Adventskalender – Suddenly royal II – 11. Türchen

Tante Abigail verteilte den Tee.

„Danke Abigail“, meinte Grandpa, ich glaube, wir sollten mehr Sessel anschaffen, zwei sind eindeutig zu wenig.“

„Ach was, die Stühle tun es auch“, meinte sie.

„Aber noch einmal darauf zurück zu kommen, was Taylor gefragt hat, was machen wir jetzt wegen Gregory?“

Alle schauten bedrückte ins Feuer.

„Ist… ist das jetzt auch ein Enkel?“, fragte Taylor.

„Stimmt Taylor. Die Zahl meiner Enkel wächst stetig, wer hätte das gedacht.“

Er hatte das mit einem Lächeln gesagt.

„Wollt ihr Tante Sophia darauf ansprechen?“, fragte ich.

„Was soll das bringen? Meinst du sie ändert plötzlich ihre Meinung und kümmert sich um ihren Sohn?“, kam es verbittert von Tante Abigail.

Ich zuckte mit den Schultern und schaute zu Mum, die immer noch nachdenklich ins Feuer schaute.

„Ich denke nicht, dass Sophia die Geburtsurkunde hat fälschen lassen, damit ihr Name nicht darauf erscheint. Joseph, gehe ich recht in der Annahme, dass du auch Gregory helfen wirst?“

„Hör auf in meinen Gedanken zu stöbern!“

Mum lächelte.

„Ich dachte nur, in dem neuen Haus, in das Jack und ich ziehen werden, da ist doch so eine kleine Dachwohnung.“

„Du willst Gregory allein in die Dachwohnung ziehen lassen?“, fragte ich erstaunt.

Sie drehte sich zu mir.

„Jack, er wäre nicht alleine, du und ich sind ja auch noch da, er kann jederzeit zu uns kommen, er ist ja schließlich dein Cousin und mein Neffe und kann sich zurück ziehen, wenn er den Wunsch, hat alleine zu sein.“

„Du willst dich um ihn kümmern?“, fragte Tante Abigail.

„Warum nicht? Ich weiß auch nicht, warum mich seine Geschichte so sehr rührt, aber hat er nicht auch Recht auf etwas Glück und vor allem auf Familie?“

Mum hatte dabei ihre Stirn in Falten gelegt und Tante Abigail sagte nichts darauf.

„Also wollt ihr Tante Sophia nichts sagen?“, fragte ich nun.

„Ich…“, begann Grandpa zu sprechen, „werde ihr irgendwann ins Gewissen reden, aber nicht jetzt! Ich finde, wir kümmern uns jetzt erst mal selbst um Gregory. Wie Taylor treffend bemerkte, er ist mein Enkel. Zudem wird es eh heraus kommen, spätestens, wenn Gregory hier öfter verkehrt.““

„Er muss nur noch wollen!“, sagte Taylor.

*-*-*

Die Nacht mit Taylor zu verbringen war herrlich. Es war nichts geschehen, wir lagen nur eng umschlungen im Bett und kuschelten. Seine nackte Haut an meiner zu fühlen, war einfach nur toll.

Genauso am nächsten Morgen. Die Augen zu öffnen und ins Gesicht des Menschen zu schauen, in den man sich verliebt hat. Ich lächelte und strich ihm eine Strähne aus seinem verschlafenen Gesicht.

Er streckte sich und gähnte.

„Chloe, ich will noch nicht aufstehen!“, murmelte er.

Wer war Chloe?

„Taylor…?“, flüsterte ich leise und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

Er zuckte zusammen, wich etwas zurück und schaute mich mit großen Augen an.

„Oh, entschuldige, ich dachte, ich wär zu Hause.“

„Chloe ist deine Schwester?“

„Ja.“

„Und ich dachte schon einer deiner vielen Liebschaften“, sagte ich und kicherte.

Er setzte sich empört auf.

„Hör mal, ich hatte nie irgendwelche Liebschaften, schon gar nicht mit irgendeinem Weibstück!“

Ich zog meine Decke über den Kopf und fing laut an zu lachen. Das bereute ich aber sofort, denn ich spürte einen Finger an meiner Seite. Natürlich entfuhr mir ein Schrei und schneller als mir lieb war, saß Taylor über mir.

Das Rätsel, wer wohl der stärkere von uns beide war, wurde gelöst. Eisern hielt er meine Handgelenke fest.

„Jack Joseph Lewis Baron of Newbury, untersteh dich, mich je wieder zu ärgern“, sagte Taylor, beugte sich nach vorne und biss mir leicht in die Nase.

„Aua…!“

„Komm du Mimöschen, das hat doch gar nicht weh getan?“

Meine Badtür wurde aufgerissen und Jayden stand plötzlich in unserem Zimmer.

„Jack, alles in Ordn…?“

Er brach seine Frage ab, als er Taylor auf mir sitzen sah.

„Oh sorry, ich wusste nicht das Taylor bei dir ist…, dachte dir wäre etwas geschehen.“

Taylor war mittlerweile von mir herunter gestiegen und hat sich wieder auf seinen Platz gesetzt.

„Sag mal, sitz du hinter der Tür und lauschst?“, fragte ich ihn leicht genervt.

Taylor fing an zu kichern.

„Dein Schrei war laut genug, da braucht man nicht zu lauschen“, kam es von der Badtür.

Dort stand Sabrina. Sie hatte wir Jayden ein Shirt und eine Shorts an. Ich musste grinsen, denn so hatte ich sie noch nie gesehen.

„Oh, guten Morgen Sabrina, du hast bei Jayden geschlafen?“

„Ja, so wie du zusammen mit Taylor die Nacht verbracht hast. Gleiches Recht für alle. Und ich muss sagen, jetzt verstehe ich, warum du dich für Taylor entschieden hast. Er sieht richtig lecker aus!“

Erschrocken versuchte Taylor seinen nackten Oberkörper mit der Decke zu verstecken.

„Das ist jetzt auch nicht mehr nötig“, kicherte ich, wir saßen beide nur in Shorts da.

Es klopfte an der Tür. Was war hier denn los, hier war mehr los als auf einem Bahnhof. Genervt rollte ich mit den Augen.

„Ja?“, rief ich.

„Jack? Ist alles in Ordnung mit dir?“

Die Stimme von Mum. Die Türklinke wurde herunter gedrückt. Während ich leichtsinnigerweise vergessen hatte, die Badtür abzuschließen, die Zimmertür war zu. Hilflos rüttelte Mum an meiner Klinke.

Ich stand auf und zog die Decke mit mir, was zur Folge hatte, dass Taylor nun wieder nur in Shorts da sah. Er griff nach meinem Kopfkissen und verdeckte erneut seinen nackten Oberkörper.

Meiner einer verhüllte seine Körper mit der Decke und schloss die Zimmertür auf.

„Guten Morgen Mum, wie du siehst geht es mir gut.“

Sie war im Gegensatz zu uns schon angezogen. Sie schaute in den Raum.

„Was ist das hier…, eine Pyjamaparty?“

Sabrina und Taylor fingen an zu kichern.

„Wie du siehst“, ich öffnete kurz meine Decke, „hat keiner von uns einen Pyjama an…, also keine Pyjamaparty.“

„Eine Orgie… oh Gott!“

„Muuuuuuuuumm!“

Nun fingen alle an zu lachen, außer mir natürlich.

„Zieht euch an und kommt zum Frühstück herunter, wir haben ja noch etwas vor“, meinte Mum nur und ging wieder, Richtung ihrem Zimmer.

Ich dachte beim Tür schließen, noch so etwas wie Sündenpfuhl zu hören.

„Deine Mama ist einfach cool“, meinte Sabrina.

„Weiß ich“, sagte ich und ließ mich so wie ich war wieder aufs Bett nieder.

„Ähm… wer benutzt zuerst das Bad?“, fragte ich und versuchte dabei ernst zu wirken.

„Ich lass euch den Vortritt, Sabrina wollte eh gerade zurück in ihr Zimmer“, sagte Jayden und schob bereits Sabrina zurück ins Bad.

„Okay, man lasse uns dann nun alleine!“

„Der spinnt doch!“, hörte ich Jayden sagen, als er die Tür hinter sich zuzog.

Taylor grinste nur und zog mich wieder zu sich.

*-*-*

Später trafen wir die beiden zusammen mit Molly auf der Treppe wieder.

„Boah, das ist ja nicht auszuhalten, ihr seid auch so gut gelaunt…Morgen…!“, kam es von Molly.

Da hatte sie wohl Jayden und Sabrina mit gemeint.

„Guten Morgen Molly und danke der Nachfrage, wir haben auch sehr gut geschlafen“, sagte ich und machte einen kleinen Diener.

Die anderen kicherten und folgten wie ich Molly die Treppe hinunter.

„Guten Morgen Kinder!“

Das war die Stimme von Onkel Henry. Wir drehten uns alle um.

„Guten Morgen“, schallte es einstimmig zurück.

Onkel Henry lächelte und als er uns erreichte, liefen wir weiter. Ganz ungewohnt für mich, er trug einen einfachen Jogginganzug. Das hatte ich bis jetzt noch nicht an ihm gesehen. Molly war die erste, die am Esszimmer angekommen war und drückte die Tür auf.

Wir strömten hinein und setzten uns an den Tisch. Grandpa, Tante Abigail und Mum waren schon da, von Tante Sophia keine Spur.

„Guten Morgen Kinder…Henry“, sagte Grandpa lächelnd.

„Morgen Vater!“, kam es von Onkel Henry, der sich nicht setzte, seine Teller schnappte um zum kleinen Buffet damit zu gehen.

„Ich sehe, ihr habt gut geschlafen?“, fragte Grandpa.

Ein allgemeines Nicken ging durch die Runde.

„Soll ich dir etwas mitbringen?“, fragte Taylor leise neben mir.

„Gerne! Danke! Etwas Ei und Toast.“

„Kommt sofort“, meinte Taylor, schnappte sich meinen Teller und stand wieder auf.

Dabei sah ich, wie Sabrina Jayden durchdringend anstarrte.

„Oh man Taylor…“, sagte er nur und griff nach Sabrinas Teller.

Mum und Abigail finden herzhaft an zu lachen, während mein Schatz beim Essen stand und nicht verstand.

„Du hast auch gut geschlafen?“, fragte ich nun Grandpa, neben dem ich wie immer saß.

„Etwas wenig, aber ja.“

Ich schaute ihn an.

„Es sind mir noch ein paar Dinge durch den Kopf gegangen.“

Ich hob den Kopf etwas schräg, aber nickte dann nur.

„Was steht heute noch an“, unterbrach uns Onkel Henry, „gibt es in der alten Kapelle noch diesen Abendgottesdienst?“

„Kapelle?“, fragte ich.

„Ja, Taylors Schwester wohnt doch in dem kleinen Dorf in der Nähe, Enborne, dort gibt es auch eine Kapelle, aber ob es den Gottesdienst noch gibt, weiß ich nicht“, erklärte mir tante Abigail.

„Den gibt es noch!“, meinte Taylor, der sich gerade wieder neben mich setzte und mir den Teller vor mich stellte.

„Lust, mit in den Gottesdienst zu gehen?“, fragte Onkel Henry.

Mum schaute zu mir und ich nickte.  Wir waren nur einmal zu Weihnachten in der Westminster Kathedrale gewesen, die war aber so voll, das wir es in den Folgejahren unterließen und Weihnachten für uns zu Hause alleine feierten. Nach dem Frühstück, traf ich mit Mum draußen im Wagen, während Taylor im Stall verschwunden war.

„Hat Taylor etwas gesagt, was wir besorgen könnten?“

„Nein“, antworte ich, „er war leider keine große Hilfe.“

„Was besorgen wir dann? Weil auf geradewohl will ich jetzt nicht nach Newbury fahren, da ist bestimmt die Hölle los.“

Ich überlegte kurz und sah Tante Abigails Dekoration um die Eingangstür.

„Kennst du einen Blumenladen in Newbury?“, fragte ich.

„Ja, aber warum willst du das wissen?“

„Wie wäre es mit einem Weihnachtsgesteck, mit einer Kerze drauf.“

„Hm, meinst du?“

„Ja, es ist etwas Einfaches, oder willst du ihnen etwas Teures schenken? Ich dachte, wir wollten ihnen zeigen, das wir ganz normal sind.“

„Gut du hast Recht, also hinein ins Auto“, sagte Mum und stieg ein.

*-*-*

Da ich bis jetzt erst zweimal durch Newbury gefahren war, gab es natürlich viel zu sehen. Mum schien sich tatsächlich auszukennen. Auf alle Fälle wirkte es so auf mich. Sie hatte sich einen Parkplatz, Nähe einer großen Kirche ausgesucht.

Dann spürte ich wieder, wie kalt es doch war, denn wir mussten ein gutes Stück laufen. Mum und ich liefen die ganze Zeit stumm nebeneinander her. Sie schien über irgendetwas nach zudenken. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus.

„Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte ich, aber sie reagierte nicht.

„Mum?“, sagte ich etwas lauter.

Sie zuckte etwas zusammen und schaute zu mir.

„Hast du etwas gesagt?“

„Ja, ob mit dir alles in Ordnung ist?“

„Ja, alles in Ordnung, ich habe nur etwas nachgedacht.“

„Etwas ist gut.“

Sie schaute mir in die Augen und verdrehte ihre leicht.

„Jack, in den letzten zwei Wochen ist so viel passiert, ich habe noch gar nicht richtig Zeit gehabt, über alles in Ruhe nachzudenken.“

„Muss man darüber nachdenken?“

„Ich denke schon. In dieser Familie ist so viel passiert, Menschen mussten leiden deswegen, so einfach steck ich das nicht weg.“

„Da geht es mir nicht anders.“

„Dann wirst du verstehen, wenn ich etwas im Gedanken bin.“

„Und über was hast du gerade nachgedacht.“

„Über Sophia.“

„Den härtesten aller Brocken…“

„Wie meinst du das?“

„Es ist schlimm seinen Vater zu verlieren, so wie bei mir, durch einen Autounfall, oder eben bei Gregory, der seinen Vater durch Krebs verlor. Damit kann man lernen umzugehen…, aber dass einen die eigene Mutter im Stich lässt, ist etwas, was ich gar nicht verstehe!“

„Darüber habe ich nach gedacht. Als du mich damals fragtest, wer Sophia sei und ich meinte, sie ginge über Leichen, um das zu bekommen, was sie will, habe ich das eigentlich mehr zum Spaß gesagt.“

„Aber gemerkt, dass sie wirklich so eine Person ist, es zählt nur das, was ihr wichtig ist.“

Mum nickte.

„… und Gregory war ihr nicht wichtig und dass ist so sche… sorry!“

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen…“

„Je mehr ich nun über diese Familie weiß…, ich verstehe dich nun, warum du nicht wolltest, dass ich Papas Familie kennen lerne.“

„Es war trotzdem ein Fehler es dir zu verschweigen.“

„Du wolltest mich nur beschützen, oder?“

Ich lächelte sie an.

„Kann man jemand vor so etwas beschützen?“

Sie war stehen geblieben.

„Mum, ich kann es nur immer wieder betonen, wie schön es war, als wir beide nur uns hatten, okay?“

„Du wünscht dir diese Zeit zurück?“

„Das habe ich nicht gesagt und es gibt jemand, der hat zu mir gesagt, ich soll nicht in der Vergangenheit leben, das tut am Ende nur weh… Gehen wir weiter?“

Nun lächelte auch sie wieder.

„Nein.“

„Ähm wieso? Wir wollten doch zu diesem Blumengeschäft.“

„Tun wir doch, wir stehen bereits davor!“, grinste sie mich an.

*-*-*

„Ist alles in Ordnung mit dir?“

Ich saß mit Taylor hinten im Wagen, während Mum zu Taylor nach Hause fuhr. Ich schaute ihn an.

„Deine Hand ist ganz kalt!“

„Geht schon“, antwortete ich.

„Ich denke, mein Sohn ist etwas nervös“, kam es von vorne.

„Mum!“

„Warum bist du nervös?“

Ich druckste etwas herum.

„Ich…ich…, fing ich an zu stottern, „was ist, wenn deine Schwester mich nicht mag?“

Nun fing Mum an zu lachen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Schwester etwas gegen dich haben könnte, dazu kenne ich sie zu gut.“

Zweifelnd schaute ich ihn an.

„Aber das werden wir ja gleich selbst herausfinden, da vorne das zweite Haus…, da bin ich zu Hause.“

Mit großen Augen schaute ich nach vorne. Mum setzte den Blinker und der Wagen wurde langsamer. Ich fühlte mich, als hätte ich etwas Schlimmes angestellt und würde gleich dafür bestraft werden.

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