Der Traum

Ein Tag wie jeder andere? Bestimmt nicht! Ärgerlich saß ich in meinem Zimmer vor meinem PC und starrte auf den Monitor. Heut war der Brief vom Arzt gekommen. Ich sollte in den Ferien für sechs Wochen an die Nordsee.

Ich kickte mit dem Turnschuh die offene Schublade zu. Zudem merkte ich, wie es mir hochstieg, die Wut, die Verzweiflung und schon passierte es. Ich fing an zu husten, nein richtig zu bellen. Vor Schmerzen ging ich in die Knie und hielt meiner Hand an den Hals.

Die Tür sprang auf und meine Mutter kam herein.

„Mein Gott Alexander. Komm steht auf, sonst kriegst du keine Luft mehr!”, kam es von ihr.

Sie half mir auf und ich lehnte mich an ihre Schulter. Langsam ließ der Husten nach und ich bekam wieder Luft. Sanft streichelte sie mir übers Haar.

„So ist es gut, versuch ruhig zu atmen.”

Der Hustenanfall war sehr heftig gewesen, mein Herz pochte noch immer wie wild. Ich hatte Tränen in den Augen, die mir der Schmerz in der Lunge in die Augen getrieben hatte.

„Und ihr meint wirklich, ein Aufenthalt an der Nordsee hilft?”, fragte ich sie noch immer schwer atmend.

„Doktor Klug, hat dir einen tollen Platz gesucht, ja und jeder weiß wie gut die Luft da oben ist, gerade wenn man so geplagt ist wie du.”

„Sechs Wochen ist eine lange Zeit und ohne euch, was passiert wenn ich so einen Hustenanfall bekomme und ihr seid nicht in der Nähe?”

„Alexander, du bist siebzehn und kein kleines Kind mehr.Dort oben bist du genauso betreut wie hier auch, die wissen wahrscheinlich mehr über Atemwegserkrankungen als wir beide zusammen.”

Ich wollte nicht alleine da hoch, wo ich niemand kannte, zudem man dort auch noch anders sprach, als hier im Süden. Aber es half nichts, meine Mutter hatte sich fest dazu entschlossen, es geht ja um mein Wohl.

Die Wochen bis zu den Ferien verrannen und die Sommerferien standen vor der Tür. Mein Zeugnis war gut ausgefallen, na ja obwohl der Vermerk am Schulsport nicht teilgenommen drin stand. Aber körperlicher Ertüchtigung war mir strengstens vom Arzt verboten worden.

Sollte mir ja recht sein, eine Freistunde mehr, aber oft sah ich die anderen beim Sport oder Schwimmen und hätte zu gerne mitgemacht. So saß ich nun daheim und packte mit meiner Mutter zusammen die zwei Koffer.

Wenn ich recht überlegte, waren es eigentlich gar nicht soviel Klamotten für sechs Wochen, obwohl die Koffer am Schluss sehr schwer waren. Mein Vater kam rechtzeitig von der Arbeit mit und konnte somit diese Schwergewichte ins Auto verstauen.

Ich saß vor dem Haus auf der Bank und beobachtete ihn, wie er die Koffer in den Wagen hievte. Er schloss den Kofferraum und gesellte sich zu mir.

„Sieh mal Alexander, ich war von der Idee am Anfang auch nicht begeistert. Ich lasse dich ungern irgendwo alleine hingehen, aber wenn es dir hilft dieser schreckliche Husten loszubekommen, soll’s mir recht sein. Es geht alleine um dich, nicht um mich oder Mama.”

Ich versuchte es mit einem Lächeln, und mein Vater schien beruhigt. Zu dritt fuhren wir dann zum Bahnhof. Dort angekommen, bekamen wir mit, dass mein Zug Verspätung hatte. Wie sollte es denn auch anders sein bei der Bahn.

Mein Vater gab die Koffer auf und wir liefen gemeinsam zum Bahnsteig.

„Wenn etwas sein sollte, ruf einfach an, auf jeden Fall ob du gut angekommen bist”, meinte meine Mutter.

Ich nickte ihr nur zu, mir war jetzt nicht nach reden. Im Gedanken war ich schon lange im Zug, der nun auch endlich einrollte. Mein Vater gab mir meinen kleinen Rucksack und drückte mich zum Abschied.

Normalerweise finde ich so was ja nicht mehr so toll, aber diesmal tat es mir gut. Ebenso wurde ich auch von meiner Mutter gemeuchelmordet, sie drückte sehr arg zu. Im Abteil angekommen, ging ich ans Fenster und schaute hinaus.

Ich sah in zwei besorgte Gesichter, die mir zu lächelten.

* *

„Meinst du es war Richtig?”

„Christa, mache dir da mal keine Gedanken um Alexander, es wird schon gut gehen.”

„Jörg ich hab trotzdem Angst.”

„Meinst du er findet endlich das was er sucht?”

„Wie meinst du das?”

„Ab und zu werde ich aus dir nicht schlau. Hast du nie gemerkt wie einsam unser Sohn ist?”

„Doch schon..”

„Er hat nie Interesse an Mädchen gezeigt.”

„Du meinst…?”

„Ja, das meine ich, unser Alex steht auf Jungs.”

„Warum ist er damit nie zu uns gekommen?”

„Hallo Mami ich bin schwul? Wie denkst du dir das? Es kommt einfach so rüber?”

„Und was sollen wir jetzt machen?”

„Uns ruhig verhalten.”

„Und was ist mit dem Umzug?”

„Jetzt warte es doch erst mal ab, wie es ihm da oben gefällt.”

„Ich mach mir Sorgen um ihn.”

„Jetzt traue deinem Sohn doch mal etwas zu.”

„Es fällt mir so schwer.”

„Das merke ich. Lass ihn das jetzt mal durchziehen mit der Kur, du wirst sehen, es geht alles gut.”

„Ist das alles, was ich tun kann?”

„Ja, und jetzt winke, der Zug rollt an.”

*-*-*

Dass meine Mutter nicht noch ein weises Taschentuch hervorholte wunderte mich. Langsam verlor ich die beiden aus den Augen der Zug rollte vom Bahnhofsgelände und nahm an Geschwindigkeit zu.

Ich ließ mich in einer der Fenstersitze fallen und schaute hinaus. Hier im Abteil war es angenehm kühl, trotz der Sonne die auf die Scheibe knallte. Die Schiebetür öffnete sich und ein junger Mann schaute herein.

„Fahrkarten bitte.”

Ich griff nach meinem Rucksack, holte meine Fahrkarte heraus und gab sie ihm.

„Ach sie sind der junge Herr Möllendorf, wenn sie irgendetwas brauchen, keine Scheu, kommen sie einfach zu mir.

Ich schaute ihn fragend an.

„Ihre Eltern haben veranlasst, dass wir uns ein wenig um sie kümmern.”

Etwas beschämt schenkte ich dem jungen Zugbegleiter ein Lächeln.

„Ich heiße Alexander und sagen sie bitte du zu mir, ich bin erst siebzehn.”

„Geht in Ordnung Alexander, also melden, wenn etwas nicht in Ordnung ist.”

Und schon war er wieder im Begriff zu gehen.

„Ach so, Daniel ist mein Name”, meinte er noch und war verschwunden.

Ich verstaute die Fahrkarte wieder und zog ein Buch heraus, dass ich schon zu Hause angefangen hatte zu lesen. Irgendwann musste ich beim Lesen eingeschlafen sein, denn ich schrak auf, als der Zug zum Halten kam.

Ich schaute hinaus und betrachte mir das Getümmel von Menschen auf den Bahnsteigen. > Frankfurt < Wie lange hatte ich geschlafen? Eine Durchsage kam, und schon setzte sich der Zug wieder in Bewegung.

Eine alte Dame betrat das Abteil und nickte mir freundlich zu. Ich erwiderte ihren Gruß und widmete mich wieder meinem Buch. Doch so richtig konnte ich mich nicht konzentrieren, denn die alte Dame hatte die ganze Zeit irgendwas an sich zu schaffen.

Sie öffnete ihre Handtasche und zog irgendetwas heraus. Ich hörte nur ein „pfft”…. und schon stieg mir ein Geruch von penetrant riechendem Parfüm in die Nase. Langsam spürte ich wie sich in mir alles anfing zu verkrampfen. Ich konnte nur eins tun, aufstehen und das Abteil verlassen.

Auf dem Gang kam mir Daniel entgegen.

„Ist irgendwas, Alexander?”

Ich wollte antworten, aber das Husten übermannte mich.

„He ruhig mein Kleiner ..ruhig atmen”, hörte ich ihn sagen.

Er legte seine Hand auf meine Schulter und es fühlte sich gut an. Ich schaute zu ihm und spürte wie der Reiz in meinem Hals nachließ.

„Noch mal gut gegangen”, meinte ich zu ihm. Da sitzt eine ältere Dame in meinem Abteil, die hat sich grad einparfümiert.”

„Ach, ich verstehe… warte einen Moment.”

Ich schaute ihm nach und er betrat mein Abteil. Leise hörte ich die aufgeregte Stimme der Frau und sah wie Daniel langsam heraus kam.

„Ich bedanke mich Recht herzlich für ihr Verständnis, gnädige Frau”, hörte ich ihn sagen.

Dann kam er wieder zu mir zurück und schaute mich an.

„Penetrant ist gar kein Ausdruck”, meinte er und ich musste lachen, „komm mit ich spendier dir was zu trinken.

Ich folgte ihm den Gang entlang und er öffnete ein Abteil, anscheinend war dies Seins. Er öffnete eine Kühlbox und reichte mir eine Cola.

„Danke”, sagte ich und trank ein wenig.

Einige Zeit später saß ich wieder in meinem Abteil. Die Dame entschuldigte sich tausendfach und es begann mich langsam zu nerven. Irgendwann sagte ich zu ihr ich sein ein wenig erschöpft und ich wollte ein wenig schlafen, sofort war die Frau ruhig.

Ich schloss die Augen und lauschte den Geräuschen. Irgendwann war ich wirklich eingeschlafen und wurde durch ein sanftes Rütteln an meiner Schulter geweckt.

„Alexander wach bitte auf, wir sind bald da.”

Das war Daniel. Er stand ein wenig über mich gebeugt und hatte ein breites Grinsen auf den Lippen, als ich die Augen öffnete.

„Habe ich solange geschlafen?”

„Scheint so, jedenfalls die letzten drei Stunden, wenn ich nach dir geschaut habe, schon.”

„Dann werde ich mal meine Habseligkeiten zusammen suchen, bevor wir in Hamburg ankommen.”

„Gut mach das, wir werden uns draußen treffen, bei deinem Gepäck.”

„Wie? Bleibst du nicht hier im Zug?” fragte ich erstaunt.

„Nein ich werde dich bis am Schluss begleiten”, sagte er.

„Cool”, brachte ich nur hervor.

*-*-*

Es ging noch eine ganze Zeit in einem Bummelzug weiter, bis ich endlich an einem kleinen Bahnhof irgendwo in der Pampa stand. Daniel hatte sich sehr lieb von mir verabschiedet und mir sogar seine Handynummer da gelassen.

Ich schaute mich um und bemerkte, dass ich wohl der Einzigste auf dieser Station war. Ich zog mein Rucksack ab, um nach meinen Unterlagen zu schauen.

„Hallo.”

Ich schaute auf und sah eine Frau auf mich zu kommen. Was mir gleich auffiel, sie strahlte übers ganze Gesicht. Sie hatte mich erreicht.

„Hallo, bist du Alexander?”

Ich nickte.

„Entschuldige die Verspätung, aber ich hatte noch einen Zugang bei den Pferden, also nun bist du hier… ich bin die Corinna”, sagte die Frau und streckte die Hand entgegen.

„Hallo Corinna”, sagte ich und schüttelte die Hand.

Ich wollte gerade einer meiner Koffer anheben, als sie mich davon abhielt.

„Na, na, lass ihn bitte stehen, mit Gewichte heben fangen wir erst nächste Woche an”, sagte sie.

Ich schaute sie erstaunt an.

„Schau nicht so, ich kenne dein Krankheitsbild, und Gewichte heben sind ja wohl verboten”, meinte sie und drehte sich um, „Georg, wo bleibst du denn?”

Ganz hinten an der Station tauchte jemand auf.

„Mein Sohn Georg trödelt wie immer.”

„Mum, ich wollte gerade noch den Bericht im Radio fertig hören, was ist denn?”

„Hilfst du mir mal mit den Koffern?”, fragte sie, was für mich eher wie ein Befehl klang, als eine Frage.

Ohne zu Murren nahm Georg den einen Koffer, nickte mir zu und lief den Weg zurück. Corinna nahm den anderen und zog ihn hinter sich her, wir folgten Georg.

„Wundere dich nicht über meinen Sohn, Fremden gegenüber ist er immer etwas scheu.”

Das kann ja heiter werden, dachte ich und trottete hinter Corinna her. Wir bogen um die Ecke und ich sah Georg an einem Pickup, wir er gerade den Koffer auf die Ladefläche stellte.

„Willst du fahren, Georg?”, fragte sie ihn.

Er lächelte und fing den Schlüssel auf, der ihm seine Mutter zuwarf. Ich hätte ihn auf sechzehn geschätzt, aber er schien wohl schon achtzehn zu sein. Ich ertappte mich dabei wie ich Georg musterte, ließ aber davon ab, als er meinen Blick erwiderte.

Corinna öffnete die Tür und weiß mich ein zusteigen. Ich kletterte in den Wagen und saß nun in der Mitte. Georg startete den Wagen und er hoppelte auf die Straße.

„Georg macht gerade den Führerschein”, sagte Corinna.

„Mum”, kam es vorwurfsvoll von ihm.

„Hast du schon den Führerschein?”, fragte mich Corinna.

„Ich bin erst siebzehn”, sagte ich leise.

„Ist Georg auch, also ein Grund, aber kein Hindernis.”

Langsam fuhr Georg die Straße hinunter.

„Du kannst ruhig schneller fahren”, meinte Corinna.

„Die Straße ist so eng”, erwiderte Georg.

Ich musste lächeln. Georg und seine Mutter verstanden sich wohl prächtig, denn spätestens jetzt wäre jeder Jugendliche an die Decke gefahren, bei diesem piesackenden Ton seiner Mutter.

„Und außerdem, bin ich nicht der Rennfahrer in der Familie”, gab er zurück.

„Nein deine Schwester”, entgegneter sie, worüber sich sie beide anfingen zu lachen.

Es dauerte nicht lange, da bog Georg in eine Einfahrt ab. Auf einem großen Schild konnte ich Reiterhof Hellmann lesen. Hier wurde Georg anscheinend doch mutiger und bretzelte den Weg entlang, dass Staubwolken hinter uns sich auftürmten.

„Übertreiben brauchst du es jetzt nicht, Sohnemann”, meinte Corinna.

*-*-*

„So und das hier ist dein Zimmer, soll ich dir beim Auspacken helfen?”, fragte Corinna.

„Nein danke und das Zimmer gefällt mir”, antwortete ich.

Corinna ließ mich alleine und ich fing an meine Koffer auszupacken und in den Schränkchen zu verteilen. Es war zwar nicht ein Hotelzimmer, aber das gerade gefiel mir, ich überlegte sogar ob nicht ein oder zwei Poster an der Wand, es noch gemütlicher machen würden.

Ich wollte gerade den einen Koffer auf den Schrank wuchten, als es an der Tür klopfte.

„Herein.”

Die Tür öffnete sich und eine junge Frau schaute herein.

„Hallo Alexander, ich bin Steffi, die Tochter des Hauses.”

Artig gab ich Patschhand und setzte ein charmantes Lächeln auf.

„Brauchst du noch irgendwas?”, fragte sie mich.

„Wenn du so frägst, wo kann ich hier denn etwas zu trinken bekommen?”

„Die Treppe runter und dann rechts, dort ist die Küche. Hermine unsere Köchin hat alles was dein Herz begehrt”, antwortete sie.

„Danke!”, erwiderte ich nur und sie verließ mich wieder.

Ich war ein wenig geschafft, bis ich alles verstaut hatte. Ich zog mir eine Shorts an und ein neues Shirt und beschloss runter auf Erkundungstour zu gehen. Unten in der Küche war wirklich eine Frau die sich als Hermine vorstellte und entsprach wirklich dem Bild einer Köchin.

Rote Wangen, dick und gutmütig. Ich entschloss mich für eine kalte Milch. Ich zog sie in einem Zug herunter.

„Noch ein Glas, junger Mann?”, fragte Hermine.

„Oh ja, das tut gut!”, meinte ich.

Sie schenkte mir noch einmal nach und stellte den Krug zurück in den Kühlschrank.

„Wenn du etwas anderes trinken möchtest, hier im Nebenzimmer steht ein Kühlschrank mit den anderen Getränken da kannst du dich bedienen”, sagte sie zu mir.

Corinna kam herein und stellte ein Korb Gemüse auf den Tisch.

„Was ist das eigentlich hier, eine Art Reiterhotel? Ich frage deshalb, weil ich bei ihnen im Haus wohne und nicht in dem anderen Gebäude”, wandte ich mich an Corinna.

Corinna setzte sich an den Tisch und weiß mich ebenso Platz zunehmen.

„Erst mal kannst du ruhig du zu mir sagen, du bist ja jetzt schließlich sechs Wochen bei uns in der Familie. Und du wohnst deshalb bei uns im Haus und nicht bei den anderen Gästen oder Gruppen, weil du unter Beobachtung bist.”

Ich hörte ihr aufmerksam zu und nippte an meiner Milch.

„Doktor Klug und ich haben zusammen Medizin studiert. Ich habe ebenso als Ärztin praktiziert bis ich meinen jetzigen Mann geheiratet habe und ihm hier zur Hand ging. Alfons, also Doktor Klug trat aber dann irgendwann auf mich zu und fragte ob ich nicht auch jemand zum Kuren aufnehmen würde.”

„Bin ich hier jetzt der einzigste Kurgast?”, fragte ich etwas erstaunt.

„Wenn du so willst ja, die anderen Gäste kommen um Urlaub zu machen, oder die Jugendgruppen um ihre Reitkenntnisse aufzufrischen. Kannst du reiten?”, fragte Corinna mich.

„Nein, ich war noch nie auf einem Pferd gesessen.”

„Wollen wir gleich damit anfangen?”

„Jetzt… gleich?”

„Natürlich.”

„Ich hab doch gar nichts dafür zum Anziehen”, meinte ich und schaute an mir herunter.

„Keine Sorge, es wird sich bestimmt etwas finden und zu dem hast du die gleiche Größe wie Georg, da finden wir bestimmt was.”

Corinna stand auf und ging zum Telefon.

„Hi Georg ich bin es, könntest du bei der Leihwäsche schauen ob du etwas in deiner Größe findest…..ja für Alexander..”

Sie schaute zu mir herüber.

„Schuhgröße?”

„43″, sagte ich.

„43 Georg…. gut bis gleich.”

Sie legte wieder auf.

„Geh schon mal in dein Zimmer, Georg bringt es dir rauf!”, sagte Corinna.

*-*-*

Ich wartete ein wenig und zog dann meine Turnschuhe aus. Es klopfte und ohne auf mein ja zu warten kam Georg herein.

„Hallo Alexander, hier habe ich drei Reiterhosen und zwei verschiedene Stiefelpaare. Würdest du sie gleich anprobieren, damit ich weiß, ob sie passen?”

Ich sollte mich vor ihm ausziehen? Das alleine verpasste mir schon eine rote Birne. Mein Puls ging hoch und es kam was kommen musste. Mein Husten startete auf Kommando. Ich stützte mich am Stuhl ab um nicht wieder in die Knie zu gehen.

Georg ließ die Klamotten fallen und schrie in den Flur.

„Mum kommst du, er hat einen Anfall.”

Danach kam er zu mir und legte sanft seine Hand auf meine Rücken. Das Bellen wurde nicht schwächer und ich fing an Atemprobleme zu bekommen. Meine Knie wurden weich und ich drohte wegzusacken.

Wenn da nicht Georg gewesen wäre. Er stellte sich zu mir und nahm mich leicht in den Arm, so konnte ich nicht umfallen. Corinna kam hereingestürzt und entband ihren Sohn seiner Aufgabe.

„Ganz ruhig Alexander, versuche normal zu atmen”, sagte sie und stütze mich dabei.

Georg stand noch immer neben uns und sah mich besorgt an. Der Husten flaute ab und Corinna half mir mich zu setzten.

„Was war der Auslöser?” fragte sie mich.

Wieder wurde ich rot.

„Georg, lässt du uns bitte mal für fünf Minuten alleine und hol für Alexander etwas zu trinken”, sagte sie.

Er nickte, verließ das Zimmer und schloß die Tür.

„So Alexander wir sind alleine, jetzt können wir reden.”

Ich schaute sie bloß an.

„Ich weiß es kostet dich jetzt einiges an Überwindung, aber vieler deiner Anfälle sind hausgemacht”, meinte sie.

„Hausgemacht?”, fragte ich noch schwer atmend.

„Ja du kommst in irgendeine Situation, die dir unangenehm ist oder worüber du dich ärgerst, und schon ist dein Husten da.”

Ich senkte den Blick.

„Alexander, ich weiß es ist schwer. Sie mich jetzt mal nicht als Chefin oder Ärztin an, sondern eher als Freundin. Was war eben der Auslöser?”

„Ich habe da noch nicht mit jemanden drüber geredet.”

„So schlimm kann es nicht sein, oder?

„Ich weiß nicht, was sie … du dann von mir hältst.”

„Also ich kann von mir behaupten, ich bin sehr offen allem gegenüber. Also raus mit der Sprache, was bedrückt dich.”

„Ich weiß nicht wie ich anfangen soll.”

„Einfach was dir einfällt… geradeaus.”

„Ich… ich bin schwul und Georg gefällt mir…”

Eine kurze Pause entstand und ich wartete auf einen Donnerwetter.

„Das wird ihm sicherlich schmeicheln, vielleicht gefällst du ihm ja auch.”

Wie bitte… was war das? Ich schaute Corinna direkt in die Augen.

„Alexander, Georg wird dir das sicherlich selbst sagen, ich will da nicht vorgreifen, wie ich es schon eh getan habe”, meinte sie mit einem Lächeln, „war es aber jetzt so schwer mir das zu erzählen?”

„Nein… eigentlich nicht.”

„Und warum fingst du eben mit dem Husten an?”

„Ich sollte mich vor Georg ausziehen…”

Ich hatte plötzlich das Gefühl ich konnte Corinna alles erzählen, eine nichtbekannte Ruhe breitete sich in mir aus.

„Du wärst nicht der Erste, den er ohne was sieht, jedenfalls ohne Hose. Ich schick Georg jetzt wieder zu dir rauf und dann unterhältst du dich mit ihm, okay?”

Ich nickte.

„Gut, und in einer halben Stunde möchte ich dich bitte am Stall sehen”, meinte sie und ging aus meinem Zimmer.

Ein wenig später, klopfte es an meiner Tür.

„Ja?”

Georg kam herein.

„Alles wieder gut?”, fragte er besorgt.

„Ja, es geht wieder.”

„Mum meinte, wir sollen miteinander reden? Weißt du, was sie damit meinte?”

„Ja…. ich …”

Ich musste leicht husten. Georg kam zu mir ans Bett, wo ich saß.

„He ganz ruhig Alexander, es gibt nichts worüber wir zwei nicht reden könnten.”

„Auch nicht, das du mir sehr gefällst?”

So nun war es draußen. Ich kannte Georg, erst drei Stunden und machte ihm schon solche Offenbarungen. Ein kleiner Hustreiz kündigte sich an, aber ich brachte es fertig ihn zu unterdrücken, in dem ich versuchte ruhig weiter zu atmen.

Ein breites Grinsen entstand auf Georgs Gesicht.

„Du bist auch schwul?” meinte er und setzte sich neben mich.

„Du auch?”

„Ja.”

„Wow!”, brachte ich nur heraus.

Wir saßen nur da und schauten uns an, bis Georg auf seine Uhr schaute.

„Du solltest dich lieber umziehen, Mum wartet nicht gerne.”

Womit wir wieder beim Thema waren.

„Komm, du brauchst dich nicht genieren, so gut wie du aussiehst”, sagte Georg und hob mir einer Hose entgegen.

Ich und gut aussehen, brauchte Georg eine Brille? Ein Hungerhaken…, dünn wie ein Brett, Muskeln waren bei mir nur zu erahnen. Auf den Rippen konnte man Klavier spielen. Ich ließ meine Shorts zu Boden gleiten und zog die Reiterhose an.

„He, die passt ja wie angegossen”, meinte er und lächelte wieder.

Ich schaute in den Spiegel und er hatte Recht, die war wie für mich genäht.

„So und nun rein in die Stiefel.”

Das war dann doch schon mehr mit Schwierigkeiten verbunden, weil ich keine Stiefel gewohnt war.

Aber mit ein wenig Hilfe von Georg, schaffte ich es dann doch sie an zuziehen.

*-*-*

„Ah, da seid ihr ja, und alles geregelt zwischen euch?”, fragte Corinna als wir im Stall ankamen.

Ich nickte und Georg bejahte es.

„So nun komm mal her. Das hier ist Brighton, eine etwas ältere Dame, also sehr ruhig”, meinte Corinna und schob mich zu einen Pferd.

„Du brauchst keine Angst vor ihr zu haben”, meinte sie und gab mir ein Stück Zucker in die Hand.

Vorsichtig hob ich meine Hand und das Pferd holte sich den Zucker. Es kitzelte ein wenig und ich musste grinsen.

„Siehst du, geht doch. Georg hilfst du mir mal?”

Corinna zog das Pferd ins Freie und gemächlich trottete es hinter ihr her. Georg zeigte mir wie ich mich hin zustellen hatte, damit er mir aufs Pferd helfen konnte und es ging leichter, als ich mir das vorgestellt hatte.

Irgendwie fühlte ich mich jetzt anders, so hoch auf dem Pferd. Georg verschwand wieder im Stall um kurz darauf mit einem anderen Pferd zu erscheinen. Es hatte dieselbe schöne dunkelbraune Farbe wie meins.

Er stieg auf und Corinna gab ihm die Führungsleine von meinem Pferd.

„Dann wünsch ich euch beiden Mal viel Spass und Alexander ganz entspannt bleiben, keine Sorge, Georg ist bei dir.”

Ich nickte und schon ging es los. Gemächlich lief Brighton neben Georgs Pferd her, bis wir das Grundstück verlassen hatten.

„Und wie gefällt dir das?”, fragte Georg.

„Wahnsinn!”, erwiderte ich nur.

„Wollen wir das Tempo ein wenig erhöhen?”

Ich schaute etwas ängstlich.

„Keine Sorge, ich bin ja bei dir, es passiert schon nichts, wir gehen nur in leichten Trab über”, sagte er zu mir und ehe ich mich versah, trabte ich schon neben ihm her.

Ich genoss die frische Luft, die mir um die Nase wehte. Ließ mich einfach treiben, mit meinen Gedanken, die im Augenblick ein großes Wirrwarr waren. Georg ritt leicht versetzt vor mir, so konnte ich gut beobachten.

Er schien viel zu reiten, denn er hatte eine Traumfigur, muskulös aber nicht übertrieben. Sein leicht lockiges Haar, tanzte im Wind und federte bei jedem Schritt seines Pferdes.

„Und, wie gefällt dir das reiten?”, fragte mich Georg.

„Gut”, gab ich zur Antwort.

„Nur gut? Das ist das Beste was es gibt!”

Er lächelte mir zu und schaute wieder nach vorne. Mittlerweile waren wir am Strand angekommen. Georg hatte Recht. Ich genoss es an der Wasserlinie entlang zu reiten. Irgendwie wurde ich im Kopf freier, mein Schwulsein, meine Krankheit und meine Zukunft.

Nach einer Weile senkte Georg das Tempo wieder und blieb mit seinem Pferd dann stehn.

„Komm lassen wir die beiden ein wenig ausruhen”, sagte er.

Er half mir vom Pferd herunter und band beide an ein Stück Holz, das aus dem Sand ragte.

„Hast du etwas bemerkt?”, fragte er mich.

Ich schaute ihn an.

„Was meinst du?”

„Du hast nicht ein einziges Mal gehustet, seit wir losgeritten sind.”

„Stimmt!”, sagte ich verwundert.

„Die Luft ist auch herrlich”, meinte er, ließ sich auf den Boden fallen und starrte zum Meer hinaus.

„Stimmt irgendetwas nicht?”, fragte ich nach einer Weile.

„Was hast du gefragt?”, meinte er und ich schien ihn aus irgendwelchen Gedanken gerissen zu haben.

„Ob irgendetwas nicht stimmt?”, wiederholte ich meine Frage.

„Es stimmt überhaupt nichts mehr…”

Ich sah ihn an und spürte, dass es in seinem Kopf arbeitete.

„Ich habe meinen Freund mit einem anderen erwischt…” kam es leise von ihm.

Ups, dachte ich, voll ins Wespennest gestochen. Ich saß neben ihm und wusste nicht was ich sagen sollte.

„Du bist genauso sprachlos wie ich…” meinte er zu mir und ich bemerkte seine feuchten Augen.

Ich legte meinen Arm um ihn, aber er wehrte ihn ab.

„Sorry Alexander, aber das kann ich jetzt nicht haben”, sagte er und nahm eine abwehrende Haltung an.

„Tut mir leid”, meinte ich nur.

Ich spürte wie der Drang zum Husten in mir hochstieg und stand auf. Langsam versuchte ich weiter zu atmen, doch es half nichts, ich fing ordentlich an zu bellen. Mir wurde regelrecht schwindelig, weil es mir schwer fiel Luft zu holen.

„Alexander nicht doch…das wollte ich nicht.”

Das nahm ich aber schon nicht mehr richtig war. Ich kippte nach vorne und versuchte Luft zu bekommen. Georgs Arm spürte ich unter meiner Brust, das war noch das Einzigste was ich mit bekam und alles wurde schwarz.

*-*-*

Mein Hals war so trocken, als ich versuchte meine Augen zu öffnen.

„Alexander?”, hörte ich eine Stimme.

Ich musste mich orientieren wo ich war, am Strand jedenfalls nicht mehr. Langsam kam die Erinnerung wieder was vorgefallen war und ich dachte schon mein Husten würde wieder einsetzten, als ich etwas auf meinem Mund bemerkte.

Es war eine Atemmaske. Ich griff nach ihr und versuchte sie weg zuziehen.

„Die lässt du mal schön drauf”, hörte ich Corinna sagen.

Ich drehte meinen Kopf in ihre Richtung.

„Da bist du ja wieder, hast Georg ja einen ganz schönen Schrecken eingejagt!”, kam von ihr.

Hilflos schaute ich sie an, denn mit dem Teil auf dem Mund konnte ich nicht antworten. Ich sah mich um und stellte fest, dass ich wieder in meinem Zimmer, in meinem Bett lag.

„Falls du Georg suchst, der ist gerade auf der Toilette, er saß die ganze Zeit bei dir”, meinte Corinna.

Ich spürte wie ich anfing zu weinen. Corinna strich mir über die Haare.

„He Alexander, es ist doch alles wieder in Ordnung.”

Ich schüttelte den Kopf. Vorsichtig nahm sie mir die Maske ab. Mein Mund fühlte sich wie ausgetrocknet an.

„Durst?”, fragte Corinna.

Ich nickte. Sie half mir auf und gab mir etwas Wasser zu trinken.

„Nicht so hastig, es ist genug da”, meinte sie und lächelte.

Ich ließ mich wieder zurückfallen.

„Hört das je auf?”, fragte ich und spürte, wie sich die Verzweiflung in mir breit machte.

„Irgendwann… es liegt an dir…”, bekam ich als Antwort.

*-*-*

Anscheinend war ich wieder eingeschlafen, und so die ganze Nacht geschlafen haben. Die ersten Sonnenstrahlen drangen durch den Holzladen und fielen in den Raum. Neben meinem Bett stand ein Sessel und darauf… darauf lag Georg.

Zusammengekauert und zugedeckt mit einer Decke lag er da und schlief.

„Georg..”, sagte ich leise.

Er reckte sich und öffnete die Augen.

„Warst du die ganze Nacht hier?”, fragte ich leise.

„Ja…”, antwortete er und gähnte.

Ich sah ihn stumm an.

„Ich wollte dich nicht alleine lassen, ich war… war ja irgendwie schuld an deinem Hustanfall.”

„Oh Georg, aber deswegen hättest du doch die ganze Nacht nicht hier verbringen müssen, ich verstehe doch, wenn dir körperliche Nähe zu wider ist.”

„Ich habe mich blöd benommen, du wolltest mir doch nur helfen.”

„Und die Art, wie ich’s machen wollte war dir nicht Recht, na und?”

Er stand auf und streckte sich nochmals.

„Boah mir tut alles weh!”, kam von ihm.

„Das glaube ich sofort, du hättest dich auch neben mich legen können, das Bett ist groß genug.”

„Ich wollte… nicht… nicht nach dem ich dir das gestern angetan habe.”

„Du hast mir nichts angetan, du hast lediglich deinen Standpunkt vertreten.”

„Auf Kosten deiner Gesundheit. Entschuldigung Alexander.”

Er war ganz nah an mich heran getreten und kniete bei mir am Bett. Ich wusste nicht was ich machen sollte, lag einfach nur da und sah ihn an.

„Wollen wir zwei, nach her ein bisschen laufen?”

„Wenn ich aufstehen kann gerne.”

„Deine Beine haben keinen Husten!”, sagte er und legte ein breites Grinsen auf.

„1:0 für dich. Ich würd jetzt aber gerne duschen.”

„Brauchst du Hilfe.”

„Ausziehen kann ich mich noch selbst”, sagte ich und er verließ lächelnd mein Zimmer.

Ich starrte zur Decke. Georg war wirklich ein lieber Kerl und ich war gerne mit ihm zusammen. Aber es half nichts, in fast fünf Wochen müsste ich wieder nach Hause fahren und dann würde ich Georg wahrscheinlich nie wieder sehen.

Es fiel mir schwer das Aufstehen, und doch brachte ich es irgendwie fertig. Als ich nackt unter der Dusche stand, spürte ich meinen Körper wieder. Ich ließ einfach das heiße Wasser auf mich rieseln. Es dauerte noch eine Weile bis ich endlich aus der Dusche trat.

Ich sah mich im Spiegel an und war enttäuscht. Fast weiße Haut, keine Muskeln, nur Haut und Knochen. Ich wollte etwas tun, aber ich traute mich nicht so recht. Die Angst wegen einer Anstrengung einen Hustenanfall zu bekommen, war zu groß.

Ich zog mich an und verließ mein Zimmer. Unten stand die Haustür offen und ich trat nach draußen. Es war schon viel Betrieb. Einige Gäste des Hotels waren schon dabei sich um ihre Leihpferde zu kümmern, einige ritten schon davon.

„Möchtest du etwas frühstücken?”

Ich drehte mich um und hinter mir stand Hermine.

„Ja gerne”, entgegnete ich ihr.

„Setz dich doch einfach hier vors Haus, ich bring dir was.”

„Keine Umstände Hermine, ich kann auch in die Küche kommen.”

„Nichts da, keine Widerrede, setz dich hin und genieß die Morgenluft.

Sie verschwand wieder und ich setzte mich auf die Bank vor das Haus. Drinnen konnte ich Gepolter auf der Treppe hören. Steffi kam zum Vorschein.

„Morgen Alexander, und alles wieder fit?”

„Ja, geht wieder.”

„Dann ist ja gut. So, ich muss rüber zu den Ställen, da warten zwei Gäste auf ihren Reitunterricht.”

Und weg war sie. Ich schaute über das ganze Gelände, aber Georg konnte ich nicht entdecken. Nur seinen Vater, der sich mit Gästen unterhielt.

„So, jetzt frühstückst du erst mal richtig.”

Hermine kam heraus mit einem überladenen Tablett.

„Wer soll das alles essen?”, fragte ich und lächelte sie an.

„Wer weiß vielleicht bekommst du noch Gesellschaft, jetzt genieß es einfach.”

Und schon war sie wieder verschwunden. Als erstes goss ich mir ein Glas Milch ein. Ich beobachtete weiter das Treiben auf dem Hof. Doch etwas abseits, war ich froh hier alleine zu sitzen und von niemand ein Gespräch aufgedrückt zu bekommen.

Aber das hielt nicht lange. Ein Gast trat an mich heran.

„Könnten sie mir bitte weiterhelfen und mir sagen, wo der Reitunterricht stattfindet, ich kann ihren Vater nirgends finden.”

Ich sah ihn erst verwundert an, bis ich verstand, dass er mich für den Sohn von Herr Hellmann hielt. Ich schluckte mein Brötchen herunter.

„Entschuldigen sie, ich bin hier selber Gast, aber wenn sie Herr Hellmann suchen, der ist dort drüben am Gehege und der Reitunterricht ist an den Ställen, dort befindet sich die Tochter des Hauses.”

„Verzeihen sie bitte die Verwechslung”, meinte der Mann.

„Nicht schlimm!”, erwiderte ich und lächelte ihn freundlich an.

Er zog von dannen und ich war wieder alleine, fast… aus dem Haus trat Corinna.

„Gratulation, du bist eingestellt.”

„Hä…wie bitte?”, meinte ich entgeistert.

„So souverän, wie du gerade mit dem Gast umgegangen bist, könnte man meinen du machst das schon ewig.”

Ich begann zu lachen.

„Ich wollte nur nett sein…”

„Das warst du auch. Danke”

Sie lief hinüber zu ihrem Mann, der seinen Arm um sie legte und mit einem Kuss auf die Wange begrüßte. Die beiden lachten mit ihren Gästen und Georgs Vater schaute zu mir herüber und winkte. Ich winkte zurück.

Nach dem letzten Glases Milch trat ein Völlegefühl ein und ich rieb mir über den Bauch. Ich stellte alles artig auf das Tablett und brachte es in die Küche zurück.

„Danke Alexander, stelle es einfach auf den Tisch, ich verräume dann alles”, kam von Hermine, die am Kartoffel schälen war.

„Kann ich irgendwas helfen?”, fragte ich.

„Nein danke Alexander, geh ruhig raus zu den Pferden.”

Ich wusch mir die Hände und trat wieder hinaus ins Freie. Ein Transporter kam aufs Grundstück gefahren. Eine Gewisse Aufregung machte sich breit auf dem Hof und ich bekam auch wieder Georg zu Gesicht.

Ich beschloss mir das ganze aus der Nähe anzuschauen und lief hinüber zu dem Transporter, an dem gerade die Rückwand heruntergelassen wurde.

„Die Polizei hat ihn mit aufs Revier genommen, als er uns das Pferd nicht aushändigen wollte”, sagte der Fahrer.

Corinna zog das Pferd langsam aus dem Wagen und ich erschrak. Es sah total verwahrlost, abgemagert aus und war überzogen mit Striemen. Ein Helfer hielt das Pferd und Corinna kam zu mir.

„Könntest du mir bitte helfen?”, fragte sie.

„Ja gerne, aber bei was?”

„Das Pferd zu versorgen.”

Ich folgte ihr und dem Pferd in die Ställe. Corinna brachte es in eine große Box.

„Alexander, komm zu mir.”

Ich tat wie geheißen und stellte mich neben sie.

„Ich nehme dem Pferd jetzt das Geschirr ab.”

„Und was soll ich tun?”

„Stell dich zu ihm bitte und streichle es, versuch es zu beruhigen. Keine Angst, es passiert dir schon nichts, ich bin bei dir. Trete einfach von vorne auf das Pferd zu, dass es sieht was du machst.”

Etwas mulmig im Bauch trat ich zu dem Pferd und streichelte es vorsichtig am Hals, es zuckte zusammen.

„Hat der Besitzer das Pferd geschlagen?”, fragte ich.

„Nach den Striemen am ganzen Körper zu urteilen, ja.”

Ich sah dem Pferd in die Augen und ließ es einfach an mir schnuppern. Irgendwann traute ich mich es an seine Stirn zu kraulen.

„Es mag dich, sprich ruhig mit ihm, damit er sich an deine Stimme gewöhnen kann”, sagte Corinna und zog eine Spritze auf.

„Er?”

„Ja, das ist ein er, ein Hengst.”

„Meinst du, du bekommst ihn wieder hin?”

„Das kommt auf seine Verfassung an.”

Ich schaute wieder dem Pferd in die Augen, das nervös Corinna mit der Spritze beobachtete.

„Ganz ruhig, das piekt nur ein bisschen”, meinte ich zu dem Pferd.

„Wie heißt er denn?”, fragte ich Corinna.

„Er hat keinen Namen, such du einen aus.”

Ich überlegte krampfhaft und streichelte das Pferd weiter am Hals. Es gab nicht einmal ein laut von sich, als Corinna die Spritze ansetzte.

„So und nun schauen wir mal deine Hufe an mein Freund. Alexander komm her ich zeig dir wie das geht.”

Wieder stellte ich mich neben Corinna.

„Fahr ganz ruhig über seine Lauf und drücke ihn sanft nach hinten”, meinte Corinna und schon hob das Pferd seinen Huf.

„Was ich mir dachte, total verwachsen und die falschen Hufe drauf, darum müssen wir uns gleich kümmern.

„Meinst du, er hat Hunger?”, fragte ich.

„Gute Idee. Draußen im Gang da stehen drei Tröge. Du nimmst dir eine Schüssel und mit der roten Schaufel entnimmst du jedem Trog eine halbe Schaufel und schüttest es in die Schüssel und dann gut vermengen.”

Ich ging aus der Box und sah auch gleich die Behältnisse. Wie es Corinna gesagte hatte, füllte ich die Schüssel und ging mit dem Gemisch wieder zurück in die Box.

„Kann ich ihn einfach Brauner nennen?”, fragte ich.

„Bitte?”, kam es verwundert von Corinna.

„Ich möchte ihn Brauner nennen.”

„Ein etwas ungewöhnlicher Name, aber wenn es dir gefällt, gut… Brauner.”

Ich hob ihm die Schüssel unter die Nase.

„Keinen Hunger?” fragte ich.

Das Pferd schnaubte.

„Du musst aber was essen…”

Wieder drehte Brauner den Kopf weg, als ich ihm die Schüssel vorhielt.

„Habt ihr hier Möhren?” fragte ich Corinna.

„Ja, am Ende des Flurs, findest du eine kleine Tür, dahinter ist ein Kühlhaus mit frischem Gemüse und Obst.

Ich stellte die Schüssel an den Rand und verließ wieder die Box. Im Kühlhaus fand ich die Möhren. Ich riss das Grünzeug weg und nahm mir auch noch einen Apfel aus der Kiste. Draußen wusch ich die Karotte und den Apfel ab.

Wieder in der Box, stellte ich mich wieder vor das Pferd.

„Schau mal Brauner, was ich hier hab.”

Ich hielt ihm die Möhre vor. Ein Arbeiter kam und half Corinna bei den Hufen. Etwas abgelenkt von Corinna, war die Karotte schnell vergessen.

„Ruhig Brauner”, meinte ich und streichelte ihn wieder ganz sanft über den Nüstern.

Wieder versuchte ich es mit der Möhre, doch er wollte sie nicht essen.

„Die schmeckt doch ganz prima, guck”, sage ich und biss ein Stück von der Möhre ab.

Brauner schaute mich an und ich hielt ihm die Möhre entgegen. Erst schnupperte er an ihr und dann biss er langsam zu.

„Siehst du, sag dir doch, dass die schmeckt.”

Genüsslich verzerrte er auch noch den Rest der Möhre. Langsam hob ich ihm wieder die Schüssel

entgegen. Brauner schaute mich an.

„Wenn du jetzt meinst, ich koste alles vor, dann bist du falsch gewickelt”, meinte ich.

Corinna fing laut an zu lachen. Brauner senkte den Kopf und fing langsam aus der Schüssel zu essen.

„Geht doch, wer sag’s denn”, meinte ich und streichelte über seine Mähne.

Sie war total verklebt und voll Dreck.

„Wie macht man die denn sauber? Muss man da auch ein Shampoo nehmen?”, fragte ich.

Nun fing auch der Helfer an zu lachen und drückte mir eine Brüste in die Hand.

„Aber langsam, das ziept auch beim Pferd”, meinte er und widmete sich wieder der Hilfe bei Corinna.

Vorsichtig fuhr ich mit der Bürste durch seine Mähne. Brauner fing den Kopf an zu schütteln.

„Jetzt halt doch ruhig, sonst krieg ich da jetzt nie Ordnung rein.

„Alexander”, rief jemand laut in den Stall.

„Ich bin hier in der Box.”

Georg erschien an der Boxtür.

„Ich dachte wir wollten ein bisschen laufen?”, fragte er mich.

„Tut mir leid Georg, aber ich helfe gerade deiner Mutter.”

„Macht nichts Alex, dann geh ich rüber und helf Steffi bei den Gästen, wir sehn uns nachher.”

Und schon war er wieder weg. Corinna sah mich verwundert an. Ich zuckte nur mit den Schultern.

*-*-*

Ich stand am Holzgatter gelehnt und schaute Brauner zu, wie er über die Wiese trottete.

„Na zufrieden?”, kam es von Corinna.

„Es scheint ihm wieder besser zu gehen”, entgegnete ich.

„Das ist noch nicht raus, aber ich hoff mal das Beste. Ach bevor ich es vergesse, du sollst deine Mutter zurück rufen.”

„Oje, die habe ich ganz vergessen.”

„Dann lauf mal schnell rüber und ruf sie an.”

Im Haus suchte ich mir einen stillen Platz und wählte die Nummer von zu Hause. Es klingelte.

„Möllendorf”, meldete es sich auf der anderen Seite.

„Hallo Mum, hier ist Alex.”

„Hallo Alexander, wie geht es dir.”

„Gut, ich war sogar schon reiten.”

„Du bist auf einem Pferd gesessen?”

„Ja und es hat total viel Spass gemacht.”

„Das freut mich, Alexander. Und wie ist es bei dir so?”

„Die Gastfamilie ist voll lieb zu mir, alle kümmern sich sehr um mich.”

„Und schon einen Freund gefunden?”

Ich wunderte mich darüber, wie meine Mutter das Wort Freund betonte.

„Der Sohn des Hauses ist so alt wie ich und wir verstehen und gut”, beantwortete ich ihre Frage.

„Bevor ich es vergesse, nächste Woche hat Papa geschäftlich in deiner Nähe zu tun und ich werde mitkommen.”

„Du warst doch noch nie bei Papas Geschäftsreisen dabei.”

„Diesmal mach ich eine Ausnahme. So kann ich dich wenigstens besuchen.”

„Freut mich und wann?”

„Da werde ich dich noch mal anrufen.”

„Okay Mum.”

„So dann hören wir mal wieder auf, sonst wird es zu teuer.”

„Ja Mum und sag Papa nen lieben Gruß von mir.”

„Mach ich, tschüß Alexander.”

„Tschüß Mum.”

Ich legte wieder auf. Also wollten mich meine Eltern hier besuchen, auch nicht schlecht. Mir fiel Brauner wieder ein, als stürmte ich wieder aus dem Haus und rannte zum Gatter. Als er mich bemerkte, kam er angetrabt.

„Na du, wie geht es dir?”, fragte ich ihn.

Er wieherte leise und schüttelte sein Kopf.

„Ganz ruhig, und nun los renn ein bisschen rum.”

Wie als hätte er mich verstanden, trabte Brauner los quer über die Wiese.

„Er hat schnell Vertrauen zu dir gefunden.”

Ich drehte mich um, hinter mir stand Steffi.

„Findest du?”

„Ja, das ist aber auch gut, er lässt dich auch sicher auf sich reiten.”

„Glaubst du wirklich?”

„Das probieren wir dann irgendwann aus”, meinte Steffi und ging zurück ins Haus.

Etwas mulmig war mir ja schon, aber ich pfiff nach ihm und er kam langsam angetrabt.

Ich nahm Brauner an seinem Halfter und führte ihn in den Stall zu seiner Box. Ein paar Mal schon hatte ich zugeschaut, wie Pferde gesattelt werden. Sollte ich es auch mal probieren? Neben der Box vom Braunen hing ein Sattel. Mein Blick wanderte zwischen dem Sattel und meinem Braunen hin und her.

Ich griff nach der Decke und legte sie Brauner auf den Rücken. Neugierig beschnupperte Brauner die Decke, zupfte sogar daran herum.

„Brauner, die ist nicht zum Essen”, meinte ich und zog sie langsam weg.

Jetzt kam der Sattel dran, ich griff an beiden Seiten und hob ich hoch. Also ich hatte ihm mir etwas leichter vorgestellt, ich musste ganz schön stemmen, um ihn auf den Rücken des Pferdes zu bekommen.

Georg hatte etwas gesagt, dass der Gurt immer auf der linken Seite fest gemacht wurde. So lief ich auf die linke Seite und stellte fest, ich hatte die Seiten verwechselt. Jetzt sah ich auch, dass die Sitzfläche falsch herum war, das hätte mir schon beim draufsetzten auffallen müssen.

So nahm ich noch einmal meine ganze Energie zusammen und drehte den Sattel. Jetzt hing den Gurt richtig. Ich bückte mich und griff unter Brauner hindurch um den Gurt auf meine Seite zu ziehen.

Ich schloss die zwei kleinen Riemen des Gurtes und anscheinend war der Sattel jetzt fest. Schwieriger fand ich aber, das Kopfteil, die Trense über Brauners Kopf zu ziehen. Das Halfter hatte ich schnell herunten, dafür brauchte ich ewig, bis die Trense saß. Stolz auf mein Werk, führte ich Brauner nach draußen. Ich ließ kurz einen Blick über den Hof wandern. Ich wollte einmal was alleine fertig bringen, ohne auf Hilfe anderer angewiesen zu sein.

Keiner war zu sehen. Also versuchte ich den Stiefel in den Steigbügel zu bekommen, er war aber viel zu hoch. Da entdeckte ich die Befestigung und nach einigen Versuchen hatte ich den Bügel länger gemacht.

Zweiter Versuch – ich steckte den Stiefel hinein und diesmal passte es, mühsam zog ich mich auf den Rücken. Es war ein schönes Gefühl auf Brauner zu sitzen und diesmal sogar aus eigener Kraft. Brauner verhielt sich ruhig, scheute nicht mal. Mit meiner Hand streichelte ich dem Braunen über seinen Hals.

„So dann werden wir zwei mal langsam ans Meer reiten, oder was meinst du?”, sagte ich.

Brauner wieherte und lief langsam los, als würde er sich ebenfalls auskennen.

*-*-*

Georg

„Hat jemand Alex gesehen?”, fragte ich.

Der war vorhin mit seinem Pferd am Stall”, antwortete Steffi.

„Da war er aber nicht… und ein Sattel fehlt.”

„Ach du scheiße.”

„Was denn?”

„Ich hab Alexander vorhin gesagt, dass er sicherlich mal mit seinem Pferd reiten könnte. Vielleicht ist er ausgeritten.”

„Bist du verrückt, wenn ihm jetzt etwas passiert, so gut kann Alexander noch nicht reiten, oder er bekommt vielleicht einen Hustanfall.”

„Jetzt beruhigt dich, Sohnemann!”, kam es von Corinna, „das packt er schon und es tut ihm gut.”

„Ich reite ihm trotzdem hinterher.”

„Wo kommt plötzlich diese Fürsorge für Alex her?”, stichelte Steffi.

„Blöde Kuh!”, meinte Georg und stürmte aus der Küche.

*-*-*

Alexander

Irgendetwas stimmte nicht, ich hatte keinen rechten Halt. Brauner reagierte nur widerwillig, was ich ihm mit dem Zügel und den Schenkel versuchte zu sagen. Ich war in den leichten Trab übergegangen, stand etwas in den Steigbügeln.

Bei der nächsten Biegung passierte es dann, der Sattel verrutsche und ich folg kopfüber vom Pferd. Ich hatte aber Glück, weil ich irgendwie dann doch auf dem Hintern aufkam. Der Sattel hing auf der Seite und Brauner war sofort stehen geblieben.

Anscheinend hatte ich den Gurt nicht fest genug angezogen. So ging ich wieder zu Brauner, der zufrieden graste. Mit viel Anstrengung, drückte ich den Sattel wieder nach oben und verstellte den Gurt um zwei Löcher enger.

Ich zog mich wieder nach oben und atmete erst einmal tief durch. Mein Rücken tat etwas weh, aber ich dachte, dass ginge sicher wieder weg. So ritt ich weiter und erreichte bald den Strand.

Es war nicht viel Betrieb am Strand und Brauner schien es sichtlich Spass zu machen am Wasser entlang zu traben. Mir tat die frische Luft gut und mir viel auf, dass ich jetzt schon einen ganzen Tag ohne Husten war.

Ich spürte die warme Sonne auf meiner Haut und fühlte mich rundum wohl. Irgendwann wollte ich eine Pause machen. Ich stieg ab und wickelte mir die Zügel um das Handgelenk. Sitzend sah ich aufs Meer hinaus und genoss weiterhin die Sonne. Brauner stand ruhig neben mir, seine Zügel hatte ich fest in der Hand.

* *

Unsanft wurde ich aus dem Schlaf gerissen.

„Schatz…Alexander so sagt doch was?”

Ich musste mich erst orientieren, Georg kniete vor mir mit weit aufgerissen Augen und sah verheult aus.

„Stimmt was nicht”, fragte ich noch etwas müde.

„Gott sei Dank, dir geht es gut…”, kam es von Georg.

„Wieso soll es mir nicht gut gehen, ich habe nur eine kleine Rast gemacht und muss eingeschlafen sein.”

„Als ich dich von weitem da liegen sah, dachte ich schon…..”, Georg fing laut an zu weinen.

Ich nahm ihn in den Arm und Brauner sah mich an als wolle er fragen, was hat der denn. Georg löste sich von mir und wischte sich die Tränen ab.

„Besser?”, fragte ich.

„Ja, aber mach so was nie wieder.”

„Tut mir leid, dass war keine Absicht.”

„Reite bitte nie wieder alleine weg. Das würde ich nicht verkraften.”

Ich schaute in seine noch roten Augen.

„Schau nicht so… ich habe mich in dich verknallt…”

Ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Ich umfasste seinen Nacken zog ihn zu mir heran und gab ihm einen Kuss. Seine Lippen waren wunderbar weich, in mir breitete sich eine mir unbekannte Wärme aus.

„Für einen Anfänger küsst du verdammt gut!”, meinte Georg als er einwenig atemlos absetzte.

Er drückte mich in den warmen Sand und engumschlungen küssten wir weiter.

* *

So verging die Woche schnell. Georg und ich verbrachten die ganze Zeit zusammen, und ich dachte nicht ein einziges Mal an meinen Husten. Ich genoss einfach nur seine Nähe. Meine Eltern hatten sich angekündigt, aber als wir einen Ausflug zu Pferd in die nahe Ortschaft machten, war dies schnell vergessen.

„Du machst dich wirklich gut zu Pferd”, meinte Georg, als wir auf dem Rückweg waren.

„Es macht mir auch unheimliche Spass und Brauner ist auch ein tolles Pferd!”, antwortete ich tätschelte ihn am Hals.

Wir bogen in den Weg an den äußersten Gattern ein, als ich ein mir bekanntes Auto sah.

„Ui, meine Eltern sind schon da”, sagte ich, „mal sehn wer Erster dort ist!”

Ich ging vom Trab in den Galopp über und Brauner jagte den Weg hinunter. Ich hatte etwas Mühe mich im Sattel zu halten, so griff ich nach der Mähne und krallte mich fest. Kurz vor dem Tor zum Hof zog ich an den Zügel und Brauner gehorchte.

Mit einem Traben kam ich in den Hof. Meine Eltern standen bei Corinna und sahen zu mir. Ich ließ Brauner noch ein paar Schritte laufen.

„Hallo Alexander”, sagte meine Mum ein wenig verstört.

Ich ließ mich vom Pferd gleiten und fiel ihr um den Hals. Danach umarmte ich zur Begrüßung meine Dad.

„Du bist ja nicht wieder zu erkennen”, meinte mein Dad und wuschelte mir in den Haaren.

„Und Farbe hat er auch bekommen”, kam es von meiner Mum.

Verlegen lächelte ich ihnen entgegen.

„Bist du eigentlich noch ganz normal?”, fragte Georg.

„Georg!”, hörte ich Corinna mahnend sagen.

„Ach Mum, er hätte sich ach weiß was tun können, einfach mir wegzugaloppieren.”

„Ist doch alles gut gegangen!”, meinte ich und führte Brauner in den Stall.

Immer noch verblüfft, folgten mir meinen Eltern in den Stall. Sie beobachten mich, wie ich meinen Braunen absattelte, in seine Box führte. Sie blieben auch stumm, als ich ihn abstriegelte und mit Futter und Trinken versorgte.

„Bist du sicher, dass dies unser Sohn ist?”, fragte Dad meine Mum.

„Ich weiß nicht, er sieht ihm ähnlich, aber benehmen tut er sich nicht so.”

„Jetzt hört schon auf ihr zwei”, meinte ich und schloss die Box.

„Mir gefällt es sehr gut hier und ich habe ein eigenes Pferd.”

„Das haben wir schon mit bekommen”, sagte mein Dad.

„Und dann ist da noch…..”, ich stockte.

Meine Mutter sah mich liebevoll an und streichelte mich an der Wange.

„Georg….. ich hab mich in ihn verliebt”, beendete ich leise meine Satz.

„Der junge Mann, der sich so unendlich viel Sorgen um dich gemacht hat… scheint sehr nett zu sein!”, kam es von meiner Mutter.

Fragend schaute ich meine Mutter an.

„Wie ..ich habe gesagt, ich liebe Georg, Mum ich bin schwul…”

„Ja und? Ist das schlimm?”

Ich fiel meiner Mutter wieder um den Hals und drückte sie fest an mich. Mein Dad stand neben uns

und grinste frech.

„Jetzt zieh schon nicht so ne Schnute dahin, es ist doch alles in Ordnung”, meinte er.

Ich schüttelte den Kopf.

„Was?”, fragte Mum.

„In drei Wochen ist alles vorbei, da muss ich zurück”, meinte ich traurig.

„Hört, hört. Am Anfang deiner Ferien klang das noch ganz anderst. Da wolltest du nicht hier her!”, kam es von meiner Mutter.

„Da wusste ich auch noch nicht wie schön es hier ist, das ich ein eigenes Pferd besitze…und das mit Georg.”

„Stimmt, dieses Pferd zu uns zu transportieren wird sehr kostspielig, und ob Corinna so einfach ihren Sohn hergibt”, sagte mein Dad.

Ich sah ihn an und bemerkte sein freches Grinsen.

„Was heckt ihr beide wieder aus?”, fragte ich.

„Komm mal mit, setzten wir uns da drüben hin”, sprach meine Mutter und zog mich hinter sind her.

„Dir gefällt es gut hier und würdest gerne bleiben.”

„Ja!”, sagte ich.

„Ich bin nicht nur wegen dir mit deinem Vater mitgekommen, ich wollte auch unser neues Haus anschauen.”

„Was….. wie soll ich dass jetzt verstehen?”, fragte ich.

„Dein Vater hat in seiner Firma, eine höhere Stellung angeboten bekommen, einzigster Nachteil, diese Stellung befindet sich hier.”

„Ihr meint…”

„Ja, wir werden hier her ziehen”, sagte mein Dad.

„Wow… ich bin sprachlos…”

Ich sprang auf.

„Wo willst du hin?”, wollte meine Mum wissen.

„Ich muss dringend zu Georg…”, rief ich und rannte zum Haus.

In der Küche traf ich nur Steffi an.

„Weißt du wo Georg ist?”

„Zimmer!”, kam es kurz vor ihr.

Ich spurtete die Treppe hinauf und ohne anzuklopfen rannte ich in Georgs Zimmer, den ich traurig auf seinem Bett vorfand. Ich stürmte auf ihn zu, drückte ihn aufs Bett und küsste ihn überall im Gesicht.

„Kleiner was ist denn passiert?”, fragte er erstaunt.

„Ich bleibe dir erhalten”, antwortete ich.

„Wie erhalten?”

„Mein Dad, nimmt hier oben eine Stelle an, wir werden hier her ziehn.”

Georgs Gesicht hellte zunehmend auf.

„Du bleibst hier?”, schrie er schon fast.

„Ja.”

Georg packte mich und zog mich zu sich hinunter. Es folgte ein langer sinnlicher Kuss.

*-*-*

Der Umzug belastete mich überhaupt nicht. Mum und Dad hatten eine Woche zuvor eine kleine Abschiedsfete veranstaltet. Es war Verwandtschaft und Bekannte da, auch einige aus meiner Klasse.

Klar war ich bei ihnen der Mittelpunkt, ich hatte ja jetzt ein Pferd. Mein Brauner fehlte mir schon, aber noch mehr Georg. Jeden Abend bevor ich zu Bett ging, telefonierten wir noch kurz.

Sein Vorwand war, er müsse sich ja informieren, ob ich keinen Rückfall habe, aber ich merkte schnell, ich fehlte ihm genauso, wie er mir. Nun hatte ich gerade den letzten Umzugskarton zugeklebt und trug ihn hinunter.

„Und du willst am Wochenende wirklich nicht mit uns fahren, fragte Mum.

„Jetzt lass den Jungen doch”, kam es von Dad, „fünf Wochen ohne Freund, dass wäre mir sogar zuviel. Alexander mach dich dann fertig ich fahre dich dann zum Bahnhof.”

„Danke”, meinte ich und verschwand im Bad.

Schnell wusch ich mir das Gesicht und die Hände. Tja lieber Spiegel, dieses Gesicht bekommst du nun zum letzten Mal zu sehen. Ich musste grinsen, sah ich jetzt doch schon ganz anders aus.

Der Mode entsprechend hatte ich ein Wirrwarr auf dem Kopf, aber bewusst so mit Gel so gestylt. Ich hatte ordentlich Farbe bekommen und etwas zugenommen hatte ich auch, also war ich rundum zufrieden mit mir.

Ich verließ das Bad, suchte meine Tasche mit meinen letzten Habseligkeiten und schulterte sie.

„Ich bin fertig”, rief ich meinem Vater zu.

„Geh schon mal an den Wagen, ich such noch meine Wagenschlüssel”, kam als Antwort zurück.

Meine Mum kam auf mich zu und nahm mich in den Arm.

„Pass auf dich auf, Alexander, wir sehen uns am Freitag.”

„Keine Sorge Mum, mir geht es so gut, wie noch nie.”

„Das kann ich mir lebhaft vorstellen”, erwiderte sie mit einem Grinsen.

„Also dann bis Freitag!”, verabschiedete ich mich von ihr und verließ die Wohnung.

Es dauerte noch eine Weile bis Dad endlich kam.

„So Junge, wir müssen uns sputen, sonst fährt dein Zug ohne dich!”

„An mir lag es nicht”, sagte ich und grinste ihm frech entgegen.

Mein Vater schnaufte kurz, lächelte aber ebenso. Schnell waren wir am Bahnhof und mein Vater bestand darauf mich noch bis zum Zug zu begleiten. Am Bahnsteig angekommen umarmte er mich kurz.

„Alexander, bist du das?”

Erstaunt drehte ich mich um und schaute in die erstaunten Augen von Daniel. Er hatte mich damals auf meiner ersten Reise zur Nordsee begleitet.

„Das ist meine Überraschung, Alexander, dachte, dass du nicht all zu einsam fahren musst”, kam es von meinem Dad.

„Ja hallo Daniel… ich bin es wirklich”, antwortete ich darauf und umarmte noch einmal als Dankeschön Dad.

„Dann lass ich euch mal alleine, gute Fahrt Alexander, weiß ja, du bist in guten Händen.”

Und weg war er. Wie meinte er dass eben, er hatte während er das eben sagte, so ein teuflisches Grinsen auf den Lippen.

„Komm lass uns einsteigen, der Zug fährt gleich ab”, riss mich Daniel aus dem Gedanken, „man du hast dich ja wirklich sehr verändert, bist das wirklich du?”

Ich musste lachen.

„Ja, das bin ich!”

„Und dein Husten?”

„Vollkommen weg.”

„Dann war diese Kur wohl ein voller Erfolg?”

„100 Punkte.”

Er öffnete ein Abteil und wies mich an hineinzugehen.

„Ich helfe noch meinen Kollegen, dann habe ich etwas Zeit und komm zu dir, musst mir mal genau erzählen, was für eine tolle Kur das ist, wenn man so gutaussehend zurückkommt.”

Huch, flirtete Daniel da jetzt gerade mit mir?

„Wieso, willst dein Aussehen verändern?”, gab ich frech zurück.

Daniel grinste zurück.

„Okay, bis gleich dann.”

Und schon war ich alleine. Ich stellte meine Tasche auf der Sitzfläche ab und ließ mich auf einen Sitz am Fenster fallen. Kaum saß ich, ruckelte der Zug kurz und begann sich zu bewegen.

Ich griff zu meiner Tasche und zog den Reisverschluss auf. Zum Vorschein kam mein Laptop, noch ein Teil, dass ich zum Umzug geschenkt bekommen hatte. Anscheinend dachten meine Eltern mich damals irgendwie bestechen zu müssen, damit es mir nicht so schwer viel, nach Norddeutschland zu ziehen, aber beim Kauf, da wussten sie ja auch noch nichts von Georg und meinem Braunen.

Ich fuhr das Laptop hoch und öffnete die Datei mit den Bildern. Gleich als erstes prangte mir Georg entgegen. Eine Aufnahme vom Strand nur in Jeans neben seinem Pferd. Sein muskulöser Oberkörper ließ mich wieder ins Träumen verfallen.

Ich klickte weiter, um einfach wie oft in den letzten Wochen, die Bilder von der Kur mir anzusehen. Die Schiebetür wurde aufgezogen und Daniel kam herein. Er hob mir eine Cola entgegen und setzte sich neben mich.

Danke nahm ich an und trank ein Schluck.

„Was ist das?”, fragte Daniel und zeigte auf das Laptop.

„Ein Laptop!”, antwortete ich frech.

Daniel ließ die Augen rollen.

„Bilder von meiner Kur, willst du sie sehen?”

„Aber klar doch!”

Also ging ich zurück an den Anfang, wo natürlich gleich das Bild von Georg kam.

„Wer ist das?”

„Das ist der Sohn der Familie, bei der ich während der Kur wohnte.”

Sollte ich ihm auf die Nase binden, dass Georg mein Freund war?

„Der sieht aber gut aus.”

Ich haderte kurz, aber entschloss mich dann doch mit offenen Karten zu spielen, Daniel war einfach sehr sympathisch.

„Das ist ja auch meiner.”

„Wie deiner?”

„Georg ist mein Freund.”

„Freund… also du meinst…?”

„Ja, Boyfriend, aber vergiss den Ausdruck gleich wieder, ich mag den nicht.”

„Dann wird mir ja Einiges klar”, meinte Daniel mit ernstem Gesicht.

„Wieso?”, fragte ich nun doch etwas vorsichtiger.

„Von so einem Schnuckel hätte ich mich bestimmt auch gerne pflegen lassen”, antworte er und begann wieder zu grinsen.

Er zog etwas seinen Jackenärmel und den des Hemdes hoch. Zum Vorschein kam ein Metallreif in Regenbogenfarben. Nun musste ich auch grinsen. Daniel war also ebenso schwul und mir kam in den Sinn, er hatte vorhin wirklich mit mir geflirtet.

„Dann bist du jetzt also in festen Händen?”

„Ja, unwiderruflich und das gleich zweimal.”

Fragend schaute mich Daniel an.

Ich scrollte zum nächsten Bild und mein Brauner kam zum Vorschein.

„Der gehört auch noch zu mir.”

„Du hast ein Pferd?”

„Ja, war sozusagen auch in der Kur inbegriffen”, meinte ich grinsend.

„Georg hat nicht zufällig noch einen Bruder und ein Pferd übrig?”

„Nein”, lachte ich, „Georg hat nur noch eine ältere Schwester. Aber Pferde gibt es dort genug, das ist so ein Reiterhof.

„Och Urlaub hab ich bald und wo ist das?”

Ich erzählte Daniel jetzt alles vom Hotel, den Pferden und auch dem Meer. Er feixte, dass wir uns da sicher mal wieder sehen würden, gab mir seine Emailadresse, damit ich ihm Info übers Hotel schicken konnte. Dann musste er leider weiter. Ich lehnte mich zurück und freute mich auf Georg, bald würde ich ihn wieder im Arm halten können.

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Eine andere Liebe – Teil 1

Hi, ich bin Markus, siebzehn Jahre alt und werde euch eine kleine Story erzählen, die ich vor kurzem erlebt habe, na ja und immer noch am erleben bin. Falls es interessiert, zu erst einmal ein paar Sachen zu meiner Person. Continue reading

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Dunkel – Teil 1 Coautor Chris

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Welcome Kapstadt – Teil 1

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Vatikano – Teil 1

Das Dokument

Ich zog noch mal meine Uniform zurecht, sah mich im Spiegel an. Ich entdeckte einen kleinen Fleck auf einem meiner Knöpfe. Ich nahm ein Tuch und polierte ihn noch mal kräftig nach, bis er wieder glänzte.

Lange hatte ich davon geträumt, bei der Schweizer Garde im Vatikan zu dienen, und vor fünf Jahren war es endlich in Erfüllung gegangen. In der Schweiz hatte mich eh nichts gehalten, so war es ganz recht, das man meinen Antrag auf Einzug angenommen hatte. Continue reading

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Es holperte ein wenig, als das Flugzeug zur Landung aufsetzte. Der Pilot verstand sein Handwerk, sanft gleitete die Maschine auf die Rollbahn nieder und ließ das Flugzeug ausrollen. Langsam näherte er sich der Gangway. Continue reading

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Weihnachtsmärchen

(Zweites Adventswochenende)

“Mensch kannst du nicht aufpassen?”

“Sorry.”

Ich saß auf dem Boden spürte wie die Kälte des Schnees durch meine Hose drang. Ich hatte noch ein paar Weihnachtseinkäufe erledigt und war froh, daß ich endlich fertig damit war. Im Gedanken versunken, verließ ich, ach ja ich heiße Michael und bin süße 17, na ja süße, weiß auch nicht wie ich darauf komme, aber ich schweife vom Thema ab. Continue reading

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Das Internat – Teil 3

Zum Glück konnte ich nachholen, wer weiß was mich das letzte Mal geritten hatte, in der Schriftlichen durchzufallen. Wie gewohnt, lenkte ich meinen Jeep auf den großen Parkplatz. Ich stieg aus und holte meine große Taschen hinten raus, verschloss Continue reading

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Relationships – Teil 1

Er riss das Lenkrad herum, aber es war zu spät, mit voller Wucht traf das entgegenkommende Auto die Beifahrerseite. Miriam war sofort tot, Charlie hingeben starb langsam. Unter großen Schmerzen sah er wie seiner Frau das Blut an der Lippe entlangfloß.

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Das Internat – Teil 2

Alles fing damit an, dass Bienchen, so nannten wir Maria alle, am Mittag vor der Abreise zu uns ins Büro kam. David und ich saßen mit Mutsch da und plauderten.

Wer ich bin? Ich heiße Silvio, war hier auf dem Kurs um meine schriftlichen Prüfungen als Restaurantfachmann zu absolvieren, na ja mehr oder weniger auch fertig bekam. Ich hatte es hinter mir und morgen war endgültig Schluss hier oben, Continue reading

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Das Internat – Teil 1

So eine Kacke man, dachte ich. Jetzt muss ich für drei Monate aufs Internat. Meine Lehre zum Koch sah vor, dass ich Blockunterricht hatte. Und dieser Blockunterricht fand auf einer Berufsschule irgendwo im Schwarzwald statt.

Und um nicht jeden Tag heimfahren zu müssen, war dort ein Schülerinternat angeschlossen, wo mich mein Lehrbetrieb angemeldet hatte. Continue reading

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Wirbelsturm der Gefühle – Teil 2

„Das ist dein Koffer, Marco“, sagte Bob und zog meinen Koffer aus dem Bus.

„Danke Schatz, ich habe ihn“, meinte ich und nahm ihn entgegen.

Nun war es endlich so weit. Zehn Tage Rostock und wir in diesem Schiff einer Jugendherberge. Prof. Müller rief die Klasse zusammen, als jeder sein Gepäck hatte. Sie reihten sich alle um ihn und der krause, die als Begleitung dabei war. Continue reading

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Eine Minute…

Es dauert Monate,
mit unter sogar Jahre um das Vertrauen
eines Menschen zu erlangen
aber nur 30 Sekunden können
genügen um ALLES zu zerstören
Man sagt
dass es nur 1 Minute dauert
um eine besondere Person zu bemerken
1 Stunde um sie einzuschätzen
1 Tag um sie gern oder lieb zu haben
aber es ein ganzes Leben dauert um sie wieder zu vergessen.
Schicke diese Worte an alle Personen
die du nicht vergessen möchtest und vergiss auch nicht die Person,
die es dir geschickt hat.
Eine kleine Nachricht um zu zeigen
dass dich ein Mensch nicht vergessen hat.
Wenn du es niemandem schickst,
heißt das, dass Du in Eile bist
und
Deine Freunde vergessen hast.
Nimm Dir 1 Minute Zeit,
oder ist das,
was du eben machst,
wichtiger für Dich…

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Bussi

Ein Bussi schnell mal dahingesagt,
es doch so viel zu sagen vermag:
Ich hab dich lieb, ich mag dich sehr,
und oft bedeutet’s auch noch mehr.

Meist ists aber Schall und Rauch,
eine Floskel – nur ein Brauch.
Dabei kann so ein Bussilein,
viel Liebe und viel Schmerz auch sein.

Drum wäge ab wer’s Bussi gibt,
ist’s unbedacht – ist es lieb.
Und sei dir bei mir ganz gewiss,
ein Bussi von mir ehrlich ist.

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Toscana einmal anders – Teil 4

Adriana schrie laut auf, ihr war es wohl auch nicht entgangen, das da ein Messer im Spiel war.

Der Mann schaute zu uns herüber. Das nutze der junge Italiener und versuchte ihm das Messer zu entreisen. Der Junge schrie und ich sah wie das Messer zu Boden viel.

Phil wollte ebenfalls eingreifen, aber es war zu spät, eine Faust des Mannes im Gesicht streckte ihn nieder. Jetzt hielt mich nichts mehr. Ich sprang los und hechtete mich mit vollem Gewicht auf den Mann, der von mir dann zu Boden gerissen wurde. Continue reading

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Toscana einmal anders – Teil 3

Draußen hörte ich Tommy sprechen.

„Wo soll ich das Brett hinlegen?“

Seine Stimme klang traurig.

„Was ist passiert Tommy?“, hörte ich meine Mutter fragen.

Keine Antwort. Continue reading

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Wirbelsturm der Gefühle – Teil 1

Der junge Mann der gerade mit dem Müll beschäftigt war, hieß Marco. Er half wie seine zwei Schwestern in der elterlichen Pizzeria, war siebzehn Jahre alt und besuchte noch das Gymnasium. Wie vielen Italiener, sah man ihm sein Herkunftsland an.

Seine schwarzen Locken hingen im Wild ins Gesicht, seine dunkelbraunen Augen stachen dennoch hervor.

Klein war er nicht, sondern hatte ein Durchschnittsmaß, kräftig gebaut, das wöchentliche Fahrrad fahren hinterlies halt seine Spuren. Continue reading

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Toscana einmal anders – Teil 2

„Was hast du?“ Tommy fuhr auf und ich konnte nicht mehr das Gleichgewicht halten.

Wir landeten beide im Wasser.

Hustend zog er mich aufs Brett.

„Was hast du da gerade gesagt?“ fragte er noch mal.

„Das ich mich in dich verliebt habe und na ja ich bin schwul.“ Continue reading

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Toscana einmal anders – Teil 1

Ich wurde wach, musste mich aber erst mal umschauen, wo wir überhaupt waren. Im Auto zuschlafen war keine so gute Idee gewesen, es tat mir alles weh. Wir, dass sind meine Eltern und ich. Wie jedes Jahr waren wir in die Toskana gefahren, um dort vier Wochen Urlaub zu machen. Mit dem Wohnwagen ans Meer.

Ihr werdet sicherlich sagen, der fährt noch mit Mama und Papa in Urlaub? Warum nicht, wann komme ich denn sonst „umsonst“ für drei Wochen in Urlaub. Und dann noch in die Toskana….? Continue reading

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To trust

Es war einer dieser kalten Augustabende, an denen es früher dunkel wurde, weil Wolken den Himmel bedeckten und der Wind eisig vom Berg herunterkroch. Hier oben war vieles anders, als unten im Tal, oder den Großstädten.

Er saß nur da, und schaute den Berg hinab, ließ seinen Blick von Lichtpunkt zu Lichtpunkt wandern. Er wusste nicht, wie oft er nun dieses Lied hat schon spielen lassen, er drückte jedesmal an den Anfang zurück und ließ es immer und immer wieder laufen …. you are not alone..

Es passte zu seiner Stimmung, leise und traurig. Die Bilder, die vor ihm abliefen, waren die der letzten Tage. Der Streit mit seinen Eltern, seine stundenlangen Weinkrämpfe und alles nur wegen einem Problem, mit dem er schon seit Monaten kämpfte.

Er hatte in den letzten Wochen sehr abgenommen. Anfangs noch ein kleiner Pummel, und jetzt… total abgemagert, man könnte meinen er wäre Magersüchtig. In der Schule blieb dies auch nicht unbemerkt, kurz vor den Zeugnissen, also bei den wichtigsten Arbeiten, sackte er total ab und versaute alle seine Noten damit.

Seine Eltern probierten alles um an ihn heran zukommen, aber er verkroch sich nur noch in seinem Zimmer. Sie gingen mit ihm auch zu einem Psychiater und als dort die Bemerkung >längerer Aufenthalt in einer Klinik< fiel, war es um ihn geschehen, er weinte fast den ganzen Mittag durch, bis abends sein vater kam.

Dieser startete den letzten Versuch. Er schlug ihm vor, zwei Wochen zu seinem Großvater zu fahren, der eine kleine Pension führte, wenn sich dann nichts änderte müsse er in die Klinik. Er ging auf diesen Deal ein und seit gestern Abend nun war er bei seinen Großvater.

* * * * *

„Jakob, komm rein, es wird langsam kalt.“

Ich schaute auf und sah meinem Großvater ins Gesicht, der an seiner Pfeife zog.

„Ich habe drinnen Feuer gemacht, da kannst du dich ja hinsetzten wenn du magst,“ sagte er.

Ich nickte ihm zu, schnappte meine Zigaretten und folgte ihm.

Mein Großvater.. seit meine Oma vor zwei Jahren gestorben war führte er diese Pension alleine. Naja Pension, ich wusste nicht recht, Feriengäste hatte ich hier in der Art noch nie gesehen. Gut seit Omas Tod war ich auch nicht mehr hier, davor regelmäßig alle Ferien..

So, in dieser Zeit fing das auch mit meinen Problemen an, und da wollte ich auch nicht mehr hier her. Nun wo ich siebzehn war, stellte ich fest, dass ich diesen Mann, den ich Großvater nannte, in keinster Weise kannte.

Ich saß im Sessel vor dem offenen Kamin und starrte ins Feuer. Mein Opa brachte mir einen Tee und setzte sich auf die Couch. Er umsorgte mich schon die ganze Zeit, aber seit ich angekommen war, wechselten wir nur wenige Worte, er lies mich einfach in Ruhe.

„Morgen übrigens bekommen wir noch einen Gast,“ sagte Opa.

Ich starrte weiterhin aufs Feuer.

„Wer?“ fragte ich leise und nippte an meinem Tee.

„Ein Junge in deinem Alter etwa.“

„Aha,“ mehr brachte ich nicht heraus.

„Willst du schon auf dein Zimmer, oder leistest du mir noch etwas Gesellschaft?“

Ich schaute auf meine Uhr, es war erst halb neun, da konnte ich mich schlecht auf mein Zimmer verziehen. Ich steckte mir eine Zigarette an.

„Ich bleibe noch.“

Er nahm sich einen Block und fing an zu schreiben.

„Was schreibst du da?“ fragte ich.

„Meine Gedanken,“ antwortete er nur.

Ich schaute ihn fragend an.

„Als deine Oma starb, brach für mich eine Welt zusammen. Irgendwann habe ich angefangen, alles aufzuschreiben, was mir alles meinem Kopf vorging und das habe ich bis heute beigehalten… hilft dir vielleicht auch.“

Ich schaute meinen Opa langen an und merkte wie die Tränen wieder aufstiegen. Er hob die Hand und forderte mich auf zu ihm zu kommen. Langsam stand ich auf und taperte zu ihm auf die Couch. Ich lies mich neben ihm fallen und zog meine Füße an.

„Nimm einfach ein Stück Papier und leg es vor dich, vergiss Punkt, Komma und Rechtschreibung und schreib los.“

Ich sah das leere Stück Papier an, dass vor mir lag. Ein Block würde da niemals reichen, bei dem Chaos das ich im Kopf hatte.

„Du darfst dir keine Gedanken machen, was du schreibst, wie du es schreibst. Nimm einen einzelnen Gedanken!“

„Es ist so viel……“

„Ich weiß das es viel ist, gerade am Anfang.“

Ich spürte die Tränen herunterlaufen.

„Was denkst du gerade?“

„Dass ich Hilfe brauche…“

„Ich bin da… wie stellst du dir die Hilfe vor?“

In diesem Moment schwieg ich, Mein Opa merkte das und setzte neu an.

„Ich will nicht wissen, bei was ich dir helfen kann, sondern wie.“

„… ich brauche jemanden zum Reden…. der mich versteht….“

„Sollte er dieselben Probleme wie du haben, oder sich damit auskennen?“

„Opa, ich weiß du meinst es gut mit mir, aber ich brauche jemanden, der mich so akzeptiert wie ich bin.“

Ich schaute ihn mit meinen verweinten Augen an und wusste nicht ob ich jetzt das Richtige gesagt hatte. Er blieb ganz ruhig.

„Akzeptierst du dich selber, akzeptierst du wer du bist, was du bist.“

Wusste mein Opa mehr, als ich ahnte.

„Wie soll ich was akzeptieren was nicht richtig ist,“ fragte ich.

„Wer sagt, dass es nicht richtig ist?“

„Es kann einfach nicht richtig sein.“

„Warum nicht?“

„Weil ich anders fühle, wie andere,“ sagte ich mit tränenerstickter Stimme.

„Gefühle kann man nicht verbieten,“ sagte mein Opa sanft.

„Es sind falsche Gefühle.“

„Jakob, es gibt keine falschen Gefühle, es ist vielleicht das Falsch, was du daraus machst. Jedenfalls dich jetzt in dich verkriechen ist der falsche Weg.“

„Es sind die falschen Gefühle….“ sagte ich wieder.

Dicke Tränen rannen über meine Wangen.

„Wieso kann es nicht richtig sein, was du in deinem Herz fühlst, was du empfindest… für jemand empfindest.

Wieder sah ich meinen Opa lange an.

„Du weißt wohl doch von was du sprichst.“

Ich war erstaunt über meine Großvater, wie wenig ich ihn wirklich kannte.

„Ist auch kein Wunder, ich mache das jetzt schon eine Weile, deine Mutter hat dir wohl nie etwas erzählt.“

„Nein, für mich hast du und Oma hier immer eine Pension geführt.“

„Das ist so nicht richtig. Ich beherberge hier schon Leute, aber nicht welche, die ihre Ferien hier verbringen möchten.“

Ich sah mein Großvater mit großen Augen an.

„Jakob, ich weiß genau was in dir vorgeht, und auch welches Problem du hast. Aber was bringt dir das? Du musst endlich selber erkennen, was so in dir bohrt, es dir einzugestehen, dann kann ich dir helfen. Du musst den Anfang machen.“

„Aber wie kann ich das?“

Er legte seinen Arm um mich und ich fing an ruhig zu werden. Die Tränen versiegten.

„Das werden wir in den nächsten Tagen sehen, Jakob. Es ist erst mal toll, das du überhaupt mir Zugang zu dir gewährst.“

Ich nickte und steckte mir noch eine Zigarette an.

Opa stand auf und schürte im Feuer.

„Willst du noch einen Tee?“ fragte er mich.

Ich nickte. Er nahm den Teekessel, füllte meine Tasse wieder auf und tat einen Teebeutel hinein.

„Was machst du genau hier?“ wollte ich wissen.

Er setzte sich wieder neben mich und gab mir meine Tasse.

„Als ich ungefähr vor fünfunddreißig Jahren meine Job als Psychologe im Krankenhaus verlor, weil es schließen musste, schlug mir deine Oma vor, dass ich mich selbstständig machen sollte. Sie hatte auch schon genaue Vorstellungen wie.“

„Du bist Psychologe?“

„Ja, das habe ich mal studiert.“

„Hat mir nie jemand gesagt. Und was hatte sich Oma da ausgedacht?“

„Da muss ich wohl noch weiter ausholen und dir Sachen von mir erzählen, die nicht mal deine Mutter von mir weiß.“

Ich schluckte, was jetzt wohl kommen würde.

„Ich habe dir gesagt, ich weiß was du durch machst, weil ich das alles schon selber durchgemacht habe.“

„Da bin ich mir jetzt nicht ganz sicher Opa.“

„Lass mich ausreden Jakob, ich denke ich werde dich jetzt einwenig schockieren, aber danach wirst du sehen oder verstehen, warum ich mir sicher bin, wie ich dir helfen kann.“

Ich nickte, obwohl ich es jetzt nicht richtig verstand.

„Ich war ungefähr so in deinem Alter, als ich merkte, das etwas mit mir nicht stimmte. Angefangen hatte alles, als ich mit Freunden baden ging und ich feststellen musste, das mich die Klassenkameraden mehr interessierten als die Mädchen.“

Ich schaute meinen Großvater entsetzt an.

„Aha, ich merke schon, es dämmert langsam bei dir. Also weiter… ich hatte damals niemand zum reden, und da entschloss ich mich, dem auf den Grund zu gehen. Woher kamen meine Gefühle, also in diese Richtung.“

Ich steckte mir die nächste Zigarette an und nippte an meinem Tee.

„Da habe ich mich entschlossen Psychologie zu studieren, um mehr über mich und generell die Psyche herauszufinden.“

„Du bist…bist schwul?“ fragte ich, nach dem ich mir meinen ganzen Mut zusammengenommen hatte.

„Naja, heute würde man es eher bi nennen, denn ich hab bei dem Studium schließlich deine Oma kennengelernt und mich in sie verliebt.“

„Wusste Oma …?“

„Sie wusste es von Anfang an. Deshalb auch den Vorschlag, dieses kleine Haus hier zu pachten und wie soll man es nennen, eine Zufluchtsstätte für Problemkinder zuschaffen.“

„Solche wie mich also. Sind denn alle schwul oder so…“ ups, jetzt wurde mir selber klar was ich gerade sagen wollte.

„Rede nur weiter, das ist schon ein Anfang,“ sagte mein Opa und lächelte.

Mir ging langsam ein Licht auf. Opa hatte mich aus der Reserve gelockt.

„Du weißt also, dass ich … schwul bin….“

„War das jetzt so schwer?“

„Ja.“

„Warum Jakob, sag mir bitte warum, was ist falsch daran schwul zu sein. Es ist doch egal ob du ein Mädchen liebst oder einen Jungen, Hauptsache du kannst jemanden lieben.“

Das leuchtete mir ein.

„Trotzdem weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll…“

„Dafür bist du hier.“

„Gibst du Anleitungen.. wie benehme ich mich schwul?“

Wir fingen beide an zu lachen. Es war das erste mal seit langen, das ich wieder so herzhaft lachte.

„Einen Vorschlag, du machst dich jetzt Bettfertig und ich komm dann zu dir und bleib solange bei dir bis du eingeschlafen bist,“ sagte mein Opa plötzlich.

Ich wurde rot.

„Was ist?“

„Ich habe mir angewöhnt … nackt zu schlafen.“

„Na und, das tue ich schon immer.“

Ich schaute meinen Opa an und musste wieder lachen. Ich hörte abrupt auf, weil mir ein Gedanke kam.

„Du, Papa hat Mama hier kennen gelernt, war er …?“

„Da redest du mal schön selber mit deinem Vater, aber ich kann dich soweit beruhigen, dein Vater ist weder bi noch schwul.“

Am nächsten Morgen wurde ich von der Sonne geweckt, dir mir ins Gesicht schien. Es war meine erste Nacht, in der ich nicht von Alpträumen geplagt wurde, keinen Weinanfall bekam. Ich fühlte mich richtig wohl.

Ich stand auf und lief auf den Balkon hinaus. Ich streckte mich und genoss die Aussicht.

„Guten Morgen Jakob.“

Ich erschrak, weil ich mir meiner Nacktheit bewusst wurde.

„Nicht schlecht, Jakob, weißt du eigentlich, dass du ein wirklich gutaussehender Junge bist, und das sage ich jetzt nicht, weil du meine Enkel bist.“

Ich wurde rot.

„Danke Opa.“

„Für was?“

„Für gestern Abend und überhaupt.“

Er nickte.

„Du weißt aber, es ist erst der Anfang,“ meinte er.

„Wenn ich mich jedesmal genauso fühle, wie heute morgen, habe ich nichts dagegen weiter zu machen.“

„Also akzeptierst du dich?“

„Ich versuche es.“

„Nicht versuchen Jakob, du musst hundert Prozentig hinter dir stehen.“

„Schwer.“

„Habe nie behauptet, dass dies einfach ist,“ sagte Opa, „ich geh jetzt runter, es muss gleich der neue gast kommen, ach, ein bisschen mehr auf den Rippen könntest du schon haben, aber sonst kannst du dich sehen lassen,“ sagte er und verschwand wieder ins Haus.

Ich musste grinsen, schaute auf den Bergsee hinaus und dachte darüber nach, ob er zu kalt wäre um darin zu schwimmen. Da hörte ich einen Wagen, den schmalen Weg herauf fahren. Ich setzte mich auf einen der Stühle um nicht gesehen zu werden.

Großvater trat vors Haus, als der Wagen zum stehen kam. Eine schlanke Frau stieg aus und begrüßte ihn. Es folgten ein älterer Mann mit einer großen Tasche und ein Typ in meinem Alter und etwas größer als ich.

Mein Opa begrüßte ihn ebenfalls, was der Typ eher schüchtern entgegen nahm, er sagte nichts.

Jakob, ich weiß das du noch da oben sitzt, könntest du bitte runter kommen und Thorsten sein Zimmer zeigen?“

Ups erwischt, ich grinste. Opa wieder, direkt wie immer.

„Ja ich komme.“

Ich lief in mein Zimmer zog mir Shorts und Tshirt über und schlüpfte in meine Turnschuhe. Dann jagte ich die Treppe um im normalen Tempo unten im Hof zu erscheinen. Dort angekommen, wurde ich nur als Jakob vorgestellt, und nicht als der Enkel des Hauses, warum auch nicht, musste ja nicht gleich jeder wissen.

Während sich Opa noch weiter mit den Leuten unterhielt, ich vermute mal schwer die Eltern, schnappte ich mir Thorstens Tasche und ging mit ihm ins Haus. Ich sagte mal nichts, weil ich genau wusste wie er sich fühlen musste.

Er folgte mir die Treppe hinauf und ich stellte ihm seine Tasche in das Zimmer genau neben meinem, dass unsere Zimmer eine Verbindungstür hatten, fiel mir erst jetzt auf. Thorsten trat gleich zum Balkon hinaus.

Seine Mutter winkte zu ihm herauf, mit einem gequälten Lächeln und Nicken grüßte er zurück. Ich zog es vor in mein Zimmer zu gehen. Ich kickte die Schuhe in die Ecke und lies mich auf mein viel zu großes Bett fallen.

Ich wollte gerade meinen tragbaren Cd-Player anschalten, als Thorsten an mein Tür trat.

„Was hö-hö-hörst du?“ fragte er leise.

Ups er stotterte.

„Eigentlich alles Querbeet, aber im Augenblick mehr was ruhigeres.“

„Waa… rum bist du hier?“

„Schwere Frage…“

„Sorry, w.. w.. enn ich d… dir zu nah getreten bin.”

„Bist du nicht Thorsten,“ ich weiß erst seit gestern Abend so richtig was mit mir los ist. Und du?“

„Ist einde..de deutig oder?“

„Wegen dem Stottern?“

Er nickte.

„Ist das eine Sprachstörung oder hat es andere Gründe?“

„Beides…. pass… ssiert m..mir meist, wenn i.. ich a..auf.. geregt bin, o…oder m.. ich nn..net wohl fühl..“

Ich stutze kurz, aber stand dann auf.

„Darf ich?“

Er schaute mich fragend an. Ich nahm ihn einfach in den Arm und drückte ihn an mich. Ich weiß nicht was mich geritten hatte, aber ich dachte in dem Augenblick, es wäre das Richtige. Als ich ihn los lies, war er rot geworden.

„Danke, lieb von dir,“ sagte er.

Ich lächelte ihn an.

„Hauptsache es hilft.“

Denn diesmal hatte er nicht gestottert.

„Und Jungs hab ihr euch schon ein wenig angefreundet?“ mein Opa stand in der Tür.

„Ja ein wenig,“ sagte ich und Thorsten nickte.

„Du Thorsten, deine Eltern wollen sich verabschieden, kommst du noch mal runter?“ fragte Großvater.

Er nickte wiederum und ging hinunter.

„Und?“ mein Opa sah mich an.

„Was?“

„Was du von Thorsten hältst?“

„Ich finde ihn nett, wieso?“

„Dann ist ja gut,“ sagte Opa und verschwand ebenfalls aus meinem Zimmer.

Ich setzte mich an den Tisch und nahm einen Stift zu Hand und schaute das leere Stück Papier an. Und dann schrieb ich einfach drauf los.

wie lange muß ich suchen
bis ich weiß wer ich bin
bis ich weiß was ich will
bis ich weiß was ich bin
bis ich weiß wer mich liebt
bis ich weiß wen ich liebe
bis ich weiß ………………..

all diese dinge muß ich finden
sonst geht meine hoffnung verloren
ohne hoffnung verliere ich den sinn des lebens
ohne sinn des lebens
treibe ich mit anderen den großen fluß des sterbens hinunter
dort wo es keine liebe gibt
liebe welche mich aufbaut
liebe die mich hoffen läßt
liebe die mich weiter suchen läßt

© peter

Ich saß da und lass was ich da gerade geschrieben hatte und Opa hatte wirklich recht.. ein Gedanke oder ein Gefühl… und irgendwie fühlte ich mich jetzt noch glücklicher, dass Chaos im Kopf war ein bisschen kleiner geworden.

Ich spazierte ein wenig am See entlang, die Luft war herrlich frisch, obwohl die Sonne brannte. Auf einem Felsen nicht weit entfernt, saß Thorsten. Ich beschloss hinzugehen.

„Hi,“ sagte ich.

Er nickte.

„Kann ich mich zu dir gesellen oder willst du alleine sein?“

„Ka.. ka..nnst ruhig h..hier blei…ben.“

Ich setzte mich neben ihn und legte den Arm um ihn.

„He ganz ruhig, hier tut dir niemand was, versuch langsam und ganz normal zu sprechen.“

„Danke.“

„Nichts zu danken.“

„Hättest du… Lust … zu schw.. wimmen?“

„Schon, aber ich habe keine Badeshorts an.“

„Ma.. macht nichts, schwimmen wir ohne.“

Darauf wusste ich jetzt nichts zu sagen.

„Ha.. hab .. i…ich was fa.. falsches gesa…sagt?“

„Ganz ruhig Thorsten, dass ist nicht deine Schuld. Das liegt alleine bei mir. Ich würde dir gerne was sagen und ich weiß weder wie und auch nicht wie du es aufnimmst.“

„Dann sag es einfach.“

Ich lächelte ihn an, weil er diesmal nicht gestottert hatte.

„Ich hab schon ziemlich lange ein Problem…. deswegen bin ich auch hier… ich hab ziemlich viel abgenommen deswegen.“

„Steht dir aber gut….“ sagte Thorsten.

„Danke Thorsten. Was ich dir sagen wollte….“ ich merkte, wie mir die Tränen anfingen zu kullern.

Diesmal war es Thorsten, der den Arm um mich legte.

„Raus damit, wenn dich d… das so quält, mu.. muss es raus.“

„Ich . i..ch bin….,“ ich konnte einfach nicht.

„He net st.. stottern, dass i.. ist unfair.“

„Ich bin schwul….“

„Und?“

„Das ekelt dich nicht an?“ fragte ich verdutzt.

„Warum sollte es?“

„Weil es net normal ist?“

„Was ist schon n… normal.? Gut ich s.. selber bin nicht schw.. schwul, vie.. vielleicht angehaucht.“

Ich sah ihn fragend an.

„Von dir in den A.. arm geno.. mmen zu we…. werden ist sehr schö…schön. Da fühl ich mich wohl.“

Ich wischte die Tränen weg.

„Und?“

„Und was?“

„Schwimmen?“

„Ich weiß nicht recht…“

„Hast du Angst…. du kannst .. dich, bei mir … nicht beherr.. herrschen?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Du bist eh nicht mein Typ,“ meinte Thorsten, schaute mich kurz an und fing schallend laut an zu lachen.

Ich konnte nicht anders, ich musste mit lachen. Er zog sich die Schuhe aus das Shirt über den Kopf und dann flogen auch seine letzten Hüllen. Er rannte zum Wasser. Ermutigt, aber langsam, zog ich mich ebenfalls aus.

„Komm schon, da.. das Wasser ist herr… herrlich.“

Vollkommen nackt folgte ich ihm mit einem Hechtsprung ins Wasser…. scheiße war das kalt.

„Man, ist das kalt,“ schrie ich.

Thorsten lachte und kam zu mir geschwommen. Er legte den Arm um mich und gab mir einen kleine Kuss auf den Mund. Ein wenig verwirrt starrte ich ihn an.

„Warum…?“

„Damit du siehst, was ich für ein Ver.. Vertrauen in dich habe.“

„Danke Thorsten..“

Später lagen wir im Gras um unsere Körper zu trocknen. Thorsten hatte seinen Kopf auf meinen Bauch gelegt und meine Hand ruhte auf seiner Brust.

„Schwul sein scheint nicht schlecht zu sein, ich fühl mich so wohl wie schon lange nicht mehr,“ sagte Thorsten plötzlich.

„Ich merke es, du stotterst nicht, aber was hat das mit schwul sein zu tun?“

„Ich spüre deine Haut auf meiner und finde es einfach cool.“

„Ist es mit einem Mädchen nicht cool?“

„Weiß ich nicht..?“

„Wieso hattest du noch keine Freundin?“

Nein, nicht so richtig.“

„Was heißt nicht so richtig?“

„Ach da war ein Mädchen, mit dem ich ein wenig rumgeknutscht hatte.“

„Und?“

„Nichts und, sie suchte sich nen anderen Freund, der nicht sto.. sto.. stotterte.“

„Shit.“

„Nicht schlimm, sie war eh nicht meine Kragenweite.”

Ich streichelte sanft über seine Brust. Er schloss die Augen und atmete tief durch. Ich zog meine Hand weg.

„Was ist?“

„Ich weiß auch nicht recht… für mich ist es das erstemal, dass ich ein Junge so berühre.“

„Ich finde es schön.“

Thorsten richtete sie auf und legte sich neben mich. Er fing mich seinerseits an zu streicheln.

„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist,“ sagte ich unsicher.

„Wieso…, weil dein Kl…Kleiner sich da unten regt?“

Ich wurde rot und drehte mich weg.

„He Jakob, ist doch okay. Ich muss zu geben.. ich hab mir noch nie so ri….. richtig Gedanken ge…. gemacht, ob i… ich schwul b… bin oder net.“

Ich schaute ihn lange an.

„Schon gut Thorsten, ich bin halt total unsicher, mit allem, was damit zu tun hat. Aber lass uns rein gehen. Großvater wird schon mit dem Essen auf uns warten.“

„Großvater?“

„Ja, Herr Engel is mein Opa.“

„Das wusste ich nicht….“

„Schlimm.. ändert das was zwischen uns?

„Nein,“ sagte Thorsten und hauchte mir einen Kuss auf die Wange.

„Da seid ihr ja endlich, ich dachte schon ich müsse das Essen warm halten.“

„Wir wa… waren noch schw…. schwimmen Herr Engel,“ sagte Thorsten.

„Sage Martin ist mir lieber,“ meinte mein Opa zu Thorsten.

Dieser nickte.

„Wem gehört denn dieser große Rucksack,“ fragte ich verwundert.

„Unserem letzten Neuzugang diese Woche;“ sagte mein Großvater.

Thorsten und ich schauten uns an.

„Er heißt Peter und ist gerade sein Zimmer angucken, und er wurde nicht gebracht, wie ihr, er ist hier raufgewandert.“

„Alle Achtung,“ kam es von Thorsten.

Jetzt erst merkte ich, das Opa auch für vier Leute gedeckt hatte. Es polterte jemand die Treppe herunter und ich dreht mich um.

„Peter, das sind die zwei anderen, von denen ich dir erzählt habe, Jakob und Thorsten,“ meinte mein Großvater.

Er guckte uns argwöhnisch an und nickte, sagte aber kein Wort. Wir setzen uns an den Tisch wo Opa bereits das Essen drauf stellte.

„Ka.. ka.. kannst du mir d…. den Sa.. Salat reichen,“ fragte mich Thorsten.

Peter lächelte irgendwie abwertend und ich wollte schon was sagen, aber Thorsten schüttelte den Kopf, dem das auch nicht entgangen war.

„Was gegen St…Stotterer?“ fragte Thorsten, Peter sah auf.“

„Keep cool,“ war das einzigste, was er sagte und er widmete sich wieder seinem Essen.

Ich reichte Thorsten den Salat, und er zuckte mit den Schultern.

Nach dem Essen verzog ich mich auf mein Zimmer, weil ich versuchen wollte noch etwas zu schreiben. Mich störte nicht weiter, das Thorsten rein kam, sich auf mein Bett setzte und meine CD´s durch schaute.

Ich starrte erst auf mein Blatt und schloss dann meine Augen und irgendwie kam es dann wieder von selbst.

Ich möchte deine Hand nicht mehr missen,

sie schenkt mir inneren Frieden,

sie schenkt mir Wärme

wenn du mich berührst.

Hand in Hand gehen.

Die Stärke spüren die von dir ausgeht.

Ich möchte deine Augen nicht missen

Sie bauen auf,

man kann sie nicht vergessen.

Die Stärke mit der du mich durchdringst

kann ich nicht standhalten.

Ich versuche diese Blicke

bildlich gesehen festzuhalten

mit meinen Händen.

Es gelingt mir nicht.

Man kann sich nur daran erinnern.

© peter

„Cool.“

Ich fuhr herum, Thorsten stand hinter mir, er schien gerade gelesen zu haben, was ich geschrieben hatte.

„Sorry wollt dich nicht erschre…erschrecken.“

„Und du hast kein Grund zum Stottern,“ sagte ich und zog ihn auf meinen Schoss.

„Was hältst du von dem Neuen?“ fragte ich.

„Weiß nicht recht.“

„Er ist schweigsam.“

„War ich auch.“

„Stimmt, aber aus einem anderen Grund.“

Thorsten schaute auf das Blatt.

„Hast du mich da gemeint?“

„Wen denn sonst, kenn niemand liebes so wie dich.“

Diesmal wurde Thorsten rot und ich musste grinsen.

„Wie stellst du dir deinen Freund eigentlich vor?“ fragte Thorsten.

„Schau in den Spiegel,“ lachte ich.

„Jetzt mal Spaß zur Seite, erzähl.“

„Also, er müsste so lieb sein wie du,“ fing ich an und als Thorsten erwidern wollte hob ich ihm einfach den Finger auf den Mund.

„Ich wünsch mir jemand, der mich so nimmt wie ich bin, mit dem ich reden kann für den ich da sein kann und ich für ihn. Jemanden dessen Vertrauen in mich grenzenlos ist. Der einfach auch mal nur kuschelt, der da ist, wenn ich in nötig habe.“

„Wow ziemlich eindeutige Vorstellungen,“ sagte Thorsten.

„So jemanden gibt es doch gar nicht,“ kam es von der Balkontür.

Wir drehten uns um und es war Peter, der an meiner Balkontür stand.

„Woher her weißt du das?“ fragte Thorsten.

Peter drehte sich um und schaute zu den Bergen hinauf.

„Ich habe noch keinen gefunden….“ sagte er fast unhörbar.

„Hier sitzt aber einer,“ sagte Thorsten und zeigte auf mich.

Ich schaute ihn vorwurfsvoll an.

„Und wer will schon was mit nem Exknacki zu tun haben?“ sagte Peter wieder sehr leise.

„Ich zum Beispiel, oder würde ich sonst mit dir weiter reden?“ Thorsten widda.

„Und wenn sich Thorsten bei dir unwohl fühlen würde, hätte er schon lange gestottert, sagte ich und sah Thorsten dabei stolz an.

„Seit ihr beiden eigentlich schwul?“ fragte Peter.

„Also ich ja,“ das war mir jetzt aber leicht von den Lippen gekommen.

„Naja ich weiß es net,“ sagte Thorsten dann doch einwenig verlegen.

„Warum warst du im Knast?“ fragte ich ganz direkt.

„Weil ich jemanden fast Tod geprügelt habe. Ich war im Jugendknast und bin vor einer Woche entlassen worden.“

„Warum?“ fragte Thorsten.

„Er hat Schwuli zu mir gesagt.“

„Das verstehe ich jetzt net ganz.. hast du net gerade angedeutet, du wärst selber schwul?“ fragte ich.

„Doch habe ich.. ich weiß selber net warum ich immer gleich aufbrause, egal bei was.“

Thorsten war aufgestanden und ich merkte wie Peters Laune deutlich absackte.

„Habt ihr Lust ein wenig zum See zu gehen?“ fragte Thorsten.

Peter nickte und ich zog meine Schuhe an.

Wenig später liefen wir am Ufer entlang, vorbei an der Stelle wo ich und Thorsten heute morgen noch gelegen hatten. Thorsten hängte sich einfach bei Peter ein und der lies ihn gewähren. Wir liefen eine Weile schweigend nebeneinander her.

„Warum seid ihr eigentlich hier?“ fragte dann doch Peter um die Stille zu brechen.

„Ich wegen dem Stottern,“ meinte Thorsten.

„Das klappt doch schon sehr gut,“ erwiderte Peter und Thorsten nickte.

Peter schaute mich an.

„Darf ich versuchen, für dich zu antworten?“ fragte mich Thorsten.

Ich nickte.

„Also ich kenne Jakob mal nen ganzen langen Tag jetzt, also seit gestern und ich hab jetzt schon viel mit ihm geredet. Jakob beschäftigt schon lange die Frage ist er schwul ..warum ist er es. Er findet es nicht natürlich, hasst sich dafür selber und vergeht dabei noch selber, weil er sich nichts sehnlichster wünscht als einen Freund.

Ergebnis, Gewichtsabnahme, schlechte Schulnoten Zusammenbrüche.“

„Du solltest Psychiater werden, sprach ich ganz leise,“ mir kamen wieder die Tränen, weil Thorsten mich so gut getroffen hatte.

„Abgenommen? Ich finde Jakob seht echt cool aus,“ meinte Peter.

Peter sah mich wieder an und sah die Tränen in meinen Augen. Er wischte mit seinem Daumen die Tränen weg. Dann zog er mich am Nacken zu sich. Immer langsam werdend, trafen sich unser Lippen und ich küsste zum erstenmal richtig einen Jungen, besser gesagt ich wurde geküsst.

Als Peter von mir ablies, bekam ich richtige weiche Knie.

„Da kann man ja richtig neidisch werden?“ sagte Thorsten, was er nicht tun hät sollen, weil er schon Peter an sich hängen hatte.

Ich saß mittlerweile auf dem Boden, mir war wirklich ganz anders geworden.

„Wow, Peter du bist ein Naturtalent, da macht sogar mir Spaß von einem Jungen geküsst zu werden,“ gab Thorsten von sich.

Peter half mir wieder auf.

„Und?“ fragte er.

Ich schaute ihn bloß an, war noch keines Wortes mächtig.

„Findest du immer noch so was Schönes ist nicht natürlich?“

„Wie ich sehe, habt ihr Peter schon in eure Runde aufgenommen,“ sagte Opa zu mir als ich mir in der Küche was zu Trinken holte.

„Ja haben wir und Thorsten hat am Mittag nicht einmal gestottert.“

„Gratuliere.“

„Machst du das eigentlich immer so. Also ich meine, du lässt deine Schützlinge einfach sich selber überlassen.“

„So ungefähr, denn ihr müsst es ja lernen, selbstständig zu werden, gut ich mische mich schon ein wenig ein, wenn etwas nicht klappt, aber normalerweise lasse ich es einfach laufen.“

„Finde ich irgendwie gut.“

„Merke ich, denn so wie ich dich an deinem Anreisetag in Erinnerung habe und jetzt, dass ist ein himmelweiter Unterschied.“

Nach dem Abendessen, saßen wir zu dritt in meinem Zimmer auf meinem Bett und hatten es uns dort gemütlich gemacht. Von Opa hatten wir ein paar Kerzen bekommen.

„Mit was kann man dich reizen?“ fragte Thorsten den Peter, der ihm gegenüberlag.

„Inwiefern?“

„Wie bist du auf die Palme zukriegen?“

„Passiert einfach..“

„Noch nie Gedanken gemacht warum?“ fragte ich.

„Natürlich, meinst warum ich wohl hier bin.“

Das war jetzt schon eine Spur aggressiver von ihm gekommen, aber das wollte ich auch.

„Was meinen eigentlich deine Eltern dazu?“ fragte ich mutig.

„Die können mich mal, wollen doch eh nichts von mir wissen,“ kam es jetzt doch recht trotzig und laut von Peter.

„Sicher?“

„Mein Vater liebt mich nicht, egal was ich gemacht habe, ich habe ihm nie genügt…, und meine Mutter, die hat doch nur ihre Freundinnen im Kopf.“

„Hat dein Vater, was abwertendes gesagt zu dir?“

Thorsten sah mich fragend an.

„Nein er hat nie etwas gesagt, ich hat mich immer bloß so komisch angeschaut, als könne ich nie was richtig machen.“

„Hat er dich im Knast nicht besucht?“

„Doch fast jeden zweiten Tag.“

„Das ist schon was.“

„Ich wollte ihn aber nicht sehen, habe es oft abgelehnt ihn zusehen.“

„Und er ist trotzdem immer wieder gekommen?“ fragte jetzt Thorsten.

„Ja ist er.“

„Mir sieht es nicht so aus, als würde er dich nicht lieben.“

„Ich habe ihn doch total enttäuscht, weil ich den Typen aus meiner Klasse zusammen geschlagen habe.“

„Und du meinst er steht nicht zu dir?“

Ich merkte, wie das Gespräch Peter innerlich fast zerriss, seine Augen wurden feucht. Er schwieg, aber in ihm brodelte es.

„Finde es gut, dass du dich im Griff hast, im Augenblick wenigstens,“ sagte ich noch weiter fordernd.

Peter schaute mich an.

„Ist doch alles Scheiße, ich kann das nicht,“ schrie er fast.

Er packte meine Zigaretten und verschwand auf den Balkon hinaus. Die Tür ging auf und mein Opa schaute herein. Ich gab ihm ein beruhigendes Zeichen mit der Hand, und ich folgte Thorsten, der zum Balkon ebenfalls hinaus lief.

Ich nahm mir eine Zigarette aus der Schachtel und steckte sie mir an.

„Warum flippst du aus?“ fragte ich.

„Ich weiß es nicht.“

„Hast du Angst auch vor uns zu versagen?“

Er schaute mich an, und ich dachte ich hätte im nächsten Augenblick seine Faust in meiner Fresse. Wenn Blicke töten könnte, heißt es ja so schön. Aber es blieb nur bei dem giftigen Blick.

„Jetzt verste …. steh i .. ich, worauf du hinaus wi … willst,“ sagte Thorsten.

Ich nahm Thorsten in den Arm und bemerkte, dass ich wohl bei Peter ins Schwarze getroffen hatte.

„Du glaubst du bist für dein Vater ein Versager. Und weil du Angst hast, die anderen könnten ebenso von dir denken, reagierst du mit Gewalt… stimmt doch oder.“

Ich sollte vielleicht auch Psychokram lernen, ich war ja richtig gut in Fahrt. Peter schwieg dagegen und kämpfte mit seinen Tränen.

Später saßen wir wieder in meinem Bett nur noch in Shorts und Shirts und diesmal hatte ich Peter im Arm. Er hatte sich in meinen Armen in den Schlaf geheult. Ich hatte mich mit Thorsten noch leise unterhalten und irgendwann waren wir auch eingeschlafen.

Irgendwann am nächsten Morgen wurde ich wach, und irgendwie musste ich mich erst orientieren wo ich überhaupt war, den ich konnte mich nicht bewegen. Eine kurze Kopfdrehung auf beide Seiten, zeigte mir den auch den Grund meiner Starre.

Peter und Thorsten lagen eng an mich gekuschelt und schliefen noch fest. Aber irgend jemand musste uns zugedeckt haben. Ich musste grinsen, denn es war bestimmt Opa der noch mal nach uns schaute.

Ich spürte etwas warmes an meinem Bauch und hob die Decke an. Peters Hand hatte sich unter mein Tshirt verirrt und ruhte dort. Ich lies meinen Kopf wieder nach hinten sinken und starrte gegen die Decke.

Plötzlich begann sich die Hand zu bewegen, sie kreiste sanft über meinen Bauch. Ich schloss die Augen und genoss es einfach. Ich spürte wie Peter sich aufrichtete und wollte gerade schauen was er vor hatte als ich ganz zart sine Lippen auf meinen spürte.

Seine Hand wanderte sacht zu Brust hinauf und ich spürte wie sein Finger leicht meine Brustwarze streichelte. Seine Zunge strich an meinen Lippen entlang und ich öffnete sie ein wenig. Neugierig drang seine Zunge langsam ein und suchte meine Zunge, sie spielten miteinander.

Seine Hand verschwand von meiner Brust, doch nur wenig später spürte ich sie an meiner Wange. Ich öffnete die Augen als sic sein Mund von mir löste. Peters braune Augen strahlten mich an.

„Guten Morgen,“ sagte er.

„Morgen,“ erwiderte ich leise.

Thorsten regte sich neben mir.

„Jo und mich küsst wieder niemand wach…“ schmollte er.

Peter grinste mich an und funkelte teuflisch mit seinen Augen. Er lehnte sich über mich und begann Thorsten zu küssen, der vor lauter Schreck aus dem Bett fiel. Peter und ich kringelten uns vor lachen.

Thorsten rappelte sich hoch und stand vor uns.

„Oh, das hat ihm anscheinend gefallen,“ sagte Peter und fing wieder an zu lachen.

Ich schaute in die selbe Richtung wie Peter und bemerkte wie Thorstens Shorts vorne mächtig beulte.

„Eine Mola am Morgen, vertreibt Kummer uns Sorgen,“ entfleuchte es mir und dann konnte ich mich selber nicht mehr halten, und fing ebenso an zu Lachen.

Thorsten, rot geworden, zog uns die Decke weg und zeigte auf unsere Shorts.

„Euch sch… scheint es ja.. ja n…. nicht besser zu ge… gehen.“

Und plötzlich begann eine wilde Kitzelei. Thorsten hatte sich auf mich gestürzt und bohrte seine Finger in meine Seiten. Und Peter fiel über Thorsten her.

Irgendwann saßen wir da und versuchten nach Luft zu ringen. Ich spürte die Spannung, die in der Luft lag, alle drei waren wir sehr erregt. Und Peter war es wiederum, der den Anfang machte. Er streichelte sanft durch Thorstens Haar und gilt dabei zu mir herüber und küsste mich.

Ich spürte Thorstens Hand über mich wandern. Ich schloss wieder die Augen. Irgendwie brachte ich es fertig mein Shirt auszuziehen und saß nur noch in Boxer da. Und selbst die flog irgendwann auf den Boden. Eng aneinadergeschmiegt lagen wir drei zusammen und küssten uns.

Ich spürte die Wärme von Thorsten und Peters Haut auf meiner. Es war einfach himmlisch. Tausend Hände schienen ich auf meinem Körper zu sein. Irgendwann kamen wir dann alle drei gleichzeitig. Total benommen sanken wir drei zurück und schliefen ein.

Ein Räuspern weckte mich und ich öffnete die Augen. Opa stand breit grinsend vor uns.

„Ich muss schon sagen, ich habe hier viel gesehen, aber so ein göttlicher Anblick, habe ich noch nie geboten bekommen,“ sagte Opa leise und verlies mein Zimmer.

Ein wenig beschämt kamen wir zu Frühstück herunter.

„Setzt ihr euch drei mal dicht zusammen und umarmt euch,“ sagte mein Großvater.

Wir taten das, was er uns geheißen und Opa machte ein Foto von uns.

Das Foto hängt heute noch im Flur neben der Eingangstür. Nach fünfzehn Jahren sind Peter und ich immer noch ein Paar und ich muss zugeben, ich liebe ihn noch genauso wie am ersten Tag, als ich ihm meine Liebe gestand.

Ich hatte meinen Psychiatertitel und Peter hatte nach der Hauswirtschaftsschule noch eine Lehre als Koch dran gehängt. Und seitdem führten wir die kleine Pension von Großvater. Er hatte sich zwar zur Ruhe gesetzt, wohnte aber immer noch bei uns im Haus.

Und Thorsten… Thorsten besuchte uns immer noch regelmäßig. Er hatte mittlerweile die gutlaufende Firma seiner Eltern übernommen. Und wenn er kam, brachte er immer seinen Patrick mit, mit dem er nun ach schon seit sieben Jahren zusammen war.

Das nackt schwimmen im See hatten wir bei beihalten, und war nach wie vor ein Heidenspaß. Manchmal saßen wir draußen vor dem Haus und sahen zum Sternenhimmel hinauf und erinnerten uns an vergangene Zeiten. Und irgendwie lag noch heute was in der Luft, denn es knisterte, wenn wir zusammen waren.

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Letter

alte briefe….
durch zufall sind mir briefe in die hände gefallen
alte von früher
war sofort wieder in der vergangemheit
namen kamen ins gedächnis zurück
gesichter erschienen mir wieder
war eine schöne zeit
mit vielen gesprächen
tollen erfahrungen
tollen freunden
was die jetzt wohl alle machen
aus dem auge aus dem sinn
fast….
die wahren freunde von früher
sind auch noch die freunde von heute
sie sind es geblieben
weil wir die freundschaft
gehegt und gepflegt haben
und den kontakt
nie haben abbrechen lassen
alte brief erinnern
doch die zeit ist vorbei…….

©Peter2002

Der Brief

Der Umzug war geschafft, endlich waren alle Kartons in der neuen Wohnung. Der eigenen Wohnung wollte ich sagen, ja ich hatte es endlich geschafft bei meinen Eltern auszuziehen. Nun saß ich hier auf meinen Kartons und wusste nicht wo ich anfangen sollte.

Also lass ich erst mal was auf den Kartons stand um etwas Überblick zu bekommen. Ich sortierte sie nach den Zimmern. Zimmern ist gut. Zwei Zimmer Wohnung mit Küche und Bad. Aber es war mein Reich und dass war mir schon viel wert. Da fiel mir das Namensschild für meine Wohnungstür in die Hände.

Sweet Home – Nicolas Drehmel, dass musste ich jetzt doch gleich aufhängen, damit jeder gleich wusste wer da eingezogen war. So das war erledigt. So fing ich an ein Zimmer nach dem anderen einzuräumen, wollte ja am Abend fertig sein, falls irgendein Besuch kam. Aha – Aktuelle Sachen – stand auf dem Karton, ich öffnete ihn. Das waren die Sachen die ich am Schluss eingepackt hatte. Wecker, Papiere, die letzte Post, halt Post die hab ich ja noch nicht nachgeschaut.

Werbung, Werbung, ein Brief von Frank, holla ich hab Post von Frank. Ich riss den Umschlag auf und lass mir in Ruhe den Brief durch.

Hallo Nicolas,

heute haben wir Montag-Abend und ich sitze vor meiner Stereoanlage und denke nach. Eben gerade war ich mit Christoph und Jo (den wirst du noch kennen lernen) Eisessen. Beim Essen hab ich mich gelangweilt und so für 5 Euro Eis in mich hinein geschleckt.

Ich habe mir überlegt wie es wäre wenn du da wärst. Dabei musste ich feststellen, dass noch keine Freundschaft bei mir so fest und intensiv war, wie bei dir. Es ging alles so schnell für mich, alle anderen Bekannten finde ich jetzt so langweilig. Ich merke, dass ich bei ihnen nicht so offen sein kann, wie bei dir. Auch finde ich Offenheit und Vertrauen sehr wichtig und nur dir vertraue ich vollkommen. Übrigens dieser Brief ist kein Hohenlied auf dich, eher ein Ordnen meiner Gedanken und Verarbeiten von Eindrücken. Ich habe die Angst, dich zu stark an mich zu binden und so unsere Freundschaft zu zerstören. Auch wenn ich nicht bei dir sein kann, sind meine Gedanken bei dir und das macht dich glücklich.

Bei unserer Freundschaft fällt mir ein Gedicht ein:

Freunde muss man suchen
Nicht jeder ist ein Freund manche haben gar keinen Freund.

Ein Freund hat dich gern
Er tut alles für dich
Auch wenn es ihm schwer fällt

Er ist treu
Er macht sich net groß
Er denkt nicht an sich
Er denkt nur an dich

Manchmal gibt es Streit mit dem Freund
Aber gute Freunde
Vertragen sich immer wieder

Manchmal verlangt man viel von einem Freund
Der Freund wird es tun
Ein Freund wird sich einsetzen
Ohne ein freund zu sein ist schlimm

Ein treuer Freund
Ist wie ein starker Schutz
Wer ihn gefunden hat
Der ist reich

Danke Nicolas, das du mein Freund bist.

Frank

Oh Mann, was soll der Brief denn nun schon wieder? Er sagte er wolle keine engere Bindung, sagt wir sind nur Freunde, und dann geh ich ihm nimmer aus dem Kopf, er vermisst mich. Ich hab ihm ja geschrieben, das ich in ihn liebe.

Das er seiner Gefühle für mich nicht sicher ist, kann ich nach diesem Brief nicht verstehen, vor allem die Angst, das er mich zu arg an ihn bindet, wär mir ja mehr als recht, wenn er das tun würde. Total aufgelöst saß ich auf dem restlichen Stapel meiner Umzugskartons.

Was soll ich bloß machen, ich wäre nur zu gern sein richtiger Freund. Mir genügen die gemeinsamen Gespräche nicht mehr. Es ist zwar schön mit ihm zusammen zu sein, aber ich möchte mehr, ich möchte ihn ganz!

Ich sollte aufhören, ich höre mich egoistisch an. Es ist seine Entscheidung. Ich hab mir geschworen aufzuhören, um ihn zu kämpfen. Ich will ihm doch nicht immer hinter herrennen und zu nichts zwingen, was er nicht will.

Etwas aus der Fassung räumte ich nun auch noch die übrigen Kartons restlos aus, und brachte diese dann in meinen Kellerraum unten. Ich schob meine Dekosachen noch herum, bis ich endlich den richtigen Platz für sie fand.

Was jetzt noch fehlte, waren ein paar Bilder und Pflanzen. Als ich in die Küche kam, lag Franks Brief immer noch auf dem Tisch. Ich nahm in ihn in die Hand und lass ihn nochmals. Ich wurde einfach nicht schlau aus ihm.

Ich steckte ihn in den Umschlag und feuerte ihn in die Ecke. Ich entschloss mich endlich zu duschen, nach dieser Arbeit, war mein Geruchsfeld, sogar mir zu wider. Ich genoss die Warme Strahlen der Dusche und stand eine Weile da und lies das Wasser an mir herunterlaufen.

Der blöde Brief ging mir natürlich nicht aus dem Kopf. Ich wusch mich und war dann gerade am Abtrocknen, als der Türgong ging. Scheiße dachte ich, gerade jetzt. Halb tropfend lief ich zur Sprechanlage.

„Ja?“

„Hi Niki hier is Nadine.“

„Hallo Nadine, dass ist eine Überraschung, moment ich lass dich rein.“

„Okay.“

Ich drückte den Summer. Dann ging ich an die Tür und öffnete sei einen Spalt breit, und wartete bis Nadine raufkam. Sie kam die Treppe heraufgeschnauft und ich lies sei rein.

„Sorry ich war gerade unter der Dusche wie du siehst.“

Ich stand nur mit einem Handtuch um die Hüften gewickelt vor ihr.

„Ach Niclas, wenn du nicht schwul wärst würde ich sofort über dich herfallen. Warum müssen denn immer die süßesten Jungs schwul sein?“

„Ich habe dir schon oft genug gesagt, es gibt genug süße Jungs die hetero sind.“

„Ja hast du, aber ich glaube die verstecken sich vor mir.“

„Mir wird langsam kalt, ich zieh mir nur was geschwind drüber. Schau dich doch schon ein wenig um.“

„Ja mach ich, du kann ich Tee machen?“

„Ja gerne, musst dir es halt zusammen suchen, hab da in der Küche noch keine rechte Ordnung drin.“

„Geht in Ordnung, geht dich endlich anziehen.“

Ich lief wieder ins Bad trocknete mich notdürftig ab, und zog mir ne kurze Shorts und ein Tshirt drüber. Meine Haare ließ ich so, sie standen eh immer wir in alle Richtungen.

„Und alles gefunden?“ fragte ich Nadine, als ich die Küche betrat.

„Ja alles, auch den da,“ und wies mit dem Kopf Richtung Franks Brief der wieder auf dem Tisch lag, „ willst du darüber reden?“

„Was soll ich darüber reden, ich fehl ihm, aber als festen Freund will er mich nicht, is doch eh egal.“

„Nichts ist egal, ich seh doch Niki, wie du drunter leidest.“

„Ach Nadine ich weiß nicht was ich noch machen soll, mir ist die Lust vergangen zu kämpfen, er will nicht.“

„Dann musst du dich nach einem anderen umschauen, wie es auch jetzt klingen mag.“

„Da hab ich auch schon drüber nachgedacht, aber Frank geht mir nicht aus dem Kopf.“

„Wann warst du das letzte Mal aus, also ich meine so richtig in der Diskothek, net deine übliche Kneipentour.“

„Schon lange nicht mehr.“

„Und warum?“

„Du weißt ganz genau, das ich mit meinen dreiundzwanzig, schon zu den Opas gehöre.“

„Jetzt übertreibe doch nicht, siehst für dein Alter noch passabel aus, sagte Nadine frech grinsend.

Jetzt erst merkte ich, dass sie mich aufziehen wollte. Auch ich fing an zulachen und wir liefen mit unseren Tassen mit Tee ins Wohnzimmer.

„Weißt du was Niki, ich fahr dann schnell noch mal heim, zieh mich um und dann gehen wir gemeinsam inne Disse, ok?“

„Können wir machen, aber findest du nicht das so ein passabel aussehender Mann dir alle Chancen bei anderen Männern raubt, die denken doch ich bin mit dir zusammen.“

„Du das kann ganz schön hilfreich sein, so viele Notgeile da immer rumrennen,“ antwortete sie.

„Da hast du auch wieder recht. Also gehen wir gemeinsam auf Männerfang?“

„Ja gehen wir… du irgendwie fehlen hier noch Bilder und Pflanzen..“

„Was du nicht sagst, darauf wäre ich nie gekommen,“ sagte ich und fing zu lachen an.

Zwei Stunden später stand Nadine frisch gestylt vor der Tür.

„Wow, du bist ja fast nicht mehr zu erkennen,“ sagte ich und begrüßte sie mit einem Kuss auf die Wangen.

„Und bist du fertig?“

„Moment ich hol mir grad noch meine Jacke.“

„Kein Puder mehr nachlegen?“ fragte Nadine frech.

„Hab ich nicht nötig, das is alles Natur an mir.“

Nadine seufzte laut. Ich schloß meine Wohnungstür ab und sauste Nadine hinter her, die schon vorausgegangen war.

„Meinst du nicht, dein Hemd ist ein bisschen weit offen?“ fragte Nadine keck, als ich zu ihr ins Auto stieg.

„Wieso jeder kann sehen was ich zu bieten habe.“

„Hast du einen neuen Ring an?“

„Du meinst den hier?“ ich hob leicht mein Hemd auf und zeigte auf den Piercing an meiner Brust.

„Ja, ist das eine Schlange?“

„Ja, hab ich letzte Woche in nem kleine Laden inner Stadt gefunden.“

„Sieht cool aus,“ meinte Nadine und setzt ihren Wagen in Gang.

„Danke.“

„Man ist heut wieder voll hier,“ sagte Nadine die ich vor mir her schob.

„Dafür spielen sie wieder absolut geile Musik zu tanzen,“ gab ich zur Antwort.

„Holen wir uns was zum Trinken und suchen uns einen Platz.“

„Okay.“

Wir schoben uns langsam zur Theke durch als Nadine plötzlich stehen blieb.

„Was ist denn, geh doch weiter.“

„Guck mal wer da drüben tanzt,“ gab Nadine von sich.“

Ich schaute auf die Tanzfläche und entdeckte nach einer Weile Frank, der dort mit einer Blondine zu Gange war.

„Na und ich bin mit dir hier,“ sagte ich.

„Du willst nicht zu ihm?“

„Nein, hab kein Verlangen danach.“

„Gut. Was willst du trinken?“

„Ein Pils.“

„Gut setzt dich dort drüben hin, ich brings gleich mit.“

„Okay.“

Ich ließ meine Blicke durch den Raum wandern. Einige süße Jungs waren ja schon da, aber alle waren sie mit Mädels beschäftigt mit ein paar Ausnahmen. Nadine riss mich aus den Gedanken.

„Na, schon was Leckeres für mich oder dich gefunden?“

„Einige, ja.. vielleicht kommt ja noch was interessantes rein.“

In dem Augenblick sah ich, wie ein Junge den Laden betrat.

„Nici mach den Mund zu, is ja schon peinlich.“

„Sorry, hab ich nicht gemerkt.“

Ich trank von meinem Bier und Nadine grinste wieder wie ein Honigpferd.

„Jetzt kommt er auch noch in unsere Richtung,“ sagte Nadine.

„Glaub ich nicht, der hat bestimmt jemanden Bekanntes gesehen in unserer Richtung.“

„Das Gefühl hab ich nicht, so wie er dich oder mich fixiert.“

„Das bildest du dir nur ein, na ja dich vielleicht, mich doch nicht.“

Der Junge trat wirklich an unseren Tisch.

„Hallo, ich bin neu hier kann ich mich einwenig zu euch setzen.“

Nadine schaute mich grinsend an.

„Natürlich, setz dich, lernen immer gerne neue Leute kennen,“ sagte Nadine und rempelte mich unter dem Tisch an.

Endlich hörte ich auf zu starren und suchte nach passenden Worten.

„Ganz meiner Meinung, wie heißt du?“ fragte ich.

„Jost, und ihr?“

„Das ist Nicolas und ich bin Nadine.“

„Seid ihr ein Paar?“

„Nein wir sind beide noch zu haben,“ sagte ich ein wenig forsch, was mir einen Rempler in die Seite einbrachte.

„Ich hol mir mal schnell was zu trinken, ihr seid ja hoff ich noch ein wenig da?“

„Wir sind selber eben erst gekommen,“ meinte Nadine und wech war er.

„Starr den Jost doch net so an, ein wunder das er noch was anhat,“ sagte Nadine zu mir.

„Ach hör auf, so schlimm wird ich schon nicht sein,“ erwiderte ich.

„Noch schlimmer,“ grinste Nadine mir frech entgegen.

Jost kam mit einer Cola zurück und setzte sich wieder. Das neue Lied von Kate Ryan fing an zu spielen. Jost schaute mich an.

„Lust zum Tanzen Nici?“

„Gerne,“ sagte ich lächelnd.

„Wie macht ihr das?“ fragte Nadine, die unsere Blicke mitbekommen hatte.

„Was machen wir?“ fragte ich zurück.

„Wie wisst ihr das euer gegenüber auch….?“

„Das ich schwul bin,“ fragte Jost. Nadine nickte.

„Ach Nadine, mit der Zeit bekommst du einen Blick für ob jemand schwul ist oder nicht, und bei Nici wusste ich das sofort.“

Nadine schaute mich durchdringend an.

„Für mich sieht Nici ganz normal aus,“ erwiderte sie darauf.

„Komm lass uns tanzen gehen, du auch Nadine,“ sagte Jost und zog mich vom Hocker.

Seine Hand an meiner Seite versetzte mich in ein Wirrwarr meiner Gefühle. Auf der Tanzfläche angekommen, ließen wir uns von den heißen Rhythmus, und der Atmosphäre anstecken. Beim Tanzen vergaß ich alles um mich herum. Ich hörte nur noch die Musik und den Bass.

Jost drückte seinen Körper eng an mich. Er hatte sein Tshirt ausgezogen und in die Hose gesteckt. Sein Körper glänzte im Schein der Lichtanlage. Ich konnte meine Augen nicht abwenden von ihm. Die Musik tat ihr übriges. Angeheizt strich ich mit meiner Hand über seinen muskulösen Oberkörper. Seine Augen funkelten mich an und ich verlor mich in ihnen.

Jost legte einen Arm um mich, kraulte mich am Nacken. Unsere Gesichter näherten sich langsam und Jost gab mir einen Kuss.

„He ihr Schwulis, könnt ihr das nicht wo anders machen, dass ist ja ätzend,“ sagte eine Stimme hinter uns.

Schon spürte ich einen unangenehmen Druck auf den Rücken, der mich nach vorne warf. Irgendwer versuchte mich weg zu schucken. Aus dem Augenwinkel heraus sah ich, dass es Jost nicht anders ging.

Und ehe wir uns versahen befanden Jost und ich uns in einer Schlägerei. Fünf Typen gingen auf uns los. Nadine die mutig dazwischen gehen wollte, wurde einfach in die Ecke geworfen. Bald lag ich auf dem Boden und spürte nur noch Tritte, die meinen Körper trafen. Ich sah noch verschwommen wie das Licht anging, hörte Schreie und dann wurde es schwarz um mich.

Als ich die Augen versuchte zu öffnen, tat es höllisch weh. Alles brannte und kam mir so geschwollen vor. Ich versuchte mit meiner Hand ins Gesicht zu langen, aber irgendwer hielt meine hand fest.

„Nicolas, ganz ruhig, ich bin bei dir. Dad ist auch da.“ Die Stimme meiner Mutter.

„Wo ….., sogar das Sprechen viel mir schwer.

„Du bist im Krankenhaus,“ sagte mein Vater, „ ein paar Typen meinten sie mussten dich als Boxsack benutzen.

Auf einmal viel mir alles wieder ein. Die Disco.. Nadine Jost..

“Nadine… “

“Nadine geht es gut, sie hat nichts abbekommen,“ meinte meine Mutter.

„Und Jost….?“

„Wenn du den Jungen meinst der mit dir eingeliefert ist, um den steht es nicht so gut, ihm wurde anscheinend eine Flasche übergehauen. Er ist immer noch bewusstlos.“

Das hörte ich noch, dann viel ich wieder in einen tiefen Schlaf.

Ich lief auf einer Wiese. Die Sonnenstrahlen waren kräftig und wärmten meine Körper. Ich war nackt aber es störte mich nicht. So weit ich schauen konnte, ein Meer von Blumen und Gräsern. Vorsichtig ging ich Schritt für Schritt, um keine Blume zu zertreten. Am Rande wo ein paar Bäume standen, erspähte ich eine Person. Fröhlich lief ich auf sie zu. Auch sie war nackt, doch konnte ich immer noch nicht erkennen, wer es war. Also lief ich tanzen und unbezwungen weiter. – Frank – Ich schaute ihn an und er lächelte mich an. Er nahm mich in die Arme, aber ich spürte nicht das geringste von ihm. Fragend stand ich da und er zuckte nur mit der Schulter. – Nicolas – Nicolas – Nicolas.. irgendwo her, hörte ich meinen Namen rufen. Das Bild der Wiese wurde schwächer und Frank verschwamm mit den Farben, der Wiese…

„Da bist du ja endlich wieder mein Schatz,“ sagte meine Mutter, als ich die Augen öffnete, „du hast jetzt vier Tage lang durchgeschlafen. Wie fühlst du dich?“

Ich horchte in mich hinein, aber ich konnte nichts feststellen, dass mich behinderte.

„Gut,“ sagte ich.

„Das freut mich zu hören, Kleiner,“ die Stimme kam von meinem Paps.

Ich drehte meine Kopf und schaute ihn an. Plötzlich von einer Sekunde zu der anderen, fing ich an zu weinen, ich wusste selber nicht warum. Mein Paps nahm mich in den Arm. Es tat gut ihn zu spüren.

„Du Nicolas, Nadine und ein junger Mann stehen draußen, kann ich sie rein bitten, wir werden euch auch ein bisschen alleine lassen,“ meinte meine Mutter.

„Geht das denn?“ fragte ich verwundert.

„Du bist nicht mehr auf der Intensivstadion, sie dürfen dich besuchen, du sollst dich nur noch nicht soviel bewegen,“ gab meine Mum zur Antwort.

Ich nickte, jedenfalls versuchte ich es anzudeuten.

„Gut dann gehen dein Vater und ich einen Kaffee trinken, und lassen euch solange alleine, aber versprich mir nicht großartig bewegen.“

„Geht klar Mami.“

Sie strich mir sanft über die Wange und verließ mit meinem Dad das Zimmer. Herein kamen Nadine und .. Frank.

„Hallo ihr zwei,“ sagte ich leise.

„Hallo Nici, schau mal wen ich dir mitgebracht habe,“ sagte Nadine.

Frank sah aus als hätte er ein paar Nächte nicht mehr geschlafen.

„Sollten wir nicht die Plätze tauschen, du siehst nicht sehr gut aus Frank,“ sagte ich und versuchte es mit einem Lächeln, komisch wirken zu lassen, was mir aber nicht gelang.

„Du der Frank, hat dir sozusagen das Leben gerettet,“ meinte Nadine.

„Jetzt übertreibe nich Nadine,“ sagte Frank, der einen roten Kopf bekam.

„Doch, hättest du nicht dem einen Schläger in die Fresse gehauen, dann hätte Nici, den Stuhl voll auf den Kopf bekommen.“

„Das hast du gemacht?“ fragte ich.

„Ja, hab ich.“

„Danke Frank.“

„Nichts zu danken, war doch selbstverständlich.“

„Ist es nicht, ich weiß wie sehr du Gewalt verabscheust.“

„In dem Fall nicht.“

„Ich würde dich, ja jetzt gerne in den Arm nehmen, aber meine Mutter meinte ich solle mich nicht großartig bewegen, weis zwar nicht warum, aber ich halt mich dran. Was macht Jost?“

Betroffen schauten die beiden sich an.

„Was ist los, sagt doch einer von euch was.“

Nadine schaute auf den Boden und fing leise an zu sprechen.

„Er liegt immer noch in Koma, im künstlichen Koma. Seine Kopfverletzung war doch sehr schwer, aber sein Zustand wäre stabil, erzählte mir seine Mutter.“

„Noch nicht aufgewacht…,“ sagte ich.

„Nein, er hatte nicht soviel Glück wie du.“

Ich fing wieder an zu weinen.

„He Kleiner, er wird wieder auf die Beine kommen, da bin ich mir sicher,“ sagte Frank.

Ich versuchte mich ein wenig zu bewegen, weil es mir unbequem wurde, lies es aber sein als ich einen stechender Schmerz in der Brustgegend spürte, ich verzog mein Gesicht.“

„Du hast drei Rippen gebrochen, deswegen die Schmerzen,“ sagte Nadine und nahm meine Hand in die Ihre.

„Was noch?“ fragte ich.

Sehr viele Prellungen, Blutergüsse, na ja und dein Gesicht.. wenn es wieder abgeschwollen ist, siehst du wieder fast normal aus.“

„Wieso fast.“

„Ich denke mal die Narbe von deiner Kinnverletzung wird bleiben.“

„Oh Mann, was haben die mit mir angestellt?“

„Wären sie von den Rausschmeißern nicht aufgehalten worden, würdest du noch schlimmer aussehen.“

„Und was ist jetzt mit ihnen?“

„Sitzen, mit einer Klage auf versuchten Totschlags, hinter schwedischen Gardinen. Und du kannst sicher sein, da werden sie auch bleiben, so viele Zeugen, wie anwesend waren.“

„Ich kann mich an nichts mehr erinnern, nur noch, dass Jost mich zum Tanzen aufgefordert hat.“

„Kommt wieder.“

„Warum bist du überhaupt so gut informiert,“ fragte ich verwundert Nadine.

„Weil ich mit Frank, jeden Tag seit deiner Einlieferung hier war und deine Mutter hat mir alles erzählt.“

Frank schaute immer noch besorgt drein, hatte aber bisher, noch nichts weiter gesagt.

„Frank, dein Brief….;“ fing ich an.

„Ich weiß, ich hab dir wieder Hoffnungen gemacht…,“ antwortete Frank und schaute weg, „vielleicht wollte ich das auch.“

„Muss ich das jetzt verstehen?“ fragte ich.

„Wie soll ich sagen…, ich lieb dich Nici…, dass wurde mir so richtig bewusst, als du blutend am Boden lagst und ich dachte ich würde dich führ immer verlieren, ich hab festgestellt wie sehr ich dich brauche…“

„Du liebst mich, so richtig mit allem drum und dran?“ Ich war total aus dem Häuschen.

„Ja und ich möchte keine Sekunde mehr ohne dich sein…, wenn du mich überhaupt noch willst… da ist ja noch Jost.“

„Dummerle, ich hab mit Jost nur getanzt und vor allem ich kenne ihn ja nicht mal richtig, auch wenn wir uns geküsst haben, so genau weiß ich das nicht mehr, haben wir?“

„Ja habt ihr,“ meinte Frank.

„Ups, es war ja nur ein Kuss.“

„Hat jemand ein Tempo?“ fragte Nadine, die versuchte ihre Tränen bei sich zu behalten um nicht ihre ganze Schminke zu verschmieren.

„Ich bin so froh, dass ihr euch endlich gefunden habt.“

„Und ich erst,“ sagte ich und grinste über beide Wangen.

„Du Nici, aber trotzdem hab ich immer noch Bedenken wegen Jost,“ meinte Frank.

„Warum eigentlich?“

„Ich hatte vorgestern ein längeres Gespräch mit seiner Mutter.“

„Du hast was?“

„Es waren Schwestern in deinem Zimmer und ich durfte eine Weile nicht rein zu dir, da hat mich eine Frau angesprochen, ob ich dich kennen würde.“

„Ja und?“

„Ich bejahte die Frage, dass wir uns schon länger kennen. Dann erzählte sie, dass sie erst vor drei Monaten in unsere Stadt gezogen waren und Jost, das erstemal seit sie hier wohnten, am Abend fortging.“

Frank legte eine pause ein und atmete tief durch.

„Sie hat mir auch erzählt, dass, als Jost kurz erwachte deinen Namen rief.“

Ich schaute in Franks traurige Augen.

„Frank was hältst du davon, wenn wir uns beide um Jost kümmern, wenn er wieder fit ist?“

„Bist du dir sicher?“

„Ja bin ich, mit dir an meiner Seite, habe ich alle Kraft der Welt.“

„Und wenn du dich doch in ihn verliebst?“

Ich zog unter Schmerzen, Frank zu mir herunter.

„Hör mir mal bitte zu. Seit einem dreiviertel Jahr renne ich dir nun hinter her. Meinst du ich werfe das alles einfach über den Haufen? Frank ich liebe dich, frag Nadine, wie ich darunter gelitten habe, als du dich nicht für mich entscheiden wolltest.“

Nadine nickte ihm zu.

„Ich werde Jost meine Freundschaft anbieten, im Sinne als Freund und nicht Boyfriend, weil die Stelle hat sich jemand anders ergattert, okay?“

„Ja schon in Ordnung, entschuldige,“ meinte Frank.

„Hör auf dich zu entschuldigen, und gib mir endlich einen Kuss.“

Schüchtern drückte mir Frank ein Kuss auf meine Lippen, ich hob die Arme und drückte ihn an mich, was ich aber gleich bereute.

„Aua,“ entfleuchte es mir.

„Das geschieht dir jetzt recht, den Todkranken spielen und schon wieder Jungs abknutschen,“ meine Mum stand in der Tür.

Frank wurde rot und gesellte sich wieder zu Nadine.

„Und können wir endlich gratulieren, und den Miesepeter von Sohn endlich zu den Akten stellen?“ fragte mein Paps.

„Ihr wisst…?“

„Ja Nadine war so nett uns aufzuklären, warum unser Sohn das letzte halbe Jahr so unausstehlich drauf war,“ sagte meine Mum.

Ich schaute zu Nadine, die mich nur angrinste.

„Und was ist mit Jost?“ fragte mich Paps.

„Jetzt fängst du auch noch damit an, ich habe ihn doch nur geküsst.“

„Das habe ich bei deiner Mutter auch gesagt, und eine Woche später war ich auch weg vom Markt.“

„Und zehn Monate später warst du auf der Welt.“

„Hattet ihr es so eilig?“

„Nein nicht aufgepasst,“ kam es von meinem Paps.

„So genau wollte ich das nicht wissen, oh Mann was habe ich mir da für Eltern geangelt.“

„Die wohl verständnisvollsten und liebsten Eltern die du dir Wünschen kannst,“ kam es von Nadine, „denke nur an Yannick, wie es ihm ergangen ist.“

„Yannick, der mit dir die Schreinerlehre gemacht hat?“

„Genau der,“ beantwortete ich die Frage meine Mum.

„Was ist mit dem passiert?“

„Er wurde von seinem Vater im Bett mit einem Jungen erwischt,“ sagte Nadine.

„Und was ist da dabei?“ fragte mein Dad verwundert.

„Er ist Religionslehrer.. er hat ihn danach rausgeschmissen und gemeint er hat keine Sohn mehr.“

„Uhhh – das ist hart…“ kam es von meinem Vater.

„So viel Glück wie ich hat halt niemand, ich glaube ich sollte wieder zu meinen Eltern ziehen,“ meinte ich.

„Schade eigentlich, das man Kinder nicht zurückgeben kann,“ meinte mein Dad und meine Mum fing laut an zu lachen.

„Wie war das mit liebsten Eltern?“ fragte ich Nadine.

Jetzt stimmten alle ins Lachen ein auch ich.

Als sich alle verabschiedet hatten lag ich da in meinem Bett und meine Gedanken kreisten um Jost. Ich drückte den Schwersternknopf und es dauerte nicht lange und es kam jemand.

„Was ist mit unserem jungen Herrn,“ fragte die Schwester.

„Ich habe da eine Frage. Es wurde doch ein anderer Junge mit mir eingeliefert.“

„Du redest sicherlich von Jost, der nicht so viel Glück hatte?“

„Genau Jost, liegt der eigentlich auf der Intensivstation?“

„Nein nicht mehr, er hat sich soweit stabilisiert. Aber er bleibt unter Beobachtung.“

„Liegt er wie ich alleine im Zimmer?“

„Nein ein älterer Herr ist sein Bettnachbar.“

„Ähm.. ich weiß nicht wie ich es sagen soll. Ich weiß ich bin Privatpatienten und habe anrecht das ich hier alleine liege, besteht aber die Möglichkeit, den Jost hierher zu verlegen?“

„Bist du dir da sicher, ich weiß auch nicht ob das geht, muss erst mit dem leitenden Arzt reden.“

„Würden sie das bitte für mich machen, es wäre mir sehr wichtig.“

„Du weißt aber, das er noch ohne Bewusstsein ist.“

„Eben drum, ich wäre gern in seiner Nähe.“

„Junger Mann ich kann dir nichts versprechen, ich werde sehen was ich tun kann.“

„Danke.“

Das alles hatte mich doch jetzt ein wenig in Anspruch genommen, bald darauf schlief ich ein.

Früh morgens wurde ich geweckt. Zwei Schwestern waren in meinem Zimmer zu Gange und räumten ein wenig um.

„Morgen, was ist denn hier los?“ fragte ich noch nicht richtig wach.

„Doktor Sprengler hat ihre Idee gut geheißen, Jost zu ihnen ins Zimmer zu legen,“ kam es von der einen Schwester.

„So früh am Morgen?“

„Jetzt haben wir noch Zeit, später stehen ein paar Operationen an, und da wissen wir nicht wie wir rum kommen.“

„Darf ich auf stehen?“

„Dem steht nichts im Wege.“

Ich versuchte mich auf zurichten, bekam aber fürchterliche Schmerzen im Brustbereich.

„Nicht so,“ meinte die eine Schwester, „du belastest deine Rippen, dass ist nicht gut. Versuch dich auf die Seite zu rollen, ja genauso und nun stütz dich mit der Hand ab und drück dich hoch.“

Und schon saß ich auf meinem Bett. Ich hielt mich am Bettende fest und stand auf. Meine Beine fühlten sich ein weich an, aber es ich konnte mich fortbewegen.

„Und geht es?“

„Ja, ein wenig unsicher aber bis zur Toilette schaff ich es.“

Wenn mein Dad heute kam musste er mir helfen von diesem Leichenhemd loszukommen und vor allem unten rum was richtiges, ich fühlte mich mit eine mal so nackt. Auf der Toilette fühlte ich mich wie Gott als ich’s endlich laufen lassen konnte.

Draußen im Zimmer war ein rechter Tumult. Ich drückte die Spülung und wollte die Toilette verlassen, aber es stand jemand vor der Tür.

„Moment noch sie dürfen gleich heraus,“ hörte ich jemanden rufen.

So langsam wünschte ich mir mein Bett zurück, weil es mir irgendwie schwindlig wurde. Ich drückte noch mal die Klinke herunter, aber die Tür ging immer noch nicht richtig auf. Mir blieb nichts anderes übrig ich musste mich wieder auf die Schüssel setzen.

Plötzlich ging die Tür auf. Ein junger Mann stand vor mir.

„So jetzt können sie, oh, sie sehen aber nicht gut aus.“

„Nee, mir ist auch total schwindlig,“ sagte ich.

„Schwester Erika, helfen sie mir mal, dem Patient geht es nicht gut,“ sagte der junge Mann, ich vermutete er war ein Zivi.

„Aha, hat der Herr Drehmel, sich zu viel zugemutet,“ kam es von Schwester Erika.

Zusammen halfen sie mir aus der Toilette raus. Dann sah ich, dass Jost schon im Zimmer stand. Ich sah den dicken Verband an seinem Kopf. Mir kamen unweigerlich die Tränen, als ich ihn so liegen saß.

„Ihm geht es soweit gut Herr Drehmel, er schläft nur, er ist nicht mehr im Koma,“ meinte der junge Mann.

„Nicolas,“ sagte ich.

„Wie?“

„Ich heiße Nicolas, kannst ruhig du zu mir sagen.“

„Ach so, danke Nikolas, ich bin Benny.“

Benny und Schwester Erika halfen sich mir, mich wieder ins Bett zulegen, die Rippen schmerzten.

„Soll ich dir was gegen die Schmerzen bringen?“ fragte Benny besorgt.

„Nein danke, sie sind nur da, wenn ich mich so bewege, es geht mir gleich wieder besser.“

Benny nickte mir zu und verlies mit der Schwester das Zimmer.

Ich schaute zu Jost hinüber. Er schien tatsächlich zu schlafen, er atmete ganz ruhig. Da standen einige Geräte herum, an denen er angeschlossen war. Ich versuchte wieder aufzustehen und es gelang mir dies ohne Schmerzen hinzubekommen.

Langsam lief ich zu seinem Bett hinüber und lies mich bei ihm am Bett nieder. Ich erschrak ein wenig, als ich sein Gesicht genauer sehen konnte. Sein linkes Auge war noch geschwollen und seine Gesichtsfarbe war er blau und grün.

Mir kamen wieder die Tränen… mein Gott Jost, was haben sie nur mit dir gemacht.. Vorsichtig strich ich im über den Arm. Er regte sich und öffnete die Augen, zumindest das Rechte, mit dem Linken war das wohl nicht möglich.

„Hallo Jost..“ sagte ich leise.

„Nici,“ kam es fast nicht verständlich zurück.“

„Ja ich bin es, aber nichts sagen, dass strengt dich nur an, schlaf ruhig weiter, ich bin ja jetzt da.“

Er schloss die Augen und ich sah ein kleines Lächeln auf seinem Mund. Ich streichelte noch mal über den Arm und ging langsam zu meinem Bett zurück.

Kaum lag ich wieder in meinem Bett kam Benny wider herein. Er trug ein Tablett mit meinem Frühstück herein.

„Wo ist Schwester Isabelle, die das sonst immer bringt?“ fragte ich.

„Du musst jetzt mit mir vorlieb nehmen, ich war für Jost eingeteilt, und nun habe ich euch beide,“ sagte Benny.

„So war das nicht gemeint, sorry.“

„So habe ich es auch nicht verstanden,“ meinte Benny und stellte grinsend mein Tablett ab.

Am Mittag kam mein Dad vorbei.

„Du Dad könntest du mir helfen, was anderes an zuziehen, ich fühl mich net wohl in den Sachen.“

Er ging an den Schrank und zog ein Tshirt und Shorts heraus.

„Das hier?“ fragte er.

„Ja genau.“

Er kam zurück und half mir mich aufzurichten. Das Hemdchen war rasch vom Körper gestreift. Das Tshirt anzuziehen, war dann schon schwieriger, denn immer wenn ich die Arme hob, stach es mir in die Seite wo der Verband saß.

Meine Vater schaffte es dann doch es ohne größere Schmerzen anzuziehen. Jetzt war die Shorts dran. Ich wurde rot.

„Keine Sorge junger Mann, so was habe ich auch und bei anderen habe ich so was auch schon gesehen,“ meinte er.

Er streifte mir dieses Netzteil herunter und zog mir die Shorts an.

„Danke Dad, jetzt fühle ich mich schon wohler.“

Er schaute zu Jost hinüber.

„Ihn hat es ja ganz schön erwischt, da hattest du ja wirklich Glück. Warum steht er denn überhaupt in deinem Zimmer?“

„Weil ich darum gebeten habe.“

„Du hast darum gebeten? Warum?“

„Weil ich in seiner Nähe sein wollte. Er hat ja ständig nach mir gefragt, wenn er mal wach wurde.“

„Hast du keine Angst er könnte sich Hoffnungen machen, dass er vielleicht…?“

„Du meinst feste Freundschaft und so? Da werde ich mit ihm reden müssen. Ich bin jetzt mit Frank zusammen. Ich bitte ihm meine Freundschaft an, ihm zu helfen aber mehr nicht.“

„Das brauchst du dir keine Sorgen zu machen…,“ kam es vom Nachbarbett.

Mein Vater und ich schauten rüber, Jost war anscheinend wach geworden.

„Meine Mutter hat mir schon erzählt, das du mit Frank zusammen bist….,“ ich merkte das Sprechen fiel ihm schwer.

Mein Vater half mir auf, ich wackelte zu Josts Bett hinüber.

„Schlimm?“ fragte ich.

Jost versuchte den Kopf zu schütteln. Ich hob seine Kopf fest.

„Nicht, ich seh es an deine Augen was du sagen willst.“

„Ich werde dann mal gehen, meine Mittagspause ist bald rum,“ sagte mein Dad und verabschiedete sich von uns.

Ich nahm Josts hand und streichelte sie.

„Es tut mir leid, das es so ausgegangen ist, du bist wirklich süß, aber ich liebe Frank.“

„… macht nichts… „ kam es von Jost, „.. hätte mich auch gewundert, jemanden zu finden.“

„He du Schwarzmaler, es gibt so viele Jungs, die nur drauf warten, dich zu bekommen.“

Jost versuchte zu lächeln.

„Guck doch wie ich aussehe, wer … wer will mich denn.“

„Mensch Jost, das geht auch wieder weg, die Schwellungen. Auch die grünen und blauen Flecken.“

„Und ..und was ist mit meinem Bein?“

„Ähm was soll mit deinem Bein sein?“

„Ich kann es nicht bewegen.“

Erschrocken schaute ich ihn an. Ich stand langsam auf und schlug langsam seine Decke zurück.

„Welches, das da?“

Ich strich langsam über den Schenkel.

„Ja das, ich …. kann es nicht bewegen, aber es tut weh.“

Ich drückte den Schwesternknopf, und wenig später kam Schwester Isabelle herein.

„Ah Jost ist wach, hallo,“ sagte sie.

„Ihm tut das Bein weh aber er kann es nicht bewegen,“ sagte ich besorgt.

„Das ist leider normal, Jost war ein paar Mal ohne Bewusstsein, es kann sein, das noch nicht alle Körperglieder so gehorchen wie er möchte,“ antwortete sie.

„Es ist aber nicht gelähmt oder?“ fragte ich.

„Nein es ist alles im grünen Bereich bei Jost, er muss nur seine Prellungen und die Hirnerschütterung hinter sich bringen, dann geht alles wieder seinen gewohnten Weg.“

Ich hörte wie Jost tief ausatmete. Schwester Isabelle deckte Jost wieder zu.

„Kann ich noch irgendetwas für dich tun?“ fragte Schwester Isabelle Jost.

„.. ich hab Durst…“

„Moment ich bring dir gleich was.“

Sie verließ das Zimmer und kam mit Schwester Erika zurück. Langsam wurde sein Bett höher gestellt und Schwester Erika hob vorsichtig seinen verbunden Kopf an. Schwester Isabelle hob ihm eine Schnabeltasse an den Mund und Jost versuchte zu trinken.

Er begann zu Husten.

„Langsam trinken, ermahnte Schwester Erika.“

Ich musste mich setzten. Ich war wohl doch noch nicht fit genug, es war das zweite Mal, das mir heute schwindlig wurde.

„Was ist das für ein Zeug?“ hörte ich Jost fragen.

„Das Zeug nennt man Tee junger Mann,“ meinte Schwester Erika und ich sah wie Schw. Isabelle grinste.

„Das schmeckt ekelig.“

„Tja, Cola kann ich dir noch keins geben.“

„Wasser würde mir schon reichen.“

„Sein Kopfende wurde wieder heruntergefahren.“

„Kann ich nicht noch so ein bisschen bleiben?“ kam es von Jost.

„Ja, aber wenn deine Kopfschmerzen stärker werden, machen wir es wieder runter.“

„Okay.“

Es klopfte an der Tür. Eine Frau kam herein.

„Hallo Schatz, warum wurdest du in ein anderes Zimmer gelegt?“

„Hallo Mum,“ kam es von Jost.

Die Schwestern verließen das Zimmer.

„Auf meinen Wunsch, Frau… ,“ sagte ich.

„Ziegler, aber sag ruhig Evelyn zum mir, du bist sicher Nicolas.“

„Ja bin ich,“ und gab ihr meine Hand.

Dann legte ich mich entgültig in mein Bett zurück, bevor ich noch auf dem Boden landete.

„Und warum hast du Jost in dein Zimmer legen lassen?“

„Weil ich dachte, er soll nicht mit einem Fremden im Zimmer liegen, so hat er jemanden mit dem er reden kann. Und ich kann ihm helfen wenn er was braucht.“

„Das ist lieb von dir,“ meinte Evelyn.

Die Tür ging auf und Benny kam herein, mit dem Mittagessen.

„So die Herren es gibt was zu essen,“ meinte er und stellte mein Tablett ab.

„Und dich werde ich wohl füttern müssen,“ sagte er zu Jost und grinste dabei.

Der saß nur da und wusste nicht wie ihm geschieht.

„Jungs ich geh mal schnell in die Cafeteria und trink eine Kaffee, bis ihr fertig seid,“ meinte Evelyn und war schon verschwunden.

„So jetzt aber Mund auf, ein Löffelchen für Mami,“ sagte Benny.

„Nici hilf mir, was sitzt da auf mir?“ sagte Jost.

„Das ist nur Benny unser Zivi,“ meinte ich, während ich versuchte ohne Schmerzen mir ein paar Nudeln reinzuschieben.

„Sehen alle Zivis so süß aus?“ frage Jost.

Ich verschluckte mich am Essen und prustete alle hinaus. Schnell war die Sauerei, wieder weg gewischt.

„Du scheinst dich wirklich schnell zu erholen,“ meinte ich und wischte die Reste noch mit der Serviette weg.

„Wieso, Tatsachen darf man doch sagen.“

Benny saß mit hochroten Kopf vor Jost und hatte aufgehört ihn zu füttern. „Der Kleine ist rotgeworden, ist das nicht goldig?“

„Jost hör doch auf, es gibt Mensachen denen dass unangenehm ist.“

„Hast du das ernst gemeint?“ meldete sich Benny zu Wort.

„Was?“ fragte Jost.

„Das du… du mich süß findest.“

„Natürlich finde ich das!“

„Das hat noch niemand zu mir gesagt.“

Jost wollte gerade antworten, als die Tür aufging und Schwester Erika reinkam.

„Benjamin kannst du mal kommen, wir haben einen Notfall und jemand müsste im Schwesternzimmer bleiben.“

„Und wer füttert mich?“ fragte Jost.

„Also ich weiß junger Herr, das du zwei gesunde Arme und Hände hast und eigentlich selber essen könntest. Also komm Benjamin.“

Benny schaute Jost fassungslos an der zu Grinsen begann. Er stand auf und verlies mit Schwester Erika das Zimmer.

„Dir scheint es wirklich besser zu gehen,“ meinte ich.

„Stimmt, mir geht es heute viel besser, liegt wahrscheinlich an deiner Gesellschaft. Aber wärst du so freundlich und würdest du mein Bett runterfahren, mein Kopfweh wird wieder stärker.“

„Ähm Kleiner, das Ding das vor dir hängt…. damit kannst du es selber machen.“

„Mist du merkst auch alles.“

Wir fingen beide an zu lachen, was wir aber gleich vor Schmerzen bereuten.

Nachdem Benny das Essen abgeräumt hatte, und sich Evelyn wieder verabschiedet hatte, schliefen wir beide wieder ein. Nach dem Abendessen wurde unser Zimmer richtig voll. Meine und Jost Eltern kamen und Nadine und Frank waren ebenfalls da.

Wir hatten viel Spass miteinander, aber nach dem Jost doch schnell müde wurde, gingen sie alle. Frank verabschiedete sich sogar mit einem Kuss von mir. Irgendwie konnte ich dann doch nicht einschlafen.

Etwas später hörte ich wie dir Tür sich öffnete, ich machte mein Licht an. Vor mir stand Benny.

„Was willst du denn so spät hier,“ fragte ich.

„Mir geht, dass nicht mehr aus dem Kopf was Jost heute morgen zu mir gesagt hat.“

„Und deswegen bist du hier?“

„Ja ich bin seid her total nervös und wollte wissen ob er das ernst meint.“

„O Benny, was soll ich dazu sagen. Jost hat schon recht du siehst verdammt gut aus, und wie ich es beurteilen kann bist auch sehr lieb.“

Trotz des schwachen Lichtes meiner Lampe sah ich das Benny rot wurde.

„Und Jost hat keinen Freund?“

„Nein,“ kam es von Josts Bett und wir fuhren zusammen.

„Sorry, ich wollte dich net wecken,“ meinte Benny.

„Ist gut, ich bin wegen meiner wahnsinnigen Kopfschmerzen aufgewacht, ich hab nen Druck auf der Birne, ich glaub die platz bald.“

„Soll ich die Nachtschwester rufen?“

„Ja wäre net,“ meinte Jost.

Jost sauste hinaus, und gleich kam die Nachtschwester, nach kleinen Untersuchungen bekam Jost eine Spritze.

„Ja ist gut, ich bleib bei ihm sitzen, bis er eingeschlafen ist,“ meinte Benny zur Nachtschwester, die das Zimmer verlies.

„Und wirkt die Spritze schon?“ fragte Benny Jost.

„Ja, als würd jemand die Luft rauslassen…. auf deine Frage von vorhin zurück zukommen, nein ich habe keinen Freund und hatte noch keinen. Ich bin noch zu haben.“

„Für mich auch?“

Mein Kopf fuhr herum und ich schaute Benny erstaunt an.

„Hab ich richtig gehört?“ fragte ich

Jost schaute zu mir rüber und wirkte recht verlegen.

„Ja hast du, ich finde Jost sehr interessant und ich glaube ich hab mich in ihn verguckt.“

„Dacht ich mir es doch dass du schwul bist,“ meinte ich.

„Sieht man mir es so an?“

„Nein Benny keine Sorge. Aber so wie du mit uns umgehst, wie du dich liebevoll um Jost kümmerst, da kam mir der Gedanke.“

„Wäre toll, wenn ich mich auch nach dem Krankenhaus weiterhin um Jost kümmern könnte.“

„Jost, was meinst du dazu?“

Er antwortete nicht mehr, denn er war mit einem Lächeln auf den Lippen eingeschlafen.

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Die Brüder – Teil 8

Ich saß ein wenig am Flügel im Wohnzimmer spielte ein wenig die Melodie meines Lies, als Kai dazu kam. Mir fiel das Lied ein, das in Deutschland zurzeit so oft lief. Ich fing einfach an zu spielen.

Ich spür dich in meinen Träumen

Ich schließ dich darin ein

Und ich wird immer bei dir sein

Ich halt dich wie den Regenbogen Continue reading

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Die Brüder – Teil 7

Es waren vier Monate vergangen, seit dass mit Kai passierte. Phillip war mittlerweile zu uns gezogen und nun standen die großen Ferien an. Aber ohne meinen Kai, konnte ich mich nicht recht freuen.

Ich lag auf meinem Bett, hatte sein Bild in der Hand und Tränen in den Augen. Die Tür ging auf und Phillip kam herein.

„Mensch Sebastian, lass dich doch nicht so hängen. Continue reading

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Die Brüder – Teil 6

„Na schon aufgeregt?“, fragte Opa.

Mein Opa fuhr uns drei zum Tourmanagement Skylife. Dort waren wir mit Max verabredet.

„Natürlich bin ich aufgeregt, Opa. Wärst du auch wenn jemand von dir was veröffentlichen will.“

„Von mir will ja niemand was veröffentlichen, wäre ja noch schöner.“

Phillip und Kai fingen an zu Grinsen. Kai nahm meine Continue reading

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Die Brüder – Teil 5

„Das war die beste Idee, seit langem hier her zu gehen, Clarissa.“

„Und das hätten wir schon so viel früher haben können, Elisabeth.“

„Ja, schau nur wie verliebt die beiden sind, die Fressen sich ja bald auf.“

Michael musste grinsen. Continue reading

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