bereit, Bilder von sich beim Training oder Wettkampf zu zu lassen für die Webseite des Vereins. Bilder mit knutschenden Jungs oder andere, speziell auf das Schwul sein hindeutende Bilder werde ich aber im Interesse der Betroffenen nicht oder nur mit deren ausdrücklicher Genehmigung einstellen.

Roland schläft schon und auch mir fallen die Augen zu, was nach einem doch anstrengenden Wochenende mit einigen Rollerkilometern, Sauna und Schwimmen und Liebe nicht verwunderlich Matze, Dienstag, 29.03.2011, 18:30 Uhr mit Chris in der Wohnung in Hamburg

Nach einem recht guten Döner sitzen wir vorm Laptop und skypen mit Robin und Roland.

Der Dönerladen ist gar nicht so weit weg von hier, in der Grindelallee und es hat uns gut geschmeckt. Der Boy, der uns bedient hat, so um die zwanzig ist er wohl, wie wir,  im dem Laden war sehr hübsch an zu sehen.  Ich denke mal, da werden wir wohl öfter mal rein schauen und was essen. Er hat uns sehr eingehend ab gescannt, das ist uns beiden auf gefallen.

Nach dem wir beide in der Frühe ,um 11:00 Uhr heute Morgen, losgefahren sind, haben wir nach gut zwei einhalb Stunden Fahrt unser Ziel erreicht und nach dem wir alle Sachen hoch getragen und auch gleich richtig eingeräumt haben, sind wir zu Fuß los, die Gegend ein bisschen erkunden. Die Wohnung liegt so, das ziemlich alles, was wir eventuell brauchen, fußläufig zu erreichen ist und es ist toll hier in Elmsbüttel.

Am Freitag beginnt nun ein neuer Abschnitt unseres im letzten Jahr doch sehr aufregenden Lebens und es wird wohl etwas dauern, bis alles hier so richtig rund läuft. Ein Stellplatz fürs Auto und auch ein etwas größerer Kellerraum, in dem noch diverse Sachen des Vorbesitzers stehen, gehören ebenfalls zur Wohnung dazu.

Auch ein gutes, fast neues Mountainbike steht dort und wir werden beim nächsten Besuch in Bremen mein Bike mit hier her holen. Dann können wir, je nach Wetterlage mit den Rädern zur Uni fahren und auch so mit dem Rad die Gegend erkunden.

Mein Ziehvater hat gesagt, das alles in Wohnung und auch im Keller uns gehört, er hat es dem Auswanderer pauschal ab gekauft, bevor dieser nach Down Under geflogen ist, wohl für immer. Da stehen noch Winterreifen auf Felgen, diverse Weinflaschen, voll und auch sonst noch einiges an Zeugs, teils in Kisten.

Das werden wir bei Gelegenheit sichten und sortieren. Mal sehen, was wir von dem allen für uns brauchen können, was wegkann oder was jemanden in Bremen erfreuen könnte.

Im Haus selber wohnen noch fünf weitere Parteien, bei denen wir uns am Wochenende mal kurz vorstellen wollen. Unsere Wohnung liegt im Erdgeschoss links und Treppenhaus und alles ist sauber und ordentlich, sogar ein paar Bilder hängen im Hausflur.

Bilder von Wolfi haben wir auch dabei, drei geschenkte von Robin und drei geschenkte von Wolfi, der partout kein Geld von zwei „armen“ Studenten nehmen wollte. Angesichts seines nicht kleinen Vermögens haben wir schweren Herzens eingewilligt und die Geschenke angenommen.

Arme Studenten sind wir wohl kaum mit der tollen Wohnung und locker 1000,- Euro im Monat, das haben bestimmt nur sehr wenige in der Uni, denk ich und es kommen ja auch noch monatliche Fresspakete, hat meine Mutter angekündigt.

Auch Frau Wegmann hat monatliche Kuchen und Esspakete angekündigt und da im Keller auch eine Tiefkühltruhe steht, werden wir alles gut unterbringen, was nicht gleich gegessen wird. Alle 3-Vier Wochen wollen wir dann aber doch nach Bremen und Bremerhaven fahren und es soll auch in diesem Turnus Besuch von dort zu uns kommen.

Alle sind ja mobil und ein Pärchen kann ja mindestens bei uns schlafen, auf der Couch auch ein weiteres und der Remmerskonzern hat ja bestimmt auch hier in Hamburg ein Hotel, wenn nicht mehr. Das kann Jerome ja mal checken.

Dann ist ja da auch noch Alwins Opa, der wohnt doch auch hier in der Nähe, hat Alwin mal erzählt und da kann er ja zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn er mit Gerry mal herkommt. Bei der Gelegenheit können wir ja dann auch seine Großeltern und Verwandten kennen lernen, mal sehen, was Alwin davon hält.

Robin, er und Roland sind bei Wegmanns zu Hause, wollen uns mit den Rollern auch besuchen kommen, wenn sie sich mal richtig eingefahren haben und es mal wieder wärmer ist draußen.

Heute war es diesig und kühl, gerade mal dreizehn Grad und morgen soll es dann auch noch regnen dazu. Jetzt ist Robin der Mann im Haus aber das wird, wenn wir das richtig einschätzen, bald der Herr Sundermann sein und das ist ja auch für alle längst OK.

Der Mann ist cool und echt in Ordnung und Chris bedeutet es unheimlich viel, das seine leidgeprüfte Mama nun auch mal wieder ein kleines Glück erleben darf. Er, und Robin noch viel mehr, mögen den Kapitän und sind froh, dass er ihrer Mama so richtig den Hof macht.

Ich rufe nun mal meine Eltern, das sind sie einfach für mich, an und sage, dass alles gut gelaufen ist. Wir hatten beide nach unserem Eintreffen hier schon eine SMS geschickt, damit sich niemand sorgen muss, jetzt erfolgt telefonisch ein kurzer Lagebericht, der noch mal ausdrücklich mit unserer Dankbarkeit für ihre sehr großzügige Unterstützung endet.

Beim Auspacken der Tasche habe ich heute Mittag ein Kuvert gefunden mit einem Brief und einem Sparbuch drin.

Sie hat geschrieben, dass sie einen Monat, nach dem ich zu ihnen geflüchtet bin, dieses Sparbuch für mich angelegt hat. Mein Onkel, der ja gefühlt mein Vater ist, hat, ohne dass ich es wusste, meine Erzeuger auf Unterhalt und Herausgabe des Kindergeldes verklagt und sie, Mama, hat das monatlich auf dieses Sparbuch gestellt.

Einunddreißig Monate immer  670,- Euro, das waren ja noch mal 18.210,- Euronen, die jetzt mir gehören sollen und von deren Existenz ich keine Ahnung hatte. Wir waren beide zunächst platt, sprachlos und dann haben wir realisiert, das bei uns finanziell wohl nichts mehr schief gehen kann jetzt.

Sollte mal was kaputt gehen, Waschmaschine oder TV oder das Auto, es wird uns nicht in Schwierigkeiten bringen und das zu wissen, ist schon geil und sehr beruhigend, oder? Ich hoffe, dass ich es ihnen irgendwann gebührend danken kann, was sie für mich,  ihren schwulen Neffen alles getan haben. Ich habe sie einfach sehr lieb und werde später immer für sie da sein, wenn sie mich mal brauchen.

Auf der großen Couch, mit einem Flensburger Bier und etwas TV, es kommt eine Komödie, lassen wir den ersten Abend unseres neuen Lebensabschnitts ausklingen und später, nach einem Duschvergnügen der besonderen Art, schlafen wir glücklich und sehr zufrieden in unseren neuen Lebensabschnitt hinein.

Lex, Montag, 04. 04. 2011, morgens, halb 5 Uhr im Bett, Ralf schläft noch.

Nass geschwitzt, mit starken Kopf und Gliederschmerzen bin ich gerade wach geworden. Es ist noch dunkel im Zimmer und Ralfs Atemgeräusche sagen mir, das er noch fest schläft. Ich müsste zur Toilette und setze mich auf. Es wird mir schwindelig und schwarz vor Augen und ich muss wohl laut gestöhnt haben, denn Ralf fragt gleich, noch schlaftrunken, was los ist.

„Mir ist schlecht, alles tut weh und ich bin ganz schwindelig“, sag ich krächzend, „hilf mir mal ins Bad, ich muss pinkeln, komm aber nicht hoch.“

Sofort ist er hell wach und fährt mit seiner Hand an meine Stirn.

Die ist ganz nass und Ralf sagt: „Mensch, du glühst ja richtig, warte, ich helfe dir hoch.“

Auf meiner Seite des Bettes an gekommen, hilft er mir beim Aufstehen und stützt mich dann auf dem Weg ins Bad. Man, ist mir schlecht. Nach dem ich, wie immer, im sitzen gepinkelt habe, bekomme ich starken Brechreiz, knie schnell vor der Schüssel und entleere meinen Magen unter schmerzhaftem Würgen.

„Man, dich hat es ja voll erwischt“, sagt Ralf besorgt und streicht über meinen schweißnassen Rücken.

„Kann ich dich kurz allein lassen, wir müssen einen Arzt verständigen oder zu einem hinfahren“, sagt er und als ich nicke, verlässt er das Bad, um Hilfe zu rufen.

So übel und schlecht habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt und mit beiden Armen habe ich, immer wieder brechend, an den weißen Porzellanhimmel geklammert.

Als der Brechreiz abklingt, lasse ich mich seitwärts neben dem Klo auf den Boden sinken. Die Kühle des weißen Fliesenbodens tut gut, zumindest so lange, bis heftiger Schüttelfrost einsetzt, etwas, das ich so noch nie gefühlt habe.

Stöhnend stemm ich mich am Klo nach oben und taumel ins Zimmer zurück, wo ich mich auf dem Bett in alle vorhandenen Decken einwickele. Nur langsam lässt das Frieren nach und es wird ein wenig besser.

Ralf kommt zurück, er war wohl kurz unten, bei Tante Lis und er sagt, dass sie ihren Hausarzt herbestellt hat und der in etwa dreißig Minuten da sein will.

„Onkel Carl August kommt auch gleich hoch“, höre ich Ralf sagen, „und Tante Lis will wegen der Kleinen zunächst den Kontakt mit mir meiden, will abwarten, was der Arzt nach her sagt.“

Ralf holt aus dem Bettkasten zwei weitere dicke Wolldecken und breitet dies über mich aus. Das Bibern und Zittern mit einhergehendem Zähneklappern hat jetzt nach gelassen, keimt aber bei jeder Bewegung wieder auf, so das ich ganz ruhig liege. So ist es zunächst erträglich und so warte ich jetz mal auf den Arzt.

Ralf zieht sich einen Jogginganzug an, er hat Mittagsschicht uns ist deshalb jetzt nicht im Stress, sondern ist bei mir, mit etwas Abstand, aber das ist ja OK. Hauptsache, ich bin nicht allein und gerade muss ich an das Internat denken und an den Stress, wenn da mal einer krank aufwachte. Das vist ja nun anders hier und das ist bei allem Übel immer noch gut.

Jetzt kommt, nach dem Anklopfen, der Onkel und er hat ein Fieberthermometer dabei, ein modernes zum Glück, mir dem man im Ohr misst. Das überlässt er aber nicht etwa Ralf, nein, er macht das selber bei mir und seine Hand dabei auf meinem Kopf tut mir gut, vermittelt mir emotionale Anteilnahme, etwas, das mein Erzeuger nie getan hat und nach meinem unfreiwilligen Outing wohl auch nie wieder getan hätte.

Solche kleinen, oft kaum beachtenden Gesten, gerade die zeigen mir, dass ich hier zu Hause und Willkommen bin und das tut gut, sehr gut. „39,6“, sagt er, nachdem er das Display abgelesen hat, „das ist schon heftiges Fieber. Was spürst du sonst noch, was tut weh?“

„Eigentlich alles, Kopf und alle Glieder, der Hals aber am Schlimmsten ist dieses Frieren“, sag ich heiser.

„Da hat es dich ja schön erwischt“, meint er und dann sagt er zu uns: „ich gehe mal runter, alles regeln. Martin muss dann wohl Natascha zur Schule fahren, die kann dann auch gleich eine Entschuldigung mit nehmen. Wenn du die nicht selber schreiben kannst, soll Ralf das tun.“

Der Macher, denk ich, er denkt immer gleich an alles, er ist schon toll und so möchte ich auch mal werden, so cool, so clever.

Er verlässt uns wieder, sagt beim rausgehen zu Ralf: „Um 07:00 Uhr gibt es Frühstück unten, bis dahin ist auch der Doktor da gewesen und wir wissen mehr. Ich denke aber, dass es ein heftiger Infekt ist. Wenn du heute nicht zur Arbeit gehen, sondern bei Alex bleiben willst, ruf ich im Hilton an. Lis und Frau Gut und auch Frau Jensen sollten den Kontakt heute eher meiden wegen der Kleinen und du könntest dich dann hier um Lex und seine Versorgung kümmern.“

„Das wäre toll“, sagt Ralf, „danke.“

Ich bin natürlich auch froh über diese Lösung, Die mein Onkel vorgeschlagen hat. Allein hier zu liegen ist mit Sicherheit nicht gut, vor allem, weil ich im Moment auch nicht aufstehen kann. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so richtig krank war.

Der Onkel geht und Ralf geht ins Bad und ich bemühe mich, bewegungslos unter den Decken zu verharren, bis der Hausarzt, den ich noch gar nicht kenne hier eintrifft. Ich weiß auch gerade nicht, wie und wo ich denn überhaupt krankenversichert bin.

Da mein Erzeuger Berufssoldat ist, waren wir immer privat versichert und zusätzlich Beihilfe berechtigt. Ob ich noch immer über ihn versichert bin, weiß ich nicht und ich habe, ehrlich gesagt auch nicht darüber nach gedacht.

Ich gehe mal davon aus, das der Onkel auch da alles geregelt hat und ich den Doktor nicht vom Taschengeld bezahlen muss. Als Ralf aus dem Bad zurück kommt, bin ich fast wieder eingedöst und erst auf seine Frage, wie es mir im Augenblick geht, reagiere ich und nach einem: „nicht gut“, teile ich ihm meine Gedanken über die Krankenversicherung mit.

„Ich gehe mal runter zum Frühstück“, sagt er, „dann werde ich dem Onkel sagen, das du nicht weiß, wie du versichert bist. Der wird dann schon eine Lösung haben, denk ich. Ich gehe davon aus, das du jetzt mal nichts essen willst, wenn du aber später was möchtest, sag einfach Bescheid. Ich werde Frau Gut bitten, dir einen Tee zu kochen, den bringe ich dann später mit hoch.“

Er streicht mir durch das Haar und geht dann zur Türe.

Ich krächzte ein: „Ich liebe dich“ hinterher und dann bin ich allein.

Dösend liege ich still und warte auf den Arzt, der dann auch irgendwann am Bett steht. Das Aufgehen der Türe habe ich nicht mit bekommen. Unter der warmen Decke raus und das kalte Stethoskop auf der Haut lassen den Schüttelfrost wieder auf leben und der gute Doc beeilt sich. Wieder unter der Decke kommt die Sache mit dem „AHH“ und er meint, dass ich eine satte Mandelentzündung  habe.

„Alles ist stark gerötet und es beginnt zu eitern. Das ist dann auch der Grund für das sehr hohe Fieber“, sagt er, „wenn es nach einer Spritze jetzt und einer weiteren gegen Abend, ein starkes Antibiotikum, bis morgen nicht besser ist, rate ich zur Entfernung der Mandeln im Krankenhaus.“

Upps, das hört sich ja nicht gerade gut an, finde ich. Die von ihm aufgezogene Spritze gibt es in den Po, also wieder Schüttelfrost.

„Strenge Bettruhe und gegen Abend komme ich noch mal her für eine weitere Spritze“, sagt er, „normal müsste es dann in der Frühe besser sein. Wenn dieses Mittel nicht wirkt, hilft nur eine Entfernung der Rachenmandeln. Die Gefahr einer weiter gehenden Entzündung der Lunge oder sogar des Herzmuskels,  sowas will ich nicht riskieren. Das entscheiden wir aber dann Morgen früh.“

Er nimmt mir Blut ab und etwas Schleim muss ich in ein Röhrchen spucken. Das will er im Labor untersuchen lassen, um den Erreger zu lokalisieren, sagt er und packt alles ein.

„Beziehen sie das andere Bett neu, ihres ist ja nass verschwitzt“, sagt er weiter, „ziehen sie was trockenes an, ruhig etwas dicker, ab ins frische Bett und wenn das durch geschwitzt ist, muss man es wiederholen. Das Bett hier muss man dann auch frisch machen und die Bettwäsche und auch die Schlafkleider so heiß wie möglich waschen. So, dann bis heute Abend und eine Hühnerbrühe und auch Speiseeis, ruhig größere Mengen, helfen und lindern auf jeden Fall das Halsweh.“

Nach einer Verabschiedung wird er vom Onkel hinaus begleitet, während Ralf bereits Bettzeug holt und mich dann in seine, noch trockene Betthälfte bugsiert. Meinen Sommerjogginganzug und eine Garnitur normale Unterwäsche bringt er auch und schnell, sehr schnell ziehe ich mich mit seiner Hilfe um, und schlüpfe dann ins trockene Bett.

Er holt die Decken und deckt mich zu und der Frost weicht langsam.“ Danke“, sag ich, „schön, das du hier bei mir bleiben kannst, mir geht es echt beschissen, sowas hatte ich zuletzt als Grundschüler.“

„Schlaf ein bisschen“, sagt mein Schatz, „ich bring derweil die Sachen runter in die Waschmaschine. Frau Gut sage ich das mit der Hühnerbrühe und auch mit dem Eis, wenn was da ist, bringe ich das später mit hoch. Andernfalls werde ich Eis kaufen fahren“, dann bin ich allein und schließe die Augen.

Carl August, Montag, 04.04.2011, 08:10 Uhr, mit Martin im Achter, auf dem Weg nach Bremen.

Lex hat es richtig gut erwischt, hat der Doktor gesagt, leider, ich hoffe, es wird mit den Medikamenten besser. Doktor Schmitz, so heißt unser Hausarzt, betreut uns erst seit knapp einem Jahr, hat die Praxis von unserem alten Hausarzt, Doktor Krämer, übernommen, als der Ende 2009 mit gut siebzig Jahren aufgehört hat, und nun im wohlverdienten Ruhestand ist.

Er war quasi schon mein Kinderarzt, früher war das so, dass man alles zuerst mit dem Hausarzt versuchte, bevor der dann einen zum Facharzt überwiesen hat. Es war eine gute Lösung, finde ich und wir halten meistens an dieser Reihenfolge fest.

Dr. Schmitz ist Internist und bisher hatten wir ihn ja auch nicht allzu oft gebraucht. Was bisher war, hat uns immer zufrieden gestellt und so sind wir dann auch weiter für allgemein medizinische Dinge dort geblieben.

Lis und Natascha haben dann noch ihre Frauenärztin, so wie ich seit zwei Jahren auch einen Urologen des Vertrauens habe, den mir unser alter Hausarzt empfohlen hat. Zuerst rufe ich jetzt im Hilton an und lasse Ralf für Heute und Morgen beurlauben, damit er sich hier um Lex kümmern kann.

 Kai fährt Natascha und holt sie auch wieder ab von der Schule, Jerome hab ich eine SMS geschickt, das Lex krank ist und das Bett hüten muss. Versichert haben wir Lex natürlich auch, als er unseren Namen bekam, so dass es da keine Probleme gibt.

Sollte er in die Klinik müssen, dann ist er dort voll versichert, das heißt, privat mit allem Komfort und auch die  Chefbehandlung gehört dazu, so, wie das auch bei uns der Fall ist. Wir müssen schauen, dass sich sonst niemand ansteckt, das wäre nicht gut und deshalb ist es auch gut, dass Ralf sich um Lex kümmern kann.

Wir müssen jetzt abwarten, wie das Antibiotikum wirkt, das wird für alles weitere Ausschlag gebend sein.

Heute vor einer Woche hat die Europa abends in Bremerhaven fest gemacht und nach ein paar Tagen Urlaub und Vorbereitung wird sie am Ostermontag Abend schon wieder auslaufen, nach Genua, zu einer der Mittelmeerkreuzfahrten, dieses Mal dann für sechzehn Tage. Ein Teil der Besatzung macht frei, im Wechsel, während das Schiff gründlich auf geklart und auch zum Teil frisch ausgerüstet wird.

Frau Jensens Bruder und der Doktor haben auch etwa zwei Wochen Urlaub und wir werden sie bestimmt bei uns oder bei den Jungs sehen, die Beiden. Vom Kapitän der Europa habe ich bisher nur Gutes gehört und das der Dr. Morbach eine Kaiserschnittgeburt an Bord ohne Probleme durchgeführt  hat, das war wohl etwas, das selbst der Kapitän so noch nicht erlebt hat.

Er ist jedenfalls vom neuen Schiffsarzt begeistert, was mich für alle Beteiligten und auch für die Firma sehr freut. Darüber, dass der Doktor schwul und mit dem Zahlmeister zusammen ist, hat der Kapitän kein Wort verloren, also war unsere Entscheidung für den Doktor absolut OK.

Wir sind in der Firma angekommen und ich gehe, vom Pförtner freundlich begrüßt, zuerst mal zu Ulf und tausche mit ihm alles Neue aus. Der Neffe Philipp, höre ich dort, ist gut in der Reha angekommen und es scheint gut zu laufen.

Die beiden Jungs, Noah und Enrico haben täglich Kontakt mit dem Jungen und kümmern sich um ihn. Ich erzähl kurz von Lex und auch, dass ich für Ralf erst mal zwei Tage frei geholt habe, damit er sich um Lex kümmern kann.

Das wegen der Ansteckungsgefahr alle, die mit den Babys zu tun haben, nicht zu Alex dürfen und müssen, das ist natürlich für mich die beste Lösung im Moment. Ich erzähle Ulf von der am letzten Dienstag stattgefundenen Endabnahme der Baustelle, wie toll alles geworden ist und auch, dass die Jungs und Mädels nun beim Einrichten und dekorieren sind in der Halle aber auch im Studiobereich.

Da wir uns dort ja auch sportlich betätigen wollen, beschließen wir, nach dem Mittagessen einfach mal hin zu fahren und zu schauen, wie weit alles gediehen ist dort, ob noch was fehlt oder sonst Hilfe gebraucht wird.

Wir könnten ja auch danach noch mal zum Scarlotti fahren, wir zwei, da waren wir ja schon länger nicht mehr und ein Osobucco zu Mittag, das wäre doch nicht schlecht. Da Ulf das auch so sieht, ist das jetzt gebongt.

Am 15. diesen Monats beginnen die Ferien für die Schüler, die bis zum 1. Mai andauern und in dieser Zeit wollen Ole und Co das Ganze, sprich, die Halle, mit einem entsprechenden Event  eröffnen.

Das hängt natürlich auch mit von der Beisetzung von Sergejs Oma ab, die uns alle noch mal fordern wird, natürlich auch mit Abschluss aller Arbeiten innerhalb der Halle und auf dem großen Hof. Bäume und Pflanzbeete lockern die Fläche auf, auf der Parkzonen aufgemalt werden und ein Unterstand für Roller und Fahrräder fehlt auch nicht.

Die Jungs um Ole und Jerome, die Bauleitung und nicht zu vergessen, Ewald Knauer, haben an alles gedacht. Jetzt fehlt noch die Abnahme durch das Bauamt und die Feuerwehr, weil der vorbeugende Brandschutz und auch eine Beschilderung der Rettungswege, sowie sonstige Bauauflagen genau eingehalten werden müssen.

Das wird am Donnerstag laufen und da kann man sich  auf Ewald Knauer verlassen, denn bei den vielen Bauprojekten, die er für unseren Konzern geleitet hat, hat immer noch alles gestimmt und es gab nie ein ernsthaftes Problem.

In meinem Büro angekommen, sag ich meiner Sekretärin gleich, das ich nachher mit Ulf weg fahre und das wir erst gegen 14:00 Uhr wieder zurück sein werden. Wir fahren mit Ulfs Wagen, das ist am bequemsten und wir müssen niemanden mit schleppen.

Jetzt rufe ich zu Hause an, will hören, wie es Alex geht und ob sonst alles in Ordnung ist. Alles läuft, der Junge schläft wohl und Ralf ist immer in seiner Nähe. Lis und den Kindern geht es gut, Mutter und Frieda sind auch unten.

Kevin und Wolfi, sie waren am letzten Freitag hier, haben mich und Oliver Salm um Rat gefragt und zusammen mit dem Anwalt Ottmar Wagner werden wir uns am Mittwochnachmittag zusammen setzen und über eine größere Inmobilienaktion in Hamburg reden.

Da geht es um einen Gebäudekomplex im Hafenbereich, groß und gut gelegen. Den will nun ein chinesischer Investor kaufen zu einem sehr guten Preis, versteht sich. Dieser Komplex ist zurzeit gut verpachtet und der Pächter, der auch teilweise im Rüstungsbereich tätig ist, also auch die Herstellung und den Verkauf von Militärtechnologie betreibt, will den Komplex ebenfalls kaufen.

Dieser Firma würde aber auch die einfache Fortführung des Pachtvertrages reichen. Beide Jungs sind sich nun nicht sicher, ob sie das Angebot der Chinesen annehmen sollen.

Ich persönlich bin ja nun kein Freund von Rüstungsbetrieben, wir haben uns da ganz zurück gezogen aber den rigorosen Einkauf chinesischer Unternehmen gerade im Hafenbereich von Hamburg, der gefällt mir auch nicht besonders.

Mal sehen, wie die anderen, vor allem der Herr Wagner, darüber denken. Das die Jungs mich als Berater hinzuziehen, freut mich und zeigt mir, das wir, Lis und ich und meine Familie alles richtig gemacht haben, als wir den Kevin kurzer Hand bei uns aufgenommen haben.

Auch sein Zusammen kommen mit dem Kai, der ja nun Wolfi heißt, einfach zu akzeptieren und auch zu fördern, war mehr als richtig. So, bis 10:00 Uhr werde ich jetzt mal was wegschaffen, bevor ich mit Ulf zur Halle fahre, wo wir dann auf Mike treffen werden, der kommt dort hin und sperrt auf, die anderen kommen erst nach Schule und Uni dorthin.

Mike hat seine Sache fast genauso gut und gewissenhaft gemacht, wie es Ole bei Umbau der WG getan hat und er kann mit Recht stolz sein auf seine Leistung. Das habe ich bei der Endabnahme dann auch deutlich gesagt, das ist einfach richtig und das muss dann auch gesagt werden. Lob für gute Arbeit ist mit eine der besten Motivationen für den Betroffenen und dass es gut war, sollen alle wissen.

Ich hoffe, das der Zusammenhalt dieser doch mittlerweile recht ansehnlichen Gemeinschaft durch den Verein weiter wächst und alle auf lange Sicht miteinander verflochten bleiben, für einander da sind.

Mike, Dienstag, 05.04.2011, 16:oo Uhr in der WG, Küche, Dirk ist bei ihm und Wolfi und Kevin.

Wir sind voll bei der Vorbereitung des Abendessens, heute gibt es mal wieder Pizzabrötchen und anschließend ist dann Sitzung des erweiterten Vorstandes. Ole hat aber geschrieben, dass alle gern gesehen sind, es geht schließlich um die Eröffnung der Halle, die am 17.04. stattfinden soll, wenn wir es bis dorthin schaffen.

Zwölf Tage sind es noch und es sind ja auch noch keine Ferien bis dorthin, die beginnen erst just an diesem Wochenende und gehen bis zum 2. Mai. Der 30.04. wäre eine weitere Option, allerdings geht am 02.05. die Schule noch mal los und das ist recht knapp mit dem Aufräumen, das nach einer für unsere Verhältnisse sehr großen Veranstaltung einigen Aufwand macht.

Das ist nicht in zwei Stunden erledigt, vor allem soll ja dann auch der Trainingsbetrieb laufen und das Studio. An diesem Eröffnungsevent wird wohl jeder in irgendeiner Form mithelfen müssen, da ja einige Gäste und Interessenten zu erwarten sind an diesem Tag.

Das Ganze muss ja dann auch noch einen Namen bekommen und in Anbetracht der Finanzierung durch Jeromes Oma und deren Schwester finde ich Oles Vorschlag „Geschwister Remmers Sportzentrum“ durchaus angebracht.

Die beiden Damen müssten aber damit dann auch einverstanden sein. Ich gehe davon aus, dass wir da eine Lösung finden, die den Beifall aller Beteiligten findet. Eine große Unbekannte bei unserer Planung ist noch die zu erwartende Beisetzung der Oma von Boris und Jerome in Radebeul, da ist jetzt noch nichts Genaues bekannt.

Bevor die arme Frau nicht beigesetzt ist, ist eine genaue Planung nicht möglich, allein schon, weil wahrscheinlich alle von uns mit dorthin fahren werden. Sergej muss nachher, auch wenn es sau schwer für ihn ist, mal bei Boris oder bei seiner Mutter nachfragen, wie der Sachstand letztendlich ist, da führt wohl kein Weg daran vorbei.

Wir müssen jetzt zeitnah, am besten heute, einen Termin festlegen und spätestens zum Freitag mit der Plakatierung beginnen und mit der Werbung zur Feier im Internet. Das Drucken von Plakaten, Wolfi hat schon was entworfen, will der auf seinem geilen Din A 2 Drucker machen, so dass wir dafür niemand brauchen.

Die Werbung auf der Webseite macht Robin aber dazu müssen die Daten fest liegen. Unsere Leute trudeln langsam ein, Gerry und Alwin sind gerade eingetroffen, Rolf und Paul sind auch schon da und bis auf Matze, Chris und Lex und Ralf werden wohl alle kommen.

Auch einige der Erwachsenen, Martin und Kai, Jeromes und Noahs Papas und auch Alex Brunner, der Die Stabilitätsversorgung des Events planen will, werden kommen.

Soviel geballte Kompetenz und auch Begeisterung werden uns schon ein gutes Stück weiterbringen und Morgen ist dann Tag eins der Vorbereitungen und es sind noch gerade zehn Tage bis zum ersten Wunschtermin.

So, das war es mal wieder, es geht zurzeit besser und auch die Temperaturen sind wieder im erträglichen Bereich…….schön, das ihr dabei seid. Bis zum nächsten Mal

Niff

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1 Kommentar

    • Andi on 30. Oktober 2018 at 23:38
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    Hey hallo Hermann,

    bin erst jetzt dazu gekommen, zu lesen und ich hatte wieder viel Spaß beim Lesen. Freu mich schon auf den nächsten Teil.

    VlG Andi

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