Traumschiff – Teil 136

Abgründe… Was tun? … Geduld… Durchbrüche… Jahrestage… Abi-Camp and Outdoor-Fun…

Dies und Das… Examen und Ferien im Norden.

Jeremy, Sonntag , 05.06. 2011ca.17:45 Uhr mit Mama im Auto von dem Kaffee bei Otto, dem Psychologen, auf dem Weg zur WG, zu Finn.

Ich träume im Auto vor mich hin, denke an Finn, höre nicht hin, was Mama sagt oder fragt. Ich bin froh und sehr stolz auf mich, das ich heute Nacht und auch jetzt bei Otto mal alles raus gelassen habe und das Finn…..aber davon später, immer schön der Reihe nach.

Nach dem wir beide im Schlafsack lagen, ich mit dem Rücken zu Finn, begann ich Ferdi zu erzählen, was an meinem 15. Geburtstag und danach geschah. Ferdi hatte ich das stückweise früher schon erzählt.

Meine Aktion heute Abend sollte ja dazu dienen, heraus zu finden, wie Finn darauf reagierte, ob er bereit war, einen schwierigen Weg mit mir zu gehen, mein Trauma zunächst zu akzeptieren und mit mir gemeinsam daran zu arbeiten, das aus uns mal ein stabiles Wir werden kann.

Das war mein Plan und wenn er mir dabei in die Augen, ins Gesicht geschaut hätte, ich würde kein Wort heraus gebracht haben.

Mit leiser Stimme und mehreren Unterbrechungen, mit Tränen und so erzählte ich, Ferdi zugewandt: „Mama war nun also in Reha, mein Vater und ich waren allein und warteten sehnsüchtig darauf, dass sie zurück käme. Ich war froh, als sie anrief und sagte, dass sie am 18.06. zurück käme und wir dann am Wochenende drauf so richtig Geburtstag feiern wollten.
Ich war nun schon nervös, je näher der 17.06. kam, nervös sah ihrer Rückkehr entgegen mit dem festen Vorsatz, an meinem Geburtstag oder am Tag danach mein großes Geheimnis zu lüften. Ich hatte mich in der Schule verliebt, aber eben nicht in ein Mädchen, nein, in einen Mitschüler aus einer Parallelklasse, allerdings wusste auch der noch nichts davon. Was würden Dad und Mom dazu sagen? Homosexualität war nie ein Thema bei uns und ich wusste vor dem Verknallen in Dominik, so hieß der Junge, nicht, dass ich so war.

Zum Geburtstag hatte ich mir ein neues Fahrrad gewünscht, ein tolles und teures aus den USA und am Morgen des 17.06. bekam ich es dann auch von, na ja, damals noch Dad.
Dann am Nachmittag, als er aus der Botschaft nach Hause kam, machte ich den Fehler und outete mich bei ihm. Er schaute mich irgendwie verwirrt an und verließ daraufhin wortlos unsere Wohnung. Ängstlich, weil ich nicht wusste, wie er es aufnahm, blieb ich allein mit meinen Gedanken zurück. Hätte ich nicht besser warten sollen, bis Mama zurück ist.

Als er um 22:30 Uhr noch nicht zurück war, ging ich ins Bett, versuchte, zu schlafen. Mama, die bereits am Morgen angerufen und gratuliert hatte, würde morgen Mittag eintreffen. Um 02:30 Uhr nachts wurde ich rüde aus einem unruhigen Schlaf gerissen. Mein Vater und sein Freund, Sam Winters standen, sehr betrunken und Zigarre rauchend, an meinem Bett.

„Schau dir dieses kleine Fagott an, Sam“, sagte er und zog mir die Decke weg, „mein Sohn ist eine dieser perversen Schwuchteln und jetzt zeigen wir der kleine Pussy mal, was einer Schwuchtel so alles passiert.“

Beide vergewaltigten mich und obwohl ich schrie vor Schmerzen ließen sie nicht eher ab von mir, bis sie ihr Sperma über mich verspritzt hatten.

„So geht es den kleinen Schwuchteln und wenn es das ist, was du willst, bist du mein Sohn nicht mehr.“ Dann drückten sie beide jeder eine brennende Zigarre auf meinen Pobacken aus und ich versank förmlich im Schmerz der Glut, die sich tief in meinen Po fraß.

Vor Schmerzen wurde ich kurzzeitig wohl ohnmächtig, bekam aber später dann mit, dass sie lachend und lästernd aus der Wohnung verschwanden. Sie ließen mich blutend, verbrannt und missbraucht zurück und ich wollte eigentlich nur noch sterben.

So fand mich um 14:30 Uhr am 18.06. Mama und sie rief sofort den für uns zuständigen Botschaftsarzt an, der dann die kurze Strecke zu uns mit einem Krankenwagen kam und mich und meine Verletzungen zunächst betrachtete.

Er untersuchte mein Poloch und die tiefen Brandwunden, die er wohl auch fotografierte bevor sie mich dann in den Sanitätsbereich der Botschaft brachten. Dort wurde ich, zunächst mit starken Schmerzmitteln behandelt, bevor man mich im Beisein eines Staatsanwaltes der Botschaft den Verletzungen und ihrer Entstehung befragt wurde.

Der Botschafter wurde durch den Arzt informiert und nach Rücksprache mit dem Anwalt der Botschaft wurden vier Militärpolizisten los geschickt, meinen Vater und seinen Freund Sam zu suchen und zu verhaften.

Nach Vernehmungen der beiden, auch ich wurde noch mal dazu gehört, wurden Sie zunächst unter Arrest gestellt und am 19. 06. mit einer Militärmaschine in die Staaten geflogen, wo sie direkt in Untersuchungshaft kamen.

Ein Psychologe nahm sich meiner an und im Beisein von Mama konnte ich alles zum Tathergang erzählen, was wohl auch durch die hohe Gabe an Tramal begünstigt wurde, später habe ich vor fremden Leuten nie mehr davon geredet, wenn man von Otto absieht aber der war ja nun seit vier Jahren mein Psycho und eigentlich kein Fremder.

Meine, ich sag jetzt mal, Vernehmung mit Arzt, Mama, Psychiater und Anwalt wurde, von mir kaum beachtet, auf Video aufgezeichnet und zusammen mit den Fotos der Verletzungen, die der Doc bereits in meinem Zimmer gemacht hatte, in den Staaten dem Gericht und den Geschworenen vorgespielt.

Diese befanden beide Täter für schuldig und das Gericht verhängte dann die Strafen.
Die Verletzungen im Po und die tiefen Brandwunden auf den Backen, eine auf jeder Seite, waren äußerst schmerzhaft, waren ohne Tramaltropfen nicht auszuhalten.

Die tiefen Brandwunden wurden operiert und mit Haut von meinen Waden abgedeckt. Allerdings blieben zwei Narben, rot und auffällig, so dass ich mich bis heute außer der Familie und meinem Psycho Otto niemandem nackt zeigen wollte.

In einem Militärstrafverfahren wurden die zwei Männer knapp zwei Monate später bereits von einem Schwurgericht in der Hauptstadt in den USA verurteilt, mein ehemaliger Vater zu siebenundzwanzig Jahren, sein Freund zu zwanzig Jahren Gefängnis.

Das Wissen darum, das sie für das, was sie mir angetan haben, lange in den Knast kamen, ermöglichte es mir, zum ersten Mal seit der Tat, zumindest vorübergehend albtraumfrei zu schlafen.
Das Trauma blieb aber, zum Teil noch bis heute und ob ich jemals da hinten am Po jemanden haben möchte, Po Sex möchte, das kann ich mir zur Zeit nur schlecht vorstellen, da die rüde Vergewaltigung durch die zwei Männer auch über mehrere Tage intensiv behandelt werden musste.
Wer will schon mit jemandem zusammen sein, der keinen Sex haben will, der wahnsinnig Angst vor jeder Berührung da hinten hat, der das nicht mal zeigen will, weil sein Po so schlimm aussieht.

Zwei tiefrote Narben auf jeder Seite meines vom Reiten gestählten Pos, das schreckt doch jeden ab, von den Erinnerungen an das gewaltsame Eindringen mit den Verletzungen dort, Blut und tagelange Schmerzen mal abgesehen. Vom eigenen Vater missbraucht, Sohn eines Sexualstraftäters, wer will schon mit so einem was zu tun haben, Ferdi.“

Ich hatte es geschafft, alles ist raus und erleichtert schließe ich meine Augen. Ein warmer Hauch, sein Atem, trifft meinen Nacken und zwei Lippen flüstern in meinen Nacken: „Du Ärmster, was musstest du erdulden. Wenn du willst, helfe ich dir, wir schaffen das. Ich mag dich so sehr, will bei dir sein, egal, was war. Ich kann warten, will dir zeigen, dass wir es zusammen schaffen, irgendwann irgendwie glücklich zu werden, du musst es nur wollen. Wir verscheuchen die Dämonen der Vergangenheit, vertreiben sie und werden sie nicht gewinnen lassen. Sag ja zu mir und ich werde dich nie allein lassen.“

Hat er das jetzt wirklich gesagt? Ich drehe mich rum, weine jetzt und auch er hat Tränen in den Augen. Seine Stirn lehnt an meiner und es fühlt sich einfach nur so gut an.
Er ist noch bei mir, läuft nicht fort, oh man, ich glaub, ich verfalle ihm gerade und wie in Zeitlupe kommen sich unsere Lippen nah zu einem scheuen ersten Kuss.
Ferdis warme Nüstern kommen dazu, stupsen uns an, so, als hätte er begriffen, was gerade Großes hier passiert.

Nun, mit seinem Gesicht vor Augen, erzähle ich weiter. Von unserer Flucht hier her zu Opa nach Bremen, Flucht vor Anfeindungen von einigen Botschaftsangehörigen, von den Großeltern in den USA, die mich dafür verantwortlich machen wollten, das ihr Sohn nun für lange Jahre als Vergewaltiger und Schänder im Knast sitzen muss.

Von meinen Albträumen, von Otto und von unserem Leben hier bei Opa auf dem Hof.
Von dem Drängen von Mama, aus meinem Schneckenhaus zu kommen, was zu tun, was mir nützt und was mir vielleicht auch Spaß macht und das ich so zu und in den Verein gekommen bin. Eigentlich wollte ich es ja nur mal an schauen, damit sie und Otto endlich Ruhe geben.

„Aber dann warst Du plötzlich da und alles war so anders, so neu und ungewohnte Gefühle, die mich zunächst auch an Dominik in Berlin erinnerten, kamen in mir auf. Ich war zuerst ganz durcheinander, sogar Mama hat es bemerkt und gefragt, was mit mir los sei.“

Plötzlich wollte ich wieder in die Halle kommen, wollte weiter mitmachen, vor allem aber dich wiedersehen und erstmals seit Jahren kam sowas wie Hoffnung auf. Ich begann zu hoffen, dass du vielleicht auch schwul bist und mich ja auch ein bisschen magst, musste ständig an dich denken.“

„Ein bisschen?“, hast du dann geflüstert, „das ist schon so viel mehr als ein bisschen.“

Dann hast du leise zu mir gesagt, „ Ich bin total verknallt in dich, Jeremy und auch wenn wir viel Zeit brauchen, bis alles gut läuft mit uns, wir werden es schaffen, wenn du es willst. Ich will dich auf jeden Fall.“

Schmetterlinge, überall in mir. Wir näherten uns wieder an, legten unsere Lippen zart aufeinander, das war soo schön, so neu, so zärtlich, zart, wie meine aufkeimende Hoffnung auf ein wir, die in diesen Momenten so greifbar war.

Mein erster Kuss mit dir, Wow, welch ein Gefühl. Ich musste es nur wollen, du bist bereit und ich werde mich bemühen, dir zu vertrauen, darauf, zu vertrauen, dass du mir nicht weh tust.
Und jetzt bin ich gleich bei dir, wie versprochen, mit Sachen für die Nacht und meinen Schulsachen und einer deiner Freunde wird mich zur Schule fahren, morgen Früh.

Ole, Sonntag, 05.06.2011, 18:30 Uhr, in der WG, wieder mal beim Abendbrot, das heute von Kevin und Wolfi beim Chinesen bestellt und geholt wurde.

Finn hat rechtzeitig zu mir gesagt, das der Jeremy, der, der ja neulich schon mal hier war, heute Abend wieder bei uns Besuch ist und auch wohl über Nacht bei Finn bleibt und der dann folglich auch mit uns isst.

Da hat sich ganz offensichtlich was ereignet zwischen den zweien, denk ich mal. Der Junge hat wohl irgendwas erlebt, das ihn sehr belastet und vielleicht hat er sich Finn etwas geöffnet und erzählt, was ihn bedrückt.

Außer den beiden, Finn und Jeremy, sind hier heute Abend Wolfi und Kevin, Frank und ich, so wie Mike und Dirk und Ralf und Lex. Ebenfalls dabei natürlich Jerome und Sergej und auch Paul und Rolf sind heute mit dabei.

Rolf hat morgen frei und pennt mit Paul hier bei uns heute. Robin und sein Roland sind mit dem Roller da und essen auch mit uns, nachdem sie zu Hause angerufen haben, dass sie hier zum Essen bleiben.

Wir wollen noch ein Zeltlager für die zweite Juliwoche planen, mit Fete zu einigen Anlässen. Dann sind Semesterferien und Schulferien und wir richten uns nach den Jungs, die einen Job haben und deutlich weniger Urlaub als es die Schüler haben. Ein mehrtägiger Ausflug mit dem Schiff nach Hamburg hatte Jerome ebenfalls ins Spiel gebracht.

Übermorgen hat Lis Geburtstag, sie wird einundvierzig und Noah und Enrico kennen sich dann genau ein Jahr. Am 24.04. war ich ein Jahr out und meinen Frank kenne ich seit dem 28.04. 2010, als ich nach meinem Fahrradunfall in die Klinik kam. Er war da Zivi auf der Chirurgie und auch Torsten war damit in meinem Zimmer.

Armin und Denise sind seit 24.04. letzten Jahres zusammen, Jerome und Sergej sahen sich in der Klinikcafeteria am 26. April 2010 zum ersten Mal und seit dem Unfall kenn ich Frank und kurz drauf waren wir zusammen.

Ein Jahr, wie schnell es doch vergangen ist und es ist ja auch einiges geschehen, seit der Kellerparty bei Armin. Unser Kreis ist ganz schön gewachsen und jetzt, heute kommt wohl der Jeremy auch dazu, sowie vor kurzem Finn und Philipp, letzterer ist nun mit vierzehn Jahren der Jüngste in unserem tollen Kreis.

Ralf ist mit fast siebenundzwanzig Jahren der Älteste unter uns, aber der Unterschied von fast dreizehn Jahren ist für uns nichts negatives, Streit, so richtig, gab es eigentlich noch nie und in unserer stillen Hierarchie wird nach demokratischen Regeln miteinander umgegangen.

Das hat sich gut bewährt und das wollen wir auch im Vereinsvorstand so halten. Die Erwachsenen haben uns sehr unterstützt, uns den Rücken gestärkt und sie fühlen sich mit uns allen sehr verbunden.

Hinzu kommt der Konzern im Hintergrund, durch den so vieles, was sonst schwierig wäre, problemlos möglich ist. Wer möchte, kann darauf bauen, einmal nach Ausbildung oder Studium einen ordentlichen Arbeitsplatz zu bekommen, wenn er das denn will.

Nun aber zum Essen.

Chinesisch…….hmmm, leckel, Del Duft der geblatenen Ente und der fünf Köstlichkeiten steht im Laum, die Flühlingslollen sind heute schalf, Wolfi und Kevin benutzen die Essstäbchen und vol jedem liegt auch, in Folie velpackt, ein Glückskeks. Die welden nach dem Essen ausgepackt und die Zettel von jedem laut volgelesen. So will es das Gesetz…  Alte chinesische Weisheit.

Themen beim Essen sind nach wie vor Halle und Training und auf meine Frage hin sagt dann Jeremy, das im das Training und der Verein sehr gut gefallen. Robin meint dann: „Der Finn, der gefällt dir aber auch sehr, oder?“ Nun wird Jeremy rot, schluckt, schaut dann Finn an und nickt, sagt leise: „Ja, das hast du gut beobachtet.“

Finn, nun auch etwas rot, strahlt den Jeremy an und dann wieder der etwas vorlaute Robin: „Wenn man sich mag, dann darf man sich hier bei uns ruhig auch küssen“ und er gibt Roland einen Erdnuss-Saucen-Entenkuss auf den Mund.

Stille……und dann küssen sich Kevin und Wolfi und alle von uns folgen und nun hält der Finn dem Jeremy einfach mal seinen Mund hin. Langsam, wie in Zeitlupe kommt Jeremy dem Finn entgegen und ein zarter, keuscher Kuss zwischen den Beiden kommt zu Stande, hält ein paar Sekunden, bevor sie sich wieder normal hinsetzen.

Das hatte für mich etwas sehr intimes, obwohl beide den Mund geschlossen hatten, sah es einfach liebevoll aus und ich hatte den Eindruck, dass es für beide, so vor uns allen, ein großer Schritt in etwas Gemeinsames war und das beide einen großen Sprung nach vorn gemacht haben

Im Nachhinein ziehe ich meinen Vorwurf, den ich innerlich Robin gemacht habe, wieder zurück. Er hat, wie schon einmal in der Vergangenheit, einen Schubser gegeben, mit dem Vorsatz, anderen zu helfen und das Ergebnis werte ich, so wie bei Alex Brunner und Markus Meinle, durchaus als positiv.

Auch Finn und wohl besonders Jeremy wissen jetzt, dass sie in unserem Kreis keine Vorbehalte haben müssen, wenn sie sich küssen wollen. Das es für beide, vor allem Jeremy, nicht so leicht war und ist, das wird sich in der nächsten Zeit bestimmt etwas ändern.

Sich nicht verstecken zu müssen mit seinem Freund, das ist nicht selbstverständlich in unserer Gesellschaft und es hier zu können, ist für uns alle toll. Im Laufe unseres ausgedehnten Essens, erfahren wir dann von Jeremy, das er mit seiner Mama beim Opa auf einem großen Bauernhof, acht km südlich von Bremen wohnt, aber in Berlin geboren und aufgewachsen ist.

Im Gegenzug erfährt er auch einiges über uns, unter anderem auch, wer mit wem zusammen ist. Kevin ist es dann, der nach Flüstern mit Wolfi durchblicken läßt, das er und auch Wolfi vor einiger Zeit schlimme Erfahrungen machen mussten und das sie erst nach dem Austausch ihrer Geschichten richtig zusammen gekommen sind.

„Wir haben uns alles von der Seele geredet und erst danach waren wir dann bereit, es gemeinsam zu versuchen und heute könnte ich ohne meinen Kai, so heißt Wolfi nämlich richtig, nicht mehr Leben.“

Ein langer Kuss, mit Entengeschmack, besiegelt seine Ansage. Ich glaube, das er Jeremy das Gefühl geben wollte, nicht allein ein böses Erlebnis gehabt zu haben, obwohl es ja nur eine Vermutung der Beiden ist.

Jeremy schaut etwas gequält zu Kevin, nickt ihm zu und sagt leise: „Es ist lang her, an der Zeit, es zu endgültig und richtig zu verarbeiten. Mit Finn zusammen und in eurem Kreis kann und werde ich es bestimmt bald schaffen.

Später irgendwann kann ich es ja vielleicht sogar erzählen, was bisher nur meine Mama, Otto, mein Psychologe, Opa und Oma und seit gestern Nacht auch Finn weiß. Ich habe mit Finn in der Pferdebox geschlafen und meinem Pferd noch einmal alles erzählt.

Finn war wohl wach und hat alles mitgehört. Er ist der erste Junge, der das alles nun weiß und da er nicht weg gelaufen ist, denke ich, nein, wünsche ich, das wir zwei jetzt ein Zusammensein versuchen.“

Rot im Gesicht dreht er sich zu Finn und dieses mal hält er im seinen Mund hin. Wieder ist es ein eher scheuer Kuss aber jeder hier, denk ich, spürt, das es der Anfang eines gemeinsamen Weges ist, den die Beiden trotz der schwierigen Situation gehen wollen. Wo immer wir können, werden wir die Zwei unterstützen.

Da für Morgen schönes Wetter angesagt ist, werden die Studenten mit den Fahrädern zur Uni fahren. Sergej legt Finn den Autoschlüssel des zweiten Kombis hin und sagt: „Du kannst den Kombi nehmen und Jeremy in die Schule bringen, bevor du zu deiner Arbeit fährst. Wir brauchen den Wagen nicht und wenn du am Nachmittag zurück kommst, stell ihn einfach wieder unten ab und gibst mir den Schlüssel zurück oder häng ihn an den Haken im Flur.“

Finn bedankt sich und da wir mit Essen fertig sind, geht er mit Jeremy in sein Zimmer.

„Wann wollt ihr denn frühstücken?“, fragt Jerome, der mit Sergej Küchendienst hat morgen, „wir frühstücken ab viertel vor sieben und um halb acht sind außer Mike und Kevin, der Mittagschicht hat, alle weg. Kommt einfach dazu und ein Brötchen für Arbeit und Schule ist auch drin.“

„Ok, Danke“, sagt Finn, „wir sind dann da in der Frühe.“

Sie werden bestimmt noch reden wollen über alles, jetzt in seinem Zimmer, denk ich. Reden über sowas ist schon wichtig und es nimmt viel von der Last, die einem auf der Seele liegt.
Damals, als mein Vater verunglückte, haben wir zu Hause oft über alles geredet und auch mit Armin und Denise habe ich viel geredet und es hat mir sehr geholfen.

Jeremy, Montag, 06.06. am Nachmittag, 16:30 Uhr, mit Ferdi auf dem Weg zum Waldsee.
Es ist warm, ich habe eine Badehose drunter und auch ein Handtuch dabei, wenn das Wasser nicht zu kalt ist im See, werde ich mit Ferdi und Arko ins Wasser gehen. Es war ein sehr ereignisreiches und für mich gutes Wochenende und ich sage mal ganz vorsichtig, das Finn und ich jetzt zusammen sind.

Auch wenn vieles noch nicht geht bei mir, werden wir uns bemühen, uns näher zu kommen und irgendwann mal wie der Kevin und sein Wolfi zu werden oder die anderen Paare dort in der WG und im Verein.

Wir haben uns am Samstagabend geküsst, vor all den Jungs, das ich das geschafft habe, macht mir Mut und Mama, die war platt und hat dann sogar zwei Tränchen gedrückt und danach mich erst mal. Sie mag den Finn, hat sie gesagt und glaubt, dass wir es hin kriegen, was immer sie auch damit meint.

Sicher habe ich immer noch große Angst vor zu viel Nähe, weiß nicht, wie ich auf intimere Berührungen reagiere, vor allem, was meinen Po angeht. Irgendwann wird er ihn dann ja auch mal nackt sehen, denke ich, wenn ich dazu bereit bin.

Mein Po mit den üblen Narben, ich hoffe, er kann das irgendwann mögen, obwohl es ihn immer wieder daran erinnern wird, was mir wiederfahren ist. Es wird nicht einfach werden und Otto hat am Samstag gesagt, ich soll mich zwar Finn gegenüber öffnen, aber ich soll bestimmen, wie es abläuft.

Von der Zeit her und auch, was ich ihm an Details über mich anvertraue. Mit der Zeit soll er schon alles wissen, so wie ich auch alles über ihn wissen will. Ich muss ihm sagen, dass es bestimmt dauern wird, bis wir uns richtig nah kommen.

Ich denke, das ich mit ihm alle Ängste und meine Scheu irgendwann hinter mir oder besser, hinter uns lassen kann. Ich hoffe doch, dass wir uns dann vorbehaltlos lieben können und auch körperliche Nähe, sprich Sex, zwischen uns sein wird.

Die Frage ist halt, wann wird das sein und dauert es ihm nicht zu lang, bis ich bereit bin dazu. Mama meint, wenn er mich echt mag, mich liebt, dann wird er auch Geduld mit mir haben und mich zu nichts drängen. Ich vertraue ihm jetzt einfach mal und hoffe so sehr darauf, dass alles gut wird mit uns.

In seinem Zimmer haben wir noch lang geredet, über mich, über ihn, über Gefühle allgemein und auch etwas über unsere Wünsche für die Zukunft. Er will mit mir zusammen kommen, so richtig, ist genauso verliebt in mich, wie ich in ihn.

Auf dieser Basis wollen wir aufbauen und unsere Gefühle sind schon stark füreinander. Mehrere zarte Küsse haben das im Laufe des Abends untermauert und nach dem ich im Bad, er im Zimmer, in die Schlafkleider geschlüpft sind, haben wir in dem Doppelbett, jeder auf einer Hälfte, mit den Gesichtern zueinander doch recht dicht zusammengelegen.

Von ein paar zarten Küssen unterbrochen haben wir dem jeweils anderen von uns erzählt und jetzt wissen wir schon recht viel über uns. Mit einem warmen und guten Gefühl bin ich dann irgendwann eingeschlafen und erst, als er mir seinen warmen Atem ins Gesicht geblasen hat um halb sieben in der Früh, bin ich aufgewacht.

Ihn zu sehen, noch schlaftrunken und verstrubbelt, war toll und mein vorgereckter Mund musste dann auch nicht lang auf seinen warten. So wach zu werden, das hat was, das gefällt mir und es hat mir auch Mut gemacht, was unsere Zukunft betrifft.

Ich habe ihm am Abend sogar von unserer Berliner Zeit erzählt, von dem Mann, der mal mein Vater war und der jetzt schon fast vier Jahre im Gefängnis sitzt und noch einige Jahre vor sich hat.

Er war immer so ein bisschen der Macho, ein Sonnyboy, der auf der High School als Baseballass wohl sehr beliebt war. Er wollte auch immer, das ich Baseball spiele aber ich wollte lieber Tischtennis spielen, ein wenig schwimmen und damals schon gern Reiten, Dinge, die er nicht mochte und nicht wollte und zu denen er mich auch niemals begleitete.

Das tat immer Mama und er nannte mich oft Memme oder Muttersöhnchen. Mama nahm mich immer in Schutz und später, ich war schon zwölf, stritten sie manchmal sogar wegen mir.
Als dann der Krebs kam und Mama nach der OP eine Anschlussheilbehandlung machte, war ich seinen Sticheleien schutzlos ausgeliefert und es eskalierte ja dann an meinem Geburtstag, an dem ich mich blöderweise bei ihm outete, anstatt damit zu warten, bis Mama zurück war.

Mir wäre das schrecklichste Erlebnis meines Lebens dann wohl erspart geblieben.
Hier an dieser Stelle hat er mir sanft durch meine Haare gestrichen und mich zart geküsst, der Finn und es ging mir danach gleich besser.

Jetzt bin ich am See oder ist es noch ein Weiher? Rund hundert Meter lang, etwa halb so breit, ungefähr oval, wird er aus mehreren im Boden liegenden Quellen gespeist. Er liegt versteckt und geschützt und erwärmt sich schnell im Sommer.

Fische gibt es in ihm, wir angeln aber nicht und gegen zu viele Fische hat sich ein Otterpärchen hier niedergelassen. Die Otter kriegt man aber nur selten zu Gesicht, weil sie sehr scheu sind.

Antje und ich haben schon öfter hier gebadet, nach den wir her geritten waren, sie meist nackt, ich immer mit Hose, wollte halt nicht, dass sie die hässlichen Narben sieht. Da sie weiß, dass ich schwul bin, hatte sie auch keine Scheu, sich vor mir aus zu ziehen.
Ich halte an, steige ab und lass Ferdi trinken.

Jetzt muss ich ihn wohl absatteln, damit er auch ins Wasser kann, in dem Arko bereits munter rumschwimmt. Den Sattel lege ich auf den Baumstumpf, den ich immer zum Aufsitzen benutze.
Dem sattellosen Ferdi geb ich einen Klaps und dann geht er auch ins Wasser. Shorts und Shirt fliegt auf den Sattel und ich folge meinen Vierbeinern in das doch noch etwas kühle Wasser und schwimme ein wenig umher.

Auf Ferdis Rücken sitzend, verlassen wir das Wasser und ich trockne mich ab. Eine Unterhose habe ich vergessen, also ziehe ich meine Shorts so an. Mit dem Handtuch reibe ich dann auch Ferdi ab, bevor ich nochmal aufsattel.

Arko schüttelt das Wasser aus seinem Fell und als wir fertig sind, geht es in leichtem Trab zurück zum Hof. 18:30 Uhr gibt es Abendbrot bei Oma unten. Danach werde ich lange mit Finn telefonieren, in den ich nun wohl hoffnungsvoll verschossen bin.

Es ging eigentlich schon in der Halle los, bei dieser Eröffnungsveranstaltung. Danach war er in meinem Kopf, jetzt hat er sich wohl schon in mein Herz geschlichen. Hoffentlich reicht mein bisschen Mut aus, um mich ihm bald zu erklären, ihm zu sagen, wie sehr ich ihn schon mag.
Ich wünsche mir sehr, dass er ähnlich fühlt, was mich angeht. Er wäre schon jemand, mit dem ich aus meinem Loch oder wie Mama sagt, Schneckenhaus, raus kommen könnte und mit dem ich eine gemeinsame Zukunft sehen möchte, obwohl das ja schon etwas früh ist, so zu denken. Aber ich denke und fühle halt so und hoffe, er auch.

Morgen ist wieder Training, wir werden uns sehen und ich werde noch mit zu ihm in die WG mit gehen. Mama kann mich dann da um 22:00 Uhr dort abholen. Ich freue mich so drauf und Samstag, da kommt er bestimmt wieder mit zu mir.

Dann werden wir oben bei mir schlafen, im Zimmer und nicht bei Ferdi, es sei denn, Finn möchte das wieder, mal sehen. Wenn Wetter ist, können wir ja zum See reiten. Finn kann dann vor oder hinter mir sitzen und da er ja auch nicht mehr als zehn oder zwölf Kilo schwerer ist, als ich, wird Ferdi das schon schaffen.

Vielleicht ist Finn ja auch mutig und reitet auf Mamas Pferd, dem Fridolin, einem um ein Jahr älteren  Bruder von Ferdi und genau der ist genauso gutmütig, wie dieser. Diese Entscheidung überlasse ich ihm aber wenn ich bedenke, dass er dicht vor oder hinter mir sitzt, so mit Tuchfühlung… ob ich das schaffe?

Das wäre eine große Herausforderung für mich, aber auch eine Chance, mehr Nähe zu zulassen und auf Ferdis Rücken, da fühle ich mich eigentlich immer geborgen und mutig bin ich da ja auch.

Ich lass es auf mich zukommen, will auch jetzt nicht mehr kneifen, weil es um Finn geht, der mir schon soo viel bedeutet. Nun sind wir zurück und nach dem ich abgesattelt habe, lass ich Ferdi noch ein wenig auf die Hauskoppel.

Später, gegen 21:00 Uhr werde ich ihn dann in seine Box bringen. Nun gehe ich aber schnell zum Essen, Oma und der Rest warten bestimmt schon auf mich.  Alle haben schon gemerkt, das etwas in Bewegung geraten ist bei ihrem Sorgenkind.

Mama hat bestimmt auch schon was erzählt aber das darf sie auch. Alle werden sich freuen, wenn ich wieder leben, fröhlich und glücklich sein könnte. Dass ich mich in einen Jungen verknallt habe, stört hier niemand, das haben wir mit der tollen WG, in der Finn wohnt, gemeinsam.

Als ich mit Mama herkam, war ich ein Wrack, physisch und psychisch zerstört, von dem Mann, der all die Jahre davor mein Vater war. Auch wenn er nicht alles, was ich machte gut hieß, so hat er doch auch positive Gefühle für mich gehabt und als ich noch ganz jung war, drei oder vier, da hat er auch gesagt, das er mich lieb hat und stolz ist auf mich.

Das er mir mal so etwas brutal Schlimmes antun könnte, damit habe ich niemals gerechnet, sonst hätte ich mich nie geoutet vor ihm allein. Mir war zu keinem Zeitpunkt vorher beweist, das er so homophob sein könnte.

Das Thema Schwule oder wie die Amis abwertend sagen, Fagotts, war nie Gegenstand unserer Gespräche zu Hause und ich wusste bis zum vierzehnten Lebensjahr nicht viel darüber.
Als mir dann bewusst wurde, so nach und nach, das ich wohl einer dieser Fagotts sein würde, war ich irritiert, durcheinander und es dauerte fast ein Jahr, bis ich mir ganz sicher war, schwul zu sein.

Erst hier in Bremen nahm die Familie es hin, machte nie ein Aufheben daraus und die Ereignisse in Berlin sorgten für Entsetzen. Oma war es, die mich dann zu Otto brachte. Otto war der Sohn einer Schulfreundin von Oma und hatte wohl einen sehr guten Ruf als Psychologe.

Durch Omas Bekanntschaft gab es dann auch keine großen Wartezeiten und Otto hat mit gut getan, auch oder vielleicht gerade, weil ich kein pflegeleichter Patient, sondern öfter auch mal aufmüpfig und stur sein konnte.

Im Laufe der letzten Jahre lernte ich aber seine Hilfe, seine Art und seine Empathie für mich schätzen und ohne ihn weiß ich nicht, wo ich heute wäre. Finn und ich haben heute schon öfter miteinander geschrieben und später, aus dem Bett heraus werde ich ihn anrufen, das habe ich fest versprochen.

Morgen sehen wir uns im Training und am Samstagabend, fahren wir nach dem Training noch mal zu uns hier her. Morgen Abend kann mich Mama dann um 22:30 Uhr in der WG abholen, er möchte nämlich, das ich wieder mit hin komme. Vielleicht bleibe ich auch einfach dort bei ihm, mal sehen. Mama hat da bestimmt nichts dagegen.

Kai, Donnerstag Morgen, 09.06., um 09:00 Uhr mit Lis, der Oma und Tante Frieda im Auto.
Martin fährt den Chef heute nach Emden und beide kommen erst gegen Abend zurück
Gestern hatte die Chefin Geburtstag, einundvierzig ist sie geworden. Groß gefeiert wurde aber nicht, das soll dann an einem der kommenden Wochenenden geschehen, wohl im Freien, mit all den jungen Leuten zusammen, da gibt es ja auch einiges zu feiern, was wegen Sergejs Oma und der Beisetzung nach Hinten verschoben wurde.

Gezeltet soll dann auch werden und im Juli, in den Ferien, wollen fast alle mit Alwin und Gerry zu Alwins Opa fahren und eine Woche dort zelten. Ich bin gespannt, wie das wird.
Wir fahren jetzt nach Bremen, Die Chefin will für die schnell wachsenden Buben einige neue Kleider kaufen und Oma und die Tante wollten mit.

Vorher geht es noch kurz zu Alex Brunner, Frieda wird noch mal kurz untersucht. Es geht ihr wieder sehr gut und besser, als vor dem Infarkt. Die Zwillinge werden natürlich von allen verwöhnt und Oma und Frieda gehen bei trockenem Wetter täglich lange mit den Beiden im Park spazieren und nur, wenn sie nicht zu Hause sind, darf jemand anderes den Zwillingswagen schieben.

Der Fiffi ist dann auch immer dabei und nicht jeder Hund bekommt so viel frische Luft und Auslauf, wie der Kleine. Das Stricken haben Die Damen auf Lis Bitten hin vorerst eingestellt.
Meine „liebe“ und bekloppte Schwester will es wohl tatsächlich auf einen Prozess ankommen lassen. Das hat mir der Jens gestern Abend am Telefon erzählt.

Er ist mit seinem Giovanni, der seinen Abschluss in der Tasche hat, unterwegs, zunächst nach München, von dort dann nach Bremerhaven, wo sie bis morgen um 20:00 Uhr sein sollen. Da es erst Montag eine Rückfracht nach Iserlohn gibt, wollen sie uns wieder besuchen, was uns natürlich immer freut.

Kevin und Wolfi freuen sich schon sehr, bleiben dann auch bei uns und wir machen uns eine gute Zeit. Die beiden mögen Jens und seinen Partner sehr und umgekehrt ist das wohl auch der Fall. Sie würden gut zu den jungen Leuten hier passen, finden Martin und ich aber auch Wolfi und Kevin finden das.

Die „Waterfront“ ist erreicht und die Damen werden jetzt ausschwärmen und Kindersachen kaufen, während ich im Cafe auf ihren Anruf warte, um alles ins Auto zu tragen.
Die „Protze“ erfährt wieder die schon übliche Aufmerksamkeit.

Da pass ich immer etwas auf, drauf gespuckt wurde schon aber verkratzt noch nichts. Offensichtlich erregt er neben Staunen und Bewunderung in Einzelfällen auch Neidgefühle.Mein Kaffee kommt und eine der hier ausliegenden Zeitschriften wird mir über langweiliges Warten hinweg helfen.

Jeremy, Freitag, 10. 06., morgens in der WG beim Frühstück mit den anderen WG-Bewohnern
Freitag ist, nur noch einmal schlafen, dann ist wieder Training und Finn kommt ja dann mit zu mir. Nach dem Training am Dienstag war ich mit in der WG, war sogar mit in der Sauna und beim Schwimmen, allerdings nicht nackt, wie die anderen es waren.

Ich hatte gleich gesagt, das ich nicht ohne eine Pants oder Badehose mit kommen würde.
Oles Einwand, sie könnten ja auch alle was anziehen, wurde auch zunächst akzeptiert aber das wollte ich dann auch wieder nicht, weil sie, so Finn, immer nackt baden.

Die Aussicht auf so viele nackte Jungs, vor allem aber auf einen nackten Finn veranlassten mich, zu sagen, das mir ihre Nacktheit nicht viel ausmacht und so waren außer mir alle textilfrei, auch Natascha und Marie, die Paolo und Marvin ins Training begleitet hatten und dann auch mit zur WG gelaufen sind. Essen und dann Baden und Sauna, das gibt es wohl öfter hier.

Mal sehen, ob und wann ich das auch schaffe, nackt hier auf zu treten.
Das lange, große Saunatuch verhinderte um meine Hüften gewickelt, den Anblick meiner mir peinlichen Erektion und ausser Finn, denk ich, der ja direkt neben mir saß, dürfte es keinem aufgefallen sein, das mein Kleiner da unter dem großen Handtuch so rasant gewachsen ist.
Finn schien das unter dem Handtuch befindliche Teil zu gefallen, denn er schaute häufig auf die Beule unter dem weißen Frottee.

Das durch sein ständiges Hinschauen keine Entspannung dort eintrat, ist wohl klar und beim Abkühlen später zeigte ich allen nur meine Rückfront, bevor ich in den Pool hüpfte. Das kalte Wasser aus dem Schlauch hatte, gerade noch rechtzeitig, für eine Normalisierung in meiner weiten Badehose gesorgt.

Später, in Finns Zimmer, er hatte in der Küche zwei Bier geholt, plante ich mit ihm den Samstag, weil er ja dann wieder zu uns kommen und bleiben will. Zuerst konnte ich ihn überreden, bis Sonntag zu bleiben, was allerdings nicht schwer war. Er freut sich drauf, hat er gesagt und ich mich natürlich auch.

„Hast du schon mal auf einem Pferd gesessen“, hab ich ihn dann auch noch gefragt und er erzählte, das er da keine Erfahrung hat aber auch keine Angst vor großen Tieren.
Ich erzählte ihm von Mamas Fridolin und das der sehr geduldig und ruhig ist. Auf die Frage, ob er sich traue, sich auf den Bruder von Ferdi zu setzen und mit mir zum See zu reiten, sagte er: „Mit dir würde ich sogar auf einen Drachen klettern, erzähl mir mehr von Fridolin und von dem See und was ausser Baden tun wir dann dort.“

„Wir könnten mein Zelt mitnehmen, zwei Schlafsäcke und einen Picknikkorb“, sagte ich,
„dort können wir dann übernachten und auch im Wald umher reiten. Dort sind gute Wege und da kommt auch so gut wie nie einer hin. Wenn es dunkel wird, machen wir uns ein kleines Lagerfeuer vor dem Zelt.“

OK, hat er gesagt, das klingt nach einem guten Plan und wenn ihm Jerome noch mal ein Auto leiht oder ein anderer von den Jungs, dann kann er ja auch bis Montag bleiben und die zweite Nacht könnten wir ja bei Ferdi oder in meinem Zimmer schlafen.

Jetzt fährt er gleich zur Arbeit mit Ole und Frank im Auto und ich werde von Wolfi mit zur Schule gefahren, wenn er Kevin jetzt gleich ins Hilton fährt.
Wir, Finn und ich, haben uns oft und auch schon etwas intensiver geküsst und auch unsere Zungen kennen jetzt einander. Streicheln über dem Shorty, auch schön.

Das sind schon tolle Gefühle und ich verliere auch langsam die Angst vor der Nähe zu ihm, mehr ist es aber nicht geworden. Für mich war es schon ein Riesenschritt, ihn so zu küssen, mehr noch, mich so küssen und streicheln zu lassen.

Es hat mir sehr gut gefallen aber die Angst vor mehr sitzt tief. Ich habe mich auch nicht getraut, unter sein Shorty zu fahren und seinen Bauch und seine Brust zu streicheln. Vielleicht schaffe ich das ja im Zelt, Samstagnacht, mal sehen.

Ich nehme einfach nur einen großen Schlafsack mit, in den wir dann beide rein müssen, hoffentlich packe ich das auch dann. Ein kleiner Kuss jetzt hier vor den Anderen, eine kurze Umarmung, dann ist er erst mal weg und auch ich muss jetzt mit Wolfi und Kevin los.

Bis zum Training Morgen am Nachmittag, Mama holt mich an der Schule ab, werden wir nur per Smartphone Kontakt haben. Zu Hause werde ich unser Zelten und das Picknick vorbereiten, mit Mamas und Omas Hilfe wird das bestimmt ein tolles Picknick werden.

Ich muss ihm schreiben, ihn fragen, will wissen, was er denn gerne essen möchte dort am Wald. Ich bin gespannt, was er da antwortet.

Finn, Freitag, 10.06., auf der Arbeitsstelle, gegen 10:00 Uhr beim Zeichnen.
Bereits kurz nach meinem Eintreffen hier kam eine Nachricht von Ihm. Er wollte wissen, was ich bei unserem geplanten Picknik dort am Waldsee essen möchte.

Ich schrieb zurück: „ Ich mag so ziemlich alles und ich lass mich da auch gerne überraschen. Nimm doch einfach mit, was dir schmeckt, dann weiß ich das schon mal, es wird schon passen. Für den Abend wäre natürlich ein Bier nicht schlecht aber ich weiß ja nicht, was und wie du alles mitnehmen kannst auf dem Pferd.“

Mein Juniorchef sieht es nicht so gern, wenn man während der Arbeitszeit mit dem Handy schreibt und seine hochgezogene Augenbraue zeigte mir, dass er mich wohl beim Schreiben beobachtet hatte.

Als ich zu ihm hinüber schaute, schüttelte er leicht mit dem Kopf und so beließ ich es bei dieser einen Antwort an Jeremy, um keinen Ärger zu bekommen. Freitags ist immer un 14:00 Uhr Feierabend und es gibt dann auch keine extra Mittagspause mehr.

Dann kann ich ihm ja immer noch schreiben. Ole, der heute auch um 14:00 fertig ist auf der Uni, holt mich hier ab. Er will dann mit mir noch Sachen für die WG einkaufen, das haben wir so abgesprochen heute Morgen.

Ole, mit dem verstehe ich mich fast so gut, wie es mit Marvin ist, obwohl ich ihn ja noch nicht so lange kenne. Eigentlich sind alle sehr nett zu mir und alle haben meinen Einzug dort begrüßt und sie unterstützen mich. Das ist echt ein toller Haufen und ich bin froh, bei ihnen gelandet zu sein.

Mama hat, so hat es Torben mir geschrieben, viel Stress mit Papa und auch er selber muss ständig aufpassen, um keinen Ärger zu bekommen. Mama soll sich einfach trennen aber das passt wohl nicht mit der Religion zusammen, denk ich mal.

Für mich ist das nur schlecht nach vollziehbar, da ich da nichts mehr von hören und sehen will. Götter sind einfach nicht mehr zeitgemäß, finde ich und in der WG ist auch keiner fromm und religiös.

Ich bin jetzt mit dem Auftrag soweit fertig und sage dem Juniorchef, das ich fertig bin. Er schaut sich meine Arbeit genau an, ist nach längerer Kontrolle zufrieden und sagt: „ Roll die Zeichnung bitte ein und bring sie zu Herrn Marquardt. Der soll drei Kopien davon machen, alles in eine Papprolle machen. Die schicken wir dann per Kurier ins Büro des Architekten Knauer.
Das Original bleibt bei uns und kommt ins Archiv, du musst das noch mit Datum von heute signieren. Frau Sieger gibt dir dann den nächsten Auftrag, der soll bis zum Donnerstag nächster Woche fertig sein.“

Das mache ich jetzt nacheinander fertig und um zwölf werde ich wohl mit dem neuen Auftrag beginnen können. Dann ist ja auch bald Schluss. „ Kannst du nicht heute zwei Stunden länger bleiben, Finn?“, fragt er mich jetzt.

„Ich werde um 14:00 Uhr 10 abgeholt von einem Freund“, sage ich darauf hin zu ihm, „ich wohne ja seit kurzem nicht mehr zu Hause sondern in einer WG „In den Hufen“. Da komm ich mit dem Bus nicht gut hin und mein Fahrrad steht noch bei meinen Eltern im Keller.“

„Ich fahre dich um 16:00 oder 17:00 Uhr, wie du willst, dort hin und bezahle dir 7,50 Euro cash je Überstunde heute, wenn du bleibst. Wenn du dann Morgen früh auch noch Zeit hättest, kann ich dich auch um halb 8 Uhr dort abholen. Bis um 13:00 Uhr gibt es dann noch mal 10,- Euro pro Stunde, weil Samstag ist.“

„Ich muss meinen Mitbewohner anrufen oder anschreiben, ob das OK ist“, sag ich, „wir wollten zusammen noch einkaufen nach der Arbeit. Wenn Ole das allein hin kriegt, dann bleib ich und das mit Morgen geht dann auch klar.“

50 Euro und heute 22,50, das ist doch nicht schlecht, denk ich. „Mach das bitte und sag mir Bescheid, wenn es geht“, sagt er und geht zurück an seinen Platz. Es kommt relativ selten vor, das ich länger machen soll oder am Samstag kommen soll und ich bin da auch eigentlich nicht abgeneigt, da es immer Geld cash gibt und in der Vergangenheit war ich mit der Aufbesserung des nicht sonderlich üppigen Taschengeldes immer sehr zufrieden.

Wenn es mit Jeremy etwas Ernstes wird, was ich mir sehr wünsche, dann muss ich sehen, wie und wann ich noch Überstunden machen möchte. Es ist schon etwas verwunderlich, wie so ein „Verliebt sein“ deinen Alltag beeinflusst und du das auch als gegeben ansiehst.

Er, Jeremy, hat nun bei allem, was ich mache, denke und fühle einen Platz eingenommen in meinem Leben. Alles, was uns in irgendeiner Form zusammen bringt, was uns ein „Wir-Gefühl“ vermittelt, ist vorrangig vor allem Anderen und das ist schlichtweg verwunderlich. Da kommt so ein Hübscher und….Bumm…., ist alles anders.

Das ist geil, obercool und doch auch neu und, ja, gewöhnungsbedürftig, aber auch einfach nur toll. Gefühle von nie gekannter Intensität, das Gefühl, dass da jemand ist, den du ganz doll magst und der dieselben Sympathien und Gefühle auch für dich empfindet. Das Bedürfnis, mit ihm zusammen zu sein ist schon ausgeprägt, Emotionen übernehmen dein Denken und Handeln, bei allem, was du tust, ist er immer im Hinterkopf, beeinflusst bewusst oder unbewusst dein Handeln und Denken, das ist schon etwas ganz Großes, finde ich.

Jetzt trage ich die Zeichnung zum Kopieren, dann rufe ich Ole an und frage, ob er auch ohne mich zum Einkauf fahren kann- kann er. Also sage ich dem Junior zu, das ich heute und Morgen mehr arbeiten werde. Das freut den natürlich sehr und so hole ich mir bei Frau Sieger den nächsten Auftrag.

Es sind die Zeichnungen für den Bau eines Einfamilienhauses, die ich vom bemaßten Skizzenstadium des Architekten zur Bauzeichnung anfertigen soll, alles auf Din Null, also ziemlich groß. Und auf geht es. Vorher schreibe ich noch ein: „Ich mag dich sehr und freue mich auf Morgen“, an Jeremy, der auch bald zurück schreibt, das er mich auch mag und sich freut.
Das vermittelt mir ein gutes Gefühl und so geht auch die neue Zeichnung gut voran.
Um kurz vor zwei Uhr kommt dann der Junior und schaut, was ich gemacht habe.

„Das sieht ja schon sehr gut aus“, sagt er, „wenn du bis Mittwoch zum Feierabend fertig bist, gibt es einen Zwanziger extra. Jetzt pack zusammen, ich fahre dich zu deiner WG.“

Zehn Minuten später sind wir auf dem Weg dorthin.

„Wohnen dort noch mehr schwule Jungs?“, will er unterwegs wissen, “du bist doch auch schwul, oder lieg ich da falsch.“

Mein Rotwerden ist wie eine Antwort aber ich sage nichts dazu.

„Ich mag auch lieber Männer“, sagt er und legt eine Hand auf meinen Oberschenkel. Das bestätigt meine Vermutung.

Was wird denn das jetzt, will er mich an machen. Vorsichtig, aber bestimmt schiebe ich seie Hand weg und sage: „Ich möchte das nicht, ich habe einen Freund.“ „Dann nicht“, sagt er und grinst, „heute Abend geht es dann eh rund, Party bei einem Bekannten mit mindestens acht Leuten, da geht es so richtig zur Sache.“

„So etwas gibt es nicht bei mir und auch nicht in der WG“, sag ich, „bei uns sind alle fest zusammen, jeder mit seinem Partner. Alles andere läuft da nicht und das ist auch gut so.“

„Na ja,“, sagt er, „ich und meine Freunde lieben halt die Abwechslung, Beziehungen stressen nur auf Dauer und halten oft auch nicht ewig. Sex muss aber schon sein und das haben wir auch, so oft es geht.“

Ich bin froh, dass wir jetzt da sind und ich aussteigen kann.

„Zeigst du mir mal die WG?“, fragt er.

„Da ich erst kurz hier wohne, möchte ich das nicht, ohne vorher zu fragen“, sag ich und steige aus.

„Dann frag mal, vielleicht kann ich dann Morgen mal schauen, wie ihr und wer hier wohnt.“

„Bis morgen um halb acht“, sag ich und werfe die Türe seines schwarzen BMWs Z3 zu.

Zügig gehe ich die Treppe nach oben. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, werde Ole und Jerome fragen, was ich tun soll. Es ist jetzt 17:20 Uhr und oben laufen die Vorbereitung für das Abendessen. Enrico und Noah sind mit Mike in der Küche und schaffen dort.

Ole sitzt am Esstisch und schreibt die Einkäufe in sein Notebook. Ich warte kurz, bis er fertig ist, dann erzähle ich ihm, was mir da gerade so einfach passiert ist. Dirk kommt rein und setzt sich zu uns und hört ebenfalls aufmerksam zu.

Ole, Freitag, 10.06., 23:30 Uhr mit Frank auf dem Bett in der WG

Verschwitzt und ein bisschen ausgepowert liegen wir beide, mein Frank und ich, auf dem Rücken, nach dem wir uns mehr als eine gute Stunde sehr intensiv und feucht mit einander beschäftigt haben.

Nach dem wir mit allen, die heute hier waren, das tolle Essen von Enrico und Noah gegessen haben, Mike hat auch geholfen, sind wir nach einem Agentenfilm auf unser Zimmer um uns ganz lieb zu haben.

Jetzt gehen wir zunächst mal unter die Dusche, voraus gesetzt, das Bad ist jetzt wieder frei, weil Jerome und Sergej wohl ihren Abend genau so genossen haben, wie wir es getan haben.

Jetzt klopft es von innen an die Badezimmertüre und Sergej ruft: „Das Bad ist frei.“

Unsere Tätigkeiten miteinander sind Sergej und Jerome nicht entgangen, wir waren, wie sie, nicht leise. Den Geräuschen von vorhin nach zu urteilen, waren sie wohl beide in der Wanne aber nicht nur zum Baden. Da nun frei ist, gehen wir und beim Duschen setzen wir dem befriedigenden Abend noch ein Handarbeitskrönchen auf… geil.

Wieder im Bett, erzähle ich Frank von Finns Erlebnis mit seinem Juniorchef, der ihn zuvor wohl zu einer Mehrarbeit an diesem Wochenende überredet hatte. Ich erzähle, dass er im Auto wohl leicht handgreiflich geworden sein muss, das er sich quasi geoutet hat und auch von wilden Partys geredet hat.

Zum Schluss, hier auf dem Hof wollte er wohl, das Finn ihm die WG zeigt und auch die Leute, was dieser aber ohne unsere Genehmigung nicht tun wollte. Wir beide, aber auch Jerome und Dirk fanden Finns Reaktion Klasse und Jerome möchte auch nicht, das Finn ihn morgen mit hoch bringt.

Um Finn nicht unnötig in Schwierigkeiten zu bringen, haben wir abgemacht, das ich ihn morgen um kurz vor eins einfach an seiner Firma abhole. Das soll er seinem Chef dann früh genug sagen, das er von mir abgeholt wird und wir werden versuchen, das Fahrrad von Finn bei ihm zu Hause zu holen.

Finn hat dazu schon mit seinem Bruder geredet und der bringt das Rad zu einer Bekannten in der Nachbarschaft, wenn seine Eltern morgen zu einkaufen fahren in der Frühe. Das passt doch gut, finden wir, weil dann er mit dem Fahrrad auch zur Arbeit fahren kann und sein Chef hat keinen Grund mehr, ihn hier her zu fahren.

Finn, so scheint es, ist dabei, sich in diesen kleinen, sehr hübschen Jeremy zu verlieben und der wohl auch in ihn. Der Kleine hat ganz offensichtlich auch eine sehr üble Erfahrung gemacht in der Vergangenheit und hat das auch noch nicht verarbeitet.

Das ist für Finn schon eine große Herausforderung und Wolfi und Kevin haben sich angeboten, mit den Beiden mal über ihre Erlebnisse und deren Bewältigung zu reden. Das finden wir gut und Finn will dem Jungen morgen dieses Angebot näherbringen.
Er kann dann, nach Rücksprache mit seiner Mutter und seinem Psychologen entscheiden, ob und wenn, wann er das Angebot an nimmt.

Morgen nach dem Training fährt Finn mit zu ihm nach Hause auf den großen Bauernhof und bleibt wohl dort bis zum Montag. Ralf, der frei hat am Wochenende, überlässt Finn sein Auto, da Lex den SUV am Wochenende haben kann. Montag hat Ralf Mittagsschicht.
Jerome hat ja noch einen Kombi gekauft und den wollen sie ja nun auch bald in Radebeul abholen.

Zugelassen ist der schon, Sergejs Opa hat die Papiere geschickt und Martin hat ihn angemeldet, hier in Bremen. Auch die anderen zwei Skodas sind jetzt nach Bremen umgemeldet.
Armin und Denise fahren morgen früh nach Berlin, eine Wohnung anschauen. Die Tante Frieda hat das vermittelt, hat wohl selber dort noch Eigentum. Beide wollen nicht hier in Bremen studieren, was mich ein bisschen traurig stimmt.

Beide sind halt meine mit Abstand ältesten Freunde und waren eigentlich fast immer für mich da. Nach Chris und Matze verlassen sie nun auch heimische Gefilde und ziehen in die Hauptstadt kurz vor Studienbeginn.

Gut, das Dirk und Mike hier bleiben und auch Lex und Ralf schreiben sich hier in Bremen ein. Der Trainingsbetrieb läuft noch nicht so optimal. Wir müssen am Wochenende mal die Möglichkeiten ausloten, für die Halle und auch für das Studio, um einen echt optimalen Trainingsablauf zu bekommen und soweit wie möglich alles gut zu koordinieren.

Die altersmäßige und auch leistungsgerechte Einbindung der Leute in entsprechende Trainingsruppen will Alwin auf jeden Fall noch verbessern. Die Mitglieder, welche auch das Zeug für eine Wettkampfteilnahme haben, sollen dann auch gezielter gefördert werden. Vorrang hat aber der Sport für alle zum Erlernen der Fähigkeiten, sich selber wirkungsvoll zu verteidigen.
Einen oder zwei Leute, die Trainingseinheiten übernehmen können, müssen wir auch noch finden. Da ist Alwin schon auf der Suche und Robin hat dazu auch auf unserer Webseite einen Suchtext geschrieben. Alles braucht halt ein bisschen Zeit und bei den meisten ist ja auch noch Studium, Abistress und sonstiges, es läuft halt alles ziemlich stramm bei uns.
Jerome, Samstag,11.06., halb 9 Uhr in der WG beim Frühstücken

Wir, das sind mein Schatz und ich, Lex und Ralf, Dirk und Mike und Ole und Frank und auch Wolfi sitzen um halb Neun beim gemeinsamen Frühstück, von Ralf und Lex gemacht, und reden, Kevin ist schon früh mit dem Rad zur Arbeit.

Über Finn, seinen Chef und dessen Wunsch, hier rein zu schnüffeln, reden wir, über eventuelle Aktionen, gemeinsame mein ich, im Urlaub, über Zelten und Party bei Papa und Mama, über die WG-Besetzung zum neuen Studienjahr, einfach über alles, was uns bewegt.
Meine Überlegungen, das neue Auto in Radebeul vom Studentenhilfsdienst abholen zu lassen, findet Sergej nicht so doll.

„Was sollen meine Leute denn davon halten, das wir in den Semesterferien nicht selber zu ihnen kommen können?“, fragt er mich, recht hat er , „das würde nicht gut ankommen, also müssen wir das wohl persönlich abholen.“

„ Mit der Bahn in der Nacht, hin und mit dem Wagen zurück“, sagt Ole, „das ist doch nicht so aufwendig und dauert nicht lang.“

Ich denke mal, so machen wir das, wenn der Fahrplan das hergibt. Robin und auch Roland sind heute Morgen unterwegs, um einen Werbefilm zu drehen, den ersten zusammen. Es geht um Sportartikel, hat Robin gesagt und der Dreh ist hier in Bremen, in einem gewerblichen Studio.

Rolands Vater ist mit den Beiden dort hin und schaut, das alles gut läuft mit den Teenies. Heute Nachmittag beim Training werden wir Näheres dazu erfahren. Über einen Besuch von Finns Chef hier in der WG ist keiner begeistert und das werden wir auch so nicht anfangen. Wer uns hier besuchen darf, bestimmen wir.

Die Sache mit Finn und Jeremy interessiert uns da schon sehr viel mehr und wir wollen die Zwei bei ihrem Schritt hin in eine hoffentlich dauerhafte Beziehung unterstützen.
Ole will sich noch mit Matze und Chris abstimmen, wann wir unser geplantes Zeltlager am Baumhaus aber auch noch ein einwöchiges bei Alwins Opa machen wollen.

Der Opa hat uns über Alwin dazu eingeladen und wenn es genügend Interesse bei unseren Freunden gibt und es zeitlich passt, wollen wir das auch machen. Das mit Verein, Training und Studio zu koordinieren, wird nicht einfach sein und jetzt in der Startphase und da sind wir ja wohl noch, ist das nicht so gut. Mal sehen, wie wir das zusammen kriegen.

Da kommen schon einige Dinge zusammen und die neuen Verpflichtungen werden nicht wenige sein, die zu berücksichtigen sind. Ole und Frank wollen in der kommenden Woche versuchen, mal aus zu loten, wie wir die nächsten zwei Monate alles geregelt kriegen. Motto dabei, da sind wir uns einig, wird sein „Weniger ist oft mehr“, also lieber zwei Dinge gut machen als fünf Dinge schlecht.

Die Zwillinge zu Hause bei Mama werden immer süßer, lachen viel mit uns und schlafen brav fast jede Nacht durch. Mama wird nun, auf Grund dieser Tatsache, auch niemanden einstellen als Nanny. Mit Unterstützung von Oma, Frieda, Frau Jensen und Frau Gut, Natascha nicht zu vergessen, klappt alles bestens mit den Kleinen.

Papa nimmt sich auch mehr Zeit und geht Mama oft zur Hand, vor allem, wenn es mal in der Nacht sein muss. Oma und Frieda sind immer, wenn Wetter ist, mit den zwei Jungs im Park unterwegs und Martin hat sie mit dem Achter, wegen der Babyschalen, mit Kinderwagen in den Bürgerpark gebracht und nach zwei Stunden wieder abgeholt.

Auch die jungen Paten sind mindestens einmal in der Woche da und spielen mit den beiden oder fahren die Zwerge spazieren. Seit neustem steht Babyschwimmen mit Ralf und Lex mit auf dem Plan. Martin hat den Pool unten im Haus auf 32 Grad eingestellt und Mama ist dann auch immer dabei. Alles läuft gut und Langeweile haben sie nicht im Haus.
Finn, Samstag, 11.06., Morgens, 11:30 Uhr, noch beim Zeichnen

So, das Erdgeschoss des zu Zeichnenden Hauses habe ich jetzt ordentlich zu Papier gebracht, es ist schlicht und auch einfach gehalten. Eine klare Einteilung und die sehr genauen Angaben in der Skizze haben mir die Sache relativ leicht gemacht.

Nach dem mein Chef mich pünktlich abgeholt hat, habe ich um zehn vor acht, mit der Arbeit begonnen. Die Fahrt verlief ohne weitere Berührungen durch den Junior und die dunklen Ringe unter den Augen bei ihm ließen auf eine heiße Nacht und wenig Schlaf schließen.

Ob diese Rum- und Rudelfickerei einen Menschen, so er auch nur einen Rest Sensibilität hat, zufrieden stellen kann, bezweifel ich stark. Auch wenn ich fast noch keinen Sex mit jemand hatte, einmal hatten Marvin und ich mit 14 zusammen gewichst, jeder bei sich, würde so ein Rudelbumsen für mich nicht in Frage kommen.

Ich glaube, das trifft auf alle zu, die zu dem Freundeskreis gehören. Jetzt kommt er zu mir, schaut sich an, was ich gemacht habe heute Morgen.

„Das hätte ich heute Morgen nicht geschafft, nicht mit meinen etwas zittrigen Händen“, sagt er, „es war aber auch Hammergeil heute Nacht. Wie war es denn bei Dir, hast du auch gepoppt oder bist du eher noch voll die Jungfrau?“

Jetzt grinst er mich an. Ich werde natürlich rot.

„Wenn du mal ficken willst, sag mir einfachBescheid“, sagt er so, das nur ich es hören kann, „du darfst mich auch zuerst ficken.“

Spinnt der jetzt, sehe ich so notgeil aus. Gewiss, er ist schon attraktiv, aber Hallo, das ist doch echt daneben.“

Mit rotem Kopf sag ich: „Nee, lassen sie mal. Das ist nicht das, was ich möchte und wenn ich denn mal mit meinem Freund Sex habe, dann mit Liebe, in einer Beziehung. Zum Druckabbau kann ich ja immer noch wichsen.“

„Na, dann ist das ja geklärt, nix für ungut“, erwidert er, „das bleibt unter uns, verstanden. Wenn das zum Gespräch wird, werde ich stocksauer und das willst du echt nicht, oder?“

„Ok“, sag ich, „ aber kein weiteres Betatschen mehr und auch keine eindeutigen Angebote, dann und nur dann werde ich darüber kein Wort verlieren. Es ist jetzt zwölf, ich werde jetzt meinen Freund, den mit dem Auto anrufen, das er mich holen kommt. Ein weiteres Stockwerk anzufangen, bringt es jetzt nicht mehr.“

„OK, mach das“, sagt er, „ich hole dir gerade dein Geld, 62,50 Euro mit gestern kriegst du.“ Er geht zurück in sein Büro und kommt dann mit dem Geld zurück und gibt es mir 65,- Euro.

„Danke“ sag ich und stecke die Kohle ein. In der Zeit, in der er das Geld geholt hat, habe ich Ole angerufen und der müsste gleich kommen. Ich räume kurz zusammen und geh dann mit meinem Rucksack raus.

Jetzt ist es ja dann auch bald Nachmittag und ich sehe Jeremy und dann haben wir Zeit für uns. Das Wetter ist toll und ich freu mich so auf unser Zelten dort am See und sogar auf den Ritt auf Fridolin zusammen mit Ferdi und mit dem Jungen, in den ich so verliebt bin.

Das kam alles so plötzlich über mich. Als er in die Halle und dann auf mich zu kam, da muss es schon passiert sein. Ab da war er in meinem Kopf und in der Nacht bei Ferdi, im Stroh, da hat er sich in mein Herz geschlichen und da sitzt er jetzt fest und ich bin sehr froh damit.

Liebe ist schon seltsam, es macht bumm und du kannst nichts dagegen tun, du willst es ja auch gar nicht. Jeremy, ich hoffe, das ich dich, das wir uns, glücklich machen können trotz oder gerade wegen dem Scheiß, den du ertragen musstest.

Ole kommt und ich steige gleich ein. Er fährt los und bei der Bekannten, von der Torben gesprochen hat, bekommen wir mein Rad und weil es in den Golf nicht gut reinpasst, fahre ich mit dem Rad in die WG zurück. Meinen Helm, ich fahre nie ohne, hatte ich heute Morgen in den Rucksack gemacht.

In der WG essen wir um 13:00 Uhr eine Kleinigkeit zu Mittag, Brot halt, mit was drauf. Beim Essen erzähle ich dann von meinem Vormittag, mit der Bitte, das alles hier im Haus bleibt und das ich es auch nur erzähle, das, falls noch mal ähnliches oder noch mehr passiert, es Leute gibt, die etwas wissen und etwas zu diesem Vorfall sagen können.

Da ich noch in der Ausbildung bin, ist das schon fast eine sexuelle Nötigung, zumindest aber sexuelle Belästigung von Abhängigen. Das hätte ich so nicht von meinem Juniorchef erwarteten nicht, dass er so tickt und erst recht nicht, das er mir so ein Angebot unterbreitet. Wenn sein Vater das wüsste, der würde bestimmt ausflippen, denk ich.

Jeremy, Samstag,11.06., 13:00 Uhr , im Stall, beim Packen.

Bald ist alles vorbereitet, Opa besitzt noch einen sehr alten Westernsattel, so richtig mit Satteltaschen, da geht einiges rein. Das Zelt und den großen Schlafsack kommen beide als Rolle hinter Finns Sattel auf Fridolin.

Das Essen und was sonst noch mit soll, auch ein Sixpack „Holsten“ und Apfelschorle, kommt in die Satteltaschen und mit mir dann auf Ferdis Rücken. Ich habe beide Pferde gestriegelt und auch Hafer und Wasser haben sie schon bekommen.

Ein großes Taschenmesser, ein kurzes Seil, Feuerzeug und ein kleines, aber sehr scharfes Beil sowie eine Art Machete in einem Lederfutteral und ein kleines, aber gut ausgestatteten Erste Hilfekissen mit gutem Verbandszeug und Kodan, alles ist im Sattel verstaut und wenn wir heute am frühen Abend losreiten, dürfte es an nichts fehlen.

Hundefutter für Arko darf auch nicht fehlen, ebenso Seife und zwei große Handtücher und Wechselwäsche habe ich eingepackt. Mama war zunächst überrascht, dass ich mit Finn im selben Schlafsack schlafen will, hat dazu aber nichts gesagt.

Wenn ich das Problemlos schaffe, ist das ein Riesenschritt in Richtung „Wir“ oder besser „Uns“ und das würde Mama ebenso gefallen, wie mir, den Großelter natürlich auch.
Jetzt geht es zur Oma, zum Mittagessen und dann geht es ja auch schon bald zum Training mit Finn und den anderen Jungs in unserer Gruppe.

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Traumschiff - Teil 136, 9.9 out of 10 based on 22 ratings

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2 Kommentare

  1. Hey hallo Hermann,

    es freut mich sehr, wieder was von dir zu hören, lesen zu dürfen.
    Ich habe mir schon Sorgen gemacht, ob denn was passiert ist. Hoffentlich bist du von dem Virus verschont geblieben. Und ich hoffe, dass auch alle anderen Autoren und auch die Leser von dem Virus verschont geblieben sind.
    Ich würde mich sehr freuen, demnächst wieder was von dir zu lesen, lieber Hermann, denn es macht immer wieder Spaß, deine Stories zu lesen.
    Alles Gute und viele liebe Grüße

    Andi

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  2. Danke für alle deine tollen Stories.

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