Ein anderes Leben – Teil 21

War es nur Einbildung, oder der stechende Schmerz meines Kinns, der meine Sinne so verwirrte? Ich sah Juen, wie er in Zeitlupe, über mich hinweg flog und gekonnt mit dem Schuh, meinem Peiniger in dessen Fresse trat.

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Mein wütender Gegenüber wurde nach hinten geschleudert und knallte gegen seinen eignen Wagen. Das Ganze war mit einem lang anhaltenden Urschrei von Juen untermalt worden. Juen kam wieder auf seinen Füßen auf.

„Lukas?!“

Es machte Plopp in meinem Kopf und der Ruf meines Namens, durch meinen besorgten Freund, ließ nun die Zeit anscheinend wieder normal weiter laufen. Hyun kniete sich neben mich. Soo-Ri saß auf der anderen Seite, gegen unseren Wagen gelehnt.

Ihn hatte wohl vor Schreck die Kraft verlassen und war einfach in sich zusammen gesackt. Jack war Juen zur Hilfe geeilt, der gerade sein Opfer auf den Bauch drehte und dessen Arme nach hinten zog. Wieder kam die Frage auf, woher nahm dieser kleine Kerl nur diese emense Kraft her?

„Alles in Ordnung, ist dir etwas passiert?“, kam es von Hyun-Woo.

Ich schaute ihn nur an, während meine Hand an mein Kinn rieb.

„Warum müssen solche Kerle immer genau wissen, wo sie hinschlagen, damit es richtig weh tut?“

Sah ich richtig, oder grinste Hyun-Woo wirklich?

„Du sagst es selbst Lucas… -solche Kerle-, die wissen anscheinend immer was sie tun, um anderen Schmerz zu zufügen, aber der -Kerl- hat den Bogen jetzt überspannt!“

Verschwunden war das Grinsen und er zog mich hoch. Dann zauberte er sein Handy hervor und wählte eine Nummer.

„Onkel Min-Chul…?“

Er rief meinen Onkel an? Was hatte er vor?

„Ja, es ist etwas passiert. Dieser Typ Lee Kun-Yong, der unseren Soo-Ri erpresst hat, ist hier aufgetaucht und hat Lucas niedergeschlagen!“

So ganz stimmte das jetzt nicht. Ich hatte mich nur in den Weg gestellt, um Soo-Ri irgendwie zu schützen und für ihn den Schlag einkassiert. Das hörte sich an, als wäre Mr. Lee direkt auf mich losgegangen. Es entstand eine kleine Pause, in der nun Hyun-Woo wohl zuhörte.

„Ja hast du, aber das ist mir jetzt egal. Schick bitte deine Kollegen vorbei und lass diesen…“, er schluckte das Wort, was immer er auch sagen wollte, hinunter, „… Kerl abholen.“

Onkel Min-Chul schien wieder etwas zu sagen, dann schaute Hyun-Woo zu mir.

„Der reibt sich sein Kinn, aber es scheint ihm nichts weiter passiert zu sein.“

Dabei lächelte er komisch.

„Heute noch…? Gut, die anderen werden zwar nicht begeistert sein, denn wir wollten gerade zu Soo-Wois Strandhaus fahren, aber wenn du sagst, es ist wichtig, kommen wir vorbei.“

Hyun-Woo nickte einige Male, sagte mehrfach ja, Onkel Min-Chul schien wohl noch ein paar Sachen wissen zu wollen, bevor mein Freund das Gespräch beendete.

„Lasst mich los!“, hörte ich es schreien und wandte mich zu dem Wagen des anderen.

Lee Kun-Yong lag immer noch mit dem Gesicht auf den Boden gepresst und versuchte sich zu befreien. Aber Juen und auch Jack ließen ihm keinen Freiraum.

„Das hast du dir wohl selbst zuzuschreiben, Kun-Yong“, hörte ich plötzlich So-Wois Stimme.

„So-Woi, sag deinen Leuten, sie sollen mich gefälligst los lassen!“, schrie der Typ, soweit es ihm möglich war, „wenn das mein Vater erfährt, der hetzt die Polizei auf euch!“

„Uh, welch Glück, die Polizei ist schon da“, quickte Juen fröhlich.

„Hiermit nehme ich dich fest, wegen tätlichen Angriffs an Mister Dremmler!“

Dabei hüpfte er etwas auf und ab, als würde er es genießen. Dann hörte ich schon die Handschellen klicken. Ich musste mir wirklich das Grinsen verbeisen, es sah irgendwie zu lustig aus.

„Polizei…, dieser Zwerg?“, kam es fahrig von Lee Kong-Yong.

Gegen meine Erwartung, verschwand Juens Lächeln nicht. Dagegen zauberte er seinen Ausweis hervor und hielt ihn seinem Gegenüber vor die Nase.

„Oho, Beamtenbeleidigung…, und dann noch unbefugtes Befahren mit einem Fahrzeug eines Grundstückes und das mit überhöhter Geschwindigkeit… unbefugtes Betreten des Grundstückes…! Ich glaube, ich sollte mir langsam das alles aufschreiben… etwas viel…, oder Mr. Lee. Was wird da ihr Papa dazu sagen?“

Er tippte mit dem Ausweis leicht auf dessen Nase. Ich drehte mich weg, damit niemand mein Grinsen sah, aber den anderen schien es genauso wie mir zu gehen. Lediglich So-Woi schaute weiterhin ernst und kniete neben Lee Kong-Yong hin.

„Du hast nicht nur meine Entwürfe stehlen lassen und sie als deine ausgegeben…, nein du hast auch noch auf eine besonders abscheuliche Art einer meiner Freunde…“

So-Woi sagte Freund und nicht Mitarbeiter, erstaunt hob ich meine Augenbraun.

„… erpresst und zudem nun Lucas niedergeschlagen! Wie kann man nur so tief sinken? Was wohl dein Vater dazu sagen wird…? Und nur dass du es weißt, wir haben so viele Beweise gegen dich in der Hand, da kann selbst dein Vater nichts mehr machen können!“

Es war weder Sarkasmus noch Stolz in dem Gesagten anzumerken. So-Woi war schlicht weg sauer, auf diesen Herrn. Darauf sagte nun sein, auf dem Boden liegendes Gegenüber nichts mehr. Tja Pech gehabt!

Auch So-Woi sprach nicht weiter, denn man konnte bereits die Sirenen der Polizeiwagen hören. Er erhob sich und drehte sich weg.

„Jack, am besten reinigst du nachher ordentlich deine Hände, denn…“

„So-Woi!“, unterbrach ihn Jack scharf und So-Woi verstummte.

Jacks und meine Blicke trafen sich und ich nickte ihm zu. Diese kleine Aktion von Jack zeigte mir, wie sehr er seinen So-Woi liebte. Normalerweise griff Jack nie ein, wenn So-Wois Laune in den Keller sank.

Doch dieses Mal ließ er es nicht zu, dass So-Woi auf das Niveau von diesem Kun-Yong rutschte. Mein Blick wanderte zu Soo-Ri, der immer noch zitternd neben dem Wagen kauerte. Ich drehte mich zu ihm. Mein schmerzendes Kinn war irgendwie zur Nebensache geworden.

„Es ist vorbei, Soo-Ri“, sagte ich leise und hielt ihm lächelnd meine Hand entgegen.

Mit seinen verweinten Augen schaute er erst mich, dann zu diesem Kun-Yong, auf dem immer noch Jack saß.

„Er kann dir nichts antun, das habe ich dir versprochen!“

„… warum…, warum hast du… dich vor mich gestellt, Jetzt hat er dich geschlagen…“

„Weil du mein Freund bist und ich nicht einfach zuschaue!“

„Aber…“

„Nichts aber Soo-Ri…, komm steh auf und steig in den Wagen bevor die Polizei hier ist.“

Er nickte mir zu und griff wortlos nach meiner Hand. So zog ich ihn hoch und schob ihn durch offene Wagentür. Hätte dieses Leichtgewicht den Schlag abbekommen, wäre er wohl einige Meter gesegelt.

„Du bleibst hier sitzen, ich bin gleich wieder da, okay?“

Wieder nickte er und ich ging zu den anderen.

*-*-*

Die Schimpfworte, die Kun-Yong bei seiner Festnahme von sich gab, wiederholte ich lieber nicht, als wir alle vor Onkel Min-Chul saßen.

„Bei euch geht es nie den einfachen Weg, oder?“, herrschte uns mein Onkel an.

Sein Blick wanderte zu mir und er wollte weiter sprechen, aber ich redete einfach drauf los.

„Ja ich weiß, du hast mir oft genug gepredigt, ich soll auf mich aufpassen und Schwierigkeiten aus dem Weg gehen. Aber du kannst nicht von mir verlangen, dass ich tatenlos zusehe, wie ein Freund zusammen geschlagen wird.“

„Dann stellst du dich einfach hin und spielst Boxsack und lässt dich verprügeln?“, fuhr mich Min-Chul an.

Ich sprang auf und mein Gesicht war nun direkt vor dem Gesicht meines Onkels.

„Woher sollte ich denn wissen, dass dieser Typ gleich zuschlägt?“, fauchte ich ihn genauso giftig an, weil mir das alles jetzt gehörig auf den Zeiger ging, „meinst du nur…, weil ich schwul bin, stehe ich auf Schläge!“

„Lucas!“, sagte Hyun-Woo laut, stand auf und versuchte mich zurück zuziehen.

„Kleiner. Treib es nicht zu weit, ruck zuck habe ich deinen Vater angerufen und du sitzt im Flieger nach Deutschland!“

Sarkastisch fing ich an zu lachen.

„Onkel Min-Chul, bitte…!“, kam es wesentlich leiser von Hyun-Woo.

„Lass ihn doch…“, sprach ich einfach weiter, „soll er doch anrufen…, dann habt ihr mich wenigstens los und keiner braucht sich mehr Sorgen um mich zu machen!“

Ich lief zur Tür und riss sie auf.

„Ich hab die ganze Scheiße so satt!“, schrie ich sauer, während ich das Büro verließ.

Im Vorraum, wo die Kollegen meines Onkels saßen, wurde es augenblicklich still. Wütend durchquerte ich den Raum, um schnellst möglich hier wegzukommen. Draußen im Hof angekommen, drückte ich meine Hände in die Seite und beugte mich luftschnappend nach vorne.

Ungehindert flossen die Tränen meine Wangen und tropfen zu Boden. Warum machte ich, in den Augen der anderen, immer alles falsch? Ich wollte doch nur helfen! Keiner will mich verstehen. Ich spürte eine Hand auf meinem Rücken und zuckte zusammen.

„Sollen wir nach Hause fahren“, hörte ich die sanfte Stimme meines Freundes.

Ich richtete mich auf und schüttelte den Kopf, ohne ihn anzusehen.

„Nein, wir wollte doch ans Meer…“, sagte ich nur und wischte mir die Tränen weg.

Hyun-Woo hielt mir ein Taschentuch hin.

„Danke…“, meinte ich und putze mir die Nase.

Dann drehte ich mich langsam zu Hyun-Woo. Dass die anderen oben an der Treppe vor der Eingangstür standen, ignorierte ich einfach.

„Warum mache ich immer alles falsch?“, fragte ich mit weinerlicher Stimme, „jedes Mal macht ihr euch deswegen Sorgen…, verletzt eure Gefühle mit meinem Handeln…“

Hyun-Woos Hand wanderte zu meinem Gesicht und legte sie sanft auf meine Wange.

„Du machst nichts falsch und du verletzt auch die Gefühle von keinem…“

„Aber warum habe ich dann immer das Gefühl, ihr seid sauer…, traurig, oder…“

Ich brach ab, denn es hatte keinen Sinn dieses Thema immer und immer wieder durchzukauen. Hyun-Woo nahm ein Gesicht in beide Hände, zog es herunter und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Dann schaute er mir tief in die Augen.

„Weil wir dich alle innig und von ganzen Herzen lieben!“

*-*-*

Mit zwei stündiger Verspätung, saßen wir endlich im Wagen und fuhren los. Was nun aus diesem Kun-Yong und den anderen, die auf den Fotos abgebildet in den öffentlichen Medien wurde, war mir ehrlich gesagt egal.

Onkel Min-Chul war vorher noch zu uns an den Wagen gekommen, hatte mich fest in den Arm genommen und lange gedrückt, aber nichts gesagt. Yuen saß bei dem immer noch eingeschüchterten Soo-Ri und hatte dessen Hand in der seinen.

Sanft  streichelte Yuen Soo-Ris Handrücken mit seinem Daumen. Ob Yuen doch noch seine Meinung darüber ändert, mit wem er zusammen sein will. Ich schüttelte den Kopf, um den Gedanken schnell zu verwerfen und ließ meinen Blick weiter durch den Wagen wandern.

Es herrschte Stille, niemand sagte etwas. Letzt endlich blieb mein Blick an Hyun-Woo hängen, der gerade in diesem Augenblick auch zu mir sah.

„Geht es wieder?“ Was macht dein Kinn?“, sagte mein Schatz leise.

„Geht…“, antwortete ich und ließ mein Kinn vorsichtig hin und her wandern, „wird wohl noch eine Weile wehtun.“

„Wenn wir bei So-Woi angekommen sind, tun wir Eis drauf…“

Er schaute mich komisch an und grinste dabei.

„Was?“

Er antwortete nicht. Ich schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen.

„Entschuldige, ich weiß selbst, dass ich nicht darüber nach gedacht habe, was ich da mache. Da ihr aber alle beschäftigt, oder nicht in der Nähe ward, hab ich mich halt vor Soo-Ri gestellt…, wer wusste denn, dass dieser Typ gleich so zu schlägt!“

„Das meinte ich eigentlich nicht…“, sagte Hyun-Woo

Erstaunt schaute ich in die Augen meines Freundes.

„Ähm, was dann?“

„Ich bin richtig stolz auf dich!“

„Auf mich?“

Er nickte.

„Hä…, dass verstehe ich jetzt nicht…“

Ich hörte die anderen kichern, schaute aber weiterhin auf Hyun-Woo.

„Wir wissen mittlerweile alle, dass du nie groß darüber nach denkst, ob etwas passieren könnte und es dich ab und zu in Schwierigkeiten bringt…, dass bist eben du, Lucas!“

„Ab und zu…“, hörte ich So-Woi sagen und alle fingen an zu lachen, naja, bis auf Soo-Ri und ich natürlich auch nicht.

„… aber du hast mal wieder dein großes Herz gezeigt und jemanden geholfen und das macht mich stolz!“

„Hört, hört…“, kam es von So-Woi.

„Es ist gut!“, meinte ich nun und trat leicht von hinten gegen seinen Sitz.

Das Kichern verstummte nicht. So zog ich Hyun-Woo zu mir und gab ihm einen Kuss.

„Danke“, sagte ich nur.

*-*-*

Mit sechs Leuten, wurde es richtig eng in dem Häuschen, aber auch irgendwie kuschelig. Das Jae-Joong später noch nach kommen würde, daran dachten wir gar nicht mehr. Er würde entweder im Haupthaus, bei Grandma Shin-Sook, übernachten müssen, oder sich mit einem Schlafplatz im Wohnzimmer begnügen, sprich auf der Couch schlafen.

Natürlich ließ es sich So-Wois Grandma nicht nehmen, uns an diesem Abend zum Dinner einzuladen. Erneut musste ich mir eine kleine Strafpredigt über mein Verhalten anhören, was aber den Lob, mich so ein zusetzten, das Ganze schnell wieder vergessen machte.

Sie unterhielt sich auch im Stillen etwas mit Soo-Ri, der in diesem Gespräch nicht viel sagte. Wie immer schmeckte das Essen köstlich und ich hatte mal wieder zu viel gegessen.

„Wenn ihr nichts dagegen habt, dann möchte ich noch ein Stück laufen“, meinte ich.

„Aber es ist doch schon dunkel…“, hörte ich Soo-Ri leise sagen.

Ich drehte mich zu ihm.

„Zum einem gibt es Taschenlampen…“

„und zum anderen ist das hier ein Privatstrand, es kann also nichts passieren“, beendete So-Woi den Satz.

Wir wussten, dass dies nicht ganz richtig war, denke man nur an die Sache mit In-Jook.

„Also ich bin dabei“, kam es von Jae-Joong, „Bewegung tut immer gut!“

„Dann gehen wir beide joggen, während die anderen laufen“, kam es von Jack.

„Ähm, dass meinte ich nicht damit.“

Ich musste schon grinsen.

„Jack, wenn du nichts dagegen hast, ich bin dabei, aber nur, wenn ihr euch Soo-Ri annehmt“, sagte Juen.

Soo-Ri winkte abwehrend mit seinen Händen.

„Keine Sorge“, meinte Hyun-Woo, „der ist bei uns gut aufgehoben.“

Er legte seine Hand auf dessen Schulter, wohl um das Ganze zu unterstreichen.

„Dann sollten ihr euch etwas Warmes anziehen, denn am Strand ist es recht kühl“, meinte So-Wois Grandma und erhob sich als erstes.

*-*-*

Der Sparziergang war lange und ausgiebig gewesen und es fröstelte mich nun etwas. Jeder war wohl mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, denn es wurde fast nichts gesprochen.

Während die Sportfreaks unter der Dusche zu Gange waren, saßen wir anderen bereits im Wohnzimmer. Das heißt Hyun-Woo war wieder in der kleinen Küche tätig. Er ließ es sich nicht nehmen, für alle Tee zu machen.

Soo-Ri saß still im Sessel. Seine Wangen waren rot gefärbt und er starrte in das Feuer, das im Kamin knisternd prasselte. So-Woi dagegen lag mehr neben mir, seinen Kopf auf meinem Schoss und  die Beine über die Lehne baumelnd,

Diese Stellung schien für ihn bequem wohl zu sein. Auch hatte er schon wieder irgendwelche Papiere in der Hand.

„Wollten wir uns nicht ein schönes Wochenende machen?“, fragte ich, „was für Papiere hast du da dabei?“

Ich versuchte etwas zu entziffern, aber Getrampel von der Treppe lenkten So-Woi ab und es war unmöglich für mich etwas zu lesen. Jack kam als erstes die Treppe herunter und gesellte sich zu Hyun-Woo.

„So gesehen ist es keine Arbeit, nur ein Bericht über den japanischen Modemarkt“, sagte So-Woi.

„Du kennst meine Meinung“, war plötzlich von Hyun-Woo zu hören.

Mein Blick wanderte zu meinem Schatz.

„Habt ihr nicht schon genug Arbeit?“, beschwerte sich nun Jack.

„Von was redet ihr?“, fragte ich verwundert.

„So-Woi hat sich in den Kopf gesetzt, unsere Mode auch in Japan zu vermarkten“, meinte Hyun-Woo.

„Was denn, auch dort gibt es genügend gut aussehende Männer, denen unsere Mode stehen würde“, versuchte So-Woi zu schlichten und grinste  mich dabei an.

„Gut, ich kenne mich in diesem Geschäft nicht aus“, warf ich ein, „aber möchtet ihr nicht erst eure Stellung hier im Land festigen?“

Hyun-Woo zeigte auf mich.

„Meine Rede!“, sagte er und nahm das Tablett mit den Tassen.

Jack folgte ihm mit zwei Kannen.

„Ich weiß auch, dass ich da drüben nicht einfach eine Filiale aufmachen kann“, meinte So-Woi leicht verstimmt und setzt sich auf, aber man kann sich doch wohl mal informieren.“

Hyun-Woo verteilte die Tassen und ließ das Tablett neben dem Sessel verschwinden. Jack blieb vor mir stehen und schaut mich an. Ich rutschte zur Seite, was zur Folge hatte, dass So-Wois Kopf auf die Sitzfläche plumpste.

„Eh!“, beschwerte sich So-Woi.

Mein Platz nahm nun Jack ein und vorsichtig hob er den Kopf seines Schatzes auf seinen Schoss. Schon lächelte So-Woi wieder. Dann begann Jack den Tee zu verteilen. Der Duft seines Shampoos stieg mir in die Nase.

„Ich wollte mich auch erst nur umsehen, vielleicht auch nur Eindrücke sammeln. Japan hat schließlich auch eine ganz andere Kultur, ähnelt zwar unseren, aber dennoch eine ganz andere Basis.“

Dies leuchtete mir ein.

„Auch ich der Kleidung?“, wollte ich wissen.

„Beide Länder haben ähnliche festliche Kleidung, in Japan ist es der Kimono, bei uns ist es der Hanbok. Während in Japan bei den Männern sich um in T-Form geschnittene Umhänge handelt, die von einem großen Gürtel zusammen gehalten werden, tragen unsere Männer Hosen und darüber nur einen längere Jacke.“

„Gesehen habe ich so etwas noch nie. Na ja vielleicht in einem Film, aber auch da nicht sonderlich darauf geachtet.“

„Du wirst diese traditionellen Festgewänder auch nur an Festen oder Feiertagen sehen, oder vielleicht noch auf Hochzeiten, sonst trägt das niemand mehr.“

„Vielleicht ältere Frauen wie Großmutter auf dem Land. Die trägt so etwas auch gerne.“, fügte Hyun-Woo hinzu.

Das war mir bisher noch nicht aufgefallen.

„Und für wann hast du die Reise angesetzt?“, änderte Jack das Thema.

„Ich dachte, wir fliegen in zwei Wochen, da ist es in der Firma etwas ruhiger.“

„Wir?“, fragte ich.

„Ja, wir vier, dachte ich“, beantwortete So-Woi meine Frage.

„Dachtest du, soso und wann wolltest du mich fragen, ob ich mit möchte?“

So-Woi schaute mich mit großen Augen an.

„Du willst nicht mit?“, kam es von Hyun-Woo.

Er sah mich dabei nicht an und grinste nur.

„Das habe ich nicht gesagt, aber ich würde so etwas gerne vorher wissen, vielleicht habe ich ja auch Pläne.“

„Du hast andere Pläne? Davon hast du gar nichts erzählt“, kam es wieder von Hyun-Woo.

Dieses Mal schaute er mich seinen tollen Augen an. Ich atmete tief und verdrehte die Augen. Einfach nicht darauf zu reagieren, wäre wohl die beste Entscheidung, dachte ich mir.

„Und wo genau möchtest du in Japan hin?“, stellte ich meine Frage Richtung So-Woi.

„Na Tokio natürlich. Dort gibt es viel zu sehen und es gibt dort jede Menge Geheimtipps, was Mode betrifft.“

„Du willst mich also erst nach Japan verschleppen, um mich dann dort mit Modeläden abspeisen. Fällt dir nicht Aufregenderes ein?“

Selbst Soo-Ri zauberte diese Frage, ein Grinsen auf dessen Gesicht. Die anderen kicherten.

„Lukas Dremmler du bist ein Arsch! Muss ich also für die Diva ein Sonderprogramm erstellen!

Diva? Da musste selbst ich mir das Lachen verbeisen, um weiterhin ernst zu wirken.

„Natürlich, was denkst du denn? Du glaubst doch nicht, dass ich in irgendeinem herunter gekommenen Establishment, irgendwelche langweilige Stoffmuster betrachte?“

Diese Antwort war selbst für So-Woi zu viel. Er ließ seine Papiere fallen und begann laut an zu lachen. Auch Soo-Ri lachte, wie die anderen. So fanden uns Juen und Jae-Joong vor.

„Darf man den Grund eurer Heiterkeit erfahren?“, fragte Juen und ließ sich bei Soo-Ri auf der Lehne nieder.

Soo-Woi lachte Tränen, zeigte auf mich und schüttelte den Kopf, ohne ein Wort heraus zu bekommen. Jae-Joong und Juen schauten darauf hin verwundert zu mir.

„Was denn? Ich habe lediglich einen Wunsch geäußert, sonst nichts!“

„… Wunsch…“, äffte mich So-Woi laut lachend nach, während er sich immer noch an Jack lehnte.

Jae- Joong lief zu Hyun-Woo und zeigte auf mich. Der kicherte nur kopfschüttelnd, stand auf und kam zu mir, während sich Jae-Joong sich nun auf dem Sessel nieder ließ. Mein Schatz setzte sich grinsend neben mich und hielt seinen Daumen nach oben.

„Ich weiß gar nicht, was ihr habt!“, setzte ich süffisant, und setzte damit, noch eins oben drauf.

So-Woi vergrub sich prustend in Jacks Arme.

„… ich… ich mach mir gleich in die Hosen!“, hörte ich So-Woi dumpfe Stimme.

Jack drückte ihn gespielt entsetzt von sich weg.

„Chung So-Woi, geh gefälligst auf die Toilette! Ich habe frisch geduscht!“

Eine weitere Lachsalve erfüllte den Raum.

„Notiz!“, kam es von Jae-Joong, „Jack steht nicht auf Wasserspiele!“

Ich hielt meinen Bauch, der vor Lachen schmerzte und erste Tränen rannen von meinen Augenwinkeln nach unten.

„Das habe ich nicht gesagt!“, kam es ernst von Jack.

So-Woi sprang auf und rannte lachend die Treppe nach oben. Das war für seine Blase dann wohl wirklich zu viel!

*-*-*

Die Nacht war Traumlos und ich wachte seltsam erholt in Hyun-Woos Armen auf.

„Guten Morgen mein Schatz“, brummte mir ein lächelnder Hyun-Woo entgegen, als ich meine Augen aufschlug.

„Morgen“, flüsterte ich und versuchte mich mehr in seinen Armen zu vergraben.

„Lust auf einen Sparziergang… vor dem Frühstück?“

Ich schaute auf.

„… Frühstück? Wie spät haben wir es denn?“

„Kurz vor acht, die anderen schlafen noch, zumindest hört man nichts.“

Ich ließ meinen Kopf wieder sinken und seufzte. Warum war ich so früh wach? Gut, ich war die letzte Zeit immer mit Hyun-Woo aufgestanden, um mit ihm zu frühstücken, bevor er zur Arbeit fuhr.

Man sagte ja, dass man sich mit der Zeit daran gewöhnt, immer zur gleichen Zeit aufzustehen. Erneut hob ich den Kopf.

„Aber nicht zu weit, ich will doch nicht das leckere Frühstück verpassen!“

„Da ich meist, das Frühstück zu bereite, wirst du schon nichts verpassen. Dann werden wir uns wohl anziehen müssen“, seufzte Hyun-Woo.

„Du machst erst den Vorschlag, sparzieren zu gehen und nun hörst du dich an, als hättest du keine Lust darauf.“

„Wenn ich recht darüber nachdenke, ist es schöner, dich so im Arm zu halten.“

Umständlich setzte ich mich auf und stellte fest, dass ich wiedermal nichts anhatte.

„Es ist auch schön, Händchen haltend am Strand entlang zu laufen, ohne irgendwelche Störenfriede oder Kichererbsen!“

Ich spielte auf den gestrigen Abend an, an dem noch viel gelacht wurde. Das Herumgealbere wäre mir fast zu viel geworden, wäre da nicht eine Person im Raum gewesen, die ich bis dato noch nie so herzhaft hatte lachen sehen. Soo-Ri!

„Dann sollten wir aufstehen, bevor die anderen wach werden!“

Auch Hyun-Woo entledigte sich der Decken, unter denen wir begraben waren. Wie ich war er ebenso nackt. Er schlüpfte in seine Shorts und ließ sein Shirt über den Kopf gleiten.

„Schade eigentlich“, murmelte ich, „immer wieder ein schöner Anblick.“

„Du denkst auch immer nur an das Eine.“

„Klar! Bei so einen süßen Freund, wie kann ich da wieder stehen?“

Hyun-Woo kam grinsend auf mich zu, beugte sich herunter und küsste mich.

„Ich liebe dich, Lucas Dremmler!“

„Ich dich auch!“

Mit einem breiten Lächeln schnappte er sich den Rest seiner Klamotten und verschwand aus dem Zimmer.

*-*-*

Als wir die Treppe herunter kamen, saß da ein einsam wirkender Soo-Ri am gedeckten Tisch. Er stand auf, als er uns bemerkte. Von Jae-Joong, auf dem Sofa, keine Spur

„… guten…Morgen…“, wieder mal verbeugte er sich leicht, „ich wollte mich irgendwie nützlich machen… und …ähm… da ich nicht so gut in der Küche bin…, habe ich den Tisch gedeckt.“

Seine Ausgelassenheit von gestern Abend war verschwunden. Er stand wie immer total verschüchternd vor uns.

„Guten Morgen, Soo-Ri, das ist doch kein Problem“, meinte ich.

„Juen schläft noch?“, fragte Hyun-Woo neben mir.

Unser Gegenüber nickte uns zu. Dann drehte sich mein Schatz zur Garderobe und nahm als erstes Soo-Ris Jacke und wandte sich dann zu uns.

„Vor dem Frühstück, gehst du mit uns am Strand sparzieren, danach werde ich dich in die Geheimnisse eines guten Frühstücks einweihen.“

Verwundert schaute Soo-Ri zwischen uns hin und her.

„Störe… ich denn nicht?“

„Wieso solltest du stören?“, fragte ich legte meinen Arm um ihn.

So schob ich ihn Richtung Hyun-Woo.

„Moment, ich möchte mir noch einen Pullover überziehen“, meinte er und entledigte sich meines Armes.

Schnell lief er leise die Treppe hinauf.

„War es richtig ihn mitnehmen zu wollen?“, fragte Hyun-Woo, während er in seine Jacke schlüpfte.

„Klar, du warst nur schneller mit der Idee“, grinste ich ihm entgegen.

Ich wusste nicht, warum es so lange dauerte, einen Pullover anzuziehen, aber als Soo-Ri zurück kam, waren mein Schatz und ich bereits fertig angezogen. Der Grund seiner Verspätung lief hinter Soo-Ri her. Er hatte Juen im Gefolge.

„Sorry, ich musste erst Soo-Ri überzeugen, einer meiner Pullover anzuziehen, seiner ist viel zu dünn!“

Grinsend stand Juen vor uns und Soo-Ris Gesicht färbte sich leicht rot.

„Gehe ich recht in der Annahme, dass du mit laufen möchtest?“, fragte Hyun-Woo.

„Gerne, wenn ihr nichts dagegen habt?“

„Nur wenn du deine ollen Vaterwitze stecken lässt!“, sagte ich.

„Wieso, die waren doch gut!“, grinste mich Juen an und half Soo-Ri in seine Jacke.

Darauf sagte ich nichts und lief schon mal nach draußen. Wir mussten noch etwas warten, bis Juen in seine Schuhe geschlüpft war und umrundeten dann langsam das Haus. Das Meeresrauschen war zu hören und wenig später kam dann das Meer in Sicht.

Ich schloss die Augen, atmete tief durch und spürte die ersten Sonnenstrahlen im Gesicht. Sie wärmte aber nicht richtig, zu kühl war der Wind, der uns vom Meer entgegen wehte.

„Immer wieder schön, egal wo du bist“, sagte ich nur.

„Ist das Mrs. Jeong“, hörte ich Soo-Ri fragend und schaute automatisch auf die andere Seite des Strandes.

Sie stand wohl auch immer recht früh auf. Ich hob den Arm und winkte ihr zu. Schwach konnte ich ein Lächeln erkennen und sie winkte zurück. Dann griff ich mir Hyun-Woos Hand und lief einfach los.

*-*-*

Nach einer Weile merkte ich dann doch, wie weit wir gelaufen waren, denn wir hatten bereits den geschützten Strand verlassen. Ich drehte meinen Kopf und schaute zu den beiden hinter uns.

Juen hatte sich ebenso Soo-Ris Hand gekrallt und liefen nun wie ein Pärchen hinter uns her. Ich blieb stehen.

„Habe ich etwas verpasst?“, fragte ich.

Nun drehte sich auch Hyun-Woo zu den beiden.

„Was sollst du verpasst haben?“, fragte Juen grinsend.

Ich zeigte auf ihre Hände. Soo-Ri wollte loslassen, aber Juen hielt seine Hand fest.

„Ich habe lediglich Soo-Ris sehnsüchtigen Blick auf euch gesehen, da habe ich mir einfach seine Hand geschnappt!“

„So-So!“, grinste ich.

„Lucas, du weißt ich steh auf Mädchen…“

Dann stoppte Juen plötzlich mitten im Satz und schaute zu Soo-Ri.

„… wobei…“, sprach er plötzlich weiter, „… ich finde Soo-Ri irgendwie süß und fühle mich wohl in seiner Nähe!“

Soo-Ri neben ihm wurde natürlich, nach dieser Aussage, tief rot und hätte sich bestimmt am liebsten hinter dem nächsten Sandhaufen verkrochen.

„Dein direktes Reden scheint wohl auf Juen abzufärben“, meinte Hyun-Woo neben mir.

Gespielt empört, zeigte ich auf mich und mein Schatz nickte. Grinsend wechselten Hyun-Woo und ich die Blicke. Nun griff sich Juen auch noch die andere Hand von Soo-Ri und zog ihn näher zu sich.

„Keine Angst Soo-Ri, von mir hast du nichts zu befürchten. Ich mag dich einfach, das ist alles.“

Soo-Ri senkte seinen Blick zum Boden und murmelte etwas. Fragend schaute ich zu Hyun-Woo, aber der schüttelte den Kopf. Er schien es wohl auch nicht verstanden zu haben.

„Echt jetzt, das meinst du Ernst?“

Während Soo-Ri nickte, fuhren wir zusammen, denn dieser doch sehr laute Ausruf von Juen, kam völlig unerwartet. Soo-Ri nickte schüchtern. Juen sagte darauf nichts mehr und nahm ihn einfach in den Arm. Auch Soo-Ris Hände wanderten langsam nach oben.

„Wir scheinen wirklich etwas verpasst zu haben“, meinte Hyun-Woo neben mir und lief einfach weiter.

„Meinst du, wir sollten nicht langsam umkehren…, mein Magen meldet sich schon?“

„Kein Problem“, sagte Hyun-Woo lächelnd und schnappte sich meine Hand.

Doch bevor ich etwas sagen konnte, zog er mich an den beiden, die immer noch eng umschlungen da standen, einfach vorbei.

*-*-*

Als wir in der Nähe der Häuser kamen uns Jack und Jae-Joong entgegen gejoggt.

„Ach hier seid ihr, habe mich schon gewundert, warum es so ruhig in euren Zimmer ist“, meinte Jae-Joong und joggte auf der Stelle.

„Hyun-Woo, er lauscht an unserer Tür!“

„Hab ich gar nicht! Ich hab mich nur gewundert, als ich mit Jack die Treppe hinunter bin, dass nichts zu hören war.“

„Was wolltest du denn hören, unser Gestöhne?“

Hyun-Woo knuffte mir verlegen in die Seite.

„… und überhaupt, wo warst du heute Nacht, auf der Couch im Wohnzimmer hast du wohl nicht geschlafen.“

Jae-Joongs Blick wanderte zu Jack.

„Ich habe bei den beiden im Zimmer geschlafen, da gibt es noch ein kleines Bett in einer Nische.

Fragend schaute ich zu Jack.

„Ähm…, das… das ist noch von der Zeit…, bevor ich und So-Woi zusammen waren, da schlief er alleine im großen… Bett.“

Dies schien Jack sichtlich peinlich, er lief rot an.

„Wir dachten uns ein Morgensparziergang tut uns gut, zu Hause haben wir für so etwas keine Zeit“, sagte Hyun-Woo plötzlich, wohl um das Thema zu ändern, „bietet sich ja an bei dem Wetter.“

„Ja, nutzt es aus, solange ihr noch könnt!“, sagte Jae-Joong.

Verwundert schaute ich Jae-Joong an.

„Was meinst du mit, solange ihr noch könnt?“

„Meine besorgte Großmutter hat mich angerufen.“

Mittlerweile hatten wir das Grundstück erreicht, Yuen und Soo-Ri aufgeholt. Natürlich waren mir die Blicke Jae-Joongs und Jack aufgefallen, die auf das Händchen haltende Pärchen gerichtet waren. Ein Kommentar dazu gab es nicht. Beide gingen in den Gehmodus über, blieben dann stehen und streckten sich.

„Sie hat mir erzählt, dass irgendwo in China ein schlimmer Virus ausgebrochen wäre und auch schon daran Leute gestorben sein sollen.“

„Und was hat das jetzt mit uns zu tun?“

Hyun-Woo zog sein Handy hervor.

„Sie hätte so eine Ahnung, dass dieser Virus sich sicher ganz schnell ausbreiten wird.“

„Malt sie da nicht zu schwarz? China ist weit weg.“

„Wuhan liegt nur 1400 km Luftlinie von uns weg“, hörte ich Hyun-Woo neben mir sagen, „und bei unserer globalen Vernetzung, sprich man kann überall hinfliegen wo man will, geht das sehr schnell.“

Entsetzt schaute ich meinen Schatz an.

„Wuhan? Mach mir jetzt keine Angst!“

„Ich will dir keine Angst machen, Lucas, aber mit solchen Sachen soll man vorsichtig sein. Wuhan ist der Ort, wo dieser Virus als erstes aufgetreten ist und Jae-Joongs Großmutter hat sicher in ihrem Leben so manches gehört und gesehen. Auf alle Fälle sollte man das im Auge behalten.“

„Wir sollten jetzt auf alle Fälle, zum Haus zurück gehen, So-Woi wartet sicher schon mit Frühstück auf uns“, meinte Jack.

„So-Woi?“, fragte ich.

Jack lächelte.

„Er kann das auch! Er hat in Amerika uns oft Frühstück gemacht.“

*-*-*

Hyun-Woo hatte es sich nicht nehmen lassen und unseren halben Kühlschrank geplündert und mit hier hergebracht. So standen auf dem Frühstückstisch, an dem es heute recht eng zu ging, lauter leckere Sachen, die ich von Hyun-Woos Mutter schon kannte.

„Yuen, bitte, ich kann wirklich nicht mehr…“, konnte ich Soo-Ri leise sagen hören.

„Du musst aber wieder zu Kräften kommen!“

„Ich bin satt, ich kann nichts mehr essen.“

Yuens Blick und meiner trafen sich und ich lächelte ihn an. Da die beiden direkt neben mir saßen, bekamen die anderen nichts mit. Sie waren zu sehr in ihre Gespräche vertieft. Ich schüttelte leicht denn Kopf und Yuen schaute etwas enttäuscht. Ich schaute zu Soo-Ri.

„Hyun-Woo hat mir erzählt, du bist nicht aus Seoul?“

Etwas erschrocken, dass ich ihn anredete, wandte sich Soo-Ri zu mir.

„Nein, ich bin in Yuseong geboren…“

„Yuseong?“

„Ein Stadtteil von Daejeon, liegt ungefähr 140 km südlich von Seoul“, erklärte Hyun-Woo neben mir, ohne von seinem Essen aufzuschauen.“

„Soweit? Was bringt dich dann nach Seoul?“

„Die Stadt…, also ich meine jetzt Seoul, denn Daejeon, ist mit 1,5 Millionen Einwohnern, Südkoreas fünft größte Stadt, aber von Seoul war ich schon von klein auf fasziniert.“

Seine Scheu schien etwas vergessen zu sein.

„Gibt es dort nicht die berühmten heißen Quellen?“, kam es von Jae-Joong.

Soo-Ri nickte.

„Heiße Quellen?“, fragte ich nach.

„Ja, in dem Stadtteil, in dem ich geboren bin, gibt es sehr viele Hotels und Spas, die direkt mit den heißen Quellen verbunden sind. Teilweise aber auch sehr teuer.“

Welcher Luxus war nicht teuer?

„Zudem gibt es in Daejeon eine große Textilindustrie und 1993 fand dort sogar die Weltausstellung statt“, erklärte Hyun-Woo neben mir.

„Woher weißt du das alles?“

Er schaute zu mir und grinste mich breit an.

„Zum einen weiß ich gerne, wo meine Kollegen herstammen…,“

Er hatte Kollege gesagt, nicht Mitarbeiter.

„…zum anderen bin ich von Natur aus neugierig, was unser Land alles zu bieten hat.“

„Aha…“, meinte ich nur und wandte mich wieder zu Soo-Ri.

„Und was fasziniert dich so an Seoul? Sind Städte nicht irgendwie alle gleich?“

„Seoul ist Seoul, mit keiner anderen Stadt in Korea zu vergleichen“, begann Soo-Ri zu erzählen.

„Trotz der Größe, Hyun-Woo hat mir erzählt, hier leben über zwanzig Millionen Menschen…, ist das nicht erdrückend?“

„So gesehen ist Seoul keine zusammen hängende Stadt, sie wird immer wieder von bewaldeten Hügeln unterbrochen“, kam es von Yuen und Soo-Ri nickte.

„Und mit der weltbesten Metro versehen“, grinste Jae-Joong.

„Ich sehe schon, ihr alle schwärmt von dieser Stadt, nicht nur Soo-Ri.“

Alle nickten.

„Hast du noch Familie dort?“

„Meine Eltern leben dort nach wie vor und meine jüngere Schwester, verheiratet, lebt mit ihrem Mann bei ihnen.“

„Die siehst du aber nicht oft, bei der Entfernung.“

Verlegen zuckte Soo-Ri mit den Schultern.

„Deine Eltern wohnen fast 9000 km weg, also hab dich nicht so!“, kam es trocken von Hyun-Woo.

Ich schaute zu ihm und streckte ihm einfach die Zunge heraus, die anderen kicherten.

„Warum löcherst du überhaupt Soo-Ri so?“, mischte sich nun Yuen ein.

„Was denn, ich möchte Soo-Ri einfach besser kennen lernen, darf man nicht fragen?“

„Doch… doch“, meinte mein Sitznachbar und winkte abwehrend mit den Händen.

„Soo-Ri kann mich genauso fragen, wenn er etwas über mich wissen möchte.“

„Hört, hört“, kam es von So-Woi.

Auch er bekam meine Zunge zu sehen.

„Steht heute noch etwas an?“, änderte Jae-Joong das Thema.

„Ich dachte, wir richten uns da nach Lucas…“

„Nach mir…?“, unterbrach ich So-Woi.

„Ja, du bist Gast in unserer Stadt und hast, soviel ich weiß immer noch nicht viel gesehen von unser Stadt, oder?“

„… ich kenn mich hier aber nicht aus und richte mich nach euch…“, äffte mich Hyun-Woo nach.

Die anderen fingen an zu lachen und ich schaute entsetzt zu Hyun-Woo, der etwas zurück wich, als ich ihm mit dem spitzen Finger in die Seite fuhr. Er hielt darauf meine Hände fest.

„Lucas, seit ich dich kenne, hast du noch nie einen Wunsch geäußert, wo du hin möchtest, außer vielleicht damals zu deinen Großeltern. Sonst hast du dich immer nach unseren Vorschlägen gerichtet. So-Woi will wissen, was du gern sehen möchtest?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Wie du schon sagtest… ich kenne mich hier nicht aus…“

Soo-Ri kicherte neben mir mit vorgehaltener Hand.

„Du erzählst immer von deinem Zeichenlehrer, der dir Korea so schmackhaft gemacht hat, ist da nichts in Erinnerung geblieben, was du gerne sehen möchtest?“

Ich überlegte angestrengt, was Park In-Jeu mir alles erzählt und gezeigt hatte, aber das war viel. Dann fiel mir etwas ein.

„Er hat mir etwas von einem Dorf mitten in der Stadt erzählt. Ich habe ihm das gar nicht richtig geglaubt, weil doch immer alles abgerissen wird und durch moderne größere Gebäude ersetzt wird.“

„Er meint sicher Hanok Village“, sagte Jack,

„Hanok? Da war ich eine Ewigkeit nicht mehr, ich glaube da war ich noch Kind“, kam es von Jae-Joong.

„Dann kann es noch nicht lange her sein“, grinste ich.

„Eh!“

Wieder lachten alle.

„Ist es denn dort so interessant? Ein paar Häuser im alten Baustil anzuschauen?“, fragte ich.

„Ein paar Häuser?“, fragte Hyun-Woo, „Hanok Village ist ein eigenes Stadtviertel mit ungefähr 900 Häusern, alle bewohnt!“

„Echt?“, fragte ich, mein Zeichenlehrer hatte mir wirklich keine Märchen erzählt.

„In Hanok lebten früher, während der Joseon-Dynastie der Adel und hochrangige Beamten der Paläste Gyeongbokgung und Changdeokgung, dass Dorf liegt genau dazwischen“, erklärte Soo-Ri.

„Adel?“

„Ja, im oberen Teil des Dorfes leben immer noch Nachkommen des Adelsgeschlechtes, das immerhin bis 1910 über 600 Jahre dort geherrscht hat. Im unteren Teil wohnen Leute wie du und ich.“

„Du scheinst genauso neugierig wie mein Hyun-Woo zu sein.“

„Nein,… das liegt eher daran, dass ich das alles in meiner Freizeit angeschaut habe. Bisher… hatte ich… keine Freunde wie euch und hab mir… dann irgendwie alleine damit die Zeit vertrieben.“

Da war wieder der traurige Ton. Aber immerhin sprach er jetzt von uns als Freunde und nicht mehr von Vorgesetzten und höher Gestellten.

*-*-*

So hatten sie mich trotz meiner Einwände, dass an einem Samstag dort sicher ganz voll dort wäre, in den Van verfrachtet. Die Stimmung war ausgelassen, ich beteiligte mich aber eher weniger an den aufkommenden Gesprächen.

Ich schaute zum Fenster hinaus und ließ diese Stadt auf mich wirken. Wie schon befürchtet, war alles sehr voll. Das änderte sich, als Jack die große Straße verließ und einen Hügel hinauf fuhr.

Etwas später war ein Parkplatz gefunden und wir stiegen aus. Hier waren zwar trotzdem Touris unterwegs, aber die Kälte ließ dies schon sehr dezimieren. Wir liefen noch einen Straßenzug entlang und dann wusste ich was die anderen mit altem Dorf meinten. Soweit ich schauen konnte, standen da Häuser im alten Baustil.

„Die Philosophie der Hanokhäuser ist begründet auf den fünf Elemente des Universums“, begann Soo-Ri neben mir zu erklären, „also Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.“

Ich war von den spitzen Dächern fasziniert, dass jedes Haus bedeckte.

„Als Baustoffe wurden nur Holz, Ton, Papier, Stein und Metall verwendet.“

„Und das hält?“, fragte ich verwundert.

„Siehst du doch, sonst würden die Häuser teileweise nicht schon über 600 Jahre stehen“, lächelte mich Soo-Ri an.

Ich ließ mein Blick weiter streifen und blieb an einer Frau hängen, die am Eingang zum Dorf stand. In ihren Händen hatte sie eine Tafel, drauf stand wohl in mehreren Sprachen, dass man bitte leise sprechen sollte, auf Rücksicht zu den Einwohnern.

„Steht die dort den ganzen Tag?“, flüsterte ich Hyun-Woo zu.

Hyun-Woo nickte mir zu. So setzte sich unser kleiner Tross in Bewegung. Wie die anderen schon erzählt hatten, lag dieser Stadtteil am Hang, so führte die erste Straße gleich recht steil nach oben.

„Du kannst dieses Dorf auch nur von Montag bis Samstag besichtigen und dass auch nur von 9.00 bis 17.00 Uhr“, erklärte Soo-Ri leise weiter.

„Sonntags nicht?“

Er schüttelte den Kopf.

„Die Einwohner wollen auch einmal unter sich sein.“

„Verstehe.“

Ohne weiter darüber nach zu denken, hängte ich mich bei Hyun-Woo ein. Er schaute kurz kritisch, sagte aber nichts darauf. So lief unsere Gruppe den Berg hinauf und ich konnte Haus für Haus bestaunen.

Aber bei jeder Kreuzung stellte ich fest, dass sich viele Häuser glichen, lediglich die Größe war unterschiedlich.

„Lucas“, machte sich Hyun-Woo neben mir bemerkbar.

„Hm?“

Er zeigte in einer der Straßen, auf eine Gruppe junger Mädchen.

„Siehst du, diese junge Damen tragen einen Hanbok“, sagte er leise.

„Viel Stoff, sind das Statisten, extra für Touris?“

„Nein, die Einwohner hier tragen passend zur Umgebung ihre alltäglich Kleidung“, erklärte nun wieder Soo-Ri.

„Und warum sieht man nur Frauen?“

„Weil die Männer vielleicht arbeiten?“

So-Woi grinste mich an.

„Willst du auch mal so ein Ding anprobieren?“

Ich hob die Augenbrauen und sah So-Woi zweifelnd an.

„Ich steh nicht auf Frauenkleidung!“

Die anderen fingen hinter vorgehaltener Hand an leise zu kichern.

„Lucas, ich meine auch einen Hanbok für Männer, auch wenn ich es lustig fände, dich in so einem Kleid herum laufen zu sehen.“

Wieder verselbstständigte sich mein Mundorgan Richtung So-Woi.

„Ähm…“, begann So-Woi weiter zusprechen, „ich meine das jetzt ernst Lucas.“

„Dass ich so ein Kleid anziehe?“, fragte ich mehr entsetzt, als belustigt.

Die anderen hatten große Mühe, nicht laut los zu lachen.

„Nein, die Version für den Mann, du Idiot.“

„Psst, nicht so laut“, kam es von Jack.

„Ich…, ich soll wirklich so ein Ding probieren? Das geht?“

Fast alle nickten.

„Hier gibt es mehrere Verleihe, wir können gerne dort hingehen und du kannst so einen Hanbok ausprobieren.“

„Ich alleine? Ich lauf doch nicht alleine in so einem Ding herum und ihr könnt euch lustig darüber machen.“

„Das würden wir nie!“, grinste Jae-Joong mich an.

„Haha…“

„Ich zieh auch so einen an, ich habe so etwas noch nie getragen“, meinte nun Yuen.

„Echt?“, fragte ich.

Er nickte.

„Warum ziehen wir nicht alle so etwas an, dann fällt es nicht so auf“, schlug Jack vor.

„Öhm, jetzt wegen mir?“

Jack nickte. Sprachlos wurde ich einfach weiter die Straße hinauf gezogen.

„Schau mal nach hinten“, meinte Hyun-Woo, als wir fast ganz oben waren.

Ich konnte im Hintergrund die Skyline von Seoul sehen. Das war wirklich ein krasser Unterschied.

„Wahnsinn“, meinte ich nur.

Ich schoss schnell ein Bild mit meinem Handy und wurde weitergezogen.

*-*-*

Dass sie Schuhe in meiner Größe da hatten wunderte mich schon sehr, aber was soll ich sagen, es passte alles wie angegossen. Sie erinnerten mich eher an Balletschuhe. Während die Hose recht pluderhaft von mir hing, war sie am Knöchel durch ein Stoffband eng verschnürt.

Der schillernde Stoff der Jacke gefiel mir sehr gut, es waren mehrere Blautöne verwendet worden und durch eine Schleife an der Seite zusammen gehalten.

Grinsen musste ich bei Jae-Joong, seine Jacke hatte rosa als Grundton. Während wir alle kurze Jacken trugen, hatte Jack einen langen Mantel an. Ich fand, das es ihn gut kleidete, sah er mit dem Hut schon fast wie ein Krieger aus.

„Na, was denkst du?“, fragte Hyun-Woo, dessen Hanbok in schlichten Grautönen war.

„Nicht schlecht, gegen meine Erwartung schön warm“, antwortete ich.

Soo-Ri verließ als letztes seine Kabine. Seine Jacke war rot, die Hose schwarz. Er sah richtig fesch darin aus. Der junge Mann, der mir beim Ankleiden half, bat uns in einen Nachbarraum, wo von uns ein Gruppenfoto gemacht werden sollte.

So-Woi hatte die Idee, auch jeden Einzeln fotografieren zu lassen. So waren wir damit fast eine weitere halbe Stunde beschäftigt. Als ich das Ding gerade wieder ausziehen wollte, hielt mich mein Schatz davon ab.

„Nein Lucas, wir werden jetzt so draußen weiter laufen. In zwei Stunden müssen wir die Kleidung wieder zurück geben.“

Ich rümpfte etwas die Nase, aber weil alle dafür waren, war ich schnell überredet.

*-*-*

Natürlich zogen wir die Blicke auf uns. Es war ja nicht normal, dass sieben junge Männer hier herum liefen und dann auch noch in der traditionellen Koreanischen Art. Dass Bilder gemacht wurden, störte mich nun nicht mehr.

Zu oft hatte ich an der Seite von So-Woi schon mehrere Blitzlichtgewitter ertragen. Trotzdem  war da ein Unwohlsein, wenn auch nur leicht. Immer wieder drehte ich mich um.

„Ist irgendetwas nicht in Ordnung?“, fragte Hyun-Woo neben mir.

„Entschuldige…, ich weiß auch nicht, aber irgendwie fühl ich mich auch hier beobachtet.“

„Klar schaut uns jeder nach.“

„Das meinte ich nicht! Ich werde irgendwie das Gefühl nicht los, als verfolgt uns jemand. Werde  ich langsam paranoid?“

Hyun-Woo lächelte mich an.

„Nein Lucas, das glaube ich nicht und nach dem was alles vorgefallen ist, seit du hier bist, würde es mir genauso gehen.“

„Aber es geht dir nicht so…, oder?“

Hyun-Woo schüttelte den Kopf.

„Warum denn auch. Es ist alles gut, niemand kann uns etwas! Und wie gesagt, dass uns hier alle anstarren, oder hinter herschauen, erklärt sich von selbst!“

Ich nickte ihm zu. Trotzdem blieb das Gefühl bestehen und ich zwang mich, nicht laufend mich umzudrehen.

*-*-*

„Ein Cafe, das Eintritt kostet?“, flüsterte ich verwundert Hyun-Woo ins Ohr, als wir einer dieser Häuser betraten.

„Ja, damit die Touris draußen bleiben“, kam es genauso leise zurück.

Eine junge Dame kam, ebenso in Tracht gekleidet, auf uns zu und verneigte sich leicht. Wir verbeugten uns ebenso. Sie führte uns, ohne ein Wort zu sagen, in einen Nebenraum, wo wir alle Platz hatten.

Dort stand aber nicht wie gewohnt ein Tisch mit Stühlen, sondern nur in der Mitte ein  niedriger Holzblock, auf dem eine größere Platte befestigt war. Während die anderen sich schon niederließen, überlegte ich, wie ich mich mit so viel Stoff an mir, ohne Probleme hinsetzten konnte.

Ich entschloss mich, wie die anderen um mich herum auch, mich im Schneidersitz nieder zu lassen, das war wohl die bequemste Art hier zu sitzen. Alles saß still da, so hielt ich ebenso den Mund.

Es dauerte noch etwas und Tee und Wasser wurde serviert, ohne dass jemand etwas von uns bestellt hatte. Vielleicht hatte ich es auch nicht mitbekommen. Eine weitere junge Dame kam herein und servierte auf zwei Platten Gebäck, welches ich schon von Großmutter her kannte.

„Darf man hier nicht reden?“, flüsterte ich Hyun-Woo zu.

„Wie kommst du darauf?“, kam es im Normalton von meinem Schatz.

Etwas verlegen, weil ich die Aufmerksamkeit der anderen auf mich zog, schaute ich auf meine Tasse.

„Weil niemand etwas sagt…“

Die anderen grinsten.

„Nur weil ich nichts sage, bedeutet das nicht, dass wir nicht sprechen dürfen…, ich wollte einfach mal ruhig sein.“

Dies kam von Jae-Joong.

„Sehr seltsam“, sagte So-Woi, du ruhig, ist schon sehr komisch, dass musst du zu geben.“

„Nur weil ich nicht so quirlig wie sonst bin, muss ja nicht gleich etwas sein.“

„Bei dir schon“, grinste ihn Jack an.

Ich schaute auf und stellte fest, dass diese Leichtbautür zum Raum, aus Holz und Papier nicht ganz zu geschoben worden war. Auch sah ich, dass da jemand dahinter stand und mit einem Auge, in den Raum blickte. Etwas tiefer konnte ich eine Kamera entdecken.

Langsam beugte ich mich zu Hyun-Woo hinüber und flüsterte ihm abermals ins Ohr, was ich gerade gesehen hatte. Er schaute mich an und schielte zur Tür.

„Jack!“, sagte er scharf.

Jack schaute auf.

„Tür!“, meinte mein Schatz nur und plötzlich setzte sich Jack in Bewegung.

Er machte fast eine Rolle rückwärts und hatte schneller als ich reagieren konnte, die Tür auf geschoben. Jener welcher, der dahinter stand, war so überrascht, dass er nach vorne über Jack flog.

Jack griff nach seiner Hand und verdrehte sie etwas, mit der anderen Hand hatte er sich die Kamera gekrallt. Der Unbekannte jaulte auf, sein Gesicht sprach Bände. So-Woi stand auf.

„Wir wünschen hier keine Fotografen, schon gar keine privaten Paparazzibilder!“

„Ich bin kein Paparazzi…“, kam es gepresst aus dem Mund des Fotografen.

„So, was denn dann?“, fragte So-Woi und tippte gegen dessen Kamera.

„Ich bin Privatdetektiv!“

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1 Kommentar

  1. Huhuu Pit,

    yippiiee, wieder was zum Lesen von dir. Und dann wieder so spannend, einfach toll.
    Hoffe, dass es dir entsprechend gut geht und Du von Covid19 verschont geblieben bist und natürlich auch alle anderen Autoren und Leser. Weiterhin alles Gute.

    VlG Andi

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