Killian – Teil 5

Ich spürte seine Hände an meinem Gesicht. Wie sie mich sanft streichelten. Ganz langsam bewegte sich sein Mund mit den zum Küssen einladenden Lippen auf mich zu. Immer näher kamen sie, da spürte ich auf einmal, wie mich seine Hände an den Schultern packten und mich schüttelten.

„…an…Wa…auf…Ki…an…Wach auf, Killian.”

„Hnn.”

Verwirrt öffnete ich die Augen und blickte direkt in die von Sascha. ‚Oh Schade, nur ein Traum. Aber ein wunderschöner Traum.’

„Was ist denn los, warum weckst du mich?”, nuschelte ich verschlafen.

Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es gerade einmal 8 Uhr war.

„Oh man…es ist doch erst 8 Uhr. Warum weckst du  mich, Sascha? Warum hast du mich nicht schlafen lassen?”, fragend sah ich ihn an.

„Ähm…also….ähm…weil…ähm…”, druckste er herum.

„Jetzt sag schon”, finster schaute ich ihn dabei an. Ich mochte es nicht ohne Grund geweckt zu werden, vor allem nicht dann, wenn ich hätte ausschlafen können.

„Na ja, ich bin schon länger wach und ähm… mir ist langweilig”, gestand Sascha.

Kopfschüttelnd richtete ich mich auf. Ich seufzte. Da ich aber sowieso wach war,  konnte ich auch aufstehen.

„Und was machen wir jetzt, wo du mich geweckt hast?”

„Wir gehen frühstücken. Ich habe Hunger.”

Immer noch kopfschüttelnd sammelte ich meine Sachen, die ich im Bad brauchte zusammen und machte mich mit Sascha auf den Weg. Im Duschraum trafen wir auf Max und Jerome.

„Guten Morgen, ihr zwei”, wurden wir auch gleich begrüßt.

„Morgen”, nuschelte ich ihnen entgegen.

„Was ist los? Bist du noch müde? Warum bist du dann aufgestanden?”, fragte mich Max.

„Ja, ich bin noch müde. Warum ich wach bin, frag mal lieber Sascha.”

Ich musste jedoch gleich lachen, da Sascha so unschuldig in die Runde guckte. Als Max und Jerome dies sahen, fielen auch sie in das Lachen mit ein.

Frisch geduscht machten wir uns auf den Weg zum Speisesaal.

„Was machen wir denn heute? Ich habe keine Lust den ganzen Tag hier rumzuhängen.”, fragte ich in die Runde. Überlegend betraten wir den Speisesaal und holten uns unser Frühstück.

„Ich hab’s!”, schrie Max plötzlich auf. Alle Blicke auf ihn gerichtet, meinte er nur schlicht:

„Wir gehen zum Hof.”

„Zum Hof?”, fragend sah ich ihn an.

„Ja, das ist eine gute Idee, Max”, unterstützte Jerome ihn während Sascha genauso verwirrt schaute wie ich.

„Wir könnten uns was zu essen mitnehmen, dann können wir den ganzen Tag da bleiben”, formte Max die Idee weiter aus.

Meine Frage schienen sie nicht  gehört zu haben.

„Yeah, so machen wir das”, freute sich Jerome.

„Hey, beantwortet mir auch einer meine Frage?”, unterbrach ich ihre Planerei.

„Frage?”

„Was ist der Hof?”

„Das weißt du nicht?”, ungläubig schaute mich Max an.

„Würde ich sonst fragen?”

„Der Hof ist ein Reiterhof hier in der Nähe. Viele von hier gehen dort reiten.”, antwortete Jerome mir.

„Echt? Wow, da müssen wir auf jeden Fall hin. Ich möchte so gerne wieder reiten”, meinte ich schon voller Freude aufs Reiten.

„Bist du zu Hause auch geritten?”, fragte mich Jerome.

„Ja, ich bin dort jeden Tag geritten. Wir züchten Pferde. Ich habe zu Hause mein eigenes Pferd. Ach wie schön wäre es jetzt in der Pampa zu reiten. Über die weiten Felder der Sonne entgegen…ach…”, schwärmte ich vor mich hin.

***

Am Reiterhof angekommen, nahm ich erst einmal einen tiefen Atemzug. Diese Luft, der Geruch der Pferde, einfach wunderbar.

„Kommst du, Killian?”, rief Sascha.

Die Drei waren schon weitergegangen, während ich noch meinen Gedanken nachhing. Voller Vorfreude rannte ich ihnen hinterher. Ich konnte es kaum erwarten endlich wieder auf einem Pferd zu sitzen.

„Hallo ihr Zwei, schön euch hier wieder zu sehen”, erklang eine weibliche Stimme.

Ich schaute in die Richtung aus der sie kam und sah eine junge Frau mit braunen welligen Haaren auf uns zu kommen.

„Hallo Janet”, begrüßten Jerome und Max die Frau.

„Na wen habt ihr denn da mitgebracht?”, fragend schaute sie zu mir und Sascha.

Bevor ich antworten konnte, sprach schon Sascha: „Das ist Killian und ich bin Sascha. Wir sind neu hier.”

„Na dann Herzlich Willkommen hier. Ihr wollt sicherlich auch reiten? Könnt ihr es denn?”

„Ja ich kann reiten. Ich hab zu Hause auch ein eigenes Pferd”, erzählte ich ihr.

„Ich kann  es auch”, meinte Sascha.

„Na dann kommt mal mit. Ich zeig euch die Pferde, die ihr nehmen könnt. Ich vertrau mal eurem Urteilsvermögen, so dass ich die Zwei nicht testen werde”, sagte Janet zu Jerome und Max gewandt.

Wir folgten ihr Richtung Stall und beobachteten, wie sie ein Pferd nach dem Anderen zu uns heraus brachte.

„Satteln müsst ihr alleine aber ich denke das bekommt ihr hin. Oh da kommen Neue, ich muss wieder weg. Viel Spaß euch vier”, sagte Janet im Vorbeirauschen.

Ein vierfaches ‚Danke’ scholl ihr hinterher. Kaum gesattelt, saßen wir auch schon auf und Jerome und Max banden die kleinen Picknickkörbe an die Sattel und los ging’s.

„Kommt folgt uns, wir zeigen euch unseren Lieblingsplatz”, rief Jerome und jagte davon.

‚Endlich wieder auf dem Rücken eines Pferdes sitzen.’ Lächelnd jagte ich Jerome hinterher dicht gefolgt von den anderen Beiden. Wir ritten hinunter zum See und durch den Wald. Den Wald verlassend, schaute ich mich staunend um. Dies hätte ich hier nicht vermutet. Weite Flächen, einfach perfekt zum Reiten.

„Jerome, wohin müssen wir?”, fragend sah ich ihn an.

„Dort hin”, meinte er und zeigte auf einen großen, einzeln stehenden Baum, der nur leicht am Horizont zu sehen war. „Da treffen wir uns. Ich sehe dir an, dass du los…”

Das letzte hörte ich nicht mehr richtig, denn mit der Nennung des Treffpunktes preschte ich auch schon los. ‚Oh ja, tut das gut. Wieder den Wind in den Haaren zu spüren. Diese Freiheit.’ Doch viel zu schnell kam ich am Treffpunkt an. Absteigend und dem Pferd über die Nüstern streichend, wartete ich bis die anderen kamen. ‚Man wo bleiben die nur?’ Wartend setzte ich mich an den Baum und lehnte mich an. ‚Oh man, kaum sitz ich, da kommen sie.’ Kopfschüttelnd rappelte ich mich wieder auf und schaute ihnen entgegen. Auch sie stiegen ab, nahmen aber die Pferde am Halfter und führten sie Richtung Wald, der sich hinter uns auftürmte. Gespannt folgte ich Max. ‚Mhm wo gehen wir hin?’ Irritiert sah ich wie er ein paar Äste bei Seite schob und mit samt dem Pferd dahinter verschwand. Als auch noch Jerome dahinter verschwand, schauten Sascha und ich uns fragend an. Schulter zuckend gingen wir auch dort hin. Und was wir da sahen, verschlug uns die Sprache. Hier, verdeckt von den Bäumen, entstand eine kleine Oase. Ein kleiner See glitzerte im Sonnenlicht, das durch das Blätterdach fiel. „WOW”, war alles was ich dazu sagen konnte.

„Na kommt schon näher”, lachten die anderen Beiden. „Wir werden hier unser Picknick machen.”

„Der Ort hier ist echt wunderschön”, dabei alles betrachtend, ging ich auf die Beiden zu, die am Ufer des Sees saßen. „Wie habt ihr diesen Ort gefunden?”

„Nur durch Zufall. Wir waren ausreiten als es anfing in Strömen zu Regnen. Unter ein paar Bäumen wollten wir Zuflucht suchen und fanden dies hier”, erklärte Jerome.

„Und seit dem kommen wir hier so oft es geht her. Man hat hier seine Ruhe”, ergänzte Max.

„Aber jetzt lasst uns erstmal essen. Ich hab Hunger”, meinte da Sascha.

„Sascha, du hast immer Hunger”, lachte ich.

Die Decken wurden ausgebreitet und wir begannen zu essen. Währenddessen erzählten uns Jerome und Max etwas mehr über die Schule und die verschiedenen Lehrer.

„Am nettesten ist Herr Yamamoto. Er hilft einem sehr und das nicht nur bei schulischen Problemen auch bei privaten”, sagte Max.

„Ja, das weiß ich.”

„Echt? Woher weißt du das denn schon, Killian?”

„Er hat mir mit Steve und seiner Gang geholfen”, erklärte ich.

„Was war da eigentlich genau mit denen? Uns hat man nichts gesagt”, fragte Sascha.

Ich seufzte und entschloss mich es ihnen zu erzählen. „Also, das war so…”

***

„Also sind diese Projekttage vom Direktor deswegen entstanden?”, fragte mich Jerome.

Ich nickte nur.

„Ähm, Killian, ich weiß ja nicht ob ich dich das fragen darf, aber warum haben sie dich zusammengeschlagen?”

Doch ich schwieg nur.

„Ist es vielleicht wegen dem was Steve im Mathe-Unterricht rein gebrüllt hatte?”

Meine Antwort bestand nur aus einem kleinen scheuen Nicken. Anschauen konnte ich die Drei nicht. Zu groß war die Angst in ihren Augen die Abweisung zu sehen.

„Hey Killi, kein Grund so traurig zu sein. Uns stört das nicht, oder Jungs?”, hörte ich da Sascha, der sich neben mich gesetzt und einen Arm um die Schulter gelegt hatte.

„Genau”, kam es zweistimmig von den Anderen.

Erleichtert lächelnd schaute ich wieder auf. „Gracias, Jungs.”

***

Es wurde langsam dunkel und wir beschlossen, dass es an der Zeit war, zurück zu reiten. Schnell packten wir alles zusammen und ritten wieder zum Stall.

Dort kam uns auch gleich Janet entgegen. „Ah da seid ihr ja. Ich dachte schon ihr wollt gar nicht mehr wieder kommen”, schmunzelte sie.

Wir stiegen ab und machten uns daran die Pferde abzusatteln und abzutrocknen. „So geschafft”, meinte ich und auch die anderen waren fertig. Wir gingen noch zu Janet, meldeten uns ab und verabschiedeten uns.

„Bis nächstes Wochenende, Jungs”, rief sie uns hinterher.

Ein vierstimmiges „Bis dann”, antwortete ihr.

 

Fortsetzung folgt…Teil 6

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