Killian – Teil 2

Die erste Zeit im Internat

…lag ich auf dem Boden. ‚Was war das? Was ist denn jetzt passiert? Moment mal…was ist das?’ Ich schaute an mir runter und sah ein blondes Etwas auf mir liegen, das sich jetzt aufrappelte. Es war ein Junge.

„Kannst du nicht aufpassen, du Idiot? Schau dir mal meine Sachen an, du Penner, die kann ich jetzt total vergessen”, schnauzte er mich auch direkt an.

Dann ging er weg, nicht ohne vorher eine meiner Taschen wegzukicken. ‚Was war denn das? Was sollte bitteschön mit seinen Sachen gewesen sein? Im Gegensatz zu meinen waren die doch sauber. Beschimpft der mich einfach als Idioten und Penner.

Was fällt dem ein? Kennt mich doch noch nicht einmal.’ Ich sammelte meine Sachen auf und ging ins Internat. Wo musste ich nur hin? Suchend sah ich nach rechts und links, wo ich dann, in einiger Entfernung, einen Wegweiser fand. Mich immer danach richtend, fand ich schließlich das Sekretariat. Ich wollte gerade diese Tür öffnen, als sie von innen aufgestoßen wurde und ein Junge, etwas älter als ich, herauskam, der mich rammte, sodass ich die Sachen fallen ließ.

„Pass doch auf”, schrie mich der Junge an und ging davon. ‚Oh man sind die hier unfreundlich?’ Wie sollte ich das nur aushalten? Wieder sammelte ich meine Taschen auf und klopfte an die Tür des Sekretariats und schon war ich drin. Da saß eine ältere Frau, die trotz ihres Alters, immer noch sehr schön aussah. Soweit ich das beurteilen konnte.

„Ja, was möchtest du?”

„Ich bin Killian Solana, ich sollte mich hier melden.”

„Ah ja. Setz dich einen Moment. Der Direktor hat gleich Zeit für dich. Füll bitte schon mal dieses Formular aus.”

Während ich das Formular ausfüllte, öffnete sich die Tür vom Büro des Direktors und ein großer, muskelbepackter Junge kam heraus. Vom Aussehen her, schätzte ich ihn auf siebzehn oder achtzehn.

Er hatte blonde Haare und strahlend blaue Augen, die mich aber kalt anstarrten. Er ging hinaus und ich gab das Formular ab.

„Du kannst jetzt zum Direktor.”

„Gut.”

Ich klopfte an die Tür und trat auf das ‚Herein’ ein.

„Hallo Killian, setz dich bitte. Ich entnahm deiner Schulakte das du sehr gut in der Schule bist. Wir sind hier eine sehr Sport interessierte Schule und jeder Schüler muss hier mindestens eine Sportart aussuchen. Die man neben dem Schulsport ausübt. Was würdest du nehmen?”

„Was gibt es denn hier so alles an Sportangeboten?”

„Wir hätten da; American Football, Handball, Basketball, Kanu, um nur ein paar zu nennen.”

„Kann man hier auch reiten?”

„Nein, aber hier ganz in der Nähe ist ein Reiterhof. Da kannst du dir dann ein Pferd ausleihen. Was möchtest du jetzt für eine Sportart ausüben?”

„Wie sieht es mit schwimmen aus? Kann ich das tun? Ich war zu Hause in einer Schwimmmannschaft und würde hier gern weiter trainieren.”

„Ja das ginge. Doch das Internat selbst hat keine Mannschaft, das Interesse ist einfach nicht vorhanden, deshalb wurde das Schwimmen mit der örtlichen Schule verbunden, da diese auch ein Schwimmbad hat. Du müsstest dann immer zu dieser Schule fahren.”

„Macht nichts. Wenn Sie mir nur genau sagen können wo diese Schule ist, kann ich dort hinfahren.”

„Warte kurz ich druck dir deinen Stundenplan aus, darauf steht auch die Adresse der Schule…So hier, bitte.”

„Danke.”

„Gut du kannst jetzt gehen. Ach ja, du wirst in Zimmer 48 wohnen.”

Damit ging ich hinaus und schaute mich in der Halle um. ‚Wo könnte mein Zimmer sein?’ Dann erinnerte ich mich wieder daran, dass Herr Yamamoto meinte, wir seien im Nebenhaus untergebracht. Dort erstreckte sich ein langer Gang der durch das ganze Gebäude zu gehen schien. Direkt rechts neben der Verbindungstür befand sich das Treppenhaus. Da an dem Gang ein Schild mit den Nummern I – XXV befestigt war, wandte ich mich der Treppe zu, um mein Zimmer zu suchen. Ich hatte Glück, schon die nächste Etage beherbergte meinen Raum. Von drinnen war schon laute Musik zu hören, trotzdem klopfte ich an und ging dann rein. Auf einem Bett lag ein braunhaariger Junge in meinem Alter, der mich jetzt kalt ansah und dann aufsprang.

„Was willst du denn hier? Verpiss dich, das ist mein Zimmer.”

„Ab heute ist es auch mein Zimmer, hat der Direx gesagt.”

„Mir ist egal was der gesagt hat. Ich will dich hier nicht haben. Verstanden?”

Ich reagierte nicht sondern stellte meine Taschen auf das unbenutzte Bett.

„Sag mal, hörst du schlecht? Ich hab gesagt ich will dich hier nicht haben!”

„Mir ist egal, was du willst. Ich soll hier wohnen und dann wohn ich auch hier.”

Damit packte ich meine Taschen aus und räumte alles in den Schrank. Dann sah ich mich um, das Zimmer gefiel mir. Es war in zwei gleiche Hälften aufgeteilt, Tür und Fenster waren genau in der Mitte.

Dann gab es auf jeder Seite einen Schrank, einen Schreibtisch, ein Bett und eine leere Ecke wo man hinstellen konnte was man wollte. In der Mitte des Zimmers stand ein Tisch mit vier Stühlen.

Ich sah auf die Uhr und merkte, dass es Zeit zum Essen war und ging wieder in die Halle um den Speisesaal zu finden. Das war sehr einfach, da ich nur der Masse folgen musste.

Der Speisesaal war – na ja – so wie ein Speisesaal nun mal ist. Überall standen Tische für je 6 Personen und an einer Seite des Saals war ein Buffet aufgebaut. Ich nahm mir etwas zu Essen und schaute mich dann um.

‚Ah, da sind ja auch ein paar Farbige. Vielleicht schaff ich es dort Freunde zu finden, wenn die anderen mich nicht mögen.’ Ich ging auf sie zu und fragte:

„Hallo, ich bin neu hier. Ist hier noch frei?”

„Nein, verpiss dich!”

Traurig ging ich zu einem leeren Tisch und setzte mich. Langsam aß ich mein Essen und beobachtete die anderen, von denen ich ignoriert wurde. Ich kam mir fehl am Platz vor.

„Alle Schüler werden gebeten in die Halle zukommen”, erscholl die Durchsage. Da ich so wie so mit dem Essen fertig war, ging ich in die Halle. Dort erwartete uns der Direktor.

„Schön, sind jetzt alle da? Na ich will’s mal hoffen. Ich begrüße euch alle hier zu einem neuen Jahr. Ich hoffe Ihr habt die Ferien sinnvoll genutzt und startet nun mit neuem Elan in ein erfolgreiches Schuljahr. Es gibt noch zwei Dinge, die gesagt werden müssen. Erstens: wir haben eine Menge neuer Schüler hier und ich hoffe, dass ihr ihnen helft sich hier einzuleben und wohl zufühlen. Zweitens werden wir in der nächsten Zeit viele Sportwettkämpfe mit anderen Schulen haben und deshalb bitte ich euch, euch beim Sport mehr anzustrengen und zu trainieren, damit wir gewinnen. So das war’s von mir. Ihr könnt jetzt gehen.”

Kurz darauf ging ich nach oben zu meinem Zimmer, doch als ich im Gang meines Zimmers war, sah ich vor der Tür etwas liegen. Als ich näher kam, erkannte ich, dass es meine Sachen waren. Schnell rannte ich dorthin und sammelte meine Sachen auf, unter großem Gelächter der anderen. Ich stürmte ins Zimmer.

„Kannst du mir mal sagen, was das sollte”, fauchte ich meinen Zimmergenossen an.

„Ich hab es dir schon mal gesagt: Ich will dich hier nicht haben.”

„Und ich habe dir schon gesagt, dass es mir egal ist. Ich bleibe hier.”

Damit räumte ich meine Sachen wieder in meinen Schrank und schloss ihn ab, so dass niemand mehr dran konnte. Es war zwar noch nicht so spät, doch ich machte mich schon mal bettfertig, da der Flug und die Fahrt hierher sehr anstrengend waren.

Kaum hatte ich mich hingelegt, wurde die Tür aufgerissen und ein paar Jungs kamen herein. Irgendwelche Freunde meines Zimmergenossen. ‚Boah, müssen die so einen Krach machen? Das kann ja was werden, wenn das jeden Abend so ist. Wie soll ich denn bei dem Lärm schlafen?’ Doch irgendwie schaffte ich es.

Früh am Morgen erscholl ein lauter Gong durchs Gebäude. Ich flog vor Schreck aus dem Bett, worüber sich mein Zimmergenosse kaputt lachte. Da fiel mir auf, dass ich immer noch nicht seinen Namen wusste.

„Hey, wie heißt du eigentlich?”

„Was geht dich das an?”

„Ich denke eine Menge immerhin teilen wir uns ein Zimmer.”

„Aber nicht mehr lange.”

Damit ging er hinaus. Ich nahm an zum Waschraum, der am Ende des Ganges war. Schnell nahm ich meine Sachen, die ich zum Waschen brauchte und machte mich auf den Weg zum Waschraum, der gar nicht so weit weg von meinem Zimmer war.

Dort waren schon einige Jungs und schauten mich nicht grade freundlich an. ‚Was haben die bloß? Hab ich denen irgendwas getan oder warum mögen die mich nicht?’ Ich suchte mir eine freie Dusche und zog mich aus. Ein kurzer Blick rechts und links. ‚Wow…sehen die gut aus. Richtige Traumboys. Durchtrainiert und einfach nur geil anzusehen’, dachte ich und musste mich zusammenreißen, ihn nicht anzusehen.

Doch mein linker Nachbar war schnell fertig und an seiner Stelle kam der muskelbebackte Blonde, den ich gestern Morgen schon getroffen habe.

„Hey Steve, ist das dein neuer Zimmergenosse?”, rief er jemandem zu.

„Ja Marco, der ist total der Schlappschwanz.”, die Stimme kannte ich.

Es war die Stimme meines Zimmergenossen. Steve hieß er also. Wenigstens wusste ich jetzt seinen Namen. Auf seine Äußerung ging ich besser nicht ein. Auf so ein Niveau wollte ich mich erst gar nicht begeben.

Ich beeilte mich etwas mit dem Duschen, da Marco eine bestimmte Wirkung auf Klein-Killian hatte und dies wäre überhaupt nicht gut. Doch ich hatte kein Glück. Ein letzter Blick zu Marco und mein Kleiner stand.

„Bah, schaut euch mal die Schwuchtel an!!!”, schrie Marco durch den ganzen Duschraum.

Alle starrten mich an. Ich band mir sehr schnell mein Handtuch um und rannte in mein Zimmer. Ich ging zum Schrank und schaute in den Spiegel. ‚Oh man! Hilfe! Wieso musste das passieren? Was hast du dir nur dabei gedacht?’

So wie die mich angeguckt hatten da bekam man richtig Angst. ,Jetzt nur die Ruhe bewahren und sich nichts anmerken lassen. Ich schaff das schon.’, sagte ich mir und machte mich fertig für den Speisesaal.

Doch als ich die Tür öffnete und hinein gehen wollte, blickten mich einige angeekelt an. ‚Hoffentlich geht das gut.’ Dann ging ich zum Buffet und nahm mir etwas. Die Platzsuche verlief eher einfach, da ich mich an einen leeren Tisch setzte und während der ganzen Zeit, ich dort auch allein saß.

Danach suchte ich meinen Klassenraum, doch dazu musste ich erst noch einmal in mein Zimmer, da ich meinen Stundenplan vergessen hatte, auf dem auch die Raumnummer des Klassenzimmers stand.

Als ich wieder unten war, war dort niemand mehr. So begann ich meine Suche. Doch ich fand den Raum nicht. ‚Am besten geh ich noch mal zum Sekretariat und frag nach, ob der Raum auch wirklich stimmt’, grübelte ich und so machte ich mich auf den Weg.

„Hallo. Ich wollte mal fragen, in welchem Raum ich muss, denn ich finde den hier aufgeschriebenen nicht”, trug ich ihr mein Anliegen vor, als ich dort ankam.

„Zeig mir mal deinen Plan.” Ich gab ihn der Sekretärin.

„Ja, das ist ja auch falsch. Den Raum gibt es gar nicht. Bestimmt ein Druckfehler, kann ja mal passieren. Ich guck schnell nach, wo du hin musst.”

So wartete ich und die Sekretärin schaute nach.

„So ich hab hier deinen Plan. Warte ich druck ihn dir aus. So hier, bitte.”

„Danke.”

„Du gehst jetzt einfach hier raus und in der Vorhalle die Treppe nach oben. Dort befindet sich dann das Klassenzimmer”

„Nochmals danke.”

Daraufhin folgte ich der Anweisung und war sehr schnell am richtigen Raum.

‚Hier muss ich hin. Na ja dann mal los’, straffte ich mich, klopfte an und trat ein. Der Lehrer schaute mich an: „Warum kommst du erst jetzt?”

„Auf meinem Plan stand ein falscher Raum, deshalb bin ich erst jetzt hier.”

„Gut setz dich. Schau mal da neben Steve ist noch ein Platz frei.”

Unter den Blicken der anderen ging ich zu dem mir zugewiesenen Platz.

„Ich mach dir das Leben zu Hölle, Schwuchtel”, zischte Steve mir zu.

„Versuchs doch”, knurrte ich zurück.

„Ruhe jetzt”, schrie der Lehrer, „Killian, setzt dich hin.”

Und damit begannen zwei Stunden Geschichte. Die für mich doch sehr interessant waren, hatte ich mich doch zu Hause wenig mit der englischen Geschichte befasst. Als es endlich zur Pause klingelte, war ich mehr als froh, da Steve mich andauernd genervt hatte und meinte mich ärgern zu dürfen. Ich folgte schnell der Masse nach draußen. ‚So mal gucken was ich denn jetzt hab.’

Damit fing ich an meinen Stundenplan zu studieren. Ich hatte heute noch Physik, Englisch und Mathe. Na das würde ja ein Tag werden.

Als ich in Mathe saß, wurde mir dann schon etwas mulmig. Zwar hatte ich es geschafft einen anderen Platz zu ergattern, aber Mathe war noch nie so mein Fach. Da kam auch schon der Lehrer herein.

„Guten Morgen Klasse.”

„Guten Morgen.”

Der Lehrer, Herr Mathies, kontrollierte die Anwesenheit. „Oh ein neues Gesicht. Du bist Killian, nehm ich mal an?”

„Ja der bin ich.”

„Die Schwuchtel”, erklang es leise von hinten. Ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, dass das Steve war. Die anderen lachten.

„Ruhe!”, donnerte da auch schon die Stimme des Lehrers. „Ich möchte solche Beleidigungen hier nicht mehr hören, haben wir uns verstanden?”

„Ja, Herr Mathies”, kam es von der Klasse.

„So Killian, dann steh doch bitte auf und erzähl mal etwas über dich”, forderte er mich auf.

Seufzend stand ich auf. Ich mochte solche Vorstellungen nicht. „Ja hallo, ich heiße Killian Solana, bin 16 Jahre alt und komme aus Buenos Aires, Argentinien.” Bevor der Lehrer auf die Idee kam, dass ich noch mehr erzählen sollte, setzte ich mich lieber schnell wieder hin.

„Aus Argentinien, das ist ja interessant. Na gut wenden wir uns jetzt der Mathematik zu.” Damit ging er zur Tafel und schrieb groß auf die Tafel DIFFERENTIALGLEICHUNGEN. „Das heutige Thema wird die Differentialgleichung…”

‚Oh man.’ Mathe an sich war ja schon schwer, aber in Englisch war es ja noch schlimmer. Ich verstand nicht sehr viel von dem was Herr Mathies uns dort erklärte. Gerade einmal durch das was er an die Tafel zeichnete, konnte ich mir ein Wenig zusammen reimen. Aber ob das wirklich alles so richtig war?

Ich atmete richtig befreit auf als es endlich zum Ende gongte. Die Stunde war eindeutig zu viel für mich.
„Ihr könnt gehen und denkt an die Hausaufgaben. Killian, warte bitte noch kurz.”

‚Oh nein, was will der denn jetzt?’

Als alle anderen aus dem Klassenzimmer waren, ging ich nach vorne zum Pult.
„Ja, Herr Mathies?”

„Setz dich”, wies er mich an und ich zog mir einen Stuhl heran. „Ich wollte nur mal unter vier Augen mit dir reden. Zu erst einmal ich bin auch dein Klassenlehrer und wenn du irgendwelche Probleme hast, egal welcher Art, dann kannst du ruhig zu mir kommen. Weiterhin, es schien mir so, als hättest du ein paar Probleme in Mathematik”, fragend sah er mich an.

„Ähm, ja ein wenig, es ist nur, ich versteh einige der englischen Begriffe nicht. Aber das werde ich bestimmt noch hinbekommen.”

„Gut, gut. Falls du doch noch Fragen zur Mathematik haben solltest, kannst du mich jederzeit ansprechen. Wenn du gar nicht damit zurecht kommst, dann sag mir Bescheid und wir werden ein paar Nachhilfestunden ausmachen.”

„Bien, kann ich dann jetzt gehen? Ich hab noch schwimmen.”

„Ja, natürlich. Geh nur.”

Endlich froh, dass ich den Raum hinter mir lassen konnte, ging ich nach oben in mein Zimmer um mein Schwimmzeug zu holen. Denn nach dem schulischen Teil begann der sportliche Teil des Tages. Wieder auf dem Weg nach unten schaute ich auf meinem Stundenplan nach, wo in der Stadt das Schwimmen stattfand. Mein Blick fiel etwas tiefer und ich entdeckte die Busfahrtzeiten. ‚Mierda!’ Meinen Rucksack über die Schulter werfend, rannte ich nach draußen zur Bushaltestelle. Ich hatte nur noch gute 5 Minuten, doch ich musste bis zur Einfahrt des Internats. Kaum war ich draußen sah ich den Bus auch schon dort stehen, doch in diesem Moment fuhr er los. Ich rannte noch schneller, denn vielleicht hielt er  ja noch einmal, wenn er mich sah. Und ja der Bus hielt tatsächlich noch einmal an. ‚Da hab ich noch mal Glück gehabt’, schnaufte ich.

„Das nächste Mal halte ich aber nicht mehr an”, war die Begrüßung des Busfahrers.

„Danke, dass Sie eine Ausnahme gemacht haben. Das nächste Mal bin ich pünktlich”, versprach ich und setzte mich in den fast leeren Bus.

„Entschuldigung Sie, dass ich Sie störe, doch können Sie mir sagen, wo ich aussteigen muss, wenn ich zur Schwimmhalle möchte?”, fragte ich den Busfahrer.

„Ist schon gut, ich sag dir dann Bescheid. Ich muss mich entschuldigen, dass ich dich grad so angeschnauzt habe, aber ich war ein bisschen spät dran.”

„Schon ok. War ja nicht schlimm.” Wir unterhielten uns noch eine Zeit lang bis der Busfahrer Henri sagte: „So hier musst du raus. Gehst dann bis zur Kreuzung und dann rechts. Da siehst du es dann schon, kannst es gar nicht verfehlen.”

„Danke.”

‚Na dann mal los.’

Ich war schon gespannt wie es da sein würde.

Vor dem Gebäude standen schon andere Jungs so in meinem Alter. Ich ging auf sie zu, da sprach mich auch schon ein dunkelhaariger Typ an. „Hey, wer bist du und was willst du hier?”

„Ich bin Killian. Seid ihr der Schwimmkurs der örtlichen Schule?”

„Ja, der sind wir. Ich bin der Kapitän der Schwimmmannschaft. Mein Name ist Leo. Was kann ich für dich tun?”

„Ich bin der Neue in der Mannschaft.”

„Wir kriegen gar keinen Neuen in die Mannschaft.”

„Doch Leo, kriegen wir”, erscholl von hinten eine angenehme Stimme. Ich drehte mich um und sah einen jungen blonden Mann, vielleicht Mitte 20, auf uns zukommen.

„Guten Tag. Du musst Killian Solana sein. Ich bin Tobias Miller, der Trainer, aber sag ruhig Tobias”, sprach er mich an und wandte sich dann an die anderen Jungen, „Na dann mal los. Gehen wir rein.”

Er schloss die Tür auf und ging voraus. Wir folgten ihm zu den Umkleidekabinen. Es war eine Gemeinschaftskabine für die ganze Mannschaft und den Trainer. Wir zogen uns alle schnell um. Während wir uns umzogen, sah ich die ganze Zeit an die Wand, ich wollte nicht, dass das gleiche passierte, wie in der Schule.

„Hey Killian… hallo? … bist du fertig?”

„Ähm, was?”, ich guckte erschrocken zu Leo.

Ich hatte ihn gar nicht bemerkt.

„Ich hab dich gefragt, ob du fertig bist. Dann komm.”

Ich stand auf und folgte Leo in die Halle. Die war riesig. Es gab 8 Schwimmbahnen, ein 1-Meter-Sprungbrett und eines mit 3-Metern. Weiterhin gab es hier ein Kinderbecken und einen Weg nach draußen zum Becken dort. Tobias wartete schon auf uns.

„So alle Mann ins Wasser. Wärmt euch erstmal etwas auf.”

Ich wollte gerade ins Wasser gehen, als ich von Tobias gerufen wurde.

„Killian, komm noch mal schnell her.”

„Ja, was gibt es denn, Tobias”, fragte ich auch gleich nachdem ich zu ihm gegangen war.

„Nach dem Aufwärmen zeigst du mir erstmal wie gut du bist, ok?”

„Klar.”

„Gut dann wärm dich jetzt auf.”

Nach einer Viertelstunde ging ich wieder zum Trainer.

„Gut dann zeig mal was du kannst.”

Und damit begann das zweistündige Training. Tobias ließ mich ein paar Bahnen schwimmen, um sich meine Technik anzugucken.

„Das sieht ja schon mal sehr gut aus. Ich denke du passt gut in die Mannschaft.”

„So alle mal her hören”, pfiff er uns alle zusammen. „Damit ihr nach den Ferien mal wieder richtig reinkommt, schwimmt ihr mir jetzt 10 Bahnen Rücken und dann 10 Bahnen Brust. Und los”, trieb er uns auch schon an, was ein Aufstöhnen bei allen auslöste. Ich liebte es im Wasser zu sein und ich glaube das sah man mir auch an. Immer wieder gab uns Tobias weitere Anleitungen bis er zur letzten Übung rief.

„So und nun zum Abschluss; Sprintschwimmen. Ich stoppe eure Zeit. Mal sehen wer sich von euch verbessert hat oder auch nicht”, grinste er.

Nach einander war jeder einmal dran, dann beendete Tobias auch schon das Training.

‚Boah, bin ich K.O. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht.’ „Killian, warte mal.”

„Ja, Tobias?” „Also ich muss sagen du bist sehr gut. Warst du vorher schon mal in einer Schwimmmannschaft?”

„Ja zu Hause war ich in einer.”

„Man merkt es. Wie schon gesagt du bist sehr gut. Ich freu mich dich in der Mannschaft zu haben. Warte nach dem Umziehen noch, dann gebe ich dir einen Plan mit den Trainingszeiten.”

„Gut.”

Ich ging zu den Duschen, um mir den Chlorgeruch abzuwaschen. Unter den Duschen standen noch fünf andere Jungs. Doch ich versuchte sie nicht anzugucken, und ging zu einer der hintersten Duschen. Zum Glück war ich so kaputt, das mein Kleiner nicht auf dumme Ideen kam.

Fertig geduscht und angezogen, stand ich vor dem Gebäude und wartete auf Tobias. „Ah Killian, gut, dass du gewartet hast. Hier ist der Trainingsplan. Ich hoffe, die Zeiten sind ok? Wenn irgendetwas nicht in Ordnung sein sollte, komm zu mir und sag es mir, dass gilt jetzt nicht nur für die Zeiten.

Du kannst auch zu mir kommen, wenn du Probleme hast und einen zum Reden brauchst. Ich höre dir gern zu und werde auch versuchen dir zu helfen.”

„Gut, danke Tobias. Jetzt muss ich aber gehen. Gucken, ob ich meinen Bus noch kriege.”

„Warte Killian, komm ich fahr dich. Das geht schneller. Mein Wagen steht gleich da vorne.”

„Danke Tobias, das ist sehr nett von dir.”

„Kein Problem. Komm.”

Ich folgte Tobias zu seinem Auto und wir fuhren zum Internat. Wo sich unsere Wege dann wieder trennten.

*-*-*

Da ich noch Zeit bis zum Essen hatte, beschloss ich, mir endlich mal die Umgebung des Internats anzugucken. Wie das Internat an sich aufgebaut war, wusste ich ja schon dank Akish. Ich ging zurück zur Einfahrt und schaute mich um. Es gab zwei Möglichkeiten wo ich entlang gehen konnte. Entweder nach oben in einen Wald, den Bergen entgegen oder nach unten in Richtung See. Ich wählte den Weg zum See. Ihn immer vor Augen ging ich einen Feldweg entlang und erreichte ihn nach einem kurzen Spaziergang. An einer Stelle sah ich einen dicken Ast, der über den See ragte und ging auf ihn zu.

‚Ob der stabil genug ist mich zu tragen? Tja, versuchen kostet nichts’, dachte ich bei mir.

Vorsichtig ging ich auf dem Ast entlang und er hielt mich. Etwas über dem See setzte ich mich hin und beobachtete die langsam untergehende Sonne, wie sie sich im Wasser spiegelte.

‚Ein wunderschöner Anblick. Wenn ich doch nur ewig hier sitzen bleiben könnte.’ Ich vergaß regelrecht die Zeit und schreckte erst durch ein Plätschern wieder auf. Ein Vogel gönnte sich ein Bad.

Ich schaute auf die Uhr und bemerkte, dass ich nur noch zehn Minuten Zeit bis zum Abendessen hatte. Ich ging aber nicht den gleichen Weg zurück, denn ich sah wie ein Feldweg direkt von hier zum Internat führte.

Kaum war ich wieder auf gleicher Höhe, wie das Internat, sah ich einen Footballplatz, einen Tennisplatz und einen Fußballplatz. Doch ich schenkte ihnen keine Beachtung. Schnell rannte ich zum Haupthaus um in den Essensraum zu kommen.

Ich kam gerade noch rechtzeitig und stellte mich in die Schlange vor dem Buffet. Als ich mein Essen hatte, suchte ich mir einen freien Platz und entdeckte hinten in einer Ecke noch einen leeren Tisch. Wie auch schon heute morgen aß ich allein.

Nach dem Essen ging ich hoch in mein Zimmer. ‚Hoffentlich ist Steve nicht da. Ich habe keine Lust dem schon so früh zu begegnen.’ Ich öffnete die Tür und das Zimmer war leer. ‚Yeah, er ist nicht da. Zum Glück.’

Ich ließ mich rücklings aufs Bett fallen. Bis auf heute morgen war es ein schöner Tag. Die Jungs in der Schwimmmannschaft waren sehr nett. Ich hoffte nur, dass sie mich auch noch mochten, wenn die erfuhren, dass ich schwul war. Nachher würde es noch so wie heute morgen. Ich hatte ihnen nichts getan und trotzdem guckten sie mich alle so angeekelt an. Na ja vielleicht waren sie nur erschrocken. Morgen würde es bestimmt besser. Ich wurde durch einen lauten Knall aus meinen Gedanken gerissen. Steve hatte die Tür zugeknallt und stand jetzt mit einem wütenden Gesicht vor mir und schaute mich an.

„Verpiss dich, Schwuchtel. Das ist mein Zimmer du hast hier nichts zu suchen.”

„Verpiss dich doch selber, es ist genauso gut auch mein Zimmer.”

„Ich hoffe für dich, dass du bei drei hier raus bist, sonst…”

„Sonst was?” „…Eins…Zwei…und Drei. Verpiss dich.”, schrie Steve mich an.

„Ich denk ja gar nicht dran.”

„Tja du hast es nicht anders gewollt, dreckige Schwuchtel.”

Ich schaute Steve nur an, während der zur Tür ging und sie öffnete. „Hey, kommt mal her. Der Arschficker will nicht verschwinden. Ihr wisst was zu tun ist”, rief  er nach draußen. Ich konnte nicht erkennen zu wem er dies sagte, doch auf einmal kamen vier muskelbepackte Typen herein. Sie waren bei mir in der Klasse.

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