Adventskalender – Suddenly Royal II – 3. Türchen

Sabrina hatte ihren Arm um mich gelegt.

„Es… es tut mir… leid“, sagte plötzlich Molly.

„Schon gut Molly“, erwiderte ich, ich verstehe es… und wenn du mit meinem Schwulseins nicht klar kommst…, werde ich mich in Zukunft von dir fernhalten.“

Ich schaute auf und unsere Blicke trafen sich.

„Ich bin nach wie vor extrem Harmonie bedürftig und will nicht der Grund für irgendwelche Streitereien sein.“

Dann senkte ich wieder meinen Kopf.

„Ein Teufel wirst du“, sagte Jayden zu mir und boxte mich auf den Arm.

„Aua! Was soll das?“

„Das erste Mal in meinem Leben, habe ich einen richtigen Freund, mit dem ich über alles reden kann! Das erste Mal in meinem Leben mache ich das, was ich tun will und niemand mehr bestimmt über mich!“

Damit war sicher seine Mutter gemeint.

„Molly hin, Molly her, ich werde daran nichts ändern, weil meine Schwester Schwule Scheiße findet!“

„Das tu ich doch gar nicht“, wehrte sich Molly plötzlich, schwieg aber dann wieder.

„… und wie geht es jetzt weiter?“, wollte Sabrina nun wissen, nach dem eine kurze Pause entstanden war.

Ich zuckte mit den Schultern.

„Ich werde auf alle Fälle nicht mehr zu… dieser Frau zurück gehen“, kam es leise von Molly.

„Du willst hier bei uns wohnen?“ fragte Jayden.

„Wenn Papa nichts dagegen hat…“

„Wieso sollte Papa was dagegen haben, du bist seine Tochter, er hat dich genauso lieb wie mich!“

„Ach ich weiß auch nicht. Ma…“, Molly verstummte kurz, „… sie hat so viel auf mich eingeredet, ich weiß nicht mehr, was richtig oder falsch ist. In meinem Kopf herrscht das totale Chaos.“

Das würde mir genauso gehen, eine regelrechte Gehirnwäsche, ich hoffte, dass sich das sicherlich irgendwann legen würde, wenn sie nicht mehr dieser Frau zusammen war, dachte ich für mich.

„Darf ich dich etwas fragen?“

Molly schaute ihren Bruder an.

„Was?“

„Bist du… bist du auch schwul?“

Jayden fiel die Kinnlade herunter und Sabrina fing laut an zu lachen. Abwehrend hob mein Cousin die Hände und fing an wild den Kopf zu schütteln.

„… aber du sagtest doch Freund und meintest sicher Jack damit.“

„Jack ist mein Cousin und mittlerweile ein guter Freund für mich…“

„Mama meinte, das wäre ein Grund, aber kein Hindernis“, sagte ich grinsend.

Wieder konnte ich fast seine Mandeln sehen und seine Augen wurden weit aufgerissen. Sabrina rutschte prustend von Sofa und bei Molly konnte ich ein winziges Lächeln entdecken.

„Ich… ich bin nicht schwul und zudem hat Jack doch schon einen Freund.“

Plötzlich hielt sich Jayden die Hand vor dem Mund.

„Ups…, entschuldige, dass hätte ich vielleicht nicht sagen sollen!“

„Wieso, jeder kann wissen, dass ich mit Taylor zusammen bin, ich hänge es nur nicht an die große Glocke!“

„Taylor?“, kam es von Molly.

„Ja Taylor, der bei Großvater sich um die Pferde kümmert!“

Molly ließ sich nach hinten fallen.

„Warum sind die süßesten Jungs immer vergeben oder schwul?“

Da hatte wohl noch jemand anderes ein Auge auf meinen Taylor geworfen.

„Ich bin süß?“, fragte ich gespielt erstaunt.

Sabrina kam aus dem Lachen nicht mehr heraus und rollte auf dem Teppich hin und her. Auch Jayden fing an zu kichern.

„Und zudem, dein Bruder ist auch süß und noch nicht vergeben, wenn ich das mal so sagen darf, also kann ich deine Theorie nicht bestätigen!“

Plötzlich verstummte Jayden neben mir und wurde knall rot.

„Was ist?“

„Das… das stimmt so nicht?“

„Dass du süß bist?“

Es war einfach herrlich Jayden aufzuziehen.

„Also Sabrina meinte, ich habe einen guten Geschmack!“

Etwas genervt verdrehte er die Augen.

„Nein… ich meine…, also … ich …“

„Jayden und ich sind zusammen!“, kam es plötzlich von Sabrina und richtete sich auf, etwas nach Luft schnappend.

„Ihr zwei?“, fragte Molly.

Die beiden nickten, Sabrina ließ sich neben Jayden nieder und kuschelte sich an ihn.

„Und wann wolltet ihr zwei mir sagen“, spielte ich nun den Empörten.

So fanden uns die Erwachsenen vor, die nun die Wohnung betraten. Es wurden Taschen und ein Karton auf den Boden gestellt.

„Alles klar bei euch?“, wollte Onkel Henry wissen.

Alle vier nickten wir gleichzeitig. Erst jetzt sah ich, dass Mama und Abigail recht zerzaust aussahen und Onkel Henry sich merkwürdig bewegte.

„Das sollten wir eigentlich euch fragen“, sagte ich.

Mum und Abigail ließen sich erschöpft auf den Stühlen des Esstischs nieder, während Onkel Henry sich zu uns setzte.

„Kinder…, ich muss euch da etwas erzählen.“

Damit waren wohl eher Jayden und Molly damit gemeint, so wollte ich aufstehen. Aber Jayden hatte sich an mich gelehnt und Sabrina hing immer noch angekuschelt an ihrem Freund. Ein sinnloses Unterfangen. Henry sah zu Molly.

„Da du etwas Richtiges zum Anziehen brauchtest und das Wochenende hier bleibst, haben eure Tanten und ich beschlossen, ein paar Sachen von dir zu holen.“

„Ihr ward bei dieser Frau?“, fragte Molly verwundert.

Sie hatte nicht Mama oder Mutter gesagt. Nun schaute Onkel Henry genauso verblüfft, wie seine Kids zuvor. Sein Blick wanderte zu Mum und Abigail, die zuckten aber beide fast gleichzeitig mit den Schultern. Onkel Henry räusperte sich.

„Auf alle Fälle“, sprach er weiter, „als wir am Haus ankamen, stand dort die Polizei.“

„Die Polizei?“, entfleuchte es Jayden.

„Ja, als wir das Haus betraten, sah es dort aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen…, wir wissen nicht wer die Polizei gerufen hat… ob Nachbarschaft, oder die Dienerschaft, sie hat mich jedenfalls dort stehen sehen und ist gleich auf mich losgegangen.“

„Du kannst den Kindern ruhig sagen, dass sie dich dort hingetreten hat, wo es euch Männer am meisten weh tut“, kam es von Mum und Abigail fing hinter vorgehaltener Hand an zu kichern.

Uns ging es ähnlich und ich musste mir wirklich das Lachen verbeißen, weil die Situation ja jetzt nicht so passend war.

„Ja…“, Henrys Kopf lief rot an und er hüstelte kurz…, „ Jack…, deine Mutter war dann ihr nächstes Opfer!“

Schockiert schaute ich zu Mum.

„Ja und wären Abigail und die zwei Polizisten nicht so beherzt eingeschritten, hätte ich jetzt sicher ein paar Haare weniger“, ergänzte Mum und versuchte erneut ihre Frisur zu richten.

Mir fehlten die Worte und anscheinend den anderen auch. Nur Sabrina versuchte immer noch verbissen, nicht los zu kichern. Da aber Mum und auch Tante Abigail beide lächelten, beruhigte ich mich sofort wieder.

„Was ich eigentlich damit sagen wollte…, eure Mutter wurde fest genommen…“

Molly sprang auf.

„Sie ist nicht mehr meine Mutter und ich will nichts mehr mit ihr zu tun haben!“

Dann ließ sie sich überraschen direkt neben mir nieder.

„Aber Kind…“

Molly fiel ihm ins Wort.

„Jayden hat mir alles erzählt, was diese Frau alles getan hat!“

„Sie ist aber immer noch eure Mutter“, sagte Onkel Henry.

„Dafür schäme ich mich“, sagte Jayden und schaute zu Boden.

Hilflos schaute Onkel Henry zwischen uns und den beiden Frauen hin und her.

„Papa, darf ich hier bei euch wohnen…, ich will da nicht mehr hin.“

Onkel Henry erhob sich und lief zu Molly. Er ging vor ihr auf die Knie und streichelte ihr sanft über die Wange.

„Aber sicher Liebes kannst du hier wohnen…“

„Aber nicht in meinem Zimmer!“, kam es von Jayden.

Erstaunt schaute ich ihn an.

„Was denn? Ich bin achtzehn Jahre alt und habe auch Privatsphäre!“

Wie ich fingen auch Mum und Tante Abigail an zu grinsen.

„Du brauchst auf deine Privatsphäre nicht verzichten junger Mann“, dabei schaute Onkel Henry auf Sabrina, „wir werden einfach das Gästezimmer opfern und jeder hat seinen Freiraum.“

Molly fiel ihrem Vater um den Hals. Genau in dem Augenblick, fing ein Handy an, laut zu geben.

„Liebes…, das ist meins, könntest du mich kurz loslassen?“

Molly tat wie geheißen, Onkel Henry erhob sich und pfriemelte umständlich sein Handy aus seiner Hosentasche.

„Hallo?… Ja, der bin ich…Bitte? … Was?“… Ja, natürlich…Und wo? … In der Harley Street? … okay ich werde kommen… bye!“

Onkel Henry verstaute das Handy und kratze sich dann am Hinterkopf.

„Was ist passiert?“, fragte Mum.

Er seufzte.

„Olivia ist wohl sehr ausfallend geworden und hat die Polizisten recht derbe beleidigt. Und auf der Station muss sie wohl auf einen der Kollegen losgegangen sein. Sie haben sie überwältigt und ins London Psychiatrie Center gebracht.“

„Wie werden mitkommen!“, sagte Mum

„Nein, bleibt ihr doch hier bei den Kindern“, schüttelte Onkel Henry den Kopf.

„Ich werde mitgehen und Charlotte bleibt hier. Ich werde dich sicher jetzt nicht alleine lassen!“, sagte nun Abigail.

„Ich habe eine bessere Idee, Kinder, anziehen, wir gehen essen und ihr zwei, stoßt später zu uns“, sagte Mum.

Die Idee wurde von allen begrüßt.

*-*-*

Ich war gerade dabei meinen zweiten Burger zu verdrücken, als die Ladentür erneut aufging und Tante Abigail in Sicht kam. Ich hob die Hand und winkte ihr zu, damit sie uns besser finden konnte.

Direkt hinter ihr, betrat Onkel Henry ein. Er sah müde und niedergeschlagen aus, um Jahre gealtert. Irgendwie tat er mir jetzt leid. Wir rutschen etwas zusammen, damit die zwei sich setzten konnten.

„Soll ich euch etwas holen?“, fragte Mum.

Onkel Henry winkte ab.

„Einen Kaffee könnte ich jetzt vertragen“, antwortete Tante Abigail.

„Stimmt, denn könnte ich jetzt auch gebrauchen“, warf Onkel Henry ein.

Mum erhob sich und lief an die Theke. Gespannt sahen wir vier auf die Erwachsenen uns gegenüber, aber keiner der Beiden machte Anstalten irgendetwas zu sagen. Mum kam mit zwei dampfenden Bechern zurück und stellte sie auf den Tisch.

„Danke“, meinte Abigail und Mum legte Zucker, Milch und Löffel zwischen die beiden.

Auch Mum schaute die zwei jetzt an. Abigail wandte sich zu Henry.

„Ich weiß nicht, ob ich darüber reden kann, das war einfach zu heftig.“

„Aber deine Kinder haben ein Recht darauf, zu erfahren was mit ihrer Mutter geschehen ist“, sagte Abigail.

Er rieb sich über das Gesicht und atmete tief aus.

„Als wir dort ankamen, hatte man sie bereits in eine Zelle gesteckt und ihr eine Zwangsjacke verpasst und trotz Beruhigungsmittel schrie sie herum, wir konnten dass durch die verschlossene Tür hören.“

Mum legte ihre Hand auf Onkel Henrys Hand.

„Es ist zwar schlimm, aber es ist vielleicht besser so! Wer weiß was noch alles passiert wäre und jemand richtig zu Schaden gekommen wäre.“

Ich war nun verärgert, was diese Frau alles gemacht hatte, eine ganze Familie wäre dadurch fast zerbrochen. Nur dem lieben Geld willen und ihr Ansahen zu stärken. Wie konnte ein Mensch nur so sein.

„…so gesehen… hat sie ja schon jemand auf dem Gewissen…“, rutschte es mir heraus.

„Jack! So darfst du nicht reden!“, kam es scharf von Mama, „es war ein Unfall und dafür kann niemand etwas…, naja vielleicht der andere Fahrer…“

Sie war am Schluss leiser geworden und eine einzelne Träne kullerte über ihre Wange. Abigail strich ihr über den Rücken.

„Ich füll mich richtig mies“, sagte Onkel Henry.

„Vergiss es einfach, Henry“, meinte Mum und wischte sich über die Augen.

„Das meinte ich nicht…, ich habe unterschrieben, dass man Olivia dauerhaft einweist!“

*-*-*

„Und es macht dir wirklich nicht aus?“

„Abigail, sonst hätte dir das nie angeboten! Ich möchte nicht, dass du bei dem Regen noch nach Newbury fährst!“

Abigail ließ sich auf dem Sessel nieder. Ich konnte nicht anders und gähnte.

„Wenn ihr nichts dagegen habt, ich geh ins Bett“, meinte ich und winkte den beiden zu.

„Kein Problem Jack, du hast heut auch ordentlich angepackt. Gut Nacht…schlaf gut“, meinte Mum.

„Gute Nacht, Jack…“, kam es vom Abigail.

*-*-*

Nach dem Gang ins Bad, ließ ich mich ins Bett fallen, konnte aber nicht einschlafen. Es war einfach zu viel passiert. Es freute mich, dass Tante Abigail geblieben war. Ich dachte, dass sie sicher nach den Geschehnissen, jetzt einfach nicht allein bleiben sollte.

Mum hatte schon recht, bei so einem Regen sollte niemand mehr Auto fahren. Etwas traurig dachte ich an meinen Vater. Je mehr ich über ihn hörte, spürte ich, wie sich das Gefühl breit machte, dass ich ihn gerne kennen gelernt hätte.

Ich seufzte und schlug meine Decke zurück. Vielleicht half mir ein warmer Tee, oder Milch wieder herunter zu kommen. Als ich in die Küche kam, erschrak ich etwas, denn da saßen  Mum und Tante Abigail.

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