Adventskalender – Ein anderes Leben – 13. Türchen (16 Teil)

Die Sekretärin von So-Woi hatte mich in Kenntnis gesetzt, dass er Besuch hatte und sie mich erst anmelden müsste, bevor ich sein Büro betrat. Ich fand das jetzt etwas lächerlich, bisher konnte ich auch immer zu So-Woi, wenn ich wollte.

Aber ich wollte niemand verärgern, so wartete ich schön artig im Vorraum. Es dauerte nicht lange und die Tür öffnete sich erneut, aber nicht die Sekretärin kam zurück, sondern Hyun-Woo.

„Hallo Lucas, alles in Ordnung mit dir?“

Es tat richtig gut meinen Schatz zu sehen und ich hätte ihn am liebsten umarmt. So strahlte ich nur über das ganze Gesicht und nickte. Er begann ebenso zu lächeln.

„Komm gehen wir in mein Büro.“

Er griff nach meiner Hand und zog mich zu seinem Raum.

„Ähm… da liegt…“, begann ich, aber Hyun-Woo zog bereits die Tür auf.

Juen lag auf der Couch und schien eingeschlafen zu sein.

„Du Hyun-Woo, kann ich dir kurz etwas erklären, hast du überhaupt Zeit?“

*-*-*

Hyun-Woo nahm sich dieses Mal einfach die Zeit. Wir waren aufs Dach gegangen, weil wir dort ungestört waren.

„So nun kennst du die ganze Geschichte…“, beendete ich meine Erklärung.

„Armer Juen, das tut mir so leid.“

„Er hat Angst, dass er jetzt wieder zurück muss, in dieses komische Haus.“

„Was sagt eigentlich sein Vater dazu?“

„Über seinen Vater haben wir uns noch nicht groß unterhalten, aber er hat ihn auch nicht viel erwähnt.“

Hyun-Woo schaute mich durchdringend an.

„Dich hat das auch etwas mitgenommen? Oder?“

„Ich müsste lügen, wenn ich nein sagen würde. Es tat weh Juen so weinen zu sehen. Ich würde ihm gerne helfen, weiß aber nicht wie…“

Hyun-Woo schien zu überlegen.

„Zumindest wird er uns einige Zeit erhalten bleiben, denn wie du gesagt hast, ist dieser Professor noch auf freien Fuß und solange er nicht verhaftet worden ist, bleibt Juen bei uns! Okay?“

„Danke Schatz.“

Ich nahm ihn in den Arm und drückte ihn fest an mich.

„Lucas, es tut mir leid, aber ich muss wieder hinunter.“

„Oh…, entschuldige, ich vergaß für einen Moment, dass du noch arbeitet musst. Wem gehört eigentlich dieses Monster von Auto unten.“

„Das würdest du nie erraten.“

„Wie soll ich das auch erraten, so viele Leute kenne ich hier nicht.“

„So-Wois Vater ist da…“

„Sein Vater? Aber wieso kommt der mit so einem Auto?“

„Das verstehe ich auch nicht, deswegen war ich froh, dass du gekommen bist und ich da raus konnte, mir schien, als würden die zwei sich gleich wieder in die Haare kriegen.“

„Du musst aber wohl wieder hinein?“

Hyun-Woo nickte.

„Kein Problem, ich bleib solange bei Juen und warte auf dich.“

„Das ist lieb von dir, Lucas.

*-*-*

Ich blätterte in einer der Hochglanzbroschüren, die auf dem Tisch lagen, als Juen erwachte.

„Na, wieder wach?“

Er rieb sich die Augen und streckte sich. Welche Frau ihn mal abbekam, konnte sich glücklich schätzen, denn jetzt sah er richtig süß aus. He Lucas, was machst du hier gerade, du hast einen Freund!

„Sorry, bin wohl eingeschlafen.“

„Du brauchst dich nicht entschuldigen, mein Vater sagte zu mir mal, wenn der Körper Ruhe braucht, dann holt er sich die.“

„Wie spät ist es?“

„Kurz nach drei.“

„Ich habe zwei Stunden geschlafen?“

„Ja, hast du? Füllst du dich wenigstens jetzt etwas besser?“

„Etwas…“, antwortete Juen und kratzte sich am Kopf.

„Aber in deinem Kopf herrschst immer noch Chaos…?“

„Woher weißt du?“, fragte er verwundert.

„Juen, meinst du mir geht es anders, nach dem was alles passiert ist, seit ich hier bin?“

„Ach so… verstehe.“

Die Tür wurde aufgeschoben und ein gestresst wirkender Hyun-Woo kam herein.

„Hallo Juen“, meinte er und zog hinter sich die Tür wieder zu.

Ich schaute ihn an.

„Wie ist es gelaufen?“

„Boah, frag nicht, ich hasse es, zwischen die Fronten zu geraten?“

„Zwischen die Fronten?“, fragte Juen.

Hyun-Woo schenkte sich ein Glas Wasser ein und trank es in einem Zug leer.

„Du weißt wer So-Wois Vater ist?“, fragte Hyun-Woo.

„Irgendein hohes Tier bei KBS habe ich gehört.“

Ich lachte.

„Er ist das höchste Tier bei KBS. Nur noch So-Wois Grandma ist über ihm!“, erklärte ich Juen.

„Und sein Vater war gerade eben da und hat ein Kaufangebot gemacht.“

„Er will So-Wois Firma kaufen?“, fragte ich entsetzt.

„Ja, aber So-Woi hat ihm gleich gesteckt, dass die Firma unverkäuflich ist, schon gar nicht an seinen Vater!“

„Aber warum?“

„So-Wois Vater denkt wohl, diese Firma könnte sich zu einem lukrativen Geschäft entwickeln. Er ist nicht nur Chef von KBS, er hat auch in vielen anderen Dingen seine Hände im Spiel.“

„Geld zu Geld…“, hörte ich Juen leise sagen.

„Wo du gerade über Geld sprichst, Juen, ich hätte dir da ein Angebot zu machen. Wir müssen das zwar noch erst überprüfen, aber wir denken, das geht klar.“

„Ein Angebot?“

Hyun-Woo setzte sich neben mich auf die Lehne meines Sessels.

„Du kennst So-Wois Haus und in den unteren Stockwerken gibt es sogar kleine Wohnungen.“

„Die ich mir nie und nimmer leisten könnte, soviel verdiene ich bei der Polizei nicht.“

„Jetzt höre mir erst einmal zu. Wie Lucas mir erzählt hat, überlegst du, wie es nach deinem Einsatz mit Lucas weiter gehen soll?“

Juen nickte.

Bis zum Ende deines Einsatzes, bleibst du natürlich unser Gast und bleibst im Gästezimmer wohnen. Danach könntest du einer dieser Wohnungen beziehen, die sich unten befinden.“

„Wie gesagt, kann ich mir das leider nicht leisten.“

„Dafür wäre ja schon gesorgt…“

„Ähm, wie soll ich das verstehen.“

„So-Woi ist ein Träumer und er hat Ideen im Kopf, die manch anderer für merkwürdig halten würde. Er hat dir ja angeboten als Model für uns tätig zu sein, aber du darfst keinen weiteren Job mit Bezahlung ausführen.“

Wieder nickte Juen.

„Wie wäre es, das, wenn es dein Job bei der Polizei erlaubt, du für uns als Model arbeitest und du dafür in diese Wohnung für dich nutzen kannst.“

„Das ist eine coole Idee“, meinte ich.

„Ja, So-Woi hat immer gute Einfälle und so wäre jedem geholfen.“

„Du meinst…, ich kann in eurer Nähe bleiben?“, fragte Juen leise.

„Ja kannst du und sogar mit uns zusammen arbeiten.“

„Kann ich mir das noch mal überlegen?“

„Du willst da drüber noch groß nachdenken?“, gab ich erstaunt von mir..

„Abgemacht!“, kam es lächelnd von Juen.

„Hä…?“

„Ich wollte diesen Satz schon immer mal sagen“, meinte Juen leicht verlegen.

*-*-*

Müde liefen wir in Wohnung. Ich ließ mich auf die Couch fallen, während Juen und Hyun-Woo sofort in die Küche liefen. So-Woi und Jack wollten nach kommen. Er war einfach jetzt zu verärgert, um mit Jack oben alleine in seiner Behausung zu verweilen.

Möchtest du etwas trinken, Lucas?“, hörte ich Juen fragen.

Sehen konnte ich ihn nicht, da war die Lehne dazwischen. So richtete ich mich auf.

„Du ich kann mir es selbst holen, wenn ich Durst habe, aber danke Juen.“

So ließ ich wieder zurück fallen.

„Hast du schon deine Medizin genommen?“, wollte nun Hyun-Woo wissen.

Ich verdrehte meine Augen und richtete mich erneut auf.

„Muss ich die denn nehmen, mir geht es doch gut!“

„Lucas, du hast den Arzt gehört, das ist ein Aufbaupräparat und soll eine Woche lange genommen.“

Wieder ließ ich mich zurück fallen.

„Diese Deutschen sind anstrengend! Und wusstest du wie wehleidig Männer sein können“, sagte Hyun-Woo wohl zu Juen.

„Das habe ich gehört!“

Ich hörte noch etwas, nämlich Hyun-Woo und Juen kicherten. Boah auch noch frech werden. Schritte kamen auf mich zu. Hyun-Woo kam ins Blickfeld und hatte ein Löffel und Glas Wasser in Händen.

„Das ist aber so bitter.“

Hyun-Woo grinste frech.

„Medizin ist meistens bitter!“, meinte er und reichte mir den Löffel.

Artig steckte ich ihn in den Mund und wollte wie immer das Gesicht verziehen, aber dieses Mal war etwas anders.

„Das schmeckt ja gar nicht bitter.“

„Was ein bisschen Zucker aus macht“, grinste er schelmisch und reichte mir noch das Glas Wasser, während er mir den Löffel wieder abnahm.

Es klopfte an der Tür.

„Das wird wohl So-Woi sein, könntest du bitte aufmachen, Juen?“

„Kein Problem, Hyun-Woo.“

Seit Hyun-Woo ihm den Vorschlag gemacht hatte, war Juen wieder um einiges besser drauf. Ich hörte Schritte, die Richtung Eingangstür liefen. Kurz war das Gedudel des Sicherheitssystems zu hören und schon wurde die Tür geöffnet.

„Wenn er meint, er kann mich damit unter Druck setzten, soll er das ruhig machen, mal sehen, wer den längeren Atem hat!“, hörte ich So-Wois Stimme.

Was war denn jetzt schon wieder, hatte er sich immer noch nicht beruhigt? Ich überlegte schon, ob ich mich wieder aufrichten sollte, um den Geschehnissen besser folgen zu können, aber nun hatte ich keine Lust mehr.

„So-Woi, jetzt beruhige dich doch bitte. Wenn du dich so weiter ärgerst, hat dein Vater das erreicht, was er wollte“, kam es von Jack.

Da musste ich ihm recht geben und nach wie vor war mir So-Wois Vater unangenehm im Gedanken verankert. Bisher hatte ich über oder mit diesem Mann, keinerlei gute Erfahrungen gemacht.

Musste man so sein, um so einen großen Konzern zu führen? Ich war mir nicht sicher, aber war mir jetzt auch irgendwie egal. Ich sollte mich ausruhen und So-Woi war somit ein Störenfried und nicht sein Vater.

„Rutsch mal ein Stück!“, härte ich So-Woi sagen.

Ich fuhr zusammen.

„Mensch, erschreck mich doch nicht so!“, entgegnete ich und zog die Beine an.

Genau da, wo vorher noch bequem meine Füße lagen, ließ sich nun So-Woi nieder. Er schien sich umgezogen haben. Stoffhose, Hemd und Pullover waren gewichen und durch Shorts du einem langärmliges, großes Shirt gewichen.

Das war eine gute Idee. Raus aus den Klamotten. So erhob ich mich und wurde fragend von So-Woi angeschaut. Ich drängte mich lächeln an ihm vorbei und lief in unser Schlafzimmer. Schnell waren die Sachen ausgezogen, doch bevor ich in die Wohlfühlklamotten stieg, wollte ich mich doch etwas frisch machen.

Ich hatte schon die Klinke Der Badtür in der Hand, als sich die Tür zu unserem Schlafzimmer öffnete. Hyun-Woo schaute herein.

„Alles in Ordnung, Lucas?“

Ich lächelte ihn an.

„Ja, ich wollte mir nur etwas Bequemes an ziehen.“

Dass ich halb nackt vor ihm stand, war mir egal. Er kam auf mich zu und nahm ich in den Arm.

„Ich vergesse immer, was ich für einen gutaussehenden Freund habe!“

„Wie kann man so etwas vergessen?“, fragte ich weiterhin grinsend.

Er zuckte mit den Schultern und gab mir einen kleinen Kuss auf den Mund.

„Kannst du die da draußen nicht wegschicken und dich mit mir ins Bett legen?“

Nun grinste auch Hyun-Woo  breit.

„Was soll So-Woi und die anderen von uns denken?“

„Na wenn schon, die sollen denken, was sie wollen.“

Ich erwiderte seinen Kuss und ging dann ins Bad. Etwas später, ebenfalls in Shorts, aber einen Pullover kam ich zurück ins Wohnzimmer. Hyun-Woo und die anderen beiden waren kräftig am Abendessen richten, während nun So-Woi auf dem Platz lag, wo ich vorhin ruhte.

„Mach mal Platz!“, sagte ich jetzt genauso harsch wie er vorhin, ohne aber mein Grinsen zu verstecken.

Er setzte sich auf, um aber gleich wieder, nach dem ich mich gesetzt hatte, sich wieder nieder zu lassen, sprich sein Kopf ruhte jetzt auf meinem Schoss.

„Etwas beruhigt?“

Er nickte, aber sagte ich nicht. Ich hob die Hand und kraulte ihm durchs Haar. Er schloss die Augen und lächelte. Ein Handy ging.

„Jack, ich bin für niemanden zu sprechen!“

„Hallo?“, hörte ich Jack sagen.

Dann war kurz Stille, niemand sagte etwas und ich setzte meine Kraulerei fort.

„So-Woi… entschuldige, das ist Minho.“

 

 

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1 Kommentar

    • Gerdsc on 13. Dezember 2018 at 00:12
    • Antworten

    Kaum kehrt etwas Ruhe ein, kommt der nächste kleine Ckiffhanger. Spannend geschrieben wie immer und wieder machst uns neugierig

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