Adventskalender – Suddenly royal II – 8. Türchen

Außer Onkel Henry hatte wohl niemand gewusst, dass Tante Sophia mit uns das Weihnachtsfest verbringen wollte. Der Tannenbaum war zur Nebensache geworden und ich verzog mich schnell mit Taylor nach draußen, während alle anderen nach drinnen strömten.

„Hast du deine Schwester angerufen?“, fragte ich und steckte meine Hände in die Hosentaschen.

Natürlich hatte ich weder Jack, Schal noch Handschuhe an. Ohne zu denken, hatte ich Taylor einfach hinaus geschoben, der immer noch seine Arbeitsjacke und Handschuhe trug.

„Wieso angerufen?“, fragte er verwundert.

„Öhm… ich habe dich heute Mittag gefragt, ob du gerne hier bei mir bleiben würdest“, antwortete ich etwas enttäuscht.

Er zierte sich etwas.

„Ich…, ich weiß nicht, ob das Recht ist.“

„Wieso?“

„Ich fühl mich nicht wohl dabei…“

„Aber das schmücken hat dir doch auch Spaß gemacht.“

„Ja schon…“

Ich trat näher an ihn heran und legte meine Stirn an seiner Schulter ab.

„Ich will doch nur mit dir zusammen sein“, sagte ich leise und spürte, wie die Kälte langsam durch meine Klamotten kroch.

„Ich doch auch“, sagte Taylor und ich spürte, wie er seine Arme um mich legte.

„Aber du fühlst dich da drinnen nicht wohl?“

Ich spürte, wie er nickte.

„Dann fahr ich eben mit zu dir!“, meinte ich und hob meinen Kopf.

„Jack… Taylor, kommt rein, es ist kalt“, hörte ich meine Mutter von der Tür rufen.

„Das geht doch nicht, du kannst hier doch nicht weg.“

„Warum…?“

„Jack, du hast keine Jacke an!“, vernahm ich die mahnenden Worte von Mum.

„Ja Mum…“, rief ich genervt zurück.

„Bleib bitte…“, bettelte ich.

„Jack!“

Mums Ton war nun böse. Ich griff mir einfach Taylors Hand und zog ihn mit hinein.

„Du hast Mum selbst gehört, wir sollen rein kommen, sie hat dich auch gerufen.“

Nur widerwillig ließ sich Taylor wieder ins Haus ziehen.

*-*-*

„Meine Schwester war nicht so begeistert, dass ich einen Abend vor Heiligabend hier bleiben würde“, erklärte Taylor, als er sein Handy wieder verschwinden ließ.

„Wieso, du hast hier doch sicher schon öfters übernachtet?“

„Ja, bei James, aber nicht bei dir im Haus!“

„Sie weiß aber über mich Bescheid, oder?“

„Ja, weiß sie. Dass ich schwul bin, weiß sie schon länger, sie war lange Zeit, die einzige, die davon wusste, bis mein Schwager mal zufällig ungewollte belauschte.“

„Ungewollt?“

Taylor hatte seine Jacke ausgezogen und setzte sich auf den Stuhl am Schreibtisch, während ich am Fußende meines Bettes saß.

„Wir wussten nicht, dass er auf dem Sofa lag, als wir uns am Küchentisch unterhielten.“

„Und wie hat er darauf reagiert?

„Verärgert…“, sagte Taylor traurig.

„Jetzt sag nicht, dass er so ein homophobes Arschloch ist?“

„Nein, du verstehst falsch! Er war enttäuscht, dass ich ihn nicht ins Vertrauen gezogen hatte. Ich war doch wie ein kleiner Bruder für ihn.“

„Oh, ach so, aber warum ist deine Schwester dann dagegen, dass du bei mir übernachtest?“

„Sie kennt dich eben nicht und… und du gehörst… zu den Adligen…und…“

„Halt, halt, Stopp! Du hast ihr hoffentlich gesagt, dass ich anders bin, mit Mum alleine in London lebe.“

„Ja, habe ich doch, sie hat mir aber nicht geglaubt!“

Ich sah ihn lange an und überlegte.

„Bist du jetzt böse?“, fragte Taylor verschüchtert.

Ich zog meine Stirn in Falten und schüttelte den Kopf.

„Warum schaust du dann so komisch?“

„Ich… ich überlege, was man da machen kann. Am besten, wir gehen zu Mum und fragen nach Rat.“

„Ähm… es ist besser wenn du alleine gehst…“

„Du kommst mit Taylor, du bist mein Freund!“

„… so meinte ich das nicht. Ich müsste duschen und andere Sachen anziehen…, meine Sachen liegen alle drüben bei James. Ich rieche nach Stall, so möchte ich nicht bleiben!“

Deswegen hatte er sich nicht zu mir gesetzt.

„Okay, du gehst rüber ins Nebengebäude und holst deine Sachen und ich geh zu Mum hinüber. Duschen kannst du auch hier.“

„Ähm…“

Taylor wurde rot.

„Ich schau dir schon nichts ab und außerdem hast du mich auch schon ohne gesehen!“, grinste ich ihn an und stand auf.

Er kam zu mir und wir umarmten uns. Taylor hatte Recht, er müffelte wirklich etwas nach Stall. Das war mir vorhin draußen nicht aufgefallen.

„Du willst mich wirklich bei dir haben, oder?“

Ich schaute ihn an.

„Klar! Ist es nicht normal, wenn die Möglichkeit besteht, dass ich meinen Schatz, bei mir haben möchte? Bis nächsten Herbst ist es noch lange.“

„Herbst?“

„Darf ich dich daran erinnern, dass du nächstes Jahr in Herbst beginnst zu studieren?“

„Ähm… ja und?“

„Ist dir vielleicht der schon mal der Gedanke gekommen, dass wir dann vielleicht zusammen wohnen.“

„Nein… echt?“

„Ich sehe schon, du hast darüber noch nicht viel nachgedacht.“

Er schüttelte den Kopf.

„… ich …ich hab‘s ja noch nicht mal meiner Schwester gesagt.“

„Nicht? Aber Abigail meinte doch, mit deiner Schwester wäre alles schon geregelt.“

„Warum hat sie dann nicht mit mir darüber gesprochen?

„Da fragst du mich zu viel. Du gehst deine Sachen holen und ich zu Mum!“

*-*-*

Das Gespräch mit Mum hatte etwas länger gedauert. Als ich in mein Zimmer zurück kam, saß Taylor immer noch auf dem Stuhl am Schreibtisch, nur das jetzt eine Tasche vor ihm lag.

„Ähm, was ist, worauf wartest du?“, fragte ich verwundert und schloss meine Tür hinter mir.

„Auf… dich.“

„Sorry, das Gespräch hat etwas länger gedauert. Du hättest doch schon duschen können.“

„Ich kann doch nicht einfach…“

„Och Taylor“, seufzte ich, „doch du kannst, oder muss ich dir dabei vielleicht helfen?“

Sein Gesicht wurde tief rot, aber er lächelte schüchtern. Ich ging einfach zu ihm hin, zog ihn zu mir hoch und trotz des Stallgeruchs, der immer stärker zu sein schien, küsste ich ihn lange und innig.

Etwas außer Atem, ließ ich von ihm ab und verlor mich fast in seinen wundervollen Augen.

„Ich …ich konnte heute Mittag nicht weiterreden…, wegen James…ich wollte dir doch sagen…, dass ich noch nie…“

„… mit einem Jungen etwas gehabt hast?“, beendet ich seinen Satz.

Verwundert schaute er mich an.

„Taylor, ich habe dir damals schon gesagt, dass ich noch nie einen Freund hatte. Du bist der erste Kerl den ich umarme, mit dem ich küsse, geschweige denn andere Dinge vielleicht mache! Wir gehen das langsam an, okay?“

Er nickte.

„Und jetzt geh bitte duschen, es riecht nach Stall!“

Er grinste.

„Ähm, hast du ein Handtuch für mich?“

„Liegen im Bad.“

„Okay…, dann geh ich mal duschen.“

„Mach das…“

Er gab mir einen kleinen Kuss und verschwand im Bad. Ich wollte mich gerade am Schreibtisch niederlassen, da fiel mir etwas ein. Ich folgte ihm ins Bad und er erschrak regelrecht als er mich sah.

Er stand gerade da und hatte seinen Pulli halb über den Kopf gezogen, hielt aber nun in der Bewegung inne.

„Kleine Vorsichtmaßnahme!“, meinte ich, lief zur Tür zu Jaydens Zimmer und schloss ab.

„Nicht, dass er plötzlich neugierig vor dir steht“, kicherte ich.

„Aha…“, gab Taylor von sich.

„Übrigens, geiler Sixpack“, meinte ich und zeigte auf seinen blanken Bauch.

Er streckte mir die Zunge heraus und ich verließ das Bad wieder. Wenig später lag ich auf meinem Bett und hatte den Laptop vor mir stehen. Ich suchte im Internet, ob ich morgen, noch irgendwo in Newbury Geschenke kaufen konnte.

Aber ich merkte schnell, dass morgen auch hier, wie in London, die meisten Geschäfte bereits am Mittag des Heiligen Abend schlossen. Mum hatte nämlich vorgeschlagen gemeinsam morgen Taylor nach Hause zu bringen und seiner Schwester und deren Mann unsere Aufwartung zu machen.

So sollten sich selbst ein Bild über mich machen und vielleicht so ihre Vorurteile abbauen. Mums Ideen waren doch immer die Besten. Dagegen hatte ich keinerlei Ideen, was man den beiden schenken konnte.

Die Tür zum Bad ging auf und ich musste schwer schlucken. Taylor hatte wie ich damals nur das Handtuch um die Hüften gebunden.

„Du Jack, wenn es dir nichts ausmacht, möchte ich erst etwas ausdünsten, bevor ich mich wieder anziehe.“

Mit einer Hand rubbelte er sich über die Haare, die noch recht feucht schienen. Im Schein der Nachtischlampen glänzte sein Body. Er bemerkte mein Blick und hielt inne.

„Ist etwas?“

„Wow!“, war das einzige, was ich raus brachte.

„Was denn?“

„Ich…“, ich setzt mich auf, „ ich wusste nicht, dass man durch die Arbeit mit den Pferden einen solchen Body bekommt.“

Er schaute an sich herunter. Nichts war mehr anzumerken, von der Schüchternheit, die er vorhin an den Tag gelegt hatte.

„Das?“

Er zeigte auf sich und ich nickte. Fasziniert schaute ich auf das Sixpack, die wohlgeformte Brustmuskulatur und auch die dicken Oberarme. In seinen dicken Klamotten, war mir das nie aufgefallen.

Natürlich bemerkte ich auch die Beule, die das Handtuch um seine Hüften leicht verformte.

„Du siehst doch auch gut aus“, meinte er nur und rubbelte seine Haare weiter.

„Ich treib zum Ausgleich etwas Sport mit Julien.“

„Julien?“

„Mein Schwager. Der legt sehr viel Wert auf sein Aussehen und so gehe ich oft mit ihm Joggen, wenn es die Zeit erlaubt, oder stemme mit ihm ein paar Gewichte. Es fühlt sich gut an und hilft mir ohne große Schmerzen meinen Arbeitstag zu bewältigen.“

Und sieht verdammt gut aus, dachte ich für mich, krabbelte umständlich aus dem Bett, bis ich vor ihm zum stehen kam.

„Muss ich jetzt auch Sport treiben?“

„Wieso, du segelst doch, das ist doch auch Sport.“

Ich grinste und strich langsam über seine nackte Brust, Richtung Bauch.

„Ich… hab aber nicht so einen Body wie du.“

Er hatte das Handtuch sinken lassen und lächelt mich an.

„Du gefällst mir so wie du bist“, meinte er und legte seine Arme um mich.

Natürlich spürte ich seine Erregung, die gegen mein Heiligtum drückte.

„Danke…“, hauchte ich und gab ihm einen Kuss.

Doch bevor wir das Ganze intensivieren konnten, rüttelte es an Jaydens Badezimmerzugang.

„Och Jack, ich muss auf die Toilette, brauchst du noch lange?“, war seine Stimme aus seinem Zimmer zu hören.

Klar, er wusste ja nicht, dass Taylor bei mir geduscht hatte.

„Einen Moment noch!“, rief ich.

„Meine Sachen…?“, meinte Taylor.

„Die holen wir einfach hier ins Zimmer“, sagte ich und schob ihn Richtung Bad.

Wenig später schloss ich Jaydens Tür auf und öffnete sie.

„Du kannst“, rief ich ins Zimmer und ging das meinige zurück.

Ich hörte hinter mir, wie die Tür aufgezogen wurde.

„Das wird auch langsam Zeit!“

Ich drehte meinen Kopf und sah, dass Jayden nur in Shorts herumlief. Ruckartig blieb ich in meiner Bewegung stehen und drehte mich.

„Du bist wirklich sicher, dass du mit Sabrina…“

„GEH!“, fuhr er mich an und ich verließ lachend das Bad.

„Was war denn?“, fragte Taylor, als ich die Badezimmertür hinter mir verschloss.

Leicht enttäuscht stellte ich fest, dass er bereits seine Jeans trug, aber sein Anblick war immer noch lecker. Erneut ging ich zu ihm und begann ihn wieder zu küssen. Doch dieses Mal, klopfte es an meiner Zimmertür.

Taylor drückte sich von mir weg und griff nach seinem T-Shirt.

„Ja?“, rief ich genervt.

Hatte man hier nie seine Ruhe. Die Tür öffnete sich und Grandpa schaute herein.

„Ah…, habe ich richtig vermutet. Ich wollte mit euch zwei Jungs reden“, meinte er und betrat das Zimmer.

Etwas betreten stand Taylor nun neben mir. In Jeans, Shirt, barfuß und leicht feuchten Haaren. Ich entschied mich, ganz normal zu tun.

„Natürlich Grandpa, komm setzt dich“, meinte ich und zog den Schreibtischstuhl zu recht.

Er ließ sich darauf nieder, während ich Taylor zum Bett schob und wir uns beiden auf dessen Rand setzten.

„Abigail hat meine Weihnachtsgeschenke ja schon vorweg genommen, so habe ich eigentlich gar keine Überraschungen mehr für euch.“

Ich wusste erst nicht recht, was ich darauf sagen sollte.

„Mister Newbury, ich wollte mich noch persönlich bei ihnen bedanken…“

„Taylor!“

Mein Schatz verstummte und Grandpa fing breit an zu lächeln.

„Du bist jetzt der Freund meines Enkels…, was hältst du davon einfach Grandpa zu sagen und dieses Mr. und Duke wegzulassen?“

„Sind sie sicher?“

Grandpa nickte.

„…ähm gerne!“

„Und wegen mir brauchst du dir keine Gedanken machen, Grandpa. Du hast Mum eine zweite Chance gegeben und wenn sie glücklich ist, dann bin ich es auch. Zudem bekomme ich in der neuen Wohnung ein riesiges Zimmer, dann könnte ich vielleicht auch so ein großes Bett wie hier aufstellen!“

„Das freut mich zu hören. Aber ich wollte Taylor eigentlich fragen, ob er seine Schwester und ihren Mann am zweiten Feiertag zu uns zum Tee einladen könnte, wie ich von Abigail gehört habe, bekommen wir ja noch einen Gast.“

An Gregory hatte ich überhaupt nicht mehr gedacht. Taylor sah mich fragend an.

„Erkläre ich dir später“, meinte ich nur und winkte ab, bevor ich mich wieder Grandpa widmete.

„Ich habe einen besseren Vorschlag, Grandpa. Mum und ich haben beschlossen, Taylor morgen selbst nach Hause zu bringen, da könnte ich sie doch einladen?“

„Das ist wirklich eine gute Idee, machen wir das so. Ihr kommt in einer halben Stunde zum Essen?“

„Klar, wir lassen uns doch nicht Caitlins gute Küche entgehen.“

Ich spürte, wie sich Taylor  neben mir versteifte und seufzte.

„Grandpa, könntest du mir noch einen Gefallen tun?“

„Ja, welchen denn?“

„Erzähl Taylor bitte, dass er hier wirklich überall willkommen ist…“

„Hätte ich ihn sonst nicht zum Essen eingeladen?“

*-*-*

Mum holte uns zum Essen ab. Da sich Taylor immer noch etwas zierte, hatte ich ihm, da wir fast die gleiche Größe hatten, ein Hemd geliehen. Doch auch das gute Zureden von Mum half nicht, Taylor blieb nervös.

Mit Mum in der Mitte, liefen wir dann gemeinsam die Treppe hinunter. Im Speisezimmer angekommen, saßen bereits Grandpa mit Onkel Henry mit Tante Sophia am Tisch. Mum ließ sich neben den beiden nieder, während ich wieder direkt neben Grandpa. Taylor setzte sich neben mich und nickte Grandpa zu.

Man hörte Getrampel und Stimme im Flur und Tante Abigail was sagen. Dann hörte das Getrampel auf und wenig später erschien sie mit meinen Cousins und Sabina im Gefolge. Abigail setzte sich zwischen Grandpa und Sophia, während die anderen drei neben Taylor Platz nahmen.

„Ich wollte mich noch mal bedanken, dass ihr den Baum so schön geschmückt habt“, begann Großvater.

Wir lächelten ihn an.

„Hier sind ein paar neue Gesichter, das ist mir vorhin gar nicht aufgefallen.“

„Das ist Jaydens Freundin Sabrina, sie gehen mit Jack in eine Klasse“, erklärte ohne Aufforderung, Onkel Henry.

„Und das ist“, ich legte meine Hand auf Taylors, „mein Freund Taylor.“

Was Tante Sophia dachte, wusste ich nicht, sie lächelte nur breit.

„Ich finde es toll, wenn wieder Leben in dieser Bude ist“, meinte sie und schaute ihre Geschwister an.

„Warum hast du eigentlich nie geheiratet, Sophia“, fragte plötzlich Mum.

Interessiert schauten wir fünf auf unserer Seite nun wieder zu Tante Sophia.

„Ach weiß du Charlotte, das ist nichts für mich, ich wollte es probieren, aber dann sein lassen, das ist einfach nicht meine Welt, auch wenn ich zugeben muss, euch um eure Kinder zu beneiden.“

„Hört, hört“, meinte Onkel Henry neben ihr.

Grandpa schaute zu Abigail.

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